Donnerstag, 11. Februar 2016

Yes – Yesterdays




Yes – Yesterdays


Besetzung:

Jon Anderson – vocals
Chris Squire – bass guitar, vocals
Peter Banks – guitar (Titel 2-8)
Steve Howe – guitar (Titel 1)
Tony Kaye – keyboards (Titel 2-8)
Rick Wakeman – keyboards (Titel 1)
Bill Bruford – drums, keyboards (Titel 1)


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. America (10:30)
2. Looking Around (4:00)
3. Time And A Word (4:32)
4. Sweet Dreams (3:50)
5. Then (5:45)
6. Survival (6:20)
7. Astral Traveller (5:53)
8. Dear Father (4:21)

Gesamtspieldauer: 45:11




Bei dem Album „Yesterdays” handelt es sich im Grunde genommen um das erste Kompilationsalbum von Yes. Eingerahmt werden hierbei sechs Titel der ersten beiden Alben, von zwei Nummern, die bisher noch nicht auf einem Yes-Album vertreten waren.

„Looking Around" und „Survival" stammen vom ersten Yes-Album mit dem Titel „Yes“. „Time And A Word", „Sweet Dreams", „Then" sowie „Astral Traveller" konnte man dagegen bereits auf der zweiten Yes-Scheibe „Time And A Word" lauschen. Beides sind Platten, die erst den Weg für diese Band ebneten, eine der einflussreichsten des Progressive Rock zu werden. Die ausgewählten Titel sind ganz nett, jedoch nicht durchweg die Höhepunkte der entsprechenden Alben. Warum also gerade diese und nicht irgendwelche anderen Titel gewählt wurden, muss sich einem dabei nicht unbedingt erschließen.

Bei „America“ handelt es sich um eine 1972 entstandene Coverversion eines Lieds von Paul Simon. Diese war ursprünglich auf dem 1972 erschienenen Sampler „The New Age Of Atlantic“ veröffentlicht worden, auf dem sich neben Yes und Led Zeppelin noch andere, bei Atlantic Records unter Vertrag stehende Bands verewigt hatten. „America“ in der Version von Paul Simon, geschrieben für das Duo Simon & Garfunkel, hatte ursprünglich eine Laufzeit von etwa dreieinhalb Minuten. Man kann sich also vorstellen, dass diese hier enthaltene Yes-Version nicht mehr viel mit dem Original gemein hat. Da ist noch die Gesangslinie, die an den ursprünglichen Titel erinnert, aber das war es dann auch schon. „America“ wurde hier eindeutig zu einem Lied in typischem „Yes-Sound“ umgearbeitet. Ganz nett anzuhören, allerdings nicht essentiell im Rahmen der Titel, die Yes in ihrer Karriere ansonsten veröffentlichten.

„Dear Father“ ist die B-Seite der Single „Sweet Dreams“ aus dem Jahr 1970. Die Instrumentierung mit einem fetten Orgelsound und einigen Streichern weist hier bereits auf etwas kompliziertere Arrangements in der Musik von Yes hin, das Lied selbst kommt an vielen Stellen – vor allen Dingen an denen mit Gesang – jedoch nicht sehr über den Status eines durchschnittlichen Pop-Songs Anfang der 70er Jahre hinaus. 

Fazit: Wenn man bereits Besitzer der Alben „Yes“ und „Time And A Word“ ist, so lohnt sich der Kauf von „Yesterdays“ aufgrund der beiden „neuen“ Yes-Stücke wahrlich nicht. Mit den Original-Alben ist man da sehr viel besser bedient. Die beiden bisher nicht auf einem Album verewigten Stücke lohnen wirklich nur für Fans, die alles von „ihrer“ Band besitzen möchten. Ansonsten benötigt man „Yesterdays“ nicht wirklich. Sieben Punkte.

Anspieltipps: America, Dear Father



Mittwoch, 10. Februar 2016

Klaus Schulze – Blackdance




Klaus Schulze – Blackdance


Besetzung:

Klaus Schulze – synthesizer, organ, piano, percussion, 12-string acoustic guitar


Gastmusiker:

Ernst Walter Siemon – voice (on "Voices Of Syn")


Label: Brain


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Ways Of Changes (17:14)
2. Some Velvet Phasing (8:24)
3. Voices Of Syn (22:40)

Gesamtspieldauer: 47:18




Klaus Schulzes drittes Album, „Blackdance“, wurde 1974 auf dem Label Brain veröffentlicht und hatte gleich zwei bis drei Neuerungen für die Hörer der elektronischen Musik von Klaus Schulze parat. Gab es auf den ersten beiden Platten noch gar keine Perkussion, so wurde diese auf „Blackdance“ nun in die Musik des Berliner Soundtüftlers eingeführt. Die zweite Neuerung bekommt man bei „Voices Of Syn“ zu hören. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um Stimmen des Synthesizers, wie der Name des Stücks vermuten lassen könnte, sondern erstmalig gibt es wirklich menschlichen Gesang bei Klaus Schulze zu hören. Und drittens hört man auf dieser Platte auch nicht nur sphärische Töne, auf „Blackdance“ bekommt man sogar Melodien serviert.

„Ways Of Changes“ beginnt gewohnt sphärisch und irgendwie entrückt, man hört Klaus Schulze schließlich sogar an der Gitarre, Akkordion-ähnliche Klänge gesellen sich ebenfalls noch hinzu, die Musik wird dichter und dichter, alles klingt und scheint den Raum mit sanfter und entspannter Fülle zu beherrschen. Doch dann setzt ab Minute vier ein treibender und galoppierender Rhythmus ein, der die Nummer nun rasant nach vorne puscht. Eine interessante und gelungene Neuerung in der Musik des Klaus Schulze. Schließlich entwickelt sich sogar eine richtige Melodie auf dem Synthesizer, die durchaus melodiös ist und länger hängenbleibt.

Der zweite Titel, „Some Velvet Phasing”, ist dann eher wieder eine sehr sphärische Angelegenheit. Sanft und vielleicht sogar samten, wie es der Lied-Titel bereits aussagt, irgendwie in sich gekehrt und sehr atmosphärisch klingt dieses Lied. Man könnte fast meinen, dass Klaus Schulze seinen Hörerinnen und Hörern hier erst Mal eine kleine Verschnaufpause zugestehen möchte, da diese vielleicht den Rhythmus von eben noch nicht ganz verarbeitet haben. Er hat es wahrscheinlich ein wenig zu gut gemeint, denn in diesen acht Minuten Spieldauer von „Some Velvet Phasing“ passiert so gut wie gar nichts. Ein klein wenig mehr Abwechslung hätte es da für meinen Geschmack durchaus geben können. 

Schließlich folgt noch das Stück „Voices Of Syn“, welches die gesamte zweite Plattenseite einnimmt. Der tiefe Gesang des Ernst Walter Siemon setzt ein, beherrscht die Szene einige Minuten lang und wird schließlich von einer pulsierenden Synthesizer-Perkussion abgelöst. Erneut bekommt das Lied, nach einem langsamen und sehr bedacht wirkenden Einstieg, einen treibenden und etwas galoppierenden Rhythmus verpasst. Der Synthesizer steuert zudem wieder eine Melodielinie hinzu, die der von „Ways Of Changes“ durchaus nicht unähnlich ist. Im weiteren Verlauf mündet alles in einen sehr sphärischen Teil, um dann erneut den Rhythmus aufzugreifen. Schließlich „arbeitet“ sich sogar eine Orgel in den akustischen Vordergrund, bis diese wieder von Synthesizer-Klängen abgelöst wird und das Lied langsam ausläuft.

