Samstag, 11. April 2015

Eloy – The Tides Return Forever




Eloy – The Tides Return Forever


Besetzung:

Frank Bornemann – vocals, guitar
Michael Gerlach – keyboards, backing vocals
Klaus-Peter Matziol – bass


Gastmusiker:

Nico Baretta – drums
Jocelyn B. Smith – vocals on "The Tides Return Forever"
Miriam Stockley – vocals on "Company Of Angels"
Peter Beckett – vocals on "Company Of Angels", "Last In Line" and "The Tides Return Forever"
Tom Jackson – vocals on "Company Of Angels", "Last In Line" and "The Tides Return Forever"
Susanne Schätlze – backing vocals on "Last In Line"
Bettina Lux – backing vocals on "Last In Line"
Steve Mann – acoustic guitar solo on "The Tides Return Forever"
Ralf Vornberger – acoustic guitar on "The Tides Return Forever"
Dirk Michaelis – acoustic guitar on "Childhood Memories"


Label: ACI


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: RetroProg


Trackliste:

1. The Day Of Crimson Skies (5:02)
2. Fatal Illusions (9:21)
3. Childhood Memories (6:21)
4. Generation Of Innocence (6:10)
5. The Tides Return Forever (6:39)
6. The Last In Line (4:01)
7. Company Of Angels (9:44)

Gesamtspieldauer: 47:22




Das fünfzehnte Eloy-Studioalbum wurde im Jahr 1994 unter dem Namen „The Tides Return Forever“ veröffentlicht. Nachdem der Vorgänger „Destination“ – mit nur wenigen Ausnahmen – gar nicht mehr so recht überzeugen konnte und wollte, weiß „The Tides Return Forever“ durchaus wieder an der einen oder anderen Stelle mehr zu gefallen. Vielleicht liegt es auch daran, dass Eloy nun nicht mehr nur noch ein Zweimannprojekt waren, sondern Frank Bornemann sich anschickte, wieder eine richtige Band um sich zu scharen. Nun, der Anfang wurde mit Klaus-Peter Matziol am Bass gemacht, der schon 1976 bis 1984 Teil der Besetzung von Eloy war und bereits auf „Destination“ wieder als Gastmusiker seinen erneuten Einstand feierte.

Natürlich spielen Eloy in den 90er Jahren nicht mehr dieselbe Musik, wie noch in den 70ern. Die einzelnen Titel sind vielleicht auch nicht mehr ganz so komplex, auf jeden Fall kompakter. Progressive Rock ist das allerdings immer noch, zumindest an manchen Stellen und jene Art des Progressive Rock, die in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts noch überlebt hatte. Sehr abwechslungsreich gestalten sich immer noch viele Titel von Eloy, vor allen Dingen herauszuheben sind dabei für mich die Nummern „The Day Of Crimson Skies“, der Titeltrack „The Tides Return Forever“ und vor allen Dingen „Company Of Angels“. Schön zu hören, dass die Band es immer noch nicht verlernt hat, tolle Melodien und Harmonien zu kreieren. Macht einfach Laune und wenn man dann dem Gesang des Frank Bornemanns lauscht, so muss man konstatieren, dass dieser eindeutig besser geworden ist in Bezug auf seine englische Aussprache. Trotzdem klingt er diesbezüglich aber noch nicht perfekt genug, um nicht dieses Nostalgie-Lächeln auflegen zu können.

Fazit: Nein, „The Tides Return Forever“ ist natürlich nicht das beste Eloy-Album geworden. Aber es ist eines, was sich gut anhören lässt und wenn man es vergleicht mit jenen, die chronologisch gesehen davor entstanden sind, so muss man Frank Bornemann sogar Respekt zollen. Das war eindeutig ein Schritt in die richtige Richtung. Auf „The Tides Return Forever“ hört man Eloy wieder ab und an so, wie man sie zu schätzen gelernt hat. Nicht mehr in der Ausprägung wie 15 bis 20 Jahre zuvor, jedoch noch immer vorhanden, lebendig und zugegen. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Day Of Crimson Skies, Company Of Angels



Freitag, 10. April 2015

Jethro Tull – Crest Of A Knave




Jethro Tull – Crest Of A Knave


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, flute, acoustic and electric guitars, percussion, keyboards, synclavier, drum programming
Martin Barre – electric and acoustic guitars
Dave Pegg – bass guitar, acoustic bass


Gastmusiker:

Doane Perry – drums
Gerry Conway – drums
Ric Sanders – violin


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Rock


Trackliste:

1. Steel Monkey (3:40)
2. Farm On The Freeway (6:31)
3. Jump Start (4:55)
4. She Said She Was A Dancer (3:43)
5. Dogs In The Midwinter (4:37)
6. Budapest (10:05)
7. Mountain Men (6:20)
8. The Waking Edge (4:49)
9. Raising Steam (4:06)

Gesamtspieldauer: 48:50




„Crest Of A Knave“ heißt das sechzehnte Studio-Album von Jethro Tull und stammt aus dem Jahr 1987. Wieder mal gab es einen Wandel in der Musik von Jethro Tull. Dieses Mal war es erneut ein Schritt zurück, nachdem das vorherige Album „Under Wraps“ so gar nicht bei den Fans Anklang gefunden hatte. Ian Anderson wollte wieder etwas zurückrudern in seinem Sound und dem der Band, der doch zu synthetisch geworden war. Aber noch etwas war in den letzten drei Jahren passiert. Ian Anderson hatte schon auf „Under Wraps“ Probleme mit der Stimme gehabt, eine hartnäckige Stimmbandentzündung schränkte ihn schließlich so sehr ein, dass gar nicht mal klar war, ob es überhaupt mit Jethro Tull weitergehen würde. Genau dies ist auch der Grund, warum es dieses Mal so lange wie noch nie gedauert hatte, bis ein neues Album veröffentlicht wurde und warum sich der Gesang des Ian Anderson ab jetzt doch ein wenig anders, nicht mehr so kraftvoll anhörte.

Musikalisch gesehen sind die Lieder auf „Crest Of A Knave“ eine Mischung aus Hard Rock, Jethro Tull früherer Tage und Dire Straits Musik. Als ich den Titel „She Said She Was A Dancer” war ich mir sicher, dass ich hier die Dire Straits hören würde, so sehr klingen Jethro Tull hier von den Instrumenten her nach den Kollegen. Ja selbst Ian Anderson scheint hier den Gesang des Mark Knopfler imitieren zu wollen. Auch die Nummer „The Walking Edge“ erinnert mich sehr stark an die Dire Straits.

Musikalisch gesehen sind die Titel auf „Crest Of A Knave“ durchaus hörenswert. Melodiös und harmonisch vorgetragen beweist Ian Anderson einmal mehr, dass er über dieses „Gen“ verfügen muss, welches es ihm ermöglicht eingängige Nummern zu schreiben, die dann auch längerfristig hängenbleiben. Auch gibt es auf „Crest Of A Knave“ wieder ein richtiges Schlagzeug und keine Drum-Machine mehr zu hören – zwar noch nicht durchgängig, jedoch war auch hier erneut ein Schritt in die richtige Richtung vollzogen worden. „Handgemachte“ Musik klingt bei solch einer Band wie Jethro Tull einfach besser, als programmierte Takte.

