Sonntag, 17. März 2013

Quicksilver Messenger Service – Happy Trails




Quicksilver Messenger Service – Happy Trails


Besetzung:

John Cipollina – guitar and vocals
Greg Elmore – drums, percussion and vocals
Gary Duncan – guitar and vocals
David Freiberg – bass, piano and vocals


Label: Repertoire Records (ursprünglich Capitol Records)


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Blues Rock, Psychedelic Rock, Jam Rock


Trackliste:

1. Who Do You Love - Part I (3:33)
2. When Do You Love (5:15)
3. Where Do You Love (6:07)
4. How Do You Love (2:46)
5. Which Do You Love (4:39)
6. Who Do You Love - Part II (3:01)
7. Mona (7:02)
8. Maiden Of The Cancer Moon (3:01)
9. Calvary (13:21)
10. Happy Trails (1:29)

Gesamtspieldauer: 50:13




Dieses Album der amerikanischen Band aus San Francisco, Quicksilver Messenger Service, ist schon etwas Besonderes. In der Liste des „Rolling Stones Magazines“ der 500 besten Alben aller Zeiten erscheint es auf Platz 189. Der Titel „Mona“ rangiert in der Liste der besten Gitarren-Songs aller Zeiten desselben Magazins auf Platz 88. Und schließlich taucht in einer weiteren Liste John Cipollina als die Nummer 32 der besten Gitarristen aller Zeiten auf. Nun, mit solchen Listen ist das natürlich immer so eine Sache. Stimmen die, oder stimmt das nicht, was dort wie angeordnet wurde. Letztendlich bleibt es dann doch häufig eine Geschmackssache. Was ist das denn nun für eine Musik, die die Band mit dem eigentümlichen Namen Quicksilver Messenger Service auf „Happy Trails“ dem Hörer da präsentiert?

Die erste Seite der Platte wurde live im Fillmore, einem Konzertsaal in San Francisco aufgenommen. Diese Live-Atmosphäre ist am deutlichsten im Part „Where Do You Love“ zu vernehmen, bei dem das Publikum mit eingebunden wurde. Ansonsten hört man nur sehr wenig von dieser Live-Situation. Lediglich am Ende des zweiten „Where Do You Love“-Parts ist das Publikum mit ausgiebigem Applaus zu vernehmen. Alle Teile des Albums gehen ineinander über, nur der kurze Titeltrack „Happy Trails“, am Ende der Platte, eine unsägliche Country-Nummer, ist durch Stille von den anderen Songs abgesetzt.

Beim ersten und letzten Teil der ganzen „Do You Love“-Parts handelt es sich um eine Adaption eines Bo Diddley Rock’n’Rolls, der hier in den Blues überführt wurde. In den einzelnen folgenden Abschnitten erhält dann jeder der vier Musiker seinen eigenen größeren Auftritt in Form eines ausgiebigen Solos. Das wirkt mitunter improvisiert, dabei aber durchgehend spannend. „Spannend“ ist allerdings auch das richtige Stichwort für das Zusammenspiel der zwei Gitarristen John Cipollina und Gary Duncan, die sich gegenseitig richtiggehend zur Höchstform anstacheln und steigern. Überhaupt hört man an jeder Stelle des Albums vier Vollblutmusiker, die ihr Handwerk bestens verstehen. So ist die ehemalige erste Plattenseite zu einem langen Blues-Rock-Song geworden, meist instrumental gehalten, der jede Menge Groove entwickelt und selbst den nicht so bluesbegeisterten Musikhörer mitreißen kann.

Die zweite Seite der ehemaligen LP enthielt angeblich ebenfalls live eingespielte Titel, die allerdings anscheinend nachträglich durch Studioversionen ersetzt wurden. An der Art der Musik hat sich dabei jedoch nichts geändert. Lange Soli, mitunter improvisiert wie auf einer Jam-Session klingend, mal mehr treibend, mal etwas sphärischer und immer spannend anzuhören. Der Titel „Mona“ ist dabei übrigens wieder eine überarbeitete Bo Diddley-Nummer und der Titeltrack eine Adaption der Titelmelodie der Roy Rogers-Show und ganz untypisch, wie oben bereits erwähnt, ein Country-Lied. Die beiden restlichen Stücke „Maiden Of The Cancer Moon“ und das richtiggehend mitreißende „Calvary“ entstammen aus der Feder Gary Duncans.

Fazit: Im Grunde genommen kann ich mit Blues leider häufig nicht allzu viel anfangen. Diese etwas rockigere und fast schon improvisierte Version dieser Stilrichtung auf „Happy Trails“ gefällt allerdings sogar mir. Natürlich ist hier keine Musik zu hören, die man neben einem Gespräch mitlaufen lassen kann. Nein für „Happy Trails“ von Quicksilver Messenger Service muss man sich Zeit nehmen, man muss sich auf diese Musik voll und ganz einlassen können, damit sie ihren Zauber auch entfalten kann. Für Freunde des Blues auf jeden Fall geeignet. Liebhaber gitarrenlastiger Musik kommen hier auch bestens auf ihre Kosten. Für Menschen mit einem Hang zur progressiven Musik allerdings ebenfalls zu empfehlen, denn ein wenig geht die Scheibe auch in diese Richtung. Hier lohnt es sich wahrlich mal ein Ohr zu riskieren. Ob die Platte allerdings zu Recht den Platz 189 der besten Alben aller Zeit einnimmt und der Titel „Mona“ der 88 beste Gitarren-Song ist, das wage ich zu bezweifeln. Aber Geschmackssache eben. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Die “Do You Love”-Teile genau wie “Mona” und vor allem “Calvary”





Samstag, 16. März 2013

Amy Mcdonald – A Curious Thing




Amy Mcdonald – A Curious Thing


Besetzung:

Amy Macdonald – vocals, acoustic guitar, backing vocals


Gastmusiker:


