Montag, 16. Februar 2015

Udo Lindenberg – Udopia




Udo Lindenberg – Udopia


Besetzung:

Udo Lindenberg – Gesang, Keyboards
Hannes Bauer – Gitarre
Elliot Randall – Gitarre
Peter Hesslein – Gitarre
Mike Miranda – Gitarre
Jean Jacques Kravetz – Keyboards
Thor Baldurson – Keyboards
Dave King – Keyboards, Bass
Thomas Sequi – Keyboards
Steffi Stephan – Bass
Betram Engel – Schlagzeug
Thommy Price – Schlagzeug
Thomas Digl – Schlagzeug
Nippy Noya – Perkussion
Bolle Burmeister – Klarinette
Rale Oberpichler – Chor
Freya Wippich – Chor
Elisabeth Richelsen – Chor
Karlos-Kopflos-Singers – Chor


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Deutsch Rock, Pop


Trackliste:

1. Strassen-Fieber (4:48)
2. Mit dem Sakko nach Monakko (4:33)
3. Gegen die Strömung (3:38)
4. Affenstern (4:15)
5. Sandmännchen (3:39)
6. Grande Finale (5:12)
7. Ali (3:37)
8. Jonny Gigolo (2:58)
9. Kann denn Liebe Sünde sein (3:38)
10. Kugel im Colt (4:24)
11. No Future? (3:55)

Gesamtspieldauer: 44:42




„Udopia“ ist bereits das fünfzehnte Studioalbum des Udo Lindenberg und wurde im Jahr 1981 veröffentlicht. Wenn man sich dann überlegt, dass das erste Album Udo Lindenbergs im Jahr 1971 erschien, kann man sich schnell ausrechnen, dass der gebürtige Gronauer sehr fleißig im Veröffentlichen von Platten war. Manchmal gab es mehrere neue Scheiben pro Jahr. Nicht weiter überraschend dann dabei, dass auch manchmal die Qualität der Alben zu wünschen übrig ließ. Nicht jede Platte des Udo Lindenberg ist dabei uneingeschränkt überzeugend. Dies gilt ausdrücklich jedoch nicht für „Udopia“, denn diese Scheibe ist zweifelsohne eine seiner besten.

Auf keinem Album vorher oder nachher klang Udo Lindenberg witziger und auch politischer. Dieser Wortwitz des Wahlhamburgers ist wahrlich unerreicht und zaubert dem Zuhörer beim Hören von „Udopia“ so manches Mal ein Lächeln auf das Gesicht. Musikalisch gesehen gibt es auf dieser Platte auch eine relativ große Spannbreite zu erhören. Diese reicht vom etwas härteren Rock über den Pop im Midtempo, bis hin zu den sanften Balladen. Herauszuheben sind dabei drei ganz besondere Lieder. Zum einen „Mit dem Sakko nach Monakko“ („Monakko“ wird hier wirklich so auf dem Album geschrieben). Ein Pop Titel, sicherlich unter den Top 5 der besten Liedern, die Udo Lindenberg in seiner langen Karriere geschrieben hat. Hier schlägt der Humor des Sängers voll durch, einfach grandios gemacht. Wie er in diesem Titel die Königshäuser und die ein Jahr zuvor gescheiterte Ehe zwischen Prinzessin Caroline und dem Finanzmakler Philippe Junot absolut parodistisch verarbeitet, das ist wahrlich eine hohe Kunst.

Auch die swingende Ballade „Sandmännchen“ kann sowohl musikalisch wie inhaltlich überzeugen. Da macht das Zuhören einfach unglaublich viel Spaß. Und auch wenn man nicht alles inhaltlich unterschreiben möchte, was Udo Lindenberg in „Grande Finale“ so von sich gibt, so ist das doch die perfekte Satire. Dieses Mal knallt das Lied sogar richtig – mit dem Opener gehört es zu den härteren Stücken der Platte. Wahrlich alles sehr überzeugend. Nun, auch „Affenstern“ und „Johnny Gigolo“ gehören zu den gelungenen Titeln, die auch nach bald 34 Jahren nichts von ihrer Wirkung eingebüßt haben.

Fazit: Ein wirklich tolles und überzeugendes Album ist „Udopia“ geworden. Textlich mit Sicherheit das beste Werk des Udo Lindenberg. Musikalisch wird es nur von „Votan Wahnwitz“ und „Alles klar auf der Andrea Doria“ übertroffen. Die tollen Melodien gibt es zwar auch auf „Udopia“, jedoch nicht unbedingt bei jedem der elf Nummern. Allerdings ist das jetzt wirklich „Jammern“ auf hohem Niveau. Nein, „Udopia“ überzeugt auf ganzer Linie, sollte man unbedingt gehört haben, da hier auch der Zeitgeist der frühen 80er Jahre erspürt werden kann. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Mit dem Sakko nach Monakko, Sandmännchen, Grande Finale



Sonntag, 15. Februar 2015

Porcupine Tree – In Absentia




Porcupine Tree – In Absentia


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, acoustic & electric guitar, piano, keyboards, banjo
Richard Barbieri – analog synthesizers, mellotron, hammond organ, keyboards
Colin Edwin – bass guitar
Gavin Harrison – drums, percussion


Gastmusiker:

Aviv Geffen – backing vocals (on "The Sound Of Muzak" and "Prodigal")
John Wesley – backing vocals (on "Blackest Eyes", "The Sound Of Muzak", and "Prodigal"), additional guitar (on "Blackest Eyes")


Label: Lava Records


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Progressive Rock, Psychedelic Rock, Independent, Alternative


Trackliste:

1. Blackest Eyes (4:23)
2. Trains (5:56)
3. Lips Of Ashes (4:39)
4. The Sound Of Muzak (4:59)
5. Gravity Eyelids (7:56)
6. Wedding Nails (6:33)
7. Prodigal (5:32)
8. .3 (5:25)
9. The Creator Has A Mastertape (5:21)
10. Heartattack In A Layby (4:15)
11. Strip The Soul (7:21)
12. Collapse The Light Into Earth (5:54)

Gesamtspieldauer: 1:08:21




Als Nachfolger des grandiosen Albums „Lightbulb Sun“ musste es „In Absentia“, das inzwischen siebte „offizielle“ Studioalbum von Porcupine Tree, natürlich schwer haben. 2002 wurde diese Scheibe veröffentlicht und alle diejenigen, die hofften, dass auch diese Platte wie der Vorgänger überzeugen würde, all jene konnten sich gleich beim ersten Durchhören der Scheibe entspannt zurücklehnen. Auch „In Absentia“ weiß sofort, selbst beim allerersten Mal des Hörens, zu überzeugen. Und das eingedenk der Tatsache, dass Porcupine Tree Alben mit der Zeit immer noch zu wachsen verstehen.

