Donnerstag, 5. November 2015

Cheap Trick – Collections




Cheap Trick – Collections


Besetzung:

Robin Zander – lead vocals, rhythm guitar
Rick Nielsen – lead guitar, vocals
Tom Petersson – bass guitar, vocals
Bun E. Carlos – drums


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Rock


Trackliste:

1. Dream Police (3:53)
2. I Want You To Want Me (3:46)
3. Don't Be Cruel (3:10)
4. Downed (4:12)
5. Stop This Game (3:59)
6. Southern Girls (3:35)
7. Way Of The World (3:39)
8. On Top Of The World (4:04)
9. Oh, Candy (3:07)
10. Voice (4:21)

Gesamtspieldauer: 37:50




Auch von der US-amerikanischen Band Cheap Trick aus dem Bundesstaat Illinois, gibt es natürlich auch ein Best Of… Album. Eines? Nein, inzwischen sind es derer 13! Collections heißt eines davon, stammt aus dem Jahr 2005 und beinhaltet – mit Ausnahme der 1988 entstandenen Elvis Cover-Version von „Don't Be Cruel“, Titel aus den Anfangsjahren der Band.

Cheap Trick machen Rock, manchmal auch sogenannten Power Pop. Das muss nicht immer unbedingt sehr anspruchsvolle Musik sein, ins Ohr geht es allerdings meistens schon. Ich habe mir dieses Album gekauft, da ich den Titel „Stop This Game“ haben wollte. Eine coole Nummer, die rockt und sehr ins Ohr geht. Da ich allerdings auch schon Sachen von Cheap Trick gehört hatte, die mir deutlich weniger zusagten, dachte ich mir, dass in diesem Fall ein Kompilationsalbum zum kleinen Preis eine gute Alternative wäre, um die Band doch mal etwas besser kennenzulernen.

Nun, es verstecken sich einige ganz nette Nummern auf dieser Zusammenstellung, darunter auch das wohl bekannteste Lied der US-Amerikaner „I Want You To Want Me“. Das Lied liegt hier in einer Live-Version vor und ich kenne es auch nur so. Das Gekreische der Fans macht den Titel noch ein wenig mehr zur Partynummer, die wirklich sofort ins Ohr geht – egal ob man das will oder nicht. Alle anderen Titel auf „Collections“ sind natürlich Studio-Aufnahmen. Von diesen ist noch der Opener, also das erste Lied der Platte, „Dream Police“ sehr hörenswert. Auch so ein Stück, welches sich schnell festsetzt und so einen – zumindest kleinen – Ohrwurmcharakter aufweist. Dann ist natürlich noch das bereits erwähnte „Stop This Game“ unbedingt hörenswert. Klasse Titel, der für mich der Beste ist, den Cheap Trick jemals geschrieben haben. Die restlichen Lieder sind ebenfalls alle „hörbar“, auch wenn das dann wahrlich nicht mehr unbedingt etwas Besonderes darstellt. Das ist dann häufig doch schon sehr angepasste Radio-Musik, solche die weder nervt noch begeistert. Es läuft eben einfach durch.

Fazit: Einen guten Überblick, über die Schaffensphase der ersten Jahre von Cheap Trick, erhält man durchaus mit dieser Zusammenstellung. Die Musik pendelt dabei häufig zwischen Pop und Rock, ist eingängig, nicht zu anspruchsvoll und kommt schnell auf den Punkt. Cheap Trick hauen einen nicht unbedingt aus den Socken, aber schlechte Musik klingt definitiv auch anders. Acht Punkte.

Anspieltipps: Dream Police, I Want You To Want Me, Stop This Game



Mittwoch, 4. November 2015

The Cars – Greatest Hits




The Cars – Greatest Hits


Besetzung:

Ric Ocasek – lead vocals, rhythm guitar
Benjamin Orr – bass guitar, lead vocals on tracks 1, 6 & 10
David Robinson – drums
Greg Hawkes – keyboards, vocals
Elliot Easton – electric guitar, vocals


Label: Elektra


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Just What I Needed (3:45)
2. Since You're Gone (3:30)
3. You Might Think (3:05)
4. Good Times Roll (3:44)
5. Touch And Go (4:55)
6. Drive (3:55)
7. Tonight She Comes (3:53)
8. My Best Friend's Girl (3:42)
9. Heartbeat City (4:30)
10. Let's Go (3:33)
11. I'm Not The One (4:10)
12. Magic (3:56)
13. Shake It Up (3:33)

Gesamtspieldauer: 50:16




Manches Mal können auch Kompilationsalben eine durchaus lohnende Investition darstellen. Dann zum Beispiel, wenn man sich wirklich nur für die Höhepunkte einer Band interessiert, jene zumindest, die eine Single-Auskopplug darstellen oder jene, die eine Band zusammen mit seiner Plattenfirma zusammengestellt beziehungsweise als „Höhepunkt“ deklariert hat. Wenn man alle fünf Platten der Cars besitzt, aus denen sich dieses „Best Of…-Album“ zusammensetzt, lohnt sich der Kauf natürlich weniger. Und außerdem, dann hätte wohl jede oder jeder sowieso eine ganz andere Zusammenstellung gewählt.

Zwölf der dreizehn Titel auf „Greatest Hits“ befinden sich auf den ersten fünf Alben der Band. Das wären „The Cars" (1978), „Candy-O" (1979), „Panorama" (1980), „Shake It Up" (1981) und „Heartbeat City" (1984). Dabei sind die Platten „The Cars“ und „Shake It Up“ drei Mal, „Candy-O“ und „Panorama“ ein Mal, sowie „Heartbeat City“ vier Mal vertreten. Als kleinen Bonus, als bisher unveröffentlichtes Lied, gibt es dazu noch die Nummer „Tonight She Comes“, die allerdings nicht großartig auffällt. Wenn dieses Lied auf einem der genannten Alben vertreten gewesen wäre, wäre es wohl allerdings nicht für diese Zusammenstellung in Frage gekommen, da einfach nichts Besonderes. Die Nummer sollte wohl wirklich nur einen zusätzlichen Kaufanreiz darstellen für Leute, die bereits alle Scheiben der Cars besitzen, jedoch auch wirklich jeden noch so kleinen Schnipsel dieser Band ihr Eigen nennen wollen.

Ein Jahr nach „Heartbeat City“, also 1985, wurde dieses Kompilationsalbum veröffentlicht und es zeigt sich deutlich, dass eben jenes „Heartbeat City“ das Album schlechthin der Cars war. Die Titel, die daraus auf dieser Platte verewigt sind, stellen auch gleichzeitig mit die Höhepunkte von „Greatest Hits“ dar. Die Musik der Cars, bei denen sich Ric Ocasek für das Komponieren und Texten auszeichnete, spiegeln dabei übrigens sehr überzeugend die Musik der 80er Jahre wieder, obwohl die ersten beiden Platten sogar noch in den 70er Jahren entstanden. Man kann das Ganze auch mit „Gute Laune Musik“ umschreiben, denn alles klingt fröhlich und eben gut gelaunt. Der Stil liegt irgendwo zwischen Pop und Rock, obwohl sich Leute, die mehr dem Rock frönen, mit manchen Titeln wohl definitiv Schwierigkeiten bekommen dürften. Dies liegt darin begründet, dass die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts eben auch manchmal sehr synthetisch klingen konnten – und genau so klingen auch manchmal The Cars. Trotzdem, die Lieder gehen ins Ohr, richtig krasse Ausfälle gibt es auch nicht, kann man durchaus alles noch gut hören.

