Donnerstag, 16. Juni 2016

Rialto – Night On Earth




Rialto – Night On Earth


Besetzung:


Pete Cuthbert – drums
Louis Eliot – guitar, vocals
Fergus Gerrand – percussion
Toby Hounsham – keyboards
Julian Taylor – bass, background vocals


Label: Eagle Records


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Brit Pop


Trackliste:

1. London Crawling (4:43)
2. Anything Could Happen (4:14)
3. Anyone Out There (3:22)
4. Catherine's Wheel (5:21)
5. Idiot Twin (4:17)
6. Shatterproof (4:39)
7. Brilliant Fake (3:21)
8. Three Ring Circus (4:23)
9. Drive (4:12)
10. Deep Space (4:43)
11. Underneath A Distant Moon (3:14)

Gesamtspieldauer: 46:35




Rialto war eine englische Brit Pop Band, die 1998 und 2001 insgesamt zwei Alben veröffentlichte. „Night On Earth“ ist die zweite Rialto-Platte und erschien bei Eagle Records. Für die Musik bei Rialto zeigt sich Sänger und Gitarrist Louis Eliot verantwortlich, der alle elf, auf dem Album befindlichen Titel schrieb. Zu hören gibt es auf „Night On Earth“ größtenteils sehr eingängigen und massentauglichen Brit Pop, der allerdings ohne großartige Höhepunkte auskommt.

Die Musik von Rialto auf „Night On Earth“ ist durchaus eingängig und geht ins Ohr. Absolut radiotauglich, so eine Art Schönwetter-Musik, die man wohl am besten im offenen Cabrio bei Sonnenschein auf einer Fahrt durch tolle Natur hören sollte. Das würde passen, obwohl die Musik der Band auch immer wieder nachdenklich und ein klein wenig melancholisch klingt. Dafür sorgen an den richtigen Stellen auch immer wieder die Streicher, die das Ganze dann etwas süßlich verträumt klingen lassen.

Hier jetzt irgendwelche Titel herauszuheben geht fast nicht, denn die Musik ist durchaus einheitlich melodiös und auch eingängig. Vieles davon ist dem Rock-Freund mit Sicherheit viel zu weich, manches wird ihr oder ihm deutlich zu poppig klingen. Und wenn man ehrlich ist, besonders anspruchsvoll sind die Titel auch nicht, die wohl einfach schnell wirken sollen, jedoch leider nicht besonders lange hängenbleiben. Trotzdem klingt die Musik von Rialto auf „Night On Earth“, allerdings eben nicht besonders „wichtig“.

Fazit: Eingängigen Brit Pop in Reinform bekommen Hörerin beziehungsweise Hörer auf „Night On Earth“ von Rialto geboten. Wer hier etwas Besonderes in der Musik der Engländer sucht, wird sicherlich enttäuscht werden. Rialto sind mit Sicherheit kein zweites Oasis. Wer allerdings gerne Musik nebenbei hört, die auch mal bei einem Gespräch nicht stören darf, die oder der könnte sich mit den elf Titeln von Rialto auf dieser Platte durchaus anfreunden. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Anything Could Happen, Catherine's Wheel



Mittwoch, 15. Juni 2016

Schweisser – Bitte Warten




Schweisser – Bitte Warten


Besetzung:


Tommi Böck – Gesang, Gitarre
Martin „Buffo“ Völker – Gitarre
Sepp Lautenbacher – Bass
Miene Gruber – Saxophon
Gerald „Greulix“ Schrank – Schlagzeug


Gastmusiker:

Marianne Rosenberg – Gesang auf „Zeig Mir Dein Gesicht“
Kyra & Katie Le Roy – Gesang auf „Vermissen“
Nicki Schuster – Gesang auf „Bitte Warten“
Florian Rein – Perkussion


Label: Intercord


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Deutsch Rock


Trackliste:

1. Bitte Warten (3:06)
2. Narrenschiff (3:44)
3. Vermissen (2:55)
4. O.K. Ist Nicht Gut (4:05)
5. Zeig Mir Dein Gesicht (3:34)
6. Hässlich (3:31)
7. Nur Drei Worte (3:56)
8. Alles Nochmal? (3:51)
9. Stern (4:18)
10. Morgen Retten Wir Die Welt (3:49)
11. Spiderman (3:30)
12. Nell Mezzo Del Cammin Di Nostra Vita (4:23)
13. Die Letzte Welt (14:31)

Gesamtspieldauer: 59:20




Die Schweisser sind eine Band aus Utting am Ammersee, die 1988 gegründet wurde und zunächst Musik im Stile der Neuen Deutschen Härte spielte. „Bitte Warten“ heißt ihr fünftes Studio-Album, ein Jahr später löste sich die Band dann auf. Vielleicht liegt der Grund der Bandauflösung darin, dass die Schweisser mit „Bitte Warten“ einen radikalen Stilwechsel eingeläutet hatten, der auch bei den Fans sehr zwiespältig aufgenommen wurde und nicht selten sogar auf große Ablehnung und Enttäuschung stieß. Auf der fünften Scheibe der Band hört man nun nämlich Deutsch Rock, relativ unspektakulären Deutsch Rock, der mal mehr, mal weniger überzeugen kann.

Wie überzeugend ein Lied gerade ist, das liegt im Falle der Schweisser auf „Bitte Warten“ daran, welchen Stil die Musiker für ein Lied ausgewählt haben. Klingt das nach Rock Musik, dann ist das durchaus in Ordnung und lässt sich gut anhören. Schlägt das Pendel jedoch etwas mehr in Richtung Pop aus, wird es deutlich seichter, wie man zum Beispiel beim Titel „Morgen Retten Wir Die Welt“ gut nachvollziehen kann. Zwar weist dieses Lied auch einen rockigeren Teil auf, die poppigen Ausflüge lassen den Titel allerdings sehr leiden, genau wie übrigens der Text.

Nun, insgesamt ist „Bitte Warten“ ein Deutsch-Rock-Mainstream-Album geworden. Wer auf Rockmusik mit deutschen Texten steht, die oder der könnte hier durchaus den ein oder anderen Titel finden, der gefällt. Etwas Spektakuläres oder Außergewöhnliches gibt es auf der Platte allerdings nicht zu hören. Das ist radiotaugliche Musik, die natürlich durchaus auch ihre Daseinsberechtigung hat. Unkompliziert und relativ schnell eingängig klingt das meistens. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Das letzte Lied, „Die Letzte Welt“, ist keine vierzehneinhalb Minuten lang wie angegeben. Stattdessen hört man ab Minute 4 eine monotone „Bitte warten“ Ansage und zum Schluss Bart Simpson, der sich einigermaßen darüber aufregt. Gibt sicher Menschen, die das lustig finden…

Fazit: Die Fans der Band schafften den Stilwechsel nicht, die Musiker anscheinend auch nicht. 2006 wurden die Schweisser von Sänger und Gitarrist Tommi Böck allerdings nochmals neu belebt und veröffentlichten in diesem Jahr auch noch ein neues Album. Inzwischen war die Band nun jedoch zum Trio geschrumpft, Tommi Böck hatte zwei neue Mitstreiter gefunden. „Bitte Warten“ ist eher etwas für den Mainstream-Deutsch-Rock-Fan. Die Neue Deutsche Härte spielt nur noch eine ganz untergeordnete Rolle und taucht nur noch abschnittsweise in wenigen Liedern auf. Keine schlechte Platte, Durchschnitt eben. Acht Punkte.

Anspieltipps: Narrenschiff, Hässlich, Die Letzte Welt



Dienstag, 14. Juni 2016

Tanzwut – Labyrinth Der Sinne




Tanzwut – Labyrinth Der Sinne


Besetzung:

Teufel − vocals
Koll. A. − bagpipes, flute
Castus − backing vocals, violin, bagpipes, flute
Wim − bagpipes, flute
Brandan − guitar, bagpipes
Tec − programming


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Industrial Rock, Neue Deutsche Härte, Mittelalter Rock, Electronic Rock


Trackliste:

1. Tanzwut (3:55)
2. Extase (3:39)
3. Lügner (4:39)
4. Bitte, Bitte (3:12)
5. Labyrinth (4:08)
6. Niemals Ohne Dich (4:18)
7. Die Drohne (3:36)
8. Der Wächter (3:19)
9. Dämmerung (3:34)
10. Was Soll Der Teufel Im Paradies (4:12)
11. Gigolo (3:12)
12. Ikarus (3:58)
13. Götterfunken (5:50)

Gesamtspieldauer: 51:36




„Labyrinth Der Sinne“ nannten die Musiker der Berliner Band Tanzwut ihr zweites Studioalbum, welches im Jahr 2000 auf dem Label EMI erschien. Ein wenig mehr, im Vergleich zum Vorgänger, waren auf diesem die Gitarren in den Vordergrund gerückt worden, sodass die Musik der Band nun sehr viel eher den Genres Industrial Rock oder Neue Deutsche Härte zuzuordnen ist, als dem Genre Mittelalter Rock.

Auch die Texte passen eher zu den zuerst genannten musikalischen Stilen, als zum Thema Mittelalter. Die Musik der Band ist dabei immer dann überzeugend, wenn sie wirklich hart klingt, ohne dabei zu viele elektronische Klänge mit in die Musik einzubeziehen. Dieses Einbeziehen diverser Synthesizer-Klänge passiert allerdings leider immer wieder und lässt die Musik von Tanzwut dann deutlich seichter klingen. Diese, fast schon in die Richtung Synthie Pop gehenden Ausflüge, nerven ein wenig. An die Mittelalter Musik erinnert immer noch der Dudelsack, der auf „Labyrinth Der Sinne“ häufig allerdings nur noch als eine Art Füller oder aber als Hintergrund-Instrument eingesetzt wird.

Trotzdem, wenn die sechs Musiker ordentlich rocken, dann hat die Musik auf „Labyrinth Der Sinne“ durchaus etwas und geht auch immer wieder gut ins Ohr. Die Beats knallen, der Rhythmus ist immer nach vorne gerichtet und viele Gesangspassagen sind auch so ausgelegt, dass man gut Mitgrölen kann. Somit hätte die eine oder andere Nummer durchaus die Chance, in entsprechenden Clubs für volle Tanzflächen zu sorgen.

Fazit: Die zweite Platte von Tanzwut, „Labyrinth Der Sinne“, ist noch ein wenig rockiger geworden, als die erste Veröffentlichung. Die Musik ist durchaus immer wieder eingängig und melodiös und wird dann gut, wenn der Synthie-Pop-Anteil heruntergefahren wird beziehungsweise ganz verschwindet. Der Dudelsack lässt das Mittelalter-Gefühl auch nicht ganz verschwinden und so bleibt eine tanzbare Platte, die hauptsächlich in den musikalischen Genres Industrial Rock und Neuer Deutscher Härte angesiedelt ist. Acht Punkte.

Anspieltipps: Lügner, Niemals Ohne Dich



Montag, 13. Juni 2016

Jamaica Soundsystem – Are You Reggae?




Jamaica Soundsystem – Are You Reggae?


Besetzung:

O.L.F. – lead vocals, backing vocals
Nathalie Dorra – lead vocals, backing vocals
Earl 16 – lead vocals, backing vocals
Jamaica Papa Curvin – lead vocals
Mytic Dan – lead vocals
Jah B – lead vocals
David Dorra – lead vocals
Patti Salas – lead vocals, backing vocals
Toni Brixton – lead vocals, backing vocals
Sascha Pierro – lead vocals
Bryan Sanders – lead vocals
Michael McGraw – backing vocals
Martin Drees – bass
Krisz Kreuzer – bass, guitar
Holger Itzek – guitar
Oliver Schmidt – guitar, flute
Ralf Schwarz – keyboards & organ
Ute Mark – horn
Heiko Quistrof – horn
Gabi Schenke – horn



Label: Edel Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Reggae


Trackliste:

1. Every Breath You Take (3:34)
2. Ain't No Sunshine (4:00)
3. My Girl (2:49)
4. Big Big World (3:19)
5. In The Ghetto (3:01)
6. Sailing (3:02)
7. Fly Like An Eagle (4:11)
8. Close 2 You (3:54)
9. Je T'aime (3:48)
10. Smile Jamaica Smile (3:22)
11. Forever Young (3:54)
12. You Can't Hurry Love (2:58)
13. Good Vibes (3:00)
14. Imagine The Kiss (3:47)
15. Love Is In The Air (3:58)
16. Back For Good (3:49)
17. My Music (3:25)
18. Summertime (4:59)

Gesamtspieldauer: 1:04:58




Bei „Are You Reggae?“ vom Jamaica Soundsystem handelt es sich um eine Lied-Kompilation, mehr oder weniger bekannter Titel, die hier dann im Stile des Reggae eingesungen und eingespielt wurden. Dieser Ansatz wurde konsequent durchgezogen, zumindest bis zum letzten Lied „Summertime“, welches auf „Are You Reggae?“ in einer eher bluesigen Version hinzugefügt wurde.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob man solch eine Scheibe überhaupt braucht. Die Antwort lautet: Eher weniger. Obwohl die einzelnen Titel gut überarbeitet wurden und ebenfalls gelungen eingesungen wurden, so stellt sich doch die Frage, was das soll. Die einzelnen Nummern klingen nämlich im Original doch besser, als in diesen Reggae-Versionen. Aber natürlich könnte diese Scheibe Reggae-Freunden den Tag ein wenig versüßen, indem das Album die gute Laune und auch den Sonnenschein transportiert und somit zum Beispiel eine Autofahrt noch etwas beschwingter werden lässt. Immer natürlich unter der Voraussetzung, man mag Reggae und empfindet diese musikalische Anpassung einzelner Titel als nicht zu große Vergewaltigung.

Fazit: „Definitely not my cup of tea“ pflegen die Briten zu sagen, wenn sie mit etwas so überhaupt nichts anzufangen wissen. Mir geht es bei dieser Scheibe so, da ich die Titel im Original einfach gelungener finde. Reggae Musik sollte auch als solche geschrieben werden und es wirkt irgendwie komisch, wenn man Titeln anderer musikalischer Richtungen dann dieses Genre überstülpt. Nun ja, vielleicht kann man dieses Album in Auszügen auf einer Party auflegen oder… Nein auch nicht. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Forever Young, Summertime



Sonntag, 12. Juni 2016

Hans Platzgumer – Software




Hans Platzgumer – Software


Besetzung:

Hans Platzgumer – keyboards


Gastmusiker:

Anne Laplantine – vocals
Lady Saw – vocals


Label: Doxa Records


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Software (3:17)
2. Never Before (3:35)
3. Feeling The Ice (3:53)
4. No Tears (Hp Remix) (4:51)
5. Justified Reprise (4:36)
6. The Lions Jam (4:20)
7. Tc7 8 (4:41)
8. Chebba (3:57)
9. Unidentified Objex (4:20)
10. Pat Suzuki (4:52)
11. Soft Wah War - Electronical Remix (4:45)

Gesamtspieldauer: 47:13




Hans Platzgumer ist ein österreichischer Schriftsteller, Komponist und Musiker. Das Album „Software“ ist dabei sein bereits 14. musikalischer Output und erschien im Jahr 2002 bei Doxa Records. Ich kann nun die literarischen Werke des gebürtigen Innsbruckers nicht bewerten und kenne nur diese eine Scheibe von ihm aus seinem musikalischen Schaffen. Mehr wird es allerdings auch nicht werden, denn ich habe selten etwas Schlechteres gehört. „Software“ ist krass, krass schlecht.

Hans Platzgumer, der eigentlich Johann Platzgummer heißt, zeigt hier, dass nicht jeder, der einen Synthesizer bedienen kann, auch so vermessen sein sollte, eine CD zu veröffentlichen. Die Musik auf „Software“ ist so etwas von unfassbar nervig, dass das Hören der Scheibe mit Sicherheit zu den Momenten des Lebens gehört, die man rückblickend als verschwendet betrachten und einordnen muss. Zu hören gibt es hier redundante elektronische Klänge, mit ordentlich Rhythmus unterlegt, die weder interessant klingen, noch melodisch sind, noch sonst auf irgendeine Art und Weise überzeugen können. Alles klingt aufgesetzt, künstlich und absolut nervend. Sehr oft klingt das Ganze zudem so, als ob es gerade in diesem Moment entstand, um dann genau so festgehalten zu werden. Das war es. Keine Wiederholung möglich und auch gar nicht gewollt, es ist der Moment der Entstehung, der zählt… Aber das interpretiere ich gerade nur hinein…

Fazit: Es gibt definitiv kaum Musik, mit der man seine Zeit besser vergeuden könnte, als mit „Software“ von Hans Platzgumer. Es gibt so viel wunderschöne Musik auf dieser, unserer Welt. Warum sollte man sich da „Software“ reinziehen? Ich suche nach einem Grund nach lediglich einem einzigen Grund. Es tut mir leid, ich finde keinen. Null Punkte.

Anspieltipps: Egal



Samstag, 11. Juni 2016

Woody Guthrie, Pete Seeger, u.a. – That's Why We're Marching




Woody Guthrie, Pete Seeger, u.a. – That's Why We're Marching



Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Folk


Trackliste:

1. Freedom Road (2:20)
2. Talking Sailor (Talking Merchant Marine) (3:03)
3. The Ballad of October 16 (2:49)
4. Billy Boy (2:23)
5. Plow Under (2:27)
6. I'm Gonna Put My Name Down (3:04)
7. What are We Waiting On? (2:09)
8. Citizen C.I.O. (2:31)
9. The Sinking of the Reuben James (3:01)
10. You Better Get Ready (2:32)
11. If You Want to Do Your Part (2:56)
12. Move Into Germany (3:00)
13. So Long, It's Been Good to Know You (War Version) (2:47)
14. The Martins and the Coys (3:01)
15. Hitler Song (4:34)
16. Sally Don't You Grieve (2:25)
17. Jimmy Longhi Story (6:05)
18. When the Yanks Go Marching In (2:46)
19. Round and Round Hitler's Grave (1:10)
20. Fuhrer (3:10)
21. Miss Pavlichenko (2:30)
22. National Defense Blues (3:14)
23. Gee, But I Want to Go Home (Army Life) (1:47)
24. Looking for a Home (3:10)
25. Now That's It's All Over (He'll Go Back to Selling Shoes) (2:09)


Gesamtspieldauer: 1:11:03




Als in Deutschland das Horst-Wessel-Lied gesungen wurde, erlebten die USA eine Hochzeit der Folk- und Protestsongs. Die 20er und 30er Jahre waren in den Vereinigten Staaten ein tumulthafte Zeit. Massenarbeitslosigkeit, Migration, Armut und Elend führten auch zu einer Musikergeneration, die zum Sprachrohr der Benachteiligten wurde. Die 30er und 40er Jahre brachten eine engagierte und kritische, eine anti-faschistische und auch patriotische Gruppe an Musikern hervor. Woody Guthrie, Pete Seeger, Joe Hill, Lead Belly und viele andere sangen Songs, in denen sie sich mit den Themen der Zeit auseinandersetzten.

Auf “That’s why we’re marching”, veröffentlicht auf Smithsonian Folkways, werden Lieder präsentiert, die einen Eindruck der amerikanischen Folkmusik-Bewegung während des Zweiten Weltkriegs geben. Titel wie “Move into Germany”, “When the Yanks go marching in”, “Mr. Hitler”, “The Fuhrer” oder auch “Round and round Hitler’s grave” zeigen, was neben den klassichen Themen der US-Troubadours zum Thema wurde. Die Musiker sangen gegen den Krieg, gegen den Faschismus, gegen die Gewaltherrschaft der Nazis, und alles mit einem patriotischen Unterton.

In der Krise rückte die amerikanische Nation zusammen. Kritik an der Lage daheim bedeutete damals (noch) nicht, dass man gegen den Einsatz für Frieden, Freiheit und Demokratie in Übersee war. Der Spanische Bürgerkrieg ein paar Jahre zuvor hatte schon früh die amerikanische Linke organisiert, und damit auch viele Folk-Musiker beeinflusst. Der Kampf gegen den Faschismus wurde ein zentrales Thema für Guthrie, Seeger und die vielen anderen. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor richteten die Musiker erneut ihren Blick auf Europa. Hitler und seine Schergen wurden in den Liedern lächerlich gemacht, der Nazi-Diktatur frühzeitig ein Ende gesetzt.

Smithsonian Folkways greift mit diesem Album tief in den Archivschatz, der da in den klimatisierten Räumen in Washington DC schlummert. “That’s why we’re marching” belegt, welche Kraft Musik haben kann, welche Bedeutung sie hat und vor allem, wie zeitlos sie ist. Eine beeindruckende Song-Sammlung, die von einem umfangreichen Booklet begleitet wird.

Freitag, 10. Juni 2016

Volcano Suns – Thing Of Beauty




Volcano Suns – Thing Of Beauty


Besetzung:

David Kleiler – guitar, vocals
Bob Weston – bass, vocals
Peter Prescott – drums


Label: SST Records


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Barricade (3:22)
2. It's A Conspiracy (3:42)
3. Man Outstanding (2:44)
4. Courageous Stunts (2:49)
5. No Place (4:08)
6. Noodle On The Couch (3:56)
7. Ask The Pundits (3:26)
8. Arm And A Leg (2:42)
9. How To Breathe (3:29)
10. Rite Of Way (3:23)
11. Soft Hit (4:13)
12. Malamondo (2:29)
13. Deeply Moved (3:22)
14. Now File (2:29)
15. Fill The Void (3:49)
16. Nightmare Country (5:38)
17. Needles In The Camel's Eye (2:31)
18. Kick Out The Jams (2:34)
19. Red Eye (2:29)
20. Mud (2:50)
21. Veteran (4:57)
22. Hang-Up (3:26)

Gesamtspieldauer: 1:14:38




Die Volcano Suns waren eine Band aus Boston, Massachusetts, die in den Jahren 1985 bis 1991 insgesamt sechs Studio-Alben veröffentlichte. „Thing Of Beauty“ stellt dabei die fünfte Veröffentlichung in dieser Reihe dar und erschien im Jahr 1989 auf SST Records. Ursprünglich wurde diese Scheibe als Vinyl-Doppelalbum auf den Markt gebracht, war also durchaus ambitioniert, denn dies zeugt eigentlich vom Vorhandensein sehr vieler Ideen, die heraus müssen, um das Publikum zu erfreuen.

Der Name, „Thing Of Beauty“, lässt sich hier jedoch, im Falle der Vulcano Suns, leider nicht unter der Rubrik „Nomen est omen“ einreihen, denn diese Platte hat nichts mit Schönheit oder aber einem Klangerlebnis zu tun. Eine immer gleicht schlecht klingende Gitarre schrammelt sich durch 22 Titel, dazu gibt es einen nicht schön anzuhörenden Gesang. Leider hat den Jungs anscheinend niemals jemand gesagt, dass sie nicht singen können – oder sie wollten das ganz einfach nicht hören. Alternative Rock soll das sein und mit jedem Takt wird einem klar, dass es sehr wohl gute und schlechte Musik gibt.

Alles auf „Thing Of Beauty“ hört sich gleich an, leider gleich langweilig. Irgendwelche schönen Melodien? Fehlanzeige! Irgendwelche interessante Ideen? Fehlanzeige. Die Scheibe läuft einfach nur so durch. Der Sound ist häufig ein wüster Brei, sehr undifferenziert und nicht selten nach Lärm und irgendwie falsch klingend. Dazu noch dieses Gegröle, was der Gesang sein soll und fertig ist eine der belanglosesten Scheiben der Musikgeschichte. Irgendwie klingt das alles sehr unausgegoren, gerade so als ob jedes Riff, was den Jungs mal über den Weg lief, ein eigenes Lied werden sollte. Und da spielte es anscheinend keine Rolle, dass alle diese Riffs unfassbar belanglos klingen.

Fazit: Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass ein Album mit Alternative Rock so dermaßen langweilig sein kann. Auf „Thing Of Beauty“ befinden sich 22 mehr oder weniger belanglose Stücke, die einfach an einem vorbeiziehen, ohne auch nur den Hauch eines Aufhorchens zu erzeugen. Sogar schlimmer noch, manchmal ist man einfach dankbar, dass das eine Lied vorbei ist und das nächste startet. Wie unfassbar traurig ist man dann allerdings, wenn dieses dann wie der Vorgänger klingt. Ein wirklich sinnloses Musik-Album. Drei Punkte.

Anspieltipps: Ask The Pundits, Arm And A Leg



Donnerstag, 9. Juni 2016

Frida Gold – Juwel




Frida Gold – Juwel


Besetzung:


Alina Süggeler – vocals, keyboard, piano, querflöte
Andreas Weizel – bass, beats und programming
Julian Cassel – gitarre
Thoas Holtgreve – drums, beats und percussion


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Dance, Elektro, Schlager


Trackliste:

1. Morgen (3:33)
2. Wovon sollen wir träumen (3:32)
3. Unsere Liebe ist aus Gold (3:26)
4. Verständlich sein (3:36)
5. Undercover (4:30)
6. Zeig mir wie du tanzt (4:05)
7. Waffen und Pferde (3:17)
8. Aufgewacht (3:48)
9. Nackt vor deiner Tür (4:20)
10. Komm zu mir nach Haus (3:37)
11. Denn Liebe ist... (3:57)
12. Cold Hearted Baby (3:52)

Gesamtspieldauer: 45:38




Man könnte fast meinen, zumindest wenn man die Instrumentenangabe liest, in der Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug auftauchen, dass Frida Gold auf ihrem ersten Album Pop bis sogar Rock Musik darbieten. „Juwel“ heißt dieses und wurde im April 2011 auf dem Label Warner Music veröffentlicht. Rock hört man darauf jedoch nie, in keinem einzigen Titel. Pop dann wohl schon eher, aber richtiggehende Pop-Musik ist das auch nicht. Mich erinnert das Ganze sehr viel mehr an tanzbaren Schlager. Und ich komme mal wieder in die Situation, dass ich diese Musik fast nicht bewerten kann, da sie mit Sicherheit für ein ganz anderes Klientel „entwickelt“ wurde.

Die Musik auf „Juwel“ ist absolut elektronisch, wenn das Pop ist, dann eher Synthie Pop. Dazu werden jede Menge Beats gemischt und fertig ist die Musik mit Stilrichtung „Dance“. Jetzt muss das Ganze nur noch in den diversen Clubs aufgelegt werden. Dazu gesellen sich Texte in allerbester Schlagermanier. Ganz viel Liebe und Schmalz und auf gar keine Fall irgendwelche Probleme, höchstens Mal Liebeskummer. Und natürlich, viele Leute würden sich auch über so manche Schmalzeinlage der englischen Rock-Musik wundern, wenn sie denn hinhören würden. Besser macht das die Texte von Frida Gold jedoch auch nicht.

Auf „Juwel“ befindet sich Musik maximal für den Augenblick. Auf Tiefgang oder Nachhaltigkeit ist da nichts ausgelegt. Muss ja auch nicht immer sein, allerdings wird dadurch schon eine ganz gewaltige Hörergemeinde ausgeschlossen und es fokussiert sich wieder alles auf ein gerade ins Teenager-Alter gerutschtes junges Publikum. Die Lieder sind tanzbar, gehen allerdings nicht sonderlich ins Ohr. Hmmm…

Fazit: Auf „Juwel“ hört man tanzbaren Schlager. Viele Beats, sehr viele elektronische Klänge, etwas einfach gestaltete Texte, die genau wie die Musik wenig Tiefgang besitzen. Musik für den Moment, für die Tanzfläche oder für junge Teenager. Irgendwie so etwas. Ich kann bei so etwas leider nur ausschalten, skippen bringt nichts, da der nächste Titel genauso schlecht ist wie der davor. Belanglos ist das irgendwie alles. Und wenn einem dann gleich beim Öffnen der CD ein Rabatt-Gutschein für den Frida Gold Shop entgegenfällt, mit dem man 10% auf alles bekommt, na dann hat sich die CD ja doch noch gelohnt… Zwei Punkte.

Anspieltipps: Verständlich sein, Waffen und Pferde



Mittwoch, 8. Juni 2016

Rockbitch – Motor Driven Bimbo




Rockbitch – Motor Driven Bimbo


Besetzung:

Lisa Wills ("Babe") – analogue synthesizer, rhythm guitar, vocals
Nikki Fay – digital synthesizer, keyboards, programming
Joanne Heeley – drums
Julie Worland – vocals
Amanda Smith-Skinner ("the Bitch") – bass
Tony Skinner ("the Beast") – guitars


Label: Steamhammer


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Hard Rock, Metal


Trackliste:

1. Snafu (5:19)
2. The Church (4:15)
3. Eveline (4:33)
4. Baby (4:21)
5. Sex & The Devil (3:39)
6. Open Letter (1:24)
7. Nympho (3:41)
8. Innocence (5:08)
9. Lucifer (5:21)
10. Essex Girl (4:19)
11. Tell Me (3:38)
12. Bride Of Christ (4:15)
13. Diva (3:20)

Gesamtspieldauer: 53:18




Rockbitch war eine britische Hard Rock / Metal Band, die hauptsächlich aus Frauen bestand. Berühmt und in so mancher Munde waren sie gar nicht mal wegen ihrer Musik, sondern eher aufgrund ihrer Live-Auftritte. Der Name Rockbitch scheint dabei Programm gewesen zu sein. Diese Auftritte hatten es nämlich in sich, denn nicht selten tanzten die Damen dabei nackig über die Bühne. Auch wurden auf der Bühne sexuelle Praktiken vollzogen, was ihnen selbstverständlich großen Ärger einbrachte. „Motor Driven Bimbo“ ist übrigens das einzige Album, welches die Band im Jahr 1999 auf dem Label Steamhammer veröffentlichte. Eine zweite Scheibe mit dem Titel „Psychic Attack“ wurde zwar 2002 fertiggestellt, es kam jedoch nicht mehr zu einer Veröffentlichung.

Die Musik auf „Motor Driven Bimbo“ ist keinesfalls eine schlechte, wie man vielleicht vermuten könnte, aufgrund der Geschichte der Band und deren Ende, bei dem es dann noch nicht mal mehr zur Veröffentlichung eines bereits fertiggestellten Albums kam. Auf „Motor Driven Bimbo“ hört man gut gemachten und zumeist sogar eingängigen Hard Rock bis Metal, der sich durchaus von dem ihrer männlichen Kollegen unterscheidet, da er etwas differenzierter ist. Die Texte behandeln zumeist sexuelle Themen, man muss sich über die Performances auf der Bühne also nicht allzu sehr wundern.

Die einzelnen Lieder gehen durchaus ins Ohr, enthalten neben den, in diesen Genres obligatorischen Gitarren, allerdings auch melodietragende Synthesizer-Abschnitte. Der Gesang weiß nicht immer zu überzeugen, vielleicht liegt das allerdings auch nur daran, dass hier die Sängerin ab und an versucht sehr tief zu singen, was bei einer Frau – zumindest in diesem Fall – allerdings etwas seltsam klingt. Frauen in einem zutiefst männlichen Genre, das klingt hier sehr überzeugend. Der einzige Titel auf „Motor Driven Bimbo“, der hier aus dem Rahmen fällt ist die letzte Nummer, „Diva“, bei der man auch Streicher hört und die deutlich weniger bis gar nicht mehr nach Metal klingt, sondern sehr viel eher nach Pop.

Fazit: Interessant klingt „Motor Driven Bimbo“ auf jeden Fall. Keine Ahnung, ob die Musikerinnen diese Performances auf der Bühne noch nötig hatten. Die Musik klingt kraftvoll und eingängig zugleich. Sicherlich kein Jahrhundertalbum oder etwas absolut Außergewöhnliches, interessant allerdings durchaus. Wer auf die härteren Töne steht und sich auch nicht an sehr direkter und oft ausfallender Sprache stößt, der oder dem dürfte „Motor Driven Bimbo“ von Rockbitch gefallen. Neun Punkte.

Anspieltipps: Eveline, Innocence, Tell Me, Diva



(( Für die offiziellen Videos der Band benötigt ihr einen Altersnachweis, da die Damen nackig sind ;-) ))



Dienstag, 7. Juni 2016

Blitzkids MVT – Silhouettes




Blitzkids MVT – Silhouettes


Besetzung:

All instruments by:

T. Peters
M. Pittner
S. Marx


Gastmusiker:

L. Kunstmann – guitar


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Dance, Synthie-Pop


Trackliste:

1. Water (2:59) 
2. Blinded (3:18) 
3. Heart On The Line (3:42)
4. My Delirium (3:29)
5. Black & White (3:31)
6. Break Free (3:16)
7. Idiot (3:07)
8. Cold (3:21)
9. Mirror (4:24)
10. Electrify (3:43)
11. Hush (4:11)
12. Pegasus (4:07)

Gesamtspieldauer: 43:12




Blitzkids MVT, wobei das „MVT“ für Movement steht, ist ein Berliner Musikprojekt. Die Sängerin nennt sich NOMI, nach Klaus Nomi. Dazu eines gleich vorweg: Mit der Musik des Klaus Nomi hat dies hier gar nichts zu tun. Das erste Album dieses „Projekts“ nennt sich „Silhouettes“ und wurde im Jahr 2013 veröffentlicht. Und schließlich, liest man Rezensionen im Internet zu dieser Scheibe, wird diese mit Lobhymnen überhäuft und ich merke, dass ich langsam alt werde.

Auf „Silhouettes“ hört man tanzbaren Synthie-Pop, kommerziell bis in den letzten Takt, der manchmal nach Dieter Bohlen, dann wieder nach „Was weiß ich“ klingt. Das ist alles, nur nicht interessant, unterhaltend, eingängig oder gut. Bumm-Tsching-Bumm-Tsching. Das ist der Rhythmus, der sich über die ganze Scheibe zieht. Schön künstlich natürlich. Ein einziges Mal gibt es ein anderes Instrument, als einen Synthesizer zu hören. Dieser Glücksmoment ereignet sich bei dem Lied „Idiot“ in Form einer Gitarre. Definitiv der Höhepunkt auf „Silhouettes“.

Ich tue mich schwer damit daran zu glauben, dass solche Musik jemand kauft oder anhört, die oder der bereits über Achselbehaarung verfügt – abrasierte zählt da nicht, sie muss wachsen. Unterstützung erhalte ich mit dieser These dadurch, dass es das Album neu bereits für 3,99 Euro zu kaufen gibt, für kleines Taschengeld also.

Fazit: Tanzbaren Synthie-Pop liefern die Blitzkids MVT hier auf ihrer ersten Scheibe ab. Alles klingt sehr künstlich, manchmal richtiggehend anbiedernd eingängig. Das dann allerdings jedoch so oberflächlich, dass man sich bereits während des Liedes an diesem zu überhören glaubt. Musik kann so schön sein und dann hört man plötzlich so etwas. Allenfalls einige wenige Ansätze kann man noch als gelungen ansehen, allerdings glaube ich fest daran, dass meine Beurteilung dieses Albums auf mein Alter zurückzuführen ist. Von daher, ihr zehnjährigen Tänzer, zögert nicht, greift zu, das Taschengeld gibt es sicher her. Zwei Punkte.

Anspieltipps: Idiot



Montag, 6. Juni 2016

Andrea Schroeder – Where The Wild Oceans End




Andrea Schroeder – Where The Wild Oceans End


Besetzung:

Andrea Schroeder – vocals


Gastmusiker:

Dave Allen – bass
Jesper Lehmkuhl – guitars
Chris Eckman – keyboards
Chris Hughes – drums
Catherine Graindorge – violin, viola


Label: Glitterhouse Records


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: Dark Folk, Gothic Folk


Trackliste:

1. Dead Man's Eyes (3:54) 
2. Ghosts of Berlin (4:39) 
3. Until the End (3:50)
4. Helden (5:11)
5. Fireland (3:32)
6. The Spider (3:58)
7. Where The Wild Oceans End (4:18)
8. The Rattlesnake (2:56)
9. Summer Came To Say Goodbye (3:57)
10. Walk Into The Silence (4:06)

Gesamtspieldauer: 40:26




„Where The Wild Oceans End” heißt das zweite Studioalbum der Berlinerin Andrea Schroeder. Im Jahr 2014 wurde es auf dem Label Glitterhouse Records veröffentlicht. Zu hören ist darauf eine Art Gothic Folk, tief und dunkel, den Andrea Schroeder in neun Fällen zusammen mit dem dänischen Gitarristen Jesper Lehmkuhl geschrieben hat. Der Titel „Helden“ ist die Cover-Version des David Bowie Liedes „Heroes“, welches dieser ebenfalls bereits in Deutsch eingesungen hat. Produziert wurde das Ganze von Chris Eckman, der hier auf diesen Seiten ja auch schon mehrmals Erwähnung fand.

Die Musik der Andrea Schroeder klingt dunkel und düster auf „Where The Wild Oceans End”. Im Zentrum aller darauf enthaltener Lieder, steht sicherlich die tiefe Stimme der Sängerin, die einen durchaus in den Bann zu ziehen weiß. Diese Mischung aus dunkler Atmosphäre, tiefer Stimme und dazu noch die Streichereinlagen der Catherine Graindorge lassen die Musik allerdings auch etwas getragen wirken. Das ist sicherlich ein bewusst gesetztes Stilmittel, ein klein wenig mehr „Hoffnung“ hätte dem Album jedoch nicht geschadet. Solche, fast schon brachiale Ausbrücke mit stark verzerrter Gitarre, wie beim Stück „Rattlesnake“, hellen die Platte zwar keineswegs stimmungsmäßig auf, dafür jedoch ein klein wenig stilistisch.

Genug „gemeckert“, denn „Where The Wild Oceans End” ist wahrlich ein beeindruckendes Album geworden. Es ist nämlich genau diese düstere Atmosphäre, die dann diese Platte zu etwas sehr Intensiven werden lässt. Alle zehn auf der Scheibe enthaltenen Titel sind melodiös und gehen ins Ohr. Und wenn es dann doch mal etwas schräger oder lauter wird – was zugegebenermaßen selten passiert – so lockert dies alles lediglich ein wenig auf. Am überzeugendsten sind dabei der Opener „Dead Man's Eyes“, ein Lied was sehr „unter die Haut geht“ und etwas zurücklässt. Ebenfalls sehr gelungen klingt „Spider“. Auch diese Nummer geht ins Ohr, klingt jedoch irgendwie ein wenig fordernder und auch rockiger als der Rest. Sehr überzeugend. Die restlichen acht Titel wirken ebenfalls, wenn auch das Original des Titels „Helden“ von David Bowie noch überzeugender klingt. Aber so ist das ja häufig mit Cover-Songs – zumindest wenn sie nicht von Johnny Cash nachgespielt und nachgesungen werden.

Fazit: Es ist die Stimmung, die transportierte Atmosphäre, die dieses Album ausmacht und es zu einem gelungenen werden lässt. Stimme, Musik und Instrumentierung klingen düster und dunkel. Dazu allerdings auch packend und eingängig melodiös. „Where The Wild Oceans End” ist ein Album, welches über Tiefgang verfügt, keine 08/15-Musik für seine Hörerinnen und Hörer bereithält. Musik, die nicht ganz alltäglich ist. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Dead Man's Eyes, Spider



Sonntag, 5. Juni 2016

Rummelsnuff – Sender Karlshorst




Rummelsnuff – Sender Karlshorst


Besetzung:

Roger Baptist – Gesang

Ohne weitere Instrumenten- oder Musikerangaben


Label: Out Of Line Music


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Elektro-Punk


Trackliste:

1. Der Heizer (3:25)
2. Freier Fall (3:58)
3. Eindruck Schinden (3:25)
4. Donnerbolzen (2:12)
5. Pumper (3:52)
6. Salzig schmeckt der Wind (3:48)
7. Mandy (3:47)
8. Winterlied (2:57)
9. Nathalie (3:51)
10. Boxerlied (2:52)
11. Der Sieg Ist Pflicht (2:23)
12. Stalinallee (4:13)
13. Wolgastrom (3:29)
14. Wenn Du Aus Dem Leben Schwindest (3:23)
15. Hombres Hombres (3:02)

Gesamtspieldauer: 50:42




„Sender Karlshorst“ nannte Roger Baptist alias Rummelsnuff sein zweites Studioalbum, welches im Jahr 2010 auf dem Label Out Of Line Music veröffentlicht wurde. Zu hören ist darauf sehr elektronische Musik, die nur ab und zu um „greifbare“ Instrumente ergänzt wird. Dazu gesellt sich die tiefe Stimme des Roger Baptist, die so klingt, wie man sich einen knuddeligen Brummbär vorstellt. Wenn man ihn dann auch noch auf dem Cover und im Booklet sieht, dann wird dieses Bild noch weiter abgerundet.

Die Texte handeln von Sport und der Seefahrt und ganz besonders häufig ist dabei auch Russland oder die ehemalige Sowjetunion ein Thema. Das klingt alles sehr skurril und man ist sich nicht ganz sicher, ob der liebe Rummelsnuff einen nicht nur mit dieser Musik veralbert und staunend dasitzt und sich wundert, dass es wirklich Menschen gibt, die so etwas kaufen. Ein klein wenig klingt es nämlich nach Comedy auf „Sender Karlshorst“ und ich befürchte leider, dass dies gar nicht so gemeint ist, sondern ernsthaft versucht wird, hier interessante Musik für die Hörer darzubieten.

Nun, auch dies wird sicherlich seine Hörer finden, wobei die Musik so Testosteron-geschwängert ist (Oh welch Paradoxon), dass Hörerinnen wohl deutlich weniger mit dieser Musik und diesen Liedern anzufangen wissen. Drei Cover-Versionen sind auf der Platte enthalten. Neben dem durch Barry Manilow bekannt gewordenen „Mandy“ sind das noch „Nathalie“ und das „Boxerlied“. Dabei bleibt festzuhalten, dass mit „Mandy“ hier der absolute Tiefpunkt erreicht wurde. Unfassbar, schlechter geht es fast nicht mehr. Dieser Gesang in Verbindung mit den elektronischen Klängen und einem hanebüchen schlechten Text, das alles lässt einen innerlich erzittern und jagt einem kalte Angstschauer über den Rücken. Leider sind die eigenen Titel des Rummelsnuff auch nicht viel besser, sodass die ganze Platte wie ein gewagter Versuch klingt, etwas Neues zu machen, der allerdings scheiterte. Aber etwas Neues ist diese Musik dann trotzdem, das kann man Roger Baptist wahrlich nicht absprechen. Leider macht das diese Musik nur leider keinen Deut besser.

Fazit: Wirklich außergewöhnliche Lieder hört man auf „Sender Karlshorst“ von Rummelsnuff. Sehr elektronische Klänge in Verbindung mit einer brummigen Stimme, die nur so vor Manneskraft strotzt. Das Ganze klingt mehr nach Comedy, als nach ernst gemeinter Musik und wahrscheinlich benötigt man eine ordentliche Prise Humor, um das Album wirklich ganz durchhören und genießen zu können. Vier Punkte.

Anspieltipps: Freier Fall, Wolgastrom



Samstag, 4. Juni 2016

Keith Jarrett – Concerts




Keith Jarrett – Concerts


Besetzung:

Keith Jarrett – piano


Label: ECM Records


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Jazz


Trackliste:

1. Part I (21:54)
2. Part II (12:04)
3. Untitled (9:30)
4. Heartland (6:03)

Gesamtspieldauer: 49:32




Am 28. Mai 1981 gab der Jazz Pianist Keith Jarrett im Festspielhaus zu Bregenz, Österreich, ein Konzert, welches anschließend im Herbst desselben Jahres auf dem Label ECM Records veröffentlicht wurde. Zu hören ist darauf eine Improvisation des US-Amerikaners, die er mit vollem Körpereinsatz einspielt. Man hört ihn neben seinem Pianospiel summen und brummen, seufzen und ächzen, singen und stöhnen, stampfen und wischen. Das klingt mitunter sehr überraschend, manchmal sogar ein klein wenig skurril, macht das gesamte Hörerlebnis allerdings nur noch ein wenig mehr einnehmend.

Das Bregenzer Konzert beinhaltet vier Abschnitte, die allesamt durchaus eingängig sind. Mal etwas fordernder, mal ganz sanft und zart, bearbeitet Keith Jarrett das Piano und entlockt diesem wunderschöne Läufe, die ins Ohr gehen und beeindrucken. Mal klingt es zwar auch etwas schräger, verwirrender, doch ist auch dieses Album des Jazz Pianisten alles andere als eine Free Jazz Improvisation. Vielmehr entwickelt Keith Jarrett hier immer wieder neue, eingängige Melodiebögen, die zum Teil auch ohne großartige Umwege direkt ins Ohr der Zuhörer gehen.

Trotzdem benötigt man für dieses Album einige Durchläufe. Es scheint geradezu so, als ob sich die Musik erst setzen muss, um von der Hörerin, vom Hörer völlig erschlossen werden zu können. Gibt man diesen Klängen allerdings die Zeit zu „reifen“, indem man ihnen mehrere Durchläufe und eines gewisses Maß an Konzentration einräumt, so werden viele Melodiebögen plötzlich offener, einnehmender, vertrauter und auch konsequent logischer. Plötzlich entdeckt man hier etwas Neues, dort etwas Interessantes und die Musik scheint anzuschwellen, zu wachsen, wichtiger zu werden.

Fazit: Eine weitere jazzige Improvisation für den eher gemäßigten Musik-Markt hat Keith Jarrett mit diesem Bregenzer Piano-Konzert vorgelegt. Man muss kein Jazz-Kenner und schon gar kein Jazz-Freund sein, um mit dieser Art der Musik etwas anfangen zu können. Die Melodien auf „Concerts“ gehen ins Ohr, auch wenn sie dies nicht ohne weiteres gleich beim ersten Durchlauf schaffen. Mit jedem weiteren Durchgang wächst dieses Album allerdings. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Part I


(Die GEMA verhindert hier jegliche YouTube Wiedergabe. In anderen Ländern ist dies kein Problem.)


Freitag, 3. Juni 2016

Heidi Happy – Flowers, Birds And Home




Heidi Happy – Flowers, Birds And Home


Besetzung:

Heidi Happy – flute, glockenspiel, all vocals


Gastmusiker:

Ephrem Lüchinger – rhodes
Michel Gsell – violin
Markus Wieser – viola
Nicola Romano – cello
Andreas Tschopp – trombone
Anomé Pousaz – double bass
Arno Trozler – drums
Stephan Diethelm – vives
Gregor Heini – guitar


Label: Little Jig Records


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Kammer-Pop, Folk, Pop-Jazz


Trackliste:

1. Hush (5:27)
2. Turn (0:45)
3. Fool (2:38)
4. I Think I'm In Love (3:27)
5. Fulltime Running (2:28)
6. Instrumental One (2:55)
7. Deheree (0:44)
8. Spring (1:46)
9. I Understand (2:46)
10. Why (3:47)
11. I've Got Something (2:20)
12. Instrumental Two (0:48)
13. Home (2:51)
14. Take Four (3:18)
15. Push The Door (4:05)
16. You And Your Moods (4:07)
17. Instrumental Three (1:00)
18. O-o-oh (3:29)

Gesamtspieldauer: 48:48




„Flowers, Birds And Home“ heißt das zweite Studioalbum der Schweizerin Priska Zemp alias Heidi Happy. Im Jahr 2008 wurde die Scheibe auf Little Jig Records veröffentlicht und ist angefüllt mi sehr eingängiger Musik, die meistens sehr still klingt, durchaus auch mal swingt und gerade durch eine relativ ungewöhnliche Instrumentierung positiv auffällt. „Flowers, Birds And Home“ ist wahrlich nichts Alltägliches.

Stilistisch ist das Ganze nur sehr schwer einzuordnen. Eine Art Kammer-Pop, die auch Elemente des Pop-Jazz enthält. Streicher und Posaune spielen dabei eine zentrale Rolle, allerdings nur neben der schönen Stimme der Priska Zemp, die im Vordergrund wie auch als Hintergrundchor zu überzeugen weiß. Die Stimmung auf „Flowers, Birds And Home“ ist zumeist eine melancholische bis sentimentale. Traurig wirkt die Musik dabei selten, sehr viel eher nachdenklich. Und diese süße Melancholie, die jedem der achtzehn Titel anhaftet, diese geht ins Ohr, umschmeichelt es und bleibt auch länger erhalten.

Die Zusammenstellung der achtzehn Lieder ist sehr gelungen. Die Notwendigkeit hier ein Lied zu überspringen, besteht definitiv nicht. Sehr gelungen sind dabei auch die kurzen instrumentalen Titel, die ebenfalls sofort ins Ohr gehen und die man sich sogar gerne noch etwas länger gewünscht hätte. Höhepunkte gibt es auf „Flowers, Birds And Home“ eine ganze Menge. Da ist der wunderschöne Opener „Hush“, das sanfte „Home“, das getragene „Take Four“, was nun wirklich auch traurig klingt oder das eingängige und ein klein wenig an Tori Amos erinnernde „You And Your Moods“. Im Grunde genommen hätte ich hier allerdings auch jeden anderen Titel aufführen können, denn die Musik der Heidi Happy wirkt.

Fazit: Wer die sanften und zarten und trotzdem ausdrucksstarken Momente in der Musik sucht, die oder der wird mit „Flowers, Birds And Home“ von Heidi Happy genau das finden, was sie beziehungsweise ihn begeistern wird. Die Musik ist dabei sehr feminin, ein Mann könnte diese hier erzeugten Atmosphären wohl sehr viel weniger beziehungsweise lediglich schlechter transportieren. Alles ist rund und melodisch auf dieser Scheibe, die viel melancholische bis sentimentale Musik bereithält. Elf Punkte.

Anspieltipps: Hush, Instrumental One, You And Your Moods



Donnerstag, 2. Juni 2016

Cat Stevens – Profile




Cat Stevens – Profile


Besetzung:

Cat Stevens – vocals, guitar


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: Decca


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Folk, Pop


Trackliste:

1. The First Cut Is The Deepest (3:00)
2. Where Are You (3:00)
3. Portobello Road (2:23)
4. Image Of Hell (3:02)
5. I’m So Sleepy (2:19)
6. The View From The Top (3:28)
7. Here Comes My Baby (2:51)
8. The Tramp (2:05)
9. Blackness Of The Night (2:27)
10. Come On Baby (Shift That Log) (3:48)
11. Humming Bird (2:31)
12. Matthew & Son (2:40)

Gesamtspieldauer: 33:34




Die Platte „Profile“ von Cat Stevens ist kein „Best Of…“-Album, sondern eine krude und absolut sinnfreie Zusammenfassung der ersten beiden Cat Stevens Alben „Matthew & Son“ sowie „New Masters“, die im März beziehungsweise Dezember des Jahres 1967 veröffentlicht wurden. „Where Are You“, „Image Of Hell“ sowie „The View From The Top“ hatten es dabei noch nicht einmal auf eines der Alben geschafft und wurden auch bei der Wiederveröffentlichung auf CD im Jahre 1989 als Bonus Tracks mit dazu gepackt.

Der Grund dieser seltsamen Zusammenstellung liegt bei der Plattenfirma. Nach dem zweiten Album verließ Cat Stevens nämlich Decca Records und da er anschließend den großen Durchbruch schaffte, wollte wohl seine alte Plattenfirma mit dem ersten Material des Cat Stevens auch noch mal Umsatz generieren. Hier kann wirklich jedem Musikhörer nur dazu geraten werden zu den Einzelalben zu greifen, die nun auch mit den entsprechenden Zusatztiteln ausgestattet wurden.

Auf der Scheibe hört man also eine Mischung der ersten Titel des Cat Stevens. Sonderlich beeindruckend klingt dies alles noch nicht, auch wenn man bereits die Ansätze heraushört, die den Briten zu einem sehr guten Songschreiber nur wenige Jahre später werden ließen. Trotzdem, so richtig überzeugend klingt Cat Stevens hier noch nicht. Mitunter sind auch die Lieder mit Streichern quasi zugekleistert, sodass alles ein wenig sehr süßlich wirkt. Auch wurden hier zum Teil sogar ganze Orchester mit eingesetzt, welche die Lieder des Cat Stevens gar nicht nötig haben. Trotzdem bleiben auch in dieser Mixtur noch ein paar sehr eingängige Nummern übrig, die vielleicht nicht ganz die Klasse manch späteren Titels des Cat Stevens besitzen, anhören kann man sich das allerdings gut, wenn man Folk und Soft Pop mag.

Fazit: Auch die ersten beiden Platten des Cat Stevens hören sich „ganz nett“ an. Die Lieder zünden noch nicht ganz so, wie auf den Alben der 70er Jahre, trotzdem klingt auch hier alles schon ziemlich melodiös und eingängig, wenn auch noch nicht sonderlich nachhallend. Das Ärgernis an dieser Scheibe ist allerdings die Zusammenstellung, die absolut willkürlich stattfand und wohl nur getätigt wurde, um einen kleinen Bissen des Erfolgs-Kuchens mit abzubekommen. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Where Are You, The Tramp