Sonntag, 6. Oktober 2013

Exquisite Corpse – Inner Light




Exquisite Corpse – Inner Light


Besetzung:

R. Heinen – programming and mixing
D. Jones – programming and mixing


Label: KK Records


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Electronica, Ambient House


Trackliste:

1. Point Zero (3:06)
2. Shadow Play (5:37)
3. Cantadora (5:31)
4. Passage (3:35)
5. Calling The Quarters (5:31)
6. Inner Rhythm (5:38)
7. Between Worlds (3:30)
8. Tepu (7:15)
9. One (4:51)
10. Between Worlds (2:05)

Gesamtspieldauer: 1:19:07




Meine Nerven kann Musik nervig sein. Exquisite Corpse fabrizierten elektronische Musik, die zwar meist sehr rhythmisch ist, einem dadurch allerdings auch unglaublich schnell auf den Senkel geht. Man kommt beim Hören irgendwie nicht zur Ruhe. Das Album macht einen kirre, man verspürt innere Unruhe beim Hören und möchte nur noch loslaufen, all den Stress loswerden, der sich da wohl gerade am Tag aufgebaut hat – bis man feststellt, das ist kein Stress, das ist die Musik. Auf dem Album „Inner Light“ von Exquisite Corpse werden dem Hörer Töne oder kurze Tonfolgen kredenzt, die immer und immer wieder Mantra artig wiederholt werden. Und es sind immer die gleichen Töne! Ohne Melodie, ohne offensichtliche Tonfolge, dafür mit jeder Menge Rhythmus aus der Rhythmusmaschine.

Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts scheint das hip gewesen zu sein. Anders ist es kaum zu erklären, dass die Songs alle mindestens sechs Minuten lang sind, ineinander übergehen und man bereits nach kurzer Zeit nicht mehr weiß, wo rechts oder links ist. Ambient ist das auch nicht wirklich, dazu ist alles viel zu sehr an den Nerven zerrend, entspannen kann man sich mit dem Gehörten wahrlich nicht. Abtanzen geht aber auch kaum, dazu ist das Ganze dann manches Mal doch zu unrhythmisch oder aber auch zu abgefahren, wenn nur noch ein Gebrumme aus dem Hintergrund ertönt, welches durch seltsame Hupgeräusche (?) unterbrochen wird.

Fazit: Das Schöne an der Musik ist, dass sich über Geschmack trefflich streiten lässt. Allerdings nehme ich hier nur noch Töne wahr, die mir zuzuordnen sehr schwer fällt. Musik ist das im eigentlichen Sinne für mich nicht mehr. Eher am Synthesizer erzeugte Geräusche, die laufend wiederholt werden, die man sich anhören kann, aber glücklicherweise nicht anhören muss. Für die Mühe des Programmierens gibt es immerhin vier Punkte.

Anspieltipps: Cantadora, Tepu



Samstag, 5. Oktober 2013

AC/DC – Blow Up Your Video




AC/DC – Blow Up Your Video


Besetzung:

Angus Young – lead guitar
Malcolm Young – rhythm guitar
Brian Johnson – vocals
Cliff Williams – bass guitar
Simon Wright – drums


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: Hard-Rock


Trackliste:

1. Heatseeker (3:50)
2. That's The Way I Wanna Rock'n'Roll (3:45)
3. Meanstreak (4:08)
4. Go Zone (4:26)
5. Kissin' Dynamite (3:58)
6. Nick Of Time (4:16)
7. Some Sin For Nuthin' (4:11)
8. Ruff Stuff (4:29)
9. Two's Up (5:20)
10. This Means War (4:32)

Gesamtspieldauer: 42:57




„That's The Way I Wanna Rock'n'Roll“ singt Brian Johnson auf dem zweiten Titel des 1988 erschienenen zehnten Studio-Albums „Blow Up Your Video“ der Australier von AC/DC. Da muss ich ihm aber leider widersprechen, denn so will ich den Rock’n’Roll irgendwie doch nicht. „Blow Up Your Video“ reiht sich in die Platten der Hard-Rocker aus den 80er Jahren ein (mit Ausnahme von „Back In Black“), die nicht unbedingt essentiell im Schaffen der Hard-Rock-Formation waren. Zwar wird auch auf „Blow Up Your Video“ gerockt, dass die Wände wackeln, aber es ist eben nicht mehr das Besondere vorhanden, was auf den ersten Platten AC/DC’s immer zu finden war: Dieses markerweichende Riff, diese knallharte und packende Melodie, dieses unbeschreibliche Solo.

„Blow Up Your Video“ ist erneut nur ein durchschnittliches Werk der Australier geworden, auf dem die großen Höhepunkte fehlen, welches aber handwerklich wirklich gut gemachten Hard Rock für den Hörer bereithält. Allerdings ist das jetzt bereits das vierte Album in Folge, bei dem die Lieder so ein klein wenig austauschbar klingen. Das sollte sich mit den nächsten beiden Platten wieder etwas relativieren, denn dort gibt es diese Übersongs dann wieder, die man hier noch ein wenig vergeblich sucht - obwohl hier bereits ein Schritt in die richtige Richtung auszumachen ist, wenn man dieses Album mit den drei Vorgängern vergleicht. Hier zünden die Songs nun doch wieder ein wenig härter und besser und man bleibt nicht nur etwas taub und ratlos zurück.

Unten angegebene Anspieltipps heben sich für mich dann doch ein wenig aus der etwas eintönigen Rock-Melange heraus und haben auch diesen gewissen Wiedererkennungswert, den man für sich in der Musik immer zu finden hofft. Keine Übersongs à la „Let There Be Rock“ oder „The Razors Edge“, allerdings doch Titel, die ich nicht missen möchte, die eine gute AC/DC-Sammlung bereichern.

