Samstag, 24. März 2012

Pink Floyd – Ummagumma





Pink Floyd – Ummagumma


Besetzung:

David Gilmour –guitar & vocals
Nick Mason – percussion
Richard Wright – keyboards
Roger Waters – bass guitar & vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1969 / 1994 / 2011


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

CD1:

1. Astronomy Domine (8:30)
2. Careful With That Axe, Eugene (8:51)
3. Set The Controls For The Heart Of The Sun (9:12)
4. A Saucerful Of Secrets (12:48)

CD2:

1. Sysyphus Part 1 (Richard Wright) (1:06)
2. Sysyphus Part 2 (Richard Wright) (3:25)
3. Sysyphus Part 3 (Richard Wright) (1:48)
4. Sysyphus Part 4 (Richard Wright) (6:56)
5. Grantchester Meadows (Roger Waters) (7:28)
6. Several Species Of Small Fury Animals Gathered Together In A Cave And Grooving With A Pict (Roger Waters) (4:57)
7. The Narrow Way Part 1 (David Gilmour) (3:29)
8. The Narrow Way Part 2 (David Gilmour) (2:53)
9. The Narrow Way Part 3 (David Gilmour) (5:52)
10. The Grand Vizier's Garden Party Part 1 (Nick Mason) (0:59)
11. The Grand Vizier's Garden Party Part 2 (Nick Mason) (7:06)
12. The Grand Vizier's Garden Party Part 3 (Nick Mason) (0:40)




Gerade mal drei Monate nach dem Soundtrack “More” brachten Pink Floyd mit „Ummagumma“ ihr viertes Werk auf den Markt. Der Titel „Ummagumma“ ist ein Slangwort und bedeutet nichts anderes als Sex. Und genau so ungewöhnlich wie der Titel, so ist auch die Musik auf diesem Album – ungewöhnlich und absolut nicht alltäglich. Das liegt zum einen daran, dass das Album aus zwei Tonträgern besteht. Auf der ersten Platte beziehungsweise CD sind vier live eingespielte Titel zu hören, die zweite Platte beinhaltet dann eine Studio-LP. Aber auch darin liegt etwas Besonderes, denn hier sollte jedem Bandmitglied Raum gelassen werden. Jedem der vier Musiker stand eine halbe LP Seite zur Verfügung, die er mit seiner Musik füllen konnte. Und daraus resultiert mit „Ummagumma“ ein Album, welches eine halbe Live-Platte ist, zum anderen jedoch einen sehr experimentellen Ritt durch die Inspirationen der vier Pink Floyd Mitglieder Ende der 60er Jahre darstellt.

CD 1 oder Platte 1 wurde an drei Orten live eingespielt. Das waren Manchester, Birmingham und Bromley Common, eine kleine Gemeinde südlich von London. Die Songauswahl setzte sich dabei aus „Astronomy Dominé“ von „The Piper At The Gates Of Dawn“, sowie aus zwei Stücken von „A Saucerful Of Secrets“ zusammen. Dies sind die Lieder „Set The Controls For The Heart Of The Sun“, sowie der Titeltrack des zweiten Albums „A Saucerful Of Secrets“. Dazu gesellte sich als neuer Titel „Careful With The Axe Eugene“, ein Lied, welches bisher noch auf keiner LP erschienen war.

Nun die Stücke, soweit sie bisher auf Platten veröffentlicht waren, klingen „live“ sehr viel kräftiger und druckvoller, rockiger eben. Es sind Variationen der ursprünglichen Nummern, wobei beide, die ursprünglichen Studioaufnahmen auf den ersten beiden Platten Pink Floyds, wie diese Live-Einspielungen, ihren Charme haben. „Careful With The Axe Eugene“, bis dorthin nur als B-Seite der Single „Point Me At The Sky“ erschienen, ist ein kraftvolles Stück, welches durchaus auch melodiös klingt. Allerdings schwebt über der Nummer durchgängig diese psychedelische Atmosphäre, bei der es einem in der Mitte des Stücks eiskalt den Rücken runterläuft, wenn man bemerkt, dass der gute Eugen doch nicht so vorsichtig mit der Axt hantiert hat. Die Live-Atmosphäre hört man den vier Stücken übrigens nur jeweils ganz am Ende an, wenn man den Applaus des Publikums mehr wahrnimmt als hört.

