Porcupine Tree – Voyage 34 Besetzung: Steven Wilson – all instruments Richard Barbieri – keyboards on “IV” Label: Snapper Erscheinungsdatum: 2000 Stil: Psychedelic Rock, Trance, Progressive Rock Trackliste: 1. I (12:55) 2. II (17:30) 3. III (19:29) 4. IV (20:45) Gesamtspieldauer: 1:10:40
„Voyage 34“ ist kein offizielles Porcupine Tree Album. Es entstand in den Jahren 1992 und 1993 und wurde schließlich im Jahr 2000 veröffentlicht. Ursprünglich war die Nummer „Voyage 34“ für das Album „Up The Downstair“ vorgesehen, verselbständigte sich allerdings irgendwie und wurde länger und länger und aus mehr und mehr Teilen zusammengesetzt, sodass sie nicht mehr auf das ursprüngliche Album passte. Nun, die Musik gab es allerdings und wartete dann doch darauf veröffentlicht zu werden, was schließlich im Jahr 2000 passierte: „Voyage 34“ wurde als eigenständiges Album veröffentlicht.
Die Platte ist sehr psychedelisch gehalten, geht manches Mal in die Trance Musik über und behandelt die Erfahrungen eines Mannes namens Brian auf einem LSD-Trip. Das Ganze ist nicht so sphärisch, wie es der Name „Ambient“ auch ausdrückt, zumindest nicht immer. Oftmals sind auch rockige Abschnitte zu vernehmen, vor allem beim ersten Titel mit dem passenden Namen „I“. Dort – und auch später noch – vernimmt man dann zudem eine Gitarre, deren Spiel schwere nach David Gilmour von Pink Floyd klingt. Nicht weiter verwunderlich, war diese Band doch eine der großen Vorbilder des Steven Wilson. Diese Gitarre gibt es allerdings nicht nur hier zu hören, sondern taucht auch später nochmals auf.
Nun, man muss in diese Musik eintauchen, die manchmal wirklich nur aus Klangwolken zu bestehen scheint, dann jedoch wieder an Rhythmus und Kontur gewinnt und wieder ein wenig „normaler“ und strukturierter klingt. Die Titel schaffen es allerdings auch – ohne das Einwerfen bewusstseinserweiternder Substanzen – den Hörer ganz schnell in andere geistige Galaxien zu transportieren. Ein Selbstversuch mit Kopfhörern scheint hier durchaus angebracht und würde wohl so manchem eine ganze Menge Geld und die Berührung mit der Kriminalität ersparen.
Haben die ersten beiden „Phasen“ von „Voyage 34“noch diese vorhandenen, rockigeren Abschnitte, so werden solche im weiteren Verlauf des Albums immer rarer, alles wird noch freier und grenzenloser. Nichts scheint irgendwann mehr diese Musik einfangen zu können, die dann oftmals nur noch aus Soundschwaden zu bestehen scheint.
Fazit: „Voyage 34“ ist wahrlich eine Art Trip, der mit Sicherheit nicht zündet, wenn die Platte so nebenbei gehört wird, was allerdings durchaus auch machbar ist. Eine Reise, bequem auf dem Sofa mit geschlossenen Augen und den Kopfhörern auf den Ohren, verspricht da schon ganz andere Erlebnisse. Meditative Rockmusik bis hin zu Trance spülen den Hörer in andere Welten, wenn sie oder er nicht an den entsprechenden Stellen den Grenzbereich zwischen Wachen und Schlafen überschreitet – obwohl, dann warten dort sicherlich auch spannende Träume. Elf Punkte.
The Who – A Quick One Besetzung: Roger Daltrey – lead vocals, trombone and bass drum on "Cobwebs and Strange" John Entwistle – bass guitar, French horn, trumpet, keyboards, lead vocals, backing vocals Pete Townshend – lead and rhythm guitars, penny-whistle, keyboards, vocals Keith Moon – drums, percussion, tuba, vocals Label: Polydor Erscheinungsdatum: 1966 Stil: Rock, Pop Trackliste: 1. Run Run Run (2:52) 2. Boris The Spider (2:29) 3. I Need You (2:23) 4. Whiskey Man (2:55) 5. Heat Wave (1:52) 6. Cobwebs And Strange (2:31) 7. Don't Look Away (2:52) 8. See My Way (1:51) 9. So Sad About Us (3:02) 10. A Quick One, While He's Away (9:09) I. Her Man's Gone II. Crying Town III. We Have A Remedy IV. Ivor The Engine Driver V. Soon Be Home VI. You Are Forgiven Gesamtspieldauer: 31:57
Die zweite Scheibe der Who, mit dem Titel „A Quick One“ aus dem Jahr 1966, ist mit knapp über dreißig Minuten Spieldauer eine relativ kurze Platte geworden. Bis auf die letzte Nummer, sind alle Titel um die drei Minuten oder sogar unter zwei Minuten lang. Das war zu der Zeit der Entstehung von „A Quick One“ noch ziemlich normal und das letzte Lied, „A Quick One, While He's Away“, stellt da mit seinen über neun Minuten Spieldauer die absolute Ausnahme dar. Wenn man dann allerdings wieder sieht, dass sich diese Nummer wiederum aus sechs „Untertiteln“ zusammensetzt, dann relativiert sich das Ganze auch schon wieder.
Eine Besonderheit weist „A Quick One“ jedoch auf jeden Fall in der Discographie von „The Who“ auf. Niemals wieder war das Songwriting bei The Who auf so vielen Schultern verteilt worden. Ist es sonst hauptsächlich Pete Townshend, der den Großteil der Lieder beisteuert, so ist er hier „lediglich“ für vier der zehn Nummern verantwortlich. Je zwei Titel stammen von Keith Moon und John Entwistle und auch Roger Daltrey steuerte mit „See My Way“ ein Lied hinzu. Dazu gesellt sich dann mit „Heat Wave“ noch eine Nummer mit Gastkomponisten.
Klar hört man der Scheibe wieder das Entstehungsdatum an. 60ies Pop bis Rock ist auf „A Quick One“ zu hören. Trotzdem ist das zu Hörende durchaus lohnenswert. „Boris The Spider“ zum Beispiel, geschrieben von John Entwistle, bei dem im Refrain Keith Moon mit absolut lustiger Stimme zu hören ist, macht Spaß. „I Need You“ stammt aus der Feder Keith Moons und ist das wohl melodischste Lied der ganzen Scheibe. Toller Aufbau und eine Melodie mit Ohrwurmcharakter. „Cobwebs And Strange”, ebenfalls von Keith Moon, ist dagegen eher eine kleine lustige Spielerei und ziemlich schräg anzuhören mit all den Blasinstrumenten, die gar nicht mal immer den Ton ganz genau treffen. „So Sad About Us“ stammt von Pete Townshend, ebenfalls ausgestattet mit einer sehr eingängigen Melodie und kann ebenfalls überzeugen. Nun und dann ist da noch das bereits erwähnte „A Quick One, While He's Away“, was bereits einen kleinen Vorgriff von Pete Townshend auf „Tommy“ und „Quadrophenia“ darstellt. Sicherlich noch nicht vom musikalischen Aspekt her, da fehlt noch eine ganze Menge, jedoch vom Aufbau. In sechs Teilen wird hier die Geschichte eines Seitensprungs erzählt – mit Happy End.