Das ist wahrlich alles sehr begeisternd, was die Band hier ihren Hörern präsentiert. Da gibt es nun wirklich harten Rock neben wunderschönen Melodien. Jedoch dieser „harte Rock“, ist das wirklich Hard Rock? Nein, ist es nicht. Zwar greift Steven Wilson ordentlich in die Saiten, jedoch ist das, was auf „In Absentia“ zu hören ist, eher etwas mehr gitarrendominierter Progressive Rock, denn irgendein Auswuchs des Hard Rock. Und dabei bleibt es keineswegs. Vielmehr gibt es hier auch diese sanften, ruhigen Stücke, die den Hörer um den Finger wickeln und einfach nicht mehr loslassen. „In Absentia“ ist so unglaublich spannend, so abwechslungsreich, da man in diese Musik einfach eintauchen möchte, um sie ganz in sich aufzunehmen.

Meistens funktioniert das nicht nach der Devise Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Solo – Strophe – Refrain und Schluss. Trotzdem kann das durchaus so passieren. Konventionen gibt es und es gibt sie auch wieder nicht auf „In Absentia“. Es finden Ausflüge in viele verschiedene Stilarten der Musik statt, jedoch ist das niemals Pop, immer Rock in seinen durchaus unterschiedlichen Schattierungen. Da mag man so manches Mal das Haupthaar ordentlich durchschütteln, um im nächsten Moment wieder die Augen zu schließen, um sich auf jeden Ton einer wunderschönen Melodie noch mehr konzentrieren zu können. Genuss pur also, was nichts anderes bedeutet, als dass es im neuen Jahrtausend auch noch Psychedelic- oder Progressive Rock gibt, der absolut zu überzeugen weiß.

Fazit: Ein richtig cooles Album hat Steven Wilson da mit seinen „Begleitmusikern“ nachgelegt. Das ist wahrlich Progressive Rock des dritten Jahrtausends. Spannend und überzeugend. Fordernd und versöhnend. Jeder Titel auf „In Absentia“ wirkt und weiß zu überzeugen. Selbst wenn das ein oder andere dann doch beim ersten Hören noch verwirrend wirkt, der Nebel lichtet sich immer mehr. Mit Sicherheit eine der besten Platten des Jahres 2002. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Trains, Lips Of Ashes, Heartattack In A Layby, Collapse The Light Into Earth und Vieles andere mehr



Samstag, 14. Februar 2015

Eloy – Metromania




Eloy – Metromania


Besetzung:

Frank Bornemann  guitar, lead vocals
Klaus Peter Matziol  bass guitar
Hannes Folberth  keyboards
Hannes Arkona  guitar, keyboards, vocoder, syncussion, synthesizer drums
Fritz Randow  drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Rock, Pop, Melodic Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Escape To The Heights (4:59)
2. Seeds Of Creation (4:29)
3. All Life Is One (6:28)
4. The Stranger (4:01)
5. Follow The Light (9:40)
6. Nightriders (4:39)
7. Metromania (6:08)

Gesamtspielzeit: 40:27




Ihr zwölftes Studioalbum tauften die Musiker von Eloy „Metromania“, welches 1984 veröffentlicht wurde. Nach dieser Platte löste Frank Bornemann Eloy erst einmal auf. Er war nicht mehr zufrieden mit der Musik, für die Eloy nun stand. Nun, es hatte sich auch einiges verändert im Sound der Band. Die Lieder sind zum Teil härter geworden, mitunter klingen sie jedoch auch sehr synthetisch, was wohl allgemein der damaligen Zeit und der Musiklandschaft in den 80ern geschuldet ist.

Aber hat es jemals schon so ein Hard Rock Lied wie „Nightriders“ von Eloy gegeben? Nein, bisher sicherlich nicht. Auch die Startnummer, „Escape To The Heights”, wartet mit schweren Gitarren auf, obwohl sich hier auch Synthie-Pop-Klänge mit zum Gesamtbild hinzugesellen. Bei diesem Titel wird ziemlich deutlich, auf was sich der Hörer beim Genuss von „Metromania“ einzulassen hat. Da gibt es Melodic Rock-Abschnitte neben Hard Rock-Teilen. Hier hört man Pop, in Ansätzen jedoch auch noch Progressive Rock Anteile. Eine richtig krude Mischung stellt das jedoch nicht dar, da man die Musik von Eloy immer heraushört, die Musik dieser Band eindeutig zuordnen kann, was nicht ausschließlich am Gesang des Frank Bornemann liegt.

Das Manko dieser Platte ist jedoch, dass sie wirklich einige Durchläufe benötigt, um sich doch noch etwas im Ohr des Hörers festsetzen zu können. Beim allerersten Abspielen wirken die Lieder von Eloy auf „Metromania“ eher hektisch und keineswegs sehr melodiös. Der Nebel lichtet sich zwar mit der Zeit etwas, jedoch an die großen Alben der 70er Jahre, reicht diese Scheibe in Bezug auf Melodiösität und Spannung nicht mehr heran.

Fazit: Frank Bornemann löste die Band, wie oben bereits erwähnt, nach „Metromania“ erst einmal auf, um vier Jahre später mit alten Weggefährten sein Eloy erneut aufleben zu lassen. Eloy versuchte hier überdeutlich den Spagat zwischen Progressive Rock und dem gerade so angesagten Pop zu vollziehen – auch wenn das Album an vielen Stellen sogar etwas härter klingt, was einer irgendwie gearteten Kompensation gleichkommt. Dieses Unterfangen ist allerdings wohl ein Ding der Unmöglichkeit, was der Quadratur des Kreises gleichkäme. Aber es ist der Versuch der zählt… Verglichen mit dem, was andere Progressive Rock Bands zu der Zeit produzierten, immer noch beachtenswert. Acht Punkte.

Anspieltipps: All Life Is One



Freitag, 13. Februar 2015

Yusuf Al-Manyalawi




Yusuf Al-Manyalawi – The Voice Of The Nahda Era

Es ist eine Geschichte um vier Ecken. Mehr durch Zufall stieß ich auf die zehn Cds umfassende Box “The Voice of the Nahda Era – Yusuf Al-Manyalawi”. Herausgegeben wurde das umfassende Werk von der AMAR Stiftung, der “Foundation for Arab Music, Archiving and Research” im libanesischen Beirut. Auf dem Coverbild ein schnauzbärtiger Mann, der etwas fragend in die Kamera blickt. Der Ägypter Yusuf Al-Manyalawi, der 1847 geboren wurde, in Kairo aufwuchs und 1911 verstarb. Schon als kleiner Junge lernte er Dhikr, ein intensives Gebetsritual in der sufistischen Strömung des Islam. Das war die Grundlage für seinen späteren Erfolg als Sänger. 83 Platten nahm er im Zeitraum von 1903 bis zu seinem Tod auf, noch bis Anfang der 30er Jahre war er ein Superstar und Bestseller in seinem Heimatland. Doch dann verschwand Al-Manyalawi aus dem Blickfeld vieler. Und das, obwohl er zu Lebzeiten als der “Caruso des Ostens” galt.

