Samstag, 8. März 2014

The Beatles – Revolver




The Beatles – Revolver


Besetzung:

John Lennon – lead, acoustic and rhythm guitars, lead, harmony and backing vocals, piano, hammond organ and harmonium, tape loops and sound effects, cowbell, tambourine, maracas, handclaps, finger snaps
Paul McCartney – lead, acoustic and bass guitars, lead, harmony and backing vocals, piano, clavichord, tape loops, sound effects, handclaps, finger snaps
George Harrison – lead, acoustic and rhythm guitars, bass, lead, harmony and backing vocals, sitar, tamboura, sound effects, maracas, tambourine, handclaps, finger snaps
Ringo Starr – drums, tambourine, maracas, handclaps, finger snaps, lead vocals on "Yellow Submarine"


Gastmusiker:

Anil Bhagwat – tabla on "Love You To"
Alan Civil – french horn on "For No One"
Brian Jones – background vocals on "Yellow Submarine"
Donovan – background vocals on "Yellow Submarine"
Geoff Emerick –tape loops of the marching band on "Yellow Submarine"
George Martin –piano on "Good Day Sunshine" and "Tomorrow Never Knows"; hammond organ on "Got to Get You Into My Life"; tape-loops of the marching band on "Yellow Submarine"
Mal Evans – bass drum and background vocals on "Yellow Submarine"
Marianne Faithfull – background vocals on "Yellow Submarine"
Neil Aspinall – background vocals on "Yellow Submarine"
Pattie Boyd – background vocals on "Yellow Submarine"
Tony Gilbert – violin
Sidney Sax – violin
John Sharpe – violin
Jürgen Hess – violin
Stephen Shingles – viola
John Underwood – viola
Derek Simpson – cello
Norman Jones – cello
Eddie Thornton – trumpet
Ian Hamer – trumpet
Les Condon – trumpet
Peter Coe – tenor saxophone
Alan Branscombe – tenor saxophone


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 1966


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Taxman (2:39)
2. Eleanor Rigby (2:08)
3. I'm Only Sleeping (3:02)
4. Love You To (3:01)
5. Here, There And Everywhere (2:26)
6. Yellow Submarine (2:40)
7. She Said She Said (2:37)
8. Good Day Sunshine (2:10)
9. And Your Bird Can Sing (2:02)
10. For No One (2:02)
11. Doctor Robert (2:15)
12. I Want To Tell You (2:30)
13. Got To Get You Into My Life (2:31)
14. Tomorrow Never Knows (2:57)

Gesamtspieldauer: 34:59




Einiges ist an diesem siebten Album der Beatles ist bemerkenswert. Zum einen ist es das erste Album, welches im Veröffentlichungsjahr nicht noch von einem Zweiten begleitet wurde, da die Beatles seit 1963 jedes Jahr zwei Studio-Alben veröffentlichten. Dies wiederum ist wohl darin begründet, dass die Kompositionen immer ausgefeilter wurden und die Beatles sich sehr mit der Umsetzung des Sounds beschäftigten und auch wesentlich mehr Zeit dafür investierten. Es gibt nun nicht nur wie bei „Eleanor Rigby“ gleich ein ganzes Orchester zu hören, Bläser haben ihren Einsatz, es werden rückwärts laufende Tonbänder verwendet und die Sitar des George Harrison wurde nun noch ein wesentlich größerer Spielraum eingeräumt. Zudem ist George Harrison auf der Platte sogar mit drei Kompositionen vertreten.

Angeblich bezeichnete John Lennon den Vorgänger „Rubber Soul“ als Pot-Album, bei dem die vier Musiker ordentlich einen geraucht hatten. „Revolver“ sei dagegen das „Acid-Album“, die Band hatte angefangen mit LSD zu experimentieren. Und wenn man sich die Platte so durchhört, dann wird der Weg der Band hin zum Psychedelic Rock offensichtlich, beziehungsweise besser ausgedrückt: unüberhörbar. Stellvertretend hierfür stehen die Titel „Love To You“ und „Tomorrow Never Knows“, zwei Lieder, bei denen man bewusstseinserweiternde Drogen fast heraushören kann.

Dann gibt es natürlich auch noch jede Menge Klassiker aus dem Song-Katalog der Beatles. Das bereits erwähnte „Eleanor Rigby“ ist ein wunderschönes und intensives Lied, nur mit Streichinstrumenten und Gesang versehen, dessen einziges Manko es ist, einfach zu kurz zu sein. Auch der nachfolgende Titel „I'm Only Sleeping” springt einem sofort ins Ohr. Sehr melodiös und eingängig, genau wie „For No One”, ausgestattet mit einer Melodie zum dahinschmelzen. Auch bei diesen beiden Nummern wird die sehr viel abwechslungsreichere Instrumentierung offenbar, hier gibt es nicht mehr nur Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang zu hören, sondern auch verzerrte Geräusche oder wie bei letztgenannten Titel einen sehr schönen Horn-Melodiebogen, der den Titel noch ein wenig wärmer werden lässt.

Dass die Beatles auch rockiger klingen können beweisen die mit „Doctor Robert“. Hier kommen nun wieder die Standardinstrumente des Rock zum Einsatz, man wird zum Mitwippen animiert, wobei der Rhythmus erneut in eine klasse Melodie eingebettet wurde. Ebenfalls sehr überzeugend klingt „Good Day Sunshine”, bei dem dieses Mal dem Piano eine große Rolle zufällt. Ringo Starr vollführt dieses Mal die Rolle des Sängers bei „Yellow Submarine“, einem Titel, dem ebenfalls eine gewisse Drogennähe durch versteckte Botschaften zugeschrieben wurde, was die Band allerdings verneinte. Für Paul McCartney war dies eher ein „Kinderlied“. Irgendwie klingt es zugegebenermaßen auch genau so.

Fazit: „Revolver“ ist ein sehr spannendes und abwechslungsreiches Album geworden, die Beatles sprühten nur so vor Ideen und Experimentierfreude. Wunderschöne Melodien gibt es hier zu entdecken und Psychedelic Rock, der für die damalige Zeit noch revolutionär war. Nicht weiter verwunderlich, dass die Beatles mit ihrer Musik so viele andere Bands inspirierten, denn mit „Revolver“ beschritten sie ganz neue und spannende Wege, eröffneten ein neues Kapitel in der Geschichte der Musik. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Eleanor Rigby, For No One, Tomorrow Never Knows



Freitag, 7. März 2014

Damien Jurado – Ghost Of David




Damien Jurado – Ghost Of David


Besetzung:

Damien Jurado – keyboard, reel to reel, piano and snare, vocals


Gastmusiker:

Amy E. Rockwell – vocals on “Rosewood Casket”
Rosanne Thomas – vocals on “Parking Lot”
Matthew Johnson – drums on “Paxil”
David Bazan – piano and drums on”Tonight I Will Retire”
Rose Wheeler – piano in “Rosewood Casket”