Fazit: Okay, die Zeit dieser Musik ist definitiv vorbei, die einzelnen Nummern klingen genau so alt, wie sie auch sind. Trotzdem macht diese Musik immer noch Spaß, selbst wenn man sie, wie ich, erst viele Jahre nach der Entstehung zum ersten Mal hört. Nicht alles ist überzeugend, jedoch gibt es einige wirklich schöne Einfälle und Ideen zu hören sowie manch wahrlich schöne Melodie. Lohnt sich nicht nur für „Oldie-Fans“. Acht Punkte.
Anspieltipps: I Need You, A Quick One While He's Away
Wovenhand – Live At Roepaen Besetzung: David Eugene Edwards – vocals, guitar Pascal Humbert – bass, guitar Gary “Ordy” Garrison – drums Jeffrey Linsenmeier – piano, keyboards, backing vocals Gastmusiker: Loukas Metaxas – percussion Label: Glitterhouse Records Erscheinungsdatum: 2012 Stil: Alternative Rock Trackliste: CD: 1. Hutterite Mile (4:30) 2. Swedish Purse (4:34) 3. Speaking Hands (5:20) 4. Sinking Hands (4:32) 5. His Rest (4:32) 6. Flutter (4:17) 7. Horse Head Fiddle (6:03) 8. Orchard Gate (6:59) 9. Kingdom Of Ice (6:26) 10. Singing Grass (3:25) 11. Deerskin Doll (5:32) 12. Raise Her Hands (6:13) 13. Whistling Girl (5:48) 14. Off The Cuff (7:10) Gesamtspiedauer CD: 1:15:28 DVD: Das gesamte Konzert mit einer Laufzeit von 1:26:42
Kurz vor Weihnachten 2010, am 14. Dezember, gaben Woven Hand ein Konzert in Roepaen, Ottersum, Niederlande. Passenderweise natürlich in einer Kirche. Vierzehn Titel spielt die Band um David Eugene Edwards, die allerdings nicht nur aus dem Repertoire von Woven Hand stammen, sondern es sind auch einige 16 Horsepower-Titel vertreten.
Die Stimmung, nicht nur der einzelnen Titel, wirkt ziemlich gedrückt und düster. Und wenn man dann David Eugene Edwards, versunken mit seiner Fellmütze, die Augen zumeist geschlossen, dort sitzen sieht, wie er Mantra-artig seine Botschaften in das Mikrophon sinkt, dann wirkt das ziemlich meditativ – ganz egal dabei, ob man den Film zum Konzert ansieht oder sich nur der Musik widmet. Die einzelnen Titel wirken allesamt sehr eindringlich, traurig und dunkel, wenn sie sich auch von der Stimmung her sehr ähneln. Dies könnte auch ein Grund dafür sein, dass die Zuschauer manchmal nicht applaudieren, da sie gerade gar nicht mitbekommen haben, dass eine Nummer in eine andere übergegangen ist. Geklatscht hätten sie sicher, denn beeindruckend ist das allemal, was Woven Hand hier seinen Zuschauern und Zuhörern präsentiert. Dies kann bis hin zu experimentellen Ausflügen gehen, denn „His Rest“ ist zum Beispiel eher eine Soundkollage denn ein Lied. Gehauchte Klangschwaden umspielen hier das Ohr des Hörers, unterbrochen nur durch den Gesang und die Worte des David Eugene Edwards.
Fazit: Sowohl das Album, wie auch die Platte selbst klingen durchaus ein wenig marode – und das, obwohl David Eugene Edwards ja im Grunde genommen die Frohe Botschaft Christi verkünden möchte. Die Titel sind sehr eindringlich und wirken oftmals überaus bedrückend. Psychische Probleme sollte man also weder beim Hören des Albums, dem Ansehen der DVD, noch in einem Woven Hand Konzert haben. Da könnte es sonst zu schwerwiegenden Komplikationen in der Psyche und im Seelenleben kommen. Zehn Punkte.
The Moody Blues – Days Of Future Passed Besetzung: Mike Pinder – keyboards, mellotron, piano, vocals Ray Thomas – flutes, horns, percussion, keyboards, vocals Justin Hayward – acoustic and electric guitars, piano, keyboards, vocals John Lodge – bass guitar, electric guitar, vocals Graeme Edge – drums, percussion, vocals Label: Decca Records Erscheinungsdatum: 1967 Stil: ArtPop, ArtRock Trackliste: 1. The Day Begins (5:51) 2. Dawn (3:49) Dawn Is A Feeling 3. The Morning (3:56) Another Morning 4. Lunch Break (5:29) Peak Hour 5. The Afternoon (8:23) a. Forever Afternoon (Tuesday?) b. (Evening) Time To Get Away 6. Evening (6:40) a. The Sun Set b. Twilight Time 7. The Night (7:29) Nights In White Satin Bonus Tracks der remasterten Albumfassung: 8. Don't Let Me Be Misunderstood (BBC Session: Saturday Club) (2:24) 9. Fly Me High (2:56) 10. I Really Haven't Got The Time (3:09) 11. Love And Beauty (2:26) 12. Leave This Man Alone [Clean] (3:01) 13. Cities (2:26) 14. Tuesday Afternoon (Alternate Mix) (4:20) 15. Dawn: Dawn Is A Feeling (Alternate Version) (2:20) 16. The Sun Set (Alternate Version With No Orchestra) (2:50) 17. Twilight Time (Alternate Vocal Mix) (2:28) Geasamtspieldauer: 1:10:04
Okay, das ist schon großes Kino, was die Moody Blues hier mit ihrem zweiten Album „Days Of Future Passed“ aus dem Jahr 1967 vorlegen. Das liegt ganz sicherlich an der Musik selbst, die oftmals durchaus einem Kinofilm entsprungen sein könnte, doch dazu später mehr. Erst kurz noch etwas zur Entstehung des Albums. Die erste Platte der Moody Blues hieß „The Magnificent Moodies“, wurde 1965 veröffentlicht und bestand hauptsächlich aus Cover-Versionen von Rhythm & Blues-Stücken. Übermäßig erfolgreich war das auch nicht und zwei der Gründungsmitglieder, Gitarrist Denny Laine und Bassist Clint Warwick, verließen die Band kurz darauf. Dann kam angeblich die Plattenfirma Decca auf die glorreiche Idee, dass die Moody Blues nun in neuer Besetzung eine Adaption von Antonin Dvořáks 9. Sinfonie einspielen sollten. Das wiederum fanden die Musiker allerdings nicht so prickelnd, nur die Kombination aus Klassischer Musik und Rock-Musik, die reizte sie. So wurde kurzerhand, zunächst angeblich heimlich, eines der ersten Konzeptalben entworfen, denn zu hören ist auf „Days Of Future Passed“ der Tagesablauf eines ganz normalen Menschen – vom Morgen bis zur Nacht – in einer Verbindung aus Klassischer Musik und Rock-Musik.
Nun, nicht nur, dass es eines der ersten Konzeptalben ist, die es in der Geschichte der Rock-Musik gab, macht das Album „Days Of Future Passed“ zu etwas Besonderem. Es ist eben auch jene Verbindung von Klassik und Rock, die es so bisher auch noch nicht gab. Bei den ersten Titeln glaubt man auch kaum, dass es sich hierbei um eine Platte einer Rockband handelt, denn die Musik kommt zunächst hauptsächlich vom London Festival Orchestra. Im ersten Titel „The Day Begins“ wird auch gleich die Melodie des letzten und wohl auch bekanntesten Liedes der Moody Blues „Nights In White Satin“ aufgegriffen. Zwischen diesen beiden Nummern befinden sich ausschließlich eingängige Harmonien und überaus melodiöse Melodien. Jeder Titel geht ziemlich schnell ins Ohr und man fühlt sich an verschiedene Orte verfrachtet, wenn man der Musik lauscht. Mal befindet man sich in einem klassischen Konzertsaal und lauscht dort einem Konzert, mit eben klassischer Musik. Dann jedoch sitzt man im Kino und vor dem inneren Auge entstehen Bilder, die durch die Musik perfekt untermalt werden. Wieder ein anderes Mal glaubt man einem Musical zu lauschen und schließlich steht man dann wieder vor einer grell erleuchteten Bühne und lauscht einem Rock Konzert mit deftigen Pop-Einfärbungen.
