Freitag, 26. Dezember 2014

Iggy Pop – Lust For Life




Iggy Pop – Lust For Life


Besetzung:

Iggy Pop – vocals


Gastmusiker:

David Bowie – keyboards, piano, backing vocals
Carlos Alomar – guitar, backing vocals
Ricky Gardiner – guitar, backing vocals
Tony Sales – bass, backing vocals
Hunt Sales – drums, backing vocals


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Rock


Trackliste:

1. Lust For Life (5:13)
2. Sixteen (2:26)
3. Some Weird Sin (3:42)
4. The Passenger (4:44)
5. Tonight (3:39)
6. Success (4:25)
7. Turn Blue (6:56)
8. Neighborhood Threat (3:25)
9. Fall In Love With Me (6:30)

Gesamtspieldauer: 41:53



„Lust For Life” heißt das zweite Album Iggy Pops, dem ehemaligen Sänger der „Stooges“, bei denen er noch als Iggy Stooge auftrat. Im Jahr 1977 war es sogar bereits seine zweite Veröffentlichung, denn lediglich fünf Monate zuvor hatte er sein Debut mit „The Idiot“ gegeben. Fest an der Seite des Iggy Pop war zu dieser Zeit David Bowie, der auch den größten Teil der Kompositionen zu diesem Album beisteuerte. An sieben der neun musikalischen Kompositionen war dieser alleine oder aber mitbeteiligt. Ein Titel, „Sixteen“, schrieb Iggy Pop selbst und das grandiose „The Passenger“ stammt von Ricky Gardner. Dies alles bezog sich jedoch lediglich auf den musikalischen Input, die Texte verfasste sämtlich Iggy Pop in Eigenregie.

Ein klein wenig wirkt es so, als ob David Bowie hier auf „Lust For Life“ seine rockige Seite auszuleben gedachte. In seiner eigenen Solokarriere experimentierte er gerade mit elektronischer Musik und veröffentlichte Alben wie „Station To Station“, „Low“ und „Heroes“, alle stark mit geprägt durch Brian Eno und sehr Synthesizer-lastig. Auf „Lust For Life“ wird dagegen deutlich mehr gerockt. Selbst so ein Lied wie „Tonight“, nach dem David Bowie 1984 sogar ein ganzes Album benennen wird und auf dem er dann bei diesem Titel im Duett mit Tina Turner zu hören ist, klingt hier eher rockig. Sieben Jahre später ist daraus dann eine Pop-Nummer geworden.

Einige schöne Titel gibt es auf „Lust For Life“ zu entdecken. Das gerade schon erwähnte, da von Iggy Pop komponierte „Sixteen“ rockt klasse und auch ein wenig schräg. „Neighborhood Threat” ist dagegen ein sehr eingängiger Song, ebenfalls im Rock angesiedelt. Solch ein Titel verfängt sich gerne mal im Langzeitgedächtnis des Hörers. Na und dann ist da auch noch das wohl bekannteste Stück des Iggy Pop überhaupt „The Passenger“. Ein so unglaublich simples Lied, mit solch einem unfassbaren Wiedererkennungswert. Wer mal in die Situation gerät, Platten auflegen zu müssen oder noch besser zu wollen und keine Idee hat, wie er die Tanzfläche voll bekommt, hier ist der Schlüssel zu sehr viel Spaß: „The Passenger“. Die Leute tanzen, die Tanzfläche ist voll – versprochen.

Fazit: Ein abwechslungsreiches und gutes Album ist „Lust For Life“ geworden. Einziger Ausfall für mich ist dabei die Nummer „Turn Blue“, was allerdings wohl an meiner persönlichen Schwierigkeit mit dem Genre Blues liegt. Alles andere ist auch für mich sehr angenehm zu hören, wobei sich mit „The Passenger“ sogar noch eine richtige Perle auf dem Album befindet. Lohnt sich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Sixteen, The Passenger, Neighborhood Threat



Donnerstag, 25. Dezember 2014

Procol Harum – Live In Concert With The Edmonton Symphony Orchestra




Procol Harum – Live In Concert With The Edmonton Symphony Orchestra


Besetzung:

Chris Copping – organ
Alan Cartwright – bass guitar
B.J. Wilson – drums
Dave Ball – guitar
Gary Brooker – piano and vocals
Keith Reid – lyrics


Gastmusiker:

The Edmonton Symphony Orchestra
The Da Camera Singers


Label: Chrysalis Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Art Rock, Progressive Rock, Symphonic Rock


Trackliste:

1. Conquistador (5:02)
2. Whaling Stories (7:41)
3. A Salty Dog (5:34)
4. All This And More (4:22)
5. In Held 'Twas In I (19:00)
a) Glimpses Of Nirvana
b) 'Twas Teatime At The Circus
c) In The Autumn Of My Madness
d) Look To Your Soul
e) Grand Finale

Gesamtspieldauer: 41:39




„Procol Harum Live In Concert With The Edmonton Symphony Orchestra“ ist das erste Live-Album der britischen Band Procol Harum und ihre sechste Veröffentlichung überhaupt. Die Platte stellt verkaufstechnisch das erfolgreichste Album von Procol Harum dar – und dies völlig zu Recht. Wer auf symphonischen und eingängigen Rock steht, die oder der wird diese Platte lieben. Alles hierauf ist melodiös und harmonisch gestaltet. Es werden Geschichten erzählt, die kraftvoll und ausgereift und wohl überlegt klingen. Die Musik geht dabei sehr schnell ins Ohr und vermag dort auch über viele Jahre zu verbleiben. Ohrwurmcharakter also durchaus gegeben.

Ein Orchester passt sehr gut zur Musik von Procol Harum, obwohl ich zum Beispiel mit „verklassischten“ Rock-Stücken überhaupt nichts anzufangen weiß. Hier, auf „Procol Harum Live In Concert With The Edmonton Symphony Orchestra“ bietet die Verbindung aus Rock-Instrumenten und all den Streichern und Bläsern des klassischen Orchesters jedoch eine nahezu perfekte Einheit. Jeder Titel wirkt geradezu so, als ob er extra dafür geschrieben worden wäre, in genau dieser Kombination aufgenommen und dargeboten zu werden. Dazu gesellt sich auch noch der sehr überzeugende Einsatz des Chores, der das Ergebnis noch ein wenig voller und runder glänzen lässt.

