Modest Mouse – The Moon And Antarctica Besetzung: Isaac Brock – guitars, vocals Jeremiah Green – drums Eric Judy – bass Gastmusiker: Ben Blankenship – lap steel guitar (1, 4), banjo (4), keyboards (5, 11, 14), guitar (8, 11, 15) Brian Deck – keyboards (6) Ben Massarella – percussion (5, 7, 12, 15) Greg Ratajczak – guitar (7) Jeff Kennedy – lap Steel Guitar (5) Tyler Riley – violin (3, 5, 7, 9, 13, 14) Tim Rutili – background vocals (11) Chiyoko Yoshida – background vocals (13) Label: Epic Records Erscheinungsdatum: 2000 Stil: Indie Rock Trackliste: 1. 3rd Planet (3:59) 2. Gravitiy Ries Everything (4:20) 3. Dark Centre Of The Universe (5:03) 4. Perfect Disguise (2:41) 5. Tiny Cities Made Of Ashes (3:42) 6. A Different City (3:08) 7. The Cold Part (5:01) 8. Alone Down There (2:22) 9. The Stars Are Projectors (8:47) 10. Wild Packs Of Family (1:46) 11. Paper Thin Walls (3:02) 12. I Came As A Rat (3:48) 13. Lives (3:19) 14. Life Like Weeds (6:31) 15. What People Are Made Of (2:16) Gesamtspieldauer: 59:45
„The Moon & Antarctica“ heißt das dritte Album der US-amerikanischen Band Modest Mouse und es wurde im Jahr 2000 veröffentlicht. Gleichzeitig stellt diese Scheibe auch die erste in der Bandgeschichte dar, die es schaffte sich in den Charts zu platzieren. Die nächsten beiden Platten sollten dann allerdings noch sehr viel erfolgreicher werden.
Kennt man Modest von diesen letzten beiden Scheiben her, so kann es durchaus passieren, dass „The Moon & Antarctica“, nachdem die CD in den Player eingelegt wurde, einfach so durchläuft, ohne viel Aufmerksamkeit zu erregen. Die wirklich herausragenden Songs, die sofort ins Ohr gehen und hervorstechen, die fehlen noch auf diesem Album. Trotzdem lohnt es sich jedoch sich mit dieser Platte zu beschäftigen, denn hier ist wieder einmal der Umstand gegeben, dass Musik einfach mitunter Zeit zum Reifen benötigt. Und zwar Zeit zum Reifen im Ohr des Hörers. Mit jedem Durchlauf werden die einzelnen Titel vertrauter und eingängiger, wissen mehr zu begeistern. Und es gibt sie hier durchaus auch, diese eher schrägen Töne, diese unerwarteten Wendungen in den Liedern, die die Musik von Modest Mouse so überaus einzigartig werden lassen.
Mit diesem wiederholten Hören gibt es dann auf einmal doch Lieder, die auch längerfristig hängenbleiben. Da wäre zum Beispiel der Opener „3rt Planet“, das sehr ruhige „Perfect Disguise“, das groovende „Tiny Cities Made Of Ashes“, das wahrlich schön harmonische „The Cold Part“ und die längste und auch spannendste, da aus mehreren Teilen zusammengesetzte Nummer „The Stars Are Projectors“. Zudem gibt es unter den fünfzehn Titeln auch keine Ausfälle zu beklagen, jedes Lied besitzt seinen Reiz, wenn auch nicht gleich so offensichtlich beziehungsweise sofort erhörbar.
Fazit: Auch „The Moon & Antarctica“ lohnt sich für Hörer, die mehr auf die etwas ausgefallenere Variante des Genres „Indie Rock“ stehen. Etwas schräger, nie kerzengerade, zelebrieren Modest Mouse hier Musik, die sehr viel anspruchsvoller ist, als der „normale“ Mainstream dieser Musikrichtung. Vielleicht erfasst man die Schönheit dieser Platte auch noch nicht beim ersten Hören, vielleicht auch noch nicht beim zweiten Durchlauf, aber mehrere Versuche lohnen sich hier auf jeden Fall. Zehn Punkte.
Anspieltipps: The Cold Part, The Stars Are Projectors
A Forest – Grace Besetzung: Arpen – keyboards, vocals Fabian Schütze – keyboards, vocals Friedemann Pruss – drums, percussion Gastmusiker: Alexander Binder – bass (“Flagboy”, “The Shepherd”) Jonas Wolter – guitar (“Fields”) Label: Analogsoul Erscheinungsdatum: 2014 Stil: Indie Pop, Electronica, HipHop Trackliste: 1. Flagboy (3:27) 2. Fields (3:44) 3. Parcours (3:31) 4. My Kite II (3:17) 5. Surfaces (3:02) 6. A Mountain (3:14) 7. The Man That Plants The Trees (3:25) 8. Pictures (1:23) 9. The Shepherd (4:40) Gesamtspieldauer: 29:42
Allein schon das Genre für diese Musik zu bestimmen beziehungsweise zu definieren, fällt nicht ganz einfach. Zahlreiche Stilrichtungen vereinigen die drei Musiker von A Forest unter der Überschrift ihres Namens. Da hört man Indie Pop, Electronica, ein bisschen HipHop und soulig klingt das Ganze dann auch noch ein wenig. Ungewöhnlich erscheint zunächst ebenfalls die Besetzung: zwei Sänger, zwei Keyboards und ein Schlagzeug. Und genau so außergewöhnlich wie diese Instrumentierung, hört sich auch die Musik von A Forest an.
Mit kaum etwas stilistisch zu vergleichen, geht diese sehr schnell ins Ohr und klingt auf ihre Art und Weise auch ein wenig mystisch und verwunschen. Klanglandschaften eröffnen sich vor dem Ohr des Hörers, bahnen sich ihren Weg weiter und treffen schließlich genau ins Musikzentrum des Konsumenten. Atmosphärisch eher in der stillen und nachdenklichen Ecke angesiedelt, ist dies durchaus auch Musik, um dem eigenen Blues mal so richtig freien Lauf zu lassen. Dabei klingen die einzelnen Titel eingängig, auch warm und weich und ersteres bereits nach wenigen Durchläufen der Scheibe. Letzteres ist dabei wiederum sogar einigermaßen überraschend, denn obwohl die Musik stark Keyboard-lastig ist, hören sich die einzelnen Titel weder künstlich noch kalt an, sondern sehr viel eher sehr lebendig und einnehmend.
Passend dazu generiert sich der Gesang von Arpen und Fabian Schütze. Cool und lässig klingen hier beide Stimmen. Ein wenig nuschelnd werden die Texte vorgetragen, absolut passend und in die Musik integriert und den einzelnen Nummern noch einen zusätzlichen Touch verleihend.