Dass so mancher sagt, vieles auf „Days Of Future Passed“ klingt ein wenig zu süßlich, kann man dabei durchaus nachvollziehen und mit Sicherheit ist diese Musik auch nicht jedermanns Sache. Spannend ist sie jedoch definitiv. Wenn es mal nicht zu orchestral klingt, dann erinnert die Musik an manchen Stellen an „The Piper At The Gates Of Dawn“, der ersten Scheibe von Pink Floyd. Und den Titel „Twilight Time“ hat Jeff Lynne für sein Electric Light Orchestra in „Don’t Bring Me Down“ integriert – auch wenn das nirgendwo steht, das ist eindeutig herauszuhören. Nun, manches Mal wird dieses Album auch mit zur Geburtsstunde des Progressive Rock gezählt. Das wiederum ist allerdings ein wenig weit hergeholt. Klar ist das, was man auf „Days Of Future Passed“ hört, nicht mehr unbedingt britischer 60er Pop. Und gewiss ist diese Musik etwas Besonderes, allerdings reicht die Kombination von U- und E-Musik nicht dazu aus, die Scheibe dem progressiven Rock zuzuschreiben, dazu ist die Musik dann doch zu vorhersehbar und zu „nett“.
Die remasterte Fassung der Platte weist eine ganz Reihe von Bonus-Titeln auf. Jede Menge Mono-Mixe sind dabei, sowie vier alternative Mixe zu den auf der Platte bereits vorhandenen Titeln. Ist wohl eher etwas für die Moody Blues Fans, trotzdem auch für die restlichen Hörer eine nette Erweiterung, da es sich eben nicht nur um die vielleicht „-zigte“ Version eines Titels handelt.
Fazit: „Days Of Future Passed“ ist definitiv und keineswegs das erste Progressive Rock Album welches es gab. Jedoch ist diese Scheibe eine der ersten Konzeptalben, welche die Rockmusik hervorbrachte. Mir fällt auch kein früheres Konzeptalbum ein, obwohl es da sicher eines gegeben haben wird. Nur welches? Auch eine Vorreiterrolle nahm die Scheibe durch die Verbindung zwischen klassischer Musik und Rock ein. Das wirkt sehr interessant, auch heute noch. Dazu gesellen sich jede Menge sehr melodischer Titel und eine prall gefüllte Bonustitelabteilung, wenn man auch zugeben muss, dass diese Monoaufnahmen überhaupt nichts mit dem Originalalbum zu tun haben. Trotzdem nett. Auch wenn man der Scheibe das Alter durchaus anhört, macht „Days Of Future Passed“ immer noch sehr viel Spaß – und ich habe die Platte im Jahr 2012 zum ersten Mal gehört. Zwölf Punkte.
Elbow – Leaders Of The Free World Besetzung: Guy Garvey – vocals Mark Potter – guitars Craig Potter – keyboards Pete Turner – bass Richard Jupp – drums Gastmusiker: Alexis Smith – additional programming on "Forget Myself", "Leaders Of The Free World" and "My Very Best" Jason Boshoff – additional programming on "Forget Myself", "Leaders Of The Free World" and "My Very Best" Jote Osahn – strings on "Forget Myself" and "My Very Best" Stella Page – strings on "Forget Myself" and "My Very Best" Dylan Jupp – hysterical laughter on "Mexican Standoff" Label: V2 Erscheinungsdatum: 2005 Stil: Art Rock, Alternative Rock Trackliste: 1. Station Approach (4:22) 2. Picky Bugger (3:07) 3. Forget Myself (5:22) 4. The Stops (5:03) 5. Leaders Of The Free World (6:11) 6. An Imagined Affair (4:43) 7. Mexican Standoff (4:01) 8. The Everthere (4:13) 9. My Very Best (5:33) 10. Great Expectations (5:05) 11. Puncture Repair (1:48) Gesamtspieldauer: 49:32
Ganz einwandfrei und ohne jeglichen Zweifel ist das Musik von Elbow, was man auf „Leaders Of The Free World”, dem dritten Album der Briten aus dem Jahr 2005 zu hören bekommt. Und zwar ist das Musik von Elbow, die eher den nachfolgenden Platten der Band gleicht, als ihren Vorgängern. Ist die Musik zunächst noch einiger maßen flott unterwegs, eher im Mid-Tempo angesiedelt, so werden die Lieder im weiteren Verlauf der Platte dann ruhiger und sanfter, wirken irgendwie zarter und zerbrechlicher.
Dabei schwebt erneut über allem die sehr eindringliche Stimme des Guy Garvey, die ganz leicht an die des Peter Gabriel erinnert. Guy Garvey, der wieder für sämtliche Texte zuständig ist, erzählt hier einmal mehr sehr eindringlich, wenn auch sanft, seine Geschichten und dies zu Melodien, die – ganz egal ob im langsameren oder etwas schnelleren Tempo eingespielt – einfach das Potential in sich tragen zu längerfristigen Begleitern zu werden. Die einzelnen Titel klingen einfach gut, gehen ins Ohr und ganz egal, ob man sich auf die Musik konzentriert oder ob sie nebenbei läuft und man gerade mit anderen Dingen beschäftigt ist, es bleibt ein irgendwie gut geartetes Gefühl, welches die Musik von Elbow auf „Leaders Of The Free World“ beim Hörer hinterlässt. Alles wirkt und klingt, ist nie oberflächlich sondern zumeist sehr intensiv.
Fazit: Wer melodischen und größtenteils sanften Rock mag, die oder der kann hier absolut nichts falsch machen – die oder der wird diese Platte lieben. Völlig unaufgeregte Musik präsentieren uns die fünf Briten auf „Leaders Of The Free World”. Durchaus nachvollziehbar allerdings auch, wenn Freunde der etwas härteren musikalischen Gangart, das dritte Album von Elbow nach dem ersten, zweiten und auch noch dritten Hören etwas langweilig finden. Aber inzwischen wird durch das Hören etwas ausgelöst. Denn es kommt auch mal bei härteren Rock-Fans der ruhigere Moment, an dem man auch die etwas sanfteren Töne zu schätzen weiß. Dann wird in das CD-Regal gegriffen und zielsicher „Leaders Of The Free World” von Elbow herausgeholt und aufgelegt. Die Augen schließen sich, auf dem Lieblingsplatz entsteht eine entspannte Atmosphäre in bequemer Position und der Stress des Tages fällt langsam vom Hörer ab. Lohnt sich. Zehn Punkte.
