Mittwoch, 25. Januar 2017

BAP – Vun Drinne Noh Drusse




BAP – Vun Drinne Noh Drusse


Besetzung:

Wolfgang Niedecken – Gesang, Gitarre
Klaus Heuser – Gitarre, Gesang
Steve Borg – Bass
Wolfgang Boecker – Schlagzeug
Manfred Boecker – Percussion, Gesang
Alexander Büchel – Keyboards


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Kölsch-Rock


Trackliste:

CD1:

1. Kristallnaach (4:59)
2. Wellenreiter (2:21)
3. Zehnter Juni (4:22)
4. Wie 'ne Stein (4:28)
5. Do kanns zaubere (4:35)
6. Nit für Kooche (Teil 1) (1:40)
7. Nit für Kooche (Teil 2) (4:04)
8. Ahn 'ner Leitplank (4:14)
9. Wenn et Bedde sich lohne däät (4:32)
10. Eins für Carmen un en Insel (2:54)
11. Koot vüür Aach (3:29)


CD2: (Remasterte Wiederveröffentlichung im März 2006 mit einer zweiten CD mit Bonusmaterial)

1. Wellenreiter (Live „Rockpop in Concert“, Dortmund 1982) (2:28)
2. Weisste noch? (Live 1983) (4:40)
3. Su ’ne Morje (Live, 1983) (3:05)
4. Zehnter Juni (Live, 1983) (5:07)
5. Wie 'ne Stein (Live „Rockpalast“ Loreley 1982) (4:53)
6. Do kanns zaubere (Live „Rockpalast“ Loreley 1982) (4:27)
7. Wenn et Bedde sich lohne däät (Live „Rockpalast“ Essen 1986) (4:50)
8. Kristallnaach (Live Wackersdorf 1986) (7:54)
9. Hundertmohl (Studio 1983) (4:02)

Gesamtspieldauer CD1 (41:43) und CD2 (41:32): 1:23:15




„Vun Drinne Noh Drusse“ heißt das vierte Studio-Album der Kölner Rockband BAP. Es erschien im August des Jahres 1982 bei EMI Electrola und stellt bis heute, zusammen mit dem Vorgängeralbum „Für Usszeschnigge!“, das erfolgreichste Album von BAP dar. Insgesamt für neun Wochen konnte sich die Platte im Herbst 1982 auf Platz 1 der deutschen Albumcharts halten.

Für die Musik auf „Vun Drinne Noh Drusse“ zeichnet sich bei zehn der elf Titel wieder Klaus Heuser verantwortlich. Die Nummer „Wie 'ne Stein“ stammt dagegen von Bob Dylan und ist eine Cover-Version des Stücks „Like A Rolling Stone“, wobei hier, wie bei den anderen zehn Liedern auch, Wolfgang Niedecken den Text schrieb. Diese kompositorische Zusammenarbeit zwischen Heuser und Niedecken gab es auch bereits auf dem Vorgängeralbum. Somit verwundert es auch nicht weiter, dass das Album „Vun Drinne Noh Drusse“ stilistisch sehr „Für Usszeschnigge!“ ähnelt. Auch hier gibt es wieder eine Mischung aus schnelleren und langsameren Titeln, die sich abwechseln.

In meinen Ohren war diese Mischung auf „Für Usszeschnigge!“ allerdings noch gelungener, gerade die eher sanfteren Nummern gingen auf dieser Scheibe noch besser ins Ohr. Allerdings hat natürlich auch „Vun Drinne Noh Drusse“ seine Höhepunkte. Sicher ist einer davon das vielleicht auch bekannteste Lied von BAP, „Kristallnaach“. Eine rockige Nummer, die immer hängenbleibt und einen packenden Text aufweist. Und dann sind da noch zwei weitere, allerdings sanfte Nummern, die Spuren hinterlassen. Zum einen „Ahn 'ner Leitplank“, mit ebenfalls tollem Text von Wolfgang Niedecken, den man auch versteht, wenn man dem Kölsch nicht so mächtig ist. Und schließlich ist das noch die letzte Nummer des Albums, „Koot vüür Aach“, wohl das melodiöseste Lied auf „Vun Drinne Noh Drusse“. Gerade mit diesen sanften Titeln konnte Klaus Heuser immer wieder sein Gespür für die wunderschöne Melodie nachweisen. Die restlichen Lieder des Albums gehen gegen diese drei genannten Nummern etwas unter, aber das ist sicherlich auch reine Geschmackssache und wird so mancher BAP-Fan völlig anders sehen.

Mit der Wiederveröffentlichung der Platte im Jahr 2006 wurde der CD-Ausgabe des Albums eine weitere CD hinzugefügt, die diverse Live-Aufnahmen aus den 80er Jahren der Band enthält. Das wiederum ist ganz interessant anzuhören, stellt allerdings keinen extra Kaufgrund für die Scheibe dar. Lediglich die letzte Zugabe, „Hundertmohl“, ist eine Studio-Version und dabei auch wirklich sehr hörenswert. Dabei handelt es sich wieder um ein sanftes und melancholisches Lied, welches zuvor auf dem 1983er Live-Album „Bess demnähx“ veröffentlicht worden war und auch ein Höhepunkt auf „Vun Drinne Noh Drusse“ gewesen wäre.

Fazit: BAP war in den 80er Jahren eine der angesagtesten Bands in Deutschland, obwohl kaum eine oder einer den Text verstand. Gut, das geht wohl vielen bei englischen Texten ähnlich, wird also kein Kaufargument gewesen sein. Wenn man „Vun Drinne Noh Drusse“ anhört, dann kann man das durchaus nachvollziehen, denn die Musik überzeugt und wenn man sich die Texte doch mal durchliest und versteht, so bewegen diese ebenfalls häufig. Allerdings gibt es andere Alben der Band, die dann doch noch überzeugender klingen. Spaß macht jedoch auch diese Scheibe, die auch drei bis vier richtige Höhepunkte aufweist – obwohl andere Hörer da ganz bestimmt auch andere Höhepunkte ausmachen werden. Gut gemachter Deutsch-Rock, nein, Kölsch-Rock ist das allemal. Neun Punkte.

Anspieltipps: Kristallnaach, Ahn 'ner Leitplank, Koot vüür Aach, Hundertmohl



Dienstag, 24. Januar 2017

Sons Of Noel And Adrian – Turquoise Purple Pink




Sons Of Noel And Adrian – Turquoise Purple Pink


Besetzung:

Jacob Richardson
Tom Cowan
Marcus Hamblett
Patrick Elias Lawrence
Alistair Strachan
Emma Gatrill
Catherine Cardin
Tom Heather
Daniel Green
Will Calderbank


Label: K&F Records


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Art Rock, Experimental Rock


Trackliste:

1. Perses (5:25)
2. So Obscene (6:47)
3. Lay Down In The Drone (10:47)
4. Turquoise Purple Pink (7:56)
5. Children Of Lewes (8:01)
6. I Love You So Much I Want To Stab You In The Eye (5:31)

Gesamtspieldauer: 44:29




„Turquoise Purple Pink“ heißt das dritte Studioalbum der Sons Of Noel And Adrian, kurz auch oft mit SONAA umschrieben und betitelt. Am 25. November 2016 wurde das Album auf dem deutschen Label K&F Records veröffentlicht. Darauf zu hören ist eine Mischung aus Art Rock, Art Pop sowie experimenteller Musik und dies alles in solch packender Ausstattung, dass Musikhören einfach Spaß machen muss.