1905 reisten Heinrich Bumb, Geschäftsführer der Berliner Bumb & Koenig GmbH [Beka], seine Frau Elisabeth und der Aufnahmeingenieur Willy Bielefeld über Konstantinopel nach Kairo. Es waren die ersten Etappen einer Aufnahme-Expedition rund den Globus. Nach ihrer Ankunft in Kairo Anfang November schrieb Heinrich Bumb: “Unsere seit ca. 9 Monaten mit Scheik Jussuf, dem “Caruso des Ostens” geführten Unterhandlungen hatten schließlich zu einem Abschluß geführt, welcher den Sänger verpflichtete, fünfzig Lieder ausschließlich für die “Beka-Records” zu singen.”

Beka veröffentlichte später diese Gesänge von Al-Manyalawi auf einem extra dafür gegründeten Label in Ägypten, ”Sama’ al-mulük”, was “Auswahl der Könige” bedeutet. Es bezieht sich darauf, dass Al-Manyalawi auch am Königshof von Ägypten vorsang. Die Platten waren nur für den arabischen Markt gedacht, einem Markt, der durchaus Wachstum für die deutsche Plattenfirma versprach, vor allem mit einem so bekannten Sänger.

Doch die englische Firma “Grammophon & Typewriter Ltd.” war alles andere als positiv davon angetan, dass ausgerechnet in diesem britischen Schutzgebiet ein deutsches Label Geschäfte machte. Schon 1907 reiste der Aufnahmeingenieur Fred Gaisberg für die Grammophon nach Kairo, um 50 Plattenseiten mit dem berühmten Scheich aufzunehmen. Klanglich besser als die Beka Tonaufnahmen, doch auch wesentlich teurer. Die Grammophon zahlte dem Scheich ein Vermögen für dessen Gesänge.

All diese Musik kann man nun wieder auf “The Voice of the Nahda Era” hören. Es kratzt und knistert, Yusuf Al-Manyalawi singt religiöse und weltliche Lieder und das in verschiedensten Tonlagen. Dieses Gesangsvermögen zeichnete ihn aus und machte ihn zum Superstar seiner Zeit. Begleitet wurde er von den besten Musikern Kairos. Diese Liedersammlung der AMAR Stiftung ist ein Blick zurück auf eine boomende und weltoffene arabische Welt, in der die technischen Möglichkeiten ihrer Zeit genutzt wurden. Ein besonderes Klangzeugnis, das gehört werden sollte.

Donnerstag, 12. Februar 2015

Johanna Borchert – FM Biography




Johanna Borchert – FM Biography

Ich muß zugeben, von Johanna Borchert hatte ich bislang noch nichts gehört. Dann lag diese CD hier vor mir. “FM Biography”, auf dem Cover eine Frau vor einer Wüstenlandschaft. Der Blick in die Kamera gerichtet, davor dieselbe Frau, nur ihr Kopf zerfällt wie ein Puzzlespiel. Ok! Und dann laß ich, dass Fred Frith auf dem Album Gitarre spielte. Den kannte ich wiederum von meinen Zeiten bei KUSF. Da stellte sich die Frage, wie eine Johanna an den Fred kam.

Also, rein mit der CD in den Player und…..wow, was für eine Stimme. Tolle Songs, getragen, leicht und langsam, dann schwer und “in your face”, zärtlich und behutsam, um dann wieder im richtigen Moment direkt da zu sein. Johanna Borchert ist für mich eine der Entdeckungen der letzten Zeit. Bislang ging die Platte allerdings unter, auf amazon.de findet sich derzeit noch kein einziges Review eines Hörers und Käufers, und das, obwohl das Album schon seit Oktober draußen ist.

Borchert kommt aus dem Jazz, ist Pianistin, Komponistin und findet mit “FM Biography” ihre Stimme. Sie verbindet Songwriter Ansätze mit Folk und Avantgarde, mit ProgRock Verschwurbelungen, ohne ihre Jazz Wurzeln groß zu verstecken. Was mich fasziniert ist, dass es eben nicht dieses runde und totproduzierte Ding ist, was hier ertönt und mit was man seit Jahren zugemüllt wird. Ganz im Gegenteil, hier wagt sich eine Musikerin auf einen eigenen Pfad, erkundet die Möglichkeiten ihrer eigenen Lieder, was ist denkbar, was ist machbar. Und es scheint eine grenzenlose Weite für Johanna Borchert zu geben. Ihr Ansatz ist der “Open Space”, den man auch auf dem Wüstenbild ihres Covers sehen kann. Und das erinnert mich an “Burning Man”, an die Playa in der “Black Rock Desert”, an Offenheit, Grenzenlosigkeit, Verspieltheit.

Johanna Borcherts “FM Biography” ist ein fantastisches Album, das ich nur in höchsten Tönen empfehlen kann. Einlegen, hinsetzen, genießen…ahhhhh!

Mittwoch, 11. Februar 2015

Jethro Tull – Heavy Horses




Jethro Tull – Heavy Horses


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, flute, mandolin, acoustic guitar, whistles
Martin Barre – electric guitar
John Evan – organ, piano
Barriemore Barlow – percussion, drums
John Glascock – bass guitar, backing vocals
David Palmer – keyboards, pipe organ, orchestral arrangements


Gastmusiker:

Darryl Way – violin on "Acres Wild" and "Heavy Horses"


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Folk Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. ...And The Mouse Police Never Sleeps (3:12)
2. Acres Wild (3:24)
3. No Lullaby (7:54)
4. Moths (3:27)
5. Journeyman (3:57)
6. Rover (4:17)
7. One Brown Mouse (3:22)
8. Heavy Horses (8:54)
9. Weathercock (4:06)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

10. Living In These Hard Times (3:10)
11. Broadford Bazaar (3:38)

Gesamtspielzeit: 49:27




„Heavy Horses“ heißt das elfte Studioalbum von Jethro Tull, welches 1978 veröffentlicht wurde. Genau wie auf dem Vorgänger „Songs From The Wood“, so wurden auch dieses Mal wieder Folk Einflüsse mit Progressive Rock vermischt. Und so gibt es denn diese progressive Rock Seite der Band, einen Folk-Abschnitt und schließlich wieder eine rockigere Ära von Jethro Tull. Nun, ob das wirklich so ist, dies sei mal so dahingestellt, denn Jethro Tull Musik klingt immer nach Jethro Tull und irgendwie haben die Musiker um Ian Anderson herum, dieses mal die Vorgaben des „Chefs“ eben etwas folkiger umgesetzt. Das ist bei „Heavy Horses“ definitiv so, vergleicht man es etwa mit „Thick As A Brick“.

