Donnerstag, 11. Juni 2015

Hoelderlin – Hoelderlin




Hoelderlin – Hoelderlin


Besetzung:

Michael Bruchmann – drums, percussion
Christian Grumbkow – acoustic and electric guitars
Joachim Grumbkow – keyboards, vocals, flute
Peter Käseberg – bass guitar
Joachim Käseberg – guitars
Christoph Noppeney – viola, acoustic guitar, vocals


Gastmusiker:

Zeus – alto saxophone
Norbert Jacobson – clarinet
Conny Planck – voice, synthesizer-help


Label: Spiegelei (EMI)


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Progressive Rock, Folk


Trackliste:

1. Schwebebahn (7:22)
2. I Love My Dog (5:39)
3. Honeypot (8:51)
4. Nürnberg (3:06)
5. Deathwatchbeetle (17:36)


Bonus Track der remasterten Album-Fassung:

6. Deathwatchbeetle (live 1974) (14:44)

Gesamtspieldauer: 57:21




Ihre zweite Platte betitelte, die aus Wuppertal stammende Band Hoelderlin, kurz und knapp mit ihrem eigenen Bandnamen: Hoelderin. Sie erschien im Jahr 1975, drei Jahre nach dem Debut-Album „Hölderlins Traum“. Nun und was es da von den sechs Bandmitgliedern zu hören gibt, das ist wirklich sehr hörenswert.

Die ursprünglich fünf auf der Platte enthaltenen Lieder, decken zwei verschiedene Musik Genres ab. „Schwebebahn“, „Honeypot“ und „Deathwatchbeetle“ stehen für Progressive Rock, „I Love My Dog“ sowie „Nürnberg“ sind dagegen eher Folk-Songs. „Nürnberg“ noch deutlich mehr als „I Love My Dog“, denn dieser Titel ändert seine musikalische Ausrichtung in seinem Verlauf doch sehr deutlich in Richtung zum progressiven Rock. Was allerdings allen diesen Titeln gemeinsam ist, dass ist ihre Melodiösität. Harmonien werden hier groß geschrieben und fast schon übereinander gestapelt und alles versinkt schließlich zumeist in reinem Wohlklang. Natürlich wird auch mal ein wenig experimentiert, mit dem Sound, den Instrumenten und auch ein schrägerer Ton verirrt sich ab und an in eines der drei progressiven Lieder, allerdings schwebt über allem doch eine sehr ausgeprägte Harmonie.

Richtig gut integriert in die Titel sind auch Querflöte und Violine, die so mancher Nummer, so manchem Liedabschnitt noch eine zusätzliche Aufwertung bescheren. Auch gibt es lange und ausgedehnte Instrumentalpassagen zu erhören, die mal weich und elegisch gestaltet sind, dann jedoch wieder dieses treibende Momentum beinhalten, welches die Füße mitwippen lässt. Ebenfalls sehr zu loben ist an dieser Stelle der Gesang des Joachim von Grumbkow, der sich perfekt in die musikalischen Arrangements integriert. Mal erzählt er beschwörend, ein anderes Mal singt er sanft, immer die passende Atmosphäre unterstreichend.

Die remasterte Auflage des Album enthält schließlich noch eine leicht verkürzte Live-Version des Titels „Deathwatchbeetle“. Diese klingt zwar durchaus überzeugend und hörenswert, ein Kauf aufgrund dieses Bonus-Tracks, wenn man bereits die Original-LP besitzt, lohnt sich jedoch kaum.

Fazit: Irgendwie klingt „Hoelderin“ von Hoelderlin sehr leicht und schwebend. Die Musik regt definitiv nicht auf, entspannt sehr viel eher. Es gibt sehr schöne Melodien zu entdecken, die allerdings niemals platt wirken beziehungsweise sich so anhören würden. Auf seine Art und Weise ein „Entspannungsalbum“. Unaufgeregt und auch leise. Elf Punkte.

Anspieltipps: I Love My Dog, Deathwatchbeetle 



Mittwoch, 10. Juni 2015

Steve Hackett – Spectral Mornings




Steve Hackett – Spectral Mornings


Besetzung:

Steve Hackett – guitar, keyboards, vocals, koto, harmonica


Gastmusiker:

Dik Cadbury – bass
John Hackett – flute, keyboards
Peter Hicks – vocals
Nick Magnus – synthesizer, keyboards
John Shearer – drums


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Every Day (6:14)
2. The Virgin And The Gypsy (4:27)
3. The Red Flower Of Tachai Blooms Everywhere (2:05)
4. Clocks – The Angel Of Mons (4:17)
5. The Ballad Of The Decomposing Man (3:49)
6. Lost Time In Córdoba (4:03)
7. Tigermoth (7:35)
8. Spectral Mornings (6:33)

Gesamtspieldauer: 39:09




„Spectral Mornings“ heißt das dritte Studio-Album des Steve Hackett und es ist gleichzeitig das zweite, welches er nach seinem Ausscheiden bei Genesis veröffentlichte. Nach der Fertigstellung von „Please Don’t Touch“, seinem zweiten Album, welches er genauso mit Gastmusikern aufgenommen hatte wie sein Debut „Voyage Of The Acolyte“, wollte der – jetzt Ex-Genesis-Gitarrist – mit dem Material auch auf Tour gehen und stellte somit zu diesem Zwecke eine Band zusammen. Das schien offensichtlich so gut zu funktionieren und harmonieren, dass er mit diesen Musikern auch gleich dieses neue Album und den Nachfolger „Defector“ aufnahm. Mitglied seiner Band war nun auch sein Bruder John, der an der Flöte und den Keyboards zu hören ist.

Während die beiden Vorgänger-Alben allerdings sehr viel schneller überzeugen konnten, benötigt man bei „Spectral Mornings“ schon einige Zeit mehr , bis man hier so richtig „warm“ wird mit der Musik des Steve Hackett. Aber natürlich gibt es ein paar Höhepunkte auf der Scheibe. Für mich sind dies, das so herrlich nach Japan klingende „The Red Flower Of Tachai Blooms Everywhere“, eine sehr eingängige Instrumentalnummer. Auch das mit über siebeneinhalb Minuten längste Lied der Platte „Tigermoth“, eine sehr düstere Nummer, hat es in sich. Hier wechselt Steve Hackett von Abschnitten, garniert mit Psychedelic Rock, in Bereiche mit sehr harmonischen Melodien und Gesang spielerisch hin und her. Da klingt die Musik des Steve Hackett jetzt sehr überzeugend.

Der Titelsong „Spectral Mornings“ ist eine sehr epische Instrumentalnummer und hat ebenfalls was, jedoch noch nicht, beim ersten oder zweiten Hören. Nun, ganz witzig finde ich auch noch „The Ballad Of The Decomposing Man”, obwohl diese „Spaßnummer“ so gar nicht zum Rest der Platte passen will. Aber auch hier ist es die Melodie, die dem Lied, welches zum Teil ein wenig im Stile von Music Hall gehalten ist – dann allerdings auch ohne Vorwarnung Calypso-Klänge aufweist – durchaus einen gewissen Wiedererkennungswert verleiht. Nun, der Rest, der ist okay, weist allerdings auch, wie im Falle von „The Virgin And The Gypsy“ durchaus gewöhnungsbedürftigen Schmalz auf. Die beiden wären mal lieber zu Hause geblieben.

