Mittwoch, 4. März 2015

Yes – The Ladder




Yes – The Ladder


Besetzung:

Jon Anderson – lead vocals
Steve Howe – lead and acoustic guitars, steel, mandolin, backing vocals
Billy Sherwood – guitars, backing vocals
Chris Squire – bass, backing vocals
Alan White – drums, percussion, backing vocals
Igor Khoroshev – keyboards, backing vocals


Gastmusiker:

Randy Raine-Reusch – world instruments
Rhys Fulber – dance loops
Tom Keenlyside – piccolo, tenor saxophone on "Lightning Strikes"
Derry Burns – trumpet on "Lightning Strikes"
Rod Murray – trombone on "Lightning Strikes"
Tom Colclough – alto saxophone on "Lightning Strikes"
Neil Nicholson – tuba on "Lightning Strikes"


Label: Eagle Records


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: ArtPop, Progressive Rock


Trackliste:

1. Homeworld (The Ladder) (9:34)
2. It Will Be A Good Day (The River) (4:53)
3. Lightning Strikes (4:35)
4. Can I? (1:31)
5. Face To Face (5:03)
6. If Only You Knew (5:42)
7. To Be Alive (5:07)
8. Finally (6:01)
9. The Messenger (5:13)
10. New Language (9:19)
11. Nine Voices (3:22)

Gesamtspieldauer: 1:00:25




„The Ladder“ heißt das achtzehnte Studioalbum der britischen Progressive Rockband Yes und wurde im Jahr 1999 veröffentlicht. Viele Fans waren sich vor der Veröffentlichung sehr unsicher, ob es noch mal einen Schritt schlechter werden könne als bei „Open Your Eyes“, dem Vorgängeralbum. War der Bodensatz schon erreicht oder sollte es qualitativ nochmal ein wenig bergab gehen? Oder vielleicht würde es doch wieder besser werden? Nun, wenn die Platte mit „Lightning Strikes“ beginnen würde und sich daran „Can I?“ sowie „Face To Face“ anschließen würden, ich bin mir sicher, ich hätte es nicht weiter ertragen und die CD sofort wieder aus dem Player herausgeholt und nie wieder angehört. Yes versuchen hier wahrlich irgendwie mit karibischen Klängen zu punkten. Bei den beiden erstgenannten Stücken hört man das sehr offensichtlich heraus, bei „Face To Face“ zwar nur noch etwas dezenter, jedoch klingt das ebenfalls nach ziemlich billigem Pop, überaus einfallslos und extrem langweilig. Außerdem habe ich das unbestimmte Gefühl, dass die Band damit gerade die Deutschen Fans ein wenig auf den Arm nehmen möchte, denn ich bin mir absolut sicher, dass Jon Anderson auf „Can I?“ „Bäh, bäh, bäh Du depperter Depp, Du!“ singt. Ganz eindeutig… Der Grund für diesen karibischen Touch in der Musik liegt übrigens darin, dass Jon Anderson und Alan White vorher eine Zeitlang in der Karibik verbrachten und sich dort ganz offensichtlich „inspirieren“ ließen.

Unfassbar grausam so etwas, dabei sollte es dieses Mal doch ganz anders werden. „The Ladder“ sollte laut Plattenfirma eine Mischung aus „Fragile“, „Going For The One“ und den Alben der Rabin-Ära werden. Also durchaus Progressive Rock, allerdings mit einem Ansatz, der auch massenkompatibel und damit gut zu verkaufen wäre. Um dies zu erreichen wurde Bruce Fairbairn engagiert, der zuvor Bands wie Bon Jovi, Aerosmith, AC/DC, Poison, The Cranberries, die Scorpions und Kiss produzierte hatte. Außerdem traf sich die Band dieses Mal im Studio und erarbeitete zusammen neues Material für das neue Album. Bei „Open Your Eyes“ waren noch hauptsächlich Chris Squire sowie Billy Sherwood für die Kompositionen zuständig gewesen, die sie aus altem Material an den Yes-Sound adaptiert hatten. Nun, die Band schrieb die Lieder in Zusammenarbeit, die Texte wurden von Jon Anderson hinzugesteuert. Aus den zahlreichen Vorschlägen wählte dann Bruce Fairbairn, die seiner Meinung nach besten heraus und diese wurden schließlich nochmals überarbeitet und schließlich aufgenommen. „Homeworld (The Ladder)“ war dabei übrigens nicht für die Platte vorgesehen. Erst als Jon Anderson den Text etwas änderte, da man darüber nachdachte, das Lied als Untermalung des Computerspiels „Homeland“ zu veröffentlichen, wurde es dem Album hinzugefügt. Das Science Fiction Computerspiel „Homeland“ wurde schließlich veröffentlicht, jedoch ohne den Yes-Song.

Nun, was gibt es noch außer diesem Karibik-Tönen, die wahrlich niemand von Yes hören möchte? Jede Menge recht belanglosen Pop, den man auch nicht unbedingt braucht. Trotzdem ist „The Ladder“ besser geworden als noch das Vorgängeralbum. Das wiederum liegt darin begründet, dass es auf diesem achtzehnten Studio-Album eben doch noch Titel gibt, die durchaus hörenswert sind. Da ist zum einen der Opener „Homeland (The Ladder)“. Schöne Melodie, ein paar ganz nette Einfälle bezüglich der Dramaturgie des Titels. Außerdem klingen hier Yes auch nach Yes der etwas früheren Jahre. Die Nummer setzt sich aus mehreren Teilen zusammen und ist eben kein 08/15-Titel. Auch das allerletzte Stück des Albums weiß zu überzeugen. „Nine Voices“ ist eine schöne und ruhige Nummer, die hauptsächlich vom Gesang des Jon Anderson und der akustischen Gitarre lebt. Dazu gesellt sich dann wohl noch eine Sitar, die in den Credits unter „World Instruments“ Erwähnung findet und sanfte Orgeltöne. Klingt einfach schön der Titel. Ebenfalls „It Will Be A Good Day (The River)” kann ich durchaus etwas, wegen der wahrlich ins Ohr gehenden Melodie, abgewinnen. Nein, Progressive Rock ist das hier dann natürlich nicht mehr. Den gibt es in Ansätzen aber noch bei „The Messenger“ und „New Language“ – ebenfalls zwei Titel, die durchaus hörenswert sind, wenn auch längst nicht mehr überragend. Übrigens verstarb der Produzent Bruce Fairbairn leider sehr überraschend im Alter von lediglich 49 Jahren direkt nach den letzten Aufnahmen, sodass ein Teil des Abmischens seinen Mitarbeitern zufiel. Einfluss auf die Qualität der Songs hatte das jedoch gewiss nicht.

Fazit: „The Ladder“ gestaltet sich als Album, bei dem man auch leidensfähig sein muss. Es gibt durchaus einige schöne Stellen auf der Scheibe, dann aber auch wieder ganze Lieder, bei deren Hören man ratlos und kopfschüttelnd dasitzt und einfach nicht glauben kann, dass es sich hierbei tatsächlich um Yes-Stücke handelt. Nun, die Platte verkaufte sich auch nicht besser als „Open Your Eyes“, richtig überraschend ist das nicht, denn viele Fans, die der Band schon dreißig Jahre gefolgt waren, konnte das Gesamtergebnis sicherlich nicht zufrieden stellen. Und neue Hörerkreise erschloss man sich mit diesem Album sicherlich auch keineswegs. Nach der Tour zum Album fiel die Band erst einmal wieder auseinander – wie schon so oft. Billy Sherwood fand es jetzt überraschenderweise interessanter und spannender von nun an Jingles für eine Werbefirma zu komponieren. Igor Khoroshev, der gerade frisch aufgenommenes Mitglied bei Yes geworden war, wurde hingegen von den restlichen Musikern wieder gefeuert, da er nach einem Konzert im Jahr 2000 eine junge Frau sexuell belästigt hatte. Was bleibt ist ein Album mit ein paar ganz netten Einfällen und Melodien und auch grausigen Stellen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Homeworld (The Ladder), Nine Voices



