Sonntag, 15. Mai 2016

Neues Glas Aus Alten Scherben – Rebellendisko




Neues Glas Aus Alten Scherben – Rebellendisko


Besetzung:

Michael Kiessling – Gesang
Dirk Schlömer – Gitarre, Gesang
Mischka – Tasteninstrumente
Jochen Hansen – Bass
Funky K. Götzner – Schlagzeug


Label: Busch Funk


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Rock


Trackliste:

1. Schritt Für Schritt Ins Paradies (5:01)
2. Wenn Der Wind Weht (4:12)
3. Setz Die Segel (3:34)
4. Widerstand (4:28)
5. Der Wanderer (5:14)
6. Der Einsame Reiter (4:06)
7. Ich Weiss Es (5:23)
8. Virus (4:51)
9. Wenn Die Menschen Wieder Lachen (3:13)
10. Das Ewige Warten (4:08)
11. Deutschland Deutschland (5:06)
12. Sternschnuppen (4:28)

Gesamtspieldauer: 53:50




„Rebellendisko“ heißt das bisher einzige Studio-Album der Band Neues Glas Aus Alten Scherben, die zunächst als Cover-Band von Ton Steine Scherben begonnen hatten. Auf „Rebellendisko“, welches im Jahr 2001 erschien, befinden sich jetzt allerdings Eigenkompositionen. Verbindendes Glied zu den ursprünglichen Ton Steine Scherben ist dabei Dirk Schlömer, der in beiden Bands aktiv war beziehungsweise ist. Dazu gesellt sich auch Mischka, der auch bereits in der Band von Rio Reiser an den Keyboards zu hören war.

Auf „Rebellendisko“ ist gut gemachter Deutsch-Rock zu hören. Und dabei handelt es sich wirklich um Rock und nicht um Pop – von daher kann der Albumtitel etwas verwirren. Auf „Rebellendisko“ sind definitiv keine Disco-Klänge zu hören. Kraftvoll klingen Musik wie auch der Gesang, sind dabei durchaus melodiös und gehen ins Ohr. Die Texte sind zumeist politisch motiviert, wie sollte das auch anders sein, bei einer Band, die so eng mit Ton Steine Scherben verbunden ist.

Aus den Socken reißt es einen beim Hören der Scheibe allerdings nicht. Sehr viel eher ist das solide gemachter Deutsch-Rock, der durchaus klingt, ohne dabei jedoch die absoluten Höhepunkte für die Hörerin beziehungsweise den Hörer bereit zu halten. Jedoch gehen einige Titel durchaus gut ins Ohr und dies verstärkt sich noch mit jedem weiteren Durchlauf der Scheibe. Höhepunkte für mich sind das mitreißende und eingängige „Wenn Der Wind Weht“, sowie die rockige Nummer „Deutschland Deutschland“, die ebenfalls durch Melodiösität punkten kann. Dieses Lied wird mittels eingeblendeter Sprachfetzen noch ein wenig interessanter und abwechslungsreicher und verfügt ebenfalls wieder über einen Text, der zumindest zum Nachdenken anregt.

Fazit: Ziemlich unbekannt sind Neues Glas Aus Alten Scherben, was wohl in erster Linie daran liegt, dass die Band mit „Rebellendisko“ lediglich ein Studio-Album veröffentlichte. Nun, da das Ganze auch bereits fünfzehn Jahre zurück liegt, sollte man sich über die fehlende Aufmerksamkeit auch nicht mehr großartig wundern. Schade eigentlich, denn auf „Rebellendisko“ gibt es gut gemachten Deutsch-Rock zu hören, der ins Ohr geht. Dazu gesellen sich Texte, die eben nicht von Liebe und Herzschmerz handeln. Von daher durchaus hörenswert. Neun Punkte.

Anspieltipps: Wenn Der Wind Weht, Deutschland Deutschland



Samstag, 14. Mai 2016

Hayden – Everything I Long For




Hayden – Everything I Long For


Besetzung:

Hayden – vocals, guitar (acoustic and electric), harmonica, piano, accordion


Gastmusiker:

Joao Carvalho – drums on "Bad As They Seem", "Skates", "Driveway", "When This Is Over"; bass on "Bad As They Seem"
Bryan Richards – drums on "In September"
Guy Cannotplayit – cello on "Hardly"


Label: Hardwood Records


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Indie Folk, Folk Rock


Trackliste:

1. Bad As They Seem (3:31)
2. In September (2:41)
3. We Don't Mind (4:32)
4. Tragedy (3:56)
5. Stem (1:46)
6. Skates (7:17)
7. I'm To Blame (2:25)
8. Assignment In Space With Rip Foster (2:37)
9. Driveway (4:19)
10. Hardly (4:13)
11. You Were Loved (2:47)
12. When This Is Over (3:59)
13. My Parent's House (4:34)
14. Lounging (11:35)

Gesamtspieldauer: 60:17




Hayden oder genauer gesagt Paul Hayden Desser, ist ein kanadischer Sänger und Songschreiber aus Thornhill, Ontario. Im Jahr 1995 veröffentlichte der mit „Everything I Long For“ sein Debut-Album auf dem Label Hardwood Records. Zu hören gibt es darauf eine irgendwie geartete Mischung aus Folk und Grunge, die sich mal sanft und zerbrechlich, dann wieder fast schon kakophonisch anhört. Letzteres immer dann, wenn Paul Hayden Desser glaubt schreien zu müssen.

Viele der Titel auf „Everything I Long For“ gehen durchaus ins Ohr, ohne dabei gleich Ohrwürmer zu sein. Trotzdem klingt es gut und überzeigend, warm und zumeist sanft. Nur leider wollte Hayden seine Musik um das Stilmittel des „Geschreis“ erweitern. Nicht in jedem Lied, doch leider an mehreren Stellen. Dann nimmt die Musik durchaus gut Fahrt auf und klingt deutlich geladener und auch wirklich überzeugend. Soweit so gut, wenn da eben nicht die oben bereits erwähnten gesanglichen Ausbrüche wären. Das klingt in diesen Fällen alles andere als gut und man ist dauernd in der zwiespältigen Situation, ob man jetzt doch lieber die Fernbedienung in die Hand nehmen sollte, um dem gerade laufenden Titel per Skip-Taste den Garaus zu machen.

