Mittwoch, 21. März 2012

Radiohead – Pablo Honey





Radiohead – Pablo Honey


Besetzung:

Thom Yorke – vocals, guitar
John Greenwood – lead guitar, piano and organ
Ed O'Brien – guitar, vocals
Colin Greenwood – bass
Phil Selway – drums


Label: Parlophone / EMI


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Alternative Rock, Independent


Trackliste:

1. You (3:29)
2. Creep (3:56)
3. How Do You? (2:12)
4. Stop Whispering (5:26)
5. Thinking About You (2:42)
6. Anyone Can Play Guitar (3:38)
7. Ripcord (3:10)
8. Vegetable (3:13)
9. Prove Yourself (2:25)
10. I Can't (4:13)
11. Lurgee (3:08)
12. Blow Out (4:40)




Nein, typisch ist das Debut “Pablo Honey”, von der britischen Band Radiohead aus dem Jahr 1993 keineswegs für die Musik, die Radiohead im weiteren Verlauf ihrer Karriere vorlegen sollten. Auf „Pablo Honey“ ist Gitarrenrock zu hören, der sehr an den Indie-Rock Mitte der 90er Jahre erinnert, hauptsächlich entstanden an der Westküste der Vereinigten Staaten. Und Grunge, ja, der ist auch ein wenig dabei. Passt ja auch geographisch. Aber es gibt auch Anleihen anderer Bands zu hören. Die frühen „U2“ und selbst die „Smiths“ sind rauszuhören. Das soll nichts anderes bedeuten, als dass Radiohead auf Pablo Honey ihren eigenen Stil noch nicht gefunden hatten.

Ansonsten ist das Album eine nette Rockplatte, die einen nicht wegfegt, jedoch immer wieder gut unterhalten kann. Da ist zum Beispiel „Creep“, ein richtig guter Titel und wohl auch eines der bekanntesten Werke Radioheads. Langsam und bedächtig beginnt das Stück, um dann jeweils zum Refrain richtig loszukrachen. Dazu eine sehr eingängige Melodie und auch der Gesang Thom Yorkes, der hier schon so wie auf späteren Veröffentlichungen klingt - fertig ist das überaus eingängige Lied.

Ruhiger und von der Akustikgitarre dominiert ist das Stück „Thinking About You“. Eine schöne, melodiöse Nummer ist hier zu hören. Wieder sehr eingängig und mit dem gewissen Wiedererkennungswert ausgestattet. Nicht zuletzt auch aufgrund des durchaus witzig, ironischen Textes: „Been thinking about you, and there's no rest. Shit, I still love you, still see you in bed. But I'm playing with myself…”

Durchgehend ruhig gehalten, trotz einer im Vordergrund stehenden E-Gitarre, ist das Stück “Lurgee”. Die Nummer klingt sentimental und melancholisch. Und auch der letzte Titel fällt noch ein wenig aus dem Rahmen. „Blow Out“ ist deutlich experimenteller gehalten und hört sich gegen Ende des Stücks richtig laut und schroff an.

Zu allen anderen Stücken ist zu sagen, dass das gute Rochnummern sind, die auf anderen Platten der Independent-Szene durchaus ihren Platz gefunden hätten. Hier wird gerockt und gegroovt, hier gibt es noch wenige Ecken und Kanten, dafür umso mehr eingängige Rockmelodien, die alle in diesem Genre überzeugen können.

Fazit: Nichtsdestotrotz, ein interessantes Debut haben die fünf Briten da vorgelegt. Keineswegs Weltbewegendes, klar, allerdings wird man auf „Pablo Honey“ mit Gitarrenrock versorgt, der sich durchaus hören lassen kann. Das Ungewöhnliche daran ist, dass es Lieder von Radiohead sind, die hier feilgeboten werden. Acht Punkte.

Anspieltipps: Creep, Stop Whispering, Thinking About You, I Can't, Lurgee



Dienstag, 20. März 2012

Dredg – El Cielo





Dredg
– El Cielo



Besetzung:

Gavin Hayes – vocals, guitars
Mark Engles – guitars
Dino Campanella – percussion, piano
Drew Roulette – bass


Gastmusiker:

Zack Hexum – saxophone, track 15
Saint – addditional vocals, track 2, additional background vocals, track 5
Nate Hayes – additional background vocals, track 5
Igor Trochenko – strings composed and arranged, Tracks 5, 8, 9
Rohan Gregory – violins
Reinmar Seidler – cellos
Greg Ellis – additional percussion on selected tracks
Azaam Ali – vocals, track 13
Los Angeles Masterchorale – chorale, track 16


Label: Interscope Records


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Rock


Trackliste:

1. Brushstroke: Dcbtfoabaaposba (0:57)
2. Same Ol' Road (5:15)
3. Sanzen (4:34)
4. Brushstroke: New Heart Shadow (1:33)
5. ∆ (5:04)
6. Sorry But It's Over (4:09)
7. Convalescent (3:32)
8. Brushstroke: Walk In The Park (1:41)
9. Eighteen People Live In Harmony (4:29)
10. Scissor Lock (3:23)
11. Brushstroke: Reprise (1:33)
12. Of The Room (3:45)
13. Brushstroke: An Elephant In The Delta Waves (1:48)
14. It Only Took A Day (3:17)
15. Whoa Is Me (5:37)
16. The Canyon Behind Her (6:40)




Für viele DAS Album des Jahres 2002, haben die vier Kalifornier einen würdigen Nachfolger ihres Erstlings „Leitmotif“ vorgelegt, auch wenn El Cielo nicht ganz an dieses heranreicht.

Auf El Cielo bedienen sich die vier Musiker aus der San Francisco Bay Area wieder des Stilmittels, kürzere Übergangssongs zwischen den Longtracks zu platzieren. Insgesamt passiert das fünf Mal auf der CD. Diese kurzen Stücke sind mit „Brushstroke“ (Pinselstrich) bezeichnet. Sie sind meist instrumental gehalten und überaus gelungen, sodass man sie sich sogar ein wenig länger gewünscht hätte. Vor allem „Brushstroke: Walk In The Park“ und „Brushstroke: An Elephant In The Delta Waves“ können hier überzeugen, wobei Letzteres stark an Kula Shaker erinnert.

Auch sonst ist das Album abwechslungsreich, allein schon von der Instrumentierung her. Zu dieser gesellen sich akustische Stilmittel wie das Geräusch vom Graben mittels einer Schaufel (ach ja, „to dredge“), Wassergeplätscher, Fragmente gregorianischer Choräle, Sprecheinlagen, ganz schräge Synthesizer-Sounds und vieles mehr.