Label: Sub Pop Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Indie Folk


Trackliste:

1. Medication (4:33)
2. Desert (2:57)
3. Johnny Go Riding (3:42)
4. Great Today (2:57)
5. Tonight I Will Retire (5:09)
6. Ghost Of David (2:34)
7. Parking Lot (4:00)
8. Rearview (2:05)
9. Paxil (2:16)
10. Walk With Me (3:16)
11. December (4:19)
12. Rosewood Casket (2:57)
13. Ghost In The Snow (3:07)

Gesamtspieldauer: 43:52




„Ghost Of David“ heißt das dritte Album des Damien Jurado aus Seattle, USA, welches im Jahr 2000 erschien. Sehr ruhige Musik gibt es auf der Scheibe zu hören. Im Grunde genommen noch nicht mal sehr ruhige, sondern sogar absolut ruhige Musik. Meist sind die Lieder nur sehr zurückhaltend instrumentiert, mal begleitet das Piano, dann wieder die akustische Gitarre diesen ganz sanften und weichen Gesang des Damien Jurado. Die Perkussion hält sich größtenteils auch sehr zurück und wird größtenteils nur ganz leise angedeutet.

Die Musik auf „Ghost Of David“ kann man durchaus mit melodiös und harmonisch und auch eingängig umschreiben, aber fast eine dreiviertel Stunde mit manchmal wirklich bloß „Gesäusel“ können mitunter verdammt lang werden. Dabei fällt auf, dass dem Musiker der Beginn des Albums deutlich besser gelungen ist, als das Ende. Oder liegt das vielleicht daran, dass einem diese sanften Lieder mit der Zeit immer mehr auf den Senkel gehen? Nein wohl nicht, zu Beginn des Albums befinden sich eindeutig die besseren Stücke.

Da wäre gleich der Opener „Medication“ zu nennen. Sehr ruhig – aber das hatten wir schon – und wenn dann dieses kleine Xylophon einsetzt, dann verbreitet das schon eine gewisse Atmosphäre. Ebenfalls sehr gelungen ist Titel Nummer 4 „Great Today“, auch oder gerade weil er mit einem wahrnehmbaren Rhythmus ausgestattet wurde. Dazu verfügt dieses Lied über eine Melodie, die auch längerfristig hängenbleibt. Ein richtig schönes Lied. Nun, das wäre es aber im Grunde genommen eigentlich auch schon gewesen. Zwar sind die restlichen Titel ebenfalls eingängig, allerdings jedoch auch überaus langweilig. Eine Geschwindigkeit, ein langsamer Rhythmus, immer alles getragen und nachdenklich, nein das muss man nicht immer haben. Spätestens ab „Parking Lot“ wird es dann noch ein wenig schlimmer und öder und da hilft es auch nicht, dass sogar mal eine Frauenstimme zu vernehmen ist. Umso überraschender ist da schon, dass der einzige Titel des Albums, der ein wenig lauter und kraftvoller daherkommt, „Paxil“, sogar fast schon den Tiefpunkt der Scheibe darstellt. Hier will jetzt aber so gar nichts mehr zünden. Verzerrter Gesang und Bum-Bum-Tschinderassassa retten da einfach nichts mehr.

Fazit: Eigentlich macht Damien Jurado hier keine schlechte Musik, aber auf die Dauer gehört, ist das eben auch langweilige Musik. Alles klingt so furchtbar gleich, eintönig und monoton, dass man irgendwie hofft, mal wieder etwas Lebendigeres hören zu dürfen. So gibt es zwei ganz nette und überzeugende Titel auf der Platte, mit dem Rest kann man sich durchaus schwer tun. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Medication, Great Today



Donnerstag, 6. März 2014

Jethro Tull – This Was




Jethro Tull – This Was


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, flute, mouth organ, harmonica, claghorn, piano
Mick Abrahams – guitar, nine-string guitar, vocals
Glenn Cornick – bass guitar
Clive Bunker – drums


Gastmusiker:

David Palmer – french horn and orchestral arrangements


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1968


Stil: Blues Rock


Trackliste:

1. My Sunday Feeling (3:44)
2. Some Day The Sun Won't Shine For You (2:50)
3. Beggar's Farm (4:23)
4. Move On Alone (2:01)
5. Serenade To A Cuckoo (6:14)
6. Dharma For One (4:17)
7. It's Breaking Me Up (5:05)
8. Cat's Squirrel (5:44)
9. A Song For Jeffrey (3:25)
10. Round (0:58)

Gesamtspieldauer: 38:41




„This Was“ heißt das erste Album von Jethro Tull. Seltsamerweise, denn damit ging es 1968 nämlich erst los. Und um es gleich vorweg zu nehmen, die Musik auf dieser Platte hat praktisch überhaupt nichts mit der Musik zu tun, für die Jethro Tull und insbesondere Ian Anderson später stehen sollte. Auf „This Was“ gibt es so gut wie keinen Progressive Rock zu hören, sehr oft ist das lupenreiner Blues, den man hier auf die Ohren bekommt. Bestes Beispiel dafür ist das Stück „It's Breaking Me Up”. Oder vielleicht „Some Day The Sun Won't Shine For You” beziehungsweise „A Song For Jeffrey”? Oder sollte man hier lieber das etwas schnelle und instrumentale „Cat's Squirrel“ anführen?

Am ehesten hört man den späteren Sound der Band noch beim Opener „My Sunday Feeling“, „Beggar's Farm” und „Dharma For One” heraus, was allerdings nicht zuletzt am Einsatz der Querflöte liegt, die in Zukunft das Markenzeichen der Band werden sollte. Auch bei „Serenade To A Cuckoo” erhält die Querflöte viel Spielraum eingeräumt, trotzdem ist dies ebenfalls eine Blues-Nummer. Dann gibt es noch das Lied „Move On Alone”, welches sich dadurch auszeichnet, dass es nicht von Ian Anderson gesungen wurde. Eine absolute Ausnahme in der Musik von Jethro Tull. Das Stück ist eher im Pop verhaftet und klingt immerhin noch ganz interessant. Bliebe als Abschluss die kurze Piano-Blues-Nummer „Round“. Auch wenn das Stück eine ganz interessante Melodieführung – wieder aufgrund der einsetzenden Querflöte – aufweist, ist es jedoch nicht mehr als ein kurzer Abgesang des Albums.

Fazit: Ian Anderson war noch nicht der alleinige Chef bei Jethro Tull. Diesen Part musste er sich mit Mick Abrahams teilen, der aus seiner Vorliebe für Blues auch keinen Hehl machte und nach dieser Veröffentlichung die Band verließ, um sich noch mehr „seiner” Stilrichtung widmen zu können. Man ist fast geneigt anzumerken: „glücklicherweise“. Auch wenn es deutlich schlechtere Blues-Platten gibt, so stellt diese Scheibe hier nichts Besonderes dar. Eher sogar im Gegenteil, ein wenig langweilig klingt das schon. Highlights sind die Querflötenpassagen und der Titel „Beggar’s Farm“. Das war es dann allerdings leider auch schon. Schade, fünf Punkte.