Die akustische Gitarre steht bei Hayden im Vordergrund und mit dieser weiß der Kanadier durchaus schöne und schmeichelnde Atmosphären zu erschaffen. In diesen sanften Passagen klingt auch die Stimme des Sängers ruhig und beruhigend. Und so gibt es da zum Beispiel ein Lied wie „When This Is Over“, in dem beide Facetten des Gesangs von Hayden zur Geltung kommen. Hier das sanfte Momentum, da dann das zerstörerische und verwirrende Gebrüll. Ich hoffe doch sehr, dass Paul Hayden Desser in diesen Situationen absichtlich falsch klingen möchte, ansonsten wäre diese Scheibe an Traurigkeit kaum mehr zu überbieten. Der letzte Titel, „Lounging“, sind übrigens natürlich keine knapp zwölf Minuten lang. Wieder mal ein „Hidden Track“, der bei Musikschaffenden in den 90er Jahren aufgrund der immer noch neuen Mediums CD so beliebt war. Allerdings gibt es dieses Mal keine Musik zu hören, sondern das Rezept für ein Sandwich. Auch mal was Neues…

Fazit: Im Grunde genommen ist „Everything I Long For“ ein sanftes Folk-Rock-Album, was auch genau in diesem Genre seine Stärken besitzt. Dann gibt es da noch die andere Seite des Paul Hayden Desser, der auch mal Grunge spielen möchte. Macht er auch gut, nur der Gesang treibt einem dann die Tränen in die Augen. Schade eigentlich, denn ansonsten wäre dieses Debut-Album ein überzeugendes geworden. So stellt es – zumindest zeitweise – eher einen Kampf (oder doch eher Krampf?) dar. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Hardly



Freitag, 13. Mai 2016

Peter Green – A Case For The Blues




Peter Green – A Case For The Blues


Besetzung:

Peter Green – vocals, guitar, harmonica, drums


Gastmusiker:

Ray Dorset – vocals, guitar, bass guitar, harmonica
Vincent Crane – keyboards
Len Surtees – bass guitar
Greg Terry-Short – drums
Jeff Whittaker – vocals, percussion, drums


Label: Soundwings


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Blues, Boogie Woogie


Trackliste:

1. Dust My Broom (4:21)
2. One More Night Without You (5:27)
3. Crane's Train Boogie (3:18)
4. Boogie All The Way (4:30)
5. Zulu Gone West (3:11)
6. Blowing All My Troubles Away (5:19)
7. Strangers Blues (4:55)
8. Sweet Sixteen (3:32)
9. Who's That Knocking (4:21)
10. The Case (3:40)

Gesamtspieldauer: 42:37




„A Case For The Blues“ heißt das bisher letzte Solo-Album des Fleetwood Mac Gründers Peter Green. Alles was danach kam, waren noch Kompilationsalben. Da dieses „A Case For The Blues“ allerdings bereits im Jahr 1985 veröffentlicht wurde, ist kaum mehr damit zu rechnen, dass die Diskographie des Peter Green noch großartig anwachsen wird. Ob es sich hier jedoch um ein Solo-Album im eigentlichen Sinne handelt, ist dabei auch noch sehr umstritten. Aufgenommen hat Peter Green das Album mit der Band „Katmandu“ und in manchen Verzeichnissen wird die Scheibe auch unter Katmandu geführt. Auch stammt lediglich der Titel „Strangers Blues“ aus der Feder des Peter Green. Die restlichen Stücke von den anderen Musikern. Da die Platte allerdings meistens eben doch unter Peter Green eingereiht wird, soll sie hier auch unter dieser Überschrift laufen.

Nun, der Name des Albums sagt es bereits unmissverständlich, auf „A Case For The Blues“ gibt es Blues zu hören. Auch Fleetwood Mac waren zu Beginn ihrer Karriere eine Blues Bad, in der Peter Green der „Master Mind“ war. Nicht weiter verwunderlich also, dass Peter Green ein solches Album vorlegt. Neben dem Blues frönen die Musiker auch noch dem Boogie Woogie, der hier groovend dargeboten wird. Nun, ich gebe es gerne zu, mit Blues habe ich manches Mal so meine Schwierigkeiten, mit Boogie Woogie erst recht. Allerdings gibt es auch durchaus begeisternde Blues-Stücke, die auch mitreißen. Allerdings auf „A Case For The Blues“ finde ich kein einziges dieser Lieder, die man gerne hört, die einen begeistern. Die Musik auf dieser Platte ist mit einer fast schon unfassbaren Beständigkeit langweilig, dass man das Ganze immerhin mit konsequent umschreiben kann. Man muss sein Herz schon sehr stark an den Blues verloren haben, um mit dieser Musik, die es einfach niemals schafft zu zünden, etwas anfangen zu können. Alles läuft so durch und man ist fast dankbar, wenn nach knapp einer dreiviertel Stunde endlich wieder Ruhe herrscht. Traurig.

Lediglich beim Titel „Blowing All My Troubles Away“, ebenfalls ein Blues, kann man eine Melodie entdecken, die sich lohnt gehört zu werden. Dieses Lied bleibt durchaus etwas mehr haften, auch wenn es natürlich kein Meisterwerk der Musikgeschichte darstellt. Doch ist die Nummer mit dem Hintergrundgesang auch gut arrangiert und eben endlich auch mal eingängig. Das war es dann allerdings auf „A Case For The Blues“. Der ganze Rest, egal ob Blues oder Boogie Woogie, ist einfach nicht überzeugend.

Fazit: „A Case For The Blues“ ist ein Album für den Blues-Fan. Für den Hardcore-Blues-Fan. Für alle anderen wird es schwierig. Das liegt daran, dass es hier eben keine - zumindest nicht mehr als eine - eingängige Melodie zu entdecken gibt. Auf „A Case For The Blues“ findet sich nichts Spannendes, nichts, was einen aufhorchen lässt. Man hört hier einen sich irgendwie selbst bemitleidenden Blues oder ein Boogie Woogie, dessen Zeit bereits Jahrzehnte vergangen ist. Drei Punkte.

Anspieltipps: Blowing All My Troubles Away



Donnerstag, 12. Mai 2016

Haken – Aquarius




Haken – Aquarius


Besetzung:

Ross Jennings – vocals
Richard "Hen" Henshall – guitar and keyboards
Charlie Griffiths – guitar
Thomas MacLean – bass guitar
Ray Hearne – drums, tuba, djembe
Diego Tejeida – keyboards


Gastmusiker:

Craig Beattie – trombone
Alex Benwell – trumpet
Pablo Inda Garcia – clarinet
Marged Hall – harp
Darren Moore – trumpet
Jon Roskilly – trombone
Dave Ruff – flute


Label: Sensory


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Progressive Metal


Trackliste:

1. The Point of No Return (11:26)
2. Streams (10:14)
I. Streams
II. Veins
III. Digression
3. Aquarium (10:39)
4. Eternal Rain (6:42)
5. Drowning in the Flood (9:28)
6. Sun (7:19)
7. Celestial Elixir (16:56)

Gesamtspieldauer: 72:47




„Aquarius“ nannte die englische Progressive Metal Band Haken ihr erstes Album, welches im März 2010 veröffentlicht wurde. Und was es auf dieser Scheibe zu hören gibt, das ist durchaus hörens- und lohnenswert. Jede Menge musikalischer Stile bekommt man auf diesem Debut-Album geboten. Da gibt es Rock- und Pop-Passagen, Hard Rock, Metal und eben auch Progressive Rock und Progressive Metal. Gemastert wurde das Ganze von Eroc, dem Ex-Grobschnitt Schlagzeuger, was alleine schon einiges an Qualität erwarten lässt.

