Dienstag, 24. März 2015

Gentle Giant – Live (Playing The Fool)




Gentle Giant – Live (Playing The Fool)


Besetzung:

Gary Green – electric guitar, acoustic guitar, 12 string guitar, alto recorder, soprano recorder, vocals, percussion
Kerry Minnear – electric piano, clavinet, hammond organ, moog, cello, vibes, tenor recorder, vocals, percussion
Derek Shulman – vocals, alto sax, soprano recorder, bass, percussion
Ray Shulman – bass, violin, acoustic guitar, soprano recorder, trumpet, vocals, percussion
John Weathers – drums, vibes, tambourine, vocals, percussion


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Just The Same (6:08)
2. Proclamation (5:16)
3. On Reflection (6:27)
4. Excerpts From Octopus (15:38)
5. Funny Ways (8:31)
6. The Runaway (3:55)
7. Experience (5:34)
8. So Sincere (10:18)
9. Free Hand (7:39)
10. Sweet Georgia Brown (Breakdown In Brussels) (1:21)
11. Peel The Paint / I Lost My Head (Medley) (7:27)

Gesamtlaufzeit: 1:18:13




Zugegeben, manche Lieder wie ganze Platten von Gentle Giant können mitunter sehr sperrig und keineswegs einfach zugängig sein. Dass dem jedoch nicht zwangsläufig so sein muss, das beweisen die fünf Multiinstrumentalisten von Gentle Giant auf ihrem Live Album „Live (Playing The Fool). Diese Platte, die im Jahr 1976 während vier Konzerten in Düsseldorf, München, Paris und Brüssel aufgenommen und schließlich 1977 veröffentlicht wurde, quillt nur so über vor Spielfreude der Musiker und ist auch beseelt mit wunderschönen Harmonien und Melodien.

Viele der Titel wurden speziell für diese Live-Performance umarrangiert. Manche sogar so sehr, dass man erst bei genauerem Hinhören feststellt, dass es sich dabei um diesen oder jenen Titel handelt. Allerdings gewinnen die einzelnen Nummern in diesen Versionen, sie wirken noch ein wenig kraftvoller und lebendiger und – manchmal auch weniger konstruiert. Die Musik geht dabei sofort ins Ohr und es ist wahrlich eine Freude zu hören, wie die Musiker von Gentle Giant ihren mehrstimmigen Gesang so dermaßen perfekt auch live zu zelebrieren im Stande sind. Dazu auch noch die ganzen Instrumente, die hier auf der Bühne zum Einsatz kamen und von den Musikern perfekt bedient werden. Ich bin leider zu jung, um die Chance gehabt zu haben, ein solches Konzert Gentle Giants mitverfolgen zu können. Es muss allerdings für die Zuhörer sicherlich ein grandioses Ereignis gewesen sein.

„Live (Playing The Fool)” ist wie eine kleine Reise durch die Musik von Gentle Giant zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch nicht unbedingt kommerziell klingen wollten, also versuchten, mit dem Anpassen ihres Stils an den vorherrschenden musikalischen Zeitgeist, mehr Platten zu verkaufen. Jedoch klingen Gentle Giant gerade auf diesem Album so, dass sie einfach erfolgreich sein mussten. Diese Spielfreude und Kreativität, die jedem der einzelnen Titel innewohnt, schafft kaum eine andere Band live so auf die Bühne zu bringen.

Fazit: Die Musik von Gentle Giant ist wahrlich nicht immer leicht zu verstehen. Hier auf „Live (Playing The Fool)” wird sie jedoch musikalisch entschlüsselt und das im positiven Sinne des Wortes. Die Musik klingt eindringlich, spannend, abwechslungsreich, kreativ, einfach nach etwas Besonderem. Das ist sie auch. Sehr lohnenswert. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Just The Same, Proclamation, On Reflection



Montag, 23. März 2015

Porcupine Tree – Nil Recurring (EP)




Porcupine Tree – Nil Recurring (EP)


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, guitars, piano, keyboards
Richard Barbieri – keyboards and synthesizers
Colin Edwin – bass guitars
Gavin Harrison – drums, percussion, tapped guitar on "Nil Recurring"


Gastmusiker:

Robert Fripp – lead guitar on "Nil Recurring"
Ben Coleman – electric violin on "What Happens Now?"


Label: Transmission


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Progressive Rock, Progressive Metal, Independent, Alternative


Trackliste:

1. Nil Recurring (6:08)
2. Normal (7:07)
3. Cheating The Polygraph (7:06)
4. What Happens Now? (8:23)

Gesamtspieldauer: 28:46




„Nil Recurring“ ist eine EP von Porcupine Tree. Sie besteht aus vier Titeln, wobei es drei davon nicht auf das offizielle Album „Fear Of A Blank Planet“ geschafft haben. Der Titel „Normal“ hingegen, stellt eine alternative Version des Stücks „Sentimental“ dar, welches ebenfalls auf „Fear Of A Blank Planet“ vertreten ist.

Was soll man dazu sagen? Diese vier Nummern sind nicht auf dem Album vertreten, wurden tatsächlich „geopfert“ – genau diese vier Lieder. Dann schien Steven Wilson allerdings doch ein Einsehen gehabt zu haben und veröffentlichte die Titel auf dieser EP mit dem Namen „Nil Recurring“. Alle vier Nummern hätten es durchaus verdient gehabt, auf „Fear Of A Blank Planet“ vertreten zu sein. Auf dieser EP härt man absolut überzeugende Rockmusik, die dabei weit in den Bereich Progressive Rock bis Progressive Metal reicht. Die Nummer „Normal“ klingt in dieser Version sogar wie eine zusätzliche Bereicherung des offiziellen „Sentimental“. Sehr viel rockiger gehalten, hört sich das Lied wie eine Fortsetzung des auf dem offiziellen Album enthaltenen Songs an.

Auch die restlichen drei Lieder klingen absolut überzeugend, sodass man staunend dasteht und überlegt, welchen Anspruch Steven Wilson an seine Musik haben muss, dass er solche Titel als „Ausschuss“ wertet. Naja, etwas später hat er dann wohl selbst eingesehen, dass es sich hierbei ebenfalls um Perlen des modernen Progressive Rock handelt, sonst hätte er diese EP wohl nicht doch noch nachgeschoben.