Anspieltipps: Beggar's Farm, Move On Alone, Dharma For One



Mittwoch, 5. März 2014

Roger Waters – The Pros And Cons Of Hitch Hiking




Roger Waters – The Pros And Cons Of Hitch Hiking


Besetzung:

Roger Waters – bass guitar, rhythm guitar, tape effects, lead vocals


Gastmusiker:

Eric Clapton – lead guitar, backing vocals, roland guitar synthesizer
Ray Cooper – percussion
Andy Newmark – drums, percussion
David Sanborn – saxophone
Michael Kamen – piano
Andy Bown – hammond organ, 12-string guitar
Madeline Bell – backing vocals
Katie Kissoon – backing vocals
Doreen Chanter – backing vocals
The National Philharmonic Orchestra – orchestration


Label: Columbia


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Blues-Rock, Art Pop


Trackliste:

1. 4:30AM (Apparently They Were Travelling Abroad) (3:12)
2. 4:33AM (Running Shoes) (4:08)
3. 4:37AM (Arabs With Knives And West German Skies) (2:17)
4. 4:39AM (For The First Time Today, Part 2) (2:03)
5. 4:41AM (Sexual Revolution) (4:49)
6. 4:47AM (The Remains Of Our Love) (3:10)
7. 4:50AM (Go Fishing) (7:00)
8. 4:56AM (For The First Time Today, Part 1) (1:38)
9. 4:58AM (Dunroamin, Duncarin, Dunlivin) (3:04)
10. 5:01am (The Pros And Cons Of Hitch Hiking Hiking) (4:37)
11. 5:06AM (Every Strangers Eyes) (4:49)
12. 5:11AM (The Moment Of Clarity) (1:29)

Gesamtspieldauer: 42:14




„The Pros And Cons Of Hitch Hiking” ist das erste „wahre” Solo-Album des Roger Waters, da es sich bei dem 1970 entstanden Album „Music From The Body“ um eine Gemeinschaftsproduktion mit Ron Geesin handelte. Musikalisch ist die Platte dabei eine irgendwie geartete Mischung aus „The Wall“ und „The Final Cut“ von Pink Floyd, was durch die zeitliche Nähe dieser Veröffentlichungen gar nicht mal so überraschend erscheint. Roger Waters hatte geistig mit seiner Band abgeschlossen, wenn er diese auch erst ein Jahr nach „The Pros And Cons Of Hitch Hiking”, im Jahr 1985 offiziell für aufgelöst erklärte. Das dem dann doch nicht so war ist eine andere Geschichte.

„The Pros And Cons Of Hitch Hiking” ist ein Beißer. Die Musik ist zwar ähnlich den beiden letzten Pink Floyd Platten mit ihm als Bassisten und Komponisten, allerdings längst nicht so eingängig. Dazu muss man sagen, dass man hier der Musik eine gewisse Reifezeit einräumen muss. Als ich die Scheibe wenige Jahre nach dem Erscheinen gekauft habe war das irgendwie ernüchternd. Die Melodien wollten einfach nicht so ins Ohr gehen, zündeten nicht. Dieser aufgesetzte, anklagende oder aber verzweifelte Gesang nervte irgendwie, Eric Clapton machte seine Sache zwar gut, aber überzeugender wurde die Scheibe dadurch auch irgendwie nicht.

Ab und an erneut eingelegt, entdeckt man schließlich nicht immer nur mehr Parallelen zu den bereits erwähnten Pink Floyd Alben, sondern es finden sich auch deutlich mehr eingängige Stellen, die dann doch ein wenig mehr zu überzeugen wissen. Wahrscheinlich müssen sich erst irgendwelche Verknüpfungen im Gehirn bilden, die den Hörer offener werden lassen. Trotzdem bleibt das fade Gefühl, dass es sich bei „The Pros And Cons Of Hitch Hiking” um eine Art Restverwertung handelt. Alles was schon da war und sich nicht den Weg auf ein Pink Floyd Album gebahnt hatte, das wurde hier reaktiviert. Lediglich die Texte wurden adaptiert und diese sind – wie immer bei Roger Waters – durchaus geistreich und hörenswert.

Fazit: „The Pros And Cons Of Hitch Hiking” ist das am wenigsten überzeugende Solo-Album Roger Waters’. Irgendwie scheint man alles schon mal gehört zu haben, jedoch wesentlich überzeugender, eingängiger, melodiöser. Wem die letzte Phase Pink Floyds mit Roger Waters gefallen hat, dem könnte auch diese Scheibe gefallen, allerdings erst nach einigen bis vielen Durchläufen und einer gewissen Reifezeit. Acht Punkte.

Anspieltipps: 4:41AM (Sexual Revolution), 4:47AM (The Remains Of Our Love), 4:50AM (Go Fishing)




Dienstag, 4. März 2014

Peter Frampton – Frampton Comes Alive




Peter Frampton – Frampton Comes Alive


Besetzung:

Peter Frampton – guitars, vocals and talkbox in "Do You Feel Like We Do" and "Show Me The Way"
Bob Mayo – guitars, vocals, fender rhodes piano, organ and grand piano
Stanley Sheldon – bass guitar and vocals
John Siomos – drums


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Rock, Blues-Rock


Trackliste:

1. Something's Happening (5:40)
2. Show Me The Way (4:32)
3. Wind Of Change (2:45)
4. Baby, I Love Your Way (4:48)
5. I Wanna Go To The Sun (7:05)
6. Lines On My Face (6:57)
7. Do You Feel Like We Do (13:43)
8. (I'll Give You) Money (5:38)
9. Shine On (3:35)
10. Jumping Jack Flash (7:42)

Gesamtspieldauer: 1:02:24




Es gibt definitiv Platten beziehungsweise CD’s, die lohnen die Anschaffung wegen eines einzelnen sich darauf befindlichen Titels. „Peter Frampton Comes Alive“ ist solch eine Scheibe, die mit „Do You Feel Like We Do” einen Live-Titel in der Fassung von fast vierzehn Minuten für den Hörer bereithält, die einfach umwerfend ist. Dabei ist es nicht nur die Idee mit der Talkbox und der damit verbundenen Einbeziehung des Publikums in das Lied, es ist die ganze Stimmung, die in diesem Titel steckt, vom Orgelhintergrund bis hin zum Gitarren-Solo. Klasse gemacht, ein Meilenstein in der Geschichte der Live-Musik.

