Mittwoch, 5. Oktober 2011

Steven Wilson – Grace For Drowning

 


Steven Wilson – Grace For Drowning


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, guitars, keyboards, autoharp, bass guitars, gong, piano, harmonium, percussion
Jordan Rudess – piano
Theo Travis – soprano sax, flute, clarinet
Ben Castle – clarinet
Tony Levin – bass guitar
Nick Beggs – stick, bass guitar
Nic France – drums
Pat Mastelotto – acoustic and electric drums
Markus Reuter – guitar
Trey Gunn – guitar, bass guitar
London Session Orchestra – strings
Steve Hackett – guitars
Synergy Vocals – choir
Dave Stewart – string and choir arrangement
Mike Ovtram – guitar
Sand Snowman – acoustic guitar
Dave Kerzner – sound design


Label: Kscope


Erscheinungsdatum: September 2011


Stil: Independant, Alternativ, Postrock, Prog


Trackliste:

CD1 - Deform To Form A Star

1. Grace For Drowning (2:05)
2. Sectarian (7:41)
3. Deform To Form A Star (7:50)
4. No Part Of Me (5:44)
5. Postcard (4:27)
6. Raider Prelude (2:23)
7. Remainder The Black Dog (9:27)


CD2 - Like Dust I Have Cleared From My Eye

1. Belle De Jour (2:59)
2. Index (4:48)
3. Track One (4:15)
4. Raider II (23:21)
5. Like Dust I Have Cleared From My Eye (8:01)

Gesamtspieldauer: 1:23:01



"Grace For Drowning“ bezeichnet Steven Wilson als sein bisher „größtes Projekt“. Und weiter schreibt er auf seiner Homepage:

„Das Album „Insurgentes“ war ein wichtiger Schritt für mich, hin zu etwas Neuem. Diese Platte nimmt dies als Ausgangspunkt, aber sie ist experimenteller und vielseitiger. Für mich war die goldene Periode der Musik die späten Sechziger und frühen Siebziger, als das Album die wichtigste, künstlerische Ausdrucksmöglichkeit wurde, als sich die Musiker vom 3-Minuten-Popsong-Format befreiten und begannen Jazz und klassische Musik einfließen zu lassen, um diese mit dem psychedelischen Spirit zu kombinieren und eine Soundreise zu kreieren.
Ohne Retro zu sein, ist mein Album eine Art Hommage an diesen Geist. Es gibt alles, von Ennio Morricone mäßiger Filmmusik über Chöre, Piano Balladen, bis hin zu einem 23 minütigen, vom progressiven Jazz inspiriertem Stück. Tatsächlich habe ich dieses Mal mit ein paar Jazz Musikern zusammengearbeitet, die Idee dazu stammt von meiner Arbeit an den Remixen der King Crimson Alben.“

Nun, bei solchen Aussagen steigt der Puls eines Prog-Fans ganz automatisch. Die Frage ist nun, ob diese Ankündigung auch der Veröffentlichung standhält.

CD1 wird eröffnet mit dem Titelstück „Grace For Drowning“. Der Track ist eine ganz ruhige und mit 2:06 Minuten Länge auch sehr kurze Nummer. Instrumentiert wird der Song durch Jordan Rudess am Piano und hauchzart mit Wilsons Keyboardspiel. Ansonsten bleibt zu erwähnen, dass Steven Wilson für den Lalala- und Leileilei-Gesangspart vierzig Gesangsspuren übereinander gelegt hat und so eine Art Chorgesang kreierte. Nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes.

Die zweite Nummer, „Sectarian“, ist nun deutlich „lauter“, abwechslungsreicher und mit knapp siebeneinhalb Minuten auch sehr viel länger als der erste Track. Und bei diesem Stück kommen wir auch sogleich in den Prog-Bereich, der zum Teil jazzig angehaucht ist. Schräge Riffs und Keyboardläufe sind da zu hören, genauso wie bombastische Abschnitte und ein Mittelteil, der fast schon an eine Jazzimprovisation erinnert. Das Instrumentalstück fängt langsam mit der Akustikgitarre an, um dann immer mehr an Fahrt aufzunehmen. Und immer wieder gibt es überraschende Tempo- und Rhythmuswechsel. Mich erinnert dieses Lied in Ansätzen an King Crimson Veröffentlichungen Mitte der 70er Jahre - ohne diese zu kopieren.

„Deform To Form A Star“ heißt die dritte Nummer auf CD1. Dieses Lied ist wieder deutlich ruhiger als sein Vorgänger und sehr melodiös. Das Lied klingt wie ein Porcupine Tree Song, der von seiner Stimmung und Machart her auch gut auf „Lightbulb Sun“ gepasst hätte. Ein richtig schönes Stück Musik.

Elektronisch wird es dann zunächst bei „No Part Of Me“. Das Grundthema wird laufend wiederholt und nur die Begleitung variiert ein wenig, bis Steven Wilson dann bei 1:40 mit dem Gesang einsetzt. Schließlich wird das Stück sogar richtig orchestral, wenn die Streicher sich zur Instrumentierung dazugesellen. Aber noch eine weitere Steigerung wartet auf den Zuhörer. Bei 3:20 wird es schließlich richtig rockig. Klasse hier auch das Saxophon, welches den Sound und die Stimmung perfekt abrundet.

Mit „Postcard“ beweist Steven Wilson dann einmal mehr, dass er einfach ein Gespür für wunderschöne Melodien hat, die er im Laufe eines Liedes sich auch noch weiterentwickeln lässt. Ein ganz tolles, melancholisches Stück ist diese Nummer, die mit Streichern und Chor perfekt instrumentiert wurde. Ein Lied zum Tagträumen.

Es folgt „Raider Prelude“, ein kurzer und sehr düsterer und ruhiger Track, der hauptsächlich von seiner Chororchestrierung lebt und damit Stimmung schafft. Aufgeteilt nach Männern und Frauen, werden hier die „Ooohs“ tieftraurig und schwebend in die Welt hinausgehaucht. Mich erinnert diese Nummer immer wieder ein klein wenig an "Warszawa" von David Bowie.

Das letzte Stück auf CD1 - „Remainder The Black Dog“ - konnte man sich bereits seit längerem auf diversen Videoportalen und auch auf der Homepage Steven Wilsons anhören beziehungsweise ansehen. Diese Nummer geht schon alleine durch den etwas schrägen Pianolauf sofort ins Ohr und wirkt zunächst erneut ziemlich düster bis dunkel. Der Keyboardlauf nach etwa einem Drittel des Tracks erinnert wieder an die frühen 70er Jahre. Und wenn dann das Saxophon einsetzt, ist die Erinnerung an King Crimson erneut gar nicht mehr so abwegig. „Remainder The Black Dog“ lebt von seiner Abwechslung, denn in dem Stück hört man Heavy Metal Gitarren neben leisen Pianoabschnitten, neben wiederum sphärisch schwebenden Passagen – und alles passt klasse zusammen.

