Sonntag, 21. Dezember 2014

Klaus Nomi – Simple Man




Klaus Nomi – Simple Man


Besetzung:

Klaus Nomi – lead & background vocals


Gastmusiker:

Julie Berger – background vocals
Jon Corbet – background vocals
Robert Medici – background vocals
Man Parrish – synthesizer, keyboards
Kristian Hoffman – synthesizer, keyboards
Tommy Mandel – synthesizer, keyboards
Scott Woody – guitar
John Kay – bass guitar
Kevin Tooley – drums
Robert Medici – drums


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: New Wave, Oper


Trackliste:

1. From Beyond (2:51)
2. After The Fall (4:43)
3. Just One Look (3:19)
4. Falling In Love Again (2:39)
5. Icurok (4:24)
6. Rubberband Lazer (4:20)
7. Wayward Sisters (1:43)
8. Ding Dong (3:03)
9. Three Wishes (3:18)
10. Simple Man (4:17)
11. Death (4:18)
12. Return (2:07)

Gesamtspieldauer: 41:02




Noch besser gelungen als die erste Scheibe Klaus Nomis, ist dessen zweite Platte mit dem Titel „Simple Man“, die 1982, ein Jahr vor seinem frühen Tod veröffentlicht wurde. Erneut befindet sich auf der Scheibe eine Mixtur aus Pop-Musik mit Opernanleihen, der selbstverständlich wieder durch diese unfassbare Stimme des Klaus Nomi geprägt wird. Dieses Mal sind die einzelnen Stücke allerdings noch ein wenig eingängiger und melodiöser geraten, bleiben noch mehr im Ohr des Zuhörers hängen.

Mal klingt das ähnlich eines gregorianischen Chorals und sehr mystisch, wie beim Opener „From Beyond“, dann wiederum zelebriert Klaus Nomi gleich im nächsten Titel den Synthie Pop auf eine herrlich erfrischende Art und Weise. „After The Fall“ heißt dieser Titel und ist wahrlich sehr gelungenen, da so ganz anders, als alles andere auf dem Musikmarkt. „Rubberband Lazer“ klingt ein wenig nach Country- und Western-Musik. „Just One Look“ schrammt am Genre des Schlagers vorbei und solch Titel wie „Ding Dong” geht ganz klar in die Richtung Kinderlied. Aber es geht noch weiter, denn mit „Wayward Sisters“ oder auch „Death“ wird auch noch in den Gewässern der Oper gefischt. Unglaublich vielseitig ist dieses Album geworden, wobei der Stilmix keineswegs das Hörerlebnis einschränkt oder schmälert. Vielmehr ist man gespannt, was denn nun als nächstes folgen wird.

Fazit: Die Musik von Klaus Nomi ist und bleibt faszinierend, da sie einfach so andersartig ist. Einen, in dieser Lage singenden Mann, gibt es eben nicht allzu oft zu hören. Ich kann jeden verstehen, die oder der bei dieser Musik schlagartig den Raum verlässt, weil sie oder er so gar nichts damit anzufangen weiß. Ich empfinde das Ganze allerdings als so schräg, dass es einfach gehört werden muss. Eine gewisse Melodiösität und Eingängigkeit kann man den Titeln des Klaus Nomi sowieso nicht absprechen. Spannend und eben faszinierend. Elf Punkte.

Anspieltipps: After The Fall, Three Wishes, Simple Man



Samstag, 20. Dezember 2014

Änglagård – Viljans Öga




Änglagård – Viljans Öga


Besetzung:

Anna Holmgren – flute, saxophone
Jonas Engdegård – guitar
Thomas Johnson – keyboard, mellotron, hammond organ
Johan Brand – bass
Mattias Olsson – drums


Label: Änglagård Records


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Ur Vilande (15:44)
2. Sorgmantel (12:07)
3. Snårdom (16:14)
4. Längtans Klocka (13:18)

Gesamtspielzeit: 57:30




Ganze achtzehn Jahre hat es also gedauert, bis die schwedische Progressive Rockband Änglagård ein neues Album herausbrachte. Selbstverständlich existierte die Band in den Jahren dazwischen nicht mehr und reformierte sich erst wieder etwa zwei Jahre vor der Veröffentlichung von „Viljans Öga“, dem dritten Studioalbum der Schweden. Es hatte einige Umbesetzungen gegeben und achtzehn Jahre sind natürlich eine sehr lange Zeit. Ob die Musik, dieser grandiosen Band der 90er Jahre immer noch so überzeugend sein konnte, wie auf den ersten beiden Studioalben? Nun, man legt die CD in den Spieler ein, dreht den Lautstärkeregler ordentlich auf und lauscht. Dann passiert es, man ist überrascht, denn man hört immer noch Änglagård-Musik wie vor achtzehn Jahren. Die Zeit scheint still gestanden zu sein. Allerdings ist „Viljans Öga“ keinesfalls Stillstand, „Viljans Öga“ ist ein weiteres Kapitel in der Diskographie der Schweden und erneut ein sehr gutes Kapitel. Ich möchte hier sogar noch einen Schritt weitergehen. Mit „Viljans Öga“ ist Änglagård das beste Comeback gelungen, welches jemals einer Musikerin, einem Musiker oder einer Band gelungen ist.

All das, was diese Art des Progressive Rock bisher ausgezeichnet hat, das wurde auch auf „Viljans Öga“ verwirklicht. Hier finden sich die wunderschönen melodiösen Passagen, genauso wie die frickeligen und fordernden Abschnitte. Vielleicht ist „Viljans Öga“ nicht immer ganz so eingängig, wie es noch „Epilog“ war, das schmälert allerdings nur wenig den Hörgenuss. Das dritte Studioalbum der Schweden ist genau solch eine musikalische Reise, wie es auch die beiden vorherigen Platten waren. Man wird eingefangen von lieblichen und harmonischen Tönen, hochgehoben in immer größere Höhen, plötzlich scheint sich alles im freien Fall zu befinden, jedoch wird man weich aufgefangen, erneut eingebettet in wunderschönen Harmonien.

Mal steht die Querflöte der Anna Holmgren im Vordergrund, dann ist es wieder das Keyboard, dann die Orgel, dann die Gitarre. Jedem Instrument wird seine Rolle zugewiesen, die die Musiker bestens auszufüllen verstehen. Alles wirkt, alles klingt und ist immer spannend. Überhaupt, wo kann man heutzutage noch ein Mellotron in der Musik hören? Da kommen dann unweigerlich Assoziationen zur Musik der 70er Jahre auf. Auch wenn die Musik von Änglagård durchaus aktuell klingt, so schwebt das Wort „retro“ doch immer ein wenig mit durch den Raum, wenn man „Viljans Öga“ einlegt. Nostalgie kann allerdings wahrlich jede Menge Spaß machen.