Die Musik selbst zeichnet sich durch sehr eingängige Melodien aus. Da gibt es mal härtere, mal schwebende und ganz leichte Sounds. Alles ist fließend, aber genau das ist auch das Manko dieser Veröffentlichung. Genauso schnell wie es zum einen Ohr hineinfließt, genauso schnell fließt es zum anderen wieder heraus. Es ist nichts „Griffiges“ dabei, was einen länger beschäftigt, etwas länger in den Bann zieht. Die CD beinhaltet Musik, die man gut nebenbei hören kann. Sie beinhaltet sehr unterschiedliche Sounds sowie ein abwechslungsreiche Instrumentierung. Aber trotzdem, der Funke will nicht so recht überspringen, auch wenn sich auf El Cielo nicht ein Titel befindet, den man in die Kategorie „nicht hörenswert“ einordnen müsste.

Fazit: El Cielo ist ein abwechslungsreiches und beileibe kein schlechtes Album. Immer wieder gibt es Überraschendes zu hören und die Musik hat auch was. Das „gewisse Etwas“, das fehlt hier allerdings auf der Platte, auch wenn es mir schwerfällt, dieses „Etwas“ genauer zu definieren. So bleiben acht Punkte.

Anspieltipps: Sorry But It's Over, Whoa is me, The Canyon Behind Her, alle Brushstroke-Teile



Montag, 19. März 2012

Styx – Pieces Of Eight





Styx – Pieces Of Eight


Besetzung:

John Panozzo – percussion, vocals
Chuck Panozzo – bass, vocals
Tommy Shaw – guitars, vocals
Dennis De Young – keyboards, vocals
James Young – guitars, vocals


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Melodic Rock, Symphonic Rock, Pop Rock


Trackliste:

1. Great White Hope (4:24)
2. I Am Okay (5:44)
3. Sing For The Day (5:01)
4. The Message (1:08)
5. Lords Of The Ring (4:35)
6. Blue Collar Man (4:07)
7. Queen Of Spades (5:41)
8. Renegade (4:17)
9. Pieces Of Eight (4:44)
10. Aku-Aku (2:57)




Das 1978 erschienene Album “Pieces Of Eight” gilt bei vielen Styx-Fans als das beste Album der amerikanischen Formation. Und auf “Pieces Of Eight” waren Styx auch noch nicht so mainstreammäßig unterwegs, wie dies bereits zum Teil auf dem Nachfolgeralbum „Cornerstone“ der Fall sein sollte.

Und tatsächlich, auf “Pieces Of Eight” gibt es wirklich ein paar Titel, für die man schon ein Ohr riskieren sollte. Allerdings gibt es die nicht zu Beginn des Albums, sondern eher an dessen Ende, auf der ehemaligen zweiten Seite der Platte. Die Scheibe beginnt mit „Great White Hope“, einer schnellen Nummer, die dann überzeugen kann, wenn sie instrumental wird. Die Gesangspassagen, gesungen von James Young, aus dessen Feder das Lied auch stammt, sind dagegen langweilig, auch wenn sich für den Chor beim Refrain, viel Mühe gegeben wurde. Es folgt „I Am Okay“. Auch dieser Song fängt kraftvoll an, dieses Mal ist es das Schlagzeug, welches in das Stück einführt. Und dann passiert etwas, das muss man mögen oder man findet es eben nicht so gut: Dennis De Young fängt an zu singen! Irgendwie klingt das nicht so besonders überzeugend, irgendwie gekünstelt, irgendwie aufgesetzt. Und was für den ersten Track galt, das trifft auch hier zu. Wenn die Stimme schweigt, dann hat auch dieses Lied seine Stärken. Das Orgel-Solo ist klasse und gegen Ende des Stücks singt dann der Chor sogar richtig hymnisch. Da passt dann auch der Gesang.

„Sing For The Day“ heißt die dritte Nummer auf dem Album. Sie beginnt locker und „fluffig“ mit einem fröhlichen Keyboardintro. Das Stück ist eine reine Popnummer. Nichts Besonderes, wobei der Refrain etwas zu fröhlich und heiter klingt. So etwas kann schnell nerven und bewegt sich in nicht weiter Entfernung zum Deutschen Schlager. Kürzer, aber auch deutlich interessanter wird es dann mit „The Message“. Eine Mischung aus Sphäre und Symphonie. Eine kleine Auflockerung. Weiter geht es mit „Lords Of The Ring“, wieder ein Stück von Dennis De Young. Und der Keyboarder der Band kann wahrlich Lieder schreiben. Das Stück ist wirklich gut, hat eine spannende Melodieführung und ist sehr abwechslungsreich - und das, obwohl es nur viereinhalb Minuten lang ist. Von der Musik her richtig klasse gemacht. Nachteil allerdings wieder, klar, ich wiederhole mich, der Gesang, der allerdings auch hier bei den mehrstimmigen Parts besser wird.

“Blue Collar Man” ist ein Klassiker auf jedem Styx Konzert. Die Nummer beginnt mit reinem und breitem Orgelsound und rockt dann gut weiter. Auch das Gitarrensolo kann man genießen. Das Stück ist ein flotter Rocktitel aus der Feder Tommy Shaws. Bei „Queen Of Spades“ wird es am Anfang dann allerdings erneut ganz schlimm, denn Dennis De Young zieht die Silben wieder so entsetzlich. Das alles bei einem ruhigen Part zu Beginn des Stücks, bei dem die Stimme somit noch aufdringlicher wirkt. Das Stück wird dann rockiger und entwickelt sich zu einem Mainstream-Rocksong. Titel Nummer acht, „Renegade“, wieder ein Stück, welches auch auf den Liveaufführungen der Band nicht fehlen darf, beginnt mit dem Sologesang Tommy Shaws, der das allerdings richtig gut macht. Er zumindest kann deutlich unaufdringlicher singen. Danach rockt das Stück dann härter weiter. Und auch hier sind die gelungenen Instrumentalpassagen wieder mit zu erwähnen, denn die sind wahrlich klasse arrangiert und können begeistern. Auch der mehrstimmige Gesang ist eindrucksvoll. Kurzum, eine gute Nummer.

Dann folgt der Titeltrack des Albums „Pieces Of Eight“. Wieder ein Lied von Dennis De Young und wohl der Höhepunkt des Albums. Es fängt nicht sehr verheißungsvoll an, steigert sich dann allerdings von Sekunde zu Sekunde. Der Nachteil des Gesangs ist bald vergessen und es entwickelt sich eine richtig packende Nummer, die symphonische wie progressive Parts bereithält. Da muss man wahrlich Respekt zollen, wie viele verschiedene Parts Dennis De Young in einem, doch gar nicht mal so langen Lied, unterzubringen imstande war. Und das alles wirkt beileibe nicht zusammengestückelt, sondern richtig interessant, richtig klasse. Beendet wird das Album durch Aku-Aku. Dabei handelt es sich um ein sehr melodiöses Instrumentalstück, dieses Mal wieder aus der Feder Tommy Shaws. Das Lied ist schön entspannt und zeigt damit einmal mehr auch die Vielseitigkeit der Band Styx.

