Sonntag, 18. März 2018

Wobbler – Afterglow




Wobbler – Afterglow


Besetzung:

Morten Andreas Eriksen – gibson sg, gibson explorer, fender telecaster, fender stratocaster, danelectro and jay turser double neck guitar, martin acoustic guitar and the "fluffy mute" voice
Lars Fredrik Frøislie – mellotrons (m400), hammond organ (C3), piano (l. schmidt), minimoog model d, arp pro soloist, arp axxe, rhodes mark II, hohner clavinet d6, solina string ensemble, roland ep-10, elka elkapiano 88, stylophone and vocals
Kristian Karl Hultgren – rickenbacker 4001 and fender jazz bass, double and acoustic bass
Martin Nordum Kneppen – yamaha club costum drums, steinkopf soprano crumhorn, moeck soprano recorder, medieval and renaissance percussion


Gastmusiker:


Aage Moltke Schou – vibraphone, glockenspiel and percussion
Sigrun Eng – cello
Tony Johannessen – vocals
Ketil Vestrum Einarsen – miyazawa flute, trevor james alto flute, yamaha piccolo flute


Label: Termo Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Progressive Rock, RetroProg


Trackliste:

1. The Haywain (0:55)
2. Imperial Winter White (15:04)
3. Interlude (2:37)
4. In Taberna (13:09)
5. Armoury (3:00)

Gesamtspieldauer: 34:47




„Afterglow“ heißt das zweite Studio-Album der norwegischen progressive Rock Band Wobbler. Die beiden Longtracks auf „Afterglow“ wurden allerdings schon vor dem Debut-Album „Hinterland“ geschrieben und für dieses Album neu arrangiert und eingespielt. „Afterglow“ erschien schließlich im Jahr 2009 auf dem Plattenlabel Termo Records.

Auf diesem Album hört man RetroProg der allerfeinsten Sorte. Musik, die Spaß macht. Klingen die drei kürzeren Stücke etwas nach Mittelalter-Musik, so haben es die beiden langen Stücke des Albums, „Imperial Winter White“ sowie „In Taberna“ wahrlich in sich. Man fühlt sich beim Hören dieser Nummern musikalisch um etwa 45 Jahre zurückversetzt. Zwei sehr abwechslungsreiche Lieder, aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt, die mal melodiöser, mal treibender klingen. Viele bekannte Bands kann man da heraushören. Yes, King Crimson, Gentle Giant kommen einem beim Hören in den Sinn. Doch Wobbler kopieren dabei nicht, vielmehr lehnen sie ihre Musk an die der Progressive Rock Bands der frühen 70er Jahre an. RetroProg eben.

„Afterglow“ ist eine kleine musikalische Zeitreise, die sich lohnt. Sehr abwechslungsreiche Musik erwartet die Hörerin beziehungsweise den Hörer. Langeweile kann da ganz bestimmt nicht aufkommen. Der Höhepunkt der Platte ist gleichzeitig auch das längste Lied auf „Afterglow“, die Nummer „Imperial Winter White“. Hier klingen Wobbler so wunderbar verspielt und die Musik ist angefüllt mit vielen wunderschön umgesetzten Ideen. Abwechslungsreichtum an allen Ecken und Enden. Dazu ist dieses Stück noch einen Tick melodiöser als der zweite lange Titel des Albums „In Taberna“. Damit verfestigt sich dieses Lied auch ein wenig besser und schneller im Ohr und besitzt gleichzeitig etwas mehr Nachhaltigkeit. Gelungen sind allerdings alle fünf Titel auf „Afterglow“. Einziges Manko der Scheibe ist die relativ kurze Laufzeit von gerade einmal knapp 35 Minuten. Bei manch anderer Band läuft so etwas unter der Überschrift „EP“.

Fazit: Ein sehr schönes, abwechslungsreiches und an vielen Stellen sehr eingängiges Album ist „Afterglow“ der norwegischen Band Wobbler geworden. RetroProg der Spaß macht und an vielen Stellen Reminiszenzen zu anderen Progressive Rock Bands aufweist, ohne diese jedoch zu kopieren. Höhepunkt der Platte ist das Stück „Imperial Winter White“, auf dem Wobbler ihre ganze Spielfreude und ihre Ideen auszuleben verstehen. Da allerdings auch die restlichen Titel überzeugen, lohnt sich die Scheibe sehr für alle RetroProg-Fans. Einziger Wermutstropfen ist die relativ kurze Laufzeit des Albums. Elf Punkte.

Anspieltipps: Imperial Winter White



Samstag, 17. März 2018

Three For Silver – The Way We Burn




Three For Silver – The Way We Burn


Besetzung:

Willo Sertain – vocals, accordion
Greg Allison – violin, viola, mandolin, string arrangements
Lucas Warford – vocals, bass banjo, resonator bass, contrabasin, electric bass, tenor banjo, piano, percussion


Gastmusiker:

Susan Lucia – drums, percussion, wooden spinemaster
Grayson Fiske – vibraphone, big bass drum of doom
Julian Kosanovic – cello
Ben Blechman – 5-string violin
Byrce Caster – violin
Sarah Hart – viola on „The Way We Burn“


Label: Foggy Night Records


Erscheinungsdatum: 2017


Stil: Post Rock


Trackliste:

1. This Time Tomorrow (4:05)
2. Evening Shade (2:34)
3. Down In The Cut (3:03)
4. Wildwood (4:49)
5. The Way We Burn (3:58)
6. Time Was (4:12)
7. Devil On My Shoulder (5:15)
8. Take Me Away (3:35)
9. Let 'em Down Easy (4:38)
10. She Hung The Moon (2:08)
11. Get Thee Hence (4:34)
12. Light In The Shade (4:34)

Gesamtspieldauer: 47:30




Three For Silver ist eine Band aus Portland, Oregon, die inzwischen drei Studio-Alben und mehrere EPs veröffentlicht hat. Das vorerst letzte Album heißt „The Way We Burn“ und erschien im Jahr 2017 auf dem Plattenlabel Foggy Night Records. Darauf zu hören ist spannende und zumeist auch sehr eingängige Musik, die nicht von Gitarren oder Keyboards dominiert wird, sondern bereits in der Instrumentierung jede Menge Überraschungen aufweist und wunderbar abseits des Mainstreams angesiedelt ist.

Three For Silver machen Musik, die zum Teil an jene des Tom Waits erinnert, bei mir allerdings während des ersten Hörens auch sofort Erinnerungen an die texanische Band Shoulders hervorrief. Tom Waits kommt einem sofort in den Sinn, wenn man dem Gesang des Lucas Warford lauscht. Doch Three For Silver haben da noch mehr zu bieten, denn gerade diese tiefe und eindringliche Stimme des Lucas Warford kommt noch besser zum Tragen durch den Kontrast zum hellen und klaren Gesang von Sängerin und Akkordeon-Spielerin Willo Sertain. Beide Stimmen ergänzen sich wunderbar zu einem spannenden und abwechslungsreichen Gesamthörerlebnis und sind mal abwechselnd, mal im Duett zu hören.

