Sonntag, 15. September 2013

Thirty Seconds To Mars – Love Lust Faith + Dreams




Thirty Seconds To Mars – Love Lust Faith + Dreams


Besetzung:

Jared Leto − lead vocals, guitars, bass guitar, keyboards, synthesizers
Shannon Leto − drums, percussion, synthesizers
Tomo Miličević − guitars, bass guitar, keyboards, synthesizers, violin, cello


Gastmusiker:

Deepak – additional vocals
Zhu Zhu – additional vocals
Summit – additional vocals
Michael Joyce – additional programming
Patrick Nissley – additional programming
Morgan Kibby – additional programming
Cory Enemy – additional programming
Jacob Plant – additional programming


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Rock, Rock


Trackliste

1. Birth (2:07)
2. Conquistador (3:12)
3. Up In The Air (4:36)
4. City Of Angels (5:02)
5. The Race (3:40)
6. End Of All Days (4:46)
7. Pyres Of Varanasi (3:12)
8. Bright Lights (4:51)
9. Do Or Die (4:08)
10. Convergence (2:01)
11. Northern Lights (4:44)
12. Depuis Le Début (2:33)

Gesamtspieldauer: 44:54




Vier Jahre dauerte es, bis 30 Seconds To Mars im Jahr 2013 ihr viertes Studioalbum unter dem Titel „Love Lust Faith + Dreams“ veröffentlichten. Und bereits beim ersten Hören der Scheibe fällt dem Musikkonsumenten auf, dass sich nicht allzu viel an der Musik von 30 Seconds To Mars geändert hat. Die Songs sind immer noch kraftvoll rockig, dann wieder ein wenig getragener und nachdenklicher, immer jedoch sehr eingängig und in sich stimmig. Und selbst die Idee der letzten Platte, Chöre im Hintergrund einzusetzen, hat sich durchgesetzt. Waren es auf „This Is War“ noch die Fangesänge, so scheinen die Musiker dieses Mal selbst im Hintergrund zu hören zu sein, weiter ist dazu in den Credits nichts vermerkt.

Neben den kraftvollen und rockigen Titeln gibt es auch ruhigere Nummern, wie zum Beispiel das sehr eingängige „End Of All Days“, bei dem Jared Leto fast schon am Rande des Weinens zu sein scheint, so sehr steigert er sich gesanglich in dieses Lied. Auch der folgende Titel „Pyres Of Varanasi” scheint zunächst eine ruhige Nummer zu werden, steigert sich dann allerdings durch Rhythmik und Synthesizer-Loops in ein Lied, welches am Rande des Techno balanciert. Sehr mitreißend.

Die Eingängigkeit und Melodiösität der Musik ist zu jedem Zeitpunkt gegeben, egal ob das Tempo angezogen oder aber verschleppt wird. Dazu passt auch bestens der Gesang Jared Letos, der mal gehaucht, mal gesungen, mal geschrien die Musik bestens zu unterstützen weiß. Klar, somit ergibt sich ein Mainstream-Werk, welches auf den Massenmarkt abzielt und diesen auch erreicht. Mainstream im Jahre 2013, der unterhalten will und genau dies auch schafft. Keine „komplizierte“ Musik, die ihre Zeit benötigt, um beim Hörer anzukommen. Das geht auf „Love Lust Faith + Dreams“ alles sehr schnell.

Fazit: Gute Unterhaltung. Nicht mehr und nicht weniger. Musik für das Auto, für sonnige Tage, Musik für den Hintergrund und auch solche, auf die man sich konzentrieren kann. Alles also breit gefächert, ohne den Zuhörer zu sehr zu fordern, geschweige denn zu überfordern. Schnelle Eingängigkeit steht dabei ganz oben auf der Agenda. Dabei läuft das Album sicherlich Gefahr, dass man sich an ihm auch „Überhören“ kann. Jedoch ab und an eingelegt, schafft es die Platte einen wahrlich gut zu unterhalten. Neun Punkte.

Anspieltipps: Birth, End Of All Days, Pyres Of Varanasi, Convergence





Samstag, 14. September 2013

Sigur Rós – Kveikur




Sigur Rós – Kveikur


Besetzung:

Jón Þór „Jónsi“ Birgisson – vocals, guitar, keyboards
Georg „Goggi“ Hólm – bass
Orri Páll Dýrason – drums


Gastmusiker:

Margrét Arnadóttir – strings
Pálína Árnadóttir – strings
Daníel Bjarnason – string arrangements
Sigrún Jónsdóttir – brass
Borgar Magnason – strings
Pórunn Ósk Marinósdóttir – strings
Eiríkur Orri Ólafsson – brass, brass arrangement
Bergrún Snæbjörnsdóttir – brass
Una Sveinbjarnardóttir – strings


Label: XL Recordings


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Post-Rock, Independent


Trackliste:

1. Brennisteinn (7:45)
2. Hrafntinna (6:23)
3. Ísjaki (5:03)
4. Yfirborð (4:19)
5. Stormur (4:55)
6. Kveikur (5:55)
7. Rafstraumur (4:58)
8. Bláþráður (5:12)
9. Var (3:44)

Gesamtspieldauer: 48:13




Befand sich die Band Sigur Rós mit ihrem 2012 erschienenen Album „Valtari“ mitunter sehr nahe am Genre der Ambient Musik, so stellt der interssierte Hörer 2013 fest, dass nun, auf dem inzwischen bereits siebten Studio-Album der Isländer, ein richtiggehender Stilwechsel mit der Veröffentlichung von „Kveikur“ erfolgte. Diese außergewöhnliche Band ist dabei natürlich immer noch zu erkennen und das liegt nicht nur an den für deutsche Ohren ungewöhnlichen isländischen Texten oder der einprägsamen – und ebenfalls ungewöhnlichen – Stimme des Jón Þór Birgisson. Die Atmosphäre, die diese Musik zu verbreiten versteht, hat sich nicht verändert. Den Liedern haftet immer noch etwas Mystisches, Verträumtes und Märchenhaftes an. Allerdings gibt es in der Machart der Musik einen deutliches Stilwechsel zu hören. Die einzelnen Titel sind wedentlich rockiger geworden und weisen, bis auf den letzten Titel „Var“, der eher ein etwas sphärisches Ausblenden der Platte darstellt, eine Struktur mit Strophe und Refrain auf.