Dienstag, 3. März 2015

Spock’s Beard – Feel Euphoria




Spock’s Beard – Feel Euphoria


Besetzung:

Alan Morse – guitars, backing vocals
Ryo Okumoto – keyboards
Dave Meros – bass
Nick D'Virgilio – lead vocals, drums, percussion, acoustic & electric guitars, loops


Gastmusiker:

John Boegehold – synthesizers, effects
Gina Ballina – french horn
J'Anna Jacoby – violin
Steve Velez – cello


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Progressive Rock, Rock, Mainstream


Trackliste:

1. Onomatopoeia (5:16)
2. The Bottom Line (7:33)
3. Feel Euphoria (7:20)
4. Shining Star (4:04)
5. East Of Eden, West Of Memphis (7:05)
6. Ghosts Of Autumn (6:54)
7. A Guy Named Sid
I. Intro (3:00)
II. Same Old Story (4:25)
III. You Don't Know (3:11)
IV. Judge (3:20)
V. Sid's Boys Choir (1:09)
VI. Change (5:18)
8. Carry On (5:19)


Bonus Tracks.

14. Moth Of Many Flames (2:49)
15. From The Messenger (7:25)

Gesamtspieldauer: 1:14:15


CD2:

1. Conspiracy (Conspiracy) (5:04)
2. Brand New (Steve Hackett) (4:41)
3. Sinking Sand (Enchant) (7:08)
4. Melrose Avenue (California Guitar Trio) (2:18)
5. Head (O.S.I.) (5:18)
6. Some Things You Can't Return (Dead Soul Tribe) (5:19)
7. Starcycle (Derek Sherinian) (5:04)
8. I Never Noticed (Jadis) (5:26)
9. Change (Ray Wilson) (4:09)
10. Small Acts Of Human Kindness (Steve Howe) (4:21)
11. Silent Inferno (The Flower Kings) (14:21)

Gesamtspieldauer CD2: 1:03:15




Nun, das erste Album von Spock’s Beard, nachdem der bisherige Hauptkomponist Neal Morse die Band verlassen hatte, wurde von den Fans mit etwas gemischten Gefühlen erwartet. Und wahrlich ist dieses siebte Album von Spock’s Beard mit dem Titel „Feel Euphoria“ deutlich anders geworden, als die sechs vorherigen Alben.

Die Musik von Spock’s Beard klingt nun härter und sehr viel gitarrenorientierter und gitarrendominierter. Zwar gibt es sie auch noch, die verträumten und ruhigeren Stellen auf „Feel Euphoria“, jedoch seltener. Oftmals weist die Musik eindeutige Parallelen zum Hard Rock auf und diese klingen dann sogar ziemlich kompromisslos. Ist das eigentlich noch Progressive Rock oder zumindest RetroProg, der hier zu hören ist? Schon noch irgendwie, jedoch die Grenzen verschwimmen immer mehr, denn mitunter kann man das durchaus ganz normalen Mainstream nennen, was auf „Feel Euphoria“ zu hören ist. Dann wird es plötzlich wieder ein wenig komplizierter, krumme Takte und Stilwechsel gibt es auf einmal zu hören und schon bewegen sich die Titel auf „Feel Euphoria“ wieder ganz klar auf dem Terrain des Progressive Rock.

Beim ersten Hören lässt einen die Scheibe allerdings noch ziemlich kalt. Irgendwie klingt das Ganze zunächst nicht mehr ganz so spannend, eher ein wenig alltäglich, nach nichts Besonderem eben. Das ist nun mal nicht mehr Neal Morse, der hier zu hören ist und die anderen vier verbliebenen Musiker hatten sich bisher auch noch nicht sonderlich im Songwriting hervorgetan. Nun beteiligten sich jedoch alle Musiker am Komponieren der Stücke und auch von Extern gab es einige Unterstützung. Den Hauptteil der Lieder steuerte jedoch Nick D'Virgilio hinzu, der jetzt auch den Part des Sängers übernommen hat. Nun, die Platte benötigt also einige Durchgänge, um im Ohr des Hörers zur Reife zu gelangen, um dann deutlich mehr zu überzeugen. Da ist jetzt der Unterschied zu den Scheiben mit Neal Morse gar nicht mehr so groß, denn diese benötigten auch immer einige Zeit, um so richtig durchzustarten, wenn diese früheren Platten auch von Beginn an irgendwie spannender wirkten.

Nun, aber die Zeit macht es hier wahrlich. Zwar kann nicht alles restlos überzeugen, das gilt vor allem auch für die Nummer „A Guy Named Sid“, die wohl als der progressive Höhepunkt auf „Feel Euphoria“ vorgesehen war. Hier klingen Spock’s Beard nun aber sehr konstruiert, gerade so, als ob Nick D'Virgilio den Fans der Band zeigen wollte, dass es auch ohne Neal Morse richtig schön progressiv weitergehen werde. Das hat im Fall dieses Titels leider nicht so ganz hingehauen.

Aber Nummern wie „The Bottom Line“ oder auch „East Of Eden, West Of Memphis” können dagegen durchaus überzeugen. Sie spiegeln zwar auch nicht mehr den reinen Progressive Rock wider, sind dennoch sehr abwechslungsreich, spannend und sehr melodiös arrangiert. Da macht das Zuhören dann gleich wieder richtig Spaß. Auch „Ghosts Of Autumn“, eine wunderschöne und ins Ohr gehende Ballade, kann überzeugen. Hier sind wir jetzt wirklich beim absoluten Mainstream angekommen, schön ist es trotzdem, denn in diese Klavier- und Mellotron-Landschaften mag man einfach eintauchen.

Der Deluxe-Ausgabe des Albums sind auf der ersten CD noch zwei Zugaben hinzugefügt worden. Und hier gilt für das erste Stück im Grunde genommen dasselbe wie bei „Ghosts Of Autumn“: Kein Prog mehr, egal, auf jeden Fall gelungen. „Moth Of Many Flames” klingt dabei wie ein Folk-Rock-Stück, welches von den Strawbs vorgetragen wird. Nun und „From The Messenger“ ist jetzt ganz anders. Experimentell, zuweilen an eine Klangkollage erinnernd. Denkt man zunächst, man hört die Gespräche irgendwelcher Außerirdischer – und man hört da auch R2D2 mal kurz pfeifen – so geht die Nummer anschließend in einen sehr sphärischen und relaxten Teil über. Doch das Stück entwickelt sich durchaus noch weiter. Es wird melodischer und bleibt doch immer auch sphärisch. Das klingt wahrlich sehr spannend und trotzdem extrem relaxt. Sehr gut gemacht.

Na und dann bekommt man auf dieser Deluxe-Ausgabe noch eine zweite CD mitgeliefert. Diese hat jetzt allerdings nichts mehr mit Spock’s Beard zu tun, sondern ist eher eine Leistungsschau der Plattenfirma InsideOut Music, die anscheinend aufzeigen möchte, welche Künstler sie gerade unter Vertrag hat, deren Musik ebenfalls in Richtung Progressive Rock tendiert. Bekanntere Bands und Künstler sind dort genauso vertreten, wie unbekanntere. Ganz nett anzuhören, wobei mich vor allem die Beiträge von Steve Hackett und Dead Soul Tribe überzeugen. Eine nette, wenn auch ungewöhnliche Idee der Plattenfirma. Da sich diese Version im Preis allerdings kaum von der „reinen“ Ausgabe von „Feel Euphoria“ unterscheidet, lohnt die Anschaffung auf jeden Fall.