Einzelne Titel hier herauszuheben ist fast nicht möglich, da die Platte über überhaupt keine Ausfälle verfügt. Egal, ob man das unglaublich eingängige „Conquistador“, den Ohrwurm „A Salty Dog“ oder das epische, wie eine kleine Reise anmutende „In Held 'Twas In I” hört, überzeugen kann das alles. 

Fazit: Im Grunde genommen habe ich die Zusammenfassung bereits oben geschrieben: Wer auf symphonischen und eingängigen Rock steht, die oder der wird diese Platte lieben. Der Live-Charakter des Albums kommt zwar nur am Beginn und am Ende der jeweiligen Songs zum Tragen, dafür sich die Musik jedoch perfekt abgemischt und klingt, wie im Studio aufgenommen. Sehr hörenswert. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Conquistador, In Held 'Twas In I



Mittwoch, 24. Dezember 2014

David Bowie – Stage




David Bowie – Stage


Besetzung:

David Bowie – vocals, keyboards


Gastmusiker:

Carlos Alomar – rhythm guitar, backing vocals
George Murray – bass, backing vocals
Dennis Davis – drums, percussion
Adrian Belew – lead guitar, backing vocals
Simon House – violin
Sean Mayes – piano, string ensemble, backing vocals
Roger Powell – synthesizer, keyboards, backing vocals


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Art Rock, Experimental Rock, Elektronische Musik


Trackliste:

LP 1, Seite 1:

1. Hang On To Yourself (3:26)
2. Ziggy Stardust (3:32)
3. Five Years (3:58)
4. Soul Love (2:55)
5. Star (2:31)

LP 1, Seite 2:

1. Station To Station (8:55)
2. Fame (4:06)
3. TVC 15 (4:37)

LP 2, Seite 1:

1. Warszawa (6:50)
2. Speed Of Life (2:44)
3. Art Decade (3:10)
4. Sense Of Doubt (3:13)
5. Breaking Glass (3:22)

LP 2, Seite 1:

1. Heroes (6:19)
2. What In The World (4:24)
3. Blackout (4:01)
4. Beauty And The Beast (5:08)

Gesamtspieldauer: 1:11:57




„Stage“ ist das zweite Live-Album von David Bowie. Es erschien im Jahr 1978 und ist somit auch geprägt von der Musik, mit der David Bowie gerade Ende der 70er Jahre sehr erfolgreich war: der elektronischen Musik. Die Platten „Station To Station“, „Low“ und „Heroes“, alle in den Jahren 1976 und 1977 veröffentlicht, stehen ganz klar im Fokus dieses Live-Albums.

Was bei „Stage“ ein wenig zu kurz kommt, das ist der Live-Charakter der ehemaligen Doppel-LP, die es inzwischen auch als Doppel-CD mit drei Bonus-Tracks und anderer Liedanordnung gibt. Klar hört man das Publikum, allerdings lediglich an den Enden der Lieder oder an deren Übergängen. Dieser Applaus wirkt dabei immer sehr ähnlich und hätte durchaus auch so hineingeschnitten werden können. Aber das ist sicherlich nicht passiert, wäre allerdings durchaus möglich gewesen. Die einzelnen Stücke bleiben auch sehr nahe am Original, viel herumexperimentiert wird da live auf der Bühne nicht. Nur ab und an gibt es ein paar Abweichungen vom Original.

Somit stellt „Stage“ irgendwie kein „richtiges“ Live-Album dar. Es ist sehr viel eher eine Art „Best Of…-Platte“ aus der damaligen Zeit des Engländers. Hörenswert ist das allerdings alles durchaus. Ich kannte diese Aufnahmen auch vor den Studioalben und gerade ein Lied ist hier dann irgendwie doch noch kraftvoller, als auf der Studioplatte: „Warszawa“. Wahrlich sehr eindringlich und düster klingt das hier, noch ein wenig mehr, als beim Original auf dem Album „Low“.

Fazit: Wer einen guten Überblick über das Schaffen des David Bowie Ende der 70er Jahre haben möchte, der ist mit „Stage“ bestens bedient. Das „Live-Gefühl“ lässt sich auf der Scheibe zwar nur am Rande ausmachen, allerdings gibt es hier wahrlich gute Musik zu hören. Oftmals zwar sehr technisch, was jedoch nichts über die Qualität der Songs aussagt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Warzawa



Dienstag, 23. Dezember 2014

King Crimson – Lizard




King Crimson – Lizard


Besetzung:

Robert Fripp – guitar, mellotron, synthesizer, organ, devices
Peter Sinfield – lyrics, VCS3
Mel Collins – saxophone, flute
Gordon Haskell – bass guitar, vocals
Andy McCulloch – drums


Gastmusiker:

Keith Tippett – acoustic and electric pianos
Robin Miller – oboe, cor anglais
Mark Charig – cornet
Nick Evans – trombone
Jon Anderson – vocals


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Cirkus (including Entry Of The Chameleons) (6:27)
2. Indoor Games (5:37)
3. Happy Family (4:22)
4. Lady Of The Dancing Water (2:47)
5. Lizard (23:25)
a. Prince Rupert Awakes
b. Bolero - The Peacock's Tale
c. The Battle Of Glass Tears
I. Dawn Song
II. Last Skirmish
III. Prince Rupert's Lament
d. Big Top

Gesamtspieldauer: 42:30




Noch im selben Jahr wie „In The Wake Of Poseidon” wurde im Dezember 1970 auch das dritte King Crimson Album unter dem Titel „Lizard“ veröffentlicht. Und diese Platte ist ein würdiger Nachfolger der ersten beiden Alben. Auch hier gibt wieder wunderbare Melodien zu entdecken, denen es sich zu lauschen lohnt. Andererseits allerdings auch Abschnitte, die nicht mehr so ohne weiteres angehört werden können. Damit meine ich, dass der Musikhörer durchaus einen Zugang zur etwas „abgefahreneren“ Seite des Progressive Rock benötigt, ansonsten bleibt da wohl nur Kopfschütteln, Erstaunen oder gar die Flucht.