Fazit: Ein paar ganz nette Stellen und Titel weist „Spectral Mornings“ durchaus auf. An die Qualität der beiden Vorgängerscheiben kommt die Platte allerdings nicht mehr ganz heran. Man benötigt viel Zeit, um mit Vielem auf diesem Album „warm“ zu werden, mit manchem auf „Spectral Mornings“ wird man es auch nie so ganz. Und wenn doch, dann ist die Musik gut, jedoch eben nicht mehr absolut überzeugend. Acht Punkte.

Anspieltipps: The Red Flower Of Tachai Blooms Everywhere, Tigermoth



Dienstag, 9. Juni 2015

Angelo Branduardi – La Pulce D’Acqua




Angelo Branduardi – La Pulce D’Acqua


Besetzung:

Angelo Branduardi – Gesang, Violine, Gitarre, Panflöte, Chor


Gastmusiker:

Gigi Cappellotto – Bass
Bruno de Filippi – Sitar, Harmonica, Ocarina
Massimiliano di Carlo – Cetra
Franco di Sabatino – Klavier
Maurizio Fabrizio – Piano, Gitarre, Chor
Roberto Puleo – Bouzouki, Slide Gitarre
Andy Surdi – Schlagzeug, Perkussion
Luigi Lai – Launeddas


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Folk


Trackliste:

1. Ballo In Fa Diesis Minore (7:02)
2. Il Ciliegio (4:15)
3. Nascita Di Un Lago (4:12)
4. Il Poeta Di Corte (3:49)
5. Il Marinaio (4:07)
6. La Pulce D'Acqua (4:44)
7. La Sposa Rubata (4:01)
8. La Lepre Nella Luna (5:02)
9. La Bella Dama Senza Pietà (6:40)

Gesamtspieldauer: 44:03




Was sammelt sich nicht alles für Musik im Laufe der Jahre an. Manchmal ist das auch Musik, die man zwar noch ganz gut kennt, aber schon seit zehn, fünfzehn Jahren überhaupt nicht mehr gehört hat. Bei Angelo Branduardi’s Album „La Pulce D’Acqua“ ist das bei mir der Fall. Ich kann übrigens mit italienischen Schlagerfuzzis à la Eros Ramazotti nun so gar nichts anfangen, besitze so etwas glücklicherweise auch nicht. Und wenn mich jemand richtig ärgern wollen würde, dann wüsste ich auch, was er mir schenken müsste… Egal, das vorliegende Album habe ich in den 80ern einem guten Freund für zwei Mark abgekauft, da dieser nach Rom umgezogen ist und seine Platten nicht mitnehmen konnte. Höre ich diese Musik dann doch wieder mal, denke ich natürlich unweigerlich an ihn. Und diese Platte von Angelo Branduardi ist etwas Besonderes für mich.

Nun, Angelo Branduardi macht allerdings auch keinen italienischen Schlager, zumindest nicht auf „La Pulce D’Acqua“, wobei dies auch das einzige Album von ihm ist, welches ich kenne. Auch ist es die einzige Platte, die ich besitze, auf der jemand italienisch singt. Die Musik kann man durchaus mit Folk umschreiben, italienischen Folk eben. Angelo Branduardi singt auf „La Pulce D’Acqua“ so hingebungsvoll und intensiv, dass er manchmal fast schon einen Tick zu weich, am Rande des Kitsches entlang balanciert – aber nur manchmal und nur fast. Die Stimme scheint sehr bewegende Geschichten zu erzählen und da ist es gar nicht mehr so wichtig, dass man diese nicht versteht, wenn man des Italienischen nicht so mächtig ist. Ausdrucksstark erzählt der Italiener auf dem Album seine Sätze und das eingebettet in sehr schöne, melodische und harmonische Melodien. Eine Ader für diese sanften Töne sollte man definitiv haben, dann wird der Genuss der Musik umso intensiver.

Gerade die ersten Titel auf „La Pulce D’Acqua“ überzeugen sehr. Eingängige, das Ohr umschmeichelnde Harmonien schwingen da fast schon im Überfluss durch den Raum. „Ballo In Fa Diesis Minore“ ist eine Nummer, die sogar ein wenig an mittelalterliche Musik erinnert, hervorgerufen wird dieser Eindruck nicht zuletzt durch die verwendeten Instrumente. Da entsteht vor dem geistigen Auge ein Minnesänger, der vertieft in seinen Gesang und sein Instrument spielend in der Ecke sitzt. Bei prasselndem Kaminfeuer lächeln sich Ritter und Burgfräulein freundlich zu und drehen, sich tief in die Augen blickend, ihre Kreise im großen Wohnsaal der Burg. Auch „Il Ciliegio“ kann wegen seiner eingängigen Melodie überzeugen, die sofort ins Ohr geht. Nun und dann gibt es da die Nummer „Nascita Di Un Lago“. Getragen beginnt das Lied mit Bläsern, getragen geht es weiter mit dem zerbrechlich klingenden Gesang des Angelo Branduardi. Und schließlich kommt er, dieser Refrain zum Steinerweichen. Unglaublich schön. Wenn jemand mal eine liebe Frau von seiner romantischen Ader überzeugen muss: damit habt ihr sie, Freunde. Nun, blieben noch zwei Lieder, welche es lohnt extra erwähnt zu werden. Zum einen das Titellied „La Pulce D’Acqua“. Die Geschichte vom „Wasserfloh“ ist eine durchgehend fröhliche Nummer, die etwas im Gegensatz zum Rest des Albums steht, auf dem sonst viel Moll und eher eine traurige Stimmung transportiert wird. Schließlich möchte ich an dieser Stelle noch das letzte Lied  der Platte, „La Bella Dama Senza Pietà“, erwähnen, welches durch eine Sitar und Streicher so herrlich orientalisch klingt. Geht gar nicht mal so ins Ohr, aber die Atmosphäre der Nummer, die hat was und ist sehr überzeugend.

Fazit: „La Pulce D’Acqua“ hat seine Höhepunkte. Manches Lied wirkt vielleicht ein wenig zu getragen, zu weich, um das Herz des Rock-Fans noch erwärmen zu können. Der denkt sich: „Mensch Angelo, stell Dich gerade hin, Kopf hoch, Du bist doch ein Mann und kein Weichei!“ Und genau in diesem Moment kommt wieder dieser Refrain von „Nascita Di Un Lago“ und erfüllt den Raum. Plötzlich ist alles wieder ganz anders. Lange her, dass mein Freund nach Rom ging. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Ballo In Fa Diesis Minore, Nascita Di Un Lago, La Pulce D'Acqua



Montag, 8. Juni 2015

The Smashing Pumpkins – Lull (EP)




The Smashing Pumpkins – Lull (EP)


Besetzung:

Jimmy Chamberlin – drums
Billy Corgan – vocals, guitar
James Iha – guitar, vocals
D'arcy Wretzky – bass guitar, vocals


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Rhinoceros (5:57)
2. Blue (3:22)
3. Slunk (2:49)
4. Bye June (2:09)

Gesamtspieldauer: 14:18




„Lull” heißt die erste EP der Smashing Pumpkins und sie wurde ein halbes Jahr nach ihrem ersten Studioalbum im November 1991 veröffentlicht. Die Scheibe wird inzwischen zu horrenden Preisen gehandelt und das bei einer Laufzeit von nicht einmal einer Viertelstunde. Aber anscheinend finden sich hier Käufer.

