Sonntag, 21. April 2019

Museo Rosenbach – Zarathustra




Museo Rosenbach – Zarathustra


Besetzung:

Giancarlo Golzi – drums, percussion, vocals
Alberto Moreno – bass and piano
Enzo Merogno – guitar, vocals
Pit Corradi – mellotron, hammond organ, vibraphone, farfisa electric piano
Stefano Galifi – vocals


Label: Sony Music (ursprünglich: Dischi Ricordi)


Erscheinungsjahr: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste: 

1. Zarathustra (20:32)
I. L‘Ultimo Uomo (3:57)
II. Il Re Di Ieri (4:39)
III. Al Di Là Del Bene E Del Male (2:41)
IV. Superuomo (6:30)
V. Il Tempio Delle Clessidre (2:45)
2. Degli Uomini (3:58)
3. Della Natura (8:23)
4. Dell‘Eterno Ritorno (6:18)

Gesamtspieldauer: 39:15



„Zarathustra“ heißt das Debut und für mehrere Jahrzehnte auch einzige Album der italienischen Progressive Rock Band Museo Rosenbach. Es wurde im Jahr 1973 ursprünglich auf dem Plattenlabel Dischi Ricordi veröffentlicht und erschien viele Jahre später in Form der Compact Disc auf den Labeln BMG und Sony Music. Das Album verkaufte sich mit Erscheinen nur sehr schleppend, was wohl am Boykott des italienischen Senders RAI lag, der die Band wohl zu Unrecht in der faschistischen Ecke vermutete. Grund hierfür ist die Bezugnahme auf Nitzsches „Also sprach Zarathustra“ und darin enthaltener Zitate sowie das Abbild einer Büste von Benito Mussolini auf dem Cover.

Auf der ursprünglichen LP war die erste Seite mit dem Titeltrack „Zarathustra“ ausgefüllt, die drei auf der zweiten LP-Seite vorhandenen Stücke nahmen inhaltlich Bezug auf das Titellied. Die Musik von Museo Rosenbach ist sehr Keyboard-lastig und deutlich rockiger als jene der italienischen Kollegen anderer Progressive Rock Bands der damaligen Zeit. Ist das Titellied, welches für die CD-Version des Albums in fünf Teile aufgegliedert wurde, noch sehr abwechslungsreich und verfügt über sanfte und melodische Passagen neben rockig treibenden Abschnitten, so steht bei den Liedern der ehemaligen zweiten Seite doch sehr viel mehr der Rock im Vordergrund. Dabei handelt es sich jedoch noch keineswegs um Hard Rock, allerdings um die sehr rockig ausgeprägte Variante des Genres Progressive Rock.

Das Lied „Zarathustra“ klingt dann doch sehr viel abwechslungsreicher als die ehemalige zweite Seite der LP. Dieses Lied ist mit seinen fünf Untertitel eine sehr unterhaltsame Reise durch die musikalischen Gefilde des italienischen Progressive Rocks. Treibende Passagen neben sehr sanften Abschnitten. Wunderschöne Melodien neben rhythmusorientierten, rockigen Bereichen dieses über zwanzigminütigen Stückes, lassen es auch zu einem Höhepunkt des italienischen Progs überhaupt werden. Dieses Lied alleine bewirkt schon, dass Museo Rosenbach zu einem lohnenden Hörerlebnis wird.

Fazit: Nach dem Debut „Zarathustra“ lösten sich Museo Rosenbach gleich wieder auf. Erfolglosigkeit war dabei wohl der Hauptantrieb. Schade ist dies allemal, denn bereits mit dem Titelstück ihres Albums „Zarathustra“ bewies die Band aus San Remo, dass sie den Progressive Rock durchaus zu bereichern vermochte. Das Album ist zwar nicht durchgängig auf höchstem Niveau gelungen, dennoch insgesamt – auch oder gerade wegen dem Titeltrack – sehr lohnenswert und stellt eine weitere Variante des italienischen Progressive Rocks der 70er Jahre dar. Elf Punkte.

Anspieltipps: Zarathustra



Samstag, 20. April 2019

Neu! – Neu!




Neu! – Neu!


Besetzung:

Michael Rother – guitar, bass guitar
Klaus Dinger – drums, guitar, bulbul tarang


Label: Grönland Records (ursprünglich: Brain Records)


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Krautrock


Trackliste: 

1. Hallogallo (10:07)
2. Sonderangebot (4:51)
3. Weissensee (6:46)
4. Jahresübersicht - Im Glück (6:53)
5. Jahresübersicht - Negativland (9:47)
6. Jahresübersicht - Lieber Honig (7:18)

Gesamtspieldauer: 45:44



„Neu!“ heißt das selbstbetitelte Debütalbum der deutschen Krautrock-Band Neu!, welches ursprünglich im Jahr 1972 auf dem Plattenlabel Brain Records veröffentlicht wurde. Eine Wiederveröffentlichung auf Compact Disc gab es am 29. Mai 2001 auf dem Label von Herbert Grönemeyer, Grönland Records. Neu!, das sind die beiden Musiker Michael Rother und Klaus Dinger, die 1971 Kraftwerk verlassen hatten und ihr neues Werk, wie die vorherigen Kraftwerk Platten, von Conny Plank produzieren ließen.

Die Musik auf „Neu!“ kann man ohne Weiteres mit dem Adjektiv „experimentell“ umschreiben. Drei Liedern des Albums fehlt es völlig an Melodie oder Rhythmus und sie stellen eher Klangkollagen oder Soundgebilde, denn Lieder im herkömmlichen Sinne dar. Dies sind die Nummern „Sonderangebot“ sowie die beiden „Jahresübersicht“-Stücke „Im Glück“ und „Lieber Honig“. „Hallogallo“ und „Weissensee“ besitzen dagegen durchaus eine Melodie sowie Rhythmus, der im ersten Fall etwas schneller, im zweiten Lied etwas langsamer vorangetrieben wird. Der dritte „Jahresübersicht“-Titel „Negativland“ ist dagegen sogar ein wenig rockig geraten.

Es ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach auch die Höhepunkte von Neu! auf „Neu!“ zu benennen. Es sind jedoch dann doch eher die Nummern mit Melodie und Takt, die zu überzeugen wissen. Gerade „Hallogallo“ bleibt sogar ein wenig hängen. Andererseits stellt solch eine Nummer wie „Jahresübersicht - Lieber Honig“, welches mit unfassbar schrägem Gesang und minimalistischen Gitarrenspiel ausgestattet wurde, der letztendlich in ein allgemeines Blubbern übergeht, durchaus ein Lied dar, welches man ebenfalls so schnell nicht mehr vergisst.

Fazit: Irgendwie abgefahren und sehr außergewöhnlich klingt die Musik von Neu! auf „Neu!“. Alleine schon bei jedem Titel von Musik zu sprechen ist gewagt. Musikalische Experimente werden auf dem Album in akustische Szenen gesetzt und können weniger begeistern, jedoch auf ihre spezielle Art faszinieren. „Neu!“ wird sicherlich nicht zum Lieblingsalbum taugen, aber neu ist der Weg ganz bestimmt, der hier beschritten wurde. Acht Punkte.