Die Musik ist also eindeutig wieder als Jethro Tull Musik zu identifizieren, trotzdem fällt das Urteil zu diesem Album etwas schlechter aus, als noch zu „Songs From The Wood“. Natürlich ist das noch „Progressive-Folk-Rock“ wie auf dem Vorgänger. Der Stil ist durchaus der gleiche geblieben, jedoch reicht schlicht und ergreifend das Songmaterial nicht mehr ganz an das des Vorgängers heran. Dies bedeutet keineswegs, dass der Abfall immens ist und die Lieder schlecht sind oder gar das Album nicht funktioniert. Keineswegs, das Manko ist einfach, dass die Nummern nicht mehr ganz so zünden, wie auf dem Vorgänger. Das klingt alles noch sehr melodiös und eingängig, ganz klar, nur eben nicht mehr ganz so überzeugend, da irgendwie auf dem Vorgängeralbum schon dagewesen und lediglich eine Erweiterung darstellend.

Fazit: Auch “Heavy Horses” ist ein gutes Jethro Tull Album geworden. Die Musik klingt nach genau dieser Band, die Lieder sind eingängig und machen durchaus Spaß. Allerdings fehlt mir hier jetzt irgendwie das Besondere in der Musik, die neuen Wege, die Jethro Tull sonst immer ging. Am ehesten finde ich dies noch im Titeltrack, der perfekten Fusion von Folk und Progressive Rock. Und wenn es dann bei anderen Tracks allzu sehr nach irischen Pub klingt, dann brauche ich das nicht wirklich, denn das höre ich lieber bei anderen Bands. Trotzdem für alle Jethro Tull Freunde und auch Folk Rock Fans unbedingt und uneingeschränkt empfehlenswert. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Acres Wild, Heavy Horses



Dienstag, 10. Februar 2015

Yes – Keys To Ascension 2




Yes – Keys To Ascension 2


Besetzung:

Jon Anderson – lead vocals
Chris Squire – bass, backing vocals
Steve Howe – guitars, backing vocals
Rick Wakeman – keyboards
Alan White – drums


Label: Essential Records


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. I've Seen All Good People (7:15)
2. Going For The One (4:58)
3. Time And A Word (6:23)
4. Close To The Edge (19:40)
5. Turn Of The Century (7:55)
6. And You And I (10:50)


CD2:

1. Mind Drive (18:39)
2. Foot Prints (9:09)
3. Bring Me To The Power (7:25)
4. Children Of Light (6:05)
     I. Children Of Light 
     II. Lifeline 
5. Sign Language (3:28)

Gesamtspieldauer CD1 (57:03) & CD2 (44:48): 1:41:51




„Keys To Ascension 2” heißt das sechzehnte Studioalbum der britischen Progressive Rockband Yes, welches gleichzeitig, wie der Vorgänger „Keys To Ascension“, ein Hybrid darstellt, eine Kombination aus Live- und Studioalbum. Ein Jahr nach dem Vorgänger, wurde die Platte 1997 veröffentlicht. Sie hatten es also wieder getan. Wieder wurde ein Doppelalbum veröffentlicht, bei dem die erste Scheibe Live-Aufnahmen klassischer Yes-Titel enthält, die zweite CD dann allerdings neues Material. Nun, auch die sechs Titel der ersten CD entstammen den Konzerten, die die fünf Musiker im März 1996 in San Luis Obispo, Kalifornien, dem Wohnort von Sänger Jon Anderson, gaben. Natürlich waren auch diese Aufnahmen nicht so gelungen, sodass Jon Anderson seine Parts erneut nochmals im Studio einsingen musste. Trotzdem wirkt die Abmischung hier allgemein ein wenig voller und abgestimmter auf mich. Die Titel klingen und wer Yes von seinen Anfängen her mag, als diese noch richtungsweisend waren, muss die CD einfach mögen – gar keine Frage.

Allerdings ist das nur ein Nebeneffekt, warum „Keys To Ascension 2“ überzeugt. Auf der zweiten Scheibe sind dieses Mal fünf neue Titel vertreten mit einer Laufzeit von fast einer dreiviertel Stunde. Und hier bewiesen Yes einmal mehr, dass sie es immer noch können und eben nichts verlernt haben. Dieser Eindruck entsteht vor allem, wenn man den ersten Titel „Mind Drive“ genießt – und die Betonung liegt hier wahrlich auf dem Wort „genießen“. Hier klingen Yes nochmals so wie 25 Jahre zuvor. Das ist allerdings kein Nachahmen, kein Kopieren oder sonst etwas dergleichen. Der Titel klingt vielmehr wie eine Erweiterung, wie eine Zugabe zu dem Progressive Rock, den die Band 25 Jahre zuvor zelebriert hat. Sehr überzeugend. Klar ist das kein „Close To The Edge“ mehr, jedoch frage ich mich, welche Band es sich Ende der 90er Jahre traute, nochmals dieses Gefühl vergangener Tage aufleben zu lassen… Mir fällt keine ein.

Auch die restlichen vier Lieder sind durchaus hörenswert, wenn sie auch nicht mehr ganz die Klasse von „Mind Drive“ erreichen. Trotzdem ist das durchaus ebenfalls gelungen und erinnert erneut viel mehr an die 70er Jahre, denn an die 80er oder Anfang der 90er Jahre. Yes klingen hier wieder überraschend und spannend. Sie vereinigen einmal mehr, was zumindest für mich Progressive Rock zu einem Erlebnis werden lässt: Melodiöse Rock-Musik, die meistens eben nicht nach dem Schema Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Solo-Strophe-Refrain-und-Schluss funktioniert. Musik kann so sehr spannend sein…

Fazit: Viele der Kritiker, die Yes nach Alben wie „90125“ und „Big Generator“ zerrissen, blieben komischerweise nach „Keys To Ascension 2” still. Andere wiederum zerrissen sie erneut wegen der Musik, ein Umstand, den ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Wieder andere zerlegten das Album aufgrund der Tatsache, dass Yes nun erneut Live- und Studioalbum mischen würden, um so einen größtmöglichen Käuferkreis ansprechen zu können. Okay das kann ich zum Teil nachvollziehen, mag ich ebenfalls nicht so, diese Kombination. Ich entscheide da auch lieber gerne selbst, was ich kaufe. Trotzdem bleibt diese „bearbeitete“ Live-Aufnahme schön, wenn auch nicht überzeugend, eben durch diese Nachbearbeiterei. Das Studioalbum allerdings überzeugt mich einfach, ist wahrlich schön und weckt irgendwelche tief vergrabenen Erinnerungen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Mind Drive



Montag, 9. Februar 2015

Spock’s Beard – Day For Night




Spock’s Beard – Day For Night


Besetzung:

Neal Morse – lead vocals, piano, synthesizer
Alan Morse – electric guitar, mellotron, backing vocals
Dave Meros – bass guitar, backing vocals
Nick D'Virgilio – drums, percussion, backing vocals
Ryo Okumoto – hammond organ, mellotron


Gastmusiker:

John Garr – saxophone
Joy Worland – french horn
Eric Brenton – strings
Tom Tally – strings
John Krovoza – strings
Byron House – string bass, cello