„Rhinoceros" ist dabei dem ersten Album „Gish” entnommen, wurde am Ende jedoch ein wenig verkürzt. Die Nummer „Blue“ wurde auf dem Kompilations-Album „Pisces Iscariot” veröffentlicht und eine Live-Version von „Slunk" gibt es auf „Vieuphoria“, einem Live-Video zu sehen. „Bye June" stellt eine Aufnahme aus dem Jahr 1989 dar, von den Reel Time Studio Sessions, die zuerst also Mono-Demo veröffentlicht wurde.

Nun und die Musik? „Rhinoceros“ ist eine Nummer im Mid-Tempo. Ganz überzeugend. „Blue“ und „Slunk“ sind kurze Rocker und „Bye June“ ist schließlich eine noch kürzere Akustik-Nummer. Alles nicht schlecht, die Titel gehen auch ins Ohr, sind sicherlich jedoch aber auch nicht dien Höhepunkte im Schaffen der Smashing Pumpkins.

Fazit: Dieses kurze „Album” lohnt sich wirklich nur für Fans, die alles von „ihrer” Band besitzen möchten. Die Musik ist durchaus melodisch und dann wieder rockig und wenn man die Scheibe billig bekommt, lohnt das wohl auch – ansonsten jedoch eher was für den eingefleischten Fan. Acht Punkte.

Anspieltipps: Alles, ist ja nicht so viel.



Sonntag, 7. Juni 2015

The Who - Face Dances




The Who – Faces Dances


Besetzung:

Roger Daltrey – lead vocals
Pete Townshend – guitars, keyboards, backing vocals, lead vocals on "I Like Nightmares", "Somebody Saved Me" and live edit of "How Can You Do It Alone"
John Entwistle – bass guitar, backing vocals, lead vocals on "The Quiet One"
Kenney Jones – drums


Gastmusiker:

John "Rabbit" Bundrick - keyboards, synthesiser, backing vocals


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Rock


Trackliste:

1. You Better You Bet (5:37)
2. Don't Let Go The Coat (3:48)
3. Cache Cache (3:56)
4. The Quiet One (3:09)
5. Did You Steal My Money (4:15)
6. How Can You Do It Alone (5:26)
7. Daily Records (3:25)
8. You (4:41)
9. Another Tricky Day (4:56)


Bonus Tracks der remasterten Album-Fassung:

10. I Like Nightmares (3:11)
11. It's In You (5:01)
12. Somebody Saved Me (5:31)
13. How Can You Do It Alone (Live) (5:27)
14. The Quiet One (Live) (4:32)

Gesamtspieldauer: 1:03:01




„Faces Dances“ heißt das neunte Studio-Album von The Who und ist gleichzeitig das erste Album, welches die Band nach dem Tod ihres Drummers Keith Moon veröffentlichte. Anstatt seiner, trommelte nun Kenney Jones in der Band. Knapp drei Jahre hatte es gedauert, bis zum Mai 1981, bis die Scheibe schließlich veröffentlicht wurde.

Nun, an die früheren Scheiben reicht dieses Album der Who leider nicht mehr heran. Zwei Dinge werden auf „Face Dances“ offensichtlich beziehungsweise sind herauszuhören. Das erste ist, dass Kenney Jones sicherlich kein schlechter Drummer ist, Keith Moon allerdings schon ein besonderer Schlagzeuger war. Diese druckvolle Spiel, für das Keith Moon stand, das geht den Who auf „Face Dances“ ganz eindeutig ab. Nun und dann ist auf dieser Scheibe auch festzustellen, dass das Songmaterial nicht mehr ganz die Qualität früherer Werke der Band beinhaltet. Das liegt allerdings nicht daran, dass Pete Townshend die Ideen ausgegangen wären, nur verwendet er diese Ideen und Eingebungen jetzt lieber auf seinen Solo-Alben. „Face Dances“ ist zeitlich eingebettet zwischen den Solo-Alben „Empty Glass“ von 1980 und „All the Best Cowboys Have Chinese Eyes“ aus dem Jahr 1982. Beides sehr überzeugende Scheiben, die wahrlich viel sehr gutes Songmaterial aufweisen.

Jedoch ist „Faces Dances“ auch kein schlechtes Album geworden – eher ein durchschnittliches. Die Lieder siedeln sich zwischen Rock und Pop an, gehen durchaus auch ins Ohr, wenn auch der eine, richtig große Ohrwurm nicht so ganz dabei ist. Trotzdem sind alle diese Nummern noch eindeutig als „The Who“-Lieder zu erkennen – und das liegt nicht nur am Gesang des Roger Daltrey. Dieser gab übrigens Jahre später in einem Interview zu verstehen, dass er die Platte durchaus sehr gelungen finden würde. So dachten auch viele Käufer, denn immerhin belegte die Scheibe Platz 4 der US-amerikanischen und sogar Platz 2 der britischen Charts. Die Höhepunkte sind für mich das sehr mitreißende „How Can You Do It Alone“. Mitreißend aufgrund seiner Melodiösität. Ebenfalls sehr gelungen ist der Opener „You Better You Bet“, ein weiteres Lied mit Wiedererkennungswert. Und schließlich noch „Cache Cache“, ebenfalls eine Nummer, die ins Ohr geht.

Fazit: Es hatte sich was geändert an der Musik von The Who. Für mich ist sie auf „Face Dances“ nicht mehr ganz so mitreißend, wie in den 70er Jahren – jedoch immer noch überzeugend. Zudem klingt die Musik keineswegs nach „New Wave“, auf diesen Zug haben viele Heroen der 70er Jahre aufzuspringen versucht, The Who glücklicherweise nicht. Nein, The Who ist sich da treu geblieben und auch bei dieser Scheibe gilt: Je öfters man sie hört, umso schöner wird das Album. Von daher lohnt sich die Scheibe auch. Neun Punkte.

Anspieltipps: You Better You Bet, Cache Cache, How Can You Do It Alone



Samstag, 6. Juni 2015

Peter Hammill – Over




Peter Hammill – Over


Besetzung:

Peter Hammill – vocals, guitar, keyboards


Gastmusiker:

Graham Smith – violin
Nic Potter – bass
Guy Evans – drums
Michael Brand – orchestra conductor


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Crying Wolf (5:13)
2. Autumn (4:18)
3. Time Heals (8:43)
4. Alice (Letting Go) (5:40)
5. This Side Of The Looking Glass (7:03)
6. Betrayed (4:48)
7. (On Tuesdays She Used To Do) Yoga (3:58)
8. Lost And Found (7:33)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

9. Betrayed (4:47)
10. Autumn (Recorded For The John Peel Show On BBC Radio 1) (4:49)
11. This Side Of The Looking Glass (Alternative Take) (4:11)

Gesamtspieldauer: 1:01:07




„Over“ ist der Titel des sechsten Studio-Soloalbums von Peter Hammill, wenige Monate später, im Herbst 1977, wurde schließlich noch ein letztes Van Der Graaf Generator Album veröffentlicht, dann war Schluss mit der Band und es sollten erst mal nur noch Solo-Alben folgen. Auf „Over“ sind auch die Band-Kollegen nicht mehr vollständig vertreten, wie es auf den letzten Platten des Peter Hammill noch der Fall war. Natürlich gab es auch noch ein Wiederaufleben von Van der Graaf Generator, aber dieses sollte runde 28 Jahre später stattfinden.