Fazit: Für mich das Beste der vier nach „Hells Bells“ erschienenen Alben AC/DC’s. Das ist zwar kein Vergleich mehr zu den früheren Veröffentlichungen der Band, wer jedoch auf Hard Rock steht, der wird hier auch was für sich finden. Die guten Ansätze sind auf „Blow Up Your Video“ deutlicher vorhanden, als noch auf den drei Vorgängern. Head-Banging, der auch wieder Spaß macht, ist hier wieder eher möglich. Immer noch keine gute Platte, aber besser als die vorherigen Alben allemal. Acht Punkte

Anspieltipps: Go Zone, Nick Of Time, Ruff Stuff, Two's Up, This Means War




Freitag, 4. Oktober 2013

Audioslave – Audioslave




Audioslave – Audioslave


Besetzung:

Chris Cornell – vocals
Tim Commerford – bass
Brad Wilk – drums
Tom Morello – guitars


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Cochise (3:42)
2. Show Me How To Live (4:38)
3. Gasoline (4:39)
4. What You Are (4:09)
5. Like A Stone (4:54)
6. Set It Off (4:23)
7. Shadow On The Sun (5:43)
8. I Am The Highway (5:35)
9. Exploder (3:26)
10. Hypnotize (3:27)
11. Bring Em Back Alive (5:30)
12. Light My Way (5:04)
13. Getaway Car (5:00)
14. The Last Remaining Light (5:17)

Gesamtspieldauer: 1:05:27




Knallharten Rock präsentieren die vier Mannen von Audioslave auf ihrem Debut-Album aus dem Jahr 2002, welches sie gleichzeitig mit dem Namen ihrer neuen Formation betitelten. Die Band veröffentlichte während der Zeit ihres Bestehens insgesamt drei Alben und setzte sich aus dem Ex-Sänger von „Soundgarden“ Chris Cornell, sowie dem Bassisten Tim Commerford, dem Gitarristen Tom Morello und dem Drummer Brad Wilk zusammen. Die letzten drei genannten Musiker stellten bis zu diesem Zeitpunkt die Instrumentalisten der Band „Rage Against The Machine“ dar.

Es wird kompromisslos gerockt auf Audioslave von Audioslave, wobei die vier Musiker im Booklet vermerken ließen: „All Sounds Made By Guitar, Bass, Drums And Vocals“. Beim Titel „Light My Way“ ist diese Aussage sogar überraschend, denn da kommt man an manchen Stellen gar nicht umhin, einen Synthesizer hinter dem Sound zu vermuten. Sei’s drum. Audioslave machen puren, straighten, kompromisslosen Rock. Kein Lied weicht von dieser Vorgehensweise ab. Rockfreunde der härteren Gangart kommen hier also bestens auf ihre Kosten. Wird es dann in einem Lied doch mal etwas zurückhaltender und melodiöser wie beim wahrlich gelungenen „I Am The Highway“, so stellt das immer nur einen kurzen Einschub dar und ist meilenweit davon entfernt, ein irgendwie weichgespülter Song zu sein. Einzige Ausnahmen unter all diesen doch eher Hochgeschwindigkeitssongs stellen die beiden letzten Titel dar. Da ist zum einen das eher bluesige „Getaway Car“ und das fast schon balladeske und sehr viel besser gelungene „The Last Remaining Light“.

Die vier Musiker von Audioslave verstehen ihr Handwerk, da ist vom kräftigen Headbanging bis zum entspannten Mitwippen alles vertreten, was das Herz eines richtigen Rockers höherschlagen lässt. Der Fokus liegt jedoch ganz klar auf den schnelleren Riffs, den härteren Sounds, die das Album zu einer absolut unverweichlichten Hard-Rock-Platte werden lassen.

Fazit: Für Freunde des Hard’n’Heavy genau das Richtige. Hier kann man sich austoben und bekommt jede Menge fetten Gitarrensound auf die Ohren. Dass Chris Cornell gut singen kann, hat er bereits bei Soundgarden bewiesen. Und auch die drei anderen Instrumentalisten verstehen ihr Handwerk, sodass die Platte Audioslave von Audioslave ein wahrer Rocker geworden ist. Mir fehlen allerdings die Riffs und Melodien, die mir so gar nicht mehr aus den Ohren gehen wollen, die ich sofort mit der Musik von Audioslave in Verbindung bringe. Das ist gute Hard Rock Kost, die ich hier höre - aber ich habe bei dieser Art der Musik auch schon besser gespeist. Geschmackssache eben. Acht Punkte.

Anspieltipps: Gasoline, I Am The Highway, The Last Remaining Light





Donnerstag, 3. Oktober 2013

Eels – Hombre Lobo – 12 Songs Of Desire




Eels – Hombre Lobo – 12 Songs Of Desire


Besetzung:

E – vocals and guitar


Gastmusiker:

Knuckles – drums
Koool G Murder – bass guitar


Label: E Works Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Prizefighter (2:53)
2. That Look You Give That Guy (4:15)
3. Lilac Breeze (2:36)
4. In My Dreams (3:23)
5. Tremendous Dynamite (2:46)
6. The Longing (4:22)
7. Fresh Blood (4:25)
8. What's A Fella Gotta Do (3:25)
9. My Timing Is Off (2:58)
10. All The Beautiful Things (2:22)
11. Beginner's Luck (3:38)
12. Ordinary Man (3:18)

Gesamtspieldauer: 40:20




Das im Jahr 2009 erschienene Album der Eels mit dem Titel „Hombre Lobo – 12 Songs Of Desire“ stellt den ersten Teil einer Trilogie dar, die im darauffolgenden Jahr mit den Alben „End Times“ und „Tomorrow Morning“ ihren Abschluss finden sollte. Alle drei Alben werden durch die Überschrift „Liebe“ zusammengehalten, wobei auf „Hombre Lobo“ das Thema „Begierde“ im Vordergrund steht.

Musikalisch unterscheidet sich „Hombre Lobo“ deutlich von den zwei folgenden Platten, bei denen hauptsächlich die sanfteren Töne im Vordergrund stehen. Diese gibt es zwar ebenfalls auf „Hombre Lobo“, jedoch wird hier auch gerockt. Dieser Umstand hat wiederum zur Folge, dass dieses Album uneinheitlicher, gleichzeitig allerdings auch abwechslungsreicher gestaltet ist. So startet die Platte mit dem Titel „Prizefighter“, einer rockigen und groovenden Nummer, bei der ein Stilmittel eingesetzt wird, welches auf „Hombre Lobo“ noch öfters zu bestaunen beziehungsweise zu hören ist: Die Stimme des Marc Oliver Everett wird an den lauteren Stellen deutlich übersteuert wiedergegeben. Das wirkt ein wenig gewöhnungsbedürftig und nicht ohne Grund vermutet man dabei zuerst eine Fehlpressung.

