Samstag, 25. April 2015

Eloy – Visionary




Eloy – Visionary


Besetzung:

Frank Bornemann – lead and backing vocals, acoustic & electric guitars
Klaus-Peter Matziol – bass
Michael Gerlach – keyboards
Bodo Schopf – drums, percussion
Hannes Folberth – additional keyboards


Gastmusiker:

Anke Renner – vocals
Tina Lux – vocals
Volker Kuinke – renaissance flute
Christoph Littmann – keyboards, orchestra sounds
Stephan Emig – additional percussion


Label: Artist Station Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: RetroProg


Trackliste:

1. The Refuge (4:54)
2. The Secret (7:44)
3. Age Of Insanity (7:55)
4. The Challenge (Time to Turn, Part 2) (6:43)
5. Summernight Symphony (4:27)
6. Mystery (The Secret, Part 2) (9:01)
7. Thoughts (1:22)

Gesamtspieldauer: 42:10




Was hatten sie nicht gebeten und gebettelt, die Fans von Eloy. Frank Bornemann sollte sich doch noch einmal einen Ruck geben und nochmals ein Eloy-Album veröffentlichen. Das „Kapitel“ Eloy, welches eigentlich mit „Ocean 2 – The Answer“ abgeschlossen sein sollte, konnte doch noch nicht so einfach beendet sein. Nun, Frank Bornemann ließ sich schließlich wirklich noch einmal erweichen und überzeugen, somit wurde elf Jahre nach der letzten Scheibe, mit „Visionary“, das nun wohl endgültig letzte und gleichzeitig siebzehnte Studio-Album von Eloy im Jahr 2009 veröffentlicht.

„Visionary“ ist eindeutig eine Eloy-Scheibe geworden, das hört man an jedem Akkord, am Gesang Frank Bornemanns sowieso, dessen Englisch sich bis zum Jahr 2009 auch deutlich verbessert hat. Erneut bekommen Hörerin und Hörer von Eloy die symphonische Ausrichtung des Progressive Rock geboten. Alles klingt, ist harmonisch, die Melodie steht immer im Vordergrund. Experimente werden da nicht großartig gewagt, melodiös soll es klingen und melodiös klingt es auch.

Das Album ist also eingängig, trotzdem ist die große Zeit der Band leider vorbei. Eine ganze Menge Nummern befinden sich unter den sieben Titeln, die irgendwie einfach so durchlaufen, ohne großartig Spuren zu hinterlassen. Eloy sind auf „Visionary“ immer dann gut, wenn es ein wenig rockiger wird. Dies ist bei den Titeln 1 und 3 der Fall. Bei „The Refuge“ gesellt sich zu den etwas härteren Tönen noch ein ganz netter Flötensound, der die Nummer spannend werden lässt – und natürlich ist das alles auch wieder sehr eingängig. „Age Of Insanity“ wird ebenfalls durch seine rockige Ausrichtung aufgewertet, sodass auch dieser Titel etwas aus diesem, ansonsten etwas langweiligeren Rest heraussticht.

Fazit: Das war es also mit Eloy – zumindest was die Studio-Alben angeht. Ich kann nicht ganz nachvollziehen, wenn manche Kritiker und auch Fans über diesen Album schreiben, dass es gut ist, dass die Band nun aufhört, da sie nichts mehr zu sagen hat, „Visinary“ nur noch ein Abklatsch alter Tage sei. „Visionary“ ist sicherlich keine schlechte Scheibe geworden. Wenn man die Platte allerdings mit den Höhepunkten von Eloy in den 70er Jahren vergleicht, dann kann diese nur verlieren. Neutral betrachtet dürften jedoch die meisten Eloy Fans durchaus gefallen an dem Album finden. „Visionary“ ist sicherlich nicht die richtige Einstiegsplatte, um den Eloy-Kosmos zu ergründen, aber durch diese Scheibe dürfte auch niemand den Spaß an Eloy verlieren. Wer also auf symphonischen und vollen und melodiösen Progressive Rock steht, der kann mit „Visionry“ nicht viel falsch machen – wenn sie oder er zumindest keine Vergleiche zu früheren Alben zieht. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Refuge, Age Of Insanity



Freitag, 24. April 2015

Peter Hammill – Chameleon In The Shadow Of The Night




Peter Hammill – Chameleon In The Shadow Of The Night


Besetzung:

Peter Hammill – guitars, keyboards, vocals


Gastmusiker:

Hugh Banton – keyboards
Guy Evans – drums
David Jackson – saxophone
Nic Potter – bass


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. German Overalls (7:05)
2. Slender Threads (5:00)
3. Rock And Role (6:40)
4. In The End (7:24)
5. What's It Worth? (4:04)
6. Easy To Slip Away (5:23)
7. Dropping The Torch (4:11)
8. (In The) Black Room / The Tower (11:21)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

9. Rain 3am (4:49)
10. Easy To Slip Away (4:51)
11. In The End (7:23)

Gesamtspieldauer: 1:08:17




„Chameleon In The Shadow Of The Night” heißt das zweite Soloalbum von Peter Hammill, dem noch sehr viele Scheiben folgen sollten. Die Platte erschien im Jahr 1973 und hat so gar nichts mehr mit seinem Solo-Erstlingswerk „Fools Mate“ zu tun. Jetzt klingt Peter Hammill auch solo schon sehr viel mehr nach Van Der Graaf Generator. Die fast schon poppige Eingängigkeit des Erstlingswerks ist vollständig verschwunden, alles klingt sehr viel progressiver und fordernder. Kein Wunder, wurde er doch bei der Einspielung der Scheibe von seinen Van Der Graaf-Kollegen tatkräftig unterstützt.

Die einzelnen Lieder auf „Chameleon In The Shadow Of The Night” lassen sich in drei Kategorien unterteilen. Da sind zum einen die Van Der Graaf Generator Nummern. Diese sind Progressive Rock pur. Nach „Pawn Hearts“ war erst mal Schluss gewesen mit Van Der Graaf Generator. In den Titeln „Rock And Role“ und „(In The) Black Room / The Tower“ hört man jedoch wieder genau diese Van Der Graaf Generator Musik. Alle Musiker der Band sind hier beteiligt und so erklingt an diesen Stellen sehr kraftvoller Progressive Rock, der auch ohne jeglichen Zweifel auf eines der Van Der Graaf-Alben jener Zeit gepasst hätte. Einfach sehr spannende und coole Musik, auch wenn das garantiert nicht jeder nachvollziehen kann, da die Stücke meistens eben nicht besonders eingängig, dafür jedoch ein wenig komplizierter sind.

„In The End“ und „Easy To Slip Away“ sind dagegen sehr melodiöse und eingängige, Piano-dominierte Stücke, die nur so überquellen vor Harmonie und Melodiösität. Sehr beeindruckend. Bliebe noch die dritte Kategorie der Lieder auf „Chameleon In The Shadow Of The Night”. Dies sind jene restlichen Titel, die nun eher von der Akustikgitarre dominiert werden. Ebenfalls durchaus interessante Stücke, wenn sie auch nicht an die Qualität der Van Der Graaf- und der Piano-Nummern heranreichen.