Fazit: „Crest Of A Knave“ ist ein durchaus hörenswertes Album von Jethro Tull geworden. Sicherlich keine essentielle Scheibe, um die Musik dieser Band verstehen zu können oder als exemplarisch für alle Werke von Jethro Tull zu stehen. Trotzdem macht die Scheibe Spaß. Eindeutig ist die Musik hier wieder – zumindest in den allermeisten Titeln – wieder als Jethro Tull Musik zu erkennen. Die einzelnen Nummern wirken wieder „handgemacht“ und nicht nur noch programmiert. Übrigens erhielten Jethro Tull für „Crest Of A Knave“ sogar eine Grammy-Auszeichnung in der Kategorie „Best Hard Rock/Metal-Performance“. Aber keine Sorge an all die Freunde der etwas leiseren Töne, „Hard Rock“ ist „Crest Of A Knave“ wahrlich nur zeitweise. Neun Punkte.

Anspieltipps: Farm On The Freeway, Budapest



Donnerstag, 9. April 2015

Peter Gabriel – Passion




Peter Gabriel – Passion


Besetzung:

Peter Gabriel – synthesizers, shakers, skins, surdo, flute samples, flute, voices, bass, percussion, flute whistle, prophet 5, piano, akai S900, audioframe, fairlight samples, vocals, emulator, doholla, roland D-50, contrabass


Gastmusiker:

Manny Elias – octabans, surdo, skins
Hossam Ramzy – finger cymbals, tabla, dufs, tambourines, triangle, mazhar, surdo
David Bottrill – drone mix, lead tambourine, tambourine 2, distorted slide
David Rhodes – guitar, ebow guitar, steinberger guitar
L. Shankar – double violin, vocals
Vatche Housepian – Armenian doudouk
Antranik Askarian – Armenian doudouk
Massamba Diop – talking drum
Mustafa Abdel Aziz – arghul drone, percussion loop
Baaba Maal – vocals
Fatala – additional percussion, percussion loop, african percussion
Mahmoud Tabrizi Zadeh – kementché
Doudou N'Diaye Rose – percussion loop
Youssou N'Dour – voice
David Sancious – backing vocals, hammond organ, backing vocals, akai S900, synthesizer arrangement
Nathan East – bass
Bill Cobham – drums, percussion
Kudsi Erguner – ney flute
Robin Canter – oboe, cor anglais
Location Recording – moroccan percussion & vocals
Manu Katché – additional percussion
Djalma Correa – brazilian percussion
Jon Hassell – trumpet
Nusrat Fateh Ali Khan – qawwali voice
Julian Wilkins – choirboy
Richard Evans – choir recording, tin whistle
Musicians Du Nil – arghul
Bill Cobham – drum kit, drums, tambourine
Said Mohammad Aly – percussion loop
Nathan East – bass


Label: Real World Records


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Soundtrack, New Age Music, World Music, Instrumentalmusik


Trackliste:

1. The Feeling Begins (4:00)
2. Gethsemane (1:24)
3. Of These, Hope (3:56)
4. Lazarus Raised (1:25)
5. Of These, Hope - Reprise (2:44)
6. In Doubt (1:32)
7. A Different Drum (4:40)
8. Zaar (4:52)
9. Troubled (2:54)
10. Open (3:29)
11. Before Night Falls (2:20)
12. With This Love (3:38)
13. Sandstorm (3:02)
14. Stigmata (2:28)
15. Passion (7:38)
16. With This Love - Choir (3:21)
17. Wall Of Breath (2:28)
18. The Promise Of Shadows (2:11)
19. Disturbed (3:37)
20. It Is Accomplished (2:55)
21. Bread And Wine (2:21)

Gesamtspieldauer: 1:07:05




Der Film „Die letzte Versuchung Christi” von Martin Scorsese sorgte damals, im Jahr 1988, weltweit für Aufregung, da einige Christen diesen Streifen als große Provokation ansahen. Ein Jahr später erschien dann der Soundtrack zum Film, den Peter Gabriel komponiert hatte. Im Grunde genommen handelt es sich allerdings bei dem Album „Passion“ um eine „überarbeitete“ Version der Filmmusik, denn den ursprünglichen Soundtrack überarbeitete Peter Gabriel nochmals und veröffentlichte schließlich dieses Album in Form einer Doppel-LP, welches im Jahr 1990 sogar einen Grammy als bestes New-Age-Album gewann.

„Passion“ ist ein Album voller World-Music, welches nichts mit den Alben zu tun hat, die Peter Gabriel sonst als Studio-Alben veröffentlichte. Nimmt man nur die beteiligten Musiker und deren Herkunftsländer, so lässt sich daraus eine imposante Weltkarte erstellen, die so gut wie jeden Flecken unserer Erde abdeckt. Genau so muss man diese Scheibe auch sehen, als musikalische Reise um die Erde, während der ziemlich viele musikalische Richtungen, die nichts beziehungsweise kaum etwas mit gängigen Rock- oder Pop-Anleihen zu tun haben, abgebildet werden. Der zweite Charakter, der diesem Album innewohnt ist jener, wofür die Scheibe auch ausgezeichnet wurde: New Age Music. So ist diese Platte eine gute, wenn man mal Abschalten möchte. Schnappt Euch die Kopfhörer, macht es Euch auf dem Sofa bequem und taucht ein in die Melodien und Rhythmen anderer Kulturen.

Fazit: Was mich persönlich bei diesem Album wahrlich überrascht, dass ist nicht die Musik, sondern einige Kritiken dazu, die ich im Internet lesen konnte. Da wird echt behauptet – sehr eindringlich und auch sehr häufig – dass dies die beste Peter Gabriel Scheibe überhaupt wäre. So etwas lässt mich schon etwas sprachlos zurück, da ich hier ja auch sehr subjektiv meine Meinung wiedergebe, es mich trotzdem überrascht, solch Meinungen so geballt zu hören. „Passion“ ist kein typisches Peter Gabriel Album. Es ist ein Album voller Welt Musik mit New Age-Anleihen. Das Ganze hört sich nicht schlecht an, ist jedoch mit Sicherheit nicht die beste Peter Gabriel Platte. Klingt auf Kopfhörern sehr interessant und auch eindringlich, nicht mehr und auch nicht weniger. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Feeling Begins, A Different Drum, It Is Accomplished



Mittwoch, 8. April 2015

Ayreon – The Theory Of Everything




Ayreon – The Theory Of Everything


Besetzung:

Arjen Anthony Lucassen – electric and acoustic guitars, bass guitar, mandolin, analog synthesizers, hammond, solina strings


Gastmusiker:

Ed Warby – drums, percussion
Rick Wakeman – synthesizer solo on "Surface Tension", piano
Keith Emerson – synthesizer solo on "Progressive Waves"
Jordan Rudess – synthesizer solo on "Progressive Waves"
Steve Hackett – guitar solo on "The Parting"
Troy Donockley – uilleann pipes, whistles
Ben Mathot – violin
Maaike Peterse – cello
Jeroen Goossens – flutes, bass flute, piccolo, bamboo flute, contrabass flute
Siddharta Barnhoorn – orchestrations
Michael Mills – irish bouzouki
JB – vocals
Sara Squadrani – vocals
Michael Mills – vocals
Cristina Scabbia – vocals
Tommy Karevik – vocals
Marco Hietala – vocals
John Wetton – vocals
Wilmer Waarbroek – backing vocals


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Melodic Rock, Retro Prog, Rock, Pop


Trackliste:

CD1:

Phase I: Singularity

1. Prologue: The Blackboard (1:55)
2. The Theory of Everything Part 1 (3:01)
3. Patterns (1:03)
4. The Prodigy's World (1:31)
5. The Teacher's Discovery (2:58)
6. Love and Envy (2:39)
7. Progressive Waves (3:16)
8. The Gift (2:38)
9. The Eleventh Dimension (1:46)
10. Inertia (0:45)
11. The Theory of Everything Part 2 (1:50)