Seton Daunt – electric guitar
Susan Dench – viola
Peter Lale – viola
Jonathan Hill – violin
Laura Melhuish – violin
Leo Payne – violin
Chris Tumbling – violin
Ann Lines – cello
Jolyon Dixon – acoustic & electric guitar
Sarah Erasmus – backing vocals
Joe Fields – backing vocals
Adam Falkner – drums
Stuart Marchant bass, drums, high string guitar, percussion, backing vocals
Eileen Mueller – shaker
Charles Rees – percussion, backing vocals
Audrey Riley – cello, string arrangements, string conduction
Jamie Sefton – bass
Jimmy Sims – bass, hammond organ
Paul Weller – bass, electric guitar, piano
Pete Wilkinson – acoustic guitar, keyboards, percussion, piano, string arrangements, backing vocals


Label: Universal International Music


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Folk-Pop


Trackliste:

1. Don't Tell Me That It's Over (3:16)
2. Spark (3:07)
3. No Roots (4:30)
4. Love Love (3:17)
5. An Ordinary Life (3:36)
6. Give It All Up (2:56)
7. My Only One (3:32)
8. This Pretty Face (3:57)
9. Troubled Soul (4:47)
10. Next Big Thing (3:31)
11. Your Time Will Come (4:32)
12. What Happiness Means To Me (9:23)

Gesamtspieldauer: 50:24




„A Curious Thing“ ist die zweite Platte der Schottin Amy Mcdonald und erschien im Jahr 2010. Folk Rock gibt es auch hier wieder zu hören, der dem der ersten Platte auch sehr nahe kommt. Nichts Neues also könnte man sagen. Allerdings wenn das „Alte“ schon gepasst hat, warum sollte dann alles immer wieder neu erfunden werden? Somit befindet sich auch auf diesem neuen Album wieder jede Menge eingängige Musik, die man immer wieder gerne hört. So ganz nebenbei, beim Autofahren oder aber auch ganz entspannt auf dem Sofa.

Das funktioniert gut, aber leider weiß man nicht genau wie lange. Ein großes Manko dieser Platte ist nämlich die Abmischung. Es scheint so, ob über allem ein Rasenmäher hinweggefahren wäre, der den einzelnen Instrumenten eine exakt gleichlaute Lautstärke verordnet hätte. Das wiederum hat zu Folge, dass es dem Album oftmals sehr an Dynamik fehlt, welche das Spiel mit den Intensitäten der unterschiedlichen Instrumente, durchaus auch hervorrufen kann.

Wie bereits erwähnt ist aber auch dieses Mal wieder alles sehr eingängig an der Musik von Amy Mcdonald. Harmonie steht also ganz oben als Überschrift über dieser Platte. Das bedeutet auch, dass sich wirklich kein schlechtes Lied auf das Album verirrt hat. Alles klingt auf seine Art. Aber leider fehlen hier die Ecken und Kanten, die Musik und einzelne Lieder auch immer wieder mal besonders interessant werden lassen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass diese Scheibe bei mehrmaligem Hören sehr schnell Gefahr läuft, langweilig zu werden und vielleicht noch schlimmer, anfängt zu nerven.

Fazit: Wohldosiert eingesetzt macht die Musik auf „A Curious Thing“ viel Spaß. Diese „Übersongs“, diese absoluten Ohrwürmer, wie es sie noch auf dem Debut „This Is The Life“ zu hören gab, die fehlen hier allerdings weitestgehend. Somit bleibt hier für mich wahrlich keine schlechte Musik, allerdings auch keine, die ich mit auf diese berühmte einsame Insel nehmen würde. Dazu ist es dann doch ein wenig zu belanglos. Acht Punkte.

Anspieltipps: Don't Tell Me That It's Over, No Roots, An Ordinary Life, My Only One, Troubled Soul, Your Time Will Come, What Happiness Means To Me






Freitag, 15. März 2013

Sølyst – Lead




Sølyst – Lead


Besetzung:

Thomas Klein – alle Instrumente


Label: Bureau B


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Electronische Musik


Trackliste:

1. Pierbourg (7:16)
2. Glass Danger (5:10)
3. Polar (4:53)
4. Lead (2:15)
5. Magellan (5:00)
6. Melancholia (5:20)
7. Spiegel (4:28)
8. Kristall (2:16)
10. Schnee (5:43)

Gesamtspieldauer: 42:21




Sølyst nennt sich das Soloprojekt von Thomas Klein. Er ist Schlagzeuger von Kreidler, und eigentlich machen Schlagzeuger ihr Ding und gut ist. Aber bei Thomas Klein ist das anders. Er zeigt gerade mit Sølyst, was ein Drummer alles machen kann. Sein erstes Album war bereits ein schwer beeindruckendes Werk. Nun legt er mit “Lead” die zweite Platte nach. Und hier geht er einen Schritt weiter. Dieses Album ist noch tiefer, dunkler, komplexer, hypnothischer.

In Kalifornien ist es Nacht, zwei Glas Wein, dazu dieser Sound, eine wilde, stürmische Klangreise beginnt. Man folgt diesem Sound, lässt sich darauf ein. Links ein Lautsprecher, rechts ein Lautsprecher direkt neben dem Schreibtisch, man wird ergriffen von der Musik. Trommeln, undefinierbare Sounds. Kurz vorher habe ich noch über den Ost-Kongo gelesen, wo ich vor ein paar Wochen war. Thomas Klein fängt diese Stimmung, die ich dort erlebt habe, in seiner Musik ganz unbewusst ein. Ich könnte hier und jetzt die Augen schließen, in Gedanken durch Goma laufen, die Flüchtlingslager am Rande der Stadt besuchen, mit den Moped-Taxis über die Lavasteinpisten hoppeln oder von dieser Millionenstadt Richtung Osten an die ugandische Grenze fahren, vorbei an schwerbewaffneten Milizen, an spielenden Kindern, an Menschen, die auf Feldern arbeiten….

„Lead” wäre für mich der perfekte Soundtrack dieser einzigartigen Landschaft, dieser tiefen und bewegenden Eindrücke, dieses unbeschreiblichen Elends.