Fazit: Eine durchaus spannende Platte ist „Blackdance“ von Klaus Schulze geworden. Sehr viel abwechslungsreicher gestaltet der Berliner hier seine Musik, in der sich Rhythmus und Gesang nun auch eine Rolle erobern können. Das macht die Scheibe durchaus interessanter, die nun neben den meditativen Ansätzen auch Melodien aufweist. Für Freunde elektronischer Musik sehr empfehlenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Ways Of Changes, Voices Of Syn



Dienstag, 9. Februar 2016

Peter Schickele – Silent Running




Peter Schickele – Silent Running


Besetzung:

Ohne Musikerangabe außer:

Joan Baez – vocals (“Rejoice In The Sun” & “Silent Running”)


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Soundtrack


Trackliste:

1. Rejoice In The Sun (2:10)
2. The Space Fleet (3:28)
3. Rejoice In The Sun (Instumental) (1:58)
4. No Turning Back (2:50)
5. Driving Crazy (2:26)
6. Drifting (2:08)
7. Silent Running (2:01)
8. The Dying Forest (2:24)
9. Tending To Huey (2:55)
10. Saturn (4:09)
11. Getting Ready (1:45)
12. Rejoice In The Sun (Reprise) (1:30)

Gesamtspieldauer: 29:32




„Silent Running” heißt der Soundtrack des gleichnamigen Films mit Bruce Dern in der Hauptrolle. Die Musik zum Film komponierte Peter Schickele, die Texte zu den beiden gesungenen Stücken „Rejoice In The Sun“ und „Silent Running“ stammen von Diane Lampert.

Nun, wie das bei Soundtracks eben mal so ist, passt die Musik oftmals perfekt zu den laufenden Bildern des Films, alleine gehört ergibt das Ganze dann jedoch keinerlei Sinn mehr. So ist es auch hier bei diesem Soundtrack. Meistens hört man irgendwelche atmosphärischen Klänge, die zum Teil gar nicht mal mehr an Musik erinnern, obwohl sie natürlich mit Musikinstrumenten eingespielt wurden. Allerdings geht es dabei eindeutig mehr um die Atmosphäre, um die Stimmung, die zum Beispiel in einer spannenden oder aber entspannten Szene transportiert werden soll. Musik zum Anhören ist das nicht und soll es auch gar nicht sein.

Trotzdem habe ich mir damals diesen Soundtrack zugelegt, nachdem ich den Film abends mal im Spätprogramm gesehen hatte. Das hat folgenden Grund. „Silent Running“ ist ein etwas trauriger Science Fiction Film, allerdings durchaus sehr sehenswert. Und dieser Science Fiction Film ist trotz diverser, atmosphärischer Klänge, doch noch mit sehr hörenswerter Musik ausgestattet. Das wiederum liegt an den beiden kurzen Titeln „Rejoice In The Sun” und „Silent Running”, während derer Joan Baez zu hören ist. Im Grunde genommen sind es sogar zweieinhalb Lieder, wenn man „Rejoice In The Sun (Reprise)“ auch noch mit dazu zählt, bei dem Joan Baez ebenfalls kurz singt.

Diese kurzen Lieder alleine lohnten den Kauf dieser Scheibe, denn sie lassen einem das Herz übergehen. Diese zwei, leider beide nur etwa zwei Minuten dauernden Lieder sind einfach wunderschön, dafür gibt es keine bessere Umschreibung. Nicht allzu kompliziert, ausgestattet mit einer sehr feinen und schönen Melodie und dazu dieser helle und schöne Gesang… Mein Gott kann diese Frau schön singen, das muss man einfach gehört haben.

Fazit: Der Soundtrack zum Film „Silent Running” lässt sich nicht so einfach durchhören, da er fast überhaupt keine Musik zum Anhören enthält, sehr viel mehr Soundkollagen zur Untermalung von Filmszenen. Ohne den Film ist die Platte also sinnlos. Und dann gibt es auf diesem Album aber noch zwei Lieder, die von Joan Baez gesungen werden. Wunderschön klingen diese beiden Titel. Sanft, zart, zerbrechlich und ganz schnell ins Ohr gehend. Die Platte hätte ohne diese beiden Nummern zwei Punkte verdient, da sie sinnlos ist. Aber „Rejoice In The Sun” und „Silent Running” reißen es einfach raus. Sehr subjektiv das Ganze, ich weiß. Egal. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Rejoice In The Sun, Silent Running



Montag, 8. Februar 2016

Jane – Live At Home




Jane – Live At Home


Besetzung:

laus Hess – guitar, vocals, taurus bass pedals
Martin Hesse – bass, vocals
Peter Panka – drums, vocals
Manfred Wieczorke – keyboards, vocals


Gastmusiker:

Rüdiger Keding – drums, guitar
Henry Grau – bass, keyboards


Label: Brain


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Rock, Livealbum


Trackliste:

1. All My Friends (4:57)
2. Lady (3:32)
3. Rest Of My Life (4:34)
4. Expectation (5:29)
5. River (3:48)
6. Out In The Rain (10:25)
7. Hangman (7:42)
8. Fire, Water, Earth + Air (4:00)
9. Another Way (5:37)
10. Daytime (9:24)
11. Hightime For Crusaders (5:09)
12. Windows (19:11)

Gesamtspieldauer: 1:23:48




Krautrock ist schon eine interessante Sache. Da rockten die deutschen Protagonisten oftmals britischer, als die Kollegen von der Insel, nur am oftmals doch deutlich zu hörenden Akzent konnte man die Bands dann häufig, zumindest den Sänger, als solche vom Festland identifizieren. Niemals wieder danach machten deutsche Musiker englischere Musik. Nun, Krautrock war immer dann gut, wenn die jeweilige Band es einfach laufen ließ. Der Gesang war oftmals gar nicht so wichtig, es ging immer um diese langen Instrumentalpassagen, die die Hörerinnen und Hörer dann mitgerissen haben. Wahnsinnig lange Lieder entstanden dadurch, die immer wieder neue Wendungen einschlugen, melodiös waren und auch rockten – und das häufig nicht zu knapp. Das Paradebeispiel dafür ist wohl „Solar Music“ von Grobschnitt, was die Hagener Band bis heute unvergessen macht.

Doch auch die Hannoveraner Musiker von Jane hatten hier was zu bieten, was es wahrlich beeindruckend auf der Platte „Live At Home“ zu hören gibt. Zwar ist einiges von dem, was man auf dieser Scheibe geboten bekommt manchmal „lediglich“ gut gemachter Hard Rock, der zwar gut ins Ohr geht und auch überzeugt, jedoch ist es nicht der Hard Rock, der dieses Album zu etwas Besonderem werden lässt. Es sind die progressiven und exzessiven Titel, die auf dem Live-Album wirklich begeistern können. An erster Stelle steht da das über neunzehnminütige „Windows“, welches die zweite Seite der zweiten Platte vollständig ausfüllt. Wer Lieder mag, die sich immer wieder verändern, entwickeln, mal rocken, dann wieder sphärisch klingen, bei jeder der vielen Wendungen ins Ohr gehen, episch angelegt sind und jeden DJ kopfschüttelnd zurücklassen, die oder der wird von „Windows“ begeistert sein. Hier gibt es lange Gitarren-, Synthesizer- oder Orgel-Passagen zu hören, die wirklich allesamt sehr eingängig und mitreißend klingen.

