Freitag, 5. Juni 2015

Pete Townshend – Empty Glass




Pete Townshend – Empty Glass


Besetzung:

Pete Townshend – vocals, guitars, synthesizers

Gastmusiker:

John "Rabbit" Bundrick – "straight" keyboards
Simon Phillips – drums
James Asher – drums
Kenney Jones – drums
Mark Brzezicki – drums
Tony Butler – bass guitar
Raphael Rudd – brass arrangements on "Rough Boys"
Peter Hope-Evans – harmonica on "Cat's In The Cupboard"


Label: ATCO Records


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Rock


Trackliste:

1. Rough Boys (4:03)
2. I Am An Animal (3:48)
3. And I Moved (3:23)
4. Let My Love Open The Door (2:45)
5. Jools And Jim (2:35)
6. Keep On Working (3:23)
7. Cat's In The Cupboard (3:33)
8. A Little Is Enough (4:43)
9. Empty Glass (5:23)
10. Gonna Get Ya (6:25)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

11. I Am An Animal (Demo Alternate Vocal Version) (3:48)
12. Keep On Working (Demo Alternate Vocal Version) (3:32)
13. And I Moved (Demo Alternate Vocal Version) (3:05)
14. Gonna Get Ya (Work-in-Progress Long Version) (11:23)

Gesamtspieldauer: 1:01:55




Manche Musiker schaffen es einfach, sogar über Jahrzehnte hinweg, tolle Musik zu erschaffen. Einer dieser Musiker ist zweifelsohne Pete Townsend, der nicht nur mit The Who viele wunderschöne Scheiben veröffentlichte, sondern auch auf seinen Solo-Pfaden bewies, dass er das Gespür für die geniale Melodie besitzt, die das Ohr des Hörers umschmeichelt und sich festsetzt.

Nicht anders ist es auf „Empty Glass“, seinem zweiten Soloalbum aus dem Jahr 1980. Zehn Titel befinden sich darauf, welche Rock-Musik, mit einem manchmal durchaus vorhandenen Pop-Touch beinhalten. Jeder dieser zehn Titel geht dabei ziemlich schnell ins Ohr. Egal, ob Pete Townshend ordentlich rockt oder immer wieder mal auch ganz weich wirkt, wie zum Beispiel bei „I Am An Animal“ oder abschnittsweise auch im Titeltrack „Empty Glass“. Völlig zerbrechlich klingt dann die Stimme des Pete Townshend und transportiert dabei jede Menge Gefühl.

Ich kann auf dieser Scheibe keinen Ausfall erkennen. Alles hat seine Qualität und geht ziemlich schnell ins Ohr. Ganz im Gegenteil sogar, im Grunde genommen gibt es  jede Menge Höhepunkte auf „Empty Glass“ zu hören. Welche das sind, bleibt natürlich wieder jeder beziehungsweise jedem Hörer selbst überlassen, meine Favoriten habe ich unten bei den Anspieltipps hinterlegt. „Empty Glass“ unterscheidet sich übrigens durchaus von einem The Who Album. Die Lieder sind poppiger, als bei seiner Band. Dazu wird dem Synthesizer ein noch größeres Spielfeld eingeräumt und auch das Piano spielt eine deutlichgewichtigere Rolle, als noch bei den Who.

Auf der remasterten Fassung des Albums gibt es schließlich noch vier Zugaben. Drei davon sind alternative Gesangsversionen. Ganz nett, jedoch ist der Unterschied nicht gerade gravierend. Sehr viel interessanter ist da dann schon die über elfminütige „Gonna Get Ya“-Variante. Allerdings nur deshalb lohnt ein weiterer Kauf des Albums nicht, wenn man dies schon sein Eigen nennt.

Fazit: Auf „Empty Glass“ hört man einen „anderen“ Pete Townshend. Einen der weniger rockt, bei dem noch mehr die ruhigeren Momente der Musik im Vordergrund zu stehen scheinen, obwohl „Empty Glass“ alles andere als ein Soft-Pop Album darstellt. Vielmehr ist es vollgestopft mit netten und schönen und melodiösen Titeln, die sich wahrlich lohnen gehört zu werden. Elf Punkte.

Anspieltipps: I Am An Animal, And I Moved, Keep On Working, Empty Glass



Donnerstag, 4. Juni 2015

Emerson, Lake & Palmer – Trilogy




Emerson, Lake & Palmer – Trilogy


Besetzung:

Greg Lake – vocals, electric & acoustic guitars, bass guitar
Keith Emerson – hammond organ c3, steinway piano, moog synthesizer III-c, mini-moog model d, zoukra
Carl Palmer – drums, percussion


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Endless Enigma, Part One (6:42)
2. Fugue (1:57)
3. The Endless Enigma, Part Two (2:03)
4. From the Beginning (4:16)
5. The Sheriff (3:22)
6. Hoedown (3:47)
7. Trilogy (8:54)
8. Living Sin (3:13)
9. Abaddon's Bolero (8:10)


Bonus Track der remasterten Albumfassung:

10. Hoedown (Live) (4:06)

Gesamtspiedauer: 46:34




„Trilogy“ heißt das dritte Studio-Album von Emerson, Lake & Palmer und wurde im Juli 1972 veröffentlicht. Gleichzeitig ist diese Scheibe auch die Lieblingsplatte Greg Lakes geworden, wie er einmal in einem Interview zum Ausdruck brachte. Nun, „Trilogy“ bringt alles mit, was ein Album mit progressiver Rockmusik ausmacht und abwechslungsreich ist diese Scheibe auf jeden Fall geworden.

Die Platte beginnt mit dem dreiteiligen „The Endless Enigma“, bestehend aus „The Endless Enigma Part1“, „Fuge“ und „The Endless Enigma Part 2“. „The Endless Enigma“, übersetzt „Das endlose Rätsel“, ist ein surreales Bild von Salvador Dali aus dem Jahr 1938, welches auf „Trilogy“ eine musikalische Umsetzung finden sollte. Und die ist wahrlich gelungen. Jede oder jeder, die oder der mal hören möchte, wie Progressive Rock funktioniert, der beziehungsweise dem seien diese drei Titel am Anfang von „Trilogy“ empfohlen. Die Nummern weisen all jenes auf, was dieses Musikgenre so interessant und spannend macht. Wunderschöne Melodien, seltsame Takte und noch seltsamere Töne und dann auch wieder Abschnitte, die fast schon atonal klingen.

Es folgt mit „From The Beginning“ eine schöne und sanfte Nummer, hauptsächlich von Gerg Lakes akustischer Gitarre dominiert. Dazu gesellt sich sein überzeugender Gesang und fertig ist sie, die sanfte Ballade. „The Sheriff“, im Anschluss daran, fängt noch ganz interessant mit einem Orgellauf des Keith Emerson an, wird dann aber zu einem Lied, was seinem Titel alle Ehre macht. Klingt ein wenig kitschig und kann wohl nur als kleine Spielerei aufgefasst werden, vor allem wenn sich die Nummer dem Ende zuneigt. „Hoedown", ist schließlich eine, im Stile Emerson, Lake & Palmers, umarrangierte Aaron Copland Nummer. Sehr orgellastig und daraus auch seine Spannung beziehend.

