Samstag, 12. August 2017

Infamis – Another Last Goodbye




Infamis – Another Last Goodbye


Besetzung:

Deelay – drums, backing vocals, choir
R. Schwettge – vocals, percussion
M. Schild – guitar, banjo, bass, backing vocals, choir
P. Moulin – guitar, organ, backing vocals, choir
A. Krohn – bass, choir
M. Buhrmeister – bass
O. Peters – bass
T. Haase – bass
M. Maasbrock – drums
Kool Bone – choir
Matt – choir
Paul Woods – choir


Label: Moloko Plus


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. On (1:13)
2. Some Day (6:06)
3. Cynthia (4:07)
4. Behind The Door (Moon's Paradise) (3:25)
5. Bad Luck (3:57)
6. Ballad Of Sadface (6:50)
7. The Warden (4:25)
8. Gimme An Orange (1:08)
9. Another Last Goodbye (5:56)
10. Off (1:44)

Gesamtspieldauer: 38:57




Infamis ist eine Band aus Berlin, die zu Beginn ihres Schaffens ihre Lieder in englischer Sprache vortrug, dann jedoch zur deutschen Sprache überwechselte. Der größte Fan der Band dürfte wohl Filmemacher Wim Wenders sein, der durch einen Radiomoderator, „mit dem man gut über Musik reden konnte und der viel davon verstand“, wie Wim Wenders in einem Interview sinngemäß sagte, auf die Band aufmerksam wurde. Er hörte sich die bisherigen Platten von Infamis an, lernte sie zu schätzen und ihre Musik zu lieben. So sehr sogar, dass er sie für sein eigenes Plattenlabel verpflichte. Das war allerdings nach „Another Last Goodbye“, welches im Jahr 1997 noch auf dem Label Moloko Plus veröffentlicht worden ist.

Man kann es nicht so ganz verstehen, warum Infamis nicht einem breiteren Publikum bekannt sind. So hört man auf „Another Last Goodbye“ gut gemachten Alternative Rock aus Deutschland, der wie beim Titel „Behind The Door (Moon's Paradise)“ mitunter sogar einen klitzekleinen Country Einschlag aufweist. Ansonsten wird gerockt auf dieser Scheibe, jedoch kommen die ruhigeren und sanfteren Töne auch nicht zu kurz. Dabei ist die Musik eingängig und melodiös, auch wenn man sich in die Lieder erst hineinhören muss. Die Stimmung des Albums ist allgemein eine eher dunkle und traurige. Die einzelnen Lieder sind atmosphärisch dicht und können damit durchaus beeindrucken. Nahezu perfekt dazu passt die Stimme von Sänger René Schwettge, der den traurig melancholischen bis düsteren Eindruck der einzelnen Lieder noch verstärkt.

Höhepunkte auf „Another Last Goodbye“ sind für mich das bereits erwähnte „Behind The Door (Moon's Paradise)“, da es schön ins Ohr geht. Dann ist da die Nummer „Ballad Of Sadface“. Dieses Lied ist wahrlich ergreifend. Es steigert sich langsam, wird immer intensiver, ist plötzlich beendet und startet erneut, um die ursprüngliche Stimmung wieder aufzunehmen. Tolles Stück. Und schließlich soll hier auch das Titellied „Another Last Goodbye“ nicht unerwähnt bleiben. Ein rockiger Titel, der zu pulsieren scheint und über diesen gewissen Wiedererkennungswert verfügt. Die Melodie geht ins Ohr, setzt sich fest. Ganz klar, das sind alles keine Lieder, die im Radio laufen. Infamis machen keine Musik, die man schnell nebenher konsumieren kann. Auf das Album „Another Last Goodbye“ und diese Musik muss man sich einlassen können, dann wird man reich belohnt.

Fazit: Deutschen Alternative Rock dieser Ausprägung kenne ich sonst nicht. Infamis präsentieren ihren Hörerinnen und Hörern auf dem Album „Another Last Goodbye“ sehr intensive Musik, die packt und beeindruckt, nicht zuletzt mit einer dunklen Grundstimmung. Lieder in die man eintauchen kann. Für alle, die sich für Musik außerhalb des Mainstreams interessieren und die der Musik auch Zeit geben, sich entwickeln zu können. Elf Punkte.

Anspieltipps: Behind The Door (Moon's Paradise), Ballad Of Sadface, Another Last Goodbye



Freitag, 11. August 2017

Udo Lindenberg – Stark Wie Zwei




Udo Lindenberg – Stark Wie Zwei


Besetzung:

Udo Lindenberg – Gesang


Gastmusiker:

Tim Lorenz – Schlagzeug
Bertram Engel – Schlagzeug
Steffen Wilmking – Schlagzeug
Tobias Kuhn – Gitarre
Henrik Menzel – Gitarre, String Arrangement
Andreas Herbig – Gitarre
Jem – Gitarre, Schlagzeug 
Jörg Sander – Gitarre
Carola Ruby Kretschmer – Gitarre
Stephan Gade – Bass, Gitarre
Alexander von Oswald – Gitarre
Tim Humpe – Gitarre
Steffi Stephan – Bass
Dave Anderson – Keyboards, String Arrangement
Jean-Jacques Kravetz – Keyboards
Hendrik Schaper – Keyboards
Martin Tingvall – Keyboards, Piano
Stephan Pintev – Strings
Rodrigo Reichel – Strings
Vince Bahrdt – String Arrangement
Jan Delay – Gesang
Stefanie Kloß – Gesang
Helge Schneider – Gesang und viele Instrumente
Daniel Kramer – Harfe
Oleg “Rool” Rovner – Horn
Philipp Sindi – Horn
Johnny Johnson – Horn
Lukas Fröhlich – Horn
Tiao Borkowski – Horn
Till Brönner – Trompete, Flügelhorn
Martin Gallop – Pedal Steel, Keyboards
Hagen Kuhr – Cello


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Ich zieh’ meinen Hut (3:56)
2. Wenn du durchhängst (4:19)
3. Ganz anders (4:06)
4. Was hat die Zeit mit uns gemacht? (4:17)
5. Mein Ding (4:25)
6. Stark wie Zwei (4:17)
7. Der Deal (3:59)
8. Chubby Checker (4:14)
9. Der Greis ist heiß (4:28)
10. Woddy Woddy Wodka (5:30)
11. Nasses Gold (5:45)
12. Interview mit Gott (4:19)
13. Verbotene Stadt (5:07)
14. Der Astronaut muss weiter (3:18)

Gesamtspieldauer: 1:02:06




Mit seinem 35. Studioalbum hat es Udo Lindenberg dann doch noch geschafft, was ihm in den vielen Jahren und mit allen seiner bisherigen Platten in seiner Karriere bisher verwehrt geblieben war: Der gebürtige Westfale aus Gronau hatte endlich sein Nummer 1 Album veröffentlicht. „Stark Wie Zwei“ heißt die Scheibe und sie erschien am 28. März 2008 auf dem Plattenlabel Warner Brothers Records.