Anspieltipps: Hallogallo



Freitag, 19. April 2019

The Family Crest – The War Act I




The Family Crest – The War Act I


Besetzung:

Liam McCormick – lead vocals, guitar
John Seeterlin – bass
Anthony Franceschi – drums
Laura Bergmann – flute, percussion, vocals
George Mousa Samaan – trombone
Owen Sutter – violin, percussion
Charly Akert – cello, percusssion


Gastmusiker:

Etwa 200 weitere Musikerinnen und Musiker


Label: The Family Crest


Erscheinungsjahr: 2018


Stil: Independent Rock


Trackliste: 

1. To Love You (4:28)
2. It Keeps Us Dancing (5:59)
3. Take Tonight (2:54)
4. Rest (3:41)
5. Never Gonna Stop (4:02)
6. Daggers (4:10)
7. Waiting Still (5:21)
8. I Was Born (2:55)
9. Like A Light (3:52)
10. The Years (5:09)
11. The Mighty Echo (5:10)
12. The Rock’s Resting On Your Back (4:17)

Gesamtspieldauer: 52:04



The Family Crest ist eine US-amerikanische Independent Rock Band, die aus San Francisco, Kalifornien stammt. The Family Crest besteht aus sieben festen Mitgliedern zu denen sich je nach Anlass mehrere hundert weitere Musiker gesellen, die die orchestrale Untermalung der Lieder bewirken oder in Form von Chormitgliedern dem Sound der Band weitere Fülle verleihen. Bisher veröffentlichte die Band vier EPs, eine Kompilation und mit „The War Act I“ ihr drittes vollständiges Studioalbum, welches am 6. April 2018 veröffentlicht wurde.

Die Musik von The Family Crest klingt sehr melodiös, bombastisch, voll und dicht. Zu keiner Zeit und bei keinem Lied klingt diese aurale Fülle jedoch wie unangebrachter Überfluss, überkandidelt oder überladen. Die orchestrale Instrumentierung und der Einsatz von Chören wird bei The Family Crest keineswegs übertrieben, sondern passt perfekt zu dieser Musik, die schwelgerisch und mitunter hymnisch aus den Boxen strömt. Es ist wahrlich eine besondere und sogar außergewöhnliche Art der Pop-Musik, die man auf „The War Act I“ von The Family Crest zu hören bekommt. Denn glücklicherweise schaffen es die Lieder der Kalifornier trotz dieser klanglichen Fülle keineswegs nach Musical oder adaptierter Klassik zu klingen. Die einzelnen Stücke stehen für sich und verlassen das Genre Pop keineswegs. Es gibt dementsprechend selbstverständlich auch die zurückhaltenden Momente. Man hört sanften Gesang und eine akustische Gitarre und langsam schwillt das Lied an, bereichert nicht nur vom Anziehen des Tempos, des Rhythmus‘ und der Intensität in Form der Lautstärke, sondern eben auch von vielen verschiedenen Instrumenten und verschiedenen Chören.

Nicht unerwähnt sollte an dieser Stelle auch die Stimme des Liam McCormick bleiben. Diese erinnert in den hohen Passagen ein klein wenig an jene von Matt Bellamy von Muse und besitzt ebenfalls eine sehr große musikalische Breite. Liam McCormick hat darüber hinaus alle Lieder des Albums geschrieben und auch arrangiert. Die Musik auf „The War Act I“ tritt als Einheit auf und wirkt in sich geschlossen. Es gibt keine außergewöhnlichen Ausschläge nach oben, ebenso wenig wie solche nach unten. Alles wirkt und klingt und nimmt einen in seiner prallen Fülle mit. Die Lieder sind allesamt melodiös und gehen sehr gut ins Ohr. Jede und jeder mag da für sich ihre und seine eigenen Favoriten finden. In meinem Fall sind es die Lieder „It Keeps Us Dancing“, „Rest“ und „Daggers“. Der Ehrlichkeit halber hätte ich an dieser Stelle wohl auch jeden anderen Titel nennen können. Eingängig klingen sie alle.

Fazit: „The War Act I“ der US-amerkanischen Band The Family Crest ist eine durchaus außergewöhnliche Scheibe geworden. Pop-Musik in Verbindung mit orchestraler Instrumentierung und verschiedenen Chören. Kraftvoll und voll klingt diese Musik, die für sich selbst steht und so gar nichts mit zum Beispiel einem Musical gemein hat. „The War Act I“ klingt melodiös und eingängig. Da trifft es sich gut, dass sich die Band gerade auf einer ausgedehnten Deutschland-Tour befindet. Da lohnt sich der Besuch eines Konzertes. Zehn Punkte.

Anspieltipps: It Keeps Us Dancing, Rest, Daggers, Waiting Still



20/04/2019 – The Family Crest – Großkarlsbach – Frank’s Bodega
21/04/2019 – The Family Crest – Crailsheim – Jugendzentrum
22/04/2019 – The Family Crest – Wetzlar – Kulturzentrum Franzis
23/04/2019 – The Family Crest – Hannover – Cafe Glocksee
24/04/2019 – The Family Crest – Halle / Saale – Objekt 5 / Restaurant Ruine
25/04/2019 – The Family Crest – Holle – Das Glashaus
26/04/2019 – The Family Crest – Dresden – Dreikönigskirche
27/04/2019 – The Family Crest – Plauen – Malzhaus
28/04/2019 – The Family Crest – Berlin – Badehaus
30/04/2019 – The Family Crest – Viechtach – Altes Spital
01/05/2019 – The Family Crest – Coburg – Sonderbar
02/05/2019 – The Family Crest – Regensburg – W1
03/05/2019 – The Family Crest – Isny – Eberz Musikbar
04/05/2019 – The Family Crest – Bayreuth – Schokofabrik



Donnerstag, 18. April 2019

Banco Del Mutuo Soccorso – Banco Del Mutuo Soccorso




Banco Del Mutuo Soccorso – Banco Del Mutuo Soccorso


Besetzung:

Vittorio Nocenzi – organ, harpsichord, clarino, vocals
Gianni Nocenzi – piano, e-flat clarinet, vocals
Marcello Todaro – electric guitar, acoustic guitar, vocals
Renato D’Angelo – bass
Pier Luigi Calderoni – drums
Francesco Di Giacomo – lead vocals


Label: Sony BMG (ursprünglich Dischi Ricordi)


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste: 

1. In Volo (2:13)
2. R.I.P. (Requiescant In Pace) (6:40)
3. Passagio (1:19)
4. Metamorfosi (10:52)
5. Il Giardino Del Mago (18:26)
     ...passo dopo passo...
     ...chi ride e chi geme...
     ...coi capelli sciolti al vento...
     Compenetrazione
6. Traccia (2:10)

Gesamtspieldauer: 41:43




Das selbstbetitelte Debut, der im Jahr 1969 gegründeten italienischen Progressive Rock Band Banco Del Mutuo Soccorso zeigt bereits an, wohin die musikalische Reise der Musiker auch mit den nächsten Alben gehen wird. Die ersten drei Alben veröffentlichten die Italiener in dem zeitlich engen Abstand von lediglich eindreiviertel Jahren. Der musikalische Stil der Band war dabei sehr schnell gefunden und wurde im Folgenden zunächst nur leicht variiert. Das Album „Banco Del Mutuo Soccorso“ erschien zum ersten Mal im März des Jahres 1972 auf dem Plattenlabel Dischi Ricordi und wurde später von Sony BMG wiederveröffentlicht.