Aber auch sonst gibt es sehr viel auf dieser Platte zu entdecken. „Expectation“ ist sehr gelungen, genau wie das etwas sanftere und sehr melodiöse „Out In The Rain“. Ebenso soll an dieser Stelle „Daytime“ von der ersten Platte der Band nicht vergessen werden, welches in dieser Live-Version ebenfalls einen Höhepunkt des Albums darstellt. Diese Live-Platte klingt zu jeder Zeit sehr voll und dicht, die Abmischung ist klasse gelungen, genau wie die Abtastung der einzelnen Instrumente, sodass dem Hörgenuss auch wirklich nichts mehr im Wege steht.

Obwohl eine Sache gibt es da dann leider doch, die etwas seltsam erscheint. Das Album wurde in Hannover eingespielt, „at home“ eben. Warum dann allerdings die Ansagen in Englisch getätigt werden überrascht schon etwas. Das klingt zumindest irgendwie seltsam, sollte jedoch wohl die Möglichkeit des internationalen Erfolgs offener gestalten. Aber warum die Musiker vor „Out In The Rain“ offensichtlich vom Publikum genervt sind, das ist mir schon vor vielen Jahren, als ich die Scheibe zum ersten Mal hörte, ein Rätsel gewesen. Ich hätte dieses patzige „Ja, auch das Pfeifen ist drauf, okay“ rausgeschnitten. Aber ich wurde da ja nicht gefragt.

Fazit: Auch wenn die Musiker von Jane hier einige Ansagen in Englisch tätigen, was ein wenig lächerlich wirkt, so ist das Album Jane at home – live“ nichtsdestotrotz ein sehr gutes geworden. Wer Krautrock mag, wird die Platte lieben. Außerdem vermittelt sie stellvertretend sehr gut die Musik zur damaligen Zeit, die immer ausschweifender und länger wurde. Dieses Live-Album entstand, als es sowohl mit dem Progressive Rock, wie mit dem Krautrock gerade bergab zu gehen begann. Jane haben sich zu dieser Zeit glücklicherweise noch nicht daran gestört und es hier nochmals krachen lassen. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Windows



(Die GEMA hat mal wieder alles von dieser Platte auf YouTube gesperrt. Deshalb hier nur eine Alternative)


Sonntag, 7. Februar 2016

Mark Knopfler – Golden Heart




Mark Knopfler – Golden Heart


Besetzung:

Mark Knopfler – guitar, vocals


Gastmusiker:

Richard Bennett – acoustic guitar, guitar, tiplé
Sonny Landreth – national steel guitar, backing vocals
Don Potter – acoustic guitar
Paul Franklin – pedal steel guitar
Derek Bell – Irish harp
Paul Brady – whistle
Seán Keane – violin
Dónal Lunny – bouzouki
Máirtín O'Connor – accordion
Liam O'Flynn – uilleann pipes
Steve Conn – accordion
Jo-El Sonnier – accordion
Michael Doucet – fiddle
Matt Rollings – piano
Barry Beckett – piano
Hargus "Pig" Robbins – piano
Bill Cuomo – hammond organ
Guy Fletcher – keyboards, backing vocals
Steve Nathan – hammond organ, keyboards
Paul Moore – bass, string bass
Michael Rhodes – bass
Glenn Worf – bass, string bass
Eddie Bayers – drums
Robbie Casserly – drums
Chad Cromwell – drums
Danny Cummings – backing vocals, percussion
Terry McMillan – djembe
Billy Ware – triangle
Brendan Croker – backing vocals


Label: Vertigo


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Rock


Trackliste:

1. Darling Pretty (4:31)
2. Imelda (5:26)
3. Golden Heart (5:01)
4. No Can Do (4:54)
5. Vic And Ray (4:36)
6. Don't You Get It (5:16)
7. A Night In Summer Long Ago (4:43)
8. Cannibals (3:41)
9. I'm The Fool (4:28)
10. Je Suis Désolé (5:14)
11. Rüdiger (6:03)
12. Nobody's Got The Gun (5:25)
13. Done With Bonaparte (5:06)
14. Are We In Trouble Now (5:54)

Gesamtspieldauer: 1:10:73




„Golden Heart“ heißt das erste Solo-Album des Mark Knopfler, welches 1996 auf dem Label Vertigo veröffentlicht wurde. Fünf Jahre waren bis dahin seit dem letzten Dire Straits Album „On Every Street“ vergangen und ein Jahr später gab es das letzte „Lebenszeichen“ seiner Band, deren Kopf und Aushängeschild Mark Knopfler war. Und natürlich verwundert es in keinster Weise, dass man bereits nach wenigen Takten von „Golden Heart“ glaubt, hier ein bisher unbekanntes Lied der Dire Straits zu hören. Diese Stimme des Mark Knopfler und dazu der unverwechselbar Klang seiner Gitarre, das können einfach nur die Dire Straits, vielleicht sogar mit einem neuen Album sein.

Nun, das sind allerdings nicht mehr die Dire Straits, jetzt wandelt Mark Knopfler eben auf Solo-Wegen. Und es dauert auch nicht sehr lange, ein, zwei, maximal drei Lieder und dann weiß man auch mit Gewissheit, dass hier eben nicht mehr die Dire Straits zu hören sind, denn die zu hörende Musik unterschiedet sich schon stark von der, der Band. Klar, Gesang und Gitarrensound sind noch identisch, jedoch klingen die Lieder deutlich anders. Oftmals hört man folkloristische Töne, die manchmal aus dem Norden Großbritanniens zu stammen scheinen, dann jedoch auch wieder aus den Weiten des Wilden Westens in Amerika. Sowohl Dudelsack und leider noch viel öfters die Lap Steel Gitarre finden hier ihren Einsatz, sodass bei letzterer durchaus immer mal ein Country- und Western-Feeling aufkommt.

Allerdings wäre dies gar nicht mal so schlimm, wenn denn die Lied-Qualität selbst in Ordnung wäre. Ist sie jedoch leider nicht. „Golden Heart“ ist eine völlig unspektakuläre Platte geworden, absolut unspektakulär, da Mark Knopfler anscheinend ganz auf irgendwelche Höhepunkte verzichten wollte. Alles ist in etwa im selben Tempo gehalten und unfassbar zäh. Man hört die Scheibe, sie läuft irgendwann aus und da ist wirklich nichts, an was man sich im Nachhinein erinnern könnte. Leider findet sich auf „Golden Heart“ noch nicht mal etwas, an was man sich erinnern sollte. Irgendwie ist das alles ein fader Einheitsbrei, den Mark Knopfler seinen Hörerinnen und Hörern da auf seinem ersten Album auftischt. Sollte ich hier zwei Nummern herausheben – drei geht schon mal gar nicht mehr – dann wäre das zum einen der etwas rockigere Titel „Imelda“, sowie das eingängige „Je Suis Désolé“. Beide Nummern sind durchaus noch hörenswert und damit die Ausnahmen auf dieser Platte, da man das von den zwölf weiteren Titeln auf dieser Scheibe nicht unbedingt behaupten kann. Die restlichen Lieder sind zwar nicht richtig schlecht, allerdings leider furchtbar langweilig.

