Donnerstag, 25. Februar 2016

Steve Jones – Fire And Gasoline




Steve Jones – Fire And Gasoline


Besetzung:

Steve Jones – vocals, guitar, background vocals


Gastmusiker:

Billy Duffy – guitar solo on "Get Ready"
Terry Nails – bass, vocals
Ian Astbury – vocals, tambourine
Mickey Curry – drums
Axl Rose – vocals on "I Did U No Wrong"


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Freedom Fighter (5:05)
2. We're Not Saints (4:06)
3. God In Louisiana (4:46)
4. Fire And Gasoline (4:26)
5. Trouble Maker (3:02)
6. I Did U No Wrong (3:16)
7. Get Ready (4:19)
8. Gimme Love (4:16)
9. Wild Wheels (4:07)
10. Hold On (4:00)
11. Leave Your Shoes On (4:12)

Gesamtspieldauer: 45:35




Zwei Solo-Studio-Alben hat der Ex-Sex Pistols Gitarrist Steve Jones bisher in seiner Karriere veröffentlicht. 1987 „Mercy“ und zwei Jahre später „Fire And Gasoline“. Knallharten Hard Rock gibt es darauf zu hören, der kompromisslos vom ersten bis zum letzten Takt durchgezogen wird. Unterstützung bekam Steve Jones auf „Fire And Gasoline“ durch Axl Rose von Guns N' Roses, der bei dem Titel „I Did U No Wrong“ im Hintergrund mitsingt. Dann ist die Band „The Cult“ noch einigermaßen an „Fire And Gasoline“ beteiligt. Ian Astbury, Sänger bei The Cult, hört man ebenfalls im Hintergrund mitsingen und er produzierte die Scheibe auch mit. Cult-Gitarrist Billy Duffy hört man an der Gitarre bei „Get Ready” und Mickey Curry war zu der Zeit gerade Drummer bei The Cult und ist auf „Fire And Gasoline“ ebenfalls am Schlagzeug zu hören.

Auf der Platte gibt es also Hard Rock zu hören, der ohne jegliche Kompromisse durchgezogen wird. Das macht zwar durchaus Spaß und hört sich auch ganz gut an, wird nur im Laufe der dreiviertel Stunde Spieldauer etwas langweilig. Bum – Tsching – Bum – Tsching – Bum – Tsching – Bum – Tsching – Bum – Tsching – und so weiter und so fort. Jedes Lied in genau demselben Takt, alle Lieder sehr, sehr ähnlich gehalten. Die Titel sollten wohl ordentlich krachen, das machen sie auch – ein wenig mehr Variation hätte der Scheibe allerdings durchaus gut getan.

Sollte ich hier einzelne Titel herausheben müssen, so würde mir da gleich „Hold On“ einfallen, da diese Nummer auch etwas mehr ins Ohr geht und länger hängenbleibt. Dann noch vielleicht „Leave Your Shoes On“, weil es eben nicht nur diesen einseitigen Rhythmus aufweist, sondern mit Stimmungen spielt, aus unterschiedlichen Teilen aufgebaut ist und ebenfalls ins Ohr geht. Die restlichen neun Lieder der Scheibe sind wahrlich nicht schlecht, allerdings eben sehr einseitig gehalten. Rau klingt der Hard Rock des Steve Jones hier, ungehobelt und ungeschliffen. Freunde komplizierterer Musik dürften hier definitiv Probleme bekommen, zum Abrocken allerdings bestens geeignet.

Fazit: Im Jahr 2005 wurde „Fire And Gasoline“ in einer Veröffentlichung des „Rock Hard Magazins“ auf Platz 460 der 500 größten Rock & Metal Alben gewählt. Wie immer bei solchen Kategorisierungen kann man da aber natürlich auch ganz anderer Meinung sein. „Fire And Gasoline“ ist eine Platte, die Fans der härteren Musik gefallen wird. Hier wird nicht rumgezickt, hier wird gerockt – und sonst gar nichts. Von daher durchaus in Ordnung, was Besonderes stellt diese Scheibe allerdings nicht dar. Sieben Punkte.

Anspieltipps: I Did U No Wrong, Hold On, Leave Your Shoes On



Mittwoch, 24. Februar 2016

Marillion – Real To Reel




Marillion – Real To Reel


Besetzung:

Fish – vocals
Steve Rothery – guitars
Mark Kelly – keyboards
Pete Trewavas – bass, backing vocals
Ian Mosley – drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Progressive Rock, Live


Trackliste:

1. Assassing (7:12)
2. Incubus (8:37)
3. Cinderella Search (5:31)
4. Forgotten Sons (10:10)
5. Garden Party (6:30)
6. Market Square Heroes (6:49)

Gesamtspieldauer: 44:49




Im November 1984 veröffentlichten Marillion ihr erstes Live-Album unter dem Titel „Real To Reel“. Auf der ersten Seite der Platte befinden sich dabei Aufnahmen vom 19. Und 20. Juni desselben Jahres aus einem Konzert in Montreal, Kanada. Die Aufnahmen auf der zweiten Seite stammen von 5. März 1984, dieses Mal war es ein Konzert in Leicester, England. Enthalten sind auf diesem Album Titel der ersten beiden Studio-Alben, also alles Stücke, die noch vor dem Rutsch der Band in Richtung Kommerz eingespielt wurden. Aufnahmen also, die vor „Misplaced Childhood“ und Single Hits wie „Kayleigh“ entstanden sind.

Somit hört man auf „Real To Reel“ Progressive Rock, wie der damals in den 80er Jahren nur noch von sehr wenigen Bands gespielt wurde. Sehr eindrucksvoll das Ganze. Lieder mit vielen Wendungen, rockig und immer melodiös, spannend und auch wieder und wieder überraschend. Auch Sänger Fish bezieht das Publikum hier mit in das Geschehen ein, allerdings sehr viel gemäßigter, als dies zum Beispiel ein Freddie Mercury bei einem Queen Konzert machte. Jedoch springt hier ebenfalls das Live-Erlebnis durchaus mit über – sowohl bei den entsprechenden Konzerten in der Halle, als auch beim Hören der Platte. Dies liegt mit daran, dass Fish das Publikum immer wieder mitsingen lässt und die einzelnen Lieder hier vor allem auch durch den Marillion-Sänger mit variiert werden. Dieser schreit mal seine Botschaften heraus, singt sie oder er flüstert sie beschwörend in den Saal, der dann an diesen entsprechenden Stellen still und gebannt lauscht.

Nachteil der Scheibe ist es sicherlich wieder einmal, dass es sich hier nicht um ein Konzert handelt, sondern drei verschiedene Auftritte zusammengefügt wurden. Schade, dass für solche Veröffentlichungen nicht auf einen bestimmten Auftritt zurückgegriffen wird, denn somit wird aus einer Live-LP oder Live-CD doch wieder eine Art Studioprodukt. Sicherlich kann man auch bei der Titelzusammenstellung anderer Meinung sein, jedoch wirken hier auch weniger bekannte Stücke der ersten Marillion-Formation sehr beeindruckend. Höhepunkt ist dabei ganz klar die Version von „Forgotten Sons“, welche hier noch mal um eine Zehnerpotenz kraftvoller wirkt und klingt als im Original auf „Script For A Jester's Tear“. Dies gilt allerdings im Grunde genommen für jeden der sechs Titel auf „Real To Reel“, die hier allesamt wahrlich mitreißend klingen.