Fazit: Acht Titel gab es ursprünglich auf „Chameleon In The Shadow Of The Night”. Jene vier Nummern, die an Van Der Graaf Generator-Musik erinnern, da sie im Grunde genommen auch genau das sind, und die Piano-dominierten Stücke. Diese vier Titel sind die Höhepunkte der Platte. Der Rest ist wahrlich ebenfalls nicht schlecht, kann jedoch nicht ganz so überzeugen, wie die vier erwähnten Nummern. Von daher ist „Chameleon In The Shadow Of The Night” ein Album mit einigen Höhen und auch etwas Durchschnitt. Alles in allem jedoch überdurchschnittlich und sicherlich eine lohnende Investition, wenn man Peter Hammill sowie Van der Graaf Generator mag und auch, den manchmal etwas schrägeren, progressiven Tönen etwas abzugewinnen weiß. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Rock And Role, In The End, Easy To Slip Away, (In The) Black Room / The Tower



Donnerstag, 23. April 2015

The Moody Blues – Every Good Boy Deserves Favour




The Moody Blues – Every Good Boy Deserves Favour


Besetzung:

Justin Hayward – vocals, acoustic guitar, electric guitar, sitar
John Lodge – vocals, bass, cello
Ray Thomas – vocals, flute, tambourine, oboe, woodwinds, harmonica
Graeme Edge – electric and acoustic drums, percussion
Mike Pinder – vocals, mellotron, harpsichord, hammond organ, piano, keyboards, moog synthesizer


Label: Threshold Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: ArtPop, Pop, Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Procession (4:40)
2. The Story In Your Eyes (2:56)
3. Our Guessing Game (3:34)
4. Emily's Song (3:42)
5. After You Came (4:38)
6. One More Time To Live (5:41)
7. Nice To Be Here (4:23)
8. You Can Never Go Home (4:14)
9. My Song (6:24)


Bonus Tracks der remasterten Album-Fassung:

10. The Story In Your Eyes (Original Version) (3:33)
11. The Dreamer (3:42)

Gesamtspieldauer: 47:33

„Every Good Boy Deserves Favour” nannte die britische Band The Moody Blues ihr siebtes Studioalbum, welches im Jahr 1971 veröffentlicht wurde. Es ist immer so eine Sache mit den Moody Blues, ob man sie eher als „Schmuserocker“ oder aber als Vertreter des Progressive Rock wahrnimmt, das scheint mitunter ganz stimmungsabhängig zu sein und der Grat zwischen diesen beiden Genres, der ist im Fall dieser Band wahrlich sehr, sehr schmal. Ganz allgemein kann allerdings festgehalten werden, dass die Moody Blues sich im Laufe ihrer Geschichte immer weiter vom Progressive Rock entfernten, hin zu einem Genre, welches man am liebsten mit süßlichen ArtPop umschreiben möchte. Nicht weiter verwunderlich ist es von daher, dass auf diesem siebten Album – von insgesamt sechzehn Scheiben in der Karriere der Moody Blues – beide Genres vertreten sind. Die Scheibe „Every Good Boy Deserves Favour” beinhaltet Titel, die mal mehr in die eine, mal mehr in die andere Richtung ausschlagen.

Leider überwiegt auf „Every Good Boy Deserves Favour” doch schon deutlich die zuckersüße, mitunter fast schon schleimige Variante in der Musik der Moody Blues. Das wirkt oftmals alles zu sehr mit Puderzucker überzogen, mal nach Schlagermusik mit Violinen, ein anderes Mal nach reichlich einfach gestricktem Pop, bei dem einige Mellotronlagen darübergelegt wurden, um der Sache irgendwie einen progressiven Touch zu verleihen. Wahrlich schwierig, zumal sich dazu auch noch passender Gesang und ebensolche Texte gesellen, die einem jegliche Chance auf ein entspanntes Hören zusätzlich vermiesen, da einem die sich aufgestellten Nackenhaare Schauer über den Rücken jagen. Solch ein Titel wie „Emily's Song“ steht hier stellvertretend für eine ganze Reihe von Titeln, die sich hauptsächlich in der Mitte der Platte befinden.

Nun, trotzdem gibt es, wie bereits oben erwähnt, auch die interessanten Stellen auf „Every Good Boy Deserves Favour”. Da wären zum Beispiel die ersten beiden Nummern. „Procession“ soll die Entwicklung der Menschheit bis hin zur Entwicklung der Musik darstellen. Okay, bei diesem Titel von „Musik“ zu sprechen, ist an vielen Stellen der Nummer durchaus gewagt, da es sicher eher um eine Klangkollage, um experimentelle Klänge handelt. Diese wiederum ist jedoch durchaus hörenswert und weißt gegen Ende überdies auch ein paar nette Melodien auf, die dann durchaus mit „Musik“ zu bezeichnen sind. Das Lied geht nahtlos in „The Story In Your Eyes” über, einem sogar recht rockigen Stück, mit treibendem Rhythmus und netter Melodie. Ganz am Ende der Platte, gab es dann nochmal eine recht gelungene Nummer. „My Song“ beginnt zwar wieder relativ süßlich, weist dabei aber immerhin eine nette Melodie auf und entwickelt sich weiter bis zu einem sehr bombastischen Abschnitt, der für „Freunde der Fülle“ in der Musik durchaus einen Höhepunkt darstellen kann.

Auf der remasterten CD-Ausgabe gibt es schließlich noch die Originalversion des Titels „The Story In Your Eyes“, welche deutlich länger ist als jene Version, die es schließlich auf die CD geschafft hat. Auch diese Version lohnt sich, auch wenn hier dem Mellotron ein fast zu großer Spielraum eingeräumt wurde, der mitunter fast den Gesang zu übertönen scheint. Die erweiterte Länge rührt daher, dass der Piano-Teil am Ende des Liedes einfach noch etwas ausgeweitet wurde. Schließlich gibt es als Zugabe dann noch den Titel „The Dreamer“, den man sich eigentlich auf das Original-Album gewünscht hätte. Eine etwas flottere Nummer mit einer schönen Melodie und wirklich eingängigem Instrumentalteil in der Mitte.

Fazit: Wenn ich mir was wünschen könnte, dann wären da mehr solch Titel auf „Every Good Boy Deserves Favour”, wie man sie am Anfang, am Ende und als Zugabe auf dem Album findet. Dann wäre meine Bewertung hier sicherlich auch in den zweistelligen Bereich gerutscht. Die ganze mittlere Passage der Platte ist jedoch sehr gewöhnungsbedürftig und verlangt einiges an Toleranz vom Hörer ab. Melodiös ist das zwar immer, jedoch wenn es zu süßlich wird, dann verschließt man ganz automatisch die Ohren. Ja, wenn ich mir was wünschen dürfte… Im Falle von „Every Good Boy Deserves Favour” scheint Musik jedoch eindeutig kein Wunschkonzert zu sein. Acht Punkte.

Anspieltipps: My Song, The Story In Your Eyes (Original Version), The Dreamer





Mittwoch, 22. April 2015

Bright Eyes – Cassadaga




Bright Eyes – Cassadaga


Besetzung:

Conor Oberst – voice (1–13), guitar (tracks 1, 2, 4–10, 12, 13), piano (track 3), synthesizer (track 13)
Mike Mogis – guitar (tracks 2, 4, 5, 7, 9, 11), bass (tracks 1, 3–6, 9), pedal steel (tracks 1, 3, 10, 11), voice (tracks 3, 9, 11), lap steel (tracks 6, 8, 9), mandolin (tracks 2, 12), dobro (tracks 4, 12), percussion (tracks 8, 9), vibraphone (tracks 1, 11), 12-string (track 2), baritone (track 8), ukulele (track 9), glockenspiel (track 1)
Nate Walcott – organ (1–3, 6, 7, 10, 12), piano (tracks 4, 6, 7), string arrangement (tracks 4, 10, 13), electric piano (tracks 2, 11), orchestral arrangement (tracks 1, 5), woodwind arrangement (tracks 8, 9)


Gastmusiker:

M. Ward – guitar (tracks 1, 4, 6), voice (track 6)
Janet Weiss – drums (tracks 1, 4, 6)
Clark Baechle – percussion (track 1)
Stacy DuPree – voice (tracks 4, 5, 10, 11, 13)
Sherri DuPree – voice (tracks 4, 5, 10, 11, 13)
Z. Berg – voice (tracks 1, 4, 5, 10, 11, 13)
Rachael Yamagata – voice (tracks 1, 4, 5, 10, 11, 13)
Hassan Lemtouni – voice (tracks 1, 11)
Chris MacDonald – voice (track 5, 8)
Suzie Katayama – conductor (tracks 1, 5)
Bill Meyers – conductor (tracks 4, 10, 13)
Dan McCarthy – bass (track 2)
Jason Boesel – drums (tracks 2, 3, 7, 10–12), voice (tracks 3, 8)
Anton Patzner – violin (tracks 2, 6)
Maria Taylor – voice (track 2), drums (track 5)
Andy LeMaster – voice (track 2)
David Rawlings – guitar (tracks 5, 7, 12)
Tim Luntzel – bass (tracks 7, 10)
Gillian Welch – voice (track 7)
Ted Stevens – voice (track 8)
Sean Foley – voice (track 8)
John McEntire – percussion (tracks 8, 9, 11), electronics (track 11)
Michael Zerang – percussion (tracks 8, 9)
Jonathan Crawford – percussion (tracks 8, 9, 11)
Dan Bitney – percussion (tracks 8, 9)
Dan Fliegel – percussion (tracks 8, 9)
David Moyer – bass clarinet (track 8)
Brian Walsh – clarinet (track 9), bass clarinet (track 8)
Shane Aspegren – drums (track 11), percussion (track 9)
Sarah Wass – flute (track 9)
Myka Miller – oboe (track 9)
Stefanie Drootin – bass (tracks 11, 12)
Jake Bellows – voice (track 12)


Label: Saddle Creek


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Independent Rock, Folk Rock


Trackliste:

1. Clairaudients (Kill Or Be Killed) (6:05)
2. Four Winds (4:16)
3. If The Brakeman Turns My Way (4:53)
4. Hot Knive (4:13)
5. Make A Plan To Love Me (4:14)
6. Soul Singer In A Session Band (4:14)
7. Classic Cars (4:19)
8. Middleman (4:49)
9. Cleanse Song (3:28)
10. No One Would Riot For Less (5:12)
11. Coat Check Dream Song (4:10)
12. I Must Belong Somewhere (6:19)
13. Lime Tree (5:54)

Gesamtspieldauer: 1:02:12


„Cassadaga“ heißt das achte Studioalbum von Bright Eyes, dem musikalischen Projekt von Conor Oberst. Das Album erschien im Jahr 2007 und ist bis heute, Stand April 2015, die vorletzte Veröffentlichung von Bright Eyes. „Cassadaga“, ein kleines Nest in Florida, klingt dabei ähnlich, wie vorausgegangene Scheiben der Band. Dieser leicht folkige Einschlag ist wieder zu hören und Lap Steel- und Pedal Steel-Gitarren sorgen durchaus auch mal für leichte Country-Anklänge, von Country Musik kann man auf „Cassadaga“ jedoch garantiert nicht sprechen. Dazu gesellt sich einmal mehr der Gesang des Conor Oberst, der durchaus auch mal sehr weinerlich klingen kann – sowas muss man dann mögen oder aber aushalten können, um mit dieser Musik etwas anfangen zu können.

Auf „Cassadaga“ wechseln sich sanftere Stücke mit deutlich flotteren ab. Diese Tempi- und Rhythmuswechsel stören jedoch keineswegs beim Genuss des Albums, ganz im Gegenteil, sie machen die Scheibe deutlich abwechslungsreicher. Dazu gesellt sich dann eine mitunter nur zarte Instrumentierung, ein anderes Mal klingt das alles sehr orchestral, voll und überaus dicht. Die ganze Platte ist überhaupt sehr eingängig und diese Aussage ist so gut wie auf jede Nummer der Scheibe anwendbar. Das wiederum bedeutet jedoch auch, dass sich praktisch kein „schräger“ Ton oder außergewöhnlicher Akkord auf dem Album versteckt hält. Auf irgendwelche Experimente wurde von Bright Eyes auf „Cassadaga“ vollständig verzichtet. Das ist jedoch leider ein Umstand, den man durchaus als Nachteil des Albums ansehen kann, denn auch davon hatte die Musik von Bright Eyes immer gelebt, von ganz besonderen, außergewöhnlichen musikalischen Momenten, welche man wirklich nur dieser Band zuordnen konnte.

Sei es drum, denn „Cassadaga“ ist das erfolgreichste Album von Bright Eyes geworden, betrachtet man rein die Verkaufszahlen. Die Scheibe schaffte es immerhin bis auf Platz vier der amerikanischen Charts, was für diese Art der Musik garantiert etwas Besonderes darstellt. Das wiederum liegt wohl an der Melodiösität, die wirklich jedem Titel innewohnt. Alles ist erfüllt von Harmonien, von Wohlklang, welcher durch die außergewöhnlich breit gefächerte Instrumentierung noch gesteigert wird.

Fazit: Die beste Scheibe von Bright Eyes ist „Cassadaga“ nicht geworden, jedoch verglichen mit anderen Veröffentlichungen der Band, eine sehr massenkompatible. Alles klingt und das Ohr des Hörers wird mit Wohlklang umspült und umgarnt. Manches Mal würde ich mir jedoch etwas mehr Mut wünschen, eine bestimmte Melodieführung nicht gleich wieder in Harmonie enden zu lassen, sondern ein wenig mit ihr zu spielen, den Hörer etwas zappeln zu lassen, wie das Bright Eyes auf früheren Alben durchaus gemacht haben. Das würde „Cassadaga“ deutlich an Spannung gewinnen lassen. Ansonsten macht die Scheibe jedoch schon Spaß, auch wenn sie den Hörer kaum aus seiner Bahn wirft, da sie eben nicht zu spektakulär geraten ist. Neun Punkte.

Anspieltipps: Four Winds, Make A Plan To Love Me, No One Would Riot For Less





Dienstag, 21. April 2015

The Smiths – The Queen Is Dead




The Smiths – The Queen Is Dead


Besetzung:

Morrissey – vocals
Johnny Marr – guitars, harmonium, synthesized string instruments and flute arrangements
Andy Rourke – bass
Mike Joyce – drums


Label: Rough Trade


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Alternative Rock, Indie Pop, Indie Rock


Trackliste:

1. The Queen Is Dead (6:24)
2. Frankly, Mr. Shankly (2:19)
3. I Know It's Over (5:49)
4. Never Had No One Ever (3:37)
5. Cemetary Gates (2:41)
6. Bigmouth Strikes Again (3:08)
7. The Boy With The Thorn In His Side (3:23)
8. Vicar In A Tutu (2:22)
9. There Is A Light That Never Goes Out (4:05)
10. Some Girls Are Bigger Than Others (3:18)

Gesamtspieldauer: 37:10




The Smiths gelten bei vielen als die Kultband der 80er Jahre. Manche Leute gehen sogar so weit und behaupten, der Einfluss der vier Musiker aus Manchester auf die populäre Musik sei noch größer, als die der Beatles oder Rolling Stones. Und wenn dann noch vom dritten Album der Engländer mit dem Titel „The Queen Is Dead“ die Rede ist, ihr vorletztes Album, welches 1986 veröffentlicht wurde, dann folgen manchmal sogar frenetische Beifallsbekundungen. Okay, ich hatte mir auch The Smiths Platten gekauft und konnte dieser Mischung aus Pop, Rock und auch Punk durchaus etwas abgewinnen, aber die beste Band der Welt? Wie soll das überhaupt gehen, das sind doch sowieso schon Die Ärzte…

Die Smiths machen Indie Pop und Rock, mal schlägt das Pendel mehr in die poppige, dann wieder in die rockige Richtung aus. Das klingt alles auch ziemlich schnell ganz nett und auch melodiöser und eingängiger, als noch auf dem Vorgängeralbum, jedoch genial? Nein, genial ist es nicht. Die Texte sind allerdings wieder mal äußerst lesenswert, da lohnt sich das genaue Zuhören, denn der Humor des Morrissey, der hat schon was. Auf „The Queen Is Dead“ reihen sich langsamere Stücke an etwas rockigere und flottere. Das kann im Falle der etwas zurückhaltenderen Stücke durchaus auch mal etwas langweilig klingen, wie beim zähen „I Know It's Over“ oder sehr viel spannender und eingängiger, wie beim folgenden Titel „Never Had No One Ever“. Hier jedoch gleich schon von einem Ohrwurm zu sprechen, wäre wahrlich vermessen.