Drei Dinge stehen bei der Musik von Banco Del Mutuo Soccorso im Vordergrund. Da ist zum einen die Tastenlastigkeit der Instrumente. Piano und Keyboard nehmen einen großen Anteil in der Kreation der Lieder ein. Das bedeutet wiederum nicht, dass es auf „Banco Del Mutuo Soccorso“ nicht auch mal ein Gitarren-Solo zu hören geben würde, doch der Schwerpunkt liegt sehr eindeutig auf eben jenen Tasteninstrumenten. Ein Vergleich zu den ersten Genesis-Alben ist von daher naheliegend und bietet sich an, doch steht die Musik von Banco Del Mutuo Soccorso für sich selbst und ist kein Abbild oder gar eine Kopie der englischen Kollegen.

Das liegt zum einen am zweiten Punkt, der die Musik der Italiener beherrscht. Dies ist der Gesang des Francesco Di Giacomo, der im Februar 2014 leider verstarb. Francesco Di Giacomo singt seine Texte mit solcher Leidenschaft und Inbrunst, die kaum einen Vergleich zu anderen Sängern zulassen. Seine Stimme geht in die Worte und die Musik ein und darin auf. Das klingt wahrlich beeindruckend, an manchen Stellen fast schon opernhaft. Ein besonderes, nicht alltägliches Erlebnis ist dies allemal. Drittens schließlich steht die Musik von Banco Del Mutuo Soccorso auf ihrem Debut-Album für sehr viel Melodiösität und ausladender Eingängigkeit, die sie auch in den treibenden und frickeligen Passagen nicht verliert. Über allem stehen diese Harmonien, die ins Ohr gehen. Dabei ist die Musik keineswegs „nur“ sanft und ruhig gehalten. Diese musikalischen Passagen gibt es selbstverständlich, wechseln sich jedoch mit rockigeren und ganz leicht experimentelleren Abschnitten ab, sodass auf dem Album jede Menge Abwechslung zu hören ist. Progressive Rock, der nach den 70er Jahren klingt, eigenständig für sich steht und ins Ohr geht.

Höhepunkte gibt es insgesamt sechs an der Zahl auf „Banco Del Mutuo Soccorso“, wobei die drei längeren Stücke der Platte noch mal ein wenig herausragen. In diesen hört man leidenschaftlichen, melodiösen und abwechslungsreichen Progressive Rock, der keinen Abklatsch des englischsprachigen Progressive Rocks darstellt, sondern für sich steht. Den Gesang versteht man dabei zwar nicht, wenn man des Italienischen nicht mächtig ist, doch die Art des Gesangs hilft einem dabei, vollständig in diese Musik eintauchen zu können. Sehr einnehmend.

Fazit: Mit ihrem Debut legen die italienischen Prog Rocker von Banco Del Mutuo Soccorso die Latte gleich sehr hoch. Durchaus anspruchsvoller, abwechslungsreicher und eigenständiger Progressive Rock ist auf dem ersten Album der Italiener zu hören. Mit den kurz darauf folgenden Scheiben werden Banco Del Mutuo Soccorso diesen ersten Eindruck ihrer Musik bestätigen. Wer auf die eher melodiöse Variante des Progressive Rocks steht, die oder der sollte hier mal ein Ohr riskieren, denn die Lieder auf dem Album wirken auch nach fast 50 Jahren seit ihrer Entstehung noch. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Metamorfosi



Mittwoch, 17. April 2019

Premiata Forneria Marconi – Per Un Amico




Premiata Forneria Marconi – Per Un Amico


Besetzung:

Flavio Premoli – piano, clavicembalo, hammond organ, mellotron, moog, lead locals
Fraco Mussida – acoustic & electric guitars, mandolin, lead vocals
Franz Di Cioccio – drums & percussion, vocals
Giorgio Piazza – bass, vocals
Mauro Pagani – flutes, violin, vocals


Label: BMG Records


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste: 

1. Appena Un Po‘ (7:43)
2. Generale! (4:18)
3. Per Un Amico (5:23)
4. Il Banchetto (8:39)
5. Geranio (8:04)

Gesamtspieldauer: 34:09



„Per Un Amico“ heißt das zweite Studioalbum der italienischen Progressive Rock Band Premiata Forneria Marconi. Das Album wurde im November 1972 ursprünglich auf dem Plattenlabel Numero Uno veröffentlicht. Die Wiederveröffentlichung auf Compact Disc erschien bei BMG Records. „Per Un Amico“ wurde demnach noch im selben Jahr veröffentlicht, wie das ebenfalls sehr gelungene Debüt der Italiener mit dem Titel „Storia Di Un Minuto“.

Damit nehme ich es bereits vorweg. Auch „Per Un Amico“ ist eine sehr gelungene Scheibe geworden. Wer auf die melodische Ausprägung des Progressive Rocks steht, wird von dieser Musik vollends eingefangen werden. Alles auf diesem Album klingt melodisch und eingängig und umgarnt das Ohr. Trotz dieser zahlreichen Harmonien in der Musik von Premiata Forneria Marconi auf „Per Un Amico“ besitzt die Platte durchaus auch Passagen, die etwas mehr Zeit beanspruchen, um vollends „erobert“ zu werden. Allzu frickelig oder experimentell wird die Musik der Band zwar nie, doch gibt es hier durchaus die berühmten Ecken und Kanten zu hören, die manche Musik deutlich spannender und abwechslungsreicher werden lassen.

Die Höhepunkte des Albums sind nur schwer oder gar nicht zu benennen. Es sind nur fünf Lieder vorhanden, die allesamt wirken und klingen. Es gibt weder einen Ausfall noch ein deutlich schwächeres Lied. Alles auf „Per Un Amico“ besitzt Qualität und weiß zu begeistern, wenn man sich auf diese Art der Musik denn einlassen kann. Klassische Themen wurden in den Liedern mit verarbeitet und es sind auch die für die Rockmusik eher unüblichen Instrumente, die das Gesamterlebnis „Per Un Amico“ nochmals deutlich aufwerten. Flöte, Cembalo, Violine und Mellotron im Zusammenspiel bewirken eine ganz eigene Atmosphäre. Und trotz dieser immer wieder eingesetzten Musik-Instrumente bleibt das Gehörte Rock Musik – bereichert durch eine besondere Instrumentierung.

