Freitag, 14. März 2014

Motörhead – Ace Of Spades




Motörhead – Ace Of Spades


Besetzung:

Lemmy (Ian Kilmister) – bass, lead vocals
"Fast" Eddie Clarke – guitar, lead vocals on "Emergency"
Phil "Philthy Animal" Taylor – drums


Label: Sanctuary Records


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Hard Rock, Heavy Metal


Trackliste:

1. Ace Of Spades (2:50)
2. Love Me Like A Reptile (3:24)
3. Shoot You In The back (2:40)
4. Live To Win (3:38)
5. Fast & Loose (3:23)
6. (We are) The Road Crew (3:13)
7. Fire Fire (2:45)
8. Jailbait (3:34)
9. Dance (2:38)
10. Bite The Bullet (1:38)
11. The Chase Is Better Than The Catch (4:18)
12. The Hammer (2:48)


Bonus Tracks:

13. Dirty Love (2:56)
14. Please Don't Touch (2:50)
15. Emergency (3:00)

Gesamtspieldauer: 45:35




So etwas wie das 1980 erschienene Album „Ace Of Spades“ von Motörhead, die bereits fünfte Veröffentlichung dieser Heavy Metal Kombo, nennt man dann wohl „konsequent“. Kompromisslos bekommt man hier als Hörer Speed Metal auf die Ohren, was für die damalige Zeit durchaus revolutionär war. Inzwischen gibt es jede Menge Bands, die die Geschwindigkeit noch erhöhten, damals war dies jedoch noch absolut neu und in dieser Ausprägung auch noch nicht vorhanden.

Auf „Ace Of Spades“ gibt es keine halben Sachen, keine Verweichlichung, nur unglaublich geradlinigen Rock, der vor Kraft nur so strotzt. "Fast" Eddie Clarke holt alles aus seiner Gitarre heraus und das in einer manchmal schier unglaublichen Geschwindigkeit. Dazu der Gesang von Lemmy, der im Grunde genommen jedoch eher eine Art des Schreiens darstellt und fertig ist die Scheibe, bei der man als Headbanger Vorsicht wallten lassen sollte, um nicht mit einer Gehirnerschütterung in die Klinik eingewiesen zu werden.

Melodien spielten hier eine nur untergeordnete Rolle, obwohl man den einzelnen Titeln eine gewisse Melodiösität wahrlich nicht absprechen kann, denn viele der Riffs des Eddie Clarke gehen durchaus sehr geradlinig ins Ohr. Jedoch stellt die Melodie hier nur eine Seite der Medaille dar, der andere Schwerpunkt der Musik von Motörhead liegt ganz klar auf der Geschwindigkeit, dem knallharten Rock, der in das Gehirn fetzt und dort für allerlei Lebendigkeit sorgt, die man sonst so nur durch die Einnahme von Aufputschmitteln zu erreichen fähig ist.

Fazit: Ich habe hier schon ab und an mal von „weiblicher“ Musik geschrieben. Motörhead machen überaus „männliche“ Musik. Man spürt das Testosteron und auch das Adrenalin, was diesen Songs innewohnt. Musik für die knallharten Jungs, denen es Spaß macht sich die musikalische Dröhnung zu verpassen. Durchaus überzeugend gemacht, wenn auch auf Dauer ganz schön anstrengend. Neun Punkte.

Anspieltipps: Ace Of Spades



Donnerstag, 13. März 2014

CocoRosie – The Adventures Of Ghosthorse And Stillborn




CocoRosie – The Adventures Of Ghosthorse And Stillborn


Besetzung:

Bianca Casady – vocals, ohne weitere Instrumentenangabe
Sierra Casady – vocals, ohne weitere Instrumentenangabe


Gastmusiker (ohne weitere Instrumentenangabe):

Tez
Josh Wernez
Spleen
Gael Rakotondrabe
Christina Chalmers
BenMo
Celena
Glenn
Nomi


Label: Cherry Red Records


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Post Rock, Dream Pop


Trackliste:

1. Rainbowarriors (3:56)
2. Promise (3:37)
3. Bloody Twins (1:38)
4. Japan (5:02)
5. Sunshine (2:59)
6. Black Poppies (2:38)
7. Werewolf (4:50)
8. Animals (6:02)
9. Houses (2:57)
10. Raphael (2:48)
11. Girl And The Geese (0:47)
12. Miracle (inklusive Hidden Track „Childhood") (11:36)

Gesamtspieldauer: 48:50




„The Adventures Of Ghosthorse And Stillborn” heißt das dritte Album der Schwestern Bianca und Sierra Casady, welches 2007 veröffentlicht wurde. Und wieder hört man hier Musik, die man durchaus auch mit „seltsam“ umschreiben kann. Melodiös ist das alles, allerdings angefüllt mit einem wahren Füllhorn von Nebengeräuschen, wie Fiepsen, Gluckern, Pfeifen, Grunzen, Zwitschern, Stöhnen, Klingeln und noch sehr vielem mehr. Über allem steht dabei der Gesang der beiden Schwestern, der mal in weiblichen Sopran-Tonlagen wiedergegeben wird, sich an einer anderen Stelle wiederum relativ „normal“ und poppig anhört, dann jedoch nach einem kleinen Mädchen klingt und manchmal sogar die Tonhöhe eines Babys anzunehmen scheint. Wahrlich nicht alltäglich das Ganze.

Es ist so eine kleine Reise, die man mit dem Einlegen der CD startet. Hier wird dem Sprechgesang gefrönt, gesungen, gesummt und ausgiebig mit der menschlichen Sprache gespielt. Das alles in den bereits erwähnten unterschiedlichen Gesangshöhen. Meistens ist die Musik auf „The Adventures Of Ghosthorse And Stillborn” sehr sanft und mild formuliert. Rhythmisch und treibend, wie bei dem zunächst etwas nach einem Kinderlied klingenden „Japan“, klingt es nur sehr selten. Aber auch dieser Titel mündet in eine Art Sopran-Arie, um dann erneut in diesen rhythmischen Teil überzugehen. Die Schwestern bereiten sich den Weg zum Ohr des Hörers auf eine sehr schwerelose Art und Weise, das wirkt alles sehr locker und leicht, überaus verspielt und häufig auch experimentell. Gesang dieser Art gibt es sonst wohl nirgendwo anders zu hören.

Man muss dem Album auf jeden Fall Zeit geben, um wirklich landen und das Ohr treffen zu können. Zu ungewöhnlich sind oftmals die Songstrukturen, die Instrumentierung und der bereits mehrmals angesprochene Gesang. Es bedarf somit einiger Durchläufe, denn auf das erste Hören ist hier nur sehr wenig eingängig. Es scheint fast so, als ob im Gehirn des Hörers erst die richtigen Verknüpfungen koordiniert werden müssten, um in diese Klangwelt vollkommen eintauchen zu können.

Fazit: Sicherlich eines der seltsamsten Alben, die ich kenne. Die Musik ist dabei zwar sehr eingängig, allerdings erst nach dem mehrmals wiederholten Hören. Auf diese ganzen Geräusche, die sich da im Hintergrund abspielen, muss man sich zudem einlassen können. Das ist mitunter zunächst alles sehr ungewöhnlich und auch ein klein wenig gewöhnungsbedürftig. Hat man sich diese Strukturen allerdings erschlossen, wächst auch das Album zu einem vertrauten Freund heran. Neun Punkte.

Anspieltipps: Japan, Raphael



Mittwoch, 12. März 2014

Patty Moon – Lost In Your Head




Patty Moon – Lost In Your Head


Besetzung:

Patty Moon – vocals, piano


Gastmusiker:

Tobias Schwab – guitar, bass, piano, accordion, clarinet, melodica, percussion
Daniel Hansmann – drums
Christian Simon – flugelhorn, trumpet
Anselm Geiger – cello


Label: Traumton Records


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. Under My Wolfskin (3:36)
2. Lost In Your Head (4:28)
3. Best For Me (3:41)
4. Flapping Monsters (3:48)
5. Your Murderer (1:57)
6. Hurt (2:57)
7. Golden Frame (2:55)
8. Deal (3:25)
9. Starving (4:32)
10. Time Out (4:39)
11. Flood (3:15)
12. Straight Alone (4:37)
13. Ready For The Smell Of Snow (5:10)

Gesamtspieldauer: 48:59




2008 erschien das zweite Album von Patty Moon alias Judith Heusch unter dem Namen „Lost In Your Head“. Irgendwie scheint die Musikwelt nicht gerecht zu sein, denn anders ist es nicht zu erklären, dass die Musik von Patty Moon nicht deutlich bekannter ist und ihr nicht der Erfolg zuzufallen scheint, der dieser Musik zweifelsohne gebührt. Denn diejenigen Musik-Hörer, die auf wunderschöne warme Musik stehen, sentimental und melancholisch, melodiös und harmonisch, eingängig und innovativ und dieses Album nicht kennen, die haben wahrlich etwas verpasst.

Einnehmende Klangwelten breiten sich auf „Lost In Your Head“ vor dem Hörer aus. Deutlich anders instrumentiert, als die meisten Pop-Alben. Hier gibt es viele „klassische“ Instrumente zu hören, die nichts mit denen des „normalen“ Pop gemein haben. Oftmals steht das Piano im Vordergrund, wird ergänzt durch die Klarinette, die Trompete, das Cello oder das Flügelhorn. Gitarre oder Schlagzeug spielen nur eine sehr untergeordnete Rolle. Gerade aber diese, etwas andere Instrumentierung macht das Album so spannend und so einnehmend. Dazu gesellt sich die schöne und warme Stimme der Judith Heusch und fertig ist diese Melange der sehr intensiven Musik von Patty Moon.

Nicht immer klingt es dabei verträumt und sanft, mitunter sind die Titel auch deutlich treibender und fordernder, wenn auch allen Nummern diese Eingängigkeit innewohnt. Und gerade diese Variation verleiht der Platte dieses Besondere, diese Spannung, die jeglicher Langeweile entgegenwirkt. Man legt die CD ein, schließt die Augen fühlt sich wohl, geborgen und angesprochen. Nur selten schafft es Musik in dieser Intensität den Hörer zu fesseln und auch zum Träumen anzuregen, den Gedanken freien Lauf zu lassen, den Alltag vergessen zu können.

Fazit: Ganz klar, die Musik von Patty Moon ist etwas Spezielles, etwas Besonderes, was es sonst so nicht allzu oft zu hören gibt. Ich persönlich gerate hier wahrlich ins Schwärmen, da es diese Art der Musik ist, die den Hörer bewegen und ergreifen kann. Nein, man kann darauf nicht tanzen, zumindest nicht körperlich. Allerdings tanzen hier die Gedanken und die Gefühle. Die Musik von Patty Moon auf „Lost In Your Head“ ist wie ein Urlaub vom Alltag und eine kleine Seelenkur. Sehr zu empfehlen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Hurt, Ready For The Smell Of Snow und der Rest.



Dienstag, 11. März 2014

Nelly Furtado – Loose




Nelly Furtado – Loose


Besetzung:

Nelly Furtado – vocals


Gastmusiker:

Attitude – vocals
Rusty Anderson – acoustic guitar
David Campbell – conductor
Robert Cani – violin
Luis Conte – percussion
Larry Corbett – cello
Maria DeLeon – violin
Joel Derouin – violin
Danja – drums, keyboard, piano
Hilario Duran – piano
Amen Garabedian – violin
Gerado Hilera – violin
Sharon Jackson – violin
Dean Jarvis – bass guitar
Juanes – acoustic guitar, electric guitar
Suzie Katayama – cello
Peter Kent – violin
Greg Kurstin – keyboard
Jamie Muhoberac – keyboard
Rick Nowels – guitar, keyboard, piano
Blake O – guitar
Luis Orbego – percussion
Stever Richards – cello
Kevin Rudolph – guitar
David Schommer – percussion
Ramón Stagnaro – acoustic guitar, electric guitar
Nisan Stewart – drums
Daniel Stone – percussion
Taku Hirano – percussion
Timbaland – bass guitar, drums, keyboard, percussion
Josefina Vergara – violin
Dan Warner – guitar
Joey Waronker – drums


Label: Geffen Records


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Dance Pop, Hip Hop


Trackliste:

1. Afraid (3:35)
2. Maneater (4:25)
3. Promiscuous (4:02)
4. Glow (4:03)
5. Showtime (4:16)
6. No Hay Igual (3:36)
7. Te Busque (3:38)
8. Say It Right (3:43)
9. Do It (3:42)
10. In God's Hands (4:54)
11. Wait For You (5:11)
12. Somebody To Love (4:57)
13. All Good Things (Come To An End) (5:11)

Gesamtspieldauer: 55:13




Wenn man viele Jahre Musik hört und auch sammelt, dann kann man es gar nicht umgehen, dass sich auch CD’s und Platten bei einem einfinden, vollgefüllt mit Musik, die im Grunde genommen gar nicht dem eigenen Beuteschema, sprich dem eigenen Geschmack entsprechen. Ein solches Beispiel wäre in meinem Fall „Loose“ von Nelly Furtado, das dritte Studio-Album der kanadischen Sängerin mit portugiesischen Wurzeln aus dem Jahr 2006. Doch auch hier gibt es durchaus etwas zu entdecken.

Wenn man die Platte so durchhört, dann bekommt man schon einen gewissen Stil-Mix auf die Ohren, der zwar häufig in die Richtung „Dance“ geht, manches mal allerdings Hip Hop Einflüsse in sich trägt, dann wieder orientalische Wurzeln offenbart, ein anderes Mal portugiesisch angehaucht ist, spanische Akzente enthält und schließlich wiederum reine Pop-Musik für den Hörer bereithält. So einen breiten Fächer an Stimmungen, Rhythmen und Eindrücken muss man natürlich mögen können.

Gut, Freunde des „Dance-Pop“ kommen hier durchaus auf ihre Kosten. Tanzbar ist auf „Lose“ sehr Vieles, wenn nicht sogar das Meiste. Eingängig sind die Stücke dabei durchaus auch, wenn es auch nicht die Musik ist, die einen aus dem Sessel haut beziehungsweise über viele Jahre nachhalt. Obwohl einen Titel gibt es da doch, aber der hört sich weniger nach Rap oder portugiesischer Folklore an, ist eher englischer Folk-Pop und wohl auch eines der bekanntesten Lieder der Sängerin. „All Good Things (Come To An End)“. Dieses Lied ist nun wahrlich mit einer tollen Melodie ausgestattet, eingängig und kurz und knapp mit dem Adjektiv „schön“ zu umschreiben. Ein Titel mit dem absoluten Wiedererkennungswert.

„Maneater“, Lied Nummer 2 auf der Platte, ist ein Dance-Pop-Stück. Beginnt auch irgendwie etwas seltsam mit vielen „Oh’s“ aus dem Off, verfügt allerdings ebenfalls über einen sehr eingängigen Refrain, der das Ganze durchaus hörenswert werden lässt. Das Video zu dem Song brachte Nelly Furtado allerdings auch einigen Ärger ein, denn ihr wurde nachgesagt, dass sie nun versuchen würde mit Sex Kohle zu machen, da sie hier, entgegen früheren Haltungen, sich nun sehr lasziv vor der Kamera präsentierte. „Glow“, ebenfalls ein Dance-Titel, wirkt nach mehrmaligem Hören auch immer vertrauter. „Te Busque” ist dagegen eine getragene Pop-Nummer, die schließlich im Refrain sehr folkloristisch klingt, was nicht nur an der Sprache liegt. „Say It Right“ war ein weiterer Hit des Albums. Dance, mit viel Rhythmus, trotzdem irgendwie getragen. Noch ein wenig besser gelungen ist „In God Hands“, eine sentimentale Ballade, nichts für jeden Tag, trotzdem ganz nett und man muss nicht fluchtartig den Raum verlassen. Das passiert, zumindest mir, allerdings bei so Titeln „Promiscuous”, „Showtime” oder bei dem unfassbar nervigen „No Hay Igual“, einem portugiesischen-spanischen Rap – aber natürlich wie immer: Geschmackssache.

Fazit: Im Grunde genommen überhaupt nicht mein Ding, trotzdem finde ich vor allem den letzten Titel wirklich schön. Vieles vom Rest können sich die Tänzer in vielen Discos reinziehen, denn über Rhythmus, zu dem man bestens die Hüften schwingen kann, verfügt das Album reichlich. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Maneater, In God's Hands, All Good Things (Come To An End)



Montag, 10. März 2014

Scorpions – Virgin Killer




Scorpions – Virgin Killer


Besetzung:

Klaus Meine – lead vocals
Ulrich Roth – lead guitar, backing vocals, lead vocals on "Hell-Cat" and "Polar Nights"
Rudolf Schenker – rhythm guitar, backing vocals
Francis Buchholz – bass, backing vocals
Rudy Lenners – drums, percussion


Gastmusiker:

Achim Kirschning – synthesizer, keyboards


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Pictured Life (3:25)
2. Catch Your Train (3:38)
3. In Your Park (3:46)
4. Backstage Queen (3:14)
5. Virgin Killer (3:45)
6. Hell Cat (2:58)
7. Crying Days (4:41)
8. Polar Nights (5:08)
9. Yellow Raven (5:02)

Gesamtspieldauer: 35:37




Man muss sie mögen, die Stimme des Klaus Meine, sonst hat man so allgemein seine Schwierigkeiten mit der Musik der Scorpions. Diese ist auf ihrem vierten Album „Virgin Killer“ aus dem Jahre 1976 Hard Rock pur, zumindest überwiegend, denn auch Balladen würzen diese Mischung. Überzeugend ist das allerdings meist keineswegs. Wenn man da solch Titel hört wie den Namensgeber des Albums „Virgin Killer“, dann klingt das eher nach Geschrammel mit unglaublich viel Gekreische, denn nach gut gemachtem Rock. Eine Nummer später haben die Jungs aus Hannover dann sogar den Hip Hop erfunden, denn ein wenig geht die Musik bei „Hell Cat“ schon in diese Richtung. Hier singt nun auch mal ausnahmsweise, wie übrigens auch bei „Polar Nights“, nicht Klaus Meine sondern Uli Roth. Der Titel bleibt aber auch so unfassbar schlecht.

Zugegebenermaßen waren dies allerdings die ganz starken Ausbrüche nach unten. Der Rest ist zumindest handwerklich gut gemachter Rock, der mal mehr, mal deutlich weniger überzeugen kann. Richtig gut wird es im Grunde genommen nur bei zwei Titeln, nämlich bei zwei Balladen. Erstere ist „In Your Park“. Ein Lied, welches zunächst mit der E-Gitarre losbricht, dann aber sehr getragen wird. Schöne Melodie, die auch längerfristig haftenbleibt. Und schließlich gibt es da noch den letzten Titel „Yellow Raven“. Auch mit einer tollen Melodie versehen, transportiert die Nummer Sehnsucht und Melancholie, die in einem den Blues aufkommen lässt.

Nun, der Rest der Platte ist dann meist Musik der etwas härteren Sorte. Hard Rock ist im Grunde genommen eine feine Sache, aber der muss einen auch packen können, überzeugen und mitreißen, das schaffen die Scorpions allerdings immer wieder nur passagenweise, jedoch nicht durchgängig.

Fazit: Was ist es nur, dass zumindest mich diese doch so erfolgreiche Band, die Musik im Rahmen meiner Einflugschneise produziert, einfach nicht packen kann? Die Stimme nervt, ist aber auch nicht durchgängig der Fall. Es ist sehr viel eher das Songmaterial, das die Band hier präsentiert, welches einfach nicht richtig zündet. Klar, ab und an ganz gut gemachter Rock, jedoch kommt dieser irgendwie nicht aus dieser 08/15-Schiene heraus. Zwei schöne Titel, zwei absolute Katastrophen, der Rest manchmal noch ganz okay. Alles in allem nicht sehr überzeugend. Noch kurz was zum Album-Cover: Viel peinlicher geht es nicht mehr, wenn man sich dieses Gehabe darauf ansieht. Wird ihnen sicher heute auch peinlich sein. Nun, peinlicher geht es vielleicht nicht, aber noch deutlich schlimmer. Die erste Cover-Version war mit einem etwa 11 bis 12-jährigen Mädchen versehen. Splitterfasernackt, sich vor der Kamera räkelnd. Am Ort ihrer Scheide wurde ein Fensterglas-Sprung gesetzt, der diese Stelle minimal verdeckte. Heute sitzen einige Männer für solche Photos zu recht hinter schwedischen Gardinen. Auch wenn das viele anderes sehen, das ist kein gutes Album – okay, zumindest nicht für mich. Fünf Punkte.

Anspieltipps: In Your Park, Yellow Raven



Sonntag, 9. März 2014

Shoulders – Trashman Shoes




Shoulders – Trashman Shoes


Besetzung:

Michael Slattery – vocals, parade drum, piano, harmonica, midget accordion
Todd Kassens – guitars, background vocals
Alan Gene Williams – drums, percussion, background vocals
Chris Black – bass, contrabass, piano, hammond organ


Gastmusiker:

David Max Crawford – trombone, trumpet, flügelhorn, accordion, harmonium
John Hagen – cello
Kris McKay – background vocals
Mark Rubin – tuba
Mark Williams – baritone sax, tenor sax
J.D. Foster – background vocals, keys


Label: Musidisc Records


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Drunken Carnival Music


Trackliste:

1. Charm (3:41)
2. On Sunday (3:57)
3. Trashman Shoes (5:47)
4. Beckoning Bells (4:08)
5. The Weatherman (3:16)
6. I'll Take What's Left (4:21)
7. Lula's Bar And Pool (2:54)
8. Uncle Achin (3:11)
9. Whole Way To The Halfway House (3:03)
10. Land Of The Great Destroyer (4:53)
11. All The Nights To Come (3:47)
12. Fare Thee Well (2:52)

Gesamtspieldauer: 45:50




Musikgenre: „Drunken Carnival Music“? Tolle Umschreibung für die Musik, die die Shoulders da Anfang der 90er Jahre auf insgesamt zwei Alben produzierten, die zeitlich sehr nahe hintereinander veröffentlicht wurden. Die amerikanische Band aus Austin, Texas hatte damit allerdings nur sehr wenig Erfolg in ihrem Heimatland, den USA, besser lief es da schon in Europa und vor allen Dingen in Frankreich. Zurück zum Genre-Titel „Drunken Carnival Music“, denn der passt irgendwie, wenn er auch viel zu kurz greift. Auf „Trashman Shoes“ gibt es Rock Musik der härteren Art zu hören, dann wieder ganz sanfte Balladen, aber auch Titel, die an Trinklieder erinnern, Seemannslieder und auch Ska-Einflüsse.

Allein diese Bandbreite an verschiedenen Stilen zeigt schon wie abwechslungsreich die Musik der Shoulders auf diesem Album ist. Und dieses ganze Sammelsurium verschiedenster Musik-Genres wirkt dabei in keinster Weise aufgesetzt, unpassend oder gewöhnungsbedürftig. Alles scheint auf seine Art und Weise genau so zusammenzupassen und ergibt schließlich ein sehr spannendes Album, welches den Hörer immer wieder zu überraschen weiß. Man kann sich beim Hören zwar nie so ganz sicher sein und wird immer wieder aus speziellen Stimmungen herausgerissen, aber trotzdem scheint das alles in sich stimmig zu sein und muss sich sogar genau so zusammensetzen. Dazu gesellt sich noch der leicht rauchige Gesang des Michael Slattery, der sich auch zusammen mit Todd Kassens für die Kompositionen verantwortlich zeigt und fertig ist die Musik, die Eindruck hinterlässt.

Fazit: Wer mal etwas andere Musik hören möchte, der ist hier genau richtig. Die einzelnen Lieder sind nicht „abgefahren“, jedoch etwas Besonders. Und sie hinterlassen Spuren, was nicht bei jedem Album gelingt. Dabei ist alles immer überaus melodisch, irgendwie seltsam, interessant und beeindruckend. Rock wird hier gespielt, mal schneller, mal langsamer dazu gibt es jede Menge andere Einflüsse. Für Hörer, die auf das etwas Andere, Außergewöhnliche stehen ohne, dass die Musik dabei zu weit von der Norm abweichen würde. Aber ein bisschen eben schon. Elf Punkte.

Anspieltipps: On Sunday, Trashman Shoes, I'll Take What's Left



Samstag, 8. März 2014

The Beatles – Revolver




The Beatles – Revolver


Besetzung:

John Lennon – lead, acoustic and rhythm guitars, lead, harmony and backing vocals, piano, hammond organ and harmonium, tape loops and sound effects, cowbell, tambourine, maracas, handclaps, finger snaps
Paul McCartney – lead, acoustic and bass guitars, lead, harmony and backing vocals, piano, clavichord, tape loops, sound effects, handclaps, finger snaps
George Harrison – lead, acoustic and rhythm guitars, bass, lead, harmony and backing vocals, sitar, tamboura, sound effects, maracas, tambourine, handclaps, finger snaps
Ringo Starr – drums, tambourine, maracas, handclaps, finger snaps, lead vocals on "Yellow Submarine"


Gastmusiker:

Anil Bhagwat – tabla on "Love You To"
Alan Civil – french horn on "For No One"
Brian Jones – background vocals on "Yellow Submarine"
Donovan – background vocals on "Yellow Submarine"
Geoff Emerick –tape loops of the marching band on "Yellow Submarine"
George Martin –piano on "Good Day Sunshine" and "Tomorrow Never Knows"; hammond organ on "Got to Get You Into My Life"; tape-loops of the marching band on "Yellow Submarine"
Mal Evans – bass drum and background vocals on "Yellow Submarine"
Marianne Faithfull – background vocals on "Yellow Submarine"
Neil Aspinall – background vocals on "Yellow Submarine"
Pattie Boyd – background vocals on "Yellow Submarine"
Tony Gilbert – violin
Sidney Sax – violin
John Sharpe – violin
Jürgen Hess – violin
Stephen Shingles – viola
John Underwood – viola
Derek Simpson – cello
Norman Jones – cello
Eddie Thornton – trumpet
Ian Hamer – trumpet
Les Condon – trumpet
Peter Coe – tenor saxophone
Alan Branscombe – tenor saxophone


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 1966


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Taxman (2:39)
2. Eleanor Rigby (2:08)
3. I'm Only Sleeping (3:02)
4. Love You To (3:01)
5. Here, There And Everywhere (2:26)
6. Yellow Submarine (2:40)
7. She Said She Said (2:37)
8. Good Day Sunshine (2:10)
9. And Your Bird Can Sing (2:02)
10. For No One (2:02)
11. Doctor Robert (2:15)
12. I Want To Tell You (2:30)
13. Got To Get You Into My Life (2:31)
14. Tomorrow Never Knows (2:57)

Gesamtspieldauer: 34:59




Einiges ist an diesem siebten Album der Beatles ist bemerkenswert. Zum einen ist es das erste Album, welches im Veröffentlichungsjahr nicht noch von einem Zweiten begleitet wurde, da die Beatles seit 1963 jedes Jahr zwei Studio-Alben veröffentlichten. Dies wiederum ist wohl darin begründet, dass die Kompositionen immer ausgefeilter wurden und die Beatles sich sehr mit der Umsetzung des Sounds beschäftigten und auch wesentlich mehr Zeit dafür investierten. Es gibt nun nicht nur wie bei „Eleanor Rigby“ gleich ein ganzes Orchester zu hören, Bläser haben ihren Einsatz, es werden rückwärts laufende Tonbänder verwendet und die Sitar des George Harrison wurde nun noch ein wesentlich größerer Spielraum eingeräumt. Zudem ist George Harrison auf der Platte sogar mit drei Kompositionen vertreten.

Angeblich bezeichnete John Lennon den Vorgänger „Rubber Soul“ als Pot-Album, bei dem die vier Musiker ordentlich einen geraucht hatten. „Revolver“ sei dagegen das „Acid-Album“, die Band hatte angefangen mit LSD zu experimentieren. Und wenn man sich die Platte so durchhört, dann wird der Weg der Band hin zum Psychedelic Rock offensichtlich, beziehungsweise besser ausgedrückt: unüberhörbar. Stellvertretend hierfür stehen die Titel „Love To You“ und „Tomorrow Never Knows“, zwei Lieder, bei denen man bewusstseinserweiternde Drogen fast heraushören kann.

Dann gibt es natürlich auch noch jede Menge Klassiker aus dem Song-Katalog der Beatles. Das bereits erwähnte „Eleanor Rigby“ ist ein wunderschönes und intensives Lied, nur mit Streichinstrumenten und Gesang versehen, dessen einziges Manko es ist, einfach zu kurz zu sein. Auch der nachfolgende Titel „I'm Only Sleeping” springt einem sofort ins Ohr. Sehr melodiös und eingängig, genau wie „For No One”, ausgestattet mit einer Melodie zum dahinschmelzen. Auch bei diesen beiden Nummern wird die sehr viel abwechslungsreichere Instrumentierung offenbar, hier gibt es nicht mehr nur Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang zu hören, sondern auch verzerrte Geräusche oder wie bei letztgenannten Titel einen sehr schönen Horn-Melodiebogen, der den Titel noch ein wenig wärmer werden lässt.

Dass die Beatles auch rockiger klingen können beweisen die mit „Doctor Robert“. Hier kommen nun wieder die Standardinstrumente des Rock zum Einsatz, man wird zum Mitwippen animiert, wobei der Rhythmus erneut in eine klasse Melodie eingebettet wurde. Ebenfalls sehr überzeugend klingt „Good Day Sunshine”, bei dem dieses Mal dem Piano eine große Rolle zufällt. Ringo Starr vollführt dieses Mal die Rolle des Sängers bei „Yellow Submarine“, einem Titel, dem ebenfalls eine gewisse Drogennähe durch versteckte Botschaften zugeschrieben wurde, was die Band allerdings verneinte. Für Paul McCartney war dies eher ein „Kinderlied“. Irgendwie klingt es zugegebenermaßen auch genau so.

Fazit: „Revolver“ ist ein sehr spannendes und abwechslungsreiches Album geworden, die Beatles sprühten nur so vor Ideen und Experimentierfreude. Wunderschöne Melodien gibt es hier zu entdecken und Psychedelic Rock, der für die damalige Zeit noch revolutionär war. Nicht weiter verwunderlich, dass die Beatles mit ihrer Musik so viele andere Bands inspirierten, denn mit „Revolver“ beschritten sie ganz neue und spannende Wege, eröffneten ein neues Kapitel in der Geschichte der Musik. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Eleanor Rigby, For No One, Tomorrow Never Knows



Freitag, 7. März 2014

Damien Jurado – Ghost Of David




Damien Jurado – Ghost Of David


Besetzung:

Damien Jurado – keyboard, reel to reel, piano and snare, vocals


Gastmusiker:

Amy E. Rockwell – vocals on “Rosewood Casket”
Rosanne Thomas – vocals on “Parking Lot”
Matthew Johnson – drums on “Paxil”
David Bazan – piano and drums on”Tonight I Will Retire”
Rose Wheeler – piano in “Rosewood Casket”


Label: Sub Pop Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Indie Folk


Trackliste:

1. Medication (4:33)
2. Desert (2:57)
3. Johnny Go Riding (3:42)
4. Great Today (2:57)
5. Tonight I Will Retire (5:09)
6. Ghost Of David (2:34)
7. Parking Lot (4:00)
8. Rearview (2:05)
9. Paxil (2:16)
10. Walk With Me (3:16)
11. December (4:19)
12. Rosewood Casket (2:57)
13. Ghost In The Snow (3:07)

Gesamtspieldauer: 43:52




„Ghost Of David“ heißt das dritte Album des Damien Jurado aus Seattle, USA, welches im Jahr 2000 erschien. Sehr ruhige Musik gibt es auf der Scheibe zu hören. Im Grunde genommen noch nicht mal sehr ruhige, sondern sogar absolut ruhige Musik. Meist sind die Lieder nur sehr zurückhaltend instrumentiert, mal begleitet das Piano, dann wieder die akustische Gitarre diesen ganz sanften und weichen Gesang des Damien Jurado. Die Perkussion hält sich größtenteils auch sehr zurück und wird größtenteils nur ganz leise angedeutet.

Die Musik auf „Ghost Of David“ kann man durchaus mit melodiös und harmonisch und auch eingängig umschreiben, aber fast eine dreiviertel Stunde mit manchmal wirklich bloß „Gesäusel“ können mitunter verdammt lang werden. Dabei fällt auf, dass dem Musiker der Beginn des Albums deutlich besser gelungen ist, als das Ende. Oder liegt das vielleicht daran, dass einem diese sanften Lieder mit der Zeit immer mehr auf den Senkel gehen? Nein wohl nicht, zu Beginn des Albums befinden sich eindeutig die besseren Stücke.

Da wäre gleich der Opener „Medication“ zu nennen. Sehr ruhig – aber das hatten wir schon – und wenn dann dieses kleine Xylophon einsetzt, dann verbreitet das schon eine gewisse Atmosphäre. Ebenfalls sehr gelungen ist Titel Nummer 4 „Great Today“, auch oder gerade weil er mit einem wahrnehmbaren Rhythmus ausgestattet wurde. Dazu verfügt dieses Lied über eine Melodie, die auch längerfristig hängenbleibt. Ein richtig schönes Lied. Nun, das wäre es aber im Grunde genommen eigentlich auch schon gewesen. Zwar sind die restlichen Titel ebenfalls eingängig, allerdings jedoch auch überaus langweilig. Eine Geschwindigkeit, ein langsamer Rhythmus, immer alles getragen und nachdenklich, nein das muss man nicht immer haben. Spätestens ab „Parking Lot“ wird es dann noch ein wenig schlimmer und öder und da hilft es auch nicht, dass sogar mal eine Frauenstimme zu vernehmen ist. Umso überraschender ist da schon, dass der einzige Titel des Albums, der ein wenig lauter und kraftvoller daherkommt, „Paxil“, sogar fast schon den Tiefpunkt der Scheibe darstellt. Hier will jetzt aber so gar nichts mehr zünden. Verzerrter Gesang und Bum-Bum-Tschinderassassa retten da einfach nichts mehr.

Fazit: Eigentlich macht Damien Jurado hier keine schlechte Musik, aber auf die Dauer gehört, ist das eben auch langweilige Musik. Alles klingt so furchtbar gleich, eintönig und monoton, dass man irgendwie hofft, mal wieder etwas Lebendigeres hören zu dürfen. So gibt es zwei ganz nette und überzeugende Titel auf der Platte, mit dem Rest kann man sich durchaus schwer tun. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Medication, Great Today



Donnerstag, 6. März 2014

Jethro Tull – This Was




Jethro Tull – This Was


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, flute, mouth organ, harmonica, claghorn, piano
Mick Abrahams – guitar, nine-string guitar, vocals
Glenn Cornick – bass guitar
Clive Bunker – drums


Gastmusiker:

David Palmer – french horn and orchestral arrangements


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1968


Stil: Blues Rock


Trackliste:

1. My Sunday Feeling (3:44)
2. Some Day The Sun Won't Shine For You (2:50)
3. Beggar's Farm (4:23)
4. Move On Alone (2:01)
5. Serenade To A Cuckoo (6:14)
6. Dharma For One (4:17)
7. It's Breaking Me Up (5:05)
8. Cat's Squirrel (5:44)
9. A Song For Jeffrey (3:25)
10. Round (0:58)

Gesamtspieldauer: 38:41




„This Was“ heißt das erste Album von Jethro Tull. Seltsamerweise, denn damit ging es 1968 nämlich erst los. Und um es gleich vorweg zu nehmen, die Musik auf dieser Platte hat praktisch überhaupt nichts mit der Musik zu tun, für die Jethro Tull und insbesondere Ian Anderson später stehen sollte. Auf „This Was“ gibt es so gut wie keinen Progressive Rock zu hören, sehr oft ist das lupenreiner Blues, den man hier auf die Ohren bekommt. Bestes Beispiel dafür ist das Stück „It's Breaking Me Up”. Oder vielleicht „Some Day The Sun Won't Shine For You” beziehungsweise „A Song For Jeffrey”? Oder sollte man hier lieber das etwas schnelle und instrumentale „Cat's Squirrel“ anführen?

Am ehesten hört man den späteren Sound der Band noch beim Opener „My Sunday Feeling“, „Beggar's Farm” und „Dharma For One” heraus, was allerdings nicht zuletzt am Einsatz der Querflöte liegt, die in Zukunft das Markenzeichen der Band werden sollte. Auch bei „Serenade To A Cuckoo” erhält die Querflöte viel Spielraum eingeräumt, trotzdem ist dies ebenfalls eine Blues-Nummer. Dann gibt es noch das Lied „Move On Alone”, welches sich dadurch auszeichnet, dass es nicht von Ian Anderson gesungen wurde. Eine absolute Ausnahme in der Musik von Jethro Tull. Das Stück ist eher im Pop verhaftet und klingt immerhin noch ganz interessant. Bliebe als Abschluss die kurze Piano-Blues-Nummer „Round“. Auch wenn das Stück eine ganz interessante Melodieführung – wieder aufgrund der einsetzenden Querflöte – aufweist, ist es jedoch nicht mehr als ein kurzer Abgesang des Albums.

Fazit: Ian Anderson war noch nicht der alleinige Chef bei Jethro Tull. Diesen Part musste er sich mit Mick Abrahams teilen, der aus seiner Vorliebe für Blues auch keinen Hehl machte und nach dieser Veröffentlichung die Band verließ, um sich noch mehr „seiner” Stilrichtung widmen zu können. Man ist fast geneigt anzumerken: „glücklicherweise“. Auch wenn es deutlich schlechtere Blues-Platten gibt, so stellt diese Scheibe hier nichts Besonderes dar. Eher sogar im Gegenteil, ein wenig langweilig klingt das schon. Highlights sind die Querflötenpassagen und der Titel „Beggar’s Farm“. Das war es dann allerdings leider auch schon. Schade, fünf Punkte.

Anspieltipps: Beggar's Farm, Move On Alone, Dharma For One



Mittwoch, 5. März 2014

Roger Waters – The Pros And Cons Of Hitch Hiking




Roger Waters – The Pros And Cons Of Hitch Hiking


Besetzung:

Roger Waters – bass guitar, rhythm guitar, tape effects, lead vocals


Gastmusiker:

Eric Clapton – lead guitar, backing vocals, roland guitar synthesizer
Ray Cooper – percussion
Andy Newmark – drums, percussion
David Sanborn – saxophone
Michael Kamen – piano
Andy Bown – hammond organ, 12-string guitar
Madeline Bell – backing vocals
Katie Kissoon – backing vocals
Doreen Chanter – backing vocals
The National Philharmonic Orchestra – orchestration


Label: Columbia


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Blues-Rock, Art Pop


Trackliste:

1. 4:30AM (Apparently They Were Travelling Abroad) (3:12)
2. 4:33AM (Running Shoes) (4:08)
3. 4:37AM (Arabs With Knives And West German Skies) (2:17)
4. 4:39AM (For The First Time Today, Part 2) (2:03)
5. 4:41AM (Sexual Revolution) (4:49)
6. 4:47AM (The Remains Of Our Love) (3:10)
7. 4:50AM (Go Fishing) (7:00)
8. 4:56AM (For The First Time Today, Part 1) (1:38)
9. 4:58AM (Dunroamin, Duncarin, Dunlivin) (3:04)
10. 5:01am (The Pros And Cons Of Hitch Hiking Hiking) (4:37)
11. 5:06AM (Every Strangers Eyes) (4:49)
12. 5:11AM (The Moment Of Clarity) (1:29)

Gesamtspieldauer: 42:14




„The Pros And Cons Of Hitch Hiking” ist das erste „wahre” Solo-Album des Roger Waters, da es sich bei dem 1970 entstanden Album „Music From The Body“ um eine Gemeinschaftsproduktion mit Ron Geesin handelte. Musikalisch ist die Platte dabei eine irgendwie geartete Mischung aus „The Wall“ und „The Final Cut“ von Pink Floyd, was durch die zeitliche Nähe dieser Veröffentlichungen gar nicht mal so überraschend erscheint. Roger Waters hatte geistig mit seiner Band abgeschlossen, wenn er diese auch erst ein Jahr nach „The Pros And Cons Of Hitch Hiking”, im Jahr 1985 offiziell für aufgelöst erklärte. Das dem dann doch nicht so war ist eine andere Geschichte.

„The Pros And Cons Of Hitch Hiking” ist ein Beißer. Die Musik ist zwar ähnlich den beiden letzten Pink Floyd Platten mit ihm als Bassisten und Komponisten, allerdings längst nicht so eingängig. Dazu muss man sagen, dass man hier der Musik eine gewisse Reifezeit einräumen muss. Als ich die Scheibe wenige Jahre nach dem Erscheinen gekauft habe war das irgendwie ernüchternd. Die Melodien wollten einfach nicht so ins Ohr gehen, zündeten nicht. Dieser aufgesetzte, anklagende oder aber verzweifelte Gesang nervte irgendwie, Eric Clapton machte seine Sache zwar gut, aber überzeugender wurde die Scheibe dadurch auch irgendwie nicht.

Ab und an erneut eingelegt, entdeckt man schließlich nicht immer nur mehr Parallelen zu den bereits erwähnten Pink Floyd Alben, sondern es finden sich auch deutlich mehr eingängige Stellen, die dann doch ein wenig mehr zu überzeugen wissen. Wahrscheinlich müssen sich erst irgendwelche Verknüpfungen im Gehirn bilden, die den Hörer offener werden lassen. Trotzdem bleibt das fade Gefühl, dass es sich bei „The Pros And Cons Of Hitch Hiking” um eine Art Restverwertung handelt. Alles was schon da war und sich nicht den Weg auf ein Pink Floyd Album gebahnt hatte, das wurde hier reaktiviert. Lediglich die Texte wurden adaptiert und diese sind – wie immer bei Roger Waters – durchaus geistreich und hörenswert.

Fazit: „The Pros And Cons Of Hitch Hiking” ist das am wenigsten überzeugende Solo-Album Roger Waters’. Irgendwie scheint man alles schon mal gehört zu haben, jedoch wesentlich überzeugender, eingängiger, melodiöser. Wem die letzte Phase Pink Floyds mit Roger Waters gefallen hat, dem könnte auch diese Scheibe gefallen, allerdings erst nach einigen bis vielen Durchläufen und einer gewissen Reifezeit. Acht Punkte.

Anspieltipps: 4:41AM (Sexual Revolution), 4:47AM (The Remains Of Our Love), 4:50AM (Go Fishing)




Dienstag, 4. März 2014

Peter Frampton – Frampton Comes Alive




Peter Frampton – Frampton Comes Alive


Besetzung:

Peter Frampton – guitars, vocals and talkbox in "Do You Feel Like We Do" and "Show Me The Way"
Bob Mayo – guitars, vocals, fender rhodes piano, organ and grand piano
Stanley Sheldon – bass guitar and vocals
John Siomos – drums


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Rock, Blues-Rock


Trackliste:

1. Something's Happening (5:40)
2. Show Me The Way (4:32)
3. Wind Of Change (2:45)
4. Baby, I Love Your Way (4:48)
5. I Wanna Go To The Sun (7:05)
6. Lines On My Face (6:57)
7. Do You Feel Like We Do (13:43)
8. (I'll Give You) Money (5:38)
9. Shine On (3:35)
10. Jumping Jack Flash (7:42)

Gesamtspieldauer: 1:02:24




Es gibt definitiv Platten beziehungsweise CD’s, die lohnen die Anschaffung wegen eines einzelnen sich darauf befindlichen Titels. „Peter Frampton Comes Alive“ ist solch eine Scheibe, die mit „Do You Feel Like We Do” einen Live-Titel in der Fassung von fast vierzehn Minuten für den Hörer bereithält, die einfach umwerfend ist. Dabei ist es nicht nur die Idee mit der Talkbox und der damit verbundenen Einbeziehung des Publikums in das Lied, es ist die ganze Stimmung, die in diesem Titel steckt, vom Orgelhintergrund bis hin zum Gitarren-Solo. Klasse gemacht, ein Meilenstein in der Geschichte der Live-Musik.

Nun und wer auch auf handwerklich gut gemachten Rock steht, der wird hier noch wesentlich mehr für sich finden und auch deshalb kann sich der Erwerb der Platte lohnen. Diesen speziellen Groove findet man immer wieder in den Titeln, auch wenn die Melodien nicht ganz so häufig überzeugen können. Dies ist allerdings wohl auch nicht der Ansatz des Peter Frampton, der rocken will und das zieht er auch mit der nötigen Konsequenz über viele Titel auf dem Album durch. Mit nur wenigen Ausnahmen wie „Wind Of Change”, „Baby, I Love Your Way“ und „Lines On My Face” wird der Takt doch relativ hoch gehalten. Zwar ist dies dann kein Hard Rock, doch zumindest gut gemachter Rock’n’Roll beziehungsweise Blues-Rock der etwas schnelleren Sorte.

Fazit: Okay, das Überlied des Albums ist mit Sicherheit „Do You Feel Like We Do”. Dafür lohnt sich die Scheibe auf jeden Fall. Der ganze „Rest“ fällt da irgendwie gar nicht mehr so richtig ins Gewicht, was Freunde des Blues-Rocks wohl definitiv anders sehen werden. Aber diese ausgedehnten Passagen, in denen die Spielfreude der vier Musiker so offensichtlich wird, die kann man bei diesem Titel am besten heraushören. Da passt einfach alles. Mit 25 Jahren spielte der Ex-Humble Pie Gitarrist diese Scheibe 1975 ein. Kaum zu glauben, dass er zu diesem Zeitpunkt schon vier Jahre wieder auf Solo-Pfaden war. Sicherlich ein begnadeter Gitarrist, der sich mit dem jetzt schon des Öfteren erwähnten Song ein Denkmal setzte. Neun Punkte.

Anspieltipps: Do You Feel Like We Do



Montag, 3. März 2014

The Beatles – Rubber Soul




The Beatles – Rubber Soul


Besetzung:

John Lennon – lead, harmony and backing vocals, rhythm and acoustic guitars, electric piano
Paul McCartney – lead, harmony and backing vocals, lead, acoustic and bass guitars, piano
George Harrison – lead, harmony and backing vocals, lead, rhythm, acoustic and bass guitars, sitar on "Norwegian Wood"
Ringo Starr – drums, tambourine, maracas, cowbell, bells, cymbals, Hammond organ on "I'm Looking Through You", lead vocals on "What Goes On"


Gastmusiker:

George Martin – piano on "In My Life", harmonium on "The Word"
Mal Evans – hammond organ on "You Won't See Me"


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 1965


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Drive My Car (2:30)
2. Norwegian Wood (This Bird Has Flown) (2:05)
3. You Won't See Me (3:23)
4. Nowhere Man (2:44)
5. Think For Yourself (2:19)
6. The Word (2:44)
7. Michelle (2:42)
8. What Goes On (2:51)
9. Girl (2:34)
10. I'm Looking Through You (2:28)
11. In My Life (2:28)
12. Wait (2:17)
13. If I Needed Someone (2:24)
14. Run For Your Life (2:19)

Gesamtspieldauer: 35:48




Nach dem sehr überzeugenden Album „Help!“ veröffentlichten die Beatles noch im selben Jahr eine weitere Platte, die ebenfalls wieder einige Klassiker im Songkatalog der Band für den Hörer bereithält. Der Aufstieg war nun noch deutlicher vorgegeben und die Beatles hatten den Weg vom einfachen 60ies Pop der ersten vier Alben verlassen und sprühten nun nur so vor Kreativität. Die einzelnen Titel, wenn auch nur mit sehr kurzer Spieldauer, waren jetzt sehr viel aufwendiger arrangiert und ihnen wohnte oftmals dieses Besondere inne, welches interessante und gute Musik von durchschnittlicher unterscheidet.

Klar liegt das in erster Linie auch mit am Gespür der Band für die eingängige Melodie, die sich sofort im Ohr der Hörerin oder des Hörers festzusetzen weiß. „Norwegian Wood (This Bird Has Flown)” ist dafür so ein Beispiel. Unglaublicher Wiedererkennungswert und ausgestattet mit einer Melodieführung, die alles beinhaltet, um sich zum Ohrwurm zu entwickeln. Und auch anders, als alles, was es bisher so an Pop-Songs gab. Das wiederum lag sicherlich nicht zuletzt an George Harrison, der hier zum ersten Mal in der Geschichte der populären Musik eine Sitar einsetzte, die dem Lied diesen so anderen und fremdartigen Touch verleiht. Und an diesem Stück kann man zudem noch etwas anderes feststellen, denn auch die Texte hatten sich weiterentwickelt. Zwar gibt es auf „Rubber Soul“ immer noch jede Menge Liebesbotschaften, im Falle von „Norwegian Wood“ sind diese aber immerhin schon mal sehr witzig verpackt worden und erzählen eher eine Geschichte, als eine Aussage à la „Ich liebe Dich und vermisse Dich so!“ zu treffen.

Weitere Höhepunkt des Albums sind das groovende „Drive My Car“, das erneut, vor allem im Refrain sehr eingängige „Nowhere Man“ und natürlich das lieblich getragene „Michelle“, welches teilweise Englisch, teilweise in Französischer Sprache vorgetragen wird. Nicht vergessen werden darf in dieser Aufzählung auch der Titel „Girl“, neben „Norwegian Wood“ vielleicht das schönste Lied der Platte. Ebenfalls also ein absolut zeitloser Song mit wunderschöner Melodie und auch durch das Geräusch des Lufteinziehens keineswegs alltäglich.

Auffällig ist bei dieser Platte jedoch einmal mehr, dass Ringo Starr anscheinend immer die Titel zu singen hat, die irgendwie am wenigsten wirken. Hier hat er seinen Auftritt bei „What Goes On“, eine Nummer irgendwo in der Mitte zwischen Rock’n’Roll und Country und das am wenigsten überzeugende Lied der gesamten Platte.

Fazit: Auch auf “Rubber Soul” haben die Beatles wieder Klassiker und Meilensteine der Geschichte der Pop-Musik hinterlassen. Auch wenn es zur damaligen Zeit schon revolutionär war, wie die Band mit ihrem Sound die Musik-Kultur veränderte, so ist es nicht weniger beeindruckend, wie es diese Musiker aus Liverpool schafften, in solch kurzen Zeiträumen, eine solche Anzahl von erstklassigen Pop-Songs zu schreiben. Nun und das Ende der Beatles war ja zumindest 1965 noch längst nicht abzusehen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Norwegian Wood (This Bird Has Flown), Girl, Run For Your Life