Mittwoch, 2. Mai 2012

Pink Floyd – The Division Bell





Pink Floyd – The Division Bell


Besetzung:

David Gilmour –guitars, vocals, bass, keyboards, programming
Nick Mason – drums and percussion
Ricard Wright – keyboards and vocals


Gastmusiker:

Jon Carin – programming and additional keyboards
Guy Pratt – bass
Gary Wallis – played and programmed percussion
Tim Renwick – guitars
Dick Parry – tenor saxophone
Bob Ezrin – keyboards and percussion
Sam Brown – backing vocals
Durga McBroom – backing vocals
Carol Kenyoe – backing vocals
Jackie Sheridan – backing vocals
Rebecca Leigh-White – backing vocals
Michael Kamen – orchestral arrangement


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1994 / 2011


Stil: Melodic Rock


Trackliste:

1. Cluster One (5:59)
2. What Do You Want From Me (4:22)
3. Poles Apart (7:05)
4. Marooned (5:28)
5. A Great Day For Freedom (4:18)
6. Wearing The Inside Out (6:49)
7. Take It Back (6:12)
8. Coming Back To Life (6:19)
9. Keep Talking (6:11)
10. Lost For Words (5:15)
11. High Hopes (8:32)




1994, sieben Jahre nach “A Momentary Lapse Of Reason” erschien mit “The Division Bell” das 15. (wenn man „Relics“ mitrechnet) und letzte Studioalbum der britischen Band Pink Floyd. Und im Gegensatz zum Vorgänger war auf diesem Album auch wieder Richard Wright am kompositorischen Prozess beteiligt. Vier Stücke komponierte er zusammen mit David Gilmour, „Wearing The Inside Out“ stammt sogar, auf die Musik bezogen, komplett von ihm. Dies war seit „The Dark Side Of The Moon“ das erste Mal, dass er selbst als Sänger auftrat und das erste Mal seit „Wish You Were Here, dass er als Komponist in den Credits Erwähnung gefunden hat. David Gilmour ist dagegen, bis auf das erwähnte „Wearing The Inside Out“, an allen weiteren Kompositionen beteiligt, überlässt lediglich das Texten öfters Co-Autoren. Somit trifft das Etikett „David Gilmour Solo Album“ noch auf den Vorgänger, nicht jedoch mehr auf „The Division Bell“ zu.

Die Musik auf dieser letzten Pink Floyd Platte klingt eigenständiger, als noch auf dem Vorgängeralbum. Eindeutig handelt es sich hier um Pink Floyd Musik und die Reminiszenzen zu vorherigen Alben der Band, die sind auch wieder nicht zu überhören. Doch klingt es auf „The Division Bell“ doch noch ein wenig losgelöster von den Veröffentlichungen der 70er Jahre. Die Beteiligung Richard Wrights an den Kompositionen scheint der Band gut getan zu haben.

Nichtsdestotrotz ist „The Division Bell“ ein reines Pop-Rock-Album geworden. Psychedelische Ansätze oder gar progressive Momente findet man nur an sehr wenigen Stellen. Sphärisch beginnt die Platte mit „Cluster One“. Die Parallelen zum Album „Wish You Were Here“ sind hier kaum zu überhören. „What Do You Want From Me“ klingt dagegen sehr viel eher wie Pink Floyd Musik, die in den 90ern angekommen ist. Bei „Poles Apart“ wird es dann schon sehr poppig, auch wenn hier immer wieder versucht wird, das Ganze mit eingestreuten Geräuschen, wie etwa einem Drehorgel- und Jahrmarkt-Sound, aufzupeppen. Es bleibt trotzdem ein Pop-Lied, sogar ein relativ flaches. „Marooned“ ist im Anschluss eine Instrumentalnummer, die ganz von der Atmosphäre lebt. Und diese weiß das Lied auch zu untermalen. Schön relaxt und sphärisch klingt es hier.

Langweilig bis schwülstig wird es anschließend mit „A Great Day For Freedom“. Klingt irgendwie nach 08/15-Ware, die nur durch das Gitarrenspiel David Gilmours etwas an Substanz gewinnt. Deutlich besser wird es schließlich mit dem Stück „Wearing The Inside Out“. Nicht nur der Gesang Richard Wrights lässt hier Erinnerungen an die frühen Tagen der Band aufkommen. Mag mancher dieser Song als langweilig empfinden, so transportiert er doch eine Stimmung, eine unglaublich relaxte Atmosphäre, in die man wunderschön eintauchen und sich darin wälzen kann. Das Stück hat einfach etwas, was sich wohl am besten mit dem „gewissen Etwas“ umschreiben lässt. Poppiger und gleichzeitig wieder etwas uninteressanter wird es anschließend mit „Take It Back“. Das ist so ein Lied, welches man schnell wieder vergisst und es auch nicht vermisst. Nichts Besonderes eben, balladenartig, eingängig, massentauglich – langweilig.

Sphärisch schwebend wird es schließlich erneut bei „Coming Bck To Life“. Leider trifft das zu „Take It Back“ Geschriebene allerdings auch auf dieses Stück zu, entbehrlich. Sehr viel interessanter wird es wieder mit „Keep Talking“. Die Computerstimme, die in diesem Stück immer wieder eingestreut wird, stammt dabei vom Physiker Stephen Hawking, der hier mittels seines Sprachcomputers verewigt wurde. Das Stück selbst groovt und strotzt nur so vor Kraft. Klasse auch wieder der Choreinsatz, das Keyboardsolo Rick Wrights und ebenso das komplette Ende des Stücks, welches ein wenig an den Instrumentalteil von „Pigs“ auf „Animals“ erinnert. Ein richtig gutes Lied.

Einen qualitativen Schritt zurück geht die Band erneut mit „Lost For Words“. Hierbei handelt es sich wieder um schlichte, unaufgeregte Pop-Musik. Das Stück verfügt allerdings über eine sehr schöne Melodieführung, ist zwar nicht irrsinnig interessant, kann aber trotzdem auf seine Art überzeugen. Nun und dann folgt es, das mit achteinhalb Minuten längste Stück des Albums, „High Hopes“. Okay, wieder Pop- oder Rock-Musik, diese wird hier allerdings auf allerhöchstem Niveau dargeboten. Das Lied ist einfach klasse. Das Zusammenspiel der Glocken mit den restlichen Rhythmusinstrumenten, diese wunderschöne, sofort ins Ohr gehende Melodie, dieser fast schon hymnische Refrain, diese tolle Akustik-Gitarren-Passage, dieser nicht enden wollende Abspann des Stücks - all das macht dieses Lied zu einem begeisternden Stück Musik. Richtig gut!

Fazit: Auch wenn “The Division Bell” nicht mehr an die Veröffentlichungen Pink Floyds in den 70er Jahren heranreicht, so ist das Album doch eine Steigerung zum Vorgänger. Alles wirkt hier ein wenig schöner, eingängiger, durchdachter und auch spannender als auf „A Momentary Lapse Of Reason“. Trotzdem ist auch dieses Album bei Pink Floyd Fans umstritten. Das liegt wohl an der Geschichte und den bisherigen Veröffentlichungen der Band selbst. Wäre „The Division Bell“ von einer anderen Band als von Pink Floyd veröffentlicht worden, hätte es wohl sehr viel bessere Kritiken bekommen, denn auf „The Division Bell“ hört man keineswegs schlecht gemachte Pop- bis Rockmusik, sondern Musik, die mit einzelnen Stücken sogar wirklich gefallen kann. Zehn Punkte.