Trotzdem, die Platte hat durchaus was. Die Favoriten darauf sind für mich, das bereits erwähnte „Never Had No One Ever” und das wahrlich schöne „There Is A Light That Never Goes Out“. Beides sind sehr eingängige Stücke, die auch durchaus länger haften bleiben.

Fazit: „The Queen Is Dead“ ist sicherlich eine interessante Scheibe geworden, die auch immer wieder zu überzeugen weiß. Dazwischen, zwischen den Höhepunkten, befindet sich jedoch mitunter auch deutlich weniger überzeugende Musik, die zwar ebenfalls nicht zum Wegrennen animiert, jedoch noch ganz viel Spielraum nach oben lässt, zu den guten Nummern der Smiths. Richtig überzeugen können mich die Smiths nicht, ab und an lege ich die Scheibe dann doch aber wieder auch ganz gerne auf. Neun Punkte.

Anspieltipps: Never Had No One Ever, There Is A Light That Never Goes Out



Montag, 20. April 2015

Jethro Tull – Rock Island




Jethro Tull – Rock Island


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, flute, keyboards, synclavier, mandolin, acoustic guitar, drums
Martin Barre – guitars
David Pegg – bass guitar, acoustic bass, mandolin
Doane Perry – drums


Gastmusiker:

Martin Allcock – keyboards
Peter Vettese – additional keyboards


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Rock


Trackliste:

1. Kissing Willie (3:33)
2. The Rattlesnake Trail (4:01)
3. Ears Of Tin (4:55)
4. Undressed To Kill (5:23)
5. Rock Island (6:54)
6. Heavy Water (4:12)
7. Another Christmas Song (7:53)
8. The Whalers Due (7:53)
9. Big Riff And Mando (5:59)
10. Strange Avenues (4:13)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

11. Christmas Song (live ) (3:06)
12. Cheap Day Return / Mother Goose (live ) (3:09) 
13. Locomotive Breath (live ) (3:38)

Gesamtspieldauer: 57:02




Mit „Rock Island“ wurde das siebzehnte Studio-Album von Jethro Tull aus dem Jahr 1989 betitelt. Und „Nomen“ ist hier auch ganz klar „Omen“, denn auf „Rock Island“ gibt es Rock Musik zu hören. Das ist kein Progressive Rock mehr, einfach nur schlicht und ergreifend Rock-Musik. Klar erkennt man den typischen Sound von Jethro Tull heraus. Zum einen hört man hier, die wieder deutlich häufiger eingesetzte Querflöte und zum anderen natürlich auch den unverwechselbare Gesang des Ian Anderson. Wobei man bei den Liedern schon klar heraushört, dass seine Stimme im Laufe der Jahre schon sehr gelitten hat.

Mitunter kann man bei den einzelnen Titeln durchaus auch von Hard Rock sprechen, obwohl sich dieser Stil natürlich nicht über das ganze Album hindurchzieht. Schöne langsame Lieder relativieren diesen Eindruck immer wieder, sodass man auch nicht von einem Hard Rock Album sprechen kann, eher von einer Rock-Platte, die in diesem Genre sowohl die sanfteren, wie die härteren Töne bedient. Und wenn es dann mal ruhiger wird, dann klingt das zudem sehr nach Folk Rock. Eine musikalische Phase, in welcher die Band in genau diesem Genre zu Hause zu sein schien, gab es bereits zehn bis zwölf Jahre zuvor. Und auch jetzt, Ende der 80er Jahre, können entsprechende Titel durchaus wieder überzeugen. Des Weiteren wurde die einmal, mit dem letzten Album „Crest Of A Knave“ eingeleitete Entwicklung, dem Keyboard weniger Raum zu gestatten, auf „Rock Island“ konsequent fortgesetzt. Jetzt sind es die Gitarre und die Querflöte, die die instrumentale Ausprägung der Platte gestalten – das Keyboard hält sich meist nur im Hintergrund, um für etwas mehr Fülle zu sorgen.

Richtig aufregend ist „Rock Island“ nicht geworden. Eher ist es eine perfekt produzierte Scheibe, die grundsolide dem Rock frönt. Allzu viele Ecken und Kanten gibt es ebenfalls nicht zu hören, sodass nach dem ersten Durchlauf des Albums ein überraschtes „Oh, war’s das schon?“ durchaus eine nicht außergewöhnliche und nachvollziehbare Feststellung sein könnte. Aber wie so häufig, werden die einzelnen Nummern auch hier mit jedem Durchlauf vertrauter und verankern sich dann auch besser und dauerhafter. Schließlich wird man auch einige Melo0dien aus „Rock Island“ dauerhaft im Kopf haben.

Fazit: Sicherlich ist „Rock Island” nicht das beste Jethro Tull geworden, allerdings beileibe auch kein schlechtes. Die Musik ist eindeutig der Band Jethro Tull zuzuordnen, der Wiedererkennungseffekt bezüglich der Band ist also gegeben. Es werden keine (missglückten) Ausflüge in andere Musikgenres unternommen, dafür leidet ein wenig der Punkt des Besonderem, der durchaus auch immer wieder der Musik innewohnen kann. Rock-Freunde können hier ohne Zögern zugreifen, wenn sie auf gute und vor allen Dingen „handgemachte“ Rock Musik stehen. Jethro Tull Fans müsste dieses Album sowieso gefallen, auch wenn es wohl kaum deren Lieblingsplatte sein wird. Neun Punkte.

Anspieltipps: Rock Island, Big Riff And Mando, Strange Avenues



Sonntag, 19. April 2015

Steven Wilson – Insurgentes




Steven Wilson – Insurgentes



Besetzung:

Steven Wilson – vocals, acoustic & electric guitars, acoustic & electric pianos, keyboards, synthesizers, harmonium, mellotron, bass guitar, percussion, drum & keyboard programming, ambient noise, loops


Gastmusiker:

Gavin Harrison – drums, cymbals
Tony Levin – bass
Mike Outram – electric guitar
Dirk Serries – guitar drones
Jordan Rudess – piano
Clodagh Simonds – vocals
Sand Snowman – acoustic and processed acoustic guitars, recorders
Theo Travis – wah-flute, clarinet, saxophone
Michiyo Yagi – 17-string bass koto, 21-string koto


Label: kscope


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Independent, Alternative, Postrock, Prog


Trackliste:

1. Harmony Korine (5:07)
2. Abandoner (4:48)
3. Salvaging (8:17)
4. Veneno Para Las Hada (5:57)
5. No Twilight Within The Courts Of The Sun (8:37)
6. Significant Other (4:31)
7. Only Child (4:24)
8. Twilight Coda (3:24)
9. Get All You Deserve (6:17)
10. Insurgentes (3:55)


DVD:

Advanced Resolution 5.1 Of Insurgentes (24/48 resolution)

Gesamtspieldauer CD: 55:22 (DVD selbiges)




„Insurgentes” nannte Steven Wilson sein erstes Solo-Album, welches im Jahr 2008 veröffentlicht wurde. Seine Band Porcupine Tree sollte ein Jahr später noch mal ein Album veröffentlichen, dann war da jedoch erst mal Schluss – zumindest bis heute im Jahr 2015. „Insurgentes” ist spanisch und bedeutet so viel wie „Aufständischer“ oder „Aufrüher“. Also aufrührerisch klingt die Platte keinesfalls, allerdings klingt sie auch nicht einfach.