CD2 wird durch „Belle De Jour“ eröffnet. Und wenn Steven Wilson im Interview von Filmmusik à la Ennio Morricone spricht, dann hat er bei dieser Aussage bestimmt diesen Song im Kopf gehabt. Und wirklich, bei diesem Stück kann man sich wahrlich eine traurige oder sentimentale Szene in einem Western vorstellen, die durch diese Musik unterstrichen und noch intensiver wird.

Es folgt „Index“. Ein Stück, welches zunächst sehr leise beginnt - so flüstert Steven Wilson fast schon seinen Gesangspart. Eine wunderbare Spannung wird in diesem Stück aufgebaut, die schließlich in einen orchestralen Part mit Streichern mündet. Klasse hier die Hintergrundgeräusche, die an das Knarren der Takelage eines Segelschiffes erinnern. Auch der Gesang selbst trägt in diesem Stück zur Abwechslung bei, da man ihn zum Teil klar und rein, jedoch auch verzerrt hören kann.

„Track One“ konnte man sich ebenfalls bereits seit einiger Zeit samt Video im Internet anhören beziehungsweise ansehen. Ganz zart und zerbrechlich kommt dieses Stück zunächst daher, von der Stimmung am ehesten mit den beiden Porcupine Tree Songs „Heartattack In A Layby“ Und „How Is Your Life Today?“ zu vergleichen. Aber schon kurze Zeit, nachdem man in dieses melancholische Klanggebilde eingetaucht ist, folgt ein ganz und gar verstörender Teil, der einen aus jedem Tagtraum herausreißt. Schließlich klingt das Lied in einem Duett aus akustischer und elektrischer Gitarre langsam aus. Ein richtig guter Song.

Und dann kommt es, „Raider II“, das mit 23 Minuten und 21 Sekunden mit Abstand längste Stück auf dieser Doppel-CD. Es beginnt ganz langsam und ruhig mit Klarinette und Piano, die beide mehr einzelne Töne, als eine zusammenhängende Melodie spielen. Schließlich setzt Wilsons zerbrechlich wirkender Gesang ein und unterstreicht die irgendwie sentimentale Stimmung. Bei 2:50 explodiert der Song dann aber mit schweren Gitarren, Schlagzeug und Chorgesang. Es folgt ein Part mit einem schrägen Querflötensolo, der dann wieder von einem leiseren Teil abgelöst wird. Das ganze Stück wirkt hier sehr verspielt, fast schon improvisiert bis es schließlich wieder in einen sehr melodiösen Teil übergeht. Die Nummer lebt im weiteren Verlauf von den Gegensätzen „laut und leise“, „schräg und melodiös“ und wird dabei nie langweilig. Zur Mitte wird das Stück dann sphärisch und schwebend und entwickelt sich schließlich, bis zum fast schon bombastischen Finale weiter, ehe es leise und erneut sphärisch ausklingt.

“Like Dust I Have Cleared From My Eye” heißt schließlich das letzte Stück auf dem Album. Ein ruhiges Lied, mit einer tragenden Gesangsmelodie, welches zur Mitte hin fast schon bluesig wird. Nach etwas über vier Minuten ist dann allerdings Schluss und das Stück wird über die nächsten vier Minuten sphärisch ausgeblendet. Wenn es auf dieser CD ein Stück gibt, was nicht so recht zünden und begeistern kann, dann am ehesten dieses hier.

Fazit: Ein sehr, sehr abwechslungsreiches Album hat Herr Wilson hier vorgelegt, welches mich persönlich sehr viel mehr packt, als der Vorgänger „Insurgentes“. Wunderschöne Melodien und schräge Parts wechseln sich hier ständig ab und bringen immer wieder Abwechslung. Die CD weiß klasse zu unterhalten und es befinden sich, bis auf die letzte Nummer, keine Ausreißer nach unten auf dem Album. Für mich ein ganz klarer Kauftipp.

Anspieltipps: Deform To Form A Star, No Part Of Me, Postcard, Remainder The Black Dog, Track One, Raider II



Montag, 19. September 2011

New Model Army – Today Is A Good Day

 


New Model Army – Today Is A Good Day


Besetzung:


Justin Sullivan – vocals, guitar
Marshall Gill – guitar
Peter Nice (Nelson) – bass
Dean White – keyboard
Michael Dean – percussion


Label: Attack Attack (Records) Ltd.


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Rock


Trackliste:

1. Today Is A Good Day (4:01)
2. Autumn (4:03)
3. Peace Is Only (3:49)
4. States Radio (4:50)
5. God Save Me (5:25)
6. Disappeared (4:59)
7. Ocean Rising (5:11)
8. Mambo Queen Of The Sandstone City (3:58)
9. La Push (4:36)
10. Arm Yourselves And Run (3:08)
11. Bad Harvest (3:33)
12. North Star (5:21)

Gesamtspieldauer: 52:58 



Es gibt einfach Bands, da kann man einfach nichts falsch machen und man weiß im Voraus, was einen erwartet. „New Model Army“ ist eine solche Formation, bei der man sich bereits, bevor man die CD eingeschoben hat, sicher sein kann, dass einen klasse gemachter Rock, der immer abwechslungsreich und nie langweilig ist, erwartet. Und genau so ist es auf dem elften Studioalbum der Briten, welches 2009 veröffentlicht wurde.

New Model Army lebt vom eindringlichen Gesang Justin Sullivans genauso wie vom untrüglichen Gespür der Band für tolle und eingängige Melodien. Und dieses Gespür beweisen die fünf Briten eindringlich auch auf „Today Is A Good Day“.

Da ist zum Beispiel das Stück „Autumn“, eine wunderschöne, fast schon schwebende Nummer, die auch durch den Chor am Ende sofort ins Ohr geht und dort auch hängenbleibt. Oder aber das Überlied der ganzen Scheibe: „God Save Me“. Schöner und eindringlicher kann Rockmusik überhaupt nicht klingen. Ein 15-Punkte-Lied mit einer unglaublichen Steigerung. Eine der besten, wenn nicht die beste Ballade in der Geschichte der Band.