Genau wie alle anderen Platten von Sigur Rós, sind die Titel nicht gleich beim ersten Hören eingängig und müssen vom Hörer erarbeitet werden. Die Wiederholung macht es hier eindeutig, die die Melodiösität herausstellt und diesen wohligen Wiedererkennungswert bewirkt, der häufig gute Musik von schlechterer zu unterscheiden weiß. Die inzwischen zum Trio geschrumpfte Band füllt ihre Musik auch auf „Kveikur“ mit fetten Keyboard-Klangteppichen, sowie durch eine Streicher- und Brass-Sektion an, die die einzelnen Lieder voll und dicht erklingen lassen. Dabei kommt es immer wieder zu dem Umstand, dass der Fuß des Hörers mitzuwippen versucht ist, denn Rhythmus spielt auf „Kveikur“ eine bedeutendere Rolle, als auf so mancher anderen Veröffentlichung der Isländer. Aber natürlich gibt es auch noch diese etwas sphärioscheren, fast schon schwebenden Abschnitte in der Musik, die sich dieses Mal allerdings nicht über einen ganzen Titel erstrecken, sondern neben treibenderen Passagen in die Lieder integriert wurden.

Höhepunkte der Platte sind der Opener „Brennisteinn“, das wunderschön melodische „Ísjaki“, welches fast schon in die Richtung Pop-Musik driftet, die treibende und „härteste“ Nummer des Albums, der Titelsong „Kveikur“ selbst, sowie das wieder ein wenig poppigere und erneut sehr eingängige „Bláþráður”. Und auch diese Auswahl generiert vier Lieder, die eindeutig von derselben Band zu stammen scheinen, trotzdem jedoch auf ihre Weise ganz unterschiedlich sind.

Fazit: Die Musik von Sigur Rós ist treibender und dabei auch abwechslungsreicher geworden. Die Stimmungen, die die Musik dieser Band zu transportieren weiß, sind immer noch vorhanden – nun allerdings in einem etwas rockigeren Gewand. Einhören musste man sich in die Musik von Sigur Rós schon immer, daran hat sich auch auf „Kveikur“ nichts geändert. Beschreitet man diesen Weg allerdings und lässt den Liedern ein wenig Zeit, kann man als Hörer hier jede Menge für sich entdecken. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Brennisteinn, Ísjaki, Kveikur, Bláþráður





Freitag, 13. September 2013

Renaissance – Grandine Il Vento




Renaissance – Grandine Il Vento


Besetzung:

Annie Haslam – vocals
Michael Dunford – guitar
Rave Tesar – keyboards
David J. Keyes – bass, vocals
Jason Hart – keyboards
Frank Pagano – drums


Gastmusiker:

Ian Anderson – flute (5)
John Wetton – vocals (7)


Label: Symphonic Rock Recordings


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Progressive Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Symphony Of Light (12:09)
2. Waterfall (4:44)
3. Grandine Il Vento (6:30)
4. Porcelain (6:42)
5. Cry To The World (5:45)
6. Air Of Drama (5:21)
7. Blood Silver Like Moonlight (5:16)
8. The Mystic And The Muse (7:48)

Gesamtspieldauer: 54:16




2013 wurde das 13. Studio-Album der britischen Progressive Rock Band Renaissance unter dem Titel „Grandine Il Vento“ veröffentlicht. Und diese „13“ brachte der Band kein Glück, denn noch während der Abmisch-Phase verstarb leider der Hauptideengeber und Gitarrist von Renaissance, Michael Dunford, am 20. November 2012. Dies vor dem Hintergrund, dass der Band mit dem vorliegenden Album ein Comeback gelungen ist, welches stark an ihre beste Zeit in den 70er Jahren erinnert. Seit 1978, nach der Veröffentlichung von „A Song For All Seasons“, war die Band in die Pop-Schiene abgerutscht und konnte mit den vier folgenden Veröffentlichungen den Fan und die Kritiker so gar nicht mehr überzeugen, was schließlich auch zur Auflösung von Renaissance führte.

Dann im Jahr 2012 die Ankündigung einer Reunion mit den zwei Hauptakteuren Annie Haslam und Michael Dunford. Man durfte also gespannt sein auf das Ergebnis, welches letztendlich die Erwartungen sogar noch deutlich übertrifft. Man fühlt sich beim Hören von „Grandine Il Vento“ in die 70er Jahre und die Hochzeit von Renaissance zurückversetzt. Hier ist er wieder zu hören, der symphonische progressive Rock, der orchestral instrumentiert eine Brücke zwischen den Genres Klassik und Rock zu schlagen imstande ist. Dieses Mal allerdings mit der Einschränkung, dass hier kein Orchester mehr zu hören ist, sondern die Synthesizer strapaziert wurden, was dem Hörgenuss allerdings keinen Abbruch beschert.

Schöne Melodien sind wieder zu hören, die Stimme Annie Haslams klingt erneut glockenklar, ein Umstand, der bereits auf den zwei Alben aus den 80ern nicht mehr ganz so zu hören war. Die Musik ertönt voll, ist spannend und geht bereits beim ersten Hören ins Ohr. Die Platte startet mit dem längsten Lied des Albums „Symphony Of Light“, der gleich einen Höhepunkt auf „Grandine Il Vento“ darstellt. Symphonischer Prog Rock, der heutzutage in dieser Weise überhaupt nicht mehr zu hören ist und bereits vor vierzig Jahren in Vollendung so und auf diese Art auch nur von Renaissance zu hören war. Etwas gewöhnungsbedürftig dabei lediglich das Intro und der Ausklang des Liedes, welche beide schon ein bisschen sehr nach Oper klingen dadurch , dass Annie Haslam hier ihrer Sopran-Lage freien Lauf lässt. Aber für die Musik von Renaissance passt auch dies.

Die folgenden Lieder werden ein wenig poppiger, wobei die Band ihren Stil auch hier nicht über Bord wirft. Das ist alles zweifelsohne Renaissance im Gewand ihrer Blütezeit und nicht zu vergleichen mit jener Art der Pop-Musik, für die die Band ab „Azur D’Or“ stand. Die Musik wirkt zu jeder Zeit melodiös und eingängig und stellt daneben meist den Gesang von Annie Haslam in den Vordergrund. Der wird dann beim Titel „Cry To The World“ noch tatkräftig durch die Querflöte Ian Andersons unterstützt. Zusätzliche Abwechslung wird in den folgenden beiden Titeln auch dadurch generiert, dass sich hier Annie Haslam den Gesang mit David Keyes und John Wetton teilt. Und auch diese Duette wirken dabei gelungen.

