Sonntag, 3. April 2016

Lou Reed – The Blue Mask




Lou Reed – The Blue Mask


Besetzung:

Lou Reed – guitar, vocals


Gastmusiker:

Robert Quine – guitar
Fernando Saunders – bass, backing vocals
Doane Perry – drums


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Rock


Trackliste:

1. My House (5:25)
2. Women (4:57)
3. Underneath The Bottle (2:33)
4. The Gun (3:41)
5. The Blue Mask (5:06)
6. Average Guy (3:12)
7. The Heroine (3:06)
8. Waves Of Fear (4:11)
9. The Day John Kennedy Died (4:08)
10. Heavenly Arms (4:47)

Gesamtspieldauer: 40:30




Es wäre wahrlich vermessen, Lou Reed irgendwelche kommerziellen Interessen vorzuwerfen, die er mit der Veröffentlichung von „The Blue Mask“ verfolgt hätte. Dieses, im Jahr 1982 veröffentlichte Album, gleichzeitig die elfte Solo-Platte des gebürtigen New Yorkers, entzieht sich sehr stark den Anfang der 80er Jahre vorherrschenden Musiktrends. Hier gibt es keine Synthesizer und Keyboards zu hören, keinerlei Synthie Pop, nur Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Zudem wurde die Platte live im Studio eingespielt, was in den 80ern auch kaum mehr praktiziert wurde.

Aber das ist es noch nicht einmal, was diese Scheibe weniger kommerziell werden lassen würde als andere Platten. Es ist die Musik selbst, die einen zu diesem Schluss kommen lässt. Sanft ist sie, überwiegend sehr ruhig gehalten. Doch dann gibt es auch wieder solch Ausbrüche, wie beim Titellied „The Blue Mask“, in dem sich die Musik, wie die Lava bei einem Vulkanausbruch, einfach ihren Weg sucht, brachial, kompromisslos, hart und rau. Dabei klingt das Ganze – egal ob leiser oder lauter Titel – allerdings nicht sehr melodiös, manches Mal sogar fast schon ein wenig atonal, geradezu so, als ob Lou Reed so ein klitzekleines bisschen mit Absicht den Ton nicht so hundertprozentig treffen mochte. Dieser Eindruck relativiert sich zwar etwas mit jedem weiteren Hören des Albums, verschwindet jedoch nie so ganz.

„The Blue Mask“ gilt allgemein als Wendepunkt in der Karriere des Lou Reed, da er nach vorher schwächeren Scheiben nun wieder „bessere“ Musik zu schreiben imstande war. Da hört man ihn im Titel „Women“ immer wieder wiederholen, dass er doch Frauen liebt, um vielleicht homosexuellen Gerüchten Einhalt zu gebieten und andererseits weist er darauf hin, dass er nur ein ganz durchschnittlicher Typ sei, wie man bei „Average Guy“ hört. Durchschnittlich ist die Musik des Lou Reed auf „The Blue Mask“ allerdings sicherlich nicht. Eher passen hier schon die Wörter „besonders“ und „außergewöhnlich“, um die einzelnen Lieder treffender zu umschreiben. Allerdings ist „The Blue Mask“ deshalb noch lange kein Meisterwerk geworden. Dazu ist die Musik des Lou Reed auf dieser Scheibe einfach ein wenig zu sperrig und dann doch nicht innovativ genug. Die Lieder auf dem Album wachsen mit der Zeit. Viele Dinge erschließen sich einem dabei erst nach vielen Durchläufen, ein „Ohrenschmeichler“ wird „The Blue Mask“ deshalb aber trotzdem nie werden.

Fazit: Manche Leute sagen „The Blue Mask“ von Lou Reed sei eine wunderbar eingängige Platte. Das kann ich so nicht bestätigen oder nachvollziehen. „The Blue Mask“ ist allerdings sicherlich eine interessante Platte, die vollgepackt ist mit Musik, die man so nur selten zu hören bekommt. Die Texte sind gut gemacht, spannend und auch nachdenklich, die Musik selbst wird melodiöser, je öfters man sie hört. Aber eingängig? Nun, vielleicht zum Teil, mehr aber sicherlich nicht – und da spielt es auch keine Rolle mehr, wie oft man sich das Album auflegt. Acht Punkte.

Anspieltipps: The Blue Mask, The Heroine, The Day John Kennedy Died



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