Es folgt der Titeltrack „Trilogy“. Was ich am Anfang über „The Endless Enigma“ schrieb, das passt auch hier. Das ist Progressive Rock in Reinkultur. Zunächst dominieren Gesang und Piano, alles wirkt sehr melodisch, ist überaus eingängig. Dann folgt eine Art jazziger Pianosolo-Abschnitt, um schließlich in einen treibenden und rockigen Part überzugehen. Allzu melodiös klingt es jetzt nicht mehr, wenn Keith Emerson dem Synthesizer auch jede Menge sehr dissonante Klänge entlockt. Hier werden nun auch viele Hörer „gemäßigter“ Rock-Musik aussteigen. Das klingt zugegebenermaßen mitunter sehr verwirrend und atonal. Die Perkussion des Carl Palmer gibt die Geschwindigkeit vor und Keith Emerson scheint das zu spielen, was ihm gerade, in diesem Moment der Aufnahme durch den Kopf geht. Macht er allerdings sicherlich nicht, das ist alles sehr wohl überlegt und geplant.

„Living Sin“ ist ebenfalls überaus atonal, zudem ist hier Greg Lake auch mit zum Teil sehr tiefer, völlig ungewohnter Stimme zu hören. Für mich neben dem „Scheriff-Lied“ der Ausfall der Platte. Das ursprüngliche Album läuft aus mit „Abaddon's Bolero“. Wie der Name schon sagt, einem sich langsam steigernden Bolero. Und wie sich dieser Titel steigert. Immer dichter und voller wird der Sound, alles scheint auf einen ganz bestimmten Punkt hinzulaufen, alle Instrumente sich auf diesen Höhepunkt zu fokussieren und schließlich zu kumulieren. Und ganz zum Schluss hin, wie sollte es auch anders sein bei Emerson, Lake & Palmer, wird es auch wieder ein wenig schräg.

Der remasterten Albumfassung ist dann noch eine Live-Version von „Hoedown“ hinzugefügt worden. Ganz nett, jedoch mit Sicherheit kein Grund, sich deswegen diese CD-Ausgabe zulegen zu müssen.

Fazit: Von allen, mir bekannten Progressive Rockbands, machen für mich Emerson, Lake & Palmer die am schwersten zugängliche Musik. Mit einem Mal des Hörens ist da schon mal gar nichts anzufangen. Für diese Musik bracht man jede Menge Durchläufe – und trotzdem erschließt sich einem keinesfalls alles, zumindest mir nicht, bei andern mag das durchaus so sein. Nun, „Trilogy“ ist ein sehr typisches Album für die frühe Phase der Band geworden, vielleicht nur einen Ticken weniger experimentell. Also es gibt sie auch hier, die schönen und melodischen, wie die eher atonalen und dissonanten Abschnitte in der Musik. Die drei Musiker sind bestens aufeinander abgestimmt und verstehen ihr Geschäft, beziehungsweise beherrschen ihre Instrumente. Das haben sie auf „Trilogy“ sogar so gut gemacht, dass es ihnen nicht mehr möglich war, dieses Album auch live auf die Bühne zu bringen. Die Ausnahme stellt hier nur jener, auch auf diesem Album als Bonus-Track vorhandener Titel „Hoedown“ dar. Ganz bestimmt nicht einfach diese Musik, weder für die Musiker, noch für die Hörer – aber allemal gut. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Endless Enigma Part One, Fugue, The Endless Enigma Part Two



Mittwoch, 3. Juni 2015

Michael Jackson – Thriller




Michael Jackson – Thriller


Besetzung:

Michael Jackson – lead and background vocals, drum case beater, bathroom stomp board, vocal, drum, horn and string arrangement


Gastmusiker:

Brian Banks – keyboards, synthesizers, programming
Michael Boddicker – keyboards, synthesizers
N'dugu Chancler – drums
Paulinho da Costa – percussion
David Foster – keyboards, synthesizers
Gary Grant – trumpet and flügelhorn
Eddie Van Halen – guitar solo on "Beat It"
Jerry Hey – trumpet and flügelhorn
Paul Jackson – guitar
Louis Johnson – bass guitar
Steve Lukather – guitar, bass guitar
Anthony Marinelli – synthesizer programming
Paul McCartney – vocals on "The Girl Is Mine"
David Paich – keyboards, synthesizers, programming
Dean Parks – guitar
Greg Phillinganes – keyboards, synthesizers, programming
Jeff Porcaro – drums, horn and string arrangements
Steve Porcaro – keyboards, synthesizers, programming
Vincent Price – voice-over on "Thriller"
Bill Reichenbach – trombone
Chris Shepard – vibraslap on "Beat It"
Rod Temperton – keyboards, synthesizers
David Williams – guitar
Larry Williams – saxophone and flute
Bill Wolfer – keyboards, synthesizers
La Toya Jackson – background vocals on "PYT"
Janet Jackson – background vocals on "PYT"
Greg Smith – synthesizers


Label: Epic Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Funk, Disco, Pop, Rock


Trackliste:

1. Wanna Be Startin' Somethin' (6:03)
2. Baby Be Mine (4:20)
3. The Girl Is Mine (3:42)
4. Thriller (5:57)
5. Beat It (4:17)
6. Billie Jean (4:53)
7. Human Nature (4:05)
8. P.Y.T. (Pretty Young Thing) (3:58)
9. The Lady In My Life (4:58)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

10. Quincy Jones Interview #1 (2:18)
11. Someone In The Dark (4:48)
12. Quincy Jones Interview #2 (2:04)
13. Billie Jean (Home Demo From 1981) (2:20)
14. Quincy Jones Interview #3 (3:10)
15. Rod Temperton Interview #1 (4:02)
16. Quincy Jones Interview #4 (1:32)
17. Voice-Over Session From Thriller (2:52)
18. Rod Temperton Interview #2 (1:56)
19. Quincy Jones Interview #5 (2:01)
20. Carousel (1:49)
21. Quincy Jones Interview #6 (1:17)

Gesamtspieldauer: 1:12:33




Nun, ich sammele Musik, kaufe mir sehr regelmäßig CD’s und lade auch nichts runter, da ich es liebe die Plattenhülle oder zumindest das CD-Booklet genauer studieren zu können, während ich mir die dazugehörige Musik reinziehe. Dabei kommt es auch durchaus vor, dass ich mir Musik kaufe, bei der ich schon im Vorhinein weiß, dass diese ein „Beißer“ für mich wird, da diese so gar nicht in meinen Musikgeschmack zu passen scheint. Nicht viel anders ist das auch bei „Thriller“ von Michael Jackson abgelaufen. Allerdings das Album, welches weltweit am häufigsten über die Ladetheke ging, dieses Album sollte man schon mal vollständig gehört haben, um wenigstens mitreden zu können und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Okay, ich kannte drei Stücke von der Scheibe, die wohl fast jeder Musikhörer weltweit kennt. Das wären der Titelsong „Thriller“, „Beat It“ und „Bille Jean“. Mag sein, dass ich auch schon mal „The Girl Is Mine“, ein Duett von Michael Jackson mit Paul McCartney gehört hatte, jedoch scheint mein Gehirn bei solch kitschigem Mist eine Löschfunktion zu haben, die automatisch derartige Musik sofort wieder aus allen Speichern löscht. Die Lieder, die ich kannte, sind die etwas rockigeren der Scheibe. „Thriller“ ist okay, rockiger Funk oder funkiger Rock, wie man das auch nennen möchte. Aber die Nummer hat was, ist hörenswert. Noch sehr viel besser klingt allerdings „Beat It“. Eine richtige Rock-Nummer, die groovt. Kein Funk mehr, Eddie Van Halen steuert ein tolles Gitarrensolo bei und das Stück klingt rund und sehr überzeugend. „Billie Jean“ ist daran anschließend durchaus wieder mit etwas Funk beseelt und stellt für mich den absoluten Höhepunkt der Scheibe dar. Auch hier kommt der rockige Aspekt nicht zu kurz, dazu gesellt sich eine Melodie mit Ohrwurmcharakter, die gepaart mit der Perkussion einfach hängenbleiben muss. Wahrlich gut und überzeugend.