Und so hört man auf „Aquarius“ auch Musik, die sich nicht nur über diverse musikalische Genres erstreckt, sondern auch von zart bis hart, von schüchtern bis bombastisch so einiges für die Hörerin und den Hörer bereithält. Gerade gegen Ende der Platte scheinen die Titel noch ein wenig symphonischer, noch eingängiger zu werden, da macht das Zuhören richtig Spaß. Der Höhepunkt des Albums wartet dabei direkt am Schluss auf die Hörerinnen und Hörer. Das knapp siebzehnminütige „Celestial Elixir“ ist eine phantastische Nummer, in der die sechs Musiker alles reinzupacken gedachten, was sie so an Ideen und Sounds auf Lager hatten. Ein klein wenig klingt das Lied sogar so, als stelle es eine Zusammenfassung des bisher Gehörten dar, ohne dabei jedoch wirklich redundant zu sein. So wird „Celestial Elixir“ zu einer Reise, die mal lustig, mal nachdenklich, mal sehr melodiös, mal hart klingt. Plötzlich befindet man sich im Zirkus, schließlich in der hektischen Stadt, dann wieder in der entspannten du sehr friedfertigen freien Natur. Nichts, was hier nicht geboten wird. Wahrlich gelungen.

Auch der Anfang der Platte kann zwar überzeugen, ist allerdings insgesamt etwas härter als das Ende der Platte geraten. Die verschiedenen Atmosphären werden hier jedoch auch bereits zelebriert und eröffnen immer wieder neue Türen, wenn hier auch der Fokus etwas mehr auf den härteren Tönen und Takten liegt. Leider hört man hier allerdings auch einige „Growl“-Laute, die man halt mögen muss und die ganz bestimmt nicht jedermanns Sache sind. Von mir aus hätten die Musiker von Haken da gut und gerne darauf verzichten können. Sei es drum, sie übertreiben es nicht damit, sodass sich diese kurzen Episoden durchaus noch erträglich gestalten. Die schönen Momente überwiegen dementsprechend auch hier.

Fazit: Ein wirklich gelungenes Debut-Album stellt „Aquarius” von Haken dar. Sehr abwechslungsreiche Musik gibt es darauf zu hören. Die Bandbreite erstreckt sich von sanft bis hart. Schräge Töne gibt es darauf auch zu erlauschen, bis hin zu Zirkusklängen. Progressive Rock bis Progressive Metal stehen an erster Stelle, die die Platte niemals langweilig werden lassen. Mit jedem Durchlauf wird die Musik der Band etwas eingängiger, die durch ihren Aufbau auch gar nicht gleich beim ersten Hören vollkommen überzeugen kann. Irgendwie scheint das Musikzentrum des Hörers erst auf das Gehörte eingestimmt werden zu müssen. Aber dann… Elf Punkte.

Anspieltipps: Sun, Celestial Elixir



Mittwoch, 11. Mai 2016

Tanzwut – Tanzwut




Tanzwut – Tanzwut


Besetzung:

Teufel – Gesang
Brandan – Gitarre, Dudelsack
Wim – Dudelsack, Scalmeien
Castus – Gesang, Drehleier, Dudelsack, Schalmei
Koll. A. – Dudelsack, Schalmei
Tec – Programming


Gastmusiker:

Saskia von Klitzing – Schlagzeug Titel 3 & 6
Monique Maasen – Gesang Titel 6
Mediaeval Baebes – Gesang Titel 7


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Electronic Rock, Industrial Rock, Mittelalter Rock


Trackliste:

1. Exkremento (3:42)
2. Im Rausch (3:40)
3. Königreich (4:09)
4. Das Schicksal (4:09)
5. Verrückt (3:50)
6. Augen Zu (4:09)
7. Auferstehung (5:25)
8. Eisenmann (5:31)
9. Erinnerung (3:51
10. Die Balz (4:07)
11. Komm Her (6:01)

Gesamtspieldauer: 48:40




„Tanzwut“ heißt das erste, selbstbetitelte Album, der hauptsächlich aus Mitgliedern der Mittelaltermusik-Gruppe Corvus Corax entstandenen Band Tanzwut. Mit Mittelalter-Musik hat das, was man auf „Tanzwut“ zu hören bekommt, allerdings kaum noch etwas zu tun. Lediglich der Dudelsack und ab und an eine Schalmei erinnern noch als Instrumente des Mittelalters an die musikalischen Ursprünge der meisten Bandmitglieder. Stattdessen hört man hier jetzt sehr viel eher Electronic Rock bis hin zu Industrial Rock. Und wenn die Gitarre sehr hart gespielt wird und Sänger Teufel seine Stimmlage ganz tief herabsenkt, dann klingt die Musik von Tanzwut fast schon nach Neuer Deutscher Härte.

Diese Mischung aus Dudelsack-Klängen und fetten elektronischen Beats ist dabei durchaus gewöhnungsbedürftig. So richtig zünden will diese Melange verschiedener musikalischer Genres nur ab und an. Ganz gut funktioniert das in den beiden Instrumentalstücken „Das Schicksal“ und „Die Balz“. Hier klingt die Musik spannender und auch ein wenig eingängiger. Und dann gelingt diese Mixtur auch noch beim Titel „Augen Zu“, der auch gleichzeitig ein gesangliches Duett darstellt und ins Ohr geht.

Der ganze Rest der Platte ist da schon sehr viel sperriger und weniger leicht zugänglich. Zum einen muss man mit diesem gekünstelt wirkenden Sprechgesang „warm werden“, zum anderen benötigt man ein offenes Ohr für diese vielen Computerbeats, die eben niemals ein echtes Schlagzeug ersetzten können. Und auch sonst, klingt das alles zum Teil schon sehr künstlich. Da einen die Musik und auch die Texte nicht einfangen können, bleibt hier manchmal eher etwas Langeweile als Musik, die sich restlos genießen lässt.

Fazit: Ein paar Mittelalter-Musikinstrumente in Verbindung mit viele elektronischen Tönen, das ist es was man auf „Tanzwut“ dem Debut-Album von Tanzwut geboten bekommt. Es liegt in der Natur der Dinge, dass das Ganze nicht massentauglich ist. Man muss hier ein Ohr für diese elektronischen Beats, harte Gitarrenriffs und mittelalterliche Klänge besitzen, sonst kann man mit dieser Scheibe nicht ganz so viel anfangen. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Das Schicksal, Augen Zu, Auferstehung, Die Balz



Dienstag, 10. Mai 2016

Pete Townshend – Another Scoop




Pete Townshend – Another Scoop


Besetzung:

Pete Townshend – many instruments


Gastmusiker:

Nicht extra aufgeführt


Label: ATCO Records


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

Platte / CD 1:

1. You Better You Bet (5:19)
2. Girl In A Suitcase (3:26)
3. Brooklyn Kids (4:49)
4. Pinball Wizard (3:00)
5. Football Fugue (3:25)
6. Happy Jack (2:15)
7. Substitute (3:35)
8. Long Live Rock (3:47)
9. Call Me Lightning (2:12)
10. Holly Like Ivy (2:54)
11. Begin The Beguine (4:10)
12. Vicious Interlude (0:22)
13. La-La-La-Lies (1:58)
14. Cat Snatch (3:22)


Platte / CD 2:

1. Prelude #556 (1:19)
2. Baroque Ippanese (2:25)
3. Praying The Game (4:17)
4. Driftin' Blues (3:17)
5. Christmas (1:57)
6. Pictures Of Lily (2:50)
7. Don't Let Go The Coat (4:00)
8. The Kids Are Alright (2:58)
9. Prelude: The Right To Write (1:36)
10. Never Ask Me (4:24)
11. Ask Yourself (4:30)
12. The Ferryman (5:46)
13. The Shout (3:52)

Gesamtspieldauer: 1:25:47




„Another Scoop” heißt die zweite Veröffentlichung der dreiteiligen „Scoop-Reihe“, in der Pete Townshend seinen Hörern, wie mit einer großen Schaufel, neben ein paar neuen Stücken, eine ganze Menge Demos und alternative Versionen von bereits bekannten Liedern hinwirft. Auch auf dieser zweiten Doppel-LP gibt es allerdings wieder nicht übermäßig viel Neues zu hören, vielmehr ist es interessant zu beobachten, wie einzelne Lieder auch hätten klingen können, wenn der Unterschied auch nicht immer sehr groß ausfällt.

