Freitag, 16. Oktober 2015

Calexico – The Black Light




Calexico – The Black Light


Besetzung:

Joey Burns – vocals, double bass, guitar, cello, mandolin, accordion, keyboards, steel guitar, percussion
John Convertino – drums, vibraphone, marimba, accordion, percussion, thunder drum


Gastmusiker:

Howe Gelb – piano, electronic organ
Nick Luca – spanish guitar, claves
Gabriel Landin – gitaron
Neil Harry – pedal steel guitar
Bridget Keating – violin
Rigo Pedroza – trumpet
Fernando Sanchez – trumpet
Al Tapatio – trumpet
Tasha Bundy – background vocals
Stephanie Nelson – fuzz vox


Label: City Slang


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Independent Rock, Americana


Trackliste:

1. Gypsy's Curse (4:17)
2. Fake Fur (2:36)
3. The Ride (Part 2) (3:08)
4. Where Water Flows (1:57)
5. The Black Light (3:20)
6. Sideshow (2:02)
7. Chach (3:32)
8. Missing (6:01)
9. Minas De Cobre (For Better Metal) (3:08)
10. Over Your Shoulder (4:10)
11. Vinegaroon (1:06)
12. Trigger (2:34)
13. Sprawl (1:27)
14. Stray (2:54)
15. Old Man Waltz (2:29)
16. Bloodflow (5:09)
17. Frontera (4:19)

Gesamtspieldauer: 54:17




Eine schöne und sehr entspannte Platte ist das zweite Album der beiden US Amerikaner Joey Burns und John Convertino aus Tucson, Arizona geworden, die eher unter ihrem Band Namen Calexico bekannt sein dürften. „The Black Light“ heißt diese Scheibe und wurde im Mai des Jahres 1998 veröffentlicht. Auf „The Black Light“ hört man eine Fusion amerikanischer Rock Musik mit mexikanischer, folkloristisch angehauchter Musik, die diesen, durchaus besonderen Sound entstehen lässt. Da gibt es dann auch mal die Lap-Steel-Gitarre neben mexikanischen Mariachi-Trompeten. Und wer jetzt an eine krude und absonderliche Mischung denkt, die oder der kann beruhigt werden, denn das sind alles nur Zutaten. Auf „The Black Light“ hört man gut gemachten und überzeugenden Independent Rock, der ins Ohr geht und durchaus zu begeistern weiß.

Die Atmosphäre auf „The Black Light“ ist eher ruhig gehalten, nur ab und an zieht das Tempo deutlicher an. Man hört einerseits diese eher nordamerikanischen oder mexikanischen folkloristischen Einflüsse, dann fühlt man sich wieder in einen Western von Sergio Leone versetzt, zu dem Ennio Morricone die Musik schrieb und vor dem geistigen Auge reitet Clint Eastwood reitet mitten durch die Wüste, direkt in den Sonnenuntergang. Und dann gibt es da auch noch diese Folk-Anleihen, bei denen Calexico mit am Überzeugendsten klingen. Die Höhepunkte auf der Scheibe, befinden sich für mich in den Titeln „Gypsy's Curse“, „The Ride (Part 2)”, „Where Water Flows“, „Trigger“ und „Bloodflow“.

Wenn man diese Musik von Calexico auf „The Black Light“ hört wird einem schnell klar, dass auch der Ausdruck „Rock“ hier irgendwie fehl am Platz ist. Ist das, was es hier zu hören gibt wirklich noch Rock-Musik? Die Musik ist so etwas von relaxt und entspannt, dass es zwar noch nicht mit Ambient umschrieben werden kann, allerdings in diese Richtung fühlt man sich durchaus beim Hören der Platte versetzt. Einige Nummern auf „The Black Light“ sind reine Instrumentalnummern, bei anderen wird wiederum gesungen. Aber auch hier fällt es schwer zu sagen, worin sich die beiden Musiker aus Arizona besser verstehen, denn beide Varianten überzeugen.

Fazit: Wer folkloristisch, amerikanisch folkloristisch angehauchte Musik mag, die oder der wird hier begeistert sein. Allerdings kommen mit „The Black Light“ auch Hörerinnen und Hörer auf ihre Kosten, die die sanfteren, ruhigeren und entspannteren Töne in der Musik lieben. Calexico klingen auf „The Black Light“ zu jeder Zeit melodiös und eingängig. Trotzdem werden auf dem Album auch neue Wege beschritten, es wird durchaus experimentiert. Das wiederum macht die Scheibe noch ein wenig spannender. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Gypsy's Curse, The Ride, Where Water Flows, Trigger, Bloodflow



Donnerstag, 15. Oktober 2015

Dream Theater – Awake




Dream Theater – Awake


Besetzung:


James LaBrie – lead vocals
John Petrucci – guitar, backing vocals
Kevin Moore – keyboards, co-lead vocals on "Space-Dye Vest"
John Myung – bass
Mike Portnoy – drums, percussion, backing vocals on "The Mirror"


Gastmusiker:

John Purdell – backing vocals on "The Silent Man"
Duane Baron – backing vocals on "The Silent Man"
Rich Kern – programming on "Space-Dye Vest"


Label: East West Records


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Progressive Metal


Trackliste:

1. 6:00 (5:31)
2. Caught In A Web (5:28)
3. Innocence Faded (5:42)
4. A Mind Beside Itself: I. Erotomania (6:44)
5. A Mind Beside Itself: II. Voices (9:53)
6. A Mind Beside Itself: III. The Silent Man (3:47)
7. The Mirror (6:45)
8. Lie (6:33)
9. Lifting Shadows Off A Dream (6:05)
10. Scarred (10:59)
11. Space-Dye Vest (7:29)

Gesamtspieldauer: 1:15:01




„Awake“ von Dream Theater erschien im September 1994 und stellt das dritte Studio-Album der US-amerikanischen Progressive Metal Band dar. Sehr viel härter fällt die Musik auf „Awake“ aus, deutlich härter, als noch auf den beiden Vorgängeralben. Die Musik ist dabei allgemein dunkler und düsterer geraten, eine Art tiefe Schwermut scheint sich beim Hören über die Musik zu legen.