Anspieltipps: What Do You Want From Me, Marooned, Wearing The Inside Out, Keep Talking, High Hopes



Dienstag, 1. Mai 2012

Frank Black And The Catholics – Show Me Your Tears





Frank Black And The Catholics – Show Me Your Tears


Besetzung:

Frank Black – vocals, guitar
Scott Boutier – drums, bells
Rich Gjlbertz – guitar, piano, pedal steel guitar, vocals
David McCaffrey – bass, vocals
David Philips – guitar, pedal steel guitar, vocals


Gastmusiker:

Rob Laufer – piano, vocals
Stan Ridgway – harmonica, melodica, banjo, percussion, vocals
Joey Santiago – guitar
Jack Kidney – saxophone, harmonica
Eric Drew Feldman – organ
Van Dyke Parks – piano, accordion
Keith Moline – guitar
Andy J. Perkins – trumpet
Pietra Wexstun – vocals
Jean Black – vocals
Cynthia Haagens – vocals
Eric Potter – vocals


Label: spinArt Records


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Pop


Trackliste:

1. Nadine (3:05)
2. Everything Is New (3:52)
3. My Favourite Kiss (2:06)
4. Jaina Blues (3:51)
5. New House Of The Pope (3:16)
6. Horrible Day (3:37)
7. Massif Centrale (4:52)
8. When Will Happiness Find Me Again? (2:20)
9. Goodbye Lorraine (2:37)
10. This Old Heartache (3:28)
11. The Snake (2:02)
12. Coastline (1:57)
13. Manitoba (4:34)




Frank Black, alias Black Francis, alias Charles Thompson, „alias“ der Sänger der Pixies, war nach deren erster Auflösung 1993 gar nicht träge. Eher sogar das Gegenteil war der Fall! Unter dem Namen Frank Black veröffentlichte er in schöner Regelmäßigkeit neue Alben. Zunächst geschah dies noch Solo, dann mit Gastmusikern, ab 1998 schließlich mit einem festen Bandmitgliederstamm unter dem Namen „Frank Black & The Catholics“. „Show Me Your Tears“ ist dabei bereits die sechste Veröffentlichung dieser Formation im sechsten Jahr nach ihrer Gründung.

Viel bekommt man auf „Show Me Your Tears“ zu hören. 13 Stücke gibt es da, die sich zum Teil ganz unterschiedlichen Genres bedienen. Da gibt es Pop zu hören, Rock natürlich, Blues, Punkanleihen und Country Musik. Von daher ist schon mal sichergestellt, dass es dem Hörer nie langweilig wird. Unterstützt wurde er bei dieser Veröffentlichung auch von Stan Ridgway, der sich ebenfalls als Produzent einiger Titel auszeichnet.

Die CD startet rau und kraftvoll mit „Nadine“, einem Titel, der dem Punk ziemlich nahe kommt. Ein wirklich guter Einstieg in die Platte. Und dann geht es mit “Everything Is New” gleich absolut klasse weiter. Das Stück ist ein wunderschöner Pop-Song, mit einem tollen Text. Und dazu verankert sich die Melodie sofort im Ohr und alles an diesem Stück wirkt irgendwie lässig. Wahrlich ein klasse Lied, welches irgendwie hängenbleibt. Durchaus auch länger. Wieder ganz anders klingt es dann bei “My Favourite Kiss”. Eine ruhige Gitarrennummer, bei der Frank Black seine amerikanische Herkunft nicht mehr verheimlichen kann, denn die Country Adaptionen sind unüberhörbar.

“Jaina Blues” ist im Anschluss daran, nicht sehr überraschend, ein Blues. Allerdings einer von der groovenden Art. Manchmal klingt es ein wenig schräg und auch der Gesang hört sich mitunter, wohl aber beabsichtigt, gepresst und schief an. „New House Of The Pope” startet ruhig mit einem Piano, in dessen Spiel dann wieder eine bluesige Gitarre einsetzt. Und ob man jetzt auf Blues steht oder nicht, der Song transportiert eine unglaublich lockere Stimmung, die ansteckt.

“Horrible Day” ist eine groovende Rocknummer, welche vom Zusammenspiel des Pianos mit der E-Gitarre lebt. Ansonsten ist das allerdings kein Lied, welches unbedingt länger hängenbleibt. Bei „Massif Centrale“ sieht das dann schon anders aus. Hier hört man ein Rock-Lied, welches zum Teil mit einer Stimme gesungen wird, zumindest zu Beginn des Titels, die wohl lächerlich klingen soll. „When Will Happiness Find Me Again?“ klingt ein wenig wie eine irische Weise und ist dabei zunächst sehr melodisch. Unterbrochen wird diese Stimmung dann von einem schrägen Gitarrensolo, bis es wieder in den ersten Part übergeht. Überzeugend gemacht.

Mit “Goodbye Lorraine” hört man anschließend eine Country-Nummer. So etwas muss man mögen oder aber man steigt aus. Getragen wirkt die Stimmung dann zunächst bei „This Old Heartache”, welches mit dem Piano eingeleitet wird. Das Lied verbreitet eine mitunter sentimental geartete Stimmung und auch wenn hier die Pedal Steel Guitar zum Einsatz kommt, so kann man trotzdem nicht von einem Country Song sprechen. „The Snake”, im Anschluss daran, ist ein eher unspektakulärer Song, bei dem das Saxophon-Solo hängenbleibt - sowie der Gesang Frank Blacks, der hier ganz ähnlich wie Lou Reed klingt.

„Coastline” ist ein Lied, instrumentiert mit akustischer Gitarre und Mundharmonika. Und wenn dann die Gitarrentöne länger gezogen werden, bewegen wir uns wieder auf dem Boden der Country Musik. Das Album wir beendet durch das Lied „Manitoba”. Eine ruhige Nummer, die man dieses Mal sogar dem Folk zurechnen könnte. Dazu hat das Stück eine schöne Melodie und einen tollen Text.

Fazit: „Show Me Your Tears“ von “Frank Black And The Catholics” ist wahrlich kein schlechtes Album. Allerdings auch keines, das einen umhaut. Die Songs können oft musikalisch nicht packen, was den Texten dafür deutlich öfters gelingt. Vielleicht schafft man es aber auch nicht unbedingt, innerhalb weniger Monate drei Alben auf den Markt zu bringen, die alle nur so vor Kreativität strotzen. Dieses Album hier wäre zumindest dafür der Beleg, denn genau das hat Frank Black gemacht. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Nadine, Everything Is New, New House Of The Pope, When Will Happiness Find Me Again?, This Old Heartache, Manitoba



Montag, 30. April 2012

The Alan Parsons Project – Tales Of Mystery And Imagination





The Alan Parsons Project – Tales Of Mystery And Imagination


Besetzung:

Alan Parsons – vocals, projectron, new synths, new “cathedral” organ
Eric Woolfson – keyboards, backing vocals, harpsichord, keyboard loop, organ, new synth
Orson Welles – narration
Joe Puerta – bass
Stuart Tosh – drums, timps, backward cymbals
Billy Lyall – keyboards, recorders, piano, fender Rhodes, glockenspiel
Ian Bairnson – electric guitars, acoustic guitars
David Paton – acoustic guitars, bass, backing vocals
Leonard Whiting – vocoder, narration
Burleigh Drummond – drums
David Pack – guitars
Christopher North – keyboards
Bob Howes and The English Chorale – choir
Andy Powell – orchestra arrangement, keyboard loop, organ
Arthur Brown – vocals
Jack Harris – additional vocals
John Miles – vocals, guitars
Terry Sylvester – vocals, additional vocals
Francis Monkman – organ, harpsichord
Darryl Runswick – string bass
Laurence Juber – acoustic guitar
Kevin Peek – acoustic guitar
David Snell – harp
John Leach – cimbalom, kantele
Hugo D’Alton – mandolin
Westminster City School Boys Choir – choir


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: ArtPop, ArtRock


Trackliste:

1. A Dream Within A Dream (4:14)
2. The Raven (3:58)
3. The Tell-Tale Heart (4:39)
4. The Cask Of Amontillado (4:34)
5. (The System Of) Dr. Tarr And Professor Fether (4:21)
6. The Fall Of The House Of Usher
I. Prelude (7:03)
II. Arrival (2:40)
III. Intermezzo (1:00)
IV. Pavane (4:36)
V. Fall (0:51)
7. To One In Paradise (4:47)




Alan Parsons war Tontechniker in den Abby Road Studios und arbeitete dort mit den Beatles zusammen. Ein paar Jahre später produzierte er schließlich sogar „The Dark Side Of The Moon“ von Pink Floyd. Und in dieser Zeit muss wohl sein Wunsch entstanden sein, einmal selbst Musik zu komponieren und zu verfassen. Dies konnte er verwirklichen, als er seinen kongenialen Partner und Ideengeber Eric Woolfson kennengelernt hatte und mit ihm das Alan Parsons Project gründete.

Die Band gab es eigentlich gar nicht und war auch nicht darauf ausgelegt, Konzerte zu spielen. Mit jeder Menge Musiker sollten die Einfälle von Woolfson und Parsons im Studio umgesetzt und auf Platte gepresst werden. Und die erste Idee Woolfsons war jene, die Geschichten oder Gedichte von Edgar Allan Poe musikalisch umzusetzen. Und das Ergebnis lag schließlich 1976 vor, das erste Album des Alan Parsons Project mit dem Titel: „Tales Of Mystery And Imagination“.

Gleich eine Anmerkung zur remasterten CD-Version. Diese unterscheidet sich von der Platten-Ausgabe des Albums dadurch, dass hier bei den Stücken „A Dream Within A Dream“ und „The Fall Of The House Of Usher“ Orson Welles entsprechende Stellen aus den Werken Poes rezitiert. Die Angabe auf der CD, „Instrumental“, bei beiden Liedern, stimmt so also nicht mehr ganz.


Nun, die Umsetzung, also das Vertonen der Gedichte und Geschichten Edgar Allen Poes, kann als durchaus gelungen betrachtet werden. Immer wieder schaffen es die Musiker, diese düstere, mystische Stimmung zu transportieren, die vielen der Werke Poes anhängt. Als Beispiel sei hier die Nummer „The Raven“, welche sich auf das gleichnamige Gedicht Poes bezieht, genannt. Packend und rockig wird das Stück hier umgesetzt und wenn dann das berühmte „Nevermore“ des Raben immer wieder wiederholt wird und das Lied schließlich in getragenen Hintergrundgesang übergeht, kann man nur feststellen: Richtig gut gelungen.

Und auch bei „The Tell-Tale Heart“ hört man etwas heraus. Nämlich den Wahnsinn, dem der Protagonist der Geschichte anheimgefallen ist. Diese menschliche Verhaltensweise wird perfekt durch seinen Gesang Arthur Browns transportiert. Auch dieses Lied ist eine treibende Rocknummer und keineswegs synthesizerlastig, wie viele der späteren Veröffentlichungen des Alan Parsons Projects. Und der Gesang bedarf auch einer besonderen Erwähnung beim nächsten Stück: „The Cask Of Amontillado“. Dieses Stück wird zunächst orchestral instrumentiert und John Miles, der im selben Jahr auch noch mit „Music“ einen Welthit hatte, singt hier so wunderschön verzweifelt. Dabei versucht er sein Vorgehen in dieser Geschichte, in der er einen Widersacher lebendig einmauert, dem Zuhörer zu erklären und fassbar zu machen. Auch hier ist die Umsetzung bestens gelungen. Das Lied ist jetzt allerdings kein Rock-Stück mehr, sondern eher ein Lied für Orchester und Gesang. Ebenfalls durchaus eindrucksvoll.

Gerockt wird dann wieder, wenn es ums „Teeren und Federn“ in „The System Of Doctor Tarr And Professor Fether“ geht. Wieder eine groovende und treibende Rocknummer, die allerdings nicht ganz an die Klasse der vorherigen Stücke heranreicht.

Es folgt, mit über sechszehn Minuten Länge, das Hauptstück des Albums: „The Fall Of The House Of Usher“. Wohl auch mit das bekannteste Stück aus der Feder Edgar Allen Poes. In fünf Abschnitte unterteilt, beginnt das Lied orchestral. Ob dies gelungen ist sei mal so dahingestellt. Dieses Stück klassischer Instrumentalmusik wirkt zunächst irgendwie zäh und gewinnt erst dann an Klasse, wenn das Ende dieses ersten Teils naht und es von der Stimmung her spektakulärer und aufgeregter wird. Bei Teil 2, „Arrival“, handelt es sich dann allerdings wieder um Rockmusik, die jetzt ein wenig sphärisch und entspannt wirkt. Gut gelungen. Das kurze „Intermezzo“ ist erneut orchestral instrumentiert und dient zur Spannungssteigerung. Mit „Pavane“ geht es anschließend richtig gut weiter. Wunderschön melodiös und eingängig werden hier Mandoline, Cembalo, Kantele und Zymbal intoniert. Eine sehr packende und interessante Stimmung wird dadurch kreiert. Und schließlich endet das Lied im fünften und letzten Teil, „Fall“, bei dem, wie der Titel schon sagt, das Haus derer von Usher untergeht. Das dauert dann mit 51 Sekunden auch gar nicht mal so lange und wird über einige, mitunter atonale Synthesizer-Passagen, in die dann das gesamte Orchester einsteigt, umgesetzt. In einem lauten Grollen, Donnern, Knallen und Erbeben findet das Stück letztendlich sein Ende.

Es folgt mit „To One In Paradise“ das genaue Gegenstück. Zuckersüß fließt hier jetzt die Musik, ein eingängiger Pop-Titel, der leider auch überaus oberflächlich ist und keiner großartigen, weiteren Erwähnung bedarf.