Dann ist da noch das Stück „Ocean Rising“, was allerdings bereits auf der Soloplatte Justin Sullivans „Navigating By The Stars“ veröffentlicht wurde. Und wahrscheinlich liegt es mal wieder daran, dass einem die Version besser gefällt, die man zuerst gehört hat. Bei mir ist es die auf dem Soloalbum, die ich noch ein wenig klarer, reiner und überzeugender als die Version auf „Today Is A Good Day“ finde. Wer allerdings den Vergleich nicht hat, der wird auch diese, neuere Veröffentlichung lieben. Ein ganz tolles Lied.

Ebenfalls ein klasse Track ist „La Push“. Ein für New Model Army ganz typisches Lied in seiner Instrumentierung und seinem Aufbau. Ein Stück, bei dem man einfach mitwippen muss.

Und so gibt es viel zu entdecken auf dieser CD. Härtere und treibendere Stücke wie „Arm Yourself And Run“, „Bad Harvest“ und „States Radio“ oder aber solch ein Track wie „Disappeared“, der ganz von der Rhythmusfraktion der Band getragen wird. Jedem Stück auf der CD wohnt etwas Besonderes inne und es wird nie langweilig.

Fazit: Wie immer, wenn New Model Army eine CD veröffentlicht, kann man sich als Rockmusik-Fan darauf freuen, die neue Silberscheibe in den CD-Player einlegen zu dürfen. Man wird nicht enttäuscht werden. Genauso verhält es sich auch bei dem elften Album der Band. Auch hier gibt es wieder einige absolute Highlights, neben den soliden, für New Model Army absolut typischen Stücken. Wieder eine New Model Army CD, die den Kauf lohnt und von mir 10 Punkte erhält.

Anspieltipps: Autumn, God Save Me, Ocean Rising, La Push







Sonntag, 18. September 2011

Blind Melon – Blind Melon

 


Blind Melon – Blind Melon


Besetzung:

Shannon Hoon – vocals
Christopher Thorn – guitar
Rogers Stevens – guitar
Brad Smith – bass, backing vocals
Glen Graham – drums, percussion


Label: Capitol Records


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Rock


Trackliste:

1. Soak The Sin (4:01)
2. Tones Of Home (4:27)
3. I Wonder (5:33)
4. Paper Scratcher (3:14)
5. Dear Ol' Dad (3:02)
6. Change (3:42)
7. No Rain (3:37)
8. Deserted (4:21)
9. Sleepyhouse (4:29)
10. Holyman (4:48)
11. Seed To A Tree (3:29)
12. Drive (4:41)
13. Time (6:03)

Gesamtspieldauer: 55:27 




Ein sehr abwechslungsreiches Debut-Album haben die fünf Musiker von „Blind Melon“ da 1992 veröffentlicht. Blues-, Southern Rock-, Folk- und Funk-Elemente lassen sich in den dreizehn, immer abwechslungsreichen Titeln, ausmachen.

Wer auf gut gemachten Gitarrenrock steht, kann mit dieser Platte nichts falsch machen. Und das bekannteste Lied der Band „No Rain“ steht dabei in keinster Weise exemplarisch für den Rest der Musik. Ist „No Rain“ ein eingängiges Stück, was fast schon in die Richtung Pop geht, so sucht man einen ähnlichen Titel vergeblich unter den restlichen Stücken.

Hier findet sich jedoch treibender Rock wie auf dem Opener „Soak The Sin“, dem Stück „Dear Ol' Dad” oder „Deserted“, genauso wie auf dem verhalten beginnenden „.Holyman“. Funkige Anleihen finden sich auf „Tones Of Home“ und auf „Paper Scratcher“, wohingegen die Nummern „I Wonder“, „Change“ oder „Drive“ eher folkig angehaucht sind. Aber die Abwechslung geht noch weiter mit der „Rhythm And Blues-Nummer“ „Seed To A Tree“ und dem etwas experimentelleren „Sleepyhouse“.

Es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken und die Silberscheibe wird nie langweilig. Alles passt zusammen und man ist immer wieder gespannt, was die fünf Musiker aus Mississippi als nächstes aus dem Ärmel zaubern.

Fazit: Ein sehr abwechslungsreiches Debut-Album haben „Blind Melon“ 1992 mit der gleichnamigen Veröffentlichung hier vorgelegt. Die charismatische Stimme des Shannon Hoon, der 1995 mit nur 28 Jahren viel zu früh verstarb, in Verbindung mit geradem Gitarrensound machen das Album immer wieder spannend. Es befindet sich kein schlechter Titel auf dem Album, allerdings fehlen auch irgendwie die Höhepunkte, sodass die Scheibe manchmal ein wenig vor sich hinplätschert. Von mir gibt es dafür acht Punkte.

Anspieltipps: No Rain, Change, Drive, Holyman



Samstag, 17. September 2011

The Sensational Alex Harvey Band – Next






The Sensational Alex Harvey Band – Next


Besetzung:

Alex Harvey – lead vocals, harmonica, guitar
Zal Cleminson – guitars, backing vocals
Hugh McKenna – electric piano, organ, grand piano, backing vocals
Chris Glen – bass guitar, backing vocals
Ted McKenna − percussion, backing vocals


Label: Phonogram


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Rock


Trackliste:

1. Swampsnake (4:54)
2. Gang Bang (4:46)
3. The Faith Healer (7:11)
4. Giddy Up A Ding Dong (3:16)
5. Next (4:02)
6. Vambo Marble Eye (4:19)
7. The Last Of The Teenage Idols/Parts 1-2-3 (5:05)

Gesamtspieldauer: 33:33




“Next” heißt die zweite Veröffentlichung der „Sensational Alex Harvey Band“. Und auch auf diesem Album finden sich wahrlich sensationelle Lieder. Die CD beginnt mit „Swampsnake“, einer Rocknummer, die vor allem durch das Mundharmonikaspiel interessant wird. „Swampsnake“ ist eine schnelle Nummer, ganz nett zum Anhören, allerdings noch nicht das Besondere.

Es geht weiter mit „Gang Bang“, einem Rock’n’Roll Stück, wie es für die „Sensational Alex Harvey Band“ typisch war. Das Piano und die Gitarre sind dabei perfekt aufeinander abgestimmt und Bläser vervollständigen den dichten Sound. Aber auch dieser Song reißt einen nicht unbedingt vom Hocker, was sich allerdings mit dem nächsten Stück sofort ändert.