Im weiteren Verlauf wechseln sich die flotteren mit den ruhigeren Titeln in schöner Regelmäßigkeit ab. Und dabei befinden sich sowohl in der rockigeren Fraktion der Titel, wie in den sanfteren Ausführungen der Lieder richtig tolle Nummern, die gehört zu werden lohnen. Ein wenig gelungener wirken dabei zwar die ruhigeren Titel, aber auch das Lied „Tremendous Dynamite“ zum Beispiel, in dem auch der Album-Titel seine Erwähnung findet, ist eine klasse Rock-Nummer, die einfach Spaß macht. Allerdings auch hier mit der kleinen Einschränkung der übersteuerten Stimme, was das Ganze dann doch ein wenig gewöhnungsbedürftig werden lässt. Gleich im Anschluss daran folgt das überaus sanfte „The Longing“, mit dessen Beginn man sich nun sogar ein wenig an die Beatles erinnert fühlt. Kontrastreich zeigt sich die Platte hier auf jeden Fall.

Und dies ändert sich auch im weiteren Verlauf der Scheibe nicht mehr. „Lautere“ Stücke wechseln sich mit deutlich sanfteren Tönen ab, sodass niemals eine Stimmung entsteht, auf die man sich einstellen kann. Das trägt natürlich zum einen zur Abwechslung bei, zum anderen wirken aufgebaute Stimmungen und entwickelte Atmosphären allerdings auch schnell wieder überholt.

Fazit: Diese Uneinheitlichkeit auf „Hombre Lobo“ erzeugt durchaus Spannung. Trotzdem sind die beiden folgenden Alben der Trilogie des Marc Oliver Everett gelungener, da es dort noch ein paar mehr Titel gibt, die „zünden“, die einen packen und nicht mehr loslassen. Somit ist „Hombre Lobo“ für mich ein eher durchschnittliches Album geworden, was nicht zuletzt auch an dieser mitunter nervigen Übersteuerung des Gesangs liegt. Das kann sicherlich mal ein ganz interessantes Stilmittel sein, zu oft eingesetzt wirkt es aber eher etwas aufgesetzt und auch ein klein wenig nervig. Neun Punkte.

Anspieltipps: That Look You Give That Guy, Tremendous Dynamite, The Longing, All The Beautiful Things





Mittwoch, 2. Oktober 2013

Gong – Expresso II




Gong – Expresso II


Besetzung:

Pierre Moerlen – drums, glockenspiel, vibraphone, xylophone, timpani, tubular bells
Benoit Moerlen – vibraphone, marimba, percussion, tubular bells, glockenspiel, claves, xylophone
Mireille Bauer – marimba, vibraphone
Hansford Rowe – bass, rhythm guitar


Gastmusiker:

Mick Taylor – lead guitar
Allan Holdsworth – guitar
Darryl Way – violin
Francois Causse – congas
Bon Lozaga – guitar


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Jazzrock, Fusion


Trackliste:

1. Heavy Tune (6:26)
2. Golden Dilemma (4:54)
3. Sleepy (7:18)
4. Soli (7:40)
5. Boring (6:26)
6. Three Blind Mice (4:47)

Gesamtspieldauer: 37:31




Wer Gong von seinen Ursprüngen am Anfang der 70er Jahre her kannte, wird schon ein wenig überrascht sein, wenn er dieses Album auf den Plattenteller oder in den CD-Player legt. Von der ursprünglichen Musik, für die Gong damals standen, einer Art Spacerock mit einigen Jazz-Rock Anleihen ist nur noch der Jazz übrig geblieben.

Auf der Platte gibt es keinen Gesang zu hören, genauso sucht man ein Keyboard vergeblich. Die Perkussions-Instrumente stehen bei jedem Titel im Vordergrund. Und davon gibt es hier eine ganze Menge. Neben dem obligatorischen Schlagzeug wird auf Expresso II auch auf dem Glockenspiel, dem Vibraphone, den Congas, Marimbas, Tubular Bells und und und herumgeschlagen. Rhythmus und Groove stehen ganz klar im Vordergrund, der spacige Sound ist nicht mehr anzutreffen. Das bedeutet allerdings auch, dass das ganze Album im Grunde genommen melodienfrei ist. Vieles bewegt sich dabei nahe an der Grenze zum Free-Jazz, klingt ein wenig improvisiert und jederzeit abgefahren.

Man hört schnell, dass hier Leute am Werk sind, die ihr Handwerk verstehen, soll heißen musikalisch ist das top gemacht, was sich auch in der Liste der Gastmusiker wiederspiegelt. Hier gibt es Darryl Way bei zwei Titeln an der Violine zu hören, der sich durch sein Engagement bei Curved Air einen Namen gemacht hat. Und natürlich Mick Taylor, der bei Heavy Tune die Lead-Gitarre spielt und den meisten wohl durch sein Mitwirken bei den Rolling Stones und der Jack Bruce Band bekannt sein dürfte.

Trotz dieses Könnens wirkt das Ganze überaus selbstverliebt, losgelöst von jedweder Harmonie und Melodiösität. Und dabei spielt wohl noch nicht einmal der Umstand eine Rolle, dass sich Gong zu diesem Zeitpunkt im Grunde genommen bereits aufgelöst hatten und nur durch vertragliche Verpflichtungen noch dazu gezwungen waren, eine weitere Platte unter dem Namen Gong für die Plattenfirma zu veröffentlichen.

Fazit: Ganz klar, wer auf Jazz Rock und Fusion steht, der wird hier auf seine Kosten kommen. Wer eher durch die früheren Werken der Band auf diese aufmerksam wurde, der hat hier Probleme, massive Probleme sogar. Bei mir ist das der Fall, „definitely not my cup of tea“. Ich muss hier den Raum verlassen, mich quälen und komme somit kaum in Versuchung die Scheibe nochmals einzulegen. Ein Punkt.

Anspieltipps: Heavy Tune





Dienstag, 1. Oktober 2013

Black Widow – Black Widow




Black Widow – Black Widow


Besetzung:

Kip Trevor – lead and harmony vocals, maracas, tambourine
Jim Gannon – lead, rhythm, acoustic and twelve-string guitars, harmony vocals
Zoot Taylor – organ, piano
Clive Jones – saxophone, flute
Geoff Griffith – bass guitar, harmony vocals
Romeo Challenger – drums, percussion


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Rock, Blues Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Tears And Wine (8:56)
2. The Gypsy (4:31)
3. Bridge Passage (0:30)
4. When My Mind Was Young (5:08)
5. The Journey (5:52)
6. Poser (7:43)
7. Mary Clark (4:06)
8. Wait Until Tomorrow (3:24)
9. An Afterthought (1:10)
10. Legend Of Creation (5:52)

Gesamtspieldauer: 47:12




Was für Musik befindet sich eigentlich auf dem zweiten Album von Black Widow aus dem Jahr 1971, welches seltsamerweise mit dem Bandnamen betitelt wurde, im Gegensatz zur Debut-Platte, die „Sacrifice“ hieß? Nun, so eindeutig lässt sich das nicht beantworten. Von 60ies Pop über Rock, Blues und Jazz-Anleihen hört man auch noch zarte Anleihen in Richtung Progressive Rock, die dieses Mal allerdings deutlich weniger ausgeprägt sind als noch auf dem Erstlingswerk der Briten. Am ehesten bekommt der Hörer diese Stilrichtung noch im Opener „Tears And Wine“ zu Gehör. Rhythmus- und Tempowechsel sind hier genauso vertreten wie Stimmungsvariationen. Einmal ist es ein fetter Orgelsound, der das Stück dominiert, dann steht wieder die rockige Gitarre im Vordergrund und zieht das Tempo an. Sehr gelungen und abwechslungsreich.