Fazit: Wer den obigen Musikrichtungen etwas abgewinnen kann, wird mit „Grace“ von A Forest viel Spaß haben. Und obwohl ich eher von der rockigen Seite komme, wirkt diese Scheibe durchaus auch beeindruckend und bereichernd auf mich, da es irgendwie anders ist, als was man sonst so zu hören bekommt. Irgendwie außergewöhnlich eben. Ein Manko an „Grace“ ist sicherlich die sehr kurze Laufzeit der Scheibe, die selbst von Schallplatten deutlich überboten wird. Vielleicht deutet dies jedoch auch darauf hin, dass demnächst noch mehr von A Forst zu hören sein wird. Zu wünschen wäre das. Sieben Punkte.
Valgeir Sigurdsson – Architecture Of Loss Label: Bedroom Community Erscheinungsdatum: 2012 Stil: Experimentelle Musik Trackliste: 1. Guard Down (2:55) 2. The Crumbling (5:20) 3. World Without Ground (4:00) 4. Between Monuments (5:11) 5. Guardian At the Door (5:21) 6. Erased Duet (2:08) 7. Reverse Erased (3:36) 8. Big Reveal (3:57) 9. Plainsong (3:13) 10. Gone Not Forgotten (2:20)
Gesamtspieldauer: 38:01
Ich bin immer wieder überrascht, was für Musik aus Island kommt. Nun höre ich die neue Platte, wohlgemerkt Vinyl, von Valgeir Sigurdsson "Architecture of Loss". Ein Album, das nur schwer in Worte zu fassen ist. Schwer, tief, komplex, seltsam, anmutend, zart....irgendwie ändert sich die Stimmung zwischen einer blumigen Frühlingswiese und einer alten Kokerei, in der man noch die ganze Last früherer Zeiten nachempfinden kann. Valgeir Sigurdsson ist ein Komponist, der u.a. mit Ben Frost sein eigenes Label "Bedroom Community" aufbaute. "Architecture of Loss" ist ein tiefes Eintauchen in eine vielschichtige, mitreißende und traumhafte Klangwelt. Ein absolutes Sounderlebnis. Einfach wunderbar!
Wovenhand – The Threshingfloor Besetzung: David Eugene Edwards – words and music Pascal Humbert – bass, guitar Ordy Garrison – drums, percussion Label: Glitterhouse Records Erscheinungsdatum: 2010 Stil: Alternative Rock, Alternative Country Trackliste: 1. Sinking Hands (3:24) 2. The Threshingfloor (3:07) 3. A Holy Measure (4:20) 4. Raise Her Hands (3:55) 5. His Rest (3:16) 6. Singing Grass (3:55) 7. Behind Your Breath (4:51) 8. Truth (4:55) 9. Terre Haute (4:01) 10. Orchard Gate (5:40) 11. Wheatstraw (0:53) 12. Denver City (3:35) Gesamtspieldauer: 45:50
Im Grunde genommen setzt David Eugene Edwards, alias Wovenhand, mit „The Theshingfloor“, dem sechsten Studioalbum seiner Nachfolgeband nach 16 Horsepower alles genau so fort, wie man es von den Alben davor auch schon kannte, beziehungsweise gehört hatte. Tieftraurige, mitunter auch marode und sehr verzweifelt klingende Musik, obwohl der Amerikaner doch eigentlich die Frohe Botschaft von Jesus Christus verbreiten möchte. Also auch der textliche Inhalt entspricht dem der vorherigen Platten.
Man benötigt dieses Mal allerdings einige Durchgänge der Platte mehr, um in dieser Musik anzukommen, da auf „The Threshingfloor“ ein herausragender Höhepunkt fehlt. Jeder Titel besitzt zwar durchaus Qualität und ist zudem sehr melodiös und eingängig geraten, jedoch wollen die einzelnen Nummern nicht unbedingt sofort hängenbleiben, von einem Wiedererkennungswert kann da, nach den ersten paar Durchläufen, sowieso nicht die Rede sein. Allerdings setzen sich die Lieder mit jedem weiteren Hören durchaus im Ohr fest. Es dauert jedoch dieses Mal ein wenig länger. Zudem, stand 16 Horsepower und auch die ersten Platten von Wovenhand noch für Alternative Country, so schlägt das Pendel bei diesem Wovenhand Album nun noch ein wenig mehr in Richtung Alternative Rock aus – und zwar in die depressive Ausrichtung dieses Genres. Alles erscheint zwar durchaus rockig, jedoch düster, verwunschen, irgendwie mystisch geartet und natürlich sehr sanft rockend. Man muss definitiv einen Hang zum Grübeln haben oder auch den grauen Seiten des Lebens etwas abgewinnen können, um mit „The Theshingfloor“ etwas anfangen zu können.
Neu ist jedoch der Hang des David Eugene Edwards zur Weltmusik. Man hört hier indianische Klänge, orientalisch angehauchte Stücke und auch indische Passagen. Ein weiteres Indiz dahingehend, dass Alternative Country bei Wovenhand nicht mehr so direkt auf der Speisekarte steht. Überraschend übrigens auch, dass der Album-Titel einen Rechtschreibfehler enthält. Ob das beabsichtigt ist entzieht sich meiner Kenntnis, allerdings fällt mir auch keine andere Platte ein, bei der dies der Fall ist.
Fazit: 16 Horsepower und Wovenhand Fans werden auch diese Scheibe lieben. Die Musik des David Eugene Edwards besitzt schon ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, ist unverwechselbar und diese Musik findet man auch auf „The Threshingfloor“. Alles wirkt nach einer gewissen Zeit und Ausfälle gibt es keine zu beklagen, trotzdem gibt es noch gelungenere Platten von Wovenhand. Neun Punkte.
Tracy Chapman – Crossroads Besetzung: Tracy Chapman – acoustic guitar, harmonica, electric guitar, vocals, background vocals, 12 string guitar Gastmusiker: Charlie Bisharat – violin, viola, electric violin, pizzicato violin Peggie Blu – background vocals Marc Cohn – piano Paulinho Da Costa – tambourine Carolyn Dennis – background vocals Denny Fongheiser – drums Bobbye Hall – percussion, conga Jack Holder – banjo, piano Larry Klein – bass Danny "Kootch" Kortchmar – electric guitar Russ Kunkel – drums Jim Lacefield – cello Tim Landers – bass Steve Lindley – electric piano Bob Marlette – keyboard Frank Marocco – accordion Sheila Minard – background vocals Scarlet Rivera – violin Roz Seay – background vocals G.E. Smith – acoustic guitar, mandolin, electric guitar William D. "Smitty" Smith – organ John X. Volaitis – piano Elesecia Wright – background vocals Snooky Young – trumpet Neil Young – acoustic guitar, Piano Label: Elektra Erscheinungsdatum: 1989 Stil: Folk Rock Trackliste: 1. Crossroads (4:11) 2. Bridges (5:27) 3. Freedom Now (4:05) 4. Material World (3:05) 5. Be Careful Of My Heart (4:41) 6. Subcity (5:11) 7. Born To Fight (2:49) 8. A Hundred Years (4:23) 9. This Time (3:44) 10. All That You Have Is Your Soul (5:18) Gesamtspieldauer: 43:01
Ein Jahr nach ihrem überzeugenden, selbstbetitelten und überaus erfolgreichen Debut legte Tracy Chapman im Jahr 1989 ihren Nachfolger „Crossroads“ vor. Und wieder bekommt man hier sehr melodischen und eingängigen Folk Rock geboten, der ohne große Umwege direkt ins Ohr geht. Völlig unkompliziert das Ganze, ohne großartige Schnörkel oder gar Experimente. Im Mittelpunkt steht dabei natürlich wieder die Stimme der Tracy Chapman, die das beherrschende Stilmittel ihrer Musik darstellt.