Fazit: “Lead” von Sølyst, ein einzigartiges und höchst empfehlenswertes Album.




Donnerstag, 14. März 2013

The Doors – Strange Days




The Doors – Strange Days


Besetzung:

Jim Morrison – lead vocals, percussion, moog synthesizer (track 1)
Ray Manzarek – vox continental organ, fender rhodes piano bass (tracks 4, 10), harpsichord (track 3), backwards piano (track 4), marimba (track 9), backing vocals
Robby Krieger – guitar, backing vocals
John Densmore – drums


Gastmusiker:

Douglas Lubahn – bass guitar (tracks 1, 2, 3, 6, 7, 8, 9)


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1967


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Strange Days (3:09)
2. You're Lost Little Girl (3:03)
3. Love Me Two Times (3:17)
4. Unhappy Girl (2:00)
5. Horse Latitudes (1:35)
6. Moonlight Drive (3:04)
7. People Are Strange (2:12)
8. My Eyes Have Seen You (2:30)
9. I Can't See Your Face In My Mind (3:27)
10. When The Music's Over (10:59)

Gesamtspieldauer: 35:17




Lediglich acht Monate nach dem Debut wurde bereits im September 1967 das zweite Album der Doors unter dem Titel „Strange Days“ veröffentlicht. Die ganze Platte ist angeblich angefüllt mit Song-Material, welches fast alles bereits beim Debut zur Verfügung stand, dort jedoch nicht zum Einsatz kam. Auch gibt es bezüglich „Strange Days“ jene etwas verwunderliche Situation, dass aus dem Umfeld der Band immer wieder verlautete, dass es sich mit „Strange Days“ um das beste Album der Band handelt. Verkaufstechnisch ist es allerdings das schwächste der sechs Alben, welche die Doors zu Lebzeiten Jim Morrisons aufnahmen. Das heißt jetzt allerdings auch nicht so viel, denn erfolgreich war auch dieses zweite Album der Band.

Nun, was stimmt jetzt aber? Das beste Album oder doch eher die schwächste Platte? Wie so oft natürlich Geschmackssache. Festzuhalten ist, dass sich auf dem Album kein Single-Hit befindet, der wurde einfach nicht ausgekoppelt. Das, was hier aber zu hören ist, ist erneut sehr bewegend und intensiv. Die Texte des Jimmy Morrison sind wieder sehr eindringlich und behandeln jede Menge menschliche Gefühle und Situationen wie zum Beispiel Liebe, Tod, Trauer und Verlustängste.

Es wird mehr experimentiert auf „Strange Days“. Der Song „Horse Latitude“ hätte zum Beispiel auf den Opener überhaupt nicht gepasst. Dieses, fast schon eine Soundkollage zu nennende Stück, wirkt hier jedoch auf der zweiten Platte. Ebenfalls das anschließende „Moonlight Drive“ ist sehr viel schräger, als jene Titel, die auf „The Doors“ zu finden sind. Insgesamt ist die Musik auf „Strange Days“ deutlich weniger eingängig, als noch auf dem Debut Album. Die Stimmung, die Atmosphäre ist davon nicht betroffen. Auch „Strange Days“ klingt traurig, melancholisch, manchmal auch verzweifelt. Allerdings ohne diese Übersongs, die diesen absoluten Wiedererkennungswert vereinnahmen. Am ehesten schafft dies noch das letzte Stück, der Longtrack und irgendwie auch das eindrucksvollste Lied der Platte: „When The Music's Over“. Dieses Lied wirkt noch ein wenig mehr und setzt sich durchaus im Musikzentrum des Gehirns fest. Besonders gelungen an diesem Song ist die Abwechslung, diese fordernde wie zurückhaltende Stimmung der Nummer, im Verlauf derer Jim Morrison mitunter alles herausbrüllt, ein anders Mal seine Worte ganz sanft akzentuiert. Wahrlich sehr gelungen.

Fazit: Was für das erste Album der Doors galt, das gilt auch für die zweite Platte der Band: Diese Musik ist auch heute noch zeitgemäß. „Strange Days“ ist nicht so eingängig wie „The Doors“, zudem sind auf der Platte diese „Übersongs“ rarer gesät. Mir geht es in der Musik immer um das Besondere und auch das musikalisch Eingängige ist bei mir sehr willkommen. Das gibt es hier jetzt auf „Strange Days“ allerdings deutlich weniger. Trotzdem ist die Platte gut und lohnenswert. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Strange Days, You're Lost Little Girl, People Are Strange, I Can't See Your Face In My Mind, When The Music's Over





Mittwoch, 13. März 2013

Me And My Drummer – The Hawk, The Beak, The Prey




Me And My Drummer – The Hawk The Beak The Prey


Besetzung:

Charlotte Brandi – Gesang, Keyboard, Piano
Matze Pröllochs – Schlagzeug


Label: Sinnbus


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Dream Pop


Trackliste:

1. Phobia (3:57)
2. Rain Kids (3:48)
3. You're a Runner (3:24)
4. Mother Shell (5:35)
5. Don't Be So Hot (3:06)
6. The Wings (4:06)
7. Down My Couch (2:34)
8. Heavy Weight (4:36)
9. So Foreign (5:43)
10. Runner (Reprise) (3:28)

Gesamtspieldauer: 40:17




“Die Musik lässt sich den Genres Indie, Dream Pop und Pop zuordnen”, heißt es auf Wikipedia… Dream Pop? Noch nie von gehört. Pop? Na ja…. und Indie, also, was ist Independent? Die drei Begriffe beschreiben ME AND MY DRUMMER eigentlich gar nicht. Sowieso nerven solche Genreeinordnungen nur. Nun habe ich endlich “The Hawk, The Beak, The Prey” vorliegen, ein beeindruckendes Album. Ganz klar, ganz einfach, ganz minimalistisch. Und doch voller Tiefe, Emotionalität, Komplexität. Es ist schlichtweg wunderschöne Musik, die das Duo, wohnhaft in Berlin, da mit geradlinigen Zügen entstehen lässt. Immer ein bisschen melancholisch, verträumt, nachdenklich.