Nun und wer auch auf handwerklich gut gemachten Rock steht, der wird hier noch wesentlich mehr für sich finden und auch deshalb kann sich der Erwerb der Platte lohnen. Diesen speziellen Groove findet man immer wieder in den Titeln, auch wenn die Melodien nicht ganz so häufig überzeugen können. Dies ist allerdings wohl auch nicht der Ansatz des Peter Frampton, der rocken will und das zieht er auch mit der nötigen Konsequenz über viele Titel auf dem Album durch. Mit nur wenigen Ausnahmen wie „Wind Of Change”, „Baby, I Love Your Way“ und „Lines On My Face” wird der Takt doch relativ hoch gehalten. Zwar ist dies dann kein Hard Rock, doch zumindest gut gemachter Rock’n’Roll beziehungsweise Blues-Rock der etwas schnelleren Sorte.

Fazit: Okay, das Überlied des Albums ist mit Sicherheit „Do You Feel Like We Do”. Dafür lohnt sich die Scheibe auf jeden Fall. Der ganze „Rest“ fällt da irgendwie gar nicht mehr so richtig ins Gewicht, was Freunde des Blues-Rocks wohl definitiv anders sehen werden. Aber diese ausgedehnten Passagen, in denen die Spielfreude der vier Musiker so offensichtlich wird, die kann man bei diesem Titel am besten heraushören. Da passt einfach alles. Mit 25 Jahren spielte der Ex-Humble Pie Gitarrist diese Scheibe 1975 ein. Kaum zu glauben, dass er zu diesem Zeitpunkt schon vier Jahre wieder auf Solo-Pfaden war. Sicherlich ein begnadeter Gitarrist, der sich mit dem jetzt schon des Öfteren erwähnten Song ein Denkmal setzte. Neun Punkte.

Anspieltipps: Do You Feel Like We Do



Montag, 3. März 2014

The Beatles – Rubber Soul




The Beatles – Rubber Soul


Besetzung:

John Lennon – lead, harmony and backing vocals, rhythm and acoustic guitars, electric piano
Paul McCartney – lead, harmony and backing vocals, lead, acoustic and bass guitars, piano
George Harrison – lead, harmony and backing vocals, lead, rhythm, acoustic and bass guitars, sitar on "Norwegian Wood"
Ringo Starr – drums, tambourine, maracas, cowbell, bells, cymbals, Hammond organ on "I'm Looking Through You", lead vocals on "What Goes On"


Gastmusiker:

George Martin – piano on "In My Life", harmonium on "The Word"
Mal Evans – hammond organ on "You Won't See Me"


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 1965


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Drive My Car (2:30)
2. Norwegian Wood (This Bird Has Flown) (2:05)
3. You Won't See Me (3:23)
4. Nowhere Man (2:44)
5. Think For Yourself (2:19)
6. The Word (2:44)
7. Michelle (2:42)
8. What Goes On (2:51)
9. Girl (2:34)
10. I'm Looking Through You (2:28)
11. In My Life (2:28)
12. Wait (2:17)
13. If I Needed Someone (2:24)
14. Run For Your Life (2:19)

Gesamtspieldauer: 35:48




Nach dem sehr überzeugenden Album „Help!“ veröffentlichten die Beatles noch im selben Jahr eine weitere Platte, die ebenfalls wieder einige Klassiker im Songkatalog der Band für den Hörer bereithält. Der Aufstieg war nun noch deutlicher vorgegeben und die Beatles hatten den Weg vom einfachen 60ies Pop der ersten vier Alben verlassen und sprühten nun nur so vor Kreativität. Die einzelnen Titel, wenn auch nur mit sehr kurzer Spieldauer, waren jetzt sehr viel aufwendiger arrangiert und ihnen wohnte oftmals dieses Besondere inne, welches interessante und gute Musik von durchschnittlicher unterscheidet.

Klar liegt das in erster Linie auch mit am Gespür der Band für die eingängige Melodie, die sich sofort im Ohr der Hörerin oder des Hörers festzusetzen weiß. „Norwegian Wood (This Bird Has Flown)” ist dafür so ein Beispiel. Unglaublicher Wiedererkennungswert und ausgestattet mit einer Melodieführung, die alles beinhaltet, um sich zum Ohrwurm zu entwickeln. Und auch anders, als alles, was es bisher so an Pop-Songs gab. Das wiederum lag sicherlich nicht zuletzt an George Harrison, der hier zum ersten Mal in der Geschichte der populären Musik eine Sitar einsetzte, die dem Lied diesen so anderen und fremdartigen Touch verleiht. Und an diesem Stück kann man zudem noch etwas anderes feststellen, denn auch die Texte hatten sich weiterentwickelt. Zwar gibt es auf „Rubber Soul“ immer noch jede Menge Liebesbotschaften, im Falle von „Norwegian Wood“ sind diese aber immerhin schon mal sehr witzig verpackt worden und erzählen eher eine Geschichte, als eine Aussage à la „Ich liebe Dich und vermisse Dich so!“ zu treffen.

Weitere Höhepunkt des Albums sind das groovende „Drive My Car“, das erneut, vor allem im Refrain sehr eingängige „Nowhere Man“ und natürlich das lieblich getragene „Michelle“, welches teilweise Englisch, teilweise in Französischer Sprache vorgetragen wird. Nicht vergessen werden darf in dieser Aufzählung auch der Titel „Girl“, neben „Norwegian Wood“ vielleicht das schönste Lied der Platte. Ebenfalls also ein absolut zeitloser Song mit wunderschöner Melodie und auch durch das Geräusch des Lufteinziehens keineswegs alltäglich.

Auffällig ist bei dieser Platte jedoch einmal mehr, dass Ringo Starr anscheinend immer die Titel zu singen hat, die irgendwie am wenigsten wirken. Hier hat er seinen Auftritt bei „What Goes On“, eine Nummer irgendwo in der Mitte zwischen Rock’n’Roll und Country und das am wenigsten überzeugende Lied der gesamten Platte.