Und da sind wir bereits bei dem Punkt angekommen, der das Pendel durchaus auch in die andere Richtung ausschlagen lassen kann – diese Stimme. Wahrlich eindrucksvoll dieser Gesang und mit einem ganz hohen Wiedererkennungswert, allerdings verspüre ich nach einer gewissen Zeit regelmäßig den Drang, dieser Sängerin zuzurufen: „Mensch, hör‘ doch endlich auf zu weinen. Kopf hoch, es wird schon wieder!“ Diese weinerliche und leidende Stimme kann ich nach einer gewissen Zeit einfach nicht mehr ertragen. Es gibt so viele tolle Dinge im Leben, warum muss Tracy Chapman denn immer so traurig sein? Nun Spaß beiseite, aber die Stimme der Tracy Chapman ist so etwas von omnipräsent, dass man sich absolut damit arrangieren muss, wenn man die Musik auch genießen möchte – und zwar dauerhaft. Zudem sollte man nicht allzu traurig beim Konsumieren sein, ansonsten besteht Lebensgefahr in Form eines Suizids.
Nun, eingängigen, sehr weichen und sanften Folk gibt es auf „Crossroads“ zu hören. Der Nachteil dieses Albums gegenüber dem Vorgänger ist dabei, dass die herausragenden Songs leider fehlen. Alles hat seine Qualität, ist im selben Tempo gehalten, melodiös und harmonisch bis in den letzten Akkord, jedoch bleibt kein Titel nach dem Hören längerfristig hängen. Natürlich kennt man die einzelnen Nummern nach einer gewissen Zeit, es fällt jedoch sehr viel schwerer als auf dem Debut der Amerikanerin, die hervorstechenden Titel beziehungsweise Höhepunkte zu benennen.
Fazit: Gut, wer auf ruhigen Folk steht, die oder der wird dieses Album sicherlich lieben. Ich erlebe die Musik der Tracy Chapman allerdings ein wenig langweilig, da alles sehr einheitlich geraten ist. Klar gibt es auch mal so einen Song wie „Born To Fight“, der etwas rockiger und swingender klingt, jedoch ist das die Ausnahme. Dazu noch der beeindruckende Gesang der Tracy Chapman, der nach einer gewissen Zeit leicht zu nerven beginnt. Das Album ist okay, gut aber irgendwie auch nicht mehr. Und wer Spaß am Malen hat, der sollte unbedingt mal die oben verlinkte Homepage von Tracy Chapman aufsuchen, denn die ist sehr gelungen. Sieben Punkte.
Pink Floyd – Endless River Besetzung: Richard Wright – hammond organ, synthesizer, keyboards, piano, electric piano, strings, farfisa organ, fender Rhodes, royal albert hall pipe organ David Gilmour – guitars, bass guitars, ebow, vcs3 synthesizer, piano, keyboards, backing vocals, percussion, effects, vocals, hammond organ Nick Mason – drums, rototoms, gong, percussion Gastmusiker: Bob Ezrin – additional keyboards, bass guitar Damon Iddins – additional keyboards Andy Jackson – bass guitar, effects Youth – effects Gilad Atzmon – tenor saxophone, clarinet Guy Pratt – bass guitar Jon Carin – synthesizer, percussion loop Durga McBroom – backing vocals Stephen Hawking – electronic voice sample Anthony Moore – keyboards Louise Marshall – backing vocals Sarah Brown – backing vocals Helen Nash – strings Honor Watson – strings Victoria Lyon – strings Chantal Leverton – strings Label: Parlophone Records Erscheinungsdatum: 2014 Stil: Instrumentalmusik Trackliste: CD: 1. Side 1, Pt. 1: Things Left Unsaid (4:26) 2. Side 1, Pt. 2: It's What We Do (6:17) 3. Side 1, Pt. 3: Ebb And Flow (1:55) 4. Side 2, Pt. 1: Sum (4:48) 5. Side 2, Pt. 2: Skins (2:37) 6. Side 2, Pt. 3: Unsung (1:07) 7. Side 2, Pt. 4: Anisina (3:16) 8. Side 3, Pt. 1: The Lost Art Of Conversation (1:42) 9. Side 3, Pt. 2: On Noodle Street (1:42) 10. Side 3, Pt. 3: Night Light (1:42) 11. Side 3, Pt. 4: Allons-Y (1) (1:57) 12. Side 3, Pt. 5: Autumn '68 (1:35) 13. Side 3, Pt. 6: Allons-Y (2) (1:32) 14. Side 3, Pt. 7: Talkin' Hawkin' (3:29) 15. Side 4, Pt. 1: Calling (3:37) 16. Side 4, Pt. 2: Eyes To Pearls (1:51) 17. Side 4, Pt. 3: Surfacing (2:46) 18. Side 4, Pt. 4: Louder Than Words (6:36) DVD: 1. Side 1, Pt. 1: Things Left Unsaid (s.o.) 2. Side 1, Pt. 2: It's What We Do (s.o.) 3. Side 1, Pt. 3: Ebb And Flow (s.o.) 4. Side 2, Pt. 1: Sum (s.o.) 5. Side 2, Pt. 2: Skins (s.o.) 6. Side 2, Pt. 3: Unsung (s.o.) 7. Side 2, Pt. 4: Anisina (s.o.) 8. Side 3, Pt. 1: The Lost Art Of Conversation (s.o.) 9. Side 3, Pt. 2: On Noodle Street (s.o.) 10. Side 3, Pt. 3: Night Light (s.o.) 11. Side 3, Pt. 4: Allons-Y (1) (s.o.) 12. Side 3, Pt. 5: Autumn '68 (s.o.) 13. Side 3, Pt. 6: Allons-Y (2) (s.o.) 14. Side 3, Pt. 7: Talkin' Hawkin' (s.o.) 15. Side 4, Pt. 1: Calling (s.o.) 16. Side 4, Pt. 2: Eyes To Pearls () 17. Side 4, Pt. 3: Surfacing (s.o.) 18. Side 4, Pt. 4: Louder Than Words (s.o.) 19. Anisina [Video] (2:48) 20. Untitled [Video] (1:20) 21. Evrika (A) [Video] (5:55) 22. Nervana [Video] (5:30) 23. Allons-Y [Video] (5:57) 24. Evrika (B) [Video] (5:31) 25. Tbs9 [Audio] (2:27) 26. Tbs14 [Audio] (4:11) 27. Nervana [Audio] (5:30) Spieldauer CD + Bonusmaterial DVD: 53:03 + 39:09
Morgen, am 7. November, erscheint das neue Pink Floyd Album „Endless River“. Manchmal hat man dann auch das Glück, die Scheibe schon ein paar Tage zuvor in Händen halten zu dürfen. Ich habe mich für die Ausgabe mit der DVD entschieden, da hier nochmals knapp 40 Minuten Bonus-Material hinzugefügt wurde, so lange lief früher ein ganz normales Album…
Nun, als die Ankündigung zu diesem Album kam, war ich zunächst natürlich sofort absolut begeistert, 20 Jahre nach der letzten Veröffentlichung bringen die verbliebenen zwei Musiker David Gilmour und Nick Mason nochmals eine Platte heraus. Hauptsächlich mit Musik, an der Richard Wright, der am 15. September 2008 leider verstorben ist, maßgeblich beteiligt war. Richard Wright, der Held meiner Jugend und das oftmals verkannte wichtige Puzzleteil im Gesamtgebilde Pink Floyd. Irgendwie schien „Endless River“ zu diesem Zeitpunkt auch noch ein Nachfolger von „The Division Bell“ zu sein, denn unter anderem mit den Worten „Endless River“ schloss diese Platte. Und das fünfzehnte Studioalbum sollte nun so heißen. Als dann immer mehr über diese Platte nach außen drang, zum Beispiel, dass es sich hierbei wohl hauptsächlich um Instrumentalmusik handeln wird, da wurde aus der Freude ein wenig Skepsis. Ist das denn dann überhaupt noch ein Pink Floyd Album? Hatte nicht Nick Mason in seinem sehr lesenswerten Buch „Inside Out“ über die Musik von Pink Floyd geschrieben, dass sie so ziemlich jeden kleinen Einfall, jede Idee so lange bearbeiteten, bis sie schließlich auf Platte gepresst werden konnte? Was wird man denn nun zu hören bekommen? Nur noch ehemalige „Abfälle“, die jetzt doch verwertet werden, um noch mal die Gelddruckmaschine anzuschmeißen? Ist das dann wirklich noch ein Pink Floyd Album, wobei man natürlich nach dem Weggang Roger Waters sowieso schon eine ganz andere Band hörte. Die Hardcore-Fans der ersten zwei Jahre bezweifeln dies ja bereits seit dem Weggang von Syd Barrett im Jahr 1968.