Fazit: Etwas mehr Abstand zum Progressive Rock, dafür mehr Annäherung zum „normalen” Rock bis hin zum Mainstream weist “Feel Euphoria” auf. Das mag zu Beginn für eine Spock’s Beard Platte etwas ungewöhnlich klingen, wird mit jedem Durchlauf der Scheibe allerdings irgendwie sympathischer. Die Melodien und Einfälle auf diesem siebten Album von Spock’s Beard wachsen im Laufe der Zeit und mit ihnen der Gesamteindruck zu dieser Platte, die wahrlich keine schlechte ist. Und auch die beiden Zugaben tragen dazu bei, dass die Bewertung doch noch zweistellig wird. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Bottom Line, East Of Eden West Of Memphis, Ghosts Of Autumn & beide Bonus Titel der CD1



Montag, 2. März 2015

Gentle Giant – Giant For A Day




Gentle Giant – Giant For A Day


Besetzung:

Gary Green – electric guitars, slide guitar, acoustic guitar, backing vocals
Kerry Minnear – piano, electric piano, minimoog, hammond organ, clavinet, synthesizer, xylophone, bass, backing vocals, co-lead vocals
Derek Shulman – lead vocals
Ray Shulman – bass, 12-string guitar, backing vocals
John Weathers – drums, tambourine, shaker, cowbell, backing vocals, lead vocals


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Words From The Wise (4:15)
2. Thank You (4:50)
3. Giant For A Day (3:51)
4. Spooky Boogie (2:55)
5. Take Me (3:36)
6. Little Brown Bag (3:28)
7. Friends (2:00)
8. No Stranger (2:30)
9. It's Only Goodbye (4:19)
10. Rock Climber (3:52)

Gesamtspieldauer: 35:41




Okay, okay, 1978 war ein Katastrophenjahr für den Progressive Rock. Was Bands, die nur wenige Jahre zuvor das Genre des Progressive Rock prägten und zu dem machten, was es war, nämlich eine unglaublich spannende Musikrichtung, jetzt veröffentlichten, das war zum Teil sehr grenzwertig. Die neuesten Veröffentlichungen vieler Bands hatten mit dem Musikgenre des Progressive Rock kaum mehr etwas gemein. Nicht anders verhält es sich mit dem zehnten Album von Gentle Giant, welches den Titel „Giant For A Day“ trägt.

Zwei Sachen sind dabei besonders anzumerken. Also, auch Gentle Giant zelebrieren hier keinen Progressive Rock mehr. Das ist Pop- bis Rock-Musik, die leider auch ein wenig belanglos wirkt, das es jede Menge anderer Bands gibt, die das deutlich besser können. Vielleicht liegt die allgemeine Ablehnung der Fangemeinde gegenüber diesem Album, was meist als die schlechteste Platte der Band gebrandmarkt wird, auch in der Tatsache, dass gerade Gentle Giant es waren, die Progressive Rock in sehr starker Ausprägung präsentierten und mit „Giant For A Day“ daher nur negativ überraschen konnten.

Klar mit solch einer Platte kann man sich als Band kaum neue Hörerschichten erschließen, jedoch enttäuscht man die alten Fans. Und es stimmt auch, vieles davon, was sich auf „Giant For A Day“ befindet, hört sich durchaus belanglos und zum Teil auch langweilig an. Allerdings ist die Scheibe auch kein Katastrophenalbum, denn mit dem Titellied „Giant For A Day“, „Spooky Boogie“ und dem folkigen „Friends“ finden sich immerhin drei ganz nette Songs auf der Scheibe.

Fazit: Kein Progressive Rock mehr von Gentle Giant. Das klingt nach Mainstream Pop und Rock. Nichts Besonderes oder Außergewöhnliches mehr. Die Band erkennt man am ehesten noch am Gesang. Neben den drei bereits erwähnten Nummern gibt es noch eine ganze Menge anderer Songs, denen es einfach daran krankt, dass sie nicht der Progressive Rock sind, für den die Band immer stand. Aber richtig schlecht? Nein richtig schlecht ist das auf keinen Fall, gewöhnlicher Pop-Rock eben. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Giant For A Day, Friends, It's Only Goodbye



Sonntag, 1. März 2015

Steven Wilson – Hand.Cannot.Erase




Steven Wilson – Hand.Cannot.Erase


Besetzung:

Steven Wilson – lead vocals, mellotron, keyboards, guitars, bass


Gastmusiker:

Guthrie Govan – lead guitar
Nick Beggs – bass guitar, chapman sticks
Adam Holzman – keyboards, piano
Marco Minnemann – drums, percussion
Ninet Tayeb – vocals
Theo Travis – flutes, saxophones


Label: Kscope


Datum: 2015


Stil: Rock, Pop, Progressive Rock



Trackliste:

1. First Regret (2:01)
2. 3 Years Older (10:17)
3. Hand Cannot Erase (4:17)
4. Perfect Life (4:46)
5. Routine (9:02)
6. Home Invasion (6:24)
7. Regret #9 (5:00)
8. Transience (2:48)
9. Ancestral (13:33)
10. Happy Returns (6:00)
11. Ascendant Here On... (1:56)

Gesamtspielzeit: 1:06:07




In zweijährigen Abständen veröffentlicht Steven Wilson inzwischen, neben seinen vielen anderen Beschäftigungen, seine Solo-Alben. 2009 startete er mit „Insurgentes“ und wenn man richtig mitrechnet wird klar, dass 2015 sein viertes Solo-Werk kommen musste. Nun, am 27. Februar war es dann soweit, „Hand.Cannot.Erase“ wurde veröffentlicht. Es handelt sich dabei um ein Konzeptalbum, welches auf der Geschichte der Joyce Carol Vincent basiert. Die damals 38-jährige Frau verstarb wohl im Dezember 2003 aus nicht mehr ganz nachzuvollziehenden Gründen in ihrer Wohnung, neben eingepackten Weihnachtsgeschenken. Traurig so jung zu versterben, das Besondere an der Geschichte dieser Frau jedoch, dass sie erst etwas über zwei Jahre später gefunden wurde, nämlich im Januar 2006. Dies, obwohl sie Freunde hatte, eine Familie und arbeiten ging. Doch irgendwie schien niemand zu merken, dass da ein Mensch fehlte beziehungsweise niemand kümmerte sich und so lag sie da über zwei Jahre in ihrer Londoner Wohnung, unbemerkt.

So, nun aber zur Musik, die einmal mehr sehr überzeugen kann. Insgesamt ist das eine Mischung aus Rock, Pop und Progressive Rock. Das klingt bei Steven Wilson alles sehr ausgereift und durchdacht. „Hand.Cannot.Erase“ ist wirklich etwas poppiger geworden, als noch der Vorgänger „The Raven That Refused To Sing“. Dafür ist die Scheibe allerdings noch ein wenig eingängiger geworden. Immer wieder trifft man auf Pianoläufe, in die man sich einfach nur noch fallen lassen kann. Dann wird wieder gerockt, was das Zeug hält und man bekommt die Möglichkeit das Haupthaar ordentlich durchzuwirbeln. Diese mitunter eingestreute Härte, wird jedoch immer wieder musikalisch aufgelöst und mündet meist in wunderschönen Melodien.

Steven Wilson schaffte es mit Porcupine Tree und mit seinem Solowerk, ein fast schon ausgestobenes Musikgenre wieder salonfähig zu machen. Mit „Hand.Cannot.Erase“ geht er nun sogar noch einen Schritt weiter, er eröffnet dieser Musik noch ein wesentlich größeres Publikum, ohne dabei anbiedernd oder aber platt zu wirken. Wenn man sich überlegt, wie viele Bands, die vorher für Progressive Rock standen, Ende der 70er Jahre versuchten mit poppigen Klängen erfolgreicher zu werden und kläglich scheiterten, dann kann man hier bei Steven Wilson sehen, wie das hätte doch funktionieren können. Es gibt sie auf „Hand.Cannot.Erase“, die krummen Takte, die etwas schrägeren Töne, die überraschenden Wechsel in der Musik und im Rhythmus. Es gibt sie, die lauten und die leisen Stellen, die Wechsel im Tempo und der Intensität. Der Pfad der Eingängigkeit wird auf „Hand.Cannot.Erase“ jedoch niemals verlassen, alles klingt und wirkt und hallt nach.