Fazit: Auch auf “Rubber Soul” haben die Beatles wieder Klassiker und Meilensteine der Geschichte der Pop-Musik hinterlassen. Auch wenn es zur damaligen Zeit schon revolutionär war, wie die Band mit ihrem Sound die Musik-Kultur veränderte, so ist es nicht weniger beeindruckend, wie es diese Musiker aus Liverpool schafften, in solch kurzen Zeiträumen, eine solche Anzahl von erstklassigen Pop-Songs zu schreiben. Nun und das Ende der Beatles war ja zumindest 1965 noch längst nicht abzusehen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Norwegian Wood (This Bird Has Flown), Girl, Run For Your Life



Sonntag, 2. März 2014

Wovenhand – Consider The Birds




Wovenhand – Consider The Birds


Besetzung:

David Eugene Edwards – guitar, vocals, percussion
Daniel McMahon – piano
Ordy Garrison – drums
Shane Trost – bass


Label: Glitterhouse Records


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: ArtPop, Post Rock, Alternative Country, NeoFolk


Trackliste:

1. Sparrow Falls (4:45)
2. Bleary Eyed Duty (4:30)
3. To Make A Ring (4:34)
4. Off The Cuff (3:32)
5. Chest Of Drawers (3:53)
6. Oil On Panel (5:36)
7. The Speaking Hands (4:01)
8. Down In Yon Forest (3:08)
9. Tin Finger (3:54)
10. Into The Piano (3:39)

Gesamtspieldauer: 41:32




Definitiv muss man sich in dieses zweite „offizielle“ Album von Wovenhand erst einhören. Lediglich der Opener „Sparrow Falls“ wirkt gleich zu Beginn und es scheint fast so, als ob alle weiteren Verknüpfungen im Gehirn erst freigeschaltet werden müssten, damit man diese Art der Musik auch zu schätzen weiß. Dass David Eugene Edwards religiöse Botschaften an seine Hörer sendet ist nichts Neues, hier auf diesem 2004 veröffentlichten Album klingt das allerdings alles so unglaublich verzweifelt, mitunter auch anklagend, ein wenig verstörend und weitab von jeglicher Stimmungsaufhellung, Lichtjahre entfernt von diesem berühmten hellen Streifen am Horizont.

Mit jedem Durchgang der Platte werden die Melodiebögen jedoch vertrauter, wenn auch nicht fröhlicher. Jedoch erschließt sich diese traurige Schönheit der Stücke dem Hörer nach und nach und auch dieser verzweifelte Gesang Edwards‘ wird vertrauter und passender. Der Stilwechsel von 16 Horsepower zu Wovenhand war nun vollständig vollzogen. Diese Mixtur von 16 Horsepower, bestehend aus aufbauenden und dann wieder fast schon marode klingenden Titeln ist nun der abgrundtiefen Verzweiflung gewichen, wobei dieser „marode Touch“ noch deutlicher zu Tage tritt. Dies überraschenderweise eingedenk der Tatsache, dass David Eugene Edwards seinen Hörern hier von Gott und Jesus Christus berichten will. Es scheint so, als ob Edwards seine Hörer musikalisch dadurch von seinem Glauben zu überzeugen versucht, indem er nicht versucht Hoffnung zu verbreiten, sondern eher auf die „Angst vor der Hölle“ setzt.

Wer sich darauf einlassen kann, der bekommt hier die Möglichkeit eine ganze Menge zu entdecken, allerdings wie bereits erwähnt, erst nach mehreren Durchgängen, denn vieles erschließt sich dem Hörer nicht sofort. Man kann durchaus in dieser Musik aufgehen, denn einige klasse Titel haben sich auf „Consider The Birds“ versammelt. Da ist das bereits erwähnte „Sparrow Falls“, das überaus intensive und traurige „Bleary Eyed Duty“, der zarte und verletzlich klingende, hauptsächlich nur mit der Akustik-Gitarre instrumentierte Titel „Chest Of Drawers“ oder „Oil On Panel“, ein Lied welches erneut so wunderschön traurig klingt.

Nun, die Liste liesse sich fortsetzen, denn auch die nächsten Titel verfügen über diese ergreifende Intensität, die immer auf den Gefühlen der Verzweiflung und Traurigkeit zu basieren scheint. Kaum vorstellbar, dass man sich dies an einem schönen und sonnigen Sommertag anhört – obwohl, vielleicht ist das gerade der Weg, um einigermaßen gesund aus der Sache herauszukommen.

Fazit: Ein sehr dichtes und verzweifeltes Album ist „Consider The Birds“ geworden. Sehr intensiv und nach mehrmaligem Hören zudem überaus melodisch. Wenn jemand auch mit den Texten leben kann, dann ist das genau die Musik, um sich den Blues abzuholen und seinen traurigen Gedanken nachzuhängen. Sicherlich nicht für jeden geeignet, aber diesem Album wohnt schon etwas Besonderes inne, auch wenn das nicht ganz leicht zu packen ist. Elf Punkte.

Anspieltipps: Sparrow Falls, Oil On Panel, Down In Yon Forest



Samstag, 1. März 2014

Hubert von Goisern – Trad




Hubert von Goisern – Trad


Besetzung:

Hubert von Goisern – Gesang, Gitarren, Ziehharmonika, Maultrommel, Blasinstrumente


Gastmusiker:

Burkhard Frauenlob – Klavier und andere Tasten
Berndt Bechtloff – Schlagwerk, Stimme
Arnulf Lindner – Bässe
Helmuth Punzenberger – Gitarre, Stimme
Hochtraxlecker Sprungschanzenmusi (Neureiter, Mühlegger, Gschwandtner, Obereder) – fast alles beim „Landler“, sowie Chöre bei „Goiserer Jaga“ und „Rote Wand“
Toifl (Hillbrand) Fritz – Zug-Gast bei „Stadltür“
Julian Pölsler – Stimme
Wolfgang Spannberger – Stimme
2. Klasse der Montessori-Hauptschule Salzburg – Stimmen


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Volksmusik


Trackliste:

1. Über D'alma (3:05)
2. Zilln Übern See (3:36)
3. Hahnpfalz (2:02)
4. Von Der Hohen Alm (2:52)
5. Rote Wand (2:55)
6. D'schwoagrin (2:46)
7. Schau, Schau Wias Regna Tuat (1:29)
8. Dirndl Woaßt Nu Den Bam (3:16)
9. Dirndl Mach Auf (3:09)
10. Da Summa Is Aussi (3:34)
11. Stadltür (2:42)
12. A Goiserer Jaga (3:36)
13. Landler (2:58)
14. Wann I Durchgeh Durch's Tal (2:46)

Gesamtspieldauer: 40:46




1995 hat Hubert von Goisern seine Zusammenarbeit mit den Alpinkatzen beendet, da er noch mehr in die traditionelle Richtung der Musik gehen wollte. Daraufhin wurden von ihm auch jede Menge CD’s mit eher traditioneller Volksmusik veröffentlicht. Eine davon ist das hier besprochene Album „Trad“, welches 2001 auf dem Markt erschien.

