Samstag, 17. Januar 2015

Archive – Restriction




Archive – Restriction


Besetzung:

Darius Keeler – keyboards, programming
Danny Griffith – sound effects
Pollard Berrier – vocals, guitas
Dave Pen – vocals, guitars
Jon Noyce – bass
Steve "Smiley" Barnard – drums
Holly Martin – vocals
Maria Q – vocals
Steve “Keys” Watts – hammond
Jerome Devoise – vocals
Eat Glas – guitars
Mickey Hurcombe – guitars
Tom Gaskill – drums


Label: PIAS


Erscheinungsdatum: 2015


Stil: TripHop, Pop


Trackliste:

1. Feel It (3:16)
2. Restriction (4:00)
3. Kid Corner (3:40)
4. End Of Our Days (4:52)
5. Third Quarter Storm (5:26)
6. Half Built Houses (3:31)
7. Riding In Squares (6:34)
8. Ruination (3:52)
9. Crushed (5:54)
10. Black And Blue (3:44)
11. Greater Goodbye (6:08)
12. Ladders (5:03)

Gesamtspieldauer: 56:03




Letztes Jahr veröffentlichten Archive das grandiose Album „Axiom“, ein Projekt, bestehend aus einem Film und der dazugehörenden Musik. Nun, im Januar 2015 wurde das jetzt bereits zehnte Studio-Album der Engländer mit dem Namen „Restriction” veröffentlicht. Dieses erinnert sehr viel mehr an den Vor-Vorgänger „With Us Until You're Dead“, als an jenes „Axiom“ aus dem Jahr 2014. Die einzelnen Lieder sind wieder kompakter geworden, die „normale“ Songstruktur wird nun eher eingehalten und auch von der Stimmung her, kann diese Scheibe durchaus Erinnerungen an das achte Studioalbum hervorrufen.

Wie auch üblich bei Archive, wird der Gesang wieder großzügig aufgeteilt. Mal hört man Pollard Berrier, mal Dave Pen beim Singen zu. Und auch Holly Martin und Maria Q kommen zu ihren Einsetzen, sodass auch die weibliche Stimme auf „Restriction” nicht zu kurz kommt. Die Beats werden dem Hörer oftmals kräftig um die Ohren geschleudert, mit denen sich Archive wieder sehr stark dem Trip Hop vergangener Zeiten annähert. Aber es geht auch ganz anders, wie uns Holly Martin und Darius Keeler bei „End Of Our Days“ beweisen. Gefühlvoll leiten lediglich diese beiden Musiker ihre Hörer durch eine sehr melancholische Nummer, die äußerst sanft aus den Boxen zu gleiten scheint. Dass allerdings auch die Sänger auf „Restriction“ sanft und einfühlsam zu singen in der Lage sind, das beweist Dave Pen gleich mit der nächsten Nummer „Third Quarter Storm“. Dann wird es mit „Half Built Houses“ sogar richtig bewegend und irgendwie sogar romantisch. Maria Q gibt alles bei ihrem Gesang singt und dieses Lied setzt sich sofort im Ohr des Hörers fest. Wirklich sehr gut und überzeugend gemacht.

Nun, dann wird auf der Scheibe erneut erst mal wieder deutlich mehr Wert auf den Rhythmus gelegt, obwohl das nicht bedeutet, dass auch das Tempo ordentlich angezogen wird. Das Ganze gipfelt in „Ruination“, bei dem sich Drummer Steve „Smiley“ Barnard so richtig austoben darf. Dankbar muss man Archive an dieser Stelle auch sein, dass sie eine solche Rhythmusarbeit eben nicht dem Synthesizer überlassen. „Crushed“ besitzt eine eingängige, wenn auch sehr einfach gestrickte Melodie und groovt sehr gut. Erwähnung finden sollte hier auch noch die Nummer „Black And Blue“, bei der Holly Martin erneut mit ihrem gefühlvollen Gesang zu überzeugen weiß.

Fazit: Nein es ist nicht mehr die Band Archive von den Alben „You All Look The Same To Me“ oder „Noise“. Und es ist auch kein zweites „Axiom“ geworden, diese zehnte Platte der Briten. „Restriction“ ist ein handwerklich gut gemachtes und perfekt abgemischtes Album von Archive. Die drei eben erwähnten Platten waren jedoch irgendwie spezieller, etwas Besonderes eben. Das ist „Restriction“ nicht mehr, wahrlich keine schlechte Platte zwar, aber auch nicht das Beste, was Archive bisher vorgestellt hat. Die Höhepunkte liegen in den ruhigeren Titeln, denn diese können vor allem durch harmonische Melodieführungen und einfühlsamen Gesang überzeugen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: End Of Our Days, Half Built Houses, Black And Blue



Freitag, 16. Januar 2015

And You Will Know Us By The Trail Of Dead – IX




And You Will Know Us By The Trail Of Dead – IX


Besetzung:

Conrad Keely – vocals, guitar, drums, piano
Jason Reece – drums, vocals, guitar
Autry Fulbright II – bass, vocals
Jamie Miller – drums, guitar


Gastmusiker:

Emily Booker – cello
Jason Elnoff – vio9lin, viola
Erin O’Keefe – vocals
Prencie Smith – additional guitars, vocals, samples, percussion and mellotron
Sean Rolie – additional percussion


Label: Superball Music


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: Rock


Trackliste:

CD1:

1. The Doomsday Book (3:32)
2. Jaded Apostles (4:04)
3. A Million Random Digits (3:07)
4. The Lie Without A Liar (3:22)
5. The Ghost Within (3:14)
6. The Dragonfly Queen (2:57)
7. How To Avoid Huge Ships (4:46)
8. Bus Lines (6:09)
9. Lost In The Grand Scheme (7:26)
10. Like Summer Tempests Came His Tears (3:42)
11. Sound Of The Silk (5:18)


Bonus Tracks:

12. Keep Warm Fire (2:27)
13. Feelings and How To Destroy Them (3:30)


CD2:

1. Tao Of The Dead Part III (19:26)

Gesamtspieldauer CD1 & CD2: 53:40 + 19:26: 1:13:06




Im Oktober 2014 erschien das neunte Studioalbum der amerikanischen Band mit dem langen Namen: And You Will Know Us By The Trail Of Dead. Passenderweise betitelten die vier Musiker die Scheibe dann auch mit der römischen Zahl „IX“. Nun, ein klein wenig ist sie anders geworden, die Musik von And You Will Know Us By The Trail Of Dead. Man mag es fast kaum glauben, aber die Lieder hören sich nun etwas gemäßigter an. Zwar wird immer noch auf „Teufel komm raus” gerockt, jedoch nicht mehr mit dieser Intensität, wie noch auf den Alben zuvor. Das wiederum bedeutet jedoch keinerlei Hörgenussverlust, auch nicht für den eher „knallharten” Rocker.

Die Musik von And You Will Know Us By The Trail Of Dead war schon immer sehr melodiös, trotz all ihrer zugrunde liegenden Härte, die sie ebenfalls immer in sich trug. Dieses Mal setzen die Musiker jedoch noch ein wenig mehr auf die Melodie so scheint es fast. Alles wirkt überaus harmonisch und melodiös und geht auch rasend schnell ins Ohr. Dies fällt bereits beim ersten Hören auf. Zwar sind sie da, diese kraftvollen und überaus treibenden Rhythmen der Band, jedoch immer in Verbindung mit dieser eingängigen Melodie. Diese wird mit jedem Durchgang der Scheibe noch vertrauter und schließlich zu einem musikalischen Freund, den man nicht mehr missen möchte.

Eine ganze Menge Höhepunkte gibt es auf „IX“ zu genießen. Egal ob man jetzt das treibende und sich sofort im Ohr festsetzende „Jaded Apostles“ nimmt, das wunderschöne „The Lie Without A Liar“, das progressive und instrumentale „How To Avoid Huge Ships“, das ebenfalls in die Richtung Progressive Rock tendierende „Lost In The Grand Scheme“ oder das fast schon liebliche und klassisch anmutende „Like Summer Tempests Came His Tears“ nimmt, all das weiß überaus zu überzeugen. Im Grunde genommen hätte ich auch jeden anderen Song der Scheibe nennen können – Ausfälle gibt es hier nämlich keine zu verzeichnen. Das ist alles richtig gut.

Bei der Limited Edition“ des Albums gibt es auf CD1 noch zwei zusätzliche Lieder zu hören, die ebenfalls gelungen sind. Darüber hinaus gibt es noch eine zweite CD, die schließlich den dritten Teil von „Tao Of The Dead“ enthält. Dieser klingt nun zugegebenermaßen anders als der Rest der Platte, hier sind And You Will Know Us By The Trail Of Dead noch ein wenig experimenteller und durchaus auch progressiver. Während dieses Musikgenre auf der „regulären” Platte zwar immer wieder mal angeschnitten wird, so steht es hier dann doch deutlich mehr im Vordergrund. Alles ist ein wenig verschachtelter, man weiß nie so genau, was als nächstes folgen wird und trotzdem bleibt es melodiös in jedem Takt.

Fazit: Neun Alben haben And You Will Know Us By The Trail Of Dead bis jetzt aufgenommen. Irgendwie erwartet oder befürchtet man dann nach ein paar Scheiben, wenn einem eine Band sehr gut gefällt, dass in der Entwicklung jener Combo irgendwann der eigene Musikgeschmack mal nicht mehr so getroffen wird. Diese Band sich also in eine Richtung entwickelt, die einem dann doch nicht mehr so zusagt. Das ist bei And You Will Know Us By The Trail Of Dead definitiv nicht der Fall. Hier wirkt irgendwie jedes Album, jedes auf seine Art und Weise. Einfach toll und überzeugend gemacht. Und noch etwas muss hier wieder Erwähnung finden, nämlich die Aufmachung der CD. Conrad Keeley steckt dort so viel Herzblut hinein, scheint neben der Musik praktisch nur noch am Zeichnen zu sein. Das ist wirklich alles sehr, sehr überzeugend gemacht. Sowohl die Musik wie das Design und die Gestaltung dieser Doppel-CD. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: The Lie Without A Liar, Lost In The Grand Scheme, Like Summer Tempests Came His Tears



Donnerstag, 15. Januar 2015

Eisbrecher – Schock




Eisbrecher – Schock


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 23. Januar 2015


Stil: Rock


Trackliste:

1. Volle Kraft Voraus
2. 1000 Narben
3. Schock
4. Zwischen Uns
5. Rot Wie Die Liebe
6. Himmel, Arsch Und Zwirn
7. Schlachtbank
8. Dreizehn
9. Unschuldsengel
10. Nachtfieber
11. Noch Zu Retten
12. Fehler Machen Leute
13. Der Flieger
14. So Oder So




Nun also die Nummer 6. “Schock” heißt das Album und knallt richtig gut. Eisbrecher holen zum nächsten Schlag aus, der sie weit nach vorne katapultieren soll und auch wird. Kompromisslos und mit Vollgas schiebt sich der Eisbrecher voran.

Ohne Zweifel haben sich die Mannen um Sänger Alex Wesselsky fest in der deutschen Musikszene verankert. Das kann man an den Verkaufszahlen ablesen, das kann man an den begeisterten Fans (Rheinfeier 2014) erkennen, das kann man aber auch erneut auf dieser Platte hören. Das Rad wird hier nicht neu erfunden, vielmehr baut die Band auf den fünf Vorgängeralben auf. Der Sound ist kompakt, direkt und auf die 12. Da wird nicht groß gefrickelt, da wird nicht rumgezaudert, da versucht man nicht sich mit Klangexperimenten neuen Hörerschichten zu öffnen. Wer eine Eisbrecher Platte hört, weiß, was er bekommt. Harte Riffs, treibende Beats, stimmige, ja eingängige Melodien und deutsche Texte, die mit “Hooklines” nur so durchsetzt sind.