Fazit: Selten, sehr selten hat es das gegeben, dass eine Band nach solch einer langen Zeit den Fan mit so einem überzeugendem Comeback überrascht. „Grandine Il Vento“ ist ein überaus gelungenes Album geworden. Die Musik ist spannend und gleichzeitig sehr melodiös. Mitunter fühlt man sich bei einem Intro an Frederic Chopin oder aber, wie beim Opener, an eine Oper erinnert. Dies wird allerdings nicht überstrapaziert. Der Renaissance-Sound der 70er Jahre lebt auf „Grandine Il Vento“ wieder auf. Für alle Freunde dieser Musik sehr zu empfehlen. Sehr schade, dass sich dies nach dem Tod Michael Dunfords wohl kaum fortsetzen wird. Elf Punkte.

Anspieltipps: Symphony Of Light, The Mystic And The Muse und auch die anderen sechs Titel.




Donnerstag, 12. September 2013

Karl Bartos – Off The Record




Karl Bartos – Off The Record


Besetzung:

Karl Bartos – all music


Label: Bureau B


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Elektronische Musik, Elektro Pop


Trackliste:

1. Atomium (3:16)
2. Nachtfahrt (3:31)
3. International Velvet (4:38)
4. Without A Trace Of Emotion (3:28)
5. The Binary Code (1:42)
6. Musica Ex Machina (5:16)
7. The Tuning Of The World (3:33)
8. Instant Bayreuth (3:36)
9. Vox Humana (2:56)
10. Rhythmus (4:17)
11. Silence (0:06)
12. Hausmusik (3:30)

Gesamtspieldauer: 39:48




Von 1975 bis 1990 war Karl Bartos Mitglied bei Kraftwerk, einer der wohl einflussreichsten deutschen Bands überhaupt. Und jetzt, im Jahr 2013 veröffentlicht der Düsseldorfer Musiker sein zweites Solo-Album, welches zehn Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung „Communication“ entstand. „Off The Record” kommt dabei ganz im Gewande der Kraftwerk-Veröffentlichungen der 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts daher.

Mal wird der Text auf Deutsch, mal auf Englisch vorgetragen, ein anderes Mal kommt das Lied völlig ohne Gesang aus („The Binary Code“ und „Instant Bayreuth“) oder aber es wird, wie beim allerdings sehr kurzen „Silence“, sogar auf beides verzichtet – es herrscht Ruhe, wie der Titel schon aussagt. Die Texte dienen dabei allgemein weniger dazu, irgendwelche Botschaften zu transportieren und sind eher Mittel zum Zweck, soll heißen, sie sollen die synthetische Stimmung der einzelnen Titel noch verstärken. Entsprechend dazu wurde die Stimme des Karl Bartos hierzu meist mittels eines Vocoders auf elektronisch getrimmt, die synthetische Roboterstimmung ist perfekt.

Freunde der bekannteren Kraftwerk Alben ab Mitte der 70er Jahre, werden wohl wahrlich begeistert sein, denn die Musik kommt gänzlich in der Tradition dieser Scheiben daher. In einem Interview sagte Karl Bartos mal sinngemäß, dass der Erfolg von Kraftwerk aus den eingängigen Melodien resultiere, weniger durch die Rhythmen. Da mag er sicherlich nicht Unrecht haben. Einiger Durchläufe der CD bedarf es dann aber doch, um auch hier mit den dargebotenen Melodien ein wenig „warm“ zu werden. Eingängig auf das erste Hören ist hier nur wenig. Trotzdem entwickeln die Melodiebögen und Loops schon ab dem zweiten Anhören einen gewissen Wiedererkennungswert, der zwar kaum in der Lage ist, die Titel in den Status eines „Lieblingsliedes“ zu erheben jedoch, trotz aller synthetischen Klänge, eine gewisse wohlige und einnehmende Atmosphäre zu verbreiten imstande ist.

Mal legt Karl Bartos, neben der meistens vorhandenen Melodie, mehr Wert auf den Rhythmus, mal wird es ein wenig sphärischer und freier. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass man als Hörer, neben Parallelen zu Kraftwerk, auch solche zu Tangerine Dream und der Neuen Deutsche Welle herauszuhören glaubt. Das wiederum schafft eine gewisse Abwechslung, die allerdings ebenfalls erst nach mehrmaligem Hören offen zutage tritt. Aber auch sonst werden immer wieder verschiedenste Assoziationen geweckt. So könnte man sich den ersten Titel „Atomium“ auch gut als Hintergrundmusik einer aufregenden Szene in einem Aktion-Film vorstellen. Andererseits wird mitunter auch lediglich der einfache Pop bedient, wie beim etwas flachen „The Tuning Of The World“. Klingt das nicht ähnlich wie „Fireflies“ von Owl City? Doch, macht es – nur da ist das Lied von Owl City eingängiger. Und dann gibt es da sogar ein paar Stellen, die fast schon naiv erscheinen und erklingen und eine Reminiszenz an etwas Früheres darzustellen scheinen. Die eine oder andere Stelle erinnert einen an die früheste Jugend und an freudig mitgeschmetterte Kinderlieder.