Am Interessantesten sind hier die Titel, die Pete Townshend mit Orchester eingespielt hat und eben noch nicht auf den bisherigen Platten zu finden sind. Diese sind allesamt sehr eingängige Stücke, kraftvoll und voll klingend, sehr melodiös und ins Ohr gehend. „Brooklyn Kids“, „Football Fugue“, „Praying The Game“ und vor allen Dingen „The Ferryman“ sind hierbei zu nennen. Hier klingt „Another Scoop“ jetzt auch sehr eindrucksvoll und lohnenswert. Das kann man aber natürlich nicht von allen Titeln behaupten, da diese wirklich oftmals im Heimstudio des Musikers entstanden und deshalb selbstverständlich auch kein Schlagzeug aufweisen. Das wiederum hat zur Folge, dass einige der Titel schon sehr „synthie“ klingen. Wenn dann jedoch, wie bei „Baroque Ippanese“, noch eine interessante Melodie dazukommt, wirkt die Nummer trotzdem – aber das ist eben nicht immer der Fall, obwohl „Another Scoop“ an jeder Stelle interessant bleibt.

Richtig gut und gelungen sind übrigens die Erklärungen, die Pete Townshend zu den einzelnen Titeln mit dazu liefert. Auf den beiden Plattenhüllen sind diese mit abgedruckt und erzählen etwas über die Geschichte der Musik und auch der jeweiligen Texte. Dadurch lernt man den Musiker noch ein wenig besser kennen und erhält zahlreiche interessante Informationen über die Entstehung der einzelnen Lieder.

Fazit: Auch „Another Scoop” wendet sich in erster Linie an den Fan der Musik des Pete Townshend. Ganz egal ist es dabei, ob man sicher eher von der Who- oder von der Solo-Seite des Pete Townshend nähert. Mag man die Musik des Engländers, dann wird einen dieses Album auch zusagen und überzeugen. Der Sound ist gut und auch wenn die Lieder oftmals Demo-Aufnahmen darstellen, merkt man das höchstens an der Perkussion, die dann eben dem Drum-Computer entspringt. Eine schöne Ergänzung. Neun Punkte.

Anspieltipps: Brooklyn Kids, Football Fugue, Praying The Game, The Ferryman



Montag, 9. Mai 2016

Anthony Phillips – Sides




Anthony Phillips – Sides


Besetzung:

Anthony Phillips – guitars, keyboards, lead vocals, additional vocals


Gastmusiker:

Michael Giles – drums
John G. Perry – bass
Dale Newman –vocals, additional vocals
Dan Owen – vocals, additional vocals
Ray Cooper – percussion
Frank Ricotti – timpani
Morris Pert – congas
Mel Collins – tenor saxophone
John Hackett – flute
Ralph Bernascone – vocals
Vic Stench – cellos, bass


Label: Voiceprint


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Pop, Rock, Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Um & Aargh (4:52)
2. I Want Your Love (3:57)
3. Lucy Will (4:07)
4. Side Door (3:26)
5. Holy Deadlock (3:51)
6. Souvenir (3:45)
7. Sisters Of Remindum (4:32)
8. Bleak House (6:17)
9. Magdalen (7:47)
10. Nightmare (7:26)


CD2 (Bonus CD der remasterten Albumausgabe):

1. Um & Aargh (Instrumental Mix) (6:54)
2. I Want Your Love (Instrumental Mix) (3:56)
3. Sisters Of Remindum (Alternative Mix) (4:27)
4. Lucy Will (Original Mix) (4:10)
5. Magdalen (Instrumental Mix) (7:03)
6. Side Door (Original Mix) (3:18)
7. Um & Aargh (7" Single Mix) (3:54)
8. Souvenir (Instrumental Mix) (3:48)
9. Bleak House (Alternative Mix) (6:21)
10. Nightmare (Alternative Mix) (7:34)
11. Catch You When You Fall (Instrumental Mix) (3:21)
12. Before The Night (Demo) (5:05)

Gesamtspieldauer CD1 (50:04) und CD2 (59:57): 1:50:01




Wie schwer sich so manche Musiker mit dem veränderten Musikgeschmack des Großteils der Musikhörer ab etwa Mitte der 70er Jahre tat, kann man auch sehr gut auf Anthony Phillips‘ viertem Solo-Album „Sides“ hören, welches im April 1979 ursprünglich auf Virgin Records veröffentlicht worden war. Die remasterte Wiederveröffentlichung des Albums erschien im Jahr 2010 auf dem Label Voiceprint und enthält als Zugabe gleich eine ganze CD mit alternativen Mixen, Demos und instrumentalen Abmischungen der Lieder.

Nun, die erste Seite der ursprünglichen LP, also die erste Hälfte der CD, zeigt den oben angesprochenen Umstand bestens. Hier hört man lediglich Pop der sehr langweiligen Sorte, der mit dem zweiten Titel, „I Want Your Love“, die Grenze des Erträglichen nach unten hin durchbricht. Unfassbar schleimig und süßlich klingt Anthony Phillips hier und man möchte dem Erfinder der Fernbedienung am liebsten persönlich einen Nobelpreis für seine Entdeckung überreichen, der dieser grausamen Folter mit nur einem Tastendruck ein Ende bereitet. Furchtbar.

Bis zum Titel „Souvenir“ ist „Sides“ ein ganz schlechtes Album, erst danach bessert sich sowohl die Qualität der Lieder, wie auch die Stimmung der Hörer. Spätestens ab „Sisters Of Remindum“ klingt die Musik wieder spannender und hier kann man dann in Ansätzen sogar wieder von Progressive Rock sprechen. Die Lieder sind nicht mehr nach Schema F aufgebaut, verfügen über ein gewisses Maß an Melodiösität und gehen dementsprechend auch ins Ohr. Sicherlich hat das alles nur noch bedingt etwas mit der Musik des Progressive Rock in der ersten Hälfte der 70er Jahre zu tun, allerdings ist das, was Anthony Phillips hier mit diesen letzten vier Liedern seinen Hörerinnen und Hörern bietet, sehr viel progressiver, als das was seine ehemalige Band „Genesis“ zu selben Zeit veröffentlichte.

Die Bonus-CD ist eine nette Dreingabe, ohne dabei jedoch ein Kaufargument darzustellen. Die Instrumentalmixe lohnen sich wohl dann, wenn man vorhat, seine Freunde zu einem Anthony Philipps Karaoke-Abend einzuladen. Ansonsten ist diese Zugabe nett, aber ehrlich gesagt überflüssig.