Für die liebliche und melodische Seite von King Crimson stehen auf „Lizard“ die Titel „Cirkus“, „Lady Of The Dancing Water“ und auch das Hauptstück des Albums, der Titeltrack „Lizard“, der ursprünglich die gesamte zweite Seite der Schallplatte einnahm. Allerdings stimmt dies auch nur zum Teil. Denn dieses Stück ist mit seiner über 23-minütigen Spieldauer so etwas wie eine Achterbahnfahrt aus melodischen und frickeligen und unfassbaren Abschnitten. Ein Meisterwerk des Progressive Rock, für Leute, die damit nicht ganz so viel anzufangen wissen, allerdings eher ein Tanz auf der Rasierklinge, bei dem man sich von einer nicht ganz so „scharfen“ Stelle auf die nächste rettet.

Dann gibt es da auch noch „Indoor Games“ und „Happy Family“. Zwei Titel, mit denen ich zunächst so gar nichts anzufangen wusste. Grauselig, zerstörerisch und irgendwie irre klang das für mich zunächst. Aber ich habe nicht aufgegeben, die Scheibe immer und immer wieder gehört und siehe da, auf einmal schien das alles irgendwie logisch zu sein, genau so klingen zu müssen und machte plötzlich Spaß. Gut, ich weiß, mit dieser Meinung steht man zunächst mal ganz alleine da, denn das ist wirklich keine „normale“ Musik. Anstrengend ist sie auch, gewiss und lohnend wird sie erst später, jedoch sicherlich nicht für jeden. Trotzdem lohnt es sich immer wieder, sich manches Mal Musik auch zu erarbeiten. Unter Umständen erhält man schließlich ein Geschenk.

Fazit: „Lizard” ist einfach ein cooles Album geworden. Eines jener Scheiben, die ganz viel Zeit benötigen, um endlich beim Hörer angekommen zu sein. Nicht durchgängig, denn die Nummern und Abschnitte, die bereits beim zweiten Hören einen Volltreffer landen, die gibt es auch auf „Lizard“. Nun, beim Rest kann es dann allerdings durchaus Jahre dauern, bis diese auch endlich durchstarten. Dann enthält die ganze Platte sehr bereichernde Musik. Mensch habe ich ein Glück, dass ich durchgehalten habe… Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Lizard



Montag, 22. Dezember 2014

Yes – Union




Yes – Union


Besetzung:

Jon Anderson – lead vocals
Steve Howe – guitar, backing vocals
Trevor Rabin – guitar, backing vocals
Chris Squire – bass, backing vocals
Tony Kaye – keyboards, backing vocals
Rick Wakeman – keyboards
Bill Bruford – drums
Alan White – drums, backing vocals


Gastmusiker:

Jonathan Elias – synthesizer, keyboards, vocals
Tony Levin – bass guitar, chapman stick
Jimmy Haun – guitar
Billy Sherwood – bass, guitars, keyboards, vocals
Allan Schwartzberg – percussion
Gary Barlough – synthesizer
Jerry Bennett – synthesizer, percussion
Jim Crichton – synthesizer, keyboards
Gary Falcone – vocals
Deborah Anderson – vocals
Ian Lloyd – vocals
Tommy Funderburk – vocals
Sherman Foote – synthesizer
Brian Foraker – synthesizer
Chris Fosdick – synthesizer
Rory Kaplan – synthesizer
Alex Lasarenko – synthesizer, keyboards
Steve Porcaro – synthesizer
Michael Sherwood – vocals
Danny Vaughn – vocals


Label: Arista Records


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Progressive Rock, Rock, Pop


Trackliste:

1. I Would Have Waited Forever (6:33)
2. Shock To The System (5:09)
3. Masquerade (2:17)
4. Lift Me Up (6:30)
5. Without Hope You Cannot Start The Day (5:19)
6. Saving My Heart (4:42)
7. Miracle Of Life (7:30)
8. Silent Talking (4:01)
9. The More We Live - Let Go (4:54)
10. Angkor Wat (5:24)
11. Dangerous (Look In The Light Of What You're Searching For) (3:39)
12. Holding On (5:25)
13. Evensong (0:52)
14. Take The Water To The Mountain (3:12)
15. Give & Take (4:29)

Gesamtspieldauer: 1:09:56




„Union“ haben die Musiker von Yes ihr dreizehntes Album getauft, welches 1991 veröffentlicht wurde. Und man muss es so sagen, es ist eine etwas seltsame Scheibe geworden. Das liegt vor allen Dingen daran, dass hier acht Yes-Musiker Musik machen – allerdings irgendwie nicht zusammen. Dazu muss man wissen, dass Jon Anderson, Bill Bruford, Rick Wakeman und Steve Howe vorher unter dem Titel „Anderson, Bruford, Wakeman, Howe“ unterwegs waren, den Namen „Yes“ jedoch nicht benutzen durften, da Chris Squire die Rechte daran hielt. Ein „Anderson, Bruford, Wakeman, Howe“-Album hatte es 1989 bereits gegeben, da sollte nun die zweite Platte folgen. Jetzt trafen sich allerdings Jon Anderson und Chris Squire, der zusammen mit Trevor Rabin, Tony Kaye und Alan White weiterhin Yes am Leben erhielt. Die beiden spielten sich ihre neuen Songs vor und kamen sich wieder näher. So nahe sogar, dass man beschloss beide Bands wieder unter dem Namen „Yes“ zu firmieren. So und da waren nun also acht Musiker, die anscheinend parallel fünfzehn Lieder einspielten. Die eine Gruppe die „Yes-Lieder“, die andere die „Anderson, Bruford, Wakeman, Howe-Stücke“. Irgendwie schien das jedoch noch nicht ganz zu reichen, denn Produzent Jonathan Elias und zahlreiche weitere Musiker legten noch zusätzliche Spuren darüber.