Fazit: Klar, ein offizielles Album ist das nicht, dazu ist diese Scheibe viel zu kurz geraten. Obwohl es soll ja auch Bands geben, die auch heutzutage noch Platten mit etwa einer halben Stunden Laufzeit veröffentlichen. Nun, das ist allerdings ein anderes Thema. „Nil Recurring“ stellt auf jeden Fall eine sehr lohnenswerte Erweiterung des Albums „Fear Of A Blank Planet“ dar, welche jedem Porcupine Tree Fan ein Lächeln auf die Lippen zaubern dürfte – soweit sie oder er denn auch die härteren Töne der Band mag. Dadurch, dass die Scheibe allerdings so kurz ist, muss man in der Bewertung ein paar Abstriche machen. Trotzdem ist das gut. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Normal, What Happens Now?



Sonntag, 22. März 2015

Eloy – Ra




Eloy – Ra


Besetzung:

Frank Bornemann – vocals, guitar
Michael Gerlach – keyboards, drums, synth bass


Gastmusiker:

Achim Gieseler – keyboards on "Invasion Of aA Megaforce" & "Rainbow"
Stefan Höls – bass on "Invasion Of A Megaforce", backing vocals on "Dreams" & "Rainbow"
Darryl van Raalte – fretless bass on "Dreams"
Paul Harriman – bass on "Sensations"
Anette Stangenberg – vocals on "Rainbow", "Dreams" & "Invasion Of A Megaforce"
Diana Baden – whispering vocals on "Dreams"
Tommy Newton – additional guitars on "Sensations"
Udo Dahmey – drums on "Invasion Of A Megaforce"
Sue Wist – vocal intro on "Voyager Of The Future Race"


Label: ACI


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: RetroProg, ArtRock


Trackliste:

1. Voyager Of The Future Race (9:03)
2. Sensations (5:13)
3. Dreams (8:09)
4. Invasion Of A Megaforce (7:45)
5. Rainbow (5:23)
6. Hero (6:53)

Gesamtspieldauer: 42:28




Nach vier Jahren Pause erschien 1988 das dreizehnte Studio-Album von Eloy, jener Band um den Sänger und Gitarristen Frank Bornemann, die nun zu einem Duo zusammengeschrumpft war. „Ra“ wurde mit jeder Menge Gastmusikern eingespielt und wartet durchaus mit Klängen auf, die an die letzten Veröffentlichungen erinnern. Dort war bereits festzustellen, dass Eloy nun deutlich härter klingen, als noch auf den erfolgreichen Alben Mitte bis Ende der 70er Jahre.

Jedoch hatte sich auch etwas geändert an der Musik von Eloy. Es ist der Gesang des Frank Bornemanns, der zum einen auf „Ra“ deutlich englischer als deutsch klingt, was auf jeden Fall positiv zu vermerken ist. Negativ fällt hierbei jedoch auf, dass Frank Bornemann nun Stimmhöhen ausprobiert, die der Musik von Eloy auf „Ra“ immer wieder einen sehr süßlich-poppigen Anstrich verleihen. Die Stimme Frank Bornemanns wirkt dabei selbst in dieser Tonhöhe keineswegs gepresst sondern ziemlich klar, jedoch mag man so etwas sicherlich gerne in kurzen Pop-Songs hören, bei Eloy wirkt das Ganze etwas deplatziert. Es macht die Musik, die auch hier manchmal noch einen deutlichen RetroProg Ansatz aufweist, im Verbund mit zum Teil sehr einfachen, jedoch auch eingängigen Melodien, mitunter zu allzu seichter Pop-Musik. Beispielhaft hierfür steht die Nummer „Dreams“, die wohl am ehesten mit ein paar Bierchen zu genießen ist, da man sich Musik mitunter auch „Schönsaufen“ kann, manchmal auch muss – hier wäre das definitiv angebracht.

Trotzdem hat „Ra“ auch seine Stärken. Gleich der Opener „Voyager Of The Future Race” ist eine rockige Nummer im RetroProg Gewand, die zu überzeugen weiß. Auch hier gibt es erneut sehr schöne Melodien zu erhören, die dieses Mal jedoch nicht von einer Art Falsett-Gesang zunichte gemacht werden. Ebenso ist „Invasion Of A Megaforce” eine gute und eingängige Nummer, die durchaus progressive Ansätze aufweist. Allerdings hier auch wieder zum Teil mit einem sehr komisch hohen Gesang garniert, den man einfach nicht haben muss. Dieser wird übrigens bei „Rainbow“ im Refrain fast unerträglich, da das dann so etwas von süßlich und kitschig klingt, dass man nur noch – ach ja, zum Bier greifen möchte. Die letzte Nummer „Hero“ ist dagegen wiederum durchaus gelungen, wenn auch nicht unbedingt typisch für Eloy. Hier wird jetzt doch ziemlich kräftig gerockt, das allerdings auf eine durchaus überzeugende Art und Weise.

Fazit: Die Musik auf „Ra“ ist immer wieder mal gelungen und macht Spaß, auch wenn sie manchmal schon sehr poppig klingt. Kommt dann dieser hohe Gesang dazu, wird es allerdings ein ganzes Stück schwieriger. Für die Zeit damals, 1988, ist die Platte jedoch durchaus eine gute Scheibe, wenn man überlegt, was damals so alles an Musik durch die Gegend waberte. Im Rahmen der Diskographie von Eloy ist „Ra“ dann jedoch kein gutes Album mehr. Sicherlich kein Ausfall, aber da gab es wahrlich schon deutlich bessere Scheiben, da diese hier einfach oftmals zu poppig und damit ein wenig austauschbar klingt. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Voyager Of The Future Race, Hero



Samstag, 21. März 2015

Sigur Rós – Von




Sigur Rós – Von


Besetzung:


Jón Þór Birgisson – vocals, guitar, synthesizer
Georg Hólm – bass, synthesizer
Ágúst Ævar Gunnarsson – drums, synthesizer


Label: Smekkleysa


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Post-Rock, Ambient


Trackliste:

1. Sigur Rós (9:47)
2. Oögun (5:50)
3. Hún Jörð (7:18)
4. Leit Að Lifi (2:34)
5. Myrkur (6:14)
6. 18 Sekúndur Fyrir Sólarupprás (0:18)
7. Hafssól (12:25)
8. Veröld Ný Og Óð (3:29)
9. Von (5:12)
10. Mistur (2:16)
11. Syndir Guðs (Opinberun Frelsarans) (7:45)
12. Rukrym (9:01)

Gesamtspieldauer: 1:12:13




Genauso gespenstisch, wie das Cover dieses ersten Albums der isländischen Band Sigur Rós aussieht, so klingt die Scheibe mit dem Titel „Von“, zu Deutsch „Hoffnung“, aus dem Jahr 1997 auch. „Von“ hält so manche Soundkollage, Ambient-Musik sowie einige Titel, die zumindest ein wenig den Aufbau eines ganz „normalen“ Liedes aufweisen, für den Hörer parat.

