Montag, 23. August 2021

Little Feat – The Last Record Album

 



Little Feat – The Last Record Album


Besetzung:

Paul Barrère – guitar, vocals
Sam Clayton – congas
Lowell George – vocals, guitar
Kenny Gradney – bass
Richard Hayward – drums, vocals
Bill Payne – keyboards, synthesizer, vocals


Gastmusiker:

Valerie Carter – backing vocals ("Long Distance Love" and "One Love Stand")
John Hall – guitar ("All That You Dream")
Fran Tate – backing vocals ("Long Distance Love" and "One Love Stand")




Erscheinungsjahr: 1975


Stil: Blues Rock, Funk


Trackliste:

1. Romance Dance (3:50)
2. All That You Dream (3:52)
3. Long Distance Love (2:42)
4. Day Or Night (6:26)
5. One Love Stand (4:25)
6. Down Below The Borderline (3:45)
7. Somebody‘s Leavin’ (5:08)
8. Mercenary Territory (4:23)

Gesamtspieldauer: 34:34



„The Last Record Album“ ist der Titel des fünften Studioalbums der US-amerikanischen Rockband Little Feat. Die Platte erschien am 17. Oktober 1975 auf dem Plattenlabel Warner Brothers Music und kletterte in den US Billboard 200 Charts bis auf 36. Platz.

„The Last Record Album“ ist ein kurzes Album geworden. Gerade mal acht Titel befinden sich darauf bei einer Gesamtspielzeit von etwas über 34 Minuten. Die Musik changiert zwischen Blues und Funk und schafft es an keiner Stelle zu begeistern – außer man ist wohl eingefleischter Little Feat Fan. Nichts klingt packend, nichts hört sich eingängig an und nichts verbleibt nach dem Ausklingen im Ohr.

Es mag sicherlich sein, dass mir das Blues-Gen, falls es dieses gibt, fehlt. Genauso verhält es sich bei mir leider auch in Bezug auf Funk. Beide musikalische Genres gibt es auf „The Last Record Album“ zu hören – über eine halbe Stunde lang. Doch wenn einen die Musik nicht packt, so gar nicht begeistert, wird es schwer hier zuhören zu wollen. Selbst das Benennen eines Höhepunktes fällt mir da sehr schwer. Um doch eines zu erwähnen sei hier auf die Nummer „All That You Dream“ verwiesen, die bei vielen Fans hoch im Kurs steht, wie ich nachlesen konnte.

Fazit: Blues und Funk in Kombination ist mal was anderes. Leider nicht meine Mischung. Für mich ist die musikalische Qualität von Little Feat nochmals gesunken, vergleiche ich diese Scheibe mit ihren vorherigen Veröffentlichungen. Für Fans, Nostalgiker oder auch Musikforscher wohl geeignet. Für Menschen, die diese Lieder in der heutigen Zeit zum ersten Mal hören wohl weit weniger gefällig. Drei Punkte.

Anspieltipps: All That You Dream



Samstag, 21. August 2021

Long Distance Operators – Long Distance Operators




Long Distance Operators – Long Distance Operators



Der Name Hugo Race ist wahrscheinlich nicht vielen geläufig. Doch der Australier Hugo Race ist seit über 30 Jahren eine feste Größe im Independent Musik Bereich. In seinem jüngst erschienenen Buch „Road Series“ beschreibt er seine vielen Projekte und Kollaborationen in zahlreichen Ländern. Lange Zeit lebte und arbeitete Race auch in Berlin. Nun legt er ein neues Album vor, diesmal tat er sich mit der Belgierin Catherine Graindorge zusammen.

„Long Distance Operators“ oder LDO heißt dieses neue Projekt des in Melbourne, Australien, lebenden Hugo Race. Race ist seit Mitte der 80er Jahre im Musikgeschäft, er war unter anderem Gründungsmitglied der Bad Seeds, der Band von Nick Cave. Doch schon nach einer Platte machte er sich selbständig, um seine musikalischen Ideen besser verwirklichen zu können.

„Ich habe eine Vielzahl von Projekten, die parallel existieren“, erklärt Hugo Race im Interview. „Da sind die Bands „True Spirit“ und „Dirtmusic“, die „Fatalists“ und „Sepiatone“. Ich kann oftmals in diesen Projekten Raum für neue Songs finden, die ich schreibe. Und dann habe ich aber auch immer mal wieder Ideen, die zu abstrakt sind, um in einer dieser etablierten Gruppen umgesetzt zu werden. Und diese Art von Ideen führen dann zu Außenprojekten, für die ich dann den richtigen Partner finde. Und „Long Distance Operators“ mit Catherine Graindorge ist so ein Beispiel. Keiner dieser Songs hätte für mich bei den anderen Projekten Sinn gemacht.“

„Long Distance Operators“ ist wahrlich so ganz anders, als das, was Hugo Race sonst macht. Die Lieder sind verspielter, mit Elektronik angereichert. Und doch klingt auch hier sein typischer Sound durch. Die Schwere und die Düsterheit, die Country und Western-Klangbilder und die melancholische Stimme von Race sind auch bei LDO tragend. Und Doch ging er für dieses Projekt ganz neue Wege:

„Ich war von den Streichquartetten von Komponisten wie Shostakovich und Beethoven fasziniert. Zum ersten Mal hörte ich diese Art von Musik und das an einem Punkt in meinem Leben, der für mich Sinn machte. Ich war davon begeistert und fragte mich, wie ich es anstellen könnte, damit etwas zu machen, denn ich wollte damit arbeiten. Aber ich wusste nicht genau wie. Und aus dem Nichts schickte mir Catherine Graindorge einige Lieder, an denen sie für eine Soloplatte arbeitete. Die Musik, die sie schickte, war vollklingend, wie diese Streichquartette, die ich hörte. Ich schrieb ihr zurück, denn ich kannte sie zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass ich gerne mit ihr für einige Songs auf ihrer Platte zusammenarbeiten würde.“

Nach dieser Kollaboration merkten die beiden, dass sie durchaus gut miteinander arbeiten können. Die Idee für eine gemeinsame Platte war entstanden: „Der Aufnahmeprozess für Long Distance Operators fing damit an, dass mir Catherine ein Archiv an Samples und Loops schickte, die sie mit der Violine oder Viola gemacht hatte. Und ich setzte mich daran, diese Loops und Samples zu schneiden und ganz langsam daraus Songstrukturen zu fertigen. Dazu fand ich Wörter, die sich wie ein Umschlag um diese Arbeit legten. So arbeiteten wir eine zeitlang, das dauerte etwas, die Platte entstand in drei oder vier Jahren.“