Fazit: Etwas Spannendes ist den beiden hauptsächlichen Protagonisten dieses Projekts, Parsons und Woolfson, mit „Tales Of Mystery And Imagination“ gelungen. Einige Titel sind wirklich gut umgesetzt und die Musik schafft es, die Atmosphäre, die auch Edgar Allen Poe mit seinen Werken erzeugt, zu transportieren. Wer gerne mal etwas hören möchte, was nicht so ganz alltäglich ist, trotzdem aber noch schöne Melodien und treibende Rhythmen aufweist, der sollte sich dieses Erstlingswerk des Alan Parsons Projects mal zu Gemüte führen. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Raven, The Cask Of Amontillado, The Fall Of The House Of Usher



Sonntag, 29. April 2012

Electric Light Orchestra – Secret Messages





Electric Light Orchestra – Secret Messages


Besetzung:

Jeff Lynne – vocals, guitars, synthesizer, bass, piano, percussion
Kelly Groucutt – bass, background vocals
Richard Tandy – synthesizer, piano, harmonica
Bev Bevan – drums


Gastmusiker:

Dave Morgan – background vocals
Mik Kaminski – violin


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Pop


Trackliste:

1. Secret Messages (4:44)
2. Loser Gone Wild (5:27)
3. Bluebird (4:13)
4. Take Me On And On (4:58)
5. Time After Time (4:01)
6. Four Little Diamonds (4:05)
7. Stranger (4:27)
8. Danger Ahead (3:52)
9. Letter From Spain (2:51)
10. Train Of Gold (4:21)
11. Rock And Roll Is King (3:49)


Bonus Tracks:

12. No Way Out (3:28)
13. Endless Lies (3:27)
14. After All (2:24)

Gesamtspieldauer: 56:08




1983 brachte das Electric Light Orchestra sein elftes Studioalbum auf den Markt. Secret Messages“ heißt es und hier ist der Name auch Programm. Beim genauen Hinhören gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken. Rückwärts gesprochene Texte, Morsecodes, Verweise auf ältere Platten von ELO selbst oder zu anderen Bands. Nun und die Musik siedelt sich stilistisch passender Weise zwischen den beiden Alben an, zwischen denen sie auch entstanden ist, also zwischen „Time“ und „Balance Of Power“.

Das Album wird eröffnet durch den Titelsong „Secret Messages“. Ein eingängige Popnummer, bei der auch den Gitarren eine tragende Rolle zugedacht wurde. Wenn man das Stück drei bis viermal gehört hat, ist es zum Ohrwurm mutiert und verlässt einen so schnell nicht mehr. Gut gemachte Pop-Musik eben. Und noch ein Stückchen besser geht es dann mit „Loser Gone Wild“ weiter. Ist das Lied zunächst sehr relaxt, irgendwie schwebend und wird sogar ein wenig soulig gesungen, so wird es mit dem Refrain zum überaus eingängigen Stück, welches mitreißen kann. Und hier braucht man dieses Mal nicht mehrere Durchgänge, die Nummer ist sofort da und verankert sich zügig im Musikzentrum des Gehirns. Das Schreiben eingängiger Stücke hatte Jeff Lynne hier also noch nicht verlernt.

Es folgt mit „Bluebird“ wieder ein Pop-Song in bester ELO-Manier. Das ist einer der Songs, für die man keine Erklärung braucht, den schreibt man automatisch dem Electric Light Orchestra zu, auch wenn man die Nummer gerade zum ersten Mal hört. Das Stück selbst haut einen allerdings nicht weg, aber man hat schon deutlich schlechtere und flachere Stücke von ELO gehört. Mit „Take Me On And On“ wird es dann wieder deutlich ruhiger und bluesiger. Die Gitarre dominiert diesen Song erneut, der allerdings ein bisschen träge und langweilig wirkt.

„Time After Time“ ist dann eine völlig andere Kategorie. Pop-Musik, die wieder mit viel Liebe zum Detail arrangiert ist, wie man es von ELO schon von jeher kennt. Und das Stück klingt sehr viel experimenteller als fast alles zusammen, was man in den letzten Jahren von der Band gehört hatte. Von daher eine schöne Abwechslung. Diese geht mit dem nächsten Titel, „Four Little Diamonds” allerdings sofort wieder verloren. Einen Rock’n’Roll hört man da, der fatal an „Don’t Bring Me Down“ erinnert. Nichts Neues also und leider auch nichts besonders Gutes.

Und langweilig geht es jetzt auch irgendwie weiter. „Stranger“ ist ein langsamer Song, der so gar nicht nach ELO klingt und erneut nichts Besonderes darstellt. Mit „Danger Ahead“ folgt dann im Anschluss daran eine Rock-Pop-Nummer. Das Stück ist eingängig, allerdings belanglos. Auch nicht überzeugen kann „Letter From Spain“. Dieses dauernde „Letter-Gequatsche“ aus dem Hintergrund nervt schon nach kurzer Zeit. Zugute halten muss man der Nummer, dass sie völlig anders als der Rest der Platte ist. Sehr, sehr ruhig und schwebend. Das war es allerdings auch schon, überzeugend ist etwas anderes.

Mit „Train Of Gold“ wird es dann wieder deutlich poppiger. Was zunächst fast funkig beginnt, wird dann ein netter Pop-Song, mit allen Ingredienzien, die das Electric Light Orchestra immer wieder zur Verfügung stellt, wie mehrstimmigen Gesang, Tempo- und Rhythmuswechsel. Dann wird es noch mal schlimm. „Rock And Roll Is King“ heißt die ursprünglich letzte Nummer des Albums. Dieses Stück wurde auch als Single ausgekoppelt. Allerdings war Mitte der 80er Jahre der Rock’n’Roll out. Und wenn man dieses Lied hört, versteht man das auch sehr gut.

Auch dieses Mal gibt es wieder eine nette Zugabe auf der remasterten CD in Form von drei, bisher auf Alben unveröffentlichten Songs. Dies zu Tun gestaltete sich für Jeff Lynne auch nicht besonders schwierig, denn „Secret Messages“ war ursprünglich als Doppelalbum vorgesehen und wurde nur wegen des Vetos der Plattenfirma eine ganz normale Scheibe. Bonusmaterial war also vorhanden und drei dieser Stücke bekommt man hier nun zu hören. „No Way Out“ ist wieder ein wenig bluesig, nervt aber ungemein mit einem Fingergeschnippe, welches konsequent das ganze Lied über durchgezogen wird. „Endless Lies“, im Anschluss daran, ist dann wieder ein Popsong, der wächst. Während der Refrain mit dem pathetischen, fast schon opernhaften Gesang nervt, finden sich in dem Stück jede Menge Abschnitte, die wirklich gefallen können. Eine gute Pop-Nummer. Der Titel sollte dann eine CD später allerdings nochmals, dieses Mal als regulärer Track, auf „Balance Of Power“ erscheinen. Seltsam. Beschlossen wird das Album schließlich durch den Titel „After All“. Ein kurzes Instrumentalstück, sehnsüchtig, melancholisch und sphärisch sind diejenigen Adjektive, die die Nummer wohl am besten umschreiben. Nicht essentiell, aber ganz nett.

Fazit: Auch auf „Secret Messages“ gibt es noch gute Lieder zu entdecken. Diese sind zwar keine „Übersongs“ mehr und deutlich in der Unterzahl, aber es gibt sie eben noch. Für ELO-Fans ist dieses Album wahrscheinlich ein Muss, für diejenigen, die die ersten Veröffentlichungen der Band liebten, ist es entbehrlich. Genauso wie für jene, die den Höhepunkt des Schaffens der Band in den „Out Of The Blue“-, „Discovey“- und „Xanadu“-Platten sahen. Sieben Punkte, wegen der paar Highlights, die wirklich gelungen sind.