Gleichzeitig ist „Awake“ auch das letzte Dream Theater Album, an dem Keyboarder Kevin Moore beteiligt war. Unmittelbar nach Fertigstellung der Scheibe verließ er die Band auf eigenen Wunsch. Allerdings verabschiedete er sich mit dem letzten Titel „Space-Dye Vest“, einem der wenigen ruhigen Titel auf „Awake“. Und „Space-Dye Vest“ hat es wahrlich in sich. Wunderschöne Melodie, das Piano beziehungsweise Keyboard steht, neben dem Gesang, im Vordergrund. Der Refrain entwickelt sich immer weiter und hat diesen Ohrwurmcharakter, der ein Lied langfristig nachhallen lässt. Dazu werden immer wieder Gesprächsfetzen eingeblendet, die zusätzlich zur Spannung der Nummer beitragen. Ein schönes Abschiedsgeschenk, was Kevin Moore seiner Ex-Band hinterlassen hat, der hier übrigens auch beim Gesang zu hören ist.

Auch die Nummer davor, „Scarred“, hat es verdient hier besonders erwähnt zu werden. Sicherlich jedoch nicht, weil das Lied mit seinen fast elf Minuten Spieldauer das längste auf dem Album ist. Vielmehr ist „Scarred“ auch der abwechslungsreichste Titel der Platte. Hier gibt es schöne balladeske Abschnitte, genau wie sehr kraftvollen Metal. Das macht schon Laune, sich hier auf diese „Reise“ einzulassen und dem Lied genau zu lauschen. „Scarred“ ist trotz seiner Härte ebenfalls durchaus mit melodiös zu umschreiben. Auch dieser Titel geht ins Ohr und besitzt diesen gewissen Wiedererkennungswert. Dabei enthält dieses Lied zudem ein wirklich hörenswertes Gitarrensolo.

Nun auch der Rest der Scheibe gefällt, bei dem die härteren Töne deutlich die sanfteren, ruhigeren übertreffen. Nicht alles funktioniert dabei sofort. Manches muss anscheinend erst im Ohr der Hörerin des Hörers reifen. Dies passiert jedoch mit jedem weiteren Durchlauf der Platte, die dann immer besser überzeugt.

Fazit: Wer schwere Gitarren liebt, der oder dem dürfte „Scarred“ durchaus gefallen. Dies ist allerdings auch eine Voraussetzung, um mit diesem Album „warm werden“ zu können. Auch wenn sich der Höhepunkt der Scheibe am Ende der Platte fast schon versteckt und im Grunde genommen recht untypisch, da ruhig und sanft, für dieses Album ist, so liegt der Schwerpunkt der Musik auf „Awake“ ganz klar auf dem Progressive Metal. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Scarred, Space-Dye Vest



Mittwoch, 14. Oktober 2015

Deus – Keep You Close




Deus – Keep You Close


Besetzung:

Tom Barman – vocals, guitar, keyboards
Klaas Janzoons – violin, keyboards, vocals, percussion, string arrangements
Stéphane Misseghers – drums, percussion, vocals, keyboards
Mauro Pawlowski – guitar, vocals, keyboards, string arrangements
Alan Gevaert – bass, vocals, guitar, mandolin


Gastmusiker:

Els Becu – marimba, vibraphone
Jon Birdsong – bugle, horns, trumpet
C. J. Bolland – additional programming
Esmé Bos – backing vocals
Stefan Bracaval – extended flutes
Greg Dulli – vocals
Anton Janssens – rhodes piano
Roos Janssens – backing vocals
Trijn Janssens – backing vocals
Sabine Kabongo – backing vocals
Mark Steylaerts Ensemble – strings
Charlotte Timmers – backing vocals
Piet Van Bockstal – oboe
Tim Vanhamel – vocals


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Keep You Close (5:16)
2. The Final Blast (4:39)
3. Dark Sets In (4:53)
4. Twice (We Survive) (4:33)
5. Ghost (4:36)
6. Constant Now (3:48)
7. The End Of Romance (4:38)
8. Second Nature (4:03)
9. Easy (6:38)

Gesamtspieldauer: 43:08




„Keep You Close“ heißt das sechste Studio-Album der belgischen Independent Rockband Deus, die sich eigentlich „dEUS“ schreibt. Und um es gleich vorweg zu nehmen, „Keep You Close“ ist ein gutes und sehr überzeugendes Album geworden. Es erschien im Jahr 2011 beim belgischen Universal Music Ableger und ist angefüllt mit jeder Menge sehr eingängiger und melodiöser Lieder. Die Musik auf „Keep You Close“ ist dabei keineswegs „hart“, sondern sehr viel eher im Mid-Tempo angesiedelt.

Absolut melodiös und eingängig klingen die hier enthaltenen Lieder, die einzelnen Titel zünden bereits beim ersten Hören und bleiben auch nachhaltig hängen. Das beginnt sofort mit dem Opener und dem gleichzeitigen Titellied „Keep You Close“. Eine rockige Nummer, leicht angepoppt und mit zahlreichen Streichern garniert, die hier überhaupt nicht aufgesetzt klingen, sondern das richtige Maß finden. Der erste Ohrwurm auf der Platte. Das ist auch „Dark Sets In”, allerdings in der etwas rockigeren Version. Jedoch auch hier gilt: Großartige Anlaufzeit benötigt auch dieses Lied nicht, um zu überzeugen und sich im Musikzentrum des Hörers festzusetzen.

Und so könnte ich hier einen Titel nach dem anderen aufführen, denn auf „Keep You Close” gibt es nur wenig zu bemängeln – wenn überhaupt – und auch keinerlei Ausfälle zu beklagen. Natürlich erfinden die Belgier hier die Musik nicht neu, jedoch zelebrieren sie auf dieser Scheibe mitreißenden Independent Rock, der es in sich hat und mit jedem Takt, jedem Akkord zu überzeugen versteht. Und dass es dabei nicht immer ganz geradlinig zugehen muss, beweisen die fünf Musiker mit der letzten Nummer „Easy“, die gar nicht mal so „easy“ klingt, sondern etwas verschroben, fordernder und trotzdem ebenfalls ins Ohr geht.

Fazit: Ein tolles Independent Rock Album haben dEUS hier ihren Hörern vorgelegt, welches sicherlich mit zu den besten der Band überhaupt gehört. Es ist immer wieder schön zu sehen beziehungsweise zu hören, dass manche Musiker nach spätestens drei Alben eben noch nicht ihr „ganzes Pulver verschossen“ haben, sondern immer noch tolle Platten vorlegen können. Auf „Keep You Close“ gibt es was für den Rock Fan und auch, aufgrund der Melodiösität, etwas für Freunde der eher eingängigeren, sanfteren Töne. Ein Album, welches Spaß macht auf mehr. Elf Punkte.