Der Name „Long Distance Operators“ lässt vermuten, dass die beiden, hier in Melbourne, dort in Brüssel, mehr telefonisch miteinander verbunden waren und diese Platte voneinander getrennt entstehen ließen. Eigentlich hätte es so sein können, doch dann trafen sie sich in Brüssel: „Wir entschieden uns, den groben Rahmen, die Grundideen der Songs, die ich mit ihren Aufnahmen gemacht hatte, im Studio noch einmal komplett neu aufzunehmen. Die „Long Distance Operators“ sind also in Wahrheit direkt und an einem Ort eingespielt worden. Einen Großteil der Nachproduktion machte ich in meinem Studio in Australien. Gemischt wurde es dann in den Sono Studios in Prag von Milan Cimfe, mit dem ich schon viel für Dirtmusic gearbeitet habe. So ist das alles entstanden.“

„Long Distance Operators“ ist ein beeindruckendes Album. Es ist ein Wechselspiel zwischen den Weiten des Westens, die Hugo Race auf seiner Gitarre musikalisch entstehen läßt und den emotionalen Streich- und Streicheleinheiten von Catherine Graindorge. Dazu die Zwischentöne, die diese Musik zu einem ganz persönlichen Klangspiel werden lassen, das man als Hörer in aller Ruhe und mit Zeit genießen sollte.

Donnerstag, 19. August 2021

Mensch Moritz – Willkommen im Freak

 



Mensch Moritz – Willkommen im Freak




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Pop


Trackliste:

1. Junkie Heaven (3:21)
2. Notfall (3:09)
3. Findet nicht mich, findet euch selbst (3:40)
4. SOS da draussen (3:07)
5. Die Angst und ich (3:28)
6. Wichtig ist mir heute egal (3:47)
7. Doof arbeiten (3:46)
8. Freak ist los (3:19)
9. Die Angst und ich 2021 (4:41)
10. Song an die Tochter (4:13)

Gesamtspieldauer: 36:36



„Willkommen im Freak“ heißt das erste Album von Mensch Moritz, alias Moritz Franke. Das Album wird morgen am 20. August digital veröffentlicht. Die Veröffentlichung der Limited Vinyl Edition musste aufgrund des Corona-bedingten Rohstoffmangels zwar noch verschoben werden, soll allerdings zeitnah erfolgen. „Willkommen im Freak“ erscheint auf dem Plattenlabel Off Ya Tree Records.

Auf seinem Debut präsentiert uns Moritz Franke wunderschön eingängigen und zumeist sanften deutschen Pop, der mit sehr packenden und gleichzeitig nachdenklich machenden Texten versehen wurde. Auf „Willkommen im Freak“ verarbeitet Mensch Moritz seine Depressionen und Ängste, Drogen sind ebenso ein Thema und doch schimmert auch immer wieder diese Hoffnung auf Besserung durch, die das Album zu einer bewegenden Reise werden lässt. Neben den Texten ist es die Musik samt Instrumentierung, die auf dem Album überzeugt. Die akustische Gitarre und das Piano spielen eine große Rolle, doch auch der Synthesizer, der ebenfalls seine Einsätze erhält. Und diese Verbindung aus akustischen und digitalen Sounds ist Mensch Moritz sehr gut gelungen. Da klingt nichts aufgesetzt oder konstruiert, sondern fließend und genau richtig arrangiert.

Schließlich sind es auch die Melodien, die gefallen, eingängig und melodiös klingen. Gleich mit dem Opener „Junkie Heaven“ begrüßt uns das Album mit einem kleinen Ohrwurm. Tolles Lied, welches bereits nach dem zweiten Mal des Hörens wie ein Freund im Ohr erklingt. Und auch die sich anschließenden Titel können überzeugen, werden mit jedem weiteren Durchlauf noch vertrauter und wertvoller. Lieder, die eventuell nicht überzeugen, sucht man auf dem Album vergeblich, sodass „Willkommen im Freak“ vom Anfang bis zum Ende Spaß macht gehört zu werden – und dies bei den gar nicht mal so fröhlichen Texten.

Fazit: So spannend und packend kann deutscher Pop klingen wie der von Mensch Moritz. Weit ab vom Schlager oder sonstigen seltsamen Auswüchsen hört man auf „Willkommen im Freak“ Musik, ausgestattet mit spannenden Texten und tollen Melodien. Musik, die bestens unterhält und dabei sogar zum Nachdenken anregt. Sehr empfehlenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Junkie Heaven, Doof arbeiten



Dienstag, 17. August 2021

Various Artists – American Epic




Various Artists – American Epic



Es ist schon seltsam in diesen Tagen. Eine fünf Cds umfassende Musikbox mit Songs aufgenommen in den späten 20er Jahren wird zu einem politischen Statement. Sicherlich war das nicht so gemeint, denn die Zusammenstellung dieser Sammlung hatte schon vor Jahren begonnen. Und dennoch, „American Epic“ ist genau das geworden, ein musikalisches Spiegelbild Amerikas, jenes Landes, das zu einem „Melting Pot“ wurde, das Menschen aus aller Welt, aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen anzog.

Im Begleitbuch heißt es: „Das musikalische Vermischen von Amerikas großartiger und vielfältiger Bevölkerung, hat die Grundlage für die populäre Musik gelegt, die wir heute genießen. Es war der Beginn einer neuen Ära: zum ersten Mal hörte sich Amerika selbst.“ Allein dieser Satz klingt wie eine Wohltat im polarisierten und immigrationsfeindlichen US Alltag dieser Tage. Die 1920er Jahre waren wie ein Aufbruch. Die Plattenindustrie boomte, das Radio begann seine unaufhaltsame Erfolgsgeschichte und brachte den Sound Amerikas in die Stuben zwischen New York und Los Angeles und gerade auch in die ländlichen Gegenden, die zuvor von der „Recording Industry“ vernachlässigt wurden.

Die Labels zogen in den späten 20er Jahren aus, um Musiker auch noch in den kleinsten Dörfern zu finden und sie aufzunehmen. Neue, mobile Technik machte es möglich, auch außerhalb von den Unterhaltungszentren New York, Chicago oder Atlanta einzelne Musiker oder Gruppen aufzuzeichnen. Beachtet wurden eben nicht nur all jene, die den Sound jener Tage spielten, sondern vor allem jene, die anders klangen, als in den Tanzhallen der Metropolen. Auf „American Epic“ wird das präsentiert. Entstanden ist ein umfangreiches Klangportrait des Reichtums Amerikas, der kulturellen Vielfalt dieses Landes. Es ist keine Genre-Box, es ist vielmehr eine Reise zurück in eine Zeit, die problembeladen war. Und dennoch, hier hört man ein Land zwischen Aufbruch, Hoffnung, Zuversicht.

