Samstag, 14. Oktober 2023

Twelfth Night – Fact And Fiction

 



Twelfth Night – Fact And Fiction


Besetzung (Originalalbum):

Brian Devoil – drums and percussion
Geoff Mann – voices and tape effects
Clive Mitten – keyboards, bass and classical guitar
Andy Revell – electric and acoustic guitar


Gastmusiker (Originalalbum):

Jane Mann – additional vocals


Label: Festival Music


Erscheinungsjahr: 1982


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. We Are Sane (a. Te Dium; b. We Are Sane; c. Dictator‘s Excuse Me) (10:23)
2. Human Being (7:47)
3. This City (4:01)
4. World Without End (1:50)
5. Fact And Fiction (3:59)
6. The Poet Sniffs A Flower (3:49)
7. Creepshow (11:50)
8. Love Song (5:40)

Bonus Tracks:

9. Being Human (session outtake - alternate version of "Human Being") (3:46) 
10. Paradise Locked (non-musical linking piece) (0:24)
11. East Of Eden (single a-side) (3:24) 
12. Eleanor Rigby (single b-side) (3:22)

CD2:

1. We Are Sane - live 1983 (11:53)
2. Human Being- live 1984 (8:09) 
3. This City - live 2010 (3:57)
4. World Without End - live 2012 (1:33)
5. Fact And Fiction - live 1983 (5:34)
6. The Poet Sniffs a Flower - live 1983 (3:38)
7. Creepshow - live 2012 (12:27)
8. Love Song - live 1983 (7:56)
9. Fact And Fiction - live 2012 (4:42)
10. Constant [Fact and Fiction] - demo (2:23)
11. Fistful Of Bubbles - demo (3:18)
12. Leader - demo (2:41)
13. Dancing In The Dream - demo (2:57)
14. Creepshow (closing section) - demo (3:52)

CD3:

1. Dean Baker - Electro Sane (1:25)
2. Mark Spencer - We Are Sane (11:06)
3. Pendragon - Human Being (6:51)
4. Tim Bowness - This City (4:41)
5. Coburg - This City (5:21)
6. Clive Nolan - World Without End (2:17)
7. Galahad - Fact And Fiction (5:01)
8. Mark Spencer ft. Lee Abraham - The Poet Sniffs A Flower (3:42)
9. Twelfth Night - Creepyshow - live (11:58)
10. Alan Reed & Kim Seviour - Love Song (5:54)
11. Axe – Don‘t Make Me Laugh (3:52)
12. Eh! Geoff Mann Band - Fact And Fiction - live (4:19)
13. Eh! Geoff Mann Band - Love Song - live (6:50)

Gesamtspieldauer CD1 (1:00:20) und CD2 (1:15:06) und CD3 (1:13:23): 3:28:49



„Twelfth Night“ war eine englische Progressive Rock Band, die zunächst Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts aktiv war und sich schließlich 1987 zum ersten Mal auflöste. Später gab es immer wieder Wiedervereinigungen, doch diese wurden lediglich von Alben und Konzerten gekennzeichnet, die sich auf die Musik der 80er Jahre bezogen. Das wohl bekannteste Werk von Twelfth Night wurde 1982 veröffentlicht und trägt den Titel „Fact And Fiction“. Wer den britischen Progressive Rock der 70er Jahre mag, wie ihn Genesis, Yes, etc. zelebrierten, der sollte unbedingt auch mal in „Fact And Fiction“ reinhören.

Auf „Fact And Fiction“ hört man melodischen Progressive Rock, der sich sehr schnell im Ohr festsetzt. Wunderschöne Melodienbögen, schnelle, treibende Abschnitte und sanfte Parts, laufend Stimmungs- Rhythmus und Tempowechselwechsel, immer wieder neue Überraschungen und Wendungen. Progressive Rock der sehr überzeugenden Art. Von der Instrumentierung bis hin zum sehr abwechslungsreichen und überzeugenden Gesang des Geoff Mann ein absolut überzeugendes Album.

Mit der 2018er Wiederveröffentlichung bekam man als Fan dann die ultimative Veröffentlichung des Albums. Auf der ersten CD befindet sich das komplette Studioalbum sowie die beiden Singleauskopplungen „East Of Eden“ und „Eleanor Rigby“. Dazu hört man noch das Lied „Being Human“ ein Outtake und gleichzeitig eine alternative Version des Stücks „Human Being“ sowie „Paradise Locked“, ein kurzes musikalisches Verbindungsstück.

CD2 beinhaltet anschließend das komplette Album in der Live-Version. Diese einzelnen Stücke wurden allerdings nicht zusammenhängend eingespielt, sondern entstammen verschiedenen Konzerten. Auf der dritten CD schließlich werden die Lieder des Albums von diversen anderen Bands interpretiert, was durchaus auch spannend klingt. Alles in allem eine runde und gelungene Zusammenstellung und Aufwertung dieses wahrlich hörenswerten Albums auf drei CDs.

Fazit: „Fact And Fiction“ ist das wohl bekannteste Album der englischen Band Twelfth Night. Darauf hört man Progressive Rock, der durchaus auch zehn Jahre früher hätte entstanden sein können. Eingängiger und melodischer Progressive Rock. Mit dieser Wiederveröffentlichung bekommt man nun die Möglichkeit das Album auch noch aus etwas veränderten Perspektiven zu hören. Sehr gelungen. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: We Are Sane



Donnerstag, 12. Oktober 2023

Glass Hammer – Lex Rex

 



Glass Hammer – Lex Rex


Besetzung:

Steve Babb – lead and backing vocals, four and eight-string bass guitars, keyboards, pipe organ, hammond organ, mellotron
Fred Schendel – lead and backing vocals, steel guitars, electric and acoustic guitars, hammond organ, piano, pipe organ, keyboards, synthesizers, mellotron, mandolin, recorder, drums, percussion
Susie Bogdanowicz – lead vocals and backing vocals
Walter Moore – lead and backing vocals


Gastmusiker:

Sarah Lowell – lead and backing vocals
Haley McGuire – lead and backing vocals
Carrie Streets – backing vocals
Bjorn Lynne – lead guitar on "Tales of the Great Wars"
Charlie Shelton – lead guitar on "One King"
David Carter – lead guitar on "Further Up and Further In"




Erscheinungsjahr: 2002


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Good Evening (0:51)
2. Tales Of The Great Wars (10:42)
3. One King (6:07)
4. Further Up And Further In (15:14)
5. Intermission (1:08)
6. Music For Four Hands (And Temporal Anomaly) (2:19)
7. A Cup Of Trembling (7:50)
8. Centurion (7:47)
9. When We Were Young (9:57)
10. Goodnight (1:06)
11. Heroes And Dragons (3:45)

Gesamtspieldauer: 1:06:53



„Lex Rex“ nannte die US-amerikanische Progressive Rock Band Glass Hammer ihr sechstes Studioalbum. „Lex Rex“ wurde am 1. September 2002 auf dem Plattenlabel Arion Records veröffentlicht.

