Freitag, 16. März 2012

Marillion – Fugazi





Marillion – Fugazi


Besetzung:

Fish – vocals
Steve Rothery – guitar
Pete Trewavas – bass
Mark Kelly – keyboards
Ian Mosley – drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Progressive Rock


Trackliste CD 1:

1. Assassing (7:02)
2. Punch And Judy (3:21)
3. Jigsaw (6:50)
4. Emerald Lies (5:09)
5. She Chameleon (6:53)
6. Incubus (8:30)
7. Fugazi (8:13)


Trackliste CD 2:

1. Cinderella Search (12’’ Version)
2. Assassing (Alternative Mix)
3. Three Boats Down From The Candy
4. Punch And Judy (Demo)
5. She Chameleon (Demo)
6. Emerald Lies (Demo
7. Incubus (Demo)




Für ihr zweites komplettes Studioalbum, “Fugazi” haben Marillion erst mal ihren Drummer, Mick Pointer, der ihnen nicht mehr gut genug erschien, durch Ian Mosley ersetzt. Letzterer war bisher Schlagzeuger beim Ex-Genesis Mitglied Steve Hackett gewesen. Ian Mosleys „Reife und Selbstvertrauen, sowie seine musikalischen Fähigkeiten sollten die Band festigen.“ und „er sollte einen zuverlässigen Nachfolger darstellen, um die Herausforderungen des zweiten Albums in Angriff nehmen zu können“, so Fish im Booklet zur 1998 herausgebrachten und neu remasterten Version des Albums.

Nun, sie haben die Herausforderungen angenommen und wirklich ein tolles Nachfolgewerk für „Script Of A Jester’s Tear“ hingelegt. Allerdings den „Funken der Genialität“, der einem beim ersten Album noch bei jedem Stück ansprang, den kann man hier, zumindest nicht mehr überall erkennen.

Aber das Album hat natürlich seine Highlights. Da ist zum einen das wunderschöne „She Chameleon“, was einmal mehr durch den Abwechslungsreichtum in der Stimme Fishs und seinen schönen Steigerungen lebt. Oder aber der Titelsong „Fugazi“, der mit einem sehr ruhigen Part eingeleitet wird, um sich dann mit seinen verschiedenen Teilen zu einem richtigen progressiven Lied zu entwickeln. Klasse. Auch das längste Stück auf der Platte, „Incubus“ ist ein toller Track: So viel Abwechslung in einer Nummer bekommen nur die wenigsten Bands hin.

Unter den restlichen vier Stücken befindet sich ebenfalls kein Ausfall. Sie erreichen allerdings nicht mehr die Klasse der anderen drei Stücke sowie die, der auf dem ersten Album enthaltenen Songs. „Assassing“ berührt mich nicht richtig, bei dem Kurzstück (3:21) „Punch And Judy“ nervt ein wenig der Keyboardlauf. „Jigsaw“ ist eine schöne Ballade, in der Fish wieder die ganze Breite seines Gesangs präsentieren kann. Und schließlich „Emerald Lies“ - das „härteste“ Lied auf der CD, wenn man dabei überhaupt von Härte sprechen kann. Also nicht falsch verstehen, auch diese vier letztgenannten Nummern sind klasse Stücke, nur sie kommen eben nicht ganz an die anderen Highlights heran. Das ist Klagen auf allerhöchstem Niveau, ich weiß.

Bei der 1998 remasterten Version liegt noch eine zweite CD bei. Bei den vier Demostücken kann man richtig Studioatmosphäre schnuppern. Die Stücke sind noch nicht richtig abgemischt, was man sehr deutlich an den Drums hört. „Three Boats Down From The Candy” wurde bereits auf der ersten EP veröffentlicht und auf diesem Lied hört man bereits, wohin die weitere Reise Marillions gehen würde. „Cinderella Search” dagegen deutet an, wie die zukünftige Reise von Marillion weitergehen wird… Immer weiter weg vom Prog, aber das ist eine andere Geschichte.

Fazit: Einen würdigen Nachfolger für „Script Of A Jester’s Tear“ haben die fünf Briten hier vorgelegt, der nicht ganz an das vorherige Werk heranreicht. Wie sollte das aber auch gehen? Wem der Erstling gefallen hat, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Ich habe nämlich auch schon Meinungen gehört, die Fugazi über der ersten CD ansiedeln… Bei mir sind das zwölf Punkte.

Anspieltipps: She Chameleon, Incubus, Fugazi



Donnerstag, 15. März 2012

Electric Light Orchestra – Face The Music





Electric Light Orchestra – Face The Music

Besetzung:

Jeff Lynne – guitar, vocals
Richard Tandy – piano, moog, clavinet, guitar
Kelly Groucutt – bass, vocals, backing vocals
Bev Bevan – drums, backing vocals
Melvin Gale – cello
Hugh McDowell – cello
Mik Kaminski – violin


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Symphonic Pop, Mainstream


Trackliste:

1. Fire On High (5:32)
2. Waterfall (4:12)
3. Evil Woman (4:30)
4. Nightrider (4:26)
5. Poker (3:32)
6. Strange Magic (4:30)
7. Down Home Town (3:55)
8. One Summer Dream (5:51)


Bonus Tracks:

9. Fire On High (Early Alternate Mix) (3:23)
10. Evil Woman (Stripped Down Mix) (5:00)
11. Strange Magic (Single Edit) (3:28)
12. Waterfall (Instrumental Mix) (4:15)

Gesamtspieldauer: 52:34




Den, mit dem letzten Album eingeschlagenen, poppigeren Weg, geht das Electric Light Orchestra auf seinem fünften Album „Face The Music“ aus dem Jahr 1975 konsequent weiter. Zwar gibt es auf dieser Platte sogar Ausflüge in völlig andere Genres als der Pop-Musik, letztlich bleibt aber die immer noch eingängige, jedoch auch viel unaufgeregtere Musik, die sich auf „Face The Music“ in die Richtung, „Musik-Zum-Nebenbei-Hören“, entwickelt.

Spannend und fast schon mystisch wird das Album mit „Fire On High“ eröffnet. Rückwärts gespielte Musik wie Sprachfetzen, lassen dieses Stück zu Beginn fast gespenstisch erscheinen. Auf „Secret Messages“ sollten diese „Botschaften“ dann einige Jahre später noch intensiviert werden. Es folgen „Halleluja-Gesänge“ und schließlich entwickelt sich ein symphonisches Stück Musik, welches, sobald man sich darauf eingelassen hat, in einen treibenden Part übergeht, der zunächst durch Akustikgitarren, später dann mittels E-Gitarre und Orchester intoniert wird. Und so entwickelt sich ein abwechslungsreiches, rhythmisches und ein wenig bombastisches Stück, welches durchaus überzeugen kann.