ME AND MY DRUMMER sind für mich die Neuentdeckung dieser Tage, ihre Platte läuft rauf und runter, ich greife immer wieder darauf zurück. Die beiden kennen sich wohl schon länger, haben sich am Landestheater Tübingen kennengelernt. Und diese Verbundenheit spürt man richtig in ihrer Musik. Da sind die Songs nicht einfach geschrieben, aufgenommen und veröffentlicht. Das ist vielmehr ein Ausbruch von dem, was man lange mit sich herumgetragen hat. Eine wunderbare Ergänzung zweier junger Musiker, die sich gefunden haben.

Fazit: Höchst empfehlenswert, 13 Punkte.




 

Dienstag, 12. März 2013

Alexandra – Mein Freund der Baum




Alexandra – Mein Freund der Baum


Besetzung:

Alexandra – Gesang, Gitarre


Gastmusiker:

Keine Angaben, waren wahrscheinlich auch ewig viele verschiedene Studiomusiker.


Label: Mercury


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Deutscher Schlager


Trackliste:

1. Erstes Morgenrot (3:22)
2. Grau zieht der Nebel (2:43)
3. Schwarze Balalaika (3:10)
4. Sehnsucht (Das Lied der Taiga) (2:56)
5. Walzer des Sommers (3:29)
6. Weißt du noch? (2:47)
7. Zwei Gitarren (3:37)
8. Mein Freund, der Baum (3:42)
9. Zigeunerjunge (3:10)
10. Akkordeon (2:35)
11. Illusionen (2:58)
12. Was ist das Ziel? (3:14)
13. Der Traum vom Fliegen (3:54)
14. Die Zärtlichkeit (2:20)

Gesamtspieldauer: 43:55




Na, jetzt wage ich hier aber mal was. Deutscher Schlager auf diesen Seiten? Das passt doch irgendwie gar nicht! Doch, passt schon, denn ich sehe mir meine Platten und CD’s durch und dann passiert es eben, egal ob ich das selbst gekauft oder geschenkt bekommen habe, irgendwann wird das hier erwähnt - wenn mir gerade der Sinn danach steht. Und genau das ist eben gerade passiert, als ich diese Alexandra-CD in Händen hielt. Und jetzt kommt’s: Dieses Album habe ich nicht geschenkt bekommen, das habe ich mir schon selbst gekauft!

Ich habe allerdings keinerlei Erinnerungen an Alexandra, denn als sie starb, bin ich noch nackt mit einer Trommel um den Weihnachtsbaum rumgerannt. Obwohl, konnte ich das da eigentlich schon? Egal, Doris Nefedov, wie sie eigentlich hieß, hatte eine tolle Stimme und ein Lied von ihr hat mich in meiner Kindheit begleitet, zumindest habe ich dieses immer wieder gehört: „Mein Freund der Baum“. Und dieses Lied ist übrigens eines der wenigen Lieder der Alexandra, welches sie selbst geschrieben hat. Sowohl die Musik, wie den Text. Wie sonst immer bei deutschen Schlagergrößen haben diese Komponisten und Texter. Diese hatte Alexandra natürlich auch, war damit jedoch nie so richtig zufrieden und schrieb eben jenes Lied selbst, welches rührselig ist, sentimental, melancholisch, naiv und was weiß ich nicht alles noch – aber eben auch schön. So schön traurig schön.

Alle Titel auf dem Album stammen aus den Jahren 1967 bis 1969. „Alexandra – Mein Freund der Baum“ das Album ist also so eine Art „Best Of…“ und ich muss zugeben, mehr als diese hier versammelten Lieder kenne ich auch nicht von ihr. Aber diese Stimme der Sängerin die hat was, sogar so viel, dass mir hier auch Deutscher Schlager gefällt. Zumindest trifft das für die Lieder „Mein Freund der Baum“, „Zigeunerjunge“ und „Illusionen“ zu. Letzteres Lied hat übrigens Udo Jürgens für Alexandra geschrieben.

Ach ja, Alexandra gehört übrigens auch zum Club der 27. Genau wie Kurt Cobain, Janis Joplin, Jim Morrison, Jimi Hendrix, Brian Jones, Amy Winehouse...

Fazit: Irgendwie ein Klassiker der deutschen Musik. Nichts, was ich mir täglich reinziehen müsste oder auch könnte, aber wenn man mal so schön melancholisch sein möchte, dann gibt es nichts Besseres als „Mein Freund der Baum“ von Alexandra. Danke dafür an meine Omma (mit zwei „m“!) und eine Großtante mit dem Namen Maria. Elf Punkte.

Anspieltipps: Mein Freund der Baum, Zigeunerjunge, Illusionen





Montag, 11. März 2013

Leonard Cohen – Various Positions




Leonard Cohen – Various Positions


Besetzung:

Leonard Cohen – vocals, guitar


Gastmusiker:

Jennifer Warnes – vocals
John Lissauer – piano, keyboard orchestrations, backing vocals
John Crowder – backing vocals, bass guitar
Anjani Thomas – backing vocals
Crissie Faith – backing vocals
Erin Dickins – backing vocals
Lani Groves – backing vocals
Merle Miller – backing vocals
Ron Getman – backing vocals
Yvonne Lewis – backing vocals
Sid McGinnis – guitar
Richard Crooks – drums


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Folk-Pop


Trackliste:

1. Dance Me To The End Of Love (4:41)
2. Coming Back To You (3:36)
3. The Law (4:29)
4. Night Comes On (4:42)
5. Hallelujah (4:40)
6. The Captain (4:10)
7. Hunter's Lullaby (2:27)
8. Heart With No Companion (3:05)
9. If It Be Your Will (3:44)

Gesamtspieldauer: 35:32




Dieses Mal hatte sich Leonard Cohen ganze fünf Jahre Zeit gelassen, bis er sein siebtes Album unter dem Titel “Various Positions” veröffentlichte. Und ich kann mir gut vorstellen, wie der geneigte Leonard Cohen Fan damals aus allen Socken kippte, als er die Platte zum ersten Mal auf den Plattenteller gelegt hatte und dort dann das Album mit einer Rhythmusmaschine startete. Das elektronische Zeitalter hatte die Musik Leonard Cohens erreicht. Noch eine weitere Neuerung gab es zu bestaunen: Jenniger Warnes wurde auf jedem Lied als Vokalistin geführt, natürlich neben Leonard Cohen selbst, aber immerhin. Und sie nimmt in der Umsetzung der Lieder auch durchaus eine tragende Rolle ein – mal mehr, mal weniger.