Nun, können diese drei Lieder allerdings bewirken, dass „Thriller“ das meistverkaufte Album aller Zeiten, vor Pink Floyd’s „The Dark Side Of The Moon“ wurde? Sicherlich nicht, es fehlen ja noch sechs Lieder, die das bewirkt haben müssen. Eines davon „The Girl Is Mine“ habe ich bereits oben erwähnt. Furchtbar. Doch leider ist das der Normalfall für meine Ohren. Die anderen fünf Titel klingen alle genauso grauenvoll. Das ist alles so schleimig, dass ich selbst auf dem Sofa sitzend das Gefühl habe, gleich abzurutschen. Im Auto kann ich das gar nicht hören, Glatteisgefahr selbst im Juni. Aber bevor sich jetzt wieder manche aufregen, wie ich denn so über diese Musik hier urteilen kann, über dieses „Jahrhundert-Album“, sei all diesen Menschen gesagt, dass ich mich wirklich bemüht habe. Oftmals habe ich mir diese Musik reingezogen, aber ich bekomme einfach keinerlei Zugang zu diesem süßlichen Gesummse. Entschuldigung also, aber ich bin in Sachen der Musik garantiert nicht objektiv. Ich kann immer nur darüber schreiben, wie es mir gefällt und dieser Disco-Funk ist unfassbar gewöhnungsbedürftig für meine Ohren. Und ich kann es auch überhaupt nicht verstehen, wie einem solch ein Lied wie „The Lady In My Life“ gefallen kann. Unvorstellbar, absolut.

Fazit: Das erfolgreichste Album aller Zeiten gefällt mir nicht. So ein Mist. Muss aber nichts heißen, denn wenn man Funk- und Disco-Klänge zu schätzen weiß, dann wird das die- oder derjenige garantiert völlig anders sehen. Etwas Neues hat Michael Jackson hier für mich jedoch auch nicht geschaffen, deswegen überrascht mich der Hype um dieses Album ehrlich. Nun, solch süßlicher Funk ist nicht mein Ding und da fällt mir ein, dass ich bald auch noch meine Earth, Wind & Fire Scheibe bewerten muss. Mir läuft es eiskalt den Rücken hinunter. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Beat It, Billie Jean



Dienstag, 2. Juni 2015

Herman van Veen – Signale




Herman van Veen – Signale


Besetzung:

Herman van Veen – Gesang, Geige


Gastmusiker:

Erik van der Wurff – Klavier
Ernst van Tiel – Schlagzeug
Joop de Man – Bass
Chris Lookers – Gitarre
Dick Vennik – Saxophon
Harry Mooten – Akkordeon


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Liedermacher


Trackliste:

1. Signale (6:49)
2. Und wenn die ganze Erde bebt (3:34)
3. Warum gerade ich? (4:30)
4. Die Bombe fällt nie (3:01)
5. Mietvertrag (3:15)
6. Wer? (3:13)
7. Edith Piaf (5:06)
8. Hand in Hand (3:50)
9. Die Reichen (2:26)
10. Und er geht und er singt (3:32)

Gesamtspieldauer: 39:20




Auch auf „Signale“, seinem neunten Album, welches im Jahr 1984 erschien, erzählt Herman van Veen wieder seine Geschichten. Geschichten zum Nachdenken, Geschichten voller Ironie, Geschichten mit einem Blinzeln in den Augen und manchmal auch Geschichten, bei denen man den leichter erhobenen Zeigefinger genau zu sehen scheint, obwohl er gar nicht so offensichtlich vorhanden ist.

Verpackt sind diese Geschichten in kleine musikalische Geschenke. Diese klingen oftmals sehr zart und zerbrechlich, lassen der Hörerin beziehungsweise dem Hörer dabei sehr viel Raum zum Atmen und driften nur selten in die poppige Richtung ab. Alles wirkt so weich und zart, unterstreicht malerisch die Botschaften, die Herman van Veen in seinen Erzählungen transportiert. Manchmal wird diese Atmosphäre jedoch auch ein klein wenig überzogen. Wenn das Tremolo in der Stimme des Niederländers noch einen Überschlag mehr vollführt und wenn einem gleichzeitig klar wird, was man alles im Leben bereits falsch gemacht hat, indem man eben nichts gemacht hat.

Nichtsdestotrotz macht „Signale“ durchaus Spaß, was nicht zuletzt auch an der Gabe des Niederländers liegt, wahrlich tolle Melodien zu kreieren, die sofort ins Ohr gehen und die man auch so schnell nicht mehr vergisst. Vieles, was Herman van Veen hier auf seinem Album den Hörern präsentiert ist sehr einprägsam, sowohl textlich als auch musikalisch.

Fazit: Nun, dieses Album hinterlässt ganz sicher Spuren bei der Hörerin oder beim Hörer. Allerdings wirkt es mir manches Mal zu pessimistisch, zu besorgt, zu negativ. Es gibt so viele schöne Dinge um uns herum, aber vielleicht war das Herman van Veen zu langweilig, gerade über diese Dinge zu singen. Über Trauriges wie Gleichgültigkeit, tödliche Krankheiten, Abstumpfung, Entführungen und so weiter kann Herman van Veen jedoch trefflich und sehr bewegend singen. Von daher lohnt auch diese Scheibe, wenn einem mal nach Traurigkeit zumute ist. Da viele der hier vorhandenen Melodien ebenfalls lohnens- und hörenswert sind, ist diese Scheibe für Freunde der Liedermacher-Szene durchaus zu empfehlen. Neun Punkte.

Anspieltipps: Signale, Und wenn die ganze Erde bebt


Montag, 1. Juni 2015

The Smashing Pumpkins – Mellon Collie And The Infinite Sadness




The Smashing Pumpkins – Mellon Collie And The Infinite Sadness


Besetzung:

Jimmy Chamberlin – drums, vocals on "Farewell And Goodnight"
Billy Corgan – lead vocals, lead guitar, piano, mellotron, string arrangement on "Tonight, Tonight"
James Iha – rhythm guitar, backing vocals
D'Arcy Wretzky – bass guitar, vocals on "Beautiful" and "Farewell And Goodnight"


Gastmusiker:

Chicago Symphony Orchestra – orchestra in "Tonight, Tonight"
Greg Leisz – pedal and lap steel guitar on "Take Me Down"


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

CD1:

1. Mellon Collie And The Infinite Sadness (2:52)
2. Tonight, Tonight (4:14)
3. Jellybelly (3:01)
4. Zero (2:40)
5. Here Is No Why (3:44)
6. Bullet With Butterfly Wings (4:18)
7. To Forgive (4:16)
8. An Ode To No One (4:51)
9. Love (4:21)
10. Cupid De Locke (2:50)
11. Galapogos (4:46)
12. Muzzle (3:44)
13. Porcelina Of The Vast Oceans (9:21)
14. Take Me Down (2:52)


CD2:

1. Where Boys Fear To Tread (4:23)
2. Bodies (4:12)
3. Thirty-Three (4:10)
4. In The Arms Of Sleep (4:12)
5. 1979 (4:26)
6. Tales Of A Scorched Earth (3:45)
7. Thru The Eyes Of Ruby (7:38)
8. Stumbleine (2:54)
9. X.Y.U. (7:07)
10. We Only Come Out At Night (4:05)
11. Beautiful (4:18)
12. Lily (My One And Only) (3:31)
13. By Starlight (4:48)
14. Farewell And Goodnight (4:22)

Gesamtspieldauer: 2:01:53




„Mellon Collie And The Infinite Sadness“ heißt das dritte Album der US-amerikanischen Alternative Rock Band The Smashing Pumpkins. Und diese Platte ist durchaus etwas Besonderes geworden, nicht nur deshalb, weil es sich hier um ein Doppelalbum handelt. Es ist die Musik, die ein sehr weites Spektrum der Rock-Musik abdeckt. Was gibt es auf „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ nicht alles zu hören: Pop, Rock, Grunge, Jazz, orchestrale Musik und und und. Das ist alles schon sehr beeindruckend und auf über zwei Stunden Laufzeit nachzuhören.