„Faith Healer“ heißt das Lied und ist wohl das bekannteste Stück der „Sensational Alex Harvey Band“. Hier kam der sogenannte „Totalbug Drone“, ein Rhythmusgenerator zum Einsatz, den ein gewisser Ashton Total entwickelt hatte. Dieser Rhythmusgenerator simulierte einen Bass Sequenzer und erzeugte diesen einmaligen Sound. Das Stück war ursprünglich deutlich kürzer geplant. Aber da das Album neben der LP auch auf Kassette veröffentlicht werden sollte, war es notwendig, beide Seiten der Kassette in etwa gleich lang zu bespielen. So wurde das Intro zu „Faith Healer“ verlängert und heraus kam dieses geniale Lied mit dem sonst nirgendwo anders zu hörenden Sound. Das Stück ist phänomenal gut und wirkt durch seine Instrumentierung und die Wiederholungen richtiggehend meditativ und in Trance versetzend. Ein wahres Meisterwerk der Rockmusik.

„Giddy-Up-A-Ding-Dong“, der nächste Track auf der CD, kann gegen den Vorgänger nur abfallen. Das Stück ist wieder eine Rock’n’Roll-Nummer, die mit ihrem Geklatsche auf mich ein wenig langweilig wirkt.

Aber es wird sofort wieder besser: „Next“. Ein Lied, bei dem es sich um eine Interpretation eines Stücks des Belgiers Jaques Brel handelt. Absolute Klasse hier der Gesang Alex Harveys, der alles aus seiner Stimme herausholt und dabei so schön verzweifelt klingt. Ein wahrlich nicht alltägliches Lied für eine Rockgruppe, welches voll überzeugen kann.

„Weiter geht es mit „Vambo Marble Eye“, einer klasse Rocknummer mit treibendem Rhythmus und einem sehr schönen Gitarrensolo von Zal Cleminson.

Den Abschluss des Albums bildet dann „The Last Of The Teenage Idols“. Genau wie der Name der Band so zeugt auch der Name dieses Titels vom Selbstbewusstsein Alex Harveys. Nun, das Stück ist in allen seinen drei Teilen eine Klasse für sich und gehört ebenso zu den Highlights der Veröffentlichungen der Band. Dass Lied beginnt zunächst schön getragen und ruhig, nur durch Gesang und Piano instrumentiert, um dann im weiteren Verlauf immer mehr an Dynamik zu gewinnen. Ein vor allem im zweiten Teil treibender Rhythmus und eine schöne Melodie lassen dieses Lied sofort ins Ohr gehen.

Fazit: Auch auf ihrer zweiten Veröffentlichung „Next“ präsentiert uns die „Sensational Alex Harvey Band“ wieder einen absoluten genialen Übersong mit „Faith Healer“. Auch sonst lässt sich auf diesem Album einiges entdecken, denn wer auf gut genmachten Rock’n’Roll steht, wird an dieser Scheibe seine wahre Freude haben. Mir ist das Album elf Punkte wert.

Anspieltipps: Faith Healer, Next, The Last Of The Teenage Idols



Freitag, 16. September 2011

The Sensational Alex Harvey Band – Framed

 


The Sensational Alex Harvey Band – Framed


Besetzung:

Alex Harvey − vocals
Zal Cleminson – lead guitar
Hugh McKenna – electric piano
Chris Glen – bass guitar
Eddie McKenna − drums


Gastmusiker:

Phil Kenzie – tenor saxophone
Big Bud’s Brass – brass section


Label: Phonogram


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Rock


Trackliste:

1. Framed (4:54)
2. Hammer Song (4:06)
3. Midnight Moses (4:24)
4. Isobel Goudie (7:31)
     Part 1. My Lady Of The Night
     Part 2. Coitus Interruptus

     Part 3. Virgin And The Hunter
5. Buff's Bar Blues (3:06)

6. I Just Want To Make Love To You (6:38)
7. Hole In Her Stocking (4:41)
8. There's No Lights On The Christmas Tree Mother, They're Burning Big Louie Tonight (3:46)
9. St. Anthony (4:40)

Gesdamtspieldauer: 43:34



“Framed” ist die erste Platte, die Alex Harvey unter dem Namen „The Sensational Alex Harvey Band“ veröffentlichte. Vorher war er bereits an sechs Alben beteiligt, die er mit verschiedenen Besetzungen und Formationen aufnahm. Und diese erste Veröffentlichung unter diesem sehr selbstbewussten Bandnamen ist tatsächlich sensationell. Die Platte sprüht nur so vor Ideenreichtum.

Ganz vorne steht dabei der Song „Isobel Goudie“. Das Lied handelt von, wie der Name schon sagt, Isobel Goudie, einer Dame, die 1632 als eine der letzten Frauen in Britannien der Hexerei bezichtigt und angezeigt wurde. In diesem Song ist alles vertreten, was ein Lied zu einer tollen Nummer werden lässt. Eine klasse Melodien, ein toller Text, überraschende Breaks, phantastische Steigerungen und immer wieder das Unerwartete, was dieses Lied in die Nähe des progressiven Rocks rückt. Unglaublich einprägsam ist dabei die fast durchgehende Keyboardmelodieführung, die meist im Hintergrund bleibt - und das Stück so einzigartig und unverwechselbar macht. Klasse auch der beschwörende Gesang Alex Harveys, der die Stimmung des Liedes so wunderschön unterstreicht. Mit Sicherheit eines, wenn nicht das beste Lied, welches die „Sensational Alex Harvey Band“ in ihrer Bandgeschichte veröffentlichte: „Indeed sensational“.

Aber es sind noch weitere tolle Lieder auf dieser Silberscheibe vorhanden. Da wäre zum einen der wunderschöne „Hammer Song“. Ein Stück, welches durch die akustische Gitarre geprägt ist, eine schön einprägsame und schwebende Melodie aufweist, auch von seinen Steigerungen lebt und einen sehr eindringlichen Text aufweist.

Klasse ebenfalls das pianolastige „I Just Want To Make Love To You“. Eine tolle Rock’n’Roll-Nummer, bei der es schwierig ist, seine Beine ruhig zu halten. Perfekt hier auch der Wah-Wah-Einsatz der Gitarre, der so wunderbar zum Rest des Stückes passt.

Überraschend dann, genau wie sein ellenlanger Titel: „There's No Lights On The Christmas Tree Mother, They're Burning Big Louie Tonight”. Toll hier wieder der Gesang Alex Harveys und ein Refrain, der mich ein wenig an Dixie-Land erinnert. Eine Stilrichtung, mit der ich eigentlich wenig anfangen kann, die hier allerdings perfekt passt. Ebenfalls klasse dabei die integrierten Hintergrundgeräusche der Feuerwehr.

„St. Anthony“, der letzte Song auf der Platte, erweitert das Repertoire der „Sensational Alex Harvey Band“ auf dieser Scheibe noch weiter. Denn „St. Anthony“ ist ein lupenreiner Hardrock-Song mit schweren Gitarren und einem treibenden Rhythmus. In eine ähnliche Richtung, wenn auch nicht ganz so „hart“, geht die dritte Nummer auf der CD: „Midnight Moses“.

