Sonntag, 17. Juni 2012

Green Day "American Idiot" (The Musical)

Ich war also in diesem Musical in San Francisco. Hochgelobt und ausgezeichnet und quasi im Vorhof der Green Day Jungs, die in Oakland auf der anderen Seite der Bay leben. “American Idiot” ist die Broadway Umsetzung des siebten Green Day Studio Albums. Die professionellen Musiktheaterkritiker der New York Times schreiben, es sei “mitreißend, emotional aufgeladen und bewegend”. Die müssen es ja wissen, sind ja Profis und kennen sich aus. Schon beim ersten Song dachte ich mir, das wird nix!


Eine zweitklassige Band spielt da auf der Bühne des Orpheum Theatre’s in San Francisco. Die Schauspieler und Sänger sind nicht viel besser. Klingt einfach nicht gut, man wird ständig an einen Covermusikabend in der High School um die Ecke erinnert. Aber ok, darüber blicken wir mal geflissentlich hinweg. Das schlimme an dem ganzen Abend ist, ich sitze da und überlege mir, was man eigentlich hätte machen können, wenn man in einer Band wie Green Day spielt und kreativ mal eine neue Herausforderung braucht. Ich weiß, dass sich die Musiker des Trios durchaus als die beste Band der Welt bezeichnen. Sie spielten und spielen auf allen großen Festivals der Welt, ihre Tourneen sind ausverkauft, ihre Platten Bestseller. Das allein birgt unglaubliche Möglichkeiten. Finanzielle und personelle.

Und dann machen die so einen Mist. Larifaridudeldei. Eine Geschichte, die peinlicher nicht sein kann und die dann auch noch als “kritisch”, “provokant” und “sozialkritisch” hingestellt wird. Ja mei, wo leben wir denn? Wirklich, ich habe nichts dagegen, wenn Musiker neue Wege ausprobieren wollen, Konzeptalben produzieren, musikalische Visionen außerhalb des harten Geschäfts erkunden. Ich denke an die Rockoper “Tommy”, an “Quadrophenia”, an “The Wall”, aber das hier ist Pipifax. Unglaublich schlecht. “Don’t wanna be an American idiot. Don’t want a nation under the new media. And can you hear the sound of hysteria?” und genau dieses Hysteriegekreische sitzt hinter mir in form von ein paar weiblichen Fans, davon gleich mehrere im 70 Dollar “American Idiot” Hoodie (+ Tax). Bei jedem “Fuck” auf der Bühne kichern sie, als ob das nun wahrlich der Witz des Tages war, applaudieren begeistert jeden Hopser, schluchzen sehnlichst bei den ruhigeren Tönen mit. Wo bin ich nur gelandet? Die Musical Version des Green Day Albums kann man sich auch im eigenen “American Idiot” Shop für 15 Dollar runterladen. Warum man die Platte schlecht gecovert haben will muß ich nicht verstehen, oder?

Ich habe Green Day zum ersten mal 1994 auf dem Lollapalooza Festival gesehen. Damals standen sie noch am Anfang ihrer Karriere, waren die erste Band, der “Opening Act” auf der großen Bühne. Damals schrien einige der Hardcore Punk Fans im Publikum “Sellout”, warfen der Band vor, sich gegen ihre eigenen Punk Ideale zu stellen und Teil einer kommerziellen Mammuttour zu sein. Das war sicherlich übertrieben, denn jede Band ob Punk, Rock oder Hip Hop strebt nach Erfolg. Green Day gingen ihren Weg, verkauften immer besser, buchten immer größere Hallen und Auftrittsmöglichkeiten, wurden zu einem weltweiten Phänomen. Und irgendwann muß wohl der Punkt gekommen sein, an dem man meinte, jetzt ist man kreativ ganz oben angekommen und kann sich mit einem Musical selbst verwirklichen. Mit einem Musical! Ach Du Sch….!!!! Peinlicher kann es nicht mehr kommen.

Samstag, 16. Juni 2012

David Bowie – Scary Monsters


 


David Bowie – Scary Monsters


Besetzung:

David Bowie – vocals, keyboards, backing vocals


Gastmusiker:

Dennis Davis – percussion
George Murray – bass
Carlos Alomar – guitars
Chuck Hammer – guitar on “Asher To Ashes”, “Teenage Wildlife”
Robert Fripp – guitar on “Fashion”, “It’s No Game”, “Scary Monsters”, “Kingdom Come”, “Up The Hill Backwards”, “Teenage Wildlife”
Roy Bittan – piano on “Teenage Wildlife”, “Ashes To Ashes”, “Up The Hill Backwards”
Andy Clark – synthesizer on “Fashion”, “Sream Like A Baby”, “Ashes To Ashes”, “Because You’re Young”
Pete Townshend – guitar on “Because You’re Young”
Tony Visconti – acoustic guitar on “Scary Monsters”, “Up The Hill Backwards”, backing vocals
Lynn Maitland – backing vocals
Chris Porter – backing vocals
Michi Hirota – voice on “It’s No Game (Part 1)”


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Pop, New Wave


Trackliste:

1. It’s No Game (Part 1) (4:20)
2. Up The Hills Backwards (3:15)
3. Scary Monsters (And Super Creeps) (5:13)
4. Ashes To Ashes (4:25)
5. Fashion (4:49)
6. Teenage Wildlife (6:56)
7. Scream Like A Baby (3:36)
8. Kingdom Come (3:46)
9. Because You’re Young (4:54)
10. It’s No Game (Part 2) (4:25)

Gesamtspieldauer: 45:39




Das Genre New Wave war noch nicht richtig erfunden, da schritt David Bowie wieder mal voran. Denn genau diese „New Wave Anleihen“ hört man auf „Scary Monsters“ - neben viel Pop-Musik - immer wieder heraus. Und so präsentiert sich dieses vierzehnte Album David Bowies auch als musikalisches Abbild der beginnenden achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts.

Das Album enthält mit „Ashes To Ashes“ auch eines der beeindruckendsten Lieder des Briten. Sich auf der Grenze zwischen Pop und New Wave bewegend, stellt dieses Lied einen Höhepunkt des Schaffens Bowies in den achtziger Jahren dar und lässt textlich auch Major Tom aus „Space Oddity“ wieder aufleben. Das Stück ist überaus eingängig und mit einer Melodie versehen, die einen so schnell nicht wieder loslässt. Dazu verbreitet es eine, auf eine bestimmte Art fast schon mystisch zu nennende Atmosphäre, wie es in der Musik nur wenige Titel vermögen. Perfekt umgesetzt wurde das Stück auch in einem surrealen Video, welches die Atmosphäre der Nummer bestens transportiert.

Weitere Höhepunkte des Albums sind der Titeltrack „Scary Monsters“, ein Lied im Stile der aufkommenden Welle, bei dem Robert Fripp an der Gitarre zu hören ist. Und auch das Rock-Lied „Because You’re Young“ kann gefallen. Hier glänzt nun Pete Townsend an der Gitarre. Die Nummer hat einen treibenden Groove, der zum Mitwippen animiert - und setzt einen der wenigen härteren Akzente der Platte. Ebenfalls überaus gelungen ist „Teenage Wildlife“, dieses Mal ein Pop-Lied, bei dem David Bowies eindrucksvolle Stimme bestens zur Geltung kommt.