Fazit: „Real To Reel“ ist ein schönes Beispiel dafür, wie Musik live eingespielt noch mal an Klasse gewinnen kann. Die Scheibe ist toll abgemischt, die Lieder wirken melodiös, rockig und reißen einen mit. Auch hier gilt selbstverständlich, dass man diese Scheibe möglichst laut hören sollte, um diese Musik auch entsprechend genießen zu können. Für das Jahr 1984, in dem es sonst hauptsächlich New Wave und Synthie Pop zu hören gab, ein wahrlich beeindruckendes Album. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Forgotten Sons



Dienstag, 23. Februar 2016

Thompson Twins – Here's To Future Days




Thompson Twins – Here's To Future Days


Besetzung:

Tom Bailey – synthesizer, lead vocals, piano, guitar, double bass, drum programming, fairlight programming
Alannah Currie – percussion, backing vocals, drums, xylophone, marimba
Joe Leeway – congas, backing vocals, synthesizer, synth bass


Gastmusiker: 

Nile Rodgers – guitar, backing vocals


Label: Arista Records


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Pop, New Wave


Trackliste:

1. Don't Mess With Doctor Dream (4:25)
2. Lay Your Hands On Me (4:22)
3. Future Days (3:00)
4. You Killed The Clown (4:54)
5. Revolution (4:06)
6. King For A Day (5:22)
7. Love Is The Law (4:45)
8. Emperor's Clothes (Part 1) (4:46)
9. Tokyo (3:39)
10. Breakaway (3:34)

Gesamtspieldauer: 42:52




In den Jahren von 1981 bis 1991 veröffentlichte die britische Pop-New-Wave-Formation Thompson Twins insgesamt acht Studio-Alben. „Here's To Future Days“ ist die fünfte Scheibe in dieser Reihe und erschien im September 1985. Zu hören gibt es darauf ziemlich belanglosen New Wave bis Pop, der weder klingt noch sonst irgendetwas vorzuweisen hätte. Die Platte selbst floppte auch ziemlich für Thompson Twins-Verhältnisse zur damaligen Zeit. Das muss zwar nichts heißen, belegt allerdings zumindest, dass noch nicht einmal allzu eingängige Titel auf der Platte vertreten sind.

Auch diverse Single-Auskopplungen erreichten nicht unbedingt die Chart-Platzierungen, die man vorher von der Band gewöhnt war. Lediglich „Lay Your Hands On Me“ erreichte Platz 6 der US-amerikanischen Charts. Und man muss zugeben, dies ist noch das einzig einigermaßen akzeptable Lied auf der Platte. Allerdings gebe ich dabei zu Bedenken, dass die Messlatte hier sehr, sehr niedrig angelegt ist. Alles andere, jedes weiteres Lied ist grausig kommerzielle Quälerei. „Revolution“ ist der einzige Cover-Song der Platte, stammt ursprünglich von den Beatles und floppte zu recht völlig als Single Auskopplung. Man kann Lieder echt auch zerstören.

Ganz, ganz schlimm wird es dann auf der Seite 2 der Platte beziehungsweise auf der zweiten Hälfte der CD. Unfassbar schlechten Pop bekommt man hier zu hören, absolut langweilig und belanglos. Auf „Here's To Future Days“ gibt es wirklich nichts mehr, was man irgendwie positiv herausstellen könnte. Keine Melodie, keinen Akkord, keine Textzeile. Grausam und künstlich klingt das alles, gemacht für den schnellen Erfolg, der aber selbst mit diesen Liedern ausblieb.

Fazit: Acht Studiosalben haben die Thompson Twins in ihrer Kariere veröffentlicht – und sage und schreibe 15 (!), in Worten „fünfzehn“ Kompilationsalben. Manchmal nur Best Of…, manchmal mit diversen Mixen versehen. In solch einem Fall kann man wohl kaum behaupten, dass eine Band keine kommerzielle Musik machen würde. Nun, Erfolg sollen Musiker ja auch mit ihrer Musik haben, da diese unser aller Alltag erhellt. Aber so etwas, ein offensichtlich nur für die Phase des Erfolgs veröffentlichtes Album, solch eine Platte braucht irgendwie niemand. Man kann sich den Tag mit so viel versauen, aber warum sollte man das mit schlechter Musik tun? Zwei Punkte.

Anspieltipps: Lay Your Hands On Me



Montag, 22. Februar 2016

XTC – Mummer




XTC – Mummer


Besetzung:

Andy Partridge – vocals, guitar
Colin Moulding – vocals, bass
Dave Gregory – vocals, guitar, keyboard, piano
Terry Chambers – drums on "Beating Of Hearts", "Wonderland "


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: New Wave, Pop


Trackliste:

1. Beating Of Hearts (4:01)
2. Wonderland (4:43)
3. Love On A Farmboy's Wages (3:58)
4. Great Fire (3:47)
5. Deliver Us From The Elements (4:34)
6. Human Alchemy (5:11)
7. Ladybird (4:32)
8. In Loving Memory Of A Name (3:16)
9. Me And The Wind (4:16)
10. Funk Pop A Roll (3:01)

Gesamtspieldauer: 41:19




„Mummer“ nannten die Musiker der britischen Band XTC ihr sechstes Studioalbum, welches im August 1983 auf Virgin Records veröffentlicht wurde. Und wieder einmal gibt es auf einem XTC-Album New Wave bis Pop zu hören, der mit einer ganzen Reihe an schrägen und überraschenden Tönen angefüllt ist. Nur wenig auf „Mummer“, zu Deutsch „Mime“, klingt auf das erste Hören hin eingängig. Einiger Durchläufe der Scheibe bedarf es da durchaus, um sich diesen Melodielinien völlig öffnen zu können.

Bei dem sechsten Studio-Album von XTC gelingt dies allerdings schneller, als bei früheren Platten der Band. Zwar sind beim ersten Hören viele der Titel auf „Mummer“ ebenfalls alles andere als eingängig, jedoch gleichzeitig auch weniger rau und etwas glatter, als noch die Nummern auf den Vorgängeralben. Solch einen Titel wie „Love On A Farmboy's Wages“ oder aber „Great Fire”, die beide auch als Single ausgekoppelt wurden, suchte man auf vergangenen Alben vergeblich. Zudem hatte sich der Sound der Band auch ein wenig verändert. Drummer Terry Chambers verließ noch während der Aufnahmen des Albums die Band, hauptsächlich wohl aus Gründen der Liebe, da er seiner Freundin in Australien näher sein wollte. Das Ergebnis dieser Demission war auch, dass die Rhythmus-Fraktion nicht mehr ganz so im Vordergrund stand, wie dies auch auf einigen der vorherigen Alben von XTC noch der Fall war.

„Mummer“ gestaltet sich somit als eine Art Übergangs- beziehungsweise Mixscheibe zwischen der etwas experimentelleren Ausprägung des New Waves, wie man ihn zum Beispiel beim Titel „Human Alchemy“ hören kann und eingängigerem Pop, wofür etwa ein Titel wie das bereits erwähnte „Great Fire“ steht. Dieser Umstand macht „Mummer“ zwar ein wenig abwechslungsreicher, allerdings auch nicht unbedingt einfacher. Popmusik und Avantgarde werden hier nicht mehr miteinander vermischt, sondern sehr viel eher abgewechselt, was die Platte ein wenig uneinheitlicher werden lässt.

