Sonntag, 28. Januar 2018

Can – Ege Bamyasi




Can – Ege Bamyasi


Besetzung:

Holger Czukay – bass
Michael Karoli – guitar
Jaki Liebezeit – drums
Irmin Schmidt – keyboards
Damo Suzuki – vocals


Label: Spoon Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Krautrock, Psychedelic Rock, Experimental Rock


Trackliste:

1. Pinch (9:30)
2. Sing Swan Song (4:48)
3. One More Night (5:36)
4. Vitamin C (3:32)
5. Soup (10:32)
6. I'm So Green (3:05)
7. Spoon (3:04)

Gesamtspieldauer: 40:10



„Ege Bamyasi“ haben die Musiker der deutschen Band Can ihr viertes Album genannt. Veröffentlicht wurde „Ege Bamyasi“ im November 1972 auf dem Plattenlabel Spoon Records. Zu hören gibt es darauf die inzwischen gut bekannte „Can-Mischung“. Soll heißen, ein paar Lieder im Stile des Krautrocks mit psychedelischen Ausflügen und eine ganze Menge experimentelle Musik, die gar nicht mal immer so eindeutig als Musik auszumachen ist.

Mit dem Titel „Pinch“ fängt die Platte bereits überaus schräg an. Sehr viel Rhythmus wird von Jaki Liebezeit vorgelegt und die restlichen Musiker füllen das Ganze mit verschiedenen, zum Teil seltsamen bis abgefahrenen Tönen an. Sänger Damo Suzuki nuschelt oder redet oder schreit dazu unverständliche Worte, von denen man irgendwie nicht so ganz weiß, ob es überhaupt Worte sind und wenn es doch welche wären, wäre das Ganze wohl überaus sinnfrei. Irgendwie „anders“ klingt „Pinch“, sehr rhythmisch und wahrlich nicht melodiös, dafür umso experimenteller. Das ändert sich mit dem zweiten Titel „Sing Swan Song“. Er startet mit dem Geräusch von fließendem Wasser und entwickelt sich dann hin zu einem ziemlich „normalen“ Lied, wenn man die uns bekannten Kriterien dafür anlegt. Und dazu kommt die große Überraschung, denn „Sing Swan Song“ hört sehr melodiös an, ist eine absolut eingängige Nummer.

Das sich anschließende „One More Night“ ist ebenfalls eher ein konventionelles Lied. Nicht zu schrill, dabei auch nicht zu melodiös, dafür sanft dahinplätschernd. Etwas forscher startet dann „Vitamin C“. Ein groovender Rhythmus, erneut eingängige Melodie und Damo Suzuki singt „Hey you, you’re losing your Vitamin C“. Zum Kringeln. Schließlich setzt die Orgel stärker ein, bestimmt die Melodie, alles löst sich in Wohlgefallen auf. Doch genug der harmonischen Berieselung. Mit „Soup“ folgt das längste Stück auf „Ege Bamyasi“. Atonal, geräuschvoll, abgedriftet, aggressiv. Damo Suzuki schreit, die Gitarre klingt ohrenbetäubend schrill, das Keyboard versucht alles Mögliche, um sich ja nicht auf eine Melodie einzulassen, der Bass dröhnt und das Schlagzeug zieht unbeirrt seine akustischen Kreise. Absolut entrückt das Ganze und weit davon entfernt, als Lied im herkömmlichen Sinn durchzugehen. Klangfetzen, Geräuschfetzen, Sprachfetzen.

Mit „I'm So Green“ und „Spoon“ klingt „Ege Bamyasi“ dann wieder eher angepasst – oder sollte ich etwa schreiben „den Normen entsprechend?“ aus. „Spoon“ war dabei sogar ein kleiner Single-Hit, kletterte bis auf Platz 6 der deutschen Single-Charts. Die Nummer war die Titelmusik der deutschen Fernseh-Mini-Serie „Das Messer“ und wurde somit einem größeren Publikum zugänglich gemacht.

Fazit: Mit „Ege Bamyasi“, dem vierten Album von Can, bekommt man alles. Melodiösität und eine Art akustische Zerstörung. Solch ein Lied wie „Soup“ ist ein absoluter Grenzgänger. So etwas kann man kaum mit anderen Menschen zusammen hören, muss es sich alleine geben, da man sonst ganz bestimmt als „gefährlich“ eingestuft wird. Gerade das macht auch die Einmaligkeit der Musik von Can aus, hier werden definitiv Grenzen überschritten. Aber gefallen? „Sing Swan Song“ und „Vitamin C“ gefallen mir, „Soup“ gefällt mir nicht. Nein, macht es nicht – trotzdem höre ich es mir an. Wer soll das verstehen? Ich schon mal gar nicht. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Sing Swan Song, Vitamin C



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