Fazit: Wenn die erste Hälfte dieser Platte, die aus billigem und plattem Pop besteht, nicht wäre, dann wäre „Sides“ noch ein gutes Album geworden. Die letzten Lieder der Scheibe reißen es noch ein wenig heraus, ohne dabei selbst die absoluten „Kracher“ darzustellen. Wenn man allerdings auf Progressive Rock steht, findet man genau in diesen vier Stücken sicherlich etwas für sich – und das soll schon was heißen, so nah an den 80er Jahren. Acht Punkte.

Anspieltipps: Sisters Of Remindum, Nightmare



Sonntag, 8. Mai 2016

Werner Schmidbauer – Schmidbauers




Werner Schmidbauer – Schmidbauers


Besetzung:

Werner Schmidbauer – Gesang, Gitarren, Mundharmonika


Gastmusiker:

Ozzy Schaller – Gitarren, Mandoline, E-Bow
Roald Raschner – Piano, Orgel, Akkordeon
Alex Klier – Bass
Tommy Eberhardt – Schlagzeug, Perkussion
Valerie McCleary – Chor
Ecco di Lorenzo – Chor
Rolf Berger – Chor, Schlagzeug auf „Haben“ und „Was Dua I“
Jens Ohly – Bass auf „Haben“ und „Was Dua I“
Oliver Ringleb – Piano auf „Haben“ und „Hätt‘ I bloß“
Karl „Bumi“ Fian – Trompete, Flügelhorn
Christian Radovan – Posaune
Martin Fuss –Saxophon
Franz Trojan – Schlagzeug auf „Schwester“
Klaus Waschke – Geige auf „Haben“


Label: BMG


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Liedermacher


Trackliste:

1. Loan Di An Mi (4:36)
2. I Bin Frei (4:16)
3. Strandlied (3:21)
4. I Bin Liaber I (3:48)
5. Da Drauf Drink Ma Oan (3:48)
6. Mia Gengan Alle Unsern Weg (5:41)
7. Was Dua I (Bisld Und Schnaufd) (4:14)
8. Schwester (4:27)
9. Scho Wieder So Friah Dunkel (5:01)
10. Ausrast (5:40)
11. Haben (2:29)
12. Hätt' I Bloß (4:37)
13. Da Wo De Leit San (2:31)

Gesamtspieldauer: 54:35




„Schmidbauers“, so nannte Werner Schmidbauer sein erstes Studio-Album, welches im Jahr 1994 auf dem Label BMG veröffentlicht wurde. Zu hören ist darauf Gitarren-lastige Liedermacher- bis Folk-Musik, die allerdings auch mal swingt und sogar Big-Band-Sound-Anleihen aufweisen kann und dann doch wieder im deutschen Pop mündet. Die Sprache ist dabei bayerisch. Diese zu verstehen, dürfte allerdings auch für Norddeutsche kein Problem sein.

Das klingt auch alles im ersten Moment ganz nett und eingängig, weist nur leider das Manko auf, dass mit jedem Titel, je länger er dauert, eine irgendwie geartete Langeweile entsteht und man darauf wartet, wann denn nur endlich etwas passiert. Die Scheibe läuft so durch, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen, länger hängenzubleiben. Und dabei klingt das, was es auf „Schmidbauers“ zu hören gibt, durchaus eingängig und melodiös – trotzdem fehlt dem Ganzen irgendwie die letzte, so entscheidende und schwer zu beschreibende Zutat, die „normale“ Musik zu einer besonderen Musik werden lässt.

Auf „Schmidbauers“ herrscht insgesamt eine sanfte und ruhige Atmosphäre, die sich auch über die ganze Scheibe hinwegzieht. Trotzdem weist die Musik insgesamt durchaus Abwechslung auf, was nicht zuletzt an den unterschiedlichen Instrumentierungen liegt. Wenn dann allerdings so Pseudo-Country-Spaß-Klänge wir bei „Haben“ ertönen, dann wird es wirklich hart. Dazu gesellt sich dann auch noch ein unfassbar schlechter Text und es bleibt einem nichts anderes übrig, als doch zur Fernbedienung zu greifen und diesem unsäglichen Treiben ein Ende zu setzen.

Fazit: Ganz nett klingt „Schmidbauers“ von Werner Schmidbauer manchmal. Leider auch manchmal fast schon unsäglich. Zumeist ist die Musik allerdings durchaus eingängig und melodiös, wenn sie auch nie bis ganz zum Schluss überzeugen kann. Für Freundinnen und Freunde von bayrisch angehauchtem Pop sicherlich noch am ehesten geeignet – für alle anderen wohl eher nicht so wichtig. Sechs Punkte.

Anspieltipps: I bin frei, Strandlied, Ausrast



Samstag, 7. Mai 2016

Mark Knopfler – Sailing To Philadelphia




Mark Knopfler – Sailing To Philadelphia


Besetzung:

Mark Knopfler – vocals, guitars


Gastmusiker:

Richard Bennett – guitars, string instruments
Jim Cox – piano, hammond organ
Guy Fletcher – keyboard, backing vocals
Glenn Worf – bass
Chad Cromwell – drums
James Taylor – vocals
Van Morrison – vocals
Gillian Welch – vocals
David Rawlings – vocals
Glenn Tilbrook – vocals
Chris Difford – vocals
Duane Starling – vocals
Chris Willis – vocals
Aubrey Haynie – violin
Paul Franklin – pedal steel guitar, lap steel guitar
Danny Cummings – percussion
Mike Haynes – flugelhorn
Jim Hoke – autoharp, harmonica
Jim Horn – baritone saxophone, tenor saxophone
Wayne Jackson – trumpet
Harvey Thompson – tenor saxophone
Frank Ricotti – marimba


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Rock


Trackliste:

1. What It Is (4:57)
2. Sailing To Philadelphia (5:29)
3. Who's Your Baby Now (3:06)
4. Baloney Again (5:09)
5. The Last Laugh (3:22)
6. Silvertown Blues (5:32)
7. El Macho (5:29)
8. Prairie Wedding (4:26)
9. Wanderlust (3:52)
10. Speedway At Nazareth (6:23)
11. Junkie Doll (4:35)
12. Sands Of Nevada (3:58)
13. One More Matinee (4:05)

Gesamtspieldauer: 1:00:30




„Sailing To Philadelphia“ betitelte Mark Knopfler sein zweites Solo-Album, welches im September 2000 auf dem Label Mercury Records veröffentlicht wurde. Und natürlich hört man ihn heraus, den „Macher“ der Dire Straits, ihren Sänger und Gitarristen. Das liegt zum einen am Klang dieser unverwechselbaren Gitarre und natürlich auch am Gesang des Mark Knopfler, der auf seine Art und Weise sehr unspektakulär, jedoch ebenfalls ziemlich unverwechselbar klingt.

Sehr sanft hört sich die Musik des Mark Knopfler auf „Sailing To Philadelphia“ an. Dieses Album ist gleichzeitig seine mit großem Abstand erfolgreichste Solo-Platte geworden. In nahezu jedem westlichen Land platzierte sich die Scheibe in den Charts und erreichte dort dann Gold- beziehungsweise Platin-Status. Verwunderlich ist das nicht sonderlich, denn die Musik auf „Sailing To Philadelphia“ ist äußerst eingängig, wenn auch nicht sonderlich spektakulär, wie es noch die der Dire Straits immer wieder war. Aber die einzelnen Titel haben durchaus was und bleiben, zum Teil auch länger, im Ohr hängen. Dies alles natürlich immer unter der Voraussetzung, dass man mit den eher sanfteren Tönen auch etwas anzufangen weiß.