Weniger anfangen kann ich dann mit dem Titelstück „Framed“, einer sehr bluesigen Nummer, genau wie „Buff’s Bar Blues“. Ebenfalls nicht wirklich überzeugen kann mich die Rock’n’Roll-Nummer „Hole In Her Stocking“, die mir ein wenig zu langweilig geraten ist.

Fazit: „Framed“ ist ein klasse Debut-Album der „Sensational Alex Harvey Band“, welches mit dem „Hammer Song“ und „Isobel Goudie“ zwei absolut geniale Übersongs bereithält. Aber auch unter den restlichen sieben Stücken befinden sich noch vier tolle Nummern, die die drei nicht ganz so guten Stücke vergessen lassen. „Isobel Goudie“ ist ein 15 Punkte Lied. Der Rest der Scheibe weiß meistens auch zu überzeugen, sodass ich dem Gesamtpaket elf Punkte verleihe.

Anspieltipps: Isobel Goudie, Hammer Song, There's No Lights On The Christmas Tree Mother, They're Burning Big Louie Tonight



Sonntag, 11. September 2011

Supertramp – “…famous last words…”

 


Supertramp – “…famous last words…”


Besetzung:

Rick Davies − vocals , keyboards
Roger Hodgson − vocals , keyboards, guitars
John Helliwell – saxophones, keyboards
Dougie Thomson − bass
Bob Siebenberg − drums


Gastmusiker:

Ann and Nancy Wilson - backing vocals
Claire Diament - backing vocals
Richard Hewson – string arrangement


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Pop


Trackliste:

1. Crazy (4:45)
2. Put on Your Old Brown Shoes (4:21)
3. It's Raining Again (4:26)
4. Bonnie (5:39)
5. Know Who You Are (5:02)
6. My Kind of Lady (5:17)
7. C'est le Bon (5:34)
8. Waiting So Long (6:36)
9. Don't Leave Me Now (6:24)

Gesamtspieldauer: 47:58



“…Famous Last Words…” ist das siebte Album der Band Supertramp und gleichzeitig die letzte Veröffentlichung, auf der Hodgson und Davies gemeinsam zu hören sind. Nach der, sich an das Album anschließenden Welttournee, gab Roger Hodgson im September 1983, auf einem Konzert in München, seinen Abschied von Supertramp bekannt.

Und was ist musikalisch von diesem letzten gemeinsamen Werk zu halten? Auch wenn die Platte international sehr erfolgreich war, so ist sie meiner Meinung nach doch das mit Abstand schwächste Album, welches Supertramp in der Besetzung Hodgson – Davies – Helliwell – Thomson – Siebenberg veröffentlichten.

Die fünf Stücke mit den ungeraden Nummern sind dabei von Roger Hodgson geschrieben worden, die restlichen vier Tracks stammen alle aus der Feder Rick Davies‘. Und leider fehlt auf diesem Album der „Übertrack“, es gibt kein „Fool’s Overture“ wie auf „Even In The Quietest Moments“ oder einen „Logical Song“ wie auf „Breakfast In America“. Die fünf Stücke von Hodgson sind alle ganz nett anzuhören, aber eben nichts Besonderes. Das beste Stück der fünf Kompositionen ist dabei noch der letzte Track „Don’t Leave Me Now“, der mit seiner Melodie und seiner Instrumentierung punkten kann. Ein richtig gutes Lied, welches wehmütige Erinnerungen an die Hodgson-Kompositionen der 70er Jahre weckt. Aber der Rest? „It’s raining Again“ ist ein Tralala-Liedchen auf billigstem Schlagerniveau. In eine ähnliche Richtung geht „C’est Le Bon“. Wären da noch „Crazy“ und „Know Who You Are“: Beides Stücke, die bei mir keinen tieferen Eindruck hinterlassen. Das gilt vor allem für „Know Who You Are“, ein Stück, das richtig langweilig ist.

Und was ist mit den Davies-Kompositionen? Mit “Put on Your Old Brown Shoes”, “Bonnie” und “My Kind of Lady” kann ich überhaupt nichts anfangen. Wobei mich ersteres und letzteres Lied sogar richtig nerven, “Bonnie” kann ich mir wenigstens noch unaufgeregt anhören.

Bliebe noch der achte Titel auf dem Album „Waiting So Long“, bei dem Davies dann doch noch beweist, dass auch er ab und zu lichtere Momente hat. Das Lied ist okay. Zwar kein Höhepunkt im Schaffen Supertramps, aber immerhin, wie gesagt: Okay!

Fazit: „…Famous Last Words…“ war sehr erfolgreich. Für mich ist es aber viel zu viel Allerweltspop und viel zu wenig Überraschung, zu wenig schöne Melodien, zu wenig der Supertramp-Sound, den ich liebe. Wenn man dann noch weiß, dass sich Hodgson und Davies bereits bei der Produktion des Albums nicht mehr „grün“ waren und Hodgson das Ergebnis in einem Interview als „kleinsten gemeinsamen Nenner“ bezeichnete, dann ist das Resultat nicht wirklich überraschend. Von mir gibt es dafür auch nur wehmütige sechs Punkte.

Anspieltipps: Waiting So Long, Don’t Leave Me Now


Samstag, 10. September 2011

Supertramp – Even In The Quietest Moments…





Supertramp – Even In The Quietest Moments…


Besetzung:

Rick Davies − vocals , keyboards
Roger Hodgson − vocals , keyboards, guitars
John Helliwell – wind instruments, vocals
Dougie Thomson − bass
Bob Siebenberg − drums, percussion


Gastmusiker:

Gary Mielke − oberheim-programming


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Pop


Trackliste:

1. Give A Little Bit (4:09)
2. Lover Boy (6:53)
3. Even in the Quietest Moments (6:29)
4. Downstream (4:04)
5. Babaji (4:52)
6. From Now On (6:22)
7. Fool's Overture (10:52)

Gesamtspieldauer: 43:34 



“Even In The Quietest Moments” ist die fünfte Platte der Formation Supertramp. Und auf dieser Veröffentlichung befinden sich sieben Nummern, vier von Roger Hodgson und drei Stücke von Rick Davies.

Und zwei dieser sieben Stücke sind herausragend. Da ist zum einen das Titelstück „Even In The Quietest Moments“. Ein klasse Nummer, schön getragen. Es beginnt mit Vogelgezwitscher und einer gezupften akustischen Gitarre und wird dann abgerundet durch die Klarinette Helliwells. Ein toller Anfang, aber auch was danach folgt, macht das Stück zu einem wunderschönen Titel. Getragen fließt Hodgsons Gesang aus den Boxen - ohne dabei ins Seichte abzudriften. Schön dabei auch der Duettgesang mit Rick Davies. Ein tolles, ruhiges Lied ist das, welches in seinen sechseinhalb Minuten nie langweilig wird.