Zum besonderen Klang der Musik von Three For Silver trägt ebenso die Instrumentierung selbst bei, daher auch der weitere Vergleich zur texanischen Band Shoulders. Streichinstrumente, Akkordeon und das Banjo stehen bei Three For Silver im Vordergrund und lassen die Musik der Band zusätzlich zu etwas Besonderem werden. Die einzelnen Lieder klingen überaus abwechslungsreich und wirken auf unterschiedliche Art auf „The Way We Burn“. Mal wird man beim Hören von sanften, eingängigen und sehr melodiösen Klängen umweht, wie beim wunderschönen Titellied. Dann wieder fangen die Füße automatisch an mitzuwippen, da Groove und Rhythmus einen einfangen wie beim Titel „Down In The Cut“. Neben den stimmlichen Variationen sind es somit die atmosphärischen Wechsel, die diese Platte immer spannend und niemals langweilig klingen lassen.

Fazit: Three For Silver sind etwas Besonders. Lieder für all jene Hörerinnen und Hörer gibt es auf „The Way We Burn“ zu hören, die das Andere, das Außergewöhnliche in der Musik suchen. Die einzelnen Titel auf diesem Album sind melodiös und grooven immer wieder auch sehr gut. Musik ohne Gitarren und Keyboards, Musik garniert mit zwei sehr unterschiedlichen Gesangsstimmen, die es in dieser Zusammenstellung nur selten zu hören gibt. All diese Zutaten machen Three For Silver eben besonders. Dazu startet die Band in wenigen Tagen eine Tour im deutschsprachigen Raum. Sollte man sich nicht entgehen lassen. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Way We Burn, Down In The Cut, Get Thee Hence

TOUR: 20.3. Bar Bobu | Berlin (DE) 21.3. Q | Marburg (DE) 22.3. Club Bogaloo | Pfarrkirchen (DE) 23.3. Bart | Timelkam (AT) 24.3. Sinnesrauschen Festival HdM | Wien (AT) 25.3. Gokul | Zabok (CRO) 26.3. Scherbe | Graz (AT) 27.3. Herr Vincent | Villach (AT) 28.3. Der Spielraum | Innsbruck (AT) 30.3. Röda | Steyr (AT) 31.3. Scruffys | Karlsruhe (DE) 2.4. Live Club | Bamberg (DE) 3.4. Tonfink | Lübeck (DE) 4.4. Kulturcafe Komm Du | Hamburg (DE) 5.4. Hansa48 | Kiel (DE) 7.4. Cafe Klatsch | Wiesbaden (DE) 8.4. Hafen 2 | Offenbach (DE) 9.4. Schick und Schön | Mainz (DE) 10.4. Cafe Glocksee | Hannover (DE) 11.4. Litfass | Bremen (DE) 12.4. Barkett | Berlin (DE) 13.4. Kasseturm | Weimar (DE) 14.4. Lindenhof | Hasselbach (DE) 16.4. Inspire | Chemnitz (DE) 17.4. The Lovelace Hotel | München (DE)



Freitag, 16. März 2018

Bear’s Den – Islands




Bear’s Den – Islands


Besetzung:

Andrew Davie – lead vocals, electric guitar, acoustic guitar
Kevin Jones – vocals, drums, bass, guitar
Joey Haynes – vocals, banjo, guitar


Label: Communion Records


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: Folk Rock


Trackliste:

1. Agape (4:17)
2. The Love We Stole (3:42)
3. Above The Clouds Of Pompeii (4:39)
4. Isaac (4:09)
5. Think Of England (4:00)
6. Magdalene (3:42)
7. When You Break (4:47)
8. Stubborn Beast (4:29)
9. Elysium (3:26)
10. Bad Blood (5:00)

Gesamtspieldauer: 42:13



Bear’s Den ist eine britische Folk Rock Band aus London, die im Jahr 2012 gegründet wurde. Gründungsmitglieder waren Sänger und Gitarrist Andrew Davie, Kevin Jones, ebenfalls an der Gitarre zu hören, zusätzlich noch am Bass, dem Schlagzeug und auch beim Singen. Schließlich war ebenfalls noch Joey Haynes Mitglied, Sänger, Banjo-Spieler und ebenfalls Gitarrist. Letzterer hat Bear’s Den im Jahr 2016 wieder verlassen, um sich mehr der Familie und Freunden widmen zu können. Doch diese drei Musiker spielten das Debut-Album von Bear’s Den ein, welches den Titel „Islands“ trägt. Die Platte erschien am 20. Oktober 2014 und wurde auf dem Plattenlabel Communion Records veröffentlicht. Ein Label, welches Bear’s Den Mitglied Kevin Jones zusammen mit Ben Lovett von Mumford & Sons sowie Produzent Ian Grimble im Jahr 2006 gegründet hatte.

Die Band Mumford & Sons ist an dieser Stelle ein sehr gutes Stichwort, denn die Musik von Bear‘s Den klingt ganz ähnlich wie jene von Mumford & Sons. Britischer Folk, sehr weich und eingängig. Alle Lieder klingen auf ihre Weise irgendwie zurückhaltend und sanft. Des Weiteren geht jeder der Titel ins Ohr, Harmonie wird sehr groß geschrieben in der Musik von Bear‘s Den, jedes der Lieder klingt melodiös und eingängig – wirklich jedes. Oftmals besteht die Instrumentierung der Lieder aus akustischen Gitarren, Banjo und Gesang. Nicht bei jedem Lied gibt es Perkussion, die Ruhe und Sanftheit breitet sich über Hörerin und Hörer vom ersten bis zum letzten Akkord aus. Keineswegs klingt die Musik dabei langweilig, hört sich immer auch speziell durch den Einsatz des Banjos abwechslungsreicher und auch spannender an.

Höhepunkte auf „Islands“ zu nennen ist einigermaßen schwierig, da die Lieder alle im selben Stil gehalten sind, sich zwar nicht gleichen, aber doch schon ähneln. „Above The Clouds Of Pompeii“, „Isaac“, Magdalene“ sowie „When You Break“ haben mich am meisten überzeugt. Erstgenannter Titel war im Jahr 2015 für den Ivor Novello Award nominiert, bezüglich der Musik sowie des Textes. Der Ehrlichkeit halber sei an dieser Stelle allerdings angefügt, dass ich anstatt der vier genannten Lieder auch die restlichen sechs Titel der Platte hätte aufzählen können. „Elysium“ zum Beispiel ist ebenfalls wunderschön eingängig und hier sorgen Bläser für fast weihnachtliche Stimmung. Alle Lieder lohnen.

Fazit: Wer eher auf die sanften Töne in der Musik steht, die oder der sollte Bear’s Den mal die Zeit geben zu wirken. Man benötigt auch nicht viele Durchläufe der Platte, um mit dieser Musik „warm“ zu werden. Sanften, sehr melodischen Folk Rock Made in England gibt es auf „Islands“ von Bear’s Den zu hören. Immer eingängig und viel Harmonie verströmend. Musik zum Entspannen und Traumen. Die Musik auf „Islands“ klingt einheitlich, intensiv und gewachsen und lohnt sich für alle diejenigen, die sehr sanfte Momente in der Musik zu schätzen wissen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Above The Clouds Of Pompeii, Isaac, Magdalene, When You Break, Elys



Donnerstag, 15. März 2018

Neal Morse – One




Neal Morse – One


Besetzung:

Neal Morse – lead vocals, keyboards, guitars


Gastmusiker:

Mike Portnoy – drums
Randy George – bass guitar
Phil Keaggy – electric guitar solo, acoustic guitar solo, 2nd lead vocals on „Cradle To The Grave“
Chris Carmichael – violin, viola, and background vocals
Gene Miller – additional vocals
Rick Altizer – additional vocals
Michael Thurman – french horn
Rachel Rigdon – violin
Hannah Vanderpool – cello
Dave Jacques – string bass
Jim Hoke – saxophone
Neil Rosengarden – trumpet
Bill Huber – trombone
Glenn Caruba – percussion
Aaron Marshall – background vocals
Missy Hale – background vocals