Fazit: Klar ist diese Musik etwas Besonderes und klar ist sie auch etwas gewöhnungsbedürftig. Und wer sich die Zeit nimmt, sich intensiver hineinhört, kann hier unter Umständen durchaus auch noch etwas für sich entdecken. Für alle „Kraftwerk-Jünger“ natürlich eine unbedingte Kaufempfehlung, für diejenigen, die mit dieser Musik nichts anfangen konnten, wird auch diese Veröffentlichung von Karl Bartos nicht die Erfüllung werden. Und außerdem: In den 70ern war diese Musik noch was ganz Besonderes. Heute klingt es ein wenig so, als ob das alles schon mal fast genauso dagewesen wäre. War es auch. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Atomium, International Velvet, The Tuning Of The World





Mittwoch, 11. September 2013

Lindisfarne – Dingly Dell




Lindisfarne – Dingly Dell


Besetzung:

Alan Hull – vocals, acoustic-, electric and 12-string guitars, keyboards
Ray Jackson – vocals, harmonica, mandolin
Rod Clements – electric bass, acoustic-, electric and 12-string guitars, violin
Simon Cowe – lead-, acoustic- and 12-string guitars, mandolin, vocals
Ray Laidlaw – drums


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Folk Rock, Rock


Trackliste:

1. All Fall Down (3:42)
2. Plankton's Lament (1:56)
3. Bring Down The Government (1:30)
4. Poor Old Ireland (3:00)
5. Don't Ask Me (3:32)
6. O No Not Again (3:22)
7. Dingle Regatta (1:05)
8. Wake Up Little Sister (2:51)
9. Go Back (2:59)
10. Court In The Act (3:08)
11. Mandolin King (2:32)
12. Dingly Dell (6:10)


Bonus Track (auf den CD-Wiederveröffentlichungen):

13. We Can Swing Together (Live) (17:51)

Gesamtspieldauer: 53:38




„Dingly Dell“ heißt das dritte Album der englischen Band Lindisfarne. Es erschien 1972 und ist sehr viel abwechslungsreicher geworden, als noch der Vorgänger. Klar hört man hier auch Folk, aber auch rockige Lieder, etwas Pop, einige wenige Country-Anleihen und beim Titeltrack bewegen sich die Musiker auf den Pfaden des progressiven Rocks. Sehr viele Stile also, die es hier zu hören gibt, trotzdem stellt das Album eine Einheit dar, denn alles passt hier auf seine ganz spezielle Art zusammen. Niemals ist irgendwo ein Stilbruch auszumachen, niemals wirkt diese Genre-übergreifende Musik konstruiert oder „zusammengeschustert“. Es wirkt alles in sich geschlossen.

Diese Stilwechsel machen das Album spannend. Zudem gibt es hier auch wieder vermehrt diesen tollen arrangierten Gesang zu hören, bei dem sich die Sänger der Band gegenseitig ergänzen. Besonders gut ist dies auf dem Titeltrack „Dingy Dell“ zu hören, gleichzeitig auch der Höhepunkt des Albums. Ein weiterer folgt übrigens noch als Zugabe, diese knapp achtzehnminütige Version von „We Can Swing Together“ ist wahrlich mitreißend. Und selbst solch einen Beginn einer Live-Aufnahme gibt es auch nicht allzu oft zu hören. Hier wird erst Kenny Craddock ausgerufen, der bei diesem Lied als Pianist agiert, auf die Bühne zu kommen, damit die Musiker endlich loslegen können. Dazu gibt es dann im Verlauf des Stücks ausgedehnte Solopassagen, die immer wieder erweitert werden und trotzdem nie Langeweile aufkommen lassen. Richtig klasse gelungen und spannend das Ganze.

Fazit: Auf „Dingly Dell“ ist für viele Musikfreunde etwas dabei und trotz der vielen Genres, die hier bedient werden, passt sich das Ganze zu einem Gesamtwerk zusammen, das sehr hörenswert ist. Abwechslung pur, dazu schöne Melodien, interessante Texte und immer wieder die ein oder andere Überraschung. All diese Zutaten lassen dieses Album zu einer Platte werden, die all jene begeistern wird, die auf Folk Rock stehen, der eingängig ist, die Grenzen dieses Genres ausleuchtet und diese auch immer wieder mal überschreitet. Zehn Punkte.

Anspieltipps: All Fall Down, Mandolin King, Dingly Dell, We Can Swing Together (Live)





Dienstag, 10. September 2013

Sophie Hunger – Monday’s Ghost




Sophie Hunger – Monday’s Ghost


Besetzung:

Sophie Hunger – vocals, acoustic guitar, piano


Gastmusiker:

Michael Flury – trombone
Christian Prader – acoustic guitar, flute, harmonica, piano
Alberto Malo – percussions, drums,
Marcello Giuliani – e-bow guitar, tenor-, acoustic & electric guitar, acoustic & electric bass
Evelinn Trouble – vocals
John Dickinson – vibes
Benoit Corboz – b3 hammond, piano
Frank Heer – cello
Patrik Schmid – drums


Label: Two Gentlemen


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Folk, Pop, Blues


Trackliste:

1. Shape (3:33)
2. The Boat Is Full (3:02)
3. Beauty Above All (2:42)
4. Walzer Für Niemand (2:29)
5. Birth-Day (3:21)
6. Sophie Hunger Blues (5:19)
7. Round And Round (3:33)
8. The Tourist (4:15)
9. Teenage Spirit (3:48)
10. A Protest Song (3:24)
11. Monday's Ghost (4:57)
12. Rise And Fall (5:43)
13. Drainpipes (3:39)
14. House Of Gods (4:16)

Gesamtspieldauer: 54:00




Das zweite Album der Schweizerin Sophie Hunger, die eigentlich Emilie Weltli heißt, umfasst eine große Spannbreite an musikalischen Stilen. Auf „Monday’s Ghost” gibt es Folk zu hören, aber auch Pop, Rock, Blues und manchmal klingt es sogar ein klein wenig jazzig. Das Ganze wird zusammengehalten durch die zwar nicht außergewöhnliche, allerdings doch markante und schöne Stimme der Sängerin. Dabei entwickelt die Musik der Schweizerin immer dann ihre Stärken, wenn viel Wert auf die ruhigeren Töne gelegt wird. Hier schafft es Sophie Hunger eine ganz intensive Atmosphäre mit ihrer Musik zu erzeugen, die die Hörer in den Bann zu ziehen versteht.