Anspieltipps: Leaders Of The Free World, The Everthere
Camel – Breathless Besetzung: Andrew Latimer – guitar, yamaha cs80/50, vocals on "Echoes", "Starlight Ride", "You Make Me Smile" and "Rainbow's End" Peter Bardens – keyboards, organ, vocals on "Wing and a Prayer" Mel Collins – flute, saxophones Richard Sinclair – bass, vocals on "Breathless", "Down On The Farm" and "Summer Lightning" Andy Ward – drums, percussion Gastmusiker: Dave Sinclair – keyboards on "You Make Me Smile" and "Rainbow's End" Label: Decca Records Erscheinungsdatum: 1978 Stil: Progressive Rock, ArtPop, Pop Trackliste: 1. Breathless (4:20) 2. Echoes (7:20) 3. Wing And A Prayer (4:46) 4. Down On The Farm (4:25) 5. Starlight Ride (3:26) 6. Summer Lightning (6:10) 7. You Make Me Smile (4:18) 8. The Sleeper (7:08) 9. Rainbow's End (3:02) Gesamtspieldauer: 44:56
Gut, 1978 war ein Katastrophenjahr für den Progressive Rock. Irgendwie wollten alle Bands damals anscheinend poppig klingen. Nicht anders verhält es sich mit dem sechsten Album von Camel, welches den Titel „Breathless“ trägt. „Atemlos“ wird man beim Hören der Scheibe automatisch, weil sich irgendwann ganz zwangsläufig die Schnappatmung einstellt, bei diesem poppigen und langweiligen Gedudel. Wobei ich gestehen muss, dass mich die Musik von Camel sowieso nur sehr selten überzeugen konnte, da sie für mich schon immer irgendwie poppig und sehr häufig langweilig klang.
Auf „Breathless“ erreichen die Musiker um Andrew Latimer allerdings nochmal ein ganz anderes Niveau bezüglich eines Pop-Auftritts, als auf den Platten davor. Oder sollte man besser sagen, sie lassen sich auf ein Niveau herab? Solch Nummern wie der Titelsong „Breathless“, „Wing And A Prayer“, „Summer Lightning“ oder „You Make Me Smile“ sind schon ultra starker Tobak, wahrlich kaum erträglich und auszuhalten. Neben Pop blinzelt da auch irgendwie Disco-Musik heraus – was bleibt ist blankes Entsetzen.
Unter den restlichen Titeln stapelt sich dann zum Teil die Belanglosigkeit. Als einzige, klitzekleine Ausnahmen möchte ich hier „Down On The Farm” und „Rainbow's End“ anführen. Erster Titel ist ganz witzig, mit seinem zum Teil witzigen Gesang, den ganzen Hintergrundgeräuschen sowie seiner netten Melodie. Und auch die letzte Nummer der Platte, „Rainbow's End“, weist zumindest eine schöne Melodie auf, ist allerdings sehr viel ruhiger gehalten. Aber auch hier, von gut oder überaus gelungen, kann man auch bei diesen beiden Nummern wahrlich überhaupt nicht sprechen.
Fazit: Es gibt echt so Scheiben, die besitzt man, weiß allerdings, dass man sie nie freiwillig auflegen wird. Im Rahmen dieser Plattenbesprechung habe ich mir das Album noch einige Male reingezogen. Das war es jetzt aber wohl endgültig – zumindest für die nächsten zehn Jahre. Musik soll Spaß machen, das schafft „Breathless“ von Camel zu keiner Zeit, da die Musik einfach langweilig ist. Fünf Punkte.
Jethro Tull – A Besetzung: Ian Anderson – flute, vocals, acoustic guitar Martin Barre – electric guitar Dave Pegg – bass, mandolin Mark Craney – drums Gastmusiker: Eddie Jobson – keyboards, electric violin, synthesizer Label: Chrysalis Erscheinungsdatum: 1980 Stil: Art Rock Trackliste: 1. Crossfire (3:55) 2. Fylingdale Flyer (4:35) 3. Working John - Working Joe (5:04) 4. Black Sunday (6:35) 5. Protect And Survive (3:36) 6. Batteries Not Included (3:52) 7. Uniform (3:34) 8. 4.W.D. (Low Ratio) (3:42) 9. Pine Marten's Jig (3:28) 10. And Further On (4:21) Gesamtspieldauer: 43:42
So schnell kann es manchmal gehen in der Musik. Diese Aussage bezieht sich auf den Stil des dreizehnten Jethro Tull Albums mit dem Titel „A“ aus dem Jahr 1980 und auf die Besetzung der Band. Eigentlich wollte Ian Anderson ein Solo-Album aufnehmen und fragte deshalb Martin Barre und Dave Pegg, seine Jethro Tull Kollegen, ob sie ihn dabei unterstützen könnten. Die sagten sofort zu und für das Schlagzeug konnte Mark Craney gewonnen werden. Ergänzt wurde dieses Quartett noch durch Eddie Jobson, der hier die Band als Gastmusiker an den Keyboards, Synthesizern und der Violine unterstützte. Wie immer zeigte sich für die Musik und die Texte hauptsächlich Ian Anderson verantwortlich und da man sich für das Album größere Verkaufserfolge durch die „Überschrift“ Jethro Tull versprach, wurde daraus kurzerhand das dreizehnte Studio-Album von Jethro Tull gemacht.
Das wiederum hatte zur Folge, dass für die vorherigen Jethro Tull Musiker Barriemore Barlow, John Evan und David Palmer plötzlich kein Platz mehr in der Band war. Sie wurden dementsprechend dann auch von Ian Anderson entlassen. Wenn man sich nun allerdings überlegt, dass alle drei Musiker schon Teil von Jethro Tull zu Zeiten von „Thick As A Brick“ waren und David Palmer bereits seit dem ersten Jethro Tull Album „This Was“, wenn auch zunächst nur als Gastmusiker, John Evan seit dem dritten Album „Benefit“ beteiligt war, dann ist das schon einigermaßen überraschend.
Aber das ist nicht die einzige Überraschung auf „A“. Stand die letzten drei Alben eine Art Progressive Folk Rock im Zentrum der Musik von Jethro Tull, so hört man auf „A“ plötzlich sehr viel mehr synthetische Klänge. Sowohl Keyboards als auch Synthesizer hatten einen ganz dominanten Part in der Musik der Band eingenommen. Bereits das Cover der Platte weist auf diesen Wechsel in der Musik hin. Dies wirkt technisch und deutlich steriler, allein schon durch die hier abgebildete Szene sowie die grelle Farbe.
Musikalisch ist das, was Jethro Tull hier abliefern als durchaus solide für Jethro Tull-Verhältnisse zu bezeichnen. Die Musik wirkt nun zwar etwas technischer, trotzdem ist sie als Jethro Tull Musik eindeutig zu erkennen. Die einzelnen Titel überzeugen dabei wieder durch jede Menge Melodiösität. Jedoch wäre „A“ ein sehr durchschnittliches Album geworden, wenn, ja wenn es da nicht diese drei Höhepunkte gäbe, die aus der Scheibe, neben den durchschnittlich guten Titeln, deutlich herausstechen.