Fazit: „Viljans Öga“ ist wie „Epilog“ eine reine Instrumentalplatte. Wer dieses kennt und begeistert war, der wird ebenfalls von „Viljans Öga“ begeistert sein. Wer mit dem Vorgänger nichts anzufangen wusste, wird hier dieselben Schwierigkeiten haben. Änglagård zelebrieren auf „Viljans Öga“ Progressive Rock der Extraklasse. Musik, die es niemals im Radio zu hören gibt, Musik die wahrlich nicht immer einfach ist, Musik die unglaublich facetten- und abwechslungsreich ist. Musik zum Genießen eben. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Ur Vilande



Freitag, 19. Dezember 2014

King Crimson – In The Wake Of Poseidon




King Crimson – In The Wake Of Poseidon


Besetzung:

Robert Fripp – guitars, mellotron, celesta, electric piano
Greg Lake – vocals
Peter Sinfield – words


Gastmusiker:

Mel Collins – saxophones, flute
Michael Giles – drums
Peter Giles – bass guitar
Gordon Haskell – vocals
Keith Tippett – piano


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Peace – A Beginning (0:51)
2. Pictures Of A City (7:57)
3. Cadence And Cascade (4:35)
4. In The Wake Of Poseidon (8:24)
5. Peace – A Theme (1:15)
6. Cat Food (4:52)
7. The Devil's Triangle (11:30)
I. Merday Morn (3:47)
II. Hand Of Sceiron (4:01)
III. Garden Of Worm (3:45)
8. Peace – An End (1:54)

Gesamtspieldauer: 41:02




Das zweite Album von King Crimson, „In The Wake Of Poseidon”, knüpft stark an dem Erstlingswerk „In The Court Of The Crimson King“ an. 1970 wurde es veröffentlicht und hält vor allem auf der ehemaligen zweiten Plattenseite durchaus Musik für den Hörer parat, die nicht mal so eben nebenbei gehört werden kann. Da wird es mit „Cat Food“ und vor allem mit „The Devil's Triangle” schon ziemlich abgefahren. Gerade letztgenannte Nummer, die sich aus drei Teilen zusammensetzt, verlangt irgendwie alles vom Hörer ab. Fängt das Lied noch sehr langsam und zurückhaltend an, so entwickelt es sich in den elfeinhalb Minuten seiner Dauer immer weiter, wirkt zerrissener, fast schon gefährlich, wenn man dieses Adjektiv überhaupt benutzen kann, um Musik zu um- und beschreiben. Aber doch, hier bei „The Devil’s Triangle“ wirkt die Musik „gefährlich“, da passt diese Umschreibung. Das Stück klingt in seinem weiteren Verlauf fast so, als ob der Leibhaftige gerade wirklich hinter der Ecke auf einen wartet, während die Musik in eine Kakophonie mündet.

Ganz anders nimmt sich dagegen das wirklich lieblich süße „Cadence And Cascade“ aus, welches in seiner Art so gar nicht zum Rest der Platte passen möchte. Sogar zuckersüß klingt die Band hier und setzt einen riesengroßen Kontrapunkt zur zweiten Seite der Platte. Am ehesten an die vorherige Scheibe fühlt man sich beim Titellied „In The Wake Of Poseidon“ erinnert. Die Nummer beginnt überaus melodiös, das Mellotron fabriziert weiche und warme Laute und der Titel wirkt wie eine perfekte Fortsetzung der ersten Platte. Schön gelungen sind übrigens auch die drei kurzen „Peace“-Stücke, die die Platte einrahmen und gleichzeitig auch deren Mitte darstellen. Bliebe noch Titel Nummer zwei der ersten Seite zu erwähnen. „Pictures Of A City” ist ebenfalls eher ein Lied, welches erarbeitet werden möchte. Zu Beginn noch etwas melodiös, wird es im weiteren Verlauf immer undurchdringlicher und schräger. Klasse hier auf jeden Fall das Saxophon des Mel Collins.

Fazit: „In The Wake Of Poseidon” ist etwas härter geworden und auch noch ein wenig experimenteller, als das Debut-Album von King Crimson. Immer wieder scheinen sich auf der Platte unüberwindbare Hindernisse aufzubauen, die sich dann jedoch wieder ganz schnell auflösen. Zwar kommen die „Wohlklänge“ auf „In The Wake Of Poseidon” auch nicht zu kurz, doch sie sind rarer gesät. Die Platte ist ein spannendes Beispiel dafür, was Progressive Rock so alles beinhaltet. Elf Punkte.

Anspieltipps: In The Wake Of Poseidon, The Devil's Triangle



Donnerstag, 18. Dezember 2014

Fischer-Z – Going Deaf For A Living




Fischer-Z – Going Deaf For A Living


Besetzung:

John Watts – lead vocals, guitar
Steve Skolnik – keyboards
David Graham – bass
Steve Liddle – drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: New Wave, Rock


Trackliste:

1. Room Service (3:45)
2. So Long (5:02)
3. Crazy Girl (4:26)
4. No Right (2:39)
5. Going Deaf For A Living (3:32)
6. Pick Up / Slip Up (2:38)
7. Crank (3:06)
8. Haters (4:08)
9. Four Minutes In Durham (With You) (4:06)
10. Limbo (2:15)

Gesamtspieldauer: 35:00




Rockigen New Wave mit einem leichten Reggae-Einschlag, dafür standen Fischer-Z schon immer. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass man genau diesen Stil auch auf ihrer zweiten Platte „Going Deaf For A Living“ aus dem Jahr 1980 zu hören bekommt. Sehr prägend ist dabei auch wieder der Gesang des John Watts, der etwas höher angelegt ist und durchaus auch ein wenig weinerlich klingt. Dies ist allerdings nicht negativ gemeint, lediglich beschreibend.