Nun zur Musik. Darin erkennt man durchaus noch die Band Yes – immer wieder mal. Leider ist auf „Union“ auch Mainstream-Pop vorhanden, der dann eher von Trevor Rabin, wie beim völlig missratenen „Saving My Heart”, stammt. Die Stücke, die Anderson, Bruford, Wakeman und Howe geschrieben haben, erinnern sehr wohl an ihr erstes Album unter diesem langen Namen und auch ein wenig mehr an Yes. „Masquerade“ ist zum Beispiel wieder solch eine kurze Gitarrensolo-Nummer von Steve Howe, die auf vielen Yes-Alben zu finden ist. „Without Hope You Cannot Start The Day” ist ebenfalls sehr gelungen und knüpft nahtlos an das erste „A, B, W & H” (um das jetzt mal abzukürzen) an. Dann wird mal mehr, mal weniger gerockt. Richtig überzeugend ist das alles jedoch irgendwie nicht mehr. „Angkor Wat” klingt zumindest noch ganz interessant, aber ob das ein Qualitätsmerkmal für einen Song darstellt, das sei mal so dahingestellt. Erwähnenswert ist schließlich noch „Lift Me Up“, auch ein Rabin-Stück. Das ist dann gut gemachte Pop-Musik. Mit Yes hat das nur noch wenig zu tun, jedoch war das bei den beiden vorherigen Alben auch schon so gewesen.

Fazit: Progressive Rock ist das jetzt nur noch am Rande, was die acht Musiker von Yes hier auf „Union“ präsentieren. Warum auf der Platte auch noch elf (!) Gastmusiker auftauchen, die ein Keyboard oder einen Synthesizer bedienen, erschließt sich wohl wirklich niemandem. Oftmals glaubt man zu spüren, dass hier zwei verschiedene Bands ein Album einspielen, das dann von Studiomusikern nochmals glattgebügelt wurde. Allerdings ganz schlecht ist das Gehörte auch nicht, immer wieder mal zwar schon, dafür jedoch auch an manchen Stellen durchaus hörenswert. Durchschnitt eben. Acht Punkte.

Anspieltipps: Masquerade, Lift Me Up, Without Hope You Cannot Start The Day



Sonntag, 21. Dezember 2014

Klaus Nomi – Simple Man




Klaus Nomi – Simple Man


Besetzung:

Klaus Nomi – lead & background vocals


Gastmusiker:

Julie Berger – background vocals
Jon Corbet – background vocals
Robert Medici – background vocals
Man Parrish – synthesizer, keyboards
Kristian Hoffman – synthesizer, keyboards
Tommy Mandel – synthesizer, keyboards
Scott Woody – guitar
John Kay – bass guitar
Kevin Tooley – drums
Robert Medici – drums


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: New Wave, Oper


Trackliste:

1. From Beyond (2:51)
2. After The Fall (4:43)
3. Just One Look (3:19)
4. Falling In Love Again (2:39)
5. Icurok (4:24)
6. Rubberband Lazer (4:20)
7. Wayward Sisters (1:43)
8. Ding Dong (3:03)
9. Three Wishes (3:18)
10. Simple Man (4:17)
11. Death (4:18)
12. Return (2:07)

Gesamtspieldauer: 41:02




Noch besser gelungen als die erste Scheibe Klaus Nomis, ist dessen zweite Platte mit dem Titel „Simple Man“, die 1982, ein Jahr vor seinem frühen Tod veröffentlicht wurde. Erneut befindet sich auf der Scheibe eine Mixtur aus Pop-Musik mit Opernanleihen, der selbstverständlich wieder durch diese unfassbare Stimme des Klaus Nomi geprägt wird. Dieses Mal sind die einzelnen Stücke allerdings noch ein wenig eingängiger und melodiöser geraten, bleiben noch mehr im Ohr des Zuhörers hängen.

Mal klingt das ähnlich eines gregorianischen Chorals und sehr mystisch, wie beim Opener „From Beyond“, dann wiederum zelebriert Klaus Nomi gleich im nächsten Titel den Synthie Pop auf eine herrlich erfrischende Art und Weise. „After The Fall“ heißt dieser Titel und ist wahrlich sehr gelungenen, da so ganz anders, als alles andere auf dem Musikmarkt. „Rubberband Lazer“ klingt ein wenig nach Country- und Western-Musik. „Just One Look“ schrammt am Genre des Schlagers vorbei und solch Titel wie „Ding Dong” geht ganz klar in die Richtung Kinderlied. Aber es geht noch weiter, denn mit „Wayward Sisters“ oder auch „Death“ wird auch noch in den Gewässern der Oper gefischt. Unglaublich vielseitig ist dieses Album geworden, wobei der Stilmix keineswegs das Hörerlebnis einschränkt oder schmälert. Vielmehr ist man gespannt, was denn nun als nächstes folgen wird.

Fazit: Die Musik von Klaus Nomi ist und bleibt faszinierend, da sie einfach so andersartig ist. Einen, in dieser Lage singenden Mann, gibt es eben nicht allzu oft zu hören. Ich kann jeden verstehen, die oder der bei dieser Musik schlagartig den Raum verlässt, weil sie oder er so gar nichts damit anzufangen weiß. Ich empfinde das Ganze allerdings als so schräg, dass es einfach gehört werden muss. Eine gewisse Melodiösität und Eingängigkeit kann man den Titeln des Klaus Nomi sowieso nicht absprechen. Spannend und eben faszinierend. Elf Punkte.

Anspieltipps: After The Fall, Three Wishes, Simple Man



Samstag, 20. Dezember 2014

Änglagård – Viljans Öga




Änglagård – Viljans Öga


Besetzung:

Anna Holmgren – flute, saxophone
Jonas Engdegård – guitar
Thomas Johnson – keyboard, mellotron, hammond organ
Johan Brand – bass
Mattias Olsson – drums


Label: Änglagård Records


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Ur Vilande (15:44)
2. Sorgmantel (12:07)
3. Snårdom (16:14)
4. Längtans Klocka (13:18)

Gesamtspielzeit: 57:30




Ganze achtzehn Jahre hat es also gedauert, bis die schwedische Progressive Rockband Änglagård ein neues Album herausbrachte. Selbstverständlich existierte die Band in den Jahren dazwischen nicht mehr und reformierte sich erst wieder etwa zwei Jahre vor der Veröffentlichung von „Viljans Öga“, dem dritten Studioalbum der Schweden. Es hatte einige Umbesetzungen gegeben und achtzehn Jahre sind natürlich eine sehr lange Zeit. Ob die Musik, dieser grandiosen Band der 90er Jahre immer noch so überzeugend sein konnte, wie auf den ersten beiden Studioalben? Nun, man legt die CD in den Spieler ein, dreht den Lautstärkeregler ordentlich auf und lauscht. Dann passiert es, man ist überrascht, denn man hört immer noch Änglagård-Musik wie vor achtzehn Jahren. Die Zeit scheint still gestanden zu sein. Allerdings ist „Viljans Öga“ keinesfalls Stillstand, „Viljans Öga“ ist ein weiteres Kapitel in der Diskographie der Schweden und erneut ein sehr gutes Kapitel. Ich möchte hier sogar noch einen Schritt weitergehen. Mit „Viljans Öga“ ist Änglagård das beste Comeback gelungen, welches jemals einer Musikerin, einem Musiker oder einer Band gelungen ist.