Fazit: Ich liebe „komplizierte“ Musik. Habe es gerne, mir auch mal etwas „erarbeiten“ zu dürfen, mich länger einhören zu müssen. Oftmals sind das dann genau die Titel eines Albums, die letztendlich den intensivsten Eindruck hinterlassen, das musikalische Gesamtgefüge am deutlichsten positiv bereichern. Komischerweise gelingt mir das bei der Musik von XTC jedoch nicht allzu häufig. Viele Lieder kann ich so oft hören wie ich will, es ändert sich nichts. Die paar wenigen eingängigen Nummern gefallen mir dagegen von Anfang an und das bleibt auch so. Mit diesen etwas verschrobeneren Titeln von XTCallerdings habe ich dagegen so meine Schwierigkeiten, sie packen mich einfach nicht, erschließen sich mir niemals völlig. Auf „Mummer“ gibt es jetzt aber ein paar „einfachere“ Pop-Nummern, die auch mich ansprechen. Von daher hat sich die Anschaffung dieser Platte selbst für mich gelohnt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Love On A Farmboy's Wages, Great Fire, Me And The Wind



Sonntag, 21. Februar 2016

Queen – Live Killers




Queen – Live Killers


Besetzung:

Freddie Mercury – vocals, piano
Brian May – guitars, vocals
Roger Taylor – drums, tambourine, timpani, backing vocals, vocals
John Deacon – bass guitar, backing vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Rock


Trackliste:

Platte 1, Seite 1:

1. We Will Rock You (3:18)
2. Let Me Entertain You (3:15)
3. Death On Two Legs (Dedicated To...) (3:31)
4. Killer Queen (1:59)
5. Bicycle Race (1:28)
6. I'm In Love With My Car (2:08)
7. Get Down, Make Love (4:31)
8. You're My Best Friend (2:08)

Platte 1, Seite 2:

9. Now I'm Here (8:42)
10. Dreamer's Ball (3:44)
11. Love Of My Life (4:57)
12. '39 (4:26)
13. Keep Yourself Alive (4:02)

Platte 2, Seite 1:

14. Don't Stop Me Now (4:28)
15. Spread Your Wings (5:17)
16. Brighton Rock (12:13)

Platte 2, Seite 2:

17. Bohemian Rhapsody (intro: Mustapha) (6:02)
18. Tie Your Mother Down (3:40)
19. Sheer Heart Attack (3:35)
20. We Will Rock You (2:48)
21. We Are The Champions (3:27)
22. God Save The Queen (1:31)

Gesamtspieldauer: 1:30:08




Nicht alle Live-Platten lohnen sich. Egal von welcher Band, egal von welcher Sängerin, von welchem Sänger. Manche live aufgenommenen Scheiben verdienen es allerdings sehr wohl, laut und auch oft gehört zu werden. Und diese Live-Alben lohnen sich immer dann, wenn es geschafft wird, nicht nur die Lieder des Konzertes, sondern auch dieses „Live-Erlebnis“ auf einen Tonträger zu bannen. Das bedeutet, die Stimmung, die Atmosphäre während des Konzertes, muss beim Hören der Scheibe mit transportiert werden. Ein zweiter lohnender Grund des Erwerbs eines Live-Albums ist die alternative Spielweise so manches Liedes, welches dann deutlich anders klingt, unter Umständen schließlich sogar ganz neue Seiten aufzeigt und manchmal auch noch eindrucksvoller und besser als das Original klingt.

Diese beiden Voraussetzungen für ein gutes Live-Album sind bei Live Killers“ von Queen gegeben. Die Platte wurde 1979 von Januar bis März, während der Tour zum Album „Jazz“ eingespielt und schließlich im Juni 1979 veröffentlicht. Soweit sich dies noch recherchieren ließ, wurden die Lieder alle in Deutschland, nämlich in Frankfurt, Köln, Bremen und München aufgenommen. Als ich die Platte früher hörte, habe ich mich immer darüber gewundert, warum zu Beginn des Stücks „Death On Two Legs (Dedicated To...)“ drei kurze Piep-Töne während der Ansage des Freddie Mercury zu hören sind, die ganz eindeutig aus dem Studio nachträglich über die Stimme des Queen Sängers gelegt wurden, sodass dieser nicht mehr zu hören ist. Das Rätsel ist inzwischen allerdings gelöst. Freddie Mercury sagt hier bei der Einführung zu dem Titel: „This song is about a real motherfucker of a gentleman.“ Definitiv für die damalige Zeit.

Nun, die vier Musiker schaffen es sehr gut, die Atmosphäre eines Queen-Konzertes der damaligen Zeit zu transportieren. Die Lieder wirken hier. Die Stimmung in den jeweiligen Hallen kommt gut rüber, vorausgesetzt, man hat die Möglichkeit die Boxen ordentlich aufzudrehen – oder man hört die Platte eben auf Kopfhörern. Freddie Mercury nimmt das Publikum mit, bindet es mit in die Songs ein und singt mit den Zuschauern. Natürlich wäre es jedoch deutlich schöner gewesen, hier lediglich ein Konzert zu hören und nicht Ausschnitte aus mindestens vier Auftritten. Merken kann man dieses Auseinanderschneiden und Zusammenflicken jedoch nicht. Ein kleiner weiterer Wermutstropfen liegt in der Tatsache begründet, dass Queen hier, vor allem auf der ersten Plattenseite, die Lieder häufig nur kurz anspielen. Liedlängen von um die zwei Minuten sind da keine Seltenheit, sodass man in diesem Fall quasi von einer Art Medley sprechen kann. Sicherlich Geschmackssache.

Sehr gelungen dagegen sind die bereits angesprochen alternativen Versionen verschiedener Titel. Am deutlichsten sind diese Änderungen zum ursprünglichen Lied bei „Get Down, Make Love“, „Now I'm Here“ und bei dem alles überstrahlenden „Brighton Rock“ ausgeprägt und zu hören. Letztgenannter Titel ist dabei fast ein ganz neues Lied geworden, zumindest der lange Instrumentalteil spricht dafür. Hier klingen Queen nun auch nicht mehr wie Queen, sondern sehr viel eher wie eine progressive Rockband der frühen 70er Jahre. Das klingt absolut mitreißend und auch sehr experimentell. Was Brian May hier mit seiner Gitarre anstellt, das gibt es in dieser Art und Weise nicht mehr unbedingt allzu häufig von anderen Gitarristen zu hören. Laut gehört pfeift es einem bei diesem Titel das Großhirn aus den Ohren. Wahrlich sehr gelungen.