Stilistisch unterscheidet sich die Platte sehr deutlich von allen weiteren Scheiben, die da noch folgen sollten. Die hier noch als Trio funktionierende Band, kommt dabei mit nur wenigen Instrumenten aus, Orchester-Musiker sind noch nicht mit in den Klang eingebunden. „Von“ beginnt mit einem Lied, welches den Bandnamen „Sigur Rós“ trägt. „Sigur Rós“ bedeutet übersetzt „Sieg“ sowie „Rose“, was keinerlei Sinn ergibt und ein Wortspiel ist, welches aus dem Namen „Sigurrós“ entstand. Diesen trägt die jüngere Schwester Jón Þór Birgissons, die wenige Tage vor der Gründung der Band geboren wurde. Wie man dann allerdings bei den Worten „Sieg“ und „Rose“ oder aber bei den Gedanken an die Geburt eines kleinen Mädchens solch ein Lied komponieren kann, das ist schon äußerst überraschend. Die Nummer „Sigur Rós“ ist Musik, die einem Geisterfilm entsprungen zu sein scheint. Verzweifelte Schreie sind da zu hören, entsetzliche Geräusche und jede Menge grauenvoller Wesen, die hier mit Sicherheit nur eines im Sinn haben, nämlich irgendwelche unschuldigen Menschen zu quälen. So viel zu den Assoziationen, die hier zwangsläufig aufkommen. Die Musik selbst „quält“ jedoch keineswegs. Sie ist dicht und packend, sicherlich nicht als Hintergrundmusik geeignet, jedoch lässt sie beim Hörer, der sich darauf konzentriert, schöne Schauer entstehen, die genüsslich den Rücken herunterlaufen.

Bei „Oögun“ eröffnen sich dem Hörer nun weite und fast schon unendlich scheinende Klangwelten, die allerdings deutlich heller gehalten sind, als noch bei dem Lied zuvor. Ambient Musik ist das, ganz frei gehalten, ohne Struktur. Man hört Hintergrundgeräusche wir Regen oder Stimmengewirr, alles scheint dabei sehr schwerelos zu sein. Die Stimmungen wechseln hierbei von sehr düster, bis deutlich heller. Immer wirkt das Ganze jedoch auch ergreifend und lässt einen beim Hören nicht unberührt. Diese Art der Musik muss man lieben oder man wird sie hassen. Mit „Hún Jörð“ folgt dann die erste Nummer, die über so etwas wie eine Melodie verfügt. Dazu gesellt sich eine „schwere“ Gitarre und man kann hier nun durchaus von einem Rock-Song sprechen. Dieser stellt jedoch vor allem, durch den nicht auf ein Geschlecht zu reduzierenden Gesang des Jón Þór Birgisson, wiederum etwas Besonderes dar.

Es folgen nun Klangkollagen wie „Leit Að Lifi“, rockigere und fast schon als „normal“ zu bezeichnende Stücke wie „Myrkur“ oder eine Spielerei wie „18 Sekúndur Fyrir Sólarupprás“. Letztere ist eine Nummer, die 18 Sekunden dauert und bei der man 18 Sekunden lang gar nichts hört – Stille ist angesagt.

Im weiteren Verlauf des Albums entstehen immer wieder neue Klanggebilde und ganze Klangwelten, die wieder dem Musikgenre des Ambient zuzuordnen sind. Jedoch sind auch solche Stücke zu hören, die dann durchaus schon auf die späteren Werke der Band hinweisen, wenn diese auch noch nicht ganz so ausgereift sind, wie in den darauffolgenden Jahren. Zum Schluss gibt es schließlich mit „Rukrym“ nochmals eine sehr eigenwillige Nummer, die in den ersten fünfeinhalb Minuten nur aus Stille besteht, um dann für dreieinhalb Minuten nochmals einen Abschnitt aus „Myrkur“ wiederzugeben – allerdings rückwärts abgespielt, auf nichts anderes deutet bereits der Titel „Rukrym“ hin.

Fazit: Beeindruckend ist „Von“ von Sigur Rós wahrlich, denn das, was man hier zu hören bekommt, ist sicherlich keine 08/15-Musik, die man laufend hört. Allerdings hört man auf „Von“ auch keine einfache Musik. Begeistern können die Titel zwar durchaus, manches Mal klingt das alles jedoch auch ein wenig zu abgedreht. Die drei Musiker waren zunächst zudem nicht so ganz zufrieden mit dem Ergebnis, die Platte verkaufte sich zu Beginn auch relativ schlecht. Ganze 313 Kopien wurden von diesem Album zunächst in Island verkauft. Das änderte sich erst, als mit „Ágætis Byrjun“ zwei Jahre später der Nachfolger auf den Markt kam und in England sich der Erfolg einstellte. „Ágætis Byrjun“ bedeutet auf Deutsch "Ein guter Anfang". Nun aber ganz ausblenden sollten die Musiker ihren Erstling wahrlich nicht. Kein Meisterwerk zwar und ab und an etwas sperrig, doch wahrlich nicht schlecht und durchaus auch beeindruckend. Neun Punkte.