Fazit: Neben einigen gewöhnungsbedürftigen Gesangspassagen, sowie vereinzelten, langweiligen Mainstreamannäherungen, hält „Pieces Of Eight“ von Styx allerdings auch experimentelle und progressive Stellen für den Hörer parat. Hier macht das Lauschen der Musik dann auch richtig Spaß. Leider gibt es diesen Spaß nicht durchgängig zu hören, denn es fokussiert sich mehr auf die zweite Hälfte des Albums. Trotzdem bringt das dem Album immerhin zehn Punkte. Nicht zuletzt auch für die Abwechslung, die den neun verschiedenen Stücken innewohnt.

Anspieltipps: Lords Of The Ring, Blue Collar Man, Renegade, Pieces Of Eight, Aku-Aku



Sonntag, 18. März 2012

New Model Army - High

 


New Model Army – High


Besetzung:

Justin Sullivan – vocals, guitars
Nelson – bass
Michael Dean – drums
Dean White – keyboards
Marshall Gill – guitars


Label: Attack Attack (Records) Ltd.


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Alternative, Independent, Rock


Trackliste:

1. Wires (3:20)
2. One Of The Chosen (4:34)
3. High (4:39)
4. No Mirror, No Shadow (3:44)
5. Dawn (3:44)
6. All Consuming Fire (3:24)
7. Sky In Your Eyes (4:14)
8. Into The Wind (4:12)
9. Nothing Dies Easy (3:57)
10. Breathing (4:36)
11. Rivers (4:31)
12. Bloodsports (4:27)

Gesamtspieldauer: 49:22 



Mit ihrem 10. Album haben die fünf Engländer 2007 wieder ein packendes Rockalbum vorgelegt. Eigentlich kann man New Model Army Platten „blind“ kaufen - wenn man Rock mag. Man muss sich keine Rezensionen durchlesen und auch das kurze Durchhören der Tracks kann man getrost vergessen, denn bei New Model Army weiß man, auch nach 27 Jahren des Bandbestehens, immer was man bekommt: Ein tolles Rockalbum, mit Punkanleihen sowie wundervoll ruhigen Liedern, die einfach Klasse besitzen. Und alles wird wieder untermalt von der Stimme Justin Sullivans, die die Musik von New Model Army zusätzlich unverwechselbar macht.

Mit „Wired“ beginnt das Album, mit einem punkig angehauchten Stück. Weiter geht es mit „One Of The Chosen“, welches zu Beginn schön schräg daherkommt und dann von seinen treibenden Bassläufen lebt. Der Titeltrack „High“ geht dann schon in die Balladenrichtung mit seinen Streichereinsätzen und der Melodieführung. Und bereits nach drei Stücken hat uns New Model Army mit seiner Vielseitigkeit bekannt gemacht. Und dabei kommen die Highlights der CD alle noch.

Der erste Höhepunkt folgt aber sofort mit „No Mirror, No Shadow“. Wir hören den Bass, ein Echolot-Sound, dann Justin Sullivans beschwörende Stimme, die zusammen mit dem Schlagzeug einsetzt. Schließlich folgen die Gitarren. „No Mirror, No Shadow“ ist ein typischen Lied von New Model Army, welches für viele weitere Stücke der Band bezüglich Aufbau und Instrumentierung Pate stehen könnte.

Weiter geht es mit „Dawn“, einem klasse Rockstück mit tollem Refrain. In diese Kategorie „gut gemachte Rockmusik“ passt auch „All Consuming Fire“ mit seiner Instrumentierung, dem Aufbau und der Stimmung, die dieses Lied verströmt. „.Sky In Your Eyes“ quillt dann wieder balladenhaft aus den Boxen. Hier spricht Justin Sullivan zum Teil sogar den Text. Ein Stilmittel, welches perfekt zum Lied passt.

Und so geht es auf den nächsten Tracks auch weiter. Mal härtere, mal softere Töne, die aber alle zu gefallen wissen. Klar, da ist nichts Neues dabei, aber wer will das schon, wenn man sich die zweite, dritte oder elfte Scheibe von New Model Army zulegt? Man möchte Rockmusik, ehrliche Rockmusik hören. Und die gibt es auch. Ein besonderes Highlight wartet mit „Rivers“ auch noch auf den geneigten Zuhörer. Ein wieder etwas ruhiger Song, der erneut von der Stimmung lebt, die Justin Sullivan mit seiner Stimme zu erzeugen fähig ist. Und dann auch noch dieser Refrain… fast schon hymnenartig.

Fazit: New Model Army ist es auch im zehnten Anlauf gelungen eine gute Platte / CD auf den Markt zu bringen. Justin Sullivan und seine Mannen werden einfach nicht müde, tolle Rockmusik zu produzieren, was jeden Rockfan freuen wird. Dafür gibt es 10 Punkte.

Anspieltipps: No Mirror No Shadow, Dawn, All Consuming Fire, Sky In Your Eyes, Rivers







Samstag, 17. März 2012

Pink Floyd – More





Pink Floyd – More


Besetzung:

David Gilmour –guitar, vocals
Nick Mason – drums
Richard Wright – keyboards
Roger Waters – bass guitar, vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1969 / 1995 / 2011


Stil: Psychedelic Rock / Soundtrack


Trackliste:

1. Cirrus Minor (5:18)
2. The Nile Song (3:27)
3. Crying Song (3:34)
4. Up the Khyber (2:13)
5. Green Is the Colour (2:59)
6. Cymbaline (4:50)
7. Party Sequence (1:07)
8. Main Theme (5:28)
9. Ibiza Bar (3:19)
10. More Blues (2:13)
11. Quicksilver (7:14)
12. A Spanish Piece (1:05)
13. Dramatic Theme (2:15)




Das dritte Album Pink Floyds, „More“, ist der Soundtrack zum gleichnamigen Film von Barbet Schroeder. Der Film handelt vom Abrutschen eines jungen Deutschen auf Ibiza. Dieser gerät immer mehr in einen nicht enden wollenden Drogensumpf, in den er sich immer weiter verirrt und schließlich auch untergeht. Und so ist es nicht weiter überraschend, dass auf „More“ auch einige sehr psychedelische Songs zu hören sind, neben Nummern, die ganz offensichtlich nur zur Untermalung bestimmter Szenen gedacht sind.

Überraschend allerdings sind die Genres, derer sich Pink Floyd bedienen. Auf „More“ wird es manchmal überaus rockig, obwohl Hard Rock Stücke in der Musik bis 1969 allgemein kaum zu vernehmen waren. „The Nile Song“ und „Ibiza Bar“ gehen jedoch ganz klar in diese Richtung, wobei ersterer Titel vielleicht sogar den ersten Heavy Metal Song der Musikgeschichte darstellt. Fast schon „jazzig“ hört sich „Up The Khyber“ an. Free Jazz, belebt durch Nick Mason an den Drums sowie Rick Wright am Piano und den Keyboards. Durchaus nicht jedermanns Sache.