Fazit: „Live Killers“ kam nicht bei allen Hörern und Kritikern gleich gut an. Mich begeistert allerdings die Atmosphäre dieses Albums, welche einfach positiv begeisternd wirkt. Die Lied-Auswahl wird und kann dabei niemals perfekt sein, da hier jede und jeder eine andere Vorliebe hat. „Live Killers“ von Queen zeigt jedoch sehr gut, wie sich ein Queen Konzert damals anhörte. Und ich kann das definitiv sagen, da ich in den 80er Jahren eines der letzten Queen Konzerte besuchen durfte, die die Band überhaupt gespielt hat. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Now I'm Here, Brighton Rock



Samstag, 20. Februar 2016

Roger Daltrey – Under A Raging Moon




Roger Daltrey – Under A Raging Moon


Besetzung:

Roger Daltrey – lead vocals, harmony vocals, backing vocals, sequencing, emulator, hammond organ


Gastmusiker:

Bryan Adams – guitars
Nick Glennie-Smith – keyboards
John Siegler – bass
Mark Feltham – harmonica
Alan Shacklock – piano, keyboards, sequencing, emulator, percussion, hammond organ, Fender Rhodes, tambourine, sampling, acoustic guitar and sequencer, fairlight
Bruce Watson – e-bow
Russ Ballard – guitar and harmony vocals
Mark Williamson – harmony vocals, backing vocals
Annie McCraig – backing vocals
John Payne – backing vocals


Drummer in der Reigenfolge, wie sie auf dem letzten Titel zu hören sind:

Martin Chambers
Roger Taylor
Cozy Powell
Stewart Copeland
Zak Starkey
Carl Palmer
Mark Brzezicki
Mark Brzezicki and Zak Starkey - outro


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Rock


Trackliste:

1. After The Fire (4:36)
2. Don't Talk To Strangers (4:13)
3. Breaking Down Paradise (4:07)
4. The Pride You Hide (4:33)
5. Move Better In The Night (3:58)
6. Let Me Down Easy (4:08)
7. Fallen Angel (4:29)
8. It Don't Satisfy Me (3:14)
9. Rebel (4:20)
10. Under A Raging Moon (6:42)

Gesamtspieldauer: 43:41




Roger Daltrey ist sicherlich einer der begnadetsten Rocksänger. Und bei The Who hatte er mit Pete Townshend auch einen Mitstreiter, der ihm oftmals die Lieder quasi „auf die Stimme“ schrieb. Da er sich selbst nur selten aktiv und schöpferisch in den Prozess des Komponierens mit einbrachte, war er dann natürlich bei seinen insgesamt acht Solo-Alben hauptsächlich auf Material angewiesen, welches ihm von anderen Musikern zur Verfügung gestellt beziehungsweise extra für ihn geschrieben wurde. Pete Townshend, Bryan Adams, Russ Ballard oder John Parr sind hier nur einige der Songwriter, die Roger Daltrey „Material“ für „Under A Raging Moon“ zur Verfügung stellten.

„Under A Raging Moon” ist die sechste Solo-Platte des The Who Sängers und erschien 1985 bei Atlantic Records. Und dieses Album enthält auch den größten Single-Hit, den Roger Daltrey in seiner Karriere landen konnte. „After The Fire“ heißt dieser, ist gleich der Opener und wurde von Pete Townshend geschrieben. Die rockige Nummer geht sofort ins Ohr, jedoch gibt es noch einige Songs mehr auf der Scheibe, die sich lohnen gehört zu werden. Vor allen Dingen herauszuheben ist dabei „Rebel“, eine eingängige und rockige Nummer, vielleicht ein wenig pathetisch, wenn Rogeer Daltrey „I’m a Rebel“ hinaus in die Welt schreit, gelungen ist es allerdings trotzdem.

Nun und ganz zum Schluss gibt es mit dem Titelsong „Under A Raging Moon” noch einen Höhepunkt auf der Platte, wenn nicht sogar den Höhepunkt. Dieser wurde von John Parr und Julia Downes geschrieben und ist Keith Moon, der 1978 verstarb, gewidmet. Als Besonderheit hört man hier am Ende sieben bekannte Drummer, die die Hörerinnen und Hörer aus dem Lied hinausbegleiten. Roger Taylor von Queen ist da zu hören. Cozy Powell, Schlagzeuger unter anderem bei Rainbow, Robert Plant, Jeff Beck und der Michael Schenker Group. Dann hört man Stewart Copeland von The Police, Zak Starsky, den Sohn des Ringo Starr und Carl Palmer von Emerson, Lake & Palmer. Martin Chambers von den Pretenders sowie Mark Brzezicki, der bei Big Country, Ultravox, The Cult und Procol Harum trommelte. Sie alle verabschieden sich hier vom ehemaligen The-Who-Schlagzeuger Keith Moon.

Das Lied selbst verfügt über eine Synthesizerlinie, die sehr ähnlich der von „Won’t Get Fooled Again“ ist, einem der bekanntesten Stücke von The Who und ebenfalls Titelmelodie einer dieser CSI Sprößlinge. John Entwistle gefiel „Under A Raging Moon“ angeblich sogar so gut, dass er vorschlug, The Who sollten auf dem ersten Live Aid Festival dieses Lied anstatt „das Original“ „Won’t Get Fooled Again“ einspielen. Pete Townshend sprach sich allerdings dagegen aus.

Fazit: Roger Daltrey ist ein toller Rock Sänger und auf „Under A Raging Moon“ bekam er auch die passenden Lieder zur Verfügung gestellt, um mit dieser Scheibe ebenfalls überzeugen zu können. Nicht alles darauf lässt einen begeistert zurück, Vieles ist solide Hausmannskost, soll heißen, ganz nette Rock Lieder, allerdings nichts besonders Aufregendes. Doch die erste Nummer „After The Fire“ ist sehr gelungen, was auch für den Titeltrack „Under A Raging Moon“ gilt. Klar klingt gerade dieses Lied ein wenig „geklaut“, diese Reminiszenz an Keith Moon bewegt aber und ist bei aller Ähnlichkeit zu „Won’t Get Fooled Again“ doch – oder vielleicht gerade deswegen – sehr gelungen. Dazu die kurzen Schlagzeugeinlagen der Drum-Kollegen, interessant klingt das alles auf jeden Fall. Neun Punkte.

Anspieltipps: After The Fire, Rebel, Under A Raging Moon



Freitag, 19. Februar 2016

Carole King – Simple Things




Carole King – Simple Things


Besetzung:

Carole King – synthesizer, guitar, piano, vocals, background vocals


Gastmusiker:

Rick Evers – guitar
Robert McEntee – guitar, keyboards, background vocals
Michael Rivera – percussion
Rob Galloway – bass
Mark Hallman – guitar, keyboards, background vocals
Michael Wooten – drums
Louise Goffin – background vocals
Sherry Goffin – background vocals
Nolan Smith – trumpet, flugelhorn
Maurice Spears – bass trombone
Terry Harrington – baritone saxophone
Oscar Brashear – trumpet, flugelhorn
Ernie Watts – tenor saxophone
George Bohanon – trombone, horn arrangement
Robert Dubow – violin
Charles Veal – violin
Ken Yerke – violin
David Campbell – viola
Dennis Karmazyn – cello


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Pop


Trackliste:

1. Simple Things (2:41)
2. Hold On (4:37)
3. In The Name Of Love (3:04)
4. Labyrinth (4:03)
5. You're The One Who Knows (5:05)
6. Hard Rock Cafe (3:44)
7. Time Alone (2:37)
8. God Only Knows (6:19)
9. To Know That I Love You (3:31)
10. One (5:04)

Gesamtspieldauer: 40:45




„Simple Things“ heißt das neunte von insgesamt achtzehn Album, welches die New Yorkerin bis heute aufgenommen hat. Im Juli 1977 erschien es bei EMI Electrola und ist angefüllt mit weicher, jedoch durchaus auch groovender, häufig orchestral instrumentierter Pop-Musik. Das Ganze klingt dabei überaus amerikanisch, die ein oder andere Nummer könnte dabei durchaus auch Teil eines Musicals sein. Alles wirkt und hört sich sehr eingängig an, ohne dabei jedoch sonderlich spektakulär zu sein.