Wie der Name des Albums bereits aufzeigt, geht es hier um traditionelle Musik, Volksmusik, wenn auch in neuem Gewand. Aber auch das stimmt nicht ganz, denn beim Hören fühlt man sich auf einen Heimatabend in den Alpen versetzt. Das, was man hört ist schon sehr traditionelle Volksmusik. Dies muss man mögen oder hat eben seine Schwierigkeiten damit. Somit ist das auf jeden Fall kein Album für Freunde der Musik des Hubert von Goisern in Verbindung mit den Alpinkatzen. Wohl schon gar keine für Pop- und Rock-Musik-Freunde. Hier wird nicht mehr gerockt und es werden auch keine anderen Einflüsse mehr zugelassen, hier geht es jetzt wirklich um sehr traditionelle Musik aus der Alpenregion. „Holereidulireidulireidulio“ und entsprechende andere Worte gibt es da zu hören und ich kenne auch kein Album, auf denen das Wort Dirndl öfters zu hören ist. Aber das liegt wahrlich nicht an den beiden Titeln, die das Dirndl bereits im Namen tragen. Viele der Geschichten, die hier erzählt werden handeln von Dirndln und damit ist jetzt nicht das Gewand, sondern sind die jungen Frauen gemeint. Meist ist die Musik sehr ruhig gehalten und wirkt etwas getragen, nachdenklich und auch ein kleines bisschen melancholisch. Man hört Kuhglocken und den ein oder anderen Jodler, die Ziehharmonika, die Maultrommel - allerdings auch sehr präsent die akustische Gitarre.

Fazit: Ich gebe gerne zu, dass ich nur sehr schwerlich objektiv sein kann beim Hören von Musik. Musik muss mich packen und begleiten, mir etwas geben, mich berühren. Das schaffte Hubert von Goisern sogar mit seinem Live-Album „Wia die Zeit vergeht…“. Bei „Trad“ wird das schwierig, denn obwohl ich auch bayerischer Volksmusik durchaus etwas abgewinnen kann, schafft es diese Musik hier nicht mich zu fesseln. Und dabei betone ich jetzt noch mal explizit, dass sich auf dem Album keine volkstümliche Musik befindet, sondern „richtige“ Volksmusik, wie ich sie so ähnlich auch schon auf Heimatabenden im Chiemgau gehört habe. Trotzdem war das damals interessanter und packender, vielleicht weil es live war, keine Ahnung. Diese Nummern hier laufen allerdings so ein klein wenig durch, ohne großartige Spuren zu hinterlassen. Jetzt sammele ich Musik und lege mir immer wieder auch Platten auf, die ich bereits länger besitze – bei „Trad“ ist das jedoch nicht so unbedingt der Fall. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Dirndl Woaßt Nu Den Bam, Dirndl Mach Auf



Freitag, 28. Februar 2014

Joe Walsh – You Can’t Argue With A Sick Mind




Joe Walsh – You Can’t Argue With A Sick Mind


Besetzung:

Joe Walsh – guitar, slide guitar, talkbox guitar, vocals
Don Felder – guitar, vocals
Willie Weeks – bass guitar.
Jay Ferguson – piano, vocals
David Mason – organ, electric piano
Joe Vitale – drums, percussion, organ, flute, vocals
Andy Newmark – drums, percussion
Rocky Dzidzornu – percussion


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Rock, Blues Rock


Trackliste:

1. Walk Away (3:16)
2. Meadows (7:05)
3. Rocky Mountain Way (7:37)
4. Time Out (4:19)
5. Help Me Make It Thru The Night (3:41)
6. Turn To Stone (8:46)

Gesamtspieldauer: 34:44




Wer auf ausgelassene Rock-Soli steht, die mal von der Gitarre, dann wieder von der Orgel dargeboten werden, dem sei dieses Live-Album von Joe Walsh wärmstens ans Herz gelegt. Es entstand unmittelbar bevor Joe Walsh bei den Eagles einstieg. Don Felder, zu dieser Zeit ebenfalls bereits bei den Eagles als Gitarrist tätig, unterstützte ihn hier auf „You Can’t Argue With A Sick Mind“, welches im März 1976 veröffentlicht wurde.

Live-Rock der Extraklasse hört man auf diesem Album, mitreißend und immer wieder überraschend. Alles groovt, die Titel gehen schnell ins Ohr, sind kraftvoll und eingängig. Man merkt den Musiker einfach an, dass sie Spaß an der Sache haben, die sie da gerade zelebrieren. Ausgelassen und exzessiv wird hier gerockt. Dazu gesellen sich solch tolle Ideen wie auf „Rocky Mountain Way“, bei dem es ein längeres Solo zu hören gibt, bei dem die Talk-Box mit der Gitarre gekoppelt wurde. Einfach richtig gut und sehr überzeugend gemacht.

Die einzelnen Titel sind von der härteren Sorte, mit Ausnahme von „Help Me Make It Thru The Night“, einer Ballade, bei der dieses Mal das Piano im Vordergrund steht. Hier bekommen nun auch mal die leiseren Töne ihre Einsatzzeit. Und dann gibt es da noch die letzte Nummer des Albums „Turn To Stone“, eines jener Lieder, die man als Rock-Musik-Fan einfach gehört haben muss. Da gibt es sphärische Abschnitte, Rock-Passagen und ein Querflötensolo, wie es Ian Andersen von Jethro Tull auch nicht besser hinbekommen könnte. Absolut begeisternd, was die Musiker hier in knapp neun Minuten auf die Bühne zaubern. Genau wegen solch Liedern lohnt es sich Musik zu hören und jeder der das Gefühl kennt, von Musik so richtig ergriffen zu werden, darin vollständig aufgehen zu können, der versteht hier meine Worte. Unbedingt anhören.

Fazit: „You Can’t Argue With A Sick Mind” besteht glücklicherweise nicht nur aus “Turn To Stone”, die anderen Titel können ebenfalls überzeugen. Was bleibt ist ein mitreißendes Live-Album, welches zwar im letzten Lied seinen absoluten Höhepunkt hat, durchaus aber auch mit dem Rest punkten kann. Und ich wiederhole mich jetzt, aber wer auf handwerklich gut gemachten Rock steht, bei dem die Spielfreude der Musiker aber sowas von offensichtlich wird, die oder der sollte hier unbedingt mal ein Ohr riskieren. Sehr lohnenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Turn To Stone



Donnerstag, 27. Februar 2014

BAP – Affjetaut




BAP – Affjetaut


Besetzung:

Wolfgang Niedecken – Gesang, Gitarre
Klaus Heuser (alias Major Healy) – Gitarre, Gesang
Steve Borg – Bass
Wolli Boecker – Schlagzeug
Manfred Boecker – Percussion, Gesang


Gastmusiker:

Matthias Keul – Tasteninstrumente, Mundharmonika auf „Vun mir uss Kitsch“
Büdi Siebert – Saxophon auf „Häng de Fahn eruss“, „Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau“, „Pardong“
Remo Constantini – Hammond-Orgel auf „Pardong“
Rüttli 2000 – Percussion auf “Pardong”


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Kölsch-Rock


Trackliste:

1. Ne schöne Jrooß (5:29)
2. Wat ess? (3:58)
3. Stollwerck-Leed (3:48)
4. Anna (3:40)
5. Häng de Fahn eruss (2:33)
6. Helfe kann dir keiner (4:21)
7. Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau (5:28)
8. Von mir uss Kitsch (2:46)
9. Kumm op ming Sick (5:40)
10. Pardong (3:45)