Ist der erste Titel noch recht rockig und sehr treibend gestaltet, so gestalteten sich die Titel danach eher ruhig, nachdenklich und sehr sanft. Natürlich sind diese Nummern auch voller Melodiösität, voller Harmonien, ohne, dass Peter Hammill hier übertreibt. Es ist ganz klar die Stimmung, die hier transportiert wird. Sehr melancholisch klingt das alles.

Und dann hört man hier die Musik des Peter Hammill auch in Verbindung mit einem ganzen Orchester. Das ist zum Teil sehr bewegend, sehr intensiv und immer überzeugend. Peter Hammill spielt mit seiner Stimme und das Orchester unterstreicht die jeweilige Atmosphäre. Alles auf „Over“, bei dem der Musiker die Trennung von seiner Frau verarbeitet, klingt das sehr überzeugend. Falls also jemand dieses melancholische Gefühl in sich spürt, dürfte die oder der viel Spaß mit „Over“ haben.

Fazit: Es ist ein sehr ruhiges Album geworden, dieses „Over“. Durchaus ist das noch Progressive Rock, allerdings mit Rock- und Pop-Anteilen. Kaum eine Platte des Peter Hammill klingt eingängiger, auch für das „normale“, das nicht so auf Progressive Rock fokussierte Ohr. Für mich klingt das alles sehr überzeugend, nachdenklich, melancholisch, sentimental. Ich kann mich da gar nicht über die Grundstimmung auf ein Adjektiv fokussieren. Obwohl… Doch, es sind sogar zwei Adjektive, die hier greifen: traurig und sehr melodiös. Ein wirklich gutes und überzeugendes Album des Peter Hammill – auch wenn es nicht zu sehr progressiv ist. Elf Punkte.

Anspieltipps: Autumn, Time Heals, (On Tuesdays She Used To Do) Yoga



Freitag, 5. Juni 2015

Pete Townshend – Empty Glass




Pete Townshend – Empty Glass


Besetzung:

Pete Townshend – vocals, guitars, synthesizers

Gastmusiker:

John "Rabbit" Bundrick – "straight" keyboards
Simon Phillips – drums
James Asher – drums
Kenney Jones – drums
Mark Brzezicki – drums
Tony Butler – bass guitar
Raphael Rudd – brass arrangements on "Rough Boys"
Peter Hope-Evans – harmonica on "Cat's In The Cupboard"


Label: ATCO Records


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Rock


Trackliste:

1. Rough Boys (4:03)
2. I Am An Animal (3:48)
3. And I Moved (3:23)
4. Let My Love Open The Door (2:45)
5. Jools And Jim (2:35)
6. Keep On Working (3:23)
7. Cat's In The Cupboard (3:33)
8. A Little Is Enough (4:43)
9. Empty Glass (5:23)
10. Gonna Get Ya (6:25)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

11. I Am An Animal (Demo Alternate Vocal Version) (3:48)
12. Keep On Working (Demo Alternate Vocal Version) (3:32)
13. And I Moved (Demo Alternate Vocal Version) (3:05)
14. Gonna Get Ya (Work-in-Progress Long Version) (11:23)

Gesamtspieldauer: 1:01:55




Manche Musiker schaffen es einfach, sogar über Jahrzehnte hinweg, tolle Musik zu erschaffen. Einer dieser Musiker ist zweifelsohne Pete Townsend, der nicht nur mit The Who viele wunderschöne Scheiben veröffentlichte, sondern auch auf seinen Solo-Pfaden bewies, dass er das Gespür für die geniale Melodie besitzt, die das Ohr des Hörers umschmeichelt und sich festsetzt.

Nicht anders ist es auf „Empty Glass“, seinem zweiten Soloalbum aus dem Jahr 1980. Zehn Titel befinden sich darauf, welche Rock-Musik, mit einem manchmal durchaus vorhandenen Pop-Touch beinhalten. Jeder dieser zehn Titel geht dabei ziemlich schnell ins Ohr. Egal, ob Pete Townshend ordentlich rockt oder immer wieder mal auch ganz weich wirkt, wie zum Beispiel bei „I Am An Animal“ oder abschnittsweise auch im Titeltrack „Empty Glass“. Völlig zerbrechlich klingt dann die Stimme des Pete Townshend und transportiert dabei jede Menge Gefühl.

Ich kann auf dieser Scheibe keinen Ausfall erkennen. Alles hat seine Qualität und geht ziemlich schnell ins Ohr. Ganz im Gegenteil sogar, im Grunde genommen gibt es  jede Menge Höhepunkte auf „Empty Glass“ zu hören. Welche das sind, bleibt natürlich wieder jeder beziehungsweise jedem Hörer selbst überlassen, meine Favoriten habe ich unten bei den Anspieltipps hinterlegt. „Empty Glass“ unterscheidet sich übrigens durchaus von einem The Who Album. Die Lieder sind poppiger, als bei seiner Band. Dazu wird dem Synthesizer ein noch größeres Spielfeld eingeräumt und auch das Piano spielt eine deutlichgewichtigere Rolle, als noch bei den Who.

Auf der remasterten Fassung des Albums gibt es schließlich noch vier Zugaben. Drei davon sind alternative Gesangsversionen. Ganz nett, jedoch ist der Unterschied nicht gerade gravierend. Sehr viel interessanter ist da dann schon die über elfminütige „Gonna Get Ya“-Variante. Allerdings nur deshalb lohnt ein weiterer Kauf des Albums nicht, wenn man dies schon sein Eigen nennt.

Fazit: Auf „Empty Glass“ hört man einen „anderen“ Pete Townshend. Einen der weniger rockt, bei dem noch mehr die ruhigeren Momente der Musik im Vordergrund zu stehen scheinen, obwohl „Empty Glass“ alles andere als ein Soft-Pop Album darstellt. Vielmehr ist es vollgestopft mit netten und schönen und melodiösen Titeln, die sich wahrlich lohnen gehört zu werden. Elf Punkte.

Anspieltipps: I Am An Animal, And I Moved, Keep On Working, Empty Glass



Donnerstag, 4. Juni 2015

Emerson, Lake & Palmer – Trilogy




Emerson, Lake & Palmer – Trilogy


Besetzung:

Greg Lake – vocals, electric & acoustic guitars, bass guitar
Keith Emerson – hammond organ c3, steinway piano, moog synthesizer III-c, mini-moog model d, zoukra
Carl Palmer – drums, percussion


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Endless Enigma, Part One (6:42)
2. Fugue (1:57)
3. The Endless Enigma, Part Two (2:03)
4. From the Beginning (4:16)
5. The Sheriff (3:22)
6. Hoedown (3:47)
7. Trilogy (8:54)
8. Living Sin (3:13)
9. Abaddon's Bolero (8:10)


Bonus Track der remasterten Albumfassung:

10. Hoedown (Live) (4:06)

Gesamtspiedauer: 46:34




„Trilogy“ heißt das dritte Studio-Album von Emerson, Lake & Palmer und wurde im Juli 1972 veröffentlicht. Gleichzeitig ist diese Scheibe auch die Lieblingsplatte Greg Lakes geworden, wie er einmal in einem Interview zum Ausdruck brachte. Nun, „Trilogy“ bringt alles mit, was ein Album mit progressiver Rockmusik ausmacht und abwechslungsreich ist diese Scheibe auf jeden Fall geworden.

