Donnerstag, 4. Februar 2016

Nickelback – Here And Now




Nickelback – Here And Now


Besetzung:

Chad Kroeger – lead vocals, lead guitar
Ryan Peake – rhythm guitar, piano, backing vocals
Mike Kroeger – bass, backing vocals
Daniel Adair – drums, backing vocals


Gastmusiker: 

Brian Howes – additional guitar
Rob Dawson – acoustic guitar on "Lullaby"


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. This Means War (3:20)
2. Bottoms Up (3:37)
3. When We Stand Together (3:10)
4. Midnight Queen (3:14)
5. Gotta Get Me Some (3:41)
6. Lullaby (3:48)
7. Kiss It Goodbye (3:35)
8. Trying Not To Love You (4:11)
9. Holding On To Heaven (3:51)
10. Everything I Wanna Do (3:26)
11. Don't Ever Let It End (3:49)

Gesamtspieldauer: 39:49




„Here And Now” heißt das siebte Studio-Album von Nickelback, was interessanterweise am 18. November 2011 zuerst im deutschsprachigen Raum veröffentlicht wurde. Im Rest der Welt erschien die Scheibe am 21. November, kam also drei Tage später in die Läden. Zu hören gibt es auf „Here And Now” dieses Mal eine wieder etwas weiter gefasste Variabilität in den Liedern von Nickelback. Hier hört man jetzt Mainstream Rock, Hard Rock und sogar ein paar Metal-Lieder beinhaltet die Scheibe nun.

Dadurch, dass die Kanadier hier ihre Musik wieder etwas variieren, wird das Ganze auch deutlich interessanter. Natürlich gibt es hier auch wieder Lieder, die einfach wie geschaffen sind für das Radio. Bestes Beispiel hierfür ist die Nummer „When We Stand Together“. Sehr eingängig, melodiös und dieses Mal sogar mit einem Refrain ausgestattet, der zum Mitgrölen einlädt: „Hey, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah“ kann man auch mitbrüllen, wenn man des Englischen nicht ganz so mächtig ist und es geht einem wohl auch mit der entsprechenden Promillezahl im Blut noch leicht über die Lippen.

Nun, Nickelback halten allerdings nicht nur diese Seite ihrer Musik für die Hörerin und den Hörer auf „Here And Now” parat. Das gerade erwähnte Lied „When We Stand Together“ wird zum Beispiel mit „Bottoms Up“ und „Midnight Queen“ von zwei Titeln eingerahmt, die dann sehr kompromisslos rocken. Hierbei handelt es sich schließlich auch nicht mehr um radiotaugliche Musik oder Dauerschleifenmusik und ein kommerzielles Anbiedern der Kanadier kann hier auch definitiv ausgeschlossen werden. Somit gestaltet sich diese Scheibe sehr viel interessanter und spannender als Vieles, was Nickelback sonst so ihren Hörerinnen und Hörern zu bieten hatte. Viele der Titel gehen dabei zwar nicht besonders gut und schon gar nicht beim ersten Mal des Hörens ins Ohr, aber sie rocken dafür und das ziemlich heftig – und das ist genau das, was man manchmal eben auch hören möchte, Musik die das Haupthaar ordentlich durchschüttelt.

Fazit: „Here And Now” ist ein spannenderes Album geworden, als so manch andere Scheibe der Kanadier von Nickelback. Das liegt daran, dass hier eben nicht nur Mainstream zu hören ist, sondern auch gut gemachter und vor allen Dingen harter Rock. Das gefällt sicherlich nicht jeder und jedem, eine Bereicherung im Spektrum von Nickelback stellt diese Scheibe für mich allerdings schon dar. Und die Texte vergessen wir an dieser Stelle mal ganz schnell. Neun Punkte.

Anspieltipps: When We Stand Together, Lullaby, Everything I Wanna Do



Mittwoch, 3. Februar 2016

Rome – Hell Money




Rome – Hell Money


Besetzung:

All words and music written, arranged and performed by Jerome Reuter


Label: Trisol


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Folk, Neofolk


Trackliste:

1. Tangier Fix (2:49)
2. Fester (3:56)
3. This Silver Coil (5:20)
4. Rough Magic (4:24)
5. Among The Wild Boys (2:47)
6. Amsterdam, The Clearing (3:18)
7. Silverstream (3:11)
8. Tightrope Walker (Wild Milk) (3:38)
9. Pornero (2:40)
10. Golden Boy (4:01)
11. Red-Bait (1:52)
12. The Demon Me (Come Clean) (5:09)

Gesamtspieldauer: 43:11




„Hell Money“ heißt das neunte Studioalbum des Luxemburgers Jerome Reuter, àlias Rome. 2012 erschien es auf dem Label Trisol und diese Platte ist bei vielen Fans der Band eine einigermaßen umstrittene Scheibe. Dies liegt sicherlich nicht daran, dass man auf „Hell Money“ wieder einige Soundkollagen zu hören bekommt, natürlich auch erneut der sehr sonoren und eingängigen Stimme des Jerome Reuter lauschen darf und auch nicht daran, dass es auf „Hell Money“ wieder sehr viel Folk zu hören gibt. Der Grund liegt darin, dass diese Scheibe sich trotz all dieser bewährten Ingredienzien etwas anders anhört, als so viele Platten von Rome zuvor.

Aber warum das? Fehlt da irgendetwas? Nun, genau das ist der Grund, warum diese Scheibe etwas anders geworden ist. Auf „Hell Money“ vermisst man nämlich diesen Neofolk-Anstrich, gewürzt mit etwas Industrial, der die Musik des Jerome Reuter sonst immer so gewürzt hat. Auf „Hell Money“ hört man zwar zumeist schöne Folk Musik, die auch ganz eindeutig im 21. Jahrhundert entstanden ist, sich jedoch nicht mehr sehr von weitaus älteren musikalischen Vertretern dieses Genres unterscheidet – vielleicht noch ansatzweise ab und an, aber nicht mehr sehr stark. Das bedeutet, dass es hier auf dieser Scheibe wohl noch schöne und eingängige akustische, Gitarren-lastige Musik zu hören gibt, jedoch das Besondere, das fehlt dem Album ein klein wenig.

Entledigt man sich allerdings diesem neueren Ansatz des Folk-Genres und nähert sich dem Album ohne irgendwelche Erwartungen, so lassen sich auch hier einige sehr gelungenen Titel entdecken, die es lohnt, gehört zu werden. Eines dieser Lieder heißt „Rough Magic“, geht mit all seinen Harmonien sofort ins Ohr und möchte sich daraus auch gar nicht mehr verabschieden. „Tightrope Walker (Wild Milk)“ und auch „Pornero“ sind ebenfalls sehr gelungene Nummern, die ins Ohr gehen. Allerdings sind sie auch etwas „alltäglicher“ geworden, entsprechen nicht mehr ganz den Ansprüchen, die Lieder häufig auf früheren Platten von Rome erfüllten.