„Going Deaf For A Living“ brachte Fischer-Z die ersten Chartplatzierungen und stellt somit den endgültigen Durchbruch der Band dar. Bei Fans wird dieses Album mit dem Nachfolgealbum „Red Skies Over Paradise“ in einem Atemzug genannt, wenn es darum geht, die besten Platten von Fischer-Z zu benennen. Nun, der Hit der Platte war „So Long“, für den sogar erstmals ein Video produziert wurde (welches ich unten auch verlinkt habe) – an das Nachfolgealbum reicht „Going Deaf For A Living“ jedoch nicht heran. Man hört hier zwar absolut typische Fischer-Z Musik, die man bereits nach dem dritten Takt nur dieser Band zuordnen kann, qualitativ machten Fischer-Z und allen voran natürlich John Watts, noch einen riesigen Sprung, wenn es um das Songwriting geht. Dies wurde mit der nächsten Platte überdeutlich.

Trotzdem ist „Going Deaf For A Living“ natürlich keine schlechte Scheibe. Es groovt an allen Ecken und Enden, die einzelnen Lieder sind auch durchaus eingängig, wenn auch nicht ganz so, wie sie es später noch sein sollten. Zumeist befindet sich die Musik im Mid-Tempo, mitunter ist das auch sehr gut tanzbar und kommt auch bei so mancher 80ies-Revival-Party zum Einsatz.

Fazit: „Going Deaf For A Living“ ist irgendwie ein Gute-Laune-Album geworden. Hier gilt es nicht groß nachzudenken. Einfach die Scheibe ein- oder auflegen und schon kann es losgehen und die Füße zucken ganz automatisch ein wenig mit. New Wave Fans dürften diese Platte lieben, Freunden von Fischer-Z gefällt das, wie bereits erwähnt, sowieso sehr gut. Mir sagt die Musik, die da noch kommen sollte, allerdings noch mehr zu, auch wenn „Going Deaf For A Living“ sicherlich kein schlechtes Album ist. Acht Punkte.

Anspieltipps: So Long



Mittwoch, 17. Dezember 2014

Morrissey – Viva Hate




Morrissey – Viva Hate


Besetzung:

Morrissey – vocals


Gastmusiker:

Stephen Street – bass, guitar
Vini Reilly – guitar, keyboards
Andrew Paresi – drums
Richard Koster – violin
Fenella Barton – violin
Rachel Maguire – cello
Mark Davies – cello
Robert Woolhard – cello
John Metcalf – viola


Label: His Master’s Voice


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: Jangle Pop, Indie Rock


Trackliste:

1. Alsatian Cousin (3:13)
2. Little Man, What Now? (1:47)
3. Everyday Is Like Sunday (3:35)
4. Bengali In Platforms (3:53)
5. Angel, Angel Down We Go Together (1:39)
6. Late Night, Maudlin Street (6:54)
7. Suedehead (3:55)
8. Break Up The Family (3:55)
9. Treat Me Like A Human Being (2:27)
10. I Don't Mind If You Forget Me (3:17)
11. Dial A Cliché (2:28)
12. Margaret On The Guillotine (3:44)

Gesamtspieldauer: 42:16




Die Smiths hatten sich ein Jahr zuvor aufgelöst, da veröffentlichte Morrissey, Sänger jener sehr einflussreichen und stilprägenden Band, im Jahr 1988 sein erstes Solo-Album mit dem Titel „Viva Hate“. Stilistisch knüpft es durchaus an die letzte Smiths-Scheibe „Strangeways, Here We Come“ an. Zumindest von der Stimmung her. Deutlich gewachsen ist auf „Viva Hate“ dagegen die Rolle des Keyboards, welches hier oftmals dominanter als die Gitarre zum Einsatz kommt. Dies wäre mit dem Smiths Gitarristen Johnny Marr eindeutig nicht umzusetzen gewesen.

Morrissey schafft es wie kaum ein zweiter Künstler Geschichten mit seinen Songs zu erzählen. Dabei muss man nicht unbedingt immer seiner Meinung sein, denn seine Aussagen sind oft anklagender Natur – interessant ist das in den allermeisten Fällen jedoch trotzdem. Die Stimme des Sängers hat natürlich einen hohen Wiedererkennungswert, klingt weich und einfühlsam. Dazu gesellen sich dann zwölf Titel auf „Viva Hate“, die durch die Bank weg überaus eingängig sind. Manches Mal wird die Musik dann ein wenig grooviger, ein anderes Mal etwas mehr getragen und deutlich weniger rhythmisch. Nun und solch ein Lied wie „Angel, Angel Down We Go Together” können sicherlich nur ganz wenige Musiker schreiben. Nur mit Streichern instrumentiert klingt das in Verbindung mit dem Text durchaus herzerweichend, selbst für gestandene Männer. Leider ist die Nummer mit nicht einmal zwei Minuten Spieldauer nur so unglaublich kurz ausgefallen.

Fazit: Man bringt die Musik von Morrissey auf „Viva Hate“ durchaus in Bezug zu den Smiths. So sehr anders klingt das hier noch nicht. Allerdings gehen da die Meinungen auch auseinander, denn einige Kritiker meinten nach der Veröffentlichung, dass Morrissey ohne seinen Partner Johnny Marr von den Smiths, nur noch halb so gut klingen würde. Wie immer reine Geschmackssache. „Viva Hate“ hat durchaus was, was es lohnt gehört zu werden. Ein schönes und ruhiges Indie Rock Album der 80er Jahre. Neun Punkte.

Anspieltipps: Angel Angel Down We Go Together, Late Night Maudlin Street



Dienstag, 16. Dezember 2014

Klaus Nomi – Klaus Nomi




Klaus Nomi – Klaus Nomi


Besetzung:

Klaus Nomi – lead & background vocals


Gastmusiker:

Julie Berger – background vocals
Jon Corbet – background vocals
Scott Woody – background vocals
Jon Cobert – synthesizer, keyboards
Scott Woody – guitar
Rick Pascual – bass guitar
Daniel Elfassy – drums



Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: New Wave, Oper


Trackliste:

1. Keys Of Life (2:26)
2. Lightning Strikes (2:59)
3. The Twist (3:10)
4. Nomi Song (2:47)
5. You Don't Own Me (3:39)
6. Cold Song (4:03)
7. Wasting My Time (4:16)
8. Total Eclipse (3:29)
9. Nomi Chant (1:53)
10. Samson And Delilah (Aria) (3:43)

Gesamtspieldauer: 32:25




Dass die meisten Menschen mit der Musik des Klaus Nomi nichts anzufangen wissen ist nicht weiter verwunderlich, sondern eher eine Tatsache. Wann hört man auch schon mal einen Mann mit einer Sopranstimme singen, auch wenn diese im Falle Klaus Nomi meist mit Countertenor angegeben wird. Die Musik des Klaus Nomi geht dabei sehr in Richtung des New Wave. Synthetisch klingt dies immer, aber das sollte es wohl auch, denn das ganze Erscheinungsbild des Klaus Nomi war ebenfalls auf ein synthetisches Aussehen angelegt.