Die Band lebt vom charismatischen Sänger Alex Wesselsky, der nicht nur ein begnadeter Vocalist ist, sondern auch ein ganz besonderer Frontmann. Hier überschneiden sich die Spuren von Eisbrecher mit denen von Rammstein. Beide Bands haben einen herausragenden Sänger, der live und im Studio in seinem Element ist. Und wenn man das sagt, vermindert das in keinster Weise die Bedeutung von Noel Pix oder Richard Kruspe in ihren Bands. Ganz im Gegenteil, Eisbrecher zeigen auf ihren neuen Album “Schock” das perfekte Zusammenspiel einer Band. Einfach hervorragend!

Rammstein haben vor Jahren den Sprung in die USA gewagt, sich als Vorband von KMFDM durch kleinere Clubs nach oben gespielt. Sie überzeugten die Fans mit ihrem Sänger, ihrer Show, ihrem brettharten Sound und ihren deutschen Texten. Eisbrecher könnte ohne weiteres diesem Beispiel folgen. Sie haben das Zeug und vor allem die Songs dafür. Seit über 18 Jahren ist “Radio Goethe” on-air in den USA und Kanada. Die Rückmeldungen, die ich von Hörerinnen und Hörern bekomme, bestätigt genau das; deutsche Texte sind international kein Bremsklotz mehr.

Auch die neue Platte wird Ende Januar auf Metropolis Records in “God’s Country” veröffentlicht. Die Möglichkeiten für Eisbrecher sind unbegrenzt im Land jenseits des großen Wassers. Ein “Schock” wäre es nur, wenn der Eisbrecher lediglich im Heimathafen vertaut bliebe. Deshalb mal hier und klar gesagt: Es wird kalt, Amerika!




Mittwoch, 14. Januar 2015

Udo Lindenberg – Ball Pompös






Udo Lindenberg – Ball Pompös


Besetzung:

Udo Lindenberg – Gesang, Schlagzeug
Karl Allaut – Gitarre
Gottfried Böttger – Klavier
Steffi Stephan – Bass
Backi Backhausen – Schlagzeug
Thomas Kukuck – Tonmeister


Gastmusiker:

Keith Forsey – Schlagzeug
Dieter Ahrendt – Schlagzeug
Helmut Franke – Gitarre
Thomas Kretschmer – Gitarre
Lonzo Westphal – Geige
Rudi Ratlos – Geige
Jean Jaques Kravetz – Streichorgel
Gigo Seelenmeyer – Banjo
Chris Hermann – Trompete
Rainer Regel – Saxophon
Bolle Burmeister – Saxophon
Olaf Kübler – Saxophon
Peter Herbolzheimer – Posaune
Wolfgang Schmitz – Posaune
Johnny Müller – Chormonika
Bernie Flottmann – Leitung Honky Tonky Kinderchor
IngaRumpf – Rockermädchen
Otto Waalkes – Cowboy Rocker
Gerhard Gösebrecht – Kosmos-Klänge und Ufo-Pilot
Werner Burghardt – Ahua Chor
Hans Otto Mertens – Ahua Chor
Bernd Bulle – Ahua Chor
Heinz-Peter Meyer – Ahua Chor
Hans Scheibner – Ahua Chor


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Deutsch Rock, Pop


Trackliste:

1. Jonny Controlletti (3:13)
2. Honky Tonky Show (5:30)
3. Leider Nur Ein Vakuum (3:00)
4. Rudi Ratlos (3:11)
5. Bitte Keine Love Story (3:48)
6. Gerhard Gösebrecht (2:30)
7. Riskante Spiele (4:14)
8. Cowboy Rocker (5:57)
9. Nostalgie Club (1:51)
10. Ich Bin Von Kopf Bis Fuß Auf Liebe Eingestellt (2:36)
11. Glitzerknabe (1:32)
12. Candy Jane (3:13)

Gesamtspieldauer: 40:42




„Ball Pompös“ nannte Udo Lindenberg sein fünftes Studioalbum, welches im Jahr 1974 veröffentlicht wurde. Eingerahmt wird diese Platte von zwei Meisterwerken des Udo Lindenberg, nämlich „Alles Klar Auf Der Andrea Doria“ und „Votan Wahnwitz“. Bei vielen Fans steht „Ball Pompös“ genauso oder zum Teil sogar noch höher im Kurs. Das ist bei mir nicht so ganz der Fall, da auch auf dieser Scheibe zwar tolle Songs vertreten sind, jedoch nicht in der Masse und Intensität, wie auf den beiden bereits genannten und dieses Album umrahmenden Scheiben.

Höhepunkt der Platte ist ganz klar die Nummer „Leider Nur Ein Vakuum“. Sehr melodiös und harmonisch gehalten und wieder mal mit einer Sprache versehen, die sehr viel Spaß macht, da sie so typisch für Udo Lindenberg ist. Hier, in diesem Song, sind die Worte zwar nicht besonders witzig, sondern eher nachdenklich gehalten, mit Humor wird dagegen jedoch in vielen anderen Liedern des Albums nicht gespart. Das Wortspiel und eben jener Humor des gebürtigen Gronauers, findet sich immer wieder in den Texten der insgesamt zwölf Lieder auf „Ball Pompös“. Musikalisch können auch „Bitte Keine Love Story“ und „Cowboy Rocker“ noch voll überzeugen, wobei man bei letzterem Titel übrigens Inga Rumpf und Otto Waalkes in kleinen Sprechrollen hört.

