Donnerstag, 27. März 2014

Screaming Trees – Sweet Oblivion




Screaming Trees – Sweet Oblivion


Besetzung:

Mark Lanegan – vocals
Gary Lee Conner – guitar
Van Conner – bass
Barrett Martin – drums


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Shadow Of The Season (4:34)
2. Nearly Lost You (4:07)
3. Dollar Bill (4:35)
4. More Or Less (3:11)
5. Butterfly (3:23)
6. For Celebrations Past (4:10)
7. The Secret Kind (3:09)
8. Winter Song (3:44)
9. Troubled Times (5:21)
10. No One Knows (5:13)
11. Julie Paradise (5:05)

Gesamtspieldauer: 46:32




Die Screaming Trees waren eine Band aus Ellensburg, Washington, die in den Jahren von 1986 bis 1996 insgesamt sieben Alben veröffentlichte. „Sweet Oblivion”, das „Süße Vergessen“ ist dabei ihr sechstes also vorletztes Album. Im Jahr 2000 löste sich die Band schließlich auf. Ellensburg liegt nicht allzu weit weg von Seattle und Ende der 80er bis tief hinein in die 90er Jahre herrschte die Hochzeit des Grunge, in der Bands wie Nirvana, Soundgarden oder Pearl Jam zur Hochform aufliefen. Nichts liegt also näher, die Sreaming Trees ebenfalls in diese Stilrichtung der Musik mit einzusortieren, wie es auch immer wieder gemacht wird. Ganz nachvollziehen kann man das allerdings nicht, denn die Musik der genannten Bands unterscheidet sich schon deutlich von derer der Screaming Trees.

Dieser Umstand soll aber wahrlich nichts Negatives bedeuten, denn wer auf klasse gemachten Gitarren-Rock steht und die Sreaming Trees nicht kennt, die oder der hat wahrlich etwas verpasst. Die Musik auf „Sweet Oblivion“ zündet richtig begeisternd. Oftmals nicht ganz so hart, insgesamt jedoch immer sehr eingängig mit diesem gewissen Gespür für die nachhaltige Melodie. Dazu gesellt sich der eindrucksvolle Gesang des Mark Lanegan, tief, rau, rauchig und sehr eindringlich. Was dann beim ersten Einlegen der Scheibe schon gut klingt, entwickelt sich mit jedem weiteren Hören zu einer Platte, die man irgendwie nicht mehr missen möchte.

Ausfälle finden sich keine auf „Sweet Oblivion“. Alles besitzt seine Qualität. Dann finden sich auch noch so tolle Songs wie der Opener „Shadow Of The Season“, aus dessem Text auch der Titel des Albums entnommen wurde, auf dem Album. Cooler Gitarrenlauf zur Eröffnung, der fast schon ein kleinwenig orientalisch klingt, Verschachtelungen und Steigerungen, wahrlich kein 08/15-Aufbau, Breaks und ein sehr hörenswertes Solo. So muss Rock klingen. Aber auch ein lockerer und doch auf seine Art getragener Titel wie „More Or Less“ hat was. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben soll hier die letzte Nummer des Albums „Julie Paradise“. Eines dieser Stücke, die sich immer weiter steigern, bei dem auch Mark Lanegan sein Spiel des Gesangs sehr gut ausleben kann.

Fazit: Die Sreaming Trees hatten niemals den Erfolg, wie andere Bands aus der Region zur selben Zeit. Wohl auch mit ein Grund, warum die Formation sich schließlich auflöste. Sehr schade, denn die Musik ist wahrlich hörenswert für alle diejenigen Hörer, die auf gut gemachten Gitarren-Rock stehen, der ohne große Umwege schnell seinen Weg in das Musikzentrum des Gehirns findet und sich dort auch verfängt. Manche Menschen stehen auf Musik, die ganz unverfälscht ist und lediglich aus den, neben dem Gesang, klassischen Instrumenten der Rock-Musik besteht: Gitarre, Bass und Schlagzeug. Nichts anderes gibt es hier zu hören  ohne jegliche Ablenkung. Elf Punkte.

Anspieltipps: Shadow Of The Season, Julie Paradise



Mittwoch, 26. März 2014

The Beatles – Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band




The Beatles – Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band


Besetzung:

John Lennon – lead, harmony and background vocals, lead, rhythm and acoustic guitars, piano and hammond organ, harmonica, tape loops, sound effects and comb and tissue paper, handclaps, tambourine and maracas
Paul McCartney – lead, harmony and background vocals, lead and bass guitars, piano, lowrey and hammond organs, handclaps, vocalisations, tape loops, sound effects and comb and tissue paper
George Harrison – lead, rhythm and acoustic guitars, sitar, lead, harmony and background vocals, tamboura, harmonica and kazoo, handclaps and maracas
Ringo Starr – drums, congas, tambourine, maracas, handclaps and tubular bells, lead vocals, harmonica, final piano e chord


Gastmusiker:

Neil Aspinall – tamboura and harmonica
Geoff Emerick – tape loops and sound effects
Mal Evans – counting, bass harmonica, alarm clock and final piano e chord
Matthew Deyell – tambourine
George Martin – tape loops and sound effects, harpsichord on "Fixing A Hole", harmonium, lowrey organ and glockenspiel on "Being For the Benefit of Mr. Kite!", hammond organ on "With A Little Help From My Friends", piano on "Getting Better" and the solo in "Lovely Rita", final harmonium chord
Neil Sanders – french horn on "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band"
James W. Buck – french horn on "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band"
John Burden – french horn on "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band"
Tony Randall – french horn on "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band"
und jede Menge andere, nicht extra aufgeführte Session-Musiker


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 1967


Stil: Psychedelic Rock, Pop


Trackliste:

1. Sgt. Pepper Lonely Hearts Club Band (2:02)
2. With A Little Help From My Friends (2:44)
3. Lucy In The Sky With Diamonds (3:28)
4. Getting Better (2:48)
5. Fixing A Hole (2:37)
6. She's Leaving Home (3:35)
7. Being For The Benefit Of Mr. Kite! (2:37)
8. Within You Without You (5:05)
9. When I'm Sixty-Four (2:38)
10. Lovely Rita (2:42)
11. Good Morning Good Morning (2:41)
12. Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Reprise) (1:19)
13. A Day In The Life (5:34)

Gesamtspieldauer: 39:51




„Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band” ist das achte Studio-Album der Beatles und gilt für viele Musik-Kenner als „das” Pop-Album schlechthin. Nicht umsonst wurde es von der amerikanischen Musikzeitschrift Rolling Stone auch in der Liste der „500 Greatest Albums Of All Time“ an die erste Stelle gesetzt. Nun, was macht diese Platte jetzt aber zu so etwas Besonderem? Wenn heute jemand diese Scheibe hört, der noch nie etwas von den Beatles gehört hat – wenn es solche Menschen denn geben sollte – dann wird dieser Hörer mit Sicherheit feststellen, dass sich auf der Scheibe jede Menge melodiöse und eingängige Titel befinden, neben Nummern, die für die Pop-Musik auch heute noch reichlich ungewöhnlich sind. Gut gemachte Pop-Musik der sechziger Jahre mit experimentellen Ansätzen.