„The Gypsy” startet dann mit akustischer Gitarre und ist eine Nummer ganz im Stile der Pop-Musik der 60er. Sehr schön hier der Flöteneinsatz des Clive Jones. In eine ähnliche Richtung geht auch „Mary Clark“. Auch dieses Lied ist eher ein Pop-Song, der ebenfalls durch die Querflöte aufgewertet wird und dabei auch noch eine sehr schöne Melodie aufweist. Wohl der Höhepunkt der gesamten Platte. “When My Mind Was Young” ist dagegen ein eher langweiliges Mid-Tempo-Stück, was sich durch den fast durchgängig eingesetzten, mehrstimmigen Gesang von den anderen Titeln unterscheidet.

„The Journey“ und vor allem „Poser“ sind schließlich Lieder, die sehr in die Richtung Blues-Rock tendieren. Auch fast schon jazzige Abschnitte bekommt man als Hörer hier kredenzt, da wird es dann schon mal etwas atonal. „Wait Until Tomorrow” ist dagegen eine Art Hard Rock Lied, das Tempo wird hier mächtig angezogen, die E-Gitarre steht im Vordergrund und Clive Jones ist jetzt auch mal am Saxophon im Mittelteil zu hören. Blieben noch das kurze und irgendwie lässige „An Afterthought“, welches im Grunde genommen ein Duett aus Gesang und Querflöte darstellt, sowie der Titel „Legend Of Creation“. Letztere Nummer hat man früher wohl „Beat-Musik“ genannt. Dabei sind auch hier mitunter jazzige Anleihen nicht zu überhören.

Fazit: Nun, einheitlich ist das wahrlich nicht, was Black Widow hier dem Hörer auf dem zweiten Album serviert. Die ganzen textlichen Satan-Anspielungen der ersten Platte sind verschwunden, leider auch viele schöne musikalische Einfälle, die auf dem Debut noch zu hören waren. Progressive Rock ist das auch nur noch am Rande und so klingen Black Widow auf Black Widow immer dann am überzeugensten, wenn sie in die Pop-Schiene verfallen, die freilich so überhaupt nichts mit heutiger Pop-Musik gemein hat. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Tears And Wine, The Gypsy, Mary Clark



Montag, 30. September 2013

New Model Army – Between Dog And Wolf




New Model Army – Between Dog And Wolf


Besetzung:

Justin Sullivan – vocals, keyboards, guitar, harmonica
Michael Dean – drums, percussion, cajon, glockenspiel, backing vocals
Dean White – keyboards, guitar, bass arrangements, percussion, backing vocals
Marshall Gill – guitar, percussion, backing vocals
Ceri Monger – bass, drums, percussion, hammer dulcimer, backing vocals


Gastmusiker:

Jade Doherty – layered gospel vocals
Tobias Unterberg – cello
Tom Moth – harp
Charlotte Woods – euphonium and trombone
Will Blackstone – flugelhorn
Chris Powell – cornet and flugelhorn


Label: Attack Attack Records


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Alternative


Trackliste:

1. Horsemen (4:10)
2. March In September (4:01)
3. Seven Times (3:24)
4. Did You Make It Safe? (3:28)
5. I Need More Time (4:52)
6. Pull The Sun (5:25)
7. Lean Back And Fall (3:57)
8. Knievel (3:17)
9. Stormclouds (3:42)
10. Between Dog And Wolf (6:22)
11. Qasr El Nil Bridge (6:59)
12. Tomorrow Came (4:11)
13. Summer Moors (4:23)
14. Ghosts (5:30)

Gesamtspieldauer: 1:03:43




Mit gleich drei Drummern warten die Briten von New Model Army auf ihrem zwölften Studioalbum von 2013 auf. Und dieser Umstand lässt sich auch immer wieder in verschiedenen Titeln auf „Between Dog And Wolf“ nachhören, denn mitunter nimmt das Schlagzeug eine ganz dominante Rolle in den einzelnen Tracks der Platte ein. Das ist gleich beim Einsteiger „Horsemen“ bestens zu hören. Dominierender Rhythmus, dazu der gesummte Hintergrundgesang von Jade Doherty lassen hier eine irgendwie mystisch geartete Stimmung entstehen.

Auch bei „Did You Make It Safe?”, “I Need More Time”, “Qasr El Nil Bridge” und dem letzten Titel “Ghosts” kommen der Perkussions-Fraktion ganz zentrale Rollen zu, wobei “Qasr El Nil Bridge” für New Model Army noch ganz ungewöhnlich mit orientalischen Klängen aufzuwarten weiß. Aber auch die Gegensätze dazu, die balladesken Stücke, werden dem Hörer auf der zwölften Platte der Band präsentiert. Stellvertretend hierfür seien die Titel „Lean Back And Fall” und vor allen Dingen das wunderschöne „Knievel“ erwähnt, was sicherlich einen Höhepunkt der Platte darstellt.

Variationen machen diese Platte aus, sodass auch Freunde des etwas härteren Rocks nicht zu kurz kommen. Immer wieder wird das Tempo angezogen, wobei man wohl kaum von Hard Rock sprechen kann, jedoch von durchaus mitreißendem Rock, der die Füße in Bewegung bringt, denn ein Mitwippen ist hier kaum zu vermeiden. Und dann gibt es da noch den Titeltrack „Between Dog And Wolf“, der zunächst sphärisch, dann rockig aus den Boxen strömt und dabei vom fast unrhythmisch gespielten Glockenspiel lebt, welches diesem Titel einen ganz eigenen und dabei überaus interessanten Anklang einhaucht. Sehr spannend arrangiert das Ganze, wobei sich die Musik zunächst fast schon experimentell, dann immer rockiger ihren Weg zum Ohr des Hörers bahnt.