Allerdings muss hier ebenfalls erwähnt werden, dass es auf „Ball Pompös“ auch eine ganze Reihe von Nummern gibt, die eben nichts so schnell ins Ohr gehen, für die man sehr viel mehr Zeit investieren muss, um damit „warm“ zu werden – und manches Mal gelingt einem dies leider überhaupt nicht. Klar, alles reine Geschmackssache, trotzdem befinden sich auf „Ball Pompös“ wesentlich weniger „Klassiker“ aus dem Songkatalog des Udo Lindenberg.

Fazit: Ein schönes Album ist „Ball Pompös“ trotzdem geworden. Der Humor des Udo Lindenberg kommt immer wieder schön zu Tage, die Geschichten, die hier erzählt werden, regen mitunter zum Schmunzeln an, andere machen nachdenklich. Dazu gesellen sich noch einige wirklich überzeugende Melodien. Vielleicht nicht ganz so gut, die die beiden Platten außen herum, jedoch sicherlich immer noch gut. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Leider Nur Ein Vakuum, Bitte Keine Love Story, Cowboy Rocker




Auf der Platte singt Udo Lindenberg den Titel natürlich auf Deutsch, hier mal auf Englisch:

Dienstag, 13. Januar 2015

Judas Priest – Sin After Sin




Judas Priest – Sin After Sin


Besetzung:

Rob Halford – vocals
K. K. Downing – guitar
Glenn Tipton – guitar
Ian Hill – bass guitar
Simon Phillips – drums, percussion


Label: CBS


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Heavy Metal, Hard Rock


Trackliste:

1. Sinner (6:43)
2. Diamonds And Rust (3:23)
3. Starbreaker (4:48)
4. Last Rose Of Summer (5:36)
5. Let Us Prey / Call For The Priest (6:12)
6. Raw Deal (5:58)
7. Here Come The Tears (4:36)
8. Dissident Aggressor (3:06)

Gesamtspieldauer: 40:07




„Sin After Sin“ heißt das dritte Studioalbum von Judas Priest aus dem Jahr 1977, die damit endgültig den Weg hin zum Heavy Metal eingeschlagen hatten. Die Briten aus Birmingham gehen auf dieser Scheibe keine Kompromisse mehr ein. Sich immer im Bereich zwischen Hard Rock und Heavy Metal bewegend, wird hier gerockt, auf Teufel komm raus. Nun, bei diesem Band Namen ist das wohl auch nicht großartig verwunderlich. Dem Album werden auch immer wieder progressive Ansätze nachgesagt, die ich hier allerdings überhaupt herauszuhören vermag. Ziemlich geradliniger Rock befindet sich auf „Sin After Sin“ und auch wenn ein Titel, wie die richtig gute Nummer und der Höhepunkt des Albums „Sinner“, aus mehreren verschiedenen Parts zusammengesetzt ist, dann ist das noch lange kein Progressive Rock.

„Last Rose Of Summer“ bildet da als gefühlvolle Ballade zusammen mit dem noch etwas düsteren „Here Come The Tears“ so etwas wie einen ruhigen Gegenpol. Dies sind allerdings die beiden einzigen Stellen des Albums, an denen durchgängig die eher ruhigeren Töne im Vordergrund stehen. Selbst der Titel „Last Rose Of Summer”, ein Lied von Joan Baez, wird hier frontal und komplett verrockt. Richtige Höhepunkte, also Songs, die die weit aus den anderen herausragen gibt es bis auf „Sinner“ nicht. Allerdings findet man auf „Sin After Sin“ auch keine Ausfälle. Alles wirkt und klingt und hat seine Qualität. Also der volle Hörgenuss für Freunde der etwas härteren Gitarren und die komplette Headbanging-Fraktion.

Fazit: Alles gut gemacht und ein solides Hard Rock bis Heavy Metal Album. Ich höre so etwas auch ab und an ganz gerne, umgehauen werde ich davon jedoch nicht. Ein Jahr zuvor war „Rising“ von Rainbow veröffentlicht worden, dadurch lag die Latte natürlich sehr hoch für alle folgenden Veröffentlichungen auf dem Gebiet des Hard Rock. Dieses Niveau erreicht „Sin After Sin“ von Judas Priest gewiss nicht, trotzdem ist die Platte beileibe kein schlechtes Album geworden, sondern durchaus immer wieder hörenswert. Acht Punkte.

Anspieltipps: Sinner, Here Come The Tears



Montag, 12. Januar 2015

King Crimson – Red




King Crimson – Red


Besetzung:

Robert Fripp – guitar, mellotron
John Wetton – bass guitar, vocals
Bill Bruford – drums, percussion


Gastmusiker:

David Cross – violin on "Providence"
Mel Collins – soprano saxophone on "Starless"
Ian McDonald – alto saxophone on "One More Red Nightmare" and "Starless"
Mark Charig – cornet on "Fallen Angel", bass cello on "Red"
Robin Miller – oboe on "Fallen Angel"


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Red (6:16)
2. Fallen Angel (6:02)
3. One More Red Nightmare (7:07)
4. Providence (8:09)
5. Starless (12:16)

Gesamtspieldauer: 39:54




„Red“ heißt das sechste und damit vorerst letzte Album, der nun zum Trio geschrumpften King Crimson, welches im Oktober 1974 veröffentlicht wurde. Nach dieser Platte löste Robert Fripp die Band auf und seiner Meinung nach sollte dies auch endgültig sein. Nun schön, dass dem dann doch nicht so war. Es sollten noch jede Menge weiterer Platten folgen, auch wenn diese Auflösung einige Jahre des Wartens für die Fans mit sich brachte.