Anspieltipps: Sigur Rós, Hún Jörð



Freitag, 20. März 2015

The Who – The Who Sell Out





The Who – The Who Sell Out


Besetzung:

Roger Daltrey – lead and backing vocals, percussion
John Entwistle – bass guitar, backing and lead vocals, horns, sound effects
Pete Townshend – guitar, backing and lead vocals, keyboards, pennywhistle, banjo, sonovox on "Armenia In The City"
Keith Moon – drums, backing vocals, percussion, sound effects, lead vocals on "Jaguar" and "Girl's Eyes"


Gastmusiker:

Al Kooper – keyboards, organ




Erscheinungsdatum: 1967


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Armenia City In The Sky (3:48)
2. Heinz Baked Beans (1:00)
3. Mary Anne With The Shaky Hand (2:28)
4. Odorono (2:34)
5. Tattoo (2:51)
6. Our Love Was (3:23)
7. I Can See For Miles (4:44)
8. Can't Reach You (3:03)
9. Medac (0:57)
10. Relax (2:41)
11. Silas Stingy (3:07)
12. Sunrise (3:06)
13. Rael 1 And 2 (5:44)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

14. Rael 2 (1:28)
15. Glittering Girl (3:59)
16. Melancholia (3:22)
17. Someone's Coming (2:40)
18. Jaguar (3:01)
19. Early Morning Cold Taxi (3:25)
20. Hall Of The Mountain King (4:19)
21. Girl's Eyes (3:50)
22. Mary Anne With The Shaky Hand (3:21)
23. Glow Girl (2:44)

Gesamtspieldauer: 1:11:48



„The Who Sell Out“ ist nicht nur das dritte Studioalbum der vier Engländer von The Who, es ist gleichzeitig im Grunde genommen auch das erste Konzeptalbum der Band. Ein Vorreiter also von Tommy, welches die nächste Veröffentlichung der Band darstellen sollte. Zwar wird hier inhaltlich nun keine zusammenhängende Geschichte erzählt, jedoch spiegelt das Album eine Sendung eines Londoner Radioprogramms wider, daher hört man neben den Liedern auch sogenannte Stations-Jingles sowie eingespielte Werbung. Das klingt alles sehr locker und leicht und das Alter ist dieser Platte nicht unbedingt anzuhören.

Freilich enthält „The Who Sell Out“ noch nicht diese Lieder, die The Who berühmt machen sollten und die man auf Konzeptalben wir „Tommy“ oder „Quadrophenia“ in größerer Anzahl findet. Diese herausstechenden Songs, die einem, einmal gehört, einfach nicht mehr aus dem Ohr gehen. Trotzdem macht auch diese Scheibe Spaß, denn das Liedmaterial enthält keinerlei Ausrutscher. Alles hat Qualität und weiß durchaus zu überzeugen – wenn auch nicht auf ganz hohem Niveau. So hört man auf „The Who Sell Out“ eine gut e Mischung aus Pop- und Rock-Songs, die durchaus ebenfalls zu überzeugen wissen.

Fazit: Sicherlich ist „The Who Sell Out“ nicht das Meisterwerk von The Who. Trotzdem ist diese Scheibe eine nette kleine Platte geworden, die zeigt, wohin es mit dieser Band noch gehen würde. Sowohl der Sound, wie auch die Machart der Lieder sind nicht immer uneingeschränkt den 60ern zuzuweisen, was bewirkt, dass die Platte auch heute noch an einigen Stellen sehr modern wirkt. Auch wenn das Album nicht wirklich überragend ist, Laune macht es und man hört es immer wieder gerne an. Neun Punkte.

Anspieltipps: Tattoo, I Can See For Miles



Donnerstag, 19. März 2015

Judas Priest – British Steel




Judas Priest – British Steel


Besetzung:

Rob Halford – vocals
K. K. Downing – guitar
Glenn Tipton – guitar
Ian Hill – bass guitar
Dave Holland – drums


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Heavy Metal, Hard Rock


Trackliste:

1. Rapid Fire (4:08)
2. Metal Gods (4:00)
3. Breaking The Law (2:35)
4. Grinder (3:58)
5. United (3:35)
6. You Don't Have To Be Old To Be Wise (5:04)
7. Living After Midnight (3:31)
8. The Rage (4:44)
9. Steeler (4:30)


Bonus Track:

10. Red, White & Blue (3:42)
11. Grinder - Live (4:49)

Gesamtspieldauer: 44:41




Nun es gibt ein paar Platten, die sind einfach Klassiker und von denen sollte man als aufgeschlossener Musikfreund schon mal gehört haben. Eine davon ist „British Steel“, die sechste Scheibe der britischen Heavy Metal Combo Judas Priest aus dem Jahr 1980. Meiner Meinung nach befinden sich auch die beiden bekanntesten Stücke der Band auf dem Album, die da wären, das wirklich sehr eingängige „Breaking The Law“ und die Mitgröl-Hymne „United“.

Nun, der Stil auf „British Steel“ ist Heavy Metal pur. Da wird nicht großartig rumgeeiert, da wird von der ersten bis zur letzten Sekunde ordentlich durchgerockt. Einzige Ausnahme bildet dabei Titel Nummer 10 „Red, White & Blue“, eher eine Ballade. Doch diese Nummer ist ein Bonus-Track und war ursprünglich gar nicht auf dem Album vertreten. Inhaltlich beschäftigen sich viele Songs auf „British Steel“ mit Dingen, die die damalige Jugend bewegte. Satanistische Anleihen oder Anspielungen findet man hier nicht mehr.

Man schiebt die CD ein oder legt die Platte auf, dann wird kompromisslos darauf losgerockt. Das macht durchaus Laune, keinerlei Verweichlichungen über eine knappe dreiviertel Stunde, muss man einfach „aushalten“ können. Dabei gehen die Titel auch schnell ins Ohr, lohnen sich und werden durchaus zu längerfristigen Begleitern. Und wer schon mal in einer Hard Rock Disco in die verzückten Gesichter geblickt hat, die beim Titel „United“ von Menschen mit geschlossenen Augen und nach oben gestreckten Armen einfach nur Zufriedenheit widerspiegeln, die oder der weiß, dass diese Nummer und auch diese Musik eine ganze Menge Emotionen freizusetzen versteht.