Orchestral geht es dann ebenfalls auf „Waterfall“ weiter. Zunächst sehr eingängig, gibt es hier sogar mal ein wenig schrägere Töne zu hören, die allerdings trotzdem nicht verhindern können, dass das Lied irgendwie zu seicht aus den Boxen quillt. Dann folgt der „Hit“ des Albums. „Evil Woman” war ein Charterfolg, der größte, den das Electric Light Orchestra bis dahin vorzuweisen hatte. Und bei diesem Titel wird der einsetzenden Disco-Welle bereits Rechnung getragen, auch wenn die enthaltenen Streicher dies noch ein wenig verdecken.

Lied Nummer 4 auf dem Album heißt “Nightrider”. Wieder ein sehr eingängiges Stück, welches allerdings immer wieder mit Wendungen und interessanten Einschüben glänzt und so nie langweilig wird. Das Lied erinnert dabei schon sehr an die Titel, die ELO nur wenige Jahre später auf „Out Of The Blue“ und „Discovery“ veröffentlichen sollte. Eingängiger, von einem Orchester unterstützter Pop ist hier zu hören. „Poker” im Anschluss daran ist dann ein richtiger Rocker, bei dem die E-Gitarren mal mehr im Vordergrund stehen. Einen weiteren wichtigen Part nimmt bei diesem Stück das Keyboard ein, auf eine orchestrale Instrumentierung wird weitestgehend verzichtet. Nur gegen Ende spielt dies bei diesem Titel dann doch wieder eine Rolle.

“Strange Magic”, Song Nummer 6 auf “Face The Music”, beginnt im Anschluss daran wie eine ruhigere Ballade, die lediglich im Refrain etwas „discomäßig“ Fahrt aufnimmt und dort dann schwer nach den Bee Gees klingt. Leider besteht die zweite Hälfte des Liedes fast ausschließlich aus diesem Part. „Down Home Town” zeigt anschließend wieder eine ganz andere, bisher noch unbekannte Seite der Band. Hier bekommt man nun eine Country Adaptionen zu hören. Beschlossen wurde das Album ursprünglich von „One Summer Dream“. Zunächst eine sehr symphonische Angelegenheit, bis sich der typische ELO-Sound der nun folgenden Jahre entwickelt. Hier gibt es die Rhythmusfraktion gleichberechtigt mit den Streichern zu hören und es entfaltet sich ein Klanggebilde, welches ziemlich schnell ins Ohr geht.

Mit vier Bonus Tracks wurde die remasterte Version des Albums ausgestattet. Dabei handelt es sich um eine Instrumentalversion von „Waterfall“, sowie drei weiteren Mixen der Stücke „Fire On High“, „Evil Woman“ sowie „Strange Magic“. Alles ganz nett, essentiell ist allerdings nichts davon.

Fazit: Wer die späteren Alben des Electric Light Orchestras mag, der wird auch an “Face The Music” Gefallen finden. Umgekehrt ist das allerdings genauso. Freunde der ersten Platten der Band, werden hier nicht mehr unbedingt das finden, nachdem sie suchen. Mit den ersten drei Platten hat dieses Album nur noch ganz am Rande etwas zu tun. Das Experimentelle fehlt hier, mit Abstrichen findet man dies vielleicht gerade noch auf „Fire On High“. Außer, dass vielleicht mal ein neuer Stil ausprobiert wurde, gibt es auf „Face The Music“ nichts mehr Überraschendes zum Hören. Alles klingt ganz nett, wenn man Pop-Musik mag. Es fehlen auf „Face The Music“ allerdings die, nennen wir sie mal „Übersongs“. Richtige Ausreißer nach unten gibt es zwar auch nicht zu hören, jedoch bleibt auf diesem Album somit nur eine Melange aus fast schon Belanglosigkeiten übrig, was Freunde der späteren Werke allerdings, wie schon erwähnt, ganz anders sehen werden. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Fire On High, Nightrider, One Summer Dream, Fire On High (Early Alternate Mix)







Mittwoch, 14. März 2012

Archive – Michel Vaillant





Archive – Michel Vaillant


Besetzung:

Craig Walker – vocals
Darius Keeler – keyboards, bass
Danny Griffiths – guitars


Gastmusiker:

Smiley – drums
Carl Holt– bass guitar
Steve Harris – guitar
Graham Preskett – additional piano
Steve Emney – drums
Lee Pomeroy – bass guitar
Steve Watts – hammond, rhodes organ
Maria Q – backing vocals


Erscheinungsjahr: 2003


Stil: Soundtrack, Artrock


Label: Warner Music


Trackliste:

1. Le Mans (4:52)
2. Bridge Scene (5:33)
3. Helicoptere (6:13)
4. Come To Me 1 (3:14)
5. Vaillant Theme (3:48)
6. Nothing (3:23)
7. Friend (4:26)
8. Nightmare Scene (3:20)
9. Leader Theme (3:36)
10. Nightmare Is Over (4:37)
11. Vaillant (Acoustic) (1:35)
12. Night Time (2:11)
13. Red (1:27)
14. Come To Me 2 (6:35)

Gesamtspieldauer: 54:49




Bei dem Album “Michel Vaillant” handelt es sich um den Soundtrack zum gleichnamigen Film, der 2003 von Luc Besson produziert wurde und unter anderem Diane Krüger und Peter Youngblood Hills in den Hauptrollen zeigte. Michel Vaillant ist ursprünglich eine Comic-Figur des französchisch-begischen Zeichners Jean Graton und behandelt dessen Abenteuer als Autorennfahrer. Somit unterscheidet sich „Michel Vaillant“ auch von den anderen Veröffentlichungen der Band Archive in einigen Punkten.

Zunächst fällt auf, dass der für Archive fast schon obligatorische Longtrack auf dieser Veröffentlichung fehlt. Aber auch die Musik unterscheidet sich von „You All Look The Same To Me“ und „Noise“, den beiden Alben, die zeitlich gesehen um dieses herum veröffentlicht wurden. Dies ist sicherlich dem Umstand geschuldet, dass es sich hierbei eben nicht um ein „normales“ Studioalbum, sondern um einen Soundtrack handelt. Deutlich wird dies vor allem bei den Liedern „Le Mans“, „Nightmare Scene“ und „Red“, die mehr oder weniger Klangteppiche darstellen, um bestimmte Szenen zu untermalen. In eine ähnliche Kategorie fällt auch das fast ausschließlich instrumental gehaltene „Helicoptere“.

Ich habe den Film nicht gesehen und kann somit nicht beurteilen, wie die einzelnen Szenen zur Musik passen. Aber es bleibt festzuhalten, dass einige Sequenzen in diesem Film unglaublich schnulzig sein müssen, denn nur so ist ein Lied wie „Friend“ zu erklären, welches wahnsinnig schmalzig aus den Boxen wabert. Dies belegt die Musik, wie auch der Text - und wenn dann zur Rhythmusgenerierung auch noch ein Mitklatschen herhalten muss, dann schmerzt das doch gewaltig. In eine ähnliche Schublade passen auch die Lieder 4 und 11, „Come to me 1 und 2“.