Nun, um es gleich vorweg zu nehmen, die Antwort auf die Frage, ob „Endless River“ ein Pink Floyd Album ist, lässt sich ganz leicht mit „Ja und Nein“ beantworten. Man legt die Scheibe ein und was man zu hören bekommt, entstammt eindeutig den Ideen von Rick Wright, David Gilmour, Nick Mason und auch Roger Waters. Mit „Endless River“ begeht man nämlich eine musikalische Zeitreise durch das mittlere bis spätere Werk von Pink Floyd. So ab „The Dark Side Of The Moon“ ist hier alles vertreten, außer – leider – Animals. Nun und so ein Song wie „Skins“ hätte sogar gut auf „Ummagumma“ gepasst, also auch die Frühphase nach Syd Barrett ist vertreten. Diese Zeit in der Bandgeschichte ist jedoch eher die Ausnahme auf „Endless River“. Dagegen ist „Wish You Were Here“ allgegenwärtig. Da scheint Richard Wright noch einige Parts von „Shine On You Crazy Diamond“ in petto gehabt zu haben. „The Dark Side Of The Moon“ hört man heraus, sogar „The Wall“ ist vertreten und natürlich die beiden Alben, die zum Schluss, ohne die Beteiligung von Roger Waters, entstanden sind: „A Momentary Lapse Of Reason“ und „The Division Bell“.
Nun, dies alles spricht für eine Pink Floyd Scheibe, wenn auch nichts wirklich Neues dabei ist. Der Sound, der Gitarrenklang und auch die Atmosphäre, die so nur Pink Floyd zu generieren imstande waren, all das ist vorhanden. Trotzdem ist es aber auch keine Pink Floyd Platte mehr. Naja zumindest keine richtige. Der Gesang fehlt einfach und da genügt es auch nicht, dass auf dem letzten Titel der CD, „Louder Than Words“, David Gilmour singt. Mitunter ist die Musik sogar so sphärisch, dass wenn man gerade kein passendes Beispiel aus vorherigen Pink Floyd Alben findet, die Musik auch Klaus Schulze zuordnen könnte. Auch Mike Oldfield scheint irgendwie manchmal zugegen zu sein. Und dann, ja dann gibt es auch solch einen eigenständigen Höhepunkt wie „Autumn ‘68“, während dem man Richard Wright an der Orgel der Royal Albert Hall lauschen darf. Wirklich grandios, allerdings mit 1:35 Spieldauer um einiges zu kurz geraten. Nun, mehr war wohl nicht mehr vorhanden.
Kurz noch ein paar Bemerkungen zur DVD. Auf den Videos jammen die drei Musiker. Das klingt zwar auch nach Pink Floyd, allerdings auch nicht immer. Jeder der schon mal Musik gemacht hat wird mir bestätigen, manches Mal ist das einfach Proberaum. Die Videos sind dabei in schwarzweiß gehalten. „Anisina“ entstand in diesem Jahr. Allerdings ist hier manches Mal der Hintergrund-Synthesizer so etwas von nervig, sodass die Musik eher an ein misslungenes Lied von Vangelis erinnert, jedoch in keinster Weise an Pink Floyd. Die anderen Videos wurden 1993, wohl zu den Aufnahmen für „The Divison Bell“ mit einer fest installierten Kamera aufgenommen und zeigen die Musiker beim „Ausprobieren“ und Jammen. Und natürlich erkennt man auch hier wieder den ein oder anderen Titel, der dann in etwas abgewandelter Form auf dem Album erschien.
Fazit: Nein, ich kann da gar nicht objektiv sein. Obwohl, vielleicht doch? Nun, wenn jemand vorher noch nie etwas von Pink Floyd gehört hat, kann es durchaus sein, dass er diese Scheibe ganz nett findet – oder auch einfach nur langweilig. Für Pink Floyd Fans ist das schon eine ganz andere Geschichte. Da kommen beim Hören Emotionen und Gefühle hoch. Und interessant ist es durchaus, denn die Lieder erinnern zwar an andere, sind allerdings trotzdem eigenständig. Zeichnen eine Stimmung, eine Atmosphäre noch mal von einer anderen Seite, lassen einen nochmals anders eintauchen in diesen Sound, diese Klanggebilde, die so nur von Pink Floyd erschaffen wurden. Nun und dann noch der Umstand, dass hier mit dieser Scheibe Richard Wright ein wenig geehrt wird. In dem Booklet, welches der CD- und DVD-Ausgabe beiliegt, sind einige Bilder dieses stillen Musikers hinterlegt. Dazu gibt es übrigens auch noch drei Postkarten, eine davon der Art, dass sie ihr Aussehen ändert, je nachdem wie man sie hält. Okay, Pink Floyd oder wohl besser deren Marketing haben auf remasterten Alben auch schon mal Murmeln dazugepackt. Muss man alles nicht unbedingt haben. Trotzdem verkauft sich die Platte auch schon vor der Veröffentlichung durch die Vorbestellungen bestens. Seit vielen Wochen, seit der Ankündigung, belegen die vier verschiedenen Ausgaben des Albums die Spitzen der Verkaufszahlen. Ganz vorne, an erster Stelle CD und Blue Ray. Gefolgt von der „nackten“ CD. Aber auch die Ausgabe der CD mit DVD und auch die Schallplatte sind unter den Top 20 vertreten. Da hat man es natürlich gut, wenn man so viele „ältere“ Fans hat, die raubkopieren nämlich nicht, sondern kaufen sich das Produkt ihrer Begierde, um eben auch im Booklet blättern zu dürfen. So, wie viele Punkte jetzt aber? Wäre die Scheibe nicht von Pink Floyd, würde ich ihr wohl neun Punkte geben. Aber es ist nun mal Pink Floyd, nach zwanzig Jahren wieder und bestimmt das allerletzte Mal. Aber natürlich, wie konnte ich nur überlegen, das sind ganz glasklare elf Punkte.