Fazit: „Between Dog And Wolf“ ist zugegebenermaßen ein Album, was etwas aus der Reihe tanzt in der Diskographie von New Model Army. Neue Wege wurden beschritten, neue Sounds ausprobiert und all dies wird durch den unverwechselbaren Gesang des Justin Sullivan zusammengehalten, der auch dieses Album eindeutig zu einer New Model Army Platte werden lässt. Dazu gesellt sich wieder die Kunst der Band, eingängige Melodiebögen zu entwickeln, die den Hörer einfangen und fesseln und auch nachwirken. „Between Dog And Wolf“ von New Model Army? Sehr lohnenswert! Elf Punkte.

Anspieltipps: Knievel, Between Dog And Wolf, Tomorrow Came




Sonntag, 29. September 2013

Slade – Slade In Flame




Slade – Slade In Flame


Besetzung:

Noddy Holder – lead vocals, rhythm guitar
Dave Hill – lead guitar
Jim Lea – bass guitar, piano
Don Powell – drums


Gastmusiker:

Bud Beadle – baritone saxophone
Ron Carthy – trumpet
Mick Eve – tenor saxophone
Steve Gregory – tenor saxophone
Malcolm Griffiths – trombone
Chris Mercer – baritone, tenor saxophone
Eddie Quansah – trumpet
Chris Hammer Smith – trombone


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Glam Rock


Trackliste:

1. How Does It Feel (5:57)
2. Them Kinda Monkeys Can't Swing (3:28)
3. So Far So Good (3:04)
4. Summer Song (Wishing You Were Here) (3:38)
5. O.K. Yesterday Was Yesterday (3:59)
6. Far Far Away (3:39)
7. This Girl (3:34)
8. Lay It Down (4:12)
9. Heaven Knows (3:58)
10. Standin' On The Corner (4:57)

Gesamtspieldauer: 40:25




Glam-Rock ist schon so eine Sache. Alleine wenn man sich dieses Cover der Briten von Slade auf „Slade In Flames“ ansieht. Vorne leuchten sie in ganz weißer Kleidung und versuchen irgendwie überlegen zu blicken. Auf der Rückseite sind sie dann ganz cool und ganz in Gold zu bestaunen. Wirkt heute irgendwie nur noch witzig.

Nun, ich habe mir die CD damals wegen dem Song „Far Far Away“ gekauft ohne zu wissen, dass die Platte eigentlich ein Soundtrack zum genauso betitelten Film ist, den es allerdings anscheinend in Deutschland nie zu sehen gab. „Far Far Away“ ist ein absolutes „Knallerlied“, welches heute immer noch ab und an im Radio läuft und welches man immer wieder gerne anhören kann. Allein deshalb lohnt sich schon der Kauf der Platte. Aber so eine CD besteht ja noch aus ein paar Liedern mehr, die man sich dann auch zu Gemüte führt. Alle anderen Titel auf dieser Platte sind ehrlich gesagt relativ unbekannt - aber es gibt auf „Slade in Flames“ noch einiges mehr zu entdecken, was gar nicht mal so schlecht klingt.

Immer dann, wenn die vier Musiker zu cool und zu rockig klingen wollen, dann steigt man als Hörer aus, dann klingt das alles irgendwie sehr komisch, nicht authentisch und auf seine Art konstruiert. Dieses Gefühl beschleicht einem vor allem bei den Songs „Them Kinda Monkeys Can't Swing“ und „O.K. Yesterday Was Yesterday“. Da ist es dann deutlich schwerer einen Zugang zur Musik zu finden, da diese einfach nicht so recht zünden will.

Aber zum Beispiel „How Does It Feel“ ist eine geniale Nummer. Eine Art Ballade, die sehr melodiös ist und den Hörer gleich mit dem ersten Hören einfängt. Richtig schön eingängig und mit Wiedererkennungswert. Der ganze Rest, außer den beiden bereits erwähnten Nummern, ist gut gemachter und handwerklich perfekter Rock, der mal mehr, mal weniger begeistern kann. Trotzdem alles wahrlich nicht schlecht gemacht, da hat man schon ganz andere Dinge gehört.

Fazit: „Slade In Flames“ ist natürlich keine „Überplatte“, sie hat aber durchaus ihre Stärken. Und wer dem Glam-Rock Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts etwas abgewinnen kann, der wird hier mit dieser Platte wahrlich nicht schlecht bedient. Und „Far Far Away“ ist einfach so schön… Acht Punkte.

Anspieltipps: How Does It Feel, Far Far Away



Samstag, 28. September 2013

Everon – North




Everon – North


Besetzung:

Oliver Philipps – vocals, piano, keys & orchestrations, guitars
Christian ”Moschus” Moos – drums & percussion
Uli Hoever – guitars
Schymy – bass


Gastmusiker:

Judith Stüber – vocals on “Islanders”
Rupert Gillet – cello on “Test The Time”, “Wasn’t It Good”, “From Where I Stand”


Label: Mascot Records


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Progressive Rock, Symphonic Rock, Prog Metal


Trackliste:

1. Hands (5:12)
2. Brief Encounter (6:52)
3. From Where I Stand (5:56)
4. Test Of Time (5:02)
5. North (5:04)
6. South Of London (4:05)
7. Wasn't It Good (6:34)
8. Woodworks (3:25)
9. Islanders (4:18)
10. Running (5:01)

Gesamtspieldauer: 51:28




Schon beeindruckend, was die Musiker von Everon aus Krefeld da auf ihrem siebten Studioalbum 2008 präsentieren. Ein klein wenig Progressive Rock und sehr viel symphonischen Rock vom feinsten, harmonisch und immer ausgesprochen melodiös klingend. Oder ist das Prog Metal? Ganz eindeutig ist das im vorliegenden Fall nicht. Zwar wird auf dem Album gerockt und auch in einer Art und Weise, die unglaublich eingängig und packend ist. Aber auch die ruhigeren Momente haben Einzug auf „North“ gehalten, diese werden dann meistens vom Piano dominiert, sodass ein Gesamtwerk entsteht, welches den Hörer zu fesseln weiß. Alles klingt, alles wirkt.

Somit erübrigt es sich auch einzelne Songs herauszuheben. Die Gesamtheit der Titel macht es. Mitunter klingt das schon ein wenig pompös und bombastisch, aber in keinster Weise übertrieben. Streicher haben ihren Einsatz, allerdings immer genau richtig dosiert, sodass sich nie das Gefühl der Überladung einstellt. Zudem wirkt der Sound des Albums voll und ausgereift. Dabei kommt nicht der Eindruck auf, dass hier irgendwie etwas zu sehr in den Vordergrund gerückt wurde, andererseits fehlt auch nichts. Ausgereift eben.