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Progressive Rock, Rock, Pop


Trackliste:

1. The Creation (18:23)
     I. One Mind
     II. In A Perfect Light
     III. Where Are You?
     IV. Reaching From The Heart
2. The Man’s Gone (2:51)
3. Author Of Confusion (9:31)
4. The Separated Man (17:59)
     I. I'm In A Cage
     II. I Am The Man
     III. The Man's Gone (Reprise)
     IV. Something Within Me Remembers
5. Cradle To The Grave (4:56)
6. Help Me / The Spirit And The Flesh (11:14)
7. Father Of Forgiveness (5:47)
8. Reunion (9:11)
     I. No Separation
     II. Grand Finale
     III. Make Us One

Gesamtspieldauer: 1:19:56




Nachdem Neal Morse im Jahr 2002 „seine“ Band Spock’s Beard verlassen hatte, konnte er sich noch mehr auf seine Musik mit christlichen Botschaften und Texten konzentrieren. Begonnen hatte er bereits im Jahr 1999 damit, Solo-Alben zu veröffentlichen. Diese bewegten sich zunächst allerdings in den musikalischen Genres des Pops, Rocks und Mainstreams. Erst mit seinem dritten Solo-Album „Testimony“, gleichzeitig dem ersten seit seinem Ausscheiden bei Spock’s Beard, wurde die Musik wieder progressiver. Seine vierte Solo-Platte, „One“, schließt sich genau da an. „One“ wurde am 2. November im Jahr 2004 auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht. Es ist ein Konzeptalbum mit christlichen Inhalten und wurde musikalisch mit einer ordentlichen Mischung an Progressive Rock versehen.

Gerade in diesen Liedern mit einer gehörigen Portion an Progressive Rock klingt die Musik des Neal Morse am Überzeugendsten. Das hört man gleich im Opener „The Creation“. Ein mitreißender und abwechslungsreicher Titel, der packt. In diesem Lied fließen verschiedene musikalische Stimmungen zusammen, vereinigen sich, um sich dann wieder zu trennen. Nichts ist hier vorhersehbar, es gibt keine Zeit zum Luftholen, die Spannung wird in den sanfteren und auch härteren Passagen des Liedes immer hochgehalten. Selbiges gilt auch für den nächsten 18-Minütiger des Albums, dem Lied „The Separated Man“. Klasse Musik, die niemals den Hauch der Langeweile aufkommen lässt.

Auch der Rest der Platte ist noch gelungen. Ganz egal, ob Neal Morse dabei etwas folkiger klingt wie beim schönen „The Man’s Gone“ oder ob er rockt, wie zumeist auf dem Rest des Albums. Freilich überzeugen diese, dann doch wieder mehr Mainstream-Rock-Nummern nicht mehr ganz so, wie jene bereits oben erwähnten ausufernden Ideen des Neal Morse. Nicht alles auf „One“ ist also Progressive Rock, doch diese Elemente tauchen zumindest abschnittsweise immer wieder auf. Textlich könnten sich diese Lieder allerdings nicht für jede oder jeden eignen, denn die Botschaften des Neal Morse sind eindeutig. Ist man diesen christlichen Sendungen gegenüber jedoch aufgeschlossen oder zumindest neutral eingestellt, wird man mit dieser Scheibe viel Spaß haben. Lediglich einmal überspannt Neal Morse den Bogen etwas. Die Nummer „Cradle To The Grave“ klingt ein wenig arg überzuckert und süßlich. Doch dieses Lied ist auf „One“ die Ausnahme. Der Rest überzeugt – vor allen Dingen eben in den Passagen des progressiven Rocks.

Fazit: Das vierte Solo-Album des Neal Morse mit dem Titel „One“ ist durchaus eine Platte geworden, die so oder zumindest auszugsweise auch ein Spock’s Beard Album hätte sein können. Neal Morse hatte mit diesem Album noch mehr den Weg zurück zum Progressive Rock gefunden, den man auf seinen ersten Solo-Alben noch vermisst hatte. Auf „One“ hört man spannende und nie langweilige Musik, die ins Ohr geht. „One“ ist ein Konzept-Album, welches ganz im christlichen Glauben des Neal Morse verwurzelt ist. Oftmals klingt es dabei bombastisch, jederzeit auch melodiös. Für Freundinnen und Freunde progressiven Rocks sehr zu empfehlen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Creation, The Man’s Gone, The Separated Man



Mittwoch, 14. März 2018

Gila – Bury My Heart At Wounded Knee




Gila – Bury My Heart At Wounded Knee


Besetzung:

Sabine Merbach – vocals
Conny Veit – vocals, rhythm guitar, lead guitar, 12-sring guitar, electric guitar, flute, moog
Daniel Secundus Fichelscher – drums, percussion, bass
Florian Fricke – mellotron, grand piano


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Psychedelic Rock, Folk Rock, Krautrock


Trackliste:

1. This Morning (5:47)
2. In A Sacred Manner (4:42)
3. Sundance Chant (4:12)
4. Young Coyote (3:19)
5. Black Kettle’s Ballad (7:18)
6. Little Smoke (4:24)
7. The Buffalo Are Coming (5:05)

Gesamtspieldauer: 34:49




„Bury My Heart At Wounded Knee“ heißt die zweite und gleichzeitig auch bereits letzte Scheibe der deutschen Band Gila. Nachdem das erste und selbstbetitelte Album „Gila“ im Jahr 1971 veröffentlicht worden war, trennte sich die Band bereits im Frühjahr 1972 wieder. 1973 gründete Gitarrist Conny Veit Gila erneut. Dieses Mal mit anderen Musikern. Mit zur Band gehörten jetzt seine damalige Freundin Sabine Merbach sowie Schlagzeuger Daniel Fichelscher und Florian Fricke an den Tasteninstrumenten, beide bereits Musiker der Band Popol Vuh, in der Conny Veit inzwischen selbst aktiv war.

„Bury My Heart At Wounded Knee“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von Dee Brown und beinhaltet thematisch die Vertreibung und Vernichtung der amerikanischen Ureinwohner. Die Musik ist dabei sanft und weich geartet, taucht zum Teil sehr tief in das Genre des Folk ein. Dazu gesellen sich im Grunde genommen keine musikalischen Abschnitte, die direkt Bezug zu den amerikanischen Ureinwohnern nehmen, nimmt man mal die zweite Hälfte des Stücks „Black Kettle’s Ballad“ aus. Ansonsten bleibt alles im Folk verwurzelt und auch E-Gitarren-behafteten Krautrock gibt es auf „Bury My Heart At Wounded Knee“ nur sehr begrenzt zu hören. Alles klingt sehr melodiös und harmonisch, die akustische Gitarre und das Piano dominieren den Sound der Platte. Mitunter gibt es mal eine etwas rhythmischere Passage, ohne jedoch die Gefilde des Rocks dabei zu betreten. Zumeist ist Sabine Merbach beim Gesang zu hören, doch auch Conny Veit übernimmt einige gesangliche Parts.

„Bury My Heart At Wounded Knee“ beinhaltet viele Höhepunkte und ist in sich auch abwechslungsreich gestaltet. Hier reihen sich nicht Folk Titel an Folk Titel, sondern es gibt die sphärischen Abschnitte neben den rhythmischen. Diese gehen ineinander über, vereinigen sich, trennen sich erneut. Da macht das Zuhören durchaus Laune. Lieder wie „In A Sacred Manner“, „Young Coyote“, „Black Kettle’s Ballad“ oder „The Buffalo Are Coming“ gehen schnell ins Ohr und umschmeicheln dieses quasi mit angenehmen und saften Melodien. Auch ein gewisser Wiederkennungswert ist dabei durchaus festzustellen, die Musik bleibt hängen.