Klaus Nomi lebte bei der Veröffentlichung seines ersten Albums bereits einige Zeit in New York. Beim Gesang spielt er allerdings mit seiner deutschen Herkunft. Oftmals werden die Worte bewusst hart ausgesprochen und damit noch ein wenig überzeichnet. Ganz klar, die Musik von Klaus Nomi wäre nicht der Rede wert und auch überhaupt nichts Besonderes, wenn da eben nicht dieser Gesang wäre, der so unnatürlich ist für einen Mann. Das wiederum macht diese Scheibe zu etwas Beeindruckendem und Besonderen. Dazu gesellt sich noch der Umstand, dass Klaus Nomi auf dem gleichnamig betitelten Album nicht nur eine klassische Gesangsstimme einsetzt, sondern mit „Cold Song“ und „Samson And Delilah“ auch musikalisch in das Genre der Oper eindringt. Nochmals etwas Überraschendes, was die Scheibe wirklich außergewöhnlich werden lässt. Mit nichts zu vergleichen. 

Fazit: Klaus Nomi ist schon etwas ganz Besonderes gewesen. Leider starb er bereits zwei Jahre und ein Album später an den Folgen seiner AIDS-Erkrankung, die damals noch das sichere Todesurteil bedeutete. Diese Art der Musik kann man sonst nirgendwo hören, somit sei dieses Album allen experimentierfreudigen Musikhörern durchaus empfohlen. Hier gibt es keinen Rock, Blues oder Soul, das ist New Wave bis Synthie-Pop mit einer absolut abgefahrenen Stimme versehen. Spannend. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Nomi Song, Cold Song, Samson And Delilah



Montag, 15. Dezember 2014

Spandau Ballet – True




Spandau Ballet – True


Besetzung:

Tony Hadley – vocals
Gary Kemp – songwriter, guitar, vocals, keyboards, piano
Martin Kemp – bass
Steve Norman – saxophone, percussion
John Keeble – drums, vocals
Jess Bailey – additional keyboards


Label: Chrysalis Records


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Pop, New Wave


Trackliste:

1. Pleasure (3:35)
2. Communication (3:40)
3. Code Of Love (5:11)
4. Gold (4:51)
5. Lifeline (3:36)
6. Heaven Is A Secret (4:27)
7. Foundation (4:08)
8. True (6:30)

Gesamtspieldauer: 35:36




Es gibt Musik, die wirkt heute einfach nicht mehr so, wie sie dies noch zu Beginn ihrer Zeit konnte. New Wave ist da so ein Beispiel für diese Aussage. Klar gibt es da immer noch ganz nette Stücke, allerdings klingt das alles immer nach 80er Jahre und heute würde man da wohl auch eher Synthie Pop zu sagen. „True“ von Spandau Ballet ist für mich da ein gutes Beispiel. Das dritte Album der Briten klingt in der heutigen Zeit irgendwie komisch. Alles hört sich ein wenig aufgesetzt an, sehr synthetisch und das nicht nur, weil die Musik im Keyboardsound oftmals zu ertrinken droht. Es ist auch die Stimmung, die hier transportiert wird und der Gesang, der sich sehr androgyn anhört und ebenfalls zu diesem Gesamteindruck beiträgt.

Nun, allerdings befinden sich jede Menge Hits auf „True“, eine Platte, die auch die erfolgreichste in der bisherigen Diskographie von Spandau Ballet werden sollte. „Communication“, „Gold“, „True“ und „Lifeline“ liefen 1983 in den Radiostationen der westlichen Welt rauf und runter. Eingängig ist das auch sehr, einmal im Kopf, bekommt man die Melodien nur schwerlich wieder gelöscht. Ohrwurmcharakter ist also durchaus gegeben. Leider kann man sich an den Nummern allerdings auch relativ schnell überhören. Aber hier hilft natürlich die richtige Dosierung der Titel und dieser Musik sehr viel weiter.

Bliebe noch kurz zu klären, warum sich im Namen der Truppe ein Berliner Bezirk befindet. Das ist wiederum gar nicht lustig, denn vom Spandau Ballett sprach man 1945 und 1946, wenn im Spandauer Gefängnis Nazis zum Tode verurteilt und anschließend am Galgen gehängt wurden. Wenn die Hinrichtungen parallel abliefen, dann zuckten die Körper der Delinquenten nach dem Fall anscheinend im Gleichtakt, sodass der Todeskampf der Verurteilten wie eine Art Ballett wirkte…

Fazit: Wer synthetische Musik mag und auf New Wave steht, der dürfte jede Menge Spaß mit dieser Platte haben. Dazu erzeugt die Musik auch ein wenig Nostalgie im Gehirn, wenn man denn zur damaligen Zeit Musik schon bewusst aufnehmen konnte. Entziehen konnte man sich diesem Album 1983 nämlich nicht. Besonders anspruchsvolle Musik machen Spandau Ballet, die sich 2009 übrigens reformierten, nicht. Muss man auch nicht immer haben. Von daher eine nette Scheibe, die man nicht allzu oft hören kann – ab und an allerdings durchaus. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Communication, Gold



Sonntag, 14. Dezember 2014

Frankie Goes To Hollywood – Liverpool




Frankie Goes To Hollywood – Liverpool


Besetzung:

Holly Johnson – vocals
Brian Nash – guitar
Mark O'Toole – bass
Peter Gill – drums
Paul Rutherford – second voice


Gastmusiker:

Betsy Cook – background vocals
Steve Lipson – guitar, keyboards
Steve Howe – guitar
Trevor Rabin – guitar
Richard Niles – string arrangements, brass arrangement
Andy Richards – keyboards
Peter-John Vettese – keyboards


Label: ZTT Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: New Wave, Pop, Rock


Trackliste:

1. Warriors Of The Wasteland (4:54)
2. Rage Hard (5:07)
3. Kill The Pain (6:16)
4. Maximum Joy (5:29)
5. Watching The Wildlife (4:18)
6. Lunar Bay (5:41)
7. For Heaven's Sake (4:30)
8. Is Anybody Out There? (7:27)

Gesamtspieldauer: 44:03




Frankie Goes To Hollywood stehen durchaus auch ein wenig stellvertretend für die Musik der 80er Jahre und dies, obwohl die Band lediglich zwei Alben veröffentlichte. „Welcome To The Pleasuredome“ und eben zwei Jahre später, die hier besprochene Platte „Liverpool“. Die Aufnahmen hierzu gestalteten sich bereits chaotisch, dazu gab es noch jede Menge Ärger mit der Plattenfirma – im Anschluss an „Liverpool löste sich Frankie Goes To Hollywood dann auch auf.