Aber das ist es eben nicht nur – okay, vielleicht für jemanden, der die Beatles nicht kennt und schon gar nichts von deren Bedeutung weiß. Denn genau darin liegt auch das Besondere dieses Albums. Nicht nur, dass es eines der ersten Konzeptalben der Pop-Musik war – hier geht es um die fiktive Band des Sergeant Pepper, der den Beatles danach alle Türen in Bezug auf freies Schaffen eröffnen sollte – auch die Tatsache, dass es sehr viel umfangreicher arrangiert wurde, als alle Alben diverser Bands davor, trägt zu seiner Ausnahmestellung bei. Hier gibt es Pop-Musik zu hören, orchestral untermalte populäre Musik, psychedelische Musik und auch indisch angehauchte Musik. Somit ein ganz breites Spektrum an verschiedenen Einflüssen, die diese Platte zu einer außergewöhnlichen Reise werden lassen. Zumindest für die damalige Zeit.

Die Musik auf dem Album ist gut, wenn auch nicht überragend. Jedoch finden sich hier viele Titel, die das Spektrum der Herangehensweise an das Komponieren von Pop-Musik sehr erweiterten und damit ganze Generationen von Musikern stark beeinflussten. Und natürlich beinhaltet die Platte auch einige Klassiker im Songkatalog der Beatles wie „Lucy In The Sky With Diamonds“. Das Stück brachte den Beatles auch einigen Ärger ein, denn es wurde hineininterpretiert, dass hier ein LSD-Trip verherrlicht werden würde, abgeleitet aus einigen Anfangsbuchstaben des Titels. John Lennon behauptete dagegen immer, dass der Text durch eine Zeichnung seines vierjährigen Sohnes Julian inspiriert wäre. Das glaubte vor allem die BBC nicht so ganz und boykottierte das Lied in ihrem Programm. Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch die letzte Nummer des Albums „A Day In The Life“, eines der besten Lieder überhaupt im Schaffen der Fab Four. Hier wird auch der psychedelische Ansatz in der Musik überdeutlich. Verschiedene Abschnitte werden hier miteinander verwoben und es entsteht ein spannendes Stück, welches immer wieder die Richtung zu wechseln scheint. Grandios.

Fazit: Klar, es gibt tolle Musik auf „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band”. Aufwendig arrangierte und komponierte Pop-Musik, die nun nicht mehr immer nur nach der Devise Strophe-Refrain-Strophe-Refrain funktioniert. Und selbst, wenn man auf indische Folklore steht, bekommt man hier etwas für das Ohr. Die Mannigfaltigkeit macht es aus, diese Diversität an verschiedenen Stilen, Instrumenten, Stimmungen. Vom Songmaterial her gibt es über die ganze Platte gesehen aber sogar noch bessere Beatles-Scheiben. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Lucy In The Sky With Diamonds, Being For The Benefit Of Mr. Kite!, A Day In The Life



Dienstag, 25. März 2014

Muse – Showbiz




Muse – Showbiz


Besetzung:

Matthew Bellamy – vocals, lead and rhythm guitars, piano, hammond organ on "Falling Down", "Unintended" and "Escape", mellotron on "Muscle Museum" and "Unintended", wurlitzer electric piano on "Fillip" and "Hate This & I'll Love You", synthesizers on "Cave", guitar synthesizer on "Sober", harmonium on "Escape", string arrangements on "Showbiz"
Christopher Wolstenholme – bass, backing vocals, double bass on "Falling Down" and "Unintended”
Dominic Howard – drums, percussion on "Showbiz", "Uno" and "Hate This & I'll Love You", synthesizer on "Muscle Museum"


Gastmusiker:

Paul Reeve – backing vocals on "Unintended", "Uno", "Overdue" and "Hate This & I'll Love You"


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Alternative Rock, NeoProg


Trackliste:

1. Sunburn (3:54)
2. Muscle Museum (4:25)
3. Fillip (4:02)
4. Falling Down (4:34)
5. Cave (4:47)
6. Showbiz (5:16)
7. Unintended (3:57)
8. Uno (3:39)
9. Sober (4:04)
10. Escape (3:31)
11. Overdue (2:26)
12. Hate This & I'll Love You (5:17)

Gesamtspieldauer: 49:51




Als die britische Band Muse 1999 ihr erstes Album unter dem Titel „Showbiz“ veröffentlichte, werden nicht wenige Hörer bei dessen „Erforschung“ nicht schlecht gestaunt haben. Hard Rock mit Anteilen Klassischer Musik und diesem Falsett-Gesang? Was soll das? Geht das überhaupt? Natürlich geht es, wie man auf der Platte hören kann. Immer wieder wird die Band mit Radiohead verglichen, eine Annäherung, der man allerdings nicht unbedingt folgen muss, denn auch diese Zusammenstellung kann man dort nicht unbedingt finden. Muse stehen mit ihrer Art der Musik schon ziemlich einsam auf dem Feld der Pop-Musik. Wahrlich außergewöhnlich.

Trotzdem ist dieses erste Album nicht nur der erste Schritt auf dem Musikmarkt, sondern auch der erste Versuch, diese Musik zu etablieren. So klingen die einzelnen Titel auch spannend und interessant, so richtig können sie – im Gegensatz zu späteren Werken – jedoch noch nicht immer überzeugen. Das wiederum liegt einzig und allein am Songmaterial, welches hier nicht ganz die Qualität späterer Veröffentlichungen besitzt. Dieses Zusammenspiel des härteren Rock mit den sanfteren Passagen ist zwar durchaus gelungen, schafft es allerdings noch nicht so richtig, sich im Musikzentrum des Hörers zu implementieren. So rahmen die beiden besten Titel der Platte viele Lieder ein, die zwar ungewöhnlich und auf ihre Art auch melodiös klingen, allerdings noch nicht diesen „freudigen“ Wiedererkennungswert besitzen.