Die Platte beginnt mit dem dreiteiligen „The Endless Enigma“, bestehend aus „The Endless Enigma Part1“, „Fuge“ und „The Endless Enigma Part 2“. „The Endless Enigma“, übersetzt „Das endlose Rätsel“, ist ein surreales Bild von Salvador Dali aus dem Jahr 1938, welches auf „Trilogy“ eine musikalische Umsetzung finden sollte. Und die ist wahrlich gelungen. Jede oder jeder, die oder der mal hören möchte, wie Progressive Rock funktioniert, der beziehungsweise dem seien diese drei Titel am Anfang von „Trilogy“ empfohlen. Die Nummern weisen all jenes auf, was dieses Musikgenre so interessant und spannend macht. Wunderschöne Melodien, seltsame Takte und noch seltsamere Töne und dann auch wieder Abschnitte, die fast schon atonal klingen.

Es folgt mit „From The Beginning“ eine schöne und sanfte Nummer, hauptsächlich von Gerg Lakes akustischer Gitarre dominiert. Dazu gesellt sich sein überzeugender Gesang und fertig ist sie, die sanfte Ballade. „The Sheriff“, im Anschluss daran, fängt noch ganz interessant mit einem Orgellauf des Keith Emerson an, wird dann aber zu einem Lied, was seinem Titel alle Ehre macht. Klingt ein wenig kitschig und kann wohl nur als kleine Spielerei aufgefasst werden, vor allem wenn sich die Nummer dem Ende zuneigt. „Hoedown", ist schließlich eine, im Stile Emerson, Lake & Palmers, umarrangierte Aaron Copland Nummer. Sehr orgellastig und daraus auch seine Spannung beziehend.

Es folgt der Titeltrack „Trilogy“. Was ich am Anfang über „The Endless Enigma“ schrieb, das passt auch hier. Das ist Progressive Rock in Reinkultur. Zunächst dominieren Gesang und Piano, alles wirkt sehr melodisch, ist überaus eingängig. Dann folgt eine Art jazziger Pianosolo-Abschnitt, um schließlich in einen treibenden und rockigen Part überzugehen. Allzu melodiös klingt es jetzt nicht mehr, wenn Keith Emerson dem Synthesizer auch jede Menge sehr dissonante Klänge entlockt. Hier werden nun auch viele Hörer „gemäßigter“ Rock-Musik aussteigen. Das klingt zugegebenermaßen mitunter sehr verwirrend und atonal. Die Perkussion des Carl Palmer gibt die Geschwindigkeit vor und Keith Emerson scheint das zu spielen, was ihm gerade, in diesem Moment der Aufnahme durch den Kopf geht. Macht er allerdings sicherlich nicht, das ist alles sehr wohl überlegt und geplant.

„Living Sin“ ist ebenfalls überaus atonal, zudem ist hier Greg Lake auch mit zum Teil sehr tiefer, völlig ungewohnter Stimme zu hören. Für mich neben dem „Scheriff-Lied“ der Ausfall der Platte. Das ursprüngliche Album läuft aus mit „Abaddon's Bolero“. Wie der Name schon sagt, einem sich langsam steigernden Bolero. Und wie sich dieser Titel steigert. Immer dichter und voller wird der Sound, alles scheint auf einen ganz bestimmten Punkt hinzulaufen, alle Instrumente sich auf diesen Höhepunkt zu fokussieren und schließlich zu kumulieren. Und ganz zum Schluss hin, wie sollte es auch anders sein bei Emerson, Lake & Palmer, wird es auch wieder ein wenig schräg.

Der remasterten Albumfassung ist dann noch eine Live-Version von „Hoedown“ hinzugefügt worden. Ganz nett, jedoch mit Sicherheit kein Grund, sich deswegen diese CD-Ausgabe zulegen zu müssen.

Fazit: Von allen, mir bekannten Progressive Rockbands, machen für mich Emerson, Lake & Palmer die am schwersten zugängliche Musik. Mit einem Mal des Hörens ist da schon mal gar nichts anzufangen. Für diese Musik bracht man jede Menge Durchläufe – und trotzdem erschließt sich einem keinesfalls alles, zumindest mir nicht, bei andern mag das durchaus so sein. Nun, „Trilogy“ ist ein sehr typisches Album für die frühe Phase der Band geworden, vielleicht nur einen Ticken weniger experimentell. Also es gibt sie auch hier, die schönen und melodischen, wie die eher atonalen und dissonanten Abschnitte in der Musik. Die drei Musiker sind bestens aufeinander abgestimmt und verstehen ihr Geschäft, beziehungsweise beherrschen ihre Instrumente. Das haben sie auf „Trilogy“ sogar so gut gemacht, dass es ihnen nicht mehr möglich war, dieses Album auch live auf die Bühne zu bringen. Die Ausnahme stellt hier nur jener, auch auf diesem Album als Bonus-Track vorhandener Titel „Hoedown“ dar. Ganz bestimmt nicht einfach diese Musik, weder für die Musiker, noch für die Hörer – aber allemal gut. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Endless Enigma Part One, Fugue, The Endless Enigma Part Two



Mittwoch, 3. Juni 2015

Michael Jackson – Thriller




Michael Jackson – Thriller


Besetzung:

Michael Jackson – lead and background vocals, drum case beater, bathroom stomp board, vocal, drum, horn and string arrangement


Gastmusiker:

Brian Banks – keyboards, synthesizers, programming
Michael Boddicker – keyboards, synthesizers
N'dugu Chancler – drums
Paulinho da Costa – percussion
David Foster – keyboards, synthesizers
Gary Grant – trumpet and flügelhorn
Eddie Van Halen – guitar solo on "Beat It"
Jerry Hey – trumpet and flügelhorn
Paul Jackson – guitar
Louis Johnson – bass guitar
Steve Lukather – guitar, bass guitar
Anthony Marinelli – synthesizer programming
Paul McCartney – vocals on "The Girl Is Mine"
David Paich – keyboards, synthesizers, programming
Dean Parks – guitar
Greg Phillinganes – keyboards, synthesizers, programming
Jeff Porcaro – drums, horn and string arrangements
Steve Porcaro – keyboards, synthesizers, programming
Vincent Price – voice-over on "Thriller"
Bill Reichenbach – trombone
Chris Shepard – vibraslap on "Beat It"
Rod Temperton – keyboards, synthesizers
David Williams – guitar
Larry Williams – saxophone and flute
Bill Wolfer – keyboards, synthesizers
La Toya Jackson – background vocals on "PYT"
Janet Jackson – background vocals on "PYT"
Greg Smith – synthesizers


Label: Epic Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Funk, Disco, Pop, Rock


Trackliste:

1. Wanna Be Startin' Somethin' (6:03)
2. Baby Be Mine (4:20)
3. The Girl Is Mine (3:42)
4. Thriller (5:57)
5. Beat It (4:17)
6. Billie Jean (4:53)
7. Human Nature (4:05)
8. P.Y.T. (Pretty Young Thing) (3:58)
9. The Lady In My Life (4:58)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