Das Album wurde ein Jahr später übrigens auch noch in einer englischsprachigen Version unter dem Titel „Photos Of Ghosts“ veröffentlicht. Diesem war trotz seiner englischsprachigen Fassung weniger Erfolg beschieden als dem Original und das Album wurde und wird mit der ursprünglich italienischen Sprache auch weitaus besser bewertet. Selbst wenn man die Worte auf „Per Un Amico“ nicht versteht, so klingt diese Mischung aus gesungenem Text und der Musik absolut überzeugend und bereitet beim Hören jede Menge Spaß.

Fazit: Wer auf die melodische Variante des Progressive Rocks steht, die oder der wird mit „Per Un Amico“ von Premiata Forneria Marconi sehr viele schöne Minuten verleben – zumindest wenn sie oder er die Scheibe immer wieder auflegt. Mit einer Laufzeit von etwas über einer halben Stunde ist das Album nämlich keineswegs zu lang geraten – wahrscheinlich der einzige Nachteil der Scheibe. Eingängigen Progressive Rock gibt es auf dem Album zu hören, der sehr abwechslungsreich mit den Atmosphären spielt. Sehr gelungen. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Per Un Amico



Dienstag, 16. April 2019

Emma Bunton – My Happy Place




Emma Bunton – My Happy Place


Besetzung:

Emma Bunton – vocals


Gastmusiker:

Will Young – vocals on track 4
Jade Jones – vocals on track 6, backing vocals on track 9
Josh Kumra – vocals on track 7
Robbie Williams – vocals on track 9
Paul Meehan – keyboards
Hayley Sanderson – backing vocals on tracks 1, 3, 5, 6, 8 & 10
Adam Phillips – guitar on all tracks
Paul Barry – guitar on track 1 and 3
Patrick Mascall – guitar on track 3
Nick Squires – cello on tracks 7, 8 & 10


Label: BMG Rights Management


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Pop


Trackliste:

1. Baby Please Don‘t Stop (3:00)
2. I Wish I Could Have Loved You More (3:22)
3. Too Many Teardrops (3:00)
4. I Only Want To Be with You (3:57)
5. Don‘t Call Me Baby (4:05)
6. You‘re All I Need To Get By (2:48)
7. Come Away With Me (2:48)
8. Emotion (3:38)
9. 2 Become 1 (3:41)
10. Here Comes The Sun (3:08)

Gesamtspieldauer: 33:32



Mehr als zwölf Jahre nach ihrer letzten Solo-Platte veröffentlichte die englische Musikerin Emma Bunton mit dem Album „My Happy Place“ ihr viertes Studioalbum. „My Happy Place“ erschien am 12. April 2019 auf dem Plattenlabel BMG und beinhaltet insgesamt zehn Titel. Acht dieser Lieder sind Cover-Versionen ihrer Lieblingslieder, zwei Nummern des Albums hat sie neu in Zusammenarbeit mit Patrick Mascall und Paul Barry geschrieben und eingespielt.

Das ehemalige Spice Girl „Baby Spice“ hat sich viel Zeit gelassen mit ihrer neuen Veröffentlichung. In den zwölf Jahren zwischen dem dritten und vierten Album war sie eher im Radio als Moderatorin oder im Fernsehen und Filmen als Schauspielerin zu sehen. Das nun vorliegende Album „My Happy Place“ ist eine zu 100% radiotaugliche Platte geworden, welche eher unkomplizierte aber eingängige Pop Musik im Mainstream Sound beinhaltet. Will Young, Josh Kumra, Jade Jones sowie Robbie Williams begleiten die englische Sängerin bei vier Titeln und zweimal sind wohl auch in kurzen Einblendungen die Kinder der Emma Burton zu hören. Im Falle der Einleitung zum Beatles Cover „Here Comes The Sun“ klingt dies allerdings allzu rührselig. Essentiell ist die Musik auf „My Happy Place“ nicht, der Mehrwert der Interpretationen wird einem beim Hören der acht Cover-Titel oftmals nicht ganz bewusst.

Die Höhepunkte des Albums sind ganz klar die beiden neuen Nummern. „Baby Please Don‘t Stop“ und „Too Many Teardrops“ sind eingängige kleine Ohrwürmer, von denen man sich mehr auf „My Happy Place“ gewünscht hätte. Tolle kurze Songs, die gespielt und gehört Freunde bereiten und den Tag verschönern. Bei diesen beiden Titeln klingt die Musik der Emma Bunton spannend und die Stimme des ehemaligen Spice Girls weiß hier ebenfalls zu überzeugen. Die Cover-Version des Candie Payne Liedes „I Wish I Could Have Loved You More“ wird von den beiden neuen Nummern eingebettet und kann von den Interpretationen am meisten überzeugen. Dadurch wird gerade der Beginn des Albums zu einem sehr hörenswerten Erlebnis.

Fazit: Mit etwas über einer halben Stunde Laufzeit ist „My Happy Place“, das vierte Solo-Album der Emma Bunton, ein wenig kurz geraten. Darauf zu hören gibt es radiotauglichen Pop, der immer dann sehr überzeugend und gut klingt, wenn es sich um neue Lieder handelt. Die Interpretationen bereits älterer Titel können da deutlich weniger überzeugen – Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Die ersten drei Lieder auf „My Happy Place“ sind die Höhepunkte der Scheibe und sehr hörenswert. Davon hätte man sich mehr gewünscht. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Baby Please Don‘t Stop, Too Many Teardrops, I Wish I Could Have Loved You More



Montag, 15. April 2019

Le Orme – Uomo Di Pezza




Le Orme – Uomo Di Pezza


Besetzung:

Michi Dei Rossi – drums, percussion, tubular bells
Toni Paglicua – celeste, electronics, keyboards, mellotron, organ, piano, synthesizer
Antonio Pagliuca – keyboards
Aldo Tagliapietra – bass, chitarrone, guitar, guitar, 12 string acoustic guitar, vocals


Gastmusiker:

Gian Piero Reverberi – piano on track 1


Label: Philips Records


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste: 

1. Una Dolcezza Nuova (5:31)
2. Gioco Di Bimba (2:56)
3. La Porta Chiusa (7:32)
4. Breve Immagine (2:45)
5. Figure Di Cartone (3:51)
6. Aspettando L’Alba (4:45)
7. Alienazione (4:44)

Gesamtspieldauer: 32:04



Le Orme wurde im Jahr 1966 gegründet und entwickelte sich schnell zu einer Band, die mit stilbildend war für italienische Ausprägung des Progressive Rocks. Die Band ist bist heute aktiv, einzig verbleibendes Mitglied von damals ist allerdings lediglich noch der Schlagzeuger Michi Dei Rossi. „Uomo Di Pezza“ ist das bereits vierte Studioalbum von Le Orme und erschien im Jahr 1972 auf dem Plattenlabel Philips Records.