Der Rest ist meist unspektakulärer Durchschnitt, Lieder die ganz nett anzuhören sind, jedoch nicht längerfristig hängenbleiben. Bis auf vielleicht dem Stück „Fashion“. Hier schlägt das Pendel allerdings nach unten aus, nach sehr weit unten. Funkig zu klingen hat David Bowie auch bereits auf der Platte „Young Americans“ versucht. Das klang nicht gut und auch hier passt es nicht.

Fazit: Ein Album im Geiste der beginnenden achtziger Jahre ist „Scary Monsters“ geworden. Sicherlich nicht das Meisterwerk des Briten, allerdings enthält es mit „Ashes To Ashes“ eines der besten Lieder Bowies. Mit der Musik vorheriger Alben hat „Scary Monsters“ nur wenig gemein - bis auf die Stimme. Aber das war ja schon immer ein Markenzeichen David Bowies gewesen, dieser Wandel in immer wieder neue Facetten. Was bleibt ist kein schlechtes, allerdings auch kein gutes Album mehr – trotz „Ashes To Ashes“. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Scary Monsters, Ashes To Ashes, Teenage Wildlife, Because You’re Young







Freitag, 15. Juni 2012

The Alan Parsons Project – Ammonia Avenue





The Alan Parsons Project
– Ammonia Avenue



Besetzung:

Alan Parsons – wurlitzer piano, fairlight guitars, backing vocals, linn drum
Eric Woolfson – vocals, piano, synthesizer, wurlitzer piano, keyboards, backing vocals, fairlight
Chris Rainbow – backing vocals, vocals, keyboards
Ian Bairnson – electric and acoustic guitars, guitar synthesizer, spanish guitar
David Paton – bass, acoustic guitars
Stuart Elliott – drums and percussion
Lenny Zakatek – vocals
Andrew Powell – orchestral arrangements
Mel Collins – saxophone
Colin Blunstone – vocals


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Pop


Trackliste:

1. Prime Time (5:03)
2. Let Me Go Home (3:21)
3. One Good Reason (3:37)
4. Since The Last Goodbye (4:35)
5. Don't Answer Me (4:12)
6. Dancing On A High Wire (4:24)
7. You Don't Believe (4:27)
8. Pipeline (3:57)
9. Ammonia Avenue (6:45)


Bonus Tracks:

10. Don't Answer Me (Early Rough Mix) (5:10)
11. You Don't Believe (Demo) (2:22)
12. Since The Last Goodbye (Chris Rainbow Vocal Overdubs) (0:30)
13. Since The Last Goodbye (Eric Guide Vocal - Rough Mix) (4:25)
14. You Don't Believe (Instrumental Tribute To The Shadows) (3:09)
15. Dancing On A Highwire / Spotlight (Work In Progress) (3:57)
16. Ammonia Avenue Part (Eric Demo Vocal - Rough Mix) (2:42)
17. Ammonia Ave (Orchestral Overdub) (1:22)




Ammonia Avenue aus dem Jahr 1984, ist die siebte Platte des Alan Parsons Projects. Und diese Platte enthält auch den größten Hit, den das Musikduo, bestehend aus Eric Woolfson und Alan Parsons, jemals landen konnte: „Don’t Answer Me“. Und jenes Lied kann durchaus stellvertretend für das ganze Album stehen. Wer auf eingängigen, unaufgeregten Pop steht, der wird hier seine Erfüllung finden. Das ganze Album ist voll davon!

Wieder andere werden sagen, das, was hier zu hören ist, das ist nicht eingängiger, sondern absolut seichter Pop. Auch ein Standpunkt, den man durchaus nachvollziehen kann. Nun zur Musik. Ein großer Unterschied zu den vorherigen Platten besteht darin, dass hier die orchestrale Instrumentierung immer weiter in den Hintergrund gedrängt wird. Die gibt es zwar noch, zum Beispiel bei „Since The Last Goodbye“. Das Stück ist allerdings so ein Schmachtfetzen – fast unbeschreiblich. Kitschiger geht es keines Falls mehr. Unglaublich.

Auf „Pipeline“ und dem Titeltrack „Ammonia Avenue“ hört man ebenfalls noch ein Orchester im Hintergrund. „Pipeline“ ist dabei das einzige Instrumentalstück des Albums und auch das hat das Alan Parsons Project schon deutlich besser hinbekommen. Mitreißen kann dieses Stück wahrlich nicht mehr. Aber zumindest „Ammonia Avenue“ kann immerhin zeitweilig gefallen. Zwar startet auch dieses Stück überaus kitschig, wartet dann allerdings mit einem netten, instrumentalen Mittelteil auf. Dieser dauert allerdings nur kurz und man watet erneut durch tiefsten Schmalz.

Nun, was ist mit den restlichen sechs Titeln? Nun der Vergleich zu „Don’t Answer Me“ passt ganz gut. In diese Richtung gehen auch die Stücke „Prime Time“ und „Dancing On A High Wire“. Ebenso wie die Titel „One Good Reason“ und „You Don't Believe“, zwei Nummern, welche allerdings noch einen Tick mehr zum Synthie-Pop tendieren. „Let Me Go Home“ schließlich versucht zu rocken und fällt dadurch ein wenig aus dem Rahmen des Albums.

Acht Bonus-Titel gibt es noch auf der remasterten Version von 2008 zu hören. Das sind alternative Versionen zu den bereits auf die CD gepressten Nummern. Nicht essentiell aber für Fans vielleicht interessant, da man hier schön die Entwicklung eines Songs verfolgen kann.

Fazit: Wie bereits erwähnt: Wer auf eingängigen Pop steht und Musik gerne im Hintergrund hört, der könnte hier Spaß haben. Wer es gerne etwas anspruchsvoller haben möchte, der liegt mit dieser Platte falsch. Definitiv. Für mich ist diese CD nichtssagend und nervend. Damit ergeben sich noch drei freundliche gemeinte Punkte.

Anspieltipps: You Don't Believe, Pipeline, Ammonia Avenue



Donnerstag, 14. Juni 2012

The Fray – How To Save A Life





The Fray – How To Save A Life


Besetzung:

Joe King – guitar, vocals
David Welsh – guitar
Isaac Slade – vocals, piano
Ben Wysocki – drums


Label: Sony Music / Epic


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. She Is (3:59)
2. Over My Head (Cable Car) (3:58)
3. How To Save A Life (4:24)
4. All At Once (3:48)
5. Fall Away (4:24)
6. Heaven Forbid (4:02)
7. Look After You (4:29)
8. Hundred (4:14)
9. Vienna (3:52)
10. Dead Wrong (3:06)
11. Little House (2:32)
12. Trust Me (3:23)




Unaufgeregte und eingängige Musik präsentiert die amerikanische Band The Fray auf ihrem ersten Album „How To Save A Life“ aus dem Jahr 2005. Von Rock und Pop bis Soft Rock reicht hier die Spannweite – und mit jedem Titel schafft es die Band dem Hörer Musik zu Gehör zu bringen, die ziemlich schnell ins Ohr geht. Hier werden keine Experimente gestartet, hier wird versucht den Musikfreund gleich mit dem ersten Ton einzufangen. Manchmal gestaltet sich das Ganze überaus mainstreammäßig, ein anderes Mal sollte man eher von ruhiger Pop bis Rock Musik sprechen, die oftmals pianolastig ist und dadurch häufig auch ein wenig verträumt oder aber melancholisch wirkt.