Auf „Lex Rex“ hört man Progressive Rock, der unweigerlich an die britischen Bands dieses Genres aus den 70er Jahren erinnert. Wahre Feuerwerke an Keyboard- und Synthesizer-Läufen, eingängige Gitarrensoli, Stimmungs- und Tempowechsel, melodische Wandlungen, sanfte und rockige Passagen und immer wieder neue musikalische Einfälle gibt es auf diesem Album zu hören. Genau dieses Zuhören macht hier sehr viel Spaß, wenn man eben die Musik von Yes und Genesis in ihren Anfängen mag. Dabei imitieren Glass Hammer keineswegs ihre musikalischen Vorbilder, sondern weiten dieses musikalische Erbe lediglich um elf weitere Titel aus.

„Lex Rex“ ist ein Konzeptalbum. Erzählt wird darauf die Geschichte eines römischen Soldaten, der während seiner Dienstzeit zahlreiche Abenteuer erlebt und dabei sogar auf Aphrodite, die griechische Göttin der Liebe, der Schönheit, der sinnlichen Begierde und der Sexualität trifft. Das Album ist ein wahrer „Ritt“ durch diese Abenteuer, welches man am besten mit Kopfhörern genießt. Alles lässt sich wunderbar in einem durchhören, da die Platte keine Ausfälle aufweist und vom ersten bis zum letzten Akkord überzeugt.

Die einzelnen Lieder gehen ins Ohr, klingen jederzeit melodiös und harmonisch. Vertrackte oder frickelige Passagen findet man auf „Lex Rex“ allerdings nicht. Alles löst sich jederzeit in Wohlklang auf.

Fazit: „Lex Rex“ ist ein Album angefüllt mit Progressive Rock, welches sich auf die Vergangenheit dieses musikalischen Genres bezieht. Viele schöne Melodien und Harmonien gibt es auf der Platte zu entdecken, die alle Freundinnen und Freunde des Progressive Rocks der 70er Jahre überzeugen dürfte. Elf Punkte.

Anspieltipps: Centurion



Dienstag, 10. Oktober 2023

Balmorhea – The Wind

 



Balmorhea – The Wind


Besetzung:

Rob Lowe – guitar, piano
Michael Muller – guitar, bass guitar


Gastmusiker:

Jonathan Sielaff – bass clarinet
Clarice Jensen – cello
Sam Pankey – double bass
Alex Browne – double bass
James Suter – double bass
Morris Kliphuis – french horn
Jason Treuting – percussion
Lili Cuzor – spoken word
Lisa Morgenstern – vocals
Jesy Fortino – vocals




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Post Rock


Trackliste:

1. Day Dawns In Your Right Eye (4:24)
2. Rose In Abstract (4:58)
3. La Vagabonde (5:16)
4. Landlessness (5:01)
5. Evening (2:37)
6. The Myth (3:41)
7. V (4:23)
8. Ne Plus Ultra (3:16)
9. Nos (1:21)
10. Vent Pontian (0:50)
11. The Crush (4:07)
12. Night Falls In Your Left (6:13)

Gesamtspieldauer: 46:13



„The Wind“ heißt das achte Studioalbum der inzwischen wieder zum Duo geschrumpften US-amerikanischen Band Balmorhea. Es erschien im Jahr 2021 auf dem Plattenlabel Deutsche Grammophon und ist insofern etwas Besonders, weil man im ersten und letzten Stück auch wieder Sprache hört. Zwar nicht gesungen, sondern gesprochen und auch nicht auf Englisch, wie man vermuten könnte, sondern auf Französisch.

Ansonsten gilt auch dieses Mal: ruhig, ruhiger, Balmorhea. Sanft und zart erklingt wieder einmal die Musik des texanischen Duos, bestehend aus Rob Lowe und Michael Muller. An mancher Stelle erklingt die Musik sogar fast schon zerbrechlich. Und auch wenn hier und da ein paar experimentellere Töne eingebaut wurden, die dann eher kurze Klanglandschaften darstellen, so sind es doch meistens sehr harmonische und melodische Melodiebögen, die man auf „The Wind“ zu hören bekommt.

„The Wind“ wurde laut Aussage der Musiker durch Meditationen über die natürliche Welt und ihre Zerbrechlichkeit, einer alten Geschichte über einen Heiligen, der den Wind in ein luftleeres französisches Tal trug, und Gedanken der Klimaaktivistin Greta Thunberg, die den Atlantik auf dem Katamaran „La Vagabonde“ überquerte, inspiriert. Die Musik erklingt wunderschön und harmonisch und scheint einem jegliche Hektik zu nehmen und nach einem langen Arbeitstag für absolute Entspannung zu sorgen. Zu viel „passiert“ allerdings nicht auf „The Wind“, sodass Leute, die dem Post Rock eher wenig abgewinnen können, vermutlich auch Langeweile aus diesen Akkorden heraushören. Doch lässt man sich ganz auf diese Musik ein wirkt sie bereichernd und definitiv entspannend.

Fazit: Schöne und warme Klänge gibt es einmal mehr auf einem Balmorhea-Album zu hören. Wer genau nach solcher Musik sucht, Musik zum Träumen und Entspannen, die oder der wird auf „The Wind“ fündig. Unaufgeregte Klänge, die nicht überraschenderweise zum Teil von Meditationen inspiriert wurden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: La Vagabonde, V



Sonntag, 8. Oktober 2023

Ween – Chocolate And Cheese

 



Ween – Chocolate And Cheese


Besetzung:

Dean Ween – guitar, vocals, drums
Gene Ween – vocals
Claude Coleman Jr. – drums


Gastmusiker:

Mean Ween – bass
Andrew Weiss – bass
Patricia Frey – drums
Scott Lowe – programming
Stephan Said – spanish guitar




Erscheinungsjahr: 1994


Stil: Experimental Rock


Trackliste:

1. Take Me Away (3:00)
2. Spinal Meningitis (Got Me Down) (2:52)
3. Freedom Of ‚76 (2:50)
4. I Can‘t Put My Finger On It (2:47)
5. A Tear For Eddie (4:49)
6. Roses Are Free (4:34)
7. Baby Bitch (3:04)
8. Mister, Would You Please Help My Pony? (2:55)
9. Drifter In The Dark (2:31)
10. Voodoo Lady (3:48)
11. Joppa Road (3:02)
12. Candi (4:02)
13. Buenas Tardes Amigo (7:06)
14. The HIV Song (2:09)
15. What Deaner Was Talkin‘ About (1:59)
16. Don‘t Shit Where You Eat (3:19)