Anspieltipps: Keep You Close, Dark Sets In, Twice (We Survive), Easy



Dienstag, 13. Oktober 2015

Massive Attack – Mezzanine




Massive Attack – Mezzanine


Besetzung:

Robert Del Naja – vocals, programming, keyboards, samples
Grant Marshall – vocals, arrangements, programming, keyboards, samples
Andrew Vowles – arrangements, programming, keyboards, samples


Gastmusiker:

Neil Davidge – arrangements, programming, keyboards, samples
Horace Andy – vocals
Elizabeth Fraser – vocals
Sara Jay – vocals
Angelo Bruschini – guitars
Jon Harris – bass guitars
Bob Locke – bass guitars
Winston Blisset – bass guitars
Andy Gangadeen – drums
Dave Jenkins – additional keyboards
Michael Timothy – additional keyboards
Jan Kybert – pro tools




Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Trip Hop, Electronica, Experimental Rock


Trackliste:

1. Angel (6:20)
2. Risingson (4:58)
3. Teardrop (5:30)
4. Inertia Creeps (5:56)
5. Exchange (4:11)
6. Dissolved Girl (6:06)
7. Man Next Door (5:56)
8. Black Milk (6:21)
9. Mezzanine (5:56)
10. Group Four (8:12)
11. (Exchange) (4:10)

Gesamtspieldauer: 1:03:42



„Mezzanine“ heißt das dritte Album der TripHop Formation Massive Attack, die im englischen Bristol beheimatet ist. Mit „Mezzanine“ haben Massive Attack sicherlich einen Meilenstein des Genres TripHop veröffentlicht. Dies spiegelt nicht nur dadurch wieder, dass das Album in diversen Listen geführt wird, wenn es um die Auszeichnung wichtiger oder stilbildender Platten geht. Im Jahr 1998 erschien es auf dem Label Virgin Records und enthält dabei auch jede Menge sehr experimentelle Musik, die gar nicht mal so unbedingt dem TripHop zugeordnet werden kann.

„Mezzanine“ klingt sehr düster und irgendwie manchmal auch verstörend, was an dieser Stelle keineswegs negativ gemeint ist. Absolut intensiv und packend ist die Musik auf diesem Album, die dabei kraftvoll und perfekt arrangiert und abgemischt aus den Boxen wabert. Dabei sind die einzelnen Titel keineswegs alle eingängig. Manches Mal ist das durchaus sperrig, was die drei Engländer hier ihren Hörern anzubieten haben. Allerdings beinhalten diese Titel allesamt Spannung. Nichts ist vorhersehbar, Vieles überrascht. Keine Nummer gleicht der anderen. Manches Mal scheint ein heftiges Gewitter über Hörerin beziehungsweise Hörer hereinzubrechen, ein anderes Mal wird man als Konsument in Watte gepackt und scheint mit dem Titel schwerelos durch den Raum zu schweben.

Bekanntestes Lied der Scheibe ist sicherlich „Teardrop“. Wohl nicht nur dieser Platte, sondern von Massive Attack überhaupt. Da sich auf dem Album wirklich kein Titel dem anderen gleicht, so ist die Nummer allerdings auch nicht typisch für „Mezzanine“ – dafür jedoch umso überzeugender. Sanft ist das Stück, dabei jedoch absolut emotionsgeladen und mit einem sehr schönen Text ausgestattet. Das Lied wurde bereits in zahlreichen Filmen und Reportagen zur Vertiefung bestimmter Szenen eingesetzt. Und wenn es sich dabei um eine düstere, traurige Stelle handelte, dann wird die Atmosphäre dieser Szene auch bestens unterstrichen. Wahrlich gelungen.

Fazit: „Mezzanine“ wirkt düster und bedrohlich. Kann manchmal sanft sein, manchmal sehr aufbrausend und aggressiv. Immer jedoch bleibt diese Platte spannend. Auf nichts kann man sich einstellen und immer wieder wird man überrascht, auch noch nach vielen Durchläufen des Albums. Für alle, die das Besondere, das Außergewöhnliche in der Musik suchen sicherlich bestens geeignet. Elf Punkte.

Anspieltipps: Angel, Teardrop



 

Montag, 12. Oktober 2015

Katie Melua – Call Off The Search




Katie Melua – Call Off The Search


Besetzung:

Katie Melua – guitar, vocals


Gastmusiker:

Mike Batt – organ, piano, conductor
Jim Cregan – guitar
Tim Harries – bass
The Irish Film Orchestra – orchestra
Michael Kruk – drums
Alan Smale – leader
Chris Spedding – guitar
Henry Spinetti – drums


Label: Dramatico


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Blues, Pop


Trackliste:

1. Call Off The Search (3:24)
2. Crawling Up A Hill (3:25)
3. The Closest Thing To Crazy (4:12)
4. My Aphrodisiac Is You (3:34)
5. Learnin' The Blues (3:23)
6. Blame It On The Moon (3:47)
7. Belfast (Penguins And Cats) (3:21)
8. I Think It's Going To Rain Today (2:30)
9. Mockingbird Song (3:06)
10. Tiger In The Night (3:07)
11. Faraway Voice (3:13)
12. Lilac Wine (4:10)

Gesamtspieldauer: 41:19




„Call Off The Search” heißt die Debut Platte, der im georgischen Kutaissi geborenen Sängerin Katie Melua. Erschienen ist das Album im November 2003 auf dem Label Dramatico. Die Hälfte der Lieder steuerte Mike Batt bei, der die Platte auch produzierte. Katie Melua brachte sich mit den beiden Titeln „Belfast (Penguins And Cats)“ sowie „Faraway Voice“ ein. Dazu gesellt sich noch je ein Lied von John Mayall, Delores J. Silver, Randy Newman und James Shelton. Und so hört man auf „Call Off The Search” zwölf sanfte Titel, die sich allesamt um eine Fusion der musikalischen Genres Blues und Jazz zu bemühen scheinen.

Es herrscht ein ziemlicher Hype um diese Britin mit den georgischen Wurzeln. So ganz nachvollziehen kann ich das leider nicht. Die Stimmung auf dem Album ist ruhig, melancholisch bis hin zu melodramatisch. Nichts anderes soll dabei wohl auch vermittelt werden, da die Instrumentierung der Stücke wie ein unglaublich starker Weichzeichner wirkt. Oder gibt es auch einen Weichhörer? Egal, die Lieder sind auf jeden Fall so etwas von unfassbar mit Streichern zugekleistert, dass es wahrlich nicht mehr schön klingt. Alles trieft irgendwie und man hat das dringende Bedürfnis, sich die Hände zu waschen, weil sich plötzlich alles schmierig und schmalzig anfühlt.