Man legt die Scheibe in den CD-Spieler ein und wird gleich in eine andere, wundersame Welt gerissen, in der alles anders, hochkomplex und doch so einfach zu sein scheint. Melodische Töne umschwirren das Ohr, dann wieder etwas verquere Akkorde und diese zusammen bilden ein absolut mitreißendes musikalisches Gesamtbild, welches wahrlich begeistert. Querflöten, Hörner, Klarinetten und Streicher ergänzen sich mit den klassischen Rock-Instrumenten Gitarre, Bass und Schlagzeug auf „Turquoise Purple Pink“ absolut perfekt zu einem Gesamtgebilde, welches nur den einen Schluss zuzulassen scheint, dass die Bestimmung all dieser Musikinstrumente nur das gemeinsame Spiel sein kann. Alles klingt, alles tönt, alles wirkt auf diesem Album.

Hierbei ist es nicht nur die Musik selbst, sondern auch der vielschichtige und abwechslungsreiche Gesang, der mit zu dieser beeindruckenden Platte beiträgt. Mal hört man die mitunter etwas verzweifelte bis weinerliche Stimme des Jacob Richardson, dann wieder den Gesang von Emma Gatrill und Catherine Cardin, die sich mehrstimmig ergänzen, zu Höhen aufschwingen und die Musik der Band an der einen oder anderen Stelle fast mystisch erklingen lassen. Auch dies trägt sehr positiv zu dem Gesamteindruck bei, den „Turquoise Purple Pink“ hinterlässt.

Die Sons Of Noel And Adrian spielen und experimentieren auf „Turquoise Purple Pink“ mit Stimmungen, Tempi, Rhythmen und Melodien, die sich immer zu einem überzeugenden und meist begeisternden Klangerlebnis ergänzen. Musik muss nicht melodiös sein, um zu begeistern, jene Lieder auf „Turquoise Purple Pink“ sind dies allerdings. Verschroben, schräg und abwechslungsreich, dabei immer ins Ohr gehend und sich dort auch festsetzend. Hierbei die Höhepunkte aufzuführen fällt einigermaßen schwer, denn alles wirkt auf diesem Album und Ausfälle gibt es auch keine zu beklagen, alle Lieder sind hörenswert. Um an dieser Stelle doch ein bis zwei Lieder herauszuheben, seien hier der das Eröffnungsstück „Perses“ sowie die letzte Nummer des Albums mit dem seltsamen Titel „I Love You So Much I Want To Stab You In The Eye“ erwähnt. „Perses“, der Auftakt des Albums, ist eine grandiose Nummer, irgendwo zwischen New Art Rock, Postrock und Neo Prog angesiedelt ist. Dieses Lied, in dem die Musik zu vibrieren scheint, gibt einen wunderschönen Überblick über fast alles, was da noch auf „Turquoise Purple Pink“ folgen wird. „I Love You So Much I Want To Stab You In The Eye“ ist schließlich ein Instrumental-Lied, an manchen Stellen ein wenig jazzig angehaucht, welches an anderen Stellen Reminiszenzen zu Philip Glass‘ „Koyaanisqatsi“ aufkommen lässt und einen würdigen Abschluss des Albums darstellt.

Fazit: Musik kann „schön“ sein, Musik kann beeindrucken, Musik kann begeistern. All das vollbringen die Sons Of Noel And Adrian mit ihrem dritten Studioalbum „Turquoise Purple Pink“. Hier wird der Hörerin und dem Hörer Musik geboten, die absolut nicht alltäglich ist, immer wieder an den Grenzen des Experimentellen kratzt und dabei doch so eingängig klingt. Ein begeisterndes Album. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Perses, So Obscene, I Love You So Much I Want To Stab You In The Eye



Montag, 23. Januar 2017

Tangerine Dream – White Eagle




Tangerine Dream – White Eagle


Besetzung:

Edgar Froese – synthesizers
Christopher Franke – synthesizers
Johannes Schmoelling – synthesizers


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Mojave Plan (20:09)
2. Midnight In Tula (4:00)
3. Convention Of The 24 (9:37)
4. White Eagle (4:34)

Gesamtspieldauer: 38:22




Nun, wenn das siebzehnte Album von Tangerine Dream etwas beinhaltet, dann ist es zumindest der musikalische Zeitgeist der frühen 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Auf dem Label Virgin Records wurde „White Eagle“ im März des Jahres 1982 veröffentlicht und enthält jede Menge Synthie Pop. Das klingt schon alles sehr fröhlich synthetisch, mag vielleicht damals zur Zeit der Entstehung noch ganz interessant geklungen haben, inzwischen hört sich das Ganze jedoch sehr viel eher nervig an.

Das beginnt gleich mit dem 20-Minüter „Mojave Plan“, ein Lied, welches sich irgendwie zusammenhanglos zusammengeschustert anhört. Hier werden keine Atmosphären oder Stimmungen mehr transportiert, hier hört man „lustige“ Diskoklänge, die im nachfolgenden „Midnight In Tula“ sogar noch ausgeweitet werden. Das klingt alles schon sehr gewöhnungsbedürftig. Ein wenig interessanter wird es dann mit „Convention Of The 24“. Auch das ist Synthie Pop, hört sich hier allerdings schon ein bisschen interessanter an, klingt mitunter sogar ein wenig nach Kraftwerk und entfernt sich schließlich teilweise vom Synthie Pop Eindruck, wird deutlich stimmungsvoller mit angedeuteten Hintergrundchören.

Schließlich folgt am Ende des Albums der Titeltrack „White Eagle“. Dieser stieg sogar in den Charts ein, da er in dem Schimanski Tatort „Das Mädchen auf der Treppe“ zu hören war. Die Nummer hat eine sehr eingängige Sequenzer-Melodie und geht wirklich gut ins Ohr. Ganz bestimmt der Höhepunkt des ganzen Albums.

Fazit: Das elektronische Musik technisch und synthetisch klingt, das ist immer klar. Um dabei zu überzeugen, muss sie jedoch mit Atmosphären und Stimmungen spielen, etwas transportieren. Das schaffen Tangerine Dream hier auf „White Eagle“ leider nur sehr sporadisch. Viel zu oft klingt das Album nach langweiligem Synthie Pop und wird erst gegen Ende der Platte interessanter. Insgesamt bleibt bei „White Eagle“ allerdings doch ein sehr fader Beigeschmack übrig. Sechs Punkte.