Das wäre zum einen jener Titel, der auch als Single ausgekoppelt worden war: „Fylingdale Flyer”. Einmal gehört, setzt sich die Nummer Titel sofort im Ohr fest und hat diesen ganz speziellen Wiedererkennungswert. Hier klingt die Querflöte des Ian Anderson so wunderbar kraftvoll, das Piano- und Keyboardspiel in Zusammenhang mit der Gitarre einfach umwerfend. Dazu gesellt sich ein mindestens vervierfachter Gesang, der ebenfalls ein ganz eigenes Flair ausstrahlt. Wahrlich eine tolle Nummer. Das gilt auch für „Black Sunday“. Jetzt klingt die Band sogar wieder ein wenig nach Progressive Rock, allerdings zunächst in einer etwas synthetischen Ausführung. Dann wird auch ordentlich und handwerklich gerockt, hier stehen jetzt allerdings die eher klassischen Rock-Instrumente im Vordergrund. Es macht dieses Zusammenspiel aus, verbunden mit einem treibenden Rhythmus, einigen Stimmungswechseln und einer sehr überzeugenden Melodie, die dieses Lied zu einem Höhepunkt nicht nur auf „A“ werden lassen. Bliebe zum Schluss noch „And Further On“. Eine Nummer, die vielleicht nicht ganz die Klasse der beiden zuvor erwähnten Stücke aufweist, jedoch erneut sehr melodiös und harmonisch geraten ist und mit welchem Jethro Tull wieder ein wenig wie früher klingen, ohne sich dabei selbst zu kopieren. Startet die Nummer zunächst etwas bedächtiger und trotzdem kraftvoll, so wird sie im zweiten Teil fast schon elegisch orchestral. Eine schöne Abwechslung und ein sehr gelungener Schluss für dieses Album.
Fazit: Neue Musiker und einen ganz neuen Sound präsentieren Jethro Tull hier ihren Hörern. Dass das Ganze trotzdem wirkt, liegt an der wirklich beeindruckenden Fähigkeit des Ian Anderson, tolle Songs schreiben zu können. Und das jetzt schon über ein Jahrzehnt lang auf hohem Niveau und nahezu allen der dreizehn Jethro Tull Alben. „A“ ist sicherlich nicht das beste Jethro Tull Album, jedoch auch wieder ein gutes, welches sehr lohnenswert ist gehört zu werden. Zehn Punkte.
Anspieltipps: Fylingdale Flyer, Black Sunday, And Further On
Yes – The Ladder Besetzung: Jon Anderson – lead vocals Steve Howe – lead and acoustic guitars, steel, mandolin, backing vocals Billy Sherwood – guitars, backing vocals Chris Squire – bass, backing vocals Alan White – drums, percussion, backing vocals Igor Khoroshev – keyboards, backing vocals Gastmusiker: Randy Raine-Reusch – world instruments Rhys Fulber – dance loops Tom Keenlyside – piccolo, tenor saxophone on "Lightning Strikes" Derry Burns – trumpet on "Lightning Strikes" Rod Murray – trombone on "Lightning Strikes" Tom Colclough – alto saxophone on "Lightning Strikes" Neil Nicholson – tuba on "Lightning Strikes" Label: Eagle Records Erscheinungsdatum: 1999 Stil: ArtPop, Progressive Rock Trackliste: 1. Homeworld (The Ladder) (9:34) 2. It Will Be A Good Day (The River) (4:53) 3. Lightning Strikes (4:35) 4. Can I? (1:31) 5. Face To Face (5:03) 6. If Only You Knew (5:42) 7. To Be Alive (5:07) 8. Finally (6:01) 9. The Messenger (5:13) 10. New Language (9:19) 11. Nine Voices (3:22) Gesamtspieldauer: 1:00:25
„The Ladder“ heißt das achtzehnte Studioalbum der britischen Progressive Rockband Yes und wurde im Jahr 1999 veröffentlicht. Viele Fans waren sich vor der Veröffentlichung sehr unsicher, ob es noch mal einen Schritt schlechter werden könne als bei „Open Your Eyes“, dem Vorgängeralbum. War der Bodensatz schon erreicht oder sollte es qualitativ nochmal ein wenig bergab gehen? Oder vielleicht würde es doch wieder besser werden? Nun, wenn die Platte mit „Lightning Strikes“ beginnen würde und sich daran „Can I?“ sowie „Face To Face“ anschließen würden, ich bin mir sicher, ich hätte es nicht weiter ertragen und die CD sofort wieder aus dem Player herausgeholt und nie wieder angehört. Yes versuchen hier wahrlich irgendwie mit karibischen Klängen zu punkten. Bei den beiden erstgenannten Stücken hört man das sehr offensichtlich heraus, bei „Face To Face“ zwar nur noch etwas dezenter, jedoch klingt das ebenfalls nach ziemlich billigem Pop, überaus einfallslos und extrem langweilig. Außerdem habe ich das unbestimmte Gefühl, dass die Band damit gerade die Deutschen Fans ein wenig auf den Arm nehmen möchte, denn ich bin mir absolut sicher, dass Jon Anderson auf „Can I?“ „Bäh, bäh, bäh Du depperter Depp, Du!“ singt. Ganz eindeutig… Der Grund für diesen karibischen Touch in der Musik liegt übrigens darin, dass Jon Anderson und Alan White vorher eine Zeitlang in der Karibik verbrachten und sich dort ganz offensichtlich „inspirieren“ ließen.
Unfassbar grausam so etwas, dabei sollte es dieses Mal doch ganz anders werden. „The Ladder“ sollte laut Plattenfirma eine Mischung aus „Fragile“, „Going For The One“ und den Alben der Rabin-Ära werden. Also durchaus Progressive Rock, allerdings mit einem Ansatz, der auch massenkompatibel und damit gut zu verkaufen wäre. Um dies zu erreichen wurde Bruce Fairbairn engagiert, der zuvor Bands wie Bon Jovi, Aerosmith, AC/DC, Poison, The Cranberries, die Scorpions und Kiss produzierte hatte. Außerdem traf sich die Band dieses Mal im Studio und erarbeitete zusammen neues Material für das neue Album. Bei „Open Your Eyes“ waren noch hauptsächlich Chris Squire sowie Billy Sherwood für die Kompositionen zuständig gewesen, die sie aus altem Material an den Yes-Sound adaptiert hatten. Nun, die Band schrieb die Lieder in Zusammenarbeit, die Texte wurden von Jon Anderson hinzugesteuert. Aus den zahlreichen Vorschlägen wählte dann Bruce Fairbairn, die seiner Meinung nach besten heraus und diese wurden schließlich nochmals überarbeitet und schließlich aufgenommen. „Homeworld (The Ladder)“ war dabei übrigens nicht für die Platte vorgesehen. Erst als Jon Anderson den Text etwas änderte, da man darüber nachdachte, das Lied als Untermalung des Computerspiels „Homeland“ zu veröffentlichen, wurde es dem Album hinzugefügt. Das Science Fiction Computerspiel „Homeland“ wurde schließlich veröffentlicht, jedoch ohne den Yes-Song.
Nun, was gibt es noch außer diesem Karibik-Tönen, die wahrlich niemand von Yes hören möchte? Jede Menge recht belanglosen Pop, den man auch nicht unbedingt braucht. Trotzdem ist „The Ladder“ besser geworden als noch das Vorgängeralbum. Das wiederum liegt darin begründet, dass es auf diesem achtzehnten Studio-Album eben doch noch Titel gibt, die durchaus hörenswert sind. Da ist zum einen der Opener „Homeland (The Ladder)“. Schöne Melodie, ein paar ganz nette Einfälle bezüglich der Dramaturgie des Titels. Außerdem klingen hier Yes auch nach Yes der etwas früheren Jahre. Die Nummer setzt sich aus mehreren Teilen zusammen und ist eben kein 08/15-Titel. Auch das allerletzte Stück des Albums weiß zu überzeugen. „Nine Voices“ ist eine schöne und ruhige Nummer, die hauptsächlich vom Gesang des Jon Anderson und der akustischen Gitarre lebt. Dazu gesellt sich dann wohl noch eine Sitar, die in den Credits unter „World Instruments“ Erwähnung findet und sanfte Orgeltöne. Klingt einfach schön der Titel. Ebenfalls „It Will Be A Good Day (The River)” kann ich durchaus etwas, wegen der wahrlich ins Ohr gehenden Melodie, abgewinnen. Nein, Progressive Rock ist das hier dann natürlich nicht mehr. Den gibt es in Ansätzen aber noch bei „The Messenger“ und „New Language“ – ebenfalls zwei Titel, die durchaus hörenswert sind, wenn auch längst nicht mehr überragend. Übrigens verstarb der Produzent Bruce Fairbairn leider sehr überraschend im Alter von lediglich 49 Jahren direkt nach den letzten Aufnahmen, sodass ein Teil des Abmischens seinen Mitarbeitern zufiel. Einfluss auf die Qualität der Songs hatte das jedoch gewiss nicht.