Bei der Deluxe Version des Albums, kann man dann auf der Zusatz DVD die Scheibe auch im 5.1-Mix hören. Unter den Extras befindet sich zudem eine Studio-Dokumentation über die Einspielung von „Hand.Cannot.Erase“ sowie jede Meng Photomaterial.

Fazit: „Hand.Cannot.Erase“ ist ganz sicher kein Heavy Metal Album, allerdings auch keine Soft Rock Platte. „Hand.Cannot.Erase“ ist Progressive Rock, der überaus massentauglich ist, dadurch jedoch nichts von seiner Ausdrucksstärke und Spannung verliert. Die Scheibe macht einfach Spaß und wächst mit jedem weiteren Durchlauf immer mehr. Alles wird noch ein wenig vertrauter und intensiver. Möchte ich nicht mehr missen und das weiß ich bereits nach drei Tagen des Hörens. Klar erfindet hier Steven Wilson den Progressive Rock oder gar die Musik nicht neu, jedoch bereichert er beide mit „Hand.Cannot.Erase“ – und damit auch uns, seine Zuhörer. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: 3 Years Older, Hand Cannot Erase, Routine (der Ehrlichkeit halber muss ich hier allerdings anfügen, dass ich auch jeden anderen Titel hier hätte erwähnen können)



Samstag, 28. Februar 2015

Jean Michel Jarre – Equinoxe




Jean Michel Jarre – Equinoxe


Besetzung: 

Jean-Michel Jarre – arp 2600 synthesizer, ems synthi aks, vcs 3 synthesizer, yamaha cs-60, oberheim tvs-1a, rmi harmonic synthesizer, rmi keyboard computer, elka 707, korg polyphonic ensemble 2000, eminent 310u, mellotron, arp sequencer, oberheim digital sequencer, geiss matrisequencer 250, geiss rythmicomputer, ems vocoder


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1978 / 2014


Stil: Elektronische Instrumentalmusik


Trackliste:

1. Equinoxe, Part 1 (2:23)
2. Equinoxe, Part 2 (5:02)
3. Equinoxe, Part 3 (4:59)
4. Equinoxe, Part 4 (7:05)
5. Equinoxe, Part 5 (3:52)
6. Equinoxe, Part 6 (2:46)
7. Equinoxe, Part 7 (7:48)
8. Equinoxe, Part 8 (5:09)

Gesamtspieldauer: 39:07




Nun, diese Besprechung kann ich getrost sehr kurz halten, denn was für „Oxygene“ galt, das gilt auch zu hundert Prozent für „Equinoxe“. Jean Michel Jarre kreierte auf seinem dritten Studioalbum erneut einmal mehr unglaublich eingängige und melodiöse elektronische Musik, in die man einfach eintauchen möchte und durchaus auch kann. Anders, als zum Beispiel bei Klaus Schulze, klingen die einzelnen Titel nun deutlich weniger nach Weltraum oder an Fahrten in irgendwelche „andere“ Dimensionen. Allerdings ist das auch keine Esoterik-Musik, die uns der Franzose hier darbietet. Vielmehr stellen die einzelnen Titel abgeschlossene Instrumentalstücke dar, die mal mehr, mal weniger Songstruktur aufweisen. Dies bedeutet, dass die einzelnen Nummer zwar durchaus ineinander übergehen, jedoch auch isoliert voneinander gehört werden könnten.

Klar macht dies keinen wirklichen Sinn, denn genau wie bei „Oyxgene“ zählt das Gesamtwerk, welches den Eindruck hinterlässt. „Equinoxe“, was im Französischen für die Tag- und Nachtgleichheit steht und somit wohl den Frühlings- wie Herbstanfang musikalisch nachzeichnen möchte, weist wieder jede Menge wunderschöner Melodien und Harmonien auf, die man sich als Untermalung diverser filmischer Szenen vorstellen könnte. Allerdings muss es sich dabei immer um sehr entspannte Ausschnitte handeln, denn sehr viel relaxter als auf „Equinoxe“ kann Musik kaum klingen.

Fazit: Und hier jetzt die Genießeranleitung: Das Wohnzimmer auf angenehme 21 °C temperieren. Handy und Telefon ausschalten beziehungsweise in weit entfernten Räumen lagern. Lieblingskissen auf dem Sofa drapieren, Musikanlage einschalten, „Equinoxe“ einlegen. Freudig die bereitliegenden Kopfhörer aufsetzen, es sich so bequem wie nur irgendwie möglich machen, die Augen schließen und die innerliche Reise beginnen. Wirkt wie ein ganzer Urlaubstag, diese knapp vierzig Minuten Beschallung und lohnt sich sehr. Elf Punkte.

Anspieltipps: Hier gilt dasselbe wie bei „Oxygene“: Muss man durchhören.



Freitag, 27. Februar 2015

New Orleans Brass Bands – Through The Streets Of The City






New Orleans Brass Bands – Through The Streets Of The City

Der Klang einer Stadt ist manchmal nur schwer zu beschreiben. Und manchmal ist es doch so einfach. Zu San Francisco gehört “If you’re going to San Francisco” und schon sieht man vor sich die Bilder der Golden Gate Bridge. Oakland war lange Jazz Stadt, doch wird heute vor allem als Hip Hop City an der Westküste gesehen. Los Angeles kann man gut mit den Soundtracks der Traumfabrik Hollywood beschreiben, na klar ist da auch Hip Hop und natürlich die 80er “Hair Bands”. Seattle ist Grunge. Und New York ist alles, Jazz, Rock, Punk, Elektro, Rap.

Und nun liegt “New Orleans Brass Bands” vor mir. Eine  absolut passende musikalische Umschreibung dieser einmaligen Stadt. Die Leichtigkeit der Musik wurde hier beeindruckend festgehalten. Gleich mehrere Bands spielen auf und laden den Hörer richtiggehend zu einem  Rundgang ein. Es sind die alten Herren der “Liberty Brass Band” und der “Treme Brass Band” und dazu noch die Nachwuchskapelle der “Hot 8 Brass Band”. Sie alle sprechen die selbe Sprache.

Der Sound der Brass Bands steht für ein Zusammensein. Feiern, Gemeinschaft, Trauerveranstaltungen. Die Musik drückt all das und noch viel mehr aus. Es ist eine emotionale Sprache, die man liebt oder mit  der man so gar nichts anfangen kann. Für mich hat sich der Sound von New Orleans auch erst spät mit der Fernsehserie “Treme” eröffnet. Zuvor war die Stadt nur eine Stadt von vielen. Mardis Gras und Partymeile, ja, ich wollte mal hin, doch irgendwie hat es nie geklappt. Dann kam Hurricane Katrina und danach die Hitfernsehserie auf HBO und ich wußte, ich wollte New Orleans unbedingt erleben. Bislang hat es leider nicht geklappt, doch diese CD ist ein Grund mehr, endlich mal Nägel mit Köpfen zu machen.
Veröffentlicht ist “New Orleans Brass Bands” auf Smithsonian Folkways Recordings.