Nun, ich muss sogar zugeben, dass die Scheibe überaus kompliziert klingt. Gar nicht so eingängig beim ersten Hören, obwohl Steven Wilson seine Hörer auch auf „Insurgentes“ mit sanften Klängen zu verwöhnen versucht. Allerdings gibt es neben diesen ruhigen Klängen durchaus auch verstörende Abschnitte, die nicht mehr so ohne weiteres den Weg in das Klangzentrum des Gehirns finden wollen.

„Insurgentes“ ist eines jener Alben, welches der Hörerin oder dem Hörer ihre Schönheit erst nach vielen Durchgängen offenbart. Mit zwei oder drei Durchläufen ist es da definitiv nicht getan. Nimmt man sich jedoch die Zeit und räumt dieser Platte immer und immer wieder die Möglichkeit zum Reifen ein, wird man nach einer gewissen Zeit doch noch beschenkt werden. Trotzdem schien Steven Wilson der Weg, den er mit diesem Soloprojekt einzuschlagen gedachte, noch nicht ganz klar gewesen zu sein. Soll es eher in die experimentelle Richtung gehen oder sich doch lieber an den tollen, ruhigen Songs von Porcupine Tree orientieren? Die Antwort scheint Steven Wilson nicht leicht gefallen zu sein, beziehungsweise fand er überhaupt eine Antwort? Diese Frage kann wohl verneint werden, denn irgendwie befindet sich ein buntes Potpourri auf „Insurgentes“, die tolle, eingängige und melodiöse Melodie genau wie die sehr experimentelle Passage, die dann eher ein Klanggebilde darstellt, als ein „richtiges“ Lied. Jedoch hat das alles was, ist spannend und eindeutig progressiver Rock, der im neuen Jahrtausend spielt und auch genau dort hingehört. Das ist null Radiomusik, jedoch wer möchte so etwas schon von Steven Wilson hören?

Fazit: „Insurgentes“ ist keine einfache Scheibe geworden. Die folgenden Platten von Steven Wilson sind deutlich einfacher, „griffiger“ und auch melodiöser geraten. Selbiges gilt auch für die meisten Porcupine Tree Platten. Trotzdem ist „Insurgentes“ eine sehr interessantes Album geworden, dem man eben die Zeit zum Reifen einräumen sollte. Immer nur einfach, das ist doch auch langweilig. Elf Punkte.

Anspieltipps: Harmony Korine, Abandoner, Insurgentes



Samstag, 18. April 2015

Dire Straits – Making Movies




Dire Straits – Making Movies


Besetzung:

Mark Knopfler – vocals, guitar
John Illsley – bass, vocals
Pick Withers – drums, vocals


Gastmusiker:

Roy Bittan – keyboards
Sid McGinnis – guitar


Label: Vertigo


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Rock


Trackliste:

1. Tunnel Of Love (Intro/The Carousel Waltz) (8:11)
2. Romeo And Juliet (6:01)
3. Skateaway (6:40)
4. Expresso Love (5:12)
5. Hand In Hand (4:48)
6. Solid Rock (3:27)
7. Les Boys (4:09)

Gesamtspieldauer: 38:31




Eine wahre Geschichte: Es trug sich zu in einem Plattengeschäft, etwa Mitte der 80er Jahre. Ich war gerade mal wieder dabei, mein Taschengeld in Musik zu investieren und blätterte durch die Platten, die in Kästen vor mir angeordnet waren. Irgendetwas unter dem Buchstaben „L“ oder „M“ schien ich gerade zu suchen, als rechts neben mir ein etwa fünf Jahre älterer Typ auftauchte und verzweifelt etwas unter dem Buchstaben „S“ suchte. Dann hob er den Kopf, schaute zu mir und meinte: „Kann es sein, dass die hier keinen Dire Straits haben?“ Ich sah ihn etwas verwundert an und meinte dann: „Da musst Du unter „D“ suchen.“ Er: „Echt? Was ist das denn für ein Laden, dass die die Musik unter den Vornamen einsortieren?“ Er ging zu „D“, schnappte sich „Making Movies“ von den Dire Straits und marschierte weiter zur Kasse. Ich stand währenddessen etwas sprachlos, aber wohl mit einem vor Verblüffung leicht geöffnetem Mund da und konnte gar nicht so recht glauben, was da eben genau so passiert war.

Es war diese Platte, die der Typ damals gekauft hat. Ich kannte die Scheibe zu der Zeit noch gar nicht. Aber jetzt ganz schnell zur Musik auf „Making Movies“. Nun, wenn es ein typisches Dire Straits Album gibt, dann kommt „Making Movies“ garantiert in die engere Wahl. Hierauf ist alles vertreten, was diese Band damals ausmachte. Jener, mit einem hohen Wiedererkennungswert ausgestattete, nuschelnde Gesang des Mark Knopfler und natürlich der einmalige Gitarrensound, den es so nur bei den Dire Straits beziehungsweise Mark Knopfler zu hören gibt. Dieser hatte sich vor dem Entstehen des Albums mit seinem Bruder David Knopfler überworfen, der daraufhin die Band verlassen hatte. Der Sound der Band hatte sich nun auch weiterentwickelt, ob das allerdings an der Demission des David Knopfler lag, das sei mal so dahingestellt.

Mit „Tunnel Of Love“ und „Romeo And Juliet“ sind auch zwei Klassiker im Bandkatalog der Dire Straits mit vertreten. Allerdings gibt es mit „Expresso Love” und „Solid Rock” weitere richtig gute Nummern, die einfach Spaß machen. Es ist dieses musikalische Gefühl der Lockerheit, was die Dire Straits immer wieder mit ihren Liedern erzeugen, welches die Band durchaus zu etwas Besonderem werden lässt – und genau dieses Gefühl entwickelt sich auch beim Hören dieser genannten Lieder.

Fazit: Die ganz großen „Knaller“ gibt es auf „Making Movies“ nicht, dafür jedoch einige sehr gelungene Nummern, die das ganze Album absolut hörenswert werden lassen. Es ist wirklich diese, durch die Musik transportierte Atmosphäre, welche die Dire Straits durchaus zu etwas Besonderen werden lässt. Nach dem Genuss einer solchen Platte fühlt man sich irgendwie fröhlicher, man ist vielleicht nicht gepackt und ergriffen, aber schon auf eine gewisse Art und Weise positiver gestimmt. Nochmal ein Grund mehr, viel mehr Musik zu hören. Neun Punkte.