Ganz anders, nämlich zuckersüß, klingen dagegen „Green Is The Colour“ und „Crying Song“. Sehr bluesig wird es auf dem Instrumentalstück „More Blues“ und überaus spanisch klingt es auf „A Spanish Piece“. Bei letzten beiden Nummern war die Titelfindung also überaus passend.

Psychedelisch hören sich Pink Floyd auf „More“ am stärksten auf „Cirrus Minor“, „Main Theme“ und „Dramatic Theme“ an. Und die beiden hier erstgenannten Stücke stellen auch gleichzeitig mit die Höhepunkte des Albums dar. Hier kann man die bedrückende Stimmung des Films richtiggehend spüren.

Der Song „Quicksilver“ klingt dann ein wenig nach elektronischer Musik à la Klaus Schulze, obwohl diese zu der Zeit ebenfalls noch nicht erfunden war. Blieben noch die Stücke „Party Sequence“ und „Cymbaline“. Ersteres ist eine kurze Bongoeinlage mit Flötenunterstützung. „Cymbaline“ ist dagegen der wohl bekannteste Song der Platte „More“, da er auch auf Konzerten Pink Floyds immer wieder gespielt wurde. Eine schöne melodiöse Nummer ist dieses Lied, fast schon in die Richtung Pop gehend, bis es dann allerdings gegen Ende des Titels sehr sphärisch und schwebend ausklingt.

Fazit: Eine völlig ungewöhnliche Platte stellt „More“ im Albumkatalog von Pink Floyd dar. Keine andere Veröffentlichung der Band ist so uneinheitlich gestaltet. Dies ist sicherlich dem Umstand geschuldet, dass „More“ eben ein Soundtrack ist. Auf „More“ gibt es zum Teil Stücke zu hören, die für die damalige Musiklandschaft noch völlig neu waren. Und es gibt viel Abwechslung zu hören – auch wenn gerade dieser Umstand nicht immer einen Vorteil darstellen muss. Neun Punkte.

Anspieltipps: Cirrus Minor, The Nyle Song, Cymbaline, Main Theme, Quicksilver



Freitag, 16. März 2012

Marillion – Fugazi





Marillion – Fugazi


Besetzung:

Fish – vocals
Steve Rothery – guitar
Pete Trewavas – bass
Mark Kelly – keyboards
Ian Mosley – drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Progressive Rock


Trackliste CD 1:

1. Assassing (7:02)
2. Punch And Judy (3:21)
3. Jigsaw (6:50)
4. Emerald Lies (5:09)
5. She Chameleon (6:53)
6. Incubus (8:30)
7. Fugazi (8:13)


Trackliste CD 2:

1. Cinderella Search (12’’ Version)
2. Assassing (Alternative Mix)
3. Three Boats Down From The Candy
4. Punch And Judy (Demo)
5. She Chameleon (Demo)
6. Emerald Lies (Demo
7. Incubus (Demo)




Für ihr zweites komplettes Studioalbum, “Fugazi” haben Marillion erst mal ihren Drummer, Mick Pointer, der ihnen nicht mehr gut genug erschien, durch Ian Mosley ersetzt. Letzterer war bisher Schlagzeuger beim Ex-Genesis Mitglied Steve Hackett gewesen. Ian Mosleys „Reife und Selbstvertrauen, sowie seine musikalischen Fähigkeiten sollten die Band festigen.“ und „er sollte einen zuverlässigen Nachfolger darstellen, um die Herausforderungen des zweiten Albums in Angriff nehmen zu können“, so Fish im Booklet zur 1998 herausgebrachten und neu remasterten Version des Albums.

Nun, sie haben die Herausforderungen angenommen und wirklich ein tolles Nachfolgewerk für „Script Of A Jester’s Tear“ hingelegt. Allerdings den „Funken der Genialität“, der einem beim ersten Album noch bei jedem Stück ansprang, den kann man hier, zumindest nicht mehr überall erkennen.

Aber das Album hat natürlich seine Highlights. Da ist zum einen das wunderschöne „She Chameleon“, was einmal mehr durch den Abwechslungsreichtum in der Stimme Fishs und seinen schönen Steigerungen lebt. Oder aber der Titelsong „Fugazi“, der mit einem sehr ruhigen Part eingeleitet wird, um sich dann mit seinen verschiedenen Teilen zu einem richtigen progressiven Lied zu entwickeln. Klasse. Auch das längste Stück auf der Platte, „Incubus“ ist ein toller Track: So viel Abwechslung in einer Nummer bekommen nur die wenigsten Bands hin.

Unter den restlichen vier Stücken befindet sich ebenfalls kein Ausfall. Sie erreichen allerdings nicht mehr die Klasse der anderen drei Stücke sowie die, der auf dem ersten Album enthaltenen Songs. „Assassing“ berührt mich nicht richtig, bei dem Kurzstück (3:21) „Punch And Judy“ nervt ein wenig der Keyboardlauf. „Jigsaw“ ist eine schöne Ballade, in der Fish wieder die ganze Breite seines Gesangs präsentieren kann. Und schließlich „Emerald Lies“ - das „härteste“ Lied auf der CD, wenn man dabei überhaupt von Härte sprechen kann. Also nicht falsch verstehen, auch diese vier letztgenannten Nummern sind klasse Stücke, nur sie kommen eben nicht ganz an die anderen Highlights heran. Das ist Klagen auf allerhöchstem Niveau, ich weiß.

Bei der 1998 remasterten Version liegt noch eine zweite CD bei. Bei den vier Demostücken kann man richtig Studioatmosphäre schnuppern. Die Stücke sind noch nicht richtig abgemischt, was man sehr deutlich an den Drums hört. „Three Boats Down From The Candy” wurde bereits auf der ersten EP veröffentlicht und auf diesem Lied hört man bereits, wohin die weitere Reise Marillions gehen würde. „Cinderella Search” dagegen deutet an, wie die zukünftige Reise von Marillion weitergehen wird… Immer weiter weg vom Prog, aber das ist eine andere Geschichte.

Fazit: Einen würdigen Nachfolger für „Script Of A Jester’s Tear“ haben die fünf Briten hier vorgelegt, der nicht ganz an das vorherige Werk heranreicht. Wie sollte das aber auch gehen? Wem der Erstling gefallen hat, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Ich habe nämlich auch schon Meinungen gehört, die Fugazi über der ersten CD ansiedeln… Bei mir sind das zwölf Punkte.