Jede Menge Gastmusiker sind Teil der Platte geworden, die bei einzelnen Titeln mit Udo Lindeberg zusammen singen und musizieren. Jan Delay, Stefanie Kloß mit ihrer Band Silbermond, Helge Schneider und Till Brönner hört man auf „Stark Wie Zwei“. Annette Humpe tritt als Mitkomponistin in Erscheinung. Auf dem Album hört man eine Mischung aus Pop- und Rock-Titeln, mit denen Udo Lindenberg häufig wieder so klingt, wie zu Beginn seine Karriere. Auch viele der Texte scheinen in ihrer Machart genau jenen 70er Jahren zu entspringen, in denen Udo Lindenberg ganz zwanglos deutsche und englische Ausdrücke und Formulierungen kombinierte und sich für so manch neue und kreative Wortschöpfung verantwortlich zeigte. „Stark Wie Zwei“ wirkt wie eine Rückbesinnung oder gar Zusammenfassung seiner bisherigen Alben.

Einige sehr schöne Titel verbergen sich auf „Stark Wie zwei“, ein Album, welches auch durch seine Laufzeit von über einer Stunde sehr positiv auffällt. Höhepunkt ist das Lied „Woddy Woddy Wodka“. Sehr melodiös und voll klingend, mit einem schönen Text ausgestattet, der Überraschungen bereithält. Weitere überzeugende Nummern sind „Ich zieh’ meinen Hut“, „Was hat die Zeit mit uns gemacht?“ und „Verbotene Stadt“. Nur wenig auf der Platte klingt nach Füllmaterial, für jede und jeden scheint hier etwas dabei zu sein. Schöne Melodien und Texte, von nachdenklich bis hin zu einem Lächeln auf das Gesicht zaubernd, kann man auf „Stark Wie zwei“ hören.

Fazit: Udo Lindenberg hat zu seinen Wurzeln zurückgefunden. Inhaltlich und musikalisch klingt das bereits 35. Studioalbum oftmals wie zu Beginn seiner langen Karriere in den 70er Jahren. Jene Lieder, die er mit anderen bekannten Musikern einspielte, gehören nicht zu den Höhepunkten, bilden allerdings eine nette Abwechslung. Nicht alles, aber viel macht von dieser Pop-und Rock-Mischung Spaß und einiges bleibt dabei auch richtig fest und nachhaltig hängen. Neun Punkte.

Anspieltipps: Woddy Woddy Wodka



Donnerstag, 10. August 2017

Pallbearer – Foundations Of Burden




Pallbearer – Foundations Of Burden


Besetzung:

Brett Campbell – lead vocals, guitar
Devin Holt – guitar, vocals on songs 1 & 3
Joseph D. Rowland – bass guitar, piano, Rhodes, analog synthesizer, vocals on songs 1, 4, 5
Mark Lierly – drums


Label: Profound Lore Records


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: Doom Metal


Trackliste:

1. Worlds Apart (10:16)
2. Foundations (8:41)
3. Watcher In The Dark (10:40)
4. The Ghost I Used To Be (10:17)
5. Ashes (3:19)
6. Vanished (11:41)

Gesamtspieldauer: 54:56




„Foundations Of Burden“ heißt das zweite Studioalbum der US-amerikanischen Doom Metal Band Pallbearer aus Arkansas. Es erschien am 19. August im Jahr 2014 und wurde auf dem Plattenlabel Profound Lore Records veröffentlicht. Die sechs auf dem Album enthaltenen Titel enthalten Doom Metal in zumeist unverfälschter Form. Großartige Abwechslung gibt es dabei nicht zu hören, wäre beim Thema Doom Metal auch wohl gar nicht so einfach zu verwirklichen. Die einzelnen Lieder sind gerade zu Beginn des Albums monoton bis fast an die Schmerzgrenze, klingen dabei dumpf und düster nach Tristesse, Vergänglichkeit und sehr viel Schatten.

Genau so muss Doom Metal wohl auch klingen. Hier stehen keine Melodie im Vordergrund, sondern ein harter und schwerer Gitarrensound, der einem in fast schon hypnotisch wirkender Monotonie um die Ohren geknallt wird. Ganz bestimmt machen Pallbearer keine Musik für zartbesaitete Feingeister, das Ganze ist eher etwas für „richtige“ Männer, maskuline Musik par excellence. Ein klein wenig „besinnlicher“, melodiöser und auch fröhlicher klingt es nur zum Ende des Albums hin. Das kurze „Ashes“ muss man an dieser Stelle erwähnen, genau wie die nachfolgende Nummer „Vanished“. Das letzte Lied des Albums besitzt sogar eine eingängige Melodie und verbindet auf diese Weise die Attribute des Doom Metal mit denen des Rock in überzeugender Art und Weise. Für die ersten vier Titel stimmt dies so allerdings nicht. Ein dort einmal eingeschlagener Weg wird konsequent über die Laufzeit des entsprechenden Liedes beibehalten. Und dieser Weg ist immer ein dunkler und vernichtender.

Man muss sich definitiv einhören in diese Musik, die nach vielen Durchläufen dann doch auch zu Beginn der Platte mehr Abwechslung offenbart, als zunächst hörbar war. Eingängig wird die Musik damit zwar immer noch nicht sonderlich – das wäre bei Doom Metal ja auch noch schöner – trotzdem setzen sich die Lieder langsam fest. „Foundations Of Burden“ beinhaltet Musik, auf die man sich definitiv konzentrieren muss, so eben nebenbei Zuhören funktioniert mit diesen Liedern überhaupt nicht.

Fazit: Düstreren bis dunklen Doom Metal bekommt man zu allermeist von Pallbearer auf ihrem zweiten Studioalbum „Foundations Of Burden“ serviert. Steht man diesem musikalischen Genre offen gegenüber, so lässt sich in die Musik von Pallbearer bestens eintauchen. Pallbearer bedeutet auf Deutsch „Sargträger“. Gar nicht mal so unpassend dieser Name für so gar nicht fröhliche Musik. Acht Punkte.