Auf den 5 Cds ist eine unglaubliche Vielfalt an Musik zu hören. Das in einer Soundqualität, die mehr als beeindruckend ist. Dafür taten sich die Produzenten mit einem Techniker zusammen, der eine Originalabspielmöglichkeit für die alten Aufnahmen zusammenbaute, um so den ursprünglichen Sound zu kopieren. „Es ist nicht nur ein „Remastering“ im bekannten Sinne, es ist vielmehr wie die Restaurierung eines teuren Gemäldes, der sorgfältige Prozess die Fäden einer alten Leinwand zu weben und die chemische Zusammensetzung verblassender Farbe zu analysieren, um so alles wieder in seiner ursprünglichen Brillanz zu restaurieren.“

Sonntag, 15. August 2021

Fiddler’s Green – Winners & Boozers




Fiddler’s Green – Winners & Boozers


Label: Deaf Shepherd


Erscheinungsjahr: 2013


Stil: Irish Folk




„Winners & Boozers“ heißt die am 26. Juli 2013 erschienene Platte von Fiddler’s Green. Mittlerweile das 12. Studioalbum. Seit 1990 spielt die Band zusammen, damals hielten viele sie für bekloppt. Irish Folk Music aus Franken, das geht doch nicht zusammen. Doch über all die Jahre hat sich Fiddler’s Green zu einer der besten Live-Bands der Republik entwickelt. Und nicht nur das, sie haben auch immer wieder auf‘s Neue bewiesen, dass in Franken musikalisch der Bär steppt. Ihre Konzerte sind schweißtreibende Tanzparties. Und das weit über die fränkischen und deutschen Grenzen hinaus. Fiddler’s Green sind in Holland genauso gefragt, wie in Skandinavien, Russland und Japan.

Fiddler’s Green haben ihren Sound schon lange gefunden, das ist irisch angelehnte Folkmusik auf der Überholspur. Treibend, schnell, mitreißend. Und auch die neue CD steht diesem Ansatz in nichts nach. Hier spielt eine Band, die Spaß an dem hat, was sie macht. Von vorne bis hinten, kurz gedreht und wieder zurück. Und genau diese Energie bringen Fiddler’s Green auf „Winners & Boozers“ erneut rüber. Man ertappt sich selbst beim „neutralen“ Reinhören, dass man einfach mitgerissen wird. Eine hervorragende Platte, ein Riesenschritt für die Band. Es ist nicht einfach eine weitere Fiddler’s CD, die kommt, weil sie eben kommen muß. Nein, hier werden auch ganz neue Töne ausprobiert. „Winners & Boozers“ ist zweifellos eine der besten Fiddler’s Green Alben überhaupt.



Freitag, 13. August 2021

Asia – XXX

 



Asia – XXX


Besetzung:

John Wetton – vocals, bass guitar
Steve Howe – electric, acoustic and steel guitars, backing vocals
Geoff Downes – keyboards, backing vocals
Carl Palmer – drums, percussion




Erscheinungsjahr: 2012


Stil: Rock


Trackliste:

1. Tomorrow The World (6:47)
2. Bury Me In Willow (6:02)
3. No Religion (6:39)
4. Faithful (5:39)
5. I Know How You Feel (4:55)
6. Face On The Bridge (6:02)
7. Al Gatto Nero (4:38)
8. Judas (4:45)
9. Reno (Silver And Gold) (5:18)
10. Ghost Of A Chance (4:25)

Gesamtspieldauer: 55:16



„XXX“ nannte die britische Rockband Asia ihr zwölftes Studioalbum, welches am 20. Juni 2012 ursprünglich auf dem Plattenlabel Frontiers Records erschien. Es ist das fünfte und letzte Studioalbum in der Originalbesetzung, da Gitarrist Steve Howe im folgenden Jahr die Band verließ. 2014 folgte noch das Album „Gravitas“, die letzte Scheibe der Band, da Sänger und Bassist John Wetton im Jahr 2017 leider verstarb.

Auf „XXX“ hört man eingängigen Mainstream Rock, Musik, die bereits beim ersten Mal des Hörens gut ins Ohr geht. Dazu gibt es auch keine Ausfälle, jeder der inzwischen zehn Titel (auf der ursprünglichen Veröffentlichung fehlte noch das Lied „Reno (Silver And Gold)) des Albums klingt ganz nett. Und dieses „ganz nett“ besagt schon einiges. Zwar gibt es keine allzu schwachen Lieder zu hören, dafür jedoch auch keine herausragenden Titel. Alles klingt irgendwie ähnlich bis gleich, ist es dabei noch nicht mal. Doch glattgeschliffene Musik ohne Ecken und Kanten kann ganz schön langweilig sein.

Und so fällt es mir einigermaßen schwer, die Höhepunkte auf „XXX“ zu benennen. Alle Lieder vielleicht? Angebracht wäre das, da sich alle Titel auf einem Niveau bewegen. Aber bei dem Wort „Höhepunkt“ denkt man eben an tolle, herausragende Stücke. Die findet man nicht auf diesem Album, was trotzdem nicht bedeutet, dass es ein miserables Album geworden ist. Halt nur eine etwas langweiligere Scheiben. Und um an dieser Stelle dann doch einen Titel zu nennen, nehme ich gleich den ersten der Platte „Tomorrow The World“. Das klingt nach Asia, geht ins Ohr und wird trotzdem nie zu einem Lieblingslied.

Fazit: Auch auf dem zwölften Studioalbum von Asia mit dem Titel „XXX“ hört man Musik, die auch nach Asia klingt. Eingängig ist sie zudem, halt nur leider nicht allzu spannend. Doch wer auf Mainstream Rock steht, die oder der wird hier ganz bestimmt fündig. Acht Punkte.