Dieser wohnt allerdings der Eröffnung und dem Ende der Platte inne. „Sunburn” und „Hate This & I'll Love You” sind zwei tolle Nummern, die auch hängenbleiben. Absolut melodiös und eingängig – und dies nicht nur beim ersten Hören. Hier klingen Muse, die den größten Teil der Titel schon sehr viel früher geschrieben hatten, wahrlich innovativ und sehr spannend.

Fazit: Der Versuch der Herstellung einer Beziehung zwischen den Genres Rock und Klassik hat was. Was er allerdings nicht hat, ist irgendetwas zu tun mit Rock Musik einer Heavy Kombo, die dann Jahrzehnte später vom London Symphonic Orchestra oder ähnlichem nachgespielt wird. Nein, die Musik von Muse ist wahrlich etwas Besonderes, mit dem wohl einige Musikhörer nur wenig anzufangen wissen, andere wiederum begeistert zurücklassen wird. Geschmackssache eben. Trotzdem soll hier nicht der Eindruck erweckt werden, dass hier Symphonien oder ähnliches verrockt werden. Das ist schon Rock, besitzt allerdings eben diese gewissen Anleihen. In Bezug auf „Showbiz“ heißt das allerdings trotzdem, dass dies erst ein erster Versuch war. Acht Punkte.

Anspieltipps: Sunburn, Hate This & I'll Love You



Montag, 24. März 2014

U2 – No Line On The Horizon




U2 – No Line On The Horizon


Besetzung:

Bono – vocals and guitar
The Edge – guitar, vocals and piano
Adam Clayton – bass guitar
Larry Mullen Jr. – drums and percussion


Gastmusiker:

Brian Eno – rhythm loops, programming, synthesizers and vocals
Danny Lanois – guitar and vocals
Terry Lawless – additional piano, fender rhodes and keyboards


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Rock


Trackliste:

1. No Line On The Horizon (4:12)
2. Magnificent (5:24)
3. Moment Of Surrender (7:24)
4. Unknown Caller (6:03)
5. I'll Go Crazy If I Don't Go Crazy Tonight (4:14)
6. Get On Your Boots (3:25)
7. Stand Up Comedy (3:50)
8. FEZ-Being Born (5:17)
9. White As Snow (4:41)
10. Breathe (5:00)
11. Cedars Of Lebanon (4:16)

Gesamtspieldauer: 53:47




2009 erschien das zwölfte und bisher – Stand März 2014 – letzte Studio-Album der irischen Band U2 unter dem Titel „No Line On The Horizon“. Und um es gleich vorweg zu nehmen, die Platte ist eine gute Scheibe geworden. Vielleicht nicht mehr ganz so spektakulär, wie die Alben der Band in den 80er und Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, aber immer noch sehr lohnenswert.

Das Album beginnt gleich mit dem Titeltrack „No Line On The Horizon“. Eine klasse rockige und eingängige Nummer, die diesen gewissen Wiedererkennungsfaktor in sich trägt. Rockig geht es auch mit „Magnificent“ weiter. Diesen Titel kann man zum ersten Mal hören und ihn gleich U2 zuordnen, was nicht nur am Gesang Bonos liegt. Der Sound der Gitarre und das gesamte Arrangement des Songs können seine Herkunft nicht verschleiern. Es folgt mit über sieben Minuten Spieldauer der längste Titel der Platte. „Moment Of Surrender” ist eine sehr relaxtes und entspanntes Lied, Bono singt schön verzweifelt und dieses Mal steht nicht die Gitarre, sondern, neben dem Gesang, das Keyboard im Vordergrund, welches eine leicht sphärische Stimmung hervorzaubert. Eine gelungene Abwechslung zu den beiden vorherigen Titeln.

„Unknown Caller” ist im Anschluss daran wieder ganz anders. Sehr sanft und weich mit dem Synthesizer und der Gitarre eingeleitet, entwickelt sich hier ein tolles Lied, Ohrwurmcharakter inklusive, bei dem der „Oh-oh-oh-oh“-Gesang fast schon zum Mitsingen einlädt. Auch, dass hier immer wieder mehrere Stimmen übereinandergelegt wurden, trägt zum Gelingen dieses Titels bei. Es ist gar nicht notwendig alle weiteren Lieder der Platte einzeln durchzugehen und kurz vorzustellen. Alles klingt irgendwie. Ausnahmen sind da am ehesten noch „Get On Your Boots“ und „Stand Up Comedy“. Zwei Nummern, die zwar ordentlich grooven, es allerdings nicht so richtig schaffen im Ohr des Hörers zu zünden. Zumindest Geschmackssache. Das schafft allerdings „White As Snow”. Zwar kein Zweites „One” von der Platte „Achtung Baby”, allerdings ein wunderschönes, melodiöses und getragenes Lied, welches man bereits nach dem ersten Hören irgendwie nicht mehr missen möchte.

Fazit: „No Line On The Horizon” ist ein schönes Album geworden, ganz im typischen Stil der U2-Musik. Hier gibt es eine ganze Menge zu entdecken, rockige Stücke, verträumtere Lieder und sehr viel Eingängigkeit. Es wird auch nicht großartig experimentiert, wer auf „typische“ U2-Musik steht, die oder der wird diese Platte lieben. Alles zusammen also eine sehr lohnende Anschaffung, für jeden, der auf gut gemachten Rock steht. Auf „No Line On The Horizon” lässt sich viel Hörenswertes erhören. Elf Punkte.

Anspieltipps: No Line On The Horizon, Unknown Caller, White As Snow



Sonntag, 23. März 2014

Strawbs – Hero And Heroine




Strawbs – Hero And Heroine


Besetzung:

Dave Cousins – vocals, acoustic and electric guitars
Dave Lambert – vocals, acoustic and electric guitars
John Hawken – piano, electric piano, organ, mellotron, synthesizer
Chas Cronk – bass, synthesizer, vocals
Rod Coombes – drums, percussion, vocals


Gastmusiker:

Claire Deniz – cello on "Midnight Sun"


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Folk Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Autumn (8:28)
   a. Heroine's Theme
   b. Deep Summer's Sleep
   c. The Winter Long
2. Sad Young Man (4:08)
3. Just Love (3:41)
4. Shine On Silver Sun (2:47)
5. Hero And Heroine (3:29)
6. Midnight Sun (3:06)
7. Out In The Cold (3:19)
8. Round And Round (4:44)
9. Lay A Little Light On Me (3:27)
10. Hero's Theme (2:28)


Bonus Tracks:

11. Still Small Voice (2:28)
12. Lay A Little Light On Me (Early Version) (2:22)

Gesamtspieldauer: 44:26




„Hero And Heroine“ heißt das sechste Studioalbum der britischen Band Strawbs. 1974 veröffentlicht, dominieren auch auf dieser Platte die warmen und eingängigen Töne. Das Album wird eröffnet mit dem längsten Stück der Scheibe „Autumn“, welches selbst noch mal in drei Teile untergliedert wurde. Und gleich hier wird die Nähe der Musik zu den Anfangswerken von Barclay James Harvest offenbar. Alles wirkt sehr melodiös und ist harmonisch arrangiert, die Eingängigkeit der Titel stehen auch im weiteren Verlauf ganz klar im Vordergrund.