Das bekannteste Lied der Platte ist wohl gleichzeitig auch das bekannteste Stück der Carole King überhaupt: „Hard Rock Cafe“. Das Lied klingt zunächst etwas nach „Fiesta Mexicana“, verfügt über einen schönen Groove, ist sehr eingängig, instrumental mit einigen Bläsern ausgestattet, die der Nummer auch diesen gewissen Wiedererkennungswert verleihen. Rock Musik ist das zwar mit Sicherheit nicht, jedoch versucht hier Carole King an manchen Stellen etwas rockiger zu singen, was den Titel noch ein wenig aufwertet. Und die Nummer geht ins Ohr, das ist zumindest schon mal was.

Insgesamt driftet die ganze Scheibe jedoch so ein klein wenig in die amerikanische Schlagerecke ab, die vielen Streicherarrangements lassen die Lieder häufig leider allzu süßlich klingen. Richtiggehend packen kann einen nichts auf „Simple Things“. Die einzelnen Titel klingen mitunter ganz nett, jedoch diese Instrumentierung, durch die bereits erwähnten und fast allgegenwärtigen Streicherpassagen, schmälert ein wenig den Hörgenuss, der sowieso nicht mit etwas Besonderem oder Spektakulärem angefüttert wird.

Fazit: Die Musik der Carole King klingt auf „Simple Things“ nach Gala Abend. Die Damen in den rauschenden Ballroben, die Männer sitzen neben ihren Begleiterinnen im Frack im Publikum. Und nach jedem Lied wird auch ganz artig und brav applaudiert. Nichts von Enthusiasmus, nichts vom Aufgehen in der Musik ist hier zu spüren. Carole King macht auf „Simple Things“ musikalische Unterhaltung – die eher so nebenbei gehört werden kann, großartige Konzentration erfordert diese Musik nicht. Vielleicht mag das die eine oder den anderen packen, mich langweilt das eher ein wenig. Sechs Punkte.

Anspieltipps: You're The One Who Knows, Hard Rock Cafe



Donnerstag, 18. Februar 2016

John Cougar Mellencamp – The Lonesome Jubilee




John Cougar Mellencamp – The Lonesome Jubilee


Besetzung:

John Cougar Mellencamp – vocal, guitar


Gastmusiker:

Kenny Aronoff – drums, percussion, backing vocals
Larry Crane – guitars, mandolin, harmonica, autoharp, banjo, backing vocals
John Cascella – accordion, keyboards, saxophone, melodica, penny whistle, claves
Lisa Germano – fiddle
Toby Myers – bass guitar, banjo, backing vocals
Pat Peterson – backing vocals, cowbell, tambourine
Crystal Taliefero – backing vocals
Mike Wanchic – guitars, dobro, banjo, dulcimer, backing vocals


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Rock, AOR, Mainstream


Trackliste:

1. Paper In Fire (3:51)
2. Down And Out In Paradise (3:37)
3. Check It Out (4:19)
4. The Real Life (3:57)
5. Cherry Bomb (4:47)
6. We Are The People (4:17)
7. Empty Hands (3:43)
8. Hard Times For An Honest Man (3:27)
9. Hotdogs And Hamburgers (4:04)
10. Rooty Toot Toot (3:29)

Gesamtspieldauer: 39:42




Mit Adult Oriented Rock, kurz AOR, ist das so eine Sache. Man kann diese Musik schön nebenbei hören, groß aufregend ist dabei meist nichts, jedoch ist es auch keine Musik, die einen zum Ausschalten oder zum Raum verlassen zwingt. Ganz nett also, allerdings trotzdem so ein klein wenig belanglos eben. Aufhorchen lassen einen dann dabei immer nur Lieder, die etwas ganz Besonderes darstellen. Entweder sie unterscheiden sich stark von den anderen Titel des entsprechenden Albums, was bei AOR beziehungsweise Mainstream im allgemeinen selten der Fall ist oder sie haben Ohrwurmcharakter, setzen sich im Ohr fest und wollen daraus gar nicht mehr verschwinden.

Das neunte Album des John Cougar Mellencamp mit dem Titel „The Lonesome Jubilee“ geht auch ein klein wenig in diese AOR-Richtung. 1987 wurde es auf Mercury Records veröffentlicht und sollte wohl auch unkompliziert klingen und ebenfalls schnell ins Ohr gehen. Doch John Mellencamp verfolgte nach eigener Aussage mit dieser Scheibe auch das Ziel, das Publikum wieder mit der „einst vertrauten sozialen Landschaft“ der Folk Musik vertraut zu machen. Auch sprechen gegen diese Mainstream Richtung die zum einen wirklich sehr gelungenen Texte, die eben nicht hauptsächlich von Liebe und Schmalz erzählen, sondern durchaus sozialkritische Themen aufgreifen und Geschichten erzählen. Zum anderen ist es eine etwas andere Instrumentierung, die diese Scheibe dann doch ein wenig aus dem Sumpf des Allerleis heraushebt. Viel wurde hier akustisch eingespielt. Man hört unverzerrte Gitarren, Akkordeon, Geige, Mundharmonika und Banjo, was dann eher auf die Richtung Folk Rock bis vielleicht sogar noch Country hinweisen würde – der Ansatz mit dem Folk Rock wurde also erfüllt. Dieses Genre umschreibt die Musik des John Cougar Mellencamp auf „The Lonesome Jubilee“ jedoch nicht annähernd treffend, denn es ist durchaus immer noch Rock, den man hier zu hören bekommt.

Festzuhalten ist zudem, dass es keinerlei Ausfälle auf dieser Scheibe zu beklagen gibt. Und noch besser, die Musik klingt sogar gut, geht ins Ohr, groovt und ist melodiös. „The Lonesome Jubilee“ macht durchaus Laune und hält mit „Paper In Fire“ und vor allen Dingen „We Are The People“ zwei richtig tolle Nummern für die Hörerin und den Hörer parat. „We Are The People“ ist dabei ein Lied der Sorte, welches man hört und egal ob es einem gefällt oder weniger beeindruckt, man vergisst den Titel nicht mehr, da er sich festgesetzt hat. Die erfolgreichste Singe-Auskopplung der Scheibe jedoch, „Cherry Bomb“, kann da längst nicht gleichermaßen überzeugen. Vielleicht liegt das allerdings auch nur an meinen „europäischen“ Ohren, denn hier ist die Entstehung der Musik im Norden des amerikanischen Kontinents aufgrund der Nähe zu Folk, Country und Western am deutlichsten herauszuhören.

