Samstag, 14. November 2015

CocoRosie – Heartache City




CocoRosie – Heartache City


Besetzung:

Bianca Casady – vocals, ohne weitere Instrumentenangabe
Sierra Casady – vocals, ohne weitere Instrumentenangabe


Gastmusiker:

Takenya Nakamura – trumpet, keys
Tez – beatbox
Tarahn Ghazi – singing bowls


Label: Eigenveröffentlichung


Erscheinungsdatum: 2015


Stil: Post Rock, Art Pop, Freak Pop


Trackliste:

1. Forget Me Not (5:29)
2. Un Beso (4:18)
3. Lost Girls (5:20)
4. Heartache City (3:14)
5. The Tower Of Pisa (3:19)
6. Bed Bugs (3:46)
7. Tim And Tina (4:14)
8. Big And Black (5:54)
9. Lucky Clover (5:23)
10. No One Knows (3:29)

Gesamtspieldauer: 44:30



Seltsam klingt sie die Musik von CocoRosie, wieder mal sehr seltsam. Diese so zerbrechlich klingenden Stimmen der zwei Schwestern Casady, dazu eine irgendwie geartete minimalistische Musik, das hat schon irgendwie etwas ganz Besonderes. Bianca und Sierra spielten das Album fast ganz allein in ihrem Tonstudio im Süden Frankreichs ein. Ein Umstand, der nicht weiter verwundert, denn wer könnte außer den beiden Musikerinnen zu dieser Musik noch Input einbringen? Wohl kaum jemand, denn zu anders klingt das alles. Ein seltsames, trauriges Flair prägt das sechste Album der zwei US-Amerikanerinnen, welches sie unter dem Titel „Heartache City“ im Jahr 2015, ohne Plattenfirma, im Selbstvertrieb veröffentlichten.

„Heartache City“ klingt wieder mehr wie die ersten Veröffentlichungen von CocoRosie. Es hört sich nicht mehr so poppig an, ist deutlich weniger Synthesizer-dominiert. Manches Mal etwas roh, blank, minimalistisch eben. Die Melodien und Harmonien eröffnen sich einem auch nicht gleich beim ersten Hören der Scheibe. Da bedarf es schon einiger Durchläufe der Platte, die dann allerdings immer mehr an Charme und Eingängigkeit gewinnt. Vor allem in der Mitte des Albums verstecken sich einige wahre Perlen, die es zu entdecken lohnt. Mit Freak Folk wird diese Musik auch manchmal umschrieben, eine Umschreibung, die bereits eine ganze Menge darüber aussagt, auf was man sich bei der Musik der beiden Schwestern einzustellen hat – nämlich auf etwas ganz Anderes, durchaus irgendwie Besonderes.

CocoRosie klingen einmal mehr schräg, verdreht, seltsam, manchmal auch irgendwie verwirrt und so gar nicht von dieser Welt stammend. Da laufen vor dem geistigen Auge mystische und verwunschene Szenen ab, in denen Elfen eine große Rolle zu spielen scheinen. Auch könnte man sich vorstellen, dass J.R.R. Tolkien gerne seine Elben so gehört hätte. Das alles deutet schon darauf hin, dass man sich für dieses Werk wahrlich Zeit nehmen muss. Definitiv keine Musik für das „Nebenbeihören“. Und sicherlich wird es auch genug Hörerinnen und Hörer geben, die bereits nach den ersten Takten entnervt zur Fernbedienung greifen, um zwei, drei Mal die Skip-Taste zu betätigen, um „Heartache City“ schließlich dann doch ganz zum Schweigen zu bringen. Nachvollziehbar, jedoch „zu früh aufgegeben“ möchte man diesen Menschen dann zurufen. Allerdings ist es wirklich so, dass man mit dieser Art der Musik immer nur wenige Hörerinnen und Hörer erreichen wird, dazu sind CocoRosie einfach zu anders.

Fazit: Ja, CocoRosie klingen echt seltsam. Auf „Heartache City“ hört man sowas von unkommerzieller Musik, dass man den Mut der beiden Schwestern gar nicht hoch genug einschätzen und würdigen kann. Allerdings finden sich für diese Art der Musik auch Menschen, denen so etwas gefällt, die hier gerne Zuhören. Was CocoRosie allerdings wieder mal nicht können, das ist ein interessantes Album Cover zu gestalten – obwohl, dieses schrullige Bild passt dann doch irgendwie in das Gesamtkonzept. Ich finde CocoRosie klingen auf „Heartache City“ wie ein Märchen, in dem ganz seltsame Gestalten viele Abenteuer erleben, die allerdings nicht immer gut auszugehen scheinen. Gute Unterhaltung. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Lost Girls, Heartache City, The Tower Of Pisa, Bed Bugs



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