Anspieltipps: Secret Messages, Loser Gone Wild, Time After Time, Endless Lies, After All





 

Samstag, 28. April 2012

Hawkwind – Hall Of The Mountain Grill





Hawkwind – Hall Of The Mountain Grill


Besetzung:

Dave Brock – lead guitar, 12 string guitar, synthesizer, organ and vocals
Lemmy Kilmister – bass, vocals, rhythm and lead guitar on “Lost Johnny”
Simon House – keyboards, synthesizer and violin
Nik Turner – sax, oboe, flute and vocals
Del Dettmar – keyboards, synthesizer and kalimba
Simon King – drums and percussion


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Progressive Rock, Space Rock


Trackliste:

1. The Psychedelic Warlords (Disappear In Smoke) (6:50)
2. Wind Of Change (5:08)
3. D-Rider (6:15)
4. Web Weaver (3:15)
5. You'd Better Believe It (7:14)
6. Hall Of The Mountain Grill (2:25)
7. Lost Johnny (3:30)
8. Goat Willow (1:38)
9. Paradox (5:36)


Bonus Tracks:

10. You'd Better Believe It (Single Version Edit) (3:22)
11. The Psychedelic Warlords (Disappear in Smoke) (Single Version) (3:58)
12. Paradox (Remix Single Edit) (4:04)
13. It's So Easy (5:21)




Ganz so spacig klingen Hawkwind auf ihrem vierten Album “Hall Of The Mountain Grill” irgendwie nicht mehr. Alles ist einen Tick melodiöser geworden, was der Klasse der Musik allerdings keinen Abbruch tut. Ganz im Gegenteil sogar. Die Musik wirkt nun durchdachter und packt einen vom ersten Lied weg. Wenn, ja wenn man zumindest auch ein wenig auf Space Rock steht. Denn diese spacigen Gimmicks aus dem Weltraum, erzeugt auf dem Synthesizer und auf den letzten beiden Alben immer wieder mit Begeisterung in die Musik integriert, sind zwar weniger geworden, allerdings immer noch präsent.

Eröffnet wird das Album durch „The Psychedelic Warlords (Disappear In Smoke)”. Eine klasse treibende Nummer, die noch am ehesten auf eines der zwei Vorgängeralben passen würde. Der Track ist treibend, sphärisch und hat einen wahnsinnigen Groove. Und dann geht das Stück auch noch unglaublich schnell ins Ohr. Das passiert vielleicht nicht gleich beim ersten, jedoch wohl schon mit dem zweiten Hören. Richtig gut ist dieser Song, denn zu all diesem „Klang“ gesellt sich schließlich noch ein wahrlich „arbeitendes“ Saxophon. Und fertig ist es, dieses Lied, welches gar nicht mal so richtig psychedelisch, dafür aber umso mehr hypnotisierend wirkt.

Mit dem nächsten Track wird es nun ein wenig abgefahren, was allerdings nicht unbedingt an der Musik dieses Stückes liegt, sondern an seiner Art der Musik. „Wind Of Change“ ist eine Kopie von Pink Floyds „A Saucerful Of Secrets“. „A Saucerful Of Secrets“ besteht aus drei Teilen und kopiert wurde hier der letzte Teil, der mit einer Art Donnergrollen eingeleitet wird und sich dann zu einem der „schwebensten“ Lieder von Pink Floyd entwickelt. Und bei „Wind Of Change“ beginnt es auch mit Donnergrollen und einem fetten Keyboardteppich, genau wie beim Original. Darauf entwickelt sich dann ein aus „Aaaahs“ bestehender Gesang. Auch hier stimmen beide Songs noch überein. Und jetzt kommt die Variation. Bei Hawkwind setzt nun eine Violine ein und gibt dem Stück einen zusätzlichen Touch. Ich habe noch nie was dagegen gehabt, wenn tolle Musik imitiert wird. Und hier wird sie es auch – aber glücklicherweise auch ein wenig variiert. Das Ganze hört sich bei Hawkwind nun wunderschön psychedelisch und melodisch an. Und da hätten wir sie also, die nächste Gemeinsamkeit. Dass Hawkwind Pink Floyd mochten, das können sie hier nicht mehr verbergen. Allerdings ist dies hier auf „Hall Of The Mountain Grill“ die einzige offensichtliche Annäherung an die Kollegen.

Bei „D-Rider“ gibt es sie dann wieder, die für Hawkwind typischen, spacigen Töne. Aber auch dieses Mal ist das Lied melodiöser, als zum Beispiel die Titel auf dem Vorgängeralbum. Die Melodie wird noch untermalt mit einem Chorsound und so findet auch dieses Lied sehr schnell den Eingang in die musikalischen Gehirnwindungen und verfestigt sich dort. „Web Weaver“, im Anschluss daran, präsentiert sich als akustische Nummer, hauptsächlich instrumentiert mittels Gitarre und Piano. Die Synthesizer-Töne spielen hier nicht die Hauptrolle, untermalen die Stimmung allerdings schön. Erst gegen Ende des Stücks wird es dann wieder ein wenig experimenteller und auch „abgefahrener“.

“You'd Better Believe It” heißt Titel Nummer 6 auf „Hall Of The Mountain Grill”. Der Song beginnt zunächst reichlich seltsam, mit einem am Synthesizer erzeugten Ton, der in seiner Höhe variiert wird. Dann setzen schließlich Bass, E-Gitarre, Schlagzeug und letztendlich auch der Gesang ein. Es entwickelt sich wieder eine treibende Nummer, in die sich Simon House immer wieder mit seiner Violine einbringen kann. Das Stück wirkt im weiteren Verlauf wieder sehr sphärisch und spacig, sodass das Genre nicht anders als mit Space Rock umschrieben werden kann. Es folgt der Titeltrack „Hall Of The Mountain Grill”. Das Lied ist eine wunderschöne Pianonummer, so wie man sie bisher von Hawkwind nicht kannte. Diese Nummer erzeugt eine ganz eigene Atmosphäre, die von düster bis sehnsüchtig reicht. Wahrlich eine Bereicherung der Platte.

Mit „Lost Johnny“ folgt eine Rock-Nummer, die ein klein wenig langweilig wirkt. „Goat Willow“ ist dagegen ein kurzer, zunächst reiner Synthesizer-Titel, bei dem dann noch Nik Turners Flöte, sowie ein spinettartiger Keyboardsound ihren Auftritt haben. Beendet wurde das ursprüngliche Album schließlich mit dem Song „Paradox“. Die Nummer ist zunächst ein Rock Song mit eingängigem Gesang, bis es dann deutlich härter wird. Und so rockt das Stück dem ursprünglichen Ende der Platte entgegen. Mit Einsetzen des mehrstimmigen Gesangs wird auch dieses Stück wieder sehr melodisch und gegen Ende fast schon bombastisch und symphonisch. Ein wahrlich würdiger Abschluss für dieses Album.

Mit vier Bonus Titeln wurde die remasterte Version von 1996 versehen. Dabei handelt es sich bei „You'd Better Believe It”, “The Psychedelic Warlords” und „Paradox” um stark gekürzte Single-Versionen der jeweiligen Album-Tracks. „It's So Easy”, die letzte Nummer auf der CD, ist dann ein Rock-Titel, der zwar nicht nervt, an die Qualität, der ursprünglich auf dem Album befindlichen Titel, jedoch nicht heranreicht. Einfach eine nette Zugabe für Hawkwind Fans.