Nun, es ist allerdings nicht nur die Instrumentierung, die mich etwas ratlos zurücklässt. Es sind auch fehlende Melodien und nicht vorhandene spannende Einfälle, die diese Platte ausmachen. Da gibt es so gut wie nichts, was diesen gewissen Wiedererkennungswert besitzt. Alles plätschert einfach so dahin, plötzlich herrscht wieder völlige Stille, das Album ist ausgeklungen, aber war da was? Nein, war es nicht. Zwei Titel kann ich lediglich von dieser Kritik ausnehmen. Da ist das etwas flottere „Crawling Up A Hill”, an welches man sich vielleicht doch noch erinnert, wenn man es ein paar Mal gehört hat. Und es gibt auf „Call Off The Search” auch noch das wirklich schöne „Blame It On The Moon”. Sehr schöne Melodie und auch die Streicher werden nicht wieder mit der Gießkanne darüber ausgeschüttet. Das war es leider jedoch schon, die restlichen Nummern sind so etwas von süßlich, dass man schon beim Zuhören aufpassen muss, nicht zum Diabetiker zu werden.

Fazit: Sanfte und ruhige Musik bringt die hier noch 19 jährige Katie Melua ihren Hörerinnen und Hörern zu Gehör. Hierfür finden sich sicherlich viele Anhänger, denn aufregen, nein, das macht diese Musik nicht. Eher das Gegenteil, sie ist leider an vielen Stellen viel zu langweilig. Alles klingt so überzuckert, wie mit einer dicken Schicht Glasur überzogen. Die Streicher streichen sich hier oftmals einen Wolf und somit bedeutet das Durchhalten bei diesem Album – zumindest für einen Rock Freund – große mentale Stärke. Lediglich „Blame It On The Moon” sticht etwas hervor. Zwar auch sehr weich und etwas süßlich, dafür mit einer wunderschönen Melodie ausgestattet. Doch das reicht bei Weitem nicht, um dieses Album schön zu finden. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Blame It On The Moon



Sonntag, 11. Oktober 2015

Lilium – Short Stories




Lilium – Short Stories


Besetzung:

Jean-Yves Tola – drums, percussion, piano
Pascal Humbert – bass, contrabass, guitar


Gastmusiker:

Kal Cahoone – vocals
Daniel Mc Mahon – vocals
David Eugene Edwards – vocals
Jim Kalin – vocals
John Grant – vocals
Kelly O'Dea – violin
Daana Colley – saxophone
Billy Conway – drums


Label: Glitterhouse Records


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. If They Cheered (3:25)
2. Locked In Tight (3:41)
3. Whitewashed (5:19)
4. Lover (4:44)
5. Miles Away (2:35)
6. Sorry (4:42)
7. Sense And Grief (6:38)
8. Cavalcade (3:39)
9. The Trap (4:26)
10. Angels (5:51)

Gesamtspieldauer: 45:07




Sanft getragen und sehr, sehr traurig klingt das zweite Album von Lilium. Lilium bestand zur Zeit der Veröffentlichung aus den beiden Ex-16 Horsepower Mitgliedern Pascal Humbert und Jean-Yves Tola. Auf „Short Stories“, welches im Jahr 2003 bei Glitterhouse Records veröffentlicht wurde, hört man diese tiefe, melancholische Musik, die keinen auch nur annähernd lauten Ton aufweist.

Alles ist trüb und nachdenklich auf diesem Album. Alles ist sanft, fließt irgendwie sehr langsam vor sich hin, mal mit Gesang, mal instrumental gehalten. Passend zur herbstlichen Zeit wird hier tiefe schwermütige Atmosphäre transportiert, die zu Herzen geht. Dabei klingt die Musik an jeder Stelle, in jedem Takt überaus melodiös. Man möchte eintauchen in diese warmen Hörlandschaften, die sich da um einen herum ausbreiten.

Vorwerfen könnte man den Musikern lediglich, dass sie auf Abwechslung einfach mal völlig verzichteten. Alles ist im selben Stil gehalten, wurde mit der gleichen Düsternis versehen. Nein, besonders viel Abwechslung gibt es hier nicht zu hören, die Platte ist eher ein gleichförmiger Trip, eine dreiviertel Stunde der Erholung von jeglichem Stress, die nur die Entspannung der Hörerin beziehungsweise des Hörers im Sinn hat. Mitunter werden da Akkorde Mantra-artig wiederholt, sodass sie sich immer tiefer festsetzen und einen bei geschlossenen Augen leicht an diesen schmalen Horizont heranführen, der zwischen dem Wachsein und dem träumenden Schlaf liegt. Nun, jedoch langweilig ist „Short Stories“ jedoch wahrlich nicht, denn die Abwechslung kommt in Form verschiedener Sänger und einer Sängerin zum Tragen. Unter anderem hört man hier auch die unverwechselbare Stimme des David Eugene Edwards und fühlt sich sofort wieder an 16 Horsepower erinnert.

Fazit: Irgendwie trist ist das schon, was man da auf „Short Stories“ von Lilium geboten bekommt. Aber sehr schön traurig. Musik die einen packt und die nachdenklich macht. Perfekt für die stillen Stunden des Lebens geeignet, in denen alles plötzlich nicht mehr so wichtig zu sein scheint. Zehn Punkte.

Anspieltipps: If They Cheered, Whitewashed, Cavalcade



Samstag, 10. Oktober 2015

Youssou N’Dour – The Guide (Wommat)




Youssou N’Dour – The Guide (Wommat)


Besetzung:

Youssou N’Dour – vocals


Gastmusiker:

Unfassbar viele, die alle sehr, sehr klein geschrieben sind.