Anspieltipps: White Eagle



Sonntag, 22. Januar 2017

The Twilight Singers – She Loves You




The Twilight Singers – She Loves You


Besetzung:

Greg Dulli – vocals (all songs), guitar (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10), piano (1, 5, 6, 9, 10), bass (3), drums (3), dobro (7), keyboards (11), melodica (11)
Manuel Agnelli – guitar (11)
Joshua Blanchard – loops (6, 9)
Scott Ford – bass (2, 4, 8, 9, 10)
Dave Hillis – guitar (3)
Mark Lanegan – vocals (3, 4, 6, 7, 8)
Bobby Macintyre – drums (2, 4, 5, 6, 8, 9), percussion (3), vocals (6, 9)
Molly McGuire – vocals (10)
John Nooney – piano (2, 4), keyboards (3), rhodes (8, 9)
Mathias Schneeberger – rhodes (10)
Jon Skibic – guitars (2, 3, 4, 5, 6, 8, 9, 10), lapsteel (6), vocals (9), percussion (10)
Helen Storer – vocals (3)
Michael Sullivan – bass (5, 6)
Jesse Tobias – dobro (7)
Brian Young – drums/percussion (10)


Label: One Little Indian


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Independent Rock, Alternative Rock


Trackliste:

1. Feeling Of Gaze [Hope Sandoval] (2:22)
2. Too Tough To Die [Martina Topley-Bird] (4:02)
3. Hyperballad [Björk] (4:56)
4. Strange Fruit [Billie Holiday] (3:29)
5. What Makes You Think You're The One [Lindsey Buckingham] (3:45)
6. Real Love [Mary J. Blige] (4:25)
7. Hard Time Killing Floor [Skip James] (3:15)
8. A Love Supreme [John Coltrane] (2:04)
9. Please Stay (Once You Go Away) [Marvin Gaye] (4:03)
10. Black Is The Color Of My True Love's Hair [traditional, arrangement Dulli] (4:25)
11. Summertime [George Gershwin] (2:56)

Gesamtspieldauer: 39:45




The Twilight Singers ist eine US-amerikanische Independent Rock Band. Ursprünglich als Nebenprojekt von Greg Dulli’s Afghan Whigs im Jahr 1997 gegründet, wurden The Twilight Singers nach der Auflösung der Afghan Whigs zu seiner Hauptband, die bisher fünf Studioalben veröffentlichte. „She Loves You“ ist dabei das dritte Album in dieser Reihe und wurde im August 2004 auf dem Label One Little Indian veröffentlicht.

Ganz nett ist das, was man auf „She Loves You“ zu hören bekommt, allerdings leider alles schon mal da gewesen. „She Loves You“ ist ein Cover-Album geworden, auf dem Greg Dulli diverse Lieder mehr oder weniger bekannter Künstler interpretiert. Zum Teil sind die Nummern dabei auch sehr verändert, andere wiederum ähneln durchaus noch den Originalen – doch die Bearbeitung steht definitiv im Vordergrund. Alle diese Titel strömen auf „She Loves You“ eine etwas dunklere bis melancholische Stimmung aus, so richtig fröhlich klingt eigentlich kein einziger Titel auf der Scheibe.

Bezüglich der Interpretationen besonders gelungen klingt „Strange Fruit“ der Sängerin Billie Holiday, welches auch nur noch sehr wenig mit dem Original zu tun hat. Auch Dullis Bearbeitung des Stücks „Black Is The Color Of My True Love's Hair“ ist eine sehr gelungene Interpretation des ursprünglichen Liedes. Hier wurden nun die Stücke wirklich zu fast ganz neuen Liedern, die in diesen Versionen wie eigene Nummern der Twilight Singers klingen. Auch unter den restlichen Stücken finden sich noch sehr überzeugende Titel, wenn auch nicht durchgängig. Da die Grundstimmung der Lieder allerdings immer beibehalten wird, ist das alles sicherlich auch reine Geschmackssache und nur von Nuancen abhängig, für welche dieser Cover-Versionen man sich dabei besonders erwärmen kann.

Fazit: Nicht immer klingen solche Cover-Versionen-Alben überzeugend. Den Twilight Singers um Greg Dulli ist hier aber durchaus eines gelungen, welches hörenswert ist. Das liegt vor allem an dem Umstand, dass die Band nicht nur einfach die Lieder nachspielt, sondern sie auf ihre Art und Weise interpretiert. Das gelang den Twilight Singers auf „She Loves You“ nicht immer, aber doch immer wieder sehr überzeugend, was das Album durchaus zu einem hörenswerten werden lässt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Strange Fruit, Black Is The Color Of My True Love's Hair



Samstag, 21. Januar 2017

The Slow Show – Dream Darling




The Slow Show – Dream Darling


Besetzung (ohne Instrumentenangabe):

Robert Goodwin – vocals, guitar
Frederik ‘T Kindt – keyboards
James Longden – bass
Joel Byrne-McCullough – lead guitar
Christopher Hough – drums


Gastmusiker:

Kesha Ellis – backing vocals (2, 7 & 8)
Cantus Domus – choir parts (1, 2, 8 & 10)


Label: Haldern Pop Recordings


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Strangers Now (5:18)
2. Hurts (4:25)
3. Ordinary Lives (3:59)
4. Lullaby (3:36)
5. Dry My Bones (3:53)
6. This Time (4:20)
7. Brawling Tonight (3:05)
8. Last Man Standing (3:57)
9. Breaks Today (4:38)
10. Brick (2:22)

Gesamtspieldauer: 39:37




Auch auf dem zweiten Album der englischen Band The Slow Show, hört man weiche, warme und irgendwie leise Musik, egal wie sehr man den Lautstärkeregler auch aufzudrehen versucht. „Dream Darling“ wurde im Jahr 2016 veröffentlicht und erschien, wie bereits das Debut-Album „White Water“ auf dem Label Haldern Pop Recordings.

Der Unterschied zur vorherigen Platte besteht darin, dass an „Dream Darling“ deutlich weniger Begleitmusiker beteiligt waren. Für den Sound der Streicher und Bläser scheint dieses Mal Frederik ‘T Kindt mit seinen Keyboards zuständig zu sein, denn keine weiteren Musiker, außer denen in Bezug auf den Gesang, wurden im beigefügten Booklet vermerkt. Das merkt beziehungsweise hört man der Scheibe auch durchaus an, dass hier vielleicht aus Kostengründen die kleinere Variante gewählt worden ist. Allerdings ist das „Jammern“ auf wirklich hohem Niveau, denn die Musik von The Slow Show wirkt auch auf „Dream Darling“ sehr überzeugend.