Gesamtspieldauer: 41:28




“Affjetaut” ist das zweite Album der Kölner Band um Wolfgang Niedecken und das erste, welches mit Klaus Heuser an der Gitarre eingespielt wurde. Ein Jahr nach dem Debut-Album „Wolfgang Niedecken’s BAP rockt andere kölsche Leeder“ erschien 1980 diese Scheibe, die ein breites Spektrum verschiedener Musikstile aufweist. Da gibt es rockige Lieder zu hören, schöne und weiche Balladen und auch einzelne Reggae-Töne. All dies zusammen ergibt ein sehr stimmiges Bild, was die Platte sehr lohnenswert werden lässt. Die LP wurde damals mit einem riesigen Beizettel von etwa einem Meter mal einem Meter ausgestattet. Darauf kann man einige Bilder betrachten, die Texte wurden abgedruckt und Wolfgang Niedecken erklärt dem Leser eine ganze Reihe kölscher Begriffe. Dazu gibt es noch die Rubrik „Paar Warme Worte“, in der Niedecken etwas auf die Entstehung der Scheibe eingeht und was sich in Bezug zur letzten Platte so alles verändert hat. Das Wichtigste hierbei war, dass die Band auf der ersten Platte rein aus Amateuren bestand, die zwei Auftritte im Monat hatten. Nach der Veröffentlichung des ersten Albums änderte sich dies und plötzlich gab es da zehn oder mehr Gigs im Monat. Nicht alle Weggefährten konnten diesen Weg mitgehen, da sie beruflich anders eingebunden waren. Daher auch die Umbesetzung an Gitarre, Bass und den Keyboards.

Nun, die Titel stammen aus der Feder Wolfgang Niedeckens. Zumindest die letzten vier der Platte. Bei den ersten Stücken ist Klaus Heuser als Komponist für die Musik angegeben, Wolfgang Niedecken zeichnet sich allerdings auch hier für die Texte verantwortlich. Das ist zumindest dahingehend überraschend, da beim wahrlich eindringlichen „Helfe kann dir keiner“ auch „Major“ Heuser als musikalischer Komponist angegeben wurde, obwohl dies nachweislich ein Song ist, den Niedecken bereits mit seinem Kumpel Hans Herres geschrieben hatte, der noch auf der ersten Platte an der Gitarre zu hören war.

Das Mitwirken von Klaus Heuser, der im selben Jahr zur Band gestoßen war und ab jetzt die musikalische Richtung bei BAP vorgab, ist dabei allerdings ein Glücksfall für BAP gewesen. Klaus Heuser hatte dieses spezielle Gefühl für die eingängige Melodie und auch für den perfekten Groove und Rhythmus, bei den etwas schnelleren Stücken. Deutsch-Rock, Pardon, Kölsch-Rock natürlich, der richtig guten Sorte gibt es daher auf „Affjetaut“ zu hören, Musik, die sofort ins Ohr geht. Dazu gesellen sich die sehr überzeugenden, manchmal witzigen, ein anderes Mal nachdenklich machenden Texte des Wolfgang Niedecken.

Ausschlaggebend für den Erfolg ist allerdings wohl mehr die Musik gewesen, denn genau so wie die meisten Musikhörer nur wenig auf den englischen Text achten, ist es auch bei den kölschen Texten – trotz der Mühe, die sich Niedecken immer wieder mit Übersetzungen gab und gibt. Die Musik weiß zu packen und der bereits erwähnte Stilmix trägt nicht wenig zum Gelingen dieser Scheibe bei, die sehr eingängig und auch immer spannend ist. Mal kann man sich treiben lassen, mal ist man versucht mit zu wippen und wieder ein anderes Mal gerät man einfach ins Träumen.

Fazit: Ein schönes, abwechslungsreiches und spannendes Album ist „Affjetaut“ geworden. Dabei können die Kompositionen sich durchaus messen lassen mit Veröffentlichungen aus dem englischsprachigen Raum. BAP sollte von nun an über eine lange Zeit die Fahne des deutschsprachigen Rocks hoch halten, auch wenn sie diesen auf Kölsch wiedergeben. Wer auf allgemein gut gemachten Rock steht, dem sei diese Platte wärmstens empfohlen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Wat ess?, Helfe kann dir keiner, Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau



Mittwoch, 26. Februar 2014

Eagles – Hotel California




Eagles – Hotel California


Besetzung:

Don Felder – guitars, vocals
Glenn Frey – guitars, keyboards, vocals, piano
Don Henley – drums, percussion, vocals, keyboards
Randy Meisner – bass guitar, guitar, guitarrón, vocals
Joe Walsh – guitar, slide guitar, keyboards, vocals, organ


Label: Warner Music Group


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Rock, Folk, Country


Trackliste:

1. Hotel California (6:30)
2. New Kid In Town (5:04
3. Life In The Fast Lane (4:46)
4. Wasted Time (4:56)
5. Wasted Time (Reprise) (1:23)
6. Victim Of Love (4:09)
7. Pretty Maids All In A Row (3:59)
8. Try And Love Again (5:11)
9. The Last Resort (7:29)

Gesamtspieldauer: 43:27




Es hatte sich etwas getan bei den Eagles. Bernie Leadon, der vor seiner Zeit bei den Eagles bereits die „Flying Burrito Brothers“ auf Country getrimmt hatte, ertrug den Reisestress und alle damit verbundenen Unannehmlichkeiten nicht mehr und hatte seinen Austritt aus der Band verkündet. Ersetzt wurde er durch Joe Walsh und plötzlich klang dieses fünfte Album der Eagles deutlich rockiger, als die anderen vier Platten davor zusammen. Darüber hinaus war diese Scheibe auch die mit Abstand erfolgreichste der Eagles, mit über 16 Millionen verkauften Tonträgern allein in den USA. Und um noch einen obendrauf zu setzen, soll hier auch nicht unerwähnt bleiben, dass „Hotel California“ im Moment Platz 13 der meistverkauften Alben weltweit belegt - mit geschätzten 32 Millionen Kopien insgesamt.

Nun, dieser Erfolg lag sicherlich zum größten Teil am Titellied „Hotel California“. Wenn sich jemand für Rock-Musik interessiert und nach den fünf bekanntesten Rock-Songs gefragt wird, ist dieser Titel mit Sicherheit sehr oft vertreten. Und das Lied ist auch wahrlich gelungen. Mit akustischer Gitarre eingeleitet entwickelt sich ein sehr melodiöser Song, der gleichzeitig eingängig ist und über diesen gewissen Groove verfügt. Dazu gesellt sich noch der Umstand, dass der Text – wie sonst so oft bei den Eagles – dieses Mal auch keinen Liebeschmalz zum Inhalt hat. Angeblich steht dieses „Hotel California“ als Metapher für Drogen. Es wird von einem Reisenden aufgesucht, der jedoch schnell merkt, dass alle Gäste hier Gefangene ihrer Süchte sind. Und als dieser Reisende dann das Weite suchen will, wird ihm bewusst, dass er dieses „Hotel“ nicht mehr so eben verlassen kann und es folgt die letzte Strophe mit folgendem Inhalt:

“Last thing I remember, I was running for the door,
I had to find the passage back, To the place I was before,
"Relax", said the night man, "We are programmed to receive.
You can check-out any time you like, But you can never leave!"

