Montag, 9. Februar 2015

Spock’s Beard – Day For Night




Spock’s Beard – Day For Night


Besetzung:

Neal Morse – lead vocals, piano, synthesizer
Alan Morse – electric guitar, mellotron, backing vocals
Dave Meros – bass guitar, backing vocals
Nick D'Virgilio – drums, percussion, backing vocals
Ryo Okumoto – hammond organ, mellotron


Gastmusiker:

John Garr – saxophone
Joy Worland – french horn
Eric Brenton – strings
Tom Tally – strings
John Krovoza – strings
Byron House – string bass, cello


Label: Metal Blade


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Day For Night (7:34)
2. Gibberish (4:18)
3. Skin (4:01)
4. The Distance To The Sun (5:12)
5. Crack The Big Sky (9:51)
6. The Gypsy (7:29)
7. Can't Get It Wrong (4:13)
8. The Healing Colors of Sound
     I. The Healing Colors Of Sound Part 1 (2:22)
     II. My Shoes (4:16)
     III. Mommy Comes Back (4:50)
     IV. Lay It Down (3:17)
     V. The Healing Colors Of Sound Part 2 (3:16)
     VI. My Shoes (Revisited) (3:54)
     VII. Urban Noise (0:42)


Bonus Track der Wiederveröffentlichung:

14. Hurt (3:09)

Gesamtspielzeit: 1:07:47




„Day For Night” nannte die amerikanische NeoProg-Band Spock’s Beard ihr viertes Album, welches 1999 veröffentlicht wurde. Auch auf dieser Scheibe gibt es wieder alle Zutaten, die ein Spock’s Beard Album zu einer lohnenden Anschaffung werden lassen. Retro- oder NeoProg Kompositionen die mit sehr viel Spielfreude eingespielt worden zu sein scheinen. Wieder einmal zeichnet sich vor allem Neal Morse für die Kompositionen aus. Die fünf Musiker sind Meister ihrer Instrumente und so ergibt auch „Day For Night“ eine richtig runde Scheibe.

Das Album macht durchaus Spaß, trotzdem erreicht es nicht ganz die Qualität der drei Vorgänger oder auch des Nachfolgers. Das wiederum liegt einzig und allein am Songmaterial, welches einfach nicht ganz an das der vorherigen Platten heranreicht. Sicherlich benötigt man auch hier einige Durchgänge der Scheibe, das ändert jedoch nichts an dem Umstand, dass das alles sehr nach Spock’s Beard und nach NeoProg der 90er klingt, die letzte Zündung im Ohr des Hörers unterbleibt jedoch trotzdem, da sich in die Titel auch ganz viel Mainstream hineingemischt hat, der die Titel zum Teil etwas langweiliger und austauschbarer klingen lässt.

Fazit: Natürlich ist das „Klagen“ auf hohem Niveau. Auch „Day For Night” macht Spaß und wächst auch mit den Durchläufen. Allerdings erreicht es niemals diesen Stellenwert, den viele andere der Spock’s Beard Alben einnehmen. Wer auch RetroProg oder NeoProg oder wie immer man das auch nennen will steht, dem wird diese Scheibe zweifelsfrei zusagen. Man muss ja auch nicht immer nur Vergleiche anstellen. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Gypsy



Sonntag, 8. Februar 2015

Gentle Giant – Interview




Gentle Giant – Interview


Besetzung:

Gary Green – electric guitar, acoustic guitar, alto recorder, backing vocals
Kerry Minnear – minimoog, piano, hammond organ, clavinet, electric piano, synthesizer, rmi electra piano, clavichord, marimba, percussion, lead vocals, backing vocals
Derek Shulman – lead vocals, alto saxophone, percussion
Ray Shulman – bass, electric violin, violin, 12 string guitar, percussion, backing vocals
John Weathers – drums, tambourine, percussion, finger cymbal, cowbell, cabasa, güiro, gong, backing vocals, co-lead vocals


Gastmusiker:

Phil Sutcliffe – interviewer


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Interview (6:50)
2. Give It Back (5:12)
3. Design (5:01)
4. Another Show (3:30)
5. Empty City (4:39)
6. Timing (4:38)
7. I Lost My Head (6:54)

Gesamtspielzeit: 36:44




„Interview“ heißt das achte Album der englischen Progressive Rockband Gentle Giant. Veröffentlicht wurde die Scheibe im April 1976 und diese weist wahrlich ein Novum auf im Songkatalog von Gentle Giant. Auf der Platte befindet sich mit „Give It Back“ doch tatsächlich ein Lied, welches etwas nach Reggae klingt. Völlig ungewöhnlich für Gentle Giant. Nun darf hier niemand einen zweiten Bob Marley erwarten, denn das ist ein Gentle Giant Reggae und wer die Musik der Band kennt, kann sich in etwa vorstellen was das bedeutet. Verschroben ist das immer noch ziemlich, allerdings auch sehr überzeugend.

Nun und der Rest der Platte? Diese sechs Titel kann man wahrlich zusammenfassen, denn sie klingen alle sehr, sehr typisch nach Gentle Giant. Krumme Takte, schräge Melodien, Gesangsakrobatik und sehr seltsame Rhythmen. Manches davon ist schon sehr starker Tobak, für die Ohren des „normalen“ Musikkonsumenten wohl auch kaum zu verkraften. Gelungen finde ich dabei den Titeltrack, „Interview“, das sehr melodiös beginnende „Empty City“, sowie die letzte Nummer „I Lost My Head“, die mal wieder, zumindest ein klein wenig, nach Mittelalter klingt.

Bei den restlichen drei Stücken habe ich echt so meine Schwierigkeiten. Wenn es nur noch schräg oder abgefahren klingen soll, dann ist das manches Mal sehr unverdauliche Kost, die man sich nicht allzu oft geben muss, manchmal auch einfach nicht geben kann. Als Gag befinden sich zwischen den Titeln übrigens immer wieder Interviewgesprächsfetzen, welches die Band anscheinend mal gegeben hat.

Fazit: Gentle Giant ist für mich nie ganz leicht zu verstehen, obwohl das natürlich alles sehr einfalls- und ideenreicher Progressive Rock ist, welchen die fünf Musiker hier ihren Hörern darbieten. Manchmal finde ich eingängige Melodien aber auch echt toll… Was man nicht unbedingt bei Gentle Giant erwarten sollte. Doch diese gibt es auch hier zu hören. Nicht zu häufig aber immerhin. Und spannend, ja spannend ist diese Art der Musik auf alle Fälle. Acht Punkte.