Und da wäre dann noch „Fool's Overture“, ein Titel, der in knapp elf Minuten alles das beinhaltet, was einen Song zu einem Klasselied werden lässt. „Fool’s Overture“ geht dabei in die Richtung progressiver Rock, denn in diesem Stück ist alles enthalten, was das Herz des Prog-Fans höherschlagen lässt. Tolle Melodien, Rhythmus- und Tempowechsel, bombastische wie ruhige Abschnitte und überraschende Dinge, wie zum Beispiel Winston Churchills legendärer Ausspruch „We will never surrender“. „Fool's Overture“ gehört für mich mit zu den besten drei Stücken, die Supertramp jemals veröffentlicht hat. Das Stück ist eine akustische Reise, die an jeder Stelle begeistern kann. Ein Highlight der Rockmusik.

Nun, was wäre noch auf dem Album? Da wäre zum einen das schöne „Babaji“ zu nennen. Ein Track, der langsam beginnt und erst allmählich an Fahrt gewinnt, bis er sich zu einer flotten Popnummer entwickelt. Nicht schlecht gemacht. Der Rest der Stücke auf dem Album kann allerdings mit der Klasse der genannten drei Titel nicht mehr mithalten.

Da wäre zum einen die Singleauskopplung „Give A Little Bit“. Das Ganze klingt irgendwie ein bisschen nach Folk und ist mir einfach zu glatt und eingängig. Ich finde in dem Stück keine Stellen, die mich mitreißen, es ist irgendwie nette Hintergrundmusik.

Blieben noch die drei Davies Kompositionen „Lover Boy“, „Downstream“ und „From Now On“. Alle drei Stücke berühren und fesseln mich nicht. Ich kann damit einfach nichts anfangen und ertappe mich immer wieder dabei, dass ich diese Stücke auf der Fernbedienung überspringe. Wahrscheinlich tue ich Herrn Davies da Unrecht, aber mir gefallen die drei Lieder nicht und bleiben für mich Allerwelts-Pop.

Fazit: Mit „Fool’s Overture“ enthält die CD eines der besten Stücke Supertramps. Allein dieser Track lohnt den Kauf. Auch das Titelstück und das Lied „Babaji“ können überzeugen, die restlichen Kompositionen jedoch, vor allem die Davies-Stücke, fallen für mich qualitativ ganz stark ab. Aber wie gesagt, die Platte enthält auch Highlights und erhält so von mir 10 Punkte.

Anspieltipps: Fool’s Overture, Even In The Quietest Moments, Babaji



Freitag, 9. September 2011

Supertramp – Crisis? What Crisis?





Supertramp – Crisis? What Crisis?


Besetzung:

Rick Davies − vocals , keyboards
Roger Hodgson − vocals , keyboards, guitars
John Helliwell – wind instruments, vocals
Dougie Thomson − bass
Bob Siebenberg − drums, percussion


Gastmusiker:

Richard Hewson – orchestra and choir arrangement


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Pop


Trackliste:

1. Easy Does It (2:16)
2. Sister Moonshine (5:15)
3. Ain't Nobody But Me (5:11)
4. A Soapbox Opera (5:00)
5. Another Man's Woman (6:17)
6. Lady (5:25)
7. Poor Boy (5:08)
8. Just A Normal Day (4:03)
9. The Meaning (5:24)
10.Two Of Us (3:28)

Gesamtspieldauer: 47:25 



Ein Jahr nach ihrem internationalen Durchbruch mit „Crime Of The Century“ brachten Supertramp mit „Crisis? What Crisis?“ ihre nächste Veröffentlichung auf den Markt. Und auch dieses Mal teilten sich Rick Davies und Roger Hodgson wieder das Songwriting, wobei sechs der zehn Stücke aus der Feder Hodgsons stammen und Davies vier Stücke beisteuerte.

Es beginnt mit Hodgons „Easy Does It“ und hier genauer mit Straßengeräuschen und einem fröhlichen Pfeifen, bis schließlich ein Autohupen das Lied auch instrumental beginnen lässt. „Easy Does It“ ist ein leicht schwebender Song, der seinem Namen mit dem „Easy“ alle Ehre macht. Sicher nicht die beste Komposition Hodgsons, ohne dabei jedoch schlecht zu sein. Noch besser macht er es aber bei „Sister Moonshine“. Ebenfalls ein Gute-Laune-Lied, welches mit einer schönen Melodie aufwartet und, im Gegensatz zu vielen anderen Liedern Hodgsons, einen treibenden Rhythmus besitzt. Schön hierbei wieder das Mundharmonikaeinsatz und die Flöte gegen Ende des Stücks.

„Ain't Nobody But Me” ist dann die erste Komposition Davies’ auf dem Album. Was toll mit Piano und Keyboard beginnt, wird dann rockig, kann aber irgendwie nicht so recht zünden. Dazu kommt dann ein ganz süßlicher Refrain, der zwar irgendwie zum Rest des Liedes passt, mich jedoch auch nicht überzeugen kann.

Aber dann kommt es schon: „A Soapbox Opera“, das Stück schlechthin auf dem Album und ein Lied, weswegen sich alleine schon der Kauf dieser Scheibe lohnen würde. Alles wirkt bei diesem Stück irgendwie zerbrechlich, was sicherlich nicht zuletzt an der Stimme Roger Hodgsons zusammen mit der Instrumentierung liegt: Piano, Keyboard und Streicher machen diese Nummer zu einem Erlebnis. Eines der besten Lieder Supertramps - für den einen oder anderen vielleicht zu zerbrechlich oder zu schwebend oder zu süß, für mich jedoch einfach nur schön.

Aber auch Rick Davies kann gute Lieder schreiben. Das beweist er mit der Nummer „Another Man's Woman”. Deutlich rockiger und treibender ist dieses Stück und es verfügt über einen klasse Refrain, der einfach zum Mitwippen animiert. Der Song ist ein klasse Kontrapunkt zum vorherigen Stück.

Und schon ist wieder Roger Hodgson an der Reihe. „Lady“ beginnt mit Xylophonklängen und weist dann den so typischen Supertramp-Keyboardsound auf. Ein schönes Lied, was man wieder unter der Kategorie „Gute-Laune-Stück“ ablegen kann.