Anspieltipps: Ashes, Vanished



Mittwoch, 9. August 2017

The Sensational Alex Harvey Band – Inside The Sensational Alex Harvey Band (DVD)




The Sensational Alex Harvey Band – Inside The Sensational Alex Harvey Band (DVD)


Label: Classic Rock Productions


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Band Dokumentation


Kapitel:

1. Framed (1972)
2. Next (1973)
3. The Impossible Dream (1974)
4. Tomorrow Belongs To Me (1975)
5. Live (1975)
6. The Penthouse Tapes (1976)
7. SAHB Stories (1976)
8. Rock Drill (1978)

Gesamtlaufzeit: 1:11:24




„Inside The Sensational Alex Harvey Band“ ist kein Musikfilm im herkömmlichen Sinne. Zu sehen ist auf dem etwas über 70-minütigen Film eine Art Band-Biographie beziehungsweise Dokumentation, in der neben Alex Harvey selbst, eine ganze Reihe weiterer Personen zu Wort kommen. Dies sind Bandmitglieder, Produzenten, Moderatoren, Musik-Journalisten sowie Musiker anderer Bands.

Im Zentrum des Films stehen die Alben Framed (1972), Next (1973), The Impossible Dream (1974), Tomorrow Belongs To Me (1975), Live (1975), The Penthouse Tapes (1976), SAHB Stories (1976) sowie Rock Drill (1978). Entstehung, Innovation und Erfolg dieser Alben werden anhand ausgewählter, darauf enthaltener Lieder beleuchtet. Die Musik läuft nie durch, man sieht Ausschnitte aus Konzerten oder Fernsehauftritten, die allerdings immer nur wenige Sekunden laufen, bis wieder einer der Interviewpartner seine Sicht der Dinge wiedergibt. Schade, ein wenig mehr Musik hätte diesen Film noch aufgewertet.

Wer mit „Inside The Sensational Alex Harvey Band“ also die Musik der Sensational Alex Harvey Band kennenlernen möchte, wird sich sehr schwer tun. Der Film ist für Fans gemacht, die noch etwas mehr über „ihre“ Band erfahren möchten, die Entstehung der Lieder und die Entwicklung der Band. Quintessenz am Ende des Films: Die Sensational Alex Harvey Band hat niemals die Aufmerksamkeit erhalten, die ihr eigentlich gebühren würde und Alex Harvey ist leider viel zu früh verstorben und wird vermisst. Kann man alles unterschrieben.

Fazit: Ein Film für Fans, auf dem die Musiker und zahlreiche, in der Musik engagierte Kenner der Sensational Alex Harvey Band zu Wort kommen. Ein oder zwei Lieder aus jedem Album werden bezüglich ihrer Entstehung oder Bedeutung genauer beleuchtet und besprochen. Es gibt auf „Inside The Sensational Alex Harvey Band“ kein Lied komplett zu hören, noch nicht einmal ansatzweise, was definitiv ein Nachteil dieser Dokumentation ist. Ansonsten für Alex Harvey Fans natürlich sehr geeignet. Zehn Punkte.



Dienstag, 8. August 2017

Tindersticks – The Waiting Room




Tindersticks – The Waiting Room


Besetzung:

David Boulter – glockenspiel, harmonium, organ (hammond), percussion, wurlitzer piano
Neil Fraser – guitars
Earl Harvin – bass, drums, tambourine vocals, wurlitzer piano
Dan McKinna – bass, guitar, organ (hammond), piano, string arrangements
Stuart Staples – brass arrangement, guitar (electric), keyboards, melodica, percussion, string arrangements, vocals, voices


Gastmusiker:

Thomas Belhom – cymbals
Jehnny Beth – vocals
Harry Brown – trombone
Lhasa de Sela – vocals
Terry Edwards – sax (tenor)
Jo Fraser – flute
George Murphy – brass
Julian Siegel – brass arrangement, clarinet (bass), sax (tenor)
Byron Wallen – trumpet
Jason Yarde – sax (alto)
Lucy Wilkins – strings leader
Calina De La Mare – strings
Howard Gott – strings
Nicky Sweeney – strings
Rick Koster – strings
Sally Herbert – strings
Julia Singleton – strings
Louise Peacock – strings
Robert Spriggs – strings
Vincent Greene – strings
Sophie Sirota – strings
Andrew Nice – strings
Vicky Matthews – strings
Christopher Allan – strings


Label: City Slang


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Chamber Rock, Art Rock, Art Pop


Trackliste:

1. Follow Me (2:45)
2. Second Chance Man (3:56)
3. Were We Once Lovers? (4:49)
4. Help Yourself (5:38)
5. Hey Lucinda (5:15)
6. This Fear Of Emptiness (3:59)
7. How He Entered (4:45)
8. The Waiting Room (4:54)
9. Planting Holes (2:03)
10. We Are Dreamers! (5:20)
11. Like Only Lovers Can (4:33)

Gesamtspieldauer: 48:01




„The Waiting Room“ heißt das elfte Studioalbum der britischen Band Tindersticks. Es erschien im Jahr 2016 und wurde auf dem Plattenlabel City Slang veröffentlicht. Auf „The Waiting Room“ hört man sanften und überaus warmen Rock, der zu den Untergenres Chamber Rock, Art Rock bis hin zum Post Rock gezählt werden kann. Manches auf diesem Album scheint nur angedeutet zu werden, so hauchzart klingt die Musik von den Tindersticks in ausgesuchten Passagen.

Solch ein Lied wie „Were We Once Lovers?“ stellt auf „The Waiting Room“ eine Ausnahme dar. Das Stüclk ist ein etwas treibender Pop-Rock-Titel, der sogar groovt und letztendlich auch ein wenig rockt. Würde man lediglich diese Nummer des Albums hören, hätte man einen völlig falschen Eindruck von dieser Platte, die doch sehr viel eher dunkel und nebelverhangen klingt. Einen sehr viel besseren Eindruck der Platte gibt da schon das erste Lied der Platte wieder, welches als letztes für das Album komponiert wurde. „Follow Me“ ist eine sehr sehnsüchtig und vorsichtig instrumentierte Nummer, in der die Melodielinie von der Melodika beherrscht wird. Das zweite Lied, „Second Chance Man“, auf dem man Stuart Staples mit seinem unverwechselbaren, fast schon gehauchten Gesang hört, könnte nun sogar stellvertretend für die Platte stehen. Schön hier auch die eingestreuten Brass-Passagen.

Etwas zu viele dieser Brass-Auftritte gibt es im nächsten Titel „Help Yourself“. Für mich mit seinem, an eine Big Band erinnernden Sound, das schwächste Stück der Platte. Mit dem folgenden Lied „Hey Lucinda“, ein gesangliches Duett von Lhasa de Sela und Stuart Staples, wird dann die für das Album vorherrschende dunkle und sanfte Atmosphäre endgültig eingeleitet. Es folgen nun allesamt zurückhaltende Stücke, mich an manchen Stellen an den Post Rock der späten Talk Talk erinnernde Lieder. Besonders gelungen klingen dabei das sehr melodische „How He Entered“ und die intensive und sehr düstere Nummer „We Are Dreamers!“. Letzteres Lied ist beinhaltet erneut ein Gesangsduett, dieses Mal mit Jehnny Beth und Stuart Staples. Zwischen diesen beiden Liedern befinden sich die „Titel der Stille“, wie man sie umschreiben könnte. „The Waiting Room“ sowie „Planting Holes“ sind wahre Post Rock Nummern, in denen die Tindersticks der Band Talk Talk am nächsten kommen.