Fazit: Das erste Solo-Album des Mark Knopfler ist noch nicht sonderlich überzeugend geworden. Die auf „Golden Heart“ enthaltenen Lieder sind zumeist sanfter Natur und größtenteils leider eher sehr langweilig geraten. Auch nach vielen Durchläufen setzen sich die Stücke nur in sehr geringem Umfang fest, die Platte schafft es einfach nicht ein freundschaftliches Verhältnis zu der Hörerin und dem Hörer aufzubauen. Klar ist das keine wirklich schlechte Musik, jedoch leider auch wahrlich keine gute oder überzeugende mehr. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Imelda, Je Suis Désolé



Samstag, 6. Februar 2016

Fields Of The Nephilim – Dawnrazor




Fields Of The Nephilim – Dawnrazor


Besetzung:

Carl McCoy – vocals
Peter Yates – guitar
Paul Wright – guitar
Tony Pettitt – bass
Alexander Wright – drums


Label: Beggars Banquet Records


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Gothic Rock


Trackliste:

1. Intro (The Harmonica Man) (2:01)
2. Slow Kill (3:45)
3. Volcane (Mr. Jealousy Has Returned) (5:04)
4. Vet For The Insane (7:03)
5. Dust (4:22)
6. Reanimator (2:58)
7. Dawnrazor (7:08)
8. The Sequel (3:16)


Bonus Tracks der remasterten Albumveröffentlichung:

9. Power (4:39)
10. Secrets (3:37)
11. Tie Tower (5:41)
12. Laura II (4:41)
13. Preacher Man (4:53)
14. Blue Water (4:46)

Gesamtspieldauer: 1:04:02




Fields Of The Nephilim ist eine englische Gothic Rock Band, die 1984 gegründet wurde und 1987 ihr erstes Studioalbum veröffentlichte. Dieses heißt „Dawnrazor“ und erschien auf dem Label Beggars Banquet Records. Obwohl Fields Of The Nephilim niemals allzu großer Erfolg mit ihrer Musik zuteil wurde, so gilt die Band doch auch mit als eine der Wegbereiter des Gothic Rock, der viele weitere Bands und Solo-Künstler beeinflusste.

Die Musik von Fields Of The Nephilim ist, wie nicht anders zu erwarten war bei diesem musikalischen Genre, sehr düster, klingt oftmals nach Weltuntergang und ist dabei allerdings immer rockig gehalten. Diese Atmosphäre wird bestens unterstützt durch den Gesang des Carl McCoy, der mitunter so klingt, als sei er gerade direkt der Gruft entstiegen. Allerdings können die Jungs auf „Dawnrazor“ auch nicht ihr Interesse oder ihre Wertschätzung an beziehungsweise von Italo Western und dem Genre des Horrorfilms verbergen. Ennio Morricones „Harmonica Man“ hört man sofort im ersten Titel in nur leicht veränderter Form. Und auch die Spieluhr aus „Für ein paar Dollars mehr“ hat am Ende von „Vet For The Insane“ ihren Einsatz. Dazu gibt es noch jede Menge Geräusche, die dann allerdings aus diversen Horror-Streifen zu stammen scheinen.

Die Musik ist ansonsten, wie bereits erwähnt, dunkel und rockig gehalten. Dabei legen die fünf Musiker allerdings großen Wert auf die Eingängigkeit der Titel. Auch wenn hier viel nach Verfall, Tod und Siechtum klingt, so geht die Musik doch schnell ins Ohr und manches Mal kommt man gar nicht umhin auch mit dem Fuß ein wenig mitzuwippen. Textlich gesehen hört man hier nichts von der Liebe. Eher das Gegenteil ist angesagt, was in dem ganzen Liebesliedeinheitsbrei zumindest mal eine kleinere Auflockerung darstellt. Mitunter stießen die Fields Of The Nephilim allerdings auf Kritik dergestalt, dass ihnen nachgesagt wurde, die sehr viel erfolgreicheren Sisters Of Mercy zu stark zu kopieren. Das hier eine gewisse stilistische Ähnlichkeit vorhanden ist, kann wohl auch nicht wegdiskutiert werden, nach einer Kopie der Sisters Of Mercy klingen die Fields Of The Nephilim in meinen Ohren allerdings nicht.

Auf der remasterten Albumfassung gibt es noch sechs Lieder als Zugabe, die von zuvor veröffentlichten EPs stammen und sich qualitativ nahtlos an die Lieder der offiziellen Albumausgabe anpassen. Dieses Mal also eine sehr gelungene Zugabe, die mal nicht nur aus einem langweiligen Demo besteht.

Fazit: Die Gothic Rock Band Fields Of The Nephilim brachte mit „Dawnrazor” ihr erstes Album auf dem Markt, was durch diverse Filme beeinflusst wurde, deren musikalische Themen hier auch aufgegriffen werden. Die Musik der Band klingt auf „Dawnrazor” rockig, allerdings auch dunkel und schwermütig. Freunde, die auf „schwarzen“ Rock stehen, dürften diese Platte lieben, aber auch für alle anderen kann diese Scheibe durchaus eine gelungene Abwechslung darstellen – zumindest dann, wenn sie sich nicht mehr an Geister und Gespenster glauben. Neun Punkte.

Anspieltipps: Slow Kill, Vet For The Insane, Reanimator



Freitag, 5. Februar 2016

Monster Magnet – God Says No




Monster Magnet – God Says No


Besetzung:

Dave Wyndorf – vocals, guitar & keyboards
Ed Mundell –guitar
Joe Calandra – bass
Jon Kleiman – drums
Phil Caivano – guitar
Tim Cronin – hallucination bombs and psychic pyro


Gastmusiker:

Jim McGillveray – additional percussion
Vince Jones – additional keyboards
Matt Hyde – additional keyboards and drum programming
Phil Western – additional drum programming and synthesizers


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Hard Rock, Stoner Rock


Trackliste:

1. Melt (5:44)
2. Heads Explode (3:48)
3. Doomsday (3:48)
4. God Says No (4:30)
5. Kiss Of The Scorpion (4:01)
6. All Shook Out (4:16)
7. Gravity Well (3:20)
8. My Little Friend (4:12)
9. Queen Of You (7:02)
10. Down In The Jungle (4:49)
11. Cry (7:23)
12. Take It (2:53)
13. Silver Future (4:58)

Gesamtspieldauer: 1:00:49




Da kann man denken wie und was man will. Die Musik von Monster Magnet klingt einfach cool. Nun, das Genre wird auch nicht ganz umsonst mit Stoner Rock umschrieben und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass man normalerweise sehr relaxten, mitunter auch harten Rock von Monster Magnet zu hören bekommt. Nicht anders verhält sich das auch mit dem fünften Album der US-Amerikaner, welches im April 2001 auf A&M Records unter dem Titel „God Says No“ veröffentlicht wurde. Wieder einmal zeichnet sich Dave Wyndorf sowohl für die Musik wie für die Texte verantwortlich und das Ergebnis kann sich wahrlich sehen oder besser noch hören lassen.