Fazit: Schönen und sanften Folk „Made in Germany“ bekommt man auf „Bury My Heart At Wounded Knee“ von Gila geboten. Die Musik wirkt, die Lieder gehen ins Ohr und spielen dabei mit Atmosphären und Stimmungen, sodass es an jeder Stelle der Platte Spaß macht zuzuhören. Insgesamt ergibt sich ein überzeugendes und kurzweiliges Gesamthörerlebnis, was allerdings nach etwas über einer halben Stunde bereits wieder beendet ist. Aber so kurz waren die Scheiben zur damaligen Zeit eben leider meist. Elf Punkte.

Anspieltipps: In A Sacred Manner, Young Coyote, Black Kettle’s Ballad, The Buffalo Are Coming



Dienstag, 13. März 2018

Tocotronic – Wie Wir Leben Wollen




Tocotronic – Wie Wir Leben Wollen


Besetzung:

Dirk von Lowtzow – Gesang, Gitarre, Chor
Rick McPhail – Gitarre, Keyboards, Chor
Jan Müller – Bass, Chor
Arne Zank – Schlagzeug, Chor


Gastmusiker:

Julia Wilton – zusätzliche Gesänge
Michaela Meise – zusätzliche Gesänge
Dorit Chrysler – Theremin
Ben Lauber – Kanun, Glockenspiel, Kastagnetten
Edda Durstewitz – Blasinstrumente
Jakobus Siebels – Blasinstrumente


Label: Vertigo


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Im Keller (3:16)
2. Auf Dem Pfad Der Dämmerung (4:00)
3. Abschaffen (4:54)
4. Ich Will Für Dich Nüchtern Bleiben (3:10)
5. Chloroform (3:11)
6. Neutrum (4:17)
7. Vulgäre Verse (4:43)
8. Warte Auf Mich Auf Dem Grund Des Swimmingpools (6:38)
9. Die Verbesserung Der Erde (5:42)
10. Exil (3:12)
11. Die Revolte Ist In Mir (3:51)
12. Warm Und Grau (5:10)
13. Eine Theorie (3:23)
14. Höllenfahrt Am Nachmittag (2:25)
15. Neue Zonen (4:43)
16. Wie Wir Leben Wollen (4:29)
17. Unter Dem Sand (2:21)

Gesamtspieldauer: 1:09:32



„Wie Wir Leben Wollen“ das zehnte Studio-Album der deutschen Independent-Rock-Band Tocotronic. Die Scheibe erschien am 25. Januar 2013 auf dem Plattenlabel Vertigo Records. „Wie Wir Leben Wollen“ konnte sich in Deutschland, Östereeich und der Schweiz in den Charts platzieren und belegte als höchste Platzierung in Deutschland Platz 3. Die Lieder „Auf Dem Pfad Der Dämmerung“ und „Ich Will Für Dich Nüchtern Bleiben“ wurden in dieser Reihenfolge als Singles ausgekoppelt.

„Wie Wir Leben Wollen“ ist für Tocotronic ein sehr typisches Album geworden. Independent Rock der interessanteren Sorte gibt es hier zu hören, der mit guten und deutschsprachigen Texten unterfüttert wird, die sich einem nicht unbedingt immer sofort erschließen und viel Spielraum für Interpretationen lassen. Die Stimmung auf „Wie Wir Leben Wollen“ ist eine eher nachdenklichere bis melancholische. Doch auch das ist nichts Neues für eine Platte der vier Musiker. Allzu rockig klingt es auf „Wie Wir Leben Wollen“ nicht mehr an vielen Stellen, sehr viel eher erinnert die Platte an einen langsamen und ruhigen Fluss, bei dem nur ab und an Stromschnellen die Fließgeschwindigkeit ankurbeln.

„Wie Wir Leben Wollen“ ist allerdings nicht ganz so überzeugend gelungen, wie die Vorgänger-Platten. Das liegt an der Musik selbst, die dieses Mal einfach nicht so zünden möchte, wie dies sonst der Fall war. Die Lieder gehen nicht ganz so gut ins Ohr und dieser besondere Höhepunkt, der fehlt. Das ist „Jammern“ auf relativ hohem Niveau, was bedeutet, dass das Album keinesfalls schlecht geworden ist und sich das Anhören durchaus lohnt. Jedoch kann es eben nicht mehr uneingeschränkt in allen Facetten überzeugen. Die Lieder gehen ins Ohr, jedoch nicht tief und vor allen Dingen nicht sehr lange. Nachhaltig klingt hier leider kein Titel. Somit läuft die Platte etwas durch, wie der oben bereits erwähnte Fluss. Schließlich steht man an der Mündung zum Meer und kann sich nicht mehr an die Reise vorher erinnern, was durchaus etwas schade ist.

Fazit: Die Zutaten zu einem typischen Tocotronic-Album sind alle vorhanden und somit ist „Wie Wir Leben Wollen“ auch ganz bestimmt kein schlechtes Album geworden. Allerdings fehlen diese besonderen Melodien, in die man vollständig eintauchen kann, diese absoluten Höhepunkte. Ein klein wenig ist diese Platte normaler „geworden“. Ein klitzekleines bisschen zumindest – auch wenn es mit „Warm Und Grau“ ein Lied auf „Wie Wir Leben Wollen“ gibt, welches völlig aus der Reihe fällt und das Album durch seine sphärische Ausstattung nochmals bereichert. Acht Punkte.

Anspieltipps: Warm Und Grau, Eine Theorie



Montag, 12. März 2018

Roxy Music – For Your Pleasure




Roxy Music – For Your Pleasure


Besetzung:

Bryan Ferry – vocals, piano, hohner pianet, mellotron, harmonica, rhythm guitar on „In Every Dream Home A Heartache“
Brian Eno – vcs3 synthesizer, backing vocals
Andy Mackay – oboe, saxophone, farfisa electronic organ
Phil Manzanera – electric guitar
Paul Thompson – drums


Gastmusiker:

John Porter – bass guitar


Label: E.G. Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Art Pop


Trackliste:

1. Do The Strand (4:03)
2. Beauty Queen (4:41)
3. Strictly Confidential (3:48)
4. Editions Of You (3:51)
5. In Every Dream Home A Heartache (5:29)
6. The Bogus Man (9:20)
7. Grey Lagoons (4:13)
8. For Your Pleasure (6:51)

Gesamtspieldauer: 42:19




Auch das zweite Album der englischen Band Roxy Music klingt noch völlig unterschiedlich zu den Platten, die die Band Ende der 70er und mit Beginn der 80er Jahre veröffentlichte. „For Your Pleasure“ heißt das zweite Werk von Roxy Music und wurde am 23. März 1973 erneut auf dem Plattenlabel E.G. Records veröffentlicht. Die Scheibe klingt noch ein wenig experimenteller als das Debut-Album und ist dabei auch ein bisschen weniger eingängig, als das noch selbstbetitelte erste Album.