Fazit: John Cougar Mellencamp steht mit seiner Musik eher für den Mainstream, also die massentaugliche Ausprägung der Rock-Musik. Zu behaupten „The Lonesome Jubilee“ wäre nicht Mainstream, würde sicherlich ein falsches Bild dieser Scheibe vermitteln. Jedoch sprechen die Texte gegen diesen 08/15-Mainstream-Anstrich. Auch eine etwas „folkigere“ Instrumentierung spricht dagegen. Nun „The Lonesome Jubilee“ ist sicherlich eine massentaugliche Scheibe, denn nur wenige Menschen, die Rock Musik hören, werden diese Platte katastrophal schlecht finden. Allerdings ist das dann eben Mainstream auf einem etwas höherem Niveau. Von daher: Schöne Abwechslung John Cougar Mellencamp, der Du Dich hier mal wieder nur John Mellencamp nennst. Neun Punkte.

Anspieltipps: Paper In Fire, We Are The People, Empty Hands



Mittwoch, 17. Februar 2016

The Nits – Omsk




The Nits – Omsk


Besetzung:

Henk Hofstede – vocals, dulcimer, keyboards
Robert Van Stips – vocals, polysix, variophon, grand piano
Michiel Peters – vocals, mandolin, guitars
Rob Kloet – drums, lyra


Label: CBS Records


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Pop, Avantgarde


Trackliste:

1. A Touch Of Henry Moore (4:05)
2. Unpleasant Surprise (2:57)
3. Vermillion Pencil (3:46
4. Springtime Coming Soon (3:12)
5. Tons Of Ink (3:56)
6. Jardin D'Hiver (3:34)
7. Nescio (4:47)
8. Walls Have Ears (2:25)
9. Spirits Awake (3:43)
10. Walter & Connie (3:48)
11. The Cold Eye (4:01)
12. Shadow Of Doubt (1:48)

Gesamtspieldauer: 42:02




Die niederländische Band The Nits veröffentlichte im Jahr 1983 bereits ihr fünftes Album. Dieses erhielt den Titel „Omsk“, wobei ich mir kaum vorstellen kann, dass mit diesem „Omsk“ die sibirische Stadt in Russland gemeint ist, da auf dieser Platte keinerlei russische Weisen zu hören sind. Bis heute sind die Niederländer musikalisch aktiv und haben innzwischen bereits 23 Platten veröffentlicht. „Omsk“ erschien auf dem Label CBS und hält einige wirklich sehr beeindruckende Titel für die Hörerinnen und Hörer parat. Auf dieser Scheibe gibt es eine Mischung aus Pop und Avantgarde zu hören. Wenn man möchte ist vielleicht auch noch ein Schuss New Wave mit dabei, dieser musikalische Stil ist allerdings nicht sehr stark ausgeprägt.

„Anvantgarde“ klingt zunächst mal nach sehr komplizierter und sehr gewöhnungsbedürftiger Musik. Das ist sie im Falle der Nits auf „Omsk“ allerdings in keinem Fall. Die Musik ist zwar ein klein wenig komplizierter und vielleicht auch raffinierter aufgebaut, eingängig ist sie dabei allerdings immer. Das hört man sofort in dem Opener „A Touch Of Henry Moore“, einem sehr vielschichtigen Lied, immer ein klein wenig „schräg“ klingend, allerdings trotzdem absolut melodiös. Wirklich beeindruckend ist dabei das Gesangsarrangement ab 2:20, bei dem auch einige weibliche Stimmen zu hören sind, die allerdings in den Credits nicht extra aufgeführt wurden.

Ebenfalls etwas ungewohnt, durch den Einsatz von verfremdeten Stimmen, die hier wie Instrumente zum Einsatz kommen, klingt „Tons Of Ink“. Das ist wahrlich nicht alltägliche Musik, die dabei allerdings sofort ins Ohr geht. Letzteres gilt auch für „Jardin D'Hiver“, eine ganz zarte Nummer, ebenfalls wieder mehrstimmig eingesungen, die auch wieder durch die etwas andere Instrumentierung zu etwas Besonderem wird. Auch hier wird unter anderem eine weibliche Stimme als Instrument verwendet wird, das wiederum klingt sehr spannend und wirklich außergewöhnlich. Somit klingt die Musik der Nits zwar immer wieder mal ein wenig wunderlich und auch verwunderlich, dies ist allerdings in einer sehr positiven Art und Weise gemeint. Die einzelnen Titel schaffen es nämlich durchweg, sich ziemlich schnell im Ohr festzusetzen, klingen melodiös und können oftmals ganz einfach mit „schön“ umschrieben werden.

Fazit: Ein nicht ganz alltägliches Album ist „Omsk” von The Nits geworden. Eine häufig ungewöhnliche Instrumentierung und immer wieder mal andere, auch durchaus etwas schrägere Klänge, lassen diese Platte sehr interessant und spannend werden. Dazu gesellt sich der Umstand, dass die Lieder einfach gut klingen, melodiös und eingängig sind. Klar, das ist keine Rock Musik und wer nur auf Head Banging steht, wird hier genauso wenig zufriedengestellt wie der Hörer, der es am liebsten radiotaugliche Lieder ohne allzu große Experimente mag. Für die „Forscher“ unter den Musikhörern, die sich immer wieder gerne auf etwas Neues einlassen mögen, für all diese Menschen ist „Omsk“ jedoch bestens geeignet. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Tons Of Ink, Jardin D'Hiver, Spirits Awake, The Cold Eye



Dienstag, 16. Februar 2016

Cat Stevens – Tea For The Tillerman




Cat Stevens – Tea For The Tillerman


Besetzung:

Cat Stevens – classical guitar, acoustic guitar, keyboards, lead vocals


Gastmusiker:

Alun Davies – acoustic guitar, backing vocals
Harvey Burns – drums, congas, tambourine
John Ryan – double bass
Del Newman – string arrangements
Jack Rothstein – violin


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Folk Rock


Trackliste:

1. Where Do The Children Play? (3:52)
2. Hard Headed Woman (3:47)
3. Wild World (3:20)
4. Sad Lisa (3:45)
5. Miles From Nowhere (3:37)
6. But I Might Die Tonight (1:53)
7. Longer Boats (3:12)
8. Into White (3:24)
9. On The Road To Find Out (5:08)
10. Father And Son (3:41)
11. Tea For The Tillerman (1:01)

Gesamtspieldauer: 36:49




Sanften, entspannten und sehr melodiösen Folk Rock bekommt man auf dem vierten Album des Cat Stevens mit dem Titel „Tea For The Tillerman“ geboten. Diese Platte war nach „Mona Bone Jakon“ bereits seine zweite Veröffentlichung im Jahr 1970. Im November 1970 erschien „Tea For The Tillerman“ auf dem Label Island Records und hält einige der bekanntesten Stücke des Briten und Sohn eines Griechen und einer Schwedin für seine Hörer parat.

„Hard Headed Woman“, „Wild World”, „Father And Son” und vor allen Dingen das wunderschöne „Sad Lisa” sind auf dieser Platte vertreten, die allein in den USA mit drei Mal Platin ausgezeichnet wurde. Dies sind die bekannteren Lieder des Cat Stevens, die sich durchaus auch deutlich vom Rest der Scheibe abheben. Die restlichen Titel auf „Tea For The Tillerman“ sind zwar zum Teil auch noch durchaus gelungene Folk Rock Nummern, gehen jedoch nicht mehr ganz so ins Ohr, wie die bereits erwähnten Stücke.