Fazit: Ihren größten Erfolg feierten die Cars mit „Heartbeat City“, einer Platte, die hier auch am Deutlichsten vertreten ist. Auf dieser Zusammenstellung klingt alles „leicht und flockig“, trübe Stimmung sollte mit dieser Musik wahrlich nicht geschaffen werden. Um einen Überblick über die Musik dieser Band zu erlangen, dazu eignet sich die Platte ebenfalls bestens. Die Cars haben zwei Jahre später noch eine Platte veröffentlicht, danach spielten sie wieder in Clubs vor sehr wenigen Zuschauern und lösten sich schließlich auf. 2010 fanden sie jedoch nochmals zusammen und veröffentlichten im Jahr darauf sogar noch ein weiteres Studio-Album, ihr insgesamt siebtes. Seitdem ist es jedoch wieder ruhig geworden um diese US-amerikanische Band, die seit 2011 noch nicht mal mehr ihre Homepage aktualisierte und The Cars wohl nun ruhen lässt. Sei es drum, wer einen Überblick über diese Band erhalten möchte, erhält diesen mit „Greatest Hits“ – auch wenn hier natürlich nicht alle besten Lieder dieser Band vertreten sind. Acht Punkte.

Anspieltipps: Good Times Roll, Drive, Heartbeat City



Dienstag, 3. November 2015

John Cale – Music For A New Society




John Cale – Music For A New Society


Besetzung:

John Cale – vocals, guitars, keyboards


Gastmusiker:

Allen Lanier – guitar
David J. Young – guitar
David Lichtenstein – drums
John Wonderling – autoharp
Mike McLintock – background vocals
Robert Elk – bagpipes
Pipe Major Tom Fitzgibbon – bagpipes
Chris Spedding – acoustic guitar
Risé Cale – vocals on "Risé, Sam And Rimsky-Korsakov"


Label: FNAC Music


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Art Rock


Trackliste:

1. Taking Your Life In Your Hands (4:47)
2. Thoughtless Kind (2:41)
3. Sanities (5:58)
4. If You Were Still Around (3:29)
5. (I Keep A) Close Watch (3:09)
6. Broken Bird (4:44)
7. Chinese Envoy (3:10)
8. Changes Made (3:14)
9. Damn Life (5:15)
10. Risé, Sam And Rimsky-Korsakov (2:13)
11. In The Library Of Force (5:58)

Gesamtspieldauer: 44:43




„Music For A New Society” heißt das achte Solo-Album des Briten John Cale, der durch sein kurzes Mitwirken bei The Velvet Underground so etwas wie einen musikalischen Kultstatus erlangte. „Music For A New Society” erschien 1982 und hat so gar nichts zu tun mit jener gängigen Musik, die damals in den Radios lief. Bei John Cale hört man keinen Pop oder New Wave, keine radiotaugliche Musik. Die Lieder des John Cale gehen vielmehr in die Richtung Avantgarde, klingen experimentell, selten eingängig, manchmal durchaus auch etwas verschroben.

All diese Umstände machen „Music For A New Society” zu wahrlich keinem einfachen oder leichten Album. Ganz im Gegenteil, die Musik darauf ist äußerst sperrig und es wird sich wohl keine Hörern, kein Hörer finden, die oder der nach dem ersten Genuss dieser Scheibe behaupten wird: „Doch, das ist jetzt echt mal sehr melodiöse Musik.“ Diese melodiöse Musik gibt es zwar auf „Music For A New Society“, jedoch spielt diese eine nur untergeordnete Rolle. Am stärksten sind die Harmonien noch beim wahrlich schönen „(I Keep A) Close Watch” ausgeprägt. Diese sanfte Nummer geht wirklich in Ohr. Mit Abstrichen hört man diese Melodiösität auch noch beim Opener „Taking Your Life In Your Hands“ und bei einigen wenigen Stücken etwa in der Mitte des Albums.

Ansonsten ist diese Scheibe angefüllt mit experimenteller Musik, die manchmal auch entfernt an Soundkollagen erinnert, ohne jedoch den Rahmen eines Liedes vollkommen aufzugeben. Das klingt mitunter auch mal atonal, andererseits ist sich John Cale auch nicht zu schade, Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ mit zu „verwursten“. Allerdings nur eine Spielerei, sehr viel mehr steht diese zunächst vorhandene Unzugänglichkeit der Musik im Vordergrund, die erst nach vielen Durchläufen des Albums durchbrochen werden kann, jedoch auch nicht in allen Fällen.

Fazit: Ich mag so etwas „Seltsames“ bis „Schräges“ im Grunde genommen gerne. Spannend ist das wahrlich, absolut keine 08/15-Musik. Manche Sachen erschließen sich mir allerdings auch absolut nicht. Das stoße ich an meine Grenzen. Nun, die Platte wird von vielen Fans als die beste angesehen, der John Cale jemals veröffentlichte. Preise von über 100 Euro werden für die CD inzwischen bezahlt. Jedoch, an der Musik kann das wirklich nicht liegen. Die ist interessant, jedoch sicherlich kein Meilenstein in der Musikgeschichte, womit solche Preise auch nur annähernd gerechtfertigt wären. Naja, die nächste Auflage der Scheibe folgt bestimmt… Und vielleicht gibt es diese neue Gesellschaft ja auch noch gar nicht, immer noch nicht, für die „Music For A New Society” geschaffen wurde. Sieben Punkte.

Anspieltipps: (I Keep A) Close Watch, Chinese Envoy, Risé Sam And Rimsky-Korsakov



Montag, 2. November 2015

Peter Hammill – In A Foreign Town




Peter Hammill – In A Foreign Town


Besetzung:

Peter Hammill – vocals, guitar, keyboards, percussion


Gastmusiker:

Stuart Gordon – violin


Label: Enigma Records


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: Art Rock


Trackliste:

1. Hemlock (6:29)
2. Invisible Ink (4:19)
3. Sci-Finance (Revisited) (4:22)
4. This Book (5:14)
5. Time To Burn (3:44)
6. Auto (3:58)
7. Vote Brand X (4:03)
8. Sun City Nightlife (4:34)
9. The Play's The Thing (4:54)
10. Under Cover Names (4:19)


Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung:

11. Smile (5:18)
12. Time To Burn (Instrumental) (3:43)

Gesamtspieldauer: 55:01




Es ist schon so eine Sache, wenn man als Musiker alles alleine machen möchte. Und das hat Peter Hammill nach „And Close As This“ mit „In A Foreign Town”, seinem bereits sechszehnten Solo-Album aus dem Jahr 1988, erneut gemacht. War das Vorgängeralbum allerdings noch sehr „spartansich” und zurückhaltend instrumentiert, so greift Peter Hammill auf „In A Foreign Town” durchaus in die Vollen. Das Album klingt dicht und kraftvoll, ist deutlich intensiver instrumentiert, als die Scheibe zuvor. Da allerdings Peter Hammill kein Schlagzeug spielen kann, hört auf „In A Foreign Town” auch manchmal deutlich die synthetischen Drums des Synthesizers heraus. Nicht immer, jedoch ab und an und das mag eben nicht jeder so.