Aber dieser Soundtrack enthält auch richtig gelungene Stücke, die auch auf den anderen Veröffentlichungen Archives zu den Highlights gehören würden. Das Instrumentalstück „Vaillant Theme“ zum Beispiel stellt weniger einen Klangteppich dar, sondern wartet viel mehr mit einer wunderschönen Melodie auf, die auch in ihrer Steigerung zu überzeugen weiß. Ebenso der Track Vaillant (Acoustic), der hauptsächlich von einer gezupften Gitarre und dem hier fast schon gehauchten Gesang Craig Walkers getragen wird. Und natürlich „Bridge Scene“, zweifellos eines der besten Lieder, die Archive bisher auf CD gepresst haben. Eine sehr ruhige Melodie wird hier immer weiter gesteigert, bis sie über dissonante Töne und einem fast schon erlösenden Snare-Einsatz quasi explodiert. Absolut klasse. Auch sehr gut: „Night time“. Toll passt hier wieder der Gesang von Craig Walker, der seine Botschaft dieses Mal so schön verzweifelt hinausschreit.

Fazit: Sicher das falsche Album zum Einstieg, wenn man beginnen möchte, sich mit der Musik von Archive genauer zu beschäftigen. Für Fans und Sammler aber ein Muss, da sich auf dem Album neben Längen auch besagte Highlights befinden. Acht Punkte.

Anspieltipps: Bridge Scene, Vaillant Theme, Night Time



Dienstag, 13. März 2012

Talk Talk – The Colour Of Spring





Talk Talk – The Colour Of Spring


Besetzung:

Mark Hollis – vocals, piano, variophon, organ, mellotron, melodica, guitar
Lee Harris – drums
Paul Webb – bass, backing vocals


Gastmusiker:

Phil Reis – percussion
Morris Pert – percussion
Martin Ditcham – percussion
Danny Thompson – acoustic bass
Alan Gorrie – bass
Steve Winwood – organ
Gaynor Sadler – harp
Robbie McIntosh – guitar, dobro
Tim Friese-Greene – piano, organ, mellotron, variophon
David Roach – soprano saxophone
Ian Curnow – instrumental
David Rhodes – guitar
Mark Feltham – harmonica
Ambrosia Choir – vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Pop, ArtPop


Trackliste:

1. Happiness Is Easy (6:31)
2. I Don't Believe In You (5:02)
3. Life's What You Make It (4:29)
4. April 5th (5:52)
5. Living In Another World ( 6:58)
6. Give It Up (5:17)
7. Chameleon Day (3:20)
8. Time It's Time (8:14)




Im Jahr 1986 erschien die dritte Platte der britischen Band Talk Talk. „The Colour Of Spring“ heißt dieses Album und auf ihm war ganz deutlich eine Entwicklung festzustellen: Aus der ehemaligen Synthi-Pop-Band Talk Talk war eine Formation geworden, die zwar immer noch Pop-Musik auf dem allerhöchsten Niveau fabrizierte, nun aber neben den Pop-Klängen auch ganz andere Töne und Stile zuließ. Die Musik auf „The Colour Of Spring“ war nicht mehr durchgehend radiotauglich, die Musik wurde eklektizistisch, abwechslungsreicher und vielschichtiger.

Aber auch auf „The Colour Of Spring“ gibt es diese Titel, die sofort ins Ohr gehen und einen nicht mehr loslassen. Das beginnt gleich mit der ersten Nummer „Happiness Is Easy“. „Glück ist einfach“ nuschelt Mark Hollis da auf Englisch. Und wenn dazu dann der Kindergartenchor einsetzt, dann passiert etwas in einem. Das Ganze verpackt in einer getragenen Popnummer und Talk Talk schafft es, wie kaum eine andere Band, Stimmungen zu produzieren. Diese entsprechen beim ersten Stück allerdings nicht dem „Glücklich sein“, sondern sehr viel eher der süßen Melancholie.

Schon ein bisschen weniger poppig wird es dann bei „I Don’t Believe In You“. Hier bestimmt, entsprechend dem Titel des Stücks, eine traurige Stimmung die Gefühlslage und hüllt den Hörer damit vollkommen ein. Ebenso mitreißend, allerdings wieder einen Tick fröhlicher und sogar tanzbar ist „Life’s What You Make It“. Eine schöne rhythmische Nummer, bei dem eine kleine, dem Lied zugrunde liegende Melodie, auf dem Keyboard fast mantrartig wiederholt wird und das Stück somit fast ein bisschen hypnotisierend werden lässt.

„April 5th“ geht dann schon sehr in die Richtung Musik, die Talk Talk auf den nächsten beiden Platten bis zur Perfektion ausleben wird. Eine Art Minimalismus herrscht hier vor. Das Ganze hat nun auch nur noch am Rande etwas mit Pop-Musik zu tun. Was hier zu hören ist, das ist längst nicht mehr so populär wie „Such A Shame“ zum Beispiel. „April 5th“ lebt von der Atmosphäre. Die Wichtigkeit einer schönen Melodie tritt deutlich in den Hintergrund, das Erzeugen von Stimmungen ist jetzt die Aufgabe der Musik geworden.

Allerdings schon beim nächsten Stück, „Living In Another World“, ist das alles wieder Makulatur. Hier stehen jetzt wieder die Beats im Vordergrund - und eine packende Melodie. Dazu gesellt sich, zum Verdichten des Sounds, noch ein fetter Orgelklangteppich, der selbst Jon Lord von Deep Purple zu Ehren gereicht hätte. Das Ganze in Kombination mit einer Mundharmonika und ein weiterer Höhepunkt im Schaffen von Talk Talk war geboren.

„Give It Up“ geht ebenfalls wieder in die Richtung „eingängige Popnummer“, vermittelt dabei allerdings erneut sehr viel Atmosphäre. Auch bei diesem Stück gibt es wieder einen fetten Orgelsound zu hören, für den sich Steve Winwood auszeichnet. Der kürzeste Track des Albums, „Chameleon Day“, nimmt dann erneut schon sehr viel von den nächsten beiden Alben vorweg. Ähnlich wie bei „April 5th“, ist hier ein wunderschöner Minimalismus zu hören. Alles, Instrumente wie Gesang, werden hier irgendwie nur angetestet, nur ganz zurückhaltend angeboten, bleiben im Hintergrund, obwohl sich im Vordergrund rein gar nichts abspielt. Nur ganz kurz bricht Mark Hollis mit seinem Gesang aus diesem Klanggebilde aus, um „Breathe on me, Eclipse my mind, It's in some kind of disarray, Killing time, I cradle far, Chameleon Days, Chameleon Day“ herauszustoßen. Besser kann man Musik kaum akzentuieren.