Fazit: Cooler Heavy Metal, der schon dreieinhalb Jahrzehnte auf dem Buckel hat und immer noch frisch und jung wirkt, genau den bekommt man auf British Steel zu hören. Klar sollte man dabei durchaus ein offenes Ohr für die etwas härteren Töne in der Rockmusik haben, die Melodien bleiben jedoch bei allen Hörern hängen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Breaking The Law, United



Mittwoch, 18. März 2015

The Moody Blues – In Search Of The Lost Chord




The Moody Blues – In Search Of The Lost Chord


Besetzung:

Mike Pinder – vocals, mellotron, piano, harpsichord, acoustic guitar, bass guitar, cello, autoharp, tambura
Ray Thomas – vocals, C flute, alto flute, soprano saxophone, oboe, french horn, tambourine
Justin Hayward – vocals, acoustic guitar, electric guitar, 12-string guitar, sitar, harpsichord, bass guitar, percussion
John Lodge – vocals, bass, acoustic guitar, cello
Graeme Edge  vocals, drums, timpani, tambourine, piano, percussion, tabla, spoken vocal


Label: Decca Records


Erscheinungsdatum: 1968


Stil: ArtPop, ArtRock, Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Departure (0:45)
2. Ride My See-Saw (3:39)
3. Dr. Livingstone, I Presume (2:58)
4. House Of Four Doors (Part 1) (4:13)
5. Legend Of A Mind (6:36)
6. House Of Four Doors (Part 2) (1:47)
7. Voices In The Sky (3:28)
8. The Best Way To Travel (3:14)
9. Visions Of Paradise (4:15)
10. The Actor (4:39)
11. The Word (0:49)
12. Om (5:52)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

13. Simple Game (Justin Hayward Vocal Mix) (3:28)
14. The Best Way To Travel (Additional Vocal Mix) (4:05)
15. Visions Of Paradise (Instrumental Sitar Mix) (4:32)
16. What Am I Doing Here (Alternate Mix) (3:55)
17. The Word (Mellotron Mix) (1:04)
18. Om (Full Version) (6:09)
19. Dr. Livingstone, I Presume (BBC Session - Top Gear 16/7/68) (2:59)
20. The Best Way To Travel (BBC Session - Top Gear 16/7/68) (3:40)
21. A Simple Game (3:44)

Gesamtspieldauer: 1:16:00




Freund der schönen Melodie, was willst Du mehr? Kaufe Dir das dritte Album der Moody Blues mit dem Titel „In Search Of The Lost Chord” aus dem Jahr 1968 und Du wirst begeistert sein. Wahrlich, denn alles auf dieser Scheibe klingt lieblich, manchmal etwas verwunschen, geht jedoch immer ins Ohr. Dies ob der Tatsache, dass den Musikern dieses Mal kein ganzes Orchester mehr zur Seite stand, wie noch beim Vorgänger „Days Of Future Passed“. Nun, was macht man da dann als ambitionierter Musiker? Genau, man lernt eben mal schnell die ganzen Instrumente und spielt sie selbst ein. So geschehen im Falle der Moody Blues auf „In Search Of The Lost Chord”, daher wohl auch der Titel der Scheibe. Unglaublich ist dies allerdings schon ein wenig – jedoch wahr.

Nun, wer auf mellotron-geschwängerte Musik steht, die symphonisch und immer absolut harmonisch und melodiös klingt, die oder der muss dieses Album einfach lieben. So manch einem Musikhörer wird das Ganze dann jedoch auch ein wenig zu süßlich klingen, was ebenfalls nicht weiter verwunderlich wäre, denn man kann wahrlich nicht behaupten, dass die Musik der Moody Blues auf „In Search Of The Lost Chord” mit Ecken und Kanten gespickt wäre. Nein, die Scheibe läuft schön gleichmäßig durch und somit hat jeder Hörer die Chance, aus einer ganzen Reihe eingängiger Nummern seinen Favoriten herauszuhören – oder sich eben gelangweilt abzuwenden.

Auch den Einfluss der Beatles kann man auf „In Search Of The Lost Chord” nachhören, denn der Besuch der vier Liverpooler in Indien bewirkte nun auch, dass die Sitar so einige Auftritte auf dem Album erhält. Aber natürlich gibt es auch jede Menge Mellotron und Querflöte zu hören. Zudem ist die Stimmung der Musik eine Besondere. „Fröhlich“ klingt auf jeden Fall anders. Über den Titeln der Moody Blues schwebt hier eine gewisse Melancholie, eine fast schon greifbare Traurigkeit. Das wiederum macht so manchen Song der Band auf ihrem dritten Album noch ein wenig ergreifender.

Fazit: Der Musik hört man das Entstehungsdatum an, zweifellos. Macht jedoch nichts, wie langweiliger 60ies Pop klingt das nämlich keinesfalls. Auch ist die Scheibe perfekt abgemischt und trotzdem steckt sehr viel Zeitgeist in den einzelnen Titeln, der in der heutigen Zeit so nicht mehr vorhanden ist. Man macht also eine kleine musikalische Zeitreise mit süßen und zum größten Teil unschuldigen Klängen. Mancher mag das vielleicht langweilig finden, andere finden das einfach nur schön. Zehn Punkte.

Anspieltipps: House Of Four Doors (Part 1), Legend Of A Mind



Dienstag, 17. März 2015

Spock’s Beard – Octane




Spock’s Beard – Octane


Besetzung:

Nick D'Virgilio – lead vocals, drums, percussion, loops, electric guitar and acoustic guitar
Alan Morse – guitars, theremin, saw, backing vocals
Ryo Okumoto – keyboards
Dave Meros – bass guitar


Gastmusiker:

John Boegehold – ambience, sounds, voices
Molly Pasutti – voices
Eric Gorfain – violin
Daphne Chen – violin
Leah Katz – viola
Richard Dodd – cello
Gina Ballina – french horn
Johnnie Corno – french horn
Ramon Flores – trumpet


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Melodic Rock, AOR, Mainstream, Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. The Ballet Of The Impact (5:34)
     I. Prelude To The Past 
     II. The Ultimate Quiet 
     III. A Blizzard Of My Memories 
2. I Wouldn't Let It Go (4:53)
3. Surfing Down The Avalanche (3:43)
4. She Is Everything (6:46)
     I. Strange What You Remember 
     II. Words Of Forever 
5. Climbing Up That Hill (3:31)
6. Letting Go (1:52)
7. Of The Beauty Of It All (4:53)
     I. If I Could Paint A Picture 
     II. Into The Great Unknowable
8. NWC (4:16)
9. There Was A Time (4:58)
10. The Planet's Hum (4:42)
11. Watching The Tide (5:07)
12. As Long As We Ride (5:35)


CD2 (Bonus):

1. When She's Gone (5:41)
2. Follow Me To Sleep (5:39)
3. Game Face (4:10)
4. Broken Promise Land (4:45)
5. Listening To The Sky (3:08)
6. Someday I'll Be Found (String Quartet, Flash 2) (1:04)
7. I Was Never Lost (Background Vocals, Flash 2) (1:09)
8. Paint Me A Picture (Pipe Organ Outtake from Flash) (1:32)
9. The Formulation Of Octane (Quicktime Video)

