Samstag, 20. August 2016

Einstürzende Neubauten – Silence Is Sexy




Einstürzende Neubauten – Silence Is Sexy


Besetzung (ohne Instrummentenangabe):

Alexander Hacke
N.U. Unruh
Jochen Arbeit
Blixa Bargeld
Rudolph Moser


Label: Mute Corporation


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Experimental, Avantgarde


Trackliste:

1. Sabrina (4:39)
2. Silence Is Sexy (7:00)
3. In Circles (2:30)
4. Newtons Gravitätlichkeit (2:01)
5. Zampano (5:40)
6. Heaven Is Of Honey (3:54)
7. Beauty (1:59)
8. Die Befindlichkeit Des Landes (5:44)
9. Sonnenbarke (7:49)
10. Musentango (2:14)
11. Alles (Ein Stück Im Alten Stil) (4:43)
12. Redukt (10:17)
13. Dingsaller (6:16)
14. Total Eclipse Of The Sun (3:53)


Bonus CD der „Limited Edition":

1. Pelikanol (18:30)

Gesamtspieldauer: 1:27:16




„Silence Is Sexy“, das achte Studio-Album der Einstürzenden Neubauten, hat nur noch sehr wenig mit der Musik zu tun, für die die Einstürzenden Neubauten zu Beginn ihrer Karriere standen. Der Titel „Silence Is Sexy“ ist Programm auf diesem, im Mai 2000 erschienen Album. Zwar gibt es sie noch, die schrägen, auch nach Industrial klingenden Töne in der Musik der Band, jedoch sind die Einstürzenden Neubauten mit „Silence Is Sexy“ endgültig gezähmt worden, klingen weniger experimentell und avantgardistisch, als noch auf früheren Alben.

Nichtsdestotrotz benötigt man auch für „Silence Is Sexy“ einige Durchläufe, um sehr viel besser in diese meist zarte, manchmal jedoch auch noch fordernde Musik einsteigen zu können. Nicht immer gelingt dies jedoch restlos. Denn es gibt auf „Silence Is Sexy“ eben auch Titel, die sind dann sogar zu leise, zu zurückhaltend. Mag durchaus sein, dass das Titellied „Silence Is Sexy“ eines der ruhigsten Lieder ist, die jemals geschrieben wurden, man darin eintauchen kann, wie in einen sanften Nebel, der nicht unbedingt aus der Zigarette aufsteigt, die man hier immer wieder aufflammen hört. Trotzdem bleibt beim Hören eine gewisse Kälte zurück, die einen etwas fröstelnd zurücklässt. Nun und solch ein Titel wie „Newtons Gravitätlichkeit“ reißt einen dann jedoch wieder aus allen, irgendwie gearteten Träumen heraus, lässt einen unsanft landen und wirkt dabei fast schon nervend.

Allerdings gibt es auch die spannenden und sehr gelungenen Stellen auf „Silence Is Sexy“. „Sabrina“, „Die Befindlichkeit Des Landes“, „Sonnenbarke“, „Musentango“ und das eindrucksvolle, da überaus abwechslungsreiche und dabei experimentelle wie eingängige „Redukt“ sind hier sicherlich zu nennen. All diese Titel entwickeln sich zwar nur schwerlich zu „Lieblingsliedern“, klingen allerdings zumindest interessant und stellen sicherlich eine Abwechslung zum radiotauglichen Musikallerlei dar. Dazu gesellen sich die sehr intelligenten Texte des Christian Emmerich àlias Blixa Bargeld, die sich einem nicht immer sofort erschließen, mit jedem weiteren Hören allerdings zu eindrucksvoller Poesie mutieren.

Fazit: Nun, dass die Einstürzenden Neubauten keine Musik für den Massenmarkt machen, das dürfte allgemein bekannt sein. So stellt auch „Silence Is Sexy“ eher ein Album dar, welches irgendwie erobert werden will. Zugegebenermaßen gelingt einem das jedoch nicht immer, man schafft es nicht jedes Mal diesen Kosmos zu entwirren und für sich zu gewinnen. Somit bleibt die Musik der Einstürzenden Neubauten auch auf „Silence Is Sexy“ eine kleine experimentelle Reise, der man gespannt folgen kann. Ob diese allerdings interessant genug ist, um öfters angetreten zu werden, das liegt nicht nur am Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers, sondern auch sehr stark an deren und dessen aktuellen Befindlichkeit. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Redukt