Erneut schafft es die Band ihren Hörerinnen beziehungsweise Hörern Musik zu präsentieren, die absolut eingängig und wärmend melodiös klingt. Die Lieder sind alles ruhige und leise Nummern, wissen aber gerade mit dieser hier transportierten Atmosphäre zu begeistern, die erneut zusätzlich durch den außergewöhnlichen Gesang des Robert Goodwin nochmals unterstrichen wird. Und auch auf „Dream Darling“ erscheint es einigermaßen schwierig, die Höhepunkte herauszustellen, da alle Lieder ihre Qualität haben und ins Ohr gehen. Um hier jedoch einige Titel zu nennen, seien die Lieder „Strangers Now“, „Hurts“, „Dry My Bones“ und „Brawling Tonight“ erwähnt, die in meinen Ohren vielleicht noch einen kleinen Tick melodiöser klingen als der Rest – ob das allerdings stimmt, da bin ich mir gar nicht so sicher.

Fazit: Wer auf zarte und sanfte Musik steht, die oder der wird dieses Album lieben. Jedes der zehn Lieder geht ziemlich schnell ins Ohr und es ist eine melancholische bis sentimentale Atmosphäre, die die ganze Platte verbreitet. Musik, wie gemacht für die dunklen Tage des Jahres. Musik zum Nachdenken, Musik zum Träumen, Musik zum Entspannen, Musik zum genießen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Strangers Now, Hurts, Dry My Bones, Brawling Tonight



Freitag, 20. Januar 2017

Gary Numan – I, Assassin




Gary Numan – I, Assassin


Besetzung:

Gary Numan – vocals, synthesizers, guitar


Gastmusiker:

Roger Mason – synthesizers
Pino Palladino – fretless bass, guitar
Chris Slade – drums, percussion
John Webb – percussion
Mike – saxophone, harmonica
Thereza Bazar – backing vocals on “Noise Noise”


Label: Beggars Banquet


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: New Wave, Synthie Pop, Experimental Music,


Trackliste:

1. White Boys And Heroes (6:23)
2. War Songs (5:05)
3. A Dream Of Siam (6:13)
4. Music for Chameleons (6:06)
5. This Is My House (4:52)
6. I, Assassin (5:26)
7. The 1930s Rust (3:55)
8. We Take Mystery (To Bed) (6:10)


Bonus Tracks der remasterten Albumversion:

9. War Games (3:55)
10. Glitter And Ash (4:42)
11. The Image Is (5:55)
12. This House Is Cold (5:27)
13. Noise Noise (3:49)
14. We Take Mystery (5:58)
15. Bridge? What Bridge? (4:22)

Gesamtspieldauer: 1:18:26




„I, Assassin“ heißt das sechste Studioalbum des Gary Numan und ist gleichzeitig die vierte Platte, die er unter seinem eigenen Namen veröffentlichte. Seine ersten beiden Alben waren noch unter der Überschrift „Tubeway Army“ veröffentlicht worden. „I, Assassin“ erschien auf dem Label Beggars Banquet Records im September 1982 und kletterte bis auf Platz 8 der britischen Album-Charts. Die drei Lieder „Music For Chameleons“, „We Take Mystery (To Bed)“ sowie „White Boys And Heroes“ erschienen begleitend als Single und erreichten alle einen Platz unter den Top 20. Die Nummer „We Take Mystery (To Bed)“ kletterte dabei bis auf Platz 9 der Single-Charts und stellt bis heute den letzten Top Ten Hit des Gary Numan auf der Insel dar.

Gary Numan hatte bereits auf dem Vorgängeralbum „Dance“ ordentlich experimentiert, diesen Weg verfolgte er auch auf „I, Assassin“ konsequent weiter. Erneut klingt auch alles auf dieser Scheibe, durch den Einsatz zahlreicher Synthesizer, sehr synthetisch und erneut spielt Gary Numan auch mit Stimmungen und Atmosphären. Das Ganze klingt nun dabei ein wenig rhythmischer und manchmal auch funkiger. Diese oftmals auf einen Gary Numan Album auch vorhandene düstere und mystische Stimmung, die gibt es hier allerdings nicht mehr. Dabei ist das ganze Album noch nicht mal besonders fröhlich geraten, vielmehr hört sich „I, Assassin“ ein wenig ausdruckslos an. Die Lieder tendieren dabei sogar bis hin zu langweiligen synthetischen Aneinanderreihungen von Tönen, die einen so gar nicht mehr zu packen verstehen. Gary Numan wollte noch mal etwas Neues ausprobieren, soweit so gut – das ist allerdings auch schon alles, denn gelungen klingt das Ergebnis wahrlich nicht.

Gary Numan selbst glaubte zum Zeitpunkt des Erscheinens, dass dies sein bisher bestes Album wäre. Sowohl die Kritiker wie die Fans sahen dies allerdings zum großen Teil anders – der Erfolg der Scheibe war, verglichen mit den Veröffentlichungen zuvor, auch nicht mehr berauschend. Hier Höhepunkte zu benennen fällt mir persönlich auch sehr schwer, da mich so gar nichts mehr auf „I, Assassin“ begeistern kann. Die Lieder gehen nicht ins Ohr, klingen zum Teil leider richtiggehend langweilig und als Steigerung sogar nervig. Lediglich das Lied „A Dream Of Siam“ kann da zumindest ansatzweise überzeugen. Sieht man diese Nummer allerdings als das Highlight der ganzen Platte, so weiß man sofort, wie es um die restlichen Lieder bestellt sein muss.

Auf der remasterten Albumfassung wurde zumindest nicht mit Bonus-Material gegeizt. Ganze sieben Lieder gibt es als Zugabe. Leider nur passen sich dieses Nummern absolut dem Niveau der Lieder an, die bereits auf der ursprünglichen Album-Ausgabe vorhanden waren. Viel gewonnen hat man dadurch also nicht, eher die Qual ein wenig verlängert.

Fazit: Gary Numan Musik war nie eine 08/15-Musik. Die Lieder klangen immer etwas verschroben und irgendwie besonders, ganz egal, ob man mit diesem synthetischen Sound nun etwas anzufangen weiß oder nicht. Auf „I, Assassin“ klingt die Musik des Gary Numan jetzt allerdings noch ein wenig weiter entrückt, irgendwie langweilig und überhaupt nicht mehr packend. Ins Ohr geht da nichts mehr, es ist lediglich noch der Sound, der zählt – und der ist leider nicht mehr gut. Vier Punkte.