Le Orme stehen für die melodische Ausprägung des Progressive Rocks. Dies belegt auch das Album „Uomo Di Pezza“. Selten einmal wird es darauf frickeliger oder klingt gar umständlich. Zumeist durchfließen sanfte Melodiebögen den Raum, die sich weich und angenehm im Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers verfangen. Harmonien gibt es auf diesem Album zu hören und damit wird an keiner Stelle gespart. Viele nur sanft instrumentierte Passagen werden wunderschön durch ebenfalls sanften Gesang ergänzt. Es entsteht ein Gesamtgebilde aus Melodiösität, welches eingängiger kaum sein könnte. Dazu benötigt man noch nicht einmal viele Durchläufe der Scheibe und schon hat man diese Melodien im Ohr.

Kritiker werden sagen, dass ein wenig mehr Ecken und Kanten dem Ganzen gut getan hätten, denn diese gibt es wahrlich nicht oft auf dieser Scheibe zu hören. Einzig das Lied „La Porta Chiusa“ prescht zumindest phasenweise ein wenig fordernder nach vorne, klingt insgesamt ein klein wenig rockiger, nicht ganz so eingängig und benötigt etwas mehr Zeit, bis es sich ebenso vollends erschließt, wie die restlichen Nummern der Platte. Doch dieses Lied ist die Ausnahme auf „Uomo Di Pezza“ und keineswegs der Maßstab. Der Rest des Albums klingt sanft und melodiös. Höhepunkte gibt es viele unter den sieben Titeln. Besser sollte man allerdings an dieser Stelle erwähnen, dass es keine Ausfälle gibt und „Uomo Di Pezza“ vom ersten bis zum letzten Akkord überzeugt. Sieben Höhepunkte auf 32 Minuten verteilt. Ein recht kurzes Vergnügen das Ganze, doch das scheint bei den italienischen Progressive Rockern der frühen 70er Jahre leider Standard gewesen zu sein. Darin unterschiedet sich „Uomo Di Pezza“ von Le Orme nicht von anderen Veröffentlichungen dieses musikalischen Genres aus Italien der damaligen Zeit.

Fazit: Eingängigen und melodiösen Progressive Rock aus Italien gibt es auf „Uomo Di Pezza“ von Le Orme zu hören. Wer die sanften und melodiösen Stellen in der Musik von Genesis, Yes und Kollegen zu Beginn der 70er Jahre mag, die oder der wird ebenfalls in die Lieder von Le Orme bestens eintauchen können. Den Text versteht man zwar nicht, ist man des Italienischen nicht mächtig, doch die Gesangsstimme des Aldo Tagliapietra ergänzt diese Musik nahezu perfekt. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Gioco Di Bimba, Breve Immagine, Aspettando L’Alba



Sonntag, 14. April 2019

Prag – Premiere




Prag – Premiere


Besetzung:

Eric Lautenschläger
Nora Tschirner
Tom Krimi


Gastmusiker:

Achim Färber
Ingo Günther
Paul Keeves
Stephan Kunz
Marco Paschke
Steffen Zimmer
Rahel Rilling
Kim Roloff
Eva Höge
Dávid Adorján
Valentin Priebus


Label: Tynska Records


Erscheinungsjahr: 2013


Stil: Pop


Trackliste:

1. Leisestreichler (3:00)
2. Sophie Marceau (3:26)
3. Zeit (4:07)
4. Zweiter (2:40)
5. Drehbuch (4:00)
6. Vögel (3:28)
7. Einfach (3:21)
8. Und jeder hält die Luft an (3:31)
9. Bis einer geht (2:55)
10. Einkauf (3:06)
11. Argumente tausendfach (3:22)
12. Warten (2:25)
13. Einfach (3:22)
14. Ende (6:36)

Gesamtspieldauer: 49:24



Prag ist eine deutsche Band, die im Jahr 2012 von Erik Lautenschläger und Tom Krimi gegründet wurde. Ergänzt wurde die Besetzung durch Nora Tschirner, die Erik Lautenschläger bereits aus der Schule kannte. Das Debütalbum „Premiere“ erschien am 25. Januar 2013 auf dem Plattenlabel Týnská Records.

Auf „Premiere“ hört man sehr sanfte, mitunter fast schon zerbrechlich klingende Musik, die zumeist sehr leise instrumentiert wird und dabei auch sehr weich – hauptsächlich von Erik Lautenschläger – eingesungen wurde. Gerade die Instrumentierung vervollständigt diesen sanften Gesamteindruck der Musik von Prag, die zum Teil vom Prager Filmorchester beigesteuert wurde. Akustische Gitarren und Streicher stehen neben dem Gesang durchgängig im Mittelpunkt der Musik. Nora Tschirner begleitet an der einen oder anderen Stelle Erik Lautenschläger gesanglich oder ist an der Gitarre zu hören.

Sehr melodiös und eingängig klingt die Musik von Prag. Mitunter vielleicht sogar zu weich, da Erik Lautenschläger diese Grundstimmung mit seiner Stimme an der einen oder anderen Stelle fast schon zu überzeichnen scheint. Trotzdem klingt das schön, melodiös und eingängig, was Prag hier zu Gehör bringen. Die Höhepunkte des Albums sind das Lied „Zweiter“, dazu die Singleauskopplung und das wohl bekannteste Lied von Prag, die Nummer „Bis einer geht“ sowie das letzte Stück des Albums „Ende“. Alle drei Stücke beeindrucken durch Melodiösität und Harmonien im Überfluss. Die ersten beiden Lieder zeichnen sich auch durch einen schönen Duett-Gesang aus, wohingegen das Lied „Ende“ im Bereich des Chamber Pops angesiedelt ist. Viele Orchester-Instrumente sind dort zu hören und eine Erik Lautenschläger der beweist, dass er auch sehr hoch singen kann.

Fazit: Für alle, die auf sehr sanfte Musik stehen, ist das erste Album „Premiere“ der Band Prag bestens geeignet. Für die eine oder den anderen mag das fast schon etwas übertrieben weich klingen, ins Ohr geht diese Musik trotzdem. Die vierzehn Lieder unterhalten zudem allesamt, was „Premiere“ letztendlich dann doch zu einer hörenswerten Scheibe werden lässt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Zweiter, Bis einer geht, Ende



Samstag, 13. April 2019

Premiata Forneria Marconi – Storia Di Un Minuto




Premiata Forneria Marconi – Storia Di Un Minuto


Besetzung:

Franco Mussida – electric & acoustic guitar, 12 string guitar, mandocello, lead vocals (tracks 2,4 and 6), backing vocals
Flavio Premoli – organ, piano, mellotron, harpsichord, minimoog, lead vocals (tracks 3 and 7), backing vocals
Mauro Pagani – flute, piccolo, violin, backing vocals
Giorgio Piazza – bass, backing vocals
Franz Di Cioccio – drums, moog synthesizer, gadgets, backing vocals


Label: Sony BMG (Ursprünglich: Numero Uno)