Mitunter merkt man Peter Hammill auch auf dieser Scheibe an, dass ihm manchmal ein oder mehrere Partner ganz gut zur Seite gestanden hätten. Seine ehemaligen Van Der Graaf Generator Kollegen scheinen durchaus auch einen Einfluss auf die Musik des Peter Hammill gehabt zu haben, wenn sie denn dabei waren. Die Musik ist hier jedoch wahrlich nicht schlecht und es gibt auch deutlich weniger geglückte Alben des Briten, jedoch befindet sich auf „In A Foreign Town” auch nichts, was einen vom Hocker reißen würde. Zu Alltäglich ist das Gehörte, fast nicht experimentell, durchaus allerdings auch eingängig, jedoch eben nichts Besonderes mehr. Und es zeigt sich auch, dass die einzelnen Lieder mit der Dauer der Platte noch an Qualität verlieren. Wissen solche Nummern wie der Opener „Hemlock“, gleichzeitig auch mit das rockigste Lied des Albums, oder das sanfte „This Book“ noch durchaus zu überzeugen, so findet sich in der zweiten Hälfte der Scheibe lediglich noch der Titel „The Play's The Thing“, der da so richtig gefallen kann.

Fazit: „In A Foreign Town” ist sicherlich kein essentielles Album des Peter Hammill. Man merkt der Platte an, dass es in den 89er Jahren entstand – und dies nicht nur, wegen dem Sound selbst, auch die Ideen, die Art der Musik selbst, passt perfekt in dieses Jahrzehnt. „In A Foreign Town” ist zu keiner Zeit kompliziert, experimentell oder besonders anspruchsvoll. Irgendwie eine Scheibe, die so mitläuft. Acht Punkte.

Anspieltipps: Hemlock, This Book, The Play's The Thing



Sonntag, 1. November 2015

Rome – Nos Chants Perdus




Rome – Nos Chants Perdus


Besetzung:

Jerome Reuter – vocals, guitars and accordion
Patrick Damiani – guitars, bass, cello, drums and percussion and various instruments
Nicos Mavridis – violin, viola, cello


Gastmusiker:

Jörg Richter – dulcitone
Christian Auer – berimbau, water drums, waterphone
Olivier Tirpandzian – spoken words
Rupert Kraushofer – piano
Borislav Ivanov – accordion on “La Rose Et La Hache”


Label: Trisol Music


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Experimental Folk, Neofolk


Trackliste:

1. L'Homme Révolté (1:06)
2. Les Déracinés (4:09)
3. Le Châtiment Du Traître (3:44)
4. L'Assassin (4:07)
5. Le Vertige Du Vide (3:39)
6. Les Exigences De La Foi (1:57)
7. La Commune (3:12)
8. Sous La Dague (4:16)
9. Les Îles Noires (3:41)
10. Un Adieu À La Folie (3:53)
11. La Rose Et La Hache (4:01)
12. Chanson De Gestes (6:01)

Gesamtspieldauer: 43:52




Dunkel, düster, mystisch und geheimnisvoll, so klingt auch das fünfte Album der Luxemburger Band Rome, bei der es sich um das Projekt des Jerome Reuter handelt, der sich für alle Kompositionen, musikalisch wie textlich, verantwortlich zeigt. Und dies ist ihm auch auf „Nos Chants Perdus” aus dem Jahr 2010 wieder sehr überzeugend gelungen. Und tragen Album-Titel sowie die einzelnen Liednamen noch etwas zur Verwirrung bei, so bleibt doch festzuhalten, dass diese zwar in französischer Sprache gehalten sind, Jerome Reuter die Lieder jedoch allesamt auf Englisch einsingt – lediglich einige Sprechpassagen sind mit französischen Worten und Sätzen versehen worden.

Auch der Nachfolger von „Flowers From Exile” weiß also zu überzeugen, jedoch nicht mehr in dem Maße, wie eben dieses Vorgängeralbum. Zwar hört man auf „Nos Chants Perdus” wieder sehr eingängigen Neofolk, den Jerome Reuter mit seiner warmen und weichen Stimme bestens mitzutransportieren weiß, jedoch befinden sich unter den zwölf Titeln auch einige, die dann nicht mehr ganz so überzeugen können, lediglich so ein wenig mitschwimmen. Was ich jetzt hier betreibe ist allerdings „Jammern auf allerhöchstem Niveau“. Solche Lieder wie Les Déracinés“, „Le Châtiment Du Traître“, „L'Assassin“ oder „La Commune“ sind einfach zum Knieerweichen schön und man darf diesen Luxemburgern im Grunde nur sehr dankbar sein, solche Musik, die wahrlich alles andere als kommerziell ist und klingt, auch noch im zweiten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts zu erschaffen.

Es gibt sie also wieder – auch auf „Nos Chants Perdus” – diese Melodien, in die sich vollständig einzutauchen lohnt. Das Album klingt sehr melodiös und eingängig, ist angefüllt mit Harmonien. Und natürlich schwebt über allem wieder diese etwas traurige, düstere und auch irgendwie verletzlich wirkende Atmosphäre, die diese Platte durchaus zu einer Gefahr für Menschen macht, die sowieso gerade nicht vor Optimismus sprühen oder – noch schlimmer – zur Depression leiden. Aufmunternd klingen diese sanften Töne niemals, sehr viel eher dazu geeignet in seine eigene süße Melancholie zu versinken und sich darin zu verlieren.