Anspieltipps: Give It Back, I Lost My Head



Samstag, 7. Februar 2015

Camel – Camel




Camel – Camel


Besetzung:

Andrew Latimer – guitar, vocals on "Slow Yourself Down" and "Separation"
Peter Bardens – organ, mellotron, piano, vcs 3 synthesizer, vocals on "Never Let Go"
Doug Ferguson – bass guitar, vocals on "Mystic Queen" and "Curiosity"
Andy Ward – drums, percussion


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Slow Yourself Down (4:47)
2. Mystic Queen (5:37)
3. Six Ate (6:02)
4. Separation (3:56)
5. Never Let Go (6:23)
6. Curiosity (5:53)
7. Arubaluba (6:27)


Bonus tracks der remasterten Albumfassung:

8. Never Let Go (Single Version) (3:40)
9. Homage To The God Of Light (Live 1974) (19:01)

Gesamtlaufzeit: 1:01:50




Dieses erste und selbstbetitelte Album der englischen Progressive Rockband Camel erschien im Jahr 1973 bei MCA Records. Da der Erfolg jedoch nicht die Größenordnung annahm, den die Plattenfirma sich wohl erhofft hatte, war dies gleichzeitig der letzte Auftritt von Camel bei MCA Records, die die Option auf ein zweites Album nicht zogen. Schade eigentlich, dass sich nur so wenige Käufer für das Album fanden, denn es sind durchaus einige sehr schöne Titel darauf vertreten, die hauptsächlich von Andrew Latimer und Peter Bardens geschrieben worden sind.

Das Album beginnt mit „Slow Yourself Down“, einer richtig groovigen Nummer. Im Mid-Tempo angelegt, klingt hier die Orgel des Peter Bardens wahrlich überzeugend. Auch das Gitarrensolo s Andrew Latimer hat es in sich, während dem auch die Orgel wieder ihre Einsatzzeit bekommt. Aus mehreren Teile zusammengesetzt, macht die Nummer richtig Laune. Dies gilt ebenfalls für das wirklich etwas mystisch klingende „Mystic Queen“. Fängt die Nummer noch sehr getragen an, so nimmt sie im weiteren Verlauf doch auch immer wieder mal deutlich mehr Fahrt auf, um wieder in langsameren Gefielden zu münden. Und auch hier ist es erneut ein satter und fetter Orgelsound, der begeistern kann. Und natürlich nicht zu vergessen, bei beiden Titeln steht die Melodiösität und Harmonie an erster Stelle.

Nun, so folgt Titel auf Titel, die allesamt ihre Qualitäten besitzen. Welcher davon dann am meisten überzeugen kann, liegt natürlich ganz am Geschmack des Hörers. Ausfälle gibt es auf jeden Fall keine zu verzeichnen. Erwähnen möchte ich hier allerdings noch die sehr schöne Nummer „Never Let Go“, die auch als Single ausgekoppelt wurde. Der remasterten Albumfassung wurde diese Singleversion sogar hinzugefügt. Das Lied stellt ein schönes Beispiel für einen Titel dar, der trotz seiner Eingängigkeit alle Facetten des Progressive Rock aufzuweisen weiß.

Eine weitere Zugabe in Form eines Bonus Tracks der Wiederveröffentlichung, stellt das knapp zwanzigminütige „Homage To The God Of Light“ dar. Hier gibt es ausgedehnte Instrumentalpassagen zu hören und man merkt förmlich, welchen Spaß die Musiker daran haben live vor Publikum zu spielen. Zudem zeigt dieser Song, dass Bonus Titel durchaus lohnenswert sein können, wenn nicht nur irgendein, kaum vom Original zu unterscheidendes Demo zu Gehör gebracht wird.

Fazit: Auch wenn Camel hier ganz offensichtlich – oder besser noch erhörbar – noch nicht ihren ganz eigenen Stil gefunden haben, so ist das Album ein wirklich überzeugendes Debut geworden. Camel klingen hier noch ein wenig rauer und auch kantiger als auf späteren Veröffentlichungen. Alles wirkt noch ein wenig spontaner, was durchaus einen gewissen Charme besitzt. Dazu gesellen sich Melodiösität und einige nette Einfälle. Lohnt sich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Slow Yourself Down, Mystic Queen, Never Let Go



Freitag, 6. Februar 2015

Various Artists – Freedom Songs: Selma, Alabama




Various Artists  Freedom Songs: Selma, Alabama


50 Jahre liegt der Marsch von Selma nun zurück. Ein halbes Jahrhundert, ein halbes Leben. Und doch, die Ereignisse von damals sind noch immer aktuell in den USA. Mehrmals marschierten Schwarze und auch Weiße Anfang 1965 in Alabama für das Wahlrecht der Afro-Amerikaner. Brutalst wurden sie zusammen geschlagen, aufgehalten, behindert. Bis ein Bundesrichter einen Protestzug von Selma in die Hauptstadt Montgomery genehmigte. Am 21. März 1965 machten sich 3200 Menschen unter dem Schutz von Soldaten auf den Weg. Sie schliefen unterwegs in Feldern. Als der Protestzug schließlich in Montgomery ankam, war er auf 25.000 Menschen angeschwollen.

Ein Hollywoodfilm ist derzeit in den Kinos zu sehen, der die Geschichte des Protestes um die Wählerregistrierung in Alabama verdeutlicht. Eine hochgelobte Produktion, die Geschichte lebendig, für eine junge Generation verständlich macht. Ein Film ist dennoch ein Film, beschönigt, bereinigt, im Schnelldurchlauf. Auch wenn “Selma” eine Independentproduktion ist, ist es doch ein “unterhaltender” Hollywoodfilm.

Ganz anders da eine alte und doch so aktuelle Veröffentlichung des Labels Smithsonian Folkways Recordings. “Freedom Songs: Selma, Alabama” ist eine Audio Dokumentation von 1965. Carl Benkert war Teil des Protestes. Mit einem einfachen Rekorder nahm er die Lieder der Menschen auf. Und die kann man hier hören, ungefiltert, unbereinigt, teils abrupt zu Ende. Manche Lieder klingen alles andere als harmonisch, hier singen keine geschulten Chöre. Es sind Menschen, die im Singen ihre innersten Gefühle ausdrücken. Songs, die die Kraft des Widerstands, die Hoffnung auf einen Wandel, die Überzeugung, das richtige zu tun, die Energie dieser Tage Anfang 1965 ausdrücken. Und es sind Lieder gegen die Angst. All das kann man auch heute noch beim Hören spüren. Ich sitze hier, höre diese Lieder und mir läuft bei einigen von ihnen eine Gänsehaut den Rücken runter. Die Kraft von “We shall not be moved”, “Go tell it on the mountain” und vor allem dem wichtigen “We shall overcome” ist ungebrochen.

“Freedom Songs: Selma, Alabama” ist eine tief bewegende und beindruckende Audio Dokumentation aus einer Zeit, die Amerika geprägt und verändert hat. Wenn man an die jüngsten Ereignisse denkt, an die Proteste der letzten Monate, dann weiß man, die Ereignisse in Selma, der Mut der Marschierenden ist nicht einfach nur ein Kapitel im Geschichtsbuch. Es ist und bleibt eine noch offene Wunde der heutigen amerikanischen Gesellschaft.

