Donnerstag, 27. Februar 2014

BAP – Affjetaut




BAP – Affjetaut


Besetzung:

Wolfgang Niedecken – Gesang, Gitarre
Klaus Heuser (alias Major Healy) – Gitarre, Gesang
Steve Borg – Bass
Wolli Boecker – Schlagzeug
Manfred Boecker – Percussion, Gesang


Gastmusiker:

Matthias Keul – Tasteninstrumente, Mundharmonika auf „Vun mir uss Kitsch“
Büdi Siebert – Saxophon auf „Häng de Fahn eruss“, „Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau“, „Pardong“
Remo Constantini – Hammond-Orgel auf „Pardong“
Rüttli 2000 – Percussion auf “Pardong”


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Kölsch-Rock


Trackliste:

1. Ne schöne Jrooß (5:29)
2. Wat ess? (3:58)
3. Stollwerck-Leed (3:48)
4. Anna (3:40)
5. Häng de Fahn eruss (2:33)
6. Helfe kann dir keiner (4:21)
7. Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau (5:28)
8. Von mir uss Kitsch (2:46)
9. Kumm op ming Sick (5:40)
10. Pardong (3:45)

Gesamtspieldauer: 41:28




“Affjetaut” ist das zweite Album der Kölner Band um Wolfgang Niedecken und das erste, welches mit Klaus Heuser an der Gitarre eingespielt wurde. Ein Jahr nach dem Debut-Album „Wolfgang Niedecken’s BAP rockt andere kölsche Leeder“ erschien 1980 diese Scheibe, die ein breites Spektrum verschiedener Musikstile aufweist. Da gibt es rockige Lieder zu hören, schöne und weiche Balladen und auch einzelne Reggae-Töne. All dies zusammen ergibt ein sehr stimmiges Bild, was die Platte sehr lohnenswert werden lässt. Die LP wurde damals mit einem riesigen Beizettel von etwa einem Meter mal einem Meter ausgestattet. Darauf kann man einige Bilder betrachten, die Texte wurden abgedruckt und Wolfgang Niedecken erklärt dem Leser eine ganze Reihe kölscher Begriffe. Dazu gibt es noch die Rubrik „Paar Warme Worte“, in der Niedecken etwas auf die Entstehung der Scheibe eingeht und was sich in Bezug zur letzten Platte so alles verändert hat. Das Wichtigste hierbei war, dass die Band auf der ersten Platte rein aus Amateuren bestand, die zwei Auftritte im Monat hatten. Nach der Veröffentlichung des ersten Albums änderte sich dies und plötzlich gab es da zehn oder mehr Gigs im Monat. Nicht alle Weggefährten konnten diesen Weg mitgehen, da sie beruflich anders eingebunden waren. Daher auch die Umbesetzung an Gitarre, Bass und den Keyboards.

Nun, die Titel stammen aus der Feder Wolfgang Niedeckens. Zumindest die letzten vier der Platte. Bei den ersten Stücken ist Klaus Heuser als Komponist für die Musik angegeben, Wolfgang Niedecken zeichnet sich allerdings auch hier für die Texte verantwortlich. Das ist zumindest dahingehend überraschend, da beim wahrlich eindringlichen „Helfe kann dir keiner“ auch „Major“ Heuser als musikalischer Komponist angegeben wurde, obwohl dies nachweislich ein Song ist, den Niedecken bereits mit seinem Kumpel Hans Herres geschrieben hatte, der noch auf der ersten Platte an der Gitarre zu hören war.

Das Mitwirken von Klaus Heuser, der im selben Jahr zur Band gestoßen war und ab jetzt die musikalische Richtung bei BAP vorgab, ist dabei allerdings ein Glücksfall für BAP gewesen. Klaus Heuser hatte dieses spezielle Gefühl für die eingängige Melodie und auch für den perfekten Groove und Rhythmus, bei den etwas schnelleren Stücken. Deutsch-Rock, Pardon, Kölsch-Rock natürlich, der richtig guten Sorte gibt es daher auf „Affjetaut“ zu hören, Musik, die sofort ins Ohr geht. Dazu gesellen sich die sehr überzeugenden, manchmal witzigen, ein anderes Mal nachdenklich machenden Texte des Wolfgang Niedecken.

Ausschlaggebend für den Erfolg ist allerdings wohl mehr die Musik gewesen, denn genau so wie die meisten Musikhörer nur wenig auf den englischen Text achten, ist es auch bei den kölschen Texten – trotz der Mühe, die sich Niedecken immer wieder mit Übersetzungen gab und gibt. Die Musik weiß zu packen und der bereits erwähnte Stilmix trägt nicht wenig zum Gelingen dieser Scheibe bei, die sehr eingängig und auch immer spannend ist. Mal kann man sich treiben lassen, mal ist man versucht mit zu wippen und wieder ein anderes Mal gerät man einfach ins Träumen.

Fazit: Ein schönes, abwechslungsreiches und spannendes Album ist „Affjetaut“ geworden. Dabei können die Kompositionen sich durchaus messen lassen mit Veröffentlichungen aus dem englischsprachigen Raum. BAP sollte von nun an über eine lange Zeit die Fahne des deutschsprachigen Rocks hoch halten, auch wenn sie diesen auf Kölsch wiedergeben. Wer auf allgemein gut gemachten Rock steht, dem sei diese Platte wärmstens empfohlen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Wat ess?, Helfe kann dir keiner, Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau



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