Ob sich der chaotische, über sehr viele verschiedene Studios verstreute Aufnahmeprozess auf die Qualität der Titel auswirkte, kann getrost mit einem „Nein“ beantwortet werden. Allerdings ist das Songmaterial nicht mehr mit dem des Vorgängeralbums zu vergleichen. Die Produktionskosten waren in die Höhe geschnellt, der wirtschaftliche Erfolg stellte sich jedoch nicht ein. Die Scheibe verkaufte sich wesentlich schlechter als erwartet. Nun, schlecht ist „Liverpool“ jedoch nicht geworden. Man hört hier den typischen Frankie Goes To Hollywood Sound. Die Musik ist durchaus mitreißend und vibriert immer wieder. Da macht das Zuhören durchaus Spaß. Solche Titel wie „Relax“ oder „Two Tribes“ finden sich zwar genauso wenig wie solch ruhige Nummern wie das weihnachtliche „Power Of Love“, trotzdem erzeugen die einzelnen Titel Stimmung. Vor allem zu Beginn des Albums, sind mit „Warriors Of The Wasteland“ und „Rage Hard“ zwei richtig gute Titel vertreten, die auch als Single veröffentlicht wurden. Die dritte Single-Veröffentlichung stellt „Watching The Wildlife” dar, eine Nummer, die mit zahlreichen Streichern und Bläsern aufwartet, dadurch natürlich sehr orchestral klingt und neben ruhigeren Abschnitten auch treibende Parts für den Hörer bereithält.

Ganz allgemein klingt „Liverpool“ ein klein wenig rockiger als noch der Vorgänger. Das macht jedoch nichts, weil die Musiker auch im Rock zu Hause zu sein scheinen. Ganz am Ende der Scheibe wird es mit „Is Anybody Out There?“ dann allerdings auch ein wenig bluesig bis soulig. Die Nummer will nicht so ganz zum Rest der Platte passen, stellt aber natürlich auch eine Abwechslung dar. Übrigens, auch wenn mit Steve Howe und Trevor Rabin zwei Yes-Musiker mit zum Gelingen dieses Albums beitrugen, ist die Musik darauf natürlich sehr weit vom Yes-Sound oder irgendwelchen Progressive Rock Anleihen entfernt beziehungsweise hat damit überhaupt nichts zu tun.

Fazit: So gelungen wie „Welcome To The Pleasuredome“ ist „Liverpool“ nicht. Doch auch auf dieser Scheibe gibt es einige gelungene Songs, die sich am Beginn des Albums, also vor allem auf der ehemaligen ersten Plattenseite befinden. Die Musik von Frankie Goes To Hollywood steht durchaus für die Musik der 80er Jahre – und hier für die besser gelungene, womit einmal mehr bewiesen wäre, dass auch Pop-Musik nachhaltig sein kann. Neun Punkte.

Anspieltipps: Warriors Of The Wasteland, Rage Hard



Samstag, 13. Dezember 2014

Dire Straits – Communiqué




Dire Straits – Communiqué


Besetzung:

Mark Knopfler – vocals, lead and rhythm guitars
David Knopfler – rhythm guitar and vocals
John Illsley – bass and vocals
Pick Withers – drums
Barry Beckett – keyboards


Label: Vertigo Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Once Upon A Time In The West (5:24)
2. News (4:13)
3. Where Do You Think You're Going (3:49)
4. Communique (5:49)
5. Lady Writer (3:44)
6. Angel Of Mercy (4:34)
7. Portobello Belle (4:29)
8. Single Handed Sailor (4:42)
9. Follow Me Home (5:50)

Gesamtspieldauer: 42:24




„Communiqué” heißt das zweite Album der Dire Straits und wurde im Jahr 1979 veröffentlicht. Die Dire Straits waren eine Band, die man aus tausenden anderer Combos heraushören konnte und auch heute noch kann, was nicht zuletzt am Gitarrensound des Mark Knopfler liegt, der natürlich auch auf „Communiqué” wieder alle Lieder in Eigenregie geschrieben hat.

Auch wenn es auf „Communiqué” kein „Sultans Of Swing“ gibt, das wohl bekannteste Lied der Dire Straits, so wirkt hier doch auch alles wieder sehr locker, relaxt oder beschwingt, je nachdem, wie man das sehen will. Die Musik ist immer überaus eingängig, melodiös und groovt eben – und zwar vom ersten bis zum allerletzten Akkord und Takt. Das ist zwar keine „Gute-Laune-Musik“, die die Dire Straits hier verbreiten, jedoch bekommt man gute Laune, wenn man das Album hört. Alles wirkt so leicht, so locker, das Leben scheint eine ganz tolle Sache zu sein, wenn man sie mit den Augen der Dire Straits sieht oder noch besser, mit deren Ohren hört.

Zwar war die Platte nicht ganz so erfolgreich wie das erste Album der Band, trotzdem sind hier auch wieder alle Zutaten versammelt, die die Dire Straits immer ausgemacht haben: Das Gitarrenspiel des Mark Knopfler eben und seinen etwas nuschelnden Gesang in Verbindung mit schönen Melodien und dieser irgendwie vorhandenen Coolness. Vielleicht ist auf „Communiqué” auch nicht dieselbe Fülle von „Hits“ vorhanden, wie auf manch anderer Scheibe der Band, Spaß macht das Anhören trotzdem, wenn man auf gitarrenorientierten Rock steht, der niemals laut oder aufdringlich ist oder wird.

Fazit: „Communiqué” ist vielleicht nicht das beste Album der Dire Straits, jedoch sicherlich auch keine schlechte Scheibe. Die Musik der Band wirkt immer so locker und losgelöst, dass man ganz automatisch keine schlechte Laune beim Hören haben kann. Natürlich ist das keine „Übermusik“ und die Scheibe kommt auch bei Weitem nicht an die Live-Platte „Alchemy“ heran, hörenswert ist sie trotzdem. Neun Punkte.