Fazit: Auch wenn ich das Vorgängeralbum „Flowers From Exile” noch einen Tick besser gelungen finde, so überzeugt doch auch „Nos Chants Perdus”. Auf dieser Platte hört man ruhige Musik, sanft und weich und immer mit einer etwas traurigen Note versehen. Perfekt zum Abtauchen und zum Zeit für sich selbst haben. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Les Déracinés, Le Châtiment Du Traître, L'Assassin, La Commune



Samstag, 31. Oktober 2015

Blue Öyster Cult – Blue Öyster Cult




Blue Öyster Cult – Blue Öyster Cult


Besetzung:

Eric Bloom – lead vocals, stun guitar, keyboards
Albert Bouchard – drums, lead vocals ("Cities On Flame With Rock And Roll")
Joe Bouchard – bass, lead vocals ("Screams")
Allen Lanier – rhythm guitar, keyboards
Donald "Buck Dharma" Roeser – lead guitar, lead vocals ("Then Came The Last Days Of May" and "Before The Kiss, A Redcap")


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Transmaniacon MC (3:20)
2. I'm On The Lamb But I Ain't No Sheep (3:10)
3. Then Came The Last Days Of May (3:30)
4. Stairway To The Stars (3:42)
5. Before The Kiss, A Redcap (4:56)
6. Screams (3:10)
7. She's As Beautiful As A Foot (2:56)
8. Cities On Flame With Rock And Roll (4:02)
9. Workshop Of The Telescopes (4:00)
10. Redeemed (3:50)

Gesamtspieldauer: 36:41




Manchmal scheint es fast so, als könne man sich manche Alben, manche Band, „schönhören“. Je öfters man das Album auflegt, desto besser gefällt es einem plötzlich. Irgendwie geht es mir so bei der ersten Scheibe von Blue Öyster Cult aus dem Jahr 1972. Lief dieses selbstbetitelte Album zuerst nur so durch, ohne auch nur die geringsten Spuren in meinem musikalischen Kosmos zu hinterlassen, änderte sich das jedoch mit der Zeit, nachdem die Platte einige Durchläufe hinter sich hatte und ihr garantiert bereits schwindelig war, nach so vielen Umdrehungen.

Leider wird dieses Album jedoch trotzdem nie zu meinen Favoriten zählen, denn das verhindern zwei ganz wichtige Umstände. Zum einen ist da etwas, was ich sonst wirklich nur ganz selten bemängele, nämlich der Sound. „Blue Öyster Cult“ von Blue Öyster Cult ist wahrlich schlecht abgemischt, das klingt alles irgendwie dumpf und unterdrückt. Und das Schlimme an der Sache ist, dass die remasterte CD-Fassung praktisch denselben Sound bietet, wie die Albumausgabe von 1972. Auch 1972 konnten Platten bereits brillant klingen, dafür gibt es genügend Beispiele, jedoch ist das nicht so bei „Blue Öyster Cult“, die dann wohl zwar digital remastert wurde, jedoch denselben, sehr misslungenen Sound auch auf CD aufweist.

Punkt Nummer zwei, warum dieses Album zwar okay ist, jedoch – zumindest bei mir – niemals Kultstatus erreichen kann, ist das Liedmaterial selbst auf der Platte. Zwar wachsen die einzelnen Nummer durchaus, jedoch so einen richtigen Ohrwurm, solch ein Lied, an welches man sich immer wieder erinnert, denkt man an das Debut von Blue Öyster Cult, das haben die fünf US Amerikaner aus Long Island, New York hier nicht hinterlassen. Alles nett und mit der Zeit auch eingängiger Hard Rock aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, jedoch leider keiner, der einen die Knie erweichen lässt. Dazu ist die Musik der Band hier auch viel zu „normal“, hat wenig Überraschendes zu bieten. Etwas härterer Rock eben, das war es dann aber leider auch schon.

Fazit: Ein handwerklich gut gemachtes Album ist das Debut von Blue Öyster Cult sicherlich. Handwerklich gut gemacht, wenn es um die Instrumente geht, jedoch nicht mehr, wenn damit die Abmischung, der Sound selbst gemeint ist, denn dieser ist deutlich zu dumpf geraten. Die einzelnen Titel sind in Ordnung, wachsen mit den Durchläufen der Scheibe, ohne wirklich ganz große Lieder zu werden. So ist für mich diese Scheibe kein großartiges Album geworden. Eher eine Platte, auf der Hard Rock aus den 70ern zu hören ist, der in genau dieser Zeit beheimatet ist und nur wenig auffällt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Then Came The Last Days Of May, Screams, She's As Beautiful As A Foot



Freitag, 30. Oktober 2015

Crème 21 – 30% Mehr




Crème 21 – 30% Mehr


Besetzung:


Udo Selber – Gesang
Michael Scheuber – Gitarre
Christoph Schirmer – Schlagzeug
Soosoo Sunbeam – Bass


Gastmusiker (ohne Instrumentenangabe):

Axel Wernecke
Andreas Herbig
Bejamin Hüllenkremer
Maik Bösenberg
Herbert Böhme


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Pop


Trackliste:

1. Ich Will Auch Mit (2:59)
2. Wann Wird's Mal Wieder Richtig Sommer (3:25)
3. Traumfrau (3:38)
4. Ich Mag Tiere (3:09)
5. Farbspiralen (3:10)
6. Liebe In Den Neunzigern ('96) (3:04)
7. Ich Kann Mich Nicht Entscheiden (3:02)
8. Wie Lange? (4:10)
9. Lüg Mich Bitte An (1:57)
10. Nur Von Hinten (2:53)
11. Ich (4:11)
12. Schlafen (3:28)

Gesamtspieldauer: 39:11




„30% Mehr“ ist die Wiederveröffentlichung des ersten Creme 21 Albums, welches zwei Jahre zuvor treffenderweise mit dem Album-Titel Creme 21 veröffentlicht wurde. Einige Titel wurden nun, 1996, noch hinzugefügt, deswegen jetzt auch der passende Name „30% Mehr“. Auf dieser Scheibe hört man eine Mischung aus Pop, Neuer Deutscher Welle, Punk und Deutschem Schlager. Eine ganz schön gewagte Mixtur also, die auch bis etwa zur Mitte der Platte ganz gut funktioniert, dann stürzt das Ganze jedoch leider völlig ab.

Bekannteste Lieder sind wohl das Rudi Carrell Cover „Wann Wird's Mal Wieder Richtig Sommer“ in einer etwas punkigen Version. Macht allerdings Spaß und ist so eine Art „Gute Laune Lied“. Absoluter Höhepunkt der Platte ist jedoch das wirklich witzige „Ich Mag Tiere“. Klasse Titel, der absolut ins Ohr geht. Dazu passend ein witziger Text, welcher sogar eine Botschaft bereithält. Und auch das Video mit dem unvergessenen Dirk Bach zaubert einem ein Lächeln auf das Gesicht. Ebenfalls noch gelungen ist die Nummer „Farbspiralen“. Hier ist es erneut wieder die Melodie, die überzeugt und ins Ohr geht.

Dann wird es allerdings sehr schwierig, die ganze Scheibe scheint wahrlich plötzlich abzustürzen. Nichts ist mehr überzeugend, weder die Musik selbst, die ganz klar in die Richtung „Belanglosigkeit“ driftet, noch die Texte, die oftmals zwischen platt und peinlich zu pendeln scheinen. Hier bewegen sich Creme 21 jetzt auf einem ganz schmalen Grat, der die Platte zu einer werden lässt, die man nicht mehr öffentlich hören kann, ohne verwunderte Blicke zu ernten: „Was hörst Du denn da? Hätte niemals gedacht, dass Dir so etwas gefällt.“ Stellvertretend dafür sollte man sich mal die Nummer „Nur Von Hinten“ reinziehen. Ganz schlimm.