Anspieltipps: A Dream Of Siam



Donnerstag, 19. Januar 2017

The Tea Party – Live From Australia




The Tea Party – Live From Australia


Besetzung:

Jeff Burrows – drums, percussion, backing vocals
Stuart Chatwood – bass, keyboards, harmonium, mandolin, acoustic guitar, backing vocals
Jeff Martin – guitar, acoustic guitar, theremin, esraj, oud, bowed guitar, lead vocals


Label: Eternal Music


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Rock


Trackliste:

Disc 1:

1. The River (9:36)
2. The Bazaar (6:40)
3. Lullaby (5:45)
4. Psychopomp (6:50)
5. Correspondences (8:18)
6. The Messenger (5:04)
7. Fire In The Head 5:12)
8. The Badger (4:41)
9. Shadows On The Mountainside (4:31)


Disc 2:

1. Sun Going Down (11:13)
2. Halcyon Days (7:20)
3. Save Me (11:32)
4. Heaven Coming Down (4:45)
5. Release (6:17)
6. Temptation (5:33)
7. Winter Solstice (2:02)
8. Sister Awake (8:22)

Gesamtspieldauer CD1 (56:40) und CD2 (57:05): 1:53:45




„Live From Australia“ heißt das zweite Live-Album der kanadischen Rock Band „The Tea Party“, welches im November des Jahres 2012, ein Jahr nach der Re-Union der Band, veröffentlicht wurde. Das Album erschien bei Eternal Music und wurde in Form einer Doppel-Compact Disc auf den Markt gebracht. Die Aufnahmen entstanden an verschiedenen Orten der Tour, was vielleicht auch die nicht immer gleich gute Aufnahmequalität der einzelnen Titel erklärt.

Die Musik von The Tea Party ist wahrlich mitreißend, was die drei Kanadier auch auf diesem Live-Album einmal mehr beweisen. Auf „Live From Australia“ bekommt man einen sehr guten Überblick über das Schaffen dieser in Europa doch meist sehr unterrepräsentierten Band. Die Lieder rocken und gehen dabei ins Ohr. Jede Menge davon sogar. Da macht das Zuhören einfach Spaß, wenn man dem Rock etwas abgewinnen kann. Die musikalische Bandbreite der Lieder bewegt sich auf „Live From Australia“ im Bereich von Independent Rock über Alternative bis hin zum Hard Rock. Dabei wird die Musik allerdings niemals exzessiv, soll heißen, selbst in den härtesten Stellen ist da immer noch eine Melodie zu hören, die ins Ohr geht uns zu überzeugen weiß.

Soweit so gut, leider aber doch nicht ganz gut. Denn etwas nervt durchaus ein wenig auf „Live From Australia“. Sind die Lieder auch gut, sie klingen hier oftmals einfach nicht besonders, was an der schlechten Qualität der Aufnahme liegt. Da scheppern die Becken schrill, der Gesang ist immer unterschiedlich laut und zum Teil leider sehr schlecht abgemischt. Dieser klingt mal dumpf, dann wieder zu sehr im Hintergrund und lediglich selten absolut passend. Auch sonst ist das häufig ein gewisser akustischer Brei, bei dem man die einzelnen Instrumente nur sehr schwer verfolgen kann. Das ist nicht bei jedem Titel des Albums so, leider jedoch bei einigen, was das Hörerlebnis leider etwas schmälert.

Fazit: Die Musik von The Tea Party ist klasse gemachter Rock, der belegt, dass diese Band sehr viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Die Lieder rocken und gehen ins Ohr, alles sehr überzeugend. Leider nur ist beim Aufnehmen oder Abmischen der Konzerte etwas schief gelaufen, was den Hörgenuss etwas schmälert. Instrumente wie Gesang scheppern und verwischen manchmal. Dies passiert nicht bei jedem, leider doch aber ab und zu. Neun Punkte.

Anspieltipps: Lullaby, Psychopomp, Correspondences



Mittwoch, 18. Januar 2017

Klaus Schulze – Mirage




Klaus Schulze – Mirage


Besetzung:

Klaus Schulze – synthesizers


Label: Brain Metronome (MIG Music)


Erscheinungsdatum: 1977 (remastert 2016)


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Velvet Voyage (28:13)
     1. 1984
     2. Aeronef
     3. Eclipse
     4. Evasion
     5. Lucid Interspace
     6. Destination Void
2. Crystal Lake (29:11)
     1. Xylotones
     2. Chromewaves
     3. Willowdreams
     4. Liquid Mirrors
     5. Springdance
     6. A Bientôt


Bonus Track der remasterten Albumausgabe:

3. In Cosa Crede Chi Non Crede? (19:35)

Gesamtspieldauer: 1:17:01




„Mirage“ heißt das achte Studio-Album des Berliner Musikers Klaus Schulze, wenn man denn den im selben Jahr erschienenen Soundtrack, „Body Love“, mitrechnet. Im Jahr 1977 erschien die Scheibe ursprünglich auf dem Label Brain, wurde 2016 allerdings auf MIG Music in einer remasterten Fassung und mit einem Bonus-Titel wieder neu veröffentlicht, nachdem sie im Jahr 2005 schon bei Revisited Records neu aufgelegt worden war.

Auf „Mirage“ klingt die Musik des Klaus Schulze deutlich weniger spacig, das Weltall hatte irgendwie ausgedient. Sehr viel mehr klingen die elektronischen Gebilde des Ex-Tangerine Dream Schlagzeugers nun mystisch und verwunschen. Dabei passiert nicht allzu viel in diesen fast halbstündigen Titeln. Eine dichte und düstere Atmosphäre wird auf „Mirage“ in den Liedern „Velvet Voyage“ sowie „Crystal Lake“ transportiert, Melodien sind nur sehr wenige oder gar keine auszumachen. Alles wirkt auf seine Art und Weise irgendwie hypnotisch durch die immerwährenden Wiederholungen. Es ist wahrlich einzig und allein nur noch die vermittelte Stimmung, die zählt. Synthesizerlagen über Synthesizerlagen bauen sich auf und werden übereinander gelegt, füllen schließlich den Raum vollständig aus. Sonst passiert nicht viel auf „Mirage“.

Gleiches gilt für den Bonustrack „In Cosa Crede Chi Non Crede?“, der bereits auf dem 1999 erschienen Kompilationsalbum „Trailer“ veröffentlicht worden war. Auch hier sind es nicht mehr Klänge, die aus den Weiten des Alls zu kommen scheinen, sondern eher bedrückende Stimmungen an irgendwelchen dunklen Orten dieser Welt. Genau solche Assoziationen kommen beim Hören dieser Musik auf.

Fazit: „Melodien scheinen völlig überschätzt zu werden“, könnte eine Botschaft der Musik auf „Mirage“ von Klaus Schulze sein. „Velvet Voyage“ sowie „Crystal Lake“ stehen nur noch für musikalische Atmosphären, genau wie das hinzugefügte Bonus-Lied „In Cosa Crede Chi Non Crede?“. Hört man diese Musik laut und entspannt, kann man gar nicht verhindern, kleine gedankliche Reisen zu irgendwelchen mystischen und geheimnisvollen Orte anzutreten. Viele Musikhörerinnen und Musikhörer wird diese Art der Musik langweilen. Für all jene, die sich auf solche Töne einlassen können, stellt „Mirage“ allerdings einen kleinen Urlaub vom Alltag dar. Acht Punkte.