Anspieltipps: Once Upon A Time In The West, News, Where Do You Think You're Going



Freitag, 12. Dezember 2014

Sigrid und Marina – Heimatgefühle zur Weihnachtszeit




Sigrid und Marina – Heimatgefühle zur Weihnachtszeit


Besetzung:

Sigrid Hutterer – Gesang
Marina Hutterer – Gesang


Gastmusiker: 

Christian Zierhofer – Keyboards, Akkordeon, Chor
Harald Pairits – Keyboards
Manfred Gradwohl – Keyboards, Chor
Wolfgang Lindner – Keyboards
Fritz Koch – Gitarre, Chor
Edith Prock – Chor
Michaela Kollar – Chor
Herbert Moser – Chor
Sabine Gabriel – Chor
Enjoya Flaschberger – Chor


Label: Telamo


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: Volksmusik, volkstümlicher Schlager


Trackliste:

1. Advent, der stille Weg zum Fest (3:38)
2. Des Jahr macht langsam zua (2:57)
3. Wenn es weisse Sterne schneit (2:54)
4. Werst mei Liacht ume sein (2:43)
5. Christrose (3:50)
6. Die stillste Zeit in unseren Bergen (3:19)
7. Es ist Winterzeit (3:16)
8. Boid is Weihnacht (3:16)
9. Da drinnen im Stalle (3:09)
10. Auf der ganzen Welt ist Weihnacht (3:17)
11. Hergottsjodler (3:28)
12. Die Rosen der Madonna (3:04)
13. Jetzt ist sie da (2:19)
14. Andachtsjodler (2:54)
15. Hoerst du den Klang (3:32)

Gesamstspieldauer: 47:35




Wieder mal so eine CD über die ich schreiben muss, da ich sie eben besitze. Ich habe sie mir nicht selbst gekauft, es war ein Geschenk… Gut, was ich dieser Platte von Sigrid und Marina nicht absprechen möchte ist die Tatsache, dass die Scheibe durchaus weihnachtlich klingt. Alpenländische Weihnachtsstimmung wird hier sehr wohl bedient. Da mag so manches ältere Semester und so manches Kinderauge feucht werden, denn das Christkind ist nahe, das merkt man hier. Und wenn man Bescherung hat und das Album einlegt, fällt das vielleicht noch nicht einmal negativ beim Rest der Familie auf, da dieser die Stimmung vielleicht nicht verderben will. „Naja, es ist ja Weihnachten und so klingt es doch auch.“

Das Problem an „Heimatgefühle zur Weihnachtszeit“ ist die Instrumentierung. Denn wenn ich schon mal für Volksmusik stehe, dann sollten hier auch entsprechende Instrumente zum Einsatz kommen. Machen sie aber nicht. Hier gibt es die volle Breitseite vom Synthesizer. Das klingt vielleicht mal nach Horn oder nach Violinen, es sind aber keine. Und das hört man leider sehr. Klar, das Album kann man bisher noch nicht einmal in den bekannten Online-Shops erwerben, ist wohl nicht so erfolgreich und vielleicht gab das Budget nicht mehr her. Trotzdem stehen die beiden Österreicherinnen immer wieder auf der Bühne und sind auch im Fernsehen präsent, sodass man sich da schon irgendwie ein wenig mehr Engagement bezüglich der Umsetzung der Titel gewünscht hätte.

Fazit: Freunde des volkstümlichen Schlagers werden diese Scheibe lieben. Dass die Platte weihnachtliche Stimmung verbreitet, kann man ihr auch nicht absprechen. Trotzdem hört man eben immer diese Keyboards heraus, was die Musik ein wenig unglaubwürdig werden lässt. Irgendwie gibt es dazu auch nicht mehr zu sagen. Fast schon ein Wunder, dass ich doch ein paar Zeilen zusammengebracht habe. Vier Punkte.

Anspieltipps: Die stillste Zeit in unseren Bergen



Donnerstag, 11. Dezember 2014

Änglagård – Epilog




Änglagård – Epilog


Besetzung:

Tord Lindman – vocals and guitars
Johan Högberg – bass and mellotron effects
Anna Holmgren – flute
Tomas Jonson – hammond, mellotron and keyboards
Jonas Engdegård – guitars
Mattias Olsson – drums and percussion


Gastmusiker:

Åsa Eklund – vocals
Martin Olofsson – violin
Karin Hansson – viola
Jan C. Norlander – cello


Label: Exergy Music


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Prolog (2:00)
2. Höstsejd (15:32)
3. Rösten (0:14)
4. Skogsranden (10:48)
5. Sista Somrar (13:10)
6. Saknadens Fullhet (2:00)

Gesamtspieldauer: 43:48




Dass skandinavische Bands auch im Progressive Rock einiges zu bieten haben, das beweist nicht nur die schwedische Band Änglagård – diese allerdings irgendwie ganz besonders. „Epilog“ ist die zweite Veröffentlichung der Schweden, welches 1994, ziemlich genau zwei Jahre nach dem Erstlingswerk „Hybris“ erschien. Nun sollte es allerdings ganze achtzehn Jahre dauern, bis mit „Viljans Öga“ das dritte Werk der Skandinavier veröffentlicht werden sollte.

Nun, im Grunde genommen könnte ich mein Schreiben hier ganz stark verkürzen und eigentlich sofort wieder beenden. Ich musste nur eintippen: „Epilog“ ist ein Meisterwerk! Nun, das habe ich jetzt auch getan und es kann durchaus auch einfach so stehen bleiben. Allerdings möchte ich noch kurz erläutern, warum diese Platte von dieser so unbekannten Band ein Meisterwerk ist: Sie beinhaltet alles, was den Progressive Rock zu einem der spannendsten Genres in der Musik hat werden lassen – so einfach ist das.

Auf „Epilog“ gibt es wunderschöne, melodiöse Parts, in denen die Querflöte im Vordergrund steht. Mal wird diese begleitet von der akustischen Gitarre, mal vom Piano, mal von der Hammond Orgel oder aber dem Mellotron. Dann allerdings auch wieder von allen Instrumenten zusammen. Dabei ist das Gehörte so harmonisch und melodiös, dass man einfach nur noch Dahinzuschmelzen gedenkt. Alles passt so unglaublich gut zusammen und verschwindet in einem Meer aus Harmonien. Andererseits gibt es dann auch wieder treibende und manchmal sogar verstörende Parts, die hier jedoch immer auf wenige Augenblicke begrenzt werden. Dann klingt die Musik von Änglagård keinesfalls mehr zerbrechlich, schwebend, lieblich oder harmonisch. Dann klingen die Takte und Akkorde zerrissen, treibend, fordernd und auf ihre Art fast schreiend. Ein absoluter Gegenpol zu den melodiösen Abschnitten. Damit wird hier eine Spannung bis in die höchsten Höhen aufgebaut, um schließlich wieder im musikalischen Wohlklang zu münden. Wahrlich meisterhaft komponiert, arrangiert und auch gespielt und umgesetzt.