Fazit: „The Ladder“ gestaltet sich als Album, bei dem man auch leidensfähig sein muss. Es gibt durchaus einige schöne Stellen auf der Scheibe, dann aber auch wieder ganze Lieder, bei deren Hören man ratlos und kopfschüttelnd dasitzt und einfach nicht glauben kann, dass es sich hierbei tatsächlich um Yes-Stücke handelt. Nun, die Platte verkaufte sich auch nicht besser als „Open Your Eyes“, richtig überraschend ist das nicht, denn viele Fans, die der Band schon dreißig Jahre gefolgt waren, konnte das Gesamtergebnis sicherlich nicht zufrieden stellen. Und neue Hörerkreise erschloss man sich mit diesem Album sicherlich auch keineswegs. Nach der Tour zum Album fiel die Band erst einmal wieder auseinander – wie schon so oft. Billy Sherwood fand es jetzt überraschenderweise interessanter und spannender von nun an Jingles für eine Werbefirma zu komponieren. Igor Khoroshev, der gerade frisch aufgenommenes Mitglied bei Yes geworden war, wurde hingegen von den restlichen Musikern wieder gefeuert, da er nach einem Konzert im Jahr 2000 eine junge Frau sexuell belästigt hatte. Was bleibt ist ein Album mit ein paar ganz netten Einfällen und Melodien und auch grausigen Stellen. Acht Punkte.
Spock’s Beard – Feel Euphoria Besetzung: Alan Morse – guitars, backing vocals Ryo Okumoto – keyboards Dave Meros – bass Nick D'Virgilio – lead vocals, drums, percussion, acoustic & electric guitars, loops Gastmusiker: John Boegehold – synthesizers, effects Gina Ballina – french horn J'Anna Jacoby – violin Steve Velez – cello Label: InsideOut Music Erscheinungsdatum: 2003 Stil: Progressive Rock, Rock, Mainstream Trackliste: 1. Onomatopoeia (5:16) 2. The Bottom Line (7:33) 3. Feel Euphoria (7:20) 4. Shining Star (4:04) 5. East Of Eden, West Of Memphis (7:05) 6. Ghosts Of Autumn (6:54) 7. A Guy Named Sid I. Intro (3:00) II. Same Old Story (4:25) III. You Don't Know (3:11) IV. Judge (3:20) V. Sid's Boys Choir (1:09) VI. Change (5:18) 8. Carry On (5:19) Bonus Tracks. 14. Moth Of Many Flames (2:49) 15. From The Messenger (7:25) Gesamtspieldauer: 1:14:15 CD2: 1. Conspiracy (Conspiracy) (5:04) 2. Brand New (Steve Hackett) (4:41) 3. Sinking Sand (Enchant) (7:08) 4. Melrose Avenue (California Guitar Trio) (2:18) 5. Head (O.S.I.) (5:18) 6. Some Things You Can't Return (Dead Soul Tribe) (5:19) 7. Starcycle (Derek Sherinian) (5:04) 8. I Never Noticed (Jadis) (5:26) 9. Change (Ray Wilson) (4:09) 10. Small Acts Of Human Kindness (Steve Howe) (4:21) 11. Silent Inferno (The Flower Kings) (14:21) Gesamtspieldauer CD2: 1:03:15
Nun, das erste Album von Spock’s Beard, nachdem der bisherige Hauptkomponist Neal Morse die Band verlassen hatte, wurde von den Fans mit etwas gemischten Gefühlen erwartet. Und wahrlich ist dieses siebte Album von Spock’s Beard mit dem Titel „Feel Euphoria“ deutlich anders geworden, als die sechs vorherigen Alben.
Die Musik von Spock’s Beard klingt nun härter und sehr viel gitarrenorientierter und gitarrendominierter. Zwar gibt es sie auch noch, die verträumten und ruhigeren Stellen auf „Feel Euphoria“, jedoch seltener. Oftmals weist die Musik eindeutige Parallelen zum Hard Rock auf und diese klingen dann sogar ziemlich kompromisslos. Ist das eigentlich noch Progressive Rock oder zumindest RetroProg, der hier zu hören ist? Schon noch irgendwie, jedoch die Grenzen verschwimmen immer mehr, denn mitunter kann man das durchaus ganz normalen Mainstream nennen, was auf „Feel Euphoria“ zu hören ist. Dann wird es plötzlich wieder ein wenig komplizierter, krumme Takte und Stilwechsel gibt es auf einmal zu hören und schon bewegen sich die Titel auf „Feel Euphoria“ wieder ganz klar auf dem Terrain des Progressive Rock.
Beim ersten Hören lässt einen die Scheibe allerdings noch ziemlich kalt. Irgendwie klingt das Ganze zunächst nicht mehr ganz so spannend, eher ein wenig alltäglich, nach nichts Besonderem eben. Das ist nun mal nicht mehr Neal Morse, der hier zu hören ist und die anderen vier verbliebenen Musiker hatten sich bisher auch noch nicht sonderlich im Songwriting hervorgetan. Nun beteiligten sich jedoch alle Musiker am Komponieren der Stücke und auch von Extern gab es einige Unterstützung. Den Hauptteil der Lieder steuerte jedoch Nick D'Virgilio hinzu, der jetzt auch den Part des Sängers übernommen hat. Nun, die Platte benötigt also einige Durchgänge, um im Ohr des Hörers zur Reife zu gelangen, um dann deutlich mehr zu überzeugen. Da ist jetzt der Unterschied zu den Scheiben mit Neal Morse gar nicht mehr so groß, denn diese benötigten auch immer einige Zeit, um so richtig durchzustarten, wenn diese früheren Platten auch von Beginn an irgendwie spannender wirkten.
Nun, aber die Zeit macht es hier wahrlich. Zwar kann nicht alles restlos überzeugen, das gilt vor allem auch für die Nummer „A Guy Named Sid“, die wohl als der progressive Höhepunkt auf „Feel Euphoria“ vorgesehen war. Hier klingen Spock’s Beard nun aber sehr konstruiert, gerade so, als ob Nick D'Virgilio den Fans der Band zeigen wollte, dass es auch ohne Neal Morse richtig schön progressiv weitergehen werde. Das hat im Fall dieses Titels leider nicht so ganz hingehauen.
Aber Nummern wie „The Bottom Line“ oder auch „East Of Eden, West Of Memphis” können dagegen durchaus überzeugen. Sie spiegeln zwar auch nicht mehr den reinen Progressive Rock wider, sind dennoch sehr abwechslungsreich, spannend und sehr melodiös arrangiert. Da macht das Zuhören dann gleich wieder richtig Spaß. Auch „Ghosts Of Autumn“, eine wunderschöne und ins Ohr gehende Ballade, kann überzeugen. Hier sind wir jetzt wirklich beim absoluten Mainstream angekommen, schön ist es trotzdem, denn in diese Klavier- und Mellotron-Landschaften mag man einfach eintauchen.