Donnerstag, 5. Februar 2015

Porcupine Tree – Stupid Dream




Porcupine Tree – Stupid Dream


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, guitars, piano, samples, bass on "Baby Dream In Cellophane" and "Stranger By The Minute"
Richard Barbieri – analogue synthesizers, hammond organ, mellotron, piano on "Even Less", glockenspiel on "Pure Narcotic"
Colin Edwin – bass guitar, double bass on "Stop Swimming"
Chris Maitland – drums, percussion, backing vocals on "Stranger By The Minute"


Gastmusiker:

Theo Travis – flute on "Tinto Brass" and "Don't Hate Me", saxophone on "Don't Hate Me"
East of England Orchestra – strings (conducted by Nicholas Kok)


Label: Snapper


Erscheinungsdatum: 1999 (wiederveröffentlicht mit Bonus DVD 2006)


Stil: Progressive Rock, Psychedelic Rock


Trackliste:

CD:

1. Even Less (7:11)
2. Piano Lessons (4:22)
3. Stupid Dream (0:28)
4. Pure Narcotic (5:02)
5. Slave Called Shiver (4:41)
6. Don't Hate Me (8:30)
7. This is No Rehearsal (3:27)
8. Baby Dream In Cellophane (3:13)
9. Stranger By The Minute (4:30)
10. A Smart Kid (5:21)
11. Tinto Brass (6:18)
12. Stop Swimming (6:54)

Gesamtspielzeit: 1:00:0258


DVD (nur bei der Wiederveröffentlichung 2006):

1. Das komplette Album im DTS 5.1-Surround-Mix / 24-bit stereo
2. Ambulance Chasing (5.1-Mix-Bonus Track) (6:41)
3. Even Less (full length version) (5.1-Mix-Bonus Track) (14:07)
4. Video: Piano Lessons
5. Photo Gallery
6. Lyrics
7. Links
8. Credits




„Stupid Dream“ ist das fünfte Studioalbum von den Porcupine Tree und wurde 1999 veröffentlicht. Konnte der Nachfolger dieses Albums, „Lightbulb Sun“, wirklich restlos überzeugen, so fällt die Meinung zu „Stupid Dream“ schon deutlich differenzierter aus. Dabei fängt die Platte mit „Even Less“ absolut überzeugend an. Richtig gut gemachte Rock Musik, mit einem Touch hin zum Progressive Rock. Auch richtig „schwere“ Gitarren sind hier mal zu hören, obwohl die Scheibe, als auch das Lied alles andere als ein Hard Rock Stück darstellt. Genauso gut geht es mit „Piano Lessons“ weiter. Guter Groove, eingängige Melodie, so klingt überzeugende Rock Musik.

Das Titellied „Stupid Dream“ ist dann eine Klangkollage von gerade mal 28 Sekunden Dauer. Sehr unaufgeregt, dieser kurze Augenblick. Dann folgen, beginnend mit „Pure Narcotic“, einige Titel, die allesamt ganz nett sind, jedoch auch ein wenig so vor sich hinschwimmen. Soll heißen, etwas Besonderes ist da nicht unbedingt mehr dabei. Mal schneller und rockiger, mal langsamer und getragener ziehen die Lieder so an einem vorüber. Klar „Don’t Hate Me“ ist ebenfalls ein guter Song, trotzdem will hier der letzte Funke einfach nicht so ganz überspringen. Erwähnenswert dabei vielleicht noch das etwas experimentelle Instrumentalstück „Tinto Brass“. Hier zumindest erklimmt man dann doch wieder ein wenig Neuland. Klasse dabei auch das Flötenspiel des Theo Travis, der ganz erstaunliche Klänge seinem Instrument zu entlocken versteht.

Die der remasterten Version beigelegte DVD enthält nochmals das gesamte Album, „Even Less“ in einer vierzehnminütigen Version sowie den Bonus Titel „Ambulance Chasing”. All diese Musik wird als 5.1-Surround-Mix geliefert. Leider kann ich dazu überhaupt nichts sagen, da ich entsprechende Anlage nicht mein Eigen nenne. Jedoch gibt es noch einen Videoclip und jede Menge ganz nette Bilder. Ob sich die Anschaffung also in dieser Form lohnt, kann ich hier nicht abschließend beurteilen.

Fazit: Nun ein gutes Album ist „Stupid Dream“ alleine schon deswegen, weil sich unter den zwölf Titeln kein einziger Aussetzer befindet. Das klingt alle irgendwie gut. Allerdings auch nicht überragend und absolut begeisternd. Es ist ein gutes Porcupine Tree geworden, nicht das beste Album, jedoch sicherlich auch nicht die schlechteste Platte der Band. Nun, wer auf gut gemachten Rock, mit einem Touch hin zum Progressive Rock steht, der kann mit „Stupid Dream“ absolut nichts falsch machen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Even Less, Piano Lessons, Tinto Brass



Mittwoch, 4. Februar 2015

Udo Lindenberg – Galaxo Gang




Udo Lindenberg – Galaxo Gang


Besetzung:

Udo Lindenberg – Gesang, Schlagzeug, Tastaturen
Thomas Kretschmer – Gitarre
„Rockin“ Roger Hook – Gitarre
Gottfried Böttger – Tastaturen
Steffi Stephan – Bass
Keith Forsey – Schlagzeug


Gastmusiker:


Freya, Jutta Weinhold, Otto Waalkes, Steve Marriot, Jean Jaques Kravetz, Dieter Ahrendt, Helmut Franke, Alex Conti, Jürgen Schröder, Burkhardt Plenge, Geoffrey Paley, Peggy „Panther“ Parnass, Jonny Müller, Eckhard Hofmann, Bacci Galupo – alle ohne Instrumentenangabe
Peter Herbolzheimers Laser Bläser
Die Dixieländer von „Bruno’s Space band“
Der Rockerchor „MC Mephisto’s Mob“
Die „Starlets“ unter Kommandant Kurt Lindenau
Die Regierungssymphoniker unter der Kontrolle von Kosmoskanzler Votan W.
Evelyn Künneke – Steppen
Thomas Kukuck & Felix Cix – Finten und Tricks


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Deutsch Rock, Pop


Trackliste:

1. Rock'N'Roller (3:39)
2. Reggae Meggi (4:09)
3. Nina (3:54)
4. Wenn ich 64 bin (2:21)
5. Ich bin Rocker (4:47)
6. Radio Song (3:43)
7. Bodo Ballermann (3:16)
8. Gene Galaxo: 1990 (4:32)
9. Gene Galaxo: Der Mutant (1:51)
10. Gene Galaxo: Die Welt ist prima (1:27)
11. Mädchen (4:58)
12. Liliputaner: Manege - instrumental (0:30)
13. Liliputaner: Felix (5:08)


Bonustitel der remasterten Wiederveröffentlichung:

14. Ich Träume oft davon, ein Segelboot zu klau'n (3:48)

Gesamtspieldauer: 48:08



Neun Monate nach dem wahrlich überzeugenden Album „Votan Wahnwitz“, veröffentlichte Udo Lindenberg im Januar 1976 sein siebtes Album mit dem Titel „Galaxo Gang“. Keine Ahnung, was in diesem dreiviertel Jahr geschah, festzuhalten bleibt allerdings, dass die Fallhöhe sehr hoch war. „Galaxo Gang“, wenn auch von vielen Lindenberg Fans noch durchaus goutiert, ist für mich manchmal eine Aneinanderreihung von Peinlichkeiten, die dieses Mal eben auch nicht in überzeugende Melodien gepackt wurden.