Gesamtspieldauer CD1 (55:55) & CD2 (27:10): 1:23:05




„Octane“ heißt das zweite Spock’s Beard Album nach dem Ausscheiden von Neal Morse. Diese Platte ist gleichzeitig das achte Studio-Album dieser amerikanischen Progressive Rockband. Oder sollte man lieber NeoProg-Band sagen? Oder gar AOR-Mainstream Rockband? Nun ein wenig – manchmal auch ein wenig mehr – geht die Musik von Spock’s Beard nun wahrlich in die Richtung AOR, also Adult Oriented Rock – oder auch Arena-Rock genannt. Allzu häufig findet man hier auf „Octane“ nämlich die Zutaten in der Musik, die man auch bei solch Bands wie Bosten, Foreigner oder Journey findet: Eingängige Melodien, und etwas härtere Gitarren. Genau jene Mischung also, die dem durchschnittlichen, erwachsenen, männlichen US-Amerikaner zusagt. Mit dieser Musik kann man Stadien füllen, deshalb auch Arena-Rock. Stadien füllte Spock’s Beard jedoch nie, dazu war die Musik dann doch schon immer ein wenig zu kompliziert und einen Tick weniger eingängig als die der Kollegen von Boston, Foreigner, Journey und so weiter.

Gut, Spock’s Beard spielen vielleicht noch ein kleines bisschen progressiver als andere Mainstream-Bands. Progressive Rock ist das jedoch auch keineswegs mehr. Wenn Spock’s Beard nicht gar so unbekannt wären bei den „normalen“ Radio-Musikhörern, diese Platte hätte sehr viel Erfolg gehabt. Gespielt wurde sie im Radio jedoch nie oder nur kaum. Wäre sie das geworden, die Band hätte deutlich mehr Fans gefunden, denn eingängig ist dieser Rock durchaus und dazu auch noch intelligent und keineswegs platt. Diese Entwicklung, weg von den Wurzeln der Band, welche ganz eindeutig von Neal Morse gelegt worden waren, war bereits auf „Feel Euphoria“ zu hören gewesen, dem ersten Post-Morse-Album. Trotzdem konnte diese Scheibe noch ein wenig mehr überzeugen, da sie das bessere Songmaterial beinhaltete. Die einzelnen Titel waren noch griffiger und eingängiger. Sicherlich reine Geschmackssache, denn vom Stil her ähneln sich die beiden Platten durchaus. Selbstverständlich tritt auch hier, bei „Octane“ wieder jener Effekt zu Tage, der praktisch allen Spock’s Beard Werken innewohnt: Die Musik wächst mit jedem weiteren Durchlauf, sodass sich die eigenen Favoriten früher oder später ganz klar herauskristallisieren.

Auch bei „Octane“ muss die Special Edition sehr positiv erwähnt werden, da man hier eine zusätzliche CD mitgeliefert bekommt, die insgesamt acht Titel enthält. Dabei stehen diese Nummern den Liedern auf der regulären CD in nichts nach. Und auch wenn es sich bei den letzten Dreien um alternative Versionen handelt, stellen alle Titel seine sehr schöne Ergänzung zum Album dar, die die Platte nochmals lohnenswerter machen.

Fazit: Nochmals einen Schritt in die Richtung „ganz normale Rock Band“ haben Spock’s Beard für mich auf „Octane“ unternommen. Das ist zum größten Teil rockiger Mainstream, der hier zu hören ist, unterfüttert mit ein wenig progressiv Rock. Trotzdem ist „Octane“ ein schönes Album geworden, auf dem Spock’s Beard wieder einige nette Einfälle und schöne Melodien für den Hörer bereithalten. Etwas richtig Besonderes ist Spock’s Beard damit jedoch nicht mehr. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Ballet Of The Impact, When She's Gone



Montag, 16. März 2015

Camel – I Can See Your House From Here




Camel – I Can See Your House From Here


Besetzung:

Andrew Latimer – guitars, flute, autoharp on "Who We Are", backing vocals, lead vocals on "Who We Are", "Hymn To Her" and "Neon Magic"
Colin Bass – bass, backing vocals, lead vocals on "Wait" and "Your Love Is Stranger Than Mine"
Kit Watkins – hammond c3 organ, solina synthesizer, yamaha electric grand piano, rhodes piano, moog synthesizer, minimoog, clavinet, prophet-5, yamaha cs80, ems sequencer, flute
Jan Schelhaas – yamaha cs80, yamaha electric grand piano, grand piano, prophet-5, moog synthesizer, minimoog, ems sequencer
Andy Ward – drums, percussion


Gastmusiker:

Mel Collins – alto saxophone on "Your Love Is Stranger Than Mine"
Phil Collins – percussion
Rupert Hine – backing vocals
Simon Jeffes – orchestral arrangements on "Who We Are" and "Survival"


Label: Gama Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Progressive Rock, Pop, Mainstream


Trackliste:

1. Wait (5:03)
2. Your Love Is Stranger Than Mine (3:26)
3. Eye Of The Storm (3:52)
4. Who We Are (7:52)
5. Survival (1:12)
6. Hymn To Her (5:37)
7. Neon Magic (4:39)
8. Remote Romance (4:08)
9. Ice (10:18)

Gesamtspieldauer: 46:11




Es gibt so Platten, die kannst Du ewig hören und Du weißt genau: „Das wird niemals was werden mit uns beiden“. Das wiederum ist selbstverständlich bei Musik, die so gar nicht in das eigene Raster zu passen scheint, die den eigenen Musikgeschmack eben überhaupt nicht trifft. Dann gibt es jedoch auch Alben von Bands, die im Grunde genommen sehr wohl den eigenen Vorlieben entsprechen oder diese zumindest jedoch tangieren – trotzdem gibt es keine Chance mit der Platte warm zu werden.

Eine solche Scheibe ist das siebte Studioalbum von Camel aus dem Jahr 1979 mit dem Titel „I Can See Your House From Here”. Vor ein paar Jahren hatte diese Band noch ganz netten Progressive Rock auf Platte gepresst und jetzt, Ende der 70er Jahre, schwamm sie ebenfalls mit auf dieser vermaledeiten Pop-Welle, die alles noch einfacher und eingängiger machen wollte. Gut, da gibt es noch jede Menge andere Beispiele von Bands und so war das damals nun mal eben, jedoch wirken die Camel-Scheiben aus dieser Epoche irgendwie besonders belanglos und auch planlos.