Noch einiges mehr gibt es auf „Hell Money“ zu entdecken, da wird beim Hören die Luft häufig mit Melodiösität angefüllt, auch wenn nicht mehr alles so klingt, wie die Musik auf früheren Alben und dies hat noch weitere Gründe. „Hell Money“ unterscheidet sich auch dadurch von den Veröffentlichungen des Jerome Reuter vergangener Jahre, da die auf Deutsch eingesprochenen Texte hier nun völlig fehlen. Alles ist dieses Mal in englischer Sprache gehalten, was ein weiteres Argument dafür darstellt, dass „Hell Money“ ein irgendwie sehr viel „normaleres“ Album geworden ist. Keine Abwechslung mehr bezüglich der Sprache… Dazu kommt noch der Umstand, dass Jerome Reuter dieses Mal wirklich gar keine Hilfe von anderen Musikern mehr in Anspruch nahm, auf der Scheibe absolut alles in Eigenregie einspielte. „Hell Money“ ist eine Platte mit leicht in die neue Zeit übertragener Folk-Musik, zumeist harmonisch und melodiös, jedoch ohne den besonderen, innovativen Anspruch.

Fazit: Wer Folk Musik mag, die oder der wird auch „Hell Money“ lieben. Nur ein paar wenige Soundkollagen sind hier noch etwas experimentell, ansonsten ist diese Platte eine etwas alltägliche Scheibe geworden – zumindest für den Ansatz, den Rome sonst immer für seine Veröffentlichungen auswählt hat. Geht man ganz unvoreingenommen an dieses Album heran, dann gibt es darauf allerdings durchaus einiges zu entdecken. Möchte man es allerdings mit früheren Rome-Werken vergleichen, könnte dies jedoch zu Frust und Enttäuschung führen. Schön klingt es zumeist trotzdem. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Rough Magic, Amsterdam The Clearing



Dienstag, 2. Februar 2016

Three – To The Power Of Three




Three – To The Power Of Three


Besetzung:

Keith Emerson – keyboards
Robert Berry – vocals, guitars, bass
Carl Palmer – drums


Gastmusiker: 

Suzie O'List – backing vocals
Kim Liatt J. Edwards – backing vocals
Lana Williams – backing vocals


Label: Geffen Records


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: Mainstream, AOR


Trackliste:

1. Talkin' Bout (4:00)
2. Lover To Lover (4:12)
3. Chains (3:42)
4. Desde La Vida (7:06)
     (I) La Vista
     (II) Frontera
     (III) Sangre De Toro
5. Eight Miles High (4:08)
6. Runaway (4:42)
7. You Do Or You Don't (5:02)
8. On My Way Home (4:46)

Gedsamtspieldauer: 37:57




Es gab Emerson, Lake & Palmer, dann Emerson, Lake & Powell, nun also auch noch „Three“, was ausgeschrieben Emerson, Palmer & Berry bedeutet. Die 80er Jahre waren das Jahrzehnt der „Supergroups“, in dem die Progressive Rock Heroen verschiedener Bands der 70er Jahre sich zusammenfanden und neue Bands wie Asia oder GTR gründeten. Diese betätigten sich dann auf dem Felde des Mainstreams, des AOR, um gerade auf dem nordamerikanischen Musikmarkt noch den ein oder anderen Dollar zu verdienen – vor allen Dingen mit ihren Namen. „Three“ passt genau in diese „Schublade“, denn solo lief es weder bei Keith Emerson noch bei Carl Palmer und Robert Berry war als Bassist nicht mehr bei GTR zum Zuge gekommen, da dort die Bandmitglieder auch nicht mehr miteinander konnten. Nichts lag also näher, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, mehrere bekannte Namen müssen doch endlich auch wieder Musik verkaufen können

„To The Power Of Three“ wurde im März 1988 bei Geffen Records veröffentlicht und hat nur sehr wenig mit der Musik von Emerson, Lake & Palmer gemein. Die Musik von GTR oder spätere Asia-Alben ähneln den Liedern auf „To The Power Of Three“ von Three da schon deutlich mehr. Spannend ist das nicht, was man da zu hören bekommt, bombastisch manchmal schon, oberflächlich eingängig durchaus auch. Man kann sich diese Musik anhören, sie bleibt nur leider nicht hängen. Alles scheint auf den einen Augenblick des Hörens im Radio hingetrimmt zu sein. Dieser erste Eindruck sollte sitzen, Tiefgang musste das alles nicht mehr haben – und hat es auch nicht.

Man hört auf „To The Power Of Three“ acht Titel, die alle derselben Machart entsprechen, möglichst eingängig soll es klingen, ohne allzu viele Schnörkel, damit das nordamerikanische und männliche Publikum sich auch nicht allzu sehr beim Hören anstrengen muss. Anders ausgedrückt könnte man die ganze Scheibe auch mit überaus langweilig und belanglos umschreiben und würde den Nagel perfekt auf den Kopf treffen. Die Platte beinhaltet langweilige 08/15-Mainstream-Musik, bei der es völlig gleichgültig ist, ob diese – wie meistens – von Robert Berry stammt oder eine Gemeinschaftsproduktion aller drei Musiker darstellt. Lediglich die beiden Titel, von denen „Frontera“ sogar nur ein Teil der Nummer „Desde La Vida“ darstellt und das ganz nette „On My Way Home“ von Keith Emerson können da zumindest etwas punkten. Leider reihen sich ansonsten auch die zwei Cover-Versionen, „Chains“ und „Eight Miles High“ in diesen musikalischen Einheitsbrei ein. Wobei man diese Interpretation des Byrd Klassikers „Eight Miles High“ fast schon als musikalische Vergewaltigung empfinden kann.

Fazit: Mit Progressive Rock à la Emerson, Lake & Palmer hat diese Platte nur noch sehr wenig gemein. Sie floppte auch an der Ladentheke und brachte längst nicht den Erfolg, den sich die Protagonisten damals wohl davon versprachen. Die Scheibe erreichte trotz dieser kommerziellen Musik lediglich Platz 97 der US Billboard Charts. Keith Emerson äußerste angeblich später sogar mal in einem Interview, dass Three das kommerziellste Projekt gewesen sei, an dem er persönlich beteiligt gewesen wäre. Nun, so klingt es eben auch. Kommerziell, belanglos, langweilig. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Desde La Vida, On My Way Home



(Die GEMA unterbindet in Deutschland mal wieder jegliche Wiedergabe der Band auf YouTube. In allen anderen Ländern kann man die Titel nachhören. Ich befürchte die haben hier Angst, dass man die Lieder hört und die Platte gar keiner mehr kaufen will.)

Montag, 1. Februar 2016

XTC – Black Sea




XTC – Black Sea


Besetzung:

Terry Chambers – tama drums, tama snyper drum synthesizer, free form vocals
Dave Gregory – guitars, synthesizer, piano, vox humana
Colin Moulding – vocals, epiphone, newport bass
Andy Partridge – vocals, guitar, synthesizer


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: New Wave, Pop


Trackliste:

1. Respectable Street (3:37)
2. Generals And Majors (4:04)
3. Living Through Another Cuba (4:45)
4. Love At First Sight (3:06)
5. Rocket From A Bottle (3:30)
6. No Language In Our Lungs (4:52)
7. Towers Of London (5:24)
8. Paper And Iron (Notes And Coins) (4:14)
9. Burning With Optimism's Flames (4:15)
10. Sgt. Rock (Is Going To Help Me) (3:56)
11. Travels In Nihilon (6:56)

Gesamtspieldauer: 48:39




Die Musik der englischen Band XTC aus Swindon, England, ist nie wirklich einfach, nie zu melodiös oder eingängig. Nicht anders verhält es sich auch bei ihrem vierten Album aus dem Jahr 1980. „Black Sea“ heißt dieses und wurde auf Virgin Records im September dieses Jahres veröffentlicht. Zu hören gibt es darauf wieder jede Menge New Wave- bis Pop-Lieder, die alle ein wenig schräg und verschroben klingen. Allerdings fängt dieses etwas „Anderssein“ nicht erst bei der Musik an, bereits das Cover hält den Namen der Band in einer nicht ganz alltäglichen Art und Weise für den Konsumenten parat. Dort bilden nämlich eine Möwe, der Schiffsmast sowie ein Halbmond den Bandnamen XTC.