Klar die Sprache des Udo Lindenberg ist schon etwas Besonderes. Seine Wortakrobatik unerreicht und seine Wortkreationen lassen einen auch dieses Mal wieder schmunzeln. Allerdings bei solch Texten wie „Nina“ ist irgendwie Fremdschämen angesagt, auch wenn er das irgendwie wohl gut meinte mit dem Thema einer 14-jährigen. „Ich bin Rocker“ kommt noch ganz gut, trotzdem ist es hier auch der Text, der etwas anbiedernd ist. Und ist die Musik bei „1900“ noch ganz okay, so wird sie bei „Der Mutant“ und „Die Welt ist prima“ einfach nur noch unerträglich. Lediglich zwei Titel lassen das Album nicht ganz abstürzen. Das ist das legendäre „Bodo Ballermann“, witziger Text und tolle Melodie, sowie das tieftraurige „Felix“, wobei die Musik hier selbst gar nicht so traurig klingt. Nun das war es allerdings bereits. Vieles vom Rest bereitet manchmal einfach nur Schmerzen.

Fazit: Kann ich wahrlich nicht nachvollziehen, wie man diese Scheibe mit zu den Besten des Udo Lindenberg zählen kann. Die Melodien sind längst nicht so gut, wie zum Beispiel auf „Alles klar auf der Andrea Doria“ oder „Votan Wahnwitz“. Das Ganze wird garniert mit manchmal sehr merkwürdigen Texten, die nerven. Nein, dies ist mit Sicherheit nicht das beste Album Udo Lindenbergs, vielleicht auch nicht die schlechteste Platte, jedoch sehr viel schlechter als der Vorgänger. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Bodo Ballermann, Felix



Dienstag, 3. Februar 2015

Savatage – The Wake Of Magellan




Savatage – The Wake Of Magellan


Besetzung:

Zachary Stevens – lead vocals
Jon Oliva – lead vocals, keyboards
Chris Caffery – guitars, backing vocals
Al Pitrelli – guitars, backing vocals
Johnny Lee Middleton – bass guitar, backing vocals
Jeff Plate – drums


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Metal Prog


Trackliste:

1. The Ocean (1:34)
2. Welcome (2:11)
3. Turns To Me (6:01)
4. Morning Sun (5:49)
5. Another Way (4:35)
6. Black Jack Guillotine (4:33)
7. Paragons Of Innocence (5:33)
8. Complaint In The System (Veronica Guerin) (2:37)
9. Underture (3:52)
10. The Wake Of Magellan (6:10)
11. Anymore (5:16)
12. The Storm (3:44)
13. The Hourglass (8:05)

Gesamtspieldauer: 1:00:07




„The Wake Of Magellan” ist das elfte Studio-Album der amerikanischen Metal Band Savatage und gleichzeitig das vorletzte, welches die Amerikaner im Jahr 1997 in Europa und 1998 in den USA bisher veröffentlicht haben. Die Platte erzählt eine Geschichte, die zum Teil auf wahren Begebenheiten beruht und für deren inhaltliche Zusammenstellung und weitere Ideen sich der Produzent und Studiobesitzer Paul O’Neill verantwortlich zeigt. Der erste Teil dieser wahren Begebenheit bezieht sich auf das Containerschiff Mærsk Dubai. Im Jahre 1996 wurden auf diesem Schiff, während zweier Fahrten von Spanien nach Kanada, insgesamt vier rumänische blinde Passagiere entdeckt, von denen der taiwanesische Kapitän drei auf offener See über Bord werfen ließ. Den vierten Rumänen konnte die philippinische Besatzung verstecken. Die drei über Bord geworfenen Menschen wurden nie wieder gesehen und schließlich für tot erklärt. Auch der Mord an der irischen Reporterin Veronica Guerin wurde verarbeitet. Diese war von der irischen Drogenmafia in Dublin ebenfalls 1996 umgebracht worden.

So und nun folgt das Fiktive gemischt mit der teilweisen Realität. Protagonist der Story ist Hector Del-Fuego Magellan, ein angeblicher Nachfahre des Seefahrers Magellan. Dieser ist nun alt und lebensmüde und möchte mit einem Floß auf das Meer hinausfahren, um dort zu sterben. Am Strand findet er einen toten Jungen, der zu seinem 18. Geburtstag eine Heroinspritze geschenkt bekommen hatte, gleichzeitig wird der Trauerkranz von Veronica Guerin angespült, die ihr Leben aufgrund ihres Kampfes gegen die Drogenmafia verloren hatte. Auf hoher See trifft Hector Del-Fuego Magellan dann auf einen im Wasser treibenden Schiffbrüchigen, der von der Mærsk Dubai stammt. Um diesen zu retten, fasst er neuen Lebensmut und schafft es schließlich, gegen Wind und Wetter, zusammen mit diesem Mann, wieder glücklich den Strand zu erreichen.

So viel zur Story. Die Musik ist dabei relativ schnell umzeichnet. Savatage betreiben hier auf „The Wake Of Magelllan“ Bombast-Metal vom Feinsten. Wer also auf solche Art der Musik steht, die oder der wird mit diesem Album seine absolute Erfüllung finden. Die Musik schwelgt in Melodiösität, Harmonien und auch Volumen. Alles klingt dicht und voll, ist klasse abgemischt und klopft einem – ordentlich aufgedreht – Hammer, Amboss und Steigbügel aus den Ohren. Es ist jedoch nicht so, dass die Scheibe unbedingt gleich beim ersten Hören alles freigibt und sofort zu zünden weiß. Obwohl hier praktisch jeder Titel bereits mit dem Erstkontakt irgendwie „ganz gut“ oder auch „ganz nett“ klingt, so knallt die Scheibe doch erst richtig nach dem wiederholten Hören und sich darauf Einlassen. Dann allerdings so richtig kompromisslos und man ist dauernd versucht, dem Ganzen doch noch ein klitzekleines bisschen mehr Lautstärke zuzugestehen. Gerade so lange, bis genervte Mitbewohner drauf und dran sind den Stecker zu ziehen. Was bleibt sind dann nur noch die Kopfhörer.