Fazit: „Hall Of The Mountain Grill“ ist ein richtig gutes Album geworden, welches sowohl Space Rock Anhänger wie Freunde progressiver Rockmusik begeistern kann. Hier ist vieles melodischer als auf den ersten Veröffentlichungen der Band – ohne dabei jedoch langweilig zu wirken. Für mich ist „Hall Of The Mountain Grill“ eine Steigerung in der bisherigen Discographie von Hawkwind. Die Platte legt, obwohl die Vorgängeralben auch schon nicht schlecht waren, noch mal eine Schippe drauf und macht richtig Spaß. Hoch verdiente zwölf Punkte gibt es dafür.

Anspieltipps: The Psychedelic Warlords, Wind Of Change, Web Weaver, Hall Of The Mountain Grill



Freitag, 27. April 2012

Pink Floyd – A Momentary Lapse Of Reason





Pink Floyd – A Momentary Lapse Of Reason


Besetzung:

David Gilmour – guitars, vocals, keyboards & sequencers
Nick Mason – electric & acoustic drums, sound effects
Richard Wright – piano, vocals, kurzweil & hammond organ


Gastmusiker:

Bob Ezrin – keyboards, percussion & sequencers
Tony Levin – bass guitar & stick
Jim Keltner – drums
Steve Forman – percussion
Jon Carin – keyboards
Tom Scott – alto & soprano saxophone
Scott Page – tenor saxophone
Carmine Appice – drums
Pat Leonard – synthesizers
Bill Payne – hammond organ
Michael Landau – guitar
John Halliwell – saxophone
Darlene Koldenhaven – backing vocals
Carmen Twillie – backing vocals
Phyllis St. James – backing vocals
Donnie Gerrard – backing vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Signs Of Life (4:24)
2. Learning To Fly (4:52)
3. The Dogs Of War (6:04)
4. One Ship (5:09)
5. On The Turning Away (5:42)
6. Yet Another Movie (6:13)
7. Round And Around (1:13)
8. A New Machine Part 1 (1:46)
9. Terminal Frost (6:15)
10. A New Machine Part 2 (0:39)
11. Sorrow (8:47)




War das drei Jahre zuvor erschienene Album, “The Final Cut”, fast schon ein Roger Waters Solo Album, so kann man “A Momentary Lapse Of Reason”, nach der Demission des Pink Floyd Bassisten, auch irgendwie als David Gilmour Solo Album auffassen. 1985 hatte Roger Waters Pink Floyd offiziell für aufgelöst und damit zur Geschichte erklärt, doch die beiden verbleibenden Musiker, David Gilmour und Nick Mason, dachten gar nicht daran, dies zu akzeptieren und ließen die Band mit „A Momentary Lapse Of Reason“ neu aufleben. Und auch Richard Wright, der nach den Aufnahmen zu „The Wall“ die Band verlassen hatte, stieß wieder zur Formation hinzu. Er wurde allerdings in den Credits der ursprünglichen LP-Veröffentlichung nur als Gastmusiker aufgeführt, da Gilmour und Mason weitere rechtliche Schwierigkeiten mit Roger Waters befürchteten. Auf den späteren Ausgaben des Albums wird Richard Wright dann allerdings in den Credits doch wieder als vollwertiges Mitglied der Band Pink Floyd genannt.

Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass auf diesem Album Nick Mason und Richard Wright irgendwie doch auch nur Gastmusiker waren. Denn am Prozess des Komponierens waren beide nicht beteiligt. Alle Titel stammen aus der Feder David Gilmours, der sich lediglich auf den ersten sechs Stücken Unterstützung von Co-Autoren holte, während die letzten fünf Stücke komplett von ihm geschrieben wurden.

Bezüglich der Musik kann festgestellt werden, dass „A Momentary Lapse Of Reason“ kaum mehr etwas mit den beiden letzten („The Wall“ und „The Final Cut“), absolut von Roger Waters dominierten, Platten zu tun hat. Vielmehr erinnern die Stücke eher an die, Mitte der 70er Jahre entstandenen Werke der Band. Da gibt es diese Hintergrundchöre, zum Beispiel bei „Dogs Of War“, die Erinnerungen an „The Dark Side Of The Moon“ aufkommen lassen. Und da ist dieser „sphärische Sound“ beim Opener „Signs Of Life“, der stark an die Atmosphäre von „Shine On You Crazy Diamond“ auf „Wish You Were Here“ angelehnt ist.

Allerdings gibt es auf „A Momentary Lapse Of Reason“ auch so Pop-Songs wie „Learning To Fly“, die nur noch in Ansätzen, vielleicht noch durch die Stimme Gilmours und den Chor, an Pink Floyd erinnern. Auch in diese Pop-Rock-Schiene passt „One Slip“, dessen Zeile, „A Momentary Lapse Of Reason“, es sogar zum Album-Titel geschafft hat. Noch am nähesten der End-Waters-Ära kommt dann „On The Turning Away“, was nicht zuletzt an der Gitarre liegt. Und genau dieses Gitarrenspiel lässt bei „Yet Another Movie“ oder „Sorrow“ wiederum Erinnerungen an „Animals“ aufkommen.

Fazit: Es bleibt festzuhalten, dass „A Momentary Lapse Of Reason“ sich ganz stark und eindeutig nach Pink Floyd Musik anhört. Dies ist David Gilmour bestens gelungen. Und diese Musik ist auch nicht schlecht, allerdings ist es überhaupt kein Vergleich mehr zu den „Originalen“. Und damit wird sich wohl kaum ein Pink Floyd Fan finden, der dieses Album als das Beste im Schaffen der Band ansieht. Alles war schon mal besser da und dazu gibt es noch ein paar Pop-Anleihen, die dann zwar erneut irgendwie nach Pink Floyd klingen, allerdings deutlich weniger zu Pink Floyd passen. Aber, auf „A Momentary Lapse Of Reason“ befindet sich keine schlechte Musik, eben nur „gebrauchte“. Das wiederum macht das Album trotzdem nicht zu einem schlechten Album, allerdings auch zu keinem guten, dafür aber zu einem durchschnittlichen Pop-Rock-Album. Acht Punkte.

Anspieltipps: Signs Of Life, The Dogs Of War, On The Turning Away, Terminal Frost, Sorrow



Donnerstag, 26. April 2012

Heidi Happy - Hiding With The Wolves





Heidi Happy - Hiding With The Wolves




Da watet eine junge Frau im weißen Kleid durch den Matsch eines Flußufers. Sie zieht an einem Ruderboot, in dem ein heulender Wolf die Sonne anstarrt. “Hiding With The Wolves” ist der Titel des jüngsten Heidi Happy Albums. Wer beim Namen der Sängerin an lockere Hausmannskost und Spaßdudelei denkt, der sollte sich lieber wieder vor die DSDS Flimmerkiste setzen, das ist dann passender.

Heidi Happy ist eine junge Schweizerin, die auf ihren Vorgängerplatten herumexperimentierte. Zwischen traditionellen Alpenklängen, Country, Avantgarde, Pop. Das alles knüllte sie zusammen und fummelte es zu einem speziellen Musikmix zusammen. Doch diese neue Scheibe ist anders. Tief, nahegehend, zärtlich, gefühlvoll. Ja, auch hier wandert die 32jährige gekonnt durch die verschiedensten Genres. Aber irgendwie klingt das alles gewachsener, konzentrierter, ausgeruhter. Heidi Happy präsentiert sich auf “Hiding With The Wolves” als eine Songschreiberin, Sängerin und Musikerin, die sich gefunden hat. Irgendwas muß passiert sein, dass sie so einen Riesenschritt nach vorne getan hat und diesen auch konsequent gegangen ist. Ein wunderschönes Album, das mit Sicherheit in meinen Top Ten für 2012 landen wird.