Der Deluxe-Ausgabe des Albums sind auf der ersten CD noch zwei Zugaben hinzugefügt worden. Und hier gilt für das erste Stück im Grunde genommen dasselbe wie bei „Ghosts Of Autumn“: Kein Prog mehr, egal, auf jeden Fall gelungen. „Moth Of Many Flames” klingt dabei wie ein Folk-Rock-Stück, welches von den Strawbs vorgetragen wird. Nun und „From The Messenger“ ist jetzt ganz anders. Experimentell, zuweilen an eine Klangkollage erinnernd. Denkt man zunächst, man hört die Gespräche irgendwelcher Außerirdischer – und man hört da auch R2D2 mal kurz pfeifen – so geht die Nummer anschließend in einen sehr sphärischen und relaxten Teil über. Doch das Stück entwickelt sich durchaus noch weiter. Es wird melodischer und bleibt doch immer auch sphärisch. Das klingt wahrlich sehr spannend und trotzdem extrem relaxt. Sehr gut gemacht.
Na und dann bekommt man auf dieser Deluxe-Ausgabe noch eine zweite CD mitgeliefert. Diese hat jetzt allerdings nichts mehr mit Spock’s Beard zu tun, sondern ist eher eine Leistungsschau der Plattenfirma InsideOut Music, die anscheinend aufzeigen möchte, welche Künstler sie gerade unter Vertrag hat, deren Musik ebenfalls in Richtung Progressive Rock tendiert. Bekanntere Bands und Künstler sind dort genauso vertreten, wie unbekanntere. Ganz nett anzuhören, wobei mich vor allem die Beiträge von Steve Hackett und Dead Soul Tribe überzeugen. Eine nette, wenn auch ungewöhnliche Idee der Plattenfirma. Da sich diese Version im Preis allerdings kaum von der „reinen“ Ausgabe von „Feel Euphoria“ unterscheidet, lohnt die Anschaffung auf jeden Fall.
Fazit: Etwas mehr Abstand zum Progressive Rock, dafür mehr Annäherung zum „normalen” Rock bis hin zum Mainstream weist “Feel Euphoria” auf. Das mag zu Beginn für eine Spock’s Beard Platte etwas ungewöhnlich klingen, wird mit jedem Durchlauf der Scheibe allerdings irgendwie sympathischer. Die Melodien und Einfälle auf diesem siebten Album von Spock’s Beard wachsen im Laufe der Zeit und mit ihnen der Gesamteindruck zu dieser Platte, die wahrlich keine schlechte ist. Und auch die beiden Zugaben tragen dazu bei, dass die Bewertung doch noch zweistellig wird. Zehn Punkte.
Anspieltipps: The Bottom Line, East Of Eden West Of Memphis, Ghosts Of Autumn & beide Bonus Titel der CD1
Gentle Giant – Giant For A Day Besetzung: Gary Green – electric guitars, slide guitar, acoustic guitar, backing vocals Kerry Minnear – piano, electric piano, minimoog, hammond organ, clavinet, synthesizer, xylophone, bass, backing vocals, co-lead vocals Derek Shulman – lead vocals Ray Shulman – bass, 12-string guitar, backing vocals John Weathers – drums, tambourine, shaker, cowbell, backing vocals, lead vocals Label: Chrysalis Erscheinungsdatum: 1978 Stil: Rock, Pop Trackliste: 1. Words From The Wise (4:15) 2. Thank You (4:50) 3. Giant For A Day (3:51) 4. Spooky Boogie (2:55) 5. Take Me (3:36) 6. Little Brown Bag (3:28) 7. Friends (2:00) 8. No Stranger (2:30) 9. It's Only Goodbye (4:19) 10. Rock Climber (3:52) Gesamtspieldauer: 35:41
Okay, okay, 1978 war ein Katastrophenjahr für den Progressive Rock. Was Bands, die nur wenige Jahre zuvor das Genre des Progressive Rock prägten und zu dem machten, was es war, nämlich eine unglaublich spannende Musikrichtung, jetzt veröffentlichten, das war zum Teil sehr grenzwertig. Die neuesten Veröffentlichungen vieler Bands hatten mit dem Musikgenre des Progressive Rock kaum mehr etwas gemein. Nicht anders verhält es sich mit dem zehnten Album von Gentle Giant, welches den Titel „Giant For A Day“ trägt.
Zwei Sachen sind dabei besonders anzumerken. Also, auch Gentle Giant zelebrieren hier keinen Progressive Rock mehr. Das ist Pop- bis Rock-Musik, die leider auch ein wenig belanglos wirkt, das es jede Menge anderer Bands gibt, die das deutlich besser können. Vielleicht liegt die allgemeine Ablehnung der Fangemeinde gegenüber diesem Album, was meist als die schlechteste Platte der Band gebrandmarkt wird, auch in der Tatsache, dass gerade Gentle Giant es waren, die Progressive Rock in sehr starker Ausprägung präsentierten und mit „Giant For A Day“ daher nur negativ überraschen konnten.
Klar mit solch einer Platte kann man sich als Band kaum neue Hörerschichten erschließen, jedoch enttäuscht man die alten Fans. Und es stimmt auch, vieles davon, was sich auf „Giant For A Day“ befindet, hört sich durchaus belanglos und zum Teil auch langweilig an. Allerdings ist die Scheibe auch kein Katastrophenalbum, denn mit dem Titellied „Giant For A Day“, „Spooky Boogie“ und dem folkigen „Friends“ finden sich immerhin drei ganz nette Songs auf der Scheibe.
Fazit: Kein Progressive Rock mehr von Gentle Giant. Das klingt nach Mainstream Pop und Rock. Nichts Besonderes oder Außergewöhnliches mehr. Die Band erkennt man am ehesten noch am Gesang. Neben den drei bereits erwähnten Nummern gibt es noch eine ganze Menge anderer Songs, denen es einfach daran krankt, dass sie nicht der Progressive Rock sind, für den die Band immer stand. Aber richtig schlecht? Nein richtig schlecht ist das auf keinen Fall, gewöhnlicher Pop-Rock eben. Sieben Punkte.
Anspieltipps: Giant For A Day, Friends, It's Only Goodbye
Steven Wilson – Hand.Cannot.Erase Besetzung: Steven Wilson – lead vocals, mellotron, keyboards, guitars, bass Gastmusiker: Guthrie Govan – lead guitar Nick Beggs – bass guitar, chapman sticks Adam Holzman – keyboards, piano Marco Minnemann – drums, percussion Ninet Tayeb – vocals Theo Travis – flutes, saxophones Label: Kscope Datum: 2015 Stil: Rock, Pop, Progressive Rock Trackliste: 1. First Regret (2:01) 2. 3 Years Older (10:17) 3. Hand Cannot Erase (4:17) 4. Perfect Life (4:46) 5. Routine (9:02) 6. Home Invasion (6:24) 7. Regret #9 (5:00) 8. Transience (2:48) 9. Ancestral (13:33) 10. Happy Returns (6:00) 11. Ascendant Here On... (1:56) Gesamtspielzeit: 1:06:07
In zweijährigen Abständen veröffentlicht Steven Wilson inzwischen, neben seinen vielen anderen Beschäftigungen, seine Solo-Alben. 2009 startete er mit „Insurgentes“ und wenn man richtig mitrechnet wird klar, dass 2015 sein viertes Solo-Werk kommen musste. Nun, am 27. Februar war es dann soweit, „Hand.Cannot.Erase“ wurde veröffentlicht. Es handelt sich dabei um ein Konzeptalbum, welches auf der Geschichte der Joyce Carol Vincent basiert. Die damals 38-jährige Frau verstarb wohl im Dezember 2003 aus nicht mehr ganz nachzuvollziehenden Gründen in ihrer Wohnung, neben eingepackten Weihnachtsgeschenken. Traurig so jung zu versterben, das Besondere an der Geschichte dieser Frau jedoch, dass sie erst etwas über zwei Jahre später gefunden wurde, nämlich im Januar 2006. Dies, obwohl sie Freunde hatte, eine Familie und arbeiten ging. Doch irgendwie schien niemand zu merken, dass da ein Mensch fehlte beziehungsweise niemand kümmerte sich und so lag sie da über zwei Jahre in ihrer Londoner Wohnung, unbemerkt.