„The Wake Of Magelllan“ verfügt über harte, genau wie sanfte Stellen. Alles verändert sich, geht ineinander über, bleibt jedoch auch in den Metal-Passagen immer überaus melodiös. Trotzdem gibt es dort auch genug Möglichkeiten, das Haupthaar mal ordentlich durchzuschütteln. Ebenfalls nicht unerwähnt sollen hier die toll arrangierten, mehrstimmigen Gesangspassagen bleiben, die bei mir manches Mal sogar Erinnerungen an Queen wecken.

Fazit: Metal ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Doch das hier ist Bombast Metal – was für ein Begriff. Trotz aller Härte so viel Harmonie zu verströmen ist sicherlich eine Kunst, die nicht unbedingt alle Musiker beherrschen. Die Musiker von Savatage können das allerdings. Dazu gesellt sich eine aufwendige Story und fertig ist ein spannendes Konzeptalbum, welches immer öfters gehört werden will. Sehr überzeugend. Elf Punkte.

Anspieltipps: Underture, The Wake Of Magellan, The Storm



Montag, 2. Februar 2015

Eloy – Performance




Eloy – Performance


Besetzung:

Frank Bornemann – lead vocals, guitar
Klaus-Peter Matziol – bass
Fritz Randow – drums, percussion
Hannes Arkona – guitar, keyboards
Hannes Folberth – keyboards, grand piano


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Rock, Pop, Melodic Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. In Disguise (4:32)
2. Shadow And Light (5:20)
3. Mirador (3:44)
4. Surrender (5:41)
5. Heartbeat (6:28)
6. Fools (5:10)
7. A Broken Frame (8:14)


Bonus Tracks der remasterten Fassung des Albums:

8. Shadow And Light (Live 1983) (5:08)
9. Heartbeat (Live 1983) (6:00)
10. Fools (Live 1983) (4:49)

Gesamtspieldauer: 55:12




Ich gebe es ja gerne zu, dass dieses elfte Studio-Album der deutschen progressive Rocker von Eloy besser gelungen ist als so manch anderes, was 1983 von Bands der 70er Jahre veröffentlicht worden ist. Trotzdem kann mich „Performance” nicht mehr richtig erwärmen beziehungsweise erfreuen. Die Plattenfirma wollte wohl am ehesten, dass die Band nun „moderner“ klingen sollte. Herausgekommen ist dabei ein Album, welches ganz nett klingt und auch durchaus noch hörbar ist, jedoch hat Eloy mit diesem Album ganz viel von dem Charme verloren, der dieser Band mal innewohnte.

Die Musik ist nun deutlich poppiger geworden, Ecken und Kanten fehlen meistens. Alles wurde auf die schnelle Eingängigkeit getrimmt, soll wirken – und zwar blitzschnell. Das macht es auch, niemand wird sich wohl vom Gehörten großartig gestört fühlen, egal ob man die Musik jetzt mag oder nicht. Die Nummern könnten so alle auch im Radio laufen, nur die Länge der einzelnen Stücke ist da vielleicht noch ein wenig hinderlich. Trotzdem gibt es auch sehr schöne Stellen auf der Platte. Diese befinden sich vor allem zum Ende des Albums hin. Allerdings sollte man das Ganze nicht mehr so sehr unter der Überschrift „Progressive Rock“ sehen. Das ist schon deutlich mehr zum Melodic Rock mutiert. Aber auch das kann natürlich Spaß machen, wie solch ein Titel wie „A Broken Frame“ beweist. Auch die beiden Nummern davor, „Heartbeat“ und „Fools“, sind durchaus hörenswert. Hat man sich denn mal auf diese neue Seite von Eloy eingestellt, kann man mit den meisten der sieben Titel durchaus „warm“ werden. Einzige Ausnahme stellt da vielleicht nur die Instrumentalnummer „Mirador“ dar, diese ist auch nach dem zehnten Male des Hörens noch langweilig. Schlimmer noch, sie wird sogar immer noch langweiliger.

Drei Bonus Titel wurden der remasterten Fassung des Albums hinzugefügt. Diese drei Nummern sind auch auf der offiziellen Platte vertreten, hier nun jedoch als Bonus in den Live-Versionen. Diese unterscheiden sich kaum von den Originalen, Zuschauer sind keine zu hören und der Sound ist deutlich schlechter. Wo da der Sinn der Zugabe sein soll, erschließt sich einem mal wieder nicht unbedingt.

Fazit: Unter den Gesichtspunkten des Melodic Rocks ist die Scheibe „Performance“ von Eloy durchaus gelungen, wenn auch nicht der Überflieger. Ist man jedoch mal in diese Musik eingetaucht, dann wirkt sie auch. Das ist zwar alles nicht besonders spannend oder aufregend, aber wer will das schon die ganze Zeit haben… Spannung und Aufregung… Zu viel davon ergeben einen Herzinfarkt, also dann doch auch mal „Performance“ von Eloy. Im Übrigen, Danke an die Band, dass sie zumindest nicht ganz so abgestürzt ist, wie viele ihrer englischen Kollegen, die Anfang der 80er Jahre nur noch nach Plastik klangen. Von daher doch noch gelungen – bis auf das Album-Cover. Wer wohl auf die Idee kam, genau dieses Bild zu verwenden? Unfassbar. Acht Punkte.

Anspieltipps: Heartbeat, A Broken Frame



Sonntag, 1. Februar 2015

Jethro Tull – Songs From The Wood




Jethro Tull – Songs From The Wood


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, flute, acoustic guitar, mandolin, cymbals, whistles
Martin Barre – electric guitar, lute
John Evan – piano, organ, synthesisers
Barriemore Barlow – drums, marimba, glockenspiel, bells, nakers, tabor
John Glascock – bass guitar, vocals
David Palmer – piano, portative pipe organ, synthesisers


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Folk Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Songs From The Wood (4:55)
2. Jack-In-The-Green (2:31)
3. Cup Of Wonder (4:33)
4. Hunting Girl (5:13)
5. Ring Out Solstice Bell (3:47)
6. Velvet Green (6:04)
7. The Whistler (3:31)
8. Pibroch (Cap In Hand) (8:35)
9. Fire At Midnight (2:33)


Bonus Tracks der remasterten Fassung des Albums:

10. Beltane (5:19)
11. Velvet Green (Live BBC In Concert Recording 1977) (5:54)

Gesamtspieldauer: 52:59




„Songs From The Wood” erschien 1977 und ist stellt gleichzeitig das zehnte Studioalbum von Jethro Tull dar. Ganz allgemein gilt dieses Album, als das erste einer Reihe von Veröffentlichungen, die stark in Richtung Folk Rock tendieren, einem Genre, welches sich bereits auf dem Vorgängeralbum „Too Old To Rock ’n’ Roll: Too Young To Die!“ andeutete. Diese Platte allerdings als Folk-Album abzutun, würde ihr in keiner Weise gerecht werden, denn Folk ist nur eine Akzentuierung der Scheibe neben dem Progressive Rock, dem Rock ganz allgemein und auch dem Pop.