Eine andere Interpretation, die anscheinend auch von der Band selbst kommt, besagt, dass das „Hotel California“ für alles schlechte stehen würde, was die Eagles während ihrer Karriere so erlebt hätten. Wie dem auch immer sei, die Nummer ist ein tolles Lied, sehr lohnenswert.

Die Platte lebt natürlich von diesem Titel, jedoch ist auch der Rest größtenteils sehr viel besser gelungen, als die meisten Stücke auf den vorherigen Platten. „New Kid In Town“ war der erste große Hit der Platte und ist eher noch verhaftet in den vorherigen Veröffentlichungen. „Life In The Fast Lane“ ist dagegen ein richtig guter Rocker. Töne, die man so bisher von den Eagles noch nicht kannte. Ebenfalls in die Kategorie „Rock-Song“ fällt die Nummer „Victim Of Love“. Sicherlich kein Übersong, jedoch durchaus auch überzeugend. Nun und der Rest, der weiß mal mehr, mal weniger zu gefallen. Schwierig wird es immer dann, wenn es allzu schmalzig wird, was glücklicherweise jedoch nicht allzu häufig vorkommt. Und auch der Country-Einfluss wurde stark gestutzt. Sicherlich das bisher europäischste Album der Eagles.

Fazit: Klar, „Hotel California“ lebt genau von diesem Titellied. Eine Nummer, die jeder kennt und wer hier noch nicht die Gelegenheit hatte, der sollte das dringendst nachholen. Lohnt sich. Auch der Rest der Platte weiß durchaus immer wieder, wenn auch nicht durchgängig zu überzeugen. Trotzdem ist das die Platte, auf der die Eagles für mich das erste Mal beweisen, dass sie eine große Band sind. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Hotel California, Life In The Fast Lane, Victim Of Love



Dienstag, 25. Februar 2014

The Beatles – Help!




The Beatles – Help!


Besetzung:

John Lennon – lead, harmony and background vocals; acoustic (six and twelve-string) and rhythm guitars; electric piano
Paul McCartney – lead, harmony and background vocals; lead, acoustic and bass guitars; keyboards (acoustic and electric pianos); güiro
George Harrison – lead, harmony and background vocals; acoustic, rhythm and lead guitars
Ringo Starr – drums, handclaps and assorted percussion (tambourine, maracas, cowbell, bongos, claves and brushed snare); lead vocals on "Act Naturally"


Gastmusiker:

George Martin – piano
John Scott – flutes on "You've Got to Hide Your Love Away"


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 1965


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Help! (2:21)
2. The Night Before (2:37)
3. You've Got To Hide Your Love Away (2:11)
4. I Need You (2:32)
5. Another Girl (2:08)
6. You're Going To Lose That Girl (2:20)
7. Ticket To Ride (3:13)
8. Act Naturally (2:33)
9. It's Only Love (1:59)
10. You Like Me Too Much (2:39)
11. Tell Me What You See (2:40)
12. I've Just Seen A Face (2:07)
13. Yesterday (2:08)
14. Dizzy Miss Lizzy (2:54)

Gesamtspieldauer: 34:21




1965, mit der Veröffentlichung ihres fünften Studio-Albums „Help!“, hatten die Beatles ihren Stil gefunden. Oder sollte man vielleicht besser sagen, dass sie sich kompositorisch weiterentwickelt hatten? Festzuhalten ist auf jeden Fall, dass sich auf „Help!“ jede Menge Klassiker der Band aus Liverpool befinden, die auch heute noch, knapp fünfzig Jahre nach ihrer Entstehung nichts von ihrem Reiz und ihrer Eingängigkeit verloren haben.

Insgesamt vierzehn Titel befinden sich auf der Platte, zwölf davon sind Eigenkompositionen, bei denen sich in zehn Fällen das Duo Lennon / McCartney für die Komposition auszeichnete, „I Need You“ und „You Like Me Too Much“ stammen dagegen aus der Feder George Harrisons. Und dann gibt es mit „Act Naturally“ und „Dizzy Miss Lizzy“ noch zwei Cover-Versionen auf dem Album. Letztere Stücke sind Rock’n’Roll-Songs, vielleicht nur deshalb erwähnenswert, da bei „Act Naturally“ mal wieder Ringo Starr den Gesang übernahm. Ansonsten sind dies allerdings die langweiligsten Titel auf „Help!“.

Aber dann gibt es, wie bereits erwähnt, auch einige Klassiker im Schaffen der Beatles zu hören. Da ist zum Beispiel der immer noch mitreißende Titelsong „Help!“ und das groovende „The Night Before“, ebenfalls ein Rock’n’Roll, jedoch mit sehr eingängiger Melodie. Es folgt das vielleicht beste Stück der Platte „You've Got To Hide Your Love Away”. Unglaublich intensiv und mit einer Melodie sowie dem leicht rauchigen Gesang des John Lennon ausgestattet, die den Titel zu einem Paradebeispiel für Melodiösität und Eingängigkeit werden lassen. Das beste Beispiel dafür, dass Musik zeitlos sein kann.

Weitere Höhepunkte sind das bereits erwähnte „I Need You“ von George Harrison, „You're Going To Lose That Girl”, welches ebenfalls Ohrwurmcharakter besitzt, genau so wie „Ticket To Ride“. Weiter sind hier unbedingt das etwas unbekanntere Stück „I've Just Seen A Face“ und natürlich „Yesterday“ aufzuzählen. Wahrscheinlich ist letztgenannter Song sogar die bekannteste Nummer der Beatles, so schön, dass es Paul McCartney irgendwann peinlich wurde das Lied zu singen.

Fazit: Es gibt jede Menge Höhepunkte auf „Help!“, welches auch nach vielen Jahrzehnten nichts von seinem Reiz verloren hat. Schöne Musik eben. Wenn man dann doch etwas kritisieren müsste, wären das die zwei bereits erwähnten Cover-Versionen, die ein wenig langweilen. Und dann ebenfalls die Texte, die sich mit der Liebe und allen Dingen darum herum beschäftigen. Aber das ist sicherlich der damaligen Zeit geschuldet, in der die Lieder nun mal sehr gerne - und praktisch fast immer - mit Gefühl und auch Schmalz ausgestattet worden sind. Dabei spielt der Name der Band beziehungsweise des Künstlers gar keine Rolle. Elf Punkte.

Anspieltipps: Help!, You've Got To Hide Your Love Away, I've Just Seen A Face