Donnerstag, 26. Februar 2015

Udo Lindenberg – Daumen Im Wind



Udo Lindenberg – Daumen Im Wind


Besetzung:

Udo Lindenberg – Gesang, Schlagzeug, Klavier & sonstige Tastaturen Sounds, Perkussion
Carl G. Stephan – Bass
Robert Hook – Akustikgitarren, Mandoline
Thomas Kretschmer – E. & Soundgitarre


Gastmusiker:

Michael Naura – E-Piano
Peter Herbolzheimer – Posaune
Rale Oberpichler – Gesang
Helmut Franke – Akustikgitarre
Jo Kirsten – Akkordeon
Jonny Müller – Chromonika
Rainer Rubink – Banjo


Label: Teldec Schallplatten


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Deutsch Rock, Pop


Trackliste:

1. Daumen im Wind (6:10)
2. Good Life City (2:51)
3. Meer der Träume (5:04)
4. Biochemon (5:12)
5. Hoch im Norden (3:51)
6. In den dunklen tiefen Gängen der Vergangenheit (5:19)
7. Die Kinder deiner Kinder (3:58)
8. Alkoholmädchen (5:48)

Gesamtspieldauer: 38:13





Nein, so hörte man Udo Lindenberg nie wieder, wie auf seinem ersten Album, welches er in Deutsch einsang. Im Übrigen ist „Daumen im Wind“ seine zweite Scheibe überhaupt und wurde 1972 veröffentlicht. Wenn man die Platte auflegt, kann man kaum glauben, dass es sich dabei überhaupt um Udo Lindenberg handelt, denn auch die Stimme klingt hier noch so ganz anders. Dies zumindest beim Opener und dem Titelsong „Daumen im Wind“, welcher auch einen sehr starken Einschlag in Richtung Folk aufweist.


Das relativiert sich bereits deutlich mit der nächsten Nummer, „Good Life City“. Hier sind bereits die Ansätze zu hören, die Udo Lindenberg in Zukunft so unverwechselbar werden lassen. Diese etwas schnoddrige Sprache, die es so in Deutschland Anfang der 70er Jahre auf Deutsch noch nie zu hören gab. Dies trifft ebenfalls auf die Inhalte zu, die schon diesen typischen „lindenbergschen“ Humor aufweisen. Dazu eine schöne Melodie, erneut etwas folkig angehaucht, jedoch im Refrain durchaus rockig. Ein richtig guter Titel, der einiges aus der Karriere des Gronauers vorwegnimmt.

Ganz anders wird es dann mit „Meer der Träume“. Das ist eine sehr sphärische Nummer, wie sie so von Udo Lindenberg nie wieder zu hören sein wird. Sehr entspannt und relaxt, das Ganze. „Biochemon“ klingt dann eher spacig, ebenfalls sehr ungewohnte Töne von Udo Lindenberg. Und dann kommt es, das einzige, wohl doch bekannte Lied auf „Daumen im Wind“: „Hoch im Norden“. Diese Nummer wurde damals sehr viel im Radio gespielt und war der erste Achtungserfolg des Udo Lindenberg. Die LP „Daumen im Wind“ verkaufte sich dagegen nur sehr zäh. „Hoch im Norden“ ist ein klasse Lied geworden, humorvoll, rockig und sehr tiefgründig. Dazu noch versehen mit einer Melodie, die sich wahrlich schnell ins Musikzentrum des Hörers einbrennt. Richtig gut gemacht und eines meiner Lieblingslieder von Udo Lindenberg.

Dann folgt wieder ein Lied, wie man es so, in dieser Art, wohl eher nicht von Udo Lindenberg erwartet. Spacig bis psychedelisch hört man nun das etwas entrückte „In den dunklen tiefen Gängen der Vergangenheit“, welches wieder sehr sanft und melodiös aus den Boxen quillt. Etwas rockiger, aber keineswegs weniger melodisch, folgt anschließend „Die Kinder deiner Kinder“. Aber auch hier gibt es im mittleren Teil durchaus psychedelische Ansätze, die dem damaligen Zeitgeist geschuldet waren und überaus hörenswert sind, da sie wahrlich etwas Besonders, gerade im Falle des Udo Lindenberg, darstellen. Zudem wurde das Stück wieder mit einem etwas nachdenklich machenden Text ausgestattet, der sich ebenfalls lohnt verfolgt zu werden. Zum Abschluss folgt dann mit „Alkoholmädchen“ eine Nummer, die so auch auf einem der späteren Scheiben des Udo Lindenbergs hätte auftauchen können. Das Thema Alkohol spielte ja auch im Leben des Künstlers eine durchaus nicht zu unterschätzende Rolle, womit diese Redundanz durchaus verständlich wird. Klasse hier auch der fette Orgelsound, der natürlich auch wieder perfekt in die damalige Zeit passt.

Fazit: „Daumen im Wind“ ist ein weitestgehend unbekanntes Album von Udo Lindenberg, allerdings ein sehr überzeugendes. Wunderschöne Melodien, tolle Texte, geniale Einfälle. Wer den Udo Lindenberg von „Alles klar auf der Andrea Doria“ oder „Votan Wahnwitz“ mag, der wird sicherlich auch von dieser Scheibe hier begeistert sein. Dazu kommt, dass man Udo Lindenberg mal so ganz anders hört. Beim ersten Titel wäre ich persönlich zum Beispiel nie darauf gekommen, dass es sich hierbei um Udo Lindenberg handelt, da dessen Stimme doch noch so ganz anders klingt. Das macht die Platte wiederum deutlich spannender, da es nicht nur die Stimme, sondern auch der Sound ist, der zwar ungewohnt, doch sehr überzeugend ist. Lohnt sich sehr. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Hoch im Norden, In den dunklen tiefen Gängen der Vergangenheit, Die Kinder deiner Kinder und jedes andere Lied



Mittwoch, 25. Februar 2015

Porcupine Tree – Fear Of A Blank Planet




Porcupine Tree – Fear Of A Blank Planet


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, guitars, piano, keyboards
Richard Barbieri – keyboards, synthesizers
Colin Edwin – bass guitars
Gavin Harrison – drums


Gastmusiker:

Alex Lifeson – guitar solo on "Anesthetize"
Robert Fripp – soundscapes on "Way Out Of Here"
John Wesley – backing vocals
London Session Orchestra – orchestra


Label: Roadrunner Records


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Progressive Rock, Progressive Metal, Independent, Alternative


Trackliste:

1. Fear Of A Blank Planet (7:28)
2. My Ashes (5:07)
3. Anesthetize (17:42)
4. Sentimental (5:27)
5. Way Out Of Here (7:37)
6. Sleep Together (7:28)

Gesamtspieldauer: 50:51




In dieser Phase ihrer Karriere konnten Porcupine Tree im Grunde genommen machen was sie wollen, jedes Album der 2000er Jahre wurde sehr überzeugend. Nicht anders sieht das bei „Fear Of A Blank Planet“ aus, dem neunten Album der Briten, rund um Steven Wilson. Wieder einmal ist das sehr beeindruckend, was die Band hier den Hörern zu bieten hat. Ausgetüftelte Kompositionen, die ihre Heimat im Progressive Rock des neuen Jahrtausends haben und manchmal Anleihen des Progressive Metal mit beinhalten.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass es sich bei „Fear Of A Blank Planet“ um eine überaus harte oder gar zu harte Scheibe handelt. Nein, auch hier macht es wieder die Mischung aus härteren und sanfteren Titeln, wobei härtere und softere Abschnitte durchaus auch Teile ein und desselben Liedes sein können. Stellvertretend dafür steht perfekt die Nummer „Way Out Of Here“, die ruhige, sphärische Abschnitte und Metal perfekt miteinander verbindet.

Los geht es allerdings relativ eindeutig rockig. Der Opener und gleichzeitig das Titellied „Fear Of A Blank Planet“, ist eine treibende Nummer, die vom ersten bis zum letzten Takt durchzündet. Zwar ist das noch nicht durchgängig richtiger Metal, gerockt wird aber wahrlich auch nicht sanft. Besonders erwähnenswert ist hier zudem, dass trotz der Härte niemals die Melodiösität verloren geht sowie, dass es Richard Barbieri einmal mehr vermag, wunderschöne und volle Klangteppiche auszubreiten, die das Herz des Musikfreundes höher schlagen lassen. Und etwa ab der Mitte wird es dann auch richtig hart, allerdings schön hart und sehr gelungen.