Anspieltipps: Alle Titel



Dienstag, 17. Januar 2017

Fates Warning – Awaken The Guardian




Fates Warning – Awaken The Guardian


Besetzung:

John Arch – vocals
Frank Aresti – guitar
Jim Matheos – guitar
Steve Zimmerman – drums
Joe DiBiase – bass


Gastmusiker:

Jim Archambault – keyboards


Label: Metal Blade Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Metal, Rock


Trackliste:

1. The Sorceress (5:43)
2. Valley Of The Dolls (5:22)
3. Fata Morgana (5:25)
4. Guardian (7:33)
5. Prelude To Ruin (7:23)
6. Giant's Lore (Heart Of Winter) (6:00)
7. Time Long Past (1:50)
8. Exodus (8:31)

Gesamtspieldauer: 47:50




„Awaken The Guardian“ heißt das dritte Studioalbum der US-amerikanischen Progressive-Metal-Band Fates Warning, die damals aber eher noch eine Metal Band war. Die Platte wurde im November des Jahres 1986 auf dem Musiklabel Metal Blade Records veröffentlicht und weist allerdings zumindest erste Anzeichen des Genres Progressive Metal auf – mehr jedoch noch nicht wirklich.

Auf „Awaken The Guardian“ hört man durchaus gut gemachten und ziemlich kompromisslosen Metal, der weder vertrackt noch zu kompliziert klingt. Die Lieder sind eher geradlinig aufgebaut und rocken perfekt. Mag sein, dass die einzelnen Titel vom Aufbau her, zumindest ab und an doch ein wenig verschachtelter sind, ein Progressive Metal Album macht dies allerdings noch nicht aus „Awaken The Guardian“. Trotzdem wurde hiermit von Fates Warning ein Grundstein gelegt, den sie zukünftig weiter ausbauen sollten und der andere Bands wie Dream Theater maßgeblich beeinflussen sollte.

John Arch spielt auf diesem Album die ganze Bandbreite seiner Stimme perfekt aus, was die ganze Platte zusätzlich hörenswert macht. Praktisch alle Stücke auf „Awaken The Guardian“ knallen ordentlich. Ein klein wenig sanfter ist hier nur der Titel „Guardian“ sowie die kurze und sanfte Instrumentalnummer „Time Long Past“. Diese beiden Lieder gehören genauso mit zu den Höhepunkten, wie „Prelude To Ruin“, ein Titel wie geschaffen, um das Haupthaar durcheinander zu wirbeln. Allerdings hätte ich an dieser Stelle auch jedes andere der verbleibenden fünf Lieder aufzählen können, denn die Härte ist ein fester Bestandteil der Musik von Fates Warning auf „Awaken The Guardian“. Da diese musikalische Härte hier auch noch melodiös klingt und ins Ohr geht, lässt dies das Herz des Rockfreunds noch ein wenig höher schlagen.

Fazit: Steht man auf Heavy Metal, kann man mit „Awaken The Guardian“ absolut nichts falsch machen, die Scheibe knallt voll. Diesen ersten progressiven Ansatz kann man auf „Awaken The Guardian“ in der Musik der US-Amerikaner allerdings erst eher sporadisch und spärlich wahrnehmen. Aber er ist da, ohne Zweifel. Mir persönlich sagen allerdings die späteren Alben mehr zu, da sie eindeutig abwechslungsreicher sind. Aber wenn man mal auf Dröhnung steht, dann lohnt es sich auf jeden Fall, „Awaken The Guardian“ von Fates Warning aufzulegen. Männermusik! Acht Punkte.

Anspieltipps: Guardian, Prelude To Ruin, Time Long Past



Montag, 16. Januar 2017

The Pineapple Thief – Magnolia




The Pineapple Thief – Magnolia


Besetzung:

Bruce Soord – vocals, guitars, keys, percussion
Steve Kitch – piano, rhodes, keyboards, mellotron
Jon Sykes – bass, backing vocals
Daniel Osborne – drums, backing vocals, percussion


Gastmusiker:

Everton Nelson – violin
Richard George – violin
Alison Dods – violin
Natalia Bonner – violin
Patrick Kiernan – violin
Steve Morris – violin
Lucy Wilkins – violin
Jonathan Evans-Jones – violin
Bruce White – viola
Rachel Robson – viola
Reiad Chibah – viola
Chris Worsey – cello
Ian Burdge – cello
Mary Scully – double bass


Label: Kscope


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: Alternative Rock, New Art Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Simple As That (4:01)
2. Alone At Sea (5:20)
3. Don't Tell Me (3:34)
4. Magnolia (3:47)
5. Seasons Past (4:15)
6. Coming Home (3:05)
7. The One You Left To Die (4:19)
8. Breathe (2:50)
9. From Me (2:35)
10. Sense Of Fear (4:30)
11. A Loneliness (3:20)
12. Bond (4:31)

Gesamtspieldauer: 46:14




„Magnolia“ heißt es, das zehnte Studioalbum der englischen Alternative Rockband The Pineapple Thief. Auf „Magnolia“, welches im September des Jahres 2014 auf dem Label Kscope veröffentlicht wurde, gibt es fast ausschließlich Alternative Rock zu hören. Kein einziges längeres Lied hört man mehr auf dieser Scheibe, alles scheint „handlicher“ geworden zu sein. Progressive Rock sucht man vergebens auf „Magnolia“ und New Art Rock ist das auch nur noch am Rande.

Ganz klar, die Band um den Sänger, Gitarristen und Komponisten Bruce Soord ist unkomplizierter geworden, pop-rockiger, mehr im Mainstream angekommen. Das allerdings sagt noch nichts über die Qualität der Musik an sich auf „Magnolia“ aus, denn die Lieder auf dem Album sind durchaus gelungen, gehen ins Ohr und reißen auch an der ein oder anderen Stelle mit – auch mit diesem Alternative Rock. Bruce Soord hat einfach das Gespür für die eingängige Melodie und dieses Gespür präsentiert er hier in allen der zwölf Lieder des Albums. Allerdings schafft er damit nichts wirklich Besonderes oder Aufregendes mehr, jedoch eben qualitativ hoch anzusiedelnden Alternative Rock, der in seiner Machart weder plump noch anbiedernd klingt. Und wenn dann auch noch die Streicher gewisse Melodien und Atmosphären unterstreichen, dann schlägt das Herz der Freundinnen und Freunde eingängiger Melodien gleich noch mal etwas höher.