Und um das runde Bild abzuschließen, gesellen sich auch noch schöne und interessante Texte hinzu, die zu verfolgen sich ebenfalls lohnt. Wenn es etwas negativ anzumerken gibt, dann vielleicht, dass sich die Stücke allesamt wirklich sehr ähneln. Deshalb fällt es auch ein wenig schwer, einzelne Nummern irgendwie herauszuheben. Ist das Album mal in den CD-Player eingelegt, dann läuft es eben durch. Jedoch nicht einfach so nebenbei, die Musik von Everon auf „North“ hinterlässt durchaus einen Eindruck – und dieser ist positiv.

Fazit: Wer auf symphonischen und melodiösen Prog Metal steht, der auch immer wieder ruhigere Abschnitte aufweist, der kann hier eigentlich nicht viel falsch machen. Schöne und packende Musik zum darin Eintauchen und sich anschließend treiben lassen. Alles klingt und ist harmonisch und sehr melodiös. Dieses eine Überlied, das fehlt allerdings. Dafür gibt es jede Menge gleichbleibend hohe Qualität für die Ohren. Und das Cover ist ebenfalls klasse gelungen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Brief Encounter, Test Of Time, North, Wasn't It Good, Woodworks





Freitag, 27. September 2013

Lou Reed – New York




Lou Reed – New York


Besetzung:

Lou Reed – vocals, guitar, background vocals


Gastmusiker:

Mike Rathke – guitar
Rob Wasserman – clevinger electric upright six-string bass
Fred Maher – drums, fender bass
Maureen Tucker – percussion
Jeffrey Lesser – background vocals
Dion DiMucci – background vocals


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Rock, Blues Rock


Trackliste:

1. Romeo Had Juliette (3:11)
2. Halloween Parade (3:33)
3. Dirty Blvd. (3:31)
4. Endless Cycle (4:02)
5. There Is No Time (3:47)
6. Last Great American Whale (3:42)
7. Beginning Of A Great Adventure (4:57)
8. Busload Of Faith (4:50)
9. Sick Of You (3:26)
10. Hold On (3:25)
11. Good Evening Mr. Waldheim (4:37)
12. Xmas In February (2:58)
13. Strawman (5:54)
14. Dime Store Mystery (5:02)

Gesamtspieldauer: 56:54




Das Album „New York“ wird in zahlreichen Rezensionen als eines der besten Solo-Platten des Ex-Velvet Underground Mitglieds angesehen. Und was man auf „New York“ hört ist wahrlich gut gemachter Rock’n’Roll. Inhaltlich setzt sich Lou Reed in den vierzehn Songs mit „seiner“ Stadt auseinander, die allerdings meistens dabei nicht sehr gut wegkommt. Es scheint sich bei ihm also um so eine Art Hassliebe zu handeln. „New York“ ist übrigens bereits das sage und schreibe fünfzehnte Solo-Album Lou Reeds.

Nun, man muss diesen Sprechgesang des Lou Reed mögen, um überhaupt was mit der Musik des Amerikaners anfangen zu können. Die Songs auf „New York“ sind alle sehr zurückhaltend instrumentiert. Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug – das sind die Zutaten der vierzehn Titel. Und wenn es mal mehr sein soll, dann gibt es noch ein wenig Hintergrundgesang dazu - das war es dann aber auch schon.

Die Titel grooven alle durch die Bank weg. Mitunter hört man auch Country-Anleihen, wenn die Saiten der Gitarre in typisch amerikanischer Folklore-Manier gezogen werden, ohne dass dabei gleich eine Pedal-Steel Gitarre zum Einsatz kommen müsste. Glücklicherweise halten sich diese Ansätze, wie beim Titel „Endless Circle“, jedoch im Hintergrund. Nun, die Musik rockt und groovt, was mir jedoch ein wenig abgeht, das sind die tollen Melodien, die längerfristig hängenbleiben würden. So groovt und rockt „New York“ als Platte nicht schlecht, die Eingängigkeit geht ihr aber ab. Für mich der Nachteil dieses Albums. Freunde des Blues-Rock werden das aber mit Sicherheit ganz anders sehen.

Besser wird die Platte immer dann, wenn ordentlich gerockt wird. Das ist zum Teil so beim Opener „Romeo Had Juliette“ und vor allem bei „Strawman“. Hier ist es dann besonders schwer die Füße still zu halten, um nicht mit zu wippen. Auch sehr gelungen, aber aus einem ganz anderen Grund, ist die letzte Nummer des Albums „Dime Store Mystery“. Für mich sogar das beste Lied auf der Platte. Das Bass-Spiel Dave Wassermanns ist einfach klasse und erzeugt hier ein Flair in der Musik, der sonst nicht auf dem Album zu finden ist. Und dieser Bass wird hier mit einem Bogen gespielt, was zu dieser ganz unwirklichen Stimmung führt. Das ist jetzt auch kein Rock’n’Roll mehr, das ist nun eher so etwas wie Art-Rock. Interessant und absolut nicht alltäglich, spannend und auch melodisch - auf eine ganz abstrakte Weise.

Fazit: Eine Blues-Rock-Platte hat Lou Reed da 1989 vorgelegt, die von seinem Gitarrensound und seinem Sprechgesang lebt. Ein Jahr später veröffentlichte er zusammen mit John Cale ein Album, welches Andy Warhol gewidmet ist. Da gibt es diese tollen Melodien zu hören, die ich hier vermisse – bis auf diese eine Ausnahme. Und leider turnen mich solche Blues-Stücke wie „Beginning Of A Great Adventure“ absolut ab, da möchte ich am liebsten das Weite suchen. Na, das Album wird in den einschlägigen Fachzeitschriften als eines der besten Rock’n’Roll-Platten der 80er Jahre gelobt. Mich packt „New York“ von Lou Reed allerdings nur an den wenigsten Stellen. Mir fehlt einfach das Blues-Feeling – ich weiß. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Romeo Had Juliette, Hold On, Strawman, Dime Store Mystery





Donnerstag, 26. September 2013

Blue October – Any Man In America




Blue October – Any Man In America


Besetzung:

Justin Furstenfeld – vocals, guitar
Jeremy Furstenfeld – drums, percussion
Ryan Delahoussaye – violin, mandolin, keyboards
Tim Palmer – guitars
Matt Noveskey – bass guitar, guitar (7)