Die einzelnen Stücke setzen sich ziemlich schnell im Musikzentrum des Gehirns fest. Und wahrlich schlechte Musik sucht man auf „How To Save A Life“ vergeblich, lässt man mal die Texte außen vor, die immer wieder mal von der Liebe handeln und dann auch mitunter solche Zeilen wie: „Oh, oh, oh, oh, oh, oh be my Baby. Oh, oh, oh I’ll look after you.“ aufweisen können. Einige Songs der Platte passen ideal zu grauen Novembertagen und untermalen die dort zu spürende Stimmung perfekt, machen die dortige Atmosphäre greifbar. Andere Lieder wiederum grooven ganz nett, kommen allerdings trotzdem nicht über den Status hinaus, der Musik zuteil wird, die man perfekt auch im Hintergrund hören kann. Auch, der Ehrlichkeit halber, wenn dabei ein Teil der Stimmung dieser Stücke verloren gehen würde.

Neben den vielen „ganz netten“ Songs gibt es allerdings ebenso Lieder, die etwas nach oben ausbrechen. Als Beispiel sei hier das Titellied „How To Save A Life“ angeführt. Eine schöne und ruhige Nummer, welche die oben bereits erwähnte Melancholie so richtig zur Entfaltung kommen lässt. Eine harmonische Melodieführung, die mittels Piano wunderbar untermalt wird, lassen dieses Stück wachsen. Oder aber das kurze „Little House“. Mit einem schönen Pianolauf eingeleitet entwickelt sich hier ein Lied, welches immer wieder mit Rhythmus- und Tempowechseln überrascht. Und auch dieses Lied ist eingängig – aber deutlich spannender als so manch anderer Song der Platte.

Fazit: „How To Save A Life“ ist wahrlich kein schlechtes Album. Allerdings ist es auch kein gutes Album. Es ist Durchschnitt. Die Lieder sind alle irgendwie ganz nett, begeistern können sie jedoch auch nicht richtig. Alles plätschert auf eine gewisse Weise so vor sich hin – ohne wie gesagt schlecht zu sein. Aber was fehlt, das sind die Ecken und Kanten, die Musik eben auch oft ausmachen und manche Stücke zu besonderen Liedern werden lassen. „How To Save A Life“ ist ein irgendwie glattgeschliffenes Album. Ein kleines bisschen zu glattgeschliffen. Acht Punkte.

Anspieltipps: How To Save A Life, Dead Wrong, Little House



Mittwoch, 13. Juni 2012

Stefanie Hertel – Das fühlt sich gut an




Stefanie Hertel – Das fühlt sich gut an


Besetzung:

Stefanie Hertel – Gesang


Gastmusiker:

Jean Frankfurter – sämtliche Keyboards und Programming
Johan Daansen – Gitarren
Karena Schönberger – Chor
Franco Leon – Chor
Rainer Marz – Chor


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Schlager


Trackliste:

1. Das fühlt sich gut an (3:27)
2. Zwischen den Zeilen (3:56)
3. Das Paradies in Deinen Augen (3:36)
4. Tanzende Engel (3:51)
5. Komm mit auf's Land (3:25)
6. Wie Viele Stunden hat das Glück (3:03)
7. Mut zum Mut (3:02)
8. Liebe ist das größte Abenteuer (3:57)
9. Mit jedem Lied beginnt ein neuer Traum (4:09)
10. Und weil's so schön war... noch einmal (3:19)
11. Mein Kind (3:37)
12. Ich nehm' Dich mit ins nächste Leben (3:58)

Gesamtspieldauer: 43:26



Alles wie gehabt bei Stefanie Hertel. Auch auf ihrem dreizehnten Studioalbum hört man schlecht gemachten und billig klingenden deutschen Schlager, für den sich Jean Frankfurter verantwortlich zeigt. „Das fühlt sich gut an“ heißt dieses Album und es erschien im Jahr 2010 auf dem Plattenlabel Sony Music.

Zu hören gibt es darauf zwölf Lieder, die sich fast ausschließlich um das Thema „Liebe“ drehen. Die Texte stammen dieses Mal von Bernd Meinunger und Tobias Reitz, die jeweils sechs Liedertexte verfassten. Sie unterbieten sich dabei an Niveaulosigkeit – wer diesen Wettbewerb gewinnt ist dabei wahrlich nicht auszumachen. Man hört peinlichen Schmalz, der einem die Schamesröte ins Gesicht treibt, falls jemand mitbekommt, dass man sich so etwas anhört. Das Level der Grausamkeit passt sich allerdings perfekt der Musik an. Diese ist einfach nur schlecht.

Seltsam, auch als Nicht-Schlager-Fan kenne ich auch in diesem musikalischen Genre Lieder, die gelungen sind und ins Ohr gehen, die sogar mir gefallen. Bei den Schlager-Scheiben der Stefanie Hertel klingt jedoch leider alles nach billiger und schneller Produktion und Jean Frankfurter lacht sich tot, dass es Menschen gibt, die diesen Mist auch noch kaufen. Der freut sich sehr und schüttelt überrascht den Kopf, da bin ich mir sicher.

Fazit: Billigster Schlager-Pop, ohne jeglichen Anspruch, ohne Inhalt, ohne schöne Melodie und ohne Unterhaltungswert. Und jetzt darf mir keiner kommen und sagen, dass es keine schlechte Musik gibt und alles Geschmackssache ist. Dass das Album „Das fühlt sich gut an“ manchen Menschen gefällt, will ich dabei gar nicht in Abrede stellen, allerdings ist es trotzdem schlechte und billig produzierte Musik. … und es hört sich dazu wirklich alles auch noch gleich an. Ein Punkt.