Die Stimmung allgemein ist eine eher melancholische bis sentimentale auf diesem Album. Richtig gerockt wird dabei nur noch an wenigen Stellen, aber diese gibt es natürlich auch auf „Magnolia“. Höhepunkte auf der Scheibe sind der Opener „Simple As That“, eine der rockigeren Nummern. Sogar noch etwas rockiger ist „Sense Of Fear“. Durchaus mitreißend das Lied und dabei aus langsameren und schnelleren Abschnitten zusammengesetzt, die sich perfekt ergänzen und den Titel spannend machen. „Coming Home“ überzeugt dagegen durch seine sanfte und fast schon zerbrechlich wirkende Atmosphäre. Bei diesem Stück kommt die Melancholie, die der ganzen Scheibe „Magnolia“ innewohnt, perfekt zu Geltung. Dazu steigert sich das Lied wunderschön, entwickelt sich immer intensiver – auch hier sind es die Streicher, die noch mehr Eingängigkeit bewirken. Höhepunkt, zumindest in meinen Ohren, ist allerdings die Nummer „The One You Left To Die“. Das Lied geht sofort, beim ersten Mal des Hörens, ins Ohr. „The One You Left To Die“ groovt durch einen fast schon monotonen Bass und spielt ebenfalls mit verschiedenen Stimmungen. Wirklich begeisternd.

Fazit: Spaß macht „Magnolia“ durchaus, auch wenn es vielleicht nicht für alles steht, was man sonst bei The Pineapple Thief zu hören bekommt. Die Lieder auf dem Album sind melodiös und eingängig und es lohnt sich definitiv, dieser Scheibe ein paar Durchläufe zu gönnen, da sich einem das Album mit jedem Mal des Hörens noch ein wenig besser erschließt. Wer allerdings das Besondere in der Musik von The Pineapple Thief schätzt, die oder der wird hier nicht mehr so ohne Weiteres fündig werden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Simple As That, Coming Home, The One You Left To Die, Sense Of Fear



Sonntag, 15. Januar 2017

Brian Eno – Another Green World




Brian Eno – Another Green World


Besetzung:

Brian Eno – guitars, snake guitar, desert guitars, digital guitar, castanet guitars, club guitars, bass guitar, vocals, synthesizer, tapes, organ, farfisa organ, hammond organ, choppy organs, piano, grand piano, chord piano, prepared piano, uncertain piano, leslie piano, yamaha bass pedals, synthetic percussion, electric percussion, spasmodic percussion, treated rhythm generator, peruvian percussion, electric elements, unnatural sounds


Gastmusiker:

Robert Fripp – wimshurst guitar, restrained lead guitar, wimborne guitar
John Cale – viola section
Phil Collins – drums, percussion
Percy Jones – fretless bass
Rod Melvin – rhodes piano, lead piano,
Paul Rudolph – bass, anchor bass, snare drums, bass guitar, guitar, assistant castanet guitars


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Art Pop


Trackliste:

1. Sky Saw (3:27)
2. Over Fire Island (1:51)
3. St. Elmo's Fire (3:02)
4. In Dark Trees (2:31)
5. The Big Ship (3:01)
6. I'll Come Running (3:49)
7. Another Green World (1:41)
8. Sombre Reptiles (2:21)
9. Little Fishes (1:34)
10. Golden Hours (4:00)
11. Becalmed (3:56)
12. Zawinul / Lava (3:00)
13. Everything Merges With The Night (3:59)
14. Spirits Drifting (2:36)

Gesamtspieldauer: 40:55




„Another Green World“ heißt das dritte Studio-Album des englischen Musikers Brian Eno. Veröffentlicht wurde die Platte im September des Jahres1975 auf dem Label Island Records. Unterstützt wurde Brian Eno bei den Aufnahmen unter anderem durch die Musiker Robert Fripp, Phil Collins und John Cale. „Another Green World“ war nur mäßig erfolgreich und konnte sich weder in den USA noch in Großbritannien in den Charts platzieren. Bei den Kritikern wurde die Scheibe allerdings sehr gelobt und auch für viele Brian Eno Fans stellt „Another Green World“ sein bestes Album überhaupt dar.

Dass die Platte nicht besonders kommerziell erfolgreich war, muss und wird einen nicht besonders überraschen, wenn man sie sich anhört. Auf „Another Green World“ ist zwar Pop Musik zu hören, jedoch in einer dermaßen unkommerzionellen und oftmals auch minimalistischen Ausprägung, dass sich das Album überhaupt nicht großartig verkaufen konnte. Auf „Another Green World“ hört man Art Pop, mal mit Gesang, mal ohne. Die Lieder deuten dabei bereits auf die Zusammenarbeit von Brian Eno mit David Bowie hin, die nur wenige Jahre später Alben wie „Heroes“ oder „Low“ hervorbringen sollte. Die einzelnen Titel auf „Another Green World“ klingen zwar durchaus eingängig, allerdings auch ein wenig verschroben und schräg. Die Musik hört sich trotzdem nicht so an, als ob sie ständig im Radio gespielt werden würde und wird sie auch nicht. Alles klingt auf seine Art und Weise etwas ungewöhnlich und gerade dieser Umstand macht „Another Green World“ überaus spannend und so hörenswert.

Klingt die ehemalige erste Plattenseite noch etwas poppiger, so hört man auf der früheren zweiten Seite des Albums etwas mehr Experimente und Ambient Musik. Beides klingt bei Brian Eno jedoch gelungen und macht Spaß. So finden sich auch unter den gesungenen, wie auch unter den instrumentalen Titeln, Höhepunkte. Zu ersten gehören die Nummern „St. Elmo's Fire“ und „Golden Hours“, zu letzteren, die beiden relativ kurzen und aufeinanderfolgenden Lieder „Sombre Reptiles“ sowie „Little Fishes“.

Fazit: Ein eindrucksvolles und durchaus auch etwas seltsames Album ist „Another Green World“ von Brian Eno geworden. Sehr viele Ideen hatte der Musiker hier, die er in zumeist kurzen Titeln umsetzte. Die Musik auf der Scheibe geht ins Ohr und ist dabei trotzdem irgendwie schräg. Musik kann überraschen, wie man an der außergewöhnlichen Scheibe „Another Green World“ sieht. Elf Punkte.