Fazit: Eindringlich und intensiv klingen die Tindersticks mit praktisch jedem ihrer Alben. Somit stellt „The Waiting Room“ keine Ausnahme dar. Die darauf zu hörende Musik ist sanft und weich, klingt dunkel und nur in ganz wenigen Ausnahmen zieht das Tempo der Musik an. Sicherlich keine Musik für die Spaß-Fraktion und auch nichts für die sommerliche Fahrt mit dem Cabrio durch wunderschöne Landschaften. Die Tindersticks machen Musk für den Kamin, wenn draußen die Herbststürme toben. Und trotzdem wirkt diese Musik auch im Hochsommer. Neun Punkte.

Anspieltipps: How He Entered, We Are Dreamers!



Montag, 7. August 2017

Big Big Train – The Underfall Yard




Big Big Train – The Underfall Yard


Besetzung:

David Longdon – lead vocals, flute, mandolin, dulcimer, organ, glockenspiel, tambourine, keyboards
Andy Poole – bass, keyboards, vocals
Greg Spawton – guitars, keyboards, bass, vocals


Gastmusiker:

Nick D'Virgilio – drums, vocals
Dave Gregory – guitars, sitar, ebow, mellotron
John Foyle – cello
Rich Evans – cornet
John Truscott – tuba
Nick Stones – french horn
Dave Desmond – trombone
Jem Godfrey – synthesizer solo "The Underfall Yard"
Francis Dunnery – guitars "The Underfall Yard"


Label: English Electric Recordings


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: RetroProg, Progressive Rock


Trackliste:

1. Evening Star (4:52)
2. Master James Of St. George (6:18)
3. Victorian Brickwork (12:32)
4. Last Train (6:27)
5. Winchester Diver (7:30)
6. The Underfall Yard (22:53)

Gesamtspieldauer: 1:00:37




„The Underfall Yard“ heißt das sechste Studioalbum der englischen Progressive Rock Band Big Big Train. Es ist die erste Scheibe, auf der David Longdon als Sänger mitwirkt. Der bisherige Sänger Sean Filkins hatte Big Big Train nach dem letzten Album „The Difference Machine“ verlassen. „The Underfall Yard“ erschien am 15. Dezember des Jahres 2009 und wurde auf dem Plattenlabel English Electric Recordings veröffentlicht.

Das Album besteht aus insgesamt sechs Liedern. Das Eröffnungsstück, „Evening Star“, ist eine Instrumentalnummer, die restlichen Lieder beinhalten auch Test und damit Gesang. Das Album hört sich sehr melancholisch, sentimental und an manchen Stellen fast schon majestätisch an. Alles auf „The Underfall Yard“ klingt voll und rund. Inhaltlich nehmen die Lieder „Master James Of St. George“ sowie „Victorian Brickwork“ Bezug auf Greg Spawtons Vater, der während der Entstehung der Platte verstorben ist. „Last Train“ ist ein Lied über den letzten Stationsvorstand des Bahnhofs Hurn, Mr. Delian. Das Lied beschreibt Mr. Delias letzten Tag, als der letzte Zug den Bahnhof im Jahr 1935 verlassen hat. „Winchester Diver“ handelt vom Taucher William Walker, der Anfang der 1900er Jahre unterhalb des gefluteten Fundaments der Winchester Cathedral arbeitete und unter Einsatz seines Lebens diese vor dem Einsturz rettete, während über Tage das Leben seinen ganz normalen Gang weiterging. Das 23-minütige Titellied, „The Underfall Yard“, beschäftigt sich schließlich mit dem Ingenieur Isambard Kingdom Brunel und den großen Ingenieuren allgemein im viktorianischen Zeitalter.

Die Musik wirkt perfekt auf diese textlichen Inhalte abgestimmt. Es werden Streicher und Bläser ganz dezent und immer sehr passend eingesetzt. Alles klingt durchgängig melodiös und man kann förmlich in die Geschichten eintauchen, sie inhaltlich und musikalisch nachvollziehen. Das macht richtig Spaß. Nicht alles auf „The Underfall Yard“ ist dabei gleich beim ersten Mal des Hörens eingängig, die Musik wächst jedoch sehr stark, mit jedem weiteren Durchlauf. Natürlich haben Big Big Train die progressive Musik hier nicht neu erfunden, an vielen Stellen fühlt man sich an die frühen Genesis oder frühen Yes erinnert. Allerdings immer nur hauchzart, sodass das Album zwar wie eine kleine Reminiszenz, jedoch keinesfalls wie eine Kopie dieser beiden Bands klingt. Dazu gesellt sich noch der Umstand, dass die Stimme des neuen Sängers David Longdon durchaus Ähnlichkeiten mit der von Peter Gabriel hat. Und ist es Zufall, dass er ebenfalls unter anderem auch die Querflöte ab und an sehr dezent auf „The Underfall Yard“ einsetzt?

Eine kurze Anmerkung noch zu den Bläserarrangements auf diesem Album. Diese klingen wirklich genial. Sie machen die Musik von Big Big Train hier zu etwas Besonderem und wecken Erinnerungen an Weihnachten, obwohl das Album keineswegs nach Weihnachten klingt. Die Musik klingt an diesen Stellen äußerst warm und wärmend. Sehr gelungen. Das „sehr gelungen“ ist übrigens auch auf die mehrstimmigen Gesangspassagen, die David Langdon arrangierte, übertragbar. Diese passen perfekt zu dem Gesamteindruck des Albums.