Anspieltipps: It's What We Do, Sum, Skins, Autumn ‘68
Rick Springfield – Tao Besetzung: Rick Springfield – guitar, vocals, emulator II, dmx programs, bass, dx 7, percussion, backing vocals, jx-3p Gastmusiker: Mitchell Froom – emulator II, optigan, dx 7, Jupiter 8, memory moog, expander Tim Pierce – guitar, gr 707 John Phillip Shenale – ppg, ob 8, dx 7 Jeff Silverman – gr 707 Mike Baird – drums Mike Fischer – acoustic percussion Pino Palladino – fretless bass Nicky Hopkins – dx 7, jx-3p Richard Page – backing vocals & lines in “Dance This World Away” Edie Lehmann – backing vocals & lines in “Dance This World Away” Tom Funderburk – backing vocals Tom Kelly – backing vocals Mike Selfrit – backing vocals Nigel Lundemo Pierce – talking boy Label: RCA Records Erscheinungsdatum: 1985 Stil: Pop, Rock, New Wave Trackliste: 1. Dance This World Away (4:29) 2. Celebrate Youth (3:51) 3. State Of The Heart (3:59) 4. Written In Rock (4:34) 5. The Power Of Love (The Tao Of Love) (4:58) 6. Walking On The Edge (5:09) 7. Walk Like A Man (4:12) 8. The Tao Of Heaven (1:26) 9. Stranger In The House (4:01) 10. My Father's Chair (3:23) Gesamtspieldauer: 39:50
Nun, sollte ich mal gefragt werden, wie denn die 80er Jahre musikalisch klangen, dann würde ich dem Fragesteller die Platte „Tao“ von Rick Springfield in die Hand drücken. Damit wäre dann alles gesagt, beziehungsweise man kann es auf dieser Scheibe sehr gut zusammengefasst nachhören, wie dieses Jahrzehnt klang: ein wenig synthetisch durch den Einsatz vieler Synthesizer, sehr schnell eingängig und irgendwie poppig.
1985 war „Tao“ bereits das neunte Studioalbum des Australiers Rick Springfield und ist bis heute auch sein Lieblingsalbum geblieben. Erfolg hatte er mit der Platte vor allen Dingen in Europa und hier ganz besonders in Deutschland. Nach Rick Springfields Meinung klingt die Scheibe auch sehr europäisch. Schwer zu sagen, wann gerade Pop europäisch, australisch oder amerikanisch klingt, aber vielleicht hat man da als Australier einen ganz anderen Blick beziehungsweise Ohr für.
Der Erfolg von „Tao“ in Deutschland lag sicherlich nicht zuletzt am Titel „Celebrate Youth“, der damals in den Radios rauf und runterlief und auch einen festen Platz in den Diskos dieses Landes hatte. Die Tanzflächen füllten sich dann immer ganz automatisch. Genau wie heutzutage bei 80er-Revival-Parties.
Die Musik auf dem Album ist allgemein sehr fröhlich geraten, nimmt man mal den letzten Titel und das etwas verwunschene und sehr kurze „The Tao Of Heaven“ aus. Aber gerade auch letzter Titel gibt ein wenig Einblick in die Vielfältigkeit des Rick Springfields und hätte durchaus auch wegen seiner etwas mystischen Atmosphäre gerne ein wenig länger sein können. Ansonsten sind die einzelnen Titel irgendwo im Grenzgebiet zwischen Rock und Pop angesiedelt. Manchmal schlägt dabei dann das Pendel eben eher in die eine Richtung, ein anderes Mal in die andere Richtung aus. Alle Nummern sind überaus melodisch und eingängig, gehen sofort ins Ohr. Gute Laune Musik eben, für die sich vielleicht die Anschaffung eines Cabrios lohnen würde…
Fazit: Ja, die 80er Jahre leben hier auf dem Album. Absolut unkomplizierte Musik präsentiert Rick Springfield hier seinen Hörern. Jede Nummer ist nach wenigen Sekunden präsent und kann mitgesummt werden. Dazu ist das alles auch noch überaus eingängig, sodass man sich hiermit durchaus den Tag verschönern oder auch mal den geistigen Blues besiegen kann. Aber nein, oberflächlich ist „Tao“ dabei nicht, jedoch unterhaltend. Zehn Punkte.
Anspieltipps: Celebrate Youth, The Tao Of Heaven, Stranger In The House
Jane Allison – Just Another Girl Besetzung: Jane Allison Stanness – vocals, backing vocals Gastmusiker: Alonza Bevan – acoustic guitars, electric guitars, double bass, bass, piano, hammond organ, drums, tambourine Dave Caven – additional electric guitars on track 1, 3 and 4 Mark Legassick – additional electric guitars on track 7, 8 and 9 Label: Eigenverlag Erscheinungsdatum: 2014 Stil: Folk, Country Trackliste: 1. Hymn To Hope (4:35) 2. Fading Moon (3:30) 3. Country Lovin' (3:02) 4. Just Another Girl (3:18) 5. Catch Me (3:01) 6. All Over Now (4:15) 7. Joan of Arc (3:47) 8. Real Life (3:22) 9. Wait For Me (3:31) 10. Farewell My Boy (3:30) Gesamtspieldauer: 35:51
Jane Allison Stanness ist eine Sängerin, Songwriterin und Schauspielerin aus Wales, die mit „Just Another Girl“ im September 2104 ihr erstes Album veröffentlichte. Unterstützt wurde sie dabei von Alonza Bevan, seines Zeichens Bassist bei den hier ebenfalls bereits besprochenen Kula Shaker. Geschrieben wurden die einzelnen Titel im Jahr 2011 in Berlin, wo Jane Allison zu dieser Zeit lebte. 2013 produzierte Alonza Bevan schließlich das Album, mixte es in den Studios von Kula Shaker ab und spielte auch den größten Teil der Instrumente selbst ein.