Nun, die Musik auf “Various Positions” ist sehr eingängig und das geht gleich mit dem ersten Song “Dance Me To The End Of Love“ los, auch wenn diese Rhythmusmaschine ihr monotones Geklopfe, oder wie man das auch immer nennen will, konsequent das ganze Lied über durchzieht. “Coming Back To You” ist dann etwas countrymäßig angehaucht, wie übrigens auch der vorletzte Titel „Heart With No Companion“. “The Law”, die dritte Nummer der Platte ist erneut wieder sehr eingängig, geht jetzt allerdings schon deutlich in die Richtung Pop-Musik.

Dieser Hang hin zum populäreren Bereich der Musik ist bei so gut wie allen Titeln auszumachen. Nun, wenn sie dann auch noch eine solch eingängige Melodie wie “Halleluja” haben, ein Titel, der bereits viele Male gecovert wurde, dann ist man automatisch im Bereich der etwas radiotauglicheren Musik angekommen, denn Musiker wollen natürlich auch von etwas leben und Geld verdienen.

Fazit: Man muss sich etwas an diese elektronischen „Geräusche“ auf einem Album Leonard Cohens gewöhnen. Die Musik selbst, die Atmosphäre die hier transportiert wird, ist allerdings noch dieselbe, wie sie es auch schon vor fünfzehn Jahren war. Melancholie und ein wenig Traurigkeit zeichnen die Lieder auch auf „Various Positions“ aus. Ein Abdriften hin zum Country gab es bisher auch auf jedem Album mit ein bis zwei Liedern. So auch hier. Für mich ist „Various Positions“ nicht das beste aller Leonard Cohen Alben, aber sicherlich auch nicht das schlechteste. Acht Punkte.

Anspieltipps: Dance Me To The End Of Love, The Law, Hallelujah, If It Be Your Will





Sonntag, 10. März 2013

Styx – Big Bang Theory




Styx – Big Bang Theory


Besetzung:

Tommy Shaw – guitars and vocals
James Young – guitars and vocals
Todd Sucherman – drums, percussion and background vocals
Lawrence Gowan – keyboards and vocals
Ricky Phillips – bass guitar and vocals
Chuck Panozzo – bass guitar on “Locomotive Breath”


Gastmusiker:

Koko Taylor – additional vocals on “Blue Collar Man”
Johnnie Johnson – piano on “Blue Collar Man”
Oracle Diva – additional vocals on “It Don’t Make Sense” and “Wishing Well”


Label: Frontiers Records


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Mainstream, Melodic Rock


Trackliste:

1. I Am The Walrus [The Beatles] (4:41)
2. I Can See For Miles [The Who] (4:29)
3. Can't Find My Way Home [Blind Faith] (3:25)
4. It Don't Make Sense (You Can't Make Peace) [Willie Dixon] (4:11)
5. I Don't Need No Doctor [Humble Pie] (4:23)
6. One Way Out [The Allman Brothers] (4:43)
7. A Salty Dog [Procol Harum] (4:02)
8. Summer In The City [Lovin' Spoonful] (3:26)
9. Manic Depression [Jimi Hendrix] (4:00)
10. Talkin' About the Good Times [The Pretty Things] (3:57)
11. Locomotive Breath [Jethro Tull] (3:33)
12. Find The Cost Of Freedom [CSNY] (1:04)
13. Wishing Well [Free] (3:40)
14. Blue Collar Man @ 2120 [Styx] (6:30)

Gesamtspieldauer: 56:04




Zwei Jahre, nach dem nun wieder sehr überzeugenden Album „Cyclorama“, brachte die amerikanische Mainstream-Formation Styx ihr bereits fünfzehntes Album auf den Markt. „Big Bang Theory“ wurde dies getauft, allerdings lässt sich trefflich darüber streiten, ob dies denn nun wirklich ein „reguläres“ Studioalbum der Styx-Discographie darstellt.

„Big Bang Theory“ ist ein Cover-Album, wobei die Band sich mit dem letzten Titel sogar selbst covered. Bei der Interpretation ihres eigenen Stücks „Blue Collar Man @ 2120“ applaudieren sich die Musiker am Ende selbst, wohingegen dieser Part beim Beatles-Klassiker „I Am A Walrus“ von Zuhörern übernommen wird, da es sich hier um eine Live-Einspielung vor Publikum handelt. Der Rest der Platte sind Studioaufnahmen, die sich meist sehr eng an die Originale anlehnen. Die Song-Auswahl ist ganz nett, aber das ist sowieso Geschmackssache. Alle Lieder klingen überaus kraftvoll und sind technisch perfekt eingespielt worden. Am Sound gibt es also nichts zu mäkeln.

Bleibt allerdings die Frage: Was das soll? Warum müssen Styx solch ein Album aufnehmen? Wo liegt da der Sinn? Die Lieder werden nur leicht interpretiert, ganz anders wie zum Beispiel bei Coverversionen anderer Künstler. Erinnert sei hier nur an „Hurt“ von Johnny Cash oder „My Body Is A Cage“ von Peter Gabriel, die die jeweiligen gecoverten Lieder fast schon zu ihren eigenen machten. Und wenn es dann doch auch mal auf „Big Bang Theory“ etwas freier wird, dann fehlt so ein essentieller Teil wie das Querflöten-Solo auf „Locomotive Breath“. Schade!