Zunächst poppig, dann immer hymnischer, wird das Album mit „Time It’s Time“ beendet. Auf über acht Minuten ziehen Talk Talk hier noch mal alle Register des Liederschreibens. Man hört schöne Melodien, einen groovenden Rhythmus, dichte Hintergrund-Chorpassagen, fröhliche Variophon- und Melodica-Instrumentalabschnitte und eine, den Hörer immer wieder einfangende Stimmung und Atmosphäre.

Fazit: Ein unglaublich dichtes und gleichzeitig abwechslungsreiches Album ist Talk Talk mit „The Colour Of Spring“ gelungen. Wunderschöne Melodien eröffnen sich hier dem Hörer, die mal zum Nachdenken und In-Sich-Gehen, mal zum Mitwippen einladen. Schade ist nur, dass das Album nach dem achten Lied bereits endet. Aber dann eben noch mal von vorne. 12 Punkte.

Anspieltipps: Jeder der acht Titel.



Montag, 12. März 2012

Guilt Machine – On This Perfect Day





Guilt Machine – On This Perfect Day


Besetzung:

Jasper Steverlinck – vocals
Lori Linstruth – lead guitars
Chris Maitland – drums
Arjen Lucassen – other instruments and vocals


Gastmusiker:

Ben Mathot – violin
David Faber – cello


Label: Mascot Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Progressive Rock, ProgMetal


Trackliste:

1. Twisted Coil (11:43)
2. Leland Street (8:03)
3. Green And Cream (10:33)
4. Season Of Denial (10:22)
5. Over (6:12)
6. Perfection? (10:46)




Der Holländer Arjen Lucassen ist sehr fleißig. So hat er neben seinem Hauptprojekt „Ayreon“, mit „Guilt Machine“ nun schon das vierte Nebenprojekt eröffnet. Und das ist absolut gelungen. Für die Komposition der Musik zeichnet sich alleinig Arjen Lucassen aus. Für die Umsetzung der Produktion konnte er dieses Mal Chris Maitland, den Ex-Drummer von Porcupine Tree gewinnen. Weiter beteiligt war Lori Linstruth, die sich für alle Texte verantwortlich zeigte. Dazu gesellte sich schließlich noch mit Jasper Steverlinck ein bisher völlig unbekannter belgischer Sänger, der seine Sache ausgezeichnet macht. Und wenn ich es nicht anders im Booklet nachlesen könnte, so wäre ich mir sicher, Freddie Mercury dort in einigen Passagen beim Singen zu hören. Unglaublich diese Ähnlichkeit.

Die Musik selbst besteht aus sechs Stücken, die durch die Bank weg, überaus gelungen sind. Das klingt zum Teil nach progressivem Hardrock bis ArtRock. Dicht und düster kommen die sechs Stücke aus den Boxen, garniert wird das Ganze durch tolle Melodien, die immer wieder Überraschungen aufweisen. Weitere Adjektive zur Beschreibung des Albums wären „melancholisch“ und immer wieder auch „wunderschön progressiv“.

Als Gimmick hat sich Herr Lucassen etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Im Booklet sind die Namen von Fans aufgereiht, die ihm in verschiedenen Sprachen ihre Gedanken zu den Themen „Schuld“, „Bedauern“, „Leben“, „Tod“ und der „menschlichen Natur“ als Audio-Datei zusandten. Gleich der zweite Beitrag ist dabei der Deutsche, quasi noch vor Beginn des ersten Liedes: „Wenn man lang genug in den Spiegel schaut, blickt man in die Augen des Teufels.“ Funktioniert bei mir aber Gott sei Dank nicht… 19 verschiedene Fan-Aussagen hat er auf diese Weise in sein Werk mit einfließen lassen.

Nun zur Musik. Die ist absolut dicht und weiß mitzureißen. Absolute Höhepunkte bei den Songs sind dabei „Season Of Denial“ und der letzte Track: „Perfection?“, was allerdings nicht heißen soll, dass die anderen Stücke dagegen groß abfallen. Wer welches Lied am besten findet, ist wieder mal absolute Geschmackssache, da sich hier wirklich keine schlechte Nummer auf das Album verirrt hat. Die beiden genannten Stücke sind meine persönlichen Höhepunkte, da sie in der ganzen Komplexität, dem Abwechslungsreichtum und auch der filigranen Musikalität noch mal eine Schippe drauflegen.

Fazit: Wer auf melodisch gemachte, zu Teil auch härtere und bombastische Rockmusik steht, die allerdings niemals seicht und mainstreammäßig daherkommt, kann hier nichts falsch machen. Eine tolle Platte von „Guilt Machine“ beziehungsweise Arjen Lucassen, die allerdings nur sehr wenig mit „Ayreon“ gemein hat. Dafür vergebe ich gerne 12 Punkte.

Anspieltipps: Season Of Denial, Perfection?



Sonntag, 11. März 2012

Pink Floyd – A Saucerful Of Secrets





Pink Floyd – A Saucerful Of Secrets


Besetzung:

David Gilmour –guitar, vocals
Nick Mason – drums
Richard Wright – organ, piano, vocals
Roger Waters – bass guitar, vocals


Gastmusiker:

Syd Barrett – guitar, vocals (Jugband Blues)


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1968 / 1994 / 2011


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Let There Be More Light (5:39)
2. Remember A Day (4:33)
3. Set The Controls For The Heart Of The Sun (5:27)
4. Corporal Clegg (4:12)
5. A Saucerful Of Secrets (12:00)
6. See-Saw (4:37)
7. Jugband Blues (3:00)




Auf ihrem zweiten Album, “A Sauercerful Of Secrets“, aus dem Jahr 1968, haben die vier Musiker von Pink Floyd den nächsten Schritt getan. Gab es auf dem Erstlingswerk „The Piper At The Gates Of Dawn“ auch noch eine ganze Menge 60er Jahre Pop zu hören, so tritt dieser, auf dem zweiten Album Pink Floyds, doch deutlicher in den Hintergrund. Alles klingt hier noch ein wenig psychedelischer, experimentierfreudiger und dabei immer wieder, wenn auch nicht durchgängig, eingängig.

Aber es hatte sich natürlich auch eine ganze Menge in der Band getan. Syd Barrett, der sich auf dem Debut noch als Hauptideengeber Pink Floyds auszeichnete, hatte die Band verlassen, beziehungsweise war gegangen worden. An seine Stelle trat nun David Gilmour an der Gitarre. Mit einem Lied, nämlich dem letzten der Platte, ist Syd Barrett allerdings auch noch auf diesem Album verewigt. „Jugband Blues“ heißt sein Beitrag, der mit drei Minuten Laufzeit das kürzeste Stück der Platte darstellt und ganz in der Tradition von „The Piper At The Gatres Of Dawn“ steht. Denn diese Nummer hätte vom Stil her durchaus auch auf dem ersten Album der Band seinen Platz finden können. Bis etwa zur Mitte des Stücks ist das Lied eine Pop-Nummer der 60er Jahre, die dann kurz nach der Hälfte ein wenig experimentell wird, um dann gegen Ende in einen sehr sphärischen und melodiösen Teil überzugehen.