Label: Metal Blade


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Day For Night (7:34)
2. Gibberish (4:18)
3. Skin (4:01)
4. The Distance To The Sun (5:12)
5. Crack The Big Sky (9:51)
6. The Gypsy (7:29)
7. Can't Get It Wrong (4:13)
8. The Healing Colors of Sound
     I. The Healing Colors Of Sound Part 1 (2:22)
     II. My Shoes (4:16)
     III. Mommy Comes Back (4:50)
     IV. Lay It Down (3:17)
     V. The Healing Colors Of Sound Part 2 (3:16)
     VI. My Shoes (Revisited) (3:54)
     VII. Urban Noise (0:42)


Bonus Track der Wiederveröffentlichung:

14. Hurt (3:09)

Gesamtspielzeit: 1:07:47




„Day For Night” nannte die amerikanische NeoProg-Band Spock’s Beard ihr viertes Album, welches 1999 veröffentlicht wurde. Auch auf dieser Scheibe gibt es wieder alle Zutaten, die ein Spock’s Beard Album zu einer lohnenden Anschaffung werden lassen. Retro- oder NeoProg Kompositionen die mit sehr viel Spielfreude eingespielt worden zu sein scheinen. Wieder einmal zeichnet sich vor allem Neal Morse für die Kompositionen aus. Die fünf Musiker sind Meister ihrer Instrumente und so ergibt auch „Day For Night“ eine richtig runde Scheibe.

Das Album macht durchaus Spaß, trotzdem erreicht es nicht ganz die Qualität der drei Vorgänger oder auch des Nachfolgers. Das wiederum liegt einzig und allein am Songmaterial, welches einfach nicht ganz an das der vorherigen Platten heranreicht. Sicherlich benötigt man auch hier einige Durchgänge der Scheibe, das ändert jedoch nichts an dem Umstand, dass das alles sehr nach Spock’s Beard und nach NeoProg der 90er klingt, die letzte Zündung im Ohr des Hörers unterbleibt jedoch trotzdem, da sich in die Titel auch ganz viel Mainstream hineingemischt hat, der die Titel zum Teil etwas langweiliger und austauschbarer klingen lässt.

Fazit: Natürlich ist das „Klagen“ auf hohem Niveau. Auch „Day For Night” macht Spaß und wächst auch mit den Durchläufen. Allerdings erreicht es niemals diesen Stellenwert, den viele andere der Spock’s Beard Alben einnehmen. Wer auch RetroProg oder NeoProg oder wie immer man das auch nennen will steht, dem wird diese Scheibe zweifelsfrei zusagen. Man muss ja auch nicht immer nur Vergleiche anstellen. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Gypsy



Sonntag, 8. Februar 2015

Gentle Giant – Interview




Gentle Giant – Interview


Besetzung:

Gary Green – electric guitar, acoustic guitar, alto recorder, backing vocals
Kerry Minnear – minimoog, piano, hammond organ, clavinet, electric piano, synthesizer, rmi electra piano, clavichord, marimba, percussion, lead vocals, backing vocals
Derek Shulman – lead vocals, alto saxophone, percussion
Ray Shulman – bass, electric violin, violin, 12 string guitar, percussion, backing vocals
John Weathers – drums, tambourine, percussion, finger cymbal, cowbell, cabasa, güiro, gong, backing vocals, co-lead vocals


Gastmusiker:

Phil Sutcliffe – interviewer


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Interview (6:50)
2. Give It Back (5:12)
3. Design (5:01)
4. Another Show (3:30)
5. Empty City (4:39)
6. Timing (4:38)
7. I Lost My Head (6:54)

Gesamtspielzeit: 36:44




„Interview“ heißt das achte Album der englischen Progressive Rockband Gentle Giant. Veröffentlicht wurde die Scheibe im April 1976 und diese weist wahrlich ein Novum auf im Songkatalog von Gentle Giant. Auf der Platte befindet sich mit „Give It Back“ doch tatsächlich ein Lied, welches etwas nach Reggae klingt. Völlig ungewöhnlich für Gentle Giant. Nun darf hier niemand einen zweiten Bob Marley erwarten, denn das ist ein Gentle Giant Reggae und wer die Musik der Band kennt, kann sich in etwa vorstellen was das bedeutet. Verschroben ist das immer noch ziemlich, allerdings auch sehr überzeugend.

Nun und der Rest der Platte? Diese sechs Titel kann man wahrlich zusammenfassen, denn sie klingen alle sehr, sehr typisch nach Gentle Giant. Krumme Takte, schräge Melodien, Gesangsakrobatik und sehr seltsame Rhythmen. Manches davon ist schon sehr starker Tobak, für die Ohren des „normalen“ Musikkonsumenten wohl auch kaum zu verkraften. Gelungen finde ich dabei den Titeltrack, „Interview“, das sehr melodiös beginnende „Empty City“, sowie die letzte Nummer „I Lost My Head“, die mal wieder, zumindest ein klein wenig, nach Mittelalter klingt.

Bei den restlichen drei Stücken habe ich echt so meine Schwierigkeiten. Wenn es nur noch schräg oder abgefahren klingen soll, dann ist das manches Mal sehr unverdauliche Kost, die man sich nicht allzu oft geben muss, manchmal auch einfach nicht geben kann. Als Gag befinden sich zwischen den Titeln übrigens immer wieder Interviewgesprächsfetzen, welches die Band anscheinend mal gegeben hat.

Fazit: Gentle Giant ist für mich nie ganz leicht zu verstehen, obwohl das natürlich alles sehr einfalls- und ideenreicher Progressive Rock ist, welchen die fünf Musiker hier ihren Hörern darbieten. Manchmal finde ich eingängige Melodien aber auch echt toll… Was man nicht unbedingt bei Gentle Giant erwarten sollte. Doch diese gibt es auch hier zu hören. Nicht zu häufig aber immerhin. Und spannend, ja spannend ist diese Art der Musik auf alle Fälle. Acht Punkte.

Anspieltipps: Give It Back, I Lost My Head



Samstag, 7. Februar 2015

Camel – Camel




Camel – Camel


Besetzung:

Andrew Latimer – guitar, vocals on "Slow Yourself Down" and "Separation"
Peter Bardens – organ, mellotron, piano, vcs 3 synthesizer, vocals on "Never Let Go"
Doug Ferguson – bass guitar, vocals on "Mystic Queen" and "Curiosity"
Andy Ward – drums, percussion


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Slow Yourself Down (4:47)
2. Mystic Queen (5:37)
3. Six Ate (6:02)
4. Separation (3:56)
5. Never Let Go (6:23)
6. Curiosity (5:53)
7. Arubaluba (6:27)


Bonus tracks der remasterten Albumfassung:

8. Never Let Go (Single Version) (3:40)
9. Homage To The God Of Light (Live 1974) (19:01)

Gesamtlaufzeit: 1:01:50




Dieses erste und selbstbetitelte Album der englischen Progressive Rockband Camel erschien im Jahr 1973 bei MCA Records. Da der Erfolg jedoch nicht die Größenordnung annahm, den die Plattenfirma sich wohl erhofft hatte, war dies gleichzeitig der letzte Auftritt von Camel bei MCA Records, die die Option auf ein zweites Album nicht zogen. Schade eigentlich, dass sich nur so wenige Käufer für das Album fanden, denn es sind durchaus einige sehr schöne Titel darauf vertreten, die hauptsächlich von Andrew Latimer und Peter Bardens geschrieben worden sind.