Fazit: Ein paar ganz nette Stücke gibt es durchaus auf „30% Mehr“. Die machen auch Spaß, doch dann ist da eben auch noch dieser größtenteils nichtsagende Rest, der zum Teil sogar in die Peinlichkeit abdriftet. Aber egal, die Nummer „Ich Mag Tiere“ hat es in sich, sie lohnt die Anschaffung. Und der Rest? Ach was, Schwamm drüber. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Wann Wird's Mal Wieder Richtig Sommer, Ich Mag Tiere, Farbspiralen



Donnerstag, 29. Oktober 2015

Vic Chesnutt – Drunk




Vic Chesnutt – Drunk


Besetzung:


Vic Chesnutt – lead vocals, guitars, ukulele, whisteling, harmonica, backing vocals, samples


Gastmusiker:

Jeorge Seder – bass
Norman der Sluys – drums
Rob Veal – bass, drums, backing vocals, guitar
Stevie Smith – voice


Label: Texas Hotel


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Indie Folk


Trackliste:

1. Sleeping Man (4:39)
2. Bourgeois And Biblical (2:03)
3. (Voice of Stevie Smith) (0:33)
4. One Of Many (2:16)
5. Supernatural (3:36)
6. When I Ran Off And Left Her (2:55)
7. Dodge (4:10)
8. Gluefoot (2:21)
9. untitled (0:34)
10. Drunk (3:31)
11. Naughty Fatalist (3:15)
12. Super Tuesday (1:25)
13. Sleeping Man (Syd Straw Version) (4:45)
14. Kick My Ass (2:19)

Gesamtspieldauer: 38:30




Im Jahr 1983 verunglückte Vic Chesnutt mit einem Auto, welches er betrunken gesteuert hatte. Seitdem war der gebürtige US Amerikaner aus Florida hauptsächlich auf den Rollstuhl angewiesen. Dieser Vorfall verfolgte ihn logischerweise sein ganzes Leben und drückte sich auch in seinem Werk, seiner Musik aus, die größtenteils alles andere als fröhlich und optimistisch klingt. Das Ganze gipfelte schließlich in seinem Selbstmord am 25. Dezember 2009, den er wohl aus Angst beging, die anstehenden Krankenhauskosten für seine weitere Behandlung nicht mehr zahlen zu können.

Nun, depressiv klingt auch das dritte Album des Vic Chesnutt mit dem Titel „Drunk“ aus dem Jahr 1993. Folk Musik ist darauf zu hören, sehr traurige Folk Musik, die äußerst zurückhaltend und oftmals auch zerbrechlich klingt und wirkt. Meist werden die Lieder nur sehr sanft instrumentiert, laut wird es dabei nie. Diese Musik schlägt dabei auch einen leichten Bogen hin zum Alternative Country, der allerdings nicht stark ausgeprägt ist. Wer hier jetzt jedoch ganz normalen amerikanischen Folk erwartet, die oder der dürfte überrascht werden, denn im Werk des Vic Chesnutt ist nur Weniges „normal“.

Die Musik auf dieser Scheibe ist nicht immer gleich sehr eingängig. Manches Mal wirkt es auch ein wenig so, als wolle Vic Chesnutt mit Absicht den einen oder anderen Ton falsch singen oder spielen, um sich irgendwie abzuheben, vom ganzen Rest der Musiker. So ist die Platte an manchen Stellen durchaus eben nicht nur melodiös. Das ist sie jedoch bei den beiden Nummern „One Of Many“ und „Supernatural“. Denn auch wenn diese Scheibe nicht zu den besten gehört, die Vic Chesnutt veröffentlichte – man denke da nur an sein sehr überzeugendes Projekt „Brute“ – so enthält sie doch mit diesen beiden Nummern zwei, die mit zum Besten gehören, welche der US Amerikaner jemals geschrieben hat. Sanfter und eingängiger und sehr nachdenklicher Folk, der wahrlich gehört werden sollte.

Fazit: An manchen Stellen ist „Drunk” durchaus ein Beißer, weil man auch nicht genau weiß, wie Vic Chesnutt diese oder jene Stelle gemeint haben könnte. Überzeugend ist das durchaus wahrlich nicht immer. Dann gibt es allerdings auch diese wunderschönen Stellen auf „Drunk“, diesem so melancholischen und so nachdenklichen Album. Nicht immer, aber immer wieder überzeugend. Acht Punkte.

Anspieltipps: Sleeping Man, One Of Many, Supernatural



Mittwoch, 28. Oktober 2015

Dream Theater – Falling Into Infinity




Dream Theater – Falling Into Infinity


Besetzung:


James LaBrie – lead vocals, background vocals
John Petrucci – guitar, background vocals
Derek Sherinian – keyboard, background vocals
John Myung – bass, chapman stick
Mike Portnoy – drums, percussion, background vocals, harmony vocals


Gastmusiker:

Doug Pinnick – additional vocals


Label: East West Records


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Rock, Progressive Metal


Trackliste:

1. New Millennium (8:20)
2. You Not Me (4:58)
3. Peruvian Skies (6:43)
4. Hollow Years (5:53)
5. Burning My Soul (5:29)
6. Hell's Kitchen (4:16)
7. Lines In The Sand (12:05)
8. Take Away My Pain (6:03)
9. Just Let Me Breathe (5:28)
10. Anna Lee (5:52)
11. Trial Of Tears (13:05)
I. It's Raining
II. Deep In Heaven
III. The Wasteland

Gesamtspieldauer: 1:18:17




„Falling Into Infinity“ heißt das vierte Studioalbum von Dream Theater und es erschien im September 1997 bei East West Records. Progressive Metal hört man auch auf dieser Platte der US-Amerikaner nicht mehr ganz so viel, dagegen ist die Scheibe durchzogen von jeder Menge Mainstream, der natürlich nicht gerade die eingefleischten Dream Theater Fans nicht unbedingt ganz überzeugen konnte.

Ein gutes Beispiel für diesen Mainstream Ansatz ist gleich das zweite Lied des Albums „You Not Me“. Hier hört man auch keinen Metal, das ist eher 08/15 Rock, der wohl möglichst schnell zünden soll, das allerdings nicht so richtig schafft. Das ist bei der ersten Nummer des Albums noch deutlich anders. „New Millennium“ entspricht nun sehr viel mehr diesem musikalischen Genre, für das Dream Theater allgemein stehen. Allerdings kommen beim Hören des Stücks sofort Vergleiche zu King Crimson auf. Hier wurde ganz eindeutig etwas auf den Titel „Discipline“, aus dem gleichnamigen Album von King Crimson zurückgegriffen. Nun gut, das Lied lehnt sich daran an und ist allerdings, wie das Original, durchaus gelungen. Richtig hart wird es dann bei „Peruvian Skies“. Metal vom Feinsten mit durchaus progressivem Ansatz. Die Nummer geht auch gut ins Ohr. Das macht auch „Hollow Years”, nur dass es sich hierbei jetzt um eine sehr eingängige Ballade handelt. Mit Progressive Rock hat das nun allerdings so gar nichts mehr zu tun.