Anspieltipps: Und weil's so schön war... noch einmal



Dienstag, 12. Juni 2012

Counting Crows – This Desert Life





Counting Crows – This Desert Life


Besetzung:

Dan Vickrey – electric and acoustic guitars, vocals, sitar
Ben Mize – drums, percussion, vocals
Charles Gillingham – mellotron, piano, wurlitzer electric piano, Hammond b-3 organ, nord, kt acoustic guitar, chamberlain, vocals, string arrangement
Adam Duritz – vocals, piano, loo bells
David Bryson – electric and acoustic guitars, slide guitars, 12-string electric guitar


Gastmusiker:

David Immerglück – bass, pedal steel, electric guitar, kt mandolin
Clay Jones – acoustic and electric guitar, mandolin
David Lowery – kt b/v
Dennis Herring – baby keys, loops
Chris Seefried – chorus backing vocals
Gretchen Rosenblatt, Jennifer McComb, Heather McComb, Cinjun Tate, Cedric LeMoyne, Cindy Butler, Jeffrey Cain, Greg Slay, Adam Hamilton, Chris Seefried, Gary DeRosa, Craig Ruda, Ben Mize, Tony Moore, Teri Polo, Jen Keohane, Eddie Mills, Susan Johnson, Dan Vickrey, David Bryson, Charlie Gillingham – hand claps
Nathan Fillion, Bonnie Sommerville – honorary clapping
David Lowery, Adam Duritz, Ben Mize, Dan Vickrey – drunken backing vocals
Chris Seefried, Gary DeRosa, Cinjun Tate, Adam Duritz, Dan Vickrey, Charles Gillingham – only semi-drunken juice backing vocals
David Campbell – additional arrangement and orchestration, strings conduction
Joel Derouin, Eve Butler – violins
Matt Funes – viola
Larry Corbett – cello


Label: Geffen Records


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Rock


Trackliste:

1. Hanginaround (4:07)
2. Mrs. Potter’s Lullaby (7:46)
3. Amy Hit The Atmosphere (4:37)
4. Four Days (3:28)
5. All My Friends (4:49)
6. High Life (6:21)
7. Colorblind (3:24)
8. I Wish I Was A Girl (5:54)
9. Speedway (3:44)
10. St. Robinson In His Cadillac Dream (15:40)




1999 veröffentlichten die Counting Crows ihr drittes Studioalbum mit dem Titel „This Desert Life“. Und wie immer kann man beim Kauf eines Albums dieser amerikanischen Band aus Seattle eigentlich nichts falsch machen, wenn man auf gut gemachte Rockmusik steht. Und somit besticht auch „This Desert Life“ wieder mit schönen Melodien und tollen Texten. Alles ist rund, passt zusammen, ist mal ein wenig nachdenklicher, ein anderes Mal ein bisschen treibender.

Ein völlig unaufgeregtes Album ist den sechs Musikern aus Seattle hier gelungen. Kein schlechtes Stück versteckt sich unter den zehn Titeln des Albums, wenn auch so ein Übersong wie „Mr. Jones“ aus dem Debut-Album „August and Everything After“ fehlt. Aber mit „Mrs. Potter’s Lullaby“ ist auch hier eine schöne treibende Nummer enthalten, die sofort ins Ohr geht und dort auch länger verbleibt. Das Gegenstück dazu, zumindest bezüglich des Tempos, ist „Colorblind“. Eine unglaublich sentimentale bis melancholische Nummer, nur ganz zart instrumentiert und hier passt der so zerbrechlich wirkende Gesang des Adam Duritz einfach nur perfekt. Eine richtig schönes und verträumtes Lied, der Höhepunkt des Albums.

Auch die restlichen Stücke sind, wie bereits erwähnt, allesamt nett anzuhören. Wer auf ruhige und aufdringliche Musik steht, der wird hier viel Spaß haben. Und da wären wir aber auch gleich bei der Einschränkung dieses Albums. Alles ist irgendwie ruhig, ist unaufgeregt, gerade so, als ob den Liedern wenig Beachtung zuteil werden sollte. Denn so plätschert das Album vor sich hin, bis der letzte Song ertönt, der dieses Mal sogar zwei Hidden Tracks beinhaltet, von dem der erste nicht weiter erwähnenswert ist, der zweite nur noch aus Stimmengewirr und ein wenig Trommeln besteht - man kann ein wenig Studioatmosphäre schnuppern.

Fazit: Solche Platten braucht es. Mit solchen Alben kann man perfekt Abstand gewinnen. Vom stressigen Alltag, von nervenden Autofahrten oder aber von einer zu lauten Umwelt. Das Album unterhält und begleitet irgendwie, legt meist mehr Wert auf die leiseren Töne und hält dazu noch ein paar Highlights parat. Das ganze Album ist nicht so, dass es einen vom Stuhl haut, dass es wohl das Lieblingsalbum vieler Menschen ist oder werden wird. Aber „This Desert Life“ ist beileibe auch nicht schlecht. Es läuft mit, unterhält und ist neun Punkte wert.

Anspieltipps: Mrs. Potter’s Lullaby, Colorblind, I Wish I Was A Girl



Montag, 11. Juni 2012

Nico – Chelsea Girl





Nico – Chelsea Girl


Besetzung:

Nico – vocals


Gastmusiker:

Jackson Browne – electric guitar (1, 2, 7, 8, 10)
Lou Reed – electric guitar (3, 5, 6, 9)
John Cale – viola, organ, guitar (3, 4, 5)
Sterling Morrison – electric guitar (6, 9)
Tom Wilson – producer
Larry Fallon – string and flute arrangements


Label: PolyGram Records


Erscheinungsdatum: 1967


Stil: Pop


Trackliste:

1. The Fairest Of The Seasons (4:09)
2. These Days (3:33)
3. Little Sister (4:26)
4. Winter Song (3:21)
5. It Was A Pleasure Then (8:05)
6. Chelsea Girls (7:25)
7. I’ll Keep It With Mine (3:20)
8. Somewhere There’s A Feather (2:20)
9. Wrap Your Troubles In Dreams (5:10)
10. Eulogy Of Lenny Bruce (3:46)




Die Deutsche Christa Päffgen, besser bekannt als Nico, war Model in Paris, bis es sie in die USA verschlug, dort Andy Warhol kennenlernte und schließlich ein Teil von Velvet Underground wurde. Musikalisch hatte sie dabei nur wenig hinzuzusteuern, es war ihre Stimme, die sie zeitweise Teil dieser Band werden ließ.

Und ihre Stimme ist auch das beherrschende Element auf dem Album „Chelsea Girl“, wobei die Musik und die Texte von Lou Reed, John Cale, Sterling Morrison, Tim Hardin, Jackson Browne, Bob Dylan und Gregory Copeland stammen. Nur am Entstehungsprozess des über acht minütigen und sehr experimentellen Stücks „It Was A Pleasure Then“, war Nico aktiv beteiligt. Es ist allerdings nicht die Musik selbst, es ist diese Stimme Nicos, dieser so sentimentale, melancholische Alt, der die einzelnen Stücke des Albums zu dem werden lässt, was sie letztendlich sind: Traurige Lieder. Tieftraurige Lieder, welche sie zu singen so liebte, um eins zu werden mit den Noten und mit der davon ausgehenden Stimmung.