Ich muss zugeben, dass ich mich am Anfang relativ schwer getan habe mit „Songs From The Wood”. Das liegt sicherlich nicht nur am Cover, denn bei der Albumgestaltung schien Ian Anderson meistens relativ einfallslos zu sein, wenn man das an solch Covern wie jenem von „War Child“ oder von dem bereits erwähnten „Too Old To Rock ’n’ Roll: Too Young To Die!“ festmachen möchte. Dieses Mal hat das Album Cover zumindest noch einen bestimmten Sinn, geht es doch in den Texten unter anderem um ein Leben im Einklang mit der Natur.

Am besten könnte man die Musik auf „Songs From The Wood” wohl mit Folk Prog umschreiben. Neben Titeln, in denen dieses Genre „Folk“ deutlich stärker zutage tritt, wie bei dem sehr eingängigen „Jack-In-The-Green“, welches Ian Anderson übrigens vollständig alleine einspielte, gibt es durchaus Nummern, die eher noch dem Progressive Rock zuzuordnen sind. Beispielhaft hierfür steht das wirklich überzeugende und abwechslungsreiche „Pibroch (Cap In Hand)“. Und dann gibt es da allerdings auch jene Lieder, in denen die Grenzen zwischen den Genres fließend zu sein scheinen und verschwimmen, wie bei „Velvet Green“, für mich die stärkste Nummer des Albums. Überhaupt weiß die ehemalige zweite Plattenseite ein wenig mehr zu überzeugen, als die ursprünglich erste. Die vier letzten Stücke sind allesamt Perlen im Songkatalog von Jethro Tull und lassen diese Platte endgültig zu einem Genuss werden. Nicht unerwähnt bleiben sollen hier auch die vielen Anlehnungen an mittelalterliche Musik, die zwar immer nur ganz zart, allerdings doch mit einer gewissen Konsequenz und Redundanz immer wieder zu Tage treten.

Trotzdem ist die Scheibe eine derjenigen, die sich nicht gleich beim ersten Mal dem Hörer erschließt, zumal wenn sie oder er Jethro Tull Musik der vorherigen Jahre erwartet. Außer Frage steht dabei, dass jeder Titel dieser Band sofort zugeordnet werden kann, alleine schon aufgrund der markanten Stimme des Ian Anderson und natürlich der Querflöte, die hier allgegenwärtig zu sein scheint. Der Stil ist es, der deutlich ruhiger geworden ist, der etwas mehr Aufmerksamkeit und Wiederholungen einfordert. Es scheint geradezu so zu sein, als ob im Gehirn hierfür erst die korrekten Verschaltungen eingerichtet werden müssten. Nun, das passiert nach wenigen Durchläufen und dem Hörgenuss steht nichts mehr im Wege. Lediglich einen etwas weniger gelungenen Titel kann mein Ohr dabei ausmachen und dies ist „Ring Out Solstice Bell“, bei dem mir das Geklatsche mit jedem Durchlauf noch ein wenig mehr auf den Senkel zu gehen scheint.

Als Zugabe zur remasterten Fassung wurden noch „Beltane“, welches das „Beltane-Fest zum Inhalt hat und im keltischen Kalender den Sommeranfang markiert, hinzugefügt. Dazu gibt es noch eine Live-Version des Titels „Velvet Green“. Beides ganz nette Ergänzungen.

Fazit: „Songs From The Wood” reift im Ohr zu einem guten Album, wenn man ihm auch die Zeit zum Reifen gibt. Ich kenne die Platte sicherlich schon seit zwanzig Jahren und habe sie erst jetzt wieder, wegen diesen Seiten hier, hervorgekramt. Nun, dann läuft so ein Album erst mal und läuft und läuft und läuft. Tja und schließlich stelle ich fest, dass ich längere Zeit etwas sehr Schönes einfach so habe links liegen gelassen – umso schöner, mal all meine Alben nochmals genau durchzuhören und hier niederzulegen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Velvet Green, The Whistler, Pibroch (Cap In Hand)



Samstag, 31. Januar 2015

Yes – Keys To Ascension




Yes – Keys To Ascension


Besetzung:

Jon Anderson – vocals, harp, guitars
Chris Squire – bass, piccolo bass, backing vocals
Steve Howe – guitar, backing vocals, 6 string bass
Rick Wakeman – keyboards
Alan White – drums


Label: Essential Records


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Siberian Khatru (Live) (10:16)
2. The Revealing Science Of God (Live) (20:31)
3. America (Live) (10:28)
4. Onward (Live) (5:35)
5. Awaken (Live) (18:34)


CD2:

1. Roundabout (Live) (8:30)
2. Starship Trooper (Live) (13:05)
3. Be The One (Studio) (9:49)
I. The One
II. Humankind
III. Skates
4. That, That Is (Studio) (19:15)
I. Togetherness
II. Crossfire
III. The Giving Things
IV. That Is
V. All In All
VI. How Did It All Begin
VII. Agree To Agree

Gesamtspieldauer: CD1 & CD2 (1:05:25 & 50:39): 1:56:05




Nun, über diese Unsitte, bei nur wenig neuem Material, einfach ein paar Live-Aufnahmen mit etwas Neuem zu mischen, kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Mich nervt es auf jeden Fall. Nichts anderes haben Yes bei „Keys To Ascension” allerdings gemacht. Sieben Stücke aus längst vergangenen Zeiten wurden mit zwei neuen Liedern gemixt und das Ganze wurde als Doppel-CD veröffentlicht und wird nun in den meisten Diskographien, als das fünfzehnte Album der Briten geführt. Immerhin hatte sich allerdings mal wieder die klassische Formation mit Anderson, Squire, Howe, Wakeman und White zusammengefunden. Das hatte es das letzte Mal 1978 mit dem Album „Tormato“ gegeben. Die fünf Musiker wollten wieder zusammenkommen und so gaben sie im März 1996 drei Konzerte in Luis Obispo, Kalifornien, dem Wohnort von Sänger Jon Anderson.

Allerdings müssen diese Aufnahmen zum Teil so verheerend gewesen sein, dass Jon Anderson seine Parts alle nochmals im Studio neu einsingen musste. Abschnittsweise machten dies die Instrumentalisten ebenfalls. Da hierzu auch eine DVD veröffentlicht wurde, lässt sich der Qualitätsunterschied sehr gut heraushören. Nun, ansonsten klingt das natürlich nach Yes, wenn man auch über die Songauswahl geteilter Meinung sein kann. Jedoch unterscheiden sich die Titel nicht großartig von den Studio-Versionen, sieht man jetzt mal davon ab, dass der Sound eines Keyboards oder Synthesizers in den 90ern doch dann ein anderer war, als noch zu Beginn der 70er Jahre.