Anspieltipps: Tomorrow The World



Mittwoch, 11. August 2021

A-ha – Memorial Beach

 



A-ha – Memorial Beach


Besetzung:

Morten Harket – vocals
Magne Furuholmen – keyboards, backing vocals
Pål Waaktaar – guitars, drum programming, backing vocals


Gastmusiker:

Jørun B. Bøgeberg – bass guitar
Per Hillestad – drums
J.D. Steele – backing vocals on (2, 6)
Jevetta Steele – backing vocals (2, 6)
Kat Wilson– backing vocal (2, 6)




Erscheinungsjahr: 1993


Stil: Rock


Trackliste:

1. Dark Is The Night For All (3:45)
2. Move To Memphis (4:22)
3. Cold As Stone (8:19)
4. Angel In The Snow (4:13)
5. Locust (5:08)
6. Lie Down In Darkness (4:31)
7. How Sweet It Was (6:02)
8. Lamb To The Slaughter (4:20)
9. Between Your Mama And Yourself (4:15)
10. Memorial Beach (4:36)

Gesamtspieldauer: 49:35



„Memorial Beach“ heißt das fünfte Studioalbum der norwegischen Band A-ha. Es erschien am 14. Juni 1993 auf dem Plattenlabel Warner Brothers Records. Das Album wurde hauptsächlich in Prince‘s Paisley-Park-Studios in den USA aufgenommen, war allerdings gleichzeitig das letzte Album von A-ha, was dort veröffentlicht wurde und konnte sich dort nicht einmal mehr in den U.S. Billboard 200 Charts platzieren. In England wie in Deutschland erreichte „Memorial Beach“ Platz 17 der Charts, in Norwegen selbstverständlich Platz 1.

Dabei klingt „Memorial Beach“ richtig gut, ist allerdings keine Mainstream-Pop-Musik mehr, wie noch das Debutalbum „Hunting High And Low“ acht Jahre zuvor. Auf „Memorial Beach“ hört man spannenden und auch eingängigen Rock, der erneut hauptsächlich von Pål Waaktaar geschrieben wurde. Lediglich „Lamb To The Slaughter“ stammt von Magne Furuholmen und das Lied „Move To Memphis“ ist eine Co-Produktion der beiden A-ha-Musiker. Das Album erklingt sehr abwechslungsreich mit rockigen und sanfteren Titeln, die niemals in die Belanglosigkeit abgleiten. Man hört keine Ausfälle auf „Memorial Beach“ und die Musik des Albums erinnert eher an U2 als an die Wurzeln von A-ha selbst.

Magne Furuholmen sieht das Eröffnungslied „Dark Is The Night For All“ als Höhepunkt des Albums an. Ein Lied, welches mich dann doch sehr an die Ursprünge der erinnert, was auf diesem Album jedoch eher die Ausnahme, denn die Regel darstellt. Mein klarer Favorit auf diesem Album ist das Lied „Cold As Stone“. In diesem achtminütigen Stück lassen A-ha die Musik, die Atmosphäre des Liedes wirken, sie geben dem Titel Zeit sich zu entwickeln. Der Höhepunkt des Albums und eines der besten Lieder von A-ha überhaupt. Und dazu gesellt sich der Umstand, dass auch die restlichen Lieder der Platte zu überzeugen wissen. Jede Nummer klingt und wirkt auf ihre Weise – rockig und spannend. Freilich hat diese Musik nichts mehr mit der zugegebenermaßen auch gelungenen Pop-Musik zu Beginn der Karriere der Band zu tun. Auf „Memorial Beach“ hört man, wie sich eine Band wirklich musikalisch anspruchsvoll entwickelt. Dass sich dies dann nicht mehr ganz so erfolgreich verkauft wie der Mainstream der Musik ist vielleicht bedauernswert, jedoch definitiv eine Tatsache.

Fazit: Nach diesem Album war erst mal Schluss mit A-ha. Obwohl nicht offiziell verkündet, gingen die Musiker anschließend Solo-Projekten nach. Das nächste Album sollte erst sieben Jahre später erscheinen. Schade, denn „Memorial Beach“ macht Spaß zu hören. Hier bekommt man fast keinen Pop mehr serviert, sondern spannenden und ebenfalls eingängigen Rock. Dieser variiert von sanft bis hin zum Mid-Tempo. Eine Hard Rock Band werden A-ha sicherlich nie, müssen sie auch nicht, denn auf „Memorial Beach“ haben sie ihren überzeugenden Stil gefunden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Cold As Stone



Montag, 9. August 2021

Cheap Trick – At Budokan

 



Cheap Trick – At Budokan


Besetzung:

Robin Zander – lead vocals, rhythm guitar
Rick Nielsen – lead guitar, backing vocals
Tom Petersson – bass, backing vocals
Bun E. Carlos – drums




Erscheinungsjahr: 1978


Stil: Rock, Hard Rock


Trackliste:

1. Hello There (2:26)
2. Come On, Come On (3:18)
3. Lookout (3:01)
4. Big Eyes (3:55)
5. Need Your Love (8:57)
6. Ain't That A Shame (5:17)
7. I Want You To Want Me (3:45)
8. Surrender (4:24)
9. Goodnight Now (3:11)
10. Clock Strikes Ten (4:03)

Gesamtspieldauer: 42:22



„At Budokan“ ist das erste Live-Album der US-amerikanischen Band Cheap Trick und wurde im Oktober 1978 in Japan und anschließend im Februar 1979 in den USA auf dem Plattenlabel Epic Records veröffentlicht. In der Liste der „500 Greatest Albums Of All Time“ des Rolling Stone Magazins steht es auf Platz 426. Aufgenommen wurde das Album am 28. und 30. April 1978 im Nippon Budokan in Tokio. Im Jahr 1994 erschien schließlich auch noch das Album „Budokan II“, welches sich aus noch nicht veröffentlichtem Material dieser Japan-Tour sowie zusätzlichen Liedern aus den Japan-Tourneen von 1979 und 1994 zusammensetzt. „At Budokan“ ist das Album von Cheap Trick, welches sich weltweit am besten verkaufte.

Mit den Liedern „Lookout“ und „Need Your Love“ enthält „At Budokan“ zwei bis dahin unveröffentlichte Tracks. Ursprünglich war eine Veröffentlichung außerhalb Japans gar nicht geplant, erst durch den großen Erfolg dort und zahlreiche Importe in die USA wurde es weltweit veröffentlicht. Auf „At Budokan“ hört man ziemlich geradlinigen Rock bis Hard Rock, der auch ganz viel seiner Energie aus dem mächtigen und ohrenbetörenden Geschrei der wohl meist weiblichen japanischen Fans schöpft, die zwischen – und manchmal auch während – der einzelnen Titel zu hören sind.

Richtig wohltuend für heutige Ohren ist es da, dass mit dem Lied „Need Your Love“ auch eine Nummer enthalten ist, die nicht kurz und bündig ihre „Rock-Energie“ hinauskatapultiert, sondern sich entwickelt, eine lange Instrumentalpassage enthält und die Musik auch dort mit den Fans interagiert. Ansonsten klingt die Musik auf „At Budokan“ zwar kraftvoll, allerdings ist sie durchgängig – bis auf kurze Ausnahmen – immer im selben Stil gehalten. Das Album wurde zwar in Japan aufgenommen, klingt allerdings sehr viel eher nach AOR für männliche, amerikanische Jugendliche. Somit bleiben als Höhepunkte das bereits erwähnte „Need Your Love“ sowie der Smash-Hit von Cheap Trick schlechthin, das Lied „I Want You To Want Me“, welches in dieser Version sogar bis auf Platz 7 der Billboard Hot 100 Charts kletterte.