Gesamtspieldauer: 54:55



„Chocolate And Cheese“ heißt das vierte Studioalbum der US-amerikanischen Band Ween. „Chocolate And Cheese“ wurde am 27. September 1994 auf dem Plattenlabel Elektra Records veröffentlicht. Es ist das erste Ween-Album, welches in einem professionellen Studio aufgenommen wurde. Gewidmet ist „Chocolate And Cheese“ dem Schauspieler John Candy, der im selben Jahr der Aufnahme verstarb. Das Lied „A Tear For Eddie“ wurde dem Funk/Psychedelic-Gitarren-Pionier Eddie Hazel gewidmet, der am 23. Dezember 1992 starb. Das Lied „Buenas Tardes Amigo“ wiederum, wurde laut Gene Ween durch eine Spanisch-Lektion in der Sesamstraße inspiriert. Der Titel des Albums schließlich ähnelt phonetisch der britischen Redewendung „chalk and cheese“, eine Art zu sagen, dass zwei Dinge nichts gemeinsam haben.

Nicht ganz unpassend der Titel, denn auf „Chocolate And Cheese“ gibt es sehr viele musikalische Genres zu hören – allerdings deutlich mehr als zwei. Das reicht von Pop, Rock über Funk, Folk, Country, Funk, Soul, Gospel, sowie R&B bis hin zu experimenteller Musik. Eine recht krude Zusammenstellung von Musik, die unweigerlich dazu führt, dass man nicht mit allen Liedern auf diesem Album etwas anzufangen weiß – außer man hat den breitesten Musikgeschmack überhaupt. Abwechslungsreich klingt das zwar wie kaum ein anderes Album im Rock und Pop-Bereich, doch zu viel Abwechslung kann auch dazu führen, dass man beim Hören der Platte einfach Lieder überspringt, da es schwerfällt, sich auf alles einzulassen.

Nun, das bekannteste Lied von Ween dürfte wohl „Buenos Tardes Amigo“ sein, welches unter anderem auch in den Soundtracks der deutschen Filme „Lammbock – Alles in Handarbeit“ aus dem Jahr 2001 sowie „Herr Lehmann“ aus dem Jahr 2003 enthalten ist. Tolle Nummer und der Höhepunkt des Albums. Inspiriert durch die Sesamstraße und dann das Lied mit solch einem Text zu versehen – die Jungs von Ween beweisen Humor, schwarzen Humor. Das Lied „Baby Bitch“ könnte genau so von den Beatles aufgenommen worden sein. Tolle Nummer. „What Deaner Was Talkin‘ About“ fällt in dieselbe Kategorie.

Und sonst? Nun, die Lieder überzeugen mal mehr, mal weniger. Abwechslung pur sicherlich, doch nicht alles kann durchweg begeistern. Das klingt zum Teil sehr abgefahren und man kann kaum verarbeiten, dass Lieder, die stilistisch so überhaupt nichts miteinander zu tun haben, hier wie selbstverständlich aufeinander folgen. Und skurril sind manche Nummern zudem. So erklingt „Candi“ absolut experimentell und das Lied „The HIV Song“ ist wohl am besten mit rabenschwarzem Humor zu umschreiben.

Fazit: Niemals kommt beim Hören von „Chocolate And Cheese“ Langeweile auf. Niemals. Sehr viele musikalische Stile wurde auf diesem Album verarbeitet. Wer auf ganz viel Abwechslung auf einer Platte steht, die oder der kann hier absolut nichts falsch machen. Definitiv kein alltägliches Album. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Baby Bitch, Buenas Tardes Amigo, What Deaner Was Talkin‘ About



Freitag, 6. Oktober 2023

The Spacelords – Unknown Species

 



The Spacelords – Unknown Species


Besetzung:

Matthias Wettstein – guitars, effects
Ekhard Kazmaier – bass, effects, organ
Marcus Schnitzler – drums, percussion, synthesizer




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Instrumentalmusik, Spacerock


Trackliste:

1. F.K.B.D.F. (8:13)
2. Unknown Species (14:55)
3. Time Tunnel (20:26)

Gesamtspieldauer: 43:34



The Spacelords sind eine deutsche Spacerock- und Psychedelic-Rock-Band aus Reutlingen, die 2008 gegründet wurde. Laut Wikipedia-Eintrag ist das im Jahr 2022 erschienene Album „Unknown Species“ das siebte Studioalbum der Band. Wurden die ersten beiden Alben noch im Selbstverlag veröffentlicht, so erschienen die letzten vier Platten allesamt auf dem Plattenlabel Tonzonen Records.

Auf „Unknown Species“ hört man „ausufernden“ Spacerock und das ist in diesem Fall durchaus positiv gemeint. Die drei Musiker lassen es sozusagen laufen und man kann in spacige Klangwelten eintauchen, die sich über viele Minuten hinweg aufbauen. Das klingt durchaus spannend, wenn man diesem musikalischen Genre etwas abgewinnen kann. Beim Hören schwebt man dabei in Retro-Welten, denn die Musik der Spacelords erinnert durchaus an jene der Kollegen aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Ein wenig Abwechslung kommt zunächst beim dritten Lied „Time Tunnel“ auf, welches mit akustischer Gitarre und Synthesizer-Meeresrauschen eingeleitet wird. Dann steigert sich der Titel immer weiter, um schließlich erneut in rockigem Spacesound zu münden. Am Ende wechselt die Musik dann wieder hin zur akustischen Gitarre, und deren Klang wird vom Rauschen des Windes und einem kurzen Ticken einer Uhr unterlegt. Klingt ebenfalls gut und doch fehlt der Musik etwas, wenn man die knappe Dreiviertelstunde Spieldauer Revue passieren lässt – und das ist der Gesang. Der würde zusätzliche Abwechslung generieren und die Musik der Spacelords noch interessanter erklingen lassen.