Fazit: Big Big Train zeigen auf „The Underfall Yard“ wie genial Progressive Rock auch im 21. Jahrhundert noch klingen kann. Die Musiker erzählen ihre Geschichten und untermalen sie entsprechend mit ihrer Musik. Alles auf diesem Album klingt eingängig, melodiös und auch spannend. Viele Kleinigkeiten in Form von Streicher-, Bläser- oder Gesangs-Arrangements lassen „The Underfall Yard“ noch ein weiteres Stück wachsen. Eine gewisse Ähnlichkeit, vor allen Dingen zu Genesis in deren Anfangsjahren ist gegeben, stört allerdings überhaupt nicht, da hier nichts abgekupfert wird. Von daher dürfte „The Underfall Yard“ gerade bei Genesis-Fans großen Anklang finden. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Evening Star, The Underfall Yard



Sonntag, 6. August 2017

Various Artists – Black & White Blues – The Little Red Rooster




Various Artists – Black & White Blues – The Little Red Rooster


Besetzung:

Keine weiteren Angaben


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: Teldec


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Blues


Trackliste:

Seite 1:

1. Little Red Rooster – Howlin’ Wolf (1971) (1:58)
2. Mean Old World – Cuck Berry (1972) (5:58)
3. Pretty Girls Everywhere – Otis Spann (1964) (2:49)
4. Dust My Broom – Elmore James (1953) (3:00)
5. Cops & Robbers – Bo Diddley (1956) (3:26)
6. I Don’t Know – Willie Mabon (1960) (3:06)
7. Third Degree – Eddie Boyd (1958) (3:08)

Seite 2:

1. Got My Mojo Working - Part 1 (live) – Muddy Waters (1969) (3:39)
2. Hey Boogie – John Lee Hooker (1959) (2:59)
3. Hi-Heel Sneakers – Tommy Tucker (1962) (2:47)
4. Don’t Start Me To Talking – Sonny Boy Williamson (1955) (2:33)
5. I Can’t Stop – Otis Rush (1958) (2:13)
6. My Babe – Little Walter (1955) (2:36)
7. By Myself – Big Bill Broonzy, Washboard Sam (1958) (3:00)
8. The Red Rooster – Howlin‘ Wolf (1971) (3:47)

Seite 3:

1. Hoochie Coochie Man – Alexis Korner’s Blues Incorporated (1962) (3:02)
2. All Your Love – John Mayall’s Bluesbreakers (1966) (3:32)
3. See See Rider – Eric Burdon & The Animals (1966) (3:55)
4. (I’m Gonna Move To The) Outskirts Of Town – Rod Stewart (1964) (2:55)
5. She’s Lookin‘ Good – Canned Heat (1978) (3:13)
6. Born Under A Bad Sign – Peter Green (19801) (2:53)
7. Standing At The Crossroads – Ten Years After (1972) (4:00)

Seite 4:

1. Sure ‘Nuff ‘N Yes, I Do – Captain Beefheart & His Magic Band (1966) (2:10)
2. Ramblin‘ On My Mind – Eric Clapton (1966) (3:06)
3. Don’t Turn Me From Your Door – Savoy Brown (1969) (5:04)
4. Leavin‘ Blues – Johnny Winter (1969) (2:48)
5. Yo-Yo-Woman – Das Dritte Ohr (1981) (4:42)
6. Baby Please Don’t Go – Them (1966) (2:39)
7. Litte Red Rooster – The Rolling Stones (1965) (3:01)

Gesamtspieldauer: 1:33:59




Eine ziemlich umfangreiche Übersicht über den Blues in der Zeit von 1953 bis 1981 erhält man mit dem Kompilationsalbum „Black & White Blues – The Little Red Rooster“. Dieses wurde im Jahr 1981 auf dem Plattenlabel Teldec veröffentlicht. Das Doppelalbum ist dabei so aufgeteilt, dass die erste LP die Blues Musik der Schwarzen wiedergibt, während auf der zweiten LP die weißen Musiker zu hören sind.

Man kann mit diesem Album definitiv nur etwas anfangen, wenn man ein Blues Fan ist, denn außer Blues gibt es hier absolut nichts zu hören, genau das ist allerdings auch das Anliegen dieser Scheibe. Eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen Herangehensweisen an dieses musikalische Genre. An vielen Stellen scheinen da die schwarzen Musiker verspielter zu sein, während sich der Blues der weißen Musiker – nicht immer, aber häufig – stringenter anhört. Überraschenderweise ist das inhaltliche Thema dieser Musik, egal wann die Lieder entstanden sind und wer sie komponiert hat, meist die Liebe und der Liebesschmerz. Gerade mit dem Thema der unerfüllten Liebe klingt der Blues dabei natürlich so wundervoll leidend. Ansonsten gibt es in diesem musikalischen Genre einfach kaum sozialkritische Texte und schon gar keine, die einfach Geschichten erzählen.

Höhepunkte aus „Black & White Blues – The Little Red Rooster“ herauszuheben scheint einigermaßen schwierig, da sich Blues einfach unfassbar gleich anhört. Kaum ein musikalisches Genre hat in dieser ursprünglichen Ausprägung so wenige Variationsmöglichkeiten zu bieten. Vielleicht sind es allerdings auch nur meine Blues-unerfahrenen Ohren, die mir diesen Umstand suggerieren und in Wirklichkeit ist das alles unfassbar abwechslungsreich. Das würde auch ein wenig erklären, warum mich diese Musik so überhaupt nicht packt, ich sie sogar über alle Maßen langweilig finde. Aber da bin ich wohl die große Ausnahme unter den Rockhörern. Dieses Album wird im Moment für sehr teures Geld im Internet gehandelt, Blues Fans scheinen hier definitiv auf ihre Kosten zu kommen.

Fazit: Man kann im Blues schwelgen, hört man „Black & White Blues – The Little Red Rooster“. Kleine Unterschiede gibt es dabei, ob die Lieder von schwarzen oder weißen Musikern eingespielt wurden – allerdings keine großen. Kompositorisch sind die Unterschiede einfach nicht allzu groß geraten. Man erhält eine sehr schöne Übersicht über die Entwicklung des Blues in den Jahren von 1953 bis 1981, wobei es da kaum eine Entwicklung zu geben scheint. Aber es kann durchaus ich sein, der nur diese Musik nicht adäquat und objektiv beurteilen kann und sie einfach nicht versteht. Mich langweilt das Ganze leider unfassbar. Aber bewerten? Nein, bewerten mag ich diese Platte auch nicht. Dazu fehlt mir einfach der Zugang dazu. Ohne Bewertung

Anspieltipps: Alles



Samstag, 5. August 2017

The Who – Join Together




The Who – Join Together


Besetzung:

Roger Daltrey – lead vocals, tambourine, harmonica, acoustic guitar, rhythm guitar
Pete Townshend – lead guitar, acoustic guitar, rhythm guitar, lead and backing vocals
John Entwistle – bass, backing and lead vocals


Gastmusiker:

Simon Phillips – drums
Steve "Boltz" Bolton – rhythm and lead guitar
John Bundrick – keyboards
Billy Nicholls – backing vocals, musical director
Cleveland Watkiss – backing vocals
Chyna Gordon – backing vocals
Jody Linscott – percussion
Simon Clarke – brass
Simon Gardner – brass
Roddy Lorimer – brass
Tim Saunders – brass
Neil Sidwell – brass


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Rock


Trackliste:

Seite 1:

1. Overture / It's A Boy (5:26)
2. 1921 (2:52)
3. Amazing Journey (3:07)
4. Sparks (4:36)
5. The Hawker (Eyesight To The Blind) (2:18)
6. Christmas (4:25)