Die Platte beinhaltet jedoch nicht nur unterschiedliche musikalische Stile, sondern bedient auch ganz verschiedene Stimmungen. Die transportierte Atmosphäre reicht von lieblich und fast schon kitschig bis hin zu wahrlich verstörenden Tönen, zu denen Billy Corgan dann auch noch so schreit, als ob er gerade in sehr ernsthaften Schwierigkeiten stecken würde. Da wären wir auch bereits bei einem zugegebenermaßen sehr subjektiven Nachteil dieser Scheibe. Billy Corgan kann leider nicht singen, zumindest nicht besonders gut – und da bin ich jetzt schon sehr, sehr objektiv. Allerdings ist seine Stimme auch ein Markenzeichen der Band, welches die Musik der Smashing Pumpkins auch so unverwechselbar werden lässt. Wenn Billy Corgan dann jedoch auch noch schreit, wird das Ganze schon sehr gewöhnungsbedürftig und nähert sich, aufgrund der jetzt auch sehr aggressiven Musik, stark einer Kakophonie an.

Aber es gibt sie auch – und zwar deutlich in der Überzahl – die ruhigen und nachdenklichen Momente auf „Mellon Collie And The Infinite Sadness“. Und hier liegt auch ganz klar die Stärke dieser Scheibe. Es sind die wunderschönen Melodien, die Billy Corgan auf diesem dritten Studioalbum in zahlreicher Form kreierte. Dabei spielt es noch nicht mal eine Rolle, ob der Titel nun sanft und leise daherkommt oder ob hier ordentlich  gerockt wird. Ins Ohr geht das in beiden Fällen. Zwar benötigt man durchaus drei bis vier Durchgänge der Scheibe, doch dann erschließen sich einem diese wunderschönen Harmonien, die man nun auch nicht mehr missen möchte. Auch lohnt ein Blick in die Texte beziehungsweise lohnt das genaue Zuhören, da diese keineswegs oberflächlich, sondern vielmehr häufig tiefgründig sind und zum Nachdenken anregen.

Fazit: Es ist diese Abwechslung, gepaart mit tollen Melodien, welche „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ zu einem besonderen Album werden lassen. Dies alles mit einer Laufzeit von über zwei Stunden, das gibt es nicht so oft zu hören und trägt zu einem entspannten Nachmittag auf dem Sofa bei. Die Platte ist auch die erfolgreichste der Chicagoer Band geworden. Unter Fans gilt sie als Meilenstein und als das Album der 90er Jahre. Gut ist „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ sicherlich, hörenswert allemal und auch eine der wirklich guten Scheiben der 90er Jahre, wenn man denn auch intelligenten und abwechslungsreichen Alternative Rock steht. Aber ist sie auch die beste Scheibe der 90er Jahre? Nein, das ist sie nicht. Trotzdem sehr lohnenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Tonight Tonight, Bullet With Butterfly Wings, Thru The Eyes Of Ruby



Sonntag, 31. Mai 2015

Tool – Lateralus




Tool – Lateralus


Besetzung:

Maynard James Keenan – vocals
Adam Jones – guitar
Justin Chancellor – bass guitar
Danny Carey – drums, percussion, samples


Label: Zoo Entertainment


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Progessive Metal


Trackliste:

1. The Grudge (8:36)
2. Eon Blue Apocalypse (1:04)
3. The Patient (7:13)
4. Mantra (1:12)
5. Schism (6:47)
6. Parabol (3:04)
7. Parabola (6:03)
8. Ticks & Leeches (8:10)
9. Lateralus (9:24)
10. Disposition (4:46)
11. Reflection (11:07)
12. Triad (8:46)
13. Faaip De Oiad (2:39)

Gesamtspieldauer: 1:18:57




„Lateralus“ heißt das dritte Studioalbum von Tool, welches im Mai 2001, erschien. Dies passierte nach zahlreichen, falsch gestreuten Ankündigungen der Band, um Benutzern von File-Sharing-Software das Leben zu erschweren. Von den Fans begeistert aufgenommen, erntete die Scheibe auch von den meisten Musikkritikern sehr viel Lob. Erneut ist es der harte Metal, gepaart mit schwebenden, mitunter sphärischen Momenten, die diese Platte prägen.

Ich liebe diese Monotonie, diese Redundanz, die so oft der Musik von Tool innewohnt. Immer und immer wieder wird ein Riff wiederholt, mal hart, mal sanft, um dann jedoch auch wieder möglichst brutal loszubrechen. Mit ordentlicher Lautstärke gehört, kann man sich dieser meditativen, bis fast schon hypnotischen Wirkung der Musik dieser Band kaum entziehen. Kritiker führen bei Tool auch immer wieder an, dass das Ganze viel zu sehr konstruiert klänge und oftmals einfach nur kalt. Stimmt definitiv beides. Die Lieder von Tool sind konstruiert und hier klingt auch nichts warm und einnehmend, sondern eher, ja genau, kalt. Das wiederum macht jedoch das Besondere in der Musik von Tool aus, weshalb diese Band schon ein gewisses Allleinstellungsmerkmal aufweist.

Viele der Titel werden dem Hörer um die Ohren geknallt, sind extrem hart, sehr konsequent und kompromisslos. Dabei sind die Nummern allerdings niemals langweilig, denn hier kommt auch dieser progressive Ansatz in der Musik von Tool mit zum Tragen. Bei aller Härte wird hier experimentiert und auch variiert. Das ist kein Hard Rock à la Deep Purple oder Metal. Es ist dieser Bluesansatz, dieses Fundament, der all den Hard Rock Heroen früherer Tage anhaftet, der hier, bei Tool, absolut fehlt. Tool scheint zu rocken, um des Rocks Willen, ganz bestimmt nicht für ein irgendwie geartetes Bluesgefühl. Dabei sind alle vier Musiker wahre Meister ihres Instruments. Allein das Schlagzeugspiel des Danny Carey ist da den Kauf von „Lateralus“ bereits wert. Kein anderer Drummer scheint ungerade Takte irgendwie schöner zu spielen.