Anspieltipps: Tunnel Of Love, Romeo And Juliet



Freitag, 17. April 2015

Stan Ridgway – The Big Heat




Stan Ridgway – The Big Heat


Besetzung:

Stan Ridgway – banjo, guitar, harmonica, keyboards, vocals


Gastmusiker:

K. K. Barrett – drums
Chris Becerra – drums
Joe Berardi – drums
Hugo Burnham – percussion
Louis Cabasa – bass guitar
Mark Cohen – banjo, mandolin
John Dentino – keyboards
Bruce Fowler – trombone
Mitchell Froom – keyboards
Richard Gibbs – synthesizer, Emulator
Richard Greene – violin
Bernard Hall – keyboards
Roger Kleier – guitar
Cliff Martinez – bass
Mr. Christopher – violin, cello
Bill Noland – piano, keyboards,
Joe Ramirez – guitar, programming, vocals, drum programming
Tom Recchion – percussion
Steve Reid – percussion
David Sutton – bass
Mark Terlizzi – bass
Louis VandenBerg – keyboards
Mike Watt – bass
Pietra Wexstun – vocals
Eric Williams – guitar
Bruce Zelesnik – drums


Label: I.R.S. Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Rock, New Wave


Trackliste:

1. The Big Heat (4:34)
2. Pick It Up (And Put It In Your Pocket) (4:33)
3. Can't Stop The Show (3:46)
4. Pile Driver (4:47)
5. Walkin' Home Alone (4:31)
6. Drive, She Said (4:18)
7. Salesman (5:29)
8. Twisted (3:38)
9. Camouflage (7:17)
10. Rio Greyhound (Instrumental) (3:13)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

11. Stormy Side Of Town (5:02)
12. Foggy River (4:32)
13. End Of The Line (5:51)
14. Nadine (3:26)
15. Can't Stop The Show (Live) (3:53)
16. Drive, She Said (Live) (4:39)

Gesamtspieldauer: 1:13:36




So ein Mix aus Rock und New Wave kann mitunter ganz interessant sein. Zumindest ist er das im Falle des ersten Solo-Albums von Stan Ridgway aus dem Jahr 1986. „The Big Heat“ heißt dieses und erschien drei Jahre nachdem Stan Ridgway die Band Wall Of Voodoo verlassen hatte. Und klar, die Musik auf „The Big Heat“ ist nicht nur Rock oder New Wave, da ist auch eine ganze Menge Synthie-Pop mit dazugemischt worden. Das wiederum bedeutet automatisch, dass Freunde der rein „handgemachten“ Musik automatisch ein Problem mit dem Album haben dürften.

Ich bin ganz sicher auch kein Freund des Synthie-Pop, was man Stan Ridgway jedoch einfach nicht absprechen kann, das ist sein Gefühl, sein Gespür für die tolle und eingängige Melodie – auch wenn er diese ab und an in eine etwas gewöhnungsbedürftigere Instrumentierung packt. Gelungen sind auf „The Big Heat“ eine ganze Reihe von Songs. Die da wären: „The Big Heat”, „Can't Stop The Show”, „Walkin' Home Alone”, „Salesman“, „Camouflage” sowie „Rio Greyhound”. Eine ganze Menge also und wenn man dann bedenkt, dass sich unter den restlichen Titeln auch noch durchaus hörenswerte Musik befindet, ist diese Ausbeute gar nicht mal schlecht.

Die bekannteste Nummer auf „The Big Heat“ – und wohl auch von Stan Ridgway überhaupt – ist dabei selbstverständlich „Camouflage“. Dies wiederum ist ein Lied, welches in den 80ern zwischen manchen Menschen hitzige Diskussionen entzündete. Erzählt wird hier aus der Ich-Perspektive die Geschichte eines Soldaten im Vietnam-Krieg, der auf wundersame Weise durch einen Marine mit Namen „Camouflage“ vor feindlichen Geschossen gerettet wird. Als er danach wieder in sein Camp zurückkehrt und gerettet ist, erfährt er, dass „Camouflage“ letzte Nacht bereits verstorben war, er also von dessen „Geist“ gerettet worden war, dessen größter Wunsch auf dem Sterbebett war, einem jungen Marine das Leben zu retten. Klar, ganz schön pathetisch aufgezogen von Stan Ridgway, jedoch wollten einige Menschen damals in dem Text kriegsverherrlichende Tendenzen feststellen beziehungsweise heraushören und so wurde die Nummer mancherorts schlicht boykottiert. Ich höre da lediglich eine etwas übertrieben pathetische Geschichte und glaube des Englischen ganz gut mächtig zu sein. Naja, auch hier ist das wohl eine Art von Geschmackssache, genau wie bei der Musik selbst.

Fazit: Unabhängig vom „Streitpunkt“ „Camouflage“ ist „The Big Hesat“ ein sehr schönes Beispiel dafür, wie Musik aus den 80ern auch klingen konnte. Natürlich hört sich das synthetisch an, jedoch eben versehen mit sehr schönen Harmonien und Melodien. Noch etwas ist auffällig an dieser Platte, nämlich der breite amerikanische Gesang des Stan Ridgway, der so auch nicht allzu oft zu hören ist und somit einen gewissen Wiedererkennungswert besitzt. Obwohl ich hier wenige akustische Instrumente höre, finde ich trotzdem immer wieder Gründe, diese Platte aufzulegen. Verwirrend. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Walkin' Home Alone, Salesman, Camouflage


(Wieder mal unterbindet die GEMA das Abspielen diverser Titel von Stan Ridgway, sodass hier das Video von "Camouflage" leider nicht gezeigt werden kann)



Donnerstag, 16. April 2015

King Crimson – Thrak




King Crimson – Thrak


Besetzung:

Robert Fripp – guitar, mellotron, soundscapes
Adrian Belew – guitar, lead vocals
Tony Levin – bass guitar, chapman Stick, electric upright bass, backing vocals
Trey Gunn – chapman Stick, backing vocals
Bill Bruford – drums, percussion
Pat Mastelotto – drums, percussion


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Vrooom (4:38)
2. Coda: Marine 475 (2:41)
3. Dinosaur (6:37)
4. Walking On Air (4:38)
5. B'Boom (4:11)
6. Thrak (3:59)
7. Inner Garden I (1:47)
8. People (5:53)
9. Radio I (0:43)
10. One Time (5:22)
11. Radio II (1:03)
12. Inner Garden II (1:15)
13. Sex Sleep Eat Drink Dream (4:50)
14. Vrooom Vrooom (5:50)
15. Vrooom Vrooom: Coda (3:03)

Gesamtspieldauer: 56:37




1994 befand Robert Fripp, dass es mal wieder Zeit für eine neue King Crimson Formation war, die zunächst nur einige Konzerte gab und schließlich im Jahr 1995 das elfte Studio-Album der Band unter dem Titel „Thrak“ veröffentlichte. Das letzte Album war 1984 als „Three Of A Perfect Pair“ veröffentlicht worden. Jene vier Musiker, Robert Fripp, Adrian Belew, Tony Levin und Bill Bruford, die genau diese Platte in den 80ern einspielten, waren nun auch auf „Thrak“ mit von der Partie. Doch Robert Fripp wäre nicht Robert Fripp, wenn er nicht auch hier etwas Neues ausprobiert hätte. Zu diesen vier Musikern gesellten sich nun nämlich mit Pat Mastelotto am Schlagzeug und Trey Gunn am Bass zwei weitere Musiker, sodass jedes Instrument jetzt doppelt besetzt war: Fripp und Belew an den Gitarren, Levin und Gunn an den Bässen sowie Bruford und Mastelotto an den Drums. Ziel war es, mittels dieser doppelten Besetzung zusätzliche Spannung in die Musik einzubauen und dafür zu sorgen, dass sich die Instrumentalisten die musikalischen Bälle gegenseitig zuwerfen konnten.

Nun, „Thrak“ ist Progressive Rock, der oftmals brachial und krachend aus den Lautsprechern bricht. Dann kann die Platte jedoch auch wieder unglaublich sanft, harmonisch und melodiös klingen. Und schließlich finden sich sogar relativ poppige Abschnitte auf der Scheibe, die durchaus – zumindest fast – das Zeug gehabt hätten, im Radio gespielt worden zu sein. Wurden sie aber natürlich nicht, außer vielleicht in irgendwelchen Spartensendern oder mal um drei Uhr nachts. Auf „Thrak“ gibt es polyrhythmische Instrumentalpassagen, die knochentrocken und sehr hart mit jenen konkurrieren, die sanft und leicht durch den Raum schweben und das Ohr zu umschmeicheln versuchen. Das wiederum bedeutet selbstverständlich, dass man sich bei „Thrak“ auf absolut gar nichts einstellen kann. Die Musik läuft nicht einfach so durch, sie reißt mal mit, verstört an anderer Stelle und fängt den Hörer im nächsten Moment wieder sanft auf. Äußerst spannend das Ganze und ganz bestimmt keine Musik, die man so einfach nebenbei hören kann.