Bestens gelungen ist dies vor allem in der ersten Hälfte des Albums, zum Beispiel beim Deutsch gesungenen Titel „Walzer Für Niemand“. Dieses Lied ist gleichzeitig das kürzeste und beste auf „Monday’s Ghost“ und man hätte sich durchaus noch mehr Deutsch vorgetragene Titel gewünscht, da Sophie Hunger diese Sprache mit ihrer Musik perfekt zu transportieren weiß. „Beautie Above All” ist ebenfalls ein Lied, welches keine drei Minuten andauert, ähnlich sehnsüchtig gehalten wie „Walzer Für Niemand“ und ebenso überzeugend. Und auch der Opener „Shape” enthält zunächst diese triste und süß-melancholische Novemberstimmung. Erneut nur ganz zart instrumentiert entfalten sich auch bei diesem Stück schöne und melodiöse Landschaften, die es zu genießen gilt. Doch im weiteren Verlauf wird bei dieser Nummer schließlich die „Handbremse“ gelöst und der Titel nimmt Fahrt auf, ohne dabei an Melodiösität zu verlieren. Zusätzlich kommt hier die Stimme der Schweizerin noch mal besonders gut zur Geltung.

Weniger gelungen ist da schon der Titel „Sophie Hunger Blues“, der unglaublich gehetzt wirkt, obwohl hier nur Sophie Hunger, sich selbst an der Gitarre begleitend, zu hören ist. Irgendwie will diese Nummer einfach nicht so recht zum Rest der Platte passen. Und dieser „Rest“ besteht aus nachdenklichen, jedoch ebenso immer wieder auch aus deutlich im Mid-Tempo angesiedelten Stücken, die einen je nach Musikgeschmack mal mehr, mal weniger zu treffen im Stande sind.

Fazit: Ein Album mit häufig leiser und nachdenklicher Musik. Nicht alles kann dabei restlos überzeugen, die starken Ausschläge nach unten gibt es jedoch kaum. Die Lieder haben ihren Reiz und lohnen gehört zu werden. Sicherlich Musik für die stillen Stunden. Musik, für die man sich auch Zeit nehmen sollte. „Monday’s Ghost“ wurde bei der Veröffentlichung von den Kritikern sehr gelobt, was man durchaus unterschreiben kann. Zwar ist es nicht jenes auch beschriebene Überalbum, jedoch eine schöne Alternative für die leisen Momente des Lebens. Acht Punkte.

Anspieltipps: Shape, Beauty Above All, Walzer Für Niemand





Montag, 9. September 2013

Eels – Useless Trinkets




Eels – Useless Trinkets


Besetzung:

Performed by Marc Oliver Everett (you know, E)


Gastmusiker:

Koool G Murder, The Chet, Jon Brion, John Parish, Butch, Peter Buck, Big Al, Tommy Walter, Cynthia Merrill, Ji Lang, Jim Jacobsen, Adam Siegel, Mark Goldenberg, Moog Cookbook, Sally Dworsky, Lisa Germano, Probyn Gregory, David Hlebo, Orest Balaban, Steve Crum, Joe Gore, Puddin’, Paloma Udovic, Julie Carpenter, Heather Lockie, Ana Lenchantin, Krazy Al


Label: Geffen Records


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Independent Rock, ArtRock


Trackliste:

CD1:

1. Novocaine For The Soul [Live from Hell] (3:18)
2. F#&!@R (2:17)
3. My Beloved Monster [Live from Tennessee] (2:33)
4. Dog's Life (4:00)
5. Susan's Apartment (3:29)
6. Manchester Girl [BBC] (3:21)
7. Flower [BBC] (3:18)
8. My Beloved Mad Monster Party [BBC] (2:33)
9. Animal (2:40)
10. Stepmother (2:52)
11. Everything's Gonna Be Cool This Christmas (2:52)
12. Your Lucky Day In Hell [Michael Simpson Remix] (3:58)
13. Altar Boy (2:14)
14. Novocaine For The Soul [Moog Cookbook Remix] (3:10)
15. If I Was Your Girlfriend [Live] (4:35)
16. Bad News (2:57)
17. Funeral Parlor (2:13)
18. Hospital Food [BBC] (3:24)
19. Open The Door [BBC] (3:05)
20. Birdgirl On A Cell Phone (3:08)
21. Vice President Fruitley  (2:17)
22. My Beloved Monstrosity (2:14)
23. Dark End Of The Street [Live] (2:35)
24. Cheater's Guide To Your Heart [Live] (2:40)
25. Useless Trinkets (2:22)


CD2:

1. Mr. E's Beautiful Remix (3:55)
2. Souljacker, Part 1 [Alternate Version] (3:05)
3. Dog Faced Boy [Alternate Version] (2:55)
4. Jennifer Eccles (3:20)
5. Rotten World Blues (2:45)
6. Can't Help Falling In Love (2:08)
7. Christmas Is Going To The Dogs (2:59)
8. Mighty Fine Blues (3:26)
9. Eyes Down (3:32)
10. Skywriting (2:08)
11. Taking A Bath In Rust (2:29)
12. Estranged Friends (3:21)
13. Her (2:48)
14. Waltz Of The Naked Clowns (2:48)
15. I Like Birds [Live] (2:37)
16. Sad Foot Sign (2:20)
17. Living Life (2:50)
18. The Bright Side (3:43)
19. After The Operation (1:55)
20. Jelly Dancers (4:39)
21. I Could Never Take The Place Of Your Man [Live At Town Hall] (3:37)
22. Mr. E's Beautiful Blues [Live At Town Hall] (3:05)
23. I Want To Protect You (3:10)
24. I Put A Spell On You [Live] (2:21)
25. Saw A UFO (4:38)

Gesamtspieldauer: 2:30:38


DVD3: Lollapalooza 2006 Live Performance

1. Saturday Morning [DVD][Live]
2. Eyes Down [DVD][Live]
3. My Beloved Monster [DVD][Live]
4. Magic World [DVD][Live]
5. Not Ready Yet [DVD][Live]
6. Souljacker, Pt. 1 [DVD][Live]

Gesamtlaufzeit: 32:45




Unter dem Titel „Useless Trinkets“, was so viel wie „Unnützes“ bedeutet, veröffentlichte Marc Oliver Everett unter seinem Synonym Eels 2006 ein Album, welches aus insgesamt zwei CD’s sowie einer DVD besteht. Zählt man alles zusammen, so kommt man hier auf über drei Stunden „unnützer“ Unterhaltung in Form eines Konzertmitschnittes mit knapp über einer halben Stunde Dauer, sowie B-Seiten, Soundtrack-Liedern, Raritäten und bisher unveröffentlichtem Material. Musik, die noch mal auf eine Laufzeit von über zweieinhalb Stunden kommt.