Phase II: Symmetry

12. The Consultation (3:49)
13. Diagnosis (2:48)
14. The Argument 1 (0:24)
15. The Rival's Dilemma (2:22)
16. Surface Tension (0:57)
17. A Reason to Live (0:45)
18. Potential (3:14)
19. Quantum Chaos (2:09)
20. Dark Medicine (1:23)
21. Alive! (2:29)
22. The Prediction (1:05)


CD2:

Phase III: Entanglement

1. Fluctuations (1:01)
2. Transformation (3:13)
3. Collision (3:26)
4. Side Effects (2:59)
5. Frequency Modulation (1:44)
6. Magnetism (3:54)
7. Quid Pro Quo (3:09)
8. String Theory (1:29)
9. Fortune? (1:36)

Phase IV: Unification

10. Mirror of Dreams (2:30)
11. The Lighthouse (3:16)
12. The Argument 2 (0:49)
13. The Parting (3:27)
14. The Visitation (3:27)
15. The Breakthrough (2:00)
16. The Note (1:11)
17. The Uncertainty Principle (2:09)
18. Dark Energy (0:44)
19. The Theory of Everything Part 3 (1:29)
20. The Blackboard (Reprise) (1:13)

Gesamtspieldauer CD1 (44:59) & CD2 (44:55): 1:29:54 dazu DVD mit etwa 2,5 h Laufzeit




„The Theory Of Everything” ist das achte Studio-Album von Ayreon, alias Arjen Lucassen und es erschien im Jahr 2013. Wieder einmal konnte Arjen Lucassen für sein neuestes Werk einige sehr bekannte Gastmusiker gewinnen. Keith Emerson und Rick Wakeman haben Gastauftritte an den Keyboards, Steve Hackett ist mal an der Gitarre zu hören und John Wetton singt die Rolle des Psychiaters auf „The Theory Of Everything“ ein. Nun, da hätten wir also Yes, Genesis, Emerson, Lake And Palmer sowie King Crimson mit auf dieser Platte verewigt. Und diese vier Musiker sind nur ein Auszug aus der Gesamtzahl aller Gastmusiker, die sich hier verewigen durften.

„The Theory Of Everything” umfasst die vier „Hauptlieder“ „Singularity“, „Symmetry“, „Entanglement“ und „Unification“, die jeweils in etwa zehn Untertitel aufgespalten sind. All diese insgesamt 42 Lieder gibt es dann verteilt auf zwei CD’s zu hören. Dazu gesellt sich noch eine DVD mit jeder Menge Bonusmaterial in Form von Interviews, dem „Making Of…“ sowie diversen Aufnahmeszenen. Ein ganzes Füllhorn an Eindrücken und Musik wird auf diesem Album also über den Käufer ausgeschüttet.

Die Musik ist dabei typisch für Arjen Lucassen, der sich inzwischen eine Art Alleinstellungsmerkmal kreiert hat. Wer sonst noch macht solche Musik und vor allen Dingen, wer macht solche Musik auf einer Platte in solch einem Umfang? Das ist oftmals melodischer Mainstreamrock, der viele Elemente des Progressive Rock enthält. Jedoch in solch einer Fülle, dass man immer wieder die Übersicht zu verlieren scheint. Je zwei Titel verbergen sich auf jeder CD. Diese werden in die bereits erwähnten zehn bis elf Untertitel unterteilt, von denen manche nur wenige Sekunden lang sind, andere eine Spieldauer von knapp vier Minuten aufweisen. Das wiederum macht das Ganze nicht gerade einfach. Denn wenn man zum Beispiel andere Musikstücke anderer Bands zum Vergleich heranzieht (Pink Floyd, Yes, Genesis oder ähnliches, alles übrigens musikalische Vorbilder von Arjen Lucassen), die auch jeweils eine Laufzeit von zwanzig Minuten haben, dann stellt man dort oftmals fest, dass diese über ein Hauptthema verfügen, welches variiert wird, mal ganz verschwindet, dann jedoch wieder, oftmals in abgeänderter Form, wieder aufgegriffen wird. Das ist bei Ayreon nicht der Fall, hier bestehen diese Titel aus vielen kleinen Untertiteln, die zwar textlich und inhaltlich miteinander verbunden sind, musikalisch jedoch nicht. Natürlich beinhalten die einzelnen Nummern denselben Musikstil, jedoch wird ein einmal gespieltes Thema nicht noch einmal aufgegriffen. Die insgesamt 42 Titel auf „The Theory Of Everything” sind unterschiedlich. Klar beinhaltet das jede Menge Abwechslung, allerdings benötigt man so auch unglaublich lange, um sich dieses Werk „erarbeitet“ zu haben.

Die Musik selbst ist – wie immer bei Arjen Lucassen – absolut hörenswert. Da macht es Spaß die Lieder zu genießen, gerade auch weil man bereits vorher genau weiß, auf was man sich bei Ayreon einzustellen hat. Etwas Neues hat der Niederländer hier also nicht gezaubert, das ist gute Wertarbeit von einem Musiker, der, wie er in einem der Interviews auf der beigelegten DVD selbst erklärt, am liebsten alles selber macht. Die Musik hat er auch selbst komponiert, bei den Texten erhielt er Unterstützung von seiner Lebensgefährtin Lori Linstruth. In den Titeln wechseln sich harte mit weichen Nummern, orchestrale Songs mit deutlich weniger instrumentierten Songs ab. Selbiges gilt für Melodiösität und Eingängigkeit. Einige Titel können hier auch deutlich besser zünden als andere. Bei 42 Titeln jedoch nicht weiter überraschend.

Fazit: Also alles beim Alten bei Ayreon und Arjen Lucassen. Manchmal wäre es mir allerdings lieber – und ich wundere mich jetzt gerade selber über mich, dass ich das schreibe – wenn Herr Lucassen manchmal etwas schneller auf den Punkt kommen würde. Einige Titel weglassen und aus den richtig guten Nummern eine tolle CD zaubern. Stimmt manchmal wirklich: Weniger ist manches Mal sogar mehr. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Magnetism und 41 weitere Titel



Dienstag, 7. April 2015

Sex Pistols – Never Mind The Bollocks Here’s The Sex Pistols




Sex Pistols – Never Mind The Bollocks Here’s The Sex Pistols


Besetzung:

Johnny Rotten – lead vocals
Steve Jones – guitar, bass guitar, backing vocals
Sid Vicious – bass guitar on "Bodies"
Glen Matlock – bass guitar on "Anarchy in the UK"
Paul Cook – drums




Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Punk


Trackliste:

1. Holidays In The Sun (3:23)
2. Bodies (3:03)
3. No Feelings (2:50)
4. Liar (2:42)
5. God Save The Queen (3:19)
6. Problems (4:11)
7. Seventeen (2:02)
8. Anarchy In The UK (3:32)
9. Submission (4:13)
10. Pretty Vacant (3:17)
11. New York (3:05)
12. EMI (3:11)

Gesamtspieldauer: 38:53



Okay, eines gleich vorweg, Punk ist sicherlich nicht die Musik, die bei mir an erster Stelle steht, auch wenn ich diesem Musikgenre nicht richtig abgeneigt bin. Nun und „Never Mind The Bollocks Here’s The Sex Pistols” sollte man schon irgendwie mal gehört haben, wenn man sich für die Rock-Musik der letzten Jahrzehnte interessiert. Dieses 1977 veröffentlichte Album ist ganz sicher ein Meilenstein in der Geschichte der Rockmusik, denn daraufhin wurde die Pop- und Rockmusik wieder sehr viel einfacher, unkomplizierter und auch nachspielbarer. Einfachheit ist jetzt nicht unbedingt das, wonach sich ein Freund der progressiven Rockmusik sehnt, trotzdem hat das Ganze was.