Anspieltipps: She Chameleon, Incubus, Fugazi



Donnerstag, 15. März 2012

Electric Light Orchestra – Face The Music





Electric Light Orchestra – Face The Music

Besetzung:

Jeff Lynne – guitar, vocals
Richard Tandy – piano, moog, clavinet, guitar
Kelly Groucutt – bass, vocals, backing vocals
Bev Bevan – drums, backing vocals
Melvin Gale – cello
Hugh McDowell – cello
Mik Kaminski – violin


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Symphonic Pop, Mainstream


Trackliste:

1. Fire On High (5:32)
2. Waterfall (4:12)
3. Evil Woman (4:30)
4. Nightrider (4:26)
5. Poker (3:32)
6. Strange Magic (4:30)
7. Down Home Town (3:55)
8. One Summer Dream (5:51)


Bonus Tracks:

9. Fire On High (Early Alternate Mix) (3:23)
10. Evil Woman (Stripped Down Mix) (5:00)
11. Strange Magic (Single Edit) (3:28)
12. Waterfall (Instrumental Mix) (4:15)

Gesamtspieldauer: 52:34




Den, mit dem letzten Album eingeschlagenen, poppigeren Weg, geht das Electric Light Orchestra auf seinem fünften Album „Face The Music“ aus dem Jahr 1975 konsequent weiter. Zwar gibt es auf dieser Platte sogar Ausflüge in völlig andere Genres als der Pop-Musik, letztlich bleibt aber die immer noch eingängige, jedoch auch viel unaufgeregtere Musik, die sich auf „Face The Music“ in die Richtung, „Musik-Zum-Nebenbei-Hören“, entwickelt.

Spannend und fast schon mystisch wird das Album mit „Fire On High“ eröffnet. Rückwärts gespielte Musik wie Sprachfetzen, lassen dieses Stück zu Beginn fast gespenstisch erscheinen. Auf „Secret Messages“ sollten diese „Botschaften“ dann einige Jahre später noch intensiviert werden. Es folgen „Halleluja-Gesänge“ und schließlich entwickelt sich ein symphonisches Stück Musik, welches, sobald man sich darauf eingelassen hat, in einen treibenden Part übergeht, der zunächst durch Akustikgitarren, später dann mittels E-Gitarre und Orchester intoniert wird. Und so entwickelt sich ein abwechslungsreiches, rhythmisches und ein wenig bombastisches Stück, welches durchaus überzeugen kann.

Orchestral geht es dann ebenfalls auf „Waterfall“ weiter. Zunächst sehr eingängig, gibt es hier sogar mal ein wenig schrägere Töne zu hören, die allerdings trotzdem nicht verhindern können, dass das Lied irgendwie zu seicht aus den Boxen quillt. Dann folgt der „Hit“ des Albums. „Evil Woman” war ein Charterfolg, der größte, den das Electric Light Orchestra bis dahin vorzuweisen hatte. Und bei diesem Titel wird der einsetzenden Disco-Welle bereits Rechnung getragen, auch wenn die enthaltenen Streicher dies noch ein wenig verdecken.

Lied Nummer 4 auf dem Album heißt “Nightrider”. Wieder ein sehr eingängiges Stück, welches allerdings immer wieder mit Wendungen und interessanten Einschüben glänzt und so nie langweilig wird. Das Lied erinnert dabei schon sehr an die Titel, die ELO nur wenige Jahre später auf „Out Of The Blue“ und „Discovery“ veröffentlichen sollte. Eingängiger, von einem Orchester unterstützter Pop ist hier zu hören. „Poker” im Anschluss daran ist dann ein richtiger Rocker, bei dem die E-Gitarren mal mehr im Vordergrund stehen. Einen weiteren wichtigen Part nimmt bei diesem Stück das Keyboard ein, auf eine orchestrale Instrumentierung wird weitestgehend verzichtet. Nur gegen Ende spielt dies bei diesem Titel dann doch wieder eine Rolle.

“Strange Magic”, Song Nummer 6 auf “Face The Music”, beginnt im Anschluss daran wie eine ruhigere Ballade, die lediglich im Refrain etwas „discomäßig“ Fahrt aufnimmt und dort dann schwer nach den Bee Gees klingt. Leider besteht die zweite Hälfte des Liedes fast ausschließlich aus diesem Part. „Down Home Town” zeigt anschließend wieder eine ganz andere, bisher noch unbekannte Seite der Band. Hier bekommt man nun eine Country Adaptionen zu hören. Beschlossen wurde das Album ursprünglich von „One Summer Dream“. Zunächst eine sehr symphonische Angelegenheit, bis sich der typische ELO-Sound der nun folgenden Jahre entwickelt. Hier gibt es die Rhythmusfraktion gleichberechtigt mit den Streichern zu hören und es entfaltet sich ein Klanggebilde, welches ziemlich schnell ins Ohr geht.

Mit vier Bonus Tracks wurde die remasterte Version des Albums ausgestattet. Dabei handelt es sich um eine Instrumentalversion von „Waterfall“, sowie drei weiteren Mixen der Stücke „Fire On High“, „Evil Woman“ sowie „Strange Magic“. Alles ganz nett, essentiell ist allerdings nichts davon.

Fazit: Wer die späteren Alben des Electric Light Orchestras mag, der wird auch an “Face The Music” Gefallen finden. Umgekehrt ist das allerdings genauso. Freunde der ersten Platten der Band, werden hier nicht mehr unbedingt das finden, nachdem sie suchen. Mit den ersten drei Platten hat dieses Album nur noch ganz am Rande etwas zu tun. Das Experimentelle fehlt hier, mit Abstrichen findet man dies vielleicht gerade noch auf „Fire On High“. Außer, dass vielleicht mal ein neuer Stil ausprobiert wurde, gibt es auf „Face The Music“ nichts mehr Überraschendes zum Hören. Alles klingt ganz nett, wenn man Pop-Musik mag. Es fehlen auf „Face The Music“ allerdings die, nennen wir sie mal „Übersongs“. Richtige Ausreißer nach unten gibt es zwar auch nicht zu hören, jedoch bleibt auf diesem Album somit nur eine Melange aus fast schon Belanglosigkeiten übrig, was Freunde der späteren Werke allerdings, wie schon erwähnt, ganz anders sehen werden. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Fire On High, Nightrider, One Summer Dream, Fire On High (Early Alternate Mix)







Mittwoch, 14. März 2012

Archive – Michel Vaillant





Archive – Michel Vaillant


Besetzung:

Craig Walker – vocals
Darius Keeler – keyboards, bass
Danny Griffiths – guitars


Gastmusiker:

Smiley – drums
Carl Holt– bass guitar
Steve Harris – guitar
Graham Preskett – additional piano
Steve Emney – drums
Lee Pomeroy – bass guitar
Steve Watts – hammond, rhodes organ
Maria Q – backing vocals


Erscheinungsjahr: 2003


Stil: Soundtrack, Artrock


Label: Warner Music


Trackliste:

1. Le Mans (4:52)
2. Bridge Scene (5:33)
3. Helicoptere (6:13)
4. Come To Me 1 (3:14)
5. Vaillant Theme (3:48)
6. Nothing (3:23)
7. Friend (4:26)
8. Nightmare Scene (3:20)
9. Leader Theme (3:36)
10. Nightmare Is Over (4:37)
11. Vaillant (Acoustic) (1:35)
12. Night Time (2:11)
13. Red (1:27)
14. Come To Me 2 (6:35)

Gesamtspieldauer: 54:49




Bei dem Album “Michel Vaillant” handelt es sich um den Soundtrack zum gleichnamigen Film, der 2003 von Luc Besson produziert wurde und unter anderem Diane Krüger und Peter Youngblood Hills in den Hauptrollen zeigte. Michel Vaillant ist ursprünglich eine Comic-Figur des französchisch-begischen Zeichners Jean Graton und behandelt dessen Abenteuer als Autorennfahrer. Somit unterscheidet sich „Michel Vaillant“ auch von den anderen Veröffentlichungen der Band Archive in einigen Punkten.