Fazit: Auch „Lateralus“ ist ein außergewöhnliches Album einer außergewöhnlichen Band geworden. Vielleicht weiß manch eine Hörerin oder Hörer nichts mit dieser „meditativen“ Monotonie oder der manchmal brachialen Härte anzufangen, aber genau das sind die Zutaten, neben der unfassbar guten Perkussion, die diese Band eben zu etwas Besonderem werden lassen. Auch auf „Lateralus“ haben die vier Musiker von Tool die Speicherkapazität der CD wieder vollständig ausgeschöpft. Es gibt also viel wunderbare Monotonie auf „Lateralus“ zu erlauschen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Shism, Reflection



Samstag, 30. Mai 2015

The Who – Who Are You




The Who – Who Are You


Besetzung:

Roger Daltrey – lead vocals, percussion
John Entwistle – bass guitar, backing vocals, synthesizer, brass on "Had Enough" and "Music Must Change", lead vocals on "905"
Pete Townshend – guitars, backing vocals, piano, synthesizer, lead vocals on "Sister Disco", "No Road Romance" and "Empty Glass"
Keith Moon – drums, percussion


Gastmusiker:

Rod Argent – synthesizer on "Had Enough", piano on "Who Are You", keyboards on "Guitar And Pen"
Ted Astley – string arrangement
Andy Fairweather-Low – backing vocals on "New Song", "Had Enough", "Guitar And Pen", "Love Is Coming Down", and "Who Are You"
Billy Nicholls – backing vocals on "New Song" and "Had Enough"
Michael Nicholls — backing vocals on "Had Enough"


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Rock


Trackliste:

1. New Song (4:13)
2. Had Enough (4:30)
3. 905 (4:02)
4. Sister Disco (4:22)
5. Music Must Change (4:38)
6. Trick Of The Light (4:47)
7. Guitar And Pen (5:58)
8. Love Is Coming Down (4:06)
9. Who Are You (6:21)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

10. No Road Romance (5:05)
11. Empty Glass (Group Version) (6:23)
12. Guitar And Pen (Olympic '78 Mix) (6:02)
13. Love Is Coming Down (Work-In-Progress Mix) (4:05)
14. Who Are You (Lost Verse Mix) (6:22)

Gesamtspieldauer: 1:11:00




„Who Are You“ heißt das achte Studioalbum der britischen Rockband The Who. Es wurde im Jahr 1978 veröffentlicht und war gleichzeitig die letzte Scheibe, an der Keith Moon vor seinem Tod am Schlagzeug zu hören ist. Zwanzig Tage nach Veröffentlichung der Scheibe, verstarb Keith Moon mit 32 Jahren an einer Überdosis Clomethiazol, welches er zur Bekämpfung der Nebenwirkungen seines Alkoholentzugs einnahm. Ironischerweise ist er auf dem Cover zu „Who Are You“ auf einem Stuhl mit der Aufschrift „Not To Be Taken Away“ zu sehen. Keine drei Wochen später war dies dann jedoch eingetreten.

Zu hören ist auf „Who Are You“ sehr typische The Who Musik, rockig und doch eingängig und meilenweit davon entfernt Hard Rock zu sein, wie es auch immer wieder behauptet wird. Die Nummern „Had Enough“, „905“ und „No Road Romance“ stammen dabei aus der Feder des John Entwistle, die ursprünglich restlichen sechs Nummern schrieb Pete Townshend. Erneut spielte vor allen Dingen Pete Townshend hier mit dem Einsatz des Synthesizers, versuchte neue Sounds zu erschaffen. Überdeutlich wird dies am Titellied, welches auch die Titelmelodie einer der CSI-Ableger-Serien wurde.

„Who Are You“ ist kein „Who’s Next“ mehr geworden, klingt auch bei allem Synthesizer-Einsatz trotzdem keineswegs experimentell, vielleicht sogar manchmal ein klein wenig angepasst. Trotzdem ist das sehr überzeugende Musik, die sofort ins Ohr geht, die hier auf „Who Are You“ zu hören ist. Dabei spielt es dann auch gar keine Rolle, ob das Lied eher sanft und ruhig gehalten ist oder ob doch richtig rockt, eher mit den „konventionellen“ Rock-Instrumenten eingespielt wurde oder orchestral untermalt wurde. Diese ganze Bandbreite bieten The Who hier jedoch ihren Hörern. Dadurch bleibt die Musik überaus spannend und abwechslungsreich. Es gibt mit jedem Durchgang irgendwie etwas Neues zu entdecken und die Melodien treffen einen, was möchte man mehr?

Dazu gibt es auf der remasterten Version des Albums fünf Titel, zum Teil „live“, zum Teil alternative Versionen bereits auf der Platte vorhandener Stücke, zum Teil alternative Nummern von Pete Townshend Solo-Liedern. Eine schöne Zugabe, die die Platte insgesamt nochmals aufwertet.

Fazit: Klar, „Who Are You“ ist nicht das beste The Who Album geworden, dennoch ist es eine sehr überzeugende Scheibe. Wer auf gut gemachten Rock steht, dem das Alter kaum anzumerken ist, die oder der kann hier nicht viel falsch machen. The Who Fans werden diese Scheibe sowieso lieben. Ich kann sehr gut verstehen warum. Elf Punkte.

Anspieltipps: Music Must Change, Who Are You



Freitag, 29. Mai 2015

Paul McCartney & Wings – Band On The Run




Paul McCartney & Wings – Band On The Run


Besetzung:

Paul McCartney – vocals, acoustic, electric and bass guitars, piano and keyboards, drums and percussion
Linda McCartney – keyboards and vocals
Denny Laine – vocals, acoustic, electric and bass guitars, keyboards, percussion


Gastmusiker:

Howie Casey – saxophone
Ginger Baker – percussion
Remi Kabaka – percussion
Tony Visconti – orchestrations
Ian Horn – backing vocals
Trevor Jones – backing vocals


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Pop


Trackliste:

1. Band On The Run (5:13)
2. Jet (4:09)
3. Bluebird (3:25)
4. Mrs. Vandebilt (4:41)
5. Let Me Roll It (4:50)
6. Mamunia (4:50)
7. No Words (2:36)
8. Picasso's Last Words (Drink To Me) (5:49)
9. Nineteen Hundred And Eighty Five (5:31)

Gesamtspieldauer: 41:09




„Band On The Run“ heißt das dritte Album, welches Paul McCartney mit den Wings aufnahm und welches im Jahr 1973 veröffentlicht wurde. Gleichzeitig ist es bereits seine fünfte Scheibe, die er nach der Auflösung der Beatles heausbrachte. Na, wenn das mal keine kreative Schaffensphase war. Insgesamt sieben Scheiben veröffentlichten die Wings, zwei unter dem Bandnahmen, zwei unter dem Namen „Paul McCartney & Wings“ und hiervon ist „Band On The Run“ bereits die zweite.

Kategorisiert wird die Musik von Paul McCartney zumeist schlicht unter der Überschrift: Rock, was einiges Kopfschütteln beim Verfasser dieser Zeilen hervorruft. Nein, auf „Band On The Run“, welches größtenteils im nigerianischen Lagos eingespielt wurde, gibt es nur ganz am Rande Rock-Musik zu hören. Hauptsächlich hört man auf der Scheibe Pop-Musik – und diese ist leider noch nicht mal allzu überzeugend. Komponiert hat diese Paul McCartney, mit der Ausnahme „No Words“, welches in Koproduktion mit Denny Laine entstand.

Ein wenig klingt diese Platte, die allerdings bei Fans wie Kritikern sehr viel Lob einheimste und sowohl in Großbritannien wie den USA Platz 1 der Charts erklomm, als ob Paul McCartney hier sein kongenialer Partner schwer fehlen würde – zumindest in meinen Ohren. Allerdings habe ich die Scheibe auch erst über 40 Jahre nach dem Entstehen vollständig kennengelernt, vielleicht muss man das Ganze auch im zeitlichen Umfeld gehört haben, was meinen Ohren natürlich im Nachhinein für immer versagt bleiben wird.