Es folgt mit „My Ashes“ das genaue Gegenteil. Ganz ruhig und entspannt scheint dieser Titel balladenmäßig aus den Boxen zu schweben. Melodiösität und Harmonie pur und in Vollendung und eine schöne Abwechslung. Es folgt mit „Anesthetize” das längste Lied des Albums, eine aufregende Reise durch verschiedene Stimmungen, Rhythmen und Tempi. So etwas nennt man wohl allgemein spannende Musik. Verschiedene musikalische Atmosphären entstehen, verweben sich und gehen ineinander über. Nie weiß man als Hörer, was als nächstes passieren wird. Sehr überzeugend. Titel Nummer 4 auf „Fear Of A Blank Planet“ heißt dann „Sentimental“. Ein Lied, welches seinem Namen wahrlich alle Ehre macht. Und genau das ist ein weiterer Punkt, der die Musik von Porcupine Tree so begeisternd werden lässt. Diese Gabe, wunderschöne Melodien zu kreieren und anschließend erneut über alle Maßen loszurocken.

Es folgen mit dem bereits erwähnten „Way Out Of Here“ und „Sleep Together“ zwei Titel, die diese Stil- und Richtungswechsel wieder in sich selbst tragen. Erneut spielt die Band mit härteren und sanfteren Passagen, der Klang ist voll und kraftvoll und geht dabei auch ohne größere Umwege ins Ohr.

Fazit: „Fear Of A Blank Planet“ macht genauso viel Spaß wie die Alben, die Porcupine Tree kurz davor veröffentlichten. Die Musik ist eine Mischung aus Rock, Alternative, Independent, Metal, Art Rock und auch Progressive Rock. Dies alles macht die Scheibe so spannend, die mit tollen Ideen und wunderschönen Melodien aufwarten kann. Musik kann echt begeisternd sein und Porcupine Tree sind eine klasse Band, wie sie mit „Fear Of A Blank Planet“ einmal mehr beweisen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Fear Of A Blank Planet, Anesthetize, Sentimental



Dienstag, 24. Februar 2015

Eloy – Ocean 2 – The Answer




Eloy – Ocean 2 – The Answer


Besetzung:

Frank Bornemann  vocals, guitar
Michael Gerlach  keyboards, backing vocals
Klaus-Peter Matziol  bass
Bodo Schopf  drums & percussion


Gastmusiker:

Steve Mann  slide guitar on "The Answer"
Susanne Schätzle  backing vocals
Tina Lux  backing vocals
Hannes Folberth  minimoog on "Ro Setau"
Volker Kuinke  recorder (flute) on "Paralysed Civilization", "Waves Of Intuition", "The Answer"
Peter Beckett  choir on "The Answer"
Tom Jackson  choir on "The Answer"
Daniela Wöhler  soprano voices on "The Answer"
Frederike Stübner  soprano voices on "The Answer"
Susanne Moldenhauer  soprano voices on "The Answer"
Prague Philharmonic Choir on "The Answer"


Label: Gun Records


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Progressive Rock, ArtRock


Trackliste:

1. Between Future And Past (2:42)
2. Ro Setau (7:09)
3. Paralysed Civilization (9:28)
4. Serenity (3:11)
5. Awakening Of Consciousness (6:03)
6. Reflections From The Spheres Beyond (12:59)
7. Waves Of Intuition (4:56)
8. The Answer (11:19)

Gesamtspieldauer: 57:51




„Ocean 2 – The Answer” ist das bereits sechzehnte Studioalbum der deutschen Progressive Rock Formation Eloy. Inhaltlich bezieht sich die Scheibe auf das 1977 erschienene Album „Ocean”, welches durchaus mit einen Höhepunkt im Schaffen der Band darstellt. Allerdings wird der geneigte Hörer von einem Aufguss alter Zeiten und Zoten verschont, vielmehr sollte der Sound des Progressive Rock der 70er Jahre in die 90er Jahre überführt werden. Nun, man kann Frank Bornemann nur herzlich zu dem Ergebnis gratulieren, denn „Ocean 2 – The Answer” ist eine wahrlich gelungene Scheibe geworden.

Wahrlich ganz im Stil, wie die überaus gelungenen Scheiben der späteren 70er gehalten, öffnen sich hier vor der Hörerin und dem Hörer erneut musikalische Landschaften, die vor Melodiösität und Harmonie nur so schwelgen. Viele der Titel gehen sofort ins Ohr. Dabei ist die Musik auch durchaus spannend und abwechslungsreich. Kein Titel gleicht dem anderen. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen, Wechsel in Rhythmus und Tempo, in der Intensität und Ausrichtung der Musik, die mal rockiger, mal sehr viel entspannter ausgeprägt sein kann. Über allem steht jedoch die Eingängigkeit der Musik, die zum Teil voll und orchestral klingt, plötzlich jedoch wiederum sehr zerbrechlich.

Dies gilt auch für den Gesang, denn wann schon haben Eloy so viele Backgroundsängerinnen und Sänger mit in die Umsetzung ihrer Kompositionen einbezogen? Überraschend in Bezug auf den Gesang ist jedoch der Umstand, dass sich Frank Bornemann anscheinend auch seine eigenen Darbietungen der 70er Jahre zum Vorbild genommen zu haben scheint. Klang sein Englisch auf den Platten der 80er Jahre durchaus deutlich weniger akzentbehaftet, so hört man auf „Ocean 2 – The Answer” seinen deutschen Akzent erneut sehr deutlich heraus. Für Nostalgie ist also auch auf diesem Weg durchaus gesorgt.

Fazit: Nun, wer Eloy der 70er Jahre liebte, der wird auch „Ocean 2 – The Answer” lieben. Ich muss sogar gestehen, dass mir diese Scheibe sogar noch ein wenig besser gefällt, als die „Schwesterplatte“ aus dem Jahr 1977. Hier wirkt alles noch einen Tick eingängiger und auch spannender und abwechslungsreicher, als etwas über zwanzig Jahre zuvor. Damit ist „Ocean 2 – The Answer” zwar nicht das beste Eloy-Album, jedoch gehört es mit zu den besten. Überaus empfehlenswert, wenn man diese melodiöse Ausprägung des Progressive Rock mag und sich nicht zu sehr an der Aussprache des Sängers stößt. Elf Punkte.

Anspieltipps: Reflections From The Spheres Beyond, The Answer (ich hätte hier jedoch auch praktisch jeden anderen der restlichen sechs Titel erwähnen können)



Montag, 23. Februar 2015

The Who – My Generation




The Who – My Generation


Besetzung:

Roger Daltrey – lead vocals, harmonica
John Entwistle – bass guitar, backing vocals
Keith Moon – drums, percussion, backing vocals on "Instant Party Mixture"
Pete Townshend – six and twelve-string acoustic and electric guitars, backing vocals, lead vocals on "A Legal Matter"


Gastmusiker:

Perry Ford – piano on "I Can't Explain"
Nicky Hopkins – piano (except on "I Can't Explain")
The Ivy League – backing vocals on "I Can't Explain" and "Bald Headed Woman"
Jimmy Page – lead guitar on "Bald Headed Woman", rhythm guitar on "I Can't Explain"


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1965


Stil: Rock, Pop


Trackliste:


CD1:

1. Out In The Street (2:32)
2. I Don't Mind (2:33)
3. The Good's Gone (4:00)
4. La - La (2:18)
5. Much Too Much (2:45)
6. My Generation (3:21)
7. The Kids Are Alright (3:10)
8. Please, Please, Please (2:46)
9. It's Not True (2:34)
10. I'm A Man (3:23)
11. A Legal Matter (2:54)
12. The Ox (3:57)
13. Circles (3:13)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung von 2002:

14. I Can't Explain (2:04)
15. Bald Headed Woman (2:32)
16. Daddy Rolling Stone (2:55)


CD2 (Alles Bonus Tracks der remasterten Albumfassung von 2002):

1. Leaving Here (2:50)
2. Lubie (Come Back Home) (3:40)
3. Shout And Shimmy (3:20)
4. (Love Is Like A) Heat Wave (2:41)
5. Motoring (2:51)
6. Anytime You Want Me (2:38)
7. Anyway Anyhow Anywhere (2:43)
8. Instant Party Mixture (3:24)
9. I Don't Mind (Full Length Stereo Version) (3:44)
10. The Good's Gone (Full Length Stereo Version) (4:29)
11. My Generation (Instrumental Stereo Version) (3:27)
12. Anytime You Want Me (A Cappella Stereo Version) (2:29)
13. A Legal Matter (Monaural Version With Guitar Overdubs) (2:49)
14. My Generation (Monaural Version With Guitar Overdubs) (3:18)

Gesamstpieldauer CD1 (47:04) & CD2 (44:29): 1:31:33




Nun bei den ersten Gehversuchen von „Kult-Bands“ ist man immer wieder mal überrascht, wie diese ursprünglich klangen. Das war bei den Beatles so, den Rolling Stones und trifft auch auf The Who zu. Der Titel „My Generation“ hatte Platz zwei der britischen Charts erstürmt und so musste schnell eine Langspielplatte hinterhergeschoben werden. Damals machte es den Plattenfirmen auch keine großen Sorgen, wenn noch nicht genug eigenes Material für dieses Vorhaben zur Verfügung stand. Dann wurden eben einfach Titel anderer Bands oder Künstler gecovert. Genau so ging die Plattenfirma auch hier vor und die Who coverten zwei James Brown („I Don't Mind“ & „Please, Please, Please“) sowie einen Bo Diddley („I'm A Man“) Titel. Hier sind die Rhythm & Blues Wurzeln von The Who am ehesten noch herauszuhören.

Für die anderen Titel zeigte sich Pete Townshend verantwortlich, die er alle im Alleingang schrieb. Nur bei „The Ox“ holte er sich Unterstützung beim Songwriting durch Keith Moon, John Entwistle sowie Nicky Hopkins, der auf dem Album am Piano zu hören ist. Nun und was kann man über dieses Album nicht alles an Kritiken lesen. „Eine Explosion“, „rotzfrech“, „Urknall des modernen Rock“ und so weiter und so fort. Hört man die Musik heute, kann man sich ein leichtes Lächeln angesichts solcher Umschreibungen nur schwerlich verkneifen. Klar ist das kein „richtiger“ 60ies Pop, eher 60ies Rock, doch harmlos klingt das heutzutage doch allemal. Es sind meistens auch eher die Texte, die für Aufruhr zu sorgen schienen. So ein Stotterlied wie „My Generation“ mit einem Text: „People try to put us d-down, Just because we get around, Things they do look awful c-c-cold, I hope I die before I get old”, musste Mitte der 60er Jahre natürlich für Aufsehen sorgen.

Das soll jetzt keineswegs bedeuten, dass die Musik auf „My Generation” nicht gelungen wäre, denn das ist sie. Deutlich herauszuhören ist dabei bereits der Einfallsreichtum und die Gabe des Pete Townshend, tolle Melodien zu kreieren. Die schlechtesten Stücke der Platte sind ganz klar die drei Coverversionen. Lieder wie das bereits erwähnte und wohl fast allen bekannte „My Generation“, „The Goods Gone“, „The Kids Are Alright“ oder das zunächst nur auf der britischen Ausgabe der Platte vorhandene „Circles“, wirken auch heute noch – auch wenn man ihnen natürlich die fünfzig Jahre ihres Bestehens sehr deutlich anhört.

Eine lohnende Anschaffung ist im Falle von „My Geration“ auch die Deluxe-Ausgabe der CD, die sich nicht unwesentlich im Preis zu „normalen“ Ausgabe unterscheidet, jedoch jede Menge Zusatzmaterial bereithält. Und auch dieses ursprünglich rare Material der Band lohnt sich, da es sich qualitativ nicht vom Rest der Platte unterscheidet.

Fazit: „My Generation“ lässt sich durchaus heute noch gut hören, auch wenn das natürlich alles Oldies sind und man dies sehr wohl so heraushört. Wer jedoch die Band mag, der muss natürlich auch ihre Anfänge kennen. Nun, Hörerinnen und Hörer, die dagegen mehr auf die Musik der 60er stehen und auch mal etwas von der rockigeren Seite dieser Musik genießen möchte, denen sei diese Scheibe ebenfalls wärmstens empfohlen. Vielleicht sogar auch interessant für Leute, die die Anfänge des Jimmy Page kennenlernen möchten, der bei den Bonustracks zwei Mal an der Gitarre zu hören ist. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Goods Gone, My Generation, The Kids Are Alright, Circles



Sonntag, 22. Februar 2015

Camel – Rain Dances




Camel – Rain Dances


Besetzung:

Andrew Latimer – electric guitar, acoustic guitar, 12-string guitar, panpipes, flute, fretless bass, electric piano, piano, minimoog, synthesizer, fuzz guitar, rhythm guitar, bass, glockenspiel, backing vocals, lead vocals
Peter Bardens – organ, piano, electric piano, minimoog, synthesizer, clavinet
Andy Ward – drums, percussion, ocarina, glockenspiel, talking drum
Richard Sinclair – bass, lead vocals
Mel Collins – alto saxophone, tenor saxophone, soprano saxophone, clarinet, bass flute, brass arrangements


Gastmusiker:

Martin Drover – trumpet, flugelhorn
Malcolm Griffiths – trombone
Brian Eno – minimoog, electric piano, piano
Fiona Hibbert – harp


Label: Decca Records


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Progressive Rock, ArtPop, Mainstream, Pop


Trackliste:

1. First Light (4:59)
2. Metrognome (4:20)
3. Tell Me (4:08)
4. Highways Of The Sun (4:30)
5. Unevensong (5:35)
6. One Of These Days I'll Get An Early Night (5:54)
7. Elke (4:29)
8. Skylines (4:28)
9. Rain Dances (3:00)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

10. Highways Of The Sun (Single Version) (4:04)
11. First Light (BBC "Sight And Sound" In Concert 1977) (5:01)
12. Metrognome (BBC "Sight And Sound" In Concert 1977) (4:55)
13. Unevensong (BBC "Sight And Sound" In Concert 1977) (5:47)
14. Skylines (BBC "Sight And Sound" In Concert 1977) (5:36)
15. Highways Of The Sun (BBC "Sight And Sound" In Concert 1977) (4:59)
16. One Of These Days I'll Get An Early Night (BBC "Sight And Sound" In Concert 1977) (4:12)

Gesamtspielzeit: 1:16:05




Ihr fünftes Album nannten die Engländer von Camel „Rain Dances“. Die Band stand immer für sehr melodischen Progressive Rock. Dieser Pfad wurde auf „Rain Dances“ jedoch immer wieder mal verlassen, denn hier hört man nun auch durchaus poppige Töne, die oftmals einfach langweilig und belanglos klingen.

Und dabei fängt doch alles so gut an. „First Light“ ist eine Instrumentalnummer und zwar eine richtig gute. Schön eingängig und abwechslungsreich und man freut, sich beim ersten Hören der Scheibe, auf das, was da noch so alles kommen wird. Nun mit „Metrognome” folgt sogleich der erste Dämpfer. Obwohl dies zwar sicherlich auch Progressive Rock darstellt, dieser süßliche Gesang klingt dazu jedoch allzu schmalzig und das Lied gewinnt erst im weiteren Verlauf wieder an Stärke, dann wenn eben nicht mehr gesungen wird. Sehr sphärisch und wieder ein klein wenig zu süßlich folgt dann „Tell Me“. Anschließend bekommt man den Tiefpunkt der Platte auf die Ohren, der auch als Single ausgekoppelt wurde, um einen Charterfolg zu generieren. „Highways Of The Sun” ist eine seichte Pop-Nummer, die man einfach nicht gehört haben muss.