Fazit: Diese Platte ist so unnütz wie ein Kropf. Da lohnt es sich doch sehr viel mehr die Originale anzuhören. Die Musik ist gut gespielt, aber das wurde sie ursprünglich auch schon. Dafür gibt es auch keine Punkte - solche Plagiate langweilen. Vier Punkte.

Anspieltipps: Alles und nichts.



Samstag, 9. März 2013

Ayreon – The Final Experiment




Ayreon – The Final Experiment


Besetzung:

Stimmen:

Arjen Anthony Lucassen – vocals as Ayreon on "Nature’s Dance", "Listen To The Waves", "Magic Ride", and "Ayreon’s Fate"
Barry Hay – vocals as Ayreon on "Sail Away To Avalon"
Edward Reekers – vocals as Merlin on "Prologue", "The Awareness" and "Ayreon’s Fate"; vocals as Ayreon on "The Awareness" and "Ayreon’s Fate"
Ian Parry – vocals as Nobleman on "Ye Courtyard Minstrel Boy"; vocals as Ayreon on "Computer Reign" and vocals as Merlin on "Ayreon’s Fate"
Jan-Chris de Koeijer – vocals as Ayreon on "The Banishment"
Jay van Feggelen – vocals as Ayreon on "Waracle" and vocals as Merlin on "Ayreon's Fate"
Lenny Wolf – vocals as Ayreon on "Eyes Of Time"
Leon Goewie – vocals as Merlin on "Merlin's Will" and "Ayreon's Fate"; vocals as Ayreon on "Ayreon's Fate"
Robert Soeterboek – vocals as Villagers on "The Banishment" and as Merlin on "Ayreon's Fate"
Ruud Houweling – vocals as Ayreon on "The Charm Of The Seer"
Debby Schreuder – vocals as Merlin, Women and Villagers on "Ayreon's Fate"; chorus vocals on several tracks
Mirjam van Doorn – vocals as Merlin, Women and Villagers on "Ayreon's Fate"; chorus vocals on several tracks
Lucy Hillen – vocals as Ayreon on "The Charm Of The Seer"; chorus vocals on several tracks


Instrumente:

Arjen Anthony Lucassen – guitar, bass, keyboards, synthesizer
Cleem Determeijer – keyboards
Ernst van Ee – drums
Jan Bijlsma – bass
Jolanda Verduijn – bass
Peter Vink – bass
Rene Merkelbach – keyboards


Instrumentierung auf der Bonus CD, der Veröffentlichung von 2005:

Arjen Anthony Lucassen – acoustic, electric, and bass guitars, drums, percussion and timpani
Davy Mickers – drums
Peter Vink – acoustic bass guitar
Marieke van der Heyden – cello
Ewa Albering – flute
Lori Linstruth – electric guitar solos
Jeroen Goossens – assorted wind instruments
Dewi Kerstens – cello
Robby Valentine – piano
Astrid van der Veen – vocals
Ruud Houweling – vocals
Rodney Blaze – vocals
Esther Ladiges – vocals
John JayCee Cuijpers – vocals
Peter Daltrey – vocals
Marcela Bovio – vocals
Irene Jansen – vocals


Label: InsideOut


Erscheinungsdatum: 1995, wiederveröffentlicht mit Bonus CD 2005


Stil: ArtRock, ProgMetal


Trackliste:

CD1:

1. Prologue (3:17)
    A. The Time Telepathy Experiment
    B. Overture
    C. Ayreon's Quest


Act I - The Dawning

2. The Awareness (06:36)
    A. The Premonition
    B. Dreamtime (Words Become A Song)
    C. The Awakening
3. Eyes Of Time (5:06)
    A. Eyes Of Time
    B. Brainwaves
4. The Banishment (11:08)
    A. A New Dawn
    B. The Gathering
    C. The Accusation
    D. The Banishment
    E. Oblivion


Act II - King Arthur's Court

5. Ye Courtyard Minstrel Boy (2:46)
6. Sail Away To Avalon (4:02)
7. Nature's Dance (2:27)


Act III - Visual Echoes

8. Computer-Reign (Game Over) (3:24)
9. Waracle (6:44)
10. Listen To The Waves (4:59)
11. Magic Ride (3:36)


Act IV - Merlin's Will And Ayreon's Fate

12. Merlin's Will (3:21)
13. The Charm Of The Seer (4:11)
14. Swan Song (2:44)
15. Ayreon's Fate (6:55)
    A. Ayreon's Fate
    B. Merlin's Prophecy
    C. Epilogue

Gesamtspielzeit CD1: 1:11:17


CD2:

1. Dreamtime (4:19)
2. Eyes Of Time (3:25)
3. The Accusation (3:49)
4. Ye Courtyard Minstrel Boy (2:50)
5. Sail Away To Avalon (3:27)
6. Nature's Dance (2:03)
7. Waracle (5:17)
8. Merlin's Will (3:29)
9. The Charm Of The Seer (9:01)

Gesamtspielzeit CD2: 37:41

Gesamtspielzeit CD1 und CD2: 1:48:59




Fast schon unglaublich, was der Niederlänger Arjen Anthony Lucassen hier präsentiert. „The Final Experiment“ wurde mit dem Untertitel: „A Rock Opera by Arjen Anthony Lucassen“ versehen. Ist das jetzt ein zu hoher Anspruch? Entspricht das denn wirklich dem Gehörten? Keine Ahnung, mich lässt das Ganze relativ unschlüssig und verunsichert zurück und leider nicht sehr überzeugt. Klar Arjen Lucassen hat sich hier viel Mühe gegeben. Sehr viel Mühe sogar. Alles ist bis ins letzte Detail ausgelotet, ausgetüftelt und arrangiert. Jeder Ton, jede Stimmung, jede Gesangspassage. Etwas überrascht mich allerdings dabei sehr: Neun der insgesamt 26 Titel, die auf der ursprünglichen CD zu hören waren, sind auf der Bonus-CD der Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2005 akustisch und deutlich einfacher eingespielt worden – und da gefallen mir die Titel sehr viel besser.