Entspannt anhören kann man die Platte allerdings allemal. Alles wirkt hier sanft und weich, etwas „härtere“ Töne würden der Stimmung, die „Tea For The Tillerman“ transportiert auch durchaus schaden und den Gesamteindruck des Albums in diesem Fall sogar ein wenig schmälern. Von ihrer Machart her unterscheiden sich lediglich zwei Titel vom Rest der Platte. Da ist zum einen „Miles From Nowhere“, bei dem zumindest im Mittelteil mal die „Bremse etwas gelöst“ wird. Somit klingt das Stück gleich ein klein wenig rockiger. Und schließlich gibt da noch das Lied „Longer Boats“, bei dem man am Anfang glaubt, dies sei ein Titel des Harry Belafonte. Klingt am Anfang ein wenig karibisch, bleibt schließlich jedoch – trotz dieses leichten Einschlags – ein Folk Lied.

Fazit: Ein ruhiges und sehr relaxtes Folk Rock Album ist „Tea For The Tillerman“ geworden. Musik, sehr viel eher zum Träumen als zum Mitwippen geeignet. Ganz sicher etwas für die ruhigeren Stunden des Tages. Musik auch, die mit zumeist schönen und zum Nachdenken anregenden Texten ausgestattet wurde. Damit wäre über dieses Album praktisch bereits alles Wesentliche gesagt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Sad Lisa, Father And Son



Montag, 15. Februar 2016

Steve Hackett – Cured




Steve Hackett – Cured


Besetzung:

Steve Hackett – guitar, bass, vocals


Gastmusiker:

Nick Magnus – keyboards, drum machine
John Hackett – flute, bass pedals


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Pop


Trackliste:

1. Hope I Don't Wake (3:48)
2. Picture Postcard (3:55)
3. Can't Let Go (5:43)
4. The Air-Conditioned Nightmare (4:42)
5. Funny Feeling (4:07)
6. A Cradle Of Swans (2:49)
7. Overnight Sleeper (4:37)
8. Turn Back Time (4:23)

Gesamtspieldauer: 34:04




Man muss sich fragen, von was oder wem Steve Hackett „geheilt“ wurde, wenn man den Albumtitel seiner fünften Solo-Scheibe „Cured“ wörtlich nimmt. Geheilt vom Progressive Rock? Geheilt vom Schlagzeug? Geheilt von gutem Gesang? 1981 erschien die Platte bei Charisma Records und zeigt einmal mehr, wie die ehemaligen Heroen des Progressive Rock, die noch ein halbes Jahrzehnt zuvor unfassbare Klangwelten erschufen, jetzt mit einfachem Pop zu punkten versuchten.

„Cured“ ist wirklich kein gutes Album geworden. Irgendwie sogar eine absolut belanglose und langweilige Scheibe. Das Cover sagt da schon einiges aus. Es scheint da wohl einen direkten Zusammenhang mit entspannten Musiker Photos in der Nähe des Meeres und der fürchterlichen Musik, die es dann auf dem Album zu hören gibt, zu geben. Man denke da  nur an „Love Beach“ von Emerson, Lake & Palmer… Obwohl, vielleicht ist es auch nur das Wasser selbst, denn Steve Hackett scheint da eher an einem See zu sitzen.

Nun, „Cured“ klingt zum einen deswegen schlimm, da der hier eingesetzte Drum-Computer unfassbar nervig klingt. Damals, zu dieser Zeit, dachte so mancher Zeitgenosse noch, dass ein Schlagzeuger nur unnötiger Ballast wäre. Dass dem nicht so ist, dafür steht auch „Cured“ stellvertretend für viele andere Alben, wo dies auch versucht wurde. Die Rhythmus-Fraktion klingt hier so was von dermaßen künstlich, dass es wahrlich keine Freude ist sich dieses Album anzuhören. Oftmals wirken diese Schläge wie ein absoluter Fremdkörper. Dazu gesellt sich der Gesang des Steve Hackett, der hier, wenn man es nett ausdrücken möchte, am ehesten noch mit „infantil“ zu umschreiben ist. So ein dünnes Stimmchen, da wäre ein reines Instrumentalalbum die sehr viel bessere Wahl gewesen.

Nun, das was diese Platte allerdings wirklich so traurig werden lässt, ist neben der Instrumentierung und dem Gesang ganz einfach die Qualität der Lieder selbst. Eingängige Pop-Liedchen sollten das wohl werden, manchmal noch aufgelockert mit einem Rhythmus- oder Stimmungswechsel, um den Anstrich „progressiv“ nicht ganz zu verlieren. Herausgekommen ist eine Ansammlung von absolut belanglosen Titeln, die zu hören größtenteils reine Zeitverschwendung darstellt. Wirklich hörbar sind nur die beiden Instrumentalstücke „The Air-Conditioned Nightmare“ und „A Cradle Of Swans“. Ersteres ist eine druckvolle Nummer, wahrlich nun kein Pop-Lied, mit einigen Wendungen und Drehungen. Hier kommt die musikalisch Vergangenheit des Steve Hackett noch am ehesten zum Vorschein. Absolut überzeugend ist das Stück allerdings auch nicht. Noch gelungener ist allerdings „A Cradle Of Swans“, ein sanftes und zartes Lied, nur mit der akustischen Gitarre eingespielt. Erwähnen kann man an dieser Stelle auch noch die Instrumentalpassagen von „Overnight Sleeper“, die ebenfalls überzeugen können. Wenn Steve Hackett hier allerdings die Stimme erhebt, ist es auch wieder aus mit der ganzen Wohlfühlatmosphäre.

Fazit: Mit Sicherheit eines der schlechtesten Alben des Steve Hackett, zumindest kann ich das von denen sagen, die ich kenne. Die Musik langweilt und klingt manchmal sehr „billig“. Überzeugen können auf „Cured“ phasenweise die Instrumentalpassagen. Der Gesang des Steve Hackett ist schlimm, der Drum-Computer ebenfalls und musikalische Ideen scheinen dem Ex-Genesis-Gitarristen einfach völlig abhanden gekommen zu sein. Fast schon traurig. Fünf Punkte.

Anspieltipps: A Cradle Of Swans



Sonntag, 14. Februar 2016

Ten Years After – Ssssh.




Ten Years After – Ssssh.


Besetzung:

Alvin Lee – guitar, vocals
Leo Lyons – bass
Ric Lee – drums
Chick Churchill – organ


Label: Chrysalis Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Rock, Blues Rock


Trackliste:

1. Bad Scene (3:30)
2. Two Time Mama (2:02)
3. Stoned Woman (3:30)
4. Good Morning Little Schoolgirl (7:01)
5. If You Should Love Me (5:27)
6. I Don't Know That You Don't Know My Name (2:02)
7. The Stomp (4:35)
8. I Woke Up This Morning (5:30)

Gesamtspieldauer: 33:37




Manche Art der Musik wird heutzutage einfach nicht mehr gemacht – oder sie scheint einfach völlig an mir vorbeizugehen. Diese Art des Blues Rock, den Ten Years After hier auf ihrem dritten Album mit dem interessanten Namen „Ssssh.“ zelebrierten, den gibt es so in der heutigen Zeit zum Beispiel nicht mehr von anderen Bands aktuell gespielt. „Ssssh.“ wurde 1969 auf dem Label Chrysalis Records veröffentlicht und enthält acht Lieder, die allesamt vom Gitarristen Alvin Lee komponiert wurden, der im März 2013 in Spanien bei einer Routineoperation im Alter von 68 Jahren verstarb.