Viele Leute denken, dass die Sex Pistols einige Platten in diesem Stil veröffentlichten und so eine ganze Ära prägten. Es ist allerdings eine Tatsache, dass diese Scheibe hier ihr einziges offizielles Album ist, danach war sofort wieder Schluss. Trotzdem bereiteten sie einer ganzen Menge von Musikern den Weg bis hin zur Neuen Deutschen Welle, obwohl diese stilistisch mit dem Punk der Sex Pistols nur wenig zu tun hat. Jedoch gilt auch hier oft der Grundsatz: Weniger und einfacher ist mehr.

Die Platte, sowie der Status der Sex Pistols, rührt natürlich auch daher, dass alles mit dieser Band zur damaligen Zeit sehr skandalumwoben war. Da gab es zuerst die Single „Anarchy In The UK“, die allerdings aufgrund des Textes sofort wieder von EMI, ihrer ersten Plattenfirma, zurückgezogen wurde. Auch beim Label A&M Records hatten die Sex Pistols nur ein kurzes Intermezzo, die vorliegende Platte wurde schließlich auf Virgin Records veröffentlicht. Welch ein Paradoxon, denn genau dieses Label veröffentlichte hauptsächlich Progressive Rock, also genau das musikalische Gegenstück des Punk.

Und natürlich waren da die Texte, die für Aufsehen sorgten. „Holidays In The Sun”, in denen auch das Konzentrationslager Bergen-Belsen Erwähnung findet und welches mit marschierenden Schritten eröffnet wird. Dann die Nummer „EMI“, die eine Art Abrechnung mit der ersten Plattenfirma EMI darstellt. Das bereits erwähnte „Anarchy In The UK“ und „God Save The Queen“, welches die britischen Royalisten auf den Plan rief.

Nun und was ist mit der Musik? Diese ist Punk in Reinkultur, möglichst einfach, schnell und laut sollte es klingen. Macht es auch. Musikalisch anspruchsvoll ist das keineswegs und sollte es ja gerade auch nicht sein. Obwohl man das auch nicht so ohne weiteres so stehenlassen sollte, eine musikalische Idee steckt nämlich sehr wohl hinter dieser Musik, die wohl mit „zurück zu den Wurzeln“ sehr gut zu umschreiben ist. Da macht es dann auch nichts, dass man hier beim Stück „Bodies“ Sid Vicious am Bass hört, obwohl dieser kaum des Bassspielens mächtig war. Macht nichts, klingt doch und fällt nicht weiter auf.

Fazit: Wer heute zum ersten Mal die Scheibe „Never Mind The Bollocks Here’s The Sex Pistols“ auflegt, der oder dem wird auffallen, dass sie oder er gerade Punk hört. Das war es. Etwas Weltbewegendes ist diese Musik nicht. Zumindest nicht mehr. Damals, in den 70ern war sie durchaus noch was Besonderes, aber die Zeit relativiert eben sehr viel. Macht aber nichts, denn die Lieder knallen auch heute noch sehr gut und wenn man auf die etwas härtere Gangart steht, dann lohnt es sich durchaus auch die Sex Pistols zu hören. Mag sein, dass man hier musikgeschichtlich ganz viele Punkte verteilen müsste, musikalisch sind es jedoch nur acht Punkte.

Anspieltipps: Anarchy In The UK



Montag, 6. April 2015

Porcupine Tree – The Incident




Porcupine Tree – The Incident


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, guitars, keyboards
Richard Barbieri – synthesizers, keyboards
Colin Edwin – bass guitar, double bass
Gavin Harrison – drums, percussion


Label: Roadrunner Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Progressive Rock, Progressive Metal, Independent, Alternative


Trackliste:

CD1:

1. Occam's Razor (1:56)
2. The Blind House (5:47)
3. Great Expectations (1:26)
4. Kneel And Disconnect (2:03)
5. Drawing The Line (4:43)
6. The Incident (5:20)
7. Your Unpleasant Family (1:48)
8. The Yellow Windows Of The Evening Train (2:00)
9. Time Flies (11:40)
10. Degree Zero Of Liberty (1:45)
11. Octane Twisted (5:03)
12. The Seance (2:39)
13. Circle Of Manias (2:19)
14. I Drive The Hearse (6:43)


CD2:

15. Flicker (3:42)
16. Bonnie The Cat (5:45)
17. Black Dahlia (3:40)
18. Remember Me Lover (7:34)

Gesamspieldauer CD1 (55:15) & CD2 (20:41): 1:15:57




Ihr zehntes und vielleicht auch letztes Studio-Album, nannten die Musiker von Porcupine Tree „The Incident“. Veröffentlicht wurde es im September des Jahres 2009 und da Steven Wilson inzwischen bereits vier Solo-Alben veröffentlicht hat, deutet Vieles darauf hin, dass von Porcupine nicht mehr ganz so viel zu hören sein wird.

Nun, diese zumindest bisher letzte Scheibe der Band ist dafür eine sehr vielschichtige geworden und wenn es denn sein muss, auch ein sehr überzeugender Abschluss der Discographie von Porcupine Tree. Sehr mannigfaltig sind die Eindrücke, die dieses Album hinterlässt. Da gibt es erneut Metal-Anleihen, neben Rock bis Pop-Passagen, psychedelische Abschnitte und auch etwas experimentellere Ansätze. Da wird also gerockt, in süßen Melodien geschwelgt oder eine manchmal nicht ganz zu fassende Atmosphäre ergründet. All das wirkt in seiner Gesamtheit äußerst spannend und abwechslungsreich.

Steven Wilson haut auf „The Incident“ mitunter Passagen und Lieder raus, die alles von den heimischen Boxen abverlangen. Da wird gerockt, dass das Headbanging nicht mehr ohne ernsthafte Konsequenzen durchgeführt werden kann und zwangsläufig in der Notaufnahme einer Klinik enden muss. Andererseits gibt es auch wieder Melodien zu erhören, die zum Steinerweichen schön sind. Musik, in die sich völlig eintauchen lässt, die einen umgarnt und betört. Nichts auf „The Incident“ ist vorhersehbar. Alles scheint im Fluss zu sein, zusammenzugehören und sich doch zu widersprechen. Dieser Metal in Verbindung mit Stücken höchster Melodiösität, lassen auch das Herz des verwöhntesten Musikkonsumenten durchaus aufgehen.

Inhaltlich befassen sich die 14 Lieder auf CD1 mit dem Anfang und dem Ende von Dingen, nach denen Vieles nicht mehr so sein wird, wie noch davor. Besondere Ereignisse des Lebens werden hier beleuchtet. Die vier Titel der zweiten CD entstanden unabhängig davon und haben thematisch auch nichts mit den Liedern der ersten CD gemein, sodass sie extra auf diese zweite CD gepresst wurden, um diesen Umstand nochmals besonders hervorzuheben. Musikalisch und qualitativ brauchen sich diese vier Lieder allerdings überhaupt nicht hinter den Nummern auf CD1 zu verstecken.

Fazit: Ganz klar ist das Porcupine Tree Musik, die man auf „The Incident“ hört. Deshalb ist das vielleicht auch nichts ganz Neues, was uns die Band Porcupine Tree hier präsentiert. Wem allerdings den Sound und die Musik dieser Band um Steven Wilson gefällt, die oder der kommt hier voll auf ihre beziehungsweise seine Kosten. Äußert abwechslungsreich werden auf „The Incident“ verschiedene Musikstile miteinander verwoben und dargeboten. Für mich ist das zwar nicht das beste Porcupine Tree Album, jedoch ist es ein sehr überzeugendes und gutes geworden. Elf Punkte.

Anspieltipps: Drawing The Line, The Yellow Windows Of The Evening Train, Time Flies



Sonntag, 5. April 2015

Jean Michel Jarre – Magnetic Fields




Jean Michel Jarre – Magnetic Fields


Besetzung:

Jean Michel Jarre – mdb poly sequencer, rsf kobol, oberheim ob-x, arp 2600, fairlight cmi, ems synthi aks, ems synthi vcs3, korg kr 55, elka 707, eminent 310u, moog taurus pedal synthesizer, ems vocoder 1000, korg vc-10, electro-harmonix echoflanger


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: elektronische Musik


Trackliste:

1. Magnetic Fields, Pt. 1 (17:58)
2. Magnetic Fields, Pt. 2 (3:58)
3. Magnetic Fields, Pt. 3 (4:10)
4. Magnetic Fields, Pt. 4 (6:25)
5. Magnetic Fields, Pt. 5 (3:30)

Gesamtspieldauer: 36:04




Nein, „Magnetic Fields“ ist weder so gut wie „Oxygene“ noch so gut wie „Equinoxe“ geworden. Drei Jahre nach „Equinoxe“ erschien dieses vierte Album des Franzosen, allerdings beinhaltet es deutlich weniger dieser Melodien, die die beiden Vorgängeralbum durchaus zu etwas Besonderem werden ließen.

Der Opener, „Magnetic Fields Part 1“ ist auch gleich das längste Stück des Albums. Die Nummer ist selbst aus mehreren Teilen zusammengesetzt und lässt sich durchaus gut anhören, wenn man denn mit dieser synthetischen Musik etwas anzufangen weiß. Treibendere Parts gehen hier in langsamere und weichere über. Dazu kommen nun auch noch stark verfremdete Sounds, völlig ohne Melodie. Kleine Klangkollagen also, die in die umgebende Musik eingebettet sind. Da macht das Ganze zugegebenermaßen spannend und man ist immer gespannt, welche Melodie oder welcher Sound wohl als nächstes zu erhören sein wird. Richtig eingängig sind diese Passagen allerdings nur noch bedingt oder immer wieder mal.

Nun, das kann man von „Magnetic Fields Part 2“ allerdings überhaupt nicht sagen, denn dieses Stück ist ein Ohrwurm, ob er einem gefällt oder nicht. Diese Musik geht sofort ins Ohr und verfügt auch über diesen gewissen Wiedererkennungswert. Der dritte Teil beginnt dann mit Industriegeräuschen, um schließlich in leicht fernöstlich angehauchte Klänge überzugehen. Teil 4 der „magnetischen Felder“ groovt dann wieder deutlich mehr. Besitzt auch eine durchaus eingängige Melodie, klingt allerdings irgendwie noch etwas synthetischer als der Rest der Platte. Nun, dann gibt es da zum Abschluss noch „Magnetic Fields Part 5“. Eine Rumba, die genau so klingt, als ob sie gerade vom Alleinunterhalter auf dem 90. Geburtstag von Oma Martha auf einem billigen Keyboard gespielt werden würde. Das ist dann schon recht schwer verdauliche Kost und kann irgendwie nur als kleiner Scherz des Herrn Jarre verstanden werden.

Fazit: Nein, schlecht ist auch sein viertes Album, „Magnetic Fields“, von Jean Michel Jarre nicht geworden. Allerdings muss ich zugeben, dass ich beim ersten Hören, als ich mir die Platte damals angeschafft hatte, durchaus etwas enttäuscht war, da die beiden Vorgänger wirklich sehr überzeugend klangen. Diese beiden Scheiben hatte sich bereits mein lieber Bruder Arndt zugelegt. Da wir jedoch nicht alles doppelt haben wollten, liehen wir uns also immer wieder mal verschiedene Alben zum Anhören aus. Mit dabei, bei diesem Austausch, war auch die Musik von Jean Michel Jarre. Oftmals hörte ich dann in meinem Zimmer also „Oxygene“ und „Equinoxe“. Er irgendwie jedoch nur ein oder zweimal „Magnetic Fields“. Jetzt weiß ich endgültig warum… Die vielen tollen Melodien der vorherigen Platten, die sind hier auf einige geschrumpft. Neun Punkte.

Anspieltipps: Magnetic Fields Part 1 & 2



Samstag, 4. April 2015

Philip Glass – Solo Piano




Philip Glass – Solo Piano


Besetzung:

Philip Glass – piano


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: stille Pianomusik


Trackliste:

1. Metamorphosis One (5:40)
2. Metamorphosis Two (7:21)
3. Metamorphosis Three (5:32)
4. Metamorphosis Four (7:01)
5. Metamorphosis Five (5:10)
6. Mad Rush (13:47)
7. Wichita Sutra Vortex (6:52)

Gesamtspieldauer: 51:26




Heute, gerade rechtzeitig noch zum Karsamstag, mal was ganz anderes. Etwas sehr Ruhiges, Nachdenkliches. Ganz sanfte und stille Musik, nämlich das Album „Solo Piano“ von Philip Glass. „Solo Piano“ bedeutet natürlich, man hört lediglich Philip Glass an seinem Piano, ganz pur und ganz rein. Zumeist wirkt die Atmosphäre der Scheibe sehr melancholisch bis traurig und sentimental. Wenn es hier wirklich zu einer Metamorphose kommt, wie die ersten fünf Titel es aussagen, dann geht diese Metamorphose hin zu etwas Neuem, wobei man das Alte keineswegs gerne zurücklässt, noch an ihm hängt, vielleicht auch noch gar nicht für all das Neue bereit zu sein scheint.

„Metamorphosis One“ ist absolut traurig gehalten, kaum ein Lichtschein durchdringt hier die Finsternis. Aber es ist trotzdem eine süße Melancholie, die dieser Tristesse irgendwie innewohnt. Verpackt in wunderschöne – ich kann es gar nicht oft genug betonen – ruhige Melodiebögen, lädt diese Nummer zum Träumen ein. Erst mit „Metamorphosis Two“ lichtet sich in klein wenig das Grau der Stimmung. Jetzt hört man kurzzeitig auch mal perlende Pianoläufe, die die Eindrücke positiver stimmen. Die zugrundeliegende Thematik bleibt jedoch ganz klar erhalten. Diese zieht sich auch durch die weiteren Abschnitte „Metamorphosis Three“ bis „Metamorphosis Four“. Jedoch scheint das Licht immer ein klein wenig heller zu strahlen, um dann allerdings im letzten Part fast vollständig zu erlöschen. Trauriger kann Musik wohl kaum klingen.

Mit „Mad Rush“ und „Wichita Sutra Vortex“ gibt es noch zwei weitere Nummern auf dem Album. Auch diese sind stark in Melancholie getaucht worden. Fröhliche Stimmung sieht ganz klar anders aus und hört sich vor allen Dingen ganz anders an. Jedoch auch hier hat man die Möglichkeit in wundervolle Melodien einzutauchen, die Augen zu schließen und gedanklich auf irgendwelche Reisen zu gehen. An Orte, die man schon immer mal besuchen wollte und die sich nun vor dem geistigen Auge ausbreiten werden.

Fazit: Mich knallt Musik echt oft weg. Ich liebe es darin einzutauchen und alles um mich herum zu vergessen. Das sind so die kleinen Urlaube, die vieles einfacher werden lassen. Erholung für Geist und Sinne eben. Das klappt, wie bei den meisten Menschen, bei mir auch nur mit ausgewählter Musik. Bei „Solo Piano“ von Philip Glass funktioniert das in meinem Falle allerdings bestens. Sicherlich keine Musik, die man immer hören muss und kann, dazu ist sie wirklich zumeist sehr melancholisch bis traurig. Jedoch ab und an, lassen einen diese Pianoklänge auch wieder sanft landen. Sowas braucht man immer mal. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Metamorphosis One und der Rest



Freitag, 3. April 2015

Ryan Sheridan – The Day You Live Forever




Ryan Sheridan – The Day You Live Forever


Besetzung:

Ryan Sheridan – guitars, bass, piano, vocals


Gastmusiker:

Artur Graczyk – percussion, drums, bass synth, cajon
Joe Chester – keyboards, bass, guitars, programming
Maire Breathnach – violin, viola
Nicky Brennan – electric guitars


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Folk Rock, Rock, Pop


Trackliste:

1. Stand Up Tall (4:02)
2. Jigsaw (3:20)
3. Take It All Back (4:13)
4. All And More (3:46)
5. The Dreamer (2:34)
6. Endless Road (3:36)
7. High Roller (3:17)
8. Machine (4:57)
9. The Game (2:58)
10. The Day You Live Forever (5:21)
11. Upside Down (3:22)
12. Without You (4:20)

Gesamtspieldauer: 45:52




Liest man im Internet irgendetwas über das Debut-Album des irischen Musikers Ryan Sheridan, so kann man sich zu 99 Prozent sicher sein, dass diese Statements voll des Lobes, oftmals sogar sehr überschwänglich gehalten sind. Nun, „The Day You Live Forever“ ist auch ein schönes und gutes Album geworden, auf dem man sehr melodiöse und manchmal durchaus auch mitreißende Gitarrenmusik hört.

Und letzteres ist auch ganz klar die Stärke des Ryan Sheridan. Die Musik ist immer dann sehr überzeugend, wenn sie richtig groovt, wie zum Beispiel auf dem wohl bekanntesten Lied des Iren, „Jigsaw“. Hier möchte man einfach Mitwippen und die Füße lassen sich kaum still auf dem Boden halten. Solche, etwas flotteren Songs, gibt es auch noch mit dem Opener „Stand Up Tall“ und „The Dreamer“ ist ebenfalls eine durchaus „fetzende“ Nummer, die ihre Überzeugungskraft aus dem Zusammenspiel von akustischer Gitarre und dem Gesang des Ryan Sheridan zieht.

Das wären jetzt die etwas schnelleren Titel gewesen, die es auch noch mal gegen Ende der Scheibe gibt. Da bleiben allerdings noch eine ganze Menge eher ruhiger Stücke übrig. Auch diese sind, auf das Melodiöse bezogen, wirklich durchaus gelungen, stellen dann jedoch nichts mehr richtig Besonderes dar, was einen uneingeschränkt aufhorchen lassen würde. Ganz nett zwar, sich allerdings ähnelnd und oftmals wie die perfekte Hintergrundmusik klingend, wenn man vielleicht gerade eine junge Dame von der eigenen Romantik zu überzeugen versucht. Solch eine Nummer wie „Machine“ steht wohl beispielhaft für diese Aussage und ist wohl weniger was für „echte“ Männer…

Fazit: Das Erstlingswerk „The Day You Live Forever“ von Ryan Sheridan ist durchaus gelungen und auch hörenswert, wenn man auf meist sanfte Gitarrenmusik steht. Ein Überalbum, wie es einem viele Fans weismachen wollen, ist es jedoch definitiv nicht. Mal eine schöne Abwechslung, wenn die letzten Musikportionen zu hart waren, klasse zum Autofahren und die Liebste in den Armen zu halten. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Jigsaw, The Dreamer, Upside Down



Donnerstag, 2. April 2015

The Moody Blues – To Our Children’s Children’s Children




The Moody Blues – To Our Children’s Children’s Children


Besetzung:

Justin Hayward – vocals, electric guitar, acoustic guitar, sitar
John Lodge – vocals, bass guitar, harp
Ray Thomas – vocals, flute, tambourine, bass flute, oboe
Graeme Edge – drums, percussion
Mike Pinder – vocals, mellotron, piano, ems vcs 3, hammond organ, celesta


Label: Universal Music Group


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: ArtRock / Pop


Trackliste:

1. Higher And Higher (4:06)
2. Eyes Of A Child I (3:23)
3. Floating (2:58)
4. Eyes Of A Child II (1:23)
5. I Never Thought I'd Live To Be A Hundred (1:05)
6. Beyond (2:58)
7. Out And In (3:49)
8. Gypsy (Of A Strange And Distant Time) (3:33)
9. Eternity Road (4:19)
10. Candle Of Life (4:14)
11. Sun Is Still Shining (3:39)
12. I Never Thought I'd Live To Be A Million (0:33)
13. Watching And Waiting (4:15)


Bonus Tracks der remasterten Album-Fassung:

14. Gypsy (Alternate Version) (4:15)
15. Candle Of Life (Alternatel Version) (4:55)
16. Sun Is Still Shining (Alternate Mix) (4:03)
17. Have You Heard (David Symonds BBC Radio One Concert) (5:36)
18. Legend Of A Mind (David Symonds BBC Radio One Concert) (4:32)

Gesamtspieldauer: 1:04:17





„To Our Children’s Children’s Children” heißt das fünfte Studio-Album der Moody Blues und erschien im November 1969, lediglich sieben Monate nach dem Vorgänger „On The Threshold Of A Dream“. Nun, die Moody Blues sind eine Band, deren Musik man ganz klar die Entstehungszeit anhört. Auf „To Our Children’s Children’s Children” hört man ganz eindeutig Musik aus den 60er Jahren. 60ies Pop ist das, der sich meist sehr eingängig anhört, oftmals orchestral untermalt klingt und sich immer wieder auch mal ganz gefährlich der Grenze zum Schmalz annähert.

So richtig wird diese Zone jedoch noch nicht tangiert, das passiert erst auf späteren Alben der Moody Blues deutlich häufiger und auch sehr intensiv. Die Platte klingt nach einer Art Soft Rock aus den Anfängen der Pop-Musik. Das Mellotron hat immer wieder einen sehr dominanten Auftritt, ist praktisch allgegenwärtig. Alles wirkt voll und harmonisch, schräge Töne gibt es an keiner Stelle der Platte zu vernehmen. Irgendwie scheint alles im Wohlklang zu schwelgen und selbst der Gesang taucht mit einigen sehnsüchtigen „Aaaahs“ immer wieder in diese, irgendwie fast märchenhafte und unwirkliche Stimmung mit ein.

Wenn man mit dieser musikalischen Atmosphäre etwas anzufangen versteht, wird einem kein schlechtes Lied auf der Platte auffallen, in diesem Sinne hat alles seine Qualität auf „To Our Children’s Children’s Children”. Andere Musikhörer, gerade Liebhaber der etwas härteren Töne oder auch mal ausgefalleneren Wege, die werden dieses Album mit Sicherheit wohl eher langweilig finden, da eben alles einheitlich „nett“ und lieblich klingt.

Fazit: 60ies Pop der sehr harmonischen Art kredenzen uns die fünf Musiker von den Moody Blues hier. Sicherlich nicht für jeden etwas, zumal man dieser Musik deutlich das Entstehungsalter anhört. Dafür kommen Freunde melodischer, harmonischer und fast schon überschwänglicher Töne durchaus auf ihre Kosten. Ich kann mir sowas durchaus mal anhören – ohne dabei rot zu werden. Immer brauche ich solche Musik allerdings auch nicht. Acht Punkte.