Auf „Just Another Girl“ hört man wunderschöne, ruhige und sanfte Folk Musik, die manchmal auch die Richtung hin zum Country einschlägt. Jedoch steht das Folk Genre deutlich im Vordergrund. Besonders viel Wert legt Jane Allison auf die Melodie, die Harmonie bei ihren Liedern. Die einzelnen Titel sind wahrlich überaus eingängig und dabei mal von der Gitarre, ein anderes Mal vom Piano dominiert. Über allem steht jedoch die warme und auch ein wenig verletzlich klingende Stimme der Sängerin selbst, die der Musik ihren Stempel aufdrückt. Dabei erzählt Jane Allison Stanness Geschichten über geheime Leidenschaften, Sehnsüchte, über Verluste und Erlösung. Gerade in Verbindung von Text, dieser zarten Musik und den Inhalten wirkt die Musik auf „Just Another Girl“ sehr bewegend und auf seine Art und Weise warm und ergreifend.
Nicht weiter überraschend ist dabei auch jener Umstand, dass die Sängerin die Musik von Neil Young, Leonard Cohen und Joan Baez als für sie, in ihrer Kindheit, sehr prägend angibt. Und durchaus auch an jene Zeit, Ende der 60er Jahre, Anfang der 70er Jahre fühlt man sich beim Hören von „Just Another Girl“ ein wenig erinnert, als auch jene drei genannten Musiker große Erfolge feiern konnten.
Fazit: Das Debut-Album der Jane Allison, alias Jane Allison Stanness, ist ein sehr überzeugendes geworden. Wer Folk Musik mag, der wird dieses Album lieben. Und auch, wenn beim Hören immer wieder Reminiszenzen zu längst vergangenen musikalischen Zeiten im Ohr des Hörers entstehen, so ist „Just Another Girl“ doch ein Album im Hier und Jetzt geworden. Sehr einfühlsame und warme Musik, die vom Zusammenspiel aus Text, Musik und der Stimme der Jane Allison lebt. Und dies überaus gut. Elf Punkte.
Anspieltipps: Fading Moon, All Over Now, Real Life
Gentle Giant – Three Friends Besetzung: Kerry Minnear – keyboards, vibraphone, percussion, moog, vocals Ray Shulman – basses, violin, 12 string guitar, vocals Gary Green – guitars, percussion Derek Shulman –vocals Malcolm Mortimore – drums Philip Shulman – saxophone, vocals Gastmusiker: Calvin Shulman – boy's voice on "Schooldays" Label: Vertigo Erscheinungsdatum: 1972 Stil: Progressive Rock Trackliste: 1. Prologue (6:13) 2. Schooldays (7:36) 3. Working All Day (5:11) 4. Peel The Paint (7:30) 5. Mister Class And Quality (3:23) 6. Three Friends (5:24) Gesamtspieldauer: 35:18
Wenn man mal progressive Rock Musik in seiner, wie ich finde, reinsten Form hören möchte, dann sollte man sich unbedingt ein Gentle Giant Album geben. Wenn möglich aus der frühen bis mittleren Schaffensphase der Band. Und gleich wird einem auch wieder klar, warum diese Band nicht den gleichen Erfolg ernten konnte, wie die Kollegen von Genesis oder Yes zum Beispiel. Gentle Giant Musik ist irgendwie noch sehr viel verschrobener, frickeliger und auf jeden Fall alles andere als einfach. Und genau so verhält sich auch mit ihrem dritten Album der Band aus dem Jahr 1972, „Thee Friends“, einem Konzeptalbum, auf dem die Geschichte dreier Freunde erzählt wird, die sich im Laufe ihres Lebens immer weiter auseinanderleben.
Nun, des Öfteren habe ich auch bereits auf diesen Seiten davon geschrieben, dass Musik mitunter erarbeitet werden muss oder auch erarbeitet werden will. Bei kaum einer anderen Band trifft auch dies so zu wie bei Gentle Giant. Beim ersten Hören von „Three Friends“ bleibt man mit offenem Mund zurück – wenn man nicht bereits bei Titel Nummer 2 die CD oder Schallplatte wieder entfernt hat. Die einzelnen Lieder sind so etwas von vertrackt und aufwendig arrangiert, dass man sehr viele Durchläufe benötigt, um dies überhaupt irgendwie einreihen zu können. Überbordende Instrumentierung, vielschichtige und vielstimmige Gesangspassagen, schnell wechselnde Rhythmen, die mitunter auch sehr „komisch“ wirken können und Melodieführungen, die man sonst, in dieser Art und Weise, eben nur bei Gentle Giant zu hören bekommt. Stellvertretend für diese Aussagen steht auf „Three Friends“ der Titel „Schooldays“. Kann man solch Musik wirklich beim ersten Mal verstehen? Zumindest ist das sehr schwierig.
So und dann passiert es allerdings doch. Beim fünften, sechsten oder vielleicht auch erst siebten Durchlauf des Albums. Plötzlich scheint es so, dass sich Türen, nein ganze Toren öffnen. Plötzlich erscheint die Musik überaus eingängig und gar nicht mehr so „jazzig“ zu klingen. Auf einmal spürt man, dass hier wirklich alles so sein muss, alles genau so klingen muss. Seltsame Harmonien werden zu Freunden und klingen jetzt überaus melodisch. Die Füße wissen urplötzlich, wie sie mitzuwippen haben, man schließt die Augen und kann das Ganze endlich genießen. Zum Unterschied zu anderen Gentle Giant Scheiben ist noch anzumerken, dass „Three Friends“ wohl jenes Album in der Diskographie von Gentle Giant ist, auf dem der E-Gitarre der größte Raum zugestanden wurde. Das rockt mitunter ziemlich kompromisslos, allerdings eben auf „Gentle Giant Art und Weise“.
Fazit: Nun, wer gibt der Musik heutzutage noch mehrere Chancen vielleicht doch noch im Ohr ankommen zu können? Wahrscheinlich nur wenige Musikkonsumenten. Lohnt sich allerdings wirklich es mal auszuprobieren, wie dieses Gentle Giant Album aus eigener Erfahrung zeigt. Aber selbstverständlich ist diese Art der Musik nichts für den Massenmarkt, dessen mussten sich die – hier noch sechs Briten – durchaus bewusst gewesen sein. Gegen Ende ihrer Karriere versuchten sie schließlich auch, sich einer größeren Hörerschaft gegenüber zu öffnen und zerbrachen daran. Aber das ist eine andere Geschichte. Für „Three Friends“ gilt dagegen: Extrem geeignet für Leute, die auf extrem komplizierte Musik stehen. Elf Punkte.