Dann kommen wieder zwei Davies Kompositionen. „Poor Boy” und “Just A Normal Day”. Nun, ich kann mir nicht helfen, aber diese Stücke überzeugen mich einfach nicht. Eher im Gegenteil, sie langweilen. „Poor Boy“ besitzt dabei sogar diesen typischen Supertramp-Sound, kann aber trotzdem nicht zünden. “Just A Normal Day” ist sehr bluesig, aber hier finde ich die Streicher einfach zu schmalzig. Allerdings verschafft Davis John Helliwell immer wieder Arbeit. Die Klarinettensoli in den beiden Stücken sind ganz nett, aber das war es auch schon.

Zum Abschluss gibt es dann noch mal zwei Hodgson-Kompositionen. Und beide heben die Klasse des Albums wieder deutlich an. Da ist zum einen das schöne „The Meaning“, ein gitarrenlastiges Stück, bei dem das Keyboard dieses Mal nur eine untergeordnete Rolle spielt und welches ebenfalls ein tolles Klarinettensolo aufweist. Und schließlich ist da noch das kurze, leise und fast schon schwebende „Two Of Us“. Roger Hodgson singt dort so, als ob er kurz vor dem Weinen steht. Aber es passt wunderbar zu dem Stück. Und noch ein „Aber“: Man muss seinen Falsett-Gesang auch mögen, sonst hat man gerade mit diesem letzten Stück nicht viel Spaß.

Fazit: Mit gefällt der Gesang Hodgsons und auch mit „Crisis? What Crisis?“ haben Supertramp ein klasse Album als Nachfolger von “Crime Of The Century” vorgelegt. Es erreicht aber nicht ganz dessen Klasse, sodass ich diesem Album elf Punkte verleihe.

Anspieltipps: A Soapbox Opera, Another Man’s Woman, The Meaning, Two Of Us



Donnerstag, 8. September 2011

Supertramp – Crime Of The Century






Supertramp – Crime Of The Century


Besetzung:

Rick Davies − vocals , harmonica, keyboards
Roger Hodgson − vocals , piano, guitars
John Helliwell – saxophone, clarinet, vocals
Dougie Thomson − bass
Bob Siebenberg − drums, percussion


Gastmusiker:

Richard Hewson – string arrangement


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Pop


Trackliste:

1. School (5:37)
2. Bloody Well Right (4:32)
3. Hide In Your Shell (6:49)
4. Asylum (6:44)
5. Dreamer (3:31)
6. Rudy (7:21)
7. If Everyone Was Listening (4:05)
8. Crime Of The Century (5:34)

Gesamtspieldauer: 44:10 



Mit dem Album „Crime Of The Century“ schafften Supertramp 1974 den Durchbruch. Und es sind wahrlich tolle Songs auf diesem Album vertreten, auf dem man zum ersten Mal diesen unverwechselbaren Sound hört, der Supertramp in der Musikgeschichte bisher einmalig macht.

Es geht los mit dem Titel „School“ aus der Feder von Roger Hodgson. Markant hier das Mundharmonikaspiel zu Beginn, was fast schon Erinnerungen an die Musik eines Italo-Westerns der späten 60er Jahre aufkommen lässt. Was dann folgt ist ein tolles Stück Musik: Sehr melodiös und durch Roger Hodgsons Stimme sehr eindringlich. Beginnt das Lied äußerst ruhig, so hört man schließlich im Hintergrund Kinderrufen (vom Pausenhof?), es ertönt ein Schrei und das Lied nimmt Fahrt auf. Ein toller Track und auch immer ein Highlight auf früheren Supertramp Konzerten.

Die nächste Nummer heißt „Bloody Well Right“ und stammt aus der Feder Rick Davies‘. Ein völlig anderer Song, der nach einer ruhigen Pianoeinleitung zu einem richtigen Rhythm-And-Blues-Stück wird, bei dem auch die schwereren Gitarren zu hören sind. Mit Sicherheit einer der besten Songs, die Rick Davies jemals geschrieben hat. Toll hier auch der Gesang, der zum Teil wie ein Frage-und-Antwort-Spiel angeordnet ist.

Und es geht klasse weiter auf dieser CD. Das nächste Stück, „Hide In Your Shell“ stammt wieder von Roger Hodgson, wirkt verträumt und besitzt eine wunderschöne Melodie. Klasse zum Tragen kommt hier der Falsett-Gesang Hodgsons, der bei dieser Nummer so schön verzweifelt wirkt.

„Asylum“ ist wieder eine Davies-Nummer und erneut deutlich rockiger. Ebenfalls nicht schlecht gemacht und sehr abwechslungsreich, was auch durch die zum Teil orchestrale Instrumentierung noch unterstrichen wird. Es folgt sogleich wieder ein Klassiker aus dem Repertoire von Supertramp: „Dreamer“. Wenn ich nach dem typischsten Supertramp-Song gefragt werden würde, dann würde meine Wahl wohl auf dieses Lied fallen. Man hört sowohl Hodgson wie Davies singen und die Keyboards klingen nach Supertramp, wie sie es stärker nicht könnten. Ein klasse Stück Musik.

Es folgen die beiden schwächsten Stücke auf dem Album. „Rudy“ von Davies und „If Everyone Was Listening” von Hodgson. “Rudy” ist mir zu bluesig und ich kann damit nur in einzelnen Passagen etwas anfangen. „If Everyone Was Listening” ist mir eindeutig zu langweilig. Das haben wohl auch Supertramp selbst so gesehen, denn es ist der einzige Song dieser Veröffentlichung, der nicht auf dem tollen Live-Album „Paris“ aus dem Jahr 1980 vertreten ist.

Ein Highlight haben Supertramp allerdings noch parat und sich für das Ende aufgehoben. Und das ist das Titelstück „Crime Of The Century“. Habe ich bei „Bloody Well Right“ bereits geschrieben, dass es einer der besten Davies-Stücke ist, so kann ich mich hier präzisieren, dieses Stück ist in all seinem Aufbau, seiner Instrumentierung und seinem Bombast, das beste Lied, das Davies meiner Meinung nach jemals geschrieben hat. Ein tolles Lied und ein würdiger Abschluss für ein klasse Album.

Fazit: Nicht von Ungefähr schafften die fünf Briten mit diesem Album ihren internationalen Durchbruch. Die CD ist gespickt mit tollen Songs, die hier sogar nicht nur von Roger Hodgson kommen, nein, zu denen hier auch Rick Davies seinen Beitrag geleistet hat. Auch dieses Album der Band Supertramp hat somit eine Eins verdient und bekommt von mir daher 13 Punkte.