Nun die Stimme ist wirklich beeindruckend in ihrer Düsterness und Tiefe. Und dass man ihren deutschen Akzent noch sehr gut heraushört, rundet das Bild dieser Christa Päffgen erst so richtig ab. Irgendwie wirkt die Musik dadurch noch ein wenig trauriger, noch verzweifelter. Womit wir bei der Musik wären. Diese ist natürlich ebenfalls überaus melancholisch und sentimental gehalten und immer wieder mit vielen Streichern unterlegt - beziehungsweise ausschließlich mit diesen instrumentiert. Dazu kommen dann noch ein paar Flöten, um den Gesamteindruck noch ein wenig klassischer abzurunden. Aber hier liegt auch der Haken in der Musik von Nico auf „Chelsea Girl“. Nach einer gewissen Zeit fängt diese Stimmung an zu nerven. Diese Komposition aus orchestralen Instrumenten, gefühlsschweren Melodien und dieser dunklen Stimme geht einen auf den Zeiger und man möchte hinausgehen, die Sonne und den blauen Himmel sehen und all das Glück dieser Welt ins sich aufsaugen, um einen Gegenpol zu bilden.

Die Lieder sind, bis auf das bereits erwähnte „It Was A Pleasure Then“, alle ziemlich ähnlich gehalten und verbreiten diese düstere Atmosphäre. Nur bei diesem einen Lied kommt es zu einer Variation der Stimmung. Hier wird es experimentell und abgefahren und man hört deutlich die Musik von Velvet Underground heraus. Auch ist die Instrumentierung hier eine andere, was das Stück, trotz seiner atonalen Abschnitte, zu einer angenehmen Abwechslung des Albums werden lässt.

Fazit: Man hört dem Album nicht unbedingt sein Alter an. 1967 ist es entstanden, es ist allerdings in keinster Weise „typisch“ für die damalige Zeit. „Chelsea Girl“ von Nico ist ein Erlebnis, etwas ganz anderes als „normale“ Pop- oder Rock-Musik. Die Hörer werden es lieben – oder aber hassen, da sie mit dieser Stimmung und Stimme so gar nichts anfangen können. Ich bin ebenfalls von dieser Zusammenstellung spätestens bei Lied Nummer 10 genervt. Trotzdem gibt es für „Chelsea Girl“ neun Punkte. Denn eins kann man diesem Album wahrlich nicht absprechen, nämlich das, etwas Besonderes und Außergewöhnliches zu sein. Und wenn man es nicht zu oft hört, kann es einen auch packen und in seinen Bann ziehen. Für was wurde sonst der November erschaffen, wenn nicht für diese Platte? Nein, umgekehrt!

Anspieltipps: Winter Song



Sonntag, 10. Juni 2012

The Alan Parsons Project – Eye In The Sky





The Alan Parsons Project – Eye In The Sky


Besetzung:

Alan Parsons – failight, backing vocals, keyboards, linn drum machine
Eric Woolfson – keyboards, vocals, wurlitzer, backing vocals
Haydn Bendall – keyboards
Ian Bairnson – electric and acoustic guitars, pedal steel guitar, backing vocals
Stuart Elliott – drums, percussion
David Paton – bass, vocals
Andrew Powell – orchestral arrangements, piano
Chris Rainbow – vocals, backing vocals
John Wallace – piccolo trumpet
The English Chorale – choir
Bob Howes – choirmaster
Lenny Zakatek – vocals, backing vocals
Elmer Gantry – vocals
Jack Harris – backing vocals
Colin Blunstone – vocals
Mel Collins – saxophone


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Pop


Trackliste:

1. Sirius (1:55)
2. Eye In The Sky (4:36)
3. Children Of The Moon (4:51)
4. Gemini (2:10)
5. Silence And I (7:21)
6. You're Gonna Get Your Fingers Burned (4:22)
7. Psychobabble (4:53)
8. Mammagamma (3:35)
9. Step By Step (3:54)
10. Old And Wise (5:05)


Bonus Tracks:

11. Sirius (Demo) (1:56)
12. Old And Wise (Eric Woolfson Vocal) (4:35)
13. Any Other Day (Studio Demo) (1:42)
14. Silence And I (Eric Woolfson Vocal) (7:34)
15. The Naked Eye (10:49)
16. Eye Pieces (Classical Naked Eye) (7:51)




Irgendwie hat das Alan Parsons Project mit ihrer sechsten Veröffentlichung noch mal einen Schritt in die falsche Richtung getan. Nein, keinen allzu großen, aber immerhin. Hier gibt es sie wieder, so unsägliche Songs wie „Step By Step“, eine komisch geartete Disco-Funk-Nummer, bei der man sich nur noch fragt: „Was soll das?“ Oder aber das Pop-Lied „Children Of The Moon“. Unglaublich langweilig und absolut belanglos. Und ebenfalls beim „Rocker“ „You're Gonna Get Your Fingers Burned“ braucht man Nerven wie Drahtseile, um beim Hören nicht die Aus-Taste der Stereoanlage zu drücken. Auch bei diesem Stück passt das Siegel: Total langweilig bis nervig. „Old And Wise“ ist orchestral instrumentiert und so ein typischer Alan Parsons Project Schmachtfetzen. Solche Musik muss man mögen, oder ... Mir ist das eindeutig zu glitschig.

Aber, es gibt auch die besseren Lieder auf „Eye In The Sky“, dem Album, welches sich thematisch mit dem Thema „Überwachung“ auseinandersetzt. „Sirius“, der Opener ist gleich ein schönes Beispiel dafür. Diese elektronische Instrumentalnummer pulsiert und weiß zu begeistern. Eingängig aber in keinster Weise platt. Das Stück geht ohne Pause in den Titeltrack „Eye In The Sky“ über. Auch wieder eine sehr melodiöse Nummer, die allerdings durchaus das Potential hat, nach mehrmaligem Hören zu nerven. Bei manchem Hörer passiert dies allerdings gewiss auch schön beim ersten Kontakt, da es sich hier um doch relativ seichten Pop handelt. „Gemini“ ist dagegen so ein Beißer. Zwar klingt dieser Song ebenfalls überaus lieblich, ist mit seinen mehrstimmigen Gesängen allerdings sehr gut arrangiert. Das Lied lebt von der Atmosphäre, die es vermittelt. Wahrlich kein Höhepunkt im Schaffen des Alan Parsons Projects, allerdings mal was anderes, außergewöhnlicheres.

„Silence And I“ ist mit etwas mehr als sieben Minuten das längste Stück des Albums. Auch hier fängt alles so zuckersüß und fast schon schleimig an, aber das Stück hat dann einen mitreißenden Mittelteil. Einen Instrumentalpart, hauptsächlich orchestral instrumentiert, der überaus gelungen ist. Zu oft kann man den allerdings wohl ebenfalls nicht hören, denn die Assoziationen zu „Rondo Veneziano“ kommen irgendwie zwangsläufig auf. Und so etwas muss man dann eben auch mögen – oder eben nicht. Bei „Psychobabble“ hat sich die Band Mühe gegeben, um auch irgendwie „psycho“ zu klingen. Elmer Gantry hat dies mit seinem Gesang ganz gut hinbekommen. Das Lied ist wieder eine etwas flottere Nummer bei der auch die weiteren Gesangs-Arrangements gefallen können.