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: African Pop


Trackliste:

1. Leaving (5:03)
2. Old Man (6:30)
3. Without A Smile (4:12)
4. Mame Bamba (4:58)
5. 7 Seconds (5:06)
6. How You Are (3:39)
7. Generations (5:46)
8. Tourista (4:36)
9. Undecided (5:25)
10. Love One Another (4:51)
11. Life (4:05)
12. My People (4:37)
13. Oh Boy (4:37)
14. Silence (4:38)
15. Chimes Of Freedom (4:52)
16. Undecided (Deep Radio Mix) (3:53)

Gesamtspieldauer: 1:16:55




„The Guide (Wommat)“ ist das siebte Album des Senegalesen Youssou N’Dour. Jener Youssou N’Dour, der wohl im Moment der bekannteste Musiker Afrikas ist und jener Youssou N’Dour, der seit April 2012 Tourismus- und Kulturminister des westafrikanischen Staates Senegal ist. 1994 wurde „The Guide (Wommat)“ veröffentlicht und brachte dem Sänger, den man vorher hauptsächlich durch seine Zusammenarbeit mit anderen Künstlern wie zum Beispiel Peter Gabriel kannte, weltweiten Ruhm ein.

Dieser Erfolg basiert vor allem auf dem hier enthaltenen Duett mit Neneh Cherry. „7 Seconds“ heißt die Nummer, die bereits auf dem 1990 erschienenen Album von Neneh Cherry mit dem Titel „Men“ enthalten ist. „7 Seconds“, ein Popsong mit allergrößtem Ohrwurmcharakter. Der Titel geht wirklich sofort ins Ohr, etwas getragen und dabei wundervoll melodiös. Ein wirklich schönes Lied und hier passt dieses Adjektiv „schön“ wahrlich. Gut, kommen wir zum, Rest auf „The Guide (Wommat)“. Beim „Rest“ der immerhin 15 weitere Stücke umfasst, handelt es sich um verpoppte afrikanische Musik. Alles sehr rhythmisch, die Melodie scheint dabei jedoch irgendwie keine großartige Rolle mehr zu spielen. Jedenfalls kann mein mitteleuropäisches Ohr diese kaum erkennen.

Ich kann dieser Musik mit Sicherheit nicht gerecht werden. Es ist absolut nicht mein Ding, stellt für mich Musik dar, um mich zu verabschieden und schnell zu gehen. Da gibt es einen Beat und die Lieder grooven auch, das war es jedoch leider. Klar wird hier afrikanische Atmosphäre transportiert und dies an Ort und Stelle und live zu genießen, macht sicherlich auch Eindruck. Aber hier, so als Retorte? Nun, in anderen Foren und in anderen Rezensionen wird diese Scheibe in den höchsten Tönen gelobt, es ist also mein ganz persönliches Schicksal, dass ich damit nicht zurechtkomme.

Fazit: Ich behaupte jetzt einfach mal, dass Menschen, die Rock Musik lieben, mit Youssou N’Dour und seinem Album „The Guide (Wommat)“ Schwierigkeiten bekommen beziehungsweise nichts damit anfangen können. So geht es mir auch. Wer allerdings mal eine Fusion traditioneller senegalesischer Musik mit der Pop Musik des Westens hören möchte, die oder der sollte sich diese Scheibe unbedingt geben. Und bevor ich jetzt wieder böse Mails bekomme: Ja, diese Rezensionen sind alle absolut subjektiv und ich bin auch kein Musikwissenschaftler. Vier Punkte.

Anspieltipps: 7 Seconds und als Kontrapunkt die restlichen 15 Nummern



Freitag, 9. Oktober 2015

Marla Glen – This Is Marla Glen




Marla Glen – This Is Marla Glen


Besetzung:

Marla Glen – vocals, harmonica


Gastmusiker:

Michel Crosio – piano, organ, keyboards
Michel Amsellem – piano
Slim Batteau – organ
Carolin Petit – keyboards, orchestral conduction
Slim Pezzin – guitars
Michel Ayme – guitar
Bernard Paganotti – bass
Thierry Fanfant – bass
Claude Salmierie – drums
Jean-Philippe Fanfant – drums
Jaco Largent – percussion
Richard Galliano – accordion, bandoneon
The Cherub’s Gospel Choir – gospels
Anne Calvert – backing vocals
Debbie Davis – backing vocals
Quatuor Aloysia – strings
Bruno Ribera – tenor saxophone
Alex Perdigon – trombone
Eric Giausserand – trumpet


Label: Disques Vogue


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Blues, Soul


Trackliste:

1. The Cost Of Freedom (3:49)
2. Believer (5:06)
3. Destiny (To Get Up Again) (4:29)
4. Enough (4:20)
5. Personal (4:39)
6. Control (3:58)
7. Travel (4:48)
8. Feet On The Ground (3:24)
9. You Hurt Me (3:42)

Gesamtspieldauer: 38:34




Marla Glen ist wahrlich eine außergewöhnliche Sängerin. Denn würde man es nicht wissen, dass sie eben eine Sängerin ist und nur die Musik hören, so könnte man ihren Gesang, aufgrund ihres tiefen Timbres, durchaus immer wieder mal mit dem eines Mannes verwechseln. Nicht an jeder Stelle ihres ersten, mit „This Is Marla Glen“ betitelten Albums aus dem Jahr 1993, jedoch an vielen. Und genau dieser Umstand macht die Platte durchaus zu etwas Besonderem.

Die Musik ist dabei wohl am besten mit soulig bis bluesig zu umschreiben, geht dabei auch sofort ins Ohr. In der Instrumentierung zeigt sich die US-Amerikanerin, die inzwischen allerdings in Deutschland lebt, auch sehr abwechslungsreich. Diese ist mal hauchzart gehalten oder gleich sehr orchestral aufbereitet. Mit beiden Begleitungen überzeugt Marla Glen, ihre tiefe Stimme steht zu jederzeit und bei jedem Titel im Zentrum der Musik. Dies ist so bei allen neun Titeln des Albums, welches keine Ausfälle aufweist.

Höhepunkte der Scheibe sind „Believer“, das wohl bekannteste Lied der Marla Glen, welches auch schon in der Werbung zum Einsatz kam. Wahrlich gelungen ist auch, das zunächst vom Piano getragene „Enough“. Diese Nummer geht ebenfalls sofort ins Ohr, wird im weiteren Verlauf immer orchestraler, voller, heftiger und nistet sich im Ohr von Hörerin und Hörer ein und verlässt diese auch so schnell nicht mehr. Genau wie die letzte Nummer der Platte, „You Hurt Me“. Cello, Piano und Streicher sorgen für den melodiösen Einstieg in das Lied, in dem Marla Glen die ganze Bandbreite ihrer Stimme einbringt und ausspielt. Angefüllt mit Harmonien besitzt diese Nummer absoluten Ohrwurmcharakter. Allein hierfür lohnt sich die Platte.