Sehr entspannten Rock gibt es auf „God Says No“ zu hören, wieder begleitet von der sehr „locker“ klingenden Stimme des Dave Wyndorf. Manches Mal erinnert die Musik hier auch erneut an Hawkwind, weist auf diesem Album allerdings auch ein paar, etwas künstlichere Töne auf. Neben all dem überzeugenden Gitarrenrock wirkt solch ein Titel wie „Take It“ schon etwas ungewöhnlich. Wie mit einem kleinen Casio-Synthesizer der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts instrumentiert, wird das Lied eingeleitet. Somit hätte die Nummer, zumindest zu Beginn, auch der Anfang eines der Stücke der Neuen Deutschen Welle sein können. Mit dem mehrmaligen Hören ändert sich dann jedoch die ursprüngliche „Überraschung“ beim ersten Antesten dieses Titels in eine nette, witzige und vertraute Auflockerung, denn plötzlich geht auch diese Nummer ins Ohr.

Auch „Gravity Well“ schlägt völlig aus der Reihe. Dieses Mal sind es allerdings eher sehr schräge Gitarrentöne, die hier aufhorchen lassen. Seltsame vokale Laute und eine etwas komisch klingende Gitarre leiten dieses Lied ein, welches dann mit einer spartanischen aber schrägen Instrumentierung weitergeführt wird. Irgendwie klingt das Ganze ein wenig nach Scherz und unterscheidet sich insofern vom Rest der Platte, dass dieses Lied eben kaum ins Ohr geht. Das ist ganz anders bei den restlichen Titeln der Scheibe. Diese sind sehr wohl eingängig, oftmals sogar sehr melodiös und harmonisch klingend aufgebaut, sodass sie bereits nach wenigen Durchläufen der Scheibe ihren festen Platz im Musikgedächtnis der Hörerin beziehungsweise des Hörers eingenommen haben. Lieder wie „Doomsday“, das Titelstück „God Says No“, „Queen Of You“ oder „Cry“ sind einfach überzeugende Beispiele, dieses musikalischen Genres und werden auch nach vielen Malen des Anhörens niemals langweilig – eher das Gegenteil ist hier der Fall, sie werden immer besser. Die Musik selbst ist allgemein gar nicht immer so „hart“ auf „God Says No“, deckt oftmals auch den mittleren Bereich der Rock Musik ab und kann dort ebenfalls punkten.

Fazit: Dave Wyndorf schafft es immer wieder mit seiner Band Monster Magnet eine sehr cool geratene Musik auf Schallplatte oder Compact Disc zu pressen. Diese ist eingängig, manchmal ein klein wenig experimentell, allerdings immer spannend und sie wächst auch, je öfter man sich diese anhört. Die allermeisten Lieder auf „God Says No“ sind eingängig und melodiös gehalten, ganz egal, ob das dann eher Hard Rock ist oder der entsprechende Titel sehr viel mehr im Mid-Tempo eingespielt wurde. Auch „God Says No“ ist wieder eine überzeugende Scheibe von Monster Magnet geworden, die sich lohnt gehört zu werden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Doomsday, God Says No, Queen Of You, Cry



Donnerstag, 4. Februar 2016

Nickelback – Here And Now




Nickelback – Here And Now


Besetzung:

Chad Kroeger – lead vocals, lead guitar
Ryan Peake – rhythm guitar, piano, backing vocals
Mike Kroeger – bass, backing vocals
Daniel Adair – drums, backing vocals


Gastmusiker: 

Brian Howes – additional guitar
Rob Dawson – acoustic guitar on "Lullaby"


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. This Means War (3:20)
2. Bottoms Up (3:37)
3. When We Stand Together (3:10)
4. Midnight Queen (3:14)
5. Gotta Get Me Some (3:41)
6. Lullaby (3:48)
7. Kiss It Goodbye (3:35)
8. Trying Not To Love You (4:11)
9. Holding On To Heaven (3:51)
10. Everything I Wanna Do (3:26)
11. Don't Ever Let It End (3:49)

Gesamtspieldauer: 39:49




„Here And Now” heißt das siebte Studio-Album von Nickelback, was interessanterweise am 18. November 2011 zuerst im deutschsprachigen Raum veröffentlicht wurde. Im Rest der Welt erschien die Scheibe am 21. November, kam also drei Tage später in die Läden. Zu hören gibt es auf „Here And Now” dieses Mal eine wieder etwas weiter gefasste Variabilität in den Liedern von Nickelback. Hier hört man jetzt Mainstream Rock, Hard Rock und sogar ein paar Metal-Lieder beinhaltet die Scheibe nun.

Dadurch, dass die Kanadier hier ihre Musik wieder etwas variieren, wird das Ganze auch deutlich interessanter. Natürlich gibt es hier auch wieder Lieder, die einfach wie geschaffen sind für das Radio. Bestes Beispiel hierfür ist die Nummer „When We Stand Together“. Sehr eingängig, melodiös und dieses Mal sogar mit einem Refrain ausgestattet, der zum Mitgrölen einlädt: „Hey, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah“ kann man auch mitbrüllen, wenn man des Englischen nicht ganz so mächtig ist und es geht einem wohl auch mit der entsprechenden Promillezahl im Blut noch leicht über die Lippen.

Nun, Nickelback halten allerdings nicht nur diese Seite ihrer Musik für die Hörerin und den Hörer auf „Here And Now” parat. Das gerade erwähnte Lied „When We Stand Together“ wird zum Beispiel mit „Bottoms Up“ und „Midnight Queen“ von zwei Titeln eingerahmt, die dann sehr kompromisslos rocken. Hierbei handelt es sich schließlich auch nicht mehr um radiotaugliche Musik oder Dauerschleifenmusik und ein kommerzielles Anbiedern der Kanadier kann hier auch definitiv ausgeschlossen werden. Somit gestaltet sich diese Scheibe sehr viel interessanter und spannender als Vieles, was Nickelback sonst so ihren Hörerinnen und Hörern zu bieten hatte. Viele der Titel gehen dabei zwar nicht besonders gut und schon gar nicht beim ersten Mal des Hörens ins Ohr, aber sie rocken dafür und das ziemlich heftig – und das ist genau das, was man manchmal eben auch hören möchte, Musik die das Haupthaar ordentlich durchschüttelt.

Fazit: „Here And Now” ist ein spannenderes Album geworden, als so manch andere Scheibe der Kanadier von Nickelback. Das liegt daran, dass hier eben nicht nur Mainstream zu hören ist, sondern auch gut gemachter und vor allen Dingen harter Rock. Das gefällt sicherlich nicht jeder und jedem, eine Bereicherung im Spektrum von Nickelback stellt diese Scheibe für mich allerdings schon dar. Und die Texte vergessen wir an dieser Stelle mal ganz schnell. Neun Punkte.

Anspieltipps: When We Stand Together, Lullaby, Everything I Wanna Do



Mittwoch, 3. Februar 2016

Rome – Hell Money




Rome – Hell Money


Besetzung:

All words and music written, arranged and performed by Jerome Reuter


Label: Trisol


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Folk, Neofolk


Trackliste:

1. Tangier Fix (2:49)
2. Fester (3:56)
3. This Silver Coil (5:20)
4. Rough Magic (4:24)
5. Among The Wild Boys (2:47)
6. Amsterdam, The Clearing (3:18)
7. Silverstream (3:11)
8. Tightrope Walker (Wild Milk) (3:38)
9. Pornero (2:40)
10. Golden Boy (4:01)
11. Red-Bait (1:52)
12. The Demon Me (Come Clean) (5:09)

Gesamtspieldauer: 43:11




„Hell Money“ heißt das neunte Studioalbum des Luxemburgers Jerome Reuter, àlias Rome. 2012 erschien es auf dem Label Trisol und diese Platte ist bei vielen Fans der Band eine einigermaßen umstrittene Scheibe. Dies liegt sicherlich nicht daran, dass man auf „Hell Money“ wieder einige Soundkollagen zu hören bekommt, natürlich auch erneut der sehr sonoren und eingängigen Stimme des Jerome Reuter lauschen darf und auch nicht daran, dass es auf „Hell Money“ wieder sehr viel Folk zu hören gibt. Der Grund liegt darin, dass diese Scheibe sich trotz all dieser bewährten Ingredienzien etwas anders anhört, als so viele Platten von Rome zuvor.