Fazit: Mit instrumentalem Spacerock, in den man wunderbar eintauchen kann, versorgen einen die Spacelords auf „Unknown Species“. Das klingt mal etwas spaciger, dann wieder etwas rockiger. Macht Laune und doch würde etwas Gesang die Musik der Reutlinger Band noch spannender erscheinen lassen. Aber auch das ist natürlich Geschmacksache. Insgesamt klingt das Album gut. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Time Tunnel



Mittwoch, 4. Oktober 2023

Raphael Kestler – Innen Und Außen

 



Raphael Kestler – Innen Und Außen


Besetzung:

Raphael Kestler – Gitarre und Gesang, Bass


Gastmusiker:

Nicolas Schmidt – Orgel und E-Piano, Bass bei „Bäume” und „Seit Du Da Bist”
Veronika Kleiner – Gesang
Agnes Liberta – Klarinette und Bassklarinette, Gesang bei „Bäume”
Florian Fischer – Schlagzeug, Gesang bei „Bäume”
Anne-Kathrin Abel – Gesang bei „Bäume”
Susanna Stefaniak – Geige, Gesang bei „Bäume”
Nicolas Schmidt – Gesang bei „Bäume”
Dennis Egger – Schlagzeug bei „Eltern Die Querdenken”
Manuel Zwanziger – E-Gitarre
Frederic Jehle – E-Gitarre bei „Besuch Daheim”
Stef Malener – Bass bei „Urlaub”
Doreen Donchi – Euphonium
Katharina Meyer – Trompete
Gregor Moser – Trompete




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Liedermacher, Folk


Trackliste:

1. Urlaub (3:30)
2. Unser Lied (3:42)
3. Besuch Daheim (3:42)
4. Dämonen Zum Hochzeitstag (3:29)
5. Bäume (2:42)
6. Aux 13 (3:39)
7. Tock Tock (2:51)
8. Seit Du Da Bist (3:00)
9. Eltern, die Querdenken (3:22)
10. Zaun (3:37)
11. Königin (4:35)

Gesamtspieldauer: 38:14



Im Pressetext zum kann man lesen: „Auf seinem vierten Album „Innen und Außen“ beschwört Raphael Kestler Geister. Es sind Geister der Gegenwart. Sie suchen Liebende heim, wenn es am Schönsten sein soll – im Urlaub oder vor der eigenen Hochzeit – aber auch Kinder und ihre Eltern, dann, „wenn Eltern querdenken“.
Das Album ist eine Auseinandersetzung mit der Jetzt-Zeit und Konflikten, die uns alle unmittelbar umgeben und nicht mehr loslassen wollen. Das große Thema ist die Utopie eines Stillstands, der die Menschen, sobald sie sich nicht mehr Kinder nennen können, erfolglos hinterherhecheln: Wann hat das aufgehört, wann ließ mich der Kopf nicht mehr ganz allein in den Urlaub fahren und so tun als ob …

Nun, diese Inhalte in den Texten auf „Innen und Außen“ herauszuhören ist sicherlich weder einfach und schon gar nicht offensichtlich. Die Texte sind fordernd und spiegeln glücklicherweise so gar nichts von den Themen „Liebe“ und „Herzschmerz“ wider. Man muss sich hineinhören und sich anregen lassen, um für sich etwas heraushören zu können. Das Ergebnis ist schließlich bereichernd und lohnt sich.

Sehr viel einfacher und schneller kann man sich allerdings auf die Musik einlassen. Diese klingt zumeist melodiös bis eingängig und geht schnell ins Ohr. Bei den beiden Stücken „Urlaub“ sowie „Eltern, die Querdenken“ klappt dies übrigens besonders gut. Schöne Nummern, textlich wie musikalisch. Alle Titel sind eher zurückhaltend und sanft instrumentiert und erklingen entspannt und manchmal fast schon zerbrechlich wirkend. „Innen und Außen“ lässt sich ganz einfach in einem Durchlauf durchhören ohne, dass man Gefahr laufen würde dauernd zum nächsten Lied springen zu müssen. Ein wenig zu pathetisch wird es allerdings bei „Bäume“. Das klingt inhaltlich fast schon nach „Karl der Käfer“ der Band Gänsehaut. Doch in den 80er Jahren klang solch ein Lied irgendwie wenigstens noch unfreiwillig komisch.

Fazit: „Innen und Außen“ ist ein musikalisch schönes Album mit intelligenten Texten geworden. Ein Album zum Zuhören, welches man beim „Nebenbeihören“ irgendwie verschenkt. Nicht alles klingt restlos überzeugend, doch die schönen Momente bleiben. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Urlaub, Eltern die Querdenken



Montag, 2. Oktober 2023

Sigrid & Marina – Zum Jubiläum das Beste

 



Sigrid & Marina – Zum Jubiläum das Beste


Besetzung:

Sigrid Hutterer – Gesang, Chor
Marina Löberbaur – Gesang, Chor


Gastmusiker:

Christian Zierhofer – Keyboards, Programming, Chor
Manuel Lopez – Gitarre
Fritz Koch – Gitarre, Chor
Hannes Wallner – Gitarre
Andreas Pirringer – Klarinette
Gerhard Zwickl – Trompete
Karl Heinz Promitzer – Trompete
Mitsch Keller – Chor
Tini Keinrath – Chor
Michaela Kollar – Chor
Daniel Gruber – Chor
Brigitte Lukasser – Chor




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Volkstümlicher Schlager


Trackliste:

CD1:

1. Das bleibt für immer (3:10)
2. Ein Handbuch für die Heimat (3:39)
3. Immer wieder Sommer (2:31)
4. Unheimlich schön (3:17)
5. Ein halbes Herz (3:16)
6. Bitte komm zurück (3:43)
7. Ti amo (3:23)
8. Herz an Herz (2:56)
9. Du bist mein Dahoam (3:10)
10. Fliege mit mir in den Himmel hinein (3:04)
11. Wo schöne Berge sind (2:45)
12. Wo die Alpenrosen blüh‘n (2:52)

CD2:

1. Volle Lust und volles G‘fühl (3:03)
2. Geh mit mir durchs dunkle Tal (3:40)
3. Dieser Tag gehört uns zwei (3:07)
4. Millionen Augenblicke (3:27)
5. Sommer ist die Zeit (3:14)
6. Bergbluat (3:43)
7. Wo ist der Mann (3:10)
8. Hörst du die Glocken von Stella Maria (2:33)
9. Ein liebes Wort (3:29)
10. Pure Lust am Leben (2:58)
11. An Jodler zum Gebet (3:41)
12. Das größte Glück (3:14)
13. Halleluja der Berge (3:26)

Gesamtspieldauer CD1 (37:51) und CD2 (42:50): 1:20:41



Wie heißt es im beiliegenden Booklet: „Auf diesem Album haben wir für Euch passend zu unserem Jubiläum 25 Titel ausgewählt, die einen Streifzug durch unsere musikalische Vielseitigkeit zeigen. Von Volksmusik über volkstümliche Melodien und Schlager bis hin zu sakralen Tönen... Neben „altbekannten“ Hits von uns dürfen wir Euch auch mit ein paar ganz neuen, bis jetzt unveröffentlichten Liedern überraschen.