Mittwoch, 25. April 2012

The Killers – Day & Age




The Killers – Day & Age


Besetzung:

Brandon Flowers – vocals, keyboards, bass
Dave Keuning – lead-guitar, backing vocals
Mark Stoermer – bass, rhythm-guitar, backing vocals
Ronnie Vannucci – drums, percussion


Gastmusiker:

Daniel De Los Reyes – additional percussion on “Joy Ride” and “ I Can’t Stay”
Tommy Marth – saxophone on “Losing Touch”, “Joy Ride” and “ I Can’t Stay”


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Pop


Trackliste:

1. Losing Touch (4:15)
2. Human (4:05)
3. Spaceman (4:45)
4. Joy Ride (3:34)
5. A Dustland Fairytale (3:46)
6. This Is Your Life (3:41)
7. I Can't Stay (3:07)
8. Neon Tiger (3:05)
9. The World We Live In (4:40)
10. Goodnight, Travel Well ( 6:51)




“Day And Age”, aus dem Jahr 2008, ist das vierte Album der Killers. Eigentlich sogar erst die dritte reguläre Veröffentlichung, denn auf „Sawdust“, dem Vorgänger, befinden sich B-Seiten neben einigen Raritäten und nur wenigen neuen Liedern.

Und so legt man die Scheibe in den CD-Spieler ein und erwartet wieder diese Mischung aus Pop und Rock, diese keyboardunterstützte Gitarrenmusik, die immer wieder mal mit tollen Melodien aufwartet. Doch etwas ist anders auf „Day & Age“. Es fällt schnell auf: Irgendetwas fehlt auf diesem Album. Und dieser fehlende Teil in der Musik der Killers auf „Day And Age“ ist auch ziemlich schnell gefunden: Es ist der Rock, der fehlt.

Tatsächlich befindet sich auf „Day And Age“ Pop Musik. Und zwar nur noch Pop Musik. Die gab es zwar auch schon zum Teil auf früheren Liedern zu hören, aber längst noch nicht in dieser Konsequenz. Da warten einige Songs mit Discorhythmen auf, andere kommen dagegen ganz schlageresk daher. Der restliche Großteil sind eingängige Popnummern, wie man sie immer und unentwegt auf den „Wir-Wollen-Ja-Nur-Unterhalten“-Radiostationen dieser Welt hören kann. Und das ist in seiner Gesamtheit doch ein wenig schade und enttäuschend für ein Killers-Album.

Zwei Lieder sind es, die ein wenig aus diesem Mainstream-Pop-Sumpf herausragen. Die beiden „Hits“ der Platte „Human“ und „Spaceman“ sind nicht dabei, denn die sind Allerwelts-Pop pur. „A Dustland Fairytale“ kann allerdings mit einer interessanten und schönen Melodie aufwarten und die Nummer steigert sich auch. Das bedeutet Abwechslung, die dem Album einfach gut zu Gesicht steht.

Ebenfalls noch überzeugen kann der letzte Titel des Albums „Goodnight, Travel Well“. Auch dieses Lied hebt sich durch seine Steigerung angenehm vom Rest der Platte ab. Zudem beginnt es überhaupt nicht popmäßig, sondern eher sphärisch, experimentell. Dann wird das Stück mit jedem weiteren Takt bombastischer, die Bläser setzen ein und machen das Lied zu einer wohltuenden Ausnahme auf dem Album - zu einem guten und spannenden Song.

Fazit: Wer auf einfache Pop-Musik steht und am liebsten Radio „so nebenbei“ hört, dem wird dieses Album auch gefallen, denn man kann es ganz einfach „so nebenbei“ hören. Wer es allerdings ein wenig anspruchsvoller mag und die früheren Veröffentlichungen der Killers liebte, der könnte hier enttäuscht werden. Richtig schlecht ist auf „Day And Age“ ehrlich gesagt nichts. Allerdings auch überhaupt nichts Bewegendes. Sechs poppige Punkte.

Anspieltipps: A Dustland Fairytale, Goodnight, Travel Well



Dienstag, 24. April 2012

Stefanie Hertel – Heimatlieder zum Verlieben




Stefanie Hertel – Heimatlieder zum Verlieben


Besetzung:

Stefanie Hertel – Gesang


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: East West Records


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Volkstümlicher Schlager, Volksmusik


Trackliste:

1. Zillertaler Hochzeitsmarsch (3:19)
2. Das Schwalbenlied (3:01)
3. Wer recht in Freuden wandern will (2:32)
4. Das Kufsteiner Lied (3:46)
5. Hoch auf dem gelben Wagen (2:50)
6. Jetzt kommen die lustigen Tage (2:42)
7. Das Rennsteiglied (3:00)
8. Aus Böhmen kommt die Musik (3:05)
9. Bergvagabunden (2:47)
10. Schneewalzer (2:51)
11. Lieder, die von Herzen kommen (3:21)
12. Der Vugelbeerbaam (2:46)
13. Es kann nicht immer nur die Sonne scheinen (2:18)
14. Du bist mein kleines Geheimnis (3:51)
15. Mein Märchenprinz sieht aus wie du (2:43)

Gesamtspieldauer: 44:59




Im Jahr 1996 hat Stefanie nicht nur das unsägliche Album „Hast Du Zeit für ein paar Träume?“ veröffentlicht, sondern auch eine Platte mit hauptsächlich alten Volksliedern, die den Titel „Heimatlieder zum Verlieben“ trägt. Nicht nur Volkslieder, jedoch hauptsächlich solche sind darauf enthalten. Das wiederum hatte zur Folge, dass man auf dieser Veröffentlichung nur bei den letzten beiden Bonus-Tracks etwas von den Grausamkeiten des Komponisten Jean Frankfurter und der Texterin Irma Holder hört. Erschienen ist „Heimatlieder zum Verlieben“ erneut auf dem Plattenlabel East West Records.

Natürlich ist das keine Musik für Freunde der Rock-Musik. Schlagerfreunde werden mit dem Album wohl schon eher „warm“ werden und noch viel besser dürfte die Scheibe all denjenigen gefallen, die gerne alte deutsche und österreichische Volkslieder hören. Titel wie „Zillertaler Hochzeitsmarsch“, „Das Schwalbenlied“, „Das Kufsteiner Lied“, „Hoch auf dem gelben Wagen“, „Jetzt kommen die lustigen Tage“, „Das Rennsteiglied“, „Aus Böhmen kommt die Musik“, „Bergvagabunden“ oder der „Schneewalzer“ sagen sogar mir etwas, obwohl ich mich in diesem Genre weder auskenne noch es aktiv höre.

Angenehm an dieser Scheibe ist auch, dass die Lieder zumindest zum Teil wieder mit „richtigen“ Instrumenten eingespielt wurden. Den Drum-Computer gibt es zwar auch zu hören, jedoch nicht mehr durchgängig. Massiv dann allerdings bei den letzten Titeln, die weder Volksmusik noch interessant sind. Klar, diese Nummern sind auch vom Duo Frankfurter / Holder verbrochen worden.