Ein Höhepunkt der Scheibe ist der durchaus etwas flottere, im Mid-Tempo gehaltene Opener „What It Is“. Schön hier auch der Einsatz der Violine, die diesen Titel deutlich aufwertet. Ebenfalls zu den Highlights kann man das Titellied „Sailing To Philadelphia“ zählen, welches die Geschichte von Charles Mason und Jeremiah Dixon erzählt, die die Grenze zwischen Pennsylvania und Maryland, Delaware sowie Virginia in den 1760er Jahren etablierten, die dann lange als die Grenze zwischen den Nord- und Südstaaten galt. Auch der „Silvertown Blues“, „Wanderlust“ und „Speedway At Nazareth“ gehen ziemlich schnell ins Ohr und gerade die Nummer „Wanderlust“ hätte mit ihrer zerbrechlichen Stimmung perfekt auf das Dire Straits-Album „Brothers In Arms“ gepasst. „Speedway At Nazareth“ streichelt dagegen fast schon das Genre Country, ohne jedoch komplett darin beheimatet zu sein. Nun, anstatt dieser Lieder hätte ich auch andere Nummern als Höhepunkte nennen können. Die Musik auf „Sailing To Philadelphia“ wirkt und dies bei durchaus bei allen der dreizehn Stücke.

Fazit: Sanfte und warme Musik gibt es auf „Sailing To Philadelphia“ zu hören. Die Melodien der einzelnen Lieder wissen durchaus zu überzeugen und gehen ins Ohr. Allgemein ist die Stimmung des Albums sehr ruhig gehalten und eindeutig Mark Knopfler zuzuordnen. Das ist zwar zumeist keine Dire Straits Musik mehr, allerdings Verweise darauf hört man in vielen Akkorden. „Sailing To Philadelphia“ macht Spaß, wenn man auf unaufgeregte und sanfte Musik steht, die für die stillen Momente des Lebens gedacht ist. Elf Punkte.

Anspieltipps: Sailing To Philadelphia, Silvertown Blues, Junkie Doll



Freitag, 6. Mai 2016

Tindersticks – Tindersticks




Tindersticks – Tindersticks


Besetzung:

Stuart Staples – vocals, guitar
David Boulter – keyboards
Neil Fraser – guitar
Dickon Hinchliffe – violin
Mark Colwill – bass guitar
Alistair Macaulay – drums


Gastmusiker:

Terry Edwards – trumpet, soprano saxophone on "The Not Knowing"
Martin Harman – oboe on "The Not Knowing"
Rosie Lindsell – bassoon on "The Not Knowing"
Ian Bishop – clarinet on "The Not Knowing"


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Alternative Pop, Independent Rock


Trackliste:

1. Nectar (2:40)
2. Tyed (4:10)
3. Pt 1 (0:41)
4. Whiskey & Water (5:51)
5. Blood (4:51)
6. City Sickness (4:00)
7. Patchwork (4:40)
8. Marbles (4:30)
9. The Walt Blues (1:08)
10. Milky Teeth (2:52)
11. Sweet Sweet Man Pt 2 (1:05)
12. Jism (6:03)
13. Piano Song (2:40)
14. Tie-Dye (3:59)
15. Raindrops (6:14)
16. Pt 3 (1:45)
17. Her (3:29)
18. Tea Stain (2:07)
19. Drunk Tank (4:44)
20. Paco De Renaldo's Dream (4:22)
21. The Not Knowing (4:59)


Bonus CD der remasterten Wiederveröffentlichung (Demos):

1. The Sorrow The Joy Brings (4:04)
2. Fruitless (2:02)
3. Whiskey & Water (5:39)
4. For Those... (3:58)
5. Blood (4:49)
6. City Sickness (4:14)
7. Patchwork (4:23)
8. Raindrops (5:38)
9. Piano Song (4:46)
10. A Sweet Sweet Man (4:51)
11. Visiting (5:25)
12. Drunk Tank (5:41)

Gesamtspieldauer: CD1 (1:17:01) und CD2 (55:36): 2:12:37




Das selbstbetitelte Debutalbum der Tindersticks, die ihren Namen angeblich daher haben, dass Sänger und Gitarrist Stuart Staples an einem griechischen Strand ein Päckchen deutscher Streichhölzer fand, wurde im Oktober 1993 auf dem Label „This Way Up“ veröffentlicht. Zu hören gibt es darauf wahrlich faszinierenden Alternative Pop bis Rock, der durch sein Melodiösität, wie durch den Einsatz von Instrumenten auffällt, die ansonsten in der populären Musik deutlich weniger Einsatz finden.

Oboe, Fagott, Trompete, Klarinette und Violine haben einen festen Platz in der Musik der Tindersticks, die dabei allerdings nicht versuchen, nach klassischer Musik zu klingen. Vielmehr handelt es sich bei der Musik der Band aus Nottingham um eine sehr melodiöse Ausprägung der Genre Pop bis Rock, die mit viel Gefühl Stimmungen und Atmosphären zu erzeugen versucht – was den Tindersticks auch gelingt. Manches Mal klingt dies alles sehr zerbrechlich, wenn Sänger Stuart Staples seine Worte auch eher haucht als singt. Dann jedoch kann sich das Ganze auch deutlich kraftvoller anhören, ohne dabei jedoch in die Ecke des härteren Rocks auch nur leicht zu tangieren.

Seine erste Veröffentlichung gleich in Form einer Doppel-LP beziehungsweise einer CD zu beginnen, bei der man die technisch mögliche Laufzeit fast völlig ausschöpft, ist sicherlich ein gewagtes Vorgehen. Im Falle der Tindersticks allerdings ein absolut gelungenes Unterfangen. 21sehr intensive und sehr melodiöse Titel gibt es auf der Scheibe zu hören (auf der Doppel-LP sind es 22 Lieder, da hier zwischen „Nectar“ und „Tyed“ noch der Titel „Fruitless“ eingefügt wurde, der auf der remasterten CD in Form eines Demos auf der Bonus CD hinterlegt ist). Diese wirken zumeist verträumt und sanft, allerdings immer absolut intensiv. Trotzdem klingen die Tindersticks hier auch durchaus mal experimentell, versuchen sich immer neue Wege in ihrer Musik zu erschließen. Sehr gut ist der Kontrast in der Musik der Band an den letzten beiden Titel zu hören. „Paco De Renaldo's Dream“ ist dabei eine etwas schräg klingende Nummer, angefüllt mit Sprechgesang und zahlreichen Wortfetzen aus dem Hintergrund. Kein Lied, welches sofort ins Ohr geht. Das genaue Gegenteil folgt sogleich mit „The Not Knowing“. Oboe und Fagott sind hier zu hören, man fühlt sich zurückversetzt in das 17. Jahrhundert, sanft singt Stuart Staples hierzu, die Melodie des Stücks setzt sich sofort, beim ersten Hören, im Ohr fest und verliert auch nach sehr vielen Durchgängen nichts an ihrem Reiz.