Gastmusiker:

Steve Schiltz – guitars (3, 5, 9)
Charles Hudson III – guitar (6)
Patricia Lynn – guest vocals (11, 13)
Avery Noveskay – guest vocals (11)
Ray C. – guest vocalist
Brendan Bond – trumpet (4)


Label: Ear Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Rock, Pop, Alternative


Trackliste:

1. Everything (A.M. Limbo) (0:52)
2. The Feel Again (Stay) (6:00)
3. The Money Tree (4:59)
4. For The Love (4:43)
5. Drama Everything (4:30)
6. The Chills (3:34)
7. The Flight (Lincoln To Minneapolis) (6:45)
8. Any Man In America (6:25)
9. You Waited Too Long (4:28)
10. The Honesty (4:22)
11. The Getting Over It Part (4:38)
12. The Worry List (4:33)
13. The Follow Through (6:10)

Gesamtspieldauer: 1:02:05




Justin Furstenfeld war Papa einer Tochter geworden. Stolzer Vater. Das dokumentiert er nicht nur mit zahlreichen Bildern im Booklet der CD, nein auch viele Texte in den einzelnen Songs befassen sich mit diesem Thema. Das inzwischen bereits sechste offizielle Studio-Album um den Gitarristen, Sänger und Songschreiber ist wieder ein schönes Pop-Rock-Album geworden. Eingängige und melodiöse Harmonien bahnen sich den Weg zum Ohr des Hörers. Alles klingt und wirkt und das Album wächst sogar noch mit jedem weiteren Hören, da die Klänge immer vertrauter werden.

Die einzelnen Songs sind meist im Mid-Tempo gehalten, richtig kräftig gerockt wird nur sehr selten. Es ging Justin Furstenfeld auf diesem Album ganz offensichtlich um die Eingängigkeit der Lieder und das ist ihm auch gelungen. So fällt es auch schwer, einzelne Lieder besonders hervorzuheben, da sie alle ihre Qualität besitzen. „The Money Tree“, „For The Love“ sowie der letzte Titel „The Follow Through“ klingen dabei noch besonders gelungen. Ungewöhnlich und nicht so ganz passend ist dagegen die eingestreute Rap-Einlage des Ray C. bei der Nummer „The Flight (Lincoln To Minneapolis)“. Muss man mögen, ich persönlich finde das nicht so gelungen, obwohl das Lied sonst im Refrain auch zu gefallen weiß. Beim Titelsong „Any Man In America“ versucht sich Justin Furstenfeld in der Strophe selbst mal am HipHop und in diesem Lied fällt dann auch oft das Wort mit „f“. Allerdings ist dieser Song auch sonst nicht überaus melodisch. Eher einer der wenigen Tiefpunkte des Albums.

Fazit: Ein nettes Pop-Rock-Album ist „Any Man In America“ geworden. Nichts, was essentiell wäre, jedoch auch wahrlich keine schlechte Platte. Die absoluten „Übersongs“ fehlen, aber das meiste, was auf dieser Scheibe zu hören ist klingt – und zwar gut. Gute Unterhaltung. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Money Tree, For The Love, The Follow Through





Mittwoch, 25. September 2013

AC/DC – Fly On The Wall




AC/DC – Fly On The Wall


Besetzung:

Angus Young – lead guitar
Malcolm Young – rhythm guitar
Brian Johnson – vocals
Cliff Williams – bass guitar
Simon Wright – drums


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Fly On The Wall (3:43)
2. Shake Your Foundations (4:08)
3. First Blood (3:40)
4. Danger (4:22)
5. Sink The Pink (4:14)
6. Playing With Girls (3:44)
7. Stand Up (3:53)
8. Hell Or High Water (4:31)
9. Back In Business (4:22)
10. Send For The Man (3:26)

Gesamtspieldauer: 40:03




„Fly On The Wall“ nannten die australischen Hard-Rocker ihr inzwischen bereits neuntes Studioalbum, welches 1985 veröffentlicht wurde. Und wie immer bei einem AC/DC-Album bekommt man ordentlich was auf die Ohren. Knallharten Hard’n’Heavy-Sound gibt es auf „Fly On The Wall“ zu hören, der von der ersten bis zur letzten Note des Albums auch konsequent durchgezogen wird.

So ein klein wenig schienen sich die Australier, bei denen nun Simon Wright den ursprünglichen Drummer Phil Rudd am Schlagzeug ersetzt hatte, allerdings in einer „Schaffenskrise“ zu befinden. Wieder handwerklich perfekt gemacht, voller Sound, treibende Beats und klasse Gitarrensoli, der Funke will allerdings trotzdem nicht so recht überspringen. Irgendwie ist das alles sehr vorhersehbar, zu wenig überraschend und die richtig guten Songs, die man sich selbst auf ein „Best Of“-Album pressen würde, die fehlen hier. Kein Song von „Fly On The Wall“ wäre darauf vertreten.

Die Musik knallt zwar wieder knochentrocken und hart aus den Boxen, eine irgendwie geartete Nachhaltigkeit besitzt sie jedoch nicht. Alles rockt und groovt mitunter auch ganz nett, aber ohne letztendlich doch richtig überzeuge zu können. Vielleicht liegt es auch einfach daran, da kein Titel auf „Fly On The Wall“ vertreten ist, der das gewisse „Etwas“ besitzt, welches ihn zu einem besonderen Song werden lässt. Gut gemachter Durchschnitt, ohne die herausragenden Höhepunkte. Und solche Titel wie „Stand Up“, die ganz offensichtlich zum Mitgrölen konzipiert wurden, die langweilen leider auf Dauer einfach nur.