Auf dem Cover-Photo sieht man die damalige Freundin von Bryan Ferry, Amanda Lear. Die Musik, wie die Texte, stammen einmal mehr von Bryan Ferry. Trotzdem ist auch auf „For Your Pleasure“ der Einfluss von Brian Eno nicht zu überhören, der allerdings nach Fertigstellung des Albums die Band verließ und kurze Zeit später seine erste Solo-Platte mit dem Titel „Here Come The Warm Jets“ veröffentlichte. Ähnlichkeiten in der Musik beider Platten sind hier unüberhörbar. „For Your Pleasure“ selbst klingt also etwas experimenteller, als noch der Vorgänger. Dies macht sich zum Beispiel in solch einem Stück wie „The Bogus Man“ bemerkbar. Hier wird ein redundanter Rhythmus fast schon hypnotisierend wiederholt, um den herum sich die weiteren Instrumente, wie auch der etwas ungewöhnliche, ein klein wenig mystisch klingende Gesang herumgruppiert. Immer wieder hört man den ein oder anderen etwas schrägeren Akkord, den man an dieser oder jener Stelle so nicht erwartet hätte.

Besonders gelungen klingt „Strictly Confidential“, bei dem Andy Mackay seine Oboe wieder wunderschön zum Einsatz bringen kann. Weiter sehr überzeugend ist „Do The Strand“ aufgrund seiner Eingängigkeit. Das hypnotisierende „The Bogus Man“ wurde weiter oben bereits angesprochen und nicht unerwähnt soll an dieser Stelle auch das fast schon monotone und dabei doch eindringliche „In Every Dream Home A Heartache“ bleiben. Somit gibt es auch auf „For Your Pleasure“ einige Titel, die sich lohnen gehört zu werden, zumal es auf dieser Roxy Music Scheibe erneut keine Ausfälle zu beklagen gibt. Alles klingt und wirkt, wenn auch nicht ganz so eingängig.

Fazit: „For Your Pleasure“ ist die zweite Scheibe von Roxy Music und klingt fast noch ein wenig experimenteller und damit auch progressiver, als das Debut-Album der Engländer. Mit New Wave oder Pop hat diese Scheibe nur wenig gemein, ist dabei auch etwas schwerer zugänglich als spätere Werke von Roxy Music. Öfters klingen Roxy Music hier durchaus schräg und irgendwie seltsam. Dafür ist die Musik auf dem Album allerdings um Klassen interessanter und fesselnder. Jedoch, das sollte an dieser Stelle unbedingt erwähnt werden, wirkt das alles nur, wenn man eben das Außergewöhnliche in der Musik sucht und nicht dem Mainstream verpflichtet ist. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Do The Strand, Strictly Confidential, The Bogus Man



Sonntag, 11. März 2018

Motorpsycho – Demon Box




Motorpsycho – Demon Box


Besetzung:

Bent Sæther – vocals, bass, guitars, organ bass, synth bass, percussion, taurus, cymbals, toy piano
Hans Magnus Ryan – guitars, vocals, sitar, mandolin, flutes, violin, drums, taurus
Håkon Gebhardt – drums, percussion, guitars, arp axxe, vocals


Gastmusiker:

Lars Lien – piano, hammond organ, mellotron, vocals
Helge Sten (Deathprod) – samples, echomachines, synth bass, taurus, "various machines making lotsa noise"
Vegard Moen – sitar (on "All Is Loneliness")
Winifried & Arvid Ryan – piano & violin in a vintage recording from 1966 (on "Demon Box")
Matt Burt – narration (on "Plan #1")


Label: Rune Grammofon


Erscheinungsdatum: 1993 (Erweiterte Wiederveröffentlichung 2014)


Stil: Rock


Trackliste:

CD1 (Demon Box Vol. 1, Side A & B):

1. Waiting For The One (2:51)
2. Nothing To Say (5:18)
3. Feedtime (5:15)
4. Gutwrench (4:48)
5. Sunchild (4:07)
6. Mountain (11:19)
7. Tuesday Morning (4:22)
8. All Is Loneliness (5:08)

CD2 (Demon Box Vol. 2, Side C & D):

1. Come On In (2:40)
2. Step Inside Again (3:39)
3. Demon Box (17:06)
4. Babylon (2:22)
5.Mr. Who (2:01)
5. Junior (4:34)
6. Plan #1 (7:39)
7. Sheer Profoundity (3:37)
8. The One Who Went Away (3:14)

CD3 (Demon Box Vol. 3, Mountain EP / Another Ugly EP):

1. Mountain (11:13)
2. Flesh Harrower (3:23)
3. The House At Pooneil Corners (9:10)
4. Viscount Grisnah (2:53)
5. Sister Confused (Confused Version) (4:50)

6. Another Ugly Tune (3:44)
7. Watching You (4:36)
8. She Used To Be A Twin (7:03)
9. Blueberry Daydream (4:49)
10. Summertime Is Here (6:39)
11. Motorhead Mama (3:26)

12. Home Of The Brave (Live) (17:05)

CD4 (Demon Box Vol. 4, The Ones Who Got Away: Rarities, Outakes & Live Recordings):

1. Cherry Red (6:15)
2. Hørre Du Ka æ Sei? (1:01)
3. You Gave It All Away (6:58)
4. The Sift (5:40)
5. Demon Box (11:32)
6. Come On In (5:10)
7. The Golden Core (4:44)
8. I Dødens Dal (1.12)
9. Sheer Profoundity (Death To False Metal-Mix) (2:44)
10. Mason's Children (1:57)
11. E De E? (0:40)
12. Beth (3:04)
13. Sheer Profoundity (Live) (3:27)
14. Loaded (Live) (2:37)
15. Nothing To Say (Live) (5:04)
16. Demon Box (Live) (16:50)

DVD5 (Demon Box Vol. 5):

Live At Vera, September 19, 1993 (2:08:30)

Gesamtspieldauer CD1 (43:12) und CD2 (46:55) und CD3 (1:18:57) und CD4 (1:19:05): 4:08:11 + 2:08:30 Konzertfilm



„Demon Box“ heißt das dritte Studio-Album der norwegischen Band Motorpsycho. Das Album wurde im Februar des Jahres 1993 auf dem Plattenlabel Rune Grammofon als Doppel-LP oder einfache CD veröffentlicht. Auf der CD fehlten aus Platzgründen die Titel „Mountain“, „Gutwrench“ und „Mr. Who?“. „Demon Box“ wurde im Jahr 2014 auf LP sowie auf CD wiederveröffentlicht. Nun ist das gesamte Album auch in Form einer fünfteiligen Box auf CD erschienen. Die ersten beiden CDs enthalten das komplette Album. Auf die dritte CD wurden die beiden EPs „Mountain“ aus dem Jahr 1993 und „Another Ugly EP“ aus dem Jahr 1994 gepresst. CD4 enthält schließlich alternative Versionen, Outtakes sowie Live-Einspielungen. Komplettiert wird die Box durch eine DVD, die einen Live-Auftritt der Band am 19. September 1993 im Vera Club, Groningen in den Niederlanden musikalisch und bildlich wiedergibt.

Was trotz der geballten Ansammlung an Musik zu merken ist – immerhin gibt es hier über vier Stunden Musikaufnahmen und dazu nochmal zwei Extrastunden an Filmmaterial zu sehen beziehungsweise zu hören – dass die Band Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts ihren Stil noch nicht gefunden hatte. Besonders progressiv oder auch innovativ klingen Motorpsycho auf „Demon Box“ noch nicht. Sehr viel mehr bekommt man auf den CDs knallharten Rock serviert, der häufig sehr laut, grell und absolut kompromisslos aus den Boxen knallt. Zwischendrin erklingen dann immer wieder mal auch kleinere Auflockerungen, die schließlich dann doch auch ein wenig anzudeuten scheinen, wohin die Reise von Motorpsycho weitergehen wird.