Seite 2:

1. Cousin Kevin (3:56)
2. The Acid Queen (3:44)
3. Pinball Wizard (4:21)
4. Do You Think It's Alright? (0:23)
5. Fiddle About (1:39)
6. There's A Doctor (0:21)
7. Go To The Mirror! (3:22)
8. Smash The Mirror (1:09)

Seite 3:

1. Tommy, Can You Hear Me? (0:58)
2. I'm Free (2:09)
3. Miracle Cure (0:25)
4. Sally Simpson (4:18)
5. Sensation (2:22)
6. Tommy's Holiday Camp (0:58)
7. We're Not Gonna Take It (8:44)

Seite 4:

1. Eminence Front (5:53)
2. Face The Face (6:15)
3. Dig (3:46)
4. I Can See For Miles (3:43)
5. A Little Is Enough (5:06)

Seite 5:

1. 5:15 (5:48)
2. Love Reign O'er Me (6:49)
3. Trick Of The Light (4:49)
4. Rough Boys (4:44)

Seite 6:

1. Join Together (5:15)
2. You Better You Bet (5:40)
3. Behind Blue Eyes (3:38)
4. Won't Get Fooled Again (9:30)

Gesamtspieldauer: 130:44




„Join Together“ ist eine Zusammenstellung von Live-Aufnahmen, die während The Who’s 25th Anniversary Nordamerika-Tour im Jahr 1989 entstanden. Damit ist dieses Album nach „Live At Leeds“ und „Who’s Last“ die dritte Live-Veröffentlichung der Band, die es jedoch eigentlich gar nicht mehr geben dürfte, denn nach „Who’s Last“ sollte endgültig Schluss sein mit The Who. Im Jahr 1990 erschien das Album, welches ursprünglich aus drei LPs bestand, in Europa auf dem Musiklabel Virgin Records, wohingegen die LP-Box in den USA auf MCA veröffentlicht worden war. Später wurde „Join Together“ auch als Doppel-CD wiederveröffentlicht. Die meisten Aufnahmen entstammen den Konzerten in der Radio City Music Hall, New York und dem Universal Amphitheater, Los Angeles. Das Album ist Keith Moon gewidmet und man kann nur dankbar sein, dass es sich Pete Townshend, John Entwistle und Roger Daltrey noch mal überlegten und doch wieder zusammenfanden und veröffentlichten, denn „Join Together“ lohnt sich.

Auf den ersten drei LP-Seiten bekommt man fast vollständig das Album „Tommy“ zu hören. Lediglich die Nummern „Underture“ und „Welcome“ fehlen hier und einige wenige Titel wurden für die Live-Einspielung umgestellt. Die Plattenseiten vier bis sechs beinhalten dann sowohl The Who Titel verschiedener Karriere-Abschnitte der Band sowie vier Solo-Nummern von Pete Townshend („Face The Face“, „Dig“, „A Little Is Enough“ und „Rough Boys“). Auch die Zusammenstellung der The Who Nummern, die dieses Mal die 60er Jahre ausspart und die 70er und 80er Jahre Lieder aufleben lässt, ist sehr gelungen. The Who spielen „Eminence Front“ vom Album „It’s Hard“ und natürlich auch solch „Hits“ wie „Love Reign O'er Me“, „Behind Blue Eyes“ oder „Won't Get Fooled Again“ und noch jede Menge hörenswerte Titel mehr.

Der Sound des Albums ist wahrlich gelungen, klingt klar und unverwaschen. Die Band hat Spaß an dem, was sie gerade spielt, das hört und spürt man in jedem Takt, mit jedem Akkord. Auch die Arrangements mit einer Brass-Abteilung weiß zu überzeugen. Und so klingt die Musik von The Who auf „Join Together“ wahrlich mitreißend und ist ein sehr gelungenes Dokument über das Schaffen der Band, nachdem sie sich vom Pop der 60er Jahre gelöst hatte. Die Musik klingt kraftvoll, rockig, geht dabei ins Ohr und weiß an jeder Stelle zu überzeugen.

Fazit: Möchte man sich einen Überblick über die Musik von The Who im zweiten und dritten Drittel ihrer Karriere erschaffen, so stellt die Live-Zusammenstellung der Band auf „Join Together“ eine sehr gelungene Möglichkeit dar, in den musikalischen Komos von The Who und auch Pete Townshend einzusteigen. Auch die Live-Atmosphäre kommt bei diesem Album sehr gut zur Geltung. Das umfangreiche Album ist angefüllt mit Musik, die ins Ohr geht und mitreißt. Selbst das Abmischen ist hier überaus gelungen, sodass dem Hörgenuss nichts mehr im Wege steht. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Irgendwie alles.



Freitag, 4. August 2017

Pink Floyd – Pulse (DVD)




Pink Floyd – Pulse (DVD)


Besetzung:

David Gilmour – guitar, vocals
Richard Wright – keyboards, vocals
Nick Mason – drums


Gastmusiker:

Sam Brown – backing vocals
Jon Carin – keyboards
Claudia Fontaine – backing vocals
Durga McBroom – backing vocals
Dick Parry – saxophones
Guy Pratt – bass guitars
Tim Renwick – guitars
Gary Wallis – percussion


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1995 (2006 auf DVD erschienen)


Stil: Psychedelic Rock, Progressive Rock, Rock


Trackliste:

DVD1:

1. Shine On You Crazy Diamond (Concert Version)
2. Learning To Fly
3. High Hopes
4. Take It Back
5. Coming Back To Life
6. Sorrow
7. Keep Talking
8. Another Brick In The Wall (Part 2)
9. One Of These Days

Laufzeit: 1:12:46


Features:


  • Bootlegging The Bootleggers [“What Do You Want From Me?”, “On The Turning Away”, “Poles Apart”, Marooned” (25:10)]
  • Screen Films
  • Videos [“Learning To Fly” (4:43); “Take It Back” (5:01)]
  • Tour Stuff (Maps, Itinerary, Stage Plans)
  • Pulse TV AD



DVD2:

1. Speak To Me
2. Breathe
3. On The Run
4. Time
5. The Great Gig In The Sky
6. Money
7. Us And Them
8. Any Colour You Like
9. Brain Damage
10. Eclipse
11. Wish You Were Here
12. Comfortably Numb
13. Run Like Hell

Laufzeit: 1:11:27


Features:


  • Screen Films & alternate Screen Films
  • Film: Say Goodbye To Life As We Know It (15:38)
  • Photo Gallery
  • “Wish You Were Here” with Billy Corgan (10:31)
  • Cover Art





Mit der Live-DVD „Pulse“ ergänzt sich die entsprechende Live-CD „Pulse“ von Pink Floyd. Die DVD-Ausgabe von „Pulse“ unterscheidet sich leicht von der CD-Ausgabe. Das zentrale Element der Veröffentlichung, die Live-Einspielung des Albums „The Dark Side Of The Moon“, ist allerdings identisch. Jedoch stammen die Aufnahmen zum Konzert nicht von mehreren Shows wie bei der CD, sondern alle vom Konzert während der The Division Bell Tour am 20. Oktober 1994 im Earls Court, London, England.