Fazit: Relativ geradlinigen Hard Rock bekommt man auf „At Budokan“ zu hören. Mag man es AOR oder Mainstream der 70er Jahre nennen, die Musik unterscheidet sich durch das Geschrei der japanischen Fans doch etwas von entsprechenden Studio-Aufnahmen. Die Lieder rocken und gehen ins Ohr. Lediglich die Abwechslung fehlt etwas – leider auch bei einer Spielzeit von lediglich knapp einer Dreiviertelstunde. Neun Punkte.

Anspieltipps: Need Your Love, I Want You To Want Me



Samstag, 7. August 2021

Bob Dylan – Shot Of Love

 



Bob Dylan – Shot Of Love


Besetzung:

Bob Dylan – guitar, harmonica, percussion, piano, keyboards, vocals


Gastmusiker:

Carolyn Dennis – background vocals
Steve Douglas – saxophone
Tim Drummond – bass guitar
Donald Dunn – bass guitar
Jim Keltner – drums
Ringo Starr – drums on "Heart of Mine"
Clydie King – background vocals
Danny Kortchmar – electric guitar
Regina McCrory – background vocals
Carl Pickhardt – piano
Madelyn Quebec – background vocals
Steve Ripley – guitar
Fred Tackett – guitar
Ronnie Wood – guitar on "Heart Of Mine"
William "Smitty" Smith – Hammond organ
Benmont Tench – keyboards
Monalisa Young – background vocals


Label: Sony Music


Erscheinungsjahr: 1981


Stil: Pop, Rock, Gospel


Trackliste:

1. Shot Of Love (4:21)
2. Heart Of Mine (4:35)
3. Property Of Jesus (4:36)
4. Lenny Bruce (4:35)
5. Watered-Down Love (4:13)
6. The Groom's Still Waiting At The Altar (4:05)
7. Dead Man, Dead Man (4:03)
8. In The Summertime (3:36)
9. Trouble (4:37)
10. Every Grain Of Sand (6:11)

Gesamtspieldauer: 44.57



„Shot Of Love“ heißt das 21. Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Bob Dylan. Es wurde am 10. August 1981 ursprünglich auf dem Plattenlabel Columbia Records veröffentlicht. Es ist die letzte Platte Bob Dylan einer Trilogie mit christlichen Alben. „Slow Train Coming“ aus dem Jahr 1979 sowie „Saved“ im Jahr 1980 waren die beiden anderen Alben mit christlichen Texten. Auf „Shot Of Love“ hört man eine Mischung aus Pop und Rock mit ein paar Gospel-Einsprengseln.

Nun, die Musik auf „Shot Of Love“ klingt durchaus eingängig, geht also ins Ohr. Seine christlichen Botschaften stoßen natürlich nicht überall auf Gegenliebe, doch Bob Dylan versucht mit seinen Texten keinesfalls zu missionieren. Es bewegt ihn eben, von daher alles gut. Doch auch wenn die Musik eingängig und melodiös ist und klingt, so richtig hängenbleiben mag sie nicht. Die absoluten Höhepunkte… falsch. Die Höhepunkte fehlen auf der Platte, die so in einem Rutsch durchläuft ohne zu viele Spuren zu hinterlassen. Mal etwas poppig, dann wieder rockiger, Folk und dann sogar mal ein Rock’n’Roll. Schließlich auch Gospelmusik, Blues oder soll es lieber ein Reggae sein? Nun, all das gibt es auf „Shot Of Love“ zu hören. Meist ganz nett, doch so richtig einfangen kann mich diese Musik nicht. Vielleicht liegt es auch daran, weil Bob Dylan hier eine umfangreiche Reise durch so viele musikalische Genres angetreten ist.

Trotzdem befinden sich auf dem Album einige Titel, die sich lohnen gehört zu werden. Besonders die letzte Nummer des Albums „Every Grain Of Sand“. Mit dieser kann man so wunderschön in die Musik des Bob Dylan eintauchen. Vielleicht, weil sie das längste Lied auf dem Album ist? Nun, nicht nur dies. „Every Grain Of Sand“ erklingt mit schöner Melodie, klingt insgesamt getragen und Bob Dylan an der Mundharmonika war schon immer etwas Besonderes.

Fazit: Absolut überzeugen kann „Shot Of Love“ nicht. Liest man im Internet gehen die Meinungen auseinander. Einige meinen, dass dieses Album unterbewertet wären. Das empfinde ich im Gesamtwerk des Bob Dylan nicht so. „Shot Of Love“ ist kein schlechtes Album. Jedoch ist es auch nicht der Höhepunkt im Schaffen des Bob Dylan. Mich persönlich stören auch die vielen verschiedenen Genres, die hier bedient werden. Trotzdem höre ich einige Lieder sehr gern. Musiker haben es nicht leicht, oder? Neun Punkte.

Anspieltipps: Every Grain Of Sand



Donnerstag, 5. August 2021

Imagine Dragons – Evolve

 



Imagine Dragons – Evolve


Besetzung:

Dan Reynolds – lead vocals, keyboards, backing vocals, acoustic guitar
Wayne Sermon – electric guitar, backing vocals, acoustic guitar
Ben McKee – bass guitar, keyboards, backing vocals
Daniel Platzman – drums, percussion, backing vocals




Erscheinungsjahr: 2017


Stil: Pop


Trackliste:

1. I Don‘t Know Why (3:10)
2. Whatever It Takes (3:21)
3. Believer (3:24)
4. Walking The Wire (3:52)
5. Rise Up (3:51)
6. I‘ll Make It Up To You (4:22)
7. Yesterday (3:25)
8. Mouth Of The River (3:41)
9. Thunder (3:07)
10. Start Over (3:06)
11. Dancing In The Dark (3:53)

Gesamtspieldauer: 39:17



„Evolve“ nannte die US-amerikanische Band Imagine Dragons ihr drittes Studioalbum, welches am 23. Juni 2017 auf dem Plattenlabel Interscope Records veröffentlicht wurde. „Evolve“ erreichte Platz 2 der US Billboard 200 und auch in Deutschland kletterte das Album bis auf Platz 3 der Charts. Die Lieder „Believer“, „Thunder“, „Whatever It Takes“ und „Next To Me“ wurden zur Unterstützung des Albums als Singles ausgekoppelt.