Nun, zwei neue Lieder in Form von „Be The One” und „That, That Is” gibt es allerdings auch noch zu hören. Und da muss man Yes nun wirklich Respekt zollen. Beide Titel klingen keineswegs nach Yes der 80er Jahre. Das klingt alles schon sehr viel eher nach den 70er Jahren, biedert sich nicht mainstreammäßig an und versucht auch nicht die alte Zeit zu kopieren, sondern stellt richtig gut gemachten Progressive Rock dar, mit all jenen Zutaten, die dieses Musikgenre auszeichnen. Vor allem Titel Nummer 2, also „That, That Is”, kann hierbei überzeugen. „Togetherness“ ist eine wunderschöne Steve Howe Nummer. Warm und erwärmend klingt hier sein sanftes Gitarrenspiel. Ein Höhepunkt auf dem gesamten Album, wenn nicht sogar der Höhepunkt. Es folgen sechs weitere Teile dieses Liedes, die allesamt hörenswert sind. Mal etwas treibender und fordernder, dann wieder ruhiger und schwebender, jedoch immer auf ihre Art und Weise verspielt und eingängig. Ein richtig gutes Lied, wofür sich allein schon die Anschaffung der Platte lohnt.

Fazit: Okay, mit den ersten sieben Titeln auf „Keys To Ascension” beweisen Yes lediglich, dass sie immer noch live spielen können – wenn auch nicht richtig abmischen. Deshalb lohnt der Kauf der Platte allerdings nicht, denn in den originalen Studioaufnahmen kann man diese Musik auch bestens genießen und so viel Mehrwert haben die überarbeiteten Aufnahmen ganz sicher nicht. Aber da gibt es noch die zwei Studioeinspielungen, die wahrlich gelungen sind und die Platte für Yes-Freunde dann doch wieder zu einer lohnenden Anschaffung werden lassen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: That, That Is



Freitag, 30. Januar 2015

Spock’s Beard – The Kindness Of Strangers




Spock’s Beard – The Kindness Of Strangers


Besetzung:

Neal Morse – lead vocals, piano, synthesizer
Alan Morse – guitars, cello, vocals
Dave Meros – bass guitar, vocals
Nick D'Virgilio – drums, percussion, vocals
Ryo Okumoto – hammond organ, mellotron


Label: Giant Electric Pea


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Good Don't Last (10:04)
2. In The Mouth Of Madness (4:45)
3. Cakewalk On Easy Street (5:01)
4. June (5:29)
5. Strange World (4:20)
6. Harm's Way (11:05)
7. Flow (15:50)


Bonus Tracks der remasterten Version:

8. The Good Don't Last (Radio Edit) (3:19)
9. In The Mouth Of Madness (Radio Edit) (3:58)
10. Cakewalk On Easy Street (Radio Edit) (4:02)
11. June (Demo) (5:28)
12. Strange World (Demo) (4:31)

Gesamtspieldauer: 1:17:59




„The Kindness Of Strangers” heißt das dritte Studioalbum der amerikanischen NeoProg-Band Spock’s Beard. Aufgenommen wurde es 1997 und schließlich 1998 veröffentlicht. Sehr melodischen Progressive Rock servieren die fünf Musiker dabei einmal mehr ihren Zuhörern. Man kann es auf „The Kindness Of Strangers” fast spüren, dass die Musiker jede Menge Spaß an ihrer Musik haben, so viel Spielfreude transportiert dieses Album. Natürlich zeichnet sich wieder vor allem Neal Morse für die Kompositionen aus, die voll und rund wirken.

Klar kommen auch bei dieser Scheibe wieder Reminiszenzen zu den Platten anderer Bands und Musiker auf, die sich im selben Genre, nur eben zwanzig Jahre früher getummelt haben. Macht jedoch gar nichts, denn auch wenn Spock’s Beard von Genesis, Yes oder was weiß ich beeinflusst wurde, die Amerikaner haben daraus ihren ganz eigenen Stil entwickelt, der sich zwar anlehnt, jedoch nicht anbiedert oder kopiert. Spock’s Beards Progressive Rock ist durchaus eigenständig zu sehen und zu hören.

Höhepunkt auf „The Kindness Of Strangers” sind für mich die drei über zehn Minuten langen Stücke, in denen Spock’s Beard so ziemlich alles in die Musik einfließen lassen, damit aus diesen Nummer auch wirklich Progressive Rock wird. Da gibt es die melodiösen Abschnitte, neben den treibenden und fordernden, immer wieder Rhythmus- und Tempowechsel, schräge Akkorde und auch mal ungerade Takte. Das alles ist sehr spannend und überzeugend und macht beim Zuhören einfach nur Spaß.

Auf der remasterten Fassung befinden sich noch fünf Zugaben. Drei davon sind Radioversionen von bereits vorhanden Liedern, zwei sind Demo-Versionen, ebenfalls von Liedern, die schon auf „The Kindness Of Strangers” enthalten sind. Nun, ob sich also der Kauf dieser Version des Albums lohnt, wenn man schon erstere sein Eigen nennt, darf stark bezweifelt werden, zumal sich auch die remasterte Versionen klanglich kaum bis gar nicht von den originalen Einspielungen unterscheiden.

Fazit: „The Kindness Of Strangers” ist ein typisches Spock’s Beard Album geworden. Irgendwie klingt das alles nicht ganz neu, ist es allerdings trotzdem, denn sie Musik der Amerikaner ist nicht nur eine platte Kopie, sondern durchaus etwas Eigenständiges. Allerdings, die Musik hätte durchaus auch 25 Jahre zuvor entstanden sein können und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass Leute, die Genesis und Yes mögen, auch an dieser Platte hier Gefallen finden dürften. Elf Punkte.