10. Quincy Jones Interview #1 (2:18)
11. Someone In The Dark (4:48)
12. Quincy Jones Interview #2 (2:04)
13. Billie Jean (Home Demo From 1981) (2:20)
14. Quincy Jones Interview #3 (3:10)
15. Rod Temperton Interview #1 (4:02)
16. Quincy Jones Interview #4 (1:32)
17. Voice-Over Session From Thriller (2:52)
18. Rod Temperton Interview #2 (1:56)
19. Quincy Jones Interview #5 (2:01)
20. Carousel (1:49)
21. Quincy Jones Interview #6 (1:17)

Gesamtspieldauer: 1:12:33




Nun, ich sammele Musik, kaufe mir sehr regelmäßig CD’s und lade auch nichts runter, da ich es liebe die Plattenhülle oder zumindest das CD-Booklet genauer studieren zu können, während ich mir die dazugehörige Musik reinziehe. Dabei kommt es auch durchaus vor, dass ich mir Musik kaufe, bei der ich schon im Vorhinein weiß, dass diese ein „Beißer“ für mich wird, da diese so gar nicht in meinen Musikgeschmack zu passen scheint. Nicht viel anders ist das auch bei „Thriller“ von Michael Jackson abgelaufen. Allerdings das Album, welches weltweit am häufigsten über die Ladetheke ging, dieses Album sollte man schon mal vollständig gehört haben, um wenigstens mitreden zu können und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Okay, ich kannte drei Stücke von der Scheibe, die wohl fast jeder Musikhörer weltweit kennt. Das wären der Titelsong „Thriller“, „Beat It“ und „Bille Jean“. Mag sein, dass ich auch schon mal „The Girl Is Mine“, ein Duett von Michael Jackson mit Paul McCartney gehört hatte, jedoch scheint mein Gehirn bei solch kitschigem Mist eine Löschfunktion zu haben, die automatisch derartige Musik sofort wieder aus allen Speichern löscht. Die Lieder, die ich kannte, sind die etwas rockigeren der Scheibe. „Thriller“ ist okay, rockiger Funk oder funkiger Rock, wie man das auch nennen möchte. Aber die Nummer hat was, ist hörenswert. Noch sehr viel besser klingt allerdings „Beat It“. Eine richtige Rock-Nummer, die groovt. Kein Funk mehr, Eddie Van Halen steuert ein tolles Gitarrensolo bei und das Stück klingt rund und sehr überzeugend. „Billie Jean“ ist daran anschließend durchaus wieder mit etwas Funk beseelt und stellt für mich den absoluten Höhepunkt der Scheibe dar. Auch hier kommt der rockige Aspekt nicht zu kurz, dazu gesellt sich eine Melodie mit Ohrwurmcharakter, die gepaart mit der Perkussion einfach hängenbleiben muss. Wahrlich gut und überzeugend.

Nun, können diese drei Lieder allerdings bewirken, dass „Thriller“ das meistverkaufte Album aller Zeiten, vor Pink Floyd’s „The Dark Side Of The Moon“ wurde? Sicherlich nicht, es fehlen ja noch sechs Lieder, die das bewirkt haben müssen. Eines davon „The Girl Is Mine“ habe ich bereits oben erwähnt. Furchtbar. Doch leider ist das der Normalfall für meine Ohren. Die anderen fünf Titel klingen alle genauso grauenvoll. Das ist alles so schleimig, dass ich selbst auf dem Sofa sitzend das Gefühl habe, gleich abzurutschen. Im Auto kann ich das gar nicht hören, Glatteisgefahr selbst im Juni. Aber bevor sich jetzt wieder manche aufregen, wie ich denn so über diese Musik hier urteilen kann, über dieses „Jahrhundert-Album“, sei all diesen Menschen gesagt, dass ich mich wirklich bemüht habe. Oftmals habe ich mir diese Musik reingezogen, aber ich bekomme einfach keinerlei Zugang zu diesem süßlichen Gesummse. Entschuldigung also, aber ich bin in Sachen der Musik garantiert nicht objektiv. Ich kann immer nur darüber schreiben, wie es mir gefällt und dieser Disco-Funk ist unfassbar gewöhnungsbedürftig für meine Ohren. Und ich kann es auch überhaupt nicht verstehen, wie einem solch ein Lied wie „The Lady In My Life“ gefallen kann. Unvorstellbar, absolut.

Fazit: Das erfolgreichste Album aller Zeiten gefällt mir nicht. So ein Mist. Muss aber nichts heißen, denn wenn man Funk- und Disco-Klänge zu schätzen weiß, dann wird das die- oder derjenige garantiert völlig anders sehen. Etwas Neues hat Michael Jackson hier für mich jedoch auch nicht geschaffen, deswegen überrascht mich der Hype um dieses Album ehrlich. Nun, solch süßlicher Funk ist nicht mein Ding und da fällt mir ein, dass ich bald auch noch meine Earth, Wind & Fire Scheibe bewerten muss. Mir läuft es eiskalt den Rücken hinunter. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Beat It, Billie Jean



Dienstag, 2. Juni 2015

Herman van Veen – Signale




Herman van Veen – Signale


Besetzung:

Herman van Veen – Gesang, Geige


Gastmusiker:

Erik van der Wurff – Klavier
Ernst van Tiel – Schlagzeug
Joop de Man – Bass
Chris Lookers – Gitarre
Dick Vennik – Saxophon
Harry Mooten – Akkordeon


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Liedermacher


Trackliste:

1. Signale (6:49)
2. Und wenn die ganze Erde bebt (3:34)
3. Warum gerade ich? (4:30)
4. Die Bombe fällt nie (3:01)
5. Mietvertrag (3:15)
6. Wer? (3:13)
7. Edith Piaf (5:06)
8. Hand in Hand (3:50)
9. Die Reichen (2:26)
10. Und er geht und er singt (3:32)

Gesamtspieldauer: 39:20




Auch auf „Signale“, seinem neunten Album, welches im Jahr 1984 erschien, erzählt Herman van Veen wieder seine Geschichten. Geschichten zum Nachdenken, Geschichten voller Ironie, Geschichten mit einem Blinzeln in den Augen und manchmal auch Geschichten, bei denen man den leichter erhobenen Zeigefinger genau zu sehen scheint, obwohl er gar nicht so offensichtlich vorhanden ist.

Verpackt sind diese Geschichten in kleine musikalische Geschenke. Diese klingen oftmals sehr zart und zerbrechlich, lassen der Hörerin beziehungsweise dem Hörer dabei sehr viel Raum zum Atmen und driften nur selten in die poppige Richtung ab. Alles wirkt so weich und zart, unterstreicht malerisch die Botschaften, die Herman van Veen in seinen Erzählungen transportiert. Manchmal wird diese Atmosphäre jedoch auch ein klein wenig überzogen. Wenn das Tremolo in der Stimme des Niederländers noch einen Überschlag mehr vollführt und wenn einem gleichzeitig klar wird, was man alles im Leben bereits falsch gemacht hat, indem man eben nichts gemacht hat.

Nichtsdestotrotz macht „Signale“ durchaus Spaß, was nicht zuletzt auch an der Gabe des Niederländers liegt, wahrlich tolle Melodien zu kreieren, die sofort ins Ohr gehen und die man auch so schnell nicht mehr vergisst. Vieles, was Herman van Veen hier auf seinem Album den Hörern präsentiert ist sehr einprägsam, sowohl textlich als auch musikalisch.