Das darf jetzt noch nicht mal falsch verstanden werden, denn richtig schlecht ist „I Can See Your House From Here“ im Grunde genommen nicht. Es ist nur ewig langweilig. Extrem langweilig. Kommt dann mal eine Melodie oder ein Abschnitt auf, der durchaus gefallen könnte, dann wechselt die Richtung ganz schnell wieder in die Belanglosigkeit. So sammeln sich auf diesem Album jede Menge kleine Pop-Liedchen, doch am Ende soll es vielleicht nochmal so etwas wie eine Versöhnung mit den „guten alten Zeiten“ geben. Da bekommt der Hörer mit „Ice“ dann sogar einen instrumentalen Longtrack serviert, der vielleicht ein klein wenig in die Richtung des Progressive Rock driftet, jedoch wirklich nur ein klein wenig. Dabei beinhaltet auch diese Nummer jede Menge Langeweile und nur manchmal das, was man immer in der Musik zu finden erhofft: Begeisternde Momente, die einem das Leben auf irgendeine Art und Weise versüßen.

Fazit: „I Can See Your House From Here“ war für mich auch die letzte Platte gewesen, die ich mir von Camel besorgt hatte. Alles was danach kam, kenne ich nicht mehr und es interessierte mich auch nicht mehr. Die Musik ist so ultra-nichtssagend, dass es irgendwie langweilt, die Zeit damit zu verbringen, anstatt sich richtig gute Sachen anzuhören. Trotzdem ist das objektiv betrachtet sicherlich kein ganz schlechtes Album, nur weil es meinen Musikgeschmack eben nicht mehr trifft. Leute, die gerne das hören, was so im Radio läuft, denen wird diese Scheibe sicherlich nicht negativ auffallen, für mich ist da aber nur noch wenig. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Survival



Sonntag, 15. März 2015

Jethro Tull – The Broadsword And The Beast




Jethro Tull – The Broadsword And The Beast


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, flute, fairlight cmi, acoustic guitar
Martin Barre – electric & acoustic guitars
Peter Vettese – keyboards, piano, synthesizer, vocals
Dave Pegg – bass guitar, mandolin, vocals
Gerry Conway – drums and percussion


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Art Rock, Folk Rock


Trackliste:

1. Beastie (4:00)
2. Clasp (4:18)
3. Fallen On Hard Times (3:13)
4. Flying Colours (4:39)
5. Slow Marching Band (3:39)
6. Broadsword (5:03)
7. Pussy Willow (3:55)
8. Watching Me Watching You (3:41)
9. Seal Driver (5:10)
10. Cheerio (1:16)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung aus dem Jahr 2005:

11. Jack Frost And The Hooded Crow (3:22)
12. Jack A Lynn (4:40)
13. Mayhem Maybe (3:06)
14. Too Many Too (3:28)
15. Overhang (4:29)
16. Rhythm In Gold (3:08)
17. I'm Your Gun (3:19)
18. Down At The End Of Your Road (3:31)

Gesamtspieldauer: 1:08:05




Nachdem Jethro Tull auf ihrem letzten Album einigermaßen synthetisch – aber trotzdem gut – klangen, so legte Ian Anderson mit „The Broadsword And The Beast“ wieder einen Gang zurück ein, denn dieses vierzehnte Album von Jethro Tull aus dem Jahr 1982 klingt wieder sehr viel mehr nach Folk, als nach Pop.

Erneut hatte es auch wieder Veränderungen in der Besetzung gegeben. Am Schlagzeug saß nun Gerry Conway und mit Peter Vettese bekam Jethro Tull auch wieder einen festen Keyboarder. Die Musik lehnt sich, wie bereits erwähnt, eher an die Folk Phase der Band an. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass auf „The Broadsword And The Beast“ nicht auch gerockt wird. Eines Besseren belehrt den Hörer da gleich der erste Titel „Beastie“, der durchaus rockig aus den Boxen quillt. Immer wieder wird das Tempo auf dem Album mal ein wenig angezogen, ohne jedoch in die ganz harte Ecke des Rocks abzudriften.

Dazu gesellen sich selbstverständlich, wie im Grund genommen immer bei Jethro Tull, tolle Melodien und eingängige Harmonien, die durchaus das Potential haben, sehr viel länger im Ohr des Hörers zu verweilen, als nur für diesen Augenblick des Abspielens. Dazu muss man bedenken, dass genau zu jener Zeit, Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts, der Synthie-Pop in aller Munde beziehungsweise in aller Ohr war. Auch hier, auf „The Broadsword And The Beast“, gibt es den ein oder anderen Ton, der in diese Richtung tendiert, jedoch ist dieser dann meisterlich verpackt, sodass es niemals oberflächlich klingt. Zudem wird das Keyboard immer flankiert von analogen Instrumenten, die das Album dadurch sehr viel geerdeter wirken lassen. Übrigens steht die Querflöte bei diesen weiteren Instrumenten gar nicht mal so sehr im Mittelpunkt, sondern spielt auf „The Broadsword And The Beast“ eher in einer für Jethro Tull ungewohnten Nebenrolle.

Die remasterte Version des Albums weist dazu noch sage und schreibe acht weitere Titel auf, die ebenfalls alle in der Zeit Anfang der 80er Jahre entstanden. So wünscht man sich Bonustitel, denn auch diese besitzen durchaus Qualität und runden das gute Bild dieses Album noch einmal ab.

Fazit: Sicherlich nicht das beste Jethro Tull Album, da die Titel zwar gut, jedoch nicht unbedingt außergewöhnlich sind, wahrlich jedoch keine schlechte Scheibe. Ian Anderson und seine Mitmusiker haben es schon immer raus gehabt, wunderschöne Melodien zu kreieren, die einfach Spaß machen, gefallen können und auch hängenbleiben. Ausfälle gibt es auf „The Broadsword And The Beast“ ebenfalls keine zu beklagen, alles besitzt Qualität, sodass allen, die auf gut gemachten, nicht allzu lauten Rock stehen, der eindeutig nach Jethro Tull klingt, dieses Album rundherum empfohlen werden kann. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Fallen On Hard Times, Broadsword



Samstag, 14. März 2015

Yes – Magnification




Yes – Magnification


Besetzung:

Jon Anderson – lead vocals, midi guitar, acoustic guitar
Chris Squire – bass guitars, backing vocals, lead vocals
Steve Howe – acoustic & electric guitars, pedal steel guitar, mandolin, backing vocals
Alan White – drums, percussion, piano, backing vocals