Nun, Kompilationsalben, denen noch ein paar neue Lieder hinzugemischt wurden, hinterlassen immer einen schalen Geschmack. Soll das etwa ein Kaufanreiz für die Fans sein, die alles von ihren Lieblingen „besitzen“ möchten, obwohl sie die meisten Lieder bereits haben und kennen? Also trotz, dass man den Großteil der Musik bereits kennt, wird sie nochmals gekauft. Diesbezüglich besteht übrigens kein Unterschied zwischen Schlagermusik, Pop oder Rock, viele Bands machen das so. Etwas schade.

Und wie ist die Scheibe, beziehungsweise wie sind die beiden Scheiben sonst so? Nun, man bekommt tatsächlich einiges geboten von Sigrid und Marina. Allerdings sollte man Schlager und volkstümlicher Musik durchaus offen gegenüberstehen und schwache bis schwachmatische Texte aushalten können.

Sigrid und Marina klingen dann gut, wenn sie sich auf echte Volksmusik konzentrieren. Von der gibt es auf dieser Zusammenstellung deutlich zu wenig. Schlager mit Schlagzeug aus dem Synthesizer klingt halt leider schlecht.

Fazit: Zumeist Schlager, zu wenig Volksmusik. Drei Punkte.

Anspieltipps: Du bist mein Dahoam



Samstag, 30. September 2023

Steven Wilson – The Harmony Codex

 



Steven Wilson – The Harmony Codex


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, piano, synthesizer programming, basset horn, harp, acoustic and electric guitars, bass, hammond organ, percussion, strings, programming


Gastmusiker:

Theo Travis – flute (1), saxophone (4), duduk (6)
Nils Peter Molvaer – trumpet (1,6)
Adam Holzman – keyboards
David Kollar – guitar
Niko Tsonev – guitar
Pat Mastellotto – drums, percussion (1)
Nate Navaro – fretless bass (1)
Jack Dangers – vocal programming, drum machine (1,2)
Ninet Tayeb – vocals, background vocals, guitar (5)
Craig Blundell – drums (2,5,6,9)
Guy Pratt – bass (2)
Nate Woods – drums (4)
Ben Coleman – violin (4)
Lee Harris – electric guitar (4)
Rotem Wilson – voice (9), vocals (7)
Nick Beggs – guitar (9)




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: ArtPop, ArtRock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Inclination (7:16)
2. What Life Brings (3:39)
3. Economies Of Scale (4:18)
4. Impossible Tightrope (10:44)
5. Rock Bottom (4:25)
6. Beautiful Scarecrow (5:21)
7. The Harmony Codex (9:50)
8. Time Is Running Out (3:59)
9. Actual Brutal Facts (5:06)
10. Staircase (9:27)

Gesamtspieldauer: 64:05



„The Harmony Codex“ ist das siebte Solo-Studioalbum des Briten Steven Wilson, den man natürlich hauptsächlich als Musiker und Ideengeber „seiner“ Band Porcupine Tree kennt. Und nach dem fast schon unsäglichen, zwei Jahre zuvor erschienenen „The Future Bites“, durfte man wahrlich gespannt sein, was Steven Wilson seinen Hörerinnen und Hörern dieses Mal kredenzen würde.

Angekündigt wurde „The Harmony Codex“ als „genreübergreifende Sammlung, die sich wie eine musikalische Puzzleschachtel öffnet“. Dazu sollte das Album musikalisch komplexer klingen, als das bereits erwähnte „The Future Bites“, welches ein Pop bis Mainstream-Album war. Und tatsächlich, gleich beim ersten Hören fallen einem die musikalischen und genremäßigen Varianten auf, die das Album zu einer sehr abwechslungsreichen Scheibe werden lassen. Man hört auf „The Harmony Codex“ Progressive Rock, ArtPop und ArtRock, Ambient, elektronische Musik, experimentelle Musik, jazzige Anleihen, Rock und Pop. Klingt wirr und konstruiert, doch schnell merkt man, dass sich dies alles sehr schön zu einem gelungen, großen Ganzen zusammenfügt.

„The Harmony Codex“ lebt von der Abwechslung und die klingt vom ersten bis zum letzten Akkord sehr überzeugend. Dazu trägt auch bei, dass dieses Mal nicht nur Steven Wilson am Gesang zu hören ist. Ninet Tayeb lockert mit ihren Vocals das Album wunderschön auf und auch die Stimme von Rotem Wilson trägt zu diesem Eindruck bei. Und schließlich schafft es Steven Wilson auf diesem Album ruhige Momente mit treibenderen Passagen zu verbinden, sphärische Elemente mit jazzigen Tönen abzuwechseln, einfache Melodien mit komplexen, deutlich progiggeren Tonfolgen konkurrieren zu lassen und dabei auch sehr schöne Melodien zu kreieren, die sich im Ohr festsetzen. Bereits beim zweiten Hören hat man den Eindruck, dieses oder jenes Lied bereits zu kennen. Doch mit jedem weiteren Durchlauf wird dieses Gefühl noch intensiver und die Musik wirkt noch wertvoller.

Fazit: Nachdem letztes Jahr am 24.6. ein neues und überzeugendes Porcupine Tree-Album veröffentlicht worden ist, war man als Fan dieser Musik um Steven Wilson schon wieder ein wenig versöhnt. Nun lässt dieser tolle Musiker auch noch solo ein sehr gelungenes Album folgen, welches sich so variantenreich generiert, wie kaum eine Scheibe zuvor von Steven Wilson oder Porcupine Tree. Und das passt alles gut zusammen – sehr gut sogar. Elf Punkte.

Anspieltipps: Impossible Tightrope, The Harmony Codex



Donnerstag, 28. September 2023

Depeche Mode – Memento Mori

 



Depeche Mode – Memento Mori


Besetzung:

Dave Gahan – lead vocals (1–5, 7–12)
Martin L. Gore – synthesizer (all tracks), guitar (3–6, 11), backing vocals (1–11), lead vocals (6)


Gastmusiker:

Marta Salogni – programming
James Ford – programming, synthesizer (tracks 1–8, 10–12), drums, percussion (1, 3–6, 8, 10–12), guitar (4, 6, 11), strings (4, 12), pedal steel guitar (4), bass guitar (4, 5, 11, 12), piano (3), additional strings arrangement (4)
Davide Rossi – strings arrangement, strings, cello, violin (3–6, 8, 10, 12)
Desiree Hazley – violin (3–6, 8, 10, 12)
Luanne Homzy – violin (3–6, 8, 10, 12)
Christian Eigner – programming (8, 12)
Peter Gordeno – programming (8)




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Synthie Pop


Trackliste:

1. My Cosmos Is Mine (5:17)
2. Wagging Tongue (3:24)
3. Ghosts Again (3:58)
4. Don‘t Say You Love Me (3:48)
5. My Favourite Stranger (3:57)
6. Soul With Me (4:15)
7. Caroline‘s Monkey (4:16)
8. Before We Drown (4:05)
9. People Are Good (4:24)
10. Always You (4:19)
11. Never Let Me Go (4:03)
12. Speak To Me (4:37)

Gesamtspieldauer: 50:29



„Memento Mori“ heißt das fünfzehnte Studioalbum der englischen Band Depeche Mode. „Memento Mori“ wurde am 24. März 2023 auf dem Plattenlabel Columbia Records veröffentlicht. Aufgenommen wurde das Album von Juli bis Oktober, kurz nachdem Mitbegründer und Keyboarder Andy Fletcher am 26. Mai 2022 im Alter von 60 Jahren an einem Aorta-Riss verstarb. Andy Fletcher ist das Album auch gewidmet. Die Lieder „Ghosts Again“, „Wagging Tongue“, „Speak To Me“ sowie „My Favourite Stranger“ wurden als Singles ausgekoppelt.