Zunächst fällt auf, dass der für Archive fast schon obligatorische Longtrack auf dieser Veröffentlichung fehlt. Aber auch die Musik unterscheidet sich von „You All Look The Same To Me“ und „Noise“, den beiden Alben, die zeitlich gesehen um dieses herum veröffentlicht wurden. Dies ist sicherlich dem Umstand geschuldet, dass es sich hierbei eben nicht um ein „normales“ Studioalbum, sondern um einen Soundtrack handelt. Deutlich wird dies vor allem bei den Liedern „Le Mans“, „Nightmare Scene“ und „Red“, die mehr oder weniger Klangteppiche darstellen, um bestimmte Szenen zu untermalen. In eine ähnliche Kategorie fällt auch das fast ausschließlich instrumental gehaltene „Helicoptere“.

Ich habe den Film nicht gesehen und kann somit nicht beurteilen, wie die einzelnen Szenen zur Musik passen. Aber es bleibt festzuhalten, dass einige Sequenzen in diesem Film unglaublich schnulzig sein müssen, denn nur so ist ein Lied wie „Friend“ zu erklären, welches wahnsinnig schmalzig aus den Boxen wabert. Dies belegt die Musik, wie auch der Text - und wenn dann zur Rhythmusgenerierung auch noch ein Mitklatschen herhalten muss, dann schmerzt das doch gewaltig. In eine ähnliche Schublade passen auch die Lieder 4 und 11, „Come to me 1 und 2“.

Aber dieser Soundtrack enthält auch richtig gelungene Stücke, die auch auf den anderen Veröffentlichungen Archives zu den Highlights gehören würden. Das Instrumentalstück „Vaillant Theme“ zum Beispiel stellt weniger einen Klangteppich dar, sondern wartet viel mehr mit einer wunderschönen Melodie auf, die auch in ihrer Steigerung zu überzeugen weiß. Ebenso der Track Vaillant (Acoustic), der hauptsächlich von einer gezupften Gitarre und dem hier fast schon gehauchten Gesang Craig Walkers getragen wird. Und natürlich „Bridge Scene“, zweifellos eines der besten Lieder, die Archive bisher auf CD gepresst haben. Eine sehr ruhige Melodie wird hier immer weiter gesteigert, bis sie über dissonante Töne und einem fast schon erlösenden Snare-Einsatz quasi explodiert. Absolut klasse. Auch sehr gut: „Night time“. Toll passt hier wieder der Gesang von Craig Walker, der seine Botschaft dieses Mal so schön verzweifelt hinausschreit.

Fazit: Sicher das falsche Album zum Einstieg, wenn man beginnen möchte, sich mit der Musik von Archive genauer zu beschäftigen. Für Fans und Sammler aber ein Muss, da sich auf dem Album neben Längen auch besagte Highlights befinden. Acht Punkte.

Anspieltipps: Bridge Scene, Vaillant Theme, Night Time



Dienstag, 13. März 2012

Talk Talk – The Colour Of Spring





Talk Talk – The Colour Of Spring


Besetzung:

Mark Hollis – vocals, piano, variophon, organ, mellotron, melodica, guitar
Lee Harris – drums
Paul Webb – bass, backing vocals


Gastmusiker:

Phil Reis – percussion
Morris Pert – percussion
Martin Ditcham – percussion
Danny Thompson – acoustic bass
Alan Gorrie – bass
Steve Winwood – organ
Gaynor Sadler – harp
Robbie McIntosh – guitar, dobro
Tim Friese-Greene – piano, organ, mellotron, variophon
David Roach – soprano saxophone
Ian Curnow – instrumental
David Rhodes – guitar
Mark Feltham – harmonica
Ambrosia Choir – vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Pop, ArtPop


Trackliste:

1. Happiness Is Easy (6:31)
2. I Don't Believe In You (5:02)
3. Life's What You Make It (4:29)
4. April 5th (5:52)
5. Living In Another World ( 6:58)
6. Give It Up (5:17)
7. Chameleon Day (3:20)
8. Time It's Time (8:14)




Im Jahr 1986 erschien die dritte Platte der britischen Band Talk Talk. „The Colour Of Spring“ heißt dieses Album und auf ihm war ganz deutlich eine Entwicklung festzustellen: Aus der ehemaligen Synthi-Pop-Band Talk Talk war eine Formation geworden, die zwar immer noch Pop-Musik auf dem allerhöchsten Niveau fabrizierte, nun aber neben den Pop-Klängen auch ganz andere Töne und Stile zuließ. Die Musik auf „The Colour Of Spring“ war nicht mehr durchgehend radiotauglich, die Musik wurde eklektizistisch, abwechslungsreicher und vielschichtiger.

Aber auch auf „The Colour Of Spring“ gibt es diese Titel, die sofort ins Ohr gehen und einen nicht mehr loslassen. Das beginnt gleich mit der ersten Nummer „Happiness Is Easy“. „Glück ist einfach“ nuschelt Mark Hollis da auf Englisch. Und wenn dazu dann der Kindergartenchor einsetzt, dann passiert etwas in einem. Das Ganze verpackt in einer getragenen Popnummer und Talk Talk schafft es, wie kaum eine andere Band, Stimmungen zu produzieren. Diese entsprechen beim ersten Stück allerdings nicht dem „Glücklich sein“, sondern sehr viel eher der süßen Melancholie.

Schon ein bisschen weniger poppig wird es dann bei „I Don’t Believe In You“. Hier bestimmt, entsprechend dem Titel des Stücks, eine traurige Stimmung die Gefühlslage und hüllt den Hörer damit vollkommen ein. Ebenso mitreißend, allerdings wieder einen Tick fröhlicher und sogar tanzbar ist „Life’s What You Make It“. Eine schöne rhythmische Nummer, bei dem eine kleine, dem Lied zugrunde liegende Melodie, auf dem Keyboard fast mantrartig wiederholt wird und das Stück somit fast ein bisschen hypnotisierend werden lässt.