Von den restlichen sechs Titeln stammen drei aus der Feder Roger Waters, zwei von Rick Wright und beim Titelstück, „A Saucerful Of Secrets“, zeichnen sich alle vier Musiker als Co-Komponisten aus. Eröffnet wird das Album mit „Let There Be More Light“ von Roger Waters. Der Beginn des Stücks klingt genau so, wie man es von einem Stück erwartet, dass dem Genre „Psychedelic Rock“ zugeordnet werden soll: Ein wenig schräg und sphärisch. Dann geht die Nummer allerdings in einen sehr harmonischen und melodiösen Teil über, der vor allen dadurch länger hängenbleibt, weil Roger Waters den Gesang während der Strophe sehr abgehackt intoniert. Es folgt mit „Remember A Day“ von Rick Wright ein wunderschön melodiöser Titel, der von einer harmonischen Pianomelodie getragen wird, in die immer wieder ungewohnte, fast schon weinende Gitarrenklänge, sowie diverse „Geräusche aus dem Mund Roger Waters“ eingestreut werden. Ein richtig schönes Stück.

Dann folgt mit „Set The Controls For The Heart Of The Sun“ wieder eine Nummer von Roger Waters. Die Stimmung dieses Stücks ist auf irgendeine Art und Weise mystisch. Alles klingt ein wenig unheimlich und eine Melodieführung ist nur am Rande vorhanden. Bei diesem Track geht es um die Atmosphäre und sonst nichts. Und das schafft das Lied auch, Atmosphäre zu schaffen. Eine tief dunkle, ja, mystische Stimmung – und daran können auch die Möwen nichts ändern, die gegen Ende des Liedes immer wieder zu hören sind. Das nächste Stück stammt ebenfalls von Roger Waters und „Corporal Clegg“ heißt es. Die Nummer besteht aus mehreren Teilen. Einem, der ein wenig härter klingt, einem, der an die Beatles erinnert und einem dritten, der Assoziationen an einen Zirkus oder Jahrmarkt aufkommen lässt. Eine nette Spielerei.

Schließlich gibt es den Titeltrack zu hören, der mit seinen zwölf Minuten Laufzeit auch gleichzeitig das längste Lied der Platte darstellt. Und auch hier gibt es eine Dreiteilung. Ganz langsam fängt es an zu brummen, dazu gesellen sich diverse Geräusche und eine nicht sehr melodiöse Synthesizer-Melodie. Und es wird immer atonaler, abgefahrener, wirrer, lauter und kakophonischer. Nach genau einem Drittel des Liedes ist damit aber abrupt Schluss und jetzt kann Nick Mason sein Können am Schlagzeug zeigen. Dieses wird allerdings ziemlich schnell wieder in den Hintergrund gedrängt und es geht genauso schräg und nervenzerreißend weiter, wie es bereits im ersten Teil zu hören war. Und aus all diesem erwächst dann nach sieben Minuten ein Donnergrollen, welches schließlich in ganz andere, absolut liebliche Töne mündet. Größer kann der Kontrast der Musik in einem einzigen Stück wahrlich nicht mehr sein. Aus einem Gewühl von Tönen und Eindrücken erwächst eine ganz ruhige, harmonische und melodiöse Orgelmelodie, die schließlich noch von einem Chor unterstützt wird. Auf zwölf Minuten haben Pink Floyd hier Himmel und Hölle erschaffen. Das ist „Psychedelic Rock“!

Bevor das Album durch das bereits erwähnte Stück „Jugband Blues“ beschlossen wird, gibt es allerdings noch den zweiten Titel von Richard Wright zu hören. „See-Saw“ heißt dieser, ist eine nette, etwas schwebende und eingängige Nummer, die allerdings nicht an seinen ersten Beitrag „Remenber A Day“ heranreicht.

Fazit: “A Saucerful Of Secrets” geht noch einen Schritt weiter in die Richtung “Psychedelic Rock”. Und auch wenn es für viele Fans die Katastrophe schlechthin war, das Syd Barrett Pink Floyd verlassen hatte, so wirkt es hier doch so, zumindest beim Hören seines Stückes auf dem Album, dass er seinen Zenit, warum auch immer, als Songschreiber bereits überschritten hatte. Bestätigt wurde dieser Eindruck auch durch seine zwei folgenden Soloalben. Doch das ist ein anderes Thema. Was bleibt ist eine spannende Platte, die sehr viele Stimmungen bereithält, von denen man sich immer wieder überraschen lassen kann. Interessant, spannend und elf Punkte wert.

Anspieltipps: Let There Be More Light, Remember A Day, A Saucerful Of Secrets



Samstag, 10. März 2012

Bernd Kistenmacher - Antimatter





Bernd Kistenmacher - Antimatter



Beim klangvollen Namen Adalbert von Deyen kann man sich gut und gerne verquastete und auch verwegene elektronische Musik vorstellen. Irgendwie hat der Klang dieses Namens schon was. Aber ja, ein Musiker mit Namen Klaus Schulze würde schon alleine deshalb bei DSDS durchfallen, ganz zu schweigen davon, dass solche Banausen in dieser Jury eine klangliche Überwelt eines KS gar nicht erfassen könnten.

Und nun liegt da die Platte “Antimatter” von Bernd Kistenmacher vor mir. Ein Name, der auch auf dem Klingelschild im Nachbarhaus meiner Eltern stehen könnte. “Guten Morgen Herr Kistenmacher”. Ok, genug abgeschweift. “Antimatter” ist ein brillantes, phänomenales, phantastisches, geniales, einzigartiges Meisterwerk. Ich könnte noch weiter ausholen, aber ich glaube, der werte Leser dieser Zeilen versteht, was ich meine. Ja, es ist eine Aufforderung, sich diese Platte zu besorgen, sich hinzusetzen und ganz konzentriert und bei allen Sinnen diesem Album zu lauschen. Es eröffnet sich eine wunderbare Klangreise in die sphärischen elektronischen Musikwelten.

“Antimatter” ist der letze Part einer Trilogie, die Kistenmacher selbst “Trilogy of the Universe” nennt. Am Anfang stand “Celestial Movements”, danach folgte “Beyond the deep” und nun zum Abschluß “Antimatter”. Ich weiß nicht, was es ist, dass aus Deutschland immer wieder einzigartige elektronische Musiker kommen, die einen in andere Klangwelten ziehen. Bernd Kistenmacher schafft das, er eröffnet einem ein Soundbuch, Seite für Seite, Song für Song werden Geschichten erzählt, die einen als Hörer tiefer in diese gewaltigen Klanglandschaften ziehen. “Antimatter” wurde vor kurzem veröffentlicht, ein wirklich phänomenales Album für jeden, der von Musik nicht nur bedüdelt werden will.