Obwohl das Songwriting sowie Demoaufnahmen bereits vor dem Tod von Andy Fletcher begannen, hat Andy Fletcher keine Melodie und auch die Texte niemals gehört, so die Aussage der zwei verbliebenen Bandmitglieder. Das Todesthema des Albums war bereits vorher festgelegt worden, da Martin Gore über seine eigene Sterblichkeit und die COVID-19-Pandemie, die weltweit Hunderttausende von Menschen tötete, nachdachte, als er das Album schrieb. Kurze Zeit überlegten Dave Gahan und Martin Gore auch die Aufnahmen zu verschieben oder sogar ganz mit Depeche Mode aufzuhören. Nach nur wenigen Augenblicken allerdings waren sich beide einig, dass sie durch die Aufnahmen am besten mit dem Tod Andy Fletchers zurechtkommen würden, da sie die Arbeit ablenkte.

Depeche Mode war schon immer die Band, die zeigte, dass auch Synthie Pop interessant, spannend und auch intelligent klingen kann. Und auch auf diesem neuen Album haben Depeche Mode nicht enttäuscht. Musikalisch klingt „Memento Mori“ eindeutig und mit jedem Akkord nach Depeche Mode. Die Musik der Engländer hat schon immer etwas „dunkel“ und „düster“ geklungen, nicht überraschend also, dass sie sich auch auf diesem Album in dieser Weise zeigt – auch unabhängig vom Tod Andy Fletchers. Die einzelnen Lieder „zünden“ zwar nicht unbedingt beim ersten Mal des Hörens – ein paar Durchläufe benötigt man hier definitiv. Doch dann setzen sich auch diese Harmonien fester ins Ohr. Ein absolutes „Überlied“ fehlt dem Album zwar, doch „Memento Mori“ unterhält und lässt einen irgendwie auch wieder in die Zeit der 80er Jahre eintauchen, obwohl Depeche Mode hier ihre damalige Musik nicht imitieren.

Auf „Memento Mori“ befindet sich kein Ausfall. Vom ersten bis zum letzten Akkord hört man eingängige Depeche Mode Musik, bei der es nicht nötig ist, den Tonarm ein Lied überspringen zu lassen, beziehungsweise mit der Fernbedienung zu skippen. Sehr lohnenswert erklingen die Lieder „Don‘t Say You Love Me“, „My Favourite Stranger“ sowie „Speak To Me“. Da sich, wie bereits erwähnt, allerdings kein Ausfall auf dem Album befindet, könnte man hier durchaus auch andere Titel erwähnen. Geschmackssache eben.

Fazit: Dunkel klangen Depeche Mode schon immer. Durch den Tod von Andy Fletcher scheinen sie sich noch etwas düsterer anzuhören. Vielleicht auch nur Einbildung, denn laut Aussage der verbleibenden zwei Bandmitglieder waren Musik und Texte schon vorher geschrieben. Wie dem auch sei, „Memento Mori“ klingt gut und überzeugt und ist eindeutig als Depeche Mode Musik auszumachen. Wer die mag, wird auch „Memento Mori“ mögen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Don‘t Say You Love Me, My Favourite Stranger“, Speak To Me



Dienstag, 26. September 2023

Sigur Rós Átta

 



Sigur Rós – Átta


Besetzung:

Jón Birgisson – vocals, guitar, string arrangement, synthesizer (tracks 1, 4–7, 10)
Georg Hólm – bass guitar, string arrangement, synthesizer (1)
Kjartan Sveinsson – piano, string arrangement, synthesizer (1, 3–5, 10), harpsichord (6), hurdy-gurdy, vibraphone (7)


Gastmusiker:

London Contemporary Orchestra – orchestra (1–8, 10)
Robert Ames – orchestra conductor (1–8, 10)
Ólafur Ólafsson – percussion (1, 7, 9, 10)
Ingi Erlendsson – trombone, tuba (4, 10)
Helgi Jónsson – trombone (4, 10)
Eirikur Ólafsson – trumpet (4, 10)
Snorri Sigurðarson – trumpet (4, 10)
María Sigfúsdóttir – violin (4, 10)


Label: BMG


Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Post Rock


Trackliste:

1. Glóð (3:38)
2. Blóðberg (7:15)
3. Skel (4:58)
4. Klettur (6:31)
5. Mór (5:47)
6. Andrá (4:06)
7. Gold (5:12)
8. Ylur (5:54)
9. Fall (3:27)
10. 8 (9:40)

Gesamtspieldauer: 56:34



„Átta“ heißt das inzwischen bereits neunte Studioalbum der isländischen Band Sigur Rós. „Átta“ bedeutet „Acht“ und bezieht sich wohl auf die Nummerierung ihrer Studioalben, da die Isländer das 2020 erschienene „Odin‘s Raven Magic“ wohl nicht als reguläres Studioalbum, sondern eher als Soundtrack ansehen. Nun denn, dieses dann acht Album erschien am 16 Juni 2023 auf dem Plattenlabel Von Dur Limited. Es ist das erste Album seit Valtari (2012), bei dem Keyboarder Kjartan Sveinsson wieder zu hören ist. Orri Páll Dýrason ist dagegen nicht mehr am Schlagzeug zu beschäftigt, das ganze Album wurde mit Ausnahme des Stücks „Klettur“ ohne jegliche Perkussion eingespielt.