Als Zugaben gibt es auf der DVD eine Laudatio von Billy Corgan von den Smashing Pumpkins zur Aufnahme von Pink Floyd in die Rock And Roll Hall Of Fame im Jahr 1996. Dazu gehört auch das anschließende gemeinsame Einspielen der Titels „Wish You Were Here“ mit David Gilmour und Rick Wright. Vier Bootlegs zu den Liedern „What Do You Want From Me?”, „On The Turning Away”, „Poles Apart” und „Marooned” sind auf der DVD enthalten genau wie die Videos zu den Liedern „Learning To Fly” und „Take It Back”. Einen TV-Spot zum Album „Pulse“, Karten, die Route der Tour, Bühnenmaterial, einen kurzen Tour-Film mit verschiedenen Eindrücken, die Filme, die im Hintergrund des Konzertes liefen, eine Photogallerie sowie Photos zu den Pink Floyd Platten-Covern kann man sich ebenfalls ansehen.

Über die Musik muss ich hier nicht mehr großartig etwas schreiben. Klangtechnisch ist alles perfekt. Die Musik ist ebenfalls großartig, wie man auch bereits zu der Rezension der CD-Ausgabe dieses Live-Albums nachlesen kann. Natürlich werden hier die massentauglicheren Stücke im Schaffen von Pink Floyd gespielt und jeder Fan hätte sich wahrscheinlich den ein oder anderen Titel auch noch gewünscht. Ob das allerdings überhaupt möglich war, aufgrund des Fehlens von Bassist Roger Waters, steht auf einem ganz anderen Zettel.

Fazit: Für Pink Floyd Fans sicherlich eine schöne Sache. Allerdings kann „Pulse“ auch nur eine Ergänzung sein, denn Bassist Roger Waters fehlt leider. Dafür sieht man hier Rick Wright in Aktion, das wohl am meisten unterschätzte Pink Floyd Mitglied, der leider bereits am 15. September 2008 verstarb. Dass die „Post Waters Ära“ auf dieser Veröffentlichung sehr stark vertreten ist, liegt in den Gegebenheiten der Bandgeschichte begründet und ist nicht zu ändern. Man wird allerdings mit einigen alten Stücken auch beglückt. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Dark Side Of The Moon



Donnerstag, 3. August 2017

Al Stewart – Exitos De Al Stewart




Al Stewart – Exitos De Al Stewart


Besetzung:

Keine weiteren Angaben


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Folk Rock


Trackliste:

1. Year Of The Cat (6:37)
2. Sand In Your Shoes (3:02)
3. Clifton In The Rain (2:41)
4. Small Fruit Song (1:58)
5. Almost Lucy (3:44)
6. Love Chronicles (18:06)

Gesamtspieldauer: 36:08




Alastair Ian „Al“ Stewart ist ein in Glasgow geborener englischer Folk Rock Musiker, der in den Jahren von 1967 bis 2005 insgesamt 16 Studioalben veröffentlichte. „Exitos De Al Stewart“ ist eines der zahlreichen Kompilationsalben des Schotten und wurde im Jahr 1979 in Spanien auf dem Plattenlabel RCA Records veröffentlicht. Die sechs hier enthaltenen Lieder stammen dabei von den Alben „Bed-Sitter Images“ (1967; jedoch war das Lied „Clifton In The Rain“ erst auf der 1970er Wiederveröffentlichung enthalten), „Love Chronicles“ (1969; „Love Chronicles“), „Zero She Flies“ (1970; A Small Fruit Song), „Year Of The Cat“ (1976; „Year Of The Cat“ & „Sand In Your Shoes“, letzteres Lied fälschlicherweise mit „Sands In Your Shoes“ betitelt) sowie „Time Passages“ (1978; „Almost Lucy“).

Al Stewarts Musik ist der zumeist sehr sanfte Folk Rock, in dem er seine Geschichten erzählt und historische Ereignisse aufbereitet. Alles klingt hier eingängig und bis in den letzten Akkord überaus melodiös. Sehr weich hört sich nicht nur die Musik des Al Stewart an, sondern auch seine Stimme, die somit zwar bestens zur Musik passt, allerdings auch wenig Variationen aufweist. Gerade einem Lied wie „Love Chronicles“, welches eine Laufzeit von über achtzehn Minuten aufweist und in dem der Schotte fast durchgängig singt, hätte ein wenig Stimmmodulation durchaus gut getan. Bei kürzeren Nummern ergänzen sich Musik und Stimme da deutlich besser.

Vieles auf diesem Kompilationsalbum geht ins Ohr. Vor allem natürlich das wohl bekannteste Lied des Al Stewart, „Year Of The Cat“. Ein sanfter Ohrwurm, den man, hat man ihn einmal gehört, so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Allerdings wirken auch die anderen Titel. Besonders erwähnenswert ist hier noch das kurze Stück „Small Fruit Song“. Fast schon eine kleine Gitarren-Instrumentalnummer, bis zum Schluss doch noch der Gesang einsetzt. Wunderschön melodiös und ein kleiner, kurzer Höhepunkt dieser Zusammenstellung.

Fazit: Sehr melodiösen und sanften Folk Rock zelebriert Al Stewart auf seinen Alben. Nicht anders ist das auch auf diesem Kompilationsalbum mit dem Titel „Exitos De Al Stewart“, welches in Spanien veröffentlicht wurde. Alles auf dieser Scheibe klingt weich, egal ob es die Musik ist oder die Stimme des Al Stewart. Zumeist wird hier eine melancholische Atmosphäre über die Musik wie über den Text transportiert, bestens geeignet für die ruhigen Stunden des Lebens. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Year Of The Cat, Small Fruit Song



Mittwoch, 2. August 2017

Mike Oldfield – The Killing Fields




Mike Oldfield – The Killing Fields


Besetzung:

Mike Oldfield – guitars, synthesizer and fairlight computer


Gastmusiker:

Morris Pert – percussion on “Étude”
Preston Heyman – oriental percussion on “Blood Sucking”
Orchestra of the Bavarian State Opera
Tölzer Boys Choir


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Soundtrack


Trackliste:

1. Pran's Theme (0:49)
2. Requiem For A City (2:10)
3. Evacuation (5:13)
4. Pran's Theme 2 (1:40)
5. Capture (2:24)
6. Execution (4:47)
7. Bad News (1:12)
8. Pran's Departure (2:05)
9. Worksite (1:16)
10. The Year Zero (0:28)
11. Blood Sucking (1:17)
12. The Year Zero 2 (0:38)
13. Pran's Escape / The Killing Fields (3:16)
14. The Trek (2:01)
15. The Boy's Burial / Pran Sees The Red Cross (2:44)
16. Good News (1:45)
17. Étude (4:42)


Bonus Tracks der remasterten Albumversion:

18. Evacuation (Single Edit) (4:10)
19. Étude (Single Edit) (3:06)

Gesamtspieldauer: 45:54




Das zehnte Studioalbum des Mike Oldfield ist der Soundtrack zum gleichnamigen Film „The Killing Fields“. Dieses erschein ein knappes halbes Jahr nach dem Album „Discovery“ im Dezember des Jahres 1984 und wurde ebenso wie der Vorgänger auf dem Plattenlabel Virgin Records veröffentlicht. Und noch eine Gemeinsamkeit weist diese Scheibe zum neunten Studioalbum auf des Mike Oldfield auf: Auch diese Musik komponierte Mike Oldfield in seinem, aufgrund von steuerrechtlichen Gründen selbst gewählten Exil in den Schweizer Bergen im Ort Villars-sur-Ollon.

Das waren sie dann allerdings, die Gemeinsamkeiten. Ansonsten hat „The Killing Fields“ absolut nichts mit der sonstigen Musik des Mike Oldfield zu tun – weder mit jener des Progressive Rock, noch mit der späteren Pop-Musik. „The Killing Fields“ ist ein reines Soundtrack-Album mit viel Orchestermusik und eher sphärischen Klängen, welches nur in Zusammenhang mit dem sehenswerten Film funktionieren kann. Ohne die entsprechenden Bilder wirkt diese Scheibe überhaupt nicht, klingt nicht nach Mike Oldfield und ist unfassbar langweilig. Hier werden Szenen untermalt, Stimmungen transportiert, die einer Erklärung durch die Filmszenen bedürfen. Mehr ist zu dieser Scheibe nicht zu sagen. Daran ändert übrigens auch nichts die remasterte Version des Albums, dem zwei Single-Editionen des Albums in Form von Bonus-Tracks hinzugefügt wurden.

Fazit: Dieses Album kann man sich nur zulegen, wenn man Komplettist ist und wirklich alles von „seinem“ Lieblingsmusiker besitzen möchte. Selbst der Filmfan kann mit diesen Geräuschen und kurzen Orchesterstücken, die größtenteils noch nicht einmal sehr melodisch sind und nicht ins Ohr gehen, wohl nur wenig anfangen. Von daher absolut überflüssig. Zwei Punkte.

Anspieltipps: Pran's Departure



Dienstag, 1. August 2017

Procol Harum – Home




Procol Harum – Home


Besetzung:

Chris Copping – organ, bass guitar
B.J. Wilson – drums
Robin Trower – guitar
Gary Brooker – piano and vocals
Keith Reid – lyrics


Label: Cube Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Art Pop, Art Rock, Blues


Trackliste:

1. Whisky Train (4:28)
2. Your Own Choice (4:07)
3. Still There'll Be More (4:30)
4. Nothing That I Didn't Know (3:39)
5. About To Die (3:40)
6. Barnyard Story (2:45)
7. Piggy Pig Pig (5:27)
8. Whaling Stories (7:08)
9. The Dead Man's Dream (4:45)

Gesamtspieldauer: 35:29




„Home“ nannte die englische Band Procol Harum ihr viertes Studioalbum, welches am 5. Juni 1970 bei Cube Records veröffentlicht wurde. Organist Matthew Fisher und Bassist David Knights hatten die Band nach dem letzten Album verlassen und Chris Copping übernahm nun sowohl das Orgel- wie auch das Bassspiel. Diesen kannten die verbleibenden Musiker Gary Brooker, B.J. Wilson und Robin Trower bereits von der Band The Paramounts, in der sie mit Chris Copping bereits vor der Entstehung von Procol Harum zusammenspielten. The Paramounts waren eher im Blues beheimatet, sodass es nicht weiter überrascht, dass auch „Home“ bluesiger klingt, als die Procol Harum Vorgängeralben.

Aber auch der typische, etwas bombastische Procol Harum Sound ist hier durchaus noch zu hören. Insgesamt klingt das Album sehr düster bis dunkel, worauf bereits solch Titel wie „About To Die“ oder „The Dead Man's Dream“ hinweisen. Richtiggehend fröhlich hört keiner der Titel auf „Home“ an, was man bei diesem fast schon grellen Albumcover kaum vermuten würde. Doch sind die einzelnen Titel in ein tiefes und dunkles Grau getaucht, welches vor allen Dingen Traurigkeit und Melancholie verströmt.

Mit solch einem Blues Stück wie „Whisky Train“ kann ich nicht allzu viel anfangen. Das bekommen andere Bands besser hin als Procol Harum. Sehr viel gelungener klingt die Musik der Band bei dem sehr düsteren „Nothing That I Didn't Know“. Ein sanfter, ruhiger Titel der schnell ins Ohr geht und Traurigkeit verbreitet. Keine Musik für die labilen Momente des Lebens. Das bereits erwähnte „About To Die“, stammt wie die Blues-Nummer „Whisky Train“, aus der Feder von Gitarrist Robin Trower und kann, da eher ein Rock Lied, sehr viel mehr überzeugen als noch das Blues Stück. Der Procol Harum Klassiker „Whaling Stories“ ist ebenfalls auf „Home“ enthalten und sicherlich mit ein, wenn nicht sogar der Höhepunkt der Platte. Das längste Lied des Albums setzt sich aus mehreren Teilen zusammen, die mal sanfter, mal rockiger gehalten sind und dabei perfekt miteinander verwoben wurden. Klingt immer wieder spannend und ist sehr abwechslungsreich.

Fazit: „Home“, das vierte Album von Procol Harum, hat ganz gewiss seine Höhepunkte. Diese kommen immer dann zum Vorschein, wenn Procol Harum wie Procol Harum klingen. Klingt es jedoch zu sehr nach Blues – was zugegebenermaßen nicht zu oft passiert – dann ist „Home“ eine eher gewöhnungsbedürftige Scheibe. Ein klein wenig vermisst man auch das satte Orgelspiel des Matthew Fisher, der vor der Entstehung des Albums ausgestiegen war. Trotzdem hält „Home“ schöne Momente parat, die sich lohnen gehört zu werden. Acht Punkte.

Anspieltipps: Nothing That I Didn't Know, About To Die, Whaling Stories