CD1, das ursprüngliche Werk, wirkt irgendwie überarrangiert, zu verschachtelt, zu ausgetüftelt, mit der Absicht eines unglaublich hohen Anspruchs versehen, bei dem die Musik auf ganz seltsame Weise auf der Strecke bleibt. Diese Rock-Oper, wenn sie denn eine ist, wirkt gekünstelt, schwer nachvollziehbar. Vielleicht müsste man das Ganze mal auf einer Bühne sehen. So allerdings kommt man nur schwerlich in diese „schwere“ Musik hinein, die zwar immer wieder schöne Abschnitte aufweist, dann allerdings umgehend wieder ein neues Thema aufgreift. Es ist schwer diesem Werk von vorne bis hinten zu folgen, immer wieder wird man aus einer Stimmung herausgerissen, um sich umgehend in ganz anderer Umgebung wiederzufinden. Und warum der Protagonist dieses Werks in vielen verschiedenen Stimmen auftritt, will mir auch nicht so recht logisch erscheinen. Schon gar nicht, wenn er dann bei „Oblivion“ auch noch zu growlen anfängt.

Die Geschichte, die hinter der Handlung steckt ist genauso abstrus, wie die Musik mitunter wirkt. Ein buntes Potpourri aus Science Fiction und mittelalterlicher Sage. Alles eben irgendwie schwer nachzuvollziehen. Dass Arjen Lucassen tolle Musik schreiben kann, das beweist er zwar auch auf „The Final Experiment“, denn wie schon erwähnt finden sich auch hier immer wieder sehr schöne Stellen, das Gesamtergebnis passt allerdings für mich irgendwie nicht zusammen.

Fazit: Sicherlich mit viel Mühe komponiert und mit einem sehr hohen Anspruch versehen, kann ich diesem Werk leider trotzdem nicht allzu viel abgewinnen. Ich kann in diese Musik einfach nicht eintauchen, irgendetwas treibt mich immer wieder nach oben, um nach Luft zu schnappen. Arjen Lucassen macht klasse Musik, wie man auf CD2 hören kann oder wenn man an sein Projekt „Guilt Machine“ denkt. Hier bei „The Final Experiment“ wollte er aber wohl einfach zu viel. Sorry, mich packt das einfach nicht so richtig. Acht Punkte.

Anspieltipps: Listen To The Waves; muss man wohl echt durchhören, um sich ein Bild machen zu können.





Freitag, 8. März 2013

Anathema - A Fine Day To Exit




Anathema – A Fine Day To Exit


Besetzung:

David Cavanagh – guitars
Vincent Cavanagh – vocals, guitar
John Douglas – drums
Les Smith – keyboards


Label: Sony BMG


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: ArtRock


Trackliste:

1. Pressure (6:44)
2. Release (5:47)
3. Looking Outside Inside (6:23)
4. Leave No Trace (4:46)
5. Underworld (4:09)
6. Barriers (5:53)
7. Panic (3:30)
8. A Fine Day To Exit (6:49)
9. Temporary Peace (18:26)

Gesamtspieldauer: 1:02:31




Mit Ihrer sechsten Veröffentlichung haben Anathema einen Volltreffer gelandet. Kein Lied fällt aus der Reihe, soll heißen, kein Lied ist schlecht. Alle neun Stücke haben etwas Besonderes, womit es sich lohnt, sich etwas Zeit für dieses Album zu nehmen.

Gleich der erste Track „Pressure“ ist eine wunderschöne Nummer, die sofort ins Ohr geht und wohl so ähnlich auch von Steven Wilson geschrieben hätte werden können. Ebenso „Release“, auch dieses Lied erinnert ein wenig an Porcupine Tree und hätte auf „Lightbulb Sun“ (oder vielleicht sogar auf „Fear Of A Blank Planetß) sicherlich seinen Platz gefunden und keinen Stilbruch eingeläutet. Mehrstimmiger Gesang und die Art der Instrumentierung lassen diese Assoziation wie von selbst entstehen.

Das nächste Stück „Looking Outside Inside“ beginnt wie eine Ballade, um dann bei 2:30 die schnellere Fahrt aufzunehmen. Das Lied lebt dabei vom genialen Drum-Part John Douglas‘. Schließlich beruhigt sich das Stück wieder und wird jetzt durch schönen mehrstimmigen Gesang getragen. „Leave No Ttrace“ ist im Anschluss ebenfalls wieder ein guter und ruhiger Rocksong, der von Vincent Cavanagh so herrlich getragen dargeboten wird. Einen Höhepunkt auf der ganzen Platte stellt dann sicherlich „Underworld“ dar. Diese tollen verqueren Gitarren geben der Nummer einen ganz eigenen Touch. Eine richtig gute Rocknummer ist das.

Der Titel „Barriers“ kommt schließlich schwebend daher mit mehrstimmigem Gesang und beweist, dass Anathema eine sehr vielseitige Band ist, die ein Gespür für gute Melodien hat. Und mit „Panic“ folgt dann, dem Titel entsprechend, fast schon so etwas wie Hektik aus den Boxen. Das Lied geht durch seine Gitarren in Richtung Punk und ist auch das härteste Stück auf der Platte. Der treibende Rhythmus bildet hier einen klasse Gegenpol zu den anderen, doch eher ruhigeren Nummern auf dem Album.

Auch das Titelstück „A Fine Day To Exit“ ist ein Highlight. Die klasse Steigerung im hinteren Teil des Tracks lassen es zu einer richtig guten Rocknummer werden. Zum letzten Lied auf der CD: „Temporary Peace“ ist eigentlich kein Longtrack, auch wenn auf der Anzeige des CD-Players 18:27 erscheint. Vielmehr besteht das Stück aus drei einzelnen Songs, wobei die letzteren beiden wohl so eine Art Hidden Track darstellen. Vor allem Nummer zwei ist dabei sogar recht witzig. Man hört zunächst nur Meeresrauschen und dann zwei Männer den Strand entlanggehen. Und schließlich sinniert einer der beiden vor sich hin, während der andere zu hören ist mit: „Hello, I’m here: What about dogs? What about cats? What about chickens?“ Und dieses Chickens wird so herrlich, fast wie ein Gekrähe, in die Länge gezogen. Sicher nur eine Spielerei, aber eine sehr lustige. Dieser Teil der Nummer endet dann um 10:20 und jetzt wird es ganz ruhig. Bei 15:30 geht es erneut weiter, klingt wie ein Lied was auf „Saucerful Of Secrtes“ vorkommen könnte aber noch von Syd Barrett komponiert worden ist. Wie gesagt, eine schöne Spielerei.