Die Höhepunkte sind reich gesät auf diesem ersten Album der Tindersticks. Neben dem bereits erwähnten „The Not Knowing“ können da das rockige „Whiskey & Water“, das deutlich sanftere, fast nach 60ies-Pop klingende „Blood“, das auch als Single veröffentlichte und treibende „Milky Teeth“, das etwas getragen und ein klein wenig verschroben klingende „Jism“ oder das bedächtige „Raindrops“ überzeugen. Oder sind es doch ganz andere Titel? Reine Geschmackssache sicherlich, festzuhalten bleibt jedoch, dass hier sämtliche Lieder zu überzeugen wissen und dieses erste Album der Tindersticks mit jedem Titel gewinnt.

Die remasterte Auflage der Platte, die im Jahr 2004 auf Island Records veröffentlich wurde, enthält auf einer Bonus CD noch zwölf Demo-Versionen, die gar nicht immer als Demos auszumachen sind. Diese Lieder bestehen aus bereits auf dem Album vorhandenen Nummern, die hier nach alternativen Versionen klingen oder auch neuen Titeln. Von daher eine durchaus gelungene Erweiterung des Albums.

Fazit: Ein sehr überzeugendes und gelungenes Debut stellt dieses Album der Tindersticks dar. Wahrlich keine 08/15-Musik gibt es hier zu hören. Oftmals verträumten und sanften Pop zelebrieren die Briten auf dieser Scheibe, dessen Markenzeichen es darüber hinaus auch ist, mit Musikinstrumenten eingespielt worden zu sein, für die populäre Musik nicht ganz so typisch sind. Das klingt alles sehr intensiv und überzeugend, melodiös und eingängig und ist für alle diejenigen geeignet, die die offen sind für Ausprägungen der Pop-Musik, die nicht immer mit dem Strom mitschwimmen, sondern auch mal neue Wege gehen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Whiskey & Water, The Not Knowing



Donnerstag, 5. Mai 2016

Plexi – Cheer Up




Plexi – Cheer Up


Besetzung:

Michael Angelos – vocals, bass
Michael Barragan – guitar, noises, minimoog, rhodes 88, vocals on "56"
Norm Block – drums, percussion


Gastmusiker:

Melora Creager – cello on "Ordinary Things", "Star Star"
Paul Roessler – keyboards on "Dayglo" and various other sounds


Label: Sub Pop


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Noise Rock, Punk, Rock


Trackliste:

1. Forest Ranger (4:01)
2. Dimension (2:25)
3. Roller Rock Cam (3:08)
4. Peel (5:02)
5. Dayglo (3:09)
6. Ordinary Things (4:01)
7. Bunny (2:08)
8. Change (2:58)
9. Fourget (2:20)
10. Mountains (3:01)
11. Magnet (2:30)
12. 56 (2:04)
13. Star Star (3:58)

Gesamtspieldauer: 40:48




Plexi war eine US-amerikanische Noise Rock Band, die aus den Musikern Michael Angelos (Gesang, Bass), Michael Barragan (Gitarre, Keyboards) und Norm Block (Schlagzeug) bestand. Aktiv war Plexi in der Zeit von 1993 bis 1999, wobei im Jahr 1996 das einzige Album der Band mit dem Titel „Cheer Up“ auf dem Label Sub Pop veröffentlicht wurde.

Das Genre „Noise Rock“ wird dabei wohl durch Titel wie „Dimension“ oder „56“ begründet. Zu einer Art „Hintergrundrauschen“, welches durch eine punkige Gitarre, geradliniges Getrommel und einem schnell gespielten Bass erzeugt wird, wird zusätzlich noch eher gegrölt als gesungen. Das klingt dann auch alles mehr nach Punk in Reinform, als nach sonst irgendetwas. Allerdings können Plexi auch anders klingen, rockig, wie beim Eröffnungstitel „Forest Ranger“ oder den etwas sanfteren „Ordinary Things“ und „Change“. Poppig wie beim letzten Stück „Star Star“, welches sogar mit Streichern aufzuwarten weiß. Und schließlich gibt es sogar experimentelle Ausflüge auf „Cheer Up“. Beim Titel „Bunny“ geht es nun sogar mehr um Atmosphären, eine Melodie findet man bei dieser Nummer absolut nicht mehr.

Somit stellt „Cheer Up“ ein sehr abwechslungsreiches Album dar. Verschiedene musikalische Genres werden hier bedient, die auf diesem Album allerdings sehr sinnig miteinander verwoben scheinen. Nichtsdestotrotz kann die Scheibe dann allerdings doch nicht restlos überzeugen. Die Musik klingt immer wieder gut, läuft jedoch häufig auch einfach nur so vorbei. Dabei hilft es auch nicht, „Cheer Up“ immer und immer wieder einzulegen. Es bleibt ein interessantes und abwechslungsreiches Album, was jedoch nicht zu begeistern weiß.

Fazit: Eine kleine Reise durch verschiedene musikalische Genres tritt man mit „Cheer Up“ von Plexi an. Ein gesundes Maß an Freude am Punk sollte man definitiv mitbringen, um mit der Scheibe „warm“ zu werden. Ich persönlich finde die rockigen Titel darauf am Gelungensten. Schlecht klingt das alles jedoch nicht und man ist eher überrascht, dass es für diese Band nur zu einem einzigen Album reichte. Acht Punkte.

Anspieltipps: Forest Ranger, Ordinary Things



Mittwoch, 4. Mai 2016

Golden Earring – Live




Golden Earring – Live


Besetzung:

George Kooymans – guitar, vocals
Rinus Gerritsen – bass guitar, keyboards
Barry Hay – flute, vocals
Cesar Zuiderwijk – drums
Eelco Gelling – guitar


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Rock, Live


Trackliste:

1. Candy's Going Bad (5:06)
2. She Flies On Strange Wings (8:10)
3. Mad Love's Comin' (9:53)
4. Eight Miles High (10:01)
5. Vanilla Queen (11:45)
6. To The Hilt (6:55)
7. Fightin' Windmills (8:26)
8. Con Man (9:09)
9. Radar Love (11:17)
10. Just Like Vince Taylor (6:25)

Gesamtspieldauer: 87:07




Das 1977 auf Polydor erschienene erste Live-Album der Niederländer von Golden Earring, gibt dem Hörer eine gute Übersicht über die Musik der Band Anfang bis Mitte der 70er Jahre. Aufgenommen wurde ein Konzert im „Rainbow Theatre" in London und diese dann auf Vinyl gepresste Veröffentlichung enthält dabei Titel von vier verschiedenen Solo-Platten. Das Album „Seven Tears“ aus dem Jahr 1971 ist dabei genauso mit einem Titel vertreten, wie „To The Hilt“ aus dem Jahr 1976. Das ebenfalls 1976 erschienene Album „Contraband“ steuert drei Nummern hinzu und vier Lieder stammen vom dem Klassiker Golden Earrings schlechthin, „Moontan“, aus dem Jahr 1973. Dazu gesellt sich die nur immer live gespielte Version des Byrds-Stücks „Eight Miles High“, welches in der Version von Golden Earring allerdings so gar nichts mehr mit dem Original zu tun hat.