Höhepunkte sind zumeist die etwas gemäßigteren Titel wie „Tuesday Morning“, „All Is Loneliness“ oder „Plan #1“. Das sind auch jene Lieder, die etwas stärker ins Ohr gehen. Die CD3, die die beiden EPs „Mountain“ und „Another Ugly EP“ enthält, ist im selben Stil gehalten wie das Album „Demon Box“ selbst. Hier überzeugen auf der „Mountain EP“ vor allem Dingen die beiden Longtracks „Mountain“ und „The House At Pooneil Corners“ sowie das etwas entrückt klingende „Sister Confused (Confused Version)“. Im Falle der „Another Ugly EP“ ist es das etwas folkige und mit Sitar-Klängen angereicherte „Blueberry Daydream“, was besonders zu gefallen weiß.

Auch die vierte CD passt sich dem Gesamterscheinungsbild an. Härtere Stücke wechseln sich mit etwas sanfteren und dann gleichzeitig auch etwas melodiöseren Titeln ab. Somit also eine zusätzliche Ergänzung, wobei einige Lieder sich nun wiederholen und in den alternativen beziehungsweise Live-Versionen nur geringfügig anders klingen. Die DVD schließlich zeigt ein Konzert aus dem Jahr 1993 in Groningen, in den Niederlanden. Hier sind jedoch sowohl Musik wie auch das Bild stark limitiert. Als Zugabe allerdings eine nette Dreingabe.

Fazit: Motorpsycho klingen auf „Demon Box“ noch nicht so, wie sie später klingen werden. Der experimentelle Ansatz in der Musik der Norweger fehlt noch weitestgehend. Progressive oder Psychedelic Rock ist das auch noch längst nicht. Dafür wird ordentlich gerockt und das nie zu knapp oder zu leise. Es kracht häufig sehr kompromisslos aus den Boxen, denn es gibt Musik, die klingt selbst mit heruntergeregeltem Lautstärkeregler noch laut. Solche Titel sind auf „Demon Box“ auch enthalten. Dazu lockern einige sanftere und melodiösere Stücke das Gesamtbild von „Demon Box“ auf. Für Heavy-Fans ganz bestimmt geeignet und für Komplettisten, die alles von Motorpsycho besitzen möchten ebenfalls eine runde Sache. Allein durch die Menge an Musik findet hier wohl jede und jeder – trotz der Härte – etwas für sich. Neun Punkte.

Anspieltipps: Tuesday Morning, All Is Loneliness, Plan #1, Mountain, Sister Confused, Blueberry Daydream



Samstag, 10. März 2018

The Flower Kings – Flower Power




The Flower Kings – Flower Power


Besetzung:

Roine Stolt – vocals, guitars, keyboards, bass guitar
Tomas Bodin – keyboards
Michael Stolt – bass guitar
Jaime Salazar – drums
Hasse Bruniusson – percussion
Hasse Fröberg – vocals
Ulf Wallander – soprano saxophone


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Progressive Rock, RetroProg, Alternative Rock


Trackliste:

CD1:

1. Garden Of Dreams (59:25)
1. Dawn (1:33)
2. Simple Song (1:48)
3. Business Vamp (5:02)
4. All You Can Save (5:02)
5. Attack Of The Monster Briefcase (3:04)
6. Mr. Hope Goes To Wall Street (1:47)
7. Did I Tell You? (3:46)
8. Garden Of Dreams (2:39)
9. Don't Let The d'Evil In (3:11)
10. Love Is The Word (2:50)
11. There's No Such Night (2:43)
12. The Mean Machine (2:41)
13. Dungeon Of The Deep (4:24)
14. Indian Summer (4:13)
15. Sunny Lane (5:25)
16. Gardens Revisited (2:57)
17. Shadowland (2:03)
18. The Final Deal (4:10)
2. Captain Capstan (0:45)
3. Ikea By Night (0:04)
4. Astral Dog (7:58)

CD2:

1. Deaf, Numb & Blind (11:10)
2. Stupid Girl (6:49)
3. Corruption (5:54)
4. Power Of Kindness (4:23)
5. Psychedelic Postcard (8:42)
6. Hudson River Sirens Call 1998 (4:47)
7. Magic Pie (8:19)
8. Painter (6:50)
9. Calling Home (11:19)
10. Afterlife (4:34)

Gesamtspieldauer CD1 (1:08:13) und CD2 (1:12:54): 2:21:07



„Flower Power“ nannte die schwedische Band The Flower Kings ihr viertes Studio-Album, welches am 16. November 1999 auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht worden ist. Auf über zwei Stunden und zwanzig Minuten hört man hier den für die Flower Kings so typischen RetroProg, der stilistisch eine Mischung aus der Musik der frühen Genesis und Yes mit einer Prise King Crimson darstellt – und wenn man möchte, findet man ganz bestimmt auch noch Anspielungen von Van Der Graaf Generator.

Eine Gesamtspielzeit von deutlich über zwei Stunden ist natürlich eine Ansage und auf den beiden CDs bekommt man einmal mehr diesen Rock geboten, der mit Atmosphären und Stimmungen spielt. Mal sanft, mal treibend, mal zurückhaltender, mal aggressiver. Mal klingen die Lieder auf „Flower Power“ eingängiger, dann wieder etwas frickeliger, wollen dabei erarbeitet werden und gehen zu Beginn nicht so schnell ins Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers. Alles schön und gut, denn oftmals „zündet“ gute Musik nicht sofort, muss eine Art Reifungsprozess im Ohr überdauern, bis sie wirklich wirkt. Doch dieser Prozess kommt bei den Liedern auf „Flower Power“ nicht so richtig in Gang. Über Langeweile kann man sich bei dieser über zweistündigen musikalischen Reise wahrlich nicht beklagen, doch es sind die Melodien und der Wiedererkennungswert der Musik, die auf „Flower Power“ deutlich weniger überzeugen, als auf so manch anderer Flower Kings Platte. Irgendwie will das Ganze nicht so recht ins Ohr gehen und das Album läuft ein klein wenig nebenher, klingt aus und man bleibt ein bisschen ratlos zurück, nachdem der letzte Ton verhallt ist. Hängengeblieben ist da nämlich nichts, die Platte lief einfach so durch.

Dieses Besondere, das fehlt den Liedern auf „Flower Power“, die sich auch nicht nur im Bereich des Progressive Rock bewegen, sondern manchmal auch schlicht und ergreifend nach Alternative Rock klingen und genau solche Lieder auch sind. Diese Aussage trifft auf beide CDs zu. Auch das fast einstündige „Garden Of Dreams“ auf der ersten CD ist in achtzehn Untertitel unterteilt, die manchmal fast willkürlich zusammengefügt klingen. Zum Teil stellen diese achtzehn Titel einfach Rock-Lieder dar, andere Parts können wiederum durchaus mit dem Adjektiv „progressiv“ versehen werden. Doch bei aller Kritik ist „Flower Power“ wahrlich kein schlechtes Album geworden. Die Platte unterhält, ist abwechslungsreich und wartet auch mit vielen Ideen auf. Diese Ideen waren allerdings zum einen schon alle mal da – auch bei den Flower Kings – zum anderen tragen diese „Ideen“ auch nichts zur Eingängigkeit der Musik bei. Schade, denn so mancher Ansatz in der Musik der Blumenkönige klingt richtig gut, wird allerdings sofort wieder vom nächsten Thema abgelöst.