Es folgen weitere Titel, die zwar nicht zum Davonlaufen sind, überzeugend klingt das alles allerdings auch nicht mehr wirklich. Zu hören ist eine Mischung aus Pop und Progressive Rock, in seiner sehr sanften Ausführung. „One Of These Days I'll Get An Early Night” klingt für mich sogar ein wenig jazzig, was sicherlich auf den neuen Bassisten Richard Sinclair zurückzuführen ist. Auch „Skylines“ driftet für mich noch ein klein wenig in diese Richtung. Beides sind übrigens Instrumentalnummern, die sich mir leider jedoch völlig verschließen. Ebenfalls ein Instrumentaltitel ist „Elke“. Dieser ist jetzt allerdings wiederum sowas von leicht und luftig, dass er jede Menge Spaß macht und mit dem Opener „First Light“ zu den Höhepunkten der Platte zählt. Zu diesen darf man auch noch den letzten Titel und gleichzeitig auch das Titellied der ganzen Platte „Rain Dances“ hinzufügen. Wieder instrumental eingespielt, enthält die Nummer eine sehr schöne Melodie, die durchaus auch ein wenig Ohrwurmcharakter aufweist.

Der remasterten Fassung des Albums wurden ganze sieben Titel hinzugefügt. Dabei hat man das „Glück“ die Nummer „Highways Of The Sun“ gleich noch mal in einer Single-Fassung und live hören zu dürfen. Auch die restlichen fünf Lieder sind live eingespielte Stücke, bereits auf dem Album vorhandener Titel. Diese werden auch praktisch 1:1 so gespielt, wie in der Studioversion, was somit keinen besonderen Mehrwert darstellt.

Fazit: Mit Camel habe ich echt so meine Schwierigkeiten. Ab und an gibt es durchaus mal ein Lied oder auch mehrere, die mich überzeugen. Dann ist da allerdings auch wieder jede Menge Stückwerk, 08/15 Kompositionen, poppiger Ausschuss, der einfach nicht begeistern kann. Dieser Art der Musik gibt es, neben für mich nicht zugänglichen Canterbury Jazz, auf „Rain Dances“ eine ganze Menge. „Rain Dances“ stellt sicherlich kein Album dar, welches ich bewusst auflege, da ich mich danach sehne. Sieben Punkte.

Anspieltipps: First Light, Elke, Rain Dances



Samstag, 21. Februar 2015

Jethro Tull – Stormwatch




Jethro Tull – Stormwatch


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, flute, acoustic guitar, bass guitar
Martin Barre – electric guitar, mandolin, classical guitar
Barriemore Barlow – drums, percussion
John Evan – piano, organ
David Palmer – synthesizers, portable organ and orchestral arrangements
John Glascock – bass guitar


Gastmusiker:

Francis Wilson – spoken voice on track 8
Dave Pegg – bass guitar on bonus tracks 13 and 14


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Folk Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. North Sea Oil (3:12)
2. Orion (3:58)
3. Home (2:46)
4. Dark Ages (9:13)
5. Warm Sporran (3:33)
6. Something's On The Move (4:27)
7. Old Ghosts (4:23)
8. Dun Ringill (2:41)
9. Flying Dutchman (7:46)
10. Elegy (3:38)


Bonus Tracks der remasterten Albumversion:

11. A Stitch In Time (3:40)
12. Crossword (3:38)
13. Kelpie (3:37)
14. King Henry's Madrigal (2:59)

Gesamtspieldauer: 59:37




„Stormwatch“ stellt das letzte Album der sogenannten „Folk-Phase“ von Jethro Tull dar, welche noch die Platten „Songs From The Wood“ und „Heavy Horses“ umfasst. 1979 wurde die Scheibe veröffentlicht und stellt gleichzeitig noch einen anderen Abschluss dar, denn das klassische Line-Up der 70er Jahre von Jethro Tull spielte hier letztmals zusammen. John Evan und David Palmer verließen die Band nach der Fertigstellung des Albums. Ian Anderson ersetzte sie einfach. Bassist John Glascock ist auf „Stromwatch” nur noch bei drei Titeln zu hören, nämlich bei „Orion”, „Flying Dutchman” und „Elegy”. John Glascock war aufgrund eines angeborenen Herzfehlers schwer erkrankt und gesundheitlich nicht mehr in der Lage, sich mehr in die Entstehung der Platte einzubringen. Auf den anderen Titeln ist es dann Ian Anderson selbst, der am Bass zu hören ist. Das Album wurde im September 1979 veröffentlicht und John Glascock verstarb im November desselben Jahres aufgrund einer Infektion, welche sein angeschlagenes Herz weiter geschwächt hatte. Der Tod Glascocks begründete schließlich, dass Schlagzeuger Barriemore Barlow eine Depression entwickelte und schließlich ebenfalls die Band verließ.

So viel zu den Veränderungen nach der Veröffentlichung von „Stormwatch“. Die Platte selbst ist dabei überaus hörenswert. Inhaltlich werden Themen wie Natur und Geld von Ian Anderson abgearbeitet. Alles auf „Stromwatch“ wirkt harmonisch und melodiös. Eine Scheibe, die rundherum einfach Spaß macht. Und dieses Mal stimmt sie sogar am ehesten, diese Überschrift „Progressive Folk Rock“. Dabei ist die Platte angefüllt mit Ohrwürmern, die sich so schnell nicht mehr aus dem Ohr des Hörers verabschieden. „North Sea Oil“, „Orion“, „Dark Ages”, „Old Ghosts” sowie „Dun Ringill” sind dabei für mich die Favoriten. Der Charakter des Progressive Rock tritt dabei am deutlichsten bei der Nummer „Dark Ages“ zu Tage und dies nicht nur, wegen einer für progressive Rock Stücke oftmals typische Laufzeit von über neun Minuten. Aus mehreren Teilen ist die Nummer zusammengesetzt, die mal gemächlich dahingleiten, um kurze Zeit später wieder deutlich an Fahrt aufzunehmen. So macht Musik einfach Spaß und ist spannend. Mit „Warm Sporan“ und „Elegy“ sind auch zwei Instrumentalstücke auf der Platte enthalten, die das musikalische Bild des Albums noch zusätzlich abrunden.

Ausfälle gibt es auf „Stormwatch“ ebenfalls keine zu beklagen, alles hat seine Qualität und wirkt. Im Grunde genommen hätte ich auch alle anderen Lieder als meine Favoriten outen können, denn die Unterschiede sind hier wirklich lediglich marginal. Dies gilt ebenfalls für die Zugaben der remasterten Version, die ohne Qualitätsverlust eine sehr schöne Ausweitung der Platte darstellen. Eines muss noch aufgeklärt werden. Es kursiert immer wieder das Gerücht, dass der ursprünglich letzte Titel „Elegy“ John Glascock gewidmet wäre. Dies stimmt nicht, denn der Titel gilt David Palmers Vater. Außerdem ist „Elegy“ eben auch eine jener drei Nummern des Albums, die John Glascock noch mit einspielen konnte.

Fazit: Eindeutig Musik von Jethro Tull. Die einzelnen Lieder sind allesamt sehr melodiös, manche ein wenig rockiger, andere eher nachdenklich gehalten. Allen gemein ist auf jeden Fall, dass diese ins Ohr gehen und dort auch wirken. Wer Jethro Tull Musik mag, müsste auch mit dieser Scheibe sehr gut klarkommen und wem die früheren Alben der Band zu verspielt waren, die oder der sollte sich mal „Stormwatch“ geben. Falsch machen kann man da nichts. Elf Punkte.

Anspieltipps: Dark Ages, Old Ghosts, Dun Ringill