Anspieltipps: Higher And Higher, Gypsy, I Never Thought I'd Live To Be A Million




Mittwoch, 1. April 2015

The Who – Tommy




The Who
– Tommy


Besetzung:

Roger Daltrey – vocals and harmonica
John Entwistle – bass guitar, french horn and vocals
Keith Moon – drums
Pete Townshend – guitar, keyboards and vocals


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Rock


Trackliste:

1. Overture (5:21)
2. It's A Boy (0:38)
3. 1921 (2:49)
4. Amazing Journey (3:24)
5. Sparks (3:46)
6. Eyesight To The Blind (The Hawker) (2:13)
7. Christmas (4:34)
8. Cousin Kevin (4:07)
9. The Acid Queen (3:34)
10. Underture (10:09)
11. Do You Think It's Alright? (0:24)
12. Fiddle About (1:29)
13. Pinball Wizard (3:01)
14. There's A Doctor (0:23)
15. Go To The Mirror! (3:49)
16. Tommy Can You Hear Me? (1:36)
17. Smash The Mirror (1:35)
18. Sensation (2:27)
19. Miracle Cure (0:12)
20. Sally Simpson (4:12)
21. I'm Free (2:40)
22. Welcome (4:34)
23. Tommy's Holiday Camp (0:57)
24. We're Not Gonna Take It (7:08)

Gesamtspieldauer: 1:15:14





1969 erschien mit „Tommy“ wohl eines der bekanntesten Alben überhaupt. Es ist die vierte Platte von „The Who“ und wahrlich ein musikalischer Quantensprung in der Entwicklung der Band und auch der populären Musik überhaupt. Lege ich heute „Tommy“ auf, ist es für mich fast schon unbegreiflich, dass dieses Album nun bereits 46 Jahre alt sein soll, denn die Musik darauf klingt immer noch sehr aktuell und irgendwie modern.

Erzählt wird auf diesem Konzeptalbum (ich weigere mich immer da von einer Rockoper zu sprechen, denn das ist keine Oper und was soll das eigentlich sein, eine Rockoper?) die Geschichte von Tommy Walker, einem blinden, tauben und stummen Jungen. Tommy wird allerdings erst seiner Sinne beraubt, als er mitansieht, als sein, aus dem Krieg zurückkommender Vater, den Geliebten der Mutter erschlägt. Nun es werden mehrere Therapieversuche gestartet, Tommy entdeckt sein Talent beim Flipperspielen, bei dem er den Ort der Kugel erspürt und schließlich sogar zum Weltmeister gekürt wird. Im weiteren Verlauf gelingt auch die Heilung und Tommy wird zu einer Art Messias, um zum Schluss jedoch wieder von seinen Anhängern verlassen zu werden. Nun sicherlich eine gewagte Story, die sich Pete Townshends da einfallen ließ, der sich auf Tommy übrigens auch für die meisten musikalischen Kompositionen auszeichnete. Wer allerdings die gerade kurz zusammengefasste Inhaltsangabe des Albums schräg findet, der oder dem sei ganz dringend angeraten, sich den 1975, mit Roger Daltrey in der Hauptrolle des Tommy, erschienen Film anzusehen. In den weiteren Rollen gibt es dort Jack Nicholson, Tina Turner, Eric Clapton und Elton John zu sehen. Dieser Film ist schräg, absolut und zaubert einem immer wieder ein Lächeln der Verwunderung auf die Lippen. Außergewöhnlich, ich kann mich allerdings immer noch nicht entscheiden in welche Richtung…

Doch zurück zur Musik. Die ist klasse gelungen. Jede Menge toller Rock Songs gibt es auf Tommy. Manche davon versehen mit Melodien zum Hinknien. Das bekannteste Lied dürfte dabei wohl „Pinball Wizard“ sein. Cooler Groove und wohl eines der besten Zusammenspiele in der Geschichte der Rock- und Popmusik von akustischer- und elektrischer Gitarre. Aber diese Nummer ist nicht der einzige Höhepunkt auf „Tommy“. Da wären noch „1921“ und „Sparks“ und „Eyesight To The Blind (The Hawker)” und… Okay, bringt nicht so viel hier alle Titel einzeln aufzuzählen, jede Hörerin, jeder Hörer wird da sowieso seine eigenen Favoriten nennen können – spätestens nach dem ersten Hören. Von daher bleibt nur noch festzuhalten, dass „Tommy“ angefüllt ist mit jeder Menge guter Songs, die Spaß machen, da sie ins Ohr gehen, grooven und einfach hängenbleiben.

Fazit: „Tommy“ ist schon cool, zumal wenn man bedenkt, wann diese Scheibe hier entstand – das ist eben bald schon ein halbes Jahrhundert her. Zu hören sind jede Menge Songs im Mid-Tempo, die sich meist überaus melodisch dem Ohr annähern. Dabei klingt das allerdings alles keineswegs bieder und altbacken, eher frisch und spannend. Immer wieder gibt es überraschende Wechsel in der Musik, sodass niemals irgendeine Langeweile aufkommt. Und klar, auch diese Scheibe wächst mit jedem Durchlauf, hat – zumindest mich – allerdings auch schon beim ersten Male des Hörens begeistert. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Pinball Wizard, Sensation, Welcome



Dienstag, 31. März 2015

Eloy – Destination




Eloy – Destination


Besetzung:

Frank Bornemann – vocals, guitar
Michael Gerlach – keyboards


Gastmusiker:

Nico Baretta – drums
Klaus-Peter Matziol – bass on "Silent Revolution" and "Racing Shadows"
Detlev Goy – bass on "Jeanne d'Arc", "Fire And Ice" and "Call Of The Wild"
Helge Engelke – bass on "Destination", "Prisoner In Mind", rhythm-guitars on "Prisoner In Mind", acoustic-guitar and solo-guitar on "Fire And Ice"
Kai Steffen – solo-guitar on "Silent Revolution"
Lenny McDowell – Flute on "Destination" and "Call Of The Wild"
Classical Choir on "Jeanne d'Arc" arranged and conducted by Peter Chrastina


Label: ACI


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Melodic Rock, ArtRock, RetroProg


Trackliste:

1. Call Of The Wild (7:01)
2. Racing Shadows (7:12)
3. Destination (7:41)
4. Prisoner In Mind (4:27)
5. Silent Revolution (7:55)
6. Fire And Ice (5:12)
7. Eclipse Of Mankind (6:29)
8. Jeanne d'Arc (7:37)

Gesamtspieldauer: 53:37





Studio-Album Nummer 14, welches 1992 veröffentlicht wurde, nannten die beiden Musiker von Eloy „Destination“. Noch immer bestand die Band Eloy also, auch vier Jahre nach „Ra“, lediglich aus Frank Bornemann sowie Michael Gerlach. Dabei ließ sich dieses Duo nun einmal mehr in ihrer Musik von zahlreichen Gastmusikern unterstützen. Und wie bereits der Vorgänger, so gehört auch „Destination“ nicht zu den besten Werken der Band. Das klingt alles sehr nach Pop bis Mainstream Rock, etwas anbiedernd und manches Mal irgendwie auch zu konstruiert.

Ja, Eloy scheinen auf „Destination“ zu einer ganz normalen AOR Mainstream Band mutiert zu sein. Die Gitarren klingen durchaus härter, als noch zu den Anfängen der Band. Das Keyboard spielt zwar keine kleine Rolle, jedoch eine etwas reduziertere. Allerdings stimmt auch diese Aussage nicht uneingeschränkt. So ist das Titelstück, die Nummer „Destination“, fast schon dem Genre Synthie-Pop zuzurechnen. Zwar gibt es auch hier, besonders im Refrain, einen ausgeprägten Gitarrenteil, ansonsten wirkt dieses Lied jedoch äußerst konstruiert und einfach synthetisch. Dazu fällt bei diesem Titel noch auf, dass Frank Bornemann hier anscheinend Jon Anderson imitieren möchte. Dieser hohe Gesang passt nun überhaupt nicht zur Stimmanlage des Eloy-Sängers und klingt hier auch leicht deplatziert. Leider ist „Destination“ nicht das einzige Lied, bei dem Frank Bornemann diesem Gesang frönt. Da braucht man mitunter schon recht starke Nerven.

Auch die Melodien zünden irgendwie nicht so richtig. Klar werden sie vertrauter, wenn man die Scheibe immer und immer wieder hört, zu Freunden werden sie allerdings nicht – obwohl sie durchaus als eingängig zu bezeichnen sind. Noch am ehesten in die frühere Richtung geht die letzte Nummer der Platte, „Jeanne d’Arc“. Dieses Lied ist aus mehreren Teilen zusammengesetzt, die sich sehr schön ergänzen, ein Chor ist mit eingebunden und jetzt schaffen es auch mal die Melodien zu überzeugen. Leider bewirkt diese Nummer, die auch keinen Hard Rock beinhaltet, jedoch nicht mehr, den Gesamteindruck von „Destination“ wesentlich zu verbessern.

Fazit: Ich mag irgendwie keinen Mainstream Rock hören, wenn ich mir eine Eloy-Platte auflege. Auch keinen Hard Rock – obwohl ich Hard Rock durchaus mag. Bei Eloy klingt das jedoch komisch und andere Bands können das einfach besser. Das ist kein Grund, um diese Platte zu verteufeln, denn es gibt wahrlich deutlich schlechtere Musik. Aber gut ist diese krude Mischung aus harten Rock Tönen und Synthie-Pop-Anlehen auch nicht – schon gar nicht mehr, wenn man sie mit früheren und auch späteren Platten von Eloy vergleicht. Im Grunde genommen ein wirklich sehr untypisches Album von Eloy, mit lediglich einem kleinen Höhepunkt. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Call Of The Wild, Jeanne d’Arc



Montag, 30. März 2015

Yes – Fly From Here




Yes – Fly From Here


Besetzung:

Benoît David – lead vocals
Steve Howe – guitars, backing vocals, co-lead vocals
Chris Squire – bass, backing vocals, lead vocals
Geoff Downes – keyboards
Alan White – drums


Gastmusiker:

Oliver Wakeman – additional keyboards
Trevor Horn – backing vocals, additional keyboards, additional acoustic guitar
Luís Jardim – percussion
Gerard Johnson – piano


Label: Frontiers


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Progressive Rock, RetroProg, Rock


Trackliste:

1. Fly From Here
     1. Fly From Here – Overture (1:53)
     2. Fly From Here Pt I – We Can Fly (6:00)
     3. Fly From Here Pt II – Sad Night At The Airfield (6:41)
     4. Fly From Here Pt III – Madman At The Screens (5:16)
     5. Fly From Here Pt IV – Bumpy Ride (2:15)
     6. Fly From Here Pt V – We Can Fly (reprise) (1:44)

2. The Man You Always Wanted Me To Be (5:07)
3. Life On A Film Set (5:01)
4. Hour Of Need (3:07)
5. Solitaire (3:30)
6. Into The Storm (6:54)

Gesamtspieldauer: 47:33





Ganze zehn Jahre nach der letzten Scheibe „Magnification“ wurde im Jahr 2011 mit „Fly From Here“ das zwanzigste Studio-Album von Yes veröffentlicht. Was war die Aufregung bei den Fans nicht groß, als die Band diese Scheibe ankündigte. Legt man die Scheibe dann das erste Mal in den Player – so erging es zumindest mir – dann bekommt man ein kleines Déjà Vu. Irgendwie scheint das Gehörte vertraut zu sein. Nicht, dass man dieses „Fly From Here“ schon mal so gehört hätte, jedoch wohnt diesem zwanzigsten Album der Band ein Stil inne, der irgendwie vertraut erscheint.

Die Besetzungsliste gibt dann doch gleich Aufschluss. Zum einen fehlt Jon Anderson – das erste Mal seit Drama. Er war durch Benoît David ersetzt worden, der seine Sache auch gut macht. Und dann taucht da als Keyboarder der Name Geoff Downes auf. Schließlich auch noch Trevor Horn als Produzent, der zudem noch ein wenig Gesang, Keyboard und Gitarre beisteuert. Hm, alles irgendwie – mit Ausnahme der Besetzung des Gesangs – schon mal gehabt, nämlich auf dem Album „Drama“ aus dem Jahr 1980. Und da verwundert es dann auch nicht, dass Trevor Horn und Geoff Downes, die gerade mit den Buggles ihren Hit „Video Killed The Radio Star“ hatten und 1980 bei Yes eingestiegen waren und mit diesen eben jenes grandiose Album „Drama“ vorlegten, hier bei „Fly From Here“ maßgeblichen Einfluss auf die Yes Musik hatten. Der Song ist nämlich ein Buggles Lied, welches Trevor Horn 1980 schon an Yes „verkaufen“ wollte, welches es dann jedoch doch nicht auf „Drama“ schaffte, allerdings Teil der Live-Performance von Yes wurde.

„Fly From Here“ klingt vom Stil her durchaus ähnlich, wie „Drama“ über dreißig Jahre zuvor. Ich wurde jedenfalls daran erinnert, obwohl ich beim ersten Hören des Albums diesen Zusammenhang überhaupt nicht kannte. Es klingt so ähnlich vom Stil her, erreicht jedoch nicht ganz die Qualität von „Drama“, obwohl dieses Lied „Fly From Here“ durchaus gelungen ist und Vieles von dem überstrahlt, was Yes in den letzten dreißig Jahren zuvor veröffentlichten. Nun, aber vielleicht liegt das ja auch genau an dem Umstand, dass dieses Lied bereits über dreißig Jahre alt ist? Sei es drum. „Fly From Here“ macht Spaß, ist eine tolle progressive Nummer, abwechslungsreich, spannend, melodiös, alles eben, was man sich von einem Song wünscht, der in diesem Musikgenre beheimatet ist. Mich interessiert dabei gar nicht so sehr das Entstehungsjahr, sondern eher der Zeitpunkt, wann ich damit in Berührung komme beziehungsweise, wann es veröffentlicht wurde.

Nun, dies gilt alles für diese Suite, dieses Hauptstück der Platte „Fly From Here“. Dieser so sehr überzeugende Eindruck gilt nur noch eingeschränkt für die restlichen Stücke der Scheibe. Diese sind zwar handwerklich ebenfalls durchaus überzeugend gemacht, erreichen jedoch nicht mehr ganz die Qualität des Haupttitels. Positiv herausragen dabei jedoch noch zwei Titel. Zum einen ist das „Life On A Filmset“, ebenfalls eine Buggles-Komposition von Trevor Horn und Geoff Downes sowie der fast schon obligatorische Akustik-Track von Steve Howe, der hier „Solitaire“ heißt und wahrlich erneut begeistern kann in seiner ganzen Machart und Dynamik.

Fazit: „Fly From Here“ ist kein zweites „Drama“, da reicht die Qualität nicht ganz heran, jedoch ist „Fly From Here“ ein überzeugendes und gutes Yes-Album geworden. Da stellt sich natürlich nun die Frage, ob das überhaupt ein reguläres Yes-Album ist, bei so viel Einfluss der Buggles. Darüber kann man wohl trefflich streiten. Was man auf „Fly From Here“ zu hören bekommt macht Spaß, stellt einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit dar und überzeugt durchaus. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Fly From Here