Dieser Ansatz zieht sich über das ganze Album hinweg. „Hero And Heroine“ lebt von den weichen Momenten. Das ist zwar Rock Musik, jedoch sehr, sehr weiche Rock Musik. Folk Rock, der jedoch sehr aufwendig arrangiert wurde. Soll heißen, hier gibt es nicht nur eine Gitarre und einen Sänger, sondern die Musik ist unterfüttert mit einem fetten Sound, der Fülle verleiht. In der Musik der Band wird auch nicht großartig experimentiert, alles wird hin zu dieser Eingängigkeit hin entwickelt. Zudem muss hier angeführt werden, dass sich kein Ausfall auf der Platte befindet, jede Nummer hat ihren ganz eigenen Charme. Die Musiker der Strawbs haben das Gefühl für die Melodie und die Harmonie und leben dies auch auf „Hero And Heroine“ auch perfekt aus.

Ein klein wenig rockiger wird es mitunter aber trotzdem, wie zum Beispiel bei „Just Love“. Jedoch bleibt es auch bei diesem Song nicht durchgängig so, denn auch hier gibt es einen sehr warmen Zwischenteil, der einen tollen Kontrapunkt zu dem sehr viel fordernden Anfangs- und Schlussteil setzt. Zudem schaffen es die Strawbs auf dem Album, manchmal ein wenig orchestral zu klingen, dann wieder etwas rockiger und schließlich deutlich dezenter, in die Richtung des Folk. Dies alles wird bewirkt durch durchdachte Arrangements, die eine gewisse Diversität in der Musik auf „Hero And Heroine“ bewirken. Richtig gut gemacht.

Fazit: Sehr gut möglich, dass dem ein oder anderen Musikhörer diese Musik zu weichgespült klingt. Wenn man dann allerdings solch ein Lied wie den Titel-Track „Hero And Heroine“ auf sich wirken lässt, dann relativiert sich das wieder ein wenig. Denn hier findet sich durchaus Spannung und Abwechslung – genau wie bei dem Rest der Platte, wenn man dies etwas länger wirken lässt. Nun, wer Barclay James Harvest zu Beginn ihrer Karriere klasse fand, der sollte sich auch mal die Strawbs geben, das ist wiederum allerdings nur der Gesamteindruck, die Richtung, denn immer wieder klingen die Strawbs hier sehr eigenständig. Sehr viel unbekannter hier in Deutschland, jedoch genauso gut. Eine schöne Platte. Elf Punkte.

Anspieltipps: Autumn, Hero And Heroine, Still Small Voice



Samstag, 22. März 2014

Hawkwind – Quark, Strangeness And Charm




Hawkwind – Quark, Strangeness And Charm


Besetzung:

Robert Calvert – vocals, percussion, morse, and strangeness
Dave Brock – guitar, synthesisers, sound FX, vocals, and quark
Simon House – keyboards, violin, anvil, vocals, and charm
Adrian Shaw – bass guitar, vocals, and hand-claps
Simon King – drums, percussion, and no-vocal


Label: Cherry Red Records


Erscheinungsdatum: 1977 (remasterte Version: 2009)


Stil: Space Rock, Rock


Trackliste:

CD1:

1. Spirit Of The Age (7:25)
2. Damnation Alley (9:02)
3. Fable Of A Failed Race (3:22)
4. Quark, Strangeness And Charm (3:41)
5. Hassan I Sabbah (5:22)
6. The Forge Of Vulcan (3:06)
7. The Days Of The Underground (3:11)
8. The Iron Dream (1:54)


Bonus Tracks:

9. Damnation Alley (Live Studio Version) (10:35)
10. A Minor Jam Session (9:52)
11. Spirit Of The Age (Demo Excerpt) (3:00)
12. Hash Cake Cut (4:26)


Bonus CD2 (The Rockfield Studios Session):

1. Damnation Alley (First Studio Version) (10:37)
2. Spirit Of The Age (Full Extended Version) (11:23)
3. The Days Of The Underground (First Version) (5:40)
4. Quark, Strangeness And Charm / Uncle Sam's On Mars (9:21)
5. Fable Of A Failed Race (Extended Version) (6:51)
6. Damnation Alley (Alternate Harmony Vocal Version) (8:25)
7. Spirit Of The Age (Live Recording September - October 1977) (5:56)
8. Robot (Live Recording September - October 1977) (5:59)
9. High Rise (Live Recording September - October 1977) (5:41)

Gesamtspieldauer: 2:14:49




Jede Menge Musik bekommt man hier auf der remasterten Version des siebten Albums der Spacerocker von Hawkwind zu hören. „Quark, Strangeness And Charm“ wurde ursprünglich 1977 veröffentlicht und 2009 in einer erweiterten Fassung mit Bonus CD wieder aufgelegt. Space Rock gibt es hier jede Menge zu hören, ein Genre, welches die Band miterfunden hat. Dabei ist festzuhalten, dass die Lieder auf dem Album häufig von Redundanzen leben, indem ein Motiv der Musik immer und immer wiederholt wird. Das Ganze ergibt so eine Art meditative Stimmung unter der man, ganz relaxt und mit geschlossenen Augen, in andere Sphären vorzudringen scheint. Nun, dies ist wohl auch eines der Ziele des Space Rocks, neue „Welten“ zu ergründen.

Genau in diesem Umstand liegt allerdings auch ein wenig die Gefahr bei der Musik auf „Quark, Strangeness And Charm“. Für Freunde der Abwechslung wird hier nicht allzu viel geboten. Ist ein Song erst einmal gestartet, wird das aktuelle Motiv massiv ausgeschlachtet und wiederholt, wiederholt und wiederholt. Die Titel sind dabei durch die Bank weg rockig gehalten, allerdings in durchaus gemäßigter Form. Futuristisch – und natürlich ebenfalls redundant – klingt es bei „The Forge Of Vulcan“, dem einzigen Titel des Original-Albums, neben dem letzten kurzen „The Iron Dream”, der ohne Gesang auskommt und der allein schon wegen dem fetten Hammond Orgel Sound im Hintergrund überzeugen kann. Allgemein ist die Musik durchaus mit dem Adjektiv „eingängig“ zu umschreiben, besonders herausstechende Titel fehlen zwar irgendwie, trotzdem hat hier alles seine Qualität. Noch ein klein wenig mehr gefallen und begeistern können einen da sogar die eher kürzeren Nummern gegen Ende des Albums.