„April 5th“ geht dann schon sehr in die Richtung Musik, die Talk Talk auf den nächsten beiden Platten bis zur Perfektion ausleben wird. Eine Art Minimalismus herrscht hier vor. Das Ganze hat nun auch nur noch am Rande etwas mit Pop-Musik zu tun. Was hier zu hören ist, das ist längst nicht mehr so populär wie „Such A Shame“ zum Beispiel. „April 5th“ lebt von der Atmosphäre. Die Wichtigkeit einer schönen Melodie tritt deutlich in den Hintergrund, das Erzeugen von Stimmungen ist jetzt die Aufgabe der Musik geworden.

Allerdings schon beim nächsten Stück, „Living In Another World“, ist das alles wieder Makulatur. Hier stehen jetzt wieder die Beats im Vordergrund - und eine packende Melodie. Dazu gesellt sich, zum Verdichten des Sounds, noch ein fetter Orgelklangteppich, der selbst Jon Lord von Deep Purple zu Ehren gereicht hätte. Das Ganze in Kombination mit einer Mundharmonika und ein weiterer Höhepunkt im Schaffen von Talk Talk war geboren.

„Give It Up“ geht ebenfalls wieder in die Richtung „eingängige Popnummer“, vermittelt dabei allerdings erneut sehr viel Atmosphäre. Auch bei diesem Stück gibt es wieder einen fetten Orgelsound zu hören, für den sich Steve Winwood auszeichnet. Der kürzeste Track des Albums, „Chameleon Day“, nimmt dann erneut schon sehr viel von den nächsten beiden Alben vorweg. Ähnlich wie bei „April 5th“, ist hier ein wunderschöner Minimalismus zu hören. Alles, Instrumente wie Gesang, werden hier irgendwie nur angetestet, nur ganz zurückhaltend angeboten, bleiben im Hintergrund, obwohl sich im Vordergrund rein gar nichts abspielt. Nur ganz kurz bricht Mark Hollis mit seinem Gesang aus diesem Klanggebilde aus, um „Breathe on me, Eclipse my mind, It's in some kind of disarray, Killing time, I cradle far, Chameleon Days, Chameleon Day“ herauszustoßen. Besser kann man Musik kaum akzentuieren.

Zunächst poppig, dann immer hymnischer, wird das Album mit „Time It’s Time“ beendet. Auf über acht Minuten ziehen Talk Talk hier noch mal alle Register des Liederschreibens. Man hört schöne Melodien, einen groovenden Rhythmus, dichte Hintergrund-Chorpassagen, fröhliche Variophon- und Melodica-Instrumentalabschnitte und eine, den Hörer immer wieder einfangende Stimmung und Atmosphäre.

Fazit: Ein unglaublich dichtes und gleichzeitig abwechslungsreiches Album ist Talk Talk mit „The Colour Of Spring“ gelungen. Wunderschöne Melodien eröffnen sich hier dem Hörer, die mal zum Nachdenken und In-Sich-Gehen, mal zum Mitwippen einladen. Schade ist nur, dass das Album nach dem achten Lied bereits endet. Aber dann eben noch mal von vorne. 12 Punkte.

Anspieltipps: Jeder der acht Titel.



Montag, 12. März 2012

Guilt Machine – On This Perfect Day





Guilt Machine – On This Perfect Day


Besetzung:

Jasper Steverlinck – vocals
Lori Linstruth – lead guitars
Chris Maitland – drums
Arjen Lucassen – other instruments and vocals


Gastmusiker:

Ben Mathot – violin
David Faber – cello


Label: Mascot Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Progressive Rock, ProgMetal


Trackliste:

1. Twisted Coil (11:43)
2. Leland Street (8:03)
3. Green And Cream (10:33)
4. Season Of Denial (10:22)
5. Over (6:12)
6. Perfection? (10:46)




Der Holländer Arjen Lucassen ist sehr fleißig. So hat er neben seinem Hauptprojekt „Ayreon“, mit „Guilt Machine“ nun schon das vierte Nebenprojekt eröffnet. Und das ist absolut gelungen. Für die Komposition der Musik zeichnet sich alleinig Arjen Lucassen aus. Für die Umsetzung der Produktion konnte er dieses Mal Chris Maitland, den Ex-Drummer von Porcupine Tree gewinnen. Weiter beteiligt war Lori Linstruth, die sich für alle Texte verantwortlich zeigte. Dazu gesellte sich schließlich noch mit Jasper Steverlinck ein bisher völlig unbekannter belgischer Sänger, der seine Sache ausgezeichnet macht. Und wenn ich es nicht anders im Booklet nachlesen könnte, so wäre ich mir sicher, Freddie Mercury dort in einigen Passagen beim Singen zu hören. Unglaublich diese Ähnlichkeit.

Die Musik selbst besteht aus sechs Stücken, die durch die Bank weg, überaus gelungen sind. Das klingt zum Teil nach progressivem Hardrock bis ArtRock. Dicht und düster kommen die sechs Stücke aus den Boxen, garniert wird das Ganze durch tolle Melodien, die immer wieder Überraschungen aufweisen. Weitere Adjektive zur Beschreibung des Albums wären „melancholisch“ und immer wieder auch „wunderschön progressiv“.

Als Gimmick hat sich Herr Lucassen etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Im Booklet sind die Namen von Fans aufgereiht, die ihm in verschiedenen Sprachen ihre Gedanken zu den Themen „Schuld“, „Bedauern“, „Leben“, „Tod“ und der „menschlichen Natur“ als Audio-Datei zusandten. Gleich der zweite Beitrag ist dabei der Deutsche, quasi noch vor Beginn des ersten Liedes: „Wenn man lang genug in den Spiegel schaut, blickt man in die Augen des Teufels.“ Funktioniert bei mir aber Gott sei Dank nicht… 19 verschiedene Fan-Aussagen hat er auf diese Weise in sein Werk mit einfließen lassen.

Nun zur Musik. Die ist absolut dicht und weiß mitzureißen. Absolute Höhepunkte bei den Songs sind dabei „Season Of Denial“ und der letzte Track: „Perfection?“, was allerdings nicht heißen soll, dass die anderen Stücke dagegen groß abfallen. Wer welches Lied am besten findet, ist wieder mal absolute Geschmackssache, da sich hier wirklich keine schlechte Nummer auf das Album verirrt hat. Die beiden genannten Stücke sind meine persönlichen Höhepunkte, da sie in der ganzen Komplexität, dem Abwechslungsreichtum und auch der filigranen Musikalität noch mal eine Schippe drauflegen.

Fazit: Wer auf melodisch gemachte, zu Teil auch härtere und bombastische Rockmusik steht, die allerdings niemals seicht und mainstreammäßig daherkommt, kann hier nichts falsch machen. Eine tolle Platte von „Guilt Machine“ beziehungsweise Arjen Lucassen, die allerdings nur sehr wenig mit „Ayreon“ gemein hat. Dafür vergebe ich gerne 12 Punkte.

Anspieltipps: Season Of Denial, Perfection?