Fazit: Für die 90er Jahre ist solch eine Platte wahrlich einmalig, viel mehr in dem Stil gibt es aus diesem Jahrzehnt nicht. „Thrak“ ist übrigens auch die einzige Platte, die King Crimson in dieser Dekadet veröffentlichten. Der Nachfolger erschien erst im Jahr 2000. Nun, wie soll hier ein Fazit ausfallen? Im Grunde genommen muss man anmerken, dass die Scheibe für solche Musikhörer interessant ist, die zum einen mit der Musik von King Crimson überhaupt etwas anfangen können, den progressiven Rock lieben und gerne mal hören würden, wie eine Symbiose der Band aus den 70ern gepaart mit jener Band aus den 80ern musikalisch klingen würde. Denn genau das ist „Thrak“, nämlich ein Zusammenschluss zweier Jahrzehnte der Bandgeschichte. 70 + 80 ergibt bei King Crimson eben 90. Coole Scheibe. Elf Punkte.


Anspieltipps: Dinosaur, Thrak, Sex Sleep Eat Drink Dream



Mittwoch, 15. April 2015

Heather Nova – Redbird




Heather Nova – Redbird


Besetzung:

Heather Nova – vocals, acoustic guitar, tremolo guitar


Gastmusiker:

Laurie Jenkins – drums
Corky James – guitars
The Matrix & Liz Hooper – additional vocals
David Ayers – electric guitars, lap steel, additional guitars, e-bow guitar, harmonic guitar
Sophie Solomon – violin
Bastian Juel – bass
Luke Bullen – drums
Kenny Dickenson – piano, wurlitzer, hammond, strings
Matt Round – bass, double bass
Berit Fridahl – electric guitars
Nickolay Juel – electric guitars
London Community Gospel Choir – backing vocals
Vienna Symphonic Orchestra – strings
Felix Tod – additional synthesizer


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Pop, Folk Pop


Trackliste:

1. Welcome (4:18)
2. I Miss My Sky (5:05)
3. Motherland (4:25)
4. Redbird (4:16)
5. Done Drifting (4:10)
6. Overturned (3:26)
7. Mesmerised (4:14)
8. Singing You Through (4:11)
9. A Way To Live (3:51)
10. Wicked Game (4:51)
11. This Body (3:47)
12. The Sun Will Always Rise (4:43)

Gesamtspieldauer: 51:23




Heather Nova war gerade stolze Mama eines Jungen geworden, da veröffentlichte sie ihr sechstes Studio-Album mit dem Titel „Red Bird“ im Jahr 2005. Dass dieses Ereignis ein Einschnitt in ihrem Leben war, das hört man deutlich auf diesem Album, denn viele der Texte drehen sich inhaltlich um genau dieses Thema.

Die Musik selbst ist natürlich wieder ungemein sanft und zerbrechlich gehalten und geraten. Letzteres liegt mit Sicherheit auch an der Art und Weise, wie die auf den Bermudas geborene Engländerin ihre Texte ins Mikro haucht. Dazu gesellen sich lediglich ganz zart instrumentierte Melodiebögen, die durchaus mit melodisch und harmonisch gut zu umschreiben sind. Auch gehen diese Nummern ins Ohr, wenn auch nicht mit der Intensität, wie das beim folgenden Album „The Jasmin Flower“ der Fall sein sollte. Dieser Umstand, der gleichbleibenden und sanften Melodiösität, birgt allerdings auch die Gefahr in sich, dass die Platte im Verlaufe ihres Abspielens durchaus Längen aufweisen kann. Sind die ersten Titel noch etwas mehr gelungen und spannender, so relativiert sich das mit dem Durchlauf der Scheibe, da die folgenden Ideen auch schon am Anfang vorhanden zu sein schienen, die Platte in sich selbst recycelt zu sein scheint. Da hilft es dann auch nichts, dass Heather Nova mit „Wicked Game“ ein Chris Isaak Stück covert, welches sich dann zwar doch noch mal vom Rest der Platte abhebt, jedoch ebenfalls nur dann überzeugen kann, wenn man eben auf solch wirklich unglaublich weiche Musik steht und einem diese Mucke nicht doch irgendwie peinlich ist.

Fazit: Ganz eindeutig, es gibt bessere Heather Nova Alben, wenn sich auf „Red Bird“ auch keine schlechte Musik befindet. Jedoch läuft diese Scheibe immer wieder Gefahr, irgendwie zu langweilen, da sich die Titel schon sehr ähneln und dazu noch einen sehr süßlichen Geschmack – sicherlich auch verursacht durch die Texte – hinterlassen. „Red Bird“ kann man gut hören, etwas Besonderes ist es jedoch nicht. Für Freunde der wirklich weichen und zarten Muse mag die Scheibe allerdings durchaus einen Höhepunkt darstellen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Welcome, I Miss My Sky



Dienstag, 14. April 2015

Elbow – The Take Off And Landing Of Everything




Elbow – The Take Off And Landing Of Everything


Besetzung:

Guy Garvey – vocals, strings and horns arrangements
Richard Jupp – drums
Craig Potter – keyboards
Mark Potter – guitar
Pete Turner – bass


Gastmusiker:

Tim Barber – trumpet on "New York Morning" and "My Sad Captains"
Katharine Curlett – trumpet on "New York Morning" and "My Sad Captains"
Jimi Goodwin – backing vocals on "New York Morning"
Peter McPhail – baritone saxophone, clarinet and sopranino saxophone on "Fly Boy Blue/Lunette", alto saxophone and baritone saxophone on "New York Morning"
Bob Marsh – trumpet on "My Sad Captains"
The Hallé Orchestra – strings on "Charge", "Real Life (Angel)" and "Honey Sun"
Chris Worsley – score on "Charge" and "Real Life (Angel)"


Label: Fiction Records


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. This Blue World (7:13)
2. Charge (5:17)
3. Fly Boy Blue / Lunette (6:23)
4. New York Morning (5:19)
5. Real Life (Angel) (6:47)
6. Honey Sun (4:56)
7. My Sad Captains (6:00)
8. Colour Fields (3:42)
9. The Take Off And Landing Of Everything (7:11)
10. The Blanket Of Night (4:24)

Gesamtspieldauer: 57:17




Im Jahr 2014 erschien es, das sechste Studioalbum von Elbow. Der einmal mit dem Vorgängeralbum „Build A Rocket Boys!“ eingeschlagene Weg, wurde noch weiter vertieft und von der Band verinnerlicht: Ruhige und sehr gefühlvolle Musik soll dem Hörer geboten werden. Lieder, die aus den zehn Nummern besonders herausragen, die gibt es auf „The Take Off And Landing Of Everything“ nicht. Die Musik ist ziemlich einheitlich gehalten und eben ruhig, sehr ruhig, stimmungsvoll und atmosphärisch.

Legt man die Scheibe zum ersten Mal ein und kümmert sich nicht großartig weiter darum, beschäftigt sich mit irgendetwas anderem, so wird man vielleicht erst nach zwei Stunden bemerken, dass plötzlich keine Musik mehr zu hören ist. Nein, aufdringlich sind die zehn Stücke auf „The Take Off And Landing Of Everything“ wahrlich nicht. Vielleicht ist der eine oder andere nach dem ersten Hören der Scheibe auch etwas enttäuscht, denn auch besonders eingängig ist diese Scheibe nicht geworden – zumindest nicht nach dem ersten Hören. Die Lieder sind durchaus melodiös, es gibt jede Menge wunderschöner Harmonien zu erhören, trotzdem setzen sich die Nummern nicht sofort im Ohr des Hörers fest.

