Sonntag, 25. September 2016

Marillion – Anorak In The UK




Marillion – Anorak In The UK


Besetzung:

Steve Hogarth – vocals
Steve Rothery – guitars
Mark Kelly – keyboards
Pete Trewavas – bass
Ian Mosley – drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Rock


Trackliste:

1. Intro / Separated Out (6:36)
2. Quartz (9:27)
3. Map Of The World (5:04)
4. Out Of This World (7:09)
5. Between You And Me (6:11)
6. The Great Escape (5:56)
7. King (7:48)
8. If My Heart Were A Ball It Would Roll Uphill (9:22)
9. Waiting To Happen (5:43)
10. Easter (7:03)

Gesamtspieldauer: 1:10:24




„Anorak In The UK“ ist das vierte Live-Album der englischen Progressive Rock-Band Marillion, gleichzeitig auch das zweite, welches mit Sänger Steve Hogarth aufgenommen wurde. Veröffentlicht wurde die Ein-CD-Version im April 2002 auf dem EMI-Label, wobei es auch eine Zwei-CD-Variante des Albums gibt, welche man nur über die Bestellseite der Band selbst beziehen konnte. Diese Besprechung bezieht sich auf die Version mit lediglich einer CD. Aufgenommen wurden die Lieder während dreier Konzerte im Mai des Jahres 2001 (Manchester Academy, 19. Mai; Wolverhampton Civic Hall, 20. Mai und London Forum, 22. Mai).

Fünf der Titel stammen vom 2001 veröffentlichten Album „Anoraknophobia“. Die Platte „Afraid Of Sunlight“, aus dem Jahr 1995, ist mit zwei Titeln vertreten. Die drei weiteren Lieder stammen von den Platten „Brave (1994), „Holidays In Eden“ (1991) sowie „Seasons End“ (1989). Zur Musik ist zu sagen, dass die Briten eben nicht mehr so klingen, wie noch in den Zeiten, als der Sänger von Marillion noch Fish hieß. Und dies wiederum liegt nicht nur daran, dass Steve Hogarth eine ganz andere Stimme hat, ganz anders singt, sondern auch an dem Umstand, dass Marillion musikalisch nur noch entfernt etwas mit jener Band zu tun haben, die Platten wie „Script For A Jester's Tear“ oder „Fugazi“ veröffentlichten. Einerseits ist das schade, andererseits öffnen die Musiker hier eine ganz neue Tür, die die Musik der Band auch anderen näherbringt.

Die Musik auf „Anorak In The UK“ weiß nämlich durchaus zu überzeugen und kann an vielen Stellen auch gefallen. Sie geht ins Ohr, klingt dabei sehr, sehr nahe an den Original-Studio-Aufnahmen angelehnt und der Live-Charakter der Scheibe, der hier exzellent transportiert wird, kommt sehr gut beim Konsumenten an. Allerdings ist das kein Progressive Rock mehr, für den die Briten ursprünglich standen. Auf „Anorak In The UK“ hört man Rock-Musik, die zwar an manchen Stellen noch etwas komplexer klingt als so mancher 08/15-Rock, trotzdem haben sich Marillion weit von ihren Wurzeln entfernt. Marillion klingen hier nach einer gar nicht mehr so außergewöhnlichen Band und sind auch mit dieser Scheibe sehr deutlich in Richtung Mainstream-Rock gerutscht. Trotzdem macht das durchaus Spaß, was man auf „Anorak In The UK“ zu hören bekommt. Die Lieder wirken, klingen rockig und gehen ins Ohr. Rocker-Herz, was willst Du mehr?

Fazit: Marillion ist nicht mehr das Marillion Anfang bis Mitte der 80er Jahre. Das liegt nicht nur am Verlust des „Frontmans“ Fish, auch die Musik der Band hat sich verändert. Dies ist nun sehr viel eher Mainstream Rock denn Progressive Rock, den Marillion hier spielen. Spaß macht das trotzdem, wenn auch ein klein wenig Wehmut mitschwingt. Trotzdem wird die Musik auf „Anorak In The UK“ alle diejenigen Hörerinnen und Hörer begeistern, die auf gut gemachten und eingängigen Rock stehen, der – ganz bestimmt nicht – anbiedernd für die Dauerplaylist der meisten Radiostationen dieser Welt geschrieben wurde. Zudem wird die Live-Atmosphäre des Albums sehr gut transportiert. Neun Punkte.

Anspieltipps: Intro / Separated Out, King, Easter



Samstag, 24. September 2016

Robert Palmer – Classic




Robert Palmer – Classic


Besetzung:

Keine Angaben


Gastmusiker:

Keine Angaben


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Rock, Pop, Reggae, Blues


Trackliste:

1. Addicted To Love (5:59)
2. Pressure Drop (5:18)
3. Sneakin' Sally Through The Alley (4:45)
4. Bad Case Of Loving You (Doctor, Doctor) (3:10)
5. Johnny And Mary (3:53)
6. From A Whisper To A Scream (3:33)
7. Every Kinda People (3:44)
8. Give Me An Inch (2:57)
9. Man Smart, Woman Smarter (2:30)
10. Spanish Moon (5:50)
11. Best Of Both Worlds (3:50)
12. Looking For Clues (4:52)
13. You Are In My System (4:26)
14. Want You More (3:15)
15. Riptide (2:24)
16. Discipline Of Love (6:11)
17. Woke Up Laughing (3:34)
18. What's It Take? (3:26)

Gesamtspieldauer: 1:14:00




„Classic“ ist ein Kompilationsalbum des Briten Robert Palmer, welches im Jahr 2009 auf dem Label Universal Music veröffentlicht wurde. Robert Palmer ist am 26. September 2003 mit lediglich 54 Jahren in Paris an einem Herzinfarkt verstorben und auf dieser Scheibe bekommt man sehr schön die ganze Breite der Musik des Robert Palmer präsentiert. Da gibt es neben den musikalischen Genres Rock und Pop auch jene des Blues, des Funks sowie auch kurze Ausflüge, die an Cabaret, Musical oder Westernsaloon erinnern, ohne dabei einen negativen Eindruck zu hinterlassen.

Eine große Variation an musikalischen Stilen gibt es also auf „Classic“ zu hören, trotzdem wirkt die Musik des Robert Palmer sehr einheitlich. Natürlich sind auf „Classic“ die Hits des Engländers vertreten. „Addicted To Love“, „Looking For Clues“ und natürlich das geniale „Johnny And Mary“ dürfen da nicht fehlen. Alles bekannte Lieder, die zu ihrer Zeit in den diversen Radiostationen rauf- und runterliefen und es auch heutzutage noch in so manche Playlist schaffen.

Nicht alle Lieder auf dieser Zusammenstellung waren jedoch „Hits“, die im Radio gespielt wurden. Somit gibt es auch noch einiges „Neues“ auf „Classic“ zu entdecken, wenn man nicht bereits die vierzehn regulären Studioalben des Robert Palmer besitzt. Und genau da lohnt es sich durchaus hinzuhören, denn einige dieser eher unbekannten Nummern sind ebenfalls sehr hörenswert, gehen ins Ohr, grooven und wissen zu überzeugen. Erwähnt sei an dieser Stelle das funkige „Spanish Moon“, das wunderschön getragene und einfach gehaltene „Want You More“ sowie „Woke Up Laughing“. Letzteres Lied ist dabei eine fröhlich, beschwingte Nummer, die erneut schnell ins Ohr geht. Einige wenige der Titel auf „Classic“ sind in Form von Remixen auf die CD gepresst worden. Ich kenne die ursprünglichen Album-Versionen von „Sneakin' Sally Through The Alley“, „Every Kinda People“ und „Give Me An Inch“ zwar nicht, halte allerdings solch ein Gebaren für sehr schade, da es den ursprünglichen Titel durchaus verfälscht.

Fazit: Eine schöne Übersicht über das Schaffen des Robert Palmer ist „Classic“ geworden. Neben den Musikgenres des Rock und Pop werden hier diverse weitere Stile bedient, ohne dabei dieses Album zerrissen klingen zu lassen. Nicht alles, aber Vieles auf „Classic“ kann überzeugen. Neun Punkte.

Anspieltipps: Johnny And Mary, Spanish Moon, Want You More, Woke Up Laughing



Freitag, 23. September 2016

The Sisters Of Mercy – Some Girls Wander By Mistake




The Sisters Of Mercy – Some Girls Wander By Mistake


Besetzung:

Tracks 1–13, 17–19:

Andrew Eldritch – vocals
Craig Adams – bass guitar
Ben Gunn – guitar
Gary Marx – guitar
Doktor Avalanche – drums

Tracks 14–16:

Andrew Eldritch – vocals (lead on 14), guitar, drums
Gary Marx – vocals (lead on 15 and 16), guitar


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Electronic Rock, Dark Wave, Pop


Trackliste:

1. Alice (3:34)
2. Floorshow (3:40)
3. Phantom (7:10)
4. 1969 (2:45)
5. Kiss The Carpet (5:55)
6. Lights (5:51)
7. Valentine (4:44)
8. Fix (3:41)
9. Burn (4:49)
10. Kiss the Carpet (Reprise) (0:36)
11. Temple Of Love  (7:42)
12. Heartland (4:47)
13. Gimme Shelter (5:57)
14. The Damage Done (3:03)
15. Watch (3:11)
16. Home Of The Hit-Men (0:34)
17. Body Electric (4:18)
18. Adrenochrome (2:57)
19. Anaconda (4:06)

Gesamtspieldauer: 1:19:29




„Some Girls Wander By Mistake“ ist ein Kompilationsalbum der englischen Gothic Rock Band The Sisters Of Mercy. Veröffentlicht wurde die Scheibe im April 1992 auf dem eigenen Label Merciful Release, vertrieben dann von Warner Music. Darauf zu hören gibt es die unbearbeiteten Studio-Aufnahmen aus den Jahren 1980 bis 1983: Beide Seiten ihrer ersten Single „The Damage Done“; beide Seiten der zweiten Single „Body Electric“, die A-Seite der vierten Single „Anaconda“, alle Lieder der ersten beiden EP’s sowie beide Seiten der 12" EP Ausgabe der fünften Single „Temple Of Love“.

Nun, das Ganze klingt schlicht und ergreifend traurig. Gothic Rock ist das in diesem Fall auch noch nicht, eher befindet sich die Band hier noch auf dem Weg dorthin. Die Lieder sind oftmals ziemlich langweilig geraten und was die ganze Sache zu einer Art Strapaze werden lässt, das ist der Sound der Aufnahmen. Dieser klingt metallisch bis blechern, unfassbar synthetisch und geradezu so, als ob er von einer Schülerband in Mamas Keller aufgenommen worden wäre. Schlimm. Dazu kommt der Umstand, dass auch die einzelnen Lieder sich wahnsinnig synthetisch anhören und der Klang des Drum-Computers einem den letzten, wirklich den allerletzten Nerv raubt.

Doch damit nicht genug, die Lieder klingen nur in den seltensten Fällen mal interessant oder gehen ins Ohr. Zumeist fehlt es hier irgendwie an Ideen und es ist nicht weiter verwunderlich, dass es diese Stücke nicht auf ein „normales“ Studioalbum schafften – in dieser Aufnahme- beziehungsweise Produktions-Qualität allerdings absolut nicht überraschend.

Fazit: Nur ganz wenige Lieder auf „Some Girls Wander By Mistake“ können überzeugen. Manchmal fehlt es an Ideen und an der Qualität der Songs, immer fehlt es an der Qualität der Aufnahmen. Ist wohl nur etwas für eingefleischte The Sisters Of Mercy-Fans. Eher eine Qual, als gute Musik. Vier Punkte.

Anspieltipps: Heartland



Donnerstag, 22. September 2016

The Inchtabokatables – Mitten Im Krieg




The Inchtabokatables – Mitten Im Krieg


Besetzung:

Jan Klemm – vio
B.Deutung – cello
Robert Beckmann – vox / vio
Titus – drums
Moch – bass


Label: Strange Ways Records


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

CD1:

1. Unsatisfied (4:07)
2. Healing Hands (7:27)
3. Rain (3:02)
4. Birthing Of A Day (8:02)
5. Escape (6:56)
6. Endless Rail (5:18)
7. Come With Me (4:30)
8. Closed Eyes (7:14)
9. Wenn Du schläfst (5:00)

Gesamtspieldauer: 51:38




Im Jahr 2001 erschien das sechste und bisher letzte Studioalbum der The Inchtabokatables mit dem Titel „Mitten Im Krieg“. Danach, im Jahr 2002, wollte die Band eine elfjährige Pause einlegen, die inzwischen allerdings nochmals verlängert wurde. Veröffentlicht wurde „Mitten Im Krieg“ auf dem Musiklabel „Strange Ways Records“. Darauf zu hören ist durchaus mitreißender Alternative Rock, der einmal mehr ohne jegliche Gitarren auskommt. Mag sein, dass die Band früher auch mal im Gene des Mittalalter-Rock beheimatet war, so ist davon auf dieser Scheibe jedoch absolut nichts mehr zu vernehmen.

Auf „Mitten Im Krieg“ hört man Alternative Rock, der zumeist sehr eingängig ist und ins Ohr geht. Oftmals wird die Musik dabei immer weiter gesteigert, was durchaus mitreißend klingen kann. Und trotz dieser Eingängigkeit fehlt auf „Mitten Im Krieg“ nicht auch ein gewisses experimentelles Element, welches die Musik von den Inchtabokatables noch ein wenig spannender macht. Diese kleineren „Experimente“ betreffen nicht nur den Sound der Musik selbst, der durch die gar nicht so rockmäßigen Instrumente erzielt wird, es sind auch die Abläufe, die nicht mehr herkömmlichen Pop- oder Rock-Konventionen entsprechen. Lieder müssen eben nicht nach der Devise „Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Solo – Strophe – Refrain“ funktionieren. Die Inchtabokatables beweisen das hier einmal mehr.

Einzelne Titel des Albums besonders herauszuheben ist dabei gar nicht so einfach, da alle Nummern auf der Scheibe durchaus überzeugen – keiner fällt hier besonders ab. Noch etwas mehr gelungen sind für meine Ohren jedoch die längeren Lieder auf „Mitten Im Krieg“, da hier nun die Musik noch ein wenig mehr zu etwas Besonderem wird. Irgendwo angesiedelt zwischen Industrial, experimenteller Musik, Pop und Rock klingt das einfach spannend und eben anders, als das, was man sonst so zu hören bekommt. Gelungen und außergewöhnlich eben.

Fazit: Alternative Rock ohne Gitarren ist mal etwas Anderes. Wobei man feststellen muss, dass man immer wieder glaubt, eine Gitarre zu hören. So ganz konnten oder wollten auch die Jungs von den Inchtabokatables anscheinend nicht auf den Sound dieses Instruments verzichten. Die Musik auf „Mitten Im Krieg“ klingt eingängig und anders, experimentell und vertraut. Die Texte sind bis auf den letzten Titel in English gehalten und die Musik wirkt. Hörerinnen und Hörer, die auch mal was Anderes hören wollen als „normalen“ Pop oder Rock, Musik, bei der auch dem Unerwarteten etwas Spielraum eingeräumt wird, diese wird „Mitten Im Krieg“ überzeugen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Healing Hands, Birthing Of A Day, Endless Rail



Mittwoch, 21. September 2016

Katzenjammer – A Kiss Before You Go




Katzenjammer – A Kiss Before You Go


Besetzung:

Anne Marit Bergheim – vocals, celeste, mellotron, accordion, harmonica, piano, tack piano, carillon, mandolin, banjo, kalimba, stumping, guitar, percussion, tambourine, electric guitar
Solveig Heilo – vocals, tuba, tack piano, guitar, drums, percussion, piano, mellotron, harp, glass, bulbul, trumpet, clarinet, stumping, marimba, celeste, hammered carillon, mandolin, dobro
Turid Jørgensen – vocals, bass, bow bass, accordion, high-string guitar, zither, mandolin, carillon, marxophone
Marianne Sveen – vocals, banjo, bass, ukulele, washboard, piano, whistling, guitar, electric guitar, bulbul, tambourine, drums, mellotron, percussion, high-string guitar, domra


Gastmusiker:

Daniel Herskedal – sousaphone
Gunnhild Mathea Olaussen – violin
Mr. Orkester – percussion
Kåre Vestrheim – fx-maestro, marimba, xaphoon, harmonica
Dweezil Zappa – electric guitar


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Pop


Trackliste:

1. A Kiss Before You Go (1:16)
2. I Will Dance (When I Walk Away) (3:50)
3. Cherry Pie (3:01)
4. Land Of Confusion (3:39)
5. Lady Marlene (4:35)
6. Rock-Paper-Scissors (3:28)
7. Cocktails And Ruby Slippers (3:59)
8. Soviet Trumpeter (4:11)
9. Loathsome M (2:41)
10. Shepherd's Song (3:08)
11. Gypsy Flee (2:54)
12. God's Great Dust Storm (4:06)

Gesamtspieldauer: 40:55




„Katzenjammer“, so heißt eine norwegische Band, bestehend aus vier Frauen, die sich während des Musik-Studiums am Nordischen Institut für Bühne und Studio in Oslo kennenlernten. Der Begriff „Katzenjammer“ bedeutet hier allerdings so viel wie „Katzenmusik“, für was das Wort „Katzenjammer“ in der norwegischen Sprache steht. Zu hören gibt es auf diesem zweiten Album der Norwegerinnen, die inzwischen zu einem Trio geschrumpft sind, Pop-Musik und noch viel mehr. Denn Pop Musik ist das nur zum Teil, was es auf „A Kiss Before You Go“ zu hören gibt. Auf dem im September 2011 auf Universal Music veröffentlichten Album gibt es auch Chanson, Zirkus Musik und vom Cabaret angehauchte Lieder zu hören.

Zudem hat sich auch ein Cover-Titel auf die Scheibe verirrt. Die vier Musikerinnen interpretieren das Stück „Land Of Confusion“ von Genesis. Das klingt ganz nett, wenn es auch nicht ganz an das Original heranreicht. Weitaus schwieriger ist da schon mit den Titeln, bei denen sich die vier Damen in anderen, als dem Pop Genre bewegen. Das mag zwar zur Vielfalt auf der Scheibe beitragen, überzeugen kann dies jedoch wohl nur, wenn man sich auch in den entsprechenden Musikrichtungen zu Hause fühlt. Das Lied „Cherrie Pie“, nach den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts klingend, ist dabei genau so wenig überzeugend wie die Nummer „Loathsome M“, bei der die Stimmen der Sängerinnen mitunter nur noch schrill klingen. „Shepherd's Song“ kratzt ein wenig am Country Genre und „God's Great Dust Storm“ klingt nach Gospel, allerdings ebenso wenig überzeugend.

Nun, auf „A Kiss Before You Go“ gibt es jedoch auch Höhepunkte. Genau drei an der Zahl. „Lady Marlene“ ist eine sanfte, fast verwunschen klingende Nummer, die sich sofort im Ohr festsetzt. „Rock-Paper-Scissors“, der Hit des Albums, ist ein wunderbar fröhliches Lied, ebenso mit Ohrwurmcharakter ausgestattet. Irisch klingt die Melodie, genau wie die Instrumentierung. Ein Lied, welches Tage verschönern kann. Und schließlich wäre da noch „Soviet Trumpeter“. Auch hier ist es wieder die sanfte, fast zerbrechlich wirkende Melodie, die das Lied, wie bereits „Lady Marlene“, zu einem überzeugenden werden lässt. Anschließend nimmt das Ganze Fahrt auf und klingt dabei etwas nach Zirkus und ist auch in dieser Passage nicht weniger eingängig. Sehr gelungen.

Fazit: Drei Höhepunkte gibt es auf „A Kiss Before You Go“ von Katzenjammer. Vom Rest ist manches nicht erwähnenswert, anderes stark gewöhnungsbedürftig. Steht man auf Cabaret-Musik und manch schrille Stimme, kann man vielleicht auch hier was für sich finden. Ich muss da leider manchmal etwas überspringen. Jedoch für die drei tollen Lieder hat sich die Anschaffung des Albums bereits gelohnt. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Lady Marlene, Rock-Paper-Scissors, Soviet Trumpeter



Dienstag, 20. September 2016

Iron Maiden – Rock In Rio




Iron Maiden – Rock In Rio


Besetzung:

Bruce Dickinson – lead vocals
Dave Murray – guitar
Adrian Smith – guitar
Janick Gers – guitar
Steve Harris – bass guitar, co-producer, video editor
Nicko McBrain – drums


Gastmusiker:

Michael Kenney – keyboards


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Heavy Metal


Trackliste:

CD1:

1. Intro (1:55)
2. The Wicker Man (4:41)
3. Ghost Of The Navigator (6:48)
4. Brave New World (6:06)
5. Wrathchild (3:05)
6. 2 Minutes To Midnight (6:26)
7. Blood Brothers (7:15)
8. Sign Of The Cross (10:49)
9. The Mercenary (4:42)
10. The Trooper (4:33)


CD2:

1. Dream Of Mirrors (9:38)
2. The Clansman (9:19)
3. The Evil That Men Do (4:40)
4. Fear Of The Dark (7:40)
5. Iron Maiden (5:51)
6. The Number Of The Beast (5:00)
7. Hallowed Be Thy Name (7:23)
8. Sanctuary (5:17)
9. Run To The Hills (4:52)

Gesamtspieldauer: 1:56:11




Steht man auf Hard Rock beziehungsweise Metal, so sollte man sich das fünfte Live-Album der britischen Metal Band Iron Maiden auf gar keinen Fall entgehen lassen. „Rock In Rio“ wurde am 19. Januar 2001 in Rio de Janeiro aufgenommen und im März des darauffolgenden Jahres auf EMI veröffentlicht. Zu hören gibt es auf „Rock In Rio“, neben den Klassikern der Band aus den ersten Studio-Veröffentlichungen der 80er Jahre, auch sechs Lieder aus dem im Jahr 2000 veröffentlichten und gleichzeitig zwölften Studioalbum von Iron Maiden, „Brave New World“.

Somit hält die Scheibe einige Höhepunkte für den Freund der etwas härteren Töne bereit und es steht dem Hörgenuss nichts mehr im Wege. Gleichzeitig bietet „Rock In Rio“ auch einen sehr schönen Überblick über das bisherige musikalische Schaffen von Iron Maiden. So stehen den „alten“ Klassikern der Band wie „The Number Of The Beast“, „Hallowed Be Thy Name“, „Sanctuary“ oder „Run To The Hills“ auch neuere, sehr überzeugende Titel gegenüber. Aufzählen könnte ich hier einige Nummern, exemplarisch erwähnt seien an dieser Stelle das mitreißende und 1995 entstandene „Sign Of The Cross“ aus dem Album „The X Factor“ oder jenes, vom bereits erwähnten Album „Brave New World“ stammende „Blood Brothers“. Eine unglaublich melodische Nummer, die ganz schnell ihren Weg ins das Ohr findet. Die Musik ist allgemein mitreißend und trotz aller Härte überaus eingängig und melodiös. Hier wird gerockt und man spürt die Energie in den Liedern und auch auf der Bühne, die die begeisterten Fans ein ums andere Mal ansteckt.

Und genau hier liegt eine weitere Stärke von „Rock In Rio“. Neben den wirklich guten Live-Stücken ist es diese Live-Atmosphäre, die wunderbar, aus dem Album heraus, durch die Boxen zur Hörerin beziehungsweise zum Hörer transportiert wird. Der Funke der Begeisterung springt auf die Zuhörer während des Konzertes über. Und dieser Funke wird auch durch die Lautsprecher oder Kopfhörer zu denjenigen geleitet, die dieses Album auch noch Jahre später hören. Genau so muss ein Live-Album klingen. Auf solch einer Live-Platte möchte man die Live-Atmosphäre schnuppern, etwas hören vom Spiel des Sängers mit den Zuschauern, deren Reaktion mithören, mitfühlen. Allzu oft werden Live-Platten so sehr nachbearbeitet, dass man vom Publikum kaum mehr etwas mitbekommt, diese nur noch ein Rauschen im Hintergrund bilden. All das ist auf „Rock In Rio“ nicht der Fall. Hier spürt man diese Atmosphäre wahrlich gut und das macht dieses Album auch mit aus.

Fazit: „Rock In Rio“ ist ein sehr überzeugendes Live-Album geworden. Dazu trägt die mitreißende Musik ihren Teil bei. Mit Metal sollte man allerdings schon etwas anzufangen wissen, um diese Lieder auch genießen zu können. Zum anderen wird das Album deshalb zu einer wirklich überzeugenden Platte, da hier die Live-Atmosphäre des Konzertes beim Hören gleich mit in das Wohnzimmer schwappt. So und nicht anders sollten Live-Alben klingen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Blood Brothers, Sign Of The Cross, Run To The Hills



Montag, 19. September 2016

Knut und die herbe Frau – Knut und die herbe Frau




Knut und die herbe Frau – Knut und die herbe Frau


Besetzung:

Knut Stenert – Gitarre, Gesang
Benedikt Filleböck – Klavier, Keyboards, Synthies, Schlagzeug-Programmierung, Gitarre


Gastmusiker:

Florian Luning – zusätzliches Schlagzeug
Tobias Siebert – zusätzliche Gitarren, Synthies, Percussion, Chorgesänge


Label: Tapete Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Pop, Elektro-Pop


Trackliste:

1. Blutiger Sonntag (3:31)
2. Loreen (4:17)
3. Wort (3:53)
4. Stille Sucht (3:02)
5. Haus am Fluss (4:02)
6. Fehlen (4:25)
7. Gewonnen (3:21)
8. Vom Glück zur Wüste (3:38)
9. True Love (3:58)
10. Prag (3:49)
11. Keine Tränen für die Opfer (3:49)

Gesamtspieldauer: 41:51




Knut und die herbe Frau ist ein Projekt, welches aus Knut Stenert und Benedikt Filleböck besteht. Eine Platte brachte dieses Duo heraus, das selbstbetitelte Album „Knut und die herbe Frau“ aus dem Jahr 2009, welches auf Tapete Records veröffentlicht wurde. Knut Stenert kennt man von der Band „Samba“, wohingegen Benedikt Filleböck in der Kölner Formation „Wolke“ aktiv ist.

Auf „Knut und die herbe Frau“ von Knut und die herbe Frau hört man deutschen Elektro-Pop, der mal mehr mal weniger ins Ohr geht. Ihre Stärken besitzt die Musik der Band dabei gerade in den Momenten, in denen diese synthetische Elektro-Pop-Atmosphäre nicht ganz so stark ausgeprägt ist. Wenn man zum Beispiel, anstatt des Synthesizers, dann doch das Piano oder die Gitarre zu hören bekommt. Ein sehr schönes Beispiel dafür und gleichzeitig die beste Nummer des Albums ist „Haus am Fluss“. Das Lied geht sofort ins Ohr und klingt nicht so elektronisch überladen. Der anfängliche Piano-Lauf erinnert zwar frappierend an „Es herrscht wieder Frieden im Land“ von Konstantin Wecker, der Eingängigkeit des Liedes schadet dies aber natürlich nicht.

Ebenfalls noch sehr überzeugend klingt „Prag“, ein schönes Liebeslied oder sollte man eher sagen, ein trauriges Liebeslied? Die Nummer geht ins Ohr und was bei diesem Stück auch einmal mehr deutlich wird, das sind die wirklich gelungenen Texte, die sogar bei diesem sehr ausgelutschten Thema noch zu überzeugen wissen. Schwierig wird es allerdings bei solchen Nummern wie „Fehlen“. Textlich auch noch in Ordnung, aber der Sound klingt einfach deutlich zu synthetisch, dabei hat hier sogar auch die akustische Gitarre ihren Einsatz, leider nur einen sehr untergeordneten.

Fazit: Ein etwas zwiespältiges Gefühl hinterlässt Knut und die herbe Frau durchaus. Da gibt es auf dieser Scheibe eine Handvoll guter Lieder und dann wiederum solche, die man nicht unbedingt hören möchte, wenn man eher auf „handgemachte“ Musik steht. Von daher ist „Knut und die herbe Frau“ von Knut und die herbe Frau eine kleine musikalische Achterbahnfahrt, die allerdings textlich immer überzeugen kann. Ein wenig schade ist es deswegen schon, dass dies ein einmaliges Projekt zu sein scheint. Acht Punkte.

Anspieltipps: Haus am Fluss, Prag



Sonntag, 18. September 2016

Rome – Coriolan




Rome – Coriolan


Besetzung:

Jerome Reuter – alle Instrumente


Gastmusiker:

Laurent Fuchs – drums on "Fragments"
Michael DE Victor – additional spoken words


Label: Trisol Music


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Neofolk


Trackliste:

1. Investiture (3:22)
2. Make You A Sword Of Me (1:14)
3. Broken (4:43)
4. Fragments (3:07)
5. This Light Shall Undress All (2:04)
6. Coriolan (4:06)
7. Der Krieg (3:47)
8. Funeratio (3:11)

Gesamtspieldauer: 25:36




Das elfte Album des Luxemburgers Jerome Reuter, aus dessen Vornamen sich auch der „Band-Name“ ableitet, ist eher eine EP geworden, denn ein ganzes Album, was bei einer Gesamtspieldauer von etwas über 25 Minuten nicht abzustreiten sein wird. Alles andere reiht sich jedoch perfekt in die Reihe der bisherigen Veröffentlichungen ein. Auch „Coriolan“, was im April 2016 erneut auf dem Musiklabel Trisol Music veröffentlicht wurde, hat Jerome Reuter fast im Alleingang eingespielt, die Musik und die Texte stammen sowieso wieder aus seiner Feder, wobei die Inspiration des Luxemburgers zu diesem Mini-Album von William Shakespeares „Coriolanus“ ausgeht, wie man in dem schön gestalteten Booklet nachlesen kann.

Doch dieses Mal ist das Ganze durchaus etwas anders geraten, als noch auf den vorherigen Alben von Rome. Trotz seiner kurzen Laufzeit zeichnet sich dieses Album mit noch etwas breiter gefächerter musikalischer Vielfalt aus. Da klingt es mal experimentell und etwas verschroben, eher wie eine Klangkollage, dann jedoch wieder sehr melodiös und eingängig, wie es so typisch ist für die Musik von Rome. Doch hört man auf „Coriolan“ auch mal verzerrte Gitarren oder mit „Fragments“ sogar ein Lied, was sich noch nicht ganz entscheiden kann, ob es eher nach New Wave oder nach Punk klingen möchte. Ziemlich ungewöhnliche Töne für Jerome Reuter.

Nun, Abwechslung ist wahrlich etwas Schönes, zu viel davon, noch dazu auf einem solch kurzen Album, kann allerdings auch dafür sorgen, dass man irgendwie nicht ganz so hineinkommt in diese kurze Platte – doch glaubt man das endlich geschafft zu haben, dann ist die Scheibe sowieso schon wieder ausgeklungen. Die richtig tollen Momente gibt es allerdings auch auf „Coriolan“. Das Titelstück selbst beeindruckt hier durchaus und zeigt einmal mehr, welches Gespür Jerome Reuter für die eingängige Melodie besitzt. Und auch das einzige, Deutsch vorgetragene Lied, „Der Krieg“, lohnt sich gehört zu haben.

Fazit: „Rome-Freunde“ werden sicherlich auch von diesem kurzen Album begeistert sein. Zum Einstieg selbst, in den musikalischen Kosmos des Jerome Reuter, wäre dieses kleine Album allerdings eher ungeeignet. Zu unterschiedlich sind darauf die musikalischen Stile vertreten. Diese vermögen es nicht, ein einheitliches Bild der Musik zu erzeugen, was das Eintauchen in diese Musik erschwert. Trotzdem hat die Scheibe ihre großen Stärken, ist bei einem Verkaufspreis für ein komplettes Album, allerdings definitiv zu kurz geraten. Acht Punkte.

Anspieltipps: Coriolan, Der Krieg



Samstag, 17. September 2016

Juli – Es ist Juli




Juli – Es ist Juli


Besetzung:

Eva – Gesang
Marcel – Schlagzeug
Jonas – Gitarre
Dedi – Bass
Simon – Gitarre


Gastmusiker:

Dave Andersen – Keyboards
Ingmar Süberkrüb – Streicherarrangements
Andrewas Jamin – Gesang


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Warum (3:46)
2. Sterne (4:00)
3. Geile Zeit (3:47)
4. Tage wie dieser (3:25)
5. Tränenschwer (3:27)
6. Perfekte Welle (3:20)
7. Regen und Meer (3:36)
8. November (2:59)
9. Anders (3:09)
10. Kurz vor der Sonne (3:15)
11. Ich verschwinde (3:40)
12. Wenn du lachst (3:48)

Gesamtspieldauer: 42:16




Mit ihrem, im Jahr 2004 erschienenen Debut-Album „Es ist Juli“, gelang der Gießener Band Juli auch gleich der Durchbruch im deutschsprachigen Europa. Bis heute stellt die Platte, die bisher erfolgreichste Scheibe der Band dar, die in Deutschland sogar mit drei Mal Platin ausgezeichnet wurde. Das auf Island Records veröffentlichte Album enthält dabei auch den größten Hit der Band, „Perfekte Welle“, welches nach der Tsunami-Katastrophe in Südostasien im Dezember 2004, allerdings sofort von allen Radiostationen aus Pietätsgründen gemieden wurde.

Nun, dieses Lied ist der Hit des Albums, eine gelungene und eingängige Nummer, die sich freilich um das Surfen dreht – übertragen vielleicht auch vom Ausnutzen von Chancen handelt. Der Rest der Scheibe ist eher sehr konventionell geratene, deutsche Pop-Musik, die kaum irgendwelche Spuren hinterlässt. Dazu gesellen sich leider auch Texte, die zumeist das Thema „Liebe“ zum Inhalt haben. Allein dieser Umstand zeugt nicht von sehr viel Kreativität, besonders originell ist das Ganze in seiner Umsetzung dann leider auch nicht geraten. „Es ist Juli“ ist typisch für jene Art von Platten, die man einlegt, man beschäftigt sich mit irgendetwas nebenher und plötzlich herrscht um einen herum Stille – doch diese nimmt man erst nach mehreren Minuten wahr. War da denn was?

Andererseits lässt einen die Musik auf dem Debut-Album von Juli auch nicht verzweifeln. Solch Titel, die man unbedingt überspringen muss, solche Lieder fehlen glücklicherweise ebenfalls. Von daher ist es sogar ganz nette Unterhaltungsmusik, in die man zwar nicht so richtig eintauchen kann, wie in manch andere Musik, die einen aber begleitet und mit der Nummer „Perfekte Welle“ sogar einen richtigen Höhepunkt aufweist.

Fazit: „Es ist Juli“ von Juli ist mit Sicherheit kein Meilenstein der Musikgeschichte. Sollte es auch ganz bestimmt nicht werden. Die Gießener Musiker wollen mit ihrer Musik unterhalten – und das schaffen sie auch. Zwar gibt es auf diesem Planeten sehr viel bessere und spannendere Musik, jedoch hält auch diese Scheibe zumindest einen Höhepunkt für die Hörerin und den Hörer parat. Die Nummer „Perfekte Welle“ ist wahrlich gelungen. Elf weitere Lieder schwimmen mal besser, mal weniger gut, einfach so mit. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Perfekte Welle



Freitag, 16. September 2016

Nicholas Lens – Flamma Flamma




Nicholas Lens – Flamma Flamma


Besetzung:

Gesang der einzelnen Rollen:

Claron McFadden – Luna-Serena
Na Verne Williams – Maramnan
Gary Boyce – Ismaïl
Zeger Vandersteene – Stoycé
Henk Lauwers – Lucifer
Marcello Rosca – Flammarius
The Fireflies, Lecka, Pecka & Flecka – Nadka Karadjova, Anastassia Kostova, Kera Damianova


Flemisch Radio Choir – The Anonymous Mass
Makiko Goto – Koto
Gondwana Orchestra – Chamber Orchestra


Label: BMG


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Zeitgenössische Klassik


Trackliste:

1. Hic Iacet I (5:42)
2. Hic Iacet II (9:08)
3. Sumus Vicinae (4:59)
4. Tegite Specula (6:06)
5. Complorate Filiae (4:14)
6. Vale Frater (4:13)
7. Amice Mi (4:41)
8. Corpus Inimici (5:26)
9. Deliciae Meae (4:54)
10. Flamma Flamma (3:19)
11. Ave Ignis (4:44)
12. In Corpore (4:59)
13. Agnus Purus (5:57)
14. Ardeat Ignis (7:17)

Gesamtspieldauer: 1:15:47




Ich höre zwar gerne klassische Musik, wenn auch deutlich weniger als populäre Musik. So habe ich mir auch immer wieder entsprechende Platten und CD’s zugelegt, sehr subjektiv und trotzdem hatte ich die Besprechung von klassischer Musik auf diesen Seiten für mich absolut ausgeschlossen. Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ und Edvard Griegs „Peer Gynt“ sind klasse und etwas Anderes soll nicht so gut sein? Oder noch besser, die Aufnahme hier ist toll, diese andere da geht schon mal gar nicht, weil da der Dirigent oder das Orchester versagt haben? Nein, so etwas maße ich mir nicht an, so etwas könnte ich unmöglich beurteilen.

Trotzdem möchte ich hier nun ein Stück moderne Klassik vorstellen, sogar eine Oper, obwohl ich mit Opern allgemein nur ganz wenig anzufangen weiß und mich dabei maximal einzelne Arien ab und zu ansprechen. Kunstbanause, ich weiß. Aber hier ist es anders, ganz anders. Hier es geht um den ersten Teil der Trilogie „The Accacha Chronicles“ des Belgiers und zeitgenössischen Komponisten Nicholas Lens. Dieser erste Teil der Trilogie, „Flamma Flamma“, der ursprünglich im Jahr 1994 von Sony Classical veröffentlicht wurde, ist ein Stück Musik, welches beim Hören sehr viel Eindruck hinterlässt.

„Flamma Flamma“ ist ein Erlebnis. „Flamma Flamma“ ist mystisch und packend, ist abwechslungsreich und aufregend. „Flamma Flamma“ ist eingängig und muss doch erarbeitet werden. „Flamma Flamma“ ist etwas ganz Besonderes. Eine Oper, welche man einmal gehört so schnell nicht mehr vergessen wird. Da ist dieser unfassbar intensive Chorgesang, neben zahlreichen, sehr ergreifenden Soloauftritten. Da ist diese Kammerorchestrierung, die um die japanische Koto erweitert wurde. Die Instrumentierung ist dabei, auch von ihrer Art her, nur in wenigen Fällen mit der einer klassischen Oper zu vergleichen. Diese Instrumentierung wirkt hier irgendwie filigraner, feiner.

Man kann eintauchen in diese Musik, bei der es Stücke gibt, die sofort zu wirken verstehen. Bei anderen wiederum benötigt man eine gewisse Zeit, um diesen ganzen Kosmos durchsteigen zu können. Auf „Flamma Flamma“ ist ein Märchen zu hören, in dem Flammarius, der Feuergott, sich mit seinem Gefolge auf die Erde begibt und dort einiges an Unheil anrichtet. Wenn man der lateinischen Sprache nicht mächtig ist – und ich befürchte an dieser Stelle, dass hier das große Latinum, erworben vor wenigen Jahren, auch nicht mehr ausreicht – versteht man nicht viel bis gar nichts von der Story. Ist nicht weiter schlimm, denn es geht sehr viel mehr um die Stimmung, die Atmosphäre, die hier durch die verschiedenen Charaktere auf das Allerbeste transportiert wird. Die Geschichte zu dieser Musik entsteht dabei ganz wie von selbst bei der Hörerin, bei dem Hörer. Und diese wird bei jedem eine ganz andere sein. So hört man die Kraftvollen, die Leidenden, die Mahnenden, die Verzweifelten, die Anklagenden und die Erwartungsvollen. Oder interpretiere ich das alles nur hinein? Nun egal, denn dieses „Flamma Flamma“ verzaubert einen mit sehr intensiver Musik und Gesängen, wie sie es in dieser Art und Weise nur selten zu hören gibt. Die dabei entstehende Welt ist eine rein geistige, die es nur je einmal im Kopf von Hörerin und Hörer gibt, sodass jeder etwas völlig anderes damit assoziieren wird.