Musikalisch gesehen liegt das Besondere der Band zum einen an den Gesängen von Colin Moulding und Andy Partridge, die sich immer mal wieder mit ihrer Stimme überschlagen und ganz bewusst mitunter etwas „unbeholfen“ klingen. Allerdings ist auch die Musik keineswegs allzu eingängig und das ändert sich auch nicht, wenn man sich die Platte hundert Mal zu Gemüte führt. Klar klingen die einzelnen Lieder dann bekannter und vertrauter, jedoch werden sie dadurch auch nicht nur ein ganz kleines bisschen melodiöser oder aber harmonischer. Die Musik bleibt schwierig.

Was sich bei XTC immer lohnt, das ist den Texten ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Diese enthalten auch politische Botschaften, die durchaus zum Nachdenken anregen können, wenn man sich denn neben der Musik auch damit beschäftigen möchte. Ebenfalls sehr gelungen ist die Abmischung sowie die ganze Produktion der Scheibe an sich. Hier passt und funktioniert alles bestens. Das Album klingt voll und technisch überaus ausgereift, was man nicht von allen Pop-Scheiben zu Beginn der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts behaupten kann.

Fazit: XTC sind schon eine sehr seltsame Band. So großartig über den Status des Geheimtipps sind sie auch nie hinausgekommen, was sehr wahrscheinlich an jener fehlenden Melodiösität liegt. Diese, irgendwie schon mit Disharmonie zu umschreibenden Akkorde, gibt es zwar nicht durchgängig bei XTC zu hören, jedoch durchgängig auf „Black Sea“, einem Album, bei dem mir kein einziges Lied ins Ohr gehen möchte. Da helfen dann die guten Texte leider auch nicht mehr. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Respectable Street, Towers Of London



Sonntag, 31. Januar 2016

Steven Wilson – 4½




Steven Wilson – 4½


Besetzung:

Steven Wilson – guitars, lead vocals, autoharp, mellotron, piano, percussion, virtual instruments


Gastmusiker:

Adam Holzman – wurlitzer, hammond organ, minimoog, rhodes, piano
Dave Kilminster – guitar
Nick Beggs – bass, chapman stick, backing vocals
Guthrie Govan – guitar (track 3)
Craig Blundell – drums (tracks 1, 5, and 6)
Marco Minnemann – drums (track 3)
Chad Wackerman – drums (track 4)
Theo Travis – reeds (tracks 4 and 6)
Ninet Tayeb – vocals (track 6)


Label: Kscope


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Progressive Rock, Rock


Trackliste:

1. My Book Of Regrets (9:35)
2. Year Of The Plague (4:19)
3. Happiness III (4:32)
4. Sunday Rain Sets In (3:54)
5. Vermillioncore (5:13)
6. Don't Hate Me (9:34)

Gesamtspieldauer: 36:51




Ups, da bringt Steven Wilson Anfang des Jahres sein neues Studioalbum raus und man fragt sich, wie er das alles „auf die Reihe bekommt.“ So viele Projekte und dann zusätzlich noch das Re-Mastering alter Klassiker verschiedener Bands und dann schon wieder eine neue Veröffentlichung? Wieso hat der Tag eines Steven Wilson eigentlich mehr als 24 Stunden und meiner nicht? Nun, die Antwort ist bereits im Titel des Albums eingepflegt. „4½“ bedeutet in diesem Fall, dass es sich wohl doch nicht so ganz um die fünfte Solo-Platte des Porcupine Tree Sängers und Gitarristen handelt. Auf „4½“ gibt es Musik zu hören, die schon, zumindest in den Ursprüngen, etwas länger existiert. Nur hatte es diese Musik bisher in jener Form weder auf ein Porcupine Tree noch auf ein Steven Wilson Solo-Album geschafft. Man kann hier zwar nicht von „Resteverwertung“ sprechen, denn dazu ist das hier zu hörende Material einfach zu gut und auch noch erweitert und überarbeitet worden, jedoch beinhaltet „4½“ Musik, die eben ursprünglich nicht extra für diese Scheibe geschrieben wurde und die mancher Hörerin, manchem Hörer vielleicht an den ein oder anderen Stellen sogar bereits bekannt vorkommt.

Nun, dies wird sicherlich beim letzten Lied „Don’t Hate Me“ der Fall sein, welches Porcupine Tree Freunde bereits von der Platte „Stupid Dream“ aus dem Jahr 1999 her kennen dürften. Die Nummer ist in dieser Version auf „4½“ allerdings ein wenig „aufgehübscht“ worden. So hört man hier neben Steven Wilson selbst, Ninet Tayeb beim Gesang, die bereits auf dem letzten Steven Wilson Album „Hand.Cannot.Erase“ zu hören war. Dazu gesellt sich Theo Travis am Saxophon mit einem wahrlich beeindruckenden Solo, welches Erinnerungen an Pink Floyds „The Dark Side Of The Moon“ aufkommen lässt. Auch sonst taucht immer wieder mal eine Akkordfolge auf „4½“ auf, die einem bereits in einem Pocupine Tree oder aber einem Solo-Werk des Steven Wilson begegnet war. Allerdings handelt es sich hier nun wirklich nur um kurze Fragmente, nicht mehr so wie bei „Don’t Hate Me“ um ein vollständiges Lied.

Ansonsten hört man auf „4½“ manchmal sphärische Musik, manchmal sehr überzeugenden Progressive Rock, wie er eben im 21. Jahrhundert klingt. Da gibt es die langsamen und getragenen Parts genau wie die treibenden Abschnitte. Und wieder hat es Steven Wilson dabei geschafft, viele neue Melodien zu kreieren die sich ziemlich schnell bei Hörerin und Hörer festzusetzen verstehen. Das macht schon jede Menge Laune auf mehr, welche allerdings bei einem Album, das in der heutigen Zeit deutlich unter vierzig Minuten Laufzeit aufweist, nicht befriedigt wird. Dies ist ganz klar ein Nachteil dieser Scheibe, die sonst musikalisch durchaus zu überzeugen versteht. Und wenn man sich dann noch bewusst macht, dass dies hier eine Platte ist, angefüllt mit ursprünglichen Schnipseln und Ideen, die zum Teil aus Liveauftritten stammen oder bereits über zwölf Jahre alt sind, dann wundert man sich noch ein wenig mehr, wie viel Kreativität in diesem Musiker zu stecken scheint.