Jeder Titel wirkt so sehr zart und zerbrechlich und die Titel ähneln sich auch durchaus beim ersten Hören. Doch dann passiert es irgendwann, nicht beim ersten und auch nicht beim zweiten Einlegen der Scheibe. Es scheint geradezu so zu sein, als ob die Melodien und Harmonien sich erst den Weg zum Ohr des Hörers bahnen müssen, immer und immer wieder, bis sie dort auch ankommen. Dann, erst nach einigen Durchläufen jedoch, öffnen sich plötzlich Türen, alles wirkt differenzierter und auch spannender. Dann erst fängt die Scheibe plötzlich an Spaß zu machen, die unverwechselbar nur so von Elbow stammen kann – und damit ziele ich jetzt nicht nur auf den Gesang des Guy Garvey ab. Gefühlvolle Melodien mit ebensolchen Texten, die Guy Garvey zum Teil bei Spaziergängen durch New York City in den Sinn kamen, erobern schließlich doch noch das musikalische Lustzentrum des Hörers.

Fazit: Wenn jemand behaupten würde, „The Take Off And Landing Of Everything“ von Elbow sei ein sehr langweiliges Album geworden, dann kann man das durchaus nachvollziehen, da sich die Titel alle etwas ähneln und durch diese Ruhe nicht unbedingt gleich beim ersten Hören für Abwechslung sorgen. Da liegt jedoch auch gleich der „springende“ Punkt: „beim ersten Hören“. Das sechste Album von Elbow ist eines, welches erarbeitet werden möchte, was immer und immer wieder gehört werden will, um seine sanfte Schönheit vollständig entfalten zu können. Trotzdem wird das niemals Musik für die Massen werden, was auch nicht unbedingt schlecht sein muss. Für mich sicherlich nicht das beste Elbow-Album, jedoch auch keine verschenkte Scheibe. Neun Punkte.

Anspieltipps: Charge, My Sad Captains



Montag, 13. April 2015

The Who – Quadrophenia




The Who – Quadrophenia


Besetzung:

John Entwistle – bass, horns, vocals
Roger Daltrey – lead vocals
Keith Moon – percussion, vocals
Pete Townshend – guitars, keyboards, banjo, cello, vocals, sound effects


Gastmusiker:

Jon Curle – newsreader voice
Chris Stainton – piano on "The Dirty Jobs", "5:15", and "Drowned"


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Rock


Trackliste:

CD1:

1. I Am The Sea (2:08)
2. The Real Me (3:20)
3. Quadrophenia (6:13)
4. Cut My Hair (3:44)
5. The Punk And The Godfather (5:10)
6. I'm One (2:37)
7. The Dirty Jobs (4:29)
8. Helpless Dancer (2:33)
9. Is It In My Head? (3:43)
10. I've Had Enough (6:14)


CD2:

1. 5:15 (4:59)
2. Sea And Sand (5:01)
3. Drowned (5:27)
4. Bell Boy (4:54)
5. Doctor Jimmy (8:36)
6. The Rock (6:37)
7. Love Reign O'er Me (5:48)

Gesamtspieldauer CD1 & CD2: 1:21:41




Es gibt einfach so ein paar Alben, die begleiten einen das ganze Leben lang. Eine solche Scheibe ist „Quadrophenia“ von The Who – zumindest in meinem Fall... Bei „Quadrophenia“ handelt es sich um das sechste Studio-Album der Band, das zweite vollständige Konzeptalbum, nach dem vier Jahre zuvor entstandenen „Tommy“. Und auch die Geschichte „Quadrophenia“ wurde verfilmt, ebenso wie jene von „Tommy“. Sechs Jahre nach der Platte erschien der gleichnamige Film. Im Film hört man allerdings nicht nur die Musik von The Who, sondern auch die anderer Bands. Sting spielt eine der Hauptrollen, seine erste und wer mal die Chance hat sich diesen Streifen anzusehen, die oder der sollte die Chance nutzen. In dem Film wird die Geschichte des Jungen Jimmy und dessen Zerrissenheit im Schatten von Mods und Rockern sehr packend erzählt. Der Inhalt des Albums wurde von Regisseur Frank Roddam bestens umgesetzt.

Doch zurück zum eigentlichen Thema, der Musik auf „Quadrophenia“. An dieser Stelle muss ich sogleich feststellen, dass ich mir sicher bin: Wer abwechslungsreiche Rockmusik liebt, die oder der wird auch „Quadrophenia“ lieben. Die Platte, früher eine Doppel-LP, jetzt eine Doppel-CD, ist absolut begeisternd. Pete Townshend kann Lieder schreiben, die hängenbleiben, auf „Quadrophenia“ macht er dies am laufenden Band. Stücke wie „I'm One“, „The Dirty Jobs“ oder „Helpless Dancer“ sind einfach zum Niederknien schön. Drei Nummern, die auf der ersten Scheibe des Albums hintereinander durchstarten. Größtenteils sind diese eher ruhig gehalten und wurden mit Melodien ausgestattet, die sich festsetzen. Egal, ob da jetzt Roger Daltrey oder Pete Townshend singt, ob die Nummer eher gitarren-, violinen- oder pianolastig ist, die Musik wird einmal gehört und bleibt dem Konsumenten, sofort beim ersten Hören, unwiderruflich im Ohr.

„Quadrophenia“ ist unglaublich abwechslungsreich. Es gibt etwas härtere Abschnitte – ohne hier von Hard Rock sprechen zu können – und gefühlvollere Passagen und Lieder. Die Stimmungen wechseln immer wieder von fröhlich bis melancholisch traurig. Das geschieht dabei so spielerisch, dass man sich in jeder Sekunde, während jedes Taktes der Musik sehr gut aufgehoben fühlt und jeden atmosphärischen Wechsel ohne Anpassungsschwierigkeiten mitzugehen imstande ist. Musik kann wahrlich begeisternd sein. Nun und dann gibt es da ja noch dieses eine Lied, welches auf „Quadrophenia“ immer mal wieder auftaucht, jedoch erst ganz zum Schluss seinen richtigen und großen Auftritt erhält: „Love Reign O'er Me“. „Love Reign O'er Me“, das Lied welches einen irgendwie wie ein goldener Faden durch die ganze Scheibe begleitet. Am Ende der Platte wird die Nummer nun endlich vollständig ausgespielt, nicht mehr nur angedeutet. Hier ist jetzt die sich entladende Spannung im Lied selbst zu spüren. Regen ist zunächst zu hören, ein sehr traurig und verzweifelt klingendes Piano, Donner in Form der Pauken, Regen in Form einzelner Pianoklänge und dann, dann startet die Nummer unglaublich melodiös. Roger Daltrey singt sein „Love Reign O'er Me“ so verzweifelt, dass man ihm am liebsten alle Liebe dieser Welt durch die Boxen schicken möchte, damit es diesem Menschen auch wieder ein wenig besser geht. Unglaublich schön und berührend. Auch dafür sind wir geboren, solche Musik hören zu dürfen.

Fazit: „Quadrophenia“ ist wahrlich ein überzeugendes Album geworden. Zusammen mit dem Vorgänger „Who’s Next“ das Beste, was The Who überhaupt veröffentlicht haben. Dieses Mal hatte Pete Townshend die Musik im Alleingang geschrieben, was der Qualität der Platte selbstverständlich nicht schadet. Es gibt viel zu entdecken auf „Quadrophenia“. Hier gibt es die ruhigen Momente genau wie die treibenderen Parts. Immer jedoch steht die Eingängigkeit an erster Stelle und diese wirkt absolut niemals platt. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die die Rock Musik lieben und mit dieser Platte nichts anfangen können. Ein großes Album. Vierzehn Punkte.

Anspieltipps: Love Reign O'er Me