Trotzdem, die Scheibe läuft einfach so durch. Man blickt auf beim letzten Titel „Nineteen Hundred And Eighty Five“, der deutlich aus den anderen Pop-Titeln heraussticht, selbst durchaus Rock-Anteile aufweist und ins Ohr geht und ist dann überrascht über die Stille, die danach folgt. „Was, das war es schon?“ Das Dumme an der Geschichte ist auch, dass einen selbst mehrmaliges und wiederholtes Hören nicht sehr viel weiter bringt. Klar, die Titel werden vertrauter, aber werden sie auch zu Freunden? In meinem Falle definitiv nicht. Mit Sicherheit ist die Platte nicht belanglos, aber ein klein wenig langweilig ist sie schon.

Fazit: Ein Album mit Pop-Musik aus den frühen 70er Jahren ist „Band On The Run“ von Paul McCartney & Wings“ geworden. Würde hier nicht der Name Paul McCartney draufstehen, würde wahrscheinlich nicht allzu viel Aufsehen um diese Platte gemacht werden. Die einzelnen Titel zünden leider nicht so richtig, von solch Melodien, wie sie Paul McCartney bei den Beatles erschuf, ist hier überhaupt nichts mehr zu hören. Von daher überwiegt ein wenig die Langeweile. Sieben Punkte.

Anspieltipps: No Words, Nineteen Hundred And Eighty Five



Donnerstag, 28. Mai 2015

Phosphor – Weg des Herzens (Single)




Phosphor – Weg des Herzens (Single)


Besetzung:

Ben Richter – Gesang
Chavo Valchev – Gitarre
Addy Schechinger – Schlagzeug
Mike Spanner – Bass
Christian Lang – Gitarre


Die CD wurde eingespielt von:

Ben Richter – Gesang
Jens Busch – Gitarren und Bass
Sascha Beator – Keyboards und Programming
Simon Ripping – Schlagzeug


Label: Calyra


Erscheinungsdatum: 2015


Stil: Metal


Trackliste:

1. Weg des Herzens (3:38)
2. Komm mit mir (Samhain) (3:57)
3. Weg des Herzens (Orbeat Remix) (5:18)
4. Komm mit mir (Orbeat Remix) (4:14)

Gesamtspieldauer: 17:09




Es ist immer wieder schön, etwas Neues in der Musik zu entdecken. Metal? Garantiert nichts Neues! Aber deutschsprachiger Metal? Nein, den gibt es noch nicht allzu häufig zu hören. Phosphor ist solch eine Band, die dieses Musik-Genre in ihrer deutschen Muttersprache zelebriert. Die fünf Musiker haben sich erst vor kurzem in dieser Zusammensetzung als Band gefunden und bereits im März war die erste Single von Phosphor veröffentlicht worden. Demnächst soll dann auch ein vollständiges Album folgen.

Legt man diese Single in den Player und lauscht dem ersten Titel, „Weg des Herzens“, wird sehr schnell klar, allzu viel Zeit beziehungsweise Durchläufe benötigt man hier als Hörerin respektive Hörer garantiert nicht, um etwas mit dieser Musik anfangen zu können. Die Nummer „Weg des Herzens“ brennt sich sofort ins Musikzentrum des Konsumenten ein. Absoluter Ohrwurmcharakter. Musiker mögen es immer nicht so gerne, wenn Vergleiche oder Parallelen zu anderen Bands oder Musikern gezogen werden, doch werden bei mir hier sofort Erinnerungen an Mono Inc. geweckt, obwohl Phosphor diese Band in keiner Weise kopiert. Dazu sind sie im Sound auch viel zu geradlinig, ohne Schnörkel. Wie sie jedoch auch klingen könnten, das zeigen sie in den beiden Orbeat-Remixen, die es als Zugabe auf dieser Single-Ausgabe gibt. Hier wird dann mehr mit dem Sound – durch sehr viel Keyboardeinsatz – gespielt. Was einem dabei mehr zusagt, bleibt sicherlich für immer Geschmackssache und jedem Hörer selbst überlassen.

Nun, auch die zweite Nummer „Komm mit mir“ hat es durchaus in sich, erreicht vielleicht nicht mehr ganz das Level von „Weg des Herzens“, lohnt jedoch ebenfalls gehört zu werden. Auch hier ist wieder die erste Version im Stile des Metal gehalten, die Remix-Version klingt da dann schon deutlich poppiger.

Fazit: Man darf gespannt sein, auf das erste komplette Album von Phosphor. Diese Single hier macht definitiv Appetit auf mehr. Und wenn die Jungs sich darauf konzentrieren, was sie am besten können, nämlich weißer Phosphor zu sein, zu brennen und zu rocken, dann dürfte der Ansturm auf die Notaufnahmen in den Krankenhäusern wieder ansteigen, um all jene Headbanging-Opfer von ihren Schleudertraumata zu befreien. Phosphor lohnt sich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Weg des Herzens



Mittwoch, 27. Mai 2015

Muse – Absolution




Muse – Absolution


Besetzung:

Matthew Bellamy – lead vocals, lead and rhythm guitars, keyboards, programming, string arrangements
Christopher Wolstenholme  – bass, backing vocals
Dominic Howard – drums, programming, percussion


Gastmusiker:

Paul Reeve – vocal samples on "Intro", backing vocals on "Blackout" and "Butterflies And Hurricanes"
Audrey Riley – string arrangements
Spectrasonic's Symphony Of Voices – vocal samples on "Stockholm Syndrome" and "Endlessly"


Label: Taste Media


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Alternative Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Intro (0:22)
2. Apocalypse Please (4:12)
3. Time Is Running Out (3:56)
4. Sing For Absolution (4:55)
5. Stockholm Syndrome (4:58)
6. Falling Away With You (4:40)
7. Interlude (0:37)
8. Hysteria (3:47)
9. Blackout (4:22)
10. Butterflies & Hurricanes (5:01)
11. The Small Print (3:29)
12. Endlessly (3:48)
13. Thoughts Of A Dying Atheist (3:11)
14. Ruled By Secrecy (4:52)

Gesamtspieldauer: 52:16




Platten von Muse zünden bei mir nie sofort, da benötige ich schon einige Durchläufe der Scheibe, bis ich in diese Musik so richtig eintauchen kann und die Musik irgendwie vollständig zu verstehen scheine. Nicht anders war es beim dritten Studioalbum der Briten, welches im Jahr 2003 unter dem Titel „Absolution“ veröffentlicht wurde. Mehre Durchläufe, kurze Pause, dann nochmal ein, zwei Versuche und plötzlich entfaltet sich der Schleier, der vorher über allem gelegen zu haben schien.

„Absolution“ ist eine tolle Platte geworden, die mal wieder vom Zusammenspiel des wahrlich außergewöhnlich hohen Gesangs des Matthew Bellamy in Kombination mit wunderschönen Melodien, äußerst hartem Rock oder doch einer eher klassischen Instrumentierung lebt. Das klingt alles sehr faszinierend, wenn sich die Melodien eingebrannt haben, der schwere Hard Rock einen endlich mitzureißen versteht und die orchestralen Töne verinnerlicht sind. In dieser Kombination sind Muse sicherlich einmalig und eine absolute Bereicherung in der Musikwelt.