Sonntag, 11. März 2012

Pink Floyd – A Saucerful Of Secrets





Pink Floyd – A Saucerful Of Secrets


Besetzung:

David Gilmour –guitar, vocals
Nick Mason – drums
Richard Wright – organ, piano, vocals
Roger Waters – bass guitar, vocals


Gastmusiker:

Syd Barrett – guitar, vocals (Jugband Blues)


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1968 / 1994 / 2011


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Let There Be More Light (5:39)
2. Remember A Day (4:33)
3. Set The Controls For The Heart Of The Sun (5:27)
4. Corporal Clegg (4:12)
5. A Saucerful Of Secrets (12:00)
6. See-Saw (4:37)
7. Jugband Blues (3:00)




Auf ihrem zweiten Album, “A Sauercerful Of Secrets“, aus dem Jahr 1968, haben die vier Musiker von Pink Floyd den nächsten Schritt getan. Gab es auf dem Erstlingswerk „The Piper At The Gates Of Dawn“ auch noch eine ganze Menge 60er Jahre Pop zu hören, so tritt dieser, auf dem zweiten Album Pink Floyds, doch deutlicher in den Hintergrund. Alles klingt hier noch ein wenig psychedelischer, experimentierfreudiger und dabei immer wieder, wenn auch nicht durchgängig, eingängig.

Aber es hatte sich natürlich auch eine ganze Menge in der Band getan. Syd Barrett, der sich auf dem Debut noch als Hauptideengeber Pink Floyds auszeichnete, hatte die Band verlassen, beziehungsweise war gegangen worden. An seine Stelle trat nun David Gilmour an der Gitarre. Mit einem Lied, nämlich dem letzten der Platte, ist Syd Barrett allerdings auch noch auf diesem Album verewigt. „Jugband Blues“ heißt sein Beitrag, der mit drei Minuten Laufzeit das kürzeste Stück der Platte darstellt und ganz in der Tradition von „The Piper At The Gatres Of Dawn“ steht. Denn diese Nummer hätte vom Stil her durchaus auch auf dem ersten Album der Band seinen Platz finden können. Bis etwa zur Mitte des Stücks ist das Lied eine Pop-Nummer der 60er Jahre, die dann kurz nach der Hälfte ein wenig experimentell wird, um dann gegen Ende in einen sehr sphärischen und melodiösen Teil überzugehen.

Von den restlichen sechs Titeln stammen drei aus der Feder Roger Waters, zwei von Rick Wright und beim Titelstück, „A Saucerful Of Secrets“, zeichnen sich alle vier Musiker als Co-Komponisten aus. Eröffnet wird das Album mit „Let There Be More Light“ von Roger Waters. Der Beginn des Stücks klingt genau so, wie man es von einem Stück erwartet, dass dem Genre „Psychedelic Rock“ zugeordnet werden soll: Ein wenig schräg und sphärisch. Dann geht die Nummer allerdings in einen sehr harmonischen und melodiösen Teil über, der vor allen dadurch länger hängenbleibt, weil Roger Waters den Gesang während der Strophe sehr abgehackt intoniert. Es folgt mit „Remember A Day“ von Rick Wright ein wunderschön melodiöser Titel, der von einer harmonischen Pianomelodie getragen wird, in die immer wieder ungewohnte, fast schon weinende Gitarrenklänge, sowie diverse „Geräusche aus dem Mund Roger Waters“ eingestreut werden. Ein richtig schönes Stück.

Dann folgt mit „Set The Controls For The Heart Of The Sun“ wieder eine Nummer von Roger Waters. Die Stimmung dieses Stücks ist auf irgendeine Art und Weise mystisch. Alles klingt ein wenig unheimlich und eine Melodieführung ist nur am Rande vorhanden. Bei diesem Track geht es um die Atmosphäre und sonst nichts. Und das schafft das Lied auch, Atmosphäre zu schaffen. Eine tief dunkle, ja, mystische Stimmung – und daran können auch die Möwen nichts ändern, die gegen Ende des Liedes immer wieder zu hören sind. Das nächste Stück stammt ebenfalls von Roger Waters und „Corporal Clegg“ heißt es. Die Nummer besteht aus mehreren Teilen. Einem, der ein wenig härter klingt, einem, der an die Beatles erinnert und einem dritten, der Assoziationen an einen Zirkus oder Jahrmarkt aufkommen lässt. Eine nette Spielerei.

Schließlich gibt es den Titeltrack zu hören, der mit seinen zwölf Minuten Laufzeit auch gleichzeitig das längste Lied der Platte darstellt. Und auch hier gibt es eine Dreiteilung. Ganz langsam fängt es an zu brummen, dazu gesellen sich diverse Geräusche und eine nicht sehr melodiöse Synthesizer-Melodie. Und es wird immer atonaler, abgefahrener, wirrer, lauter und kakophonischer. Nach genau einem Drittel des Liedes ist damit aber abrupt Schluss und jetzt kann Nick Mason sein Können am Schlagzeug zeigen. Dieses wird allerdings ziemlich schnell wieder in den Hintergrund gedrängt und es geht genauso schräg und nervenzerreißend weiter, wie es bereits im ersten Teil zu hören war. Und aus all diesem erwächst dann nach sieben Minuten ein Donnergrollen, welches schließlich in ganz andere, absolut liebliche Töne mündet. Größer kann der Kontrast der Musik in einem einzigen Stück wahrlich nicht mehr sein. Aus einem Gewühl von Tönen und Eindrücken erwächst eine ganz ruhige, harmonische und melodiöse Orgelmelodie, die schließlich noch von einem Chor unterstützt wird. Auf zwölf Minuten haben Pink Floyd hier Himmel und Hölle erschaffen. Das ist „Psychedelic Rock“!

Bevor das Album durch das bereits erwähnte Stück „Jugband Blues“ beschlossen wird, gibt es allerdings noch den zweiten Titel von Richard Wright zu hören. „See-Saw“ heißt dieser, ist eine nette, etwas schwebende und eingängige Nummer, die allerdings nicht an seinen ersten Beitrag „Remenber A Day“ heranreicht.

Fazit: “A Saucerful Of Secrets” geht noch einen Schritt weiter in die Richtung “Psychedelic Rock”. Und auch wenn es für viele Fans die Katastrophe schlechthin war, das Syd Barrett Pink Floyd verlassen hatte, so wirkt es hier doch so, zumindest beim Hören seines Stückes auf dem Album, dass er seinen Zenit, warum auch immer, als Songschreiber bereits überschritten hatte. Bestätigt wurde dieser Eindruck auch durch seine zwei folgenden Soloalben. Doch das ist ein anderes Thema. Was bleibt ist eine spannende Platte, die sehr viele Stimmungen bereithält, von denen man sich immer wieder überraschen lassen kann. Interessant, spannend und elf Punkte wert.

Anspieltipps: Let There Be More Light, Remember A Day, A Saucerful Of Secrets