Fazit: Nun, „4½“ kann durchaus als das fünfte Solo-Album des Steven Wilson angesehen werden, auch wenn die Ideen auf dieser Platte schon deutlich vor dem Veröffentlichungstermin entstanden sind und zum größten Teil dann Mitte des Jahres 2015 erst fertiggestellt wurden. Das Album ist etwas kurz geraten, sicherlich ein kleiner Nachteil, allerdings entschädigt die Musik dafür, die Steven Wilson Fans den Tag versüßen dürfte. Zehn Punkte.

Anspieltipps: My Book Of Regrets, Year Of The Plague, Don't Hate Me



Samstag, 30. Januar 2016

World Party – Private Revolution




World Party – Private Revolution


Besetzung:

Karl Wallinger – vocals, guitars, bass, sampling keyboards


Gastmusiker:

Delahaye – percussion
Rufus Dove – electric guitars
Martin Finnucane – harp ("Dance Of The Hoppy Lads")
Ahmed Gottlieb – sitar and tabla
Millennium Mills – piano
Sinéad O'Connor – backing vocals ("Private Revolution", "Hawaiian Island World")
Anthony Thistlethwaite – saxophone ("Ship Of Fools")
Will Towyn – sampling keyboards
Steve Wickham – violin


Label: Chrysalis Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Private Revolution (4:01)
2. Making Love (To The World) (2:30)
3. Ship Of Fools (4:27)
4. All Come True (5:52)
5. Dance Of The Hoppy Lads (0:44)
6. It Can Be Beautiful (Sometimes) (3:00)
7. The Ballad Of The Little Man (5:02)
8. Hawaiian Island World (4:20)
9. All I Really Want To Do (4:43)
10. World Party (4:36)
11. It's All Mine (5:33)

Gesamtspieldauer: 45:04




„World Party“ ist das Projekt des Walisers Karl Wallinger, der vorher, von 1983 bis 1985, die Keyboards bei Mike Scotts Waterboys spielte. Schließlich verließ er die Band, um World Party zu gründen. Was ebenfalls wie eine Band, bestehend aus mehreren Musikern aussieht, ist jedoch praktisch ein Solo-Projekt des Karl Wallinger. Dieser erhielt auf „Private Revolution“ zwar Unterstützung durch Anthony Thistlethwaite, Steve Wickham und Sinéad O'Connor, steckt jedoch selbst hinter den meisten anderen, in den Credits genannten Namen. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass auch nur Karl Wallinger selbst auf dem Album-Cover zu sehen ist. „Private Revolution“ stellt das erste von insgesamt fünf Alben bis zum Jahr 2000 von World Party dar und wurde 1986 auf dem Label Chrysalis Records veröffentlicht.

Zu hören gibt es auf „Private Revolution“ meist gut gemachte und nicht ganz alltägliche Pop-Musik, die hin und wieder auch ein wenig in den Bereich des Rocks ausschlägt. Nicht abzusprechen ist dem walisischen Musiker dabei sein Gefühl für die eingängige Melodie, die sich immer wieder im Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers festzusetzen versteht. Dies allerdings obwohl es auf „Private Revolution“ durchaus auch mal einen ungewohnten, vielleicht etwa schrägeren Ton zu hören gibt. Nach Mainstream-Pop klingt diese Plätte nämlich absolut nicht. Die Stimmung auf dieser Scheibe ist dabei eine durchaus fröhliche, ohne dabei überschwänglich zu wirken. Traurig, melancholisch oder aber sentimental klingt jedoch nichts auf „Private Revolution“.

Herausragendes Stück dieses Albums ist sicherlich das Stück „Ship Of Fools“. Klasse Melodie, ein Rhythmus zum Mitwippen, eine sehr gelungene Instrumentierung, bei der es auch ein Saxophon zu hören gibt und dazu ein überaus intelligenter Text – Pop-Rock-Fan was erwartest Du mehr? Aber die Scheibe hat durchaus noch ein paar „Perlen“ mehr zu bieten. Das Bob Dylan Cover „All I Really Want To Do” lohnt sich genau wie das Lied es Bandnamens „World Party”, welches zuerst sphärisch, dann eher folkig und schließlich doch wieder poppig klingt. Und dann gibt es da auch noch die sehr kurze Instrumentalnummer „Dance Of The Hoppy Lads“, die man gerne noch länger hören würde. Klingen die Lieder dagegen etwas nach Synthie Pop, wie das ein klein wenig bei den ersten beiden Stücken auf „Private Revolution“ der Fall ist, ist die Musik von World Party bei Weitem nicht mehr so überzeugend und in diesen Fällen eher enttäuschend.

Fazit: Ein wirklich interessantes Pop-Album ist „Private Revolution“ von World Party geworden. Nicht alles darauf ist zwar gleich überzeugend, doch es gibt einige Lieder, die einfach Lust auf mehr nach dieser „Band“ machen, die im Grunde genommen ein Karl Wallinger Solo-Projekt ist. Nicht unbedingt Musik, die einen so gar nicht mehr loslässt, obwohl „Ship Of Fools“ sicherlich länger hängenbleibt, jedoch Pop-Musik, die sich oftmals positiv von der „Durchschnittsware“ abhebt. Neun Punkte.

Anspieltipps: Ship Of Fools, Dance Of The Hoppy Lads, World Party



Freitag, 29. Januar 2016

Whitesnake – 1987




Whitesnake – 1987


Besetzung:

David Coverdale – lead vocals
John Sykes – guitars, backing vocals
Neil Murray – bass
Aynsley Dunbar – drums, percussion


Gastmusiker:

Don Airey – keyboards
Bill Cuomo – keyboards
Adrian Vandenberg - guitar solo on "Here I Go Again"


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Still Of The Night (6:38)
2. Bad Boys (4:09)
3. Give Me All Your Love (3:30)
4. Looking For Love (6:33)
5. Crying In The Rain (5:37)
6. Is This Love (4:43)
7. Straight For The Heart (3:40)
8. Don't Turn Away (5:11)
9. Children Of The Night (4:24)
10. Here I Go Again (4:33)
11. You're Gonna Break My Heart Again (4:11)

Gesamtspieldauer: 53:00




„1987“ heißt das siebte Album der Hard Rocker von Whitesnake, deren Taktgeber David Coverdale, Ende 1973 bis 1975 für drei Scheiben auch die Stimme von Deep Purple war. Diese Platte „1987“, die in den USA lediglich „Whitesnake“ hieß und dort sogar zwei Titel weniger aufwies, stellte den Durchbruch für die Band in den USA dar.

Auf „1987“ hört man auch wirklich gut gemachten Hard Rock, der an manchen Stellen ein klein wenig die Richtung hin zum Heavy Metal einschlägt. Dabei enthält die Platte mit „Still Of The Night“ auch eines der besten Stücke von Whitesnake. Eine wahrlich mitreißende Nummer, mit tollem Zwischenteil, die sehr schnell ins Ohr geht und auf das Allerbeste zu rocken und unterhalten versteht. Auch „Here I Go Again“ ist ein Titel, der nach der Veröffentlichung der Scheibe in den Radios rauf- und runterlief. Allerdings ist das dann bereits ein Abstecher in den Mainstream des Rocks, der bei „Still Of The Night“ noch nicht so gegeben ist. Whitesnake klingen für mich am überzeugendsten auf „1987“, wenn sie kompromisslos rocken, nicht zu sehr nach AOR oder eben Mainstream klingen. Immer dann wirkt die Musik der Band am meisten und besten.