Seven Mary Three – Rock Crown Besetzung: Jason Ross – lead vocals, guitar Jason Pollock – lead guitar, vocals Giti Khalsa – drums Casey Daniel – bass Label: Atlantic Records Erscheinungsdatum: 1997 Stil: Alternative Rock, Post Grunge Trackliste: 1. Lucky (3:58) 2. Rock Crown (2:46) 3. Needle Can't Burn (What The Needle Can't Find) (2:25) 4. Honey Of Generation (3:55) 5. Home Stretch (3:02) 6. People Like New (3:59) 7. Make Up Your Mind (2:33) 8. Gone Away (2:11) 9. Times Like These (4:36) 10. I Could Be Wrong (3:49) 11. What Angry Blue? (3:34) 12. Houdini's Angels (3:29) 13. This Evenings Great Excuse (4:17) 14. Player Piano (2:25) 15. Oven (6:04) Gesamtspieldauer: 53:04
„Rock Crown“ nannten die Musiker von Seven Mary Three ihr drittes Album. Veröffentlicht wurde es im Jahr 1997. Überrascht wird man beim Hören dieses Album von dem Umstand, dass die Amerikaner von Seven Mary Three häufig unter dem Genre „Hard Rock“ eingereiht werden. Nun auf „Rock Crown“ hört man sicherlich keinen Hard Rock. Sehr viel eher ist das Alternative Rock und dieser ist auch eher von der nicht ganz harten Sorte. Die meisten Nummern der Scheibe sind sehr gemäßigt und hauptsächlich im langsamen, bis hin zum Mid-Tempo angesiedelt. Zwar rocken die vier Musiker auch auf „Rock Crown“ hin und wieder, doch im Grunde genommen bleibt es bei kurzen Ausflügen in dieses Genre.
Die Melodie steht bei diesem Album deutlich im Vordergrund. Bei jedem Titel. Mitunter erinnert die Musik fast schon an Folk, wenn man nur eine akustische Gitarre und einem ein- bis zweistimmigen Gesang lauscht. Durchaus unterhaltend das Ganze und auch bestens geeignet für Freunde der harmonischen Akkorde. Besonders herauszuheben sind hier drei Titel. Gleich der Opener „Lucky“ ist eine dieser sehr ruhig gehaltenen Nummern, die ziemlich schnell ins Ohr geht und als Single-Auskopplung auch Platz 19 der US-amerikanischen Billboard-Charts erreichte. „Honey Of Generation” ist deutlich flotter und rockiger und klingt so herrlich verwunschen und mystisch, bis denn dann die Gitarren und auch der Gesang ordentlich losschlagen. „What Angry Blue?“ klingt dagegen zunächst fast schon schräg. Der Stimme werden immer wieder die „Mitten“ entfernt, sodass eine Art Telefoneffekt entsteht. Nun und im Refrain, da ist die Nummer fast schon ein Mitgröl-Song mit seinem „Nanana“ im Hintergrundchor. Macht Spaß.
Fazit: Alle Lieder auf „Rock Crown“ haben ihren Reiz, keines fällt gegenüber den anderen großartig ab. Und so legt man die Platte auf, beziehungsweise die CD ein und alles hat hier seine Qualität, die einzelnen Lieder laufen durch und man hat nie das Gefühl an dieser oder jener Stelle mal die „Skip-Taste“ der Fernbedienung drücken zu müssen oder den Arm des Plattenspielers auf den nächsten Titel zu setzen. Zwar mangelt es der Scheibe an so einem herausragenden Titel, wie es auf dem Vorgänger noch „Cumbersome“ war, doch hörenswert ist das durchaus. Neun Punkte.
Anspieltipps: Lucky, Honey Of Generation, What Angry Blue?
XTC – English Settlement Besetzung: Colin Moulding – lead vocals, backing vocals, fretless bass, Fender bass, mini-korg, piano, percussion Andy Partridge – lead vocals, backing vocals, electric guitar, semi-acoustic electric 12-string guitar, semi-acoustic electric guitar, acoustic guitar, mini-korg, Prophet V, anklung, alto sax, percussion, frog Dave Gregory – electric 12-string guitar, electric guitars, nylon-string Spanish guitar, semi-acoustic electric 12-string guitar, Prophet V, mini-korg, backing vocals, percussion, piano Terry Chambers – drums, drum synthesizer, percussion, backing vocals Gastmusiker: Hugh Padgham – backing vocals on "Ball And Chain" Hans de Vente – backing vocals on "It's Nearly Africa" Label: Virgin Records Erscheinungsdatum: 1982 Stil: New Wave, Pop Trackliste: 1. Runaways (4:35) 2. Ball And Chain (4:33) 3. Senses Working Overtime (4:51) 4. Jason And The Argonauts (6:07) 5. No Thugs In Our House (5:10) 6. Yacht Dance (3:57) 7. All Of A Sudden (It's Too Late) (5:22) 8. Melt The Guns (6:34) 9. Leisure (5:02) 10. It's Nearly Africa (3:55) 11. Knuckle Down (4:28) 12. Fly On The Wall (3:19) 13. Down In The Cockpit (5:27) 14. English Roundabout (4:00) 15. Snowman (5:04) Gesamtspieldauer: 1:12:23
Nun, dieses fünfte Studio-Album mit dem Titel „English Settlement“ stellte für die englische Band XTC im Jahr 1982 endgültig den Durchbruch dar. Ursprünglich als Doppelalbum veröffentlicht, gibt es hier jede Menge New Wave zu hören und zwar von der Art, die nicht sofort und ohne weiteres ins Ohr gehen möchte. Nein, die Musik von XTC zeichnet sich schon immer dadurch aus, dass sie ein wenig „schräg“ klingt. Nichts ist hier sofort so eingängig wie bei vielen anderen Bands des gleichen Genres. Somit bedarf es einiger Durchläufe der Scheibe, bis sich das Ohr diese Tonfolgen zurecht gelegt hat, um sie dann adäquat aufzunehmen und auch genießen zu können.
Doch trotzdem, einen Nachteil hat diese Musik hier von XTC auf „English Settlement“: Sie nervt mit der Zeit! Zum einen liegt das sicherlich an diesem weinerlichen Gesang von Colin Moulding und Andy Partridge, jedoch auch an der Musik selbst. Mit dem Durchlaufen der Lieder scheint deren Niveau ein wenig abzufallen. Vielleicht ist es allerdings auch so, dass das Gehirn nach einer gewissen Zeit einfach nicht mehr „quer“ hören möchte und dann auf Durchzug stellt. Und da kann man dann das Ganze immer und immer wieder ablaufen lassen, jedoch zur zweiten ursprünglichen LP kommt man immer wieder nur nach einer Pause.
Fazit: XTC machten hier New Wave pur, wenn auch nicht diesen radiotauglichen Ableger dieser Musik. Doch, New Wave ist das schon noch. Nun jetzt verspüre ich auch noch den Drang in mir, mich nicht belehren lassen zu wollen. Egal in welcher Richtung. Und Texte mit dem erhobenen Zeigefinger nerven manchmal. Dazu noch Musik, die wirklich braucht, um zünden zu können. Und dieses dann trotzdem nicht schafft. Diese Platte ist sicherlich für alle New Wave Freunde die Offenbarung, da irgendwie speziell. Ich schaffe es jedoch nicht, hier einen irgendwie gearteten Zugang zu finden, obwohl mir auch manches gefällt. Sieben Punkte.