Besonders hervorzuheben in den treibenderen Abschnitten, sind nun das perfekte Bass- und Schlagzeugspiel von Johan Högberg und Mattias Olsson. Alle Musiker von Änglagård sind absolute Meister ihrer Instrumente, dies hört man in jedem Takt, mit jedem Akkord. Irgendwie klingt das alles sehr perfekt, ohne sich dabei auch nur einen Hauch von steril anzuhören.

Fazit: „Epilog“ ist eines der intensivsten Alben, welches ich kenne. Wer Progressive Rock liebt, der wird dieses Album vergöttern. Moderne Musik auf dem Höhepunkt. Trotzdem bekommt „Epilog“ nicht die absolute Höchstpunktzahl, da hier bis auf ein paar „Aaahs“ und „Ooohs“ vollständig auf den Gesang verzichtet wurde. Eine tolle Stimme und eine gute Geschichte können eine Platte durchaus auch sehr stark aufwerten. Trotzdem ist das hier zu Hörende natürlich genial gemacht und überaus gelungen. Schade, dass nur wenige die Musik von Änglagård kennen, denn diese hätte wahrlich ein größeres Publikum verdient. Vierzehn Punkte.

Anspieltipps: Höstsejd



Mittwoch, 10. Dezember 2014

Orchestral Manoeuvres In The Dark – Crush




Orchestral Manoeuvres In The Dark – Crush


Besetzung:

Paul Humphreys – vocals, electronic keyboards, piano
Andy McCluskey – vocals, guitar, bass guitar, electronic keyboards
Malcolm Holmes – drums, electronic and acoustic percussion
Martin Cooper – vocals, saxophone, electronic keyboards
Kyle Green – additional vocals, piano, electronic keyboards
Stephen Hague – electronic keyboards, guitar
Graham Weir – trombone, electric guitar
Neil Weir – trumpet
Maureen Humphreys – additional vocals


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Synthie Pop


Trackliste:

1. So In Love (3:29)
2. Secret (3:56)
3. Bloc Bloc Bloc (3:28)
4. Women III (4:26)
5. Crush (4:27)
6. 88 Seconds In Greensboro (4:15)
7. The Native Daughters Of The Golden West (3:58)
8. La Femme Accident (2:49)
9. Hold You (4:00)
10. The Lights Are Going Out (3:57)

Gesamtspieldauer: 38:37




„Crush“ heißt das sechste Studioalbum von Orchestral Manoeuvres In The Dark und wurde 1985 veröffentlicht. Irgendwie scheint es genau die Zeit, Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts widerzuspiegeln – zumindest musikalisch gesehen. Auf “Crush” findet man Synthie Pop in Reinkultur. Genau jene Musik also, die damals ihre Hochzeit hatte und dabei ist jetzt nicht eine irgendwie geartete Ehe gemeint.

Die Nummern klingen allesamt sehr synthetisch, auch wenn auf dem Album sogar ein Piano und diverse Blasinstrumente ihren Einsatz finden. Das mag damals in den 80ern vielleicht „in“ gewesen sein, heutzutage klingt es allerdings ein wenig seltsam. Und leider ist die Musik auch sehr unaufgeregt, alles, was man hier zu hören bekommt, wirkt ein klein wenig belanglos, hat nichts mehr mit dieser Zeit heute zu tun. Titel reiht sich an Titel und wenn man dann schon mal Schwierigkeiten mit einer Drum-Machine hat, dann steigt man ganz schnell aus, aus dieser Aneinanderreihung synthetischer Klänge.

Trotzdem gibt es auch etwas Positives zu vermelden. Die Nummer „La Femme Accident” hat was. Erinnert ein klein wenig an „Talking Loud And Clear“, obwohl sie nicht ganz an diese heranreicht. Aber das war es dann leider auch schon. Der ganze Rest läuft einfach so durch. Aber nur, wenn man mit diesem Genre „Synthie Pop“ etwas anzufangen weiß. Ansonsten ist die Platte durchaus anstrengend.

Fazit: Okay, einen guten Titel gibt es auf „Crush“ und der heißt „. La Femme Accident”. Freunde des Synthie Pop werden hier allerdings noch sehr viel mehr Höhepunkte finden. Rock Fans werden Reißaus nehmen, alle anderen werden sich fragen: „War da was?“. Obwohl ich auch vielen musikalischen Strömungen gegenüber aufgeschlossen bin, hier versagt dann anscheinend mein Musikgeschmack. „Crush“ klingt irgendwie sehr belanglos – zumindest heutzutage. Fünf Punkte.

Anspieltipps: La Femme Accident



Dienstag, 9. Dezember 2014

Gentle Giant – The Power And The Glory




Gentle Giant – The Power And The Glory


Besetzung:

Derek Shulman – vocals, tenor saxophone
Kerry Minnear – hammond organ, piano, minimoog, clavinet, electric piano, mellotron, marimba, vibraphone, cello, vocals
Ray Shulman – bass, violin, electric violin, acoustic guitar, vocals
Gary Green – electric guitars, acoustic guitars, vocals
John Weathers – drums, tambourine, sleigh bells, cymbals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Proclamation (6:47)
2. So Sincere (3:52)
3. Aspirations (4:41)
4. Playing The Game (6:46)
5. Cogs In Cogs (3:08)
6. No God's A Man (4:29)
7. The Face (4:13)
8. Valedictory (3:17)

Gesamtspieldauer: 37:13




Ich weiß genau, warum Gentle Giant nicht so viel Erfolg hatten, wie zum Beispiel Yes, Genesis, Emerson Lake & Palmer, King Crimson – um nur einige Bands des Progressive Rock zu nennen. Es liegt an solch einer Platte wie „The Power And The Glory”, dem sechsten Studioalbum von Gentle Giant aus dem Jahr 1974. Die Musik auf der Platte ist wahrlich, nun sagen wir mal „seltsam“ geraten. Da ist nichts mehr eingängig, obwohl alles doch irgendwie melodiös klingt.