Allgemein sind die Titel auf „Falling Into Infinity“ deutlich weniger komplex geraten, als auf so manch anderer Dream Theater Scheibe. Dies begründet dann wohl auch den schlechten Ruf, den diese Platte bei vielen Fans der Band hat. Und wahrlich, wenn man dann solch eine Nummer wie „Burning My Soul“ hört, dann ist das zwar kraftvoller Metal, aber sonst eben nichts Besonderes mehr. Mitunter wirken Dream Theater hier auf „Falling Into Infinity“, als ob sie mal so richtig Lust hätten, öfters im Radio gespielt zu werden – und an diesem Eindruck kann auch die ganz nette Instrumentalnummer „Hell's Kitchen” leider nichts mehr ändern.

Und so ziehen sie vorbei an einem, diese Nummern, die mal härteren Rock darstellen, dann wieder weiche Balladen sind. Alles scheint für die breite Masse bereitet, denn progressiver Metal ist das wahrlich nur noch am Rande. Nur leider funktioniert das in seiner Gesamtheit nicht, denn richtig überzeugend klingt das alles keineswegs so ganz. Manchmal noch ganz nett, wie beim bereits erwähnten Opener „New Millennium“ oder bei der wirklich melodiösen Ballade „Hollow Years“. Vom zweiten sehr sanften Lied „Anna Lee“ kann man das schon nicht mehr so behaupten, da klingen Dream Theater dann eher schmalzig als ansprechend. Schade. Bliebe noch kurz die letzte Nummer der Platte, „Trial Of Tears“, zu erwähnen. Hier schaffen es die fünf Musiker jetzt doch noch mal, etwas spannender zu wirken. Sicherlich ist die die komplexeste Nummer der Scheibe und hier klingt die Band auch noch am ehesten, wie auf den vorherigen Alben.

Fazit: Ein Album für den Mainstream, um der breiten Masse zu gefallen, das ist „Falling Into Infinity“ geworden. Das klingt an manchen Stellen auch gelungen, an anderen wiederum leider nur noch langweilig. Musikalisch bewegt man sich auf dieser Scheibe zwischen den Polen Soft Rock und Metal. Progressive Metal gibt es dagegen kaum zu hören. Insgesamt sicher kein ganz schlechtes Album, bloß haben Dream Theater das durchaus schon besser hinbekommen. Acht Punkte.

Anspieltipps: New Millennium, Hollow Years, Trial Of Tears



Dienstag, 27. Oktober 2015

Eric Clapton – Rush




Eric Clapton – Rush


Besetzung:

Eric Clapton – vocals, guitar, dobro


Gastmusiker:

Randy Kerber – keyboards, organ, synthesizer
Greg Phillinganes – keyboards, piano, organ
Chuck Leavell – piano, organ
Robbie Kondor – synthesizer
Nathan East – bass
Tim Drummond – bass
Steve Ferrone – drums
Lenny Castro – percussion
Bill Champlin – background vocals
Vaneese Thomas – background vocals
Jenni Muldaur – background vocals
Lani Groves – background vocals
Buddy Guy – vocals, guitar
JayDee Mannes – pedal steel
Gayle Levant – celtic harp
Jimmy Bralower – drum machine
Bruce Dukov – concert master
David Frank – horn


Label: Reprise Records


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Soundtrack, Blues


Trackliste:

1. New Recruit (1:31)
2. Tracks And Lines (3:01)
3. Realization (2:41)
4. Kristen And Jim (3:40)
5. Preludin Fugue (3:20)
6. Cold Turkey (2:24)
7. Will Gaines (3:50)
8. Help Me Up (5:53)
9. Don't Know Which Way To Go (10:48)
10. Tears In Heaven (4:32)

Gesamtspieldauer: 41:46




„Rush“ ist ein Soundtrack-Album zum gleichnamigen Film aus dem Jahr 1992, welches oftmals auch als das zwölfte Solo-Album des Eric Clapton angesehen wird. Dies vor dem Hintergrund, da der Brite bei dieser Scheibe nur in drei Fällen kompositorische Unterstützung erhielt und sich ansonsten alleine für die Kompositionen verantwortlich zeigte. Und hört man die Scheibe durch, so wird man sich dem Umstand auch gar nicht unbedingt bewusst, dass „Rush“ einen Soundtrack darstellt, denn nur wenige Titel gehen in die Richtung eher Atmosphäre zu transportieren, auch wenn nur die letzten drei Titel über eine Gesangslinie verfügen.

Man hört auf „Rush“ durchaus Blues Musik, sanfte Musik, perfekt zum Ausspannen und Entspannen. Da macht es überhaupt nichts, wenn die einzelnen Titel hauptsächlich Instrumentalnummern sind. An manchen Stellen klingt es fast so wie bluesige Chill Out Musik, allerdings mit viel mehr Inhalt versehen. Die Titel gehen ins Ohr und machen mit jedem weiteren Durchlauf noch mehr Spaß, gerade so, als ob das Ohr erst langsam auf diese Art der Musik hätte vorbereitet werden müssen.

Nun, gegen Ende kommen sie dann, die Nummern mit Gesang. Jetzt wird es noch deutlich bluesiger. „Help Me Up“ singt Eric Clapton noch selbst. Dieses Lied hat er zusammen mit Will Jennings geschrieben, genau wie die letzte Nummer der Platte. Auch dieses Stück geht nach einer gewissen Zeit durchaus ins Ohr, hat jedoch nicht mehr die Klasse, vieler der Instrumentaltitel. Durchaus auch möglich, dass dies nur an meinem Empfinden liegt, bei dem dem Blues eben nicht Türen und Tore geöffnet sind – und schon gar nicht die Ohren. Das letzte Lied der Platte ist ebenfalls eine Co-Produktion zwischen Will Jennings und Eric Clapton und wohl das bekannteste Lied der ganzen Solo-Karriere des Eric Clapton. „Tears In Heaven“ wird nachgesagt, dass Clapton diese Nummer aufgrund des Todes seines Sohnes Conor schreib, was dieser jedoch mehrmals verneinte und sich auf den Film und den dortigen Verlust bezog. Sei es drum, die Nummer wurde mit Preisen überschüttet, geht ins Ohr. Mehr fällt mir dazu gar nicht ein, da ich sehr viele Lieder kenne, die in derselben Atmosphäre „fischen“ und für mich jedoch deutlich gelungener sind.

Nun und dann gibt es noch das scheinbare Hauptstück und mit fast elf Minuten längste Stück der Platte, „Don't Know Which Way To Go“. Geschrieben wurde die Nummer von Willie Dixon und Al Perkins. Beim Gesang hört man Buddy Guy. Dieser liefert sich hier eine Art „Challenge“ mit Eric Clapton, um den besten Bluesmusiker. Und jetzt mögen bitte alle Blues Freunde weghören, um mir nicht zu negativ gesonnen zu sein. Aber diese beiden Musiker verlieren sich bei diesem Lied in einem absoluten übertriebenen und selbstverliebten Gedudel, dass, wenn einem das Gen für diese Art der Musik fehlt – und mir fehlt das absolut – die beiden Musiker hier in ganz hohem Maße die Schmerzgrenze überschreiten. Die Nummer wirkt so etwas von gequält, in die Länge gezogen, übertrieben, dass es kaum auszuhalten ist. Unfassbar grausam und ich weise an dieser Stelle nochmals darauf hin, dass ich mich persönlich damit sehr schwer tue, ach was soll’s, mir dieses unsägliche Gedudel tierisch auf die Nerven geht.