Das Cover zeigt einen brennenden Regenbogen, der vom isländischen Künstler Rúrí entworfen wurde. Dazu sagte Jón Birgisson in einem Interview: „Die Rechte von Transsexuellen, Queeren und Schwulen wurden in letzter Zeit so sehr mit Füßen getreten. Es ist erschreckend, das zu sehen. Auf der ganzen Welt hat man das Gefühl, dass wir uns zurückentwickeln. Wir versuchen, uns aus der Politik herauszuhalten, um die Musik so neutral wie möglich zu gestalten, aber wir haben über den Zustand der Welt gesprochen, in der wir jetzt leben: Klimawandel und Weltuntergangsstimmung.“

„Àtta“ ist Sphäre pur. Post Rock, der mitunter auch am Genre des Ambient kratzt. Synthesizer, jede Menge Streicher und ab und zu der hohe Gesang Jón Birgissons prägen dieses Album, welches fast schon ohne Melodien auskommt, da die Melodiebögen sehr gestreckt erklingen. So fügte Jón Birgisson zur Erklärung des Albums auch an, dass es die Absicht der Band gewesen sei, „lediglich ein minimales Schlagzeug dabei zu haben und die Musik wahrlich spärlich, schwebend und schön werden zu lassen“.

„Àtta“ ist tatsächlich kein Album, welches sich einem sofort erschließt. Zeit sollte man mitbringen und sehr viel Muße, sich auf diese Klangwelten einlassen zu können. Schön erklingt das Ganze wahrlich immer wieder, doch auch über die Dauer von zehn Liedern und fast einer Stunde Spieldauer auch sehr ähnlich und keineswegs mit Variationen übersättigt. Fast schon ein wenig dankbar ist man beim Lied „Andrá“, wenn man hier kurz eine akustische Gitarre zu hören bekommt. Ein paar mehr solcher Einsprengsel hätten der Platter durchaus gut getan.

Trotzdem ist „Àtta“ kein schlechtes Album geworden. Ideal für dunkle Novembertage, ideal, wenn man seinem eigenen Blues mal freien Lauf lassen möchte, ideal, wenn man entspannen möchte und etwas absolut Unaufgeregtes hören möchte. Dann entwickelt „Àtta“ seine Stärke und trifft Seele und Herz.

Fazit: Sigur Rós bewegen sich mit „Àtta“ an der Grenze zwischen Ambient und Post Rock. Definitiv gewinnt dieses Album mit den Durchläufen und es ist herrlich entspannend, wenn man sich denn mal entspannen möchte. Wer auf Aufregung steht, der ist hier definitiv falsch. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Andrá



Sonntag, 24. September 2023

Bruce Soord – Luminescence

 



Bruce Soord – Luminescence


Besetzung:

Bruce Soord – all instruments


Gastmusiker:

Everton Nelson – violin
Marianne Haynes – violin
Richard George – violin
Bruce White – viola
Chris Worsey – cello
Hetty Snell – cello


Label: KScope


Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Pop


Trackliste:

1. Dear Life (3:27)
2. Lie Flat (3:51)
3. Olomouc (3:55)
4. So Simple (2:05)
5. Never Ending Light (4:11)
6. Day Of All Days (3:19)
7. Nestle In (3:13)
8. Instant Flash Of Light (3:37)
9. Rushing (3:03)
10. Stranded Here (3:41)
11. Read To Me (2:08)
12. Find Peace (3:46)

Gesamtspieldauer: 40:21



Bruce Soord kennt man als Musiker und Ideengeber der Band The Pineapple Thief. Mit „Luminescence“ ist nun am 22. September 2023 sein drittes Solowerk veröffentlicht worden. „Luminescence“ erschien auf dem Plattenlabel KScope.

Wer nun erwarten würde, dass man auf diesem Album Musik à la Pineapple Thief zu hören bekommen würde, die oder der dürfte überrascht oder gar enttäuscht werden. Auf „Luminescence“ hört man zwölf kompakte und sanfte Lieder, die wenig mit Progressive Rock zu tun haben. Bei den einzelnen Stücken steht zumeist die akustische Gitarre im Vordergrund in Einheit mit dem sanften Gesang des Bruce Soord. Ausnahme hier ist das Stück „Rushing“, ein vom Synthesizer dominiertes Instrumentalstück.

Die Lieder hören sich allesamt melodisch an und gehen auch ins Ohr. Die sanften Melodien werden durch Streicherpassagen untermalt und klingen absolut entspannt und unaufgeregt. Dabei allerdings auch nicht allzu spannend. Der inhaltliche Hintergrund des Albums wird dabei wie folgt umschrieben: „Inspiriert von der Idee, inneren Frieden zu finden, erforscht Bruce Soords neuestes Solowerk „Luminescence“ die Schwierigkeiten des Lebens in den Metropolen der modernen Welt.“ Um dies noch besser umzusetzen hört man im Hintergrund oftmals Geräusche, die Bruce Soord auf seiner letzten Tournee mit dem Recorder in den Städten aufnahm.

Die Lieder ähneln sich alle sehr und klingen dadurch in der Gesamtheit – lang. Und dies obwohl sie nur selten an der Vierminuten-Grenze kratzen. Dazu kommt, dass Bruce Soord bei einigen Titeln einen Drum-Computer einsetzt, dessen Sound mitunter stark an den Synthie-Pop der 80er Jahre erinnert. Und gerade dieser Sound vermiest einem dann doch etwas den Hörgenuss. Sehr gut nachzuhören bei den beiden ersten Stücken der Platte.

Fazit: „Luminescence“ ist ein eingängiges und melodisches Album geworden, welches allerdings trotz der relativ kompakten Lieder Längen aufweist, da sich die einzelnen Titel stark ähneln. Der Sound mit dem Drum-Computer klingt zumindest gewöhnungsbedürftig. Insgesamt klingt das Ganze trotzdem ganz nett, da eben herrlich entspannt. Allerdings reicht „Luminescence“ bei Weitem nicht an die Musik von Pineapple Thief heran. Neun Punkte.

Anspieltipps: Find Peace



Freitag, 22. September 2023

Noel Gallagher‘s High Flying Birds – Council Skies

 





Besetzung:

Noel Gallagher – vocals, backing vocals, acoustic guitar (all tracks), electric guitar (tracks 1, 2, 4, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13), bass guitar (tracks 2, 5, 10, 11), baritone guitar (tracks 9, 11, 13), piano (tracks 3, 12) mellotron (tracks 1, 2, 3, 4, 9, 12), percussion (tracks 22, 23, 24)


Gastmusiker:

Gem Archer – acoustic guitar (tracks 1), electric guitar (tracks 1, 12), baritone guitar (tracks 1, 12), mouth organ (tracks 23)
Russ Pritchard – bass guitar (tracks 1, 3, 4, 7, 8, 12, 22, 23)
Chris Sharrock – drums (tracks 1, 4, 8, 10, 12, 13)
Mikey Rowe - keyboards (tracks 1, 2, 3, 4, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 22, 23, 24)
Jess Greenfield - backing vocals (tracks 1, 2, 3, 4, 5, 7, 8, 9, 10, 11)
Charlotte Marionneau - percussion (tracks 1, 4, 8)
Johnny Marr – electric guitar (tracks 2, 4, 7)
Paul 'Strangeboy' Stacey – electric guitar (tracks 1, 4, 6, 8, 9, 11, 13), baritone guitar (tracks 1, 9), Mellotron (tracks 1, 8), piano (track 4), bass guitar (tracks 6, 8, 9, 11, 13)
Jeremy Stacey – drums (tracks 2, 6, 7, 9, 11), percussion (tracks 6, 7)
Callum Marinho – the tube (tracks 1, 3, 4, 8, 11, 24), keyboards (tracks 2, 3, 5, 6, 9, 13), drum machines (track 2), glockenspiel (track 3), Mellotron (tracks 5, 8, 9), percussion (track 7), piano (track 12)
Clement St. Leonard – percussion (tracks 1–13), the funk box (track 2), tubular bells (tracks 3, 4), sound effects (tracks 5, 6, 8, 9, 11), keyboards (track 6)
Alistair White – trombone (tracks 1, 9)
Graeme Blevins – saxophone (tracks 1, 7)
Steve Hamilton – saxophone (tracks 1, 7, 12)
Tom Walsh – trumpet (tracks 1, 7, 9)
Joe Auckland – trumpet (tracks 1, 7)
Ben Edwards – trumpet (track 12)
Mark Frost – bass trombone (tracks 1, 7, 9)
Geraint Watkins – accordion (track 3)
Phillip Woods – french horn (track 5)
Ruth O'Reilly – french horn (track 5)
Franciso Gomez – french horn (track 5)
Derryck Nasib – french horn (track 5)
Daniel Higham – trombone (track 5)
Thomas Dunnett – trombone (track 5)
Pete North – trombone (track 5)
Jody Linscott – percussion (track 7)
Peter Eckford – percussion (track 7)
Gary Hammond – percussion (track 7)
The Wired Strings – strings (tracks 1, 3, 4, 5, 7, 11)
Emre Ramazanoglu – drums (track 18)
Keefus Ciancia – keyboards (track 18)
Jason Faulkner – bass guitar (track 18)
Pet Shop Boys – additional vocals (track 19)
Robert Smith – guitar and piano (track 20)
Jason Cooper – drums (track 20)
Johnny Copland – live bass (track 21)
Piney Gir – backing vocals
Amy Ashworth – backing vocals
Emma Brammer – backing vocals
Louise Clare Marshall – backing vocals
Andrea Grant – backing vocals
Lucita Jules – backing vocals




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

CD1:

1. I‘m Not Giving Up Tonight (4:02)
2. Pretty Boy (4:48)
3. Dead To The World (4:09)
4. Open The Door, See What You Find (3:59)
5. Trying To Find A World That‘s Been And Gone: Part 1 (2:57)
6. Easy Now (3:52)
7. Council Skies (4:39)
8. There She Blows! (3:56)
9. Love Is A Rich Man (4:21)
10. Think Of A Number (5:43)

CD2:

1. Don‘t Stop... (4:44)
2. We‘re Gonna Get There In The End (4:10)
3. Mind Games (4:28)
4. Pretty Boy (Instrumental) (4:50)
5. Dead To The World (Instrumental) (4:13)
6. Council Skies (Instrumental) (4:42)
7. Think Of A Number (Instrumental) (5:47)
8. I‘m Not Giving Up Tonight (David Holmes Remix) (5:42)
9. Think Of A Number (Pet Shop Boys Magic Eye 12" Remix) (5:12)
10. Pretty Boy (Robert Smith Remix) (5:43)
11. Council Skies (The Reflex Revision) (5:25)
12. Flying On The Ground (Radio 2 Session, 08/09/21) (3:12)
13. You Ain‘t Goin‘ Nowhere (Radio 2 Session, 08/09/21) (2:16)
14. Live Forever (Radio 2 Session, 08/09/21) (4:51)

Gesamtspieldauer CD1 (42:29) und CD2 (1:05:21): 1:47:50



„Council Skies“ heißt das inzwischen vierte Studioalbum der englischen Rockband Noel Gallagher‘s High Flying Birds. Produziert wurde es von Noel Gallagher selbst sowie von seinem langjährigen Tontechniker Paul Stacey. „Council Skies“ wurde am 2. Juni 2023 auf Noel Gallaghers eigenem Plattenlabel Sour Mash Records veröffentlicht. Mit den Liedern „Pretty Boy“, „Easy Now“, „Dead To The World“, „Open the Door, See What You Find“ sowie dem Titellied „Council Skies“ wurden insgesamt fünf Stücke des Albums als Singles ausgekoppelt.

Auf „Council Skies“ hört man Noel Gallagher-Musik – und das vom ersten bis zum letzten Akkord. Natürlich erinnert das unweigerlich auch an Oasis. Die Musik scheint ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein und hätte so auch durchaus in den 90er Jahren von eben Oasis eingespielt worden sein. Sein Bruder Liam Gallagher singt hier zwar nicht, doch da auch Noel Gallagher selbst einige Lieder bei Oasis eingesungen hatte, bleibt trotzdem die Verbindung zu ihrer früheren Band bestehen.

Die Lieder auf „Council Skies“ klingen gut und gehen ins Ohr. Sogar bereits beim ersten Mal des Hörens. Doch leider war es das schon. Sie gehen beim zweiten Hören genau so ins Ohr und beim dritten Durchlauf. Das ändert sich auch nicht mehr. Doch diese Stücke bleiben nicht hängen, sie hallen nicht nach – leider. Dabei ist „Council Skies“ ganz bestimmt kein schlechtes Album, sicherlich nicht. Aber es ist ein Pop-Album, welches austauschbar ins Ohr geht, ohne den oder die Höhepunkte. Ein Album, welches beim Hören gefällt und dann schnell wieder vergessen wird.

Die zweite CD bei der Deluxe-Ausgabe ist eine nette Zugabe, zumal sie nicht sehr viel mehr kostet als das reine Originalalbum. Ein paar Instrumentalnummern, aber auch noch eine paar zusätzliche Titel, die von der Qualität der ersten CD in nichts nachstehen. Für Fans von daher sicherlich doch lohnend. Und das Lied „Pretty Boy“ ist in diesem Robert Smith-Mix sogar mitreißender als die Originalversion der ersten CD.

Fazit: Noel Gallagher Musik, die immer noch sehr an Oasis erinnert, bekommt man auf „Council Skies“ geboten. Das klingt alles gut und nett und eingängig und melodiös und… irgendwie doch nicht restlos überzeugend, da austauschbar. Wenn man aber auf den Oasis-Sound steht, erweitert dieses Album nochmals die Musik, die man sich gerne anhört. Neun Punkte.

Anspieltipps: Pretty Boy (Robert Smith Remix)