All das, was diese Art des Progressive Rock bisher ausgezeichnet hat, das wurde auch auf „Viljans Öga“ verwirklicht. Hier finden sich die wunderschönen melodiösen Passagen, genauso wie die frickeligen und fordernden Abschnitte. Vielleicht ist „Viljans Öga“ nicht immer ganz so eingängig, wie es noch „Epilog“ war, das schmälert allerdings nur wenig den Hörgenuss. Das dritte Studioalbum der Schweden ist genau solch eine musikalische Reise, wie es auch die beiden vorherigen Platten waren. Man wird eingefangen von lieblichen und harmonischen Tönen, hochgehoben in immer größere Höhen, plötzlich scheint sich alles im freien Fall zu befinden, jedoch wird man weich aufgefangen, erneut eingebettet in wunderschönen Harmonien.

Mal steht die Querflöte der Anna Holmgren im Vordergrund, dann ist es wieder das Keyboard, dann die Orgel, dann die Gitarre. Jedem Instrument wird seine Rolle zugewiesen, die die Musiker bestens auszufüllen verstehen. Alles wirkt, alles klingt und ist immer spannend. Überhaupt, wo kann man heutzutage noch ein Mellotron in der Musik hören? Da kommen dann unweigerlich Assoziationen zur Musik der 70er Jahre auf. Auch wenn die Musik von Änglagård durchaus aktuell klingt, so schwebt das Wort „retro“ doch immer ein wenig mit durch den Raum, wenn man „Viljans Öga“ einlegt. Nostalgie kann allerdings wahrlich jede Menge Spaß machen.

Fazit: „Viljans Öga“ ist wie „Epilog“ eine reine Instrumentalplatte. Wer dieses kennt und begeistert war, der wird ebenfalls von „Viljans Öga“ begeistert sein. Wer mit dem Vorgänger nichts anzufangen wusste, wird hier dieselben Schwierigkeiten haben. Änglagård zelebrieren auf „Viljans Öga“ Progressive Rock der Extraklasse. Musik, die es niemals im Radio zu hören gibt, Musik die wahrlich nicht immer einfach ist, Musik die unglaublich facetten- und abwechslungsreich ist. Musik zum Genießen eben. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Ur Vilande



Freitag, 19. Dezember 2014

King Crimson – In The Wake Of Poseidon




King Crimson – In The Wake Of Poseidon


Besetzung:

Robert Fripp – guitars, mellotron, celesta, electric piano
Greg Lake – vocals
Peter Sinfield – words


Gastmusiker:

Mel Collins – saxophones, flute
Michael Giles – drums
Peter Giles – bass guitar
Gordon Haskell – vocals
Keith Tippett – piano


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Peace – A Beginning (0:51)
2. Pictures Of A City (7:57)
3. Cadence And Cascade (4:35)
4. In The Wake Of Poseidon (8:24)
5. Peace – A Theme (1:15)
6. Cat Food (4:52)
7. The Devil's Triangle (11:30)
I. Merday Morn (3:47)
II. Hand Of Sceiron (4:01)
III. Garden Of Worm (3:45)
8. Peace – An End (1:54)

Gesamtspieldauer: 41:02




Das zweite Album von King Crimson, „In The Wake Of Poseidon”, knüpft stark an dem Erstlingswerk „In The Court Of The Crimson King“ an. 1970 wurde es veröffentlicht und hält vor allem auf der ehemaligen zweiten Plattenseite durchaus Musik für den Hörer parat, die nicht mal so eben nebenbei gehört werden kann. Da wird es mit „Cat Food“ und vor allem mit „The Devil's Triangle” schon ziemlich abgefahren. Gerade letztgenannte Nummer, die sich aus drei Teilen zusammensetzt, verlangt irgendwie alles vom Hörer ab. Fängt das Lied noch sehr langsam und zurückhaltend an, so entwickelt es sich in den elfeinhalb Minuten seiner Dauer immer weiter, wirkt zerrissener, fast schon gefährlich, wenn man dieses Adjektiv überhaupt benutzen kann, um Musik zu um- und beschreiben. Aber doch, hier bei „The Devil’s Triangle“ wirkt die Musik „gefährlich“, da passt diese Umschreibung. Das Stück klingt in seinem weiteren Verlauf fast so, als ob der Leibhaftige gerade wirklich hinter der Ecke auf einen wartet, während die Musik in eine Kakophonie mündet.

Ganz anders nimmt sich dagegen das wirklich lieblich süße „Cadence And Cascade“ aus, welches in seiner Art so gar nicht zum Rest der Platte passen möchte. Sogar zuckersüß klingt die Band hier und setzt einen riesengroßen Kontrapunkt zur zweiten Seite der Platte. Am ehesten an die vorherige Scheibe fühlt man sich beim Titellied „In The Wake Of Poseidon“ erinnert. Die Nummer beginnt überaus melodiös, das Mellotron fabriziert weiche und warme Laute und der Titel wirkt wie eine perfekte Fortsetzung der ersten Platte. Schön gelungen sind übrigens auch die drei kurzen „Peace“-Stücke, die die Platte einrahmen und gleichzeitig auch deren Mitte darstellen. Bliebe noch Titel Nummer zwei der ersten Seite zu erwähnen. „Pictures Of A City” ist ebenfalls eher ein Lied, welches erarbeitet werden möchte. Zu Beginn noch etwas melodiös, wird es im weiteren Verlauf immer undurchdringlicher und schräger. Klasse hier auf jeden Fall das Saxophon des Mel Collins.