Besondere Erwähnung sollen hier auch die zahlreichen Zugaben finden, die der remasterten Version in einer solchen Menge hinzugefügt wurden, dass gleich noch eine zweite CD hinzugefügt wurde. In unterschiedlichen Längen und Versionen wurden hier Titel des Albums nochmals hinzugefügt. So gibt es auf der CD nun neben der Album-Version von „Spirit Of The Age“ und „Damnation Alley“ noch je drei weitere alternative Versionen zu hören. Spannender sind da allerdings, die noch nicht auf dem ursprünglichen Album vorhandenen Titel wie „A Minor Jam Session“, eine ausschweifende und durch den Synthesizer-Sound spacige Instrumentalnummer. Selbiges lässt sich auch für „Hash Cake Cut” sagen, die Nummer klingt allerdings noch ein wenig relaxter. Ganz am Ende der CD2 befinden sich dann noch zwei Live-Titel, wobei vor allem „High Rise“ ein toller und eingängiger Titel ist. Und auch, wenn es dabei mit der Soundqualität nicht zum Besten bestellt ist, so lohnt das Lied auf jeden Fall.

Fazit: Die Titel zu Beginn des Albums sind zwar wahrlich nicht schlecht, so richtig überzeugen können sie allerdings dann doch nicht immer. Gegen Ende der Platte wird die Musik schließlich jedoch deutlich eindringlicher. Dazu gesellen sich noch jede Menge Zugaben, die das Album wahrlich lohnenswert werden lassen. Für Hawkwind-Fans ist die Scheibe sowieso ein Muss und auch in der Fan-Beurteilung sehr hoch angesiedelt. Ich persönlich finde die früheren Werke der Band noch einen Tick besser, höre allerdings auch auf „Quark, Strangeness And Charm“ meine Momente. Neun Punkte.

Anspieltipps: Damnation Alley, The Forge Of Vulcan, High Rise



Freitag, 21. März 2014

Shoulders – The Fun Never Stops




Shoulders – The Fun Never Stops


Besetzung:

Michael Slattery – vocals, parade drum, harmonica, out-of-tune cornet, hideous trombone, bent tin whistle, free-hanging river pipe
Todd Kassens – all guitars, background vocals
Chris Black – contrabass, electric bass, piano, hammond organ, korg polysix, background vocals
Alan Gene Williams – drums, percussion


Gastmusiker:

David Max Crawford – trombone, trumpet, accordion, hamond organ (on “My Offerings”)
John Hagen – cello, violin
Mark Kenyon – lap steel guitar
Chris Searles – additional percussion
Ponte Bone – additional accordion (on “Old Anxieties”)


Label: MusiDisc Records


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Drunken Carnival Music


Trackliste:

1. Enter Dancing (0:35)
2. The Fun Never Stops (4:28)
3. Mr. Troll Is Crying (2:19)
4. Farmer Melancholy (3:33)
5. Each Litte Cannibal (5:42)
6. My Offerings (3:58)
7. Rev. 14:11 (1:02)
8. In The Likeness Of God (2:52)
9. All Seamen’s Ball (4:01)
10. Gladly Gone (2:30)
11. Odyssey (4:49)
12. Old Anxieties (Happy New Year) (4:43)
13. Exit Dancing (1:11)

Gesamtspieldauer: 41:41




Ein Jahr nach dem wahrlich überzeugenden „Trashman Shoes“, veröffentlichten die Shoulders ihre zweite Platte unter dem Namen „The Fun Never Stops“. Wieder nennt sich das hier bediente Musik-Genre „Drunken Carnival Music” und wenn man der Platte so lauscht, dann kann man dieser Bezeichnung durchaus etwas Passendes nachempfinden. Und zwar gleich zu Beginn des Albums, bei dem es nach einem kurzen Aufgalopp zunächst das Titellied „The Fun Never Stops“ zu hören gibt. Nicht nur der Gesang des Michael Slattery klingt hier so, als ob er sich vor der Aufnahme einige Drinks genehmigt hätte, auch die Musik spiegelt diesen spaßigen, alkoholgeschwängerten Eindruck wider.

Auf der Platte tummeln es durchaus auch verschiedene rockige Titel. Das wiederum trägt dazu bei, dass das Album immer sehr lebendig und spannend klingt. Allerdings bleibt auch festzuhalten, dass die Songqualität auf dem ersten Album der Band irgendwie besser zu sein schien. Da packte einen diese Musik noch mehr, konnte mehr begeistern, war eingängiger und hatte durchaus immer wieder auch einen gewissen Ohrwurmcharakter. Bei „The Fun Never Stops“ benötigt man als Hörer deutlich mehr Durchläufe, bis die Musik vertrauter und auch eingängiger wird. Und dies liegt nicht allein daran, dass hier auch mal ordentlich und schrill geschrien wird, wenn es bei den Titeln um Trolle oder aber Kannibalen geht. Trotzdem enthält die Musik auch hier einen gewissen Reiz. Hat man sich schließlich in die ganze Platte reingehört, wirkt alles zudem sehr viel runder und passender.

Fazit: Ganz gewiss keine 08/15-Musik präsentieren die Shoulders aus Texas hier auf ihrem zweiten Album. Erfolg hatte die Band vor allen Dingen in Europa, in ihrem Heimatland, den USA, wurden die Shoulders außerhalb ihres Bundesstaates weitestgehend ignoriert. Und Erfolg hatte die Band auch vor allem mit ihrem ersten Album, welches sich noch deutlich besser verkaufte als „The Fun Never Stops“. Nach diesem Album war dann auch erst mal Schluss. Allerdings noch nicht endgültig, denn zwanzig Jahre später veröffentlichte die Band im Jahr 2013 ein neues Album unter dem Titel „Another Round“. Das ist aber eine andere Geschichte. Neun Punkte.

Anspieltipps: My Offerings, Gladly Gone



Donnerstag, 20. März 2014

Roger Waters – Radio K.A.O.S.




Roger Waters – Radio K.A.O.S.