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste: 

1. Introduzione (1:10)
2. Impressioni Di Settembre (5:43)
3. È Festa (4:51)
4. Dove... Quando... (Parte 1) (4:06)
5. Dove... Quando... (Parte 2) (6:00)
6. La Carrozza Di Hans (6:45)
7. Grazie Davvero (5:51)

Gesamtspieldauer: 34:29



Premiata Forneria Marconi ist eine italienische Progressive Rock Band, die sich im Jahr 1970 endgültig zusammenfand und bis heute noch aktiv ist. Premiata Forneria Marconi ist dabei eine der wenigen Bands des italienischen Progressive Rocks, die auch außerhalb ihres Heimatlandes erfolgreich war. Bis zum heutigen Tag hat die Band siebzehn Studioalben veröffentlich, das bisher letzte Album erschien im Jahr 2017. „Storia Di Un Minuto“ heißt das Debut von Premiata Forneria Marconi und wurde im Jahr 1972 ursprünglich auf dem italienischen Plattenlabel Numero Uno veröffentlicht.

Wer die melodische Ausrichtung des Progressive Rocks mag, die oder der wird auch ganz bestimmt „seine“ Musik auf „Storia Di Un Minuto“ finden. Abwechslungsreiche Melodien, Rhythmen und Stimmungen umschwirren das Ohr beim Hören, zumeist wissen die Lieder sich dabei auch festzusetzen. Die Italiener verstehen das Spiel mit den Atmosphären und ganz egal, ob die Musik etwas rockiger, frickeliger oder auch melodisch harmonisch klingt, die einzelnen Titel wissen zu überzeugen. Schnell hat man sich in die Musik eingehört und kann in die Welt von Premiata Forneria Marconi eintauchen – wenn man auch vom Inhalt der Lieder nichts versteht. Der italienische Progressive Rock steht durchaus für sich selbst, doch diese Art, welche von Premiata Forneria Marconi zu Beginn ihrer langen Karriere zelebriert wird, erinnert sehr viel eher an die frühen Genesis, denn an zum Beispiel Emerson, Lake & Palmer. Die Eingängigkeit steht immer im Vordergrund, weniger der experimentelle Ansatz.

Das bedeutet freilich nicht, dass die einzelnen Stücke einfach aufgebaut wären. Die sieben Stücke sind mehr oder weniger komplexe Lieder, die äußerst abwechslungsreich gehalten sind, sich entwickeln und verändern und dabei jederzeit Spaß machen, falls man dem Progressive Rock wohlgesonnen ist. Das klingt mal sanft, zart und zerbrechlich, ein anderes Mal voll und orchestral. Einen Höhepunkt der Scheibe zu benennen ist da fast schon unmöglich, da alles auf „Storia Di Un Minuto“ klingt und wirkt. Das Album kann in einem, ohne jeglichen Qualitätsverlust durchgehört werden und unterhält durchgängig. Allzu lange hält der Spaß dafür allerdings leider nicht an, denn nach etwas über einer halben Stunde Spielzeit ist schließlich bereits Schluss. Ein Nachteil einer ansonsten sehr guten Scheibe.

Fazit: Auf „Storia Di Un Minuto“ von Premiata Forneria Marconi hört man die eingängige Variante des Progressive Rocks der 70er Jahre. Die Platte ist mit einer Laufzeit von etwas über einer halben Stunde zwar sehr kurz geraten doch das, was man hört, überzeugt auf diesem Album. Progressive Rock, der auch nach so vielen Jahren noch spannend und unterhaltend und oft auch mitreißend klingt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: La Carrozza Di Hans



Freitag, 12. April 2019

Peter Murphy – Cascade




Peter Murphy – Cascade


Besetzung:

Peter Murphy – vocals


Gastmusiker:

Anna Ross – backing vocals
Gary Twigg – bass
Geoff Dugmore – drums
Kevin Armstrong – guitar
Michael Brook – infinite guitar
Paul Statham – guitar, keyboards, programming


Label: Beggars Banquet Records


Erscheinungsjahr: 1995


Stil: Alternative Rock


Trackliste: 

1. Mirror To My Woman’s Mind (5:34)
2. Subway (4:35)
3. Gliding Like A Whale (4:23)
4. Disappearing (4:55)
5. Mercy Rain (3:43)
6. I’ll Fall With Your Knife (4:30)
7. The Scarlet Thing In You (4:22)
8. Sails Wave Goodbye (4:44)
9. Wild Birds Flock To Me (3:47)
10. Huuvola (5:53)
11. Cascade (6:10)

Bonus Tracks der remasterten Album-Wiederveröffentlichung:

12. Wild Birds Flock To Me (5:05)
13. Groovy Place (Demo) (4:16)
14. Wish (Production Rough Mix) (4:11)
15. Sail On White (Production Rough Mix) (5:21)
16. Satin Nights (Cascade) (Production Rough Mix) (7:14)

Gesamtspieldauer: 1:18:50




„Cascade“ heißt das fünfte Solo-Studioalbum des englischen Musikers Peter Murphy. Es wurde am 11. April 1995 auf dem Plattenlabel Beggars Banquet Records veröffentlicht. Es ist Peter Murphys letztes Album auf diesem Label und gleichzeitig das erste Album ohne seine Band The Hundred Men, die sich nach der Tour zum letzten Album „Holy Smoke“ aufgelöst hat. Den Titel „Disappearing“ schrieb Peter Murphy alleine, die anderen Lieder des Albums entstanden in Zusammenarbeit von ihm und Paul Statham, der auf „Cascade“ an der Gitarre und den Keyboards zu hören ist.

Das Album ist eine sehr eingängige Platte geworden. Nur sehr wenig darauf klingt schräg oder gar experimentell. Alternative Rock, der jedoch eindeutig dem Musiker Petzer Murphy zuzuordnen ist. Etwas dunkel vielleicht, zumeist im Mid-Tempo angesiedelt, doch bestimmt nicht allzu außergewöhnlich oder besonders. Peter Murphy besinnt sich auf seine Stärken, sein ausdrucksstarker Gesang steht durchgängig im Mittelpunkt der Lieder, die allesamt zügig ins Ohr gehen. Die Qualität der Titel lässt im Laufe des Albums ein klein wenig nach, jedoch nicht viel. Genauso wie es keine Ausfälle gibt, so sind allerdings auch die Höhepunkte eher rar gesät. „Cascade“ bewegt sich häufig im musikalischen Mittelfeld.

Am Überzeugendsten klingt für mich der Titel „I’ll Fall With Your Knife“, welcher eine Melodie aufweist, die auch noch ein wenig länger nachhallt, diesen gewissen Groove aufweist, der in die Beine geht und diese zum Mitwippen anregt. Überdies ist es ein Lied, welches bereits beim ersten Mal des Hörens überzeugt. Schließlich sollte an dieser Stelle auch noch das Titellied „Cascade“ Erwähnung finden, denn dieses stellt eine kleine Ausnahme auf dem Album dar. Das Lied verfügt über eine sehr elektronische Instrumentierung und auch bezüglich der Melodie und des Aufbaus ist es am ehesten noch in die Richtung „kleines Experiment“ tendierend. Mit Sicherheit dann doch etwas Besonderes auf dieser Platte. Dies gilt im Übrigen auch für die noch längere Version des Liedes, die in den Bonus-Tracks enthalten ist.