Fazit: Anathema haben hier ein richtig gutes Album hingelegt, nach meinem Dafürhalten sogar das bisher Beste ihres Schaffens. Alles wirkt in seiner Gesamtheit, alle Titel haben eine gleichhohe Qualität. Also die CD einfach einlegen und sich berieseln lassen. Macht Spaß! Dafür gibt es von mir volle 11 Punkte.

Anspieltipps: Barriers, Panic, A Fine Day To Exit, Temporary Peace





Donnerstag, 7. März 2013

Queen – Made In Heaven





Queen – Made In Heaven


Besetzung:

Freddie Mercury –vocals, piano, keyboards
John Deacon – bass guitar, keyboards
Roger Taylor – drums, percussion, keyboards, vocals
Brian May – guitars, keyboards, vocals


Gastmusiker:

Rebecca Leigh-White, Gary Martin, Catherine Porter, Miriam Stockley – extra backing vocals on “Let Me Live”


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Rock


Trackliste:

1. It's A Beautiful Day (2:33)
2. Made In Heaven (5:25)
3. Let Me Live (4:46)
4. Mother Love (4:49)
5. My Life Has Been Saved (3:15)
6. I Was Born To Love You (4:50)
7. Heaven For Everyone (5:36)
8. Too Much Love Will Kill You (4:20)
9. You Don't Fool Me (5:25)
10. A Winter's Tale (3:49)
11. It's A Beautiful Day (Reprise) (3:01)
12. Yeah (0:04)
13. Untitled Hidden Track (22:33)

Gesamtspieldauer: 1:10:27




"Made In Heaven“ ist das fünfzehnte und letzte Album Queens, an dem Freddie Mercury noch „irgendwie“ aktiv mitwirkte. Allerdings wurde es erst vier Jahre nach seinem Tod veröffentlicht. „Innuendo“ war noch nicht veröffentlicht, da befand sich die Band bereits wieder im Studio, um neues Songmaterial aufzunehmen. Immer mit dem Hintergedanken, dass dies die letzten Aufnahmen Freddie Mercurys sein werden, der geschwächt durch seine Aids-Erkrankung auch nicht mehr alle Titel vollständig einsingen konnte.

"Wenn man ehrlich ist, dann geht es bei diesem Album gar nicht mehr um die Musik. Es geht sehr viel mehr um Freddie Mercury und um die Traurigkeit, dass dieser geniale Musiker nun eben nicht mehr da sein wird und (ganz egoistisch) unser Leben nicht mehr mit Musik bereichern kann. Außerdem kenne ich keinen Menschen, der die Musik liebt und Freddie Mercury nicht irgendwie sympathisch fand. Der war ausgeflippt und mitunter exzentrisch, aber eben immer auch sympathisch und auf seine Weise irgendwie cool.

Das Album ist vollgestopft, wie bereits der Vorgänger „Innuendo“, mit Anspielungen auf seine Krankheit und den Tod. Musikalisch packt mich das persönlich nicht mehr so. Da finde ich „Innuendo“ sehr viel gelungener. Und mit solch einem Song wie „Let Me Live“, vollgepackt mit Massen an Backgroundsängerinnen und einem Gesangsteil, den Freddie Mercury bereits in den frühen Achtzigern aufgenommen hatte, tue ich mich verdammt schwer. Ganz anders verhält es sich da bei „Mother Love“. Ein sehr bewegender Text, der in der letzten Strophe dann sogar von Brian May gesungen wird, da es Freddie Mercury nicht mehr schaffte, das Lied selbst vollständig einzusingen. Gegen Ende wird bei diesem Stück dann noch ein Schnipsel eines Live-Konzertes eingespielt, in welchem Freddie Mercury mit seinem Publikum interagiert. Toll gemacht und sehr bewegend.

Eine ganze Menge „Hits“ befinden sich auch auf dem Album, die damals, nach der Veröffentlichung im Radio rauf und runter gespielt wurden. Die da wären „It’s A Beatiful Day“, „Made In Heaven“, „I Was Born To Love You“, „Heaven For Everyone“, „Too Much Love Will Kill You“, „You Don’t Fool Me“ und „A Winter’s Tale“. Alles ganz nette und eingängige Lieder, die mir aber fast schon zu eingängig daherkommen.

Aber schließlich gibt es ganz zum Schluss noch 22 Minuten lang Atmosphäre zum Schnuppern. Synthesizer-Klangteppiche, sehr zurückhaltend, die eine Stimmung der Entspanntheit und Freiheit erzeugen. Mitunter wirkt das sogar ab und an ein wenig bedrohlich, entspannt sich dann allerdings wieder in ein schier grenzenloses Nichts.

Fazit: Es ist sehr seltsam, wenn jemand über den Tod singt, der diesem auch gerade ins Antlitz sieht. Schwer vorzustellen, wie sich Freddie Mercury damals, 1991, bei den Aufnahmen gefühlt haben muss. Das bewegt mich. Die Musik selbst bewegt mich auf „Made In Heaven“ nur noch zweimal richtig. Das eine Mal bei „Mother Love“, das andere mal 22 Minuten lang während dieses letzten Titels, der ohne Namen so absolut untypisch für Queen klingt. Sphäre pur, daran hat Freddie Mercury auch mit Sicherheit nicht mehr mitgewirkt, aber trotzdem sehr passend für ein „Goodbye“! Zehn Punkte.

Anspieltipps: Made In Heaven, Mother Love, Heaven For Everyone, Untitled Hidden Track