Besetzung:

Roger Waters – vocals, guitars, bass guitar, shakuhachi, keyboards


Gastmusiker:

Graham Broad – percussion, drums
Mel Collins – saxophones
Nick Glennie-Smith – dx7 and emu on "Powers That Be"
Matt Irving – hammond organ on "Powers That Be"
John Lingwood – drums on "Powers That Be"
Andy Fairweather Low – electric guitars
Suzanne Rhatigan – main background vocals on "Radio Waves", "Me or Him", "Sunset Strip" and "The Tide Is Turning"
Ian Ritchie – piano, keyboards, tenor saxophone, fairlight programming, drum programming
Jay Stapley – electric guitars
John Phirkell – trumpet
Peter Thoms – trombone
Katie Kissoon – background vocals on "Who Needs Information", "Powers That Be" and "Radio Waves"
Doreen Chanter – background vocals on "Who Needs Information", "Powers That Be" and "Radio Waves"
Madeline Bell – background vocals on "Who Needs Information", "Powers That Be" and "Radio Waves"
Steve Langer – background vocals on "Who Needs Information", "Powers That Be" and "Radio Waves"
Vicki Brown – background vocals on "Who Needs Information", "Powers That Be" and "Radio Waves"
Clare Torry – vocals on "Home" and "Four Minutes"
Paul Carrack – vocals on "The Powers That Be"


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Radio Waves (4:57)
2. Who Needs Information (5:55)
3. Me Or Him (5:23)
4. The Powers That Be (4:36)
5. Sunset Strip (4:45)
6. Home (6:00)
7. Four Minutes (4:00)
8. The Tide Is Turning (After Live Aid) (5:43)

Gesamtspieldauer: 41:24




„Radio K.A.O.S.” nannte Roger Waters sein drittes Solo-Werk, wenn man denn „Music From The Body“ von 1970 auch dazuzählen möchte. 1987 erschienen, ist es wohl die poppigste Scheibe, die Roger Waters während seiner Karriere veröffentlichte. Inhaltlich befasst sich das Album, wie bei Roger Waters so häufig, mit den Themen Krieg, Monetarismus und der Welt-Situation ganz allgemein. Dazu unterhält sich der körperlich und geistig behinderte Billy, ein Waliser, der jetzt mit seinem Onkel in Los Angeles lebt, während einer Radio-Show des Senders „Radio K.A.O.S.“ als Anrufer mit dem DJ Jim. Das Besondere an diesem Billy ist dabei, dass er die Radiowellen aufgrund seiner Behinderung ohne ein Radio-Gerät, also mental empfangen kann. Dies kurz zur Geschichte auf dem Album, die Geschichte der Platte selbst ist noch mal eine andere, denn diese wollte Roger Waters bis auf das letzte Lied „The Tide Is Turning“ veröffentlichen. Da meinte dann wiederum die Plattenfirma, dass die Scheibe so deutlich zu düster klänge und wohl nicht viele Käufer würde finden können. Schließlich wurde noch besagter Titel hinzugefügt. Den hatte Roger Waters, der Live Aid am Fernseher verfolgte, nach der Übertragung des Konzerts geschrieben, da er sehr beindruckt von dieser Veranstaltung war. Ursprünglich war er sogar selbst für einen Auftritt bei Live Aid vorgesehen gewesen, sagte dann jedoch ab, da David Gilmour dort zusammen mit Brian Ferry auftrat. Und das war nun die Person, die er nach seinem Ausstieg bei Pink Floyd im selben Jahr wie Live Aid, 1985, dort einfach nicht treffen wollte.

Nun, „The Tide Is Turning“ ist ein toller Titel geworden, der das gesamte Album noch mal aufwertet. Hier zeigt Roger Waters wieder sein Gespür für Melodiösität und Harmonien. Ein Pop-Song, der auf jeden Fall hängenbleibt. Das wurde Roger Waters später wohl auch immer mehr bewusst, denn inzwischen stellt dieser Titel häufig den letzten dar, der während seiner zahlreichen „The Wall-Konzerte“ gespielt wird.

Aber auch der Rest der Platte kann sich durchaus hören lassen. Alles ist sehr eingängig, groovt mal mehr, dann wird es wieder ein wenig nachdenklicher. Viele verschiedene Gesangsstimmen bekommt man zu hören sowie zahlreiche Hintergrundgeräusche, die die Story noch unterfüttern. Auch diese Musik lehnt sich ein wenig an „The Final Cut“, der letzten Platte, die er mit Pink Floyd aufgenommen hat, an. Jedoch gibt es hier das deutlich bessere Song-Material zu hören, vergleicht man diese Veröffentlichung mit dem drei Jahre zuvor entstandenen Album „The Pros And Cons Of Hitch Hiking“. Besonders gelungen sind die Lieder am Ende der Platte. Da gibt es das durch die Perkussion irgendwie vibrierende „Home“, dessen man sich am besten mit den Kopfhörern nähert oder aber auch „Four Minutes“, was im Grunde genommen eine Mischung aus Lied und Soundkollage darstellt, die allerdings sehr gelungen ist.

Fazit: „Radio K.A.O.S.” macht Spaß. Zwar hat die Scheibe noch nicht die Qualität, wie „Amused To Death“, dem Meisterwerk des Roger Waters in seinem Solo-Schaffen, aber die Platte unterhält. Und so düster, wie von der Plattenfirma befürchtet, ist das Ganze auch nicht geworden. Für Pink Floyd oder Roger Waters Fans sowieso ein Muss, für alle diejenigen, die auf gut gemachten Pop-Rock stehen aber sicherlich auch nicht die schlechteste Entscheidung. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Home, Four Minutes, The Tide Is Turning (After Live Aid)



Mittwoch, 19. März 2014

The Flower Kings – Space Revolver




The Flower Kings – Space Revolver


Besetzung:

Roine Stolt – vocals, guitar, bass guitar
Tomas Bodin – piano, organ, synthesizer, mellotron
Hans Fröberg – vocals, acoustic guitar
Jonas Reingold – bass guitar
Jaime Salazar – drums


Gastmusiker:

Hans Bruniusson – mallet percussion, vocals
Ulf Wallander – soprano saxophone




Erscheinungsdatum: 2000


Stil: RetroProg


Trackliste:

1. I Am The Sun (Part One) (15:03)
2. Dream On Dreamer (2:42)
3. Rumble Fish Twist (8:05)
4. Monster Within (12:55)
5. Chicken Farmer Song (5:11)
6. Underdog (5:29)
7. You Don't Know What You've Got (2:39)
8. Slave To Money (7:30)
9. A Kings Prayer (6:01)
10. I Am The Sun (Part Two) (10:39)

Gesamtspieldauer: 1:16:18




Bands, die sich im Genre des Progressive Rock bewegen, haben oftmals eine Ausrichtung, die mal mehr in das Harmonische und Melodiöse hineinreicht oder sie klingen deutlich rockiger und auch experimenteller. Ober aber sie bedienen sich beider Spielarten dieser Musik und genau dies ist auch auf dem fünften Album der Flower Kings „Space Revolver“ zu hören. Da gibt es wundervoll harmonische Passagen, die angefüllt sind mit Mellotron-geschwängerten Sounds, dann jedoch auch wieder kurze Abschnitte, die fast schon an Free-Jazz erinnern. Sehr experimentell in diesem Fall.