Das Album wurde ursprünglich als Doppelalbum veröffentlicht. Zehn Titel enthält es allerdings lediglich, was bereits einiges über die Länge der einzelnen Stücke aussagt. Sehr schön kommt hier also der Live-Charakter dieser Platte zum Tragen, denn die einzelnen Lieder unterschieden sich deutlich von den Originalen auf den Studio-Platten, da die Musiker hier ihre Spielfreude einfach ungebremst auszuleben verstehen. Soll heißen, Soli und Instrumentalparts werden ausgeweitet und ausgedehnt – und das wahrlich immer nicht zu knapp. Dazu traf es sich gut, dass sich die Band mit dem Gitarristen Eelco Gelling verstärkte und dieser sich hier dann mit George Kooymans einige „Duelle“ während der Stücke liefern konnte.

Klar, die Platte ist sehr Gitarren-lastig und all jene werden damit Schwierigkeiten haben, die von einem Lied erwarten, dass es schnell zum Punkt kommt, kurz wirkt und dann endet. Alles das trifft hier nicht zu, eher im Gegenteil. Jedes Stück wird ausgeweitet und ausgewalzt, was den Live-Charakter der Platte natürlich nur noch unterstreicht. Der Sound der Aufnahme klingt für die damalige Zeit sehr gut, ich rede hier allerdings von der Platte, da es anscheinend zur CD-Veröffentlichung des Albums sehr unterschiedliche Meinungen gibt über die Qualität der Abmischung gibt. Die Titelzusammenstellung spiegelt jedoch sehr gut die Musik der Band wider, wenn man auch persönlich sicherlich das ein oder andere Lied mehr bevorzugt hätte. Allerdings ist gerade dieser Punkte absolut und reine Geschmackssache, wobei man es hier nie allen wird recht machen können.

Fazit: Richtig guten Gitarren-Rock hört man auf „Live“, der sehr verspielt istt, meist auch durchaus „hart“ klingt, allerdings trotzdem mit tollen Melodien aufwartet, die ins Ohr gehen. Viele der hier gespielten Soli sind zudem ein Ohrenschmaus und spiegeln, neben den Laufzeiten der einzelnen Lieder, sehr gut die Live-Atmosphäre der Platte wider. Der Sound wirkt ebenfalls, sodass „Live“ von Golden Earring eine sehr gelungene Scheibe geworden ist, die sich nicht nur für die Fans der Band, sondern auch für Rock-Freunde allgemein lohnt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Eight Miles High, Vanilla Queen



Dienstag, 3. Mai 2016

Steve Hackett – Till We Have Faces




Steve Hackett – Till We Have Faces


Besetzung:

Steve Hackett – guitars, guitar synth, koto, rainstick, Etruscan guitar, marimba, percussion, harmonica, vocals


Gastmusiker:

Nick Magnus – keyboards, percussion, drum programming
Rui Mota – drums
Sérgio Lima – drums
Ian Mosley – drums, percussion
Waldemar Falcão – flute, percussion
Fernando Moura – rhodes piano
Ronaldo Diamante – bass
Clive Stevens – wind synthesizer
Kim Poor – Japanese voice on "Doll"
The Brazilian Percussionists – Sidinho Moreira, Junior Homrich, Jaburu, Peninha, Zizinho, Baca


Label: Start Recordings


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Pop Rock, ArtPop, Worldmusic


Trackliste:

1. Duel (4:50)
2. Matilda Smith-Williams Home For The Aged (8:04)
3. Let Me Count The Ways (6:06)
4. A Doll That's Made In Japan (3:57)
5. Myopia (2:56)
6. What's My Name (7:05)
7. The Rio Connection (3:24)
8. Taking The Easy Way Out (3:49)
9. When You Wish Upon A Star (0:51)

Gesamtspieldauer: 41:02




„Till We Have Faces“ nannte der Ex-Genesis-Gitarrist Steve Hackett sein achtes Soloalbum. Es erschien im Jahr 1984 auf dem Label Start Recordings, gilt gemeinhin bei den Fans des Briten als eines seiner schlechtesten Alben überhaupt, da es noch ein wenig weiter vom Progressive Rock der 70er Jahre abrückte und er stattdessen nun auch noch Worldmusic Klänge in seiner Musik verarbeitete. Dazu gesellt sich auch hier ein sehr gekünstelt klingender Sound, der durch den massiven Einsatz von Synthesizern hervorgerufen wird – was allerdings allgemein bei Musik der 80er Jahre keinen Seltenheitswert besitzt.

Nun, man hört auf „Till We Have Faces“ neben altbekannten Klängen auch ganz neue Töne von Steve Hackett. Bei „A Doll That's Made In Japan“ klingt es logischerweise ein wenig asiatisch, bei „Matilda Smith-Williams Home For The Aged“ hört man dagegen seltsamerweise brasilianische Trommler, die man jedoch einfach nicht in einen Kontext mit dem Text des Liedes bringen kann. Dann gibt es auch solch unsägliche Blues-Versuche wie das wirklich grausame „Let Me Count The Ways“. Was den guten Steve Hackett da geritten hat, auf dieses Genre auch noch aufzuspringen, das wird wohl ewig sei Geheimnis bleiben. Wenn das Stück denn wenigstens noch gut wäre… Ganz schlimm.

„Myopia“ ist auch eine nicht gelungene Nummer, die wohl nach New Wave oder ähnlichem klingen soll. Allerdings richtig katastrophal wird die Musik auf „Till We Have Faces“ bei der Nummer „Taking The Easy Way Out“. Solch einen Kitsch hält man kaum aus. Und hier kommt auch sehr stark zur Geltung, dass Steve Hackett einfach nicht singen kann, zumindest konnte er guten Gesang hier, auf dieser Scheibe, nur sehr selten überzeugend nachweisen. „Duell“ ist eine ganz typische Steve Hackett Nummer und noch eines der gelungensten Stücke des Albums. Ein klein wenig hört man hier auch seine musikalischen Wurzeln heraus, auch wenn diese Nummer eher ein Pop-Rock-Lied ist. Die ist wohl auch „What’s My Name“, doch gestaltet sich diese Nummer sogar noch ein wenig aufwändiger. Auch dieses Lied klingt abschnittweise ein wenig asiatisch, wartet allerdings mit mehreren Abschnitten auf, geht ins Ohr und ist für mich der mit Abstand gelungenste Titel der ganzen Scheibe. Eine ewig lange Rhythmuseinleitung mündet hier schließlich in den Hauptteil, der dann, ausnahmsweise für „Till We Have Faces“, doch mal melodiös ist.

Fazit: Die Platten des Steve Hackett in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts waren allesamt nicht sehr überzeugend. Auch „Till We Have Faces“ bestätigt diesen Eindruck. Das Album wartet mit einer kruden musikalischen Genre-Mixtur auf, die einen eher ratlos als interessiert zurücklässt. Bei „Till We Have Faces“ kann man durchaus fast schon von Worldmusic sprechen. Gelungen sind auf der Scheibe zwei Lieder. Der Opener „Duell“ sowie das wirklich gelungene „What’s My Name“. Etwas dürftig für insgesamt neun Lieder. Allerdings: Schönes und interessantes Cover. Sechs Punkte.

Anspieltipps: What’s My Name