Im Vorfeld zu den Aufnahmen für „Red“ hatte der Violinist David Cross die Band verlassen, da er sein Instrument in der Musik von King Crimson nicht richtig gewürdigt sah. Trotzdem ist er auf „Red“ noch mit vertreten und zwar auf der Live-Improvisation „Providence“, die im Palace Theatre, Providence, USA, am 30 Juni 1974 eingespielt worden war. Diese Nummer ist auch der einzige „Wehmutstropfen“ auf „Red“, da sich diese Improvisation zugegebenermaßen sehr zäh gestaltet und hinzieht. Dabei von Musik zu sprechen ist auch durchaus gewagt, denn bei „Providence“ handelt es sich eher um ein Klanggebilde, ohne jegliche Form und Kontur, das zunächst gehaucht, sphärisch durch den Raum schwebt, um später dann in einen kraftvollen bis aggressiven Teil überzugehen.

Das soll es allerdings gewesen sein, mit den Kritikpunkten auf „Red“. Rockig startet das Album mit dem Titelstück. Zwar ist die Nummer nicht allzu schnell, wirkt jedoch unglaublich kraftvoll, düster und irgendwie bedrohlich. Dieses reine Instrumentalstück, bildet den spannenden Aufgalopp für eine ganze Reihe sehr guter progressiver Rocklieder. „Fallen Angel“ konterkariert dann jedoch gleich die einmal eingeschlagene Stimmung. Lieblich verspielt startet die Nummer, um sich im weiteren Verlauf auch immer weiter zu steigern. Einfach nur genial umgesetzt. Schließlich wird mit diesen beiden Parts ein wenig gespielt, die Stimmungen gehen ineinander über und Kornett und Oboe tragen zu einer unfassbar einnehmenden Atmosphäre bei. Das folgende „One More Red Nightmare“ startet sofort kraftvoll durch, mündet in einen etwas ruhigeren Instrumentalteil, der vom Saxophon des Ian McDonald dominiert wird. Das klingt alles sehr melodiös, allerdings durchaus auch rau und kantig.

Nun und schließlich folgt mit „Starless“ eines der besten Lieder von King Crimson überhaupt. Und nicht nur das, es ist einer der besten Titel überhaupt, der in diesem Musikgenre jemals komponiert und geschrieben wurde. Die Nummer vereinigt alles in sich, was Musik nur in sich vereinigen kann. Melodiösität, Abwechslungsreichtum, rauschende Rhythmen, Fülle, Spannung und so weiter. Ein wahrlich sehr bewegender Titel. Beginnt alles mit einer sehr harmonischen Gesangsmelodie, so geht die Nummer nach etwas über vier Minuten in einen fast schon hypnotisch zu bezeichnenden Gitarrenteil über, in dem Robert Fripp immer nur einzelne Töne anspielt, darum herum platzieren sich die anderen Instrumente. Das Ganze steigert sich und steigert sich und steigert sich und gipfelt schließlich in einem Rausch, der Freunden dieses Musikstils die Tränen in die Augen treibt. Doch damit nicht genug, zur Krönung dieses Titels bekommen dann auch noch Mel Collins und Ian McDonald mit ihren Saxophonen ihren Einsatz. Es wird noch ein wenig aggressiver und mündet letztendlich in alles überstrahlender Harmonie. Einfach nur genial.

Fazit: Ein ganz großer Dank an King Crimson für dieses musikalische Geschenk. Eine fast perfekte Platte, die bewegt. Schade, dass hier erst mal Schluss war. „Red“ knallt rein und packt, wenn man denn mit dieser Art der Musik etwas anzufangen weiß. Für mich eines der ganz großen Alben der modernen Musik und wenn es diese Improvisation nicht geben würde, hätte die Platte auch noch ein Pünktchen mehr erhalten. Vierzehn Punkte.

Anspieltipps: Fallen Angel, Starless



Sonntag, 11. Januar 2015

Archive – Axiom




Archive – Axiom


Besetzung:

Darius Keeler – keyboards, programming
Danny Griffith – sound effects
Pollard Berrier – vocals
Dave Pen – vocals, guitars
Jon Noyce – bass, moog bass
Steve "Smiley" Barnard – drums
Holly Martin – vocals
Maria Q – vocals
Steve Harris – guitars
Graham Prescett – piano


Label: PIAS


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: TripHop


Trackliste:

1. Distorted Angels (3:22)
2. Axiom (10:00)
3. Baptism (5:02)
4. Transmission Data Terminate (4:57)
5. The Noise Of Flames Crashing (4:16)
6. Shiver (7:32)
7. Axiom - Reprise (4:25)

Gesamtspieldauer: 39:37




Archive waren schon immer eine besondere Band. Das sind sie auch dieses Mal, mit ihrem neunten Album „Axiom“. Aber ist das überhaupt ein „normales“ Album? Die Musiker selber bezeichnen es als „Projekt“, denn dieses Album ist gleichzeitig auch ein Film, der neben der CD als DVD dem Album beiliegt. In diesem Film wird eine sehr düstere Science Fiction Geschichte erzählt. Er wurde in Schwarzweiß gedreht und zeigt in zum Teil sehr drastischen, beängstigenden und auch surrealen Bildern das Leben auf der Insel „Axiom“, auf der die „Religion der Glocke“ herrscht, die der Führer John Preacher predigt und mit Gewalt durchsetzt. Wer dieser „Glaubensrichtung“ nicht angehört, wird entsprechend verfolgt und bekämpft. Richtig gruselig zum Teil.

So düster wie der Film ist dementsprechend auch die dazugehörige Musik, die sich über den gesamten Film erstreckt. Und klar ist das wieder typisch Archive. Die Sounds und Beats kennt man von der Band. Das wiederum bedeutet für das Hörerlebnis allerdings keinen Abbruch. Die Musik ist unglaublich intensiv, genau wie die Bilder des Films. Somit bilden Musik und Film im Grunde genommen eine nicht zu trennende Einheit. Aber natürlich kann das Album auch sehr gut ohne den dazugehörigen Film gehört werden. Kraftvoll und intensiv wirkt dieses auch ohne die Bilder. Dabei sollte man sich zunächst jedoch unbedingt die Zeit nehmen, sich auf das zu Hörende zu konzentrieren. Nebenbei gehört, zudem beim ersten Mal, kann diese Musik nichts von ihrer Eindringlichkeit vermitteln und wirkt sogar, durch einige vorhandene treibende Parts, fast schon verstörend. Nein auf „Axiom“ muss man sich konzentrieren, um in eine musikalische Landschaft eintauchen zu können, die es wahrlich lohnt entdeckt zu werden.