Fazit: Es ist einigermaßen schwierig auf „Flower Power“ Höhepunkte herauszuhören. Die Musik ist abwechslungsreich und ziemlich „reichlich vorhanden“, bei einer Laufzeit von 141 Minuten. Leider zünden die Lieder auf „Flower Power“ allerdings nicht wirklich, sodass die Platte zwar von Anfang bis Ende „interessant“ klingt, jedoch niemals vollends überzeugt. Die einzelnen Stücke bleiben nicht hängen, auch nicht nach mehreren Durchläufen der beiden Scheiben. Zu viele Ideen und Ansätze, die schnell wieder in andere Ideen und Ansätze münden. Keine schlechte Musik, jedoch fehlt dem Album diese gewisse Nachhaltigkeit, um es immer wieder gern aufzulegen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Garden Of Dreams



Freitag, 9. März 2018

Various Artists – The 80’s Love Album




Various Artists – The 80’s Love Album


Besetzung:

Keine weiteren Angaben


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Pop, Rock, Soul


Trackliste:

CD1:

1. Phil Collins – Against All Odds (Take A Look At Me Now) (3:24)
2. Spandau Ballet – True (5:30)
3. Duran Duran – Save A Prayer (3:45)
4. Frankie Goes To Hollywood – The Power Of Love (5:30)
5. Roxy Music – More Than This (4:09)
6. Bangles – Eternal Flame (3:53)
7. Thompson Twins – Hold Me Now (4:44)
8. Marillion – Kayleigh (3:33)
9. Stephen Duffy – Kiss Me (3:30)
10. Belinda Carlisle – Heaven Is A Place On Earth (4:05)
11. Boy Meets Girl – Waiting For A Star To Fall (4:29)
12. Madness – It Must Be Love (3:19)
13. David Bowie – China Girl (4:15)
14. Cutting Crew – (I Just) Died In Your Arms Tonight (4:34)
15. John Waite – Missing You (3:29)
16. Whitesnake – Is This Love (3:59)
17. Paul McCartney – No More Lonely Nights (4:33)
18. Richard Marx – Right Here Waiting (4:05)
19. Breathe – Hands To Heaven (4:12)

CD2:

1. Eurythmics – Right By You Side (3:51)
2. UB40 – I Got You Babe (3:05)
3. Culture Club – Do You Really Want To Hurt Me (4:23)
4. Blondie – The Tide Is High (4:02)
5. Dr. Hook – Sexy Eyes (3:27)
6. Hot Chocolate – It Started With A Kiss (4:01)
7. Ashford & Simpson – Solid (3:20)
8. Tina Turner – I Don't Wanna Loose You (4:16)
9. KC & The Sunshine Band – Please Don't Go (3:48)
10. Jennifer Rush – The Power Of Love (4:25)
11. Phyllis Nelson – Move Closer (4:00)
12. Soul II Soul – Back To Life (However Do You Want Me) (3:48)
13. Gregory Abbott – Shake You Down (4:06)
14. Smokey Robinson – Being With You (3:58)
15. Kool & The Gang – Cherish (3:56)
16. Peabo Bryson & Roberta Fleck – Tonight I Celebrate My Love (3:30)
17. Billy Ocean – Suddenly (3:51)
18. Chris de Burgh – The Lady In Red (4:09)
19. Heart – Alone (3:39)
20. T'Pau – China In Your Hand (4:04)

Gesamtspieldauer CD1 (1:19:06) und CD2 (1:17:48): 2:36:54



Kompilationsalben, die bereits in der Überschrift auf ein bestimmtes Thema verweisen und dadurch sehr viele verschiedene Sängerinnen, Sänger und Bands vereinigen, sind immer sehr schwierig. Ganz bestimmt ist auf solch einer Scheibe auch jede Menge Musik, die einem deutlich weniger zusagt – neben anderen Titeln, die einem eher gefallen. Und wenn dann, wie im vorliegenden Fall, gleich 39 Lieder auf zwei CDs gepackt werden, stellt solch eine Zusammenstellung wohl eher einen Flickenteppich, denn ein Lieblingsalbum dar. Ich wage mal die These, dass solche Scheiben überhaupt keine Zukunft mehr haben werden, da man sich diejenigen Lieder, wenn es sich lediglich um einzelne Lieblingsstücke handelt, auch ganz bequem aus dem Netz für wenig Geld herunterladen kann. „The 80’s Love Album“ steht ganz im Zeichen der Liebe, wurde im Jahr 1999 auf dem Plattenlabel Virgin Records in Form eines Doppelalbums veröffentlicht und enthält neben Pop und Rock auch ein wenig Soul.

Damit wäre über dieses Kompilationsalbum im Grunde genommen bereits alles Wichtige gesagt. Die einzelnen Titel überzeugen mal mehr, mal weniger, das liegt eben ganz am eigenen Musikgeschmack. Positiv anzumerken ist dem Doppelalbum, dass die Auswahl der Lieder einigermaßen konsistent erfolgte. Soll heißen, die grobe Stilrichtung wird eingehalten. Zumeist sind das sanfte Pop- und Rock-Lieder, die man hier zu hören bekommt. Schließlich fällt noch auf, dass die besseren Stücke sich allesamt auf der ersten CD befinden. Aber das ist mit Sicherheit auch reine Geschmackssache.

Fazit: Ein paar schöne Lieder aus dem Bereich des Pop und des Rock hält das Kompilationsalbum „The 80’s Love Album“ für seine Hörerinnen und Hörer bereit. Der Stil der beiden Scheiben ist einigermaßen einheitlich, das inhaltliche Thema jedes Titels ist immer die Liebe. Wer sich also berieseln lassen möchte, mit diesem Doppelalbum geht es über zweieinhalb Stunden lang. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Save A Prayer (Duran Duran), The Power Of Love (Frankie Goes To Hollywood), Eternal Flame (Bangles), Kayleigh (Marillion), It Must Be Love (Madness), China Girl (David Bowie)



Donnerstag, 8. März 2018

July – July




July – July


Besetzung:

Chris Jackson – drums
Tom Newman – vocals
Alan James – bass
Tony Duhig – guitars
John Field – flute, keyboards


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 1968


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

1. My Clown (3:21)
2. Dandelion Seeds (4:26)
3. Jolly Mary (2:19)
4. Hallo To Me (2:57)
5. You Missed It All (2:47)
6. The Way (3:19)
7. To Be Free (2:46)
8. Move On Sweet Flower (3:22)
9. Crying Is For Writers (2:33)
10. I See (2:39)
11. Friendly Man (3:07)
12. A Bird Lived (2:36)

Gesamtspieldauer: 36:19




„July“ war eine Psychedelic Rock Band, die aus dem Stadtteil Ealing in London stammte und in den Jahren 1968 und 1969 aktiv war. Das selbstbetitelte Album „July“ war zum damaligen Zeitpunkt die einzige Veröffentlichung der Band und erschien im Jahr 1968. Die Platte wurde damals auf Parlophone veröffentlicht und im Jahr 2014 erneut aufgelegt. Die Musik der Band war eine Mischung aus psychedelischem Rock und psychedelischem Pop, der eher an den amerikanischen Psychedelic Rock angelegt war, denn an der der britischen Kollegen. Trotzdem erinnert die Platte an manchen Stellen etwas an Syd Barretts Pink Floyd und auch an die Beatles zur damaligen Zeit – ohne jedoch vergleichbare Titel hervorzubringen, die ebenso ins Ohr gehen. July wirkt und klingt da etwas spröder.