Fazit: „In The Wake Of Poseidon” ist etwas härter geworden und auch noch ein wenig experimenteller, als das Debut-Album von King Crimson. Immer wieder scheinen sich auf der Platte unüberwindbare Hindernisse aufzubauen, die sich dann jedoch wieder ganz schnell auflösen. Zwar kommen die „Wohlklänge“ auf „In The Wake Of Poseidon” auch nicht zu kurz, doch sie sind rarer gesät. Die Platte ist ein spannendes Beispiel dafür, was Progressive Rock so alles beinhaltet. Elf Punkte.

Anspieltipps: In The Wake Of Poseidon, The Devil's Triangle



Donnerstag, 18. Dezember 2014

Fischer-Z – Going Deaf For A Living




Fischer-Z – Going Deaf For A Living


Besetzung:

John Watts – lead vocals, guitar
Steve Skolnik – keyboards
David Graham – bass
Steve Liddle – drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: New Wave, Rock


Trackliste:

1. Room Service (3:45)
2. So Long (5:02)
3. Crazy Girl (4:26)
4. No Right (2:39)
5. Going Deaf For A Living (3:32)
6. Pick Up / Slip Up (2:38)
7. Crank (3:06)
8. Haters (4:08)
9. Four Minutes In Durham (With You) (4:06)
10. Limbo (2:15)

Gesamtspieldauer: 35:00




Rockigen New Wave mit einem leichten Reggae-Einschlag, dafür standen Fischer-Z schon immer. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass man genau diesen Stil auch auf ihrer zweiten Platte „Going Deaf For A Living“ aus dem Jahr 1980 zu hören bekommt. Sehr prägend ist dabei auch wieder der Gesang des John Watts, der etwas höher angelegt ist und durchaus auch ein wenig weinerlich klingt. Dies ist allerdings nicht negativ gemeint, lediglich beschreibend.

„Going Deaf For A Living“ brachte Fischer-Z die ersten Chartplatzierungen und stellt somit den endgültigen Durchbruch der Band dar. Bei Fans wird dieses Album mit dem Nachfolgealbum „Red Skies Over Paradise“ in einem Atemzug genannt, wenn es darum geht, die besten Platten von Fischer-Z zu benennen. Nun, der Hit der Platte war „So Long“, für den sogar erstmals ein Video produziert wurde (welches ich unten auch verlinkt habe) – an das Nachfolgealbum reicht „Going Deaf For A Living“ jedoch nicht heran. Man hört hier zwar absolut typische Fischer-Z Musik, die man bereits nach dem dritten Takt nur dieser Band zuordnen kann, qualitativ machten Fischer-Z und allen voran natürlich John Watts, noch einen riesigen Sprung, wenn es um das Songwriting geht. Dies wurde mit der nächsten Platte überdeutlich.

Trotzdem ist „Going Deaf For A Living“ natürlich keine schlechte Scheibe. Es groovt an allen Ecken und Enden, die einzelnen Lieder sind auch durchaus eingängig, wenn auch nicht ganz so, wie sie es später noch sein sollten. Zumeist befindet sich die Musik im Mid-Tempo, mitunter ist das auch sehr gut tanzbar und kommt auch bei so mancher 80ies-Revival-Party zum Einsatz.

Fazit: „Going Deaf For A Living“ ist irgendwie ein Gute-Laune-Album geworden. Hier gilt es nicht groß nachzudenken. Einfach die Scheibe ein- oder auflegen und schon kann es losgehen und die Füße zucken ganz automatisch ein wenig mit. New Wave Fans dürften diese Platte lieben, Freunden von Fischer-Z gefällt das, wie bereits erwähnt, sowieso sehr gut. Mir sagt die Musik, die da noch kommen sollte, allerdings noch mehr zu, auch wenn „Going Deaf For A Living“ sicherlich kein schlechtes Album ist. Acht Punkte.

Anspieltipps: So Long



Mittwoch, 17. Dezember 2014

Morrissey – Viva Hate




Morrissey – Viva Hate


Besetzung:

Morrissey – vocals


Gastmusiker:

Stephen Street – bass, guitar
Vini Reilly – guitar, keyboards
Andrew Paresi – drums
Richard Koster – violin
Fenella Barton – violin
Rachel Maguire – cello
Mark Davies – cello
Robert Woolhard – cello
John Metcalf – viola


Label: His Master’s Voice


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: Jangle Pop, Indie Rock


Trackliste:

1. Alsatian Cousin (3:13)
2. Little Man, What Now? (1:47)
3. Everyday Is Like Sunday (3:35)
4. Bengali In Platforms (3:53)
5. Angel, Angel Down We Go Together (1:39)
6. Late Night, Maudlin Street (6:54)
7. Suedehead (3:55)
8. Break Up The Family (3:55)
9. Treat Me Like A Human Being (2:27)
10. I Don't Mind If You Forget Me (3:17)
11. Dial A Cliché (2:28)
12. Margaret On The Guillotine (3:44)

Gesamtspieldauer: 42:16




Die Smiths hatten sich ein Jahr zuvor aufgelöst, da veröffentlichte Morrissey, Sänger jener sehr einflussreichen und stilprägenden Band, im Jahr 1988 sein erstes Solo-Album mit dem Titel „Viva Hate“. Stilistisch knüpft es durchaus an die letzte Smiths-Scheibe „Strangeways, Here We Come“ an. Zumindest von der Stimmung her. Deutlich gewachsen ist auf „Viva Hate“ dagegen die Rolle des Keyboards, welches hier oftmals dominanter als die Gitarre zum Einsatz kommt. Dies wäre mit dem Smiths Gitarristen Johnny Marr eindeutig nicht umzusetzen gewesen.

