Dienstag, 25. Oktober 2011

Laurie Anderson – Big Science





Laurie Anderson – Big Science


Besetzung:

Laurie Anderson – vocals, vocoder, farfisa, percussion, electronics, keyboards, sticks, violin, claps, ungar whistling, marimba, OBXa, wood blocks


Gastmusiker:

Roma Baran – farfisa bass, glass harmonica, sticks, claps, casio, accordion, ungar whistling, vocoder, tenor whistle
Bill Obrecht – alto sax
Peter Gordon – clarinet, tenor sax
David Van Tieghem – drums, roto toms, timpani, marimba, percussion
Perry Hoberman – bottles, sticks, claps, flute, sax, piccolo, backup vocals, walkie talkie, soprano whistle
Rufus Harley – bagpipes
Chuck Fisher – alto sax, tenor sax
Richard Cohenv – clarinets, bassoon, bari sax
George Lewis – trombones
D. Sharpe – drums
Brady – dogs


Label: Nonesuch Records Inc.


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. From The Air (4:29)
2. Big Science (6:14)
3. Sweaters (2:18)
4. Walking & Falling (2:10)
5. Born, Never Asked (4:56)
6. O Superman (8:21)
7. Example #22 (2:59)
8. Let X = X (3:51)
9. It Tango (3:01)


Bonustracks:

Walk The Dog (5:51)
O Superman (Video)

Gesamtspieldauer: 44:10




1982 veröffentlichte die New Yorker Performancekünstlerin Laurie Anderson ihr erstes Album, „Big Science“. Und einfach ist diese Musik wahrlich nicht zu beschreiben. Und ich würde da sogar noch einen Schritt weitergehen, denn einfach ist diese Musik auch nicht anzuhören. Auf ganz andere Töne muss man sich beim Durchhören dieses Albums einstellen. Andere Sounds, die man woanders so wohl noch nicht gehört hat.

Es beginnt mit „From The Air”, ein Lied, was vom Zusammenspiel verschiedener Saxophone, einer Klarinette und einem schwebenden Keyboardsound lebt. Die Krönung wird dem Ganzen noch durch Laurie Andersons Sprechgesang aufgesetzt. Obwohl hier immer wieder schräge Töne an das Ohr herangeführt werden, so ist das ganze Stück an sich betrachtet doch irgendwie eingängig und melodiös. „Big Science“ beginnt mit Wolfsgeheul und Laurie Andersons hoher Stimme, die so etwas wie „Uhukuuku“ singt. Dann setzt wieder ein Sprechgesang ein, dieses Mal spärlich instrumentiert durch einen Keyboardklangteppich. Im Refrain singt Laurie Anderson schließlich wieder sehr melodiös und fast schon zerbrechlich wirkend.

Weiter geht es mit „Sweaters“ einem völlig abgefahrenen Stück. Am Anfang klingt es so in etwa wie Kindergequengel und dieses Geräusch wird dann weiterhin von der Stimme Laurie Andersons imitiert, genau wie von den Backpipes Rufus Harleys. Passt alles sehr gut zur zentralen Aussage des Stücks: „I no longer love…“ Wirklich kein einfaches Stück Musik – und absolut unmelodiös. „Walking And Falling“, im Anschluss daran, ist eine sehr minimalistische Nummer. Sprechgesang und ganz dezente Hintergrundinstrumentierung ergeben einen Song, in dem uns Laurie Anderson erklärt, wie man gleichzeitig gehen und fallen kann. „Born, Never Asked“ wird wieder durch einen Sprechteil eingeleitet und entwickelt sich anschließend zu einer tollen und harmonischen Nummer, die von der Violine dominiert wird. Klasse hier auch der Marimba-Einsatz und das Hintergrundgeklatsche. Ein Höhepunkt des Albums.

Und dann kommt es, das Stück, durch welches Musikfreunde noch am ehesten mit dem Namen Laurie Anderson in Berührung gekommen sind: „O Superman“. Auf über acht Minuten Länge hört man hier dieses „Ha-ha-ha-ha-ha…“, nur ganz leicht elektronisch verzerrt. Dazu die vocodergefilterte Stimme Laurie Andersons und nur ab und zu Abwechslung in Form von Keyboard, Flöte oder Saxophon. Absolut genial das Stück in seinem Minimalismus. Aber ich bin mir bewusst, dass mit dieser Nummer nicht jeder etwas anfangen können wird.

Es folgt erneut ein sehr ungewöhnlicher Titel, „Example #22“. Auf Deutsch wird zuerst von einer Frau, dann von einem Mann, über „paranormale Tonbandstimmen“ referiert. Fast weinerlich wirkt in diesem Song die Stimme Laurie Andersons, bis sie am Ende der Nummer eine Art Refrain des Liedes, gepresst in Form eines „Nananana“, herausstößt. Richtig schön melodisch wird es anschließend wieder auf „Let X=X“. Auch dieses Mal spielt Laurie Anderson wieder mit ihrer Stimme, spricht den Text zum Teil, um dann wieder zum Singen überzugehen. Den Übergang zum letzten regulären Track bekommt man gar nicht richtig mit, denn der ist fließend. Außerdem klingt „It Tango“ ähnlich wie sein Vorgänger. Allerdings ist hier die Stimme Laurie Andersons nicht ganz so elektronisch verzerrt.

Bliebe noch das Bonusmaterial. Dieses muss man übrigens im Dateiverzeichnis der CD direkt im Computer aufrufen, es erscheint also nicht auf der Playliste im CD-Player. So minimalistisch wie das Lied „O Superman“ gehalten ist, so minimalistisch geht es auch in dem dazugehörigen Video zu. Hektik kommt da auf jeden Fall nicht auf. Und der Bonustrack „Walk The Dog“? Okay, da kommt man automatisch an seine Grenzen. Verzerrtes Hundegebell und Stimmen wie bei Mickey Mouse. Das ist nicht mehr die Avantgarde, das ist nur noch ein Klanggebilde, welches, na sagen wir mal „sehr gewöhnungsbedürftig“ ist. Es fällt schwer dieses Stück anzuhören ohne in Versuchung zu geraten, der Nummer mittels des „Aus-Knopfes“ der Anlage den Saft abzudrehen.

Fazit: Wer einmal Lust auf was ganz anderes hat, das nicht immer melodiös, dafür umso mehr spannend ist, was auch mal ungemein schräg klingen kann, anschließend aber wieder mit süßen Melodien verwöhnt, der sollte sich mal „Big Science“ von Laurie Anderson reinziehen. Wegen seiner Andersartigkeit und weil sich auch tolle Songs auf dieser CD befinden, gebe ich dem Werk zehn Punkte.

Anspieltipps: Big Science, Born Never Asked, O Superman, Let X=X, It Tango







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