Fazit: Stefanie singt Volkslieder. Das hätte sie auch auf den Platten davor machen sollen, dann wäre es nicht ganz so schlimm geworden. Freundinnen und Freunde alter Volksweisen könnten an dieser Scheibe durchaus Gefallen finden. Für alle anderen ist das Ganze aber wohl eher weniger geeignet. Vier Punkte.

Anspieltipps: Das Kufsteiner Lied, Jetzt kommen die lustigen Tage



Montag, 23. April 2012

Dire Straits – Alchemy





Dire Straits – Alchemy


Besetzung:

Mark Knopfler –guitar & vocals
John Illsley – bass
Alan Clark – keyboards
Hal Lindes – guitar
Terry Williams – drums


Gastmusiker:

Tommy Mandel – additional keyboards
Mel Collins – saxophone
Joop De Korte – percussion


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: gitarrenorientierter Pop


Trackliste:


CD1:

1. Once Upon A Time In The West (13:01)
2. Expresso Love (5:36)
3. Romeo And Juliet (8:16)
4. Love Over Gold (3:27)
5. Private Investigations (7:34)
6. Sultans Of Swing (10:58)


CD2:

1. Two Young Lovers (4:52)
2. Tunnel Of Love (14:23)
3. Telegraph Road (13:43)
4. Solid Rock (6:02)
5. Going Home (6:03)




Mit dem Live-Album „Alchemy“ haben Dire Straits eine Platte erschaffen, die wahrlich magisch ist. Unglaublich dicht und stimmungsvoll ist jedes, der auf dieser Live-Veröffentlichung enthaltenen Lieder. Gefühlvolle Gitarrenmusik, die zu ergreifen weiß. Auf „Alchemy“ wird solch eine beeindruckende Atmosphäre hergestellt, dass man in dieser Musik schwelgen, ganz darin aufgehen kann. Und dabei ist die Musik auf „Alchemy“ meist sehr ruhig, zurückhaltend, kann dann allerdings auch wieder an den richtigen Stellen grooven und rocken.

Letzteres trifft natürlich auf dem Song „Sultans Of Swing“ zu. Hier swingt und groovt es wirklich – und zwar mit jedem Ton. Und dabei ist das Stück in dieser Version fast doppelt so lang wie auf der ursprünglichen Studioaufnahme, die auf der ersten Platte der Band, kurz Dire Straits genannt, veröffentlicht wurde. Und in diesen elf Minuten Dauer des Liedes, gibt es keinen auch noch so kurzen Augenblick der Langeweile. Hier ist alles spannend. Das virtuose Gitarrenspiel des Mark Knopfler, immer schneller und schneller werdend, lässt den Zuhörer selbiges mit offenem Mund hören. Wahrlich beeindruckend.

Ebenso beeindruckend ist der knapp Achtminüter „Private Investigations“. Deutlich ruhiger als „Sultans Of Swing“, jedoch keinen Jota weniger fesselnd. Und auch hier steht sie natürlich wieder im Vordergrund, diese Gitarre, aus der Mark Knopfler so viel herauszuholen versteht. Stellvertretend kann das Stück „Private Investigation“ auch für das Songwriting Mark Knopflers stehen. Denn dieser verzichtet sehr oft auf den, im Pop- und Rockbereich üblichen Ablauf mit: Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Solo – Strophe und dann, zum Abschluss, noch mal den Refrain. Alles entwickelt sich bei „Private Investigations“ hin, zu diesem einem Höhepunkt, um anschließend langsam auszuklingen. Und diese Herangehensweise an die Dramaturgie des Liedes wird so perfekt umgesetzt, dass man sich wundert, warum dies nur von so wenigen Bands umgesetzt wird.

In eine ähnliche Richtung geht auch das fast 14 minütige „Telegraph Road“. Und gleichzeitig ebenfalls ein Highlight, wenn nicht sogar der Höhepunkt des ganzen Albums. Ganz sphärisch beginnt das Lied mit Keyboard- und Synthesizer-Klängen um dann in einen ruhigen, vom Piano und der Gitarre dominierten Abschnitt überzugehen. Schließlich gesellt sich auch die Rhythmusfraktion dazu, um nur kurze Zeit später wieder einen Schritt zurück zu gehen. Und so ist es ein laufendes Spiel mit schnelleren und langsameren Abschnitten, lauteren und leiseren Tönen. Toll umgesetzt und dazu kredenzt Mark Knopfler seine Gitarrensoli - richtig klasse gemacht.

Und auch „Tunnel Of Love“ bedeutet Abwechslung im Überfluss. Hier, bei dieser Nummer, rockt es dann deutlich mehr, ohne jedoch den typischen Dire Straits Sound aus den Augen beziehungsweise Ohren zu verlieren. Auch hier lassen sich die typischen Ingredienzien aus lauten und leisen, schwebenden und treibenden Abschnitten finden. Uns auch hier wird alles durch diese markante Gitarrenspiel Mark Knopflers verknüpft und zusammengehalten

Auch unter den weiteren Stücken der beiden CD’s auf „Alchemy“ ist kein Ausfall auszumachen. Alle Lieder haben irgendwie etwas, reichen von der Klasse her allerdings nicht immer ganz an die vier bereits erwähnten Titel heran. Aber, ob man nun dem einen Stück etwas mehr als dem anderen abgewinnen kann, liegt einfach am Geschmack des Zuhörers, in diesem Fall nicht an der Qualität der Musik. Denn diese ist durchweg hoch angesiedelt und so wird sicherlich jeder Hörer unterschiedliche Höhepunkte auf dem Album für sich entdecken.

Bliebe noch der Gesang Mark Knopflers, der immer mal wieder auf der Agenda steht, wenn das Haar in der Suppe dieser Band gesucht wird. Klar, der beste und charismatischste Sänger ist er nicht mit seinem Genuschel. Aber kann man sich für Dire Straits einen anderen Sänger vorstellen? Eine andere Stimme, eine andere Stimmlage? Nein, das klappt nicht. Mark Knopflers Gesang passt zu Dire Straits, genau wie seine Gitarre. Das muss irgendwie so klingen. Und schon wird das Ganze auch wieder ein Stück „charismatisch“.

Fazit: „Alchemy“ stellt eines der besten Live-Alben dar, die es gibt. Und das liegt nicht nur an der Musik, sondern auch an der Tonqualität, die keine Wünsche offen lässt. Zudem wurden für „Alchemy“ mit die besten Stücke der Band zusammengetragen, sodass dieses Album auch irgendwie ein „Best Of Album“ darstellt. Zumindest bis zu diesem Zeitpunkt, denn „Brothers In Arms“ sollte erst ein Jahr später erscheinen. Von „Best Of Alben“ halte ich allerdings nicht allzu viel. Wenn mir eine Band gefällt, möchte ich auch möglichst viel von ihr hören und nicht nur das „Best Of …“, was oftmals auch gar nicht meinem „Best Of …“ entspricht. Aber hier, bei „Alchemy“, liegt das anders. Denn hier wurden die Stücke zum großen Teil noch veredelt und stellen sehr hörenswerte Alternativen zu den Studioaufnahmen dar. Tolle zwei Scheiben, 13 Punkte.

Anspieltipps: Private Investigations, Sultans Of Swing, Telegraph Road, Tunnel Of Love