Sonntag, 4. Dezember 2011

The Flower Kings – Retropolis





The Flower Kings – Retropolis


Besetzung:

Roine Stolt – guitars, lead vocals, keyboards
Tomas Bodin – hammond c3 organ, piano, mellotron, synthsizers & fx
Hasse Bruniusson – percussion (drumkit 10)
Jaime Salazar – drumkit, percussion
Michael Stolt – bass
Hans Fröberg – voice (4,7)
Ulf Wallander – soprano saxophone (6,11)


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: RetroProg


Trackliste:

1. Rhythm Of Life (0:28)
2. Retropolis (11:08)
3. Rhythm Of The Sea (6:13)
4. There Is More To This World (10:07)
5. Romancing The City (0:54)
6. The Melting Pot (5:49)
7. Silent Sorrow (7:38)
8. The Judas Kiss (7:39)
9. Retropolis By Night (3:06)
10. Flora Majora (6:49)
11. The Road Back Home (8:57)




Wie ein Kleinod wirkt diese CD von den „Flower Kings“, von der schwedischen Band mit dem komischen Namen. Warum wie ein Kleinod? Weil die Flower Kings es 1996 in einer Techno und HipHop verseuchten Welt schafften, ein Album zu veröffentlichen, welches nicht nur vom Namen her „retro“ war, sondern sich auch noch so anhört wie die perfekte Melange aus den frühen Yes und vor allem King Crimson, etwa Mitte der 70er Jahre. Und dies, ohne dabei wie eine Kopie dieser Bands zu klingen.

Der Sound ist dicht, manchmal schwebend und zum Teil richtig schön bombastisch. Der erste Track, „Rhythm Of Life“ dauert nicht mal eine halbe Minute und enthält nichts anderes als einen Tischtennissound, mit dem man sehr schön seine Stereoanlage auf deren Stereoeigenschaften überprüfen kann. Dann folgt bereits mit „Retropolis“ der Titelsong des Albums, der auch gleichzeitig das längste Stück der CD darstellt. „Retropolis“ ist ein Instrumentalstück, welches die ganze Bandbreite einer Nummer mit progressiver Rockmusik darbietet. Ruhige und treibende Parts, immer wieder Stimmungswechsel, Hintergrundgeräusche, Verschachtelungen, Mellotron geschwängerte Abschnitte und ganz viel Abwechslung. Und dabei wird jedem Instrument ein gleichberechtigter Part eingeräumt.

Weiter geht es mit „Rhythm Of The Sea“. Das Lied ist nun sehr viel melodiöser als sein Vorgänger - und der Gesang klingt wie der John Wettons, auf der King Crimson Scheibe „Starless And Bible Black“. Klasse bei diesem Stück auch die Steigerung innerhalb des Liedes. Sicherlich ein Highlight der ganzen CD.

„There Is More To This World” stellt dann, wieder unterstützt durch den “John-Wetton-Gedächtisgesang“, ein Stück dar, dass so, auf der oben erwähnten King Crimson Platte, ohne groß aufzufallen, seinen Platz gefunden hätte. Zumindest im ersten Teil. Im zweiten Teil, der auch ziemlich in der Mitte des Stücks beginnt, fühlt man sich dann doch mehr auf ein Yes-Album zurückversetzt, welches in der ersten Hälfte der 70er Jahre veröffentlicht wurde. Mehrstimmiger und sehr melodiöser Gesang findet hier seinen Weg zum Ohr des Zuhörers.

Es folgt mit „Romancing The City” ein kurzes Pianosolo-Stück, das fließend in „The Melting Pot” übergeht. Zu Beginn ist dieses Stück sehr melodiös, wird in seinem Verlauf allerdings immer „schräger“, bis es wieder von der Pianospur eingefangen wird.

Bei „Silent Sorrow” fühle ich mich genauso auf dem Retro-Trip, wie bei dem nächsten Stück „The Judas Kiss“. Klar, das ist nichts Neues, so etwas haben King Crimson schon in den 70ern auf Platte gebracht, aber die Stücke sind klasse durchkomponiert und ergänzen irgendwie das schon Bekannte.

Etwas seltsam erscheint in diesem Zusammenhang dann das Stück „Retropolis By Night”. Denn das klingt viel eher nach Tangerine Dream oder Klaus Schulze, als nach King Crimson. Fast schon ein Stilbruch, wenn man diese Nummer mit den anderen vergleicht. Deutlich eigenständiger klingt es dann bei „Flora Majora”, einem Lied im klassischen ProgRock-Gewand. Und häufig kann man in Rezensionen nachlesen, dass die Flower Kings sich zu sehr an Genesis anlehnen. Das kann ich auf dieser Platte überhaupt nicht bestätigen – bis auf die letzte Nummer „The Road Back Home“, hier sind die Blumenkönige wirklich näher an Genesis, als an jeder anderen Band.

Fazit: Nach Genesis klingt „Retropolis“ für mich nur im letzten Stück. Dazu ist die Musik sonst zu frickelig und bei Weitem nicht melodiös genug, wie es etwa „Foxtrot“ oder „Selling England By The Pound“ sind. Die Platte heißt allerdings „Retropolis“ und „retro“ ist hier wirklich vieles. „Retro“ hauptsächlich in Reminiszenz an King Crimson. Und genau das macht auch den Charme dieses Albums aus. Denn es ist nie langweilig, vielmehr stellen die Stücke Lieder dar, die ein Robert Fripp mit King Crimson Anfang der 70er Jahre einfach vergessen hatte zu schreiben. Mir gefällt das, was ich hier zu hören bekomme und deshalb erhält „Retropolis“ von mir zehn Punkte.

Anspieltipps: Rhythm Of The Sea, There Is More To This World, The Melting Pot, The Judas Kiss



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