Morrissey schafft es wie kaum ein zweiter Künstler Geschichten mit seinen Songs zu erzählen. Dabei muss man nicht unbedingt immer seiner Meinung sein, denn seine Aussagen sind oft anklagender Natur – interessant ist das in den allermeisten Fällen jedoch trotzdem. Die Stimme des Sängers hat natürlich einen hohen Wiedererkennungswert, klingt weich und einfühlsam. Dazu gesellen sich dann zwölf Titel auf „Viva Hate“, die durch die Bank weg überaus eingängig sind. Manches Mal wird die Musik dann ein wenig grooviger, ein anderes Mal etwas mehr getragen und deutlich weniger rhythmisch. Nun und solch ein Lied wie „Angel, Angel Down We Go Together” können sicherlich nur ganz wenige Musiker schreiben. Nur mit Streichern instrumentiert klingt das in Verbindung mit dem Text durchaus herzerweichend, selbst für gestandene Männer. Leider ist die Nummer mit nicht einmal zwei Minuten Spieldauer nur so unglaublich kurz ausgefallen.

Fazit: Man bringt die Musik von Morrissey auf „Viva Hate“ durchaus in Bezug zu den Smiths. So sehr anders klingt das hier noch nicht. Allerdings gehen da die Meinungen auch auseinander, denn einige Kritiker meinten nach der Veröffentlichung, dass Morrissey ohne seinen Partner Johnny Marr von den Smiths, nur noch halb so gut klingen würde. Wie immer reine Geschmackssache. „Viva Hate“ hat durchaus was, was es lohnt gehört zu werden. Ein schönes und ruhiges Indie Rock Album der 80er Jahre. Neun Punkte.

Anspieltipps: Angel Angel Down We Go Together, Late Night Maudlin Street



Dienstag, 16. Dezember 2014

Klaus Nomi – Klaus Nomi




Klaus Nomi – Klaus Nomi


Besetzung:

Klaus Nomi – lead & background vocals


Gastmusiker:

Julie Berger – background vocals
Jon Corbet – background vocals
Scott Woody – background vocals
Jon Cobert – synthesizer, keyboards
Scott Woody – guitar
Rick Pascual – bass guitar
Daniel Elfassy – drums



Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: New Wave, Oper


Trackliste:

1. Keys Of Life (2:26)
2. Lightning Strikes (2:59)
3. The Twist (3:10)
4. Nomi Song (2:47)
5. You Don't Own Me (3:39)
6. Cold Song (4:03)
7. Wasting My Time (4:16)
8. Total Eclipse (3:29)
9. Nomi Chant (1:53)
10. Samson And Delilah (Aria) (3:43)

Gesamtspieldauer: 32:25




Dass die meisten Menschen mit der Musik des Klaus Nomi nichts anzufangen wissen ist nicht weiter verwunderlich, sondern eher eine Tatsache. Wann hört man auch schon mal einen Mann mit einer Sopranstimme singen, auch wenn diese im Falle Klaus Nomi meist mit Countertenor angegeben wird. Die Musik des Klaus Nomi geht dabei sehr in Richtung des New Wave. Synthetisch klingt dies immer, aber das sollte es wohl auch, denn das ganze Erscheinungsbild des Klaus Nomi war ebenfalls auf ein synthetisches Aussehen angelegt.

Klaus Nomi lebte bei der Veröffentlichung seines ersten Albums bereits einige Zeit in New York. Beim Gesang spielt er allerdings mit seiner deutschen Herkunft. Oftmals werden die Worte bewusst hart ausgesprochen und damit noch ein wenig überzeichnet. Ganz klar, die Musik von Klaus Nomi wäre nicht der Rede wert und auch überhaupt nichts Besonderes, wenn da eben nicht dieser Gesang wäre, der so unnatürlich ist für einen Mann. Das wiederum macht diese Scheibe zu etwas Beeindruckendem und Besonderen. Dazu gesellt sich noch der Umstand, dass Klaus Nomi auf dem gleichnamig betitelten Album nicht nur eine klassische Gesangsstimme einsetzt, sondern mit „Cold Song“ und „Samson And Delilah“ auch musikalisch in das Genre der Oper eindringt. Nochmals etwas Überraschendes, was die Scheibe wirklich außergewöhnlich werden lässt. Mit nichts zu vergleichen. 

Fazit: Klaus Nomi ist schon etwas ganz Besonderes gewesen. Leider starb er bereits zwei Jahre und ein Album später an den Folgen seiner AIDS-Erkrankung, die damals noch das sichere Todesurteil bedeutete. Diese Art der Musik kann man sonst nirgendwo hören, somit sei dieses Album allen experimentierfreudigen Musikhörern durchaus empfohlen. Hier gibt es keinen Rock, Blues oder Soul, das ist New Wave bis Synthie-Pop mit einer absolut abgefahrenen Stimme versehen. Spannend. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Nomi Song, Cold Song, Samson And Delilah



Montag, 15. Dezember 2014

Spandau Ballet – True




Spandau Ballet – True


Besetzung:

Tony Hadley – vocals
Gary Kemp – songwriter, guitar, vocals, keyboards, piano
Martin Kemp – bass
Steve Norman – saxophone, percussion
John Keeble – drums, vocals
Jess Bailey – additional keyboards


Label: Chrysalis Records


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Pop, New Wave


Trackliste:

1. Pleasure (3:35)
2. Communication (3:40)
3. Code Of Love (5:11)
4. Gold (4:51)
5. Lifeline (3:36)
6. Heaven Is A Secret (4:27)
7. Foundation (4:08)
8. True (6:30)

Gesamtspieldauer: 35:36




Es gibt Musik, die wirkt heute einfach nicht mehr so, wie sie dies noch zu Beginn ihrer Zeit konnte. New Wave ist da so ein Beispiel für diese Aussage. Klar gibt es da immer noch ganz nette Stücke, allerdings klingt das alles immer nach 80er Jahre und heute würde man da wohl auch eher Synthie Pop zu sagen. „True“ von Spandau Ballet ist für mich da ein gutes Beispiel. Das dritte Album der Briten klingt in der heutigen Zeit irgendwie komisch. Alles hört sich ein wenig aufgesetzt an, sehr synthetisch und das nicht nur, weil die Musik im Keyboardsound oftmals zu ertrinken droht. Es ist auch die Stimmung, die hier transportiert wird und der Gesang, der sich sehr androgyn anhört und ebenfalls zu diesem Gesamteindruck beiträgt.