So, nun aber zur Musik, die einmal mehr sehr überzeugen kann. Insgesamt ist das eine Mischung aus Rock, Pop und Progressive Rock. Das klingt bei Steven Wilson alles sehr ausgereift und durchdacht. „Hand.Cannot.Erase“ ist wirklich etwas poppiger geworden, als noch der Vorgänger „The Raven That Refused To Sing“. Dafür ist die Scheibe allerdings noch ein wenig eingängiger geworden. Immer wieder trifft man auf Pianoläufe, in die man sich einfach nur noch fallen lassen kann. Dann wird wieder gerockt, was das Zeug hält und man bekommt die Möglichkeit das Haupthaar ordentlich durchzuwirbeln. Diese mitunter eingestreute Härte, wird jedoch immer wieder musikalisch aufgelöst und mündet meist in wunderschönen Melodien.
Steven Wilson schaffte es mit Porcupine Tree und mit seinem Solowerk, ein fast schon ausgestobenes Musikgenre wieder salonfähig zu machen. Mit „Hand.Cannot.Erase“ geht er nun sogar noch einen Schritt weiter, er eröffnet dieser Musik noch ein wesentlich größeres Publikum, ohne dabei anbiedernd oder aber platt zu wirken. Wenn man sich überlegt, wie viele Bands, die vorher für Progressive Rock standen, Ende der 70er Jahre versuchten mit poppigen Klängen erfolgreicher zu werden und kläglich scheiterten, dann kann man hier bei Steven Wilson sehen, wie das hätte doch funktionieren können. Es gibt sie auf „Hand.Cannot.Erase“, die krummen Takte, die etwas schrägeren Töne, die überraschenden Wechsel in der Musik und im Rhythmus. Es gibt sie, die lauten und die leisen Stellen, die Wechsel im Tempo und der Intensität. Der Pfad der Eingängigkeit wird auf „Hand.Cannot.Erase“ jedoch niemals verlassen, alles klingt und wirkt und hallt nach.
Bei der Deluxe Version des Albums, kann man dann auf der Zusatz DVD die Scheibe auch im 5.1-Mix hören. Unter den Extras befindet sich zudem eine Studio-Dokumentation über die Einspielung von „Hand.Cannot.Erase“ sowie jede Meng Photomaterial.
Fazit: „Hand.Cannot.Erase“ ist ganz sicher kein Heavy Metal Album, allerdings auch keine Soft Rock Platte. „Hand.Cannot.Erase“ ist Progressive Rock, der überaus massentauglich ist, dadurch jedoch nichts von seiner Ausdrucksstärke und Spannung verliert. Die Scheibe macht einfach Spaß und wächst mit jedem weiteren Durchlauf immer mehr. Alles wird noch ein wenig vertrauter und intensiver. Möchte ich nicht mehr missen und das weiß ich bereits nach drei Tagen des Hörens. Klar erfindet hier Steven Wilson den Progressive Rock oder gar die Musik nicht neu, jedoch bereichert er beide mit „Hand.Cannot.Erase“ – und damit auch uns, seine Zuhörer. Zwölf Punkte.
Anspieltipps: 3 Years Older, Hand Cannot Erase, Routine (der Ehrlichkeit halber muss ich hier allerdings anfügen, dass ich auch jeden anderen Titel hier hätte erwähnen können)
Jean Michel Jarre – Equinoxe Besetzung: Jean-Michel Jarre – arp 2600 synthesizer, ems synthi aks, vcs 3 synthesizer, yamaha cs-60, oberheim tvs-1a, rmi harmonic synthesizer, rmi keyboard computer, elka 707, korg polyphonic ensemble 2000, eminent 310u, mellotron, arp sequencer, oberheim digital sequencer, geiss matrisequencer 250, geiss rythmicomputer, ems vocoder Label: Sony Music Erscheinungsdatum: 1978 / 2014 Stil: Elektronische Instrumentalmusik Trackliste: 1. Equinoxe, Part 1 (2:23) 2. Equinoxe, Part 2 (5:02) 3. Equinoxe, Part 3 (4:59) 4. Equinoxe, Part 4 (7:05) 5. Equinoxe, Part 5 (3:52) 6. Equinoxe, Part 6 (2:46) 7. Equinoxe, Part 7 (7:48) 8. Equinoxe, Part 8 (5:09) Gesamtspieldauer: 39:07
Nun, diese Besprechung kann ich getrost sehr kurz halten, denn was für „Oxygene“ galt, das gilt auch zu hundert Prozent für „Equinoxe“. Jean Michel Jarre kreierte auf seinem dritten Studioalbum erneut einmal mehr unglaublich eingängige und melodiöse elektronische Musik, in die man einfach eintauchen möchte und durchaus auch kann. Anders, als zum Beispiel bei Klaus Schulze, klingen die einzelnen Titel nun deutlich weniger nach Weltraum oder an Fahrten in irgendwelche „andere“ Dimensionen. Allerdings ist das auch keine Esoterik-Musik, die uns der Franzose hier darbietet. Vielmehr stellen die einzelnen Titel abgeschlossene Instrumentalstücke dar, die mal mehr, mal weniger Songstruktur aufweisen. Dies bedeutet, dass die einzelnen Nummer zwar durchaus ineinander übergehen, jedoch auch isoliert voneinander gehört werden könnten.
Klar macht dies keinen wirklichen Sinn, denn genau wie bei „Oyxgene“ zählt das Gesamtwerk, welches den Eindruck hinterlässt. „Equinoxe“, was im Französischen für die Tag- und Nachtgleichheit steht und somit wohl den Frühlings- wie Herbstanfang musikalisch nachzeichnen möchte, weist wieder jede Menge wunderschöner Melodien und Harmonien auf, die man sich als Untermalung diverser filmischer Szenen vorstellen könnte. Allerdings muss es sich dabei immer um sehr entspannte Ausschnitte handeln, denn sehr viel relaxter als auf „Equinoxe“ kann Musik kaum klingen.
Fazit: Und hier jetzt die Genießeranleitung: Das Wohnzimmer auf angenehme 21 °C temperieren. Handy und Telefon ausschalten beziehungsweise in weit entfernten Räumen lagern. Lieblingskissen auf dem Sofa drapieren, Musikanlage einschalten, „Equinoxe“ einlegen. Freudig die bereitliegenden Kopfhörer aufsetzen, es sich so bequem wie nur irgendwie möglich machen, die Augen schließen und die innerliche Reise beginnen. Wirkt wie ein ganzer Urlaubstag, diese knapp vierzig Minuten Beschallung und lohnt sich sehr. Elf Punkte.
Anspieltipps: Hier gilt dasselbe wie bei „Oxygene“: Muss man durchhören.