Fazit: Klar ist das Soul und Blues. Sicherlich auch ein nicht geringer Anteil an Pop ist hier enthalten, aber sei’s drum. Soul? Blues? Und mir gefällt es. Da sage noch mal jemand, ich sei einseitig in meinem Musikgeschmack. Marla Glen überzeugt auf ihrer ersten Scheibe. Alles auf „This Is Marla Glen“ klingt überaus melodisch und harmonisch und geht schnell ins Ohr. Dazu gesellt sich eben noch diese außergewöhnliche Stimme der Sängerin und fertig ist das außergewöhnliche Album. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Believer, Enough, You Hurt Me



Donnerstag, 8. Oktober 2015

INXS – Shabooh Shoobah




INXS – Shabooh Shoobah


Besetzung:

Garry Gary Beers – bass guitar
Andrew Farriss – guitar, keyboards
Jon Farriss – percussion, drums
Tim Farriss – guitar
Michael Hutchence – vocals
Kirk Pengilly – guitar, saxophone, vocals


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Rock, New Wave


Trackliste:

1. The One Thing (3:26)
2. To Look At You (3:57)
3. Spy Of Love (3:50)
4. Soul Mistake (2:57)
5. Here Comes (3:04)
6. Black And White (3:40)
7. Golden Playpen (3:05)
8. Jan's Song (3:18)
9. Old World New World (3:39)
10. Don't Change (4:26)

Gesamtspieldauer: 35:26




„Shabooh Shoobah“ nannte die australische Rockband INXS ihr drittes Album, welches im Oktober des Jahres 1982 veröffentlicht wurde. Und einen kleinen Stilwechsel gab es dabei durchaus zu verzeichnen. War auf dem Vorgängeralbum „Underneath The Colours“ jede Menge New Wave zu hören, der es dabei kaum schaffte ins Ohr zu gehen, geschweige denn richtig zu überzeugen, so hört sich „Shabooh Shoobah“ nun deutlich rockiger an und auch die einzelnen Lieder schaffen es hier sehr viel besser, zumindest eine gewisse Zeit lang, nachzuwirken.

Eine Mischung aus Rock und New Wave ist also auf diesem Album zu hören, auf dem die Stimme des Michael Hutchence nun auch schon fast so klingt, wie man sie von späteren Veröffentlichungen der Band her kennt. Zudem, ganz wichtig, überzeugen auf „Shabooh Shoobah“ auch die Melodien sehr viel öfters. Allerdings darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass die Musik auf diesem Album immer dann gut klingt, wenn INXS beginnen zu rocken. New Wave scheint irgendwie nicht so ganz das Metier der sechs Australier darzustellen, irgendwie scheint es nur eine Art „Ausprobieren“ gewesen zu sein, denn im Rock sind INXS sehr viel besser aufgehoben.

So ist „Shabooh Shoobah“ sicherlich kein Meilenstein in der Musikgeschichte und auch keines der essentiellen Alben von INXS, jedoch macht die Musik hier durchaus auch immer wieder Spaß. Das klingt alles fröhlich, leicht und ein wenig schwerelos. Alles zwar noch nicht so beeindruckend, wie es später in den 90ern mal klingen wird, doch zumindest ganz nett – und das ist in keinster Weise irgendwie böse gemeint.

Fazit: Die Platte „Shabooh Shoobah“ von INXS klingt durchaus nach den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. New Wave poppt immer wieder auf, wird hier allerdings oftmals sehr elegant mit rockigeren Tönen vermischt. Somit besitzt die dritte Scheibe von INXS ganz gewiss einen gewissen Unterhaltungswert, niemand muss beim Auflegen des Albums panisch den Raum verlassen. Richtig große Abdrücke hinterlässt die Scheibe jedoch auch nicht. Doch wer den Genres New Wave und Rock etwas abzugewinnen weiß und gerne mal hören möchte, wie eine entsprechende Fusion beider Musikrichtungen klingt, die oder der wird mit „Shabooh Shoobah“ sehr gut bedient. Acht Punkte.

Anspieltipps: Don’t Change



Mittwoch, 7. Oktober 2015

David Gilmour – About Face




David Gilmour – About Face


Besetzung:

David Gilmour – lead vocals, guitars, bass guitar


Gastmusiker:

Jeff Porcaro – drums, percussion
Pino Palladino – bass guitars
Ian Kewley – Hammond organ, piano
Steve Winwood – hammond organ on "Blue Light", piano on "Love On The Air"
Anne Dudley – synthesizers
Bob Ezrin – keyboards, orchestral arrangement
Luís Jardim – percussion
Ray Cooper – percussion
Jon Lord – synthesizer
The Kick Horns – brass
Vicki Brown – backing vocals
Sam Brown – backing vocals
Mickey Feat – backing vocals
Roy Harper – backing vocals
Steve Rance – fairlight cmi programming
Michael Kamen – orchestral arrangement
The National Philharmonic Orchestra


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Rock


Trackliste:

1. Until We Sleep (5:16)
2. Murder (4:59)
3. Love On The Air (4:19)
4. Blue Light (4:35)
5. Out Of The Blue (3:35)
6. All Lovers Are Deranged (3:14)
7. You Know I'm Right (5:06)
8. Cruise (4:40)
9. Let's Get Metaphysical (4:09)
10. Near The End (5:37)

Gesamtspieldauer: 45:34




„About Face“ heißt das zweite Solo-Album des Pink Floyd Gitarristen David Gilmour und es erschien eineinhalb Jahre nach der Veröffentlichung des letzten Pink Floyd Albums mit Roger Waters, „The Final Cut“. Zu einer Zeit also, als der Rechtsstreit mit eben jenem Roger Waters quasi zu explodieren schien und die Bandmitglieder nur noch über ihre Anwälte miteinander kommunizierten. Eindringliches Beispiel für dieses Eskalation ist auf „About Face“ die Nummer „You Know I’m Right“, die eine kleine Abrechnung, ach was, schon eine eindeutige Anklage auf das Gebaren des Roger Waters darstellt. Ob dieses Lied allerdings zum Streitschlichten taugte, das sei mal so dahingestellt.


Nun, auf „About Face“ ist Rock Musik zu hören. Kein Experimental Rock, kein Psychedelic Rock und auch kein Progressive Rock. Dabei überzeugen die zehn Lieder mal etwas mehr, mal etwas weniger – etwas Außergewöhnliches oder Besonderes stellen sie allerdings zu keiner Zeit dar. Gut gemachter Rock zwar, aber auch dies nicht in jedem Song. Solch eine Nummer wie „Blue Light“, hätte David Gilmour seinen Hörern auch ersparen können. Mit all diesen Bläsern passt so etwas auch eher zu Stevie Wonder, denn zum, zu dieser Zeit, Ex-Pink Floyd Gitarristen.