Aber warum das? Fehlt da irgendetwas? Nun, genau das ist der Grund, warum diese Scheibe etwas anders geworden ist. Auf „Hell Money“ vermisst man nämlich diesen Neofolk-Anstrich, gewürzt mit etwas Industrial, der die Musik des Jerome Reuter sonst immer so gewürzt hat. Auf „Hell Money“ hört man zwar zumeist schöne Folk Musik, die auch ganz eindeutig im 21. Jahrhundert entstanden ist, sich jedoch nicht mehr sehr von weitaus älteren musikalischen Vertretern dieses Genres unterscheidet – vielleicht noch ansatzweise ab und an, aber nicht mehr sehr stark. Das bedeutet, dass es hier auf dieser Scheibe wohl noch schöne und eingängige akustische, Gitarren-lastige Musik zu hören gibt, jedoch das Besondere, das fehlt dem Album ein klein wenig.

Entledigt man sich allerdings diesem neueren Ansatz des Folk-Genres und nähert sich dem Album ohne irgendwelche Erwartungen, so lassen sich auch hier einige sehr gelungenen Titel entdecken, die es lohnt, gehört zu werden. Eines dieser Lieder heißt „Rough Magic“, geht mit all seinen Harmonien sofort ins Ohr und möchte sich daraus auch gar nicht mehr verabschieden. „Tightrope Walker (Wild Milk)“ und auch „Pornero“ sind ebenfalls sehr gelungene Nummern, die ins Ohr gehen. Allerdings sind sie auch etwas „alltäglicher“ geworden, entsprechen nicht mehr ganz den Ansprüchen, die Lieder häufig auf früheren Platten von Rome erfüllten.

Noch einiges mehr gibt es auf „Hell Money“ zu entdecken, da wird beim Hören die Luft häufig mit Melodiösität angefüllt, auch wenn nicht mehr alles so klingt, wie die Musik auf früheren Alben und dies hat noch weitere Gründe. „Hell Money“ unterscheidet sich auch dadurch von den Veröffentlichungen des Jerome Reuter vergangener Jahre, da die auf Deutsch eingesprochenen Texte hier nun völlig fehlen. Alles ist dieses Mal in englischer Sprache gehalten, was ein weiteres Argument dafür darstellt, dass „Hell Money“ ein irgendwie sehr viel „normaleres“ Album geworden ist. Keine Abwechslung mehr bezüglich der Sprache… Dazu kommt noch der Umstand, dass Jerome Reuter dieses Mal wirklich gar keine Hilfe von anderen Musikern mehr in Anspruch nahm, auf der Scheibe absolut alles in Eigenregie einspielte. „Hell Money“ ist eine Platte mit leicht in die neue Zeit übertragener Folk-Musik, zumeist harmonisch und melodiös, jedoch ohne den besonderen, innovativen Anspruch.

Fazit: Wer Folk Musik mag, die oder der wird auch „Hell Money“ lieben. Nur ein paar wenige Soundkollagen sind hier noch etwas experimentell, ansonsten ist diese Platte eine etwas alltägliche Scheibe geworden – zumindest für den Ansatz, den Rome sonst immer für seine Veröffentlichungen auswählt hat. Geht man ganz unvoreingenommen an dieses Album heran, dann gibt es darauf allerdings durchaus einiges zu entdecken. Möchte man es allerdings mit früheren Rome-Werken vergleichen, könnte dies jedoch zu Frust und Enttäuschung führen. Schön klingt es zumeist trotzdem. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Rough Magic, Amsterdam The Clearing



Dienstag, 2. Februar 2016

Three – To The Power Of Three




Three – To The Power Of Three


Besetzung:

Keith Emerson – keyboards
Robert Berry – vocals, guitars, bass
Carl Palmer – drums


Gastmusiker: 

Suzie O'List – backing vocals
Kim Liatt J. Edwards – backing vocals
Lana Williams – backing vocals


Label: Geffen Records


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: Mainstream, AOR


Trackliste:

1. Talkin' Bout (4:00)
2. Lover To Lover (4:12)
3. Chains (3:42)
4. Desde La Vida (7:06)
     (I) La Vista
     (II) Frontera
     (III) Sangre De Toro
5. Eight Miles High (4:08)
6. Runaway (4:42)
7. You Do Or You Don't (5:02)
8. On My Way Home (4:46)

Gedsamtspieldauer: 37:57




Es gab Emerson, Lake & Palmer, dann Emerson, Lake & Powell, nun also auch noch „Three“, was ausgeschrieben Emerson, Palmer & Berry bedeutet. Die 80er Jahre waren das Jahrzehnt der „Supergroups“, in dem die Progressive Rock Heroen verschiedener Bands der 70er Jahre sich zusammenfanden und neue Bands wie Asia oder GTR gründeten. Diese betätigten sich dann auf dem Felde des Mainstreams, des AOR, um gerade auf dem nordamerikanischen Musikmarkt noch den ein oder anderen Dollar zu verdienen – vor allen Dingen mit ihren Namen. „Three“ passt genau in diese „Schublade“, denn solo lief es weder bei Keith Emerson noch bei Carl Palmer und Robert Berry war als Bassist nicht mehr bei GTR zum Zuge gekommen, da dort die Bandmitglieder auch nicht mehr miteinander konnten. Nichts lag also näher, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, mehrere bekannte Namen müssen doch endlich auch wieder Musik verkaufen können

„To The Power Of Three“ wurde im März 1988 bei Geffen Records veröffentlicht und hat nur sehr wenig mit der Musik von Emerson, Lake & Palmer gemein. Die Musik von GTR oder spätere Asia-Alben ähneln den Liedern auf „To The Power Of Three“ von Three da schon deutlich mehr. Spannend ist das nicht, was man da zu hören bekommt, bombastisch manchmal schon, oberflächlich eingängig durchaus auch. Man kann sich diese Musik anhören, sie bleibt nur leider nicht hängen. Alles scheint auf den einen Augenblick des Hörens im Radio hingetrimmt zu sein. Dieser erste Eindruck sollte sitzen, Tiefgang musste das alles nicht mehr haben – und hat es auch nicht.

Man hört auf „To The Power Of Three“ acht Titel, die alle derselben Machart entsprechen, möglichst eingängig soll es klingen, ohne allzu viele Schnörkel, damit das nordamerikanische und männliche Publikum sich auch nicht allzu sehr beim Hören anstrengen muss. Anders ausgedrückt könnte man die ganze Scheibe auch mit überaus langweilig und belanglos umschreiben und würde den Nagel perfekt auf den Kopf treffen. Die Platte beinhaltet langweilige 08/15-Mainstream-Musik, bei der es völlig gleichgültig ist, ob diese – wie meistens – von Robert Berry stammt oder eine Gemeinschaftsproduktion aller drei Musiker darstellt. Lediglich die beiden Titel, von denen „Frontera“ sogar nur ein Teil der Nummer „Desde La Vida“ darstellt und das ganz nette „On My Way Home“ von Keith Emerson können da zumindest etwas punkten. Leider reihen sich ansonsten auch die zwei Cover-Versionen, „Chains“ und „Eight Miles High“ in diesen musikalischen Einheitsbrei ein. Wobei man diese Interpretation des Byrd Klassikers „Eight Miles High“ fast schon als musikalische Vergewaltigung empfinden kann.