Fazit: „Cascade“ ist insgesamt sicherlich nicht der ganz große Wurf des Peter Murphy geworden. Allerdings ist es eine Scheibe, die keine Ausfälle, dafür jedoch ein paar sehr hörenswerte Glanzlichter enthält. Dazu gesellt sich der unverwechselbare Gesang des Peter Murphy und fertig ist das insgesamt doch gut unterhaltende Album. Alternative Rock im eher dunklen Stil. Neun Punkte.

Anspieltipps: I’ll Fall With Your Knife, Cascade



Donnerstag, 11. April 2019

Three For Silver – Blue Ruin




Three For Silver – Blue Ruin


Besetzung:

Lucas Warford – vocals, basses, piano, tenor banjo, mandolin, percussion
Willo Sertain – vocals, accordion, piano


Gastmusiker:

Grayson Fiske – vibraphone, percussion, big bass drum of doom
Susan Lucia – drum set, percussion, guinea pig book
Andrew Alikhanov – soprano and bass clarinets
James Rossi – violin
Michelle Alany – violin
Julian Kosanovic – cello


Label: Foggy Nights Records


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Post Rock, Independent Rock


Trackliste:

1. Black Dog (3:42)
2. Blue Ruin (5:34)
3. I See It Coming (3:56)
4. Water In My Hand (4:08)
5. Looking Exactly Like Nothing At All (4:47)
6. Scared Sacred (5:25)
7. The Recurring Stagger Lee Blues, Pt. 1 (3:40)

Gesamtspieldauer: 31:16




Auch im Jahr 2019 veröffentlicht die US-amerikanische Band Three For Silver aus Portland wieder ein Album. „Blue Ruin“ heißt dieses und soll wohl sogar die erste Veröffentlichung dieses Jahres sein, eine zweite wird später im Jahr folgen. „Blue Ruin“ wird morgen, am 12. April veröffentlicht und erscheint auf dem Label Foggy Nights Records.

Three For Silver machen beeindruckende Musik. Musik, die man so nicht häufig hört, im Radio laufen solche Klänge leider sowieso überhaupt nicht. Auf „Blue Ruin“ hört man rockig-folkig verspielte Musik, die wie schon auf dem letzten Album an Tom Waits und The Shoulders erinnert. Dieses Mal mischen sich allerdings auch noch ein Hauch CocoRosie und eben folkige Anklänge hinzu. Zu jederzeit und mit jedem Akkord auf „Blue Ruin“ klingt das allerdings selbstständig, spannend und auf eine gewisse Weise besonders. Die Melodiebögen, die Stimmen von Willo Sertain und Lucas Warford sowie die Instrumentierung, die weit mehr als nur Bass, Gitarre und Schlagzeug zu bieten hat, lassen das Album nachhallen und Hörerin und Hörer mit Sicherheit nicht unbeeindruckt zurück.

Mit einer Laufzeit von etwas über einer halben Stunde ist dieses Album eher eine EP, denn eine komplette Platte geworden. Das mag daran liegen, dass es, wie bereits erwähnt, dieses Jahr wohl noch eine weitere Veröffentlichung geben wird. Festzuhalten bleibt dabei zumindest, dass die sieben Titel auf „Blue Ruin“ allesamt überzeugen können und ganz gleich, ob sie eher mit wärmeren Tönen oder treibenderen Passagen aufwarten, kleine musikalische Höhepunkte darstellen.

Fazit: Musikliebende, die auch gerne mal ein Ohr abseits des Mainstreams aus Pop und Rock riskieren, werden von dieser kurzen Scheibe begeistert sein. Musik zum darin Eintauchen gibt es auf „Blue Ruin“ von Three For Silver zu hören. Besondere und einnehmende Musik, irgendwo im Bereich des Post Rocks und Independent Rocks angesiedelt, die klingt und nachwirkt. Lohnend ist von daher auch ein Besuch der Band auf einem der Konzerte, die gerade in Österreich und Deutschland stattfinden. Die aktuellen Tour-Daten sind unten angehängt. Lohnt sich. Elf Punkte.

Anspieltipps: Water In My Hand, Looking Exactly Like Nothing At All, Scared Sacred


11/04/19 - Göttingen - Timberjacks - Deutschland
12/04/19 - Hoyerswerda - Kulturfabrik - Deutschland
13/04/19 - Lörrach - Nellie Nashorn - Deutschland
25/04/19 - Graz - Orpheum - Österreich
26/04/19 - Feldbach - Club Glam - Österreich
27/04/19 - Hartberg - Roter Gugl - Österreich
28/04/19 - Klagenfurt - Lendhafen Cafe - Österreich
29/04/19 - Salzburg - Academy - Österreich
30/04/19 - Marburg - Q - Deutschland
01/05/19 - Offenbach - Hafen 2 - Deutschland
02/05/19 - München - Bar Gabanyi - Deutschland
03/05/19 - Konstanz - K9 Kulturzentrum - Deutschland
04/05/19 - Würzbach - Bahnhof - Deutschland



Mittwoch, 10. April 2019

Jack Savoretti – Singing To Strangers




Jack Savoretti – Singing To Strangers


Besetzung:

Jack Savoretti – vocals, backing vocals, whistles


Gastmusiker:

Jesper Lind – tubular bells, timpani, drums, backing vocals
Sam Davies – bass guitar, backing vocals
Sam Lewis – guitar
Pedro Vito – guitar, backing vocals
Nikolaj Torp Larsen – string arrangement, vibraphone, piano, organ, backing vocals, ondes martenod, glockenspiel, wurlitzer, celeste
Lorna Blackwood – backing vocals
Davide Rossi – violin, string arrangement
Cam Blackwood – synthesizer, programmer, backing vocals
Tom Visser – percussion, synthesizer, programmer, backing vocals
Matt Racher – percussion on „Dying For Your Love“ and „Greatest Mistake“
Kylie Minogue – vocals on „Music’s Too Sad Without You“
Piergiorgio Rosso – violin on „Music’s Too Sad Without You“
Francesca Gosio – cello on „Music’s Too Sad Without You“


Label: BMG


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Indie Pop, Alternative Rock


Trackliste:

1. Candlelight (4:31)
2. Love Is On The Line (3:30)
3. Dying For Your Love (4:02)
4. Better Off Without Me (4:01)
5. What More Can I Do? (4:57)
6. Singing To Strangers (Interlude) (2:53)
7. Youth And Love (3:55)
8. Touchy Situation (4:27)
9. Greatest Mistake (4:59)
10. Things I Thought I‘d Never Do (4:11)
11. Going Home (4:25)
12. Music‘s Too Sad Without You – Live From Venice (4:40)

Gesamtspieldauer: 50:37



„Singing To Strangers“ heißt das sechste Studioalbum des englischen Musikers Jack Savoretti. Das Album erschien am 15. März 2019 auf dem Plattenlabel BMG und erreichte in den britischen Album Charts Platz 1. Als Single war bereits im Dezember 2018 das Lied „Candlelight“ veröffentlicht worden.