Apropos Pink Floyd. An diese Band erinnert auf „About Face“ der Gesang des David Gilmour sowie manch eines der Gitarrensoli, das war es dann allerdings schon. Doch lohnt sich auch dieser Rock hier. Überzeugende Beispiele auf der Scheibe ist die Nummer „Murder“, welche zart und sehr melodisch beginnt, dann in einen rockigeren Teil übergeht, um schließlich sehr kraftvoll auszuklingen. „Out Of The Blue“ weiß ebenfalls durch seine Melodiösität zu überzeugen, wohingegen das bereits erwähnte „You Know I’m Right“ nicht nur aufgrund seines Textes durchaus hörenswert ist. Die Akkordfolge zu Beginn brennt sich sofort in das Gehör ein und wenn da nicht dieser völlig missglückte Refrain wäre, wäre dieses Lied mit Abstand der Höhepunkt auf der Platte. Eie letzten beiden Titel lohnen ebenfalls gehört zu werden. Ist „Let's Get Metaphysical“ instrumental gehalten und klingt durch die Orchestrierung immer wieder so schön bombastisch, so ist das letzte Stück des Albums, „Near The End“, wieder eine kleine sanfte und melodiöse Nummer, die ebenfalls schnell ins Ohr geht.

Fazit: Zum Teil macht „About Face“ durchaus Spaß und klingt sehr überzeugend. Manche Titel sind allerdings auch ein klein wenig langweilig geraten und so richtig besonders ist im Grunde genommen nichts auf diesem zweiten Solo-Album des Davis Gilmour. Dafür gibt es allerdings auch, bis auf etwas zu viel Bläsereinsatz bei einer Nummer, keine Ausfälle auf der Scheibe zu beklagen. Wahrlich nicht schlecht also und „About Face“ wächst durchaus auch mit jedem Durchlauf. Einen Vergleich allerdings zu den richtig überzeugenden Pink Floyd Alben der 70er Jahre, hält „About Face“ keinesfalls stand. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Murder, Out Of The Blue, You Know I'm Right



Dienstag, 6. Oktober 2015

The Black Crowes – The Southern Harmony And Musical Companion




The Black Crowes – The Southern Harmony And Musical Companion


Besetzung:

Chris Robinson – vocals
Rich Robinson – guitar
Marc Ford – guitar
Johnny Colt – bass guitar
Steve Gorman – drums
Eddie Harsch – keyboards


Gastmusiker:

Barbara and Joy – choir


Label: Def American Recordings


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Blues Rock, Southern Rock, Hard Rock


Trackliste:

1. Sting Me (4:40)
2. Remedy (5:22)
3. Thorn In My Pride (6:03)
4. Bad Luck Blue Eyes Goodbye (6:28)
5. Sometimes Salvation (4:44)
6. Hotel Illness (3:59)
7. Black Moon Creeping (4:54)
8. No Speak No Slave (4:01)
9. My Morning Song (6:15)
10. Time Will Tell (4:06)

Gesamtspieldauer: 50:36




Einen absoluten Beißer stellt für mich das zweite Album der US-amerikanischen Blues Rocker The Black Crowes dar. „The Southern Harmony And Musical Companion“ heißt es und wurde im Mai 1992 auf dem Label Def American Recordings veröffentlicht. Bei vielen Fans der Band gilt genau diese Scheibe als die Beste, die die Musiker bisher veröffentlicht haben. Freilich klingt die Musik der US-Amerikaner immer wieder sehr überzeugend, aber dann gibt es auch wieder Blues- beziehungsweise Southern Rock zu hören, der mich zumindest gar nicht mehr so überzeugt und das liegt ganz bestimmt nicht nur daran, dass die letztgenannten musikalischen Genres nicht so ganz in mein „Beuteschema“ zu passen scheinen.

Ich höre die Nummer „Remedy“ und drehe fast durch vor Freude, über dieses absolut mitreißende Lied. Hier passt einfach alles, der Groove, die Melodie, die Instrumentierung, Gesang und Hintergrundgesang. Einfach ein begeisterndes Lied. Jedoch irgendwie mehr Rock als Blues. Das wiederrum ist bei den meisten anderen Stücken der Scheibe nicht so. Hier hört man schon deutlich mehr Blues, zwar in der etwas rockigeren Ausprägung, aber es bleibt eben Blues.

Und manchmal erinnert dieser Blues auch ein klein wenig an Led Zeppelin, schafft es jedoch nicht so zu packen, nicht so zu überzeugen, wie jener der Briten. Andererseits steigen bei mir unweigerlich auch Bilder der Rolling Stones im geistigen Gehör auf, wenn ich den Black Crowes hier auf „The Southern Harmony And Musical Companion“ lausche. In diese musikalische Richtung läuft es ebenfalls ein wenig. Die Musik klingt damit ein bisschen so, als sei sie bereits zwanzig Jahre älter, deutlich früher entstanden – was allerdings sicherlich nichts Schlechtes zu bedeuten hat. Jedoch trifft sie nicht immer ins Herz, was vielleicht ein absoluter Blues-Freund durchaus anders empfinden mag.

Fazit: Nun, man kann es auf einen kurzen Punkt bringen: Wem rockiger Blues gefällt, dem wird auch „The Southern Harmony And Musical Companion“ von den Black Crowes gefallen. Wem diese Art der Musik nicht so zusagt, die oder der wird Schwierigkeiten bekommen und nur sehr selten den Moment gekommen sehen, diese Scheibe aufzulegen. Das macht man für „Remedy“ gerne. Jedoch für den Rest? Ich weiß nicht, ich weiß einfach nicht. Acht Punkte.