Nun, so hört man sich durch diese knapp 80 Minuten Spielzeit und wird mal mehr gefesselt und dann wieder aus seinen musikalischen Gefühlen herausgerissen. Alles scheint laufend im Wandel zu sein und ist oftmals keinesfalls eingängig. Das ganze Album muss man sich wahrlich erarbeiten, muss man mehrmals laufen lassen, sich damit beschäftigen und irgendwie auch verinnerlichen. Und da kommt nun schon fast der berühmte Knackpunkt. Muss man Musik eher erfühlen oder überdenken? Wohl eher „erfühlen“. Die Schweden haben diese Scheibe hier mit Sicherheit bestens durchdacht, geplant und konstruiert. Leider klingt es manches Mal auch genau so. Hier wird dann nicht mehr der Bauch, sondern sehr viel eher der Kopf angesprochen. Musik trifft den Hörer allerdings überwiegend im Bauch und lässt sich deutlich weniger „erdenken“.

Trotzdem gibt es auch die schönen Stellen auf „Space Revolver“. Und zwar immer dann, wenn es ein klein wenig symphonisch wird, wenn die Töne zu schweben scheinen, einen umgarnen und mit Harmonie und Fülle zu treffen versuchen. Das klappt auch immer wieder, noch ein wenig mehr zum Ende des Albums hin, als zu dessen Beginn.

Fazit: Ein klein wenig hilflos lässt einen dieses Album der Flower Kings zurück. Ganz zweifellos gibt es hier tolle Songs zu hören, andererseits allerdings auch Titel, die einen so überhaupt nicht zu treffen verstehen. Somit bleibt ein etwas „durchwachsenes“ Album, welches es einfach nicht schafft, den Hörer durchgängig zu begeistern. Sieben Punkte.

Anspieltipps: A Kings Prayer, I Am The Sun (Part Two)




Dienstag, 18. März 2014

The Cranberries – Roses




The Cranberries – Roses


Besetzung:

Dolores O'Riordan – vocals
Noel Hogan – guitars, keyboards, melodica and drum programming
Mike Hogan – bass
Fergal Lawler – drums and percussion


Gastmusiker:

Stephen Street – acoustic guitar, keyboards and tamborine
Dan Brodbeck – strings
Kevin Hearn – accordion
Louisa Fuller – violin
Rick Koster – violin
John Metcalfe – viola
Sophie Harris – cello


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Pop, Folk Rock


Trackliste:

1. Conduct (5:11)
2. Tomorrow (3:56)
3. Fire & Soul (4:32)
4. Raining In My Heart (3:27)
5. Losing My Mind (3:41)
6. Schizophrenic Playboy (3:40)
7. Waiting In Walthamstow (4:20)
8. Show Me (3:27)
9. Astral Projections (4:45)
10. So Good (3:54)
11. Roses (3:41)

Gesamtspieldauer: 44:34




2012, nach der Wiedervereinigung und elf Jahre nach dem letzten Album, veröffentlichten die Cranberries ihr sechstes Studioalbum. Festzuhalten bleibt dabei gleich zu Beginn, dass die irische Band um die Sängerin und Songschreiberin Dolores O'Riordan in dieser Zeit nichts von ihrem Talent verloren hat, schöne und eindringliche Pop-Musik zu schreiben, die ab und an auch in die Richtung Folk tendiert. Alles klingt wieder auf „Roses“ und einmal mehr steht die sehr schöne Stimme der Dolores O'Riordan im Vordergrund und vermittelt und verleiht den einzelnen Songs so etwas Sehnsüchtiges und Verträumtes.

Somit hat auch jeder Titel auf dieser Scheibe seine Qualität und Ausbrüche nach „unten“ sucht man vergebens. Allerdings verhält es sich genauso mit den Ausbrüchen nach „oben“. Diese „Übersongs“, die es auf manch anderem Album der Cranberries zu hören gibt, die fehlen dieses Mal irgendwie. Alles läuft – zugegebenermaßen auf relativ hohem Niveau – so ein klein wenig durch und weiß zwar immer wieder zu gefallen, jedoch nicht mehr mitzureißen. Die sanften Töne stehen auf „Roses“ ganz klar im Vordergrund, gerockt wird hier nur noch sehr wenig. Dabei klingt die Platte fast schon lieblich und verträumt, die Gegensätze fehlen dagegen, alle Lieder sind in etwa im selben Stil gehalten, sodass zwar keine Langeweile aufkommt, der Spannung und Abwechslung allerdings auch nicht unbedingt ein allzu großer Raum geschaffen wird.

Fazit: „Roses“ ist ein schönes und irgendwie nachdenkliches Album der Cranberries geworden. Die einzelnen Titel kann man durchaus mit „schön“ und eingängig bezeichnen. Allerdings kann man diese Musik auch ganz leicht und sehr unauffällig nebenbei hören ohne, dass die einzelnen Titel dabei allzu groß auffallen oder in irgendeiner Art und Weise wirken würden. Das wiederum ist eigentlich ein bisschen schade, denn die Musik, die einzelnen Lieder, sind durchaus hörenswert. Da allerdings alles im selben Tempo, meist im gleichen Rhythmus und in derselben Stimmung gehalten ist, verwundert das dann wiederum doch nicht allzu sehr. Trotzdem ein, wie bereits erwähnt, schönes Album für all diejenigen Hörer, die auf Melodiösität und Eingängigkeit in der Musik stehen. Neun Punkte.

Anspieltipps: Waiting In Walthamstow, Show Me



Montag, 17. März 2014

Scorpions – Taken By Force




Scorpions – Taken By Force


Besetzung:

Klaus Meine – lead vocals
Ulrich Roth – lead guitars, backing vocals
Rudolf Schenker – rhythm guitars, backing vocals
Francis Buchholz – bass guitar, backing vocals
Herman Rarebell – drums, percussion, backing vocals


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Steamrock Fever (3:41)
2. We'll Burn The Sky (6:30)
3. I've Got To Be Free (4:04)
4. The Riot Of Your Time (4:13)
5. The Sails Of Charon (4:24)
6. Your Light (4:33)
7. He's A Woman, She's A Man (3:18)
8. Born To Touch Your Feelings (7:41)

Gesamtspieldauer: 38:23




Beim Hören des fünften Albums der Scorpions kann man verstehen, warum diese Deutsche Band von vielen so geliebt wird. Hier auf „Taken By Force“, veröffentlicht 1977, schaffen es die Musiker endlich Musik auf Platte zu pressen, die sich wahrlich lohnt gehört zu werden. Das ist zwar wieder nicht über die ganze Platte der Fall, so richtige Ausfälle gibt es dieses Mal allerdings nicht. Dafür jedoch einige wahrlich gelungene Titel.