Doch wie kann man zum Beispiel einen Titel wie „So Sincere“ besser umschreiben als mit „seltsam“? Irgendwie komische Gesangslinien, komisches Saxophon, komischer Rest. Alles wirkt abgehackt und man kann sich sicher sein, selbst wenn man diesen Titel tausend Mal hört, wird einem der Zugang immer noch verschlossen sein. Man hört hier keinen Free Jazz oder ähnliches, sondern progressive Rock in seiner stärksten Ausprägung. Kein Wunder dann auch, dass dieses Album bei absoluten Progressive Rock Fans so hoch im Kurs steht.

Trotzdem stößt man als einigermaßen „durchschnittlicher“ Musikkonsument, der dem Progressive Rock trotzdem sehr zugetan ist, hier an seine Grenze. Auf „The Power And The Glory” kann man sich die Musik nicht mehr erarbeiten. Sie bleibt auch nach vielen Durchgängen das was sie ist: schwierig. Der Titel „Aspirations” bildet da schon die Ausnahme, denn hier hört man durchaus so was wie Melodiösität heraus. Aber dies ist wahrlich die Ausnahme. Ansonsten klingt das Album überaus schräg und verschroben, seltsam eben.

Inhaltlich befasst sich die Platte mit Macht und Korruption. Natürlich keine einfachen Inhalte, von daher haben Gentle Giant hier irgendwie doch alles richtig gemacht, die Musik ist nämlich auch nicht einfach. Überhaupt nicht sogar. Auch ist auf „The Power And The Glory” eine Tendenz bei Gentle Giant weg von den akustischen, hin zu den elektrischen Instrumenten festzustellen. Dieser Umstand wirkt allerdings in keinster Weise nachteilig oder negativ.

Fazit: Bei „The Power And The Glory” stoße ich wahrlich an meine Grenzen. Einerseits lassen sich auf der Platte einige wahrlich gelungene Abschnitte finden, andererseits auch Passagen oder sogar ganze Lieder, zu denen ich niemals Zugang finden werde. Und ich dachte immer von mir, dass Progressive Rock mein Musikgenre ist. Ist es wohl auch, denn ich höre die Scheibe immer wieder. Ich bin mir sicher, dass das nicht allzu viele andere von sich behaupten können und ich bin mir auch sicher, dass das in meinem Falle nicht allzu viel bringen wird. Aber ich mache es weiter. Ich will es doch endlich verstehen… Neun Punkte.

Anspieltipps: Aspirations



Montag, 8. Dezember 2014

Eloy – Colours




Eloy – Colours


Besetzung:

Klaus-Peter Matziol – bass, vocals
Jim McGillivray – drums, percussion
Hannes Arkona – electric guitar, acoustic guitar
Hannes Folberth – keyboards and other key instruments
Frank Bornemann – lead vocals, electric guitar, acoustic guitar


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Progressive Rock, Rock


Trackliste:

1. Horizons (3:23)
2. Illuminations (6:21)
3. Giant (6:08)
4. Impressions (3:11)
5. Child Migration (7:20)
6. Gallery (3:11)
7. Silhouette (7:14)
8. Sunset (2:56)


Bonus Tracks der remasterten Fassung: 

9. Wings Of Vision (4:14)
10. Silhouette (Single Edit) (3:31)

Gesamtspieldauer: 47:28




In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts haben viele ehemalige progressive Bands einen völligen Stilwechsel vollzogen. Meistens hin zum gar nicht mal so guten Pop, denn das konnten sie einfach nicht und andere eben besser. Bei Eloy war das anders – zumindest zum Teil. Den Stilwechsel haben sie ebenfalls vollzogen, jedoch eher hin zum Rock als zum Pop. „Colours“, das achte Studioalbum der Hannoveraner, ist deutlich rockiger geraten als noch die Vorgänger. Vielleicht lag dies auch an dem Umstand, dass es mal wieder einige Umbesetzungen in der Band gab. Keyboarder Detlev Schmidtchen und Schlagzeuger Jürgen Rosenthal hatten Eloy verlassen, um sich bei „Ego On The Rocks“ auszutoben. Neu zu Eloy wechselten nun Hannes Folberth und Jim McGillivray. Und die Besetzung wurde sogar noch durch einen zweiten Gitarristen erweitert, Hannes Arkona stieß nun ebenfalls zu Eloy.

Nun, dieser Stilwechsel ist als durchaus gelungen zu beschreiben. „Colours“ ist ein wirklich gutes und abwechslungsreiches Album geworden. Und natürlich erkennt man an der Musik, dass es sich dabei um Eloy handelt. Allerdings eben mit dieser etwas härteren Ausrichtung. Obwohl, das ist zumindest beim ersten Song dann doch etwas schwieriger. Ist das noch Eloy? Auf „Horizons“, dem Opener, singen einige Damen im Chor, dazu gibt es eine treibende Synthesizerspur. Das wirkt wahrlich, ist jedoch so im Grunde genommen nicht mehr als Eloy erkennbar. Diese Art der Musik erinnert ein wenig an das Alan Parsons Project.

Nun und dann gibt es da diese bereits erwähnten rockigen Lieder. „Child Migration” weist immer wieder starke Hard Rock Tendenzen auf, um dann allerdings auch wieder in progressive Abschnitte überzugehen. Das macht durchaus Spaß. Dann hört man mal ein Querflötensolo und fühlt sich an Jethro Tull erinnert oder es werden wunderschöne Klangteppiche aufgebaut, zum Teil eingeleitet mit der akustischen Gitarre, wie beim ehemaligen letzten Lied der Platte, „Sunset“. Das erinnert dann schon sehr an das Album „Silk Road“ des Japaners Kitaro.

Fazit: „Colours“ ist ein sehr abwechslungsreiches Album geworden, welches nun so gar nicht mehr typisch ist für Eloy. Diese ganz langen Tracks fehlen und es liegt eine rockigere Grundstimmung vor, auch wenn sich diese nicht durch jeden Titel zieht. Übrigens singt Frank Bornemann inzwischen auch sehr viel besser. Nicht von seiner Stimmlage oder seinem Ausdruck her, die und der waren schon immer okay. Nein, es ist sein Englisch, seine Aussprache, an der er kräftig gearbeitet zu haben scheint. Man erkennt ihn zwar noch als Deutschen, jedoch klingt er hier sehr viel besser, als noch wenige Alben zuvor. „Denglisch“ gibt es nicht mehr – jedenfalls nicht mehr in dieser Ausprägung. Und das ist schön. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Horizons, Child Migration, Sunset