Anspieltipps: Remedy



Montag, 5. Oktober 2015

Mazzy Star – So Tonight That I Might See




Mazzy Star – So Tonight That I Might See


Besetzung:

Hope Sandoval – vocals, harmonica, guitar
David Roback – guitar


Gastmusiker:

Jason Yates – bass guitar
Keith Mitchell – drums
William Cooper – strings


Label: Capitol Records


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Psychedelic Rock, Alternative Rock


Trackliste:

1. Fade Into You (4:55)
2. Bells Ring (4:32)
3. Mary Of Silence (6:02)
4. Five String Serenade (4:24)
5. Blue Light (5:10)
6. She's My Baby (4:25)
7. Unreflected (3:42)
8. Wasted (5:31)
9. Into Dust (5:36)
10. So Tonight That I Might See (7:19)

Gesamtspieldauer: 51:40




Mazzy Star, diese Band aus Santa Monica, Kalifornien, USA, läuft bei vielen Menschen unter dem Label Alternative Rock. Aber ist das wirklich noch Alternative Rock, den man hier zu hören bekommt? Im Falle ihres zweiten Albums mit dem Titel „So Tonight That I Might See“, würde ich das zu großen Teilen in Abrede stellen. Hier hört man sehr viel mehr Psychedelic Rock als Alternativ Rock.

Allerdings ist dieser Psychedelic Rock nicht irgendwie verschroben, besonders frickelig oder kompliziert und abgefahren. Das ist andere Musik als jene, die Ende der 60er bis Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts ihre Hochzeit hatte. Es ist die gesamte Stimmung, die Atmosphäre, die hier transportiert wird, die dieses Album zu etwas wirklich sehr Eindringlichen werden lässt. Die Lieder sind zumeist sehr ruhig gehalten, größtenteils sehr melodiös, allerdings hängt ihnen oftmals eine riesige Portion Traurigkeit mit an, die einen wahrlich ergreift. Das ist November-Musik, wenn es denn dieses musikalische Genre geben würde.

Die psychedelische Komponente kommt vor allem dadurch zum Tragen, dass viele der Titel Mantra-artig ein bestimmtes Thema wiederholen. Wenige Akkorde, die immer wieder gespielt werden, die irgendwann eine Art redundante Monotonie erzeugen, welche entsprechend laut gehört, die Wirkung von bewusstseinserweiternden Drogen zu übernehmen scheint. Dazu gesellt sich die sehr melancholische Stimme der Hope Sandoval und fertig ist der Cocktail, der einen ganz tief eintauchen lässt in all jene Stimmungen, die man gerade zulassen möchte. Dies werden jedoch wohl hauptsächlich süße Melancholie oder Sentimentalität sein, Party-Musik ist das sicherlich nicht, was Mazzy Star hier ihren Zuhörern kredenzen.

Fazit: Sehr eindringliche, ruhige, getragene und auch traurige Musik gibt es auf „So Tonight That I Might See“ zu hören. Sowohl Gesang, wie Instrumentierung werden auf der Platte überaus zurückhaltend eingesetzt, was diese etwas dunklere Stimmung natürlich noch ein wenig verstärkt. Für Menschen, die an Herbstdepressionen leiden, definitiv nicht geeignet, das könnte gefährlich werden. Allgemein allerdings sehr überzeugend und lohnenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Mary Of Silence, Five String Serenade, Into Dust, So Tonight That I Might See



Sonntag, 4. Oktober 2015

The Dandy Warhols – Thirteen Tales From Urban Bohemia




The Dandy Warhols – Thirteen Tales From Urban Bohemia


Besetzung:

Courtney Taylor-Taylor – vocals, guitar
Peter Holmström – guitar
Zia McCabe – keyboards
Brent DeBoer – drums, backing vocals


Gastmusiker:

Phil Baker – double bass
Meg Bobbitt – additional vocals
Vince DiFiore – trumpet
Erik Gavriluk – organ
Joe Kaczmarek – organ
Eric Matthews – trumpet
Anton Newcombe – guitar
Troy Stewart – slide guitar
D.J. Swamp – scratching


Label: Capitol Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Godless (5:20)
2. Mohammed (5:20)
3. Nietzsche (5:40)
4. Country Leaver (3:22)
5. Solid (3:08)
6. Horse Pills (3:25)
7. Get Off (3:11)
8. Sleep (5:57)
9. Cool Scene (4:07)
10. Bohemian Like You (3:31)
11. Shakin' (3:55)
12. Big Indian (3:34)
13. The Gospel (5:36)

Gesamtspieldauer: 56:11




Musik kann so unfassbar mystisch sein. Irgendwie, wie alles auf der Welt, wenn man sich nur darauf einlassen kann. Da hat man ein Album schon sehr lange, bald eineinhalb Jahrzehnte. Dann fährt mit dem Auto, es regnet, die Blätter der Bäume beginnen sich zu verfärben, es wird langsam dunkel, im Player läuft gerade „Thirteen Tales From Urban Bohemia“ von den Dandy Warhols und plötzlich spielt diese Band „Sleep“. Dieser Titel befindet sich auf dem dritten Album der US-Amerikaner aus Portland, Oregon, welches im August 2000 veröffentlicht wurde.

Okay, dieses Lied, weswegen die Dandy Warhols auch diesen Status erreichten, dieses Lied aus der Werbung, das ist ganz nett. Jedoch wäre es niemals jenes, weswegen ich diese Platte kaufen würde, die ich auch mal wieder zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Es ist niemals dieses Lied, was diese Platte ausmacht, die so viel vielschichtiger ist. Die Dandy Warhols klingen am überzeugendsten, wenn sie sie ruhig, langsam und irgendwie bedacht klingen. Das ist dann wirklich sehr intensiv und eindringlich.

Die Band klingt auch keineswegs amerikanisch, sondern irgendwie „very British“. Dabei ist die Musik sehr abwechslungsreich, überzeugt immer wieder. Alternative Rock und zugegebenermaßen auch manchmal Pop hört man auf „Thirteen Tales From Urban Bohemia“. Dies allerdings immer sehr überzeugend, in allen seinen Ausprägungen. Na und Psychedelic Rock ist das schon mal gar nicht, was man hier zu hören bekommt. So startete die Band zumindest.

Viele der Melodien der Dandy Warhols treffen, werden zu Freunden, zu Bekannten, die man immer wieder gerne aufsucht. Somit macht das Album durchaus immer Spaß, vor allen an den Stellen, an denen es nicht für eine Werbung geeignet war.

Fazit: Wirklich eingängigen und überzeugenden Alternative Rock bieten die Dandy Warhols ihren Zuhörern. Die Slide Guitar kommt bei manchem Lied hinzu. Macht nichts, die Band klingt sehr viel europäischer, als amerikanisch. Es gibt einiges auf „Thirteen Tales From Urban Bohemia“ zu entdecken. Lohnt sich. Elf Punkte.

Anspieltipps: Godless, Mohammed, Sleep