Nun, allerdings befinden sich jede Menge Hits auf „True“, eine Platte, die auch die erfolgreichste in der bisherigen Diskographie von Spandau Ballet werden sollte. „Communication“, „Gold“, „True“ und „Lifeline“ liefen 1983 in den Radiostationen der westlichen Welt rauf und runter. Eingängig ist das auch sehr, einmal im Kopf, bekommt man die Melodien nur schwerlich wieder gelöscht. Ohrwurmcharakter ist also durchaus gegeben. Leider kann man sich an den Nummern allerdings auch relativ schnell überhören. Aber hier hilft natürlich die richtige Dosierung der Titel und dieser Musik sehr viel weiter.

Bliebe noch kurz zu klären, warum sich im Namen der Truppe ein Berliner Bezirk befindet. Das ist wiederum gar nicht lustig, denn vom Spandau Ballett sprach man 1945 und 1946, wenn im Spandauer Gefängnis Nazis zum Tode verurteilt und anschließend am Galgen gehängt wurden. Wenn die Hinrichtungen parallel abliefen, dann zuckten die Körper der Delinquenten nach dem Fall anscheinend im Gleichtakt, sodass der Todeskampf der Verurteilten wie eine Art Ballett wirkte…

Fazit: Wer synthetische Musik mag und auf New Wave steht, der dürfte jede Menge Spaß mit dieser Platte haben. Dazu erzeugt die Musik auch ein wenig Nostalgie im Gehirn, wenn man denn zur damaligen Zeit Musik schon bewusst aufnehmen konnte. Entziehen konnte man sich diesem Album 1983 nämlich nicht. Besonders anspruchsvolle Musik machen Spandau Ballet, die sich 2009 übrigens reformierten, nicht. Muss man auch nicht immer haben. Von daher eine nette Scheibe, die man nicht allzu oft hören kann – ab und an allerdings durchaus. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Communication, Gold



Sonntag, 14. Dezember 2014

Frankie Goes To Hollywood – Liverpool




Frankie Goes To Hollywood – Liverpool


Besetzung:

Holly Johnson – vocals
Brian Nash – guitar
Mark O'Toole – bass
Peter Gill – drums
Paul Rutherford – second voice


Gastmusiker:

Betsy Cook – background vocals
Steve Lipson – guitar, keyboards
Steve Howe – guitar
Trevor Rabin – guitar
Richard Niles – string arrangements, brass arrangement
Andy Richards – keyboards
Peter-John Vettese – keyboards


Label: ZTT Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: New Wave, Pop, Rock


Trackliste:

1. Warriors Of The Wasteland (4:54)
2. Rage Hard (5:07)
3. Kill The Pain (6:16)
4. Maximum Joy (5:29)
5. Watching The Wildlife (4:18)
6. Lunar Bay (5:41)
7. For Heaven's Sake (4:30)
8. Is Anybody Out There? (7:27)

Gesamtspieldauer: 44:03




Frankie Goes To Hollywood stehen durchaus auch ein wenig stellvertretend für die Musik der 80er Jahre und dies, obwohl die Band lediglich zwei Alben veröffentlichte. „Welcome To The Pleasuredome“ und eben zwei Jahre später, die hier besprochene Platte „Liverpool“. Die Aufnahmen hierzu gestalteten sich bereits chaotisch, dazu gab es noch jede Menge Ärger mit der Plattenfirma – im Anschluss an „Liverpool löste sich Frankie Goes To Hollywood dann auch auf.

Ob sich der chaotische, über sehr viele verschiedene Studios verstreute Aufnahmeprozess auf die Qualität der Titel auswirkte, kann getrost mit einem „Nein“ beantwortet werden. Allerdings ist das Songmaterial nicht mehr mit dem des Vorgängeralbums zu vergleichen. Die Produktionskosten waren in die Höhe geschnellt, der wirtschaftliche Erfolg stellte sich jedoch nicht ein. Die Scheibe verkaufte sich wesentlich schlechter als erwartet. Nun, schlecht ist „Liverpool“ jedoch nicht geworden. Man hört hier den typischen Frankie Goes To Hollywood Sound. Die Musik ist durchaus mitreißend und vibriert immer wieder. Da macht das Zuhören durchaus Spaß. Solche Titel wie „Relax“ oder „Two Tribes“ finden sich zwar genauso wenig wie solch ruhige Nummern wie das weihnachtliche „Power Of Love“, trotzdem erzeugen die einzelnen Titel Stimmung. Vor allem zu Beginn des Albums, sind mit „Warriors Of The Wasteland“ und „Rage Hard“ zwei richtig gute Titel vertreten, die auch als Single veröffentlicht wurden. Die dritte Single-Veröffentlichung stellt „Watching The Wildlife” dar, eine Nummer, die mit zahlreichen Streichern und Bläsern aufwartet, dadurch natürlich sehr orchestral klingt und neben ruhigeren Abschnitten auch treibende Parts für den Hörer bereithält.

Ganz allgemein klingt „Liverpool“ ein klein wenig rockiger als noch der Vorgänger. Das macht jedoch nichts, weil die Musiker auch im Rock zu Hause zu sein scheinen. Ganz am Ende der Scheibe wird es mit „Is Anybody Out There?“ dann allerdings auch ein wenig bluesig bis soulig. Die Nummer will nicht so ganz zum Rest der Platte passen, stellt aber natürlich auch eine Abwechslung dar. Übrigens, auch wenn mit Steve Howe und Trevor Rabin zwei Yes-Musiker mit zum Gelingen dieses Albums beitrugen, ist die Musik darauf natürlich sehr weit vom Yes-Sound oder irgendwelchen Progressive Rock Anleihen entfernt beziehungsweise hat damit überhaupt nichts zu tun.

Fazit: So gelungen wie „Welcome To The Pleasuredome“ ist „Liverpool“ nicht. Doch auch auf dieser Scheibe gibt es einige gelungene Songs, die sich am Beginn des Albums, also vor allem auf der ehemaligen ersten Plattenseite befinden. Die Musik von Frankie Goes To Hollywood steht durchaus für die Musik der 80er Jahre – und hier für die besser gelungene, womit einmal mehr bewiesen wäre, dass auch Pop-Musik nachhaltig sein kann. Neun Punkte.

Anspieltipps: Warriors Of The Wasteland, Rage Hard