Jedes Lied wirkt auf „Axiom“. Die beiden Titelstücke stellen dabei Instrumentalnummern dar. Und gerade der erste Part ist dabei absolut intensiv. Zwar benötigt dieser Titel einige Zeit, bis er so richtig durchstartet, da zu Beginn hauptsächlich Glockenläuten zu hören ist, wird dann jedoch umso packender und einnehmender. Eine Soundlandschaft breitet sich um den Hörer aus, die voller und intensiver kaum sein kann. Allgemein gibt es auf dem Album keinen Ausfall zu beklagen. Alles wirkt und klingt überzeugend. Auch die verschiedenen Sänger wissen, mit ihrem zum Teil an Verzweiflung grenzenden Gesang, immer wieder restlos zu überzeugen.

Fazit: Man kann es in einem Lexikon nachschlagen: Die Dystopie oder auch Anti-Utopie (von griechisch dys- = un; topos = Ort) genannt, ist eine Geschichte, die in einer negativen erfundenen Gesellschaft spielt. Häufig wollen die Autoren dystopischer Geschichten mit Hilfe eines negativen Zukunftsbildes vor Entwicklungen in der Gegenwart warnen. Ob dies wirklich der Gedanke hinter der Story von „Axiom“ ist, kann ich nicht beurteilen. Der spanische Regisseur Jesus Hernandez hat jedoch genau solch eine Dystopie mit seinem Film erschaffen. Archive haben schließlich die passende Musik dazu geliefert. Oder war das Ganze genau andersherum? Das weiß ich ehrlich gesagt ebenfalls nicht, spielt auch keine Rolle, wenn man sich das Endergebnis ansieht und anhört. Das ist nämlich kurz gesagt ergreifend, berührend und überzeugend. Vierzehn Punkte.

Anspieltipps: Distorted Angels, Axiom, Baptism, Transmission Data Terminate, The Noise Of Flames Crashing, Shiver & Axiom – Reprise. Ups, das ist ja alles…

Und hier gibt's den kompletten Film:



Samstag, 10. Januar 2015

Deep Purple – Made In Japan




Deep Purple – Made In Japan


Besetzung:

Ritchie Blackmore – lead guitar
Ian Gillan – vocals, harmonica, percussion
Roger Glover – bass
Jon Lord – organ, piano
Ian Paice – drums


Label: Purple


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Highway Star (6:52)
2. Child In Time (12:25)
3. Smoke On The Water 7:32)
4. The Mule (9:50)
5. Strange Kind Of Woman (9:36)
6. Lazy (10:51)
7. Space Truckin (19:42)

Gesamtspieldauer: 76:44




Nun, manche Besprechungen kann man im Grunde genommen sehr kurz machen. Eine davon ist „Made In Japan“ von Deep Purple. Denn die oder derjenige Musikfreund(in), die oder der gerne Hard Rock hört, kommt mit diesem Album voll auf ihre beziehungsweise seine Kosten. Genauso verhält es sich bei Freunden von Live-Music. Die Platte wurde aus drei Konzerten, die am 15. und 16. August in Osaka und am 17. August 1972 in Tokio stattfanden, zusammengeschnitten. Auch wenn es sich nicht um ein einziges Konzert handelt, die Scheibe wirkt. Nun, man ist bei diesen drei Konzerten zwar nicht „live“ dabei, wenn man jedoch die Kopfhörer aufsetzt, die Anlage ordentlich aufgedreht hat und die Augen schließt, dann wirkt das fast so. Unglaublich verspielt wirkt die Band hier. Jeder Musiker bekommt seinen Raum zugedacht und eingeräumt und so darf man sich auch nicht wundern, dass sich auf einem ehemaligen Doppelalbum lediglich sieben Nummern befinden. Die Scheiben quellen nur so über vor Soli der verschiedenen Instrumente.

Auch die Songauswahl ist allererste Güte und diese, um über zwei Minuten verlängerte Version von „Child In Time“ sucht sowieso vergeblich ihr Pendant. Besser kann auf Platte gepresste Live-Musik nicht klingen. Unglaublich auch, dass Ian Gillan dieses Lied auch auf der Bühne genauso zu singen im Stande war, wie im Tonstudio. Nicht nur unglaublich, fast schon unfassbar. Alles ist perfekt abgemischt, jedes Instrument hat die Chance zu wirken und somit haben die fünf Musiker von Deep Purple hier wahrlich eines der allerbesten Live-Alben aller Zeiten geschaffen. Man hört förmlich heraus, wie sehr die Musiker Spaß haben zusammen zu spielen. Dabei sind dies alles auch Virtuosen auf ihren Instrumenten. Einfach nur beeindruckend.

Fazit: Nur eine kleine Wiederholung: Wer auf Platte gepresste Live-Musik und Hard Rock mag, es genießen kann, wie Musiker in ihren Werken aufgehen und die Verspieltheit in der Musik liebt, genau für die oder den wurde diese Platte produziert und veröffentlicht. Macht einfach Spaß. Wahrlich eines der besten Live-Alben aller Zeiten. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Child In Time



Freitag, 9. Januar 2015

Various Artists – Straßenkreuzer dreizehn – LIVE




Various Artists – Straßenkreuzer dreizehn – LIVE



Man könnte nun einfach sagen, nette Benefiz-CD. Das Ding verkauft sich schon, immerhin geht es ja um einen guten Zweck. Punkt. Damit wäre alles gesagt, oder? Eben nicht, denn was hier präsentiert wird, ist mehr, als nur ein Grund zum Kaufen.

Das Nürnberger Sozialmagazin Straßenkreuzer bringt alljährlich kurz vor Weihnachten ein solches Album heraus. Nun liegt die 13. Ausgabe vor mir, darauf 21 Songs, die verschiedener nicht sein könnten. Die Straßenkreuzer CD ist keine Format Platte, das alleine gefällt mir schon mal sehr. Und es wird ein offenes Ohr auf die Musikszene des Großraums Nürnberg gelegt. Das reicht von Chanson bis Folkrock, von Punk bis Blues, von Funk bis Electronica. 

Alles ist zu finden und jeder findet garantiert etwas auf dieser CD. Einiges sticht für mich heraus, da sind Miko, Frieder Graef, Stop at Paris und auch Die Japanische Clubjacke. Ganz verschiedene Sounds, die begeistern. Und auch alte Bekannte lassen sich finden. Toll der Song “Sorry” von der wiedervereinigten NC Brown Blues Band. Vor zig-zig Jahren erhielt ich von Chris Schmitt und Yogo Pausch zum Abschied meines Praktikums im Kinderladen die signierte LP. Damals konnte ich so gar nichts mit Blues anfangen, doch über die Jahre wuchs mir die Scheibe ans Herz. Und heute wird sie immer mal wieder abgestaubt und dreht auf dem Plattenspieler hier in Kalifornien ihre Runden. Auch der eigenwillige Künstler und Musiker Dan Reeder ist mit seinem Projekt DTM auf der Straßenkreuzer CD zu finden.

Nein, diese angesprochenen Bands sind nicht die Highlights der Platte, es ist nur mein ganz persönlicher musikalischer Geschmack. Jeder Musiker, der hier dabei ist, ist das Highlight. Denn sie alle wollen die Menschen, die Nachbarn, die Freunde unterstützen, für die sich das Sozialmagazin Straßenkreuzer seit über 20 Jahren in Nürnberg einsetzt. 

Donnerstag, 8. Januar 2015

Udo Lindenberg – Alles Klar Auf Der Andrea Doria




Udo Lindenberg – Alles Klar Auf Der Andrea Doria


Besetzung:

Udo Lindenberg – Gesang, Schlagzeug
Steffi Stephan – Bass
Thomas Kretschmer – Gitarre
Karl Allaut – Gitarre
Gottfried Böttger – Klavier, Röhrenglocken, Celesta


Gastmusiker:

Jean Jaques Kravetz – Klavier, Orgel
Peter Hesslein – Akustikgitarre
Das Streichquartett Lorenz Westphal
Das Hot Owl Dixielandgegläse u.v.a.


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Deutsch Rock, Pop


Trackliste:

1. Alles klar auf der Andrea Doria (3:48)
2. Boogie Woogie-Mädchen (3:33)
3. Nichts haut einen Seemann um (5:07)
4. Ganz egal (4:20)
5. Du heisst jetzt Jeremias (2:55)
6. Wir wollen doch einfach nur zusammen sein (3:08)
7. Dr. Chicago (3:02)
8. Cello (3:01)
9. Er wollte nach London (3:59)
10. Die grösste Liebe (0:49)


Bonus Tracks:

11. Tief im Süden (2:29)
12. Rock'N'Roll Band (3:18)

Gesamtspieldauer: 39:00

„Alles klar auf der Andrea Doria“ ist das vierte Studioalbum des Udo Lindenberg, wurde im Jahr 1973 veröffentlicht und bedeutete den Durchbruch für den gebürtigen Gronauer. Er stieg damit zum ersten deutschen Musiker auf, der von einem Major-Label einen Millionenvertrag angeboten bekam. Dass dieses Album für Udo Lindenberg den Aufstieg in den Olymp des Deutschen Musikbusiness bedeutete ist nicht weiter verwunderlich, denn auf dieser Scheibe befinden sich einige Klassiker im Songkatalog des Musikers und jede Menge Stücke, die wahrlich im Ohr des Hörers festhaften und zu langen, sehr langen Begleitern werden.


Die Platte beginnt mit dem Titellied „Alles klar auf der Andrea Doria“. Diese Art der Musik, Rag-Time mit deutschen, witzigen Texten, so etwas gab es bisher noch nicht in der Bundesrepublik Deutschland. Kein Wunder also, dass Udo Lindenberg damit Aufsehen erregte. Die Nummer groovt und stellt gleichzeitig jedoch nicht die „Normalität“ auf der Scheibe dar. Zwar ist die nächste Nummer „Boogie-Woogie-Mädchen“ noch ein flottes Rock-Lied, doch ansonsten überwiegen eher die traurig, melancholischen Stimmungen auf der Scheibe. „Nichts haut einen Seemann um“ ist so ein Lied. Die sentimentale Geschichte eines Seemanns am Ende seines Lebens. Versehen mit einer wunderschönen Melodie und überzeugender Instrumentierung, wirkt diese Nummer wahrlich sehr eindringlich. „Ganz egal“ hört sich zunächst sehr schräg und rockig an, geht dann mit Beginn des Gesangs jedoch auch in einen sehr viel melodiöseren Teil über. Und hier kommt zum ersten Mal auch das Sendungsbewusstsein des Udo Lindenberg, der nie um eine klare Aussage verlegen war, zum Vorschein: Toleranz auf allen Ebenen.

„Mit „Du heißt jetzt Jeremias“ bewegt sich Lindenberg dann auf dem Gebiet der Satire. Dass nicht jeder in den Kirchen damit glücklich war, versteht sich von selbst. Witzig ist das auf jeden Fall und wirkt auch in keinster Weise beleidigend, sodass man durchaus darüber lächeln können sollte. Es folgt einer der Klassiker des Udo Lindenberg: „Wir wollen doch einfach nur zusammen sein“. Eine der Hymnen zum Mauerfall sechzehn Jahre später. Dr. Chicago ist ein Instrumentalstück und Rock’n’Roll und mündet in den nächsten Klassiker: „Cello“. Tolles Lied, Ohrwurmgarantie und macht auch heute noch jede Menge Spaß. Und wieder wird es etwas sentimental mit „Er wollte nach London“. Erneut wird eine Geschichte erzählt, nur dieses Mal ist es nicht ein alter Mann, der für viel Melancholie sorgt, sondern ein Junge beziehungsweise junger Mann. Auch dieses Lied wurde mit einer sehr eingängigen Melodie versehen und lädt zum Träumen und Lauschen an. Dagegen ist die letzte Nummer, „Die große Liebe“, eine Parodie auf den Deutschen Schlager und dauert glücklicherweise noch nicht einmal eine Minute.

Zwei Bonus-Titel wurden der remasterten Fassung des Albums hinzugefügt. „Tief im Süden“ ist so etwas wie seine Antwort auf seinen ersten kleinen „Hit“ auf dem Vorgängeralbum „Daumen im Wind“. Dieser hieß „Hoch im Norden“ und nun wird eben der Süden humoristisch aufgearbeitet. „Rock’n’Roll Band“ klingt, wie der Name schon sagt, eher rockig und kann vor allem mit seinen ruhigeren Stellen überzeugen.

Fazit: „Alles klar auf der Andrea Doria“ ist deshalb so gelungen, da Udo Lindenberg es auf dieser Platte perfekt versteht, intelligente, manchmal nachdenklich, manches Mal witzige Texte, mit tollen Melodien zu kombinieren. Nicht jedes Lied kann auf dieser Scheibe restlos überzeugen, aber der allergrößte Teil davon. Wenn man dann noch überlegt, wie viele verschiedene musikalische Stile Udo Lindenberg auf diesem Album vereinigt und überzeugend umsetzt, dann ist das schon „großes Kino“. Sicherlich ist Udo Lindenberg einer der besten Deutschen Musiker und „Alles klar auf der Andrea Doria“ eines seiner besten Alben. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Nichts haut einen Seemann um, Cello, Er wollte nach London



Mittwoch, 7. Januar 2015

The Pretenders – Learning To Crawl




The Pretenders – Learning To Crawl


Besetzung:

Chrissie Hynde – rhythm guitar, lead vocals, harmonica
Martin Chambers – drums, vocals, lead vocals on "Fast or Slow"
Robbie McIntosh – lead guitar, backing vocals
Malcolm Foster – bass guitar, backing vocals


Gastmusiker

Billy Bremner – lead guitar on "Back on the Chain Gang" and "My City Was Gone", rhythm guitar and vocals on "Thin Line Between Love and Hate"
Tony Butler – bass guitar on "Back on the Chain Gang" and "My City Was Gone"
Andrew Bodnar – bass guitar and vocals on "Thin Line Between Love and Hate"
Paul Carrack – piano and vocals on "Thin Line Between Love and Hate"


Label: Sire


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Alternative, Pop


Trackliste:

1. Middle Of The Road (4:08)
2. Back On The Chain Gang (3:44)
3. Time The Avenger (4:47)
4. Watching The Clothes (2:46)
5. Show Me (4:00)
6. Thumbelina (3:12)
7. My City Was Gone (5:14)
8. Thin Line Between Love And Hate (3:33)
9. I Hurt You (4:27)
10. 2000 Miles (3:30)

Gesamtspieldauer: 39:21




„Learning To Crawl“ ist das dritte Album der Pretenders und wurde im Januar 1984 veröffentlicht. Die Platte wurde mit deutlich verändertem Line-Up eingespielt, denn eineinhalb Jahre zuvor, war der Bassist und Mitbegründer der Pretenders, Pete Farndon, aufgrund seiner Drogenprobleme aus der Band geschmissen worden. Nur zwei Tage später verstarb dann Gitarrist James Honeyman-Scott an einer Überdosis Kokain. Nicht mal ein Jahr später sollte schließlich auch der zuvor geschasste Pete Farndon versterben. Er ertrank in seiner Badewanne nach der Einnahme von Heroin. Robbie McIntosh an der Gitarre und Malcolm Foster am Bass ersetzten die beiden verstorbenen Musiker.

Auf „Learning To Crawl” bekommt man einen etwas beswingten Alternative Rock zu hören, der mitunter auch als Alternative Pop zu bezeichnen ist. Meist ganz eingängig, obwohl man als Zuhörer doch einige Durchgänge benötigt, um diese Musik richtig verinnerlichen zu können. Bei manchen Nummern passiert das allerdings nie. Die Pretenders können nämlich auch unglaublich schnulzig klingen, wie beim unsäglichen „Thin Line Between Love And Hate“. Gelungen sind dagegen das groovende „Back On The Chain Gang” und die treibende Nummer „Thumbelina“. Erwähnung finden sollte hier auch noch „2000 Miles“, da dieser Titel ein sehr beliebter Weihnachtssong in England wurde und dem verstorbenen Gitarristen James Honeyman-Scott gewidmet wurde. Genauso übrigens wie die hier bereits erwähnte Nummer „Back On The Chain Gang“. Nun und der Rest der Platte? Mal klingt das ein wenig interessanter, ein anderes Mal langweiliger. So richtig überzeugen kann „Learning To Crwal jedoch nie.

Fazit: Man muss nicht die Flucht ergreifen, wenn diese Scheibe aufgelegt wird. Ich kann mir allerdings auch nicht vorstellen, dass es einen Menschen auf diesem Planeten gibt, der behauptet diese Platte wäre sein absolutes Lieblingsalbum. Keine schlechte Musik also, durchaus unterhaltend, allerdings verpasst man auch nicht sonderlich viel, wenn man diese Scheibe eben nicht kennt. Irgendwie ist das alles Durchschnitt. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Back On The Chain Gang, Thumbelina, 2000 Miles