Auf „Ssssh.“ bekommt Blues Rock der etwas rockigeren Ausprägung zu hören. Die Scheibe und die darauf enthaltene Musik hat ihre Stärke ganz klar in den längeren und rockigen Instrumentalpassagen, wie zum Beispiel beim über siebenminütigen „Good Morning Little Schoolgirl“. Hier gibt sich Alvin Lee für meine Ohren eben nicht selbstverliebt dem Blues hin, sondern packt das Ganze in ein Rockgewand, was dann auch zu überzeugen weiß und einfach zum Mitwippen animiert. Selbiges gilt auch für den nachfolgenden Titel „If You Should Love Me“, der fast wie ein Folk Song beginnt, sich dann jedoch auch wieder in eine Rock-Nummer wandelt, in deren Verlauf es ebenfalls wieder lang anhaltende Instrumentalpassagen gibt, die dieses Mal sogar übersungen werden. Von daher ist der Begriff „Instrumentalpassage“ im Grunde genommen falsch gewählt. Da die Stimme des Alvin Lee sowie alle Instrumente hier irgendwie zu einer Einheit verschmelzen, der gesungene Text zudem keinerlei Relevanz mehr hat, stimmt die Aussage dann allerdings doch wieder. Klasse auch, wie diese Gitarren-lastige Musik doch immer wieder von etwas im Hintergrund stehenden, jedoch für den Sound wichtigen Orgelklängen unterstützt wird und dadurch an kraftvoller Fülle gewinnt.

Auch Freunde des Blues kommen bei „Ssssh.“ auf ihre Kosten, denn auch diese Nummern finden sich auf der doch recht kurzen Scheibe. In der heutigen Zeit würde solch ein Album auch höchstens als EP durchgehen, denn keine 34 Minuten Laufzeit sind nicht gerade üppig. Egal, der Blues regiert auf alle Fälle die letzten beiden Titel der Scheibe. Von allen Dingen bei „I Woke Up This Morning“ dürfte der Herzschlag von entsprechenden Fans ordentlich an Fahrt gewinnen. Hier sind dann Gesangspassage und Solo wieder deutlich voneinander getrennt und in beiden Abschnitten groovt die Nummer.

Fazit: Etwas kurz, dafür allerdings nicht weniger überzeugend. Rockigen Blues Rock bekommt man auf „Ssssh.“ zu hören. Der geht sogar ins Ohr, obwohl man bei dieser Art der Musik natürlich keine Ohrwürmer erwarten sollte, dafür jedoch Lieder, die mit einem Eins werden, die man aufsaugt, genau kennt und die mit der Zeit zu guten Freunden werden, welche beim Hören einen kleinen Urlaub vom Alltag darstellen. Für alle diejenigen Musikhörer gedacht, die vielleicht sogar mit reinem Blues gar nicht so viel anzufangen wissen, jedoch der rockigeren Variante dieses musikalischen Genres durchaus etwas abgewinnen können. Neun Punkte.

Anspieltipps: Good Morning Little Schoolgirl, If You Should Love Me



Samstag, 13. Februar 2016

Parrish & Toppano – The Shores Of This Great Ocean




Parrish & Toppano – The Shores Of This Great Ocean


Besetzung:

Lorenzo Toppanop – synthesizers, trumpet
Paul Parrish – piano & recorders


Gastmusiker:

James Heath – synthesizers
Michael Thompson – guitar
Teddy Castanicci – guitar
Mike Fisher – percussion
Wayne Newitt – percussion
John Toban – percussion
Chuck Finley – trumpet
Rick Todd – french horn
Dave Boruff – saxophone
Lana Bogan – background vocals
Garnie Toppano – background vocals
Terry Wood – background vocals
K.C. Porter – background vocals
Jennifer Bruce – background vocals


Label: White Records


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: Pop


Trackliste:

1. Call Out To Zion (3:55)
2. Ballerina (3:07)
3. Wildflower (4:23)
4. Turn It All Around (3:43)
5. The Shores Of This Great Ocean (4:38)
6. Monday Afternoon (2:36)
7. Song In My Heart (3:29)
8. Prayer (2:57)
9. Meadowlark (2:42)
10. Dec. 9th, Cayucos Point (8:25)

Gesamtspieldauer: 39:55




Paul Parrish und Lorenzo Toppano waren ein amerikanisches Pop-Duo, welches Ende der 80er Jahre genau zwei Platten zusammen veröffentlichte. „The Shores Of This Great Ocean“ ist dabei die zweite Scheibe und erschien im Jahr 1988 auf dem Label White Records. Meines Wissens nach ist dieses Album sogar der letzte musikalische Auftritt der beiden Musiker überhaupt, die danach wohl nichts mehr veröffentlichten – zumindest ist mir nichts Weiteres bekannt und auch eine Recherche im Internat brachte diesbezüglich keinerlei Ergebnisse mehr.

Nun, Parrish & Toppano präsentieren ihren Hörern auf „The Shores Of This Great Ocean” eine Art Soft-Pop, der ganz entfernt an Simon und Garfunkel erinnert, wobei diese beiden zwanzig Jahre zuvor erfolgreich waren. Doch ist die Musik von Parrish & Toppano längst nicht so eingängig, wie die von Simon und Garfunkel und ein sehr großer Unterschied zwischen beiden Duos liegt dabei zusätzlich in der Instrumentierung. Paul Parrish und Lorenzo Toppano setzen in ihrer Musik sehr stark auf den Einsatz des Synthesizers, der praktisch allgegenwärtig ist auf diesem Album. Den hatte es in den erfolgreichen Jahren von Simon und Garfunkel in der Form allerdings noch nicht gegeben.

Die einzelnen Lieder klingen alle melodiös, ohne hier jedoch einen Ohrwurm nach dem anderen zu generieren. Manchmal wird dabei allerdings auch die Grenze der Anbiederei überschritten, wenn es gar zu süßlich klingt. Allgemein sind die Titel zu Beginn des Albums etwas bombastischer bezüglich der Instrumentierung angelegt, als die Nummern gegen Mitte und Ende der Platte. In beiden Ausführungen bleibt die Musik von Parrish & Toppano jedoch eingängiger Pop, der auch nebenher laufen kann, ohne allzu große Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Fazit: Ein sehr unaufgeregtes Pop-Album ist „The Shores Of This Great Ocean“ von Parrish & Toppano geworden. Manchmal übertreiben es die beiden Burschen ein wenig mit einer Prise Schmalz zu viel. Allerdings schlimmer als Vieles, was man immer wieder auf diversen Tonträgern oder aber im Radio hört, ist diese Platte garantiert auch nicht. Etwas Besonderes stellt „The Shores Of This Great Ocean“ jedoch natürlich auch nicht dar. „Normaler“, sanfter Pop eben. Doch man muss sich wahrlich wundern, warum diese, sicherlich radiotaugliche und ins Ohr gehende Musik ganz offensichtlich nicht mehr Anhänger fand. Erfolgreich schien das Ganze nämlich nicht zu sein, sonst hätten die beiden Musiker wohl weitergemacht und weitere Alben veröffentlicht. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Call Out To Zion, Ballerina, Monday Afternoon