Nun zur zweiten Platte beziehungsweise CD. Da ist mit Sicherheit nicht unbedingt für jeden etwas dabei. Das ist schon zum Teil sehr experimentell, sehr abgefahren, sehr avantgardistisch oder wie auch immer man diese Werke der vier Musiker nennen will. Rick Wrights Komposition macht den Anfang. „Sysyphus“ heißt sie, der griechischen Mythologie Gestalt entsprechend und ist in vier Teile untergliedert. Sehr kraftvoll und bombastisch beginnt das Stück mit einem dicken Orgelteppich und einer durchaus eingängigen Melodie. Teil 1 ist allerdings bereits nach etwas über einer Minute beschlossen und geht in einen Piano Solo Part über. Ist dieser zu Beginn noch sehr melodiös, so wird er im weiteren Verlauf des Stückes immer atonaler. Mit Händen, Armen und Ellenbogen scheint Rick Wright sein Piano hier zu bearbeiten, welches mit dumpfen und verstörenden Klängen darauf antwortet. Teil 3 von „Sysyphus“ ist dann völlig atonal und klingt mehr nach einer Aneinanderreihung von Tönen, als an Musik. Dazu gesellen sich seltsame hohe, schreiartige Laute und eines der ungewöhnlichsten Musikstücke ist perfekt. Im vierten und letzten Teil, der sieben Minuten dauert, geht es dann wieder sehr viel ruhiger zu. Sphärisch klingt es hier, fast so, als ob erneut eine Szene aus dem Film „More“ untermalt werden sollte, was durch die zeitliche Nähe beider Veröffentlichungen auch nicht weiter verwundern dürfte. Und so bleibt der Sound schwebend, bis etwa zur Mitte des Stücks die „Hölle losbricht“, kurz wieder ruhiger und atonal wird, um schließlich wieder in den ersten Part zu münden.

„Grantchester Meadows” heißt der erste Beitrag von Roger Waters. Mit Vogelgezwitscher beginnt das Stück und erinnert ein wenig an eine Folk-Nummer. Ein schöner und entspannter Titel entwickelt sich hier, der nur durch Gesang, mittels einer akustischen Gitarre und durch das bereits erwähnte Vogelgezwitscher instrumentiert ist. Legendär das Ende des Songs. Da hört man dann eine Fliege Brummen, jemand kommt die Treppe heruntergerannt und macht der Fliege lautstark den Garaus. Der zweite Beitrag Roger Waters’ heißt „Several Species Of Small Fury Animals Gathered Together In A Cave And Grooving With A Pict”. Und genauso abgefahren wie der Titel, so ist auch die Musik in diesen fünf Minuten ihrer Dauer. Alles ist rhythmisch, alles huscht irgendwie herum und man kann diese kleinen, zornigen Viecher fast schon auf dem Boden herumwuseln sehen. Das Stück besteht nur aus bearbeiteten Stimmen, auf Instrumente wurde völlig verzichtet, lässt man mal das rhythmische Fingerklappern zu Beginn der Nummer außen vor. Wahrlich eines der seltsamsten Stücke der Musikgeschichte.

David Gilmour hat sich mit „The Narrow Way” auf Ummagumma verewigt. Aus drei Teilen besteht dieses Stück, das nun wieder sehr melodiös und harmonisch klingt. Die Akustikgitarre steht in „Part One“ im Vordergrund, es entwickelt sich eine angenehme Stimmung, die erst gegen Ende des Stücks durch manchmal sphärische, manchmal verspielte Töne angereichert wird. Im zweiten Teil wird es dann härter. Jetzt hat die E-Gitarre ihren Auftritt. Bis die Handlung vom Synthesizer übernommen wird. Nun wabert die Musik sphärisch bis weltraummäßig aus den Boxen, eine Melodieführung ist nicht mehr zu erkennen und die Atmosphäre des Stücks steht im Vordergrund. Der dritte Teil von „The Narrow Way“ ist schließlich der eingängigste Abschnitt des Stückes. Das Lied ist ganz klassisch mit Strophe und Refrain aufgebaut und erinnert in all seiner Stimmung irgendwie schon sehr an „Meddle“.

„The Grand Vizier's Garden Party” von Nick Mason ist ebenfalls in drei Abschnitte untergliedert. Teil 1 dauert eine Minute und besteht aus einem Querflötensolo, wobei hier zwei dieser Instrumente zu hören sind. Dann gibt es einen Trommelwirbel, der gleichzeitig auf den nächsten Part überleitet. Hier kann sich Nick Mason jetzt austoben. Im zweiten Teil gibt es Rhythmusparts, gefolgt von einem sehr schwebenden, mit dem Synthesizer instrumentierten Abschnitt, bis wieder die Rhythmusgeräte die Oberhand gewinnen und alles in einem heillosen Durcheinander mündet. Abschließend gibt es noch „Part Three“ zu hören, ein wahrer Kontrast, denn hier haben die Querflöten erneut ihren Auftritt und führen das Lied zu einem lieblichen Ende.

Fazit: „Ummagumma“ ist ein beeindruckendes Album. Sicherlich nichts für jeden, für Pink Floyd Fans allerdings ein absolutes Muss. Die erste CD ist eine interessante Alternative zu den Studioaufnahmen, da es aus dieser Zeit auch nur sehr wenige Live-Einspielungen von Pink Floyd gibt. Die zweite CD ist dann eine Achterbahnfahrt aus schönen und verstörenden Klängen. Und dabei sind hier Stücke oder zumindest Teile von Liedern enthalten, die man so bis dahin noch nie, danach allerdings auch nicht mehr gehört hat. Beeindruckend, allerdings nicht immer ganz überzeugend. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Die erste CD, Sysyphus Part I und IV, Several Species Of Small Fury Animals Gathered Together In A Cave And Grooving With A Pict, The Narrow Way Part III



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