„Mammagamma“ ist erneut ein Instrumentalstück in bester Alan Parsons Project Manier. Hier groovt und pulst es wieder. Das Lied könnte eine gute Hintergrundbegleitung zu Filmszenen darstellen, die sich mit dem Reisen oder Fahren befassen. Diese Assoziationen steigen zumindest bei mir beim Hören auf.

Schön ausgestattet ist die remasterte Version mit einigen Bonustracks. Besonders zu empfehlen sind hier „The Naked Eye“ und „Eye Pieces (Classical Naked Eye)“. Das sind instrumentale Medleys mit den Stücken des Albums. Schön gemacht.

Fazit: Von dem Alan Parsons Project, welches noch auf den ersten Platten zu hören war, von dem ist nicht mehr viel übrig geblieben. Viel zu oft hört man hier nur noch seichten Pop, der sich sicherlich gut verkaufen lässt, allerdings überaus anspruchslos ist. Das ist Musik zum „Nebenbei-Hören“, großartige Aufmerksamkeit bedarf es hier beim Hören nicht mehr. Zumindest meistens nicht. Ein paar ganz nette Ansätze sind noch da, aber das war es dann auch schon. Schade. Nur Ansätze reichen für maximal fünf Punkte.

Anspieltipps: Sirius, Gemini, Silence And I, Psychobabble, Mammagamma, The Naked Eye, Eye Pieces (Classical Naked Eye)



Samstag, 9. Juni 2012

The Killers – Sawdust





The Killers – Sawdust


Besetzung:

Brandon Flowers – vocals, keyboards, bass
Dave Keuning – lead-guitar, backing vocals
Mark Stoermer – bass, rhythm-guitar, backing vocals
Ronnie Vannucci – drums, percussion


Gastmusiker:

Lou Reed – guitar, vocals
Mpho Manye – background vocals
Tamara Robinson – background vocals
Journi Gallwey – background vocals
Carlos Ricketts – vocal contractor
Andy Savours – additional guitars


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Pop, Rock, Alternative


Trackliste:

1. Tranquilize (3:45)
2. Shadowplay (4:07)
3. All The Pretty Faces (4:46)
4. Leave The Bourbon On The Shelf (3:39)
5. Sweet Talk (4:19)
6. Under The Gun (2:34)
7. Where The White Boys Dance (3:26)
8. Show You How (2:46)
9. Move Away (3:50)
10. Glamorous Indie Rock And Roll (4:17)
11. Who Let You Go? (3:43)
12. The Ballad Of Michael Valentine (3:50)
13. Ruby, Don't Take Your Love To Town (3:05)
14. Daddy's Eyes (4:15)
15. Sam's Town (3:45)
16. Romeo And Juliet (5:28)
17. Mr. Brightside / Questions With The Captain (10:40)




Das dritte Album der Killers, “Sawdust” erschien im November 2007 und ist im Grunde genommen gar kein „richtiges“ drittes Album, denn es ist gefüllt mit B-Seiten, Raritäten und Cover-Versionen. Somit passt der Titel eigentlich perfekt, „Sawdust“, oder auf Deutsch „Sägespäne“. Diese sind angefallen hauptsächlich beim Produzieren der ersten beiden Alben „Hot Fuss“ und „Sam’s Town“. Und wenn man Sägespäne ordentlich presst und verkleistert, dann kann man noch jede Menge daraus bauen.

Aber „Abfall“, wie man vielleicht bei dem Titel des Albums vermuten könnte, ist hier wahrlich nicht zu hören. Das belegt gleich die erste Nummer. Denn das Album startet mit „Tranquilize“, einem Song, bei dem Lou Reed einige Gesangsparts übernommen hat und der gleichzeitig eines der besten, wenn nicht das beste Lied im Songkatalog der Killers darstellt. Allein schon wegen diesem Stück lohnt der Kauf der CD. Ein toller und mitreißender Ohrwurm, klasse arrangiert mit Kinderchor und mehrstimmigen Gesang. Ein richtig gutes Rocklied und zweifelsohne der absolute Höhepunkt dieser Zusammenstellung.

Auch die drei auf „Sawdust“ enthaltenen Cover-Versionen können sich sehen beziehungsweise hören lassen. Das gilt für „Shadow Play“ von Joy Division, genauso wie für den Country Klassiker „Ruby, Don't Take Your Love To Town”, von Mel Tillis geschrieben und durch Kenny Rogers bekannt geworden. Und auch die Version von “Romeo And Juliet” von den Dire Straits ist gelungen. Alle drei Stücke sind toll umgesetzt und auf die Killers und ihren Sound adaptiert worden.

Aber wegen diesen drei Nummern würden wohl nur wenige Musikfreunde oder nur eingefleischte Killers-Fans dieses Album kaufen. Doch als Grund zur Investition gibt es auf „Sawdust“ noch jede Menge anderer Stücke. Zum Teil sind dies Variationen von Liedern, die bereits auf „Hot Fuss“ und „Sam’s Town“ („Glamorous Indie Rock And Roll“, „Sam's Town“, „Mr. Brightside“) enthalten sind. Oder aber es sind Stücke, die es nicht auf die beiden bereits erwähnten Platten geschafft haben. Nun, wenn diese Nummern die „Ausschussware" der Killers darstellen, so bleibt festzustellen, dass sicherlich sehr viele Bands über solches Songmaterial auf regulären Alben dankbar wären.

Man merkt den Titeln zwar an, dass sie nicht stringent, das heißt, während einer Schaffensperiode entstanden sind, jedoch ist das, was hier letztendlich zu hören ist, beileibe keine schlechte Pop- oder Rockmusik. Vielmehr hört man hier unterschiedliche Musikstile vereint unter der Überschrift „The Killers“, die durch den Gesang Brandon Flowers‘ auch unverwechselbar Stücke dieser Band werden. Ein zweites „Tranquilize“ findet sich zwar nicht, jedoch jede Menge Killers-Lieder, die durchaus gefallen können und nicht wirklich gegenüber den regulären Stücken auf „Hot Fuss“ und „Sam’s Town“ abfallen.

Fazit: Wer auf gut gemachte Pop- bis Rockmusik steht, der kann hier getrost zugreifen. Wer die Killers mag, der kann an dieser Zusammenstellung sowieso nicht vorbeigehen. „Abfallmaterial“ hört sich meist anders an, längst nicht so wie hier auf „Sawdust“. Ein sogenannter „Übersong“ befindet sich mit „Tranquilize“ auch auf der Platte. Das restliche Material ist gut gemachter Durchschnitt, ohne großartige Ausfälle. Acht Punkte.

Anspieltipps: Tranquilize



Freitag, 8. Juni 2012

Stefanie Hertel – Stärker als die Freiheit




Stefanie Hertel – Stärker als die Freiheit


Besetzung:

Stefanie Hertel – Gesang


Gastmusiker:

Jean Frankfurter – sämtliche Keyboards und Programming
Johan Daansen – Gitarren
Karena Schönberger – Chor
Franco Leon – Chor
Rainer Marz – Chor


Label: Koch Music


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Schlager


Trackliste:

1. Ganz einfach was Verrücktes tun (3:12)
2. Männer woll'n immer nur dein Bestes (2:53)
3. Stärker Als Die Freiheit (3:49)
4. Wenn nicht du, wer dann (3:20)
5. Wer rettet mich vor deinem Lächeln (3:36)
6. Lieber Gott, mach mal die Augen zu (3:34)
7. Aber Niemals Ohne Dich (3:20)
8. Gefühle sind der Atem dieser Welt (3:19)
9. Und Wunder Gibt Es Doch (3:25)
10. Zärtlichkeit In Kleinen Raten (3:48)
11. Ein kleiner Kuss (sagt mehr als 1000 Worte) (2:56)
12. Leben, Lieben, Träumen (3:10)
13. Hitmedley (5:34)

Gesamtspieldauer: 46:02



Es lohnt sich wahrlich nicht großartig Worte über das zwölfte Studioalbum der Stefanie Hertel zu verlieren. „Stärker als die Freiheit“ heißt es und es erschien im Jahr 2008 auf dem Plattenlabel Koch Music. Darauf zu hören ist nichtssagende Schlagermusik, die synthetisch klingt, hauptsächlich vom Synthesizer generiert wird und sich unglaublich langweilig anhört.

Erneut hat Jean Frankfurter, der eigentlich Erich Ließmann heißt, zugeschlagen und die dreizehn grausamen Titel komponiert. Bei den Texten tritt Irma Holder, die sich normalerweise für keine Peinlichkeit zu schade ist, dieses Mal in den Hintergrund. Lediglich die Texte zum Medley am Ende der Platte hat sie zu verantworten. Leider wird es ohne sie auch nicht besser, praktisch alles dreht sich um das Thema Liebe und Bernd Meinunger steuerte die meisten Zeilen bei. Der Text des Titellieds stammt allerdings von Dagmar Obernosterer und die ersten vier Zeilen möchte ich davon gerne hier wiedergeben. Zitat: „Stärker als die Freiheit – Kann die Liebe sein – Und nach vielen bunten Träumen – Bist Du endlich daheim“. Klar, es wird nicht erwähnt, was hier eingeworfen wurde, um die bunten Träume zu erzeugen, es muss allerdings die Hammerdroge gewesen sein, um diese Worte wirklich verfassen zu können.

Fazit: Man denkt immer, es geht nicht schlimmer. Irrtum. „Stärker als die Freiheit“ gehört definitiv mit zum Schlechtesten des Schlechten, was die deutsche Musikindustrie jemals erzeugt hat. Alles klingt gleich, hört sich durch den Schlagzeug-Computer zum Davonlaufen an und wurde dazu noch mit zum Teil ganz schlimmen Texten versehen. Ja, „Stärker als die Freiheit“ ist schlecht, ganz, ganz schlecht. Null Punkte.

Anspieltipps: Leben, Lieben, Träumen



Donnerstag, 7. Juni 2012

Opeth – Damnation





Opeth – Damnation


Besetzung:

Michael Åkerfeldt – vocals, guitars
Martin Lopez – drums and percussion
Peter Lindgren – guitars
Martin Mendez – bass guitars


Gastmusiker:

Steven Wilson – grand piano, mellotron, fender rhoades, backing vocals


Label: Sony BMG


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Windowpane (7:44)
2. In My Time Of Need (5:50)
3. Death Whispered A Lullaby (5:50)
4. Closure (5:16)
5. Hope Leaves (4:30)
6. To Rid The Disease (6:21)
7. Ending Credits (3:39)
8. Weakness (4:09)




Von Opeth ist man eigentlich harte Töne gewöhnt - meist sogar die ganz harten. Völlig anders präsentiert sich die Band aus Schweden jedoch auf ihrem 2003 veröffentlichten Album „Damnation“. Hier gibt es kein „Growling“ mehr zu hören, hier wird das Thema „Metal“ noch nicht einmal mehr gestreift. Dafür gibt es auf „Damnation“ jede Menge „stillere“ beziehungsweise ruhigere Momente zu kosten ohne, dass das Album allerdings auch nur einen Moment Gefahr läuft seicht oder schnulzig zu klingen. Ganz im Gegenteil, „Damnation“ packt einen vom ersten Ton an, tischt dem Hörer wunderschöne Melodien auf und variiert diese in Harmonie, Rhythmus und Tempo, sodass die Platte immer wieder auch in der progressiven Rockecke anzusiedeln ist. Das alles mag nicht weiter verwundern, da sich Steven Wilson, der Frontmann von Porcupine Tree, neben Opeth als Co-Produzent des Albums ausweist und die Platte auch abmischte. Die Musik stammt aus der Feder von Sänger und Gitarrist Michael Åkerfeldt, genau wie die Texte. Nur bei „Death Whispered A Lullaby“ steuerte Steven Wilson selbst die Lyrics hinzu.

Die Musik auf „Damnation“ ist überaus eingängig, ohne dabei platt zu wirken. Der Hörer wird umspielt mit wunderschönen Melodien, kann sich von Taktwechseln überraschen lassen oder aber in einen breiten Mellotron-Teppich eintauchen. All das wird auf „Damnation“ geboten, nur die Head-Banging-Fraktion kommt auf dieser Scheibe, wie bereits erwähnt, nicht zu ihrem Recht. In keinem einzigen Moment.

Einzelne Lieder aus diesem Werk herauszuheben würde den anderen, dann nicht erwähnten Songs, nicht mehr gerecht werden, denn Ausfälle gibt es auf der Platte nicht wirklich. Lediglich die letzten beiden Stücke, von denen „Ending Credits“ ein Instrumentalstück ist, kommen nicht ganz an die Klasse der ersten sechs Stücke heran – ohne dabei jedoch schlecht zu sein, vielleicht nur etwas langweiliger, irgendwie nicht ganz so einnehmend. Sonst passt alles zusammen, jeder Song hat sein „gewisses Etwas“ und weiß auf seine Art und Weise zu gefallen. Und so erzeugt „Damnation“ beim Hörer eine süße Melancholie, die ihre Kraft nicht nur an kühlen Novembertagen entfalten kann.

Fazit: Ein richtig überzeugendes Album ist der schwedischen Heavy Metal Band mit Hilfe des Briten Steven Wilson hier gelungen – auch wenn hier nichts nach Heavy Metal klingt. „Damnation“ klingt dagegen immer wieder progressiv, ohne dabei retro zu sein. „Damnation“ klingt immer wieder progressiv, ohne dabei zu verspielt oder „frickelig“ zu sein. „Damnation“ klingt immer wieder progressiv und das richtig gut. Ähnlichkeiten im Sound zu Porcupine Tree oder Steven Wilson Solo sind nicht zu überhören. Hier passen die Vergleiche allerdings immer nur zu den ruhigeren Stücken. Und wer mit dieser Musik ohne die „Metal-Anteile“ etwas anfangen kann, der wird mit „Damnation“ von Opeth bestens unterhalten werden. Eines der guten Alben des Jahres 2003. Elf Punkte.