Das Album beginnt mit „Slow Yourself Down“, einer richtig groovigen Nummer. Im Mid-Tempo angelegt, klingt hier die Orgel des Peter Bardens wahrlich überzeugend. Auch das Gitarrensolo s Andrew Latimer hat es in sich, während dem auch die Orgel wieder ihre Einsatzzeit bekommt. Aus mehreren Teile zusammengesetzt, macht die Nummer richtig Laune. Dies gilt ebenfalls für das wirklich etwas mystisch klingende „Mystic Queen“. Fängt die Nummer noch sehr getragen an, so nimmt sie im weiteren Verlauf doch auch immer wieder mal deutlich mehr Fahrt auf, um wieder in langsameren Gefielden zu münden. Und auch hier ist es erneut ein satter und fetter Orgelsound, der begeistern kann. Und natürlich nicht zu vergessen, bei beiden Titeln steht die Melodiösität und Harmonie an erster Stelle.

Nun, so folgt Titel auf Titel, die allesamt ihre Qualitäten besitzen. Welcher davon dann am meisten überzeugen kann, liegt natürlich ganz am Geschmack des Hörers. Ausfälle gibt es auf jeden Fall keine zu verzeichnen. Erwähnen möchte ich hier allerdings noch die sehr schöne Nummer „Never Let Go“, die auch als Single ausgekoppelt wurde. Der remasterten Albumfassung wurde diese Singleversion sogar hinzugefügt. Das Lied stellt ein schönes Beispiel für einen Titel dar, der trotz seiner Eingängigkeit alle Facetten des Progressive Rock aufzuweisen weiß.

Eine weitere Zugabe in Form eines Bonus Tracks der Wiederveröffentlichung, stellt das knapp zwanzigminütige „Homage To The God Of Light“ dar. Hier gibt es ausgedehnte Instrumentalpassagen zu hören und man merkt förmlich, welchen Spaß die Musiker daran haben live vor Publikum zu spielen. Zudem zeigt dieser Song, dass Bonus Titel durchaus lohnenswert sein können, wenn nicht nur irgendein, kaum vom Original zu unterscheidendes Demo zu Gehör gebracht wird.

Fazit: Auch wenn Camel hier ganz offensichtlich – oder besser noch erhörbar – noch nicht ihren ganz eigenen Stil gefunden haben, so ist das Album ein wirklich überzeugendes Debut geworden. Camel klingen hier noch ein wenig rauer und auch kantiger als auf späteren Veröffentlichungen. Alles wirkt noch ein wenig spontaner, was durchaus einen gewissen Charme besitzt. Dazu gesellen sich Melodiösität und einige nette Einfälle. Lohnt sich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Slow Yourself Down, Mystic Queen, Never Let Go



Freitag, 6. Februar 2015

Various Artists – Freedom Songs: Selma, Alabama




Various Artists  Freedom Songs: Selma, Alabama


50 Jahre liegt der Marsch von Selma nun zurück. Ein halbes Jahrhundert, ein halbes Leben. Und doch, die Ereignisse von damals sind noch immer aktuell in den USA. Mehrmals marschierten Schwarze und auch Weiße Anfang 1965 in Alabama für das Wahlrecht der Afro-Amerikaner. Brutalst wurden sie zusammen geschlagen, aufgehalten, behindert. Bis ein Bundesrichter einen Protestzug von Selma in die Hauptstadt Montgomery genehmigte. Am 21. März 1965 machten sich 3200 Menschen unter dem Schutz von Soldaten auf den Weg. Sie schliefen unterwegs in Feldern. Als der Protestzug schließlich in Montgomery ankam, war er auf 25.000 Menschen angeschwollen.

Ein Hollywoodfilm ist derzeit in den Kinos zu sehen, der die Geschichte des Protestes um die Wählerregistrierung in Alabama verdeutlicht. Eine hochgelobte Produktion, die Geschichte lebendig, für eine junge Generation verständlich macht. Ein Film ist dennoch ein Film, beschönigt, bereinigt, im Schnelldurchlauf. Auch wenn “Selma” eine Independentproduktion ist, ist es doch ein “unterhaltender” Hollywoodfilm.

Ganz anders da eine alte und doch so aktuelle Veröffentlichung des Labels Smithsonian Folkways Recordings. “Freedom Songs: Selma, Alabama” ist eine Audio Dokumentation von 1965. Carl Benkert war Teil des Protestes. Mit einem einfachen Rekorder nahm er die Lieder der Menschen auf. Und die kann man hier hören, ungefiltert, unbereinigt, teils abrupt zu Ende. Manche Lieder klingen alles andere als harmonisch, hier singen keine geschulten Chöre. Es sind Menschen, die im Singen ihre innersten Gefühle ausdrücken. Songs, die die Kraft des Widerstands, die Hoffnung auf einen Wandel, die Überzeugung, das richtige zu tun, die Energie dieser Tage Anfang 1965 ausdrücken. Und es sind Lieder gegen die Angst. All das kann man auch heute noch beim Hören spüren. Ich sitze hier, höre diese Lieder und mir läuft bei einigen von ihnen eine Gänsehaut den Rücken runter. Die Kraft von “We shall not be moved”, “Go tell it on the mountain” und vor allem dem wichtigen “We shall overcome” ist ungebrochen.

“Freedom Songs: Selma, Alabama” ist eine tief bewegende und beindruckende Audio Dokumentation aus einer Zeit, die Amerika geprägt und verändert hat. Wenn man an die jüngsten Ereignisse denkt, an die Proteste der letzten Monate, dann weiß man, die Ereignisse in Selma, der Mut der Marschierenden ist nicht einfach nur ein Kapitel im Geschichtsbuch. Es ist und bleibt eine noch offene Wunde der heutigen amerikanischen Gesellschaft.