Spiritual Beggars – Earth Blues Besetzung: Michael Amott – dean guitars, rotosound strings, dmt pickups, homebrew electronic effects, marshall amps, celestion speakers, zoom effects, maxon fx (godlyke), ibanez effects, providence cables and effects, vans shoes, pictronix Per Wiberg – planet waves cables Ludwig Witt – paiste cymbals, wincent drum sticks Sharlee D’Angelo – ibanz basses, rotosound strings, aguilar amplification, dunlop effects Apollo Papathanasio – vocals Label: InsideOut Music Erscheinungsdatum: 2013 Stil: Hard Rock, Stoner Rock Trackliste: 1. Wise As A Serpent (2:34) 2. Turn The Tide (3:25) 3. Sweet Magic Pain (4:42) 4. Hello Sorrow (4:29) 5. One Man's Curse (4:34) 6. Dreamer (5:09) 7. Too Old To Die Young (6:16) 8. Kingmaker (3:54) 9. Road To Madness (3:05) 10. Dead End Town (2:31) 11. Freedom Song (3:36) 12. Legends Collapse (5:51) Gesamtspieldauer: 50:07
„Männermusik” machen die Spiritual Beggars. Bei den Schweden gibt es nichts Weiches, hier wird nur gnadenlos gerockt. Genau so und keinen Deut anders klingt ihr inzwischen bereits achtes Album „Earth Blues“ aus dem Jahre 2013. Nun, dass die Musiker den Hard Rock der 70er Fahre toll finden, das hört man an jedem Akkord. Mal klingt das wir Deep Purple, ein anders mal wie Rainbow – Ritchie Blackmore lässt grüßen. Dazu gesellt sich allerdings noch der Umstand, dass die Stimme des Apollo Papathanasio wirklich sehr der des David Coverdale ähnelt. Dementsprechend müssen hier einfach Bilder und Erinnerungen im Hörer aufsteigen, die diese Verknüpfungen schaffen.
Trotzdem sind die Spiritual Beggars kein Klon von Deep Purple, denn das alles klingt durchaus auch eigenständig. Die Schweden sind auch ein wenig konsequenter, da sie alles auf diese „harte Karte“ setzen, soll heißen fast schon grenzenlos rocken. Bis auf den Titel „Dreamer“, der ein wenig gemäßigter klingt, wartet hier sonst auf alle Headbanger die Gehirnerschütterung. Immer wird den Spiritual Beggars auch ein Schuss Psychedelic Rock in der Musik zugesprochen, den ich allerdings hier überhaupt nicht finden beziehungsweise heraushören kann. Sehr viel eher eine ordentliche Portion Metal.
Dabei schaffen es die Mannen um den Bandgründer Michael Amott jedoch immer, dass auch bei dieser vorhandenen Härte die Melodie des Titels nicht zu kurz kommt. Das klingt alles überaus eingängig und trotz der schweren Gitarren absolut leicht. Viel zu dieser Stimmung trägt auch Ex-Opeth Keyboarder Per Wiberg bei, der immer genau das richtige Maß für den Einsatz seiner Tasteninstrumente findet – nochmals eine Parallele zu Deep Purple und dessen unvergessenen Keyboarder Jon Lord.
Fazit: Sehr überzeugend das Ganze, etwas härte Musik muss man dabei aber natürlich schon mögen. Dann macht das Hören von „Earth Blues“ wahrlich unglaublich viel Spaß. Der Titel ist dabei übrigens ein wenig verwirrend, Blues gibt es hier an keiner Stelle der Scheibe zu hören. Die Band gibt es nun bereits über zwanzig Jahre und wirklich die Musik der Spiritual Beggars klingt ein wenig „retro“, nämlich nach einem Wiederaufleben des Hard Rocks der 70er Jahre. Allerdings machen die Schweden dies so geschickt, dass es einem nie einfallen würde, hier etwas Kopiertes hören zu wollen. Wer also diese Musik von damals mag, kann sich diese auch jetzt noch, ganz aktuell genehmigen. Lohnt sich. Elf Punkte.
Kasabian – Empire Besetzung: Tom Meighan – lead vocals on all tracks except "Me Plus One", "Stuntman" and "British Legion" Sergio Pizzorno – lead guitar, backing vocals, synths, rhythm guitar, lead vocals on "Me Plus One", "Stuntman" and "British Legion" Chris Edwards – bass Ian Matthews – drums Label: Sony Music Erscheinungsdatum: 2006 Stil: Alternative Rock Trackliste: 1. Empire (3:53) 2. Shoot The Runner (3:27) 3. Last Trip (2:53) 4. Me Plus One (2:29) 5. Sun/Rise/Light/Flies (4:09) 6. Apnoea (1:48) 7. By My Side (4:14) 8. Stuntman (5:20) 9. Seek & Destroy (2:15) 10. British Legion (3:20) 11. The Doberman (5:34) Gesamtspieldauer: 39:22
„Empire” nannte die britische Band Kasabian ihr zweites Studioalbum, welches 2006 veröffentlicht wurde. Eingerahmt ist diese Scheibe von den Platten „Kasabian“ und „West Ryder Pauper Lunatic Asylum“. Beides sehr überzeugende Veröffentlichungen. Und das ist „Empire“ ebenfalls, auch wenn das Album nicht ganz an diese zwei „Umrahmungen“ heranzureichen vermag.
Doch um es gleich festzuhalten, auch „Empire“ ist ein überzeugendes Album geworden, wenn man auf Independent Rock oder Alternative Rock steht. Klar steht bei Kasabian der Synthesizer deutlich mehr im Vordergrund, als zum Beispiel bei New Model Army. Trotzdem wird hier das gleiche Publikum mit bedient. Allerdings kann „Empire“ nicht ganz an diese beiden schon erwähnten Alben heranreichen, da einfach das Songmaterial nicht ganz damit mithalten kann. Trotzdem, hier gibt es zumindest solch einen, für Kasabian völlig untypischen Titel wie „British Legion“, der fast schon in die Richtung Folk driftet.
Auch der Opener und gleichzeitig der Titelgeber des ganzen Albums, „Empire“, sowie die Nummer „By My Side“ sind sehr überzeugend. Gut gemachter Alternative Rock. Natürlich darf hier auch das letzte Lied „The Doberman“ nicht vergessen werden. Ebenfalls sehr überzeugend und mit seinen verschiedenen Teilen fast schon zum Höhepunkt der ganzen Platte mutierend – spätestens nach drei Durchläufen kommt man unweigerlich zu diesem Schluss. Nun und der Rest? Qualitativ schlecht ist hier überhaupt nichts, alles sehr gut an- und erhörbar und mit Spaß zu genießen. Aber BritPop, dem Kasabian auch mitunter zugerechnet wird, den höre ich hier überhaupt nicht. Stellt sich nur noch die Frage, warum dieses Album, nicht ganz an den Vorläufer und den Nachfolger heranreicht?
Fazit: „Empire“ ist ein tolles Album geworden, welches es durchaus mit dem Vorgänger und dem Nachfolger aufnehmen kann. Was interessiert mich mein Geschwätz vom Anfang dieser Rezension? Wer auf gut gemachten Alternative Rock steht, der allerdings auch einen deutlichen Ausschlag hin zum Synthesizer hat, trotzdem immer noch Rock ist, der wird mit „Empire“ sehr viel Spaß haben. Zehn Punkte.
Anspieltipps: Empire, By My Side, British Legion, The Doberman