Die Musik, die auch immer wieder mit Neo-Prog umschrieben wird, klingt dabei voll und kraftvoll. Dichte Klangwelten werden auf „Absolution“ aufgebaut, die den Hörer umgarnen und einzuwickeln versuchen. Alles klingt sehr harmonisch, keine Dissonanz, kein falscher Ton ist dabei wahrzunehmen. Ausfälle gibt es ebenfalls keine zu beklagen, dafür einige Höhepunkte. Dazu gehört das abwechslungsreiche, mit sanften und raueren Tönen spielende „Apocalypse Please“, das sehr eingängige, etwas poppige „Sing For Absolution“ und die staubtrockene und knallharte Nummer „Stockholm Syndrome“. Bei dieser hat man das dumpfe Gefühl, dass sich gerade ein nicht zu unterschätzender Teil der Schädeldecke verabschiedet, wenn man es denn mit entsprechender Lautstärke genießt. Das genaue Gegenteil heißt „Blackout“. Orchestral und sanft instrumentiert, macht auch dieses Lied mit den Reiz der Platte aus, bei der man sich nie sicher sein kann, was als nächstes folgt. Und schließlich wartet noch ganz am Ende des Albums ein weiterer Höhepunkt auf die Hörerin beziehungsweise den Hörer: „Ruled By Secrecy“. Sehr verträumt fängt die Nummer an und wird zwischenzeitlich immer bombastischer, um schließlich wieder ganz sanft auszuklingen. Dabei scheint alles in völlige Harmonie getaucht zu sein. Auf seine Art durchaus sehr packend.

Fazit: Diese Stimme, Hard Rock, orchestrale Musik, etwas Progressive Rock, Pop, viele gute Ideen… Nein, die Angst braucht hier keiner zu haben, dass bei Muse auf „Absolution“ Langeweile aufkommt. Passiert nicht. Klar muss man was mit der Stimme des Matthew Bellamy anzufangen wissen. Aber genau diese macht die Musik von Muse noch mal zusätzlich außergewöhnlich. Wer melodischen Rock mag, der durchaus auch mal härter klingen kann, wer dem Spiel mit verschiedenen Musikgenres etwas abgewinnen kann, die oder der sollten hier dringend zugreifen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Apocalypse Please, Stockholm Syndrome, Ruled By Secrecy



Dienstag, 26. Mai 2015

Various Artists - NDW - Aus grauer Städte Mauern




Various Artists - NDW - Aus grauer Städte Mauern

Wer bei NDW nur an Markus und Nena, Witzi-Spritzi-Heiterkeit und “Ich will Spass” denkt, der kann gleich weiterklicken. Denn das war die Neue Deutsche Welle ganz und gar nicht. Das, was alles unter dem Begriff NDW zwischen 1977 – 1985 zusammengefasst wurde, gleicht im Rückblick einem musikalischen Erdbeben, das international spürbar wurde. Und es legte das Fundament für die sehr selbstbewusste und deutschsprachige Musikszene ab Mitte der 90er Jahre.

Burghard Rausch von Radio Bremen verwirklicht in diesem Jahr ein Riesenprojekt auf Bear Familiy Records. Vier mal 2 CDs werden mit umfangreichen Informationen über Bands, Musiker und Macher veröffentlicht. Vor mir liegt Teil 1, auf der neben der Nina Hagen Band, der Spider Murphy Gang, Spliff und Nena auch der KFC, Interzone, Morgenrot, Malaria und viele andere teils für mich total unbekannte Bands zu finden sind.

Die Neue Deutsche Welle war ein Phänomen, das nicht nur in Deutschland gefeiert wurde. Auch in England, den USA und Japan schaute und hörte man genau hin, was sich da im Teutonenland so tat. Deshalb auch an dieser Stelle diese Besprechung der NDW Compilation. Als ich 1996 beim Collegesender KUSF mit meiner Sendung anfing, nahm ich mir Zeit durch das umfangreiche Vinylarchiv des Senders zu kramen. Und ich wurde immer wieder fündig. Viele der mehr schrägen, ausgefallenen und experimentierfreudigen Bands von damals konnte ich finden. Da waren Der Plan, Palais Schaumburg, Wirtschaftswunder und zahlreiche andere. In vielen Gesprächen mit KUSF DJs wurde mir deutlich gemacht, dass durch diese Musik sich auch das Bild Deutschlands verändert hatte. Denn die NDW entstand aus dem Punk, aus dem New Wave, aus dem Elektrogefrickel und dem Industrial der 70er Jahre. Die Tschörmans kopierten nicht einfach, was da wellenartig aus dem Ausland auf sie zu kam, sie schufen etwas eigenständiges. Noch heute drehen sich diese Alben auf den Plattentellern in Amerika. Und auch in Japan kriegt man davon nicht genug. Suezan Records veröffentlicht immer wieder Liebhaberboxen mit 45er Singles der damaligen Bands.

Lange Zeit fand diese Szene in Deutschland im Abseits statt, kaum beachtet von den grossen Plattenfirmen, der Bravo und den wenigen Musiksendungen auf den drei Fernsehprogrammen. Doch auch das geht auf die NDW zurück, dass sich Musiker und Macher selbst organisierten, eigene Labels und Vertriebe aufbauten, Fanzines produzierten, Auftrittsmöglichkeiten schufen. Und irgendwann merkten die Majors dann auch, dass da Geld zu machen ist und überfluteten den Markt mit allerhand Spritzi-Pop und Gute-Laune-Musik.

Burghard Rausch schafft mit seinen Compilations den großen Blick auf diese paar Jahre der musikalischen Aufbruchstimmung in Deutschland. Er fängt nicht mit den ersten Charterfolgen an, konzentriert sich nicht auf die von Bravo gehypten Starschnitte. Ganz im Gegenteil, Rausch blickt auf die Clubs, die Kassettenszene, die Musiker, die mal hier, mal dort spielten. Und er verfolgt ihre Wege bis heute. Es macht Spass all die Hintergrundinfos zu lesen, musikalisch in die eigene Jugendzeit einzutauchen und immer mal wieder zu merken “Mensch, stimmt, das war ja auch noch da”.

NDW – Aus grauer Städte Mauern. Die Neue Deutsche Welle 1977 – 85” ist keine Partymischung, vielmehr ein umfangreiches Klangbild. Klar, da sind die Hits zum Mitsingen, doch da ist viel mehr zu entdecken. Diese Sammlung ist für all jene, die mehr wissen wollen, die Querverweise lieben, die sich gerne mit musikalischen Wurzeln beschäftigen. Und ja, ich singe hier gerade laut “Blaue Augen” von Ideal mit, all die Hits, ich kann sie noch immer.