Nun, die Frage stellt sich natürlich, ob man dieses „unnütze“ Zeug auch wirklich braucht? Was ist daran denn essentiell für den Eels-Fan? Neben einer ganzen Menge von alternativen Versionen bereits veröffentlichter Titel gibt es auch eine große Anzahl von Liedern, die hier in einer Live-Version gepresst wurden oder aber in leicht veränderter Form einer BBC-Radio-Session entsprungen sind. Das mag für den Komplettisten von Bedeutung sein, der alles von „seiner“ Band sein Eigen nennen möchte. Für den „ganz normalen“ Musikkonsumenten sind da aber vielleicht schon eher die regulären Alben zu empfehlen. Die sind sicher besser arrangiert und abgemischt und wirken in den dortigen Fassungen insgesamt auch eindeutig besser.

Gut, dann gibt es da ja noch den Konzert-Mitschnitt auf der DVD aus dem Jahr 2006. Auch ganz nett, kann man sich allerdings bei YouTube ebenfalls ansehen. Vielleicht nicht in derselben Qualität, aber immerhin.

Alles Quatsch! Denn was diese Zusammenstellung wirklich überaus lohnenswert macht, das sind die Titel, die bisher noch nicht veröffentlicht wurden. Und das sind nicht nur ein paar wenige, sondern sogar eine ganze Menge. Man glaubt es eigentlich kaum: Ganze 33 (!) Titel, auf diesem mit „unnütz“ titulierten Album, sind bisher noch nicht auf einer anderen Eels-Platte erschienen. Darunter sind zwar ebenfalls Nummern, die „nur“ live oder für eine BBC-Session eingespielt wurden und auch einige wenige Cover-Versionen, trotzdem ist das Material neu. Einige der Songs wurden bisher nur live während einer gewissen Periode der Band gespielt, liegen hier dann allerdings in den Studioversionen – ohne Publikum und Live-Atmosphäre – vor. Und die Hörerin beziehungsweise der Hörer, die oder der in den ersten Platten der Band viel für sich entdecken konnte, diese oder dieser wird mit „Useless Trinkets“ reich beschenkt werden. Denn hier gibt es sie, die wunderschönen eingängigen Melodien verbunden mit geistreichen Texten, die die Musik der Eels so hörenswert machen. Und dazu gibt es diese Titel hier in einer Fülle, wie sonst nur noch auf „Blinking Lights And Other Revelations“ zu finden sind.

Fazit: Nichts da mit „unnützem Gedöns“. „Useless Trinkets“ ist ein richtig schönes Album geworden. Neben bekannten Nummern gibt es hier jede Menge toller Titel, die bisher noch nicht auf anderen Eels-Platten erschienen sind. Und diese sind deutlich in der Überzahl. Absolut typische Eels-Lieder gibt es hier zu hören, die oftmals auch eine Zier für eines der regulären Alben des Marc Oliver Everett gewesen wären. Über drei Stunden Unterhaltung beinhaltet diese Scheibe und ist eben nicht nur etwas für die Komplettisten, die alles von „ihrer“ Band haben möchten. Für mich wirkt das wie reguläres Album mit einigen wenigen Alternativ-Versionen und als Zugabe mit noch einem kurzen Konzertmitschnitt. Elf Punkte.

Anspieltipps: Altar Boy, Useless Trinkets, Skywriting, Taking A Bath In Rust, Her, Waltz Of The Naked Clowns, After The Operation, I Could Never Take The Place Of Your Man, I Want To Protect You





Sonntag, 8. September 2013

Rheingold – Rheingold




Rheingold – Rheingold


Besetzung:

Bodo Staiger – Gesang, Gitarre
Brigitte Kunz – Keyboards


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Elektronische Musik, Neue Deutsche Welle


Trackliste:

1. Rein (1:09)
2. Fluss (4:50)
3. Graffitis (3:44)
4. Himmelgeist (5:02)
5. Dreiklangsdimensionen (5:54)
6. Pirata (4:21)
7. International (3:53)
8. Rendezvous (4:02)
9. Rheingold Extra (4:21)
10. 'Raus (1:30)


Bonus Tracks:

11. River (Englische Version) (4:53)
12. Triad Dimensions (Englische Version) (6:27)
13. Rheingold (Single) (4:09)
14. Staiger Walzer (Single B-Seite) (3:40)
15. Dreiklangsdimensionen (Single) (3:39)

Gesamtspieldauer: 1:01:33




Mit dem Debut-Album der „Band“ Rheingold aus dem Jahre 1980 bewegt man sich im Umfeld der Neuen Deutschen Welle. Wobei das Wort „Band“ deshalb in Anführungsstrichen gehalten ist, da diese Formation hauptsächlich aus Bodo Staiger bestand, der sich auch für alle Kompositionen auszeichnete. Brigitte Kunz unterstützte ihn auf der Veröffentlichung an den Keyboards und Lothar Manteuffel zeigte sich für den überwiegenden Anteil der Texte verantwortlich, ohne jedoch selbst auf dem Album zu hören zu sein.

Was Rheingold ein wenig von anderen Neue Deutsche Welle Bands unterscheidet ist die Tatsache, dass hier durchaus auch mal Instrumentalnummern zu hören sind, wie dies bei „Rein“, „Himmelgeist“, „Pirata“, „Rheingold Extra“ und „‘Raus“ der Fall ist. Dabei handelt es sich zum Teil um recht eingängige Stücke, im Falle von „Pirata“ und „‘Raus“ klingt das Ganze dann jedoch schon sehr synthetisch und kann kaum noch überzeugen. Womit man bei dieser Art der Musik natürlich immer leben muss, ist die Tatsache des Fehlens eines Schlagzeugs. Und dieses synthetische „Geklacke“ der Rhythmusmaschine hat hier, auf dieser Veröffentlichung, immer eine sehr exponierte Stellung. Das kann auf Dauer überaus nervenaufreibend klingen, ist allerdings dem damaligen Zeitgeist in der Musik geschuldet und wirkt heute mitunter äußerst seltsam.

Höhepunkt des Albums ist sicherlich auch der Hit der Scheibe: „Dreiklangsdimensionen“. Das Lied besitzt einen tollen Groove, steigert sich und auch die Melodie ist eine derjenigen, die sich festsetzt und diesen uneingeschränkten Wiedererkennungswert besitzt. Sicherlich einer der Höhepunkte der Neuen Deutschen Welle Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Der Rest der Platte erreicht nicht mehr die Qualität dieses Aushängeschilds von Rheingold. „Fluss“ ist noch eine ganz nette und treibende Nummer, die melodisch auch in die Kategorie „Gelungen“ eingeordnet werden kann. Ein Siegel, welches man für „Graffitis“ kaum noch zu vergeben ist, da es sich, sowohl textlich als auch musikalisch, eher nach einem Kinderlied anhört. Die beiden weiteren mit Text versehenen Titel „International“ und „Rendezvous“ bewegen sich dabei eher im Graubereich der Musik, wobei zweitgenanntes Lied zumindest eine gewisse Eingängigkeit nicht abgesprochen werden kann. Zudem unterscheidet sich dieses Lied durch Mehrsprachigkeit und einen zweistimmigen Gesang - wer die Dame am Mikrophon ist, geht aus den Credits allerdings nicht hervor. Diese Abwechslung lässt das Lied positiv aus den restlichen Synthieklängen hervorstechen.

Auf der remasterten Fassung des Albums gibt es noch fünf Zugaben, wobei es sich um zwei Single-Versionen und zwei englischsprachige Alternativen bereits auf dem Album enthaltener Titel handelt. Komplettiert werden diese Bonus Lieder noch von „Staiger Walzer“, einer schönen eingängigen Nummer, die wohl auch dadurch wächst, dass hier keine Rhythmusmaschine zu hören ist.

Fazit: Der Höhepunkt des Albums ist ganz klar das Lied „Dreiklangsdimensionen“, ein Titel der wirklich gelungen ist. Der ganze Rest der Platte bewegt sich irgendwo zwischen den Bewertungen „ganz nett“ und „das hätte jetzt wirklich nicht mehr sein müssen“. Das liegt zum Teil an der Instrumentierung, die dann doch allzu künstlich klingt oder aber am Fehlen zündender Ideen, die den einen oder anderen Titel äußerst langweilig erscheinen lässt. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Himmelgeist, Dreiklangsdimensionen, Rendezvous, Staiger Walzer





Samstag, 7. September 2013

Get Well Soon – Vexations





Get Well Soon – Vexations


Besetzung (Vexations):

Verena Gropper – vocals, violin
Paul Kenny – drums
Tim Kumpf – bass, vocals
Maximilian Schenkel – guitar
Sebastian Benkler – vocals
Teresa Freund – violin
Daniel Auder – viola
Carolin Wandel – cello
Christoph Moschberger – trumpet, flügelhorn
Christian Ehringer – trumpet, flügelhorn
Felix Fromm – trombone
Roland Vanacek – tuba, susaphone
Liz Riches – narrater
Nina Haas – vocals
Maike Rosa Vogel – vocals
Jan-Ole Gerster – vocals
Mia Diekow – vocals
Marcus Wuest – additional drums
Konstantin Gropper – everything else


Besetzung (Songs For / From Films):

Wallis Bird – guest vocals on „Teenage FBI“
Nina Haas – raconteuse à „Good Friday“
Konstantin Gropper – everything else


Label: City Slang


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Pop, Folk, Filmmusik


Trackliste:

CD1 (Vexations):

1. Nausea (3:13)
2. Seneca's Silence (4:21)
3. We Are Free (4:18)
4. Red Nose Day (4:33)
5. 5 Steps / 7 Swords (4:32)
6. We Are Still... (1:07)
7. A Voice In The Louvre (5:32)
8. Werner Herzog Gets Shot (3:46)
9. That Love (5:49)
10. Aureate! (4:33)
11. We Are Ghosts (4:20)
12. A Burial At Sea (6:34)
13. Angry Young Man (4:51)
14. We Are The Roman Empire (5:00)

Gesamtspieldauer CD1: 1:02:28


CD2 (Songs For / From Films):

1. Teenage FBI (4:52)
2. Busy Hope (3:12)
3. La Chanson D'Hélène (3:46)
4. The World Needs A New... (4:16)
5. Harmour Love (4:09)
6. My Door (3:38)
7. I'm Deranged (4:02)
8. Good Friday (4:44)

Gesamtspieldauer CD2: 32:37

Gesamtspieldauer CD1 & CD2: 1:35:06




Hier sind beide Cover des Albums aufgeführt, da die CD auch in diesen zwei Editionen ausgeliefert wird. Bei ersterer handelt es sich um die Deluxe-Edition, die zusätzlich zum Album „Vexations“ noch die Filmmusik des Konstantin Gropper enthält, welche er zu einigen Produktionen beisteuerte. Wer auf künstlerisch bearbeitete CD-Cover steht oder auch Sammler ist, dem kann man diese Deluxe-Version nur ans Herz legen. Sie ist wie ein kleines Buch gestaltet, mit allen Lied-Texten und einigen feinen Zeichnungen. Das Ganze passt allerdings nur recht schlecht zwischen die anderen CD’s, es ragt weit heraus, dafür ist es jedoch etwas Besonderes und wahrlich schön gestaltet.

Nun zur Musik auf „Vexations“. Diese ist durchaus vergleichbar mit dem Erstlingswerk von Get Well Soon - beziehungsweise Konstantin Gropper. Erneut gibt es hier wieder jede Menge ruhiger, nachdenklicher Musik zu hören, die hauptsächlich für die etwas stilleren Stunden des Lebens gedacht ist. Wer solche Musik mag, die dieses Mal offensichtlich deutlich weniger von der Musik anderer Länder beeinflusst wurde, der wird auch hier seine Favoriten entdecken.

Das Debut „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“ ist dabei sogar noch ein wenig eingängiger, als dieses zweite Album von Get Well Soon – auch wenn man bereits dort feststellen musste, dass es einiger Durchläufe der CD bedurfte, um richtig in diese Musik eintauchen zu können. Trotzdem war dieses erste Werk doch noch ein wenig massentauglicher geartet, als das zweite Album des Konstantin Gropper. Die einzelnen Titel benötigen hier noch ein wenig mehr Zeit, um den Hörer zu treffen, um so richtig Eindruck hinterlassen zu können. Noch mehr gilt das übrigens für die Zusatz-CD auf der Deluxe-Edition. Diese Lieder, allesamt Filmmusik, schaffen es dabei nur schwerlich gleich beim Hörer zu punkten, auch wenn David Bowie und Brian Eno zum Teil ihre Finger mit im Spiel hatten. Oftmals so gar nicht mehr eingängig, bedarf es hier noch ein paar Durchgänge mehr, um in der Musik richtig ankommen zu können.

Die CD „Vexations“ selbst lohnt sich für alle diejenigen unter den Musikhörern, die das Besondere in der Musik suchen. Hier gibt es keinen Allerwelts-Pop zu hören, sondern wahrlich spannende und intelligente Musik, die sich dem Konsumenten zwar meist noch nicht beim ersten Hören erschließt, dann allerdings immer mehr seine Feinheit, Melodiösität und man möchte fast sagen, seine Intelligenz offenbart. Keine einfache Musik, komplexer in seinem Aufbau, häufig ruhig gehalten, selten treibend und dabei stets ein wenig schwermütig, manches Mal sogar traurig wirkend. Dazu tragen nicht zuletzt die vielen Streicher bei, die die in den einzelnen Titeln vorhandene Dichte und Schwere noch zusätzlich untermalen.

Fazit: „Get Well Soon“ ist Musik für die stillen Momente des Lebens. Das ist definitiv keine Stimmungsmusik. Manche Menschen benötigen so etwas ab und an, andere werden damit gar nichts anfangen können. Ist das Ohr des Hörers jedoch offen, für auch häufig mal ganz leise Töne, so sei ihm „Vexations“ wärmstens empfohlen. Und kennt man „Vexations“, möchte sich der süßen Melancholie hingeben und sucht Musik, um dieses Gefühl noch zu unterstreichen – ich bin sicher, das Einlegen dieser CD kommt dabei in die ganz enge Wahl. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Seneca's Silence, We Are Free, Aureate!, We Are Ghosts, Angry Young Man





Freitag, 6. September 2013

Munly & The Lee Lewis Harlots – Munly & The Lee Lewis Harlots




Munly & The Lee Lewis Harlots – Munly & The Lee Lewis Harlots


Besetzung:

Munly Munly – ohne Instrumentenangabe
Paul Bradley – ohne Instrumentenangabe
Jeff Linsenmaier – ohne Instrumentenangabe
Robert Ferbrache – ohne Instrumentenangabe
Elin Palmer – ohne Instrumentenangabe
Frieda Stalheim – ohne Instrumentenangabe
Rebecca Vera – ohne Instrumentenangabe


Label: Alternative Tentacles Records; Smooch Records


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Alternative Country, Alternative Rock


Trackliste:

1. Amen Corner (4:01)
2. Big Black Bull Comes Like A Caesar (6:45)
3. Old Service Road (3:56)
4. Another Song About Jesus, A Wedding Sheet, And A Bowie Knife (5:39)
5. Cassius Castrato The She-Male Of The Mens Prison (5:16)
6. Ragin' Cajun' (4:21)
7. Song Rebecca Calls, That Birdcage Song, Which Never Was Though Now Kind Of Is Because Of Her Influence... (6:14)
8. Goose Walking Over My Grave (5:41)
9. The Leavening Of The Spit-Bread Girls (3:08)
10. A Gentle Man's Jihad (5:05)
11. The Denvor Boot Redux (5:38)
12. Of Silas Fauntleroys Willingness To Influence The Panel (3:36)
13. Jacob Dumb (4:41)
14. My Second Salvation Army Choir (5:39)
15. River Forktine Tippecanoe (7:29)

Gesamtspieldauer: 1:17:07





Jay Munly ist ein Sänger, Songschreiber und Gitarrist aus Denver, Colorado, der im Jahr 2004 unter dem Titel „Munly & The Lee Lewis Harlots” bereits sein fünftes Album veröffentlichte. Das Ganze läuft unter der Überschrift “Alternative Country” hat mit diesem Genre allerdings, bis auf das ab und an auftauchende Banjo oder eine nach Fidel klingende Violine, nur am Rand etwas zu tun. Viel eher handelt es sich bei dem Album „Munly & The Lee Lewis Harlots” um Alternative Rock und zwar in einer sehr spannenden Ausführung.

Mal klingt es rockiger, ein anderes Mal sehr harmonisch, ruhig und melodiös, immer allerdings ist die Musik eingängig und bahnt sich zügig ihren Weg in das Musikzentrum des Hörers. Und auch der Spaß kommt dabei nicht zu kurz, was bei Titeln wie „Song Rebecca Calls, That Birdcage Song, Which Never Was Though Now Kind Of Is Because Of Her Influence...“ oder aber „Cassius Castrato The She-Male Of The Mens Prison“ auch nicht allzu überraschend ist. Und es ist ebenso nicht weiter verwunderlich, dass man „Cassius Castrato“ bei letztgenanntem Song auch trefflich singen hört.

Die Musik ist überaus abwechslungsreich, wird nie langweilig, sondern ganz im Gegenteil, sie bleibt immer spannend. Das liegt nicht zuletzt daran, dass kein Lied dem anderen gleicht. Das verbindende Element ist auf der Platte der Gesang Jay Munlys, der zwar auch, wie bereits erwähnt, sich mal kastratisch anhören kann, öfters allerdings auch an die Stimme David Eugene Edwards erinnert, womit dann doch der Brückenschlag zum Alternative Country gelungen wäre.

Ebenfalls ein verbindendes Element stellt die Violine beziehungsweise die Violinen dar, die häufig zum Einsatz kommen und dabei mitunter auch mal fast schon experimentell gespielt werden. Dabei wird es jedoch nur sehr selten mal ein wenig atonal, uneben oder schräg, allerdings werden damit Ecken und Kanten eingefügt, die die Musik auf „Munly & The Lee Lewis Harlots” unverwechselbar und noch interessanter werden lassen.

Fazit: Auch wenn das Genre Alternative Country nur gestreift wird, so werden Liebhaber solcher Musik mit diesem Album etwas für sich finden. Auch Freunde des Alternative Rock kommen auf ihre Kosten sowie all jene, die sich für Musik jenseits des Mainstream interessieren. Musik also für solche Hörer, die der Musik lieber zuhören, als sie im Hintergrund dudeln zu lassen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Goose Walking Over My Grave, The Leavening Of The Spit-Bread Girls