Label: Eagle Records


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: ArtPop, Symphonoc Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Magnification (7:15)
2. Spirit Of Survival (6:01)
3. Don't Go (4:26)
4. Give Love Each Day (7:43)
5. Can You Imagine (2:58)
6. We Agree (6:30)
7. Soft As A Dove (2:17)
8. Dreamtime (10:45)
9. In The Presence Of (10:24)
     I. Deeper
     II. Death Of Ego
     III. True Beginner
     IV. Turn Around And Remember
10. Time Is Time (2:08)

Gesamtspieldauer: 1:00:32




Nachdem Gitarrist Billy Sherwood und Keyboarder Igor Khoroshev die Band verlassen hatten und Rick Wakeman nicht zu einer Rückkehr zu bewegen war, beschlossen die verbliebenen Mitglieder Jon Anderson, Chris Squire, Steve Howe und Alan White auf Steve Howe’s Vorschlag hin, die Rolle der Tasteninstrumente nun von einem ganzen Orchester übernehmen zu lassen. Larry Groupé, ein Komponist für Filmmusik wurde engagiert, um die passenden Parts in und um die einzelnen Lieder herum zu komponieren und auch mit dem Orchester einzuspielen. Herausgekommen ist das neunzehnte Studioalbum von Yes mit dem Titel „Magnification“.

Nie wieder davor noch danach, klangen Yes symphonischer, als auf „Magnification“. Natürlich driftet die Musik dabei auch ein wenig in Richtung Pop ab, was mitunter sogar ein wenig schwülstig klingen kann. Beispielhaft dafür steht so ein Titel wie „Give Love Each Day“. Die Nummer ist durchaus melodiös und sehr eingängig aber so etwas von schwülstig, dass man das kaum in Worte zu fassen imstande ist. Und wenn dann am Ende Jon Anderson noch sein „Give Love Each Day“ immer und immer wieder ins Mikrophon singt, dann benötigt man da schon starke Nerven.

Trotzdem ist „Magnification“ ein gutes Album geworden. Alles klingt und wirkt auf der Scheibe. Yes sind hier so etwas von eingängig wie kaum einmal zuvor. Tatsächlich klingt das Ganze mitunter auch mal nach Filmmusik, kein Wunder, wenn man entsprechenden Dirigent engagiert. Trotzdem hat das was, alles wirkt sehr spannend und ist beseelt von tollen Melodien, die sofort ins Ohr gehen. Natürlich hat diese Musik auch nur noch wenig mit den Anfängen in den 70er Jahren zu tun, jedoch deutlich mehr, als mit der Pop-Ära der 80er Jahre. Solch eine Nummer wie „Dreamtime“ kann durchaus melancholisch bis sentimentale Gefühle beim Hörer hervorrufen. Und ersetzt man hier gedanklich das Orchester durch das Keyboard, dann ist man auch gar nicht mehr so weiter entfernt von der Zeit, als Yes noch einer der Bannerhalter des Progressive Rock waren.

Fazit: Nach „Open Your Eyes” wurde mit „The Ladder” ein erster Schritt in die Richtung getan. Der zweite Schritt folgte mit „Magnification“, einem Album, welches durchaus zu überzeugen weiß – zumindest mich. Wer auf symphonischen Rock steht, die oder der kann dieser Scheibe mit Sicherheit sehr viel abgewinnen. Jedoch dürften auch einige Yes-Fans versöhnt werden, die die 80er und 90er Jahre der Band am liebsten völlig ausblenden würden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Dreamtime, In The Presence Of



Freitag, 13. März 2015

Gentle Giant – Civilian




Gentle Giant – Civilian


Besetzung:

Gary Green – electric guitars
Kerry Minnear – synthesizers, electric piano, hammond organ, Clavinet, piano, lead vocals
Derek Shulman – lead vocals
Ray Shulman – bass, acoustic guitar, backing vocals
John Weathers – drums, tambourine, varispeed cymbals, percussion, backing vocals


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Convenience (Clean And Easy) (3:12)
2. All Through The Night (4:20)
3. Shadows On The Street (3:17)
4. Number One (4:44)
5. Underground (3:47)
6. I Am A Camera (3:29)
7. Inside Out (5:50)
8. It's Not Imagination (3:57)

Gesamtspielzeit: 32:55



Mit ihrem elften und letzten Album mit dem Titel „Civilian“ waren Gentle Giant endgültig „normal“ geworden. Nichts war mehr übrig, von diesem einst sehr innovativen Progressive Rock, der sicherlich nicht für Jedermanns Ohren gedacht war. Die Band war auf dem Boden des ganz normalen Rocks angekommen.

„Civilian“ wurde 1980 veröffentlicht und wenn man sich dann überlegt, welche Musik man zu dieser Zeit noch hören konnte beziehungsweise, was zur damaligen Zeit aktuell war, so muss man Gentle Giant sogar zugestehen, dass sie es noch einigermaßen hinbekommen haben. „Civilian“ ist sicherlich kein aufregendes Album geworden. Alle klingt irgendwie „normal“, das ist für Gentle Giant wahrlich ein kaum gebrachtes Adjektiv. Denn normal oder gar 08/15 war diese Band selten. Jetzt ist sie es, damit war auch das Ende von Gentle Giant besiegelt. Aber es gibt hier für den „ganz normalen“ Rockkonsumenten durchaus ein paar schöne Titel. Allen voran ist da die wahrlich schöne Nummer „Shadows On The Street”. Ein Lied, welches ins Ohr geht.

Nun, der Rest ist echt gewöhnlich, da findet jeder mal was, was sie oder er mehr mag oder eben genau das Gegenteil. Das ist auch alles keineswegs mehr aufregend oder in irgendeiner Art und Weise etwas Besonderes, Gentle Giant machen jetzt eben Rock, wie tausend andere Bands auch.

Fazit: Wirklich seltsam, wie eine Band innerhalb fast schon weniger Monate ihren Stil so dermaßen verändern konnte. Gentle Giant waren für mich am Anfang am Spannendsten. Dann wurde es auch mir manchmal zu abgefahren. Gegen Ende wurden Gentle Giant dann  irgendwie austauschbar, machten Rock-Musik, die andere etwas besser konnten. Trotzdem ist „Cicilian“ ein versöhnlicher Abschluss geworden, da mancher Titel wahrlich wirkt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Shadows On The Street