Fazit: Nun, „Rush“ hat Höhen und Tiefen. Gut möglich, dass Menschen, denen „meine“ Höhen nicht gefallen mit „meinen“ Tiefen etwas anfangen können – und natürlich umgekehrt. Auf „Rush“ hört man Blues, irgendwie weniger Soundtrack Musik. Dieser Blues überzeugt sogar meistens, außer wenn er nur noch da ist, um zu zeigen, was man so alles kann und wie viele tolle Gefühle man doch mit diesem Blues erzeugen kann. Hey, weil wir sind ja tolle Blues Musiker. Keine schlechte Platte, wenn man denn die Fernbedienung bereithält. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Kristen And Jim, Will Gaines, Tears In Heaven



Montag, 26. Oktober 2015

The Clash – Combat Rock




The Clash – Combat Rock


Besetzung:

Joe Strummer – lead vocals, guitars, harmonica, piano
Mick Jones – guitars, vocals, keyboards, sound effects
Paul Simonon – bass, vocals
Topper Headon – drums, piano and bass on "Rock The Casbah"


Gastmusiker:

Allen Ginsberg – vocals on "Ghetto Defendant"
Futura 2000 – vocals on "Overpowered By Funk"
Ellen Foley – backing vocals on "Car Jamming"
Joe Ely – backing vocals on "Should I Stay Or Should I Go?"
Tymon Dogg – piano on "Death Is A Star"
Tommy Mandel (as Poly Mandell) – keyboards on "Overpowered By Funk"
Gary Barnacle – saxophone on "Sean Flynn"
Kosmo Vinyl - vocals on "Red Angel Dragnet"


Label: CBS


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Post Punk


Trackliste:

1. Know Your Rights (3:41)
2. Car Jamming (4:01)
3. Should I Stay Or Should I Go (3:09)
4. Rock The Casbah (3:43)
5. Red Angel Dragnet (3:46)
6. Straight To Hell (5:32)
7. Overpowered By Funk (4:53)
8. Atom Tan (2:31)
9. Sean Flynn (4:33)
10. Ghetto Defendant (4:45)
11. Inoculated City (2:15)
12. Death Is A Star (3:10)

Gesamtspieldauer: 46:05




Sechs Alben haben The Clash insgesamt in der Zeit von 1977 bis 1985 veröffentlicht. „Combat Rock“ ist das fünfte Album in dieser Reihe und es erschien im Jahr 1982. Nun, das musikalische Genre hier, bei dieser Platte, mit Punk oder Post Punk anzugeben ist durchaus gewagt, denn es trifft im Grunde genommen nur noch für den Anfang der Platte zu. Im weiteren Verlauf hört man dann ganz andere, für The Clash durchaus sehr ungewöhnliche Töne.

Nach einem der bekanntesten Lieder von The Clash „Should I Stay Or Should I Go” ist Schluss mit dem Punk. Ab hier wird es entweder experimentell, oder aber es klingt nach Reggae oder sogar nach Funk. Wenn man möchte kann man in diesem bunten Stilmix auch noch etwas Disco und Jazz mit entdecken. Dass diese etwas krude Mischung nicht bei allen Freunden von The Clash ankam, ist dabei wohl nicht weiter verwunderlich. Nicht umsonst wird „Combat Rock“ bei vielen der Fans als das schlechteste Clash Album überhaupt gehandelt.

Ich muss zugeben, mich trifft diese Musik auch absolut nicht. Ich finde zwar solch experimentelle Stücke wie „Sean Flynn“ noch ganz interessant, möchte allerdings bei solch Nummern wie „Overpowered By Funk“ am liebsten schreiend den Raum verlassen. Das ist echt nicht meine Welt. Funk kann richtig überzeugend sein, jedoch nicht so, auf diese Art und Weise. Hier groovt nichts, das Ganze wirkt eher nervtötend, völlig unausgegoren, irgendwie nicht fertiggestellt. Überhaupt geht auf dieser Scheibe nicht viel ins Ohr. Die Mitgröl-Nummer „Should I Stay Or Should I Go” ist da wirklich die einzige Ausnahme. Und zu oft sollte man dieses Lied auch nicht hören, denn dann hat man sich daran sehr schnell überhört. Tolle Melodien sind ansonsten Fehlanzeige auf dieser Platte.

Fazit: „Combat Rock“ von The Clash langweilt ein wenig. Zu begeistern schafft diese Scheibe nie, dafür erzeugt das Album jedoch manchmal einfach nur noch Kopfschütteln. Gelungene Musik kann ich darauf nur an wenigen Stellen entdecken. Meistens klingt das langweilig und sehr, sehr unausgegoren. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Know Your Rights, Should I Stay Or Should I Go, Sean Flynn, Death Is A Star



Sonntag, 25. Oktober 2015

The Cure – Disintegration




The Cure – Disintegration


Besetzung:

Robert Smith – vocals, guitars, keyboards, 6-string bass
Simon Gallup – bass guitar, keyboards
Porl Thompson – guitars
Boris Williams – drums, percussion
Roger O'Donnell – keyboards, piano
Lol Tolhurst – other instruments


Label: Elektra


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Gothic Rock


Trackliste:

1. Plainsong (5:15)
2. Pictures Of You (7:28)
3. Closedown (4:20)
4. Lovesong (3:30)
5. Last Dance (4:47)
6. Lullaby (4:10)
7. Fascination Street (5:15)
8. Prayers For Rain (6:09)
9. The Same Deep Water As You (9:21)
10. Disintegration (8:23)
11. Homesick (7:10)
12. Untitled (6:26)

Gesamtspieldauer: 1:12:21




Mag die Eine oder der Eine mal Gothic Rock hören? Dann würde ich immer die achte Scheibe von The Cure empfehlen. „Disintegration“ ist so etwas von intensiv, steht dabei sehr überzeugend für dieses musikalische Genre, dass es einem wirklich sehr schwer fällt ein besseres Beispiel zu finden. Es ist schon sehr überzeugend, was die Musiker um Robert Smith hier auf Platte gepresst haben.

Die Musik auf „Disintegration“ ist sehr traurig, sehr schwermütig, sehr düster, dunkel, nachdenklich, depressiv. Und dies alles in einer Art und Weise, die das Herz des Musik-Fans höher schlagen lässt. Auf „Disintegration“ taucht man in eine irgendwie marode geartete Welt ein, die trostlos ist, die darum bettelt, endlich erhört oder befreit zu werden. Dazu gesellt sich dieser Gesang des Robert Smith, der immer traurig, dazu noch manchmal verzweifelt, mal unfassbar enttäuscht, jedoch immer überzeugend und genau zu dieser Musik passend klingt. Hier gibt die Stimme die Stimmung wieder, das ist wahrlich was Besonderes in der heutigen Zeit.