Montag, 25. Mai 2015

Pete Townshend – Who Came First




Pete Townshend – Who Came First


Besetzung:

Pete Townshend – vocals, guitars, keyboards, bass guitar, drums, percussion, harmonica on "Day Of Silence"


Gastmusiker:

Ronnie Lane – vocals, guitar on "Evolution"
Billy Nicholls – vocals, guitar on "Forever's No Time At All"
Caleb Quaye – guitars, bass guitar, percussion on "Forever's No Time At All"


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Rock


Trackliste:

1. Pure & Easy (5:33)
2. Evolution (3:45)
3. Forever No Time At All (3:09)
4. Let's See Action (6:23)
5. Time Is Passing (3:28)
6. Heartache (3:22)
7. Sheraton Gibson (2:38)
8. Content (2:56)
9. Parvardigar (6:50)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

10. His Hands (2:08)
11. The Seeker (4:36)
12. Day Of Silence (2:52)
13. Sleeping Dog (2:57)
14. The Love Man (5:01)
15. Lantern Cabin (4:10)
16. Mary Jane (2:38)
17. I Always Say (5:47)
18. Begin The Beguine (4:49)

Gesamtspieldauer: 1:13:08




Das erste Solo-Album von Pete Townshend heißt „Who Came First” und wurde im Oktober 1972 veröffentlicht. Auf dieser Platte bringt der The Who Gitarrist und hauptsächliche Songschreiber seine innige geistige Beziehung zum indischen Guru und Mystiker Meher Baba zum Ausdruck, der auch auf der LP beziehungsweise CD mehrfach abgedruckt ist. Dieser Meher Baba, dem auch im The Who Titel „Baba O’Riley“ gedacht wurde, entschied sich im Jahr 1925 nicht mehr zu reden, da ihm aus mehreren Gründen die Konversation zwischen den Menschen zu laut und aggressiv erschien. Er hielt dies auch 44 Jahre, bis zu seinem Tod im Jahr 1969 durch. Seine letzten Worte vor seinem Schweigegelübde am 10. Juli 1925 waren übrigens „Don’t Worry, Be Happy“, welche wiederum Bobby McFerrin für seinen weltweiten Nummer 1 Hit im Jahr 1988 nutze.

Auf „Who Came First” hört man keine indische Musik und auch nicht The Who. Vielmehr ist die Platte eine Ansammlung zumeist sehr leiser und nachdenklicher Songs, die durchaus alle ins Ohr zu gehen verstehen. Vielleicht trifft das noch nicht beim ersten Hören zu, mit jedem weiteren Durchlauf der Scheibe wächst die Musik, auf „Who Came First” jedoch stetig. Alles klingt melodiös und geht ins Ohr. So richtig gerockt, wie bei The Who, wird auf dieser ersten Soloscheibe des Pete Townshend nur abschnittsweise. Vielmehr steht hier die Stimmung, die Atmosphäre, die vermittelt werden soll, im Vordergrund. Das wiederum macht sehr viel Spaß, da auch kein Lied großartig gegenüber dem anderen abfällt.

Die Höhepunkte der Scheibe liegen für mich jedoch ganz klar im Beginn und am Ende des Albums – der ursprünglichen Platte. „Pure & Easy“ ist einfach ein mitreißendes Lied, im Mid-Tempo gehalten und mit einer tollen Melodie ausgestattet, die gleich beim ersten Hören ins Ohr geht. Beim ehemaligen letzten Stück „Parvardigar“ fühlt man sich fast schon manchmal in das Folk-Genre versetzt. Diese Nummer ist ein überaus unaufdringliches Lied, welches wirkt und hängenbleibt. Sehr melodiös bleibt dieser Titel im Ohr hängen. Kein Wunder also, dass Pete Townshend gerade dieses Lied als Abschluss seiner Platte wählte.

Ursprünglich waren neun Lieder auf der LP vorhanden. Die remasterte CD-Ausgabe enthält nun achtzehn Tracks, also insgesamt neun Zugaben. Die meisten davon hätten es auch ohne weiteres auf das Original-Album schaffen können. Zwei wunderschöne Instrumentalnummern sind dabei mit „His Hands“ sowie „Lantern Cabin“ enthalten. Instrumentallieder von Pete Townshend? Allein dies ist eine Investition wert und wertet das Album nochmals auf.

Fazit: Auf „Who Came First“ hört man keine indische Musik und auch keine The Who Songs. Das Album ist auch keine „Resterampe“ mit unveröffentlichten Titeln, sondern war genau so geplant. Auf „Who Came First“ hört man Pete Townshend so, wie man ihn sonst nicht kennt – zumindest nicht in dieser Ausprägung: ruhig, gedämpft und nachdenklich. Für Pete Townshend Fans ein absolutes „Muss“, aber auch The Who Freunde können hier mal andere Musik der Band hören, die trotzdem in deren Geiste entstand. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Pure & Easy, Parvardigar, His Hands



Sonntag, 24. Mai 2015

Peter Hammill – Nadir’s Big Chance




Peter Hammill – Nadir’s Big Chance


Besetzung:

Peter Hammill – voice, guitars, piano, bass


Gastmusiker:

David Jackson – saxophone
Hugh Banton – bass, piano, organ
Guy Evans – drums


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Nadir's Big Chance (3:33)
2. The Institute Of Mental Health, Burning (3:32)
3. Open Your Eyes (5:13)
4. Nobody's Business (4:09)
5. Been Alone So Long (4:11)
6. Pompeii (4:25)
7. Shingle Song (4:15)
8. Airport (3:04)
9. People You Were Going To (5:05)
10. Birthday Special (3:36)
11. Two Or Three Spectres (6:20)

Gesamtspieldauer: 47:29




„Nadir’s Big Chance“ nannte Peter Hammill sein fünftes Studio-Soloalbum, welches im Februar 1975 veröffentlicht wurde. Und obwohl alle anderen drei Musiker von Van Der Graaf Generator hier ebenfalls wieder mit vertreten sind, so ist die Platte doch eindeutig ein Peter Hammill Album geworden und keine Van Der Graaf Generator Scheibe. Auf „Nadir’s Big Chance“ gibt es die ganze Bandbreite im Schaffens des Peter Hammill zu hören. Aggressiven Rock, etwas Experimentelles und natürlich auch diese wunderschönen und eingängigen Balladen, für die Peter Hammill ebenfalls schon immer stand und steht. 

Angeblich hat sogar Johnny Rotten gesagt, dass diese Platte hier die Sex Pistols und überhaupt die Punkbewegung schwer beeindruckt und beeinflusst hatte und für dieses Genre richtungsweisend gewesen wäre. Das wiederum lässt mich schon etwas erstaunt zurück, denn Punk, nein Punk höre ich hier wahrlich nicht heraus. Auch wenn die Musik mal etwas härter wird, Punk klingt irgendwie anders. Außerdem war Progressive Rock der „Feind“ schlechthin für den Punk. Darf dann ein progressiver Musiker den Grundstein für dieses Musikgenre legen? Nun, zumindest geht Peter Hammill hier schon andere Wege, wird direkter in seiner Musik, die Songs sind kürzer, kompakter als bei Van Der Graaf Generator.

Immer präsent auf „Nadir’s Big Chance“ ist auch David Jackson mit seinem Saxophon und das ist sehr gut so, macht es doch die Musik sehr viel spannender und abwechslungsreicher. Egal ob gerockt wird oder eben die leiseren Töne im  Vordergrund stehen, das Saxophon ist immer ein integraler und bereicherndes Instrument und gleichzeitig auch Stilmittel. Peter Hammill schafft es hier zudem auch wieder, wunderschöne Melodien zu kreieren, in die sich einzutauchen wahrlich lohnt.

Fazit: Ein unglaublich abwechslungsreiches Album ist „Nadir’s Big Chance“ geworden. Irgendwie eine Werkschau des Peter Hammill, was dieser alles zu komponieren imstande ist. Auch ein wahrlich eindrucksvolles und überzeugendes Album ist diese, seine fünfte Soloscheibe geworden. Nicht so vertrackt, wie oftmals Van Der Graaf Generator Alben, etwas einfacher und geradliniger. Naja, vielleicht liegt hier ja wirklich der Punk begraben und musste nur von anderen Musikern noch völlig freigeschaufelt werden. Wer weiß das schon? Zwölf Punkte.

Anspieltipps: The Institute Of Mental Health Burning, Shingle Song, Airport