Dass sich „Evolve“ erfolgreich verkaufte muss nicht weiter überraschen, denn die allermeisten Lieder des Albums sind sehr eingängig. Man benötigt zudem nicht zu viele Durchläufe der Musik, dass sie sich im Ohr festsetzt. Allerdings handelt es sich bei diesen „Ohrwürmern“ zumeist um Stücke, die bereits nach wenigen weiteren Durchläufen schon wieder nerven. Denn eines ist klar zu hören, alle Titel sind auf Massenkompatibilität getrimmt, so etwas nennt man dann wohl ein überaus erfolgreiches, kommerzielles Album. Die Band hat für ihren Erfolg also alles richtig gemacht, auch wenn kaum etwas anspruchsvoll auf dieser Platte klingt. Mitunter glaubt man sogar eine Boygroup herauszuhören. Ganz schlimm zum Beispiel beim Stück „Start Over“.

Nein, so richtig und endgültig kann mich bei diesem Pop-Album nichts überzeugen. Natürlich gibt es auch ein paar Nummern, die lassen sich noch hören. Wenn ich denn wirklich einen Höhepunkt benennen müsste, dann wäre dies das Lied „Believer“, leichte Rap-Ansätze und ein Refrain, der dann doch mal etwas länger hängenbleibt. Und der ganze Rest? Der bewegt sich irgendwo zwischen „Noch ganz okay“ und „Nein, brauche ich nicht“. Wo jemand welchen Titel dabei ansiedelt bleibt sicherlich Geschmackssache. Der kommerzielle Ansatz schwebt dabei allerdings immer über allem.

Fazit: Ein kommerzielles und erfolgreiches Pop-Album haben Imagine Dragons mit „Evolve“ veröffentlicht. Das tut natürlich keinem weh, doch die Scheibe ist halt leider überaus langweilig, getrimmt auf den schnellen Erfolg. Alles richtig gemacht Imagine Dragons, Geld sollt ihr ja auch mit Eurer Musik verdienen. Ich steige bei solchen Ansätzen aber leider aus, ist mir zu langweilig und geht auch anders. Sorry. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Believer, Walking The Wire



Dienstag, 3. August 2021

Alice Cooper – Killer

 



Alice Cooper – Killer


Besetzung:

Alice Cooper – vocals, harmonica
Glen Buxton – lead guitar
Michael Bruce – rhythm guitar, keyboards, backing vocals
Dennis Dunaway – bass guitar, backing vocals
Neal Smith – drums, backing vocals


Gastmusiker:

Bob Ezrin – keyboards
Rick Derringer – additional guitar "Under My Wheels" and "Yeah, Yeah, Yeah"




Erscheinungsjahr: 1971


Stil: Rock


Trackliste:

1. Under My Wheels (2:51)
2. Be My Lover (3:21)
3. Halo Of Flies (8:22)
4. Desperado (3:30)
5. You Drive Me Nervous (2:28)
6. Yeah, Yeah, Yeah (3:39)
7. Dead Babies (5:45)
8. Killer (6:58)

Gesamtspieldauer: 36:56



„Killer“ heißt das vierte Studioalbum der US-amerikanischen Band Alice Cooper und wurde am 27. November 1971 auf dem Plattenlabel Warner Brothers Records veröffentlicht. Das Album erreichte Platz 21 der US-Billboard 200 Albumcharts und die beiden ausgekoppelten Singles „Be My Lover“ und „Under My Wheels“ platzierten sich in den Billboard Hot 100 Charts auf Platz 49 beziehungsweise 59.

„Killer“ ist ein klasse Album geworden, welches rockt und dabei auch die Grenzgebiete des Rocks ausleuchtet. Zunächst möchte man das gar nicht vermuten, denn mit „Under My Wheels“ beginnt das Album mit einem fast schon alltäglichen Rock’n’Roll, der dafür natürlich massentauglich ist, wie die Platzierung in den Charts beweist. Sehr viel spannender klingen Alice Cooper allerdings zum Beispiel beim Titel „Halo Of Flies“. Angeblich der Versuch der Band auch progressiven Rock wie King Crimson zu spielen und dies auch zu können. Nun, das Lied klingt nicht nach King Crimson, ist allerdings sehr abwechslungsreich und durchaus auch dem Genre Progressive Rock zuzuordnen. Gewiss ein Höhepunkt auf Killer.

Auch die beiden Lieder „Dead Babies“ und das Titellied „Killer“ weisen schon durch ihre etwas längere Laufzeit darauf hin, dass sich in diesen Liedern einiges entwickeln könnte. Und das macht es auch. Das Lied „Dead Babies“ hatte nach der Albumveröffentlichung einige Diskussionen zur Folge, obwohl es sich inhaltlich um ein „Anti-Kindermissbrauch“-Lied handelt. Musikalisch entwickeln sich beide Stücke und spielen mit verschiedenen Atmosphären, was die Musik nochmals spannender werden lässt. Dass „Killer“ in kurzem „Lärm“ ausklingt, ist dabei zu verkraften.

Ansonsten sind auch die restlichen Lieder auf „Killer“ gut hörbar und wirken nicht so, als ob sie jetzt bereits ein halbes Jahrhundert alt seien. Jederzeit lässt sich „Killer“ gut hören und hält mit dem etwas langweilig ausgefallen Eröffnungslied lediglich einen Schwachpunkt für die Hörerin beziehungsweise den Hörer parat.

Fazit: „Killer“ von Alice Cooper ist ein kurzweiliges und spannendes Album geworden, welches auch heute noch nicht nach einem halben Jahrhundert Vergangenheit klingt. Gerade die längeren Stücke überzeugen sehr und weisen Merkmale des Progressive Rocks auf. Johnny Rotten von den Sex Pistols bezeichnete „Killer“ übrigens als das beste Rockalbum aller Zeiten. Und der muss es doch wissen, oder? Elf Punkte.

Anspieltipps: Halo Of Flies, Dead Babies, Killer



Sonntag, 1. August 2021

Roy Harper – Return Of The Sophisticated Beggar

 



Roy Harper – Return Of The Sophisticated Beggar


Besetzung:

Roy Harper – guitar, vocals


Gastmusiker:

Bert Jansch – additional guitar
John Renbourn – guitar
Paul Brett – guitar
Lon Goddard – second guitar on "Goldfish" and "October 12th."