Freitag, 9. März 2012

Eels – Daisies Of The Galaxy






Eels – Daisies Of The Galaxy


Besetzung:

Marc Oliver Everett – vocals, all instruments
Jonathan “Butch” Norton – drums, vocals


Gastmusiker:

Peter Buck – guitar
Grant Lee Philips – guitar
Jim Lang – strings
Wayne Bergeron – horn
Andy Martin – horn
Chris Bleth – horn


Label: Universal Music Group / Interscope Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. Grace Kelly Blues (3:38)
2. Packing Blankets (2:08)
3. The Sound Of Fear (3:33)
4. I Like Birds (2:36)
5. Daisies Of The Galaxy (3:27)
6. Flyswatter (3:21)
7. It's A Motherfucker (2:15)
8. Estate Sale (1:36)
9. Tiger In My Tank (3:07)
10. A Daisy Through Concrete (2:26)
11. Jeannie's Diary (3:38)
12. Wooden Nickles ( 2:55)
13. Something Is Sacred (2:52)
14. Selective Memory (2:45)
15. Mr. E's Beautiful Blues (3:59)

Gesamtspieldauer: 44:17




“Daisies Of The Galaxy” von den Eels, also von Marc Oliver Everett, beginnt mit einer Trauerkapelle, mit der das Lied “Grace Kelly Blues” eingeleitet wird. Und das Album endet mit dem Titel “Mr. E's Beautiful Blues“, dessen letzte Worte heißen: „God damn right, it’s a beautiful day“. Diese beiden Eckpunkte zeigen schon sehr gut die Stimmung dieses Albums auf. War die Vorgänger-Platte, „Electro-Shoc Blues“, noch tieftraurig, so wird mit dieser Gefühlslage auch in das dritte Album der Band eingeführt. Die Stimmung „bessert“ sich auf „Daisies Of The Galaxy“ jedoch deutlich, bis der Hörer schließlich mit diesen letzten Worten „…it’s a beautiful day“ aus der Platte entlassen wird.

Und was passiert zwischen diesen beiden Polen? Da bekommt der Hörer erstklassige Musik zu hören. Völlig unaufgeregte Musik, meist leise Stücke, die praktisch durch die Bank weg wunderschön melodisch und harmonisch klingen, ohne dabei in irgendeiner Art und Weise anbiedernd zu sein. Das gilt für den Opener „Grace Kelly Blues“, bei dem die Hörner und eine Slide-Gitarre eine wunderschöne Atmosphäre schaffen. Das setzt sich im nächsten Titel, „Packing Blankets“, fort, der so angenehm beschwingt wirkt. Und das gilt auch für den Titel „I Like Birds“, eine Nummer, die Marc Oliver Everett für seine verstorbene Mutter geschrieben hat, da diese es so liebte, Vögel zu beobachten. Toll bei diesem Lied der Hintergrundchor und diese Variationen bei der Textzeile „I like birds“.

„Flyswatter“ ist ein Lied, welches mit einem Spieluhrsound eingeleitet wird. Und auch hier stehen wieder die Harmonien im Vordergrund, obwohl es in diesem Strück immer wieder auch leicht schräge Töne zu hören gibt. Wirklich klasse durchdacht und umgesetzt. Und noch jede Menge andere tolle Songs gibt es zu entdecken. Stellvertretend seien hier genannt: „A Daisy Through Concrete“, „Jeannie’s Diary“ und „Wooden Nickels“. Alles unaufdringliche Nummern, die mit ihren Melodien und Arrangements punkten können. Und dabei stellen diese Titel sämtlich keine Einheitsware dar. „A Daisy Through Concrete“ klingt fröhlich beschwingt, „Jeannie’s Diary“ traurig und ein wenig nachdenklich und schließlich „Wodden Nickels“ so herrlich schwebend, symphonisch und sentimental.

Und auch all die anderen Songs, die hier jetzt nicht explizit mit dem Titel erwähnt wurden, haben etwas. Auch sie strahlen alle auf irgendeine Art und Weise eine Stimmung aus, die fesselnd, bewegend, nachdenklich machend oder erheiternd sein kann. Alles, eben nur nicht langweilig.

Fazit: Ein schönes Album ist Mark Oliver Everett, alias „The Eels“ oder nur kurz „E“ da gelungen. 15 Titel sind auf der Platte versammelt, 15 Nummern, die alle etwas haben, die alle auf ihre Art und Weise gefallen können. Die Stimmung auf diesem dritten Album der „Eels“, aus dem Jahr 2000, ist dabei deutlich fröhlicher, als noch auf dem Vorgänger. Der Eindringlichkeit der Stücke macht dies allerdings keinen Abbruch. „Daisies Of The Galaxy“ ist kein anstrengendes Album und auch keine „aufgeregte“ Platte. Vielmehr ist hier meist ruhige und zurückhaltende Musik zu hören, die fast immer sehr melodisch ist und den Hörer einfängt. Dafür gibt es elf Punkte.

Anspieltipps: Grace Kelly Blues, Packing Blankets, I Like Birds, Flyswatter, A Daisy Through Concrete, Mr. E's Beautiful Blues



Donnerstag, 8. März 2012

Porcupine Tree – Lightbulb Sun





Porcupine Tree – Lightbulb Sun


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, guitar, samples
Richard Barbieri – keyboards
Colin Edwin – bass guitar
Chris Maitland – drums and percussion


Label: Snapper Music


Erscheinungsdatum: 2000 (Re-Release 2008 mit Audio DVD 5.1 Mix)


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD:

1. Lightbulb Sun (5:32)
2. How Is Your Life Today? (2:47)
3. Four Chords That Made A Million (3:37)
4. Shesmovedon (5:14)
5. Last Chance To Evacuate Planet Earth Before It Is Recycled (4:50)
6. The Rest Will Flow (3:18)
7. Hatesong (8:30)
8. Where We Would Be (4:13)
9. Russia On Ice (13:06)
10. Feel So Low (5:23)

DVD:

1. Disappear (5.1 mix) (3:40)
2. Buying New Soul (5.1 mix) (10:26)
3. Cure For Optimism (5.1 mix) (6:36)
Sowie alle Titel der CD im Stereo Album Mix




Pünktlich zum neuen Jahrtausend legen Porcupine Tree eine geniale Scheibe vor. „Lightbulb Sun“ heißt das Werk, welches vor Abwechslungsreichtum, Komplexität, tollen Melodien und überraschenden Einfällen nur so strotzt.

Auf „Lightbulb Sun“ gibt es so wundervolle Stücke wie „How Is Your Life Today?” oder „Feel So Low“ zu hören. Unglaublich schöne Melodien erschließen sich hier dem Hörer, die durch den mehrstimmigen Gesang in ihren Harmonien und ihrer Melodiösität noch aufgewertet werden. Alles wirkt so einschmeichelnd und ein wenig traurig, ohne dabei auch nur einen Hauch in Richtung Kitsch abzudriften. Ein weiteres Beispiel für die gelungenen Kompositionen auf „Lightbulb Sun“ ist das Stück „Shesmovedon“. Obwohl diese Nummer ebenfalls meist ziemlich ruhig gehalten ist, so lebt sie doch vom perfekten Zusammenspiel der Rhythmusfraktion mit Colin Edwin und Chris Maitland. Und auch hier erneut der Gesang – einfach richtig gut umgesetzt.