Fazit: „Flamma Flamma“ von Nicholas Lens ist besondere Musik. Es ist Musik die packt und inspiriert. Was jede beziehungsweise jeder Einzelne darin sehen und finden wird, hält sicher den ganzen Fächer der Emotionen parat. Kalt lassen wir einen diese Musik allerdings bestimmt nicht. Die Gesänge erinnern in manchen Bereichen an klassische Opern, in anderen Bereichen an experimentelle Musik, in wieder anderen Bereichen an eine Märchenstunde. Die Musik selbst ist angelegt zwischen Klassik und moderner Musik, alles perfekt verwoben. Lohnt sich sehr. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Sumus Vicinae, Tegite Specula, Deliciae Meae, Agnus Purus



Donnerstag, 15. September 2016

New Model Army – Winter




New Model Army – Winter


Besetzung:

Justin Sullivan – vocals, guitars, keyboards
Michael Dean – drums, percussion, backing vocals
Dean White – keyboards, guitars, backing vocals
Marshall Gill – guitars, harmonica, backing vocals
Ceri Monger – bass, guitars, percussion, backing vocals


Gastmusiker:

Henning Nugel – violins and arrangements on “Winter” and “Drifts”
Tobias Unterberg – cellos and arrangements on “Devil” and “Weak And Strong”
Anna Watkins – backing vocals on “Part The Waters” and “Echo November”
Laura Shackleton – backing vocals on “Part The Waters” and “Echo November”


Label: Attack Attack Records


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Beginning (6:53)
2. Burn The Castle (3:10)
3. Winter (4:20)
4. Part The Waters (4:25)
5. Eyes Get Used To The Darkness (4:40)
6. Drifts (4:28)
7. Born Feral (6:28)
8. Die Trying (3:36)
9. Devil (4:33)
10. Strogoula (4:09)
11. Echo November (3:01)
12. Weak And Strong (4:19)
13. After Something (4:01)

Gesamtspieldauer: 58:10




Ihr vierzehntes Studioalbum nannte die Band New Model Army „Winter“ und dieses wurde im September 2016 auf Attack Attack Records veröffentlicht. Die Platte reiht sich dabei nahtlos in die bisherigen überzeugenden Veröffentlichungen der Band um Justin Sullivan ein. Vom ersten bis zum letzten Takt weiß die Musik auf „Winter“ zu überzeugen und ist eindeutig der Musik, der ursprünglich in Bradford gegründeten New Model Army zuzuordnen. Es ist dabei nicht nur der Gesang des Justin Sullivan, der so unverwechselbar mit der Musik der Briten verwoben ist, es ist der Klang der Gitarre und es ist vor allen Dingen auch die Atmosphäre, die solch einem Album von New Model Army innewohnt, die die Musik dieser Band so unverwechselbar werden lässt.

Nun könnte man sagen: „Alles schon gehabt, irgendwie nichts Neues mehr von New Model Army.“ Und ganz so falsch ist diese Aussage wahrlich nicht. Die Musik der Band ist bekannt und auf „Winter“ werden auch keine Experimente unternommen oder irgendwelche neuartigen Wege gegangen. Trotzdem ist „Winter“ ein gutes und niemals langweiliges Album geworden. Und das liegt an der Qualität der einzelnen Stücke. Jede Menge Nummern auf „Winter“ wissen zu überzeugen, irgendwelches Füllmaterial lässt sich schon gar nicht auf dieser Scheibe ausmachen. Egal, ob die Lieder „Winter“, „Drifts“, „Born Feral“, „Die Trying“, „Strogoula“, „Echo November“ oder irgendwie anders heißen – ich hätte hier jetzt wahrlich alle dreizehn Lieder aufzählen können – die Musik von New Model Army auf „Winter“ wirkt einfach. Die einzelnen Stücke sind zumeist im Mid-Tempo angesiedelt, gehen ins Ohr und benötigen dafür nicht allzu viele Durchläufe, um sich endgültig bei der Hörerin beziehungsweise beim Hörer festzusetzen.

Neben den überzeugenden Melodien hält die Platte einmal mehr auch gute und interessante Texte für die Musikhörer parat, die sich lohnen mit verfolgt beziehungsweise nachgelesen zu werden. Und auch bei der Gestaltung des Albums selbst haben sich New Model Army wieder viel Mühe gegeben. Dieses gibt es in Form eines kleinen Buches. Die Texte sind auf kunstvoll, in dunklen Farben gehaltenen Seiten abgedruckt. Diese einem, auf diese Art und Weise vermittelte, etwas düstere Stimmung, setzt sich dabei durchaus auch musikalisch fort. Ein „helles“ Album ist „Winter“ mit Sicherheit nicht geworden, die hier transportierte Atmosphäre ist ein eher dunkle – aber was soll man bei diesem Album-Titel auch anderes erwarten.

Fazit: Wer New Model Army mag, wird auch dieses Album mögen. Wer diese Band liebt, dem wird es mit „Winter“ genau so gehen. New Model Army besinnen sich bei „Winter“ auf ihre Stärken. Und diese sind eingängiger Alternative Rock, eher im Mid-Tempo angesiedelt, atmosphärisch sehr dicht gestaltet und dabei immer absolut eingängig und melodiös. Gute Texte und eine schöne Aufmachung des Albums runden das Gesamtbild der Scheibe ab. Sehr überzeugend. Elf Punkte.

Anspieltipps: Winter, Born Feral, Strogoula



Mittwoch, 14. September 2016

Limp Bizkit – Greatest Hitz




Limp Bizkit – Greatest Hitz


Besetzung:

Titel 1–11

Fred Durst – vocals
Wes Borland – guitars
Sam Rivers – bass
John Otto – drums, percussion
DJ Lethal – turntables, samples, keyboards, programming, sound development


Tracks 12–17

Fred Durst – vocals, guitar, banjo
Mike Smith – guitar
Brian Welch – guitar on "Build a Bridge"
Sam Rivers – bass
John Otto – drums, percussion
DJ Lethal –turntables, keyboards, samples, programming, sound development


Label: Geffen Records


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Rap Metal, Nu Metal, Rock


Trackliste:

1. Counterfeit (4:48)
2. Faith (2:26)
3. Nookie (4:26)
4. Break Stuff (2:46)
5. Re-Arranged (5:54)
6. N 2 Gether Now (3:55)
7. Take A Look Around (5:19)
8. My Generation (3:41)
9. Rollin' (Air Raid Vehicle) (3:33)
10. My Way (4:33)
11. Boiler (5:44)
12. Eat You Alive (3:57)
13. Behind Blue Eyes (4:29)
14. Build A Bridge (3:56)
15. Why (4:05)
16. Lean On Me (4:27)
17. Home Sweet Home / Bittersweet Symphony (3:51)

Gesamtspieldauer: 1:11:59




Auf „Greatest Hitz“ von Limp Bizkit hört man eine Mischung aus Rap Matal und Nu Metal. Das Album stammt aus dem Jahr 205 und wurde auf dem Musiklabel Geffen Records veröffentlicht. Aber „Mischung aus Rap Matal und Nu Metal“? Nun, das stimmt doch auch nicht ganz genau, denn gerade jene Titel, die diesem Kompilationsalbum hinzugefügt wurden, die letzten drei der Scheibe, „Why“, „Lean On Me“ sowie „Home Sweet Home / Bittersweet Symphony“, gehören eher in die Rubrik Rock eingruppiert. Es ist natürlich eine Unsitte, einem „Best Of…“-Album neue Titel hinzuzufügen, damit der geneigte Fan auch dieses noch käuflich erwirbt. Besitzt man allerdings noch nichts von der Band, kann dies durchaus einen gewissen Mehrwert darstellen. Zumal, wenn – wie in diesem Fall – die Lieder dann sogar mit zu den Höhepunkten der Scheibe gehören. Gut gemachter Rock bis Pop ist das und die Verbindung von „Home Sweet Home“ der Mötley Crüe und „Bittersweet Symphony“ von The Verve ist dabei überaus gelungen.