Fazit: Nun, dieses Album hinterlässt ganz sicher Spuren bei der Hörerin oder beim Hörer. Allerdings wirkt es mir manches Mal zu pessimistisch, zu besorgt, zu negativ. Es gibt so viele schöne Dinge um uns herum, aber vielleicht war das Herman van Veen zu langweilig, gerade über diese Dinge zu singen. Über Trauriges wie Gleichgültigkeit, tödliche Krankheiten, Abstumpfung, Entführungen und so weiter kann Herman van Veen jedoch trefflich und sehr bewegend singen. Von daher lohnt auch diese Scheibe, wenn einem mal nach Traurigkeit zumute ist. Da viele der hier vorhandenen Melodien ebenfalls lohnens- und hörenswert sind, ist diese Scheibe für Freunde der Liedermacher-Szene durchaus zu empfehlen. Neun Punkte.

Anspieltipps: Signale, Und wenn die ganze Erde bebt


Montag, 1. Juni 2015

The Smashing Pumpkins – Mellon Collie And The Infinite Sadness




The Smashing Pumpkins – Mellon Collie And The Infinite Sadness


Besetzung:

Jimmy Chamberlin – drums, vocals on "Farewell And Goodnight"
Billy Corgan – lead vocals, lead guitar, piano, mellotron, string arrangement on "Tonight, Tonight"
James Iha – rhythm guitar, backing vocals
D'Arcy Wretzky – bass guitar, vocals on "Beautiful" and "Farewell And Goodnight"


Gastmusiker:

Chicago Symphony Orchestra – orchestra in "Tonight, Tonight"
Greg Leisz – pedal and lap steel guitar on "Take Me Down"


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

CD1:

1. Mellon Collie And The Infinite Sadness (2:52)
2. Tonight, Tonight (4:14)
3. Jellybelly (3:01)
4. Zero (2:40)
5. Here Is No Why (3:44)
6. Bullet With Butterfly Wings (4:18)
7. To Forgive (4:16)
8. An Ode To No One (4:51)
9. Love (4:21)
10. Cupid De Locke (2:50)
11. Galapogos (4:46)
12. Muzzle (3:44)
13. Porcelina Of The Vast Oceans (9:21)
14. Take Me Down (2:52)


CD2:

1. Where Boys Fear To Tread (4:23)
2. Bodies (4:12)
3. Thirty-Three (4:10)
4. In The Arms Of Sleep (4:12)
5. 1979 (4:26)
6. Tales Of A Scorched Earth (3:45)
7. Thru The Eyes Of Ruby (7:38)
8. Stumbleine (2:54)
9. X.Y.U. (7:07)
10. We Only Come Out At Night (4:05)
11. Beautiful (4:18)
12. Lily (My One And Only) (3:31)
13. By Starlight (4:48)
14. Farewell And Goodnight (4:22)

Gesamtspieldauer: 2:01:53




„Mellon Collie And The Infinite Sadness“ heißt das dritte Album der US-amerikanischen Alternative Rock Band The Smashing Pumpkins. Und diese Platte ist durchaus etwas Besonderes geworden, nicht nur deshalb, weil es sich hier um ein Doppelalbum handelt. Es ist die Musik, die ein sehr weites Spektrum der Rock-Musik abdeckt. Was gibt es auf „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ nicht alles zu hören: Pop, Rock, Grunge, Jazz, orchestrale Musik und und und. Das ist alles schon sehr beeindruckend und auf über zwei Stunden Laufzeit nachzuhören.

Die Platte beinhaltet jedoch nicht nur unterschiedliche musikalische Stile, sondern bedient auch ganz verschiedene Stimmungen. Die transportierte Atmosphäre reicht von lieblich und fast schon kitschig bis hin zu wahrlich verstörenden Tönen, zu denen Billy Corgan dann auch noch so schreit, als ob er gerade in sehr ernsthaften Schwierigkeiten stecken würde. Da wären wir auch bereits bei einem zugegebenermaßen sehr subjektiven Nachteil dieser Scheibe. Billy Corgan kann leider nicht singen, zumindest nicht besonders gut – und da bin ich jetzt schon sehr, sehr objektiv. Allerdings ist seine Stimme auch ein Markenzeichen der Band, welches die Musik der Smashing Pumpkins auch so unverwechselbar werden lässt. Wenn Billy Corgan dann jedoch auch noch schreit, wird das Ganze schon sehr gewöhnungsbedürftig und nähert sich, aufgrund der jetzt auch sehr aggressiven Musik, stark einer Kakophonie an.

Aber es gibt sie auch – und zwar deutlich in der Überzahl – die ruhigen und nachdenklichen Momente auf „Mellon Collie And The Infinite Sadness“. Und hier liegt auch ganz klar die Stärke dieser Scheibe. Es sind die wunderschönen Melodien, die Billy Corgan auf diesem dritten Studioalbum in zahlreicher Form kreierte. Dabei spielt es noch nicht mal eine Rolle, ob der Titel nun sanft und leise daherkommt oder ob hier ordentlich  gerockt wird. Ins Ohr geht das in beiden Fällen. Zwar benötigt man durchaus drei bis vier Durchgänge der Scheibe, doch dann erschließen sich einem diese wunderschönen Harmonien, die man nun auch nicht mehr missen möchte. Auch lohnt ein Blick in die Texte beziehungsweise lohnt das genaue Zuhören, da diese keineswegs oberflächlich, sondern vielmehr häufig tiefgründig sind und zum Nachdenken anregen.

Fazit: Es ist diese Abwechslung, gepaart mit tollen Melodien, welche „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ zu einem besonderen Album werden lassen. Dies alles mit einer Laufzeit von über zwei Stunden, das gibt es nicht so oft zu hören und trägt zu einem entspannten Nachmittag auf dem Sofa bei. Die Platte ist auch die erfolgreichste der Chicagoer Band geworden. Unter Fans gilt sie als Meilenstein und als das Album der 90er Jahre. Gut ist „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ sicherlich, hörenswert allemal und auch eine der wirklich guten Scheiben der 90er Jahre, wenn man denn auch intelligenten und abwechslungsreichen Alternative Rock steht. Aber ist sie auch die beste Scheibe der 90er Jahre? Nein, das ist sie nicht. Trotzdem sehr lohnenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Tonight Tonight, Bullet With Butterfly Wings, Thru The Eyes Of Ruby



Sonntag, 31. Mai 2015

Tool – Lateralus




Tool – Lateralus


Besetzung:

Maynard James Keenan – vocals
Adam Jones – guitar
Justin Chancellor – bass guitar
Danny Carey – drums, percussion, samples


Label: Zoo Entertainment


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Progessive Metal


Trackliste:

1. The Grudge (8:36)
2. Eon Blue Apocalypse (1:04)
3. The Patient (7:13)
4. Mantra (1:12)
5. Schism (6:47)
6. Parabol (3:04)
7. Parabola (6:03)
8. Ticks & Leeches (8:10)
9. Lateralus (9:24)
10. Disposition (4:46)
11. Reflection (11:07)
12. Triad (8:46)
13. Faaip De Oiad (2:39)

Gesamtspieldauer: 1:18:57




„Lateralus“ heißt das dritte Studioalbum von Tool, welches im Mai 2001, erschien. Dies passierte nach zahlreichen, falsch gestreuten Ankündigungen der Band, um Benutzern von File-Sharing-Software das Leben zu erschweren. Von den Fans begeistert aufgenommen, erntete die Scheibe auch von den meisten Musikkritikern sehr viel Lob. Erneut ist es der harte Metal, gepaart mit schwebenden, mitunter sphärischen Momenten, die diese Platte prägen.