Erscheinungsjahr: 1966


Stil: Folk


Trackliste:

1. China Girl (3:39)
2. Goldfish (2:52)
3. Sophisticated Beggar (5:11)
4. My Friend (4:12)
5. Big Fat Silver Aeroplane (3:44)
6. Blackpool (5:15)
7. Legend (3:51)
8. Girlie (3:06)
9. October The Twelfth (5:56)
10. Black Clouds (4:37)
11. Mr. Station Master (3:08)
12. Forever (3:34)
13. Committed (3:27)
14. Hup Hup Spiral (0:40)

Gesamtspieldauer: 53:17



„Sophisticated Beggar“ oder bei späteren Veröffentlichungen „The Return Of The Sophisticated Beggar“ heißt das erste Album des englischen Folk Sängers Roy Harper, der auch Einfluss auf die progressive Rockszene hatte. Mir war Roy Harper ursprünglich nur bekannt als Sänger des Liedes „Have A Cigar“ von Pink Floyd auf deren Album „Wish You Were Here“. 22 Alben veröffentlichte der Musiker von 1966 bis zum Jahr 2013. Seitdem ist kein neues Album des Engländers mehr erschienen, jedoch gab der heute 80-jährige Musiker bis zur Corona-Pandemie immer noch Konzerte.

„The Return Of The Sophisticated Beggar“ beinhaltet hauptsächlich Folk Musik, wie sie typisch für die Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts war. Dazu gesellt sich mitunter ein orientalisch angehauchter Gesang, der ansonsten auch mal etwas schräger klingen kann. Kleinere musikalische Experimente inklusive, die heute nicht mehr großartig auffallen würden, damals jedoch bereits in die progressive Richtung wiesen, da die Musik eben nicht mehr nur melodisch klingt, sondern auch mal unharmonisch. Ursprünglich hatte das Album lediglich dreizehn Titel, bei späteren Veröffentlichungen wurde dann der Sprechgesang „Hup Hup Hup Hup…“ in Form eines vierzigminütigen Stücks vom Lied „Commited“ abgetrennt, zu dem er ursprünglich als Ausklang gehörte.

Nun, Folk von Bob Dylan oder Joan Baez klingt definitiv eingängiger als jener von Roy Harper auf „The Return Of The Sophisticated Beggar“. Dafür sind auf diesem Album experimentellere Momente enthalten. Da wird auch mal gelacht oder etwas falsch gesungen, eine Spinne auf einem Mikro erwähnt und dem Orient gefrönt. Abwechslung durchaus, neue Wege auch und von daher musikhistorisch ganz bestimmt interessant. Musikalisch überzeugend ist das Ganze heute allerdings nicht mehr.

Fazit: Das erste Album des Roy Harper „The Return Of The Sophisticated Beggar“ weist sehr viel Abwechslung in Form bis zu diesem Zeitpunkt ungehörter Töne und Stilmittel auf. Besonders eingängig finde ich das Ganze allerdings nicht, trotzdem hört man, welch toller Musiker Roy Harper ist und ein Wegbeschreiter eines Weges, der erst noch erschaffen werden musste. Von daher durchaus spannend. Neun Punkte.

Anspieltipps: My Friend



Samstag, 31. Juli 2021

Big Big Train – Common Ground

 



Big Big Train – Common Ground


Besetzung:

Nick D’Virgilio – drums, percussion, vocals, mellotron, ebow guitar, synthesizer, cp70, fender rhodes electric piano. Arpeggiator, soundscapes
David Longdon – lead and backing vocals, acoustic guitar, mellotron, synthesizer, electric 6 and electric 12-sting guitars, vibraphone, tambourine, flute
Rikard Sjöblom – piano, hammond organ, farfisa organ, fender rhodes piano, church organ, mellotron, vocals, electric 6 and electric 12-sting guitars, fender rhodes and wurlitzer electric piano, clavinet
Gregory Spawton – bass, bass pedals, acoustic guitar, 12-sting acoustic guitar, mellotron, vocals


Gastmusiker:

Carly Bryant – vocals
Dave Foster – guitars
Aiden O’Rourke – violin and soundscapes
Dave Desmond – trombone
Stuart Roberts – trumpet
Nick Stones – french horn
John Storey – euphonium
John Truscott – tuba




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. The Strangest Times (5:07)
2. All The Love That We Can Give (8:05)
3. Black With Ink (7:23)
4. Dandelion Clock (4:14)
5. Headwaters (2:26)
6. Apollo (7:50)
7. Common Ground (4:53)
8. Atlantic Cable (15:06)
9. Endnotes (6:58)

Gesamtspieldauer: 1:02:06



Big Big Train waren mit ihrer Musik schon immer Grenzgänger zwischen Pop, Rock und Progressive Rock. Und gerade dieser progressive Ansatz im Stile der englischen Bands in den frühen 70er Jahren machte für mich auch den Reiz der Musik von Big Big Train aus. Mit ihren letzten Alben „Folklore“ (2016), „Grimspound“ (2017), „The Second Brightest Star“ (2017) sowie „Grand Tour“ (2019) konnten sie dieses musikalische Genre neben dem 2009er Album „The Underfall Yard“ gut abbilden. Wenn ich nur an „Roman Stone“ vom Album „Grand Tour“ denke… großes Kino für mich.

Doch was hört man nun auf ihrem dreizehnten Studioalbum mit dem Titel „Common Ground“?

Um es gleich vorweg zu nehmen, viele der Zutaten, die die Musik von Big Big Train auch vorher bereits ausmachten, sind auch auf „Common Ground“ enthalten. Das gibt es diesen mehrstimmigen Gesang, der immer wieder überzeugt und irgendwie besonders klingt. Es gibt in den Liedern Tempo- und Rhythmuswechsel und vor allen Dingen das Spiel mit den musikalischen Atmosphären haben die Musiker nicht verlernt. Da wird man in sanfte Melodien eingehüllt, dann prescht die Musik wieder zielstrebig nach vorne. Das ist zu hören in den Liedern mit Gesang, aber auch in den zwei Instrumentalstücken „Headwaters“ und „Apollo“. Ganz besonders gelungen empfinde ich auch immer wieder den Bläsereinsatz in den Liedern von Big Big Train, der gerade auf diesem Album den letzten Titel „Endnotes“ zu einem wahrlich hymnischen und feierlichen Abschluss des Albums werden lässt.

Und natürlich entwickeln sich die Lieder mit jedem weiteren Durchlauf weiter, wie dies häufig bei progressiver Musik der Fall ist. Oftmals muss man sich diese Musik erst mal genauer erschließen, bis man sie richtig genießen kann. Genauso ist es mit den Titeln auf „Common Ground“, die mir mit jedem weiteren Mal des Hörens besser gefallen. Alles gut also? Nicht ganz, denn die oben bereits erwähnte Mischung aus Pop, Rock und progressiven Tönen schwenkt für meinen Geschmack manchmal doch ein wenig zu sehr in Richtung des Pops. Gleich beim Eröffnungsstück „The Strangest Times“ musste ich beim ersten Anhören erst mal schlucken. Das klingt schon sehr nach groovendem Pop, den ich von Big Big Train so nicht erwarte und auch von dieser Band gar nicht so hören möchte. Auch das Titellied, eine Mischung aus Folk und Pop und Rock kann mich da nicht so restlos überzeugen und klingt für mich etwas zu alltäglich.