Fazit: Für Hard’n’Heavy-Fans sowie AC/DC-Jünger natürlich ganz klar ein „Must-Have“. Wer sich allerdings mal in diese Band einhören will, dem seien die Platten mit Bon Scott sowie „Back In Black“ oder die beiden Scheiben aus den 90ern empfohlen. Das hier ist zwar auch AC/DC, aber das konnten sie schon sehr viel besser und werden es auch wieder besser machen. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Shake Your Foundations, First Blood, Danger




Dienstag, 24. September 2013

And You Will Know Us By The Trail Of Dead – The Century Of Self




And You Will Know Us By The Trail Of Dead – The Century Of Self


Besetzung:

Conrad Keely – ohne Instrumentenangabe
Jason Reece – ohne Instrumentenangabe
Kevin Allen – ohne Instrumentenangabe


Gastmusiker:

Jay Leo Phillips – bass, vocals
Aaron Ford – drums, vocals, organ
Clay Morris – keyboards, organ
Brenda Radney – vocals
Yasmine Kittles – vocals
Anand Wilder – vocals
Chris Keating – vocals


Label: Superball Music


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Alternative


Trackliste:


CD: The Century Of Self

1. The Giants Causeway (2:39)
2. The Far Pavilions (4:54)
3. Isis Unveiled (6:27)
4. Halcyon Days (6:36)
5. Bells Of Creation (5:24)
6. Fields Of Goal (3:42)
7. Inland Sea (4:09)
8. Luna Park (4:22)
9. Insatiable (One) (4:44)
10. Pictures Of An Only Child (2:03)
11. Ascending (4:47)
12. An August Theme (0:51)
13. Insatiable (Two) (3:04)

Gesamtspieldauer der CD: 53:41


DVD: And You Will Know Us By The Trail Of Dead: Live In Düsseldorf

1. Gargoyle Waiting
2. Bells Of Creation
3. Aged Dolls
4. A Perfect Teenhood
5. Clair De Lune
6. Totally Natural
7. Mistakes And Regrets
8. Richter Scale Madness

Gesamtspieldauer der DVD: 56:42




Ein klein wenig klingt das sechste Studio-Album der texanischen Band And You Will Know Us By The Trail Of Dead nach „Back To The Roots“. Denn auf „The Century Of Self“ wird wieder deutlich härter gerockt, als es noch auf den zwei Vorgänger-Alben der Fall war. Vieles erinnert hier an die Anfänge der Band. „The Giants Causeway“, der erste Titel der Platte, beginnt zwar zunächst recht zurückhaltend, wirkt fast hymnisch und bombastisch, nach diesen gut zweieinhalb Minuten geht es dann jedoch mit „The Far Pavilions“ gleich in die Vollen. Jetzt wird gerockt, kraftvoll und ohne Kompromisse. Zwar gibt es auch hier in der Mitte des Songs eine kurze Auflockerung in Form eines nicht allzu langen und fast schon orchestralen Einschubs, aber schnell wird das ursprüngliche Thema wieder aufgegriffen und es geht erneut sehr rockig weiter. Fast ohne Übergang wird schließlich „Isis Unveiled“ gestartet, ein Lied welches trotz seiner kraftvollen Härte sehr melodiös aus den Lautsprechern kommt. Klasse hier ebenfalls wieder der Mittelteil, der rhythmisch im Chor fast wie eine Hymne vorgetragen wird, um anschließend erneut in den schnelleren Part überzugehen. „Halcyon Days“ im Anschluss daran, ist ein Mid-Tempo Lied, worauf sich einer der Höhepunkte der Platte anschließt: „Bells Of Creation“. Eine tolle und kraftvolle Nummer, die genau so klingt, wie man sich Rock-Musik im 21. Jahrhundert vorstellt: Eingängig, packend und eben nicht so ein 08/15-Song, wie sie viele Mainstream-Bands zuhauf auf den Markt werfen, die dann auch rauf und runter in den diversen Radiostationen dieser Erde gespielt werden. Spannende Musik in verschiedene Teile unterteilt, die jeweils rocken und dabei nie die Melodie des Songs in den Hintergrund treten lassen.

„Fields Of Goal“ ist wieder ein Lied der härteren Art, bevor mit „Inland Sea“ auch auf „The Century Of Self“ die etwas ruhigeren Töne Einzug auf dem Album halten. „Ruhig“ ist hier allerdings relativ gemeint, denn auch dieses Lied rockt, nur eben nicht in der Intensität wie die Vorgänger. Mit „Luna Park“ wird es im Anschluss daran dann sogar wirklich ruhig und zurückhaltend. Balladesk entwickelt sich hier ein nachdenklicher Song, der im Vergleich zu dem vorher Gehörten fast schon einen Stilbruch darstellt – ohne wirklich einer zu sein. Denn auch dieses Lied gewinnt im weiteren Verlauf an Intensität. Aber dieser eingeschlagene Weg der etwas leiseren Töne wird auch mit „Insatiable (One)“ fortgesetzt. Alles jedoch immer unter der Überschrift: Melodiöse Musik.

Und dann folgt sogleich der nächste Höhepunkt des Albums „Pictures Of An Only Child“. Eine schöne pianolastige Ballade, eingängig und ein wenig an eine russische Weise erinnernd, hört man hier perlende Pianoklänge, die mit knapp über zwei Minuten leider ein wenig zu kurz geraten sind. Doch dann befinden wir uns stilistisch wieder am Beginn des Albums. Es wird erneut gerockt auf „Ascending“. Perfekt abgemischt und arrangiert ist dieses Lied und auch hier gibt es wieder solch einen Mittelteil, der im Chor eingesungen wird, bis der Titel wieder seine ursprüngliche Fahrt aufnimmt. „An August Theme“ ist ein kurzes instrumentales von Streichern und einem Synthesizer dominiertes Intermezzo, bevor das Album mit „Insatiable (Two)“ hauptsächlich zart und getragen ausklingt.

Nicht unerwähnt bleiben soll hier erneut das Cover-Artwork, für welches sich einmal mehr Conrad Keely auszeichnete. Wirklich beeindruckend gezeichnet das Ganze. Und legt man, die in der Deluxe-Ausgabe beigelegte DVD ein, so kann man diese Bilder nochmals ein klein wenig animiert bewundern und And You Will Know Us By The Trail Of Dead während eines knapp einstündigen Live-Auftritts in Düsseldorf beobachten, bei dem die Lieder noch mal ein klein wenig härter klingen, als auf der CD selbst. Wobei anzumerken wäre, dass sich die Songauswahl auf die ersten Alben der Band und nicht auf „The Century Of Self“ bezieht. Trotzdem eine schöne Zugabe.

Fazit: And You Will Know Us By The Trail Of Dead sind auf „The Century Of Self“ wieder deutlich härter geworden, was der Qualität der Musik allerdings überhaupt nicht im Wege steht. Die Musik kann den Rock-Freund packen, denn weichgespült ist hier überhaupt nichts. Die härteren Töne sind angesagt, die allerdings in packenden Melodien verpackt dargeboten werden und somit auch für Freunde der „gemäßigteren“ Sounds von Interesse sein dürften. Elf Punkte.

Anspieltipps: Bells Of Creation, Inland Sea, Pictures Of An Only Child, Insatiable (Two)