Somit könnte „1987“ eigentlich ein ganz gutes, hartes Rockalbum sein. Ist es allerdings leider aber nicht geworden. Und das liegt am Gesang des David Coverdale. Nun, der Engländer kann singen, das steht außer Frage. David Coverdale ist sogar ein sehr überzeugender Rock-Sänger. Ich weiß, die meisten hören bei englischsprachiger Musik nicht so sehr auf den Text, ich mache das allerdings. Und wenn man dies macht, dann sitzt man mit offenem Mund da und lauscht dieser absoluten Einfallslosigkeit à la „Ich liebe Dich“, „Hey verlasse mich doch nicht“, „Oh, Du brichst mir das Herz“, „Mmmh, jetzt bin ich aber traurig“, „Du, ich liebe Dich doch ganz arg, glaube mir bitte“ und so weiter und so fort. Dauernd geht es um dieses Thema „Liebe“, man kann es irgendwann einfach nicht mehr hören. Das ist so etwas von langweilig und man fragt sich immer wieder, wie ein erwachsener Mann, der doch sonst so auf „hart“ macht, andauernd dieses Schleim absondern kann. Es ist unfassbar und senkt den Gesamteindruck dieser Platte und überhaupt der Musik von Whitesnake in meinen Augen leider sehr deutlich.

Fazit: Gut gemachte Hard Rock Musik hört man auf „1987“. Manches Mal driftet diese sogar etwas in das Genre Metal ab, ohne dass dies irgendwie negativ wäre. Dazu gesellen sich noch einige sehr eingängige Nummern, die auch hängenbleiben und Spaß machen. Bis dahin alles gut. Doch diese Musik besteht eben nicht nur aus der Musik selbst, sondern auch aus den dazugehörenden Texten. Diese kommen leider nicht über das Niveau eines verliebten, fünfzehnjährigen Teenagers hinaus, sind grottenschlecht und katastrophal. Es ist zum Heulen, wie man im Grunde genommen gute Musik mit solch einem Gesäusel so zerstören kann. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Still Of The Night, Crying In The Rain, Here I Go Again



Donnerstag, 28. Januar 2016

Steve Winwood – Arc Of A Diver




Steve Winwood – Arc Of A Diver


Besetzung:

Steve Winwood – acoustic & electric guitars, mandolin, bass, drums, percussion, drum machines, keyboards, synthesizers, organ, lead & backing vocals


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Pop, Funk


Trackliste:

1. While You See A Chance (5:12)
2. Arc Of A Diver (5:28)
3. Second-Hand Woman (3:41)
4. Slowdown Sundown (5:27)
5. Spanish Dancer (5:58)
6. Night Train (7:51)
7. Dust (6:20)

Gesamtspieldauer: 40:02




„Arc Of A Diver” heißt das zweite Solo-Studioalbum des Steve Winwood, welches am Silvestertag des Jahres 1980 auf dem Label Island Records veröffentlicht wurde. Steve Winwood, der Multi-Instrumentalist und Ex-The Spencer Davis Group-, Ex-Traffic-, Ex-Blind Faith- und Ex-Go-Musiker spielte alle Instrumente auf dieser Scheibe ohne jegliche weitere Unterstützung durch andere Musiker ein. Mit dem Titel „While You See A Chance“ enthält „Arc Of A Diver” zudem eines der bekanntesten Stücke des Steve Winwood. „While You See A Chance“ ist eine sehr eingängige Pop-Nummer, die ohne große Umwege ins Ohr geht. Wiedererkennungswert garantiert.

Ansonsten befindet sich eine Mischung aus reinen Pop- und funkig angehauchten Pop-Liedern auf dieser Scheibe. Das bereits erwähnte „While You See A Chance“ ist dabei gleichzeitig der einzige Titel, der ein wenig aus dem Rest des Albums hervorsticht. Unterstützung bezüglich der kompositorischen Arbeit erhielt Steve Winwood bei dieser Platte übrigens von Wilbur "Will" Jennings, der später seinen größten Erfolg dadurch feierte, dass er den Text zum Titanic-Hauptsong „My Heart Will Go On“ schrieb, der von Celine Dion gesungen wurde. Dies wiederum sagt bereits einiges über die Qualität vieler Texte auf „Arc Of A Diver” aus, die nicht selten etwas schmalzig klingen.

Erfolgreich war die Scheibe vor allen Dingen in den USA und bedeutete letztendlich auch den Durchbruch für Steve Winwood mit seiner Solo-Karriere. Für mich sind die Lieder allerdings eher langweilig geraten, nichtssagend und in keinster Weise irgendwie hörenswert. Das Album plätschert so vor sich hin, die Texte sind süßlich, genau wie die Musik, die im ersten Lied noch „ganz nett“ ist, dann jedoch absolut belanglos wird. Funkiger Pop, so etwas muss man eben mögen… Positiv an dieser Stelle ist allerdings die Cover-Gestaltung des Albums anzuführen, die vom Londoner Künstler Tony Wright entworfen wurde. Sehr gelungen und in seiner Einfachheit absolut überzeugend.

Fazit: Funkigen Pop hat das zweite Album des Steve Winwood, „Arc Of A Diver”, für die Hörerin und den Hörer zu bieten. Insgesamt ist das alles sehr seichte Musik, von Texten angefangen bis hin zu der Musik selbst. Das muss man allerdings nicht so sehen, denn in dem Buch, „1001 Alben, die man gehört haben sollte bevor man stirbt“, ist auch „Arc Of A Diver” vertreten. Oder ist diese Scheibe dort etwa nur aufgeführt, um Beispiele anzuführen, wie man seine Zeit auch verplempern kann? Fünf Punkte.

Anspieltipps: While You See A Chance



Mittwoch, 27. Januar 2016

Emerson, Lake & Palmer – Works Volume 1




Emerson, Lake & Palmer – Works Volume 1


Besetzung:

Keith Emerson – keyboards, piano
Greg Lake – vocals, bass, guitar
Carl Palmer – drums, percussion


Gastmusiker:

Orchestra de L'Opera de Paris – orchestra
Godfrey Salmon – conductor
London Philharmonic Orchestra – orchestra
John Mayer – conductor
Joe Walsh – guitar, scat vocals


Label: Palm Beach International Recordings Ltd.


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

Platte 1, Seite 1 (Keith Emerson):

1. Piano Concerto No. 1 (18:27)
     I. First Movement: Allegro Giojoso
     II. Second Movement: Andante Molto Cantabile
     III. Third Movement: Toccata Con Fuoco


Platte 1, Seite 2 (Greg Lake):

1. Lend Your Love To Me Tonight (4:01)
2. C'est La Vie (4:16)
3. Hallowed Be Thy Name (4:35)
4. Nobody Loves You Like I Do (3:56)
5. Closer To Believing (5:33)


Platte 2, Seite 1 (Carl Palmer):

1. The Enemy God Dances With The Black Spirits (3:20)
2. L.A. Nights (5:42)
3. New Orleans (2:45)
4. Two Part Invention In D Minor (1:54)
5. Food For Your Soul (3:57)
6. Tank (5:08)

Platte 2, Seite 2 (Emerson, Lake & Palmer):

1. Fanfare For The Common Man (9:40)
2. Pirates (13:18)

Gesamtspieldauer Platte / CD 1 (40:48) und Platte /CD 2 (45:35): 1:26:23




Die Idee, die hinter der Doppel-LP beziehungsweise Doppel-CD „Works“ steckt ist die, dass jeder der drei Musiker von Emerson, Lake und Palmer eine eigene Seite bekommen sollte, die er unabhängig von den jeweils anderen beiden Musikern füllen konnte. Die zweite Seite auf Platte 2 war dagegen als Gemeinschaftsprojekt vorgesehen und sollte den krönenden Abschluss dieses fünften (oder sechsten, je nachdem wie man „Pictures At An Exhibition“ bewertet) Studioalbums der Band darstellen.