Auf „Singing To Strangers“ hört man eine große Bandbreite unterschiedlicher musikalischer Genres, die von Americana über Folk und Indie Pop bis hin zum Alternative Rock reichen. Gemeinsam ist allen Titeln, dass diese ohne große Umwege ins Ohr gehen. Die Nummern klingen melodiös und eingängig. Oft sind dabei Streicher zu hören, die die Musik des Jack Savoretti noch ein wenig wärmer und weicher erklingen lassen. Etwas zu oft bedient der Engländer mit seinen Texten allerdings das Thema der Liebe und des Herzschmerzes. Da wäre etwas mehr Abwechslung durchaus bereichernd gewesen. Es befindet sich mit dem Titel „Touchy Situation“ jedoch sogar eine Nummer auf dem Album, bei der der Text von keinem geringeren als Bob Dylan geschrieben wurde.

Unabhängig von den Texten weiß die Musik zu überzeugen. Besonders gelungen klingen dabei die erste Singleauskopplung „Candlelight“, das bereits erwähnte „Touchy Situation“ sowie das wunderschöne „Greatest Mistake“. Gerade letztgenannter Titel besitzt eine einprägsame und nachhallende Instrumentierung mit Glockenspiel und mitreißend arrangierten Streichern. Sicherlich der Höhepunkt des Albums. Auch das Duo mit der Australierin Kylie Minogue, live eingespielt in Venedig, ist ein kleiner und hörenswerter Ohrwurm, der sich lohnt gehört zu werden. Da auch die übrigen Lieder durchaus zu unterhalten verstehen, steht dem Hörerlebnis nichts mehr im Wege, wenn man auf die melodische Ausprägung des Alternative Rocks und Independent Pops steht.

Fazit: Das sechste Studioalbum des englischen Musikers Jack Savoretti mit dem Titel „Singing To Strangers“ weiß mit viel Melodiösität und Eingängigkeit aufzuwarten und wirkt nach. Einprägsame und schöne Melodien gibt es auf der Platte zu entdecken und wenn man auch Texten mit etwas Herzschmerz etwas abzugewinnen weiß, dann steht dem Hörgenuss nichts mehr im Wege. Dass Jack Savoretti sein Publikum gut zu unterhalten versteht, davon kann man sich im Mai selbst überzeugen, denn der Brite kommt für fünf Konzerte nach Deutschland. Acht Punkte.

Anspieltipps: Candlelight, Greatest Mistake


Jack Savoretti „Singing To Strangers Tour“ 2019:

03.05.19 – Batschkapp, Frankfurt
04.05.19 – Muffathalle, München
12.05.19 – Huxleys, Berlin
14.05.19 – Docks, Hamburg
15.05.19 – Live Music Hall, Köln



Dienstag, 9. April 2019

Le Orme – Felona E Sorona




Le Orme – Felona E Sorona


Besetzung:

Tony Pagliuca – keyboards
Aldo Tagliapietra – voice, bass, guitars
Michi Dei Rossi – drums, percussions


Label: Philips Records


Erscheinungsjahr: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Sospesi Nell’Incredibile (8:43)
2. Felona (1:58)
3. La Solitudine Di Chi Protegge Il Mondo (1:57)
4. L’Equilibrio (3:47)
5. Sorona (2:28)
6. Attesa Inerte (3:25)
7. Ritratto Di Un Mattino (3:29)
8. All'infuori Del Tempo (4:08)
9: Ritorno Al Nulla (3:34)

Gesamtspieldauer: 33:34



„Felona E Sorona“ heißt das vierte Studioalbum der italienischen Progressive Rock Band Le Orme. Es wurde im Jahr 1973 auf dem Plattenlabel Philips Records veröffentlicht. „Felona E Sorona“ ist ein Konzeptalbum und handelt von zwei Planeten, die sich umkreisen. Zunächst ist Felona der schöne und blühende Planet, während auf Sorona mehr Dunkelheit und Vergänglichkeit herrscht. Dieser Zustand kehrt sich später um. Ein Jahr nach dem Erscheinen des Albums wurde auch eine englischsprachige Version mit Texten von Peter Hammill veröffentlicht, die dann den Namen „Felona and Sorona“ trug.

Auf „Felona E Sorona“ hört man keine Gitarren, es gibt keine. Die Musk ist stark Keyboard-lastig gehalten, klingt an mancher Stelle sphärisch, ohne dabei den rockigen Ansatz völlig aufzugeben. Le Orme, was auf Deutsch „Die Fußspuren“ bedeutet, hören sich deutlich weniger frickelig und verspielt an, als viele der italienischen Kollegen des Progressive Rock der 70er Jahre. Dafür klingt die Musik allerdings um einiges eingängiger und melodiöser als die meisten Platten, die in Italien in etwa zur selben Zeit und im selben musikalischen Genre veröffentlicht wurden. Gleich beim ersten Mal des Hörens setzen sich die Harmonien in der Musik von Le Omre im Ohr fest. Alles auf „Felona E Sorona“ klingt melodiös – ohne Ausnahme. Durchbrochen werden diese harmonischen Klänge nur durch einige eher sphärische Ausflüge, die dann entspannte Atmosphären transportieren.

Höhepunkte auf „Felona E Sorona“ zu benennen ist nicht ganz einfach, da die Lieder ineinanderfließen und eben allesamt wirken. Nun, das längste Stück der Platte und gleichzeitig der Opener „Sospesi Nell’Incredibile“ überzeugt durch seine Abwechslung, die sich durch unterschiedliche Passagen manifestiert. Die Lieder „L’Equilibrio“ sowie „Attesa Inerte“ überzeugen dagegen durch wunderschöne Melodiösität, die hier vielleicht noch ein wenig stärker ausgeprägt ist, als bei den anderen Titeln. Sicherlich ist dies allerdings reine Geschmackssache.

Fazit: Wer die melodiöse Ausprägung des Progressive Rock mag, die oder der sollte mal ein Ohr bei Le Omre und ihrer Platte „Felona E Sorona“ riskieren. Auf dem Album klingt alles sehr stimmig, eingängig und melodiös. Dabei fällt es überhaupt nicht auf, dass die Platte ohne die Beteiligung einer einzigen Gitarre eingespielt wurde. Ein kleiner Nachteil ist allerdings die sehr kurze Laufzeit des Albums. Ein wenig mehr als etwas über eine halbe Stunde Spieldauer hätte es schon sein dürfen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Sospesi Nell’Incredibile, L’Equilibrio, Attesa Inerte