Donnerstag, 5. Februar 2015

Porcupine Tree – Stupid Dream




Porcupine Tree – Stupid Dream


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, guitars, piano, samples, bass on "Baby Dream In Cellophane" and "Stranger By The Minute"
Richard Barbieri – analogue synthesizers, hammond organ, mellotron, piano on "Even Less", glockenspiel on "Pure Narcotic"
Colin Edwin – bass guitar, double bass on "Stop Swimming"
Chris Maitland – drums, percussion, backing vocals on "Stranger By The Minute"


Gastmusiker:

Theo Travis – flute on "Tinto Brass" and "Don't Hate Me", saxophone on "Don't Hate Me"
East of England Orchestra – strings (conducted by Nicholas Kok)


Label: Snapper


Erscheinungsdatum: 1999 (wiederveröffentlicht mit Bonus DVD 2006)


Stil: Progressive Rock, Psychedelic Rock


Trackliste:

CD:

1. Even Less (7:11)
2. Piano Lessons (4:22)
3. Stupid Dream (0:28)
4. Pure Narcotic (5:02)
5. Slave Called Shiver (4:41)
6. Don't Hate Me (8:30)
7. This is No Rehearsal (3:27)
8. Baby Dream In Cellophane (3:13)
9. Stranger By The Minute (4:30)
10. A Smart Kid (5:21)
11. Tinto Brass (6:18)
12. Stop Swimming (6:54)

Gesamtspielzeit: 1:00:0258


DVD (nur bei der Wiederveröffentlichung 2006):

1. Das komplette Album im DTS 5.1-Surround-Mix / 24-bit stereo
2. Ambulance Chasing (5.1-Mix-Bonus Track) (6:41)
3. Even Less (full length version) (5.1-Mix-Bonus Track) (14:07)
4. Video: Piano Lessons
5. Photo Gallery
6. Lyrics
7. Links
8. Credits




„Stupid Dream“ ist das fünfte Studioalbum von den Porcupine Tree und wurde 1999 veröffentlicht. Konnte der Nachfolger dieses Albums, „Lightbulb Sun“, wirklich restlos überzeugen, so fällt die Meinung zu „Stupid Dream“ schon deutlich differenzierter aus. Dabei fängt die Platte mit „Even Less“ absolut überzeugend an. Richtig gut gemachte Rock Musik, mit einem Touch hin zum Progressive Rock. Auch richtig „schwere“ Gitarren sind hier mal zu hören, obwohl die Scheibe, als auch das Lied alles andere als ein Hard Rock Stück darstellt. Genauso gut geht es mit „Piano Lessons“ weiter. Guter Groove, eingängige Melodie, so klingt überzeugende Rock Musik.

Das Titellied „Stupid Dream“ ist dann eine Klangkollage von gerade mal 28 Sekunden Dauer. Sehr unaufgeregt, dieser kurze Augenblick. Dann folgen, beginnend mit „Pure Narcotic“, einige Titel, die allesamt ganz nett sind, jedoch auch ein wenig so vor sich hinschwimmen. Soll heißen, etwas Besonderes ist da nicht unbedingt mehr dabei. Mal schneller und rockiger, mal langsamer und getragener ziehen die Lieder so an einem vorüber. Klar „Don’t Hate Me“ ist ebenfalls ein guter Song, trotzdem will hier der letzte Funke einfach nicht so ganz überspringen. Erwähnenswert dabei vielleicht noch das etwas experimentelle Instrumentalstück „Tinto Brass“. Hier zumindest erklimmt man dann doch wieder ein wenig Neuland. Klasse dabei auch das Flötenspiel des Theo Travis, der ganz erstaunliche Klänge seinem Instrument zu entlocken versteht.

Die der remasterten Version beigelegte DVD enthält nochmals das gesamte Album, „Even Less“ in einer vierzehnminütigen Version sowie den Bonus Titel „Ambulance Chasing”. All diese Musik wird als 5.1-Surround-Mix geliefert. Leider kann ich dazu überhaupt nichts sagen, da ich entsprechende Anlage nicht mein Eigen nenne. Jedoch gibt es noch einen Videoclip und jede Menge ganz nette Bilder. Ob sich die Anschaffung also in dieser Form lohnt, kann ich hier nicht abschließend beurteilen.

Fazit: Nun ein gutes Album ist „Stupid Dream“ alleine schon deswegen, weil sich unter den zwölf Titeln kein einziger Aussetzer befindet. Das klingt alle irgendwie gut. Allerdings auch nicht überragend und absolut begeisternd. Es ist ein gutes Porcupine Tree geworden, nicht das beste Album, jedoch sicherlich auch nicht die schlechteste Platte der Band. Nun, wer auf gut gemachten Rock, mit einem Touch hin zum Progressive Rock steht, der kann mit „Stupid Dream“ absolut nichts falsch machen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Even Less, Piano Lessons, Tinto Brass



Mittwoch, 4. Februar 2015

Udo Lindenberg – Galaxo Gang




Udo Lindenberg – Galaxo Gang


Besetzung:

Udo Lindenberg – Gesang, Schlagzeug, Tastaturen
Thomas Kretschmer – Gitarre
„Rockin“ Roger Hook – Gitarre
Gottfried Böttger – Tastaturen
Steffi Stephan – Bass
Keith Forsey – Schlagzeug


Gastmusiker:


Freya, Jutta Weinhold, Otto Waalkes, Steve Marriot, Jean Jaques Kravetz, Dieter Ahrendt, Helmut Franke, Alex Conti, Jürgen Schröder, Burkhardt Plenge, Geoffrey Paley, Peggy „Panther“ Parnass, Jonny Müller, Eckhard Hofmann, Bacci Galupo – alle ohne Instrumentenangabe
Peter Herbolzheimers Laser Bläser
Die Dixieländer von „Bruno’s Space band“
Der Rockerchor „MC Mephisto’s Mob“
Die „Starlets“ unter Kommandant Kurt Lindenau
Die Regierungssymphoniker unter der Kontrolle von Kosmoskanzler Votan W.
Evelyn Künneke – Steppen
Thomas Kukuck & Felix Cix – Finten und Tricks


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Deutsch Rock, Pop


Trackliste:

1. Rock'N'Roller (3:39)
2. Reggae Meggi (4:09)
3. Nina (3:54)
4. Wenn ich 64 bin (2:21)
5. Ich bin Rocker (4:47)
6. Radio Song (3:43)
7. Bodo Ballermann (3:16)
8. Gene Galaxo: 1990 (4:32)
9. Gene Galaxo: Der Mutant (1:51)
10. Gene Galaxo: Die Welt ist prima (1:27)
11. Mädchen (4:58)
12. Liliputaner: Manege - instrumental (0:30)
13. Liliputaner: Felix (5:08)


Bonustitel der remasterten Wiederveröffentlichung:

14. Ich Träume oft davon, ein Segelboot zu klau'n (3:48)

Gesamtspieldauer: 48:08



Neun Monate nach dem wahrlich überzeugenden Album „Votan Wahnwitz“, veröffentlichte Udo Lindenberg im Januar 1976 sein siebtes Album mit dem Titel „Galaxo Gang“. Keine Ahnung, was in diesem dreiviertel Jahr geschah, festzuhalten bleibt allerdings, dass die Fallhöhe sehr hoch war. „Galaxo Gang“, wenn auch von vielen Lindenberg Fans noch durchaus goutiert, ist für mich manchmal eine Aneinanderreihung von Peinlichkeiten, die dieses Mal eben auch nicht in überzeugende Melodien gepackt wurden.