Doch genug kritisiert, Musik ist und bleibt immer auch Geschmackssache. Und da packen mich am ehesten solch Lieder wie „Dandelion Clock“. Nicht nur, dass David Longdon hier ganz ähnlich wie Peter Gabriel singt, auch ansonsten klingt die Nummer wie eine kleine Reminiszenz an Genesis in den 70er Jahren. Die beiden bereits erwähnten Instrumentalnummern gehen auch gut und abwechslungsreich ins Ohr und das gilt ebenso für „Atlantic Cable“, dem längsten Lied auf „Common Ground“. Viele Wendungen, sowohl vom Tempo, wie vom Rhythmus und auch von den Melodien lassen diesen Titel zu einer kleinen musikalischen Reise werden, die Spaß macht angetreten zu werden. Und der bereits erwähnte wunderschöne Abschluss mit dem Lied „Endnotes“ steht stellvertretend für das Besondere in der Musik von Big Big Train.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich an dieser Stelle auch die schöne Aufmachung der CD in Form eines kleinen Büchleins. Da hat sich jemand richtig Mühe gegeben und dies wertet die CD nochmals auf.

Fazit: Auch wenn „Common Ground“ mich nicht ganz so überzeugt wie manches Vorgängeralbum von Big Big Train, so ist es doch ein hörenswertes Album geworden. Wer Big Big Train mag, wird darauf sicherlich etwas für sich entdecken. Die paar poppigen Stellen zu viel werden durch klasse, deutlich progressivere Abschnitte aufgewogen. Für mich ein lohnenswertes Album. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Dandelion Clock, Endnotes



Donnerstag, 29. Juli 2021

Amon Düül II – Tanz der Lemminge

 



Amon Düül II – Tanz der Lemminge


Besetzung:

Chris Karrer – guitars, violin, vocals
John Weinzierl – guitars, piano, vocals
Lothar Meid – bass, double bass, vocals
Peter Leopold – drums, percussion
Karl-Heinz Hausmann – electronics
Falk Rogner – organ, electronics


Gastmusiker:

Jim Jackson – organ, choir-organ, piano
Alois Gromer – sitar
Renate Knaup-Kroetenschwanz – vocals
Rolf Zacher – vocals




Erscheinungsjahr: 1971


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Syntelman‘s March Of The Roaring Seventies (15:51)

a) In The Glass Garden (1:39)
b) Pull Down Your Mask (4:39)
c) Prayer To The Silence (1:04)
d) Telephonecomplex (8:26)

2. Restless Skylight-Transistor-Child (19:33)

a) Landing In A Ditch (1:12)
b) Dehypnotized Toothpaste (0:52)
c) A Short Stop At The Transylvanian Brain-Surgery (5:00)
d) Race From Here To Your Ears (5:30)
- Little Tornadoes (2:08)
- Overheated Tiara (1:46)
- The Flyweighted Five (1:26)
e) Riding On A Cloud (2:33)
f) Paralyzed Paradise (3:07)
g) H.G. Wells‘ Take Off (1:26)

Chamsin Soundtrack:

3. The Marilyn Monroe Memorial Church (18:05)
4. Chewinggum Telegram (2:41)
5. Stumbling Over Melted Moonlight (4:33)
6. Toxicological Whispering (7:45)

Gesamtspieldauer: 1:08:47



Das dritte Album der deutschen Krautrockband Amon Düül II mit dem Titel „Tanz der Lemminge“ war ursprünglich, wie schon die Vorgängerscheibe „Yeti“, als Doppelalbum erschienen. Allerdings handelt es sich in diesem Fall im Grunde genommen um zwei Platten. Ursprünglich stellte die erste LP das eigentliche Album dar, auf der zweiten Scheibe hört man dagegen die Filmmusik zum Film „Chamsin“, also den entsprechenden Soundtrack. Veröffentlicht wurde „Tanz der Lemminge“ im März 1971 auf dem Plattenlabel United Artists Records.

Die ehemalige erste Seite des Albums, also das Lied „Syntelman‘s March Of The Roaring Seventies“, wurde hauptsächlich von Chris Karrer geschrieben und wird größtenteils von der akustischen Gitarre beherrscht. Viele Ideen wurden hier zusammengetragen, meist sehr melodiös klingend, die dann durchaus stimmig miteinander verwoben wurden. „Restless Skylight-Transistor-Child“, die ehemalige zweite Seite des Doppelalbums, entspringt mehr den Ideen des anderen Gitarristen der Band, John Weinzierl. Jetzt klingen Amon Düül II um einiges härter als noch mit dem vorherigen Lied. Jetzt wird durchaus auch mal sehr heftig gerockt und nicht immer müssen die Melodien ein Wohlgefühl auslösen, denn das Gehörte klingt nun auch mal schräg und verschroben. Aber auch sphärische Passagen weist das Stück auf, ebenfalls gelungen mit den rockigeren Abschnitten verbunden.

Damit wären wir bereits beim ersten und einzigen Stück auf der ehemaligen dritten Schallplattenseite, das erste Lied des Soundtracks „The Marilyn Monroe Memorial Church“. Diese Nummer klingt von sphärisch bis experimentell, weist nicht immer eine Melodie auf, sondern spielt konsequent mit den Atmosphären. Das wird mal brachial, mal sehr spacig umgesetzt. Die restlichen drei Stücke beinhalten dann schließlich wieder etwas mehr „Struktur“, wobei „Toxicological Whispering“ sogar richtig cool groovt.

Fazit: Insgesamt stellt „Tanz der Lemminge“ eine sehr experimentelle Scheibe dar, die der Band auch sehr viel Ansehen im Ausland einbrachte. Möchte man mal progressive Rockmusik „Made in Germany“ hören, wie sie sich Anfang der 70er Jahre präsentierte, so wird man mit diesem Album bestens bedient. Klar, auf die Musik sollte man sich konzentrierten, das ist nichts, was man einfach so nebenbei hören könnte. Konzentration lohnt hier definitiv. Und „Tanz der Lemminge“ macht mit jedem weiteren Hören irgendwie noch mal mehr Laune. Garantiert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Syntelman‘s March Of The Roaring Seventies