Anspieltipps: Windowpane, To Rid The Disease - sowie die anderen sechs Titel.



Mittwoch, 6. Juni 2012

Blue October – Foiled





Blue October – Foiled


Besetzung:

Justin Furstenfeld – vocals
Jeremy Furstenfeld – drums
Ryan Delahoussaye – violin
CB Hudson – guitar
Matt Noveskey – bass


Gastmusiker:

Zayra Alvarez – backing vocals
Imogen Heap – backing vocals
Kirk Baxley – backing vocals
Sarah Donaldson – cello


Label: Universal Records


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Rock, Alternative


Trackliste:

1. You Make Me Smile (4:21)
2. She’s My Ride Home (4:42)
3. Into The Ocean (4:00)
4. What If We Could (4:03)
5. Hate Me (6:20)
6. Let It Go (4:03)
7. Congratulations [f. Imogen Heap] (4:01)
8. Overweight (4:24)
9. X Amounts Of Words (4:15)
10. Drilled A Wire Through My Cheek (4:32)
11. Sound Of Pulling Heaven Down (4:43)
12. Everlasting Friend (4:06)
13. 18th Floor Balcony (11:15)




Ein richtig gutes Album ist den Musikern der amerikanischen Band aus Texas, Blue October, da im Jahr 2006 gelungen. Überaus eingängigen Rock bekommt der geneigte Zuhörer auf „Foiled“, dem vierten Studioalbum, kredenzt. Rock-Musik, die nie langweilig wird und immer wieder mit schönen Harmonien und Melodien aufwartet.

Geschrieben wurden die Songs alle von Justin Furstenfeld, der sich beim Komponieren nur manchmal die Unterstützung seiner Bandkollegen oder externer Musiker sicherte. Bei neun der vierzehn Stücke ist er der alleinige Autor. In den Texten verarbeitet er dabei immer wieder seine Depressionen, an denen er seit Kindheitstagen leidet und die ihn bereits mehrmals in diverse Kliniken führten.

Die Musik auf „Foiled“ ist richtig gut und kann den Zuhörer packen. Manchmal melancholisch, manchmal treibend, immer jedoch abwechslungsreich und niemals langweilig oder oberflächlich. Und gerade die Abwechslung, die dem Hörer hier präsentiert wird, macht einen großen Pluspunkt des Albums aus. Auf „Foiled“ fließen die Stile Pop, Rock und Hard Rock immer wieder ineinander über. Und das nicht nur von Lied zu Lied, sondern auch in den einzelnen Stücken selbst. Das Ganze wirkt jedoch nicht konstruiert oder aufgesetzt, sondern vielmehr gewachsen und zwar so, als ob es gar nicht anders sein könnte. Richtig „hart“ wird es dabei allerdings nur selten, sodass knallharte Metal-Fans wohl nicht die richtige Zielgruppe des Albums sind.

Aber sonst ist wohl für jeden Rock-Fan etwas dabei. Das fängt gleich mit dem ersten Stück „You Make Me Smile“ an. Sofort ein Höhepunkt des Albums. Das Lied ist eine schöne treibende Rocknummer, die zum Mitwippen animiert und bereits beim ersten Hören so wirkt, als ob man das Stück schon jahrelang kennen würde. „She’s My Ride Home” und “Into The Ocean” sind eingängige Pop-Rock-Nummern, wohingegen “What If We Could” wieder deutlich mehr in der Rock-Sparte beheimatet ist. Hier findet man ihn dann auch wieder, diesen treibenden Beat, der Rock Fans ein Lächeln auf die Lippen zaubert.

“Hate Me“, Lied Nummer fünf des Albums, wurde sogar als Single veröffentlicht und ist ein schöner, gitarrenlastiger Track, der über einen Refrain verfügt, der dieses Mal zum Mitgröhlen einlädt. Ganz anders gibt sich dann „Let It Go”. Fast schon ein wenig psychedelisch wirkt diese sanfte Nummer, die ebenfalls sofort ins Ohr geht. Besonders gut kommt hier auch Ryan Delahoussayes Violinenspiel zur Geltung. Ganz klar ebenfalls ein Höhepunkt des Albums.

Und die Abwechslung wird auch bei den weiteren Nummern des Albums groß geschrieben. Bei “Congratulations [f. Imogen Heap]“ holt sich Justin Furstenfeld beim Gesang weibliche Unterstützung. Ein insgesamt sehr ruhiger Song mit einem überaus eingängigen Refrain, der sofort hängenbleibt. „Overweight“ hingegen startet mit spanischen Gitarren und entwickelt sich zu einer überaus rhythmischen Nummer, die von einer, fast schon als Sprechgesang zu bezeichnenden Gesangsspur, angetrieben wird. Und bei „X Amounts Of Words“ bleibt es zwar rhythmisch, der Stil des Liedes bewegt sich allerdings zwischen Pop und fast schon Synthie Pop.

Sehr viel düsterer wird es dann mit „Drilled A Wire Through My Cheek“, bis das Lied schließlich richtig loskracht. Zu Beginn ist alles so zurückhaltend, vom Gesang wie von der Instrumentierung her, um dann sowohl von der Lautstärke und Geschwindigkeit zu wachsen. „Sound Of Pulling Heaven Down” startet mehrstimmig und entwickelt sich im weiteren Verlauf zu einer überaus melodiösen Rocknummer. Auffällig hier erneut, wie die Band um Justin Furstenfeld es immer wieder schafft, Musik zu präsentieren, die eingängig ist, ohne oberflächlich zu sein, die einfach passt und hängenbleibt. Das wiederum hat bei „Everlasting Friend” nicht ganz so hingehauen. Die Nummer ist zwar ebenfalls ganz nett anzuhören, dieses gewisse Etwas, welches hängenbleibt, das geht dem Stück allerdings ab. Bliebe noch „18th Floor Balcony” inklusive Hidden Track, denn über elf Minuten ist das Lied nicht lang. Das Stück ist eine ganz ruhige Nummer, ein wenig schwebend und abgehoben, ein ganz zarter Ausklang dieses Albums, bei dem die Violine wieder ihren großen Auftritt hat. Bei 4:30 ist dann Schluss und ab 6:33 geht es dann zunächst mit einigen ganz leisen Hintergrundstimmen weiter. Und auch dieser Hidden Track ist ein leises und richtig gutes Stück, instrumentiert lediglich mit Piano und Gesang - ein wahrlich würdiger Abschluss für dieses Album.

Fazit: Eine schöne und abwechslungsreiche Platte haben die fünf Mannen aus Texas da 2006 vorgelegt. „Foiled“ ist ein Album geworden, auf der es jede Menge unaufgeregte, aber gute Musik zu hören gibt. Dazu befinden sich noch ein paar richtig klasse Stücke auf dieser Scheibe und nur ganz wenige Ausreißer nach unten. Klar ist es kein Überalbum, aber Zuhören macht hier jede Menge Spaß. Zehn Punkte mit Tendenz nach oben.

Anspieltipps: You Make Me Smile, What If We Could, Hate Me, Let It Go, 18th Floor Balcony