Das alles verbindende Element auf „Works“, welches erst im Nachhinein „Works, Volume 1“ genannt wurde, ist das Orchester, welchem sowohl in den Solo-Projekten, wie in den beiden Band-Titeln der letzten Plattenseite, eine besondere Rolle zukommt. Nicht weiter verwunderlich ist dies bei Keith Emersons „Piano Concerto No. 1“. Hier versucht der Pianist ganz klar seinen Vorbildern in der Klassik nachzueifern. Dieses über achtzehnminütige Werk klingt dabei auch durchaus interessant und spannend, hat allerdings mit Rockmusik natürlich überhaupt nichts mehr zu tun. Das ist kein Progressive Rock, das ist moderne klassische Musik, die sich allerdings ganz deutlich an die alten Meister anlehnt. Wer also klassischer Musik etwas abgewinnen kann, die oder der wird auch von Keith Emersons „Piano Concerto No. 1“ nicht enttäuscht werden, obwohl man hier natürlich keinen zweiten Peter Tschaikowski oder Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow hört.

Es folgt die Seite des Greg Lake, der sich beim Komponieren Unterstützung von Peter Sinfield holte. Wie nicht anders zu erwarten ist diese Seite des Albums angefüllt mit sehr weichen, manchmal auch überaus kitschigen Pop Songs. Zum Teil sind diese sogar sehr eingängig, wie das wirklich melodiöse „C'est La Vie“, welches allerdings auch auf dem schmalen Grat zwischen süßlich und harmonisch mal in diese, mal in jene Richtung taumelt. Trotzdem kann man diesen Titel noch gut anhören, was man von solch einer Nummer wie „Nobody Loves You Like I Do“ beileibe nicht mehr behaupten kann. Allein der Lied-Titel sagt hier schon einiges über die Qualität des Stücks aus. Furchtbar.

Die Seite des Carl Palmer gestaltet sich dann als jene, die dem progressiven Rock am meisten huldigt. Palmer bedient sich zwar bei zwei Titeln auch den Werken zweier Komponisten, nämlich Sergei Prokofiev und Johann Sebastian Bach, adaptiert und arrangiert deren Musik allerdings neu. Schließlich gibt es noch vier weitere, treibende Kompositionen zu hören, von denen drei aus eigener Feder stammen, eine in Zusammenarbeit mit Keith Emerson entstand. Das sind dann wahrlich Progressive Rock-Musik Stücke, nicht sehr eingängig, dafür ausgestattet mit jeder Menge krummer Takte und schräger Töne – gerade so, wie es für die ganze Band Emerson, Lake & Palmer häufig so typisch ist.

Bleibt noch die Seite 2 der Platte 2. Hierauf befinden sich nun die Band-Kompositionen an denen alle drei Musiker beteiligt waren. Bei dem knapp zehnminütigen „Fanfare For The Common Man“ handelt es sich um die Adaption des gleichnamigen Aaron Copeland Stücks. Treibend, mit zahlreichen, recht synthetisch klingenden Fanfarensounds ausgestattet, an denen sich Keith Emerson so richtig ausleben kann. Bliebe noch „Pirates“, für mich neben Emersons „Piano Concerto No. 1“ das beste Stück der Platte. Wieder wird dem Orchester eine sehr große Rolle zugedacht. Das Lied klingt mitunter bombastisch, dann wieder nach klassischer Musik und schließlich auch nach Rock Musik. Die verschiedenen Abschnitte gehen gut durchdacht und sehr fließend ineinander über, was die Nummer sehr abwechslungsreich werden lässt. Die harmonischen Abschnitte gibt es dabei in den orchestralen Teilen zu erlauschen, während die Rock-Abschnitte treibend sind und längst nicht mehr so melodisch klingen.

Fazit: Alle drei Musiker konnten sich auf „Works, Volume 1“ bestens präsentieren. Für das Jahr 1977, in dem progressive Rock-Musik dem Untergang geweiht war, da den meisten Bands nichts mehr einfiel und der allgemeine Musikgeschmack sich mehr in Richtung einfacherer Songs orientierte, welchen die aufkommende Punk-Welle auch bestens bedienen konnte, war diese Platte durchaus eine gewagte Scheibe. Es ist sicherlich nicht die beste Platte von Emerson, Lake & Palmer. Zum Teil wurde sie sogar von den Kritikern zerrissen. So schlecht finde ich das Ganze allerdings auch nicht und ich kenne dabei kein anderes Album, auf welchem ein größeres musikalisches Spektrum abgebildet wurde, als auf „Works“ von Emerson, Lake & Palmer. Die Platte klingt immer wieder überzeugend, manchmal bleibt dort allerdings auch nur ein Kopfschütteln zurück. Aber interessant, das bleibt die Scheibe meistens. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Piano Concerto No. 1, C'est La Vie, Pirates



Dienstag, 26. Januar 2016

Dinosaur Jr. – Hand It Over




Dinosaur Jr. – Hand It Over


Besetzung:

J Mascis – vocals, lead guitar, rhythm guitar, keyboards, drums
Mike Johnson – bass
George Berz – drums


Gastmusiker:

Kevin Shields – vocals
Bilinda Butcher – vocals
Tiffany Andorc – vocals
Kurt Fedora – bass
Dan McLaughlin – keyboards


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. I Don't Think (3:22)
2. Never Bought It (3:42)
3. Nothin's Goin On (3:14)
4. I'm Insane (3:53)
5. Can't We Move This (3:41)
6. Alone (8:01)
7. Sure Not Over You (4:09)
8. Loaded (3:27)
9. Mick (4:39)
10. I Know Yer Insane (3:04)
11. Gettin' Rough (2:12)
12. Gotta Know (4:47)

Gesamtspieldauer: 48:16




Dinosaur Jr. ist eine US-amerikanische Alternative Rockband aus Amherst, Massachusetts, die in den Jahren von 1985 bis 1997 und dann wieder nach der Re-Union ab 2007 bisher insgesamt zehn Studioalben veröffentlichte. „Hand It Over“ ist dabei die siebte Scheibe in dieser Reihe und wurde kurz vor der Auflösung der Band veröffentlicht, die sich dann im Jahr 2005 wieder in der ursprünglichen Besetzung neu gründete und weitere drei Studioalben einspielte.