Freitag, 19. August 2016

U2 – Under A Blood Red Sky




U2 – Under A Blood Red Sky


Besetzung:

Bono – lead vocals, guitar
The Edge – guitar, keyboards, backing vocals, bass guitar on "40"
Adam Clayton – bass guitar, guitar on "40"
Larry Mullen, Jr. – drums


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Rock, Live


Trackliste:

1. Gloria (4:32)
2. 11 O'Clock Tick Tock (4:34)
3. I Will Follow (3:36)
4. Party Girl (2:52)
5. Sunday Bloody Sunday (4:55)
6. The Electric Co. (5:18)
7. New Year's Day (4:29)
8. 40 (3:36)

Gesamtspieldauer: 35:29




„Under A Blood Red Sky“ erschien im November 1983, nachdem zuvor die drei Studioalben „Boy“, „October“ und „War“ von U2 veröffentlicht worden waren. Das Besondere an „Under A Blood Red Sky“ ist dabei, dass es bis heute, Stand 2016, das einzige reine Live-Album von U2 ist, welches die Iren veröffentlichten. Mit gerade mal etwas über 35 Minuten Spieldauer ist die Platte dabei gerade auch für ein Live-Album relativ kurz geraten und wurden auch nicht in einem Konzert eingespielt, sondern setzt sich aus drei Auftritten zusammen. „11 O'Clock Tick Tock" wurde im Mai 1983 in Boston, Massachusetts gespielt, „Gloria“ sowie „Party Girl“ stammen von einem Konzert im Juni 1983 in Red Rocks, Colorado. Die restlichen Titel stammen von einem am 20. August 1983 in Sankt Goarshausen, Deutschland, gegebenen Konzert.

Nun, was diese Scheibe sehr hörenswert werden lässt – trotz der Zusammenstellung aus drei Konzerten – ist die Live-Atmosphäre, die die Musiker von U2, insbesondere natürlich Bono, auf dieser Platte vermitteln. Das klingt einfach mitreißend, wie die Band hier spielt und man bekommt definitiv Lust darauf, ein U2 Konzert zu besuchen. „Sunday Bloody Sunday“ wirkt in dieser Einspielung so frisch und fesselnd, dass diese Live-Version ein fester Bestandteil vieler DJ’s der 80er Jahre wurde, die in den Diskotheken diese Einspielung des Liedes der Studioversion vorzogen.

Die Musik der Band klingt auf „Under A Blood Red Sky“ überaus rockig und man ist ständig inspiriert, mit dem Fuß mitzuwippen. Die Lied-Auswahl ist dabei eine durchaus gelungene, da die einzelnen Titel ins Ohr gehen und atmosphärisch wird es erst mit der letzten Nummer „40“ ein klein wenig sanfter und ruhiger. Und genau bei diesem Stück sieht man dann vor dem geistigen Auge die Zuschauer ihre Feuerzeuge und Sternspeier schwenken und alles löst sich in Wohlgefallen auf, wenn genau diese Zuschauer im Chor mitsingen und die Szene langsam ausgeblendet wird.

Fazit: „Under A Blood Red Sky“ macht Laune auf Live-Musik. Nicht nur „Sunday Bloody Sunday klingt auf der Scheibe ein wenig interessanter als im Original. Genau das macht dann auch den Reiz dieser Platte aus, die man möglichst laut genießen sollte. Hier bekommt man U2 in einer Phase der Bandgeschichte präsentiert, in der sie noch nicht die Superstars und eine der erfolgreichsten Bands der westlichen Welt waren. Für all diejenigen Musikhörer bestens geeignet, die auf Tonträger gebannte Live-Musik zu schätzen wissen und Spaß an der jungen Band U2 haben. Elf Punkte.

Anspieltipps: Sunday Bloody Sunday, The Electric Co., New Year's Day



Donnerstag, 18. August 2016

Emerson, Lake & Palmer – Works Volume 2




Emerson, Lake & Palmer – Works Volume 2


Besetzung:

Keith Emerson – keyboards, piano, organ, synthesizers, accordion
Greg Lake – vocals, guitars, bass guitar
Carl Palmer – drums, percussion


Gastmusiker:

Ron Aspery – saxophone on "Bullfrog"
Colin Hodgkinson – bass guitar on "Bullfrog"


Label: Victory Music


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Symphonic Rock


Trackliste:

1. Tiger In A Spotlight (4:35)
2. When The Apple Blossoms Bloom In The Windmills Of Your Mind I'll Be Your Valentine (3:58)
3. Bullfrog (3:52)
4. Brain Salad Surgery (3:09)
5. Barrelhouse Shake-Down (3:52)
6. Watching Over You (3:57)
7. So Far To Fall (4:57)
8. Maple Leaf Rag (2:02)
9. I Believe In Father Christmas (3:20)
10. Close But Not Touching (3:21)
11. Honky Tonk Train Blues (3:11)
12. Show Me The Way To Go Home (3:30)

Gesamtspieldauer: 43:50




„Works Volume 2“ ist das sechste Studio-Album von Emerson, Lake and Palmer und wurde im November 1977, knappe acht Monate nach „Works Volume 1“, veröffentlicht. Im Gegensatz zu „Works Volume 1“ besteht die Platte hauptsächlich allerdings nicht aus neuem Material, sondern enthält Stücke, die bereits geschrieben waren, es jedoch nicht auf eines der früheren Alben der Band geschafft haben. Damit lässt sich auch ganz gut erklären, warum man hier eine etwas krude Mischung aus Rock, Pop, Boogie Woogie, Big Band, experimenteller Musik und Jazz zu hören bekommt.

Für „Works Volume 2“ benötigt man wahrlich Nerven, denn diese Platte bietet so gar nichts mehr, was sie zu einer lohnenswerten Angelegenheit werden ließe. Mit Progressive Rock hat das schon mal gar nichts mehr zu tun und dieser Boogie-Woogie-Big-Band-Sound geht einem  bereits nach kurzer Zeit so dermaßen auf den Senkel, dass an gar nicht umhin kommt, die entsprechenden Lieder, die auf der Platte leider nicht rar gesät sind, mit der Fernbedienung beziehungsweise durch Weiterführen des Tonabnehmers zu überspringen. Wahrlich schlimme Musik.

Hier ein paar Anmerkungen zu einzelnen Liedern. „Watching Over You“ ist eine ruhige und typische Greg Lake Ballade, etwas sehr süßlich geraten, trotzdem noch mit einer der Höhepunkte der Scheibe. Witzig ist dagegen das kurze „Maple Leaf Rag“, was allerdings natürlich nicht von Emerson, Lake & Palmer, sondern ursprünglich von Scott Joplin stammt, bereits 1899 geschrieben wurde und für diese Platte hier neu von Keith Emerson arrangiert wurde. „I Believe In Father Christmas“ ist ein schöner Weihnachtstitel, ebenfalls etwas süßlich, aber so muss die Musik von Greg Lake wohl klingen – trotzdem gelungen. „Close But Not Touching“ klingt dagegen wie die Filmmusik einer sehr spannenden Szene eines Gangsterfilms, die zum Schluss für den Held des Films gut ausgeht. Es folgen schließlich noch eine unfassbar schlechte Boogie Woogie Nummer mit Namen „Honky Tonk Train Blues“ sowie eine Art Bar Jazz Stück, „Show Me The Way To Go Home“, die ebenfalls absolut nicht lustig ist.

Fazit: Nun, es ist zum einen diese krude Zusammenstellung der Titel, die „Works Volume 2“ zu einer sehr anstrengenden Angelegenheit werden lässt. Zum anderen ist es die fehlende Qualität der Songs, die „Works Volume 2“ dann sogar zu einem meist belanglosen und schließlich auch schlechten Album werden lässt. Ich habe immer wieder Schwierigkeiten mit der Musik von Emerson, Lake & Palmer, die manchmal so unfassbar genial klingt, dann wieder unglaublich schlecht. Auf „Works Volume 2“ findet sich kaum etwas Hörenswertes. Lohnt sich nur, wenn man alles von „seiner“ Band besitzen möchte. Vier Punkte.

