Freitag, 20. Mai 2016

Keith Jarrett – The Köln Concert




Keith Jarrett – The Köln Concert


Besetzung:

Keith Jarrett – piano


Label: ECM Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Jazz


Trackliste:

1. Part I (26:01)
2. Part II a (14:54)
3. Part II b (18:13)
4. Part II c (6:56)

Gesamtspieldauer: 1:06:05




Das „The Köln Concert“ ist eine Konzertaufnahme des Pianisten Keith Jarrett für Piano Solo. Die Improvisation wurde am 24. Januar 1975 in der Oper Köln aufgenommen und schließlich im Herbst desselben Jahres veröffentlicht. Das Album stellt das am meisten verkaufte Solo-Album in der Geschichte des Jazz und das am meisten verkaufte Piano Album dar. Natürlich ist es auch diese Aufnahme, welche die erfolgreichste Veröffentlichung für Keith Jarrett bedeutet.

Und das alles, obwohl das ganze Konzert unter keinem sehr guten Stern stand. Keith Jarrett, kam gerade aus Zürich, war übermüdet und litt unter Rückenschmerzen. Zu allem Überfluss befand sich im Kölner Opernhaus nicht das Bösendorfer Piano, welches eigentlich für diesen Abend vorgesehen war. Durch eine Verwechslung stand dort ein anderes Bösendorfer Piano, alt und völlig verstimmt. Keith Jarrett wollte den Auftritt schon absagen, völlig verärgert und geschafft, konnte jedoch schließlich doch überredet werden, sein Können zum Besten zu geben. Und so begann die Improvisation um 23:30 Uhr, nach einer Opern-Veranstaltung und Keith Jarrett leitete diese mit dem Pausen-Gong-Zeichen der Oper ein, was wiederum für Heiterkeit bei den Zuhörern sorgte, wie man am Anfang der Aufnahme gut hören kann.

Soweit, so gut. Jetzt bin ich absolut kein Jazzer, allerdings streifen manche Titel und Künstler des Progressive Rock durchaus auch manchmal das musikalische Genre des Jazz und dieses Konzert des Keith Jarrett ist weit davon entfernt, im Free Jazz beheimatet zu sein. Somit ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass viele Menschen, die sonst mit Jazz nur wenig anfangen können, in gewissen Situationen und mit diesem Hintergrund, durchaus auch mal das meist so hochgelobte Köln Konzert auflegen. Für viele „echte“ Jazzer grenzt diese Scheibe allerdings bereits an Richard Clayderman, beinhaltet eine anbiedernde Improvisation und hat mit „Jazz“ nun schon mal gar nichts mehr zu tun. Nähert man sich dieser Scheibe allerdings eher von der oben beschriebenen Seite der Rock Musik, klingt das Köln Concert durchaus nach einer Jazz-Improvisation, wenn auch gemäßigt.

Für meine Ohren passiert dabei noch am meisten im ersten Part, der auch am deutlichsten über eine eingängige Melodie verfügt. Das wiederum könnte natürlich ein Frevel sein, denn Jazz benötigt in den Augen beziehungsweise den Ohren der überzeugten Jazzer keine Melodie. Trotzdem gibt es hier eine solche und diese geht auch ins Ohr. Überraschend dabei ist, dass diese selbst Keith Jarrett zu beeindrucken scheint, denn nicht anders kann man wohl seine verzückten Laute deuten, die er dabei, vor allen in den rhythmisch-melodiösen Passagen, ausstößt.

Mit dem Beginn von Part II passiert dann allerdings nicht mehr allzu viel. Zwar werden noch Stimmungen variiert und wechseln von laut nach leise und zurück, die Variationen in der Musik selbst werden jedoch deutlich zurückgefahren und auch die Melodiösität steht dabei nicht mehr so ganz im Vordergrund. Wahrscheinlich sind diese Parts dann eher wieder für die „richtigen“ Jazzer gedacht, die mit diesen Abschnitten des Konzertes wohl deutlich mehr anzufangen wissen.

Fazit „The Köln Concert“ ist die meistverkaufte Piano-Jazz-Platte überhaupt. Auch heute geht sie noch zahlreich über den Ladentisch. Beeindruckend ist dabei, dass es sich hierbei um eine Improvisation handelt. Kaum zu glauben, was Keith Jarrett in dieser Stunde aus dem Piano, welches wohl noch nicht mal richtig funktionierte und gestimmt war, herausholte. Wirklich beeindruckend. Der erste Teil dieser Improvisation klingt dabei sehr melodiös und geht ins Ohr. Mit Part II wird das Ganze dann ein wenig freier und ungebundener. Hier benötigt man als Musikfreund, der eher von der rockigen Seite kommt, ein wenig mehr Anlaufzeit, um sich einzuhören. Trotzdem, wenn Jazz so klingt, dann macht das schon Spaß. Elf Punkte.

Anspieltipps: Part I



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