Einen richtigen „Hit“ hat diese Scheibe nicht, trotzdem ist die Musik auf „Hand It Over“ sehr hörenswert, wenn jemand auf gut gemachten Alternative Rock steht, der gar nicht mal so alltäglich ist. Das wiederum liegt an dem Sound der Band selbst, der mitunter etwas entrückt und schräg wirkt – auch Einflüsse des Psychedelic Rock lassen sich hier entdecken. Die Musik geht dabei durchaus gut ins Ohr, auch wenn man vielleicht ein paar Durchläufe für diese Scheibe einkalkulieren muss, denn so ohne Weiteres erschließt sich einem die Platte nicht sofort. Dann aber starten die Titel, die auch sehr markant durch den Gesang J Mascis untermalt werden. Dieser erinnert manchmal sogar etwas an jenen des Robert James Smith von The Cure. Nur leicht zwar, aber doch immer wieder.

Herauszuheben auf „Hand It Over“ ist auf jeden Fall das über achtminütige „Alone“, welches diese ganze „Andersartigkeit“ von Dinosaur Jr. sehr gut zusammenfasst und stellvertretend darstellt. Ein wenig mystisch wie auch psychedelisch klingt dieser Titel, der einfach nur sehr laut gehört werden möchte. Besonders gelungen sind hier die langen und epischen Instrumentalpassagen, die zum Teil an die Musik der frühen 70er Jahre erinnern. Wirklich überzeugend. Sehr viel schneller ins Ohr gehen jedoch die Nummern „Never Bought It“ und „I'm Insane“, was in beiden Fällen an sehr markanten Keyboardläufen liegt, die sich jeweils sofort im Ohr festsetzen. Jedoch ist auch bei diesen beiden Nummern so ein gewisser Einschlag in Richtung Psychedelic Rock nicht ganz von der Hand zu weisen – und das ist überaschenderweise alles Mitte bis Ende der 90er Jahre entstanden. Auch die anderen Titel auf „Hand It Over“ können überzeugen und stellen gute und überzeugende Alternative Rock Lieder dar, die man immer wieder gerne hört.

Fazit: Dinosaur Jr. ist hier in Deutschland keine allzu bekannte Band. Schade eigentlich, denn gerade Freundinnen und Freunde des Alternative Rock kommen bei der Musik der Band voll auf ihre Kosten. Wenn es dann auch nicht ganz der Mainstream sein muss, gewisse Eigenheiten in Form von durchaus ungewöhnlicheren Tönen auch als spannend angesehen werden, dann stellt „Hand It Over“ einen musikalischen Tipp dar, der unbedingt mal angetestet werden sollte. Gerade wegen dem etwas anderen Stil ist die Musik von Dinosaur Jr. auf „Hand It Over“ sehr empfehlenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Never Bought It, I'm Insane, Alone



Montag, 25. Januar 2016

Dire Straits – Dire Straits




Dire Straits – Dire Straits


Besetzung:

Mark Knopfler – vocals, lead and rhythm guitars
David Knopfler – rhythm guitar, vocals
John Illsley – bass, vocals
Pick Withers – drums


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Rock


Trackliste:

1. Down To the Waterline (4:02)
2. Water Of Love (5:26)
3. Setting Me Up (3:19)
4. Six Blade Knife (4:13)
5. Southbound Again (2:59)
6. Sultans Of Swing (5:48)
7. In The Gallery (6:16)
8. Wild West End (4:41)
9. Lions (5:03)

Gesamtspieldauer: 41:53




Mit dem Bandnamen betitelte Mark Knopfler die erste Platte seiner Band Dire Straits, die im Jahr 1978 auf Mercury Records veröffentlicht wurde. Darauf zu hören ist der absolut typische Dire Straits Sound, was zum einen an dem Gesang des Mark Knopfler liegt und noch deutlich mehr an seinem wahrlich unverwechselbarem Gitarrenspiel. So, auf diese Art und Weise, klingt lediglich Mark Knopfler – sonst absolut niemand mehr.

Gut, die Musik ist eindeutig den Dire Straits zuzuordnen, jedoch haben die Lieder hier auf diesem ersten Album der Band noch nicht die Qualität späterer Platten. Es scheint fast so, als ob Mark Knopfler zu dieser Zeit zusammen mit seinem Bruder David noch auf der Suche nach der richtigen Melodie, überhaupt nach der Ausrichtung der Band war. Klar, dieses erste Album der Dire Straits enthält gleich ihren wohl größten Hit. „Sultans Of Swing“ ist wahrlich eine tolle Nummer, die groovt und swingt und ins Ohr geht. Allerdings ist sie leider auch die einzige, die auf der Scheibe wirklich überzeugen kann.

Mark Knopfler ist ein toller Gitarrist, hier hört er allerdings auch so an, als ob er das jeder Hörerin, jedem Hörer auch sofort beweisen wollen würde. Oftmals klingt die Musik der Dire Straits auf diesem Debut-Album noch allzu selbstverliebt. Böse Stimmen könnten da durchaus auch von etwas Gedudel sprechen. Aber noch nicht einmal dies wär das Problem. Viel enttäuschender ist, dass die Platte bis auf „Sultans Of Swing“ keine Titel mehr enthält, die irgendwie länger hängenbleiben würden. Man hört zwar jede Menge groovende Rock-Musik, aber nichts mehr, was in irgendeiner Art und Weise auch ansatzweise nachhaltig wäre, nachhallen würde.

Fazit: „Dire Straits“ von den Dire Straits ist nicht nur das erste Album der Band, sondern leider auch eines der langweiligsten des Mark Knopfler. Außer dem wirklich überragenden Titel „Sultans Of Swing” enthält die Platte nichts mehr, was irgendwelchen Eindruck hinterlassen würde. Ganz im Gegenteil sogar, meistens langweilt das Ganze irgendwie. Ohne „Sultans Of Swing” wäre die Scheibe überhaupt keine Erwähnung wert. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Sultans Of Swing



Sonntag, 24. Januar 2016

Marianne Faithfull – Broken English




Marianne Faithfull – Broken English


Besetzung:

Marianne Faithfull – vocals


Gastmusiker:

Barry Reynolds – guitar
Joe Mavety – guitar
Steve York – bass
Terry Stannard – drums
Dyan Birch – background vocals
Frankie Collins – background vocals
Jim Cuomo – saxophone
Isabella Dulaney – background vocals
Guy Humphries – guitar
Morris Pert – percussion
Darryl Way – violin
Steve Winwood – keyboards


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Rock, Pop, New Wave


Trackliste:

1. Broken English (4:35)
2. Witches' Song (4:43)
3. Brain Drain (4:13)
4. Guilt (5:05)
5. The Ballad Of Lucy Jordan (4:09)
6. What's The Hurry (3:05)
7. Working Class Hero (4:40)
8. Why'd Ya Do It (6:45)

Gesamtspieldauer: 37:18




Marianne Faithfull hat eine ganze Reihe von Alben veröffentlicht. Das startete 1964 mit „Come My Way“ und die letzte Scheibe bisher, wurde 2014 unter den Titel „Give My Love To London“ veröffentlicht. Ihre erfolgreichste Platte unter diesen insgesamt einundzwanzig Studioalben war „Broken English“ aus dem Jahr 1979, ursprünglich veröffentlicht auf Island Records.