Ich liebe diese Monotonie, diese Redundanz, die so oft der Musik von Tool innewohnt. Immer und immer wieder wird ein Riff wiederholt, mal hart, mal sanft, um dann jedoch auch wieder möglichst brutal loszubrechen. Mit ordentlicher Lautstärke gehört, kann man sich dieser meditativen, bis fast schon hypnotischen Wirkung der Musik dieser Band kaum entziehen. Kritiker führen bei Tool auch immer wieder an, dass das Ganze viel zu sehr konstruiert klänge und oftmals einfach nur kalt. Stimmt definitiv beides. Die Lieder von Tool sind konstruiert und hier klingt auch nichts warm und einnehmend, sondern eher, ja genau, kalt. Das wiederum macht jedoch das Besondere in der Musik von Tool aus, weshalb diese Band schon ein gewisses Allleinstellungsmerkmal aufweist.

Viele der Titel werden dem Hörer um die Ohren geknallt, sind extrem hart, sehr konsequent und kompromisslos. Dabei sind die Nummern allerdings niemals langweilig, denn hier kommt auch dieser progressive Ansatz in der Musik von Tool mit zum Tragen. Bei aller Härte wird hier experimentiert und auch variiert. Das ist kein Hard Rock à la Deep Purple oder Metal. Es ist dieser Bluesansatz, dieses Fundament, der all den Hard Rock Heroen früherer Tage anhaftet, der hier, bei Tool, absolut fehlt. Tool scheint zu rocken, um des Rocks Willen, ganz bestimmt nicht für ein irgendwie geartetes Bluesgefühl. Dabei sind alle vier Musiker wahre Meister ihres Instruments. Allein das Schlagzeugspiel des Danny Carey ist da den Kauf von „Lateralus“ bereits wert. Kein anderer Drummer scheint ungerade Takte irgendwie schöner zu spielen.

Fazit: Auch „Lateralus“ ist ein außergewöhnliches Album einer außergewöhnlichen Band geworden. Vielleicht weiß manch eine Hörerin oder Hörer nichts mit dieser „meditativen“ Monotonie oder der manchmal brachialen Härte anzufangen, aber genau das sind die Zutaten, neben der unfassbar guten Perkussion, die diese Band eben zu etwas Besonderem werden lassen. Auch auf „Lateralus“ haben die vier Musiker von Tool die Speicherkapazität der CD wieder vollständig ausgeschöpft. Es gibt also viel wunderbare Monotonie auf „Lateralus“ zu erlauschen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Shism, Reflection



Samstag, 30. Mai 2015

The Who – Who Are You




The Who – Who Are You


Besetzung:

Roger Daltrey – lead vocals, percussion
John Entwistle – bass guitar, backing vocals, synthesizer, brass on "Had Enough" and "Music Must Change", lead vocals on "905"
Pete Townshend – guitars, backing vocals, piano, synthesizer, lead vocals on "Sister Disco", "No Road Romance" and "Empty Glass"
Keith Moon – drums, percussion


Gastmusiker:

Rod Argent – synthesizer on "Had Enough", piano on "Who Are You", keyboards on "Guitar And Pen"
Ted Astley – string arrangement
Andy Fairweather-Low – backing vocals on "New Song", "Had Enough", "Guitar And Pen", "Love Is Coming Down", and "Who Are You"
Billy Nicholls – backing vocals on "New Song" and "Had Enough"
Michael Nicholls — backing vocals on "Had Enough"


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Rock


Trackliste:

1. New Song (4:13)
2. Had Enough (4:30)
3. 905 (4:02)
4. Sister Disco (4:22)
5. Music Must Change (4:38)
6. Trick Of The Light (4:47)
7. Guitar And Pen (5:58)
8. Love Is Coming Down (4:06)
9. Who Are You (6:21)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

10. No Road Romance (5:05)
11. Empty Glass (Group Version) (6:23)
12. Guitar And Pen (Olympic '78 Mix) (6:02)
13. Love Is Coming Down (Work-In-Progress Mix) (4:05)
14. Who Are You (Lost Verse Mix) (6:22)

Gesamtspieldauer: 1:11:00




„Who Are You“ heißt das achte Studioalbum der britischen Rockband The Who. Es wurde im Jahr 1978 veröffentlicht und war gleichzeitig die letzte Scheibe, an der Keith Moon vor seinem Tod am Schlagzeug zu hören ist. Zwanzig Tage nach Veröffentlichung der Scheibe, verstarb Keith Moon mit 32 Jahren an einer Überdosis Clomethiazol, welches er zur Bekämpfung der Nebenwirkungen seines Alkoholentzugs einnahm. Ironischerweise ist er auf dem Cover zu „Who Are You“ auf einem Stuhl mit der Aufschrift „Not To Be Taken Away“ zu sehen. Keine drei Wochen später war dies dann jedoch eingetreten.

Zu hören ist auf „Who Are You“ sehr typische The Who Musik, rockig und doch eingängig und meilenweit davon entfernt Hard Rock zu sein, wie es auch immer wieder behauptet wird. Die Nummern „Had Enough“, „905“ und „No Road Romance“ stammen dabei aus der Feder des John Entwistle, die ursprünglich restlichen sechs Nummern schrieb Pete Townshend. Erneut spielte vor allen Dingen Pete Townshend hier mit dem Einsatz des Synthesizers, versuchte neue Sounds zu erschaffen. Überdeutlich wird dies am Titellied, welches auch die Titelmelodie einer der CSI-Ableger-Serien wurde.

„Who Are You“ ist kein „Who’s Next“ mehr geworden, klingt auch bei allem Synthesizer-Einsatz trotzdem keineswegs experimentell, vielleicht sogar manchmal ein klein wenig angepasst. Trotzdem ist das sehr überzeugende Musik, die sofort ins Ohr geht, die hier auf „Who Are You“ zu hören ist. Dabei spielt es dann auch gar keine Rolle, ob das Lied eher sanft und ruhig gehalten ist oder ob doch richtig rockt, eher mit den „konventionellen“ Rock-Instrumenten eingespielt wurde oder orchestral untermalt wurde. Diese ganze Bandbreite bieten The Who hier jedoch ihren Hörern. Dadurch bleibt die Musik überaus spannend und abwechslungsreich. Es gibt mit jedem Durchgang irgendwie etwas Neues zu entdecken und die Melodien treffen einen, was möchte man mehr?

Dazu gibt es auf der remasterten Version des Albums fünf Titel, zum Teil „live“, zum Teil alternative Versionen bereits auf der Platte vorhandener Stücke, zum Teil alternative Nummern von Pete Townshend Solo-Liedern. Eine schöne Zugabe, die die Platte insgesamt nochmals aufwertet.

Fazit: Klar, „Who Are You“ ist nicht das beste The Who Album geworden, dennoch ist es eine sehr überzeugende Scheibe. Wer auf gut gemachten Rock steht, dem das Alter kaum anzumerken ist, die oder der kann hier nicht viel falsch machen. The Who Fans werden diese Scheibe sowieso lieben. Ich kann sehr gut verstehen warum. Elf Punkte.

Anspieltipps: Music Must Change, Who Are You