Die Lieder auf „Disintegration“ gehen ins Ohr, breiten sich dort aus und werden nicht selten zu Ohrwürmern, die eine oder einem so schnell nicht mehr loslässt beziehungsweise vergessen werden. Höhepunkte sind für mich das fast schon swingende „Lovesong” und das sehr intensive „Lullaby”, welches so wirkt, als ob es in der psychiatrischen Station eines ganz beliebigen Krankenhauses geschrieben wurde. Und dann gibt es da noch die längste Nummer der Platte, „The Same Deep Water As You“. Das ist durchaus ein Zwischending zwischen New Wave und Gothic Rock, aber so etwas von intensiv und überzeugend. Hier wird keine Atmosphäre transportiert, hier wird Atmosphäre erzeugt, erschaffen. Bei diesem Titel – und nicht nur bei diesem Lied auf dem Album – gibt es diese Redundanzen, in die sich einzutauchen lohnt, die manche Musik zu etwas Besonderem machen.

Fazit: Musik wird immer in bestimmte Genres eingeteilt. Dieses hier heißt Gothic Rock. Und wenn dieses Album „Disintegration“ dieses musikalische Genre wirklich darstellen sollte, dann aber perfekt. Das ist Gothic Rock. Diese Platte sollten niemals Menschen anhören, die traurig sind schon gar zu depressiven Episoden neigen. Alles was negativ ist, das wird hier verstärkt. Trübselige Menschen, haltet Euch von dieser Platte fern! Elf Punkte.

Anspieltipps: Lovesong, Lullaby, The Same Deep Water As You



Samstag, 24. Oktober 2015

Faith No More – Angel Dust




Faith No More – Angel Dust


Besetzung:

Mike Bordin – drums
Roddy Bottum – keyboards
Billy Gould – bass
Jim Martin – guitars
Mike Patton – vocals, melodica


Label: Slash


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Alternative Metal


Trackliste:

1. Land Of Sunshine (3:44)
2. Caffeine (4:28)
3. Midlife Crisis (4:23)
4. RV (3:43)
5. Smaller And Smaller (5:11)
6. Everything's Ruined (4:34)
7. Malpractice (4:02)
8. Kindergarten (4:31)
9. Be Aggressive (3:42)
10. A Small Victory (4:57)
11. Crack Hitler (4:39)
12. Jizzlobber (6:38)
13. Midnight Cowboy (4:14)


Bonus Track der Wiederveröffentlichung:

14. Easy (3:06)

Gesamtspieldauer: 1:01:58




Manche meiner Platten habe ich lange nicht mehr gehört. Irgendwie scheinen einige Scheiben einfach mal eine Zeit lang hinten runterzufallen und in Vergessenheit zu geraten. Und wenn ich ehrlich bin, dann wundert es mich häufig auch nicht, dass meine Hand nie genau zu diesem oder jenem Album zuckte, wenn es darum ging, Musik für den heutigen Tag aufzulegen – warum soll man sich auch mit schlechter Musik den Tag versauen, wenn es so viel Gutes zu hören gibt. Manchmal ist es aber leider auch unfassbar schade, eine Platte über längere Zeit so links liegengelassen zu haben. Im Rahmen dieser Seiten kommt aber alles wieder auf meinen Plattenteller beziehungsweise in den CD-Player. Und das ist es auch, was mir hier so viel Spaß bereitet, endlich mal „Übersicht“ zu bekommen. Nun, „Angel Dust“ von Faith No More gehört dabei definitiv in die zweite Kategorie, zu jenen Alben also, bei denen ich mir nicht erklären kann, wie es überhaupt so weit kommen konnte, diese Scheibe aus den Augen zu verlieren.

„Angel Dust“ ist das vierte Studio-Album der US-amerikanischen Metal Band Faith No More aus Kalifornien. Und dieses Album ist so etwas von unfassbar abwechslungsreich, so düster bis dunkel, so rockig bis verspielt, so immer wieder überraschend und doch einheitlich. Hier gibt es die volle Dröhnung auf die Ohren und dann werden einem gleichzeitig wunderschöne Melodien auf die Ohren serviert. Da growlt (aber nur ganz, ganz wenig) Sänger Mike Patton mal, singt dann jedoch wieder so butterweich, als könne er kein Wässerchen trüben. Überhaupt dieser Mike Patton, der hier eine unglaublich große Bandbreite von dem zeigt, was ein guter Sänger mit seiner Stimme so alles „unternehmen“ kann.

Der Schwerpunkt liegt auf den eher härteren Nummern, „RV“, „Midnight Cowboy“ und das nachträglich hinzugefügte Lionel Ritchie Cover „Easy“ sind da eher die Ausnahmen. Alle diese drei Titel gehen sofort ins Ohr und bilden aufgrund ihrer „Sanftheit“ und auch augenzwinkernden Verspieltheit tolle Auflockerungen. Aber es gibt natürlich auf „Angel Dust“ jede Menge kraftvolle, nach vorne preschende Titel. Nun und da sage noch einer, Metal sei lediglich „harte“ Musik. Solche Nummern wie „Land Of Sunshine“, „Midlife Crisis” oder „Kindergarten” sprühen geradezu vor Melodiösität und Eingängigkeit. Sehr viel vielschichtiger und abwechslungsreicher präsentieren sich diese Nummern, als ein stupides und schnelles Bum – Tsching – Bum – Tsching und werden ganz schnell zu langanhaltenden Ohrwürmern.

Die Stimmung auf „Angel Dust“ ist eher ein wenig dunkel gehalten. Düster klingt es öfters und wenn Mike Patton dann dazu noch beschwörerisch auf die Hörerin beziehungsweise den Hörer einzusingen scheint, wird das Ganze noch intensiver. Die Lieder funktionieren hier zum Großteil auch nicht nach der Devise Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Solo – Strophe – Refrain, sondern sind vielschichtiger aufgebaut, häufig aus deutlich mehr Teilen zusammengesetzt, die eben nicht nach Schema F hintereinander abgespielt werden. Da macht es schon sehr viel Laune zu lauschen.

Fazit: Egal ob man ein Freund des Headbanging ist oder eher auf die „gepflegte“ Melodie steht, auf „Angel Dust“ ist für jeden was dabei. Und das Schöne daran ist, dass hier diese ganze Bandbreite nebeneinander existiert, perfekt miteinander verwoben ist und irgendwie alle anzusprechen scheint – egal ob Hard- oder Soft-Rocker. „Angel Dust“ wirkt aufgrund seiner Vielfalt, seiner Kraft, seines Ideenreichtuns, kurz aufgrund jeder Menge sehr überzeugender Musik. Sehr empfehlenswert. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Land Of Sunshine, Midlife Crisis, RV, Kindergarten