Man benötigt ein paar Durchläufe, um in diese Musik besser eintauchen zu können. Die Lieder sind zumeist um die drei Minuten lang und wirken erst nach einigen Durchgängen. Vielleicht liegt es daran, dass die Titel wohl mit bewusstseinserweiternder Unterstützung geschrieben wurden und ein Anhören und Eintauchen in diese Musik ohne diese „Hilfe“ etwas Anlauf benötigt. Dann aber, nach einer gewissen Zeit, klingt das Ganze ganz interessant, hat was. Versucht man etwas mehr über diese Band zu erfahren, stößt man immer wieder auf den ersten Titel des Albums, „The Clown“, der bei manchem Hörer und Kritiker als einer der besten psychedelischen Singles gilt – obwohl keine Veröffentlichung der Band sich jemals in den Charts platzieren konnte. Der Titel „The Clown“ steht allerdings durchaus beispielhaft für die Musik der Band auf ihrem gleichnamigen Album. Etwas verschroben, Stimmenverzerrer und eine Gitarre, die im Solo anders, schräger klingen möchte.

Die Betonung des Genres liegt auf der Betonung Psychedelic Rock, denn der ist hier deutlich mehr vertreten als selbiger Pop. Die allgegenwärtige Gitarre sorgt für diesen Eindruck, die sich auch mal in einem Solo verlieren kann. Dazu gesellen sich immer wieder Einfälle und Ausflüge in etwas schrägere Gefilde, sei es in Form von veränderten Stimmen, kurzzeitig anders klingenden Passagen oder seltsamen Sounds. Das macht den psychedelischen Effekt der Platte aus – neben manchem Sitar-Ausflug, der zur damaligen Zeit einfach nicht mehr fehlen durfte und den Ansatz noch unterstrich. Sehr gelungen ist vor allen Dingen der Beginn der Scheibe mit den Stücken „The Clown“ und „Dandelion Seeds“. Auch „The Way“ weiß durchaus zu überzeugen mit seinem intensiven Ausflug nach Indien und einer Gesangsstimme, die von einem dreizehnjährigen Jungen zu stammen scheint. Langweilig wird es immer nur dann, wenn die Musik von July in den Pop der endsechziger Jahre abrutscht. Dann klingt die Musik austauschbar und überflüssig, was jedoch glücklicherweise nur selten eintritt.

Fazit: Psychedelic Rock der ersten Stunde hört man auf „July“ von July. Ein klein wenig Ausflüge in den Psychedelic Pop sind dabei ebenfalls vorhanden. Die Band arbeitet mit Soundeffekten, die damals möglich waren und auch die Sitar hat das eine oder anderer Mal ihren Einsatz. Insgesamt klingt das ganz nett, ganz bestimmt nach einer anderen Zeit und gerade Freundinnen und Freunde des Psychedelic Rock der 60er Jahre finden hier eine schöne Ergänzung ihrer Sammlung. Acht Punkte.

Anspieltipps: The Clown, Dandelion Seeds, The Way



Mittwoch, 7. März 2018

Amplifier – Echo Street




Amplifier – Echo Street


Besetzung:

Sel Balamir – guitar, vocals
Matt Brobin – drums
Steve Durose – guitar, vocals
Alexander Redhead – bass, vocals


Gastmusiker:

Charlie Barnes – keyboards, piano (4, 5)
Ben Evans – backing vocals (4)


Label: KScope


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Alternative Rock, New Artrock, Psychedelic Rock, Space Rock


Trackliste:

1. Matmos (8:12)
2. The Wheel (7:10)
3. Extra Vehicular (12:11)
4. Where The River Goes (6:32)
5. Paris In The Spring (8:34)
6. Between Today And Yesterday (4:55)
7. Echo Street (5:56)
8. Mary Rose (7:16)

Gesamtspieldauer: 1:00:50




Amplifier ist eine englische Rock Band, die ihre Ursprünge in Manchester hat. Bis heute haben Amplifier sechs Studioalben veröffentlicht. „Echo Street“ heißt die vierte Scheibe dieser Reihe und erschien am 15. März 2013 auf dem Plattenlabel KScope. In ihrem Heimatland konnte sich das Album nicht in den Charts platzieren, in Deutschland erreichte die Platte jedoch immerhin Platz 90 der Album-Charts. Sehr seltsam, dass die Engländer hier nicht zugriffen.

Die Musik von Amplifier auf „Echo Street“ klingt kraftvoll, fett und packend. Mitreißende Rock Musik, die sehr stark im Alternative Rock verhaftet ist, jedoch durchaus auch Elemente des Psychedelic Rocks und des Space Rocks aufweist. Dicht und dunkel klingt es zumeist, dabei reichen die musikalischen Stimmungen von zart bis hart. Ist der Titel „Where The River Goes“ zunächst fast schon im Folk angesiedelt und beeindruckt auch durch mehrstimmigen Gesang, so entwickelt er sich im weiteren Verlauf zu einer kraftvollen Space Rock Nummer. „Between Today And Yesterday“ verbleibt hingegen in der folkigen Atmosphäre und weiß ebenfalls mit gelungenem mehrstimmigen Gesang zu überzeugen. „The Wheel“ wiederum beginnt mit ein paar spacigen Tönen und startet schließlich unvermittelt und relativ redundant monoton durch. Dunkel, sehr kraftvoll und mitreißend. Klasse Nummer.

Doch dies gilt ebenso für „Extra Vehicular“, bei dem die Band mit den Atmosphären spielt. Laut und leise, sanft und hart, melodiös oder hämmernd. In diesem Titel ist alles drin, was spannende Musik ausmacht – und speziell auch die von Amplifier. Abwechslung pur, die mitreißt und ins Ohr geht. Allzu viele Bands bekommen dies nicht auf diese Art und Weise bewerkstelligt. Ebenso kann an dieser Stelle „Paris In The Spring“ angeführt werden. Diese Nummer startet sanft mit Klängen der akustischen Gitarre und entwickelt sich zu einem sanften Rock-Lied, welches sehr melodiös aufgebaut ist und schnell ins Ohr geht. Jetzt klingen Amplifier ein wenig wie Porcupine Tree, während einer derer sanfteren Stücke. Das Titellied „Echo Street“ ist dagegen eine eher sehr sphärische Angelegenheit, nicht sehr melodiös ist und sehr viel mehr mit dem Adjektiv „experimentell“ zu umschreiben ist. Mit dem düsteren, zu Beginn fast schon mystisch klingenden Lied „Mary Rose“, bei dem Sel Balamir den Gesang an mancher Stelle fast flüstert, bis es sich letztendlich ebenfalls zu einem kraftvollen Rock-Lied entwickelt, endet schließlich dieses sehr überzeugende und abwechslungsreiche Album.

Fazit: Steht man auf Alternative Rock mit den Zutaten Psychedelic Rock und Space Rock, so wird man dieses Album lieben. „Echo Street“ ist eine überaus abwechslungsreiche Platte geworden, die an jeder Stelle Spaß macht und keinerlei Hänger aufweist. Die Lieder gehen ins Ohr, klingen abwechslungsreich, spannend und packend. Es gibt auf „Echo Street“ die sanften Passagen, wie die härteren Abschnitte. Dazu gibt es immer wieder schöne Gesangsarrangements und auch kleinere Experimente zu hören. Rock Fan, was willst Du mehr? Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: The Wheel, Extra Vehicular, Where The River Goes, Paris In The Spring, Between Today And Yesterday