Das Album beginnt mit „Steamrock Fever“, ein Titel, der schon so ähnlich klingt wie das, was die Scorpions wenig später so erfolgreich werden lassen würde. Ein ganz normaler Rocker, mit einfacher Melodieführung zum besseren Wiedererkennungswert. Besser gelungen ist da dann gleich der zweite Titel „We'll Burn The Sky“. Ein wirklich gutes Rock-Lied mit schöner Melodie und interessantem Aufbau, da es hier nicht so 08/15 durchgeht. Es folgt mit „I've Got To Be Free“ wieder eher so ein Allerwelts-Rocker, wenn auch nicht schlecht gemacht, gefolgt von einem der Höhepunkte der Platte. „The Riot Of Your Time” ist wahrlich eine tolle Nummer. Eingeleitet mit einer sehr fordernden Akustik-Gitarre entwickelt sich hier ein richtiger Ohrwurm. Schöne und eingängige Melodie, spannender Aufbau, der immer wieder ein Thema aufgreift und ein mitreißender Groove. Ein tolles Lied. Im Anschluss daran wird bei „The Sails Of Charon“ wieder richtig gut gerockt. 

Diesen Groove besitzt auch „Your Light”, ein gutes und etwas sehnsüchtiges Rock-Lied. Mit „He's A Woman, She's A Man” folgt dann ein Titel, den die Scorpions auch später noch immer wieder auf ihren Konzerten spielten. Wohl der schnellste Track des Albums, mehr allerdings auch nicht. Aber ein weiterer Höhepunkt wartet auf den Hörer noch am Ende der Scheibe. Mit knapp acht Minuten auch das längste Lied der Platte, entfaltet „Born To Touch Your Feelings“ wunderschöne Melodiebögen. In Form einer Ballade angelegt und mit einem langen Abspann, in dem viele Damen in verschiedenen Sprachen durcheinander reden ohne, dass dies seltsam klingen würde. Sehr gut arrangiert.

Fazit: Endlich mal ein Scorpions-Album welches überzeugt, selbst mich. Hier auf „Taken By Force” gibt es einige wahrlich hörenswerte Songs zu entdecken, egal ob man eher die härtere oder aber die weichere Gangart bevorzugt. Die Melodien brennen sich ein, die Lieder sind abwechslungsreich und können einen packen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Riot Of Your Time, Born To Touch Your Feelings



Sonntag, 16. März 2014

BAP – Für Usszeschnigge




BAP – Für Usszeschnigge


Besetzung:

Wolfgang Niedecken – Gesang, Gitarre
Klaus Heuser – Gitarre, Gesang
Steve Borg – Bass, Cello
Wolfgang Boecker – Schlagzeug
Manfred Boecker – Percussion, Gesang
Alexander Büchel – Keyboard


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Kölsch-Rock


Trackliste:

1. Verdamp lang her (5:45)
2. Südstadt verzäll nix (3:43)
3. Jraaduss (3:51)
4. Waschsalon (2:22)
5. Jupp (5:46)
6. Frau ich freu mich (5:35)
7. Müsli Män (3:59)
8. Fuhl ahm Strand (5:26)
9. Ens em Vertraue (4:21)
10. Wo mer endlich Sommer hann (2:18)

Gesamtspieldauer: 43:06




Dass richtig gut gemachte Rockmusik nicht zwangsläufig nur aus dem englischsprachigen Raum kommen muss, bewies die Kölner Band BAP bereits 1981 mit der Veröffentlichung ihres dritten Albums „Für Usszeschnigge“. Hier gibt es für den Hörer rockige Lieder, genauso wie sanfte und nachdenklich verträumte Stücke zu entdecken. Allen diesen Titeln ist dabei gemein, dass sie überaus eingängig, melodiös und fesselnd sind.

Man hört hier so nachdenkliche Titel wie „Jraaduss“, „Jupp“ und „Fuhl ahm Strand“. Wunderschöne warme Musik, dezent und trotzdem sehr eindringlich instrumentiert, ausgestattet mit lohnenswerten Texten und diesem gewissen Ohrwurmcharakter, der ein Lied zu einem treuen Begleiter im Leben werden lässt. Dann beinhaltet „Für Usszeschnigge“ auch eines der bekanntesten Lieder von BAP: „Verdamp lang her“. Langsam und getragen, mit etwas sphärischem Hintergrund eingeleitet, entwickelt sich das Lied zu einer rockigen Nummer, die ebenfalls über einen unglaublichen Wiedererkennungswert verfügt.

Aber es gibt noch jede Menge mehr zu entdecken auf dieser Scheibe. „Südstadt verzäll nix“ ist ein klasse Rocker, genau wie „Waschsalon“, welches zusätzlich noch mit einem sehr witzigen Text versehen wurde, den man auch ohne größere Kölsch-Kenntnisse mitverfolgen kann. Auch „Frau ich freu mich“ rockt und groovt und bei „Müsli man“ klingt es dann sogar nach Reggae. Und einmal mehr beweist hier Wolfgang Niedecken, dass er neben nachdenklichen Texten auch sehr witzige zu formulieren weiß. „Ens em Vertraue“ klingt fröhlich und ein wenig nach Western-Saloon-Musik. Beschlossen wird das Album schließlich mit einer Cover-Version des Eddie Cochran Hits „Summertime Blues“, der hier mit neuem und deutschen Text versehen als „Wo mer endlich Sommer hann“ seinen Auftritt bekommt.

Fazit: Sehr beeindruckend ist diese Platte von BAP. Für viele Fans auch die beste LP, die die Band jemals veröffentlichte. Das liegt nicht zuletzt an dieser genialen Zusammenarbeit von Klaus „Major“ Heuser und Wolfgang Niedecken, die es schafften tolle Melodien mit richtig guten Texten zu kombinieren. Einen Ausfall weist dieses Album nicht auf. Alles ist hörenswert und weiß auf seine Art und Weise zu begeistern. Klasse Platte, zwölf Punkte.

Anspieltipps: Verdamp lang her, Jupp, Müsli Män, Fuhl ahm Strand