Fazit: Mit Progressive Rock à la Emerson, Lake & Palmer hat diese Platte nur noch sehr wenig gemein. Sie floppte auch an der Ladentheke und brachte längst nicht den Erfolg, den sich die Protagonisten damals wohl davon versprachen. Die Scheibe erreichte trotz dieser kommerziellen Musik lediglich Platz 97 der US Billboard Charts. Keith Emerson äußerste angeblich später sogar mal in einem Interview, dass Three das kommerziellste Projekt gewesen sei, an dem er persönlich beteiligt gewesen wäre. Nun, so klingt es eben auch. Kommerziell, belanglos, langweilig. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Desde La Vida, On My Way Home



(Die GEMA unterbindet in Deutschland mal wieder jegliche Wiedergabe der Band auf YouTube. In allen anderen Ländern kann man die Titel nachhören. Ich befürchte die haben hier Angst, dass man die Lieder hört und die Platte gar keiner mehr kaufen will.)

Montag, 1. Februar 2016

XTC – Black Sea




XTC – Black Sea


Besetzung:

Terry Chambers – tama drums, tama snyper drum synthesizer, free form vocals
Dave Gregory – guitars, synthesizer, piano, vox humana
Colin Moulding – vocals, epiphone, newport bass
Andy Partridge – vocals, guitar, synthesizer


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: New Wave, Pop


Trackliste:

1. Respectable Street (3:37)
2. Generals And Majors (4:04)
3. Living Through Another Cuba (4:45)
4. Love At First Sight (3:06)
5. Rocket From A Bottle (3:30)
6. No Language In Our Lungs (4:52)
7. Towers Of London (5:24)
8. Paper And Iron (Notes And Coins) (4:14)
9. Burning With Optimism's Flames (4:15)
10. Sgt. Rock (Is Going To Help Me) (3:56)
11. Travels In Nihilon (6:56)

Gesamtspieldauer: 48:39




Die Musik der englischen Band XTC aus Swindon, England, ist nie wirklich einfach, nie zu melodiös oder eingängig. Nicht anders verhält es sich auch bei ihrem vierten Album aus dem Jahr 1980. „Black Sea“ heißt dieses und wurde auf Virgin Records im September dieses Jahres veröffentlicht. Zu hören gibt es darauf wieder jede Menge New Wave- bis Pop-Lieder, die alle ein wenig schräg und verschroben klingen. Allerdings fängt dieses etwas „Anderssein“ nicht erst bei der Musik an, bereits das Cover hält den Namen der Band in einer nicht ganz alltäglichen Art und Weise für den Konsumenten parat. Dort bilden nämlich eine Möwe, der Schiffsmast sowie ein Halbmond den Bandnamen XTC.

Musikalisch gesehen liegt das Besondere der Band zum einen an den Gesängen von Colin Moulding und Andy Partridge, die sich immer mal wieder mit ihrer Stimme überschlagen und ganz bewusst mitunter etwas „unbeholfen“ klingen. Allerdings ist auch die Musik keineswegs allzu eingängig und das ändert sich auch nicht, wenn man sich die Platte hundert Mal zu Gemüte führt. Klar klingen die einzelnen Lieder dann bekannter und vertrauter, jedoch werden sie dadurch auch nicht nur ein ganz kleines bisschen melodiöser oder aber harmonischer. Die Musik bleibt schwierig.

Was sich bei XTC immer lohnt, das ist den Texten ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Diese enthalten auch politische Botschaften, die durchaus zum Nachdenken anregen können, wenn man sich denn neben der Musik auch damit beschäftigen möchte. Ebenfalls sehr gelungen ist die Abmischung sowie die ganze Produktion der Scheibe an sich. Hier passt und funktioniert alles bestens. Das Album klingt voll und technisch überaus ausgereift, was man nicht von allen Pop-Scheiben zu Beginn der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts behaupten kann.

Fazit: XTC sind schon eine sehr seltsame Band. So großartig über den Status des Geheimtipps sind sie auch nie hinausgekommen, was sehr wahrscheinlich an jener fehlenden Melodiösität liegt. Diese, irgendwie schon mit Disharmonie zu umschreibenden Akkorde, gibt es zwar nicht durchgängig bei XTC zu hören, jedoch durchgängig auf „Black Sea“, einem Album, bei dem mir kein einziges Lied ins Ohr gehen möchte. Da helfen dann die guten Texte leider auch nicht mehr. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Respectable Street, Towers Of London



Sonntag, 31. Januar 2016

Steven Wilson – 4½




Steven Wilson – 4½


Besetzung:

Steven Wilson – guitars, lead vocals, autoharp, mellotron, piano, percussion, virtual instruments


Gastmusiker:

Adam Holzman – wurlitzer, hammond organ, minimoog, rhodes, piano
Dave Kilminster – guitar
Nick Beggs – bass, chapman stick, backing vocals
Guthrie Govan – guitar (track 3)
Craig Blundell – drums (tracks 1, 5, and 6)
Marco Minnemann – drums (track 3)
Chad Wackerman – drums (track 4)
Theo Travis – reeds (tracks 4 and 6)
Ninet Tayeb – vocals (track 6)


Label: Kscope


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Progressive Rock, Rock


Trackliste:

1. My Book Of Regrets (9:35)
2. Year Of The Plague (4:19)
3. Happiness III (4:32)
4. Sunday Rain Sets In (3:54)
5. Vermillioncore (5:13)
6. Don't Hate Me (9:34)

Gesamtspieldauer: 36:51




Ups, da bringt Steven Wilson Anfang des Jahres sein neues Studioalbum raus und man fragt sich, wie er das alles „auf die Reihe bekommt.“ So viele Projekte und dann zusätzlich noch das Re-Mastering alter Klassiker verschiedener Bands und dann schon wieder eine neue Veröffentlichung? Wieso hat der Tag eines Steven Wilson eigentlich mehr als 24 Stunden und meiner nicht? Nun, die Antwort ist bereits im Titel des Albums eingepflegt. „4½“ bedeutet in diesem Fall, dass es sich wohl doch nicht so ganz um die fünfte Solo-Platte des Porcupine Tree Sängers und Gitarristen handelt. Auf „4½“ gibt es Musik zu hören, die schon, zumindest in den Ursprüngen, etwas länger existiert. Nur hatte es diese Musik bisher in jener Form weder auf ein Porcupine Tree noch auf ein Steven Wilson Solo-Album geschafft. Man kann hier zwar nicht von „Resteverwertung“ sprechen, denn dazu ist das hier zu hörende Material einfach zu gut und auch noch erweitert und überarbeitet worden, jedoch beinhaltet „4½“ Musik, die eben ursprünglich nicht extra für diese Scheibe geschrieben wurde und die mancher Hörerin, manchem Hörer vielleicht an den ein oder anderen Stellen sogar bereits bekannt vorkommt.