Dann gibt es auf dem Album so einen Titel wie „Last Chance To Evacuate Planet Earth Before It Is Recycled”. Bei dem Lied, mit dem sperrigen Namen, dominiert zunächst die Akustikgitarre, bis es dann richtig sphärisch und schwebend wird. Hier stimmt erneut die Atmosphäre und kann den Hörer mitnehmen. Oder aber so ein Stück wie „Hatesong“, sehr komplex, auch mal mit härteren Gitarren, bei dem Chris Maitland sich wunderbar am Schlagzeug einbringen kann und für die richtige und treibende Stimmung sorgt.

Und dann gibt es da natürlich noch den Höhepunkt des Albums: „Russia On Ice“. Mehrere Teile beinhaltet dieser 13 Minuten und 6 Sekunden lange Song. Das Lied beginnt mit Keyboard Geklimper und wird anschließend immer weiter gesteigert. Dafür zeichnet sich zunächst der Gesang aus, der in einem genialen Refrain seinen Höhepunkt findet. Daraufhin folgt ein härterer Teil, der ziemlich abgefahren klingt und sich nicht gleich beim ersten Hören erschließt. Und am Ende wird es wieder sphärisch, man hört Glockenläuten und alles ist von einem breiten Keyboardklangteppich unterlegt.

Und auch die restlichen Stücke auf „Lightbulb Sun“ haben dieses gewisse „Etwas“. Die Fähigkeit, Musik zu einem Teil des Lebens zu machen, auf den man einfach nicht mehr verzichten möchte. Schöne Musik eben, die es lohnt gehört zu werden.

Inzwischen gibt es auch eine Ausgabe mit zusätzlicher DVD. Darauf enthalten nochmals alle Lieder des Albums im Stereo Master Mix. Dazu gibt es zahlreiche Bilder der Band, sowie alle Texte der einzelnen Nummern. Und schließlich enthältt die DVD noch drei Bonustücke, „Disappear“, „Buying New Soul“ und „Cure For Optimism“, die im 5.1 Surround Sound abgemischt wurden.

Fazit: Das Album beinhaltet keine Schwächen, dafür jedoch jede Menge Höhepunkte. Hier wird keine Musik geboten, die man im Radio hören kann. Hier wird Musik geboten die oftmals „ergreifend“ ist, die berühren kann, die einen packt und mitreißt. Großes Kino und bereits jetzt ein Klassiker. Für dieses Album vergebe ich 13 Punkte.

Anspieltipps: How Is Your Life Today?, Shesmovedon, Last Chance To Evacuate Planet Earth Before It Is Recycled, Russia On Ice, Feel So Low




Mittwoch, 7. März 2012

Deep Purple – In Rock





Deep Purple – In Rock


Besetzung:

Ian Gillan – vocals
Ritchie Blackmore – guitar
Jon Lord – organ
Roger Glover – bass
Ian Paice – drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1970 / 1995


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Speed King (5:53)
2. Bloodsucker (4:13)
3. Child In Time (10:18)
4. Flight Of The Rat (7:55)
5. Into The Fire (3:29)
6. Living Wreck (4:32)
7. Hard Lovin' Man (7:11)
8. Black Night (Single Version) (3:28)


Bonus Tracks:

9. Studio Chat 1 (0:34)
10. Speed King (Piano Version) (4:16)
11. Studio Chat 2 (0:27)
12. Cry Free (Roger Glover Remix) (3:22)
13. Studio Chat 3 (0:06)
14. Jam Stew (Unreleased Instrumental) (2:32)
15. Studio Chat 4 (0:41)
16. Flight Of The Rat (Roger Glover Remix) (7:55)
17. Studio Chat 5 (0:32)
18. Speed King (Roger Glover Remix) (5:53)
19. Studio Chat 6 (0:24)
20. Black Night (Roger Glover Remix) (4:48)




Hört man sich beide Platten hintereinander an, damit meine ich die dritte Veröffentlichung von Deep Purple mit dem Namen „Deep Purple“, sowie das vierte Album, „In Rock“, welches zeitlich gesehen nur ein Jahr später erschien, so ist es fast nicht zu glauben, dass es sich dabei um dieselbe Band handeln soll. Klar, es hatte zwei Wechsel gegeben. Ritchie Blackmore vor allem, wollte “härtere“ Musik machen und dazu schien der Band die Mitgliedschaft von Nick Simper und Rod Evans nicht geeignet. Und so wurden die beiden Musiker kurzerhand durch Roger Glover am Bass und Ian Gillan beim Gesang ersetzt. Aber trotzdem, solch ein Stilwechsel! Wahnsinn, so etwas hat kaum eine andere Band zustande gebracht.

Und ganz klar, „Deep Purple In Rock“ ist ein Meisterwerk. Denn mit ihm wurde das Genre „Hard Rock“ mitbegründet. So kompromisslos hatte bisher noch keine andere Band losgerockt. Solch einen schnellen Sound gab es so durchgängig bisher noch von keiner anderen Musikformation zu hören. Und somit ist „In Rock“ von Deep Purple wahrlich ein Meilenstein in der Geschichte der Rock-Musik.

Und von der Musik her? Jetzt wird es deutlich schwieriger, beziehungsweise differenzierter. Auf dem Album befindet sich „Child In Time“! Ein absoluter Übersong. Ein, ganz ohne Zweifel, 15 Punkte Lied. Diese Orgelmelodie, dieser zunächst so zurückhaltende Sound, dieser zunächst leise, fast schon schwebende Gesang. All das wird im Verlauf des Stücks mehr und mehr über Bord geworfen. Mit jedem Takt gewinnt der Song an Kraft, um sich zu steigern, weiter und immer weiter. Und schließlich explodiert fast alles. Die Musik, der Rhythmus, der Gesang. Dann kommt dieser Part mit dem Gitarrensolo. Ritchie Blackmore entlockt hier seinem Instrument die Töne in einer Geschwindigkeit, die bis dato kaum von anderen Bands beziehungsweise Gitarristen zu hören waren. Einfach mitreißend. Und wieder geht es einen Schritt zurück, in den ersten, ruhigen Teil des Stücks. Erneut steigert sich die Nummer dann allerdings in bis dahin noch nie gehörte Dimensionen. Ian Gillan singt, nein er schreit, nein, er fleht in einer Art und Weise, die vorher und nachher ihresgleichen sucht, jedoch nie finden wird. „Child In Time“ ist eine Hard Rock Symphonie von allererster Qualität, die im Grunde genommen nicht übertroffen werden kann. Das Lied hätte 15 Punkte verdient, wenn man nur einzelne Lieder bewerten würde.