Ansonsten gibt es jede Menge Abwechslung auf „Greatest Hitz“ zu hören. Da hört man krass abgefahrenen und explodierenden Nu Metal, genau wie Hard Core Rap. Und dazwischen betten Limp Bizkit immer wieder Lieder ein, wie das tolle „Re-Arranged“, die ebenfalls eher im Genre des Rock beheimatet sind, denn im Bereich des Nu Metal. Und natürlich darf auf dieser Zusammenstellung auch nicht „Take A Look Around“ vom 2000er Studioalbum „Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water“ fehlen, sicherlich eines der besten Stücke von Limp Bizkit überhaupt. Zentrales Element dieses Liedes ist das Riff, welches den meisten Hörerinnen und Hörern vom Film „Mission Impossible II“ bekannt sein dürfte und welches vom argentinischen Pianisten und Dirigenten Lalo Schifrin komponiert wurde. In dieser Version von Limp Bizkit ein absolut kraftvolles Stück, was begeistern kann und jederzeit und ohne Umwege ins Ohr geht.

Neben einigen guten Eigenkompositionen haben es Limp Bizkit auch immer geschafft, gut gemachte Cover-Versionen zu generieren. Eine weitere davon ist mit „Behind Blue Eyes“ von The Who ebenfalls auf dieser Scheibe vorhanden. Auch diese Version klingt sehr überzeugend, wenn sie auch nicht ganz die Wirkung des Originals erreicht. Ebenfalls noch sehr gelungen, dieses Mal allerdings eine Eigenkomposition, ist die Nummer „Build A Bridge“ vom Album „Results May Vary“. Und wer es mal so richtig krachen hören möchte, dem sei das Lied „Nookie“ der Platte „Significant Other“ empfohlen.

Fazit: Die Abwechslung wird groß geschrieben, auf dieser Scheibe der US-amerikanischen Band Limp Bizkit aus Jacksonville, Florida. Zu hören gibt es Nu Metal, Rock, Rap und auch Pop. Einige der Lieder knallen, andere überzeugen mit einer wirklich eingängigen Melodie. Und selbst diese Mischung aus New Metal und Rap kann da sogar manches Mal den Rock Freund überzeugen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Re-Arranged, Take A Look Around, Behind Blue Eyes, Build A Bridge



Dienstag, 13. September 2016

Lynyrd Skynyrd – Southern Knights




Lynyrd Skynyrd – Southern Knights


Besetzung:

Garry Rossington – guitar
Ed King – guitar
Johnny Van Zant – vocals
Leon Wilkeson – bass
Mike Estes – guitar
Owen Hale – drums


Gastmusiker:

Dale Krantz-Rossington – backing vocals
Bebbie Davis-Estes – backing vocals


Label: CBH Records


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Southern Rock


Trackliste:

CD1:

1. Workin' For MCA (5:23)
2. I Ain't The One (4:10)
3. Saturday Night Special (5:46)
4. Down South Jukin' (2:46)
5. Double Trouble (4:18)
6. Devil In The Bottle (3:55)
7. T for Texas (8:39)
8. What's Your Name? (4:04)
9. That Smell (7:25)


CD2:

1. Simple Man (7:55)
2. Gimme Three Steps (6:17)
3. Sweet Home Alabama (7:48)
4. Free Bird (13:45)

Gesamtspieldauer: 1:22:17




„Southern Knights“ heißt das dritte Live-Album der US-amerikanischen Southern Rock Band Lynyrd Skynyrd. Veröffentlicht wurde das Doppelalbum im Jahr 1996 auf dem Label CBH Records. Auf „Southern Knights“ befindet sich allerdings nicht die Aufnahme eines einzelnen Auftritts, sondern die Platte besteht aus dem Zusammenschnitt sechs verschiedener Auftritte, wie im Booklet nachgelesen werden kann. Der Sound der Platte ist brillant, was auf sehr viel Nachbearbeitung im Studio hinweist. Da auch das grölende Publikum als breite dumpfe und immer gleichklingende Masse eingeblendet wird, welches anscheinend manchmal auch während der Lieder jubelt, hat die Musik auf der Scheibe nur noch sehr wenig mit der einer Live-Platte zu tun.

Nun, man muss diesen Südstaaten Blues lieben, um etwas für sich auf dieser Scheibe zu entdecken. Davon ausgenommen sind natürlich jene drei Lieder auf CD2, die mit zu den bekanntesten Stücken von Lynyrd Skynyrd gehören. „Simple Man“, „Sweet Home Alabama“ und „Free Bird“ sind absolute Klassiker der Band. Fehlt nur noch „Tuesday Gone“ und die vier besten Lieder von Lynyrd Skynyrd wären „live“ auf „Southern Knights“ vereint gewesen.

Auf der ersten Scheibe befinden sich zur knappen Hälfte Stücke, von dem zwei Jahre zuvor entstandenen, achten Studioalbum der Band, „Endangered Species“, stammen. Hier kommt dieser südliche und weiße Blues Rock am besten zum Tragen. Southern Rock in Reinkultur. Dies ist durchaus eine ganz spezielle Art der Musik, welche das Herz fast eines jeden Gitarristen höherschlagen lässt. Da gibt es lange Gitarrenläufe, immer Musik zum Mitwippen und wenn dann auch noch an der Boogie-Woogie Schraube gedreht wird, wird das Ganze sogar noch fröhlich. Muss man einfach mögen – oder man steigt eben aus.

Fazit: Ein klein wenig selbstverliebt klingen sie immer, die Südstaatenrocker, wenn sie alles in einer bluesigen Art und Weise aus ihrer Gitarre herauszuholen versuchen. Mit Platte 1 des Albums kann ich daher ein wenig weniger anfangen. Wohingegen Platte 2 die Höhepunkte von Lynyrd Synyrd für mich parat hält, die auch mich zu begeistern verstehen. Während die erste Scheibe nicht so ins Ohr geht, schafft dies die zweite Platte spielend. Alles eben reine Geschmackssache. Wegen dem fehlenden „Live-Feeling“ gibt es allerdings auf jeden Fall Abzüge. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Simple Man, Sweet Home Alabama, Free Bird


Die hier verlinkte Version von "Free Bird" ist nicht die, der Platte)