Nun, dies wird sicherlich beim letzten Lied „Don’t Hate Me“ der Fall sein, welches Porcupine Tree Freunde bereits von der Platte „Stupid Dream“ aus dem Jahr 1999 her kennen dürften. Die Nummer ist in dieser Version auf „4½“ allerdings ein wenig „aufgehübscht“ worden. So hört man hier neben Steven Wilson selbst, Ninet Tayeb beim Gesang, die bereits auf dem letzten Steven Wilson Album „Hand.Cannot.Erase“ zu hören war. Dazu gesellt sich Theo Travis am Saxophon mit einem wahrlich beeindruckenden Solo, welches Erinnerungen an Pink Floyds „The Dark Side Of The Moon“ aufkommen lässt. Auch sonst taucht immer wieder mal eine Akkordfolge auf „4½“ auf, die einem bereits in einem Pocupine Tree oder aber einem Solo-Werk des Steven Wilson begegnet war. Allerdings handelt es sich hier nun wirklich nur um kurze Fragmente, nicht mehr so wie bei „Don’t Hate Me“ um ein vollständiges Lied.

Ansonsten hört man auf „4½“ manchmal sphärische Musik, manchmal sehr überzeugenden Progressive Rock, wie er eben im 21. Jahrhundert klingt. Da gibt es die langsamen und getragenen Parts genau wie die treibenden Abschnitte. Und wieder hat es Steven Wilson dabei geschafft, viele neue Melodien zu kreieren die sich ziemlich schnell bei Hörerin und Hörer festzusetzen verstehen. Das macht schon jede Menge Laune auf mehr, welche allerdings bei einem Album, das in der heutigen Zeit deutlich unter vierzig Minuten Laufzeit aufweist, nicht befriedigt wird. Dies ist ganz klar ein Nachteil dieser Scheibe, die sonst musikalisch durchaus zu überzeugen versteht. Und wenn man sich dann noch bewusst macht, dass dies hier eine Platte ist, angefüllt mit ursprünglichen Schnipseln und Ideen, die zum Teil aus Liveauftritten stammen oder bereits über zwölf Jahre alt sind, dann wundert man sich noch ein wenig mehr, wie viel Kreativität in diesem Musiker zu stecken scheint.

Fazit: Nun, „4½“ kann durchaus als das fünfte Solo-Album des Steven Wilson angesehen werden, auch wenn die Ideen auf dieser Platte schon deutlich vor dem Veröffentlichungstermin entstanden sind und zum größten Teil dann Mitte des Jahres 2015 erst fertiggestellt wurden. Das Album ist etwas kurz geraten, sicherlich ein kleiner Nachteil, allerdings entschädigt die Musik dafür, die Steven Wilson Fans den Tag versüßen dürfte. Zehn Punkte.

Anspieltipps: My Book Of Regrets, Year Of The Plague, Don't Hate Me



Samstag, 30. Januar 2016

World Party – Private Revolution




World Party – Private Revolution


Besetzung:

Karl Wallinger – vocals, guitars, bass, sampling keyboards


Gastmusiker:

Delahaye – percussion
Rufus Dove – electric guitars
Martin Finnucane – harp ("Dance Of The Hoppy Lads")
Ahmed Gottlieb – sitar and tabla
Millennium Mills – piano
Sinéad O'Connor – backing vocals ("Private Revolution", "Hawaiian Island World")
Anthony Thistlethwaite – saxophone ("Ship Of Fools")
Will Towyn – sampling keyboards
Steve Wickham – violin


Label: Chrysalis Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Private Revolution (4:01)
2. Making Love (To The World) (2:30)
3. Ship Of Fools (4:27)
4. All Come True (5:52)
5. Dance Of The Hoppy Lads (0:44)
6. It Can Be Beautiful (Sometimes) (3:00)
7. The Ballad Of The Little Man (5:02)
8. Hawaiian Island World (4:20)
9. All I Really Want To Do (4:43)
10. World Party (4:36)
11. It's All Mine (5:33)

Gesamtspieldauer: 45:04




„World Party“ ist das Projekt des Walisers Karl Wallinger, der vorher, von 1983 bis 1985, die Keyboards bei Mike Scotts Waterboys spielte. Schließlich verließ er die Band, um World Party zu gründen. Was ebenfalls wie eine Band, bestehend aus mehreren Musikern aussieht, ist jedoch praktisch ein Solo-Projekt des Karl Wallinger. Dieser erhielt auf „Private Revolution“ zwar Unterstützung durch Anthony Thistlethwaite, Steve Wickham und Sinéad O'Connor, steckt jedoch selbst hinter den meisten anderen, in den Credits genannten Namen. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass auch nur Karl Wallinger selbst auf dem Album-Cover zu sehen ist. „Private Revolution“ stellt das erste von insgesamt fünf Alben bis zum Jahr 2000 von World Party dar und wurde 1986 auf dem Label Chrysalis Records veröffentlicht.

Zu hören gibt es auf „Private Revolution“ meist gut gemachte und nicht ganz alltägliche Pop-Musik, die hin und wieder auch ein wenig in den Bereich des Rocks ausschlägt. Nicht abzusprechen ist dem walisischen Musiker dabei sein Gefühl für die eingängige Melodie, die sich immer wieder im Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers festzusetzen versteht. Dies allerdings obwohl es auf „Private Revolution“ durchaus auch mal einen ungewohnten, vielleicht etwa schrägeren Ton zu hören gibt. Nach Mainstream-Pop klingt diese Plätte nämlich absolut nicht. Die Stimmung auf dieser Scheibe ist dabei eine durchaus fröhliche, ohne dabei überschwänglich zu wirken. Traurig, melancholisch oder aber sentimental klingt jedoch nichts auf „Private Revolution“.

Herausragendes Stück dieses Albums ist sicherlich das Stück „Ship Of Fools“. Klasse Melodie, ein Rhythmus zum Mitwippen, eine sehr gelungene Instrumentierung, bei der es auch ein Saxophon zu hören gibt und dazu ein überaus intelligenter Text – Pop-Rock-Fan was erwartest Du mehr? Aber die Scheibe hat durchaus noch ein paar „Perlen“ mehr zu bieten. Das Bob Dylan Cover „All I Really Want To Do” lohnt sich genau wie das Lied es Bandnamens „World Party”, welches zuerst sphärisch, dann eher folkig und schließlich doch wieder poppig klingt. Und dann gibt es da auch noch die sehr kurze Instrumentalnummer „Dance Of The Hoppy Lads“, die man gerne noch länger hören würde. Klingen die Lieder dagegen etwas nach Synthie Pop, wie das ein klein wenig bei den ersten beiden Stücken auf „Private Revolution“ der Fall ist, ist die Musik von World Party bei Weitem nicht mehr so überzeugend und in diesen Fällen eher enttäuschend.

Fazit: Ein wirklich interessantes Pop-Album ist „Private Revolution“ von World Party geworden. Nicht alles darauf ist zwar gleich überzeugend, doch es gibt einige Lieder, die einfach Lust auf mehr nach dieser „Band“ machen, die im Grunde genommen ein Karl Wallinger Solo-Projekt ist. Nicht unbedingt Musik, die einen so gar nicht mehr loslässt, obwohl „Ship Of Fools“ sicherlich länger hängenbleibt, jedoch Pop-Musik, die sich oftmals positiv von der „Durchschnittsware“ abhebt. Neun Punkte.

Anspieltipps: Ship Of Fools, Dance Of The Hoppy Lads, World Party