Aber da gibt es ja noch jede Menge andere Stücke auf der Platte. Und die sind auch nicht schlecht – aber sie sind allerdings auch nichts Besonderes. Sie sind musikalischer Durchschnitt. Die Lieder krachen und treiben und explodieren zum Teil. Und darin liegt auch das Besondere der Stücke: Hier wird durchweg Hard Rock zelebriert und dies, in dieser Konsequenz und auf diese Weise, zum ersten Mal in der Geschichte der Rockmusik. Dadurch wird eine Atmosphäre geschaffen, von der das ganze Album lebt. Das macht den Stellenwert dieses Albums aus. Musikalisch gesehen gibt es allerdings sehr viel bessere Hard Rock Stücke, nicht nur von Deep Purple, auch von anderen Bands. Ausnahme das schon erwähnte „Child In Time“. Und musikalisch interessanter, abwechslungsreicher und packender war insgesamt das Vorgängeralbum. Der Ehrlichkeit halber muss man hier allerdings auch anführen, dass genau dieses Vorgängeralbum bei vielen Deep Purple Fans als eines der schlechteren in der Discographie der Band angesehen, wohingegen „In Rock“ als der Meilenstein gehandelt wird. Liegt wohl mit an der Frage, die man sich bezüglich „In Rock“ unbedingt stellen sollte: Nähert man sich diesem Album eher vom Rock oder vom Prog?

Auf der remasteten Version von 1995 befinden sich auch noch einige Bonus Tracks. Diese fallen gegenüber den anderen Tracks des Albums nicht ab, ausgenommen natürlich gegenüber „Child In Time“. Dazu gibt es immer wieder Studiogesprächseinblendungen mit kleinen musikalischen Einlagen. Ein nettes Gimmick. Mehr allerdings auch nicht, da diese immer nur wenige Sekunden lang dauern.

Fazit: Ein Meilenstein ist Deep Purples „In Rock“ auf jeden Fall durch die Art der Musik, die hier dem Hörer dargeboten wird: Hard Rock pur. Das gab es 1970 so noch nicht. Und dann ist da auch noch dieser Titel, „Child In Time“, der so unglaublich begeistern kann und einen absoluten Höhepunkt im Schaffen der Band darstellt. Musikalisch gesehen ist der Rest der Titel allerdings nur Durchschnitt. Auf anderen Platten der Band gibt es bessere Rock-Stücke und auch Ritchie Blackmore’s Rainbow kann da mit noch tolleren Kompositionen aufwarten. Somit: Meilenstein in Bezug auf „Child In Time“ und der Innovation der Musik: Klares „Ja“! In Bezug auf die Musikalität der restlichen Stücke: Nein! Die sind lediglich Durchschnitt. Und somit würde das Album von seinem Stellenwert her hier fünfzehn Punkte verdienen. Ich bewerte allerdings nur die Musik und somit komme ich auf zehn Punkte.

Anspieltipps: Child In Time



Dienstag, 6. März 2012

John Cale – The Academy In Peril





John Cale – The Academy In Peril


Besetzung:

John Cale – piano


Gastmusiker:

Royal Philharmonic Orchestra – alle weiteren Instrumente
Ron Wood – bass, guitar
Legs Larry Smith – percussion


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Minimalismus Rock


Label: Edsel Records


Trackliste:

1. The Philosopher(4:33)
2. Brahms (6:26)
3. Legs Larry At Television Centre (3:40)
4. The Academy In Peril (6:57)
5. Intro / Days Of Steam (3:01)
6. Three Orchestral Pieces (8:45)
....a. Faust
....b. The Balance
....c. Captain Morgan’s Lament
7. King Harry (4:13)
8. John Milton (8:00)




Ein Jahr vor der endgültigen Auflösung von Velvet Underground, brachte John Cale 1972 mit „The Academy In Peril“ sein drittes Solowerk heraus, für dessen Covergestaltung sich Andy Warhol verantwortlich zeigte. Musikalisch zur Seite standen John Cale dabei Ron Wood von den Stones, Legs Larry Smith von der Bonzo Dog Doo-Dah Band, sowie das Royal Symphonic Orchestra aus London.

Die Musik auf dem Album ist sehr, sehr ruhig geraten und kann fast schon als minimalistisch bezeichnet werden. Oftmals wirkt es eher wie die Hintergrundmusik aus einem Spielfilm. Das erste Stück, „The Philosopher“ ist dabei gleich jenes, mit dem meisten „Drive“, denn zu oft mussten sich weder Ron Wood noch Legs Larry Smith an der Instrumentierung beteiligen, aber hier durften sie mal. Das Lied klingt schräg und weiß auf seine Art zu gefallen, da hier immerhin mal etwas „passiert“.

Weiter geht es mit „Brahms“, einem reinen Instrumentalstück, welches aus einem Pianosolo besteht. Hier zeichnet es sich bereits ab, wie es auf den restlichen Liedern weitergehen soll: Ruhig und getragen. Ganz nett dann noch „Legs Larry At Television Center“. Cello, Bratsche und Violine kommen zum Einsatz und man hört Legs Larry, wie er Regieanweisungen von sich gibt. Diese allerdings nicht gesungen, sondern gesprochen.

Das Titelstück „The Academy In Peril“ ist anschließend, wie die Nummer “Brahms”, ein Pianosolo von John Cale. Es folgen „Intro“ und „Days Of Steam“, wobei Letzteres durchaus als das Highlight des gesamten Albums bezeichnet werden kann. Denn hier findet sich zumindest eine Melodie. „Three Orchestral Pieces“ sind dann drei, nur aus Streichern bestehende Stücke, die schwerlich voneinander zu unterscheiden sind.

„King Harry“ startet mit Gewittergrollen, dann setzen Bläser ein und schließlich hört man King Harry diabolisch lachen. Anschließend flüstert dieser König beschwörend fast sinnfreie Wörter ins Mikro. Bleibt zum Schluss noch der Song „John Milton“, der acht Minuten, zumeist auch wieder sehr ruhig, aus den Boxen wabert. Aber immerhin ist darin eine gewisse Steigerung enthalten, die einem anzeigt: Hey, das Lied geht weiter!

Fazit: Ein minimalistisches Album, was nicht unbedingt nur zu ruhig, sondern manchmal auch einfach zu langweilig geraten ist. Man muss sich sehr darauf einlassen können, vielleicht lässt sich dem Ganzen so noch ein wenig mehr abgewinnen. Alles klingt ein wenig nach Soundtrack und so überrascht es überhaupt nicht, dass es das Lied „Days Of Steam“ sogar wirklich in die Filmmusik zum Andy Warhol Streifen „Heat“ geschafft hat. Und dieses Lied bildet wirklich eine Ausnahme, denn die anderen Nummern sind eher vergleichbar mit Filmmusiken in nicht besonders interessanten Szenen. So bleiben fünf Punkte für diesen hörbaren, jedoch nicht immer überzeugenden Minimalismus.

Anspieltipps: The Philosopher, Days Of Steam, John Milton