Anspieltipps: Flow



Donnerstag, 29. Januar 2015

Gentle Giant – Free Hand




Gentle Giant – Free Hand


Besetzung:

Gary Green – electric guitars, acoustic guitars, descant recorder, co-lead vocals
Kerry Minnear – piano, hammond organ, Clavinet, minimoog, synthesizer, electric piano, harpsichord, wurlitzer electric piano, honky-tonk piano, celesta glockenspiel, vibraphone, marimba, tympani, harp, cello, tenor recorder, lead vocals
Derek Shulman – lead vocals, treble recorder, alto saxophones
Ray Shulman – bass, electric violin, violin, viola, co-lead vocals
John Weathers – drums, tambourine, bass drum, tom-tom, snare drum, triangle, cymbal, woodblock, cowbell, frame drums, percussion


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Just The Same (5:33)
2. On Reflection (5:42)
3. Free Hand (6:14)
4. Time To Kill (5:08)
5. His Last Voyage (6:26)
6. Talybont (2:43)
7. Mobile (5:03)

Gesamtspieldauer: 36:52




„Free Hand“ heißt das siebte Studio-Album der englischen Progressive Rock Band Gentle Giant. Im Jahr 1975 wurde es veröffentlicht und ist ganz klar eines der Höhepunkt im Schaffen von Gentle Giant geworden. Alles was die Band ausmacht, das gibt es auf „Free Hand“ auch zu hören. Da gibt es ganz vertrackte Läufe, seltsame Breaks, mehrstimmige Gesangsarrangements, die es sonst nirgendwo zu hören gibt, überraschende Wendungen, schräge Takte, Rhythmus- und Tempowechsel, unglaublich einnehmende Melodien, verstörende Klänge, mittelalterliche Sequenzen, progressiven Rock in seiner ausgeprägtesten Form, spannende Steigerungen und fast schon meditative Redundanzen. Dies alles verpackt auf einer ursprünglichen LP mit knapp 37 Minuten Laufzeit. „Respekt“ kann man da nur sagen.

Nun ist es ganz bestimmt nicht so, dass Gentle Giant Musik für den Massenmarkt produziert hätten. Nein, man muss schon einen etwas „spezielleren“ Musikgeschmack haben, um in diesen Tönen und Klängen aufgehen zu können. Beispielhaft auf „Free Hand“ steht dabei für mich das Lied „On Reflection“, welches sehr viel über die Musik von Gentle Giant auf „Free Hand“ aussagt. Das klingt einfach schräg und dann doch wieder sehr eingängig. Ich glaube ich muss an dieser Stelle nicht besonders erwähnen, dass man für solch ein Werk definitiv deutlich mehr als einen Durchgang der Scheibe benötigt, um in diese Klänge vollends eintauchen zu können.

Fazit: „Free Hand” ist ein Erlebnis. Ein absolutes Hörerlebnis. Hier ist nichts so, wie man es von anderen Bands her kennt. Klar das ist Progressive Rock, jedoch hat dieser nur ganz am Rande etwas mit dem zu tun, den etwa Genesis, Yes oder Emerson, Lake And Palmer zu selben Zeit praktizierten, um nur einige Namen zu nennen. Die Musik geht ins Ohr, jedoch nicht sofort. Diese Musik ist mit Sicherheit nicht einfach, ganz im Gegenteil, sie ist sogar sehr schwierig. Da sich allerdings alles mit jedem weiteren Hören auflöst, logischer wird und schließlich irgendwie perfekt zu werden scheint, lohnt sich „Free Hand“ für all diejenigen Musikhörer, die auch mal was aussitzen können. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: On Reflection



Mittwoch, 28. Januar 2015

Camel – Moonmadness




Camel – Moonmadness


Besetzung:

Andrew Latimer – guitars, flute, vocals on "Another Night" and "Air Born"
Peter Bardens – keyboards, vocals on "Spirit Of The Water"
Doug Ferguson – bass, vocals on "Song Within A Song"
Andy Ward – drums, percussion, voice on "Aristillus"


Label: Decca Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Aristillus (1:56)
2. Song Within A Song (7:14)
3. Chord Change (6:44)
4. Spirit Of The Water (2:07)
5. Another Night (6:56)
6. Air Born (5:02)
7. Lunar Sea (9:09)


Bonus Tracks der remasterten FRassung:

8. Another Night (Single Version) (3:24)
9. Spirit Of The Water (Demo Version) (2:13)
10. Song Within A Song (Live At The Hammersmith Odeon) (7:13)
11. Lunar Sea ("Live At The Hammersmith Odeon" Instrumental Version) (9:51)
12. Preparation / Dunkirk (Live At The Hammersmith Odeon / Instrumental Version) (9:31)

Gesamtspieldauer: 1:11:26




„Moonmadness“ heißt das vierte Album der englischen Progressive Rockband „Camel“ und wurde im Jahr 1976 veröffentlicht. Dieser Formation wurde niemals so viel Aufmerksamkeit geschenkt, wie den Kollegen von zum Beispiel Yes oder Genesis. Natürlich schlug sich dieser Umstand auch in den Verkaufszahlen von Camel wieder. Nun und für mich ist diese Scheibe hier, „Moonmadness“, auch ein Beleg dafür, warum dies so ist.

Die Platte beginnt mit dem Instrumentalstück „Aristillus” ziemlich flott, danach setzen sich auf „Moonmadness“ allerdings häufig die eher schwebenden Töne durch. Ist „The Song Within A Song“ noch ganz gelungen, da ein aus mehreren Teilen zusammengesetztes Lied, wobei alle Abschnitte auch durchaus melodisch gelungen sind, so sieht das bei „Chord Change“ schon etwas anders aus. Die Nummer fängt bereits nach dreißig Sekunden an zu nerven – da hat man allerdings immer noch fast sechseinhalb Minuten vor sich. Etwas jazzig angehaucht, manchmal auch bluesig, weiß ich überhaupt nicht, wie und wo ich diesen Titel einsortieren soll. Auch wenn das alles sehr sanft klingt, so bleibt es doch schwer verdauliche Kost.

Ganz anders dann „Spirit Of The Water”. Hier klingen Camel richtiggehend verwunschen und mystisch. Dazu ist das Lied mit einer wunderschönen Melodie ausgestattet, der Höhepunkt für mich auf „Moonmadness“, mit seinen knapp über zwei Minuten Spielzeit leider allerdings viel zu kurz geraten. Es folgen mit „Another Night”, einem etwas rockigeren Song und “Air Borne”, zunächst dem genauen Gegenteil davon, nochmals zwei Titel, die durchaus lohnenswert sind gehört zu werden. Das ist alles Progressive Rock, durchaus auch harmonisch ausgeschmückt, jedoch der allerletzte Funke will irgendwie nicht überspringen. Bliebe zum Schluss noch der längste Titel des Albums „Luna Sea“. Diese Nummer scheidet grandios in meinen Ohren, da hier mal wieder ein Keyboardsound gewählt wurde, der im Mittelteil so dermaßen nach Plastik klingt, dass man sich geradezu wegducken möchte, was allerdings überhaupt nicht weiterhilft.

Fazit: Camel haben durchaus wunderschöne Melodien erschaffen. Hatten viele Ideen und konnten diese auch gut umsetzen. Jedoch konnten das einige Kollegen aus der progressiven Rockszene noch deutlich besser. Was bleibt ist ein Album, welches ganz okay ist und wenn man dieses Musikgenre mag auch ganz gut anhören kann. Allerdings ins Schwärmen gerate zumindest ich nicht dabei, für mich fehlt hier das Besondere, der letzte Kick, den ich oftmals in der Musik finde. Bei Camel auf „Moonmadness“ jedoch leider nicht. Acht Punkte.

Anspieltipps: Spirit Of The Water, Another Night