Ich glaube, es gibt hauptsächlich drei Gründe, warum man Marianne Faithfull heute noch kennt. Einer ist sicherlich das Lied „The Ballad Of Lucy Jordan“, die zweite ihre Liaison mit Mick Jagger und die dritte ihre Beteiligung an dem Metallica Song „The Memory Remains“. Nun, der Titel „The Ballad Of Lucy Jordan“ befindet sich auch auf diesem siebten Album der Engländerin und ist zweifelsfrei auch einer der Höhepunkte dieses Albums. Ein guter und eingängiger Pop-Song, der durch eine etwas ungewöhnliche Instrumentierung eine ganz eigene Atmosphäre transportiert.

Ebenfalls noch gelungen ist das John Lennon Cover „Working Class Hero“ sowie der ebenfalls sehr eingängige Titel „Guilt“. Ein Lied, welches bei den ersten Malen des Hörens irgendwie noch unscheinbar wirkt, aber rasant wächst, mit jedem weiteren Durchgang. Besonders hervorzuheben ist dabei der relativ lange „Abspann“ des Liedes, welches mit einem schönen Saxophon-Solo aufwartet.

Nun, was bleibt noch von dieser Scheibe? Natürlich der Gesang der Marianne Faithfull, der so schon etwas Besonderes darstellt. Dieser wirkt irgendwie rau und zerbrechlich zugleich. „Besonders“, das wiederum sind jedoch nicht alle Titel auf „Broken Englisch“. Viele Nummern sind ein wenig zu „normal“, können dadurch auch nicht sonderlich überzeugen. Bei diesen Liedern ist es dann nur die Stimme der Marianne Faithfull, die einen, ein klein wenig größeren Eindruck hinterlässt.

Fazit: Ein ganz nettes Pop-Album ist „Broken English“ von Marianne Faithfull geworden. Darauf befindet sich nichts, was man unbedingt mal gehört haben sollte, allerdings doch auch Lieder, die das Herz der Pop-Fans sicher ein wenig erwärmen können. Eingängige und sanfte Nummern, dominiert von der außergewöhnlichen Stimme der Marianne Faithfull. Acht Punkte.

Anspieltipps: Guilt, The Ballad Of Lucy Jordan, Working Class Hero



Samstag, 23. Januar 2016

Snow Patrol – Up To Now




Snow Patrol – Up To Now


Besetzung:

Gary Lightbody – lead vocals, rhythm guitar
Jonny Quinn – drums, percussion
Nathan Connolly – lead guitar, backing vocals
Paul Wilson – bass guitar, backing vocals
Tom Simpson – keyboards, samples
Mark McClelland – bass guitar


Label: Fiction Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Alternative Rock, Alternative Pop


Trackliste:

CD1:

1. Chocolate (3:02)
2. Chasing Cars (4:27)
3. Crack The Shutters (3:22)
4. Set The Fire To The Third Bar (3:24)
5. Crazy In Love (4:25)
6. Just Say Yes (4:42)
7. Batten Down The Hatch (3:29)
8. You're All I Have (4:34)
9. Hands Open (3:17)
10. Cartwheels (4:09)
11. The Planets Bend Between Us (4:03)
12. Ask Me How I Am (2:36)
13. On/Off (2:42)
14. Making Enemies (4:21)
15. Run (Live) (5:04)


CD2:

1. Take Back The City (4:42)
2. Shut Your Eyes (3:17)
3. An Olive Grove Facing The Sea (2009 Version) (4:59)
4. Run (5:57)
5. Give Me Strength (3:24)
6. Signal Fire (4:27)
7. Spitting Games (3:48)
8. Open Your Eyes (5:40)
9. Dark Roman Wine (4:17)
10. Fifteen Minutes Old (3:09)
11. You Are My Joy (3:46)
12. The Golden Floor (3:19)
13. Starfighter Pilot (3:20)
14. PPP (3:25)
15. Chasing Cars (Live) (5:16)

Gesamtspieldauer: CD1 (57:44) & CD2 (1:02:54): 2:00:38




Snow Patrol ist eine Alternative Rock Band aus Nordirland. Im Jahr 2009 veröffentlichten die Musiker ihr erstes „Best Of…“-Album unter dem Titel „Up To Now“. Darauf zu hören sind Titel aus den ersten fünf Studio-Alben der Band, sowie Nummern von der „The Reindeer Section“, einer Art schottischer Supergroup, die unter Federführung des „Snow Patrol-Kopfes“ Gary Lightbody in den Jahren 2001 und 2002 aktiv war. Schließlich gibt es allerdings auch noch drei unveröffentlichte Titel, also ganz neue Lieder, von denen „Just Say Yes“ sogar als Single zur Promotion des Albums veröffentlicht wurde.

Bei der Veröffentlichung der Scheibe wurde diese nicht als “Greatest Hits” Album beschrieben, da sich auf der Platte eben auch jede Menge Lieder befinden, die niemals als Single veröffentlicht wurden und somit auch keine Hits im eigentlichen Sinne darstellen. Vielmehr wurde „Up To Now“ als ein Album beschrieben, welches die Lieder enthält, die die Band am meisten mag. Und wie es immer in solchen Fällen ist, dies muss nicht unbedingt auch dem eigenen Geschmack entsprechen. Jedoch haben sie eine, wohl für alle ganz annehmbare Auswahl getroffen.

„Up To Now“ enthält eine Ansammlung von, mag es Alternative Rock oder auch Alternative Pop sein, sehr eingängigen Liedern. Diese Aussage trifft auf praktisch jeden dieser dreißig Titel zu, die allesamt sehr melodiös sind. Meistens ist die Stimmung eine eher ruhige, irgendwie nachdenkliche. Wirklich nur manchmal wird das Tempo etwas stärker angezogen, sodass man in diesen Fällen dann auch wirklich von Rock-Musik sprechen kann. Ansonsten ist das wirklich eher Pop. Sehr weich ist sie ansonsten, die Musik von Snow Patrol. Man legt die Scheibe ein und lauscht diesen sanften und unaufgeregten Klängen, kommt zur Ruhe, schnauft durch. Manchem Hörer mag das vielleicht aber sogar zu weichgespült klingen, die Gefahr besteht bei dieser Musik durchaus. Allerdings haben die Nordiren, die inzwischen in Dundee Schottland beheimatet sind, hier dreißig Titel zusammengestellt, von denen mindestens zehn das Zeug dazu haben, wirklich lange hängen und haften zu bleiben. Einige Nummern haben hier wahrlich starken Ohrwurmcharakter. Auch wenn es hauptsächlich weiche Nummern sein, das Gefühl der Langeweile mag hier gerade aus deswegen nicht aufkommen. 

Fazit: Manchmal muss man eine Platte, ein Album einfach mit „schön“ umschreiben. Ich mache das jetzt bei „Up To Now“, weil diese Scheibe so eingängig ist, so gut unterhält. Klar ist diese Musik weich, jedoch überschreitet sie niemals diesen schmalen Grat hin zum Kitsch. Kritisieren könnte man allerdings das Marketing, welches es irgendwie nötig zu haben scheint, „Greatest Hits“-Lieder, denn diese Titel enthält das Album natürlich auch und neue Nummern gemeinsam zu veröffentlichen, um auch die Besitzer der regulären Studioalben dazu zu bewegen, diese Scheibe zu kaufen – ohne dafür sehr viel neues Material ihrer Band zu hören. Aber viele Fans möchten eben alles von ihrer Band besitzen… Ein schönes Album bleibt es trotzdem. Elf Punkte.

Anspieltipps: Chasing Cars, Shut Your Eyes, Run