Klar die Sprache des Udo Lindenberg ist schon etwas Besonderes. Seine Wortakrobatik unerreicht und seine Wortkreationen lassen einen auch dieses Mal wieder schmunzeln. Allerdings bei solch Texten wie „Nina“ ist irgendwie Fremdschämen angesagt, auch wenn er das irgendwie wohl gut meinte mit dem Thema einer 14-jährigen. „Ich bin Rocker“ kommt noch ganz gut, trotzdem ist es hier auch der Text, der etwas anbiedernd ist. Und ist die Musik bei „1900“ noch ganz okay, so wird sie bei „Der Mutant“ und „Die Welt ist prima“ einfach nur noch unerträglich. Lediglich zwei Titel lassen das Album nicht ganz abstürzen. Das ist das legendäre „Bodo Ballermann“, witziger Text und tolle Melodie, sowie das tieftraurige „Felix“, wobei die Musik hier selbst gar nicht so traurig klingt. Nun das war es allerdings bereits. Vieles vom Rest bereitet manchmal einfach nur Schmerzen.

Fazit: Kann ich wahrlich nicht nachvollziehen, wie man diese Scheibe mit zu den Besten des Udo Lindenberg zählen kann. Die Melodien sind längst nicht so gut, wie zum Beispiel auf „Alles klar auf der Andrea Doria“ oder „Votan Wahnwitz“. Das Ganze wird garniert mit manchmal sehr merkwürdigen Texten, die nerven. Nein, dies ist mit Sicherheit nicht das beste Album Udo Lindenbergs, vielleicht auch nicht die schlechteste Platte, jedoch sehr viel schlechter als der Vorgänger. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Bodo Ballermann, Felix



Dienstag, 3. Februar 2015

Savatage – The Wake Of Magellan




Savatage – The Wake Of Magellan


Besetzung:

Zachary Stevens – lead vocals
Jon Oliva – lead vocals, keyboards
Chris Caffery – guitars, backing vocals
Al Pitrelli – guitars, backing vocals
Johnny Lee Middleton – bass guitar, backing vocals
Jeff Plate – drums


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Metal Prog


Trackliste:

1. The Ocean (1:34)
2. Welcome (2:11)
3. Turns To Me (6:01)
4. Morning Sun (5:49)
5. Another Way (4:35)
6. Black Jack Guillotine (4:33)
7. Paragons Of Innocence (5:33)
8. Complaint In The System (Veronica Guerin) (2:37)
9. Underture (3:52)
10. The Wake Of Magellan (6:10)
11. Anymore (5:16)
12. The Storm (3:44)
13. The Hourglass (8:05)

Gesamtspieldauer: 1:00:07




„The Wake Of Magellan” ist das elfte Studio-Album der amerikanischen Metal Band Savatage und gleichzeitig das vorletzte, welches die Amerikaner im Jahr 1997 in Europa und 1998 in den USA bisher veröffentlicht haben. Die Platte erzählt eine Geschichte, die zum Teil auf wahren Begebenheiten beruht und für deren inhaltliche Zusammenstellung und weitere Ideen sich der Produzent und Studiobesitzer Paul O’Neill verantwortlich zeigt. Der erste Teil dieser wahren Begebenheit bezieht sich auf das Containerschiff Mærsk Dubai. Im Jahre 1996 wurden auf diesem Schiff, während zweier Fahrten von Spanien nach Kanada, insgesamt vier rumänische blinde Passagiere entdeckt, von denen der taiwanesische Kapitän drei auf offener See über Bord werfen ließ. Den vierten Rumänen konnte die philippinische Besatzung verstecken. Die drei über Bord geworfenen Menschen wurden nie wieder gesehen und schließlich für tot erklärt. Auch der Mord an der irischen Reporterin Veronica Guerin wurde verarbeitet. Diese war von der irischen Drogenmafia in Dublin ebenfalls 1996 umgebracht worden.

So und nun folgt das Fiktive gemischt mit der teilweisen Realität. Protagonist der Story ist Hector Del-Fuego Magellan, ein angeblicher Nachfahre des Seefahrers Magellan. Dieser ist nun alt und lebensmüde und möchte mit einem Floß auf das Meer hinausfahren, um dort zu sterben. Am Strand findet er einen toten Jungen, der zu seinem 18. Geburtstag eine Heroinspritze geschenkt bekommen hatte, gleichzeitig wird der Trauerkranz von Veronica Guerin angespült, die ihr Leben aufgrund ihres Kampfes gegen die Drogenmafia verloren hatte. Auf hoher See trifft Hector Del-Fuego Magellan dann auf einen im Wasser treibenden Schiffbrüchigen, der von der Mærsk Dubai stammt. Um diesen zu retten, fasst er neuen Lebensmut und schafft es schließlich, gegen Wind und Wetter, zusammen mit diesem Mann, wieder glücklich den Strand zu erreichen.

So viel zur Story. Die Musik ist dabei relativ schnell umzeichnet. Savatage betreiben hier auf „The Wake Of Magelllan“ Bombast-Metal vom Feinsten. Wer also auf solche Art der Musik steht, die oder der wird mit diesem Album seine absolute Erfüllung finden. Die Musik schwelgt in Melodiösität, Harmonien und auch Volumen. Alles klingt dicht und voll, ist klasse abgemischt und klopft einem – ordentlich aufgedreht – Hammer, Amboss und Steigbügel aus den Ohren. Es ist jedoch nicht so, dass die Scheibe unbedingt gleich beim ersten Hören alles freigibt und sofort zu zünden weiß. Obwohl hier praktisch jeder Titel bereits mit dem Erstkontakt irgendwie „ganz gut“ oder auch „ganz nett“ klingt, so knallt die Scheibe doch erst richtig nach dem wiederholten Hören und sich darauf Einlassen. Dann allerdings so richtig kompromisslos und man ist dauernd versucht, dem Ganzen doch noch ein klitzekleines bisschen mehr Lautstärke zuzugestehen. Gerade so lange, bis genervte Mitbewohner drauf und dran sind den Stecker zu ziehen. Was bleibt sind dann nur noch die Kopfhörer.

„The Wake Of Magelllan“ verfügt über harte, genau wie sanfte Stellen. Alles verändert sich, geht ineinander über, bleibt jedoch auch in den Metal-Passagen immer überaus melodiös. Trotzdem gibt es dort auch genug Möglichkeiten, das Haupthaar mal ordentlich durchzuschütteln. Ebenfalls nicht unerwähnt sollen hier die toll arrangierten, mehrstimmigen Gesangspassagen bleiben, die bei mir manches Mal sogar Erinnerungen an Queen wecken.

Fazit: Metal ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Doch das hier ist Bombast Metal – was für ein Begriff. Trotz aller Härte so viel Harmonie zu verströmen ist sicherlich eine Kunst, die nicht unbedingt alle Musiker beherrschen. Die Musiker von Savatage können das allerdings. Dazu gesellt sich eine aufwendige Story und fertig ist ein spannendes Konzeptalbum, welches immer öfters gehört werden will. Sehr überzeugend. Elf Punkte.

Anspieltipps: Underture, The Wake Of Magellan, The Storm