Anspieltipps: St. Elmo's Fire, Sombre Reptiles, Little Fishes, Golden Hours



Samstag, 14. Januar 2017

Porcupine Tree – Anesthetize (DVD)




Porcupine Tree – Anesthetize (DVD)


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, guitar, keyboards
Richard Barbieri – keyboards
Colin Edwin – bass
Gavin Harrison – drums


Gastmusiker:

John Wesley – guitar, backing vocals


Label: Kscope


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Alternative Rock, Hard Rock


Trackliste:

1. Intro
2. Fear Of A Blank Planet
3. My Ashes
4. Anesthetize
5. Sentimental
6. Way Out Of Here
7. Sleep Together
8. What Happens Now?
9. Normal
10. Dark Matter
11. Drown With Me
12. Cheating The Polygraph
13. Half-Light
14. Sever
15. Wedding Nails
16. Strip The Soul / Dot Three
17. Sleep Of No Dreaming
18. Halo
19. Outro

Gesamtspieldauer: 2:09:52




Nach der DVD „Arriving Somewhere…“ haben Porcupine Tree im Mai 2010 mit „Anesthetize“ ihre zweite DVD veröffentlicht. Dabei handelt es sich um den Mitschnitt zweier Konzerte, die am 15. und 16. Oktober 2008 in Tilburg, Niederlande, zum Ende der „Fear Of A Blank Planet-Tour“ stattfanden. Regie führte Lasse Hoile, um das Abmischen der Musik kümmerte sich Steven Wilson persönlich.

Nun, der Sound ist perfekt, wie könnte das auch anders sein bei einem Projekt, an dem Steven Wilson beteiligt ist. Viele der Titel scheinen bei diesem Live-Mitschnitt sogar noch an Energie zu gewinnen. Das klingt alles sehr druckvoll und überzeugend. Mit einer guten Anlage wird der Raum hier perfekt akustisch ausgefüllt. Etwas weniger gelungen sind dabei die Schnitte. Diese sind sehr schnell gesetzt, kaum mal ein paar Sekunden, in denen das Bild auf einem der Musiker verbleibt. Alles ist sehr sprunghaft, dadurch wirkt das Ganze auch in den leiseren Abschnitten mitunter etwas hektisch. Von der Ausstattung der DVD her wurde auf zu viel „Nebenbei“ verzichtet. Man kann das ganze Konzert anhören und ansehen, einzelne Lieder ansteuern, zwischen zwei Sound-Einstellungen wählen und die Credits nachlesen – das war es schon. Mehr ist aber auch nicht unbedingt nötig.

Nun zur Musik. Da bekommt man zuerst das komplette „Fear Of A Blank Planet“-Album serviert – in genau derselben Reihenfolge wie auf dem Original-Album. Da diese Scheibe an sich schon eine sehr überzeugende ist, macht das natürlich auch auf dieser DVD jede Menge Spaß. Die harten Stellen und weichen Passagen wirken auch auf dieser DVD sehr beeindruckend. Ergänzt wird das Ganze die EP „Nil Recurring“, die im Jahr 2007 erschien und drei der darauf enthaltenen Titel sind ebenfalls auf „Anesthetize“ enthalten. Dazu kommen noch drei Nummern vom Album „Signify“, drei von „In Absentia“, eine von „Deadwing“ sowie mit den Liedern „Drown With Me“ und „Half-Light“ zwei Single-B-Seiten.

So ist die Musik auf „Anesthetize“ erneut eine sehr intensive – wie praktisch immer, wenn Steven Wilson etwas damit zu tun hat. An die DVD „Arriving Somewhere…“ reicht „Anesthetize“ allerdings trotzdem nicht heran, da dort die Variation unter den Titeln größer war, die beeindruckenden Nummern jeder Platte mit aufgenommen worden waren. Überschneidungen zu dieser DVD gibt es nur mit dem Titel „Halo“, ansonsten ergänzt „Anesthetize“ allerdings den Vorgänger sehr gut. Auf dieser DVD steht nun mehr das Konzert-Gefühl der „Fear Of A Blank Planet-Tour“ im Vordergrund, als ein Konzert à la „Best Of…“-Titel.

Fazit: Für Freunde der Musik von Porcupine Tree wird sich die Frage nicht stellen, ob man diese DVD sein Eigen nennen muss oder nicht. Die Musik auf dem Konzertmitschnitt ist beeindruckend, von sehr hart bis sehr zart. Das geht auch alles gut ins Ohr und wer nie die Chance hatte, einem Porcupine Tree Konzert beizuwohnen, der oder dem wird sie hier geboten. Tolle Musik, mitreißend live gespielt, manchmal ein wenig hektisch gefilmt, trotzdem beeindruckend. Elf Punkte.

Anspieltipps: Schon alles.



Freitag, 13. Januar 2017

Vivid – Sundown To Sunrise




Vivid – Sundown To Sunrise


Besetzung:

Thomas Hanreich – vocals
Matthias Kloß – guitar
Holger Schmidt – bass
Torsten Kluske – drums


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Nice Day (4:57)
2. Kingdom Underground (3:35)
3. Off We Go (5:09)
4. Up To Me (4:12)
5. Dancing Girl (4:06)
6. Is It Worth It? (3:42)
7. Come Around (5:00)
8. Something Else About You (3:39)
9. Whatever (5:03)
10. Again (4:06)
11. Music (Mind Expanding) (5:38)

Gesamtspieldauer: 49:13




Vivid war eine deutsche Rockband aus Salzgitter, die vor allen Dingen in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts aktiv war und in dieser Zeit Alben veröffentlichte. Im Jahr 2002 lösten sich Vivid dann schließlich auf. „Sundown To Sunrise“ ist dabei ihr drittes und vorletztes Album und wurde im Jahr 1999 auf dem Label Virgin Records veröffentlicht.

Zu hören gibt es auf „Sundown To Sunrise“ durchaus eingängigen Rock bis Pop, wobei die Platte nicht mehr so einen melodiösen Hit wie „Still“ vom Vorgängeralbum „Go!“ für die Hörerinnen und Hörer bereithält. Trotzdem klingen die Lieder von Vivid auf der Platte immer melodiös, gehen ebenfalls ins Ohr und klingen deutlich spannender als seichter Pop, der einem zumeist aus den Radios dieser Welt entgegenflutet.

Bis auf das etwas seltsame „Dancing Girl“, welches bei mir leider so gar nicht zünden will, gibt es dabei auch keine Ausfälle zu beklagen. Ab etwa der Mitte des Albums gibt es dann eine ganze Reihe gelungener Lieder zu hören, die alle im Bereich des Rock bis hin zum Pop angesiedelt sind. Welches davon dann das eigene Lieblingslid wird, hängt wie immer am jeweiligen, eigenen Musikgeschmack.

Fazit: „Sundown To Sunrise“ von Vivid ist eine sehr unaufgeregte Platte geworden. Vielleicht ist dies das kleine Manko der Scheibe, das Besondere fehlt hier nämlich in der Musik von Vivid. Andererseits ist das auch „Jammern auf hohem Niveau“. Denn wer auf gut gemachten Rock-Pop steht, die oder der kann mit dieser Scheibe ihre beziehungsweise seine Zeit durchaus versüßen. Schön ist es allemal, solch Musik auch mal von einer deutschen Band zu hören. Acht Punkte.

Anspieltipps: Is It Worth It?, Whatever, Music (Mind Expanding)