Anspieltipps: School, Bloody Well Right, Hide In Your Shell, Dreamer, Crime Of The Century



Mittwoch, 7. September 2011

Supertramp – Breakfast in America






Supertramp – Breakfast in America


Besetzung:

Rick Davies − vocals , keyboards
Roger Hodgson − vocals , keyboards, guitars
John Helliwell – woodwind instruments
Dougie Thomson − bass
Bob Siebenberg − drums


Gastmusiker:

Gary Mielke – oberheim programming
Slyde Hyde − trombone, tuba


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Pop


Trackliste:

1. Gone Hollywood ( 5:19)
2. The Logical Song (4:11)
3. Goodbye Stranger (5:50)
4. Breakfast In America (2:39)
5. Oh Darling (4:03)
6. Take The Long Way Home (5:08)
7. Lord Is It Mine (4:10)
8. Just Another Nervous Wreck (4:25)
9. Casual Conversations (2:59)
10. Child Of Vision (7:28)

Gesamtspieldauer: 46:12 



Wer die etwas anspruchsvollere Popmusik der Endsiebziger mag, der wird dieses Album lieben. Und vielleicht geht es dem Hörer da genau wie mir: Beim Hören von Supertramp Musik werde ich immer an die Frage „Beatles oder Rolling Stones?“ erinnert. Nicht, dass die Supertramp-Musik wie die, einer der genannten Bands klingt. Aber genau, wie man eben die Beatles oder eben die Rolling Stones irgendwie besser fand, so stellt sich bei Supertramp die Frage, ob man eher auf die Stücke von Roger Hodgson, oder aber auf die von Rick Davies steht. Denn diese beiden Musiker teilten sich das Songwriting ziemlich gleichberechtigt untereinander auf. Und bei mir lässt sich die Frage „Hodgson oder Davies“ auch ganz klar beantworten: Hodgson. Allerdings hat Rick Davies zum Gelingen von „Breakfast in America“ auch einige gute Stücke beigetragen.

Die Platte beginnt mit „Gone Hollywood“, einer Davies-Nummer. Das Stück lebt vom Klavierspiel Davies‘ und dem Falsett-Gesang der ganzen Band und erinnert, gerade in diesen Teilen, stark an die Bee Gees. Wenn dann allerdings noch die Klarinette von John Helliwell ertönt, wird es eindeutig zu einem Stück von Supertramp - unverwechselbar. Die Nummer weist in ihren Tempowechseln eine schöne Dramaturgie auf und gehört für mich mit zu den besten Stücken aus der Feder von Rick Davies.

Anschließend ertönt bereits der Supertramp-Song schlechthin: „The Logical Song“. Ein Stück aus der Feder Hodgsons, was auch nach über 30 Jahren nichts von seiner Klasse verloren hat. Hier hört man das für Supertramp so typische Keyboard, das Lied hat eine wahnsinnig schöne Melodie und der Gesang von Roger Hodgson ist so wunderbar verzweifelt. Für mich einer der besten Popsongs überhaupt - nicht nur von Supertramp.

Weiter geht es wieder mit einer Davies Nummer: „Goodbye Stranger“. Klar ist es schwierig, nach diesem Vorgänger zu überzeugen. Das Lied weist allerdings ebenfalls wieder den typischen Supertramp-Keyboardsound und Falsett-Gesang auf und ist ein ganz netter Popsong, aber nichts Besonderes.

Es folgt der Titeltrack des Albums: „Breakfast In America“, wieder von Roger Hodgson komponiert. Das kürzeste Stück auf der Platte ist erneut unglaublich eingängig und hat seine Stärke durch das Tuba-Spiel sowie den Klarinetteneinsatz. Das Zusammenspiel dieser beiden Blasinstrumente hat es in der Geschichte der Popmusik in dieser Form sicher nur bei Supertramp gegeben und macht den Supertramp-Sound, neben dem Klang des Keyboards, so unverwechselbar.

Es folgt „Oh Darling“, ein etwas langweiliger Track, der hauptsächlich vom mehrstimmigen Gesang lebt, allerdings nicht an die Klasse der anderen Tracks heranreicht. Aber sogleich folgt wieder ein Stück von Roger Hodgson „Take The Long Way Home“ und damit ein weiterer Höhepunkt des Albums. Klasse hier gleich zu Beginn das Mundharmonika-Solo in Verbindung mit dem Pianosound. Und auch bei diesem Stück beweist Roger Hodgson einmal mehr, dass er die Gabe hat, Lieder mit schönen Melodien zu schreiben, die sich im Laufe eines Tracks auch noch weiterentwickeln. Ein klasse Stück Musik mit tollem Rhythmus.

Auch das nächste Stück „Lord Is It Mine“ ist aus der Feder Hodgsons. Es ist das ruhigste Lied auf dem Album und lebt ebenfalls wieder vom tollen Zusammenspiel des Klaviers mit der Klarinette und dem Gesang Hodgsons. Betrachtet man alle fünf Hodgson-Kompositionen auf dem Album, so ist dieser Track sicherlich die schwächste Nummer - allerdings ist dies Klagen auf sehr hohem Niveau.

Es folgen mit „Just Another Nervous Wreck“ und „Casual Conversations“ zwei Davies-Kompositionen. Dabei fällt der erste der beiden Stücke in die Kategorie „Ganz nett“, ohne wirklich was Besonderes zu sein. „Casual Conversations“ stellt dagegen den Tiefpunkt des Albums dar. Eine Nummer, die irgendwie wohl „soulig“ klingen sollte, aber außer Langeweile keinerlei Regung bei mir erzeugt. Ganz eindeutig die schlechteste Nummer auf dem Album.

Aber es folgt ja noch ein Höhepunkt: „Child Of Vision“, der längste Track auf der Platte und ein Lied, welches so wohl nur Supertramp beziehungsweise Roher Hodgson schreiben konnte. Das Lied besitzt den perfekten Groove. Das Zusammenspiel aller Instrumente, einschließlich des Gesangs, mit der Keyboardprogrammierung kann nur als genial bezeichnet werden. Das Stück besitzt dabei einen Rhythmus, der es einem schwer macht, die Füße still zu halten. Ein absolut toller Song und mit seinen fast siebeneinhalb Minuten keine Sekunde zu lang.

Fazit: „Breakfast In America“ ist eines der Highlights im Schaffen von Supertramp, was vor allem an den Kompositionen von Roger Hodgson liegt. Seine fünf Beiträge zu diesem Album sind ohne Ausnahme Klassiker der Popmusik. Und da hier, zumindest zu Beginn, auch Rick Davies ein paar gute Songs zum Gelingen des Albums beitragen konnte, gibt es von mir für diese Platte auch eine Eins, nämlich 13 Punkte.

Anspieltipps: The Logical Song, Breakfast In America, Take The Long Way Home, Child Of Vision