Anspieltipps: Maple Leaf Rag, I Believe In Father Christmas



Mittwoch, 17. August 2016

Anthony Phillips – Private Parts & Pieces II – Back To The Pavilion




Anthony Phillips – Private Parts & Pieces II – Back To The Pavilion


Besetzung:

Anthony Phillips – 12 string guitar, classical guitar, electric guitar, piano, vocals, polymoog


Gastmusiker:

Andy McCulloch – drums and percussion
Mike Rutherford – bass
Rob Phillips – oboe
Mel Collins – flute


Label: Voiceprint


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Instrumentalmusik, Rock, Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Scottish Suite:
     (i) Salmon Leap (2:47)
     (ii) Parting Thistle (2:26)
     (iii) Electric Reaper (3:00)
     (iv) Amorphous, Cadaverous and Nebulous (4:52)
     (v) Salmon’s Last Sleepwalk (2:02)
6. Lindsay (3:44)
7. K2 (9:00)
8. Postlude: End Of The Season (0:33)
9. Heavens (4:25)
10. Spring Meeting (3:52)
11. Romany’s Aria (0:51)
12. Chinaman (0:43)
13. Nocturne (4:04)
14. Magic Garden (1:54)
15. Von Runkel’s Yorker Music (0:45)
16. Will O’ The Wisp (3:34)
17. Tremulous (1:09)
18. I Saw You Today (4:33)
19. Back To The Pavilion (3:01)
20. Lucy: An Illusion (3:51)

Gesamtspieldauer: 1:01:14




Im Juni 1980 veröffentlichte Anthony Phillips den zweiten Teil seiner „Private Parts And Pieces“-Reihe, dieses Mal versehen mit dem Untertitel „Back To The Pavilion“. Somit stellt die Scheibe gleichzeitig das fünfte Solo-Album des Genesis Gitarristen der ersten Stunde und den nächsten Abschnitt seiner, bis zum Jahr 2012 bereits elfteiligen Reihe „Private Parts And Pieces“ dar. Auf dem Album ist hauptsächlich Instrumentalmusik zu hören, die zumeist sehr eingängig klingt und mitunter sogar mal fast in den New Age Bereich abdriftet.

Die fünf Teile der „Scottish Suite“ zu Beginn der Platte entspringen einem Projekt, in welchem Anthony Phillips Shakespeares McBeth vertonen wollte. Ein Vorhaben, was jedoch nicht zu Ende geführt wurde. Was bleibt sind diese fünf Teile der Suite, bei denen sein ehemaliger Genesis-Kollege Mike Rutherford am Bass und der Ex-King Crimson Schlagzeuger Andy McCulloch an den Drums zu hören sind. Die Teile der „Scottish Suite“ sind sehr melodiöse Instrumentalstücke, die zumeist sehr sanft und entspannt klingen, jedoch dann auch wieder rocken. Sehr abwechslungsreich in seiner Gesamtheit und gleichzeitig die Höhepunkte der gesamten Platte.

Die weiteren Stücke sind eine bunte, jedoch sehr relaxte Mischung aus sehr sanfter Musik. Mal steht das Piano im Vordergrund, mal ist es die Gitarre. Auch die Anzahl der jeweils involvierten Instrumente variiert. Die bereits erwähnte New Age Annäherung findet sich im Titel „K2“, in dem Synthesizer-Teppiche ausgebreitet werden, allerdings nur ganz zart und sanft, lediglich kurz unterbrochen von kleinen, aufgeregt klingenden Tastenläufen. Ebenfalls in die meditative Richtung geht „Will O’ The Wisp“, nur hier ist es die Gitarre, versehen mit Hall und Echo, die diesen meditativen Effekt vielleicht hervorzurufen vermag.

Einige sehr kurze Stücke befinden sich ebenfalls auf der Scheibe, in denen Ideen gerade lediglich angerissen scheinen. Gegen Ende der Platte singt Anthony Phillips sogar bei den Titeln „I Saw You Today“ und „Lucy: An Illusion“. Beides Balladen, bei denen der Gesang durch die akustische Gitarre begleitet wird und gleichzeitig zwei nicht gerade sonderlich aufregende Stücke.

Fazit: Eine sanfte, verträumte und sehr ruhige Zusammenstellung serviert Anthony Phillips hier seinen Hörerinnen und Hörern. Die fünfteilige „Scottish Suite“ ist dabei sicherlich der spannendste Aspekt des Albums. Allerdings gibt es auf „Private Parts & Pieces II – Back To The Pavilion“ auch nichts, was nicht doch auch irgendwie hörenswert wäre. Sicherlich ist das keine Scheibe für die Masse der Musikhörer, jedoch für all jene dann doch interessant, denen die Musik von Genesis in den 70er Jahren zusagt. Neun Punkte.

Anspieltipps: Scottish Suite



Dienstag, 16. August 2016

Talking Heads – Little Creatures




Talking Heads – Little Creatures


Besetzung:

David Byrne – guitar, vocals
Chris Frantz – drums
Jerry Harrison – keyboards, guitar, backing vocals
Tina Weymouth – bass guitar, backing vocals


Gastmusiker:

Ellen Bernfeld – backing vocals on "Perfect World" and "Walk It Down"
Andrew Cader – washboard on "Road To Nowhere"
Erin Dickens – backing vocals on "Television Man" and "Road To Nowhere"
Diva Gray – backing vocals on "Road To Nowhere"
Gordon Grody – backing vocals
Lani Groves – backing vocals
Jimmy Macdonell – accordion on "Road To Nowhere"
Lenny Pickett – saxophones
Steve Scales – percussion
Naná Vasconcelos – percussion on "Perfect World"
Eric Weissberg – steel guitar on "Creatures Of Love" and "Walk It Down"
Kurt Yahijian – backing vocals


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: New Wave, Pop


Trackliste:

1. And She Was (3:36)
2. Give Me Back My Name (3:20)
3. Creatures Of Love (4:12)
4. The Lady Don't Mind (4:03)
5. Perfect World (4:26)
6. Stay Up Late (3:51)
7. Walk It Down (4:42)
8. Television Man (6:10)
9. Road To Nowhere (4:19)

Gesamtspieldauer: 38:38




Die Talking Heads waren gerade auf dem Höhepunkt ihrer Popularität angelangt, als Sie mit dem Konzertfilm „Stop Making Sense“ die Kinos stürmten und das dazugehörende Live-Album alle ihre bisherigen Verkaufsrekorde brach. Da veröffentlichten sie im Juni des Jahres 1985, neun Monate nach dieser Live-Platte, ihr sechstes von insgesamt acht Studio-Alben. „Little Creatures“ heißt dieses, wurde erneut bei Warner Music veröffentlicht, sollte ähnlich erfolgreich werden wie die Live Platte und gleichzeitig das Studio-Album sein, welches von den Talking Heads am häufigsten über den Ladentisch ging.

Dies auch völlig zu Recht, denn auf „Little Creatures“ finden sich sehr überzeugende New Wave Lieder, die ins Ohr gehen, kaum Hänger aufweisen und sogar den ein oder anderen Ohrwurm für die Hörerin und den Hörer bereithalten. Es beginnt sofort sehr eindrucksvoll mit „And She Was“ und setzt sich im Anschluss daran fort mit „Give Me Back My Name“. Darauf folgt zwar mit „Creatures Of Love“ der einzige nicht ganz so gelungene Titel auf „Little Creatures“, da dieser einfach dem Country ein wenig zu nahe kommt. Aber bereits nach diesem Titel geht es wieder sehr überzeugend weiter mit New Wave, der ins Ohr geht, abwechslungsreich ist und gut unterhält.

Besondere Höhepunkte warten dann noch mal am Ende auf die Hörerinnen und die Hörer. „Walk It Down“ klingt zu Beginn so wunderschön verschroben, bis es sich im Refrain ebenfalls zu einem sehr melodiösen Titel entwickelt. „Television Man“ ist dann eine rockige New Wave Nummer, ebenfalls ins Ohr gehend. Und schließlich erwartet einen am Ende der Scheibe noch der Höhepunkt der gesamten Platte. „Road To Nowhere“ ist das Lied des Albums, vielleicht sogar das beste Lied, welches David Byrne je geschrieben hat. Mit einem etwas nach Marsch klingenden Rhythmus versehen, entwickelt sich hier eine Nummer, die man einmal gehört nicht mehr vergisst. Im Grunde genommen wird hier immer wieder dasselbe Thema wiederholt, welches jedoch mit jedem weiteren Durchlauf an Intensität gewinnt. Wirklich beeindruckend gemacht.

Fazit: „Little Creatures“ ist eine überzeugende New Wave Platte geworden, mit einem herausragenden Höhepunkt, in Form des Liedes „Road To Nowhere“, sowie vielen kleineren zusätzlichen Höhepunkten. Die meisten, der sich hier entwickelnden Melodien gehen ins Ohr. Die Lieder sind dabei sehr abwechslungsreich, keines gleicht dem anderen. Im Falle von „Little Creatures“ kann man sogar sehr gut nachvollziehen, warum es das erfolgreichste Studio-Album der Talking Heads wurde. Für alle diejenigen Hörerinnen und Hörer geeignet, die auf interessanten und eingängigen New Wave stehen, der zum Teil auch in Rock-Gefilden fischt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: And She Was, Television Man, Road To Nowhere



Montag, 15. August 2016

The Flower Kings – Unfold The Future




The Flower Kings – Unfold The Future


Besetzung:

Tomas Bodin – keyboards
Hasse Bruniusson – marimba, glockenspiel, dulcimer, other percussion
Zoltan Csörsz – drums
Hasse Fröberg – vocals, guitars
Jonas Reingold – bass guitar
Roine Stolt – vocals, guitars, keyboards


Gastmusiker:

Daniel Gildenlöw – backing vocals, lead vocals on "Fast Lane", "Rollin' The Dice" and parts of "Devil's Playground"
Ulf Wallander – soprano saxophone


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. The Truth Will Set You Free (31:01)
     I. Lonely Road
     II. Primal Instincts
     III. From The Source
     IV. Uphill
     V. The Stars The Sun The Moon
2. Monkey Business (4:23)
3. Black And White (7:39)
4. Christianopel (8:16)
5. Silent Inferno (14:21)
6. The Navigator (3:39)
7. Vox Humana (4:44)


CD2:

1. Genie In A Bottle (8:09)
2. Fast Lane (6:33)
3. Grand Old World (5:26)
4. Soul Vortex (4:38)
5. Rollin' The Dice (5:00)
6. The Devil's Danceschool (5:08)
7. Man Overboard (3:45)
8. Solitary Shell (2:50)
9. Devil's Playground (25:26)
10. Too Late For Tomatoes (Bonus Track) (10:24)

Gesamtspieldauer CD1 (1:14:07) & CD2 (1:17:23): 2:31:30




„Unfold The Future“ heißt das siebte Studioalbum der schwedischen Progressive Rock Band The Flower Kings. Im November des Jahres 2002 wurde es auf dem Label InsideOut Music veröffentlicht und stellt dabei eine sehr ambitionierte Veröffentlichung in der Discographie der Schweden dar. Dies liegt allerdings nicht nur daran, dass es sich bei dem Album „Unfold The Future“ um ein Doppelalbum handelt, welches über zweieinhalb Stunden Spieldauer aufweist. Viel mehr ist der Stil, beziehungsweise sind es die musikalischen Stile, die darauf zum Tragen kommen und dieses Album zu einer nicht alltäglichen Platte werden lassen. Es ist ein Mix aus Progressive Rock, Jazz-Anleihen und sogar Jam-Sessions, den man auf diesem Album zu hören bekommt.

Und eines ist dabei ganz klar. Die Musiker wissen zu überzeugen, der Sound ist brillant, alles wird auf den Punkt gespielt, wirkt sehr durchdacht. Sehr viele gute Ideen gibt es auf der Scheibe zu hören, die mal melodischer und eingängiger sind, ein anderes Mal richtiggehend vertrackt, dem Free Jazz ein ganzes Stück nahekommend. Und gerade diese vielen Ideen sind es dann allerdings auch, die einen trotz aller Einfälle auch stutzen lassen. Passt das eigentlich alles auch zusammen? Funktioniert das auch wirklich so?

Die Antwort auf „Unfold The Future“ heißt für mich leider sehr oft „Nein, das funktioniert so nicht“. Sehr oft hören sich einzelne Stücke eher wie eine Aneinanderreihung von ganz guten Ideen an, die aber im Grunde genommen gar nichts miteinander zu tun haben. Irgendwie wird da manchmal Abschnitt an Abschnitt beziehungsweise Idee an Idee gereiht und das Ergebnis lässt einen etwas ratlos, da nicht überzeugt zurück. Die Lieder schaffen es viel zu selten, einen wirklich mitzureißen. Oder schaffen sie das überhaupt einmal? Mich wirklich nur ganz selten. Ein paar schöne Stellen durchaus, aber alleine immer diese jazzigen Abschnitte, für die man wohl wirklich geboren sein muss, lassen meine Freude an diesem Album immer wieder schnell verklingen.

Fazit: Hörerinnen und Hörer, die Progressive Rock in Verbindung mit Jazz mögen, könnten hier vielleicht etwas für sich finden. Jede Menge Ideen gibt es „Unfold The Future“ zu hören und manchmal auch zu bewundern. Leider nur sind diese Ideen mitunter ein wenig „unhandlich“ geraten, schwer zu fassen und schon gar nicht in Verbindung mit anderen Teilen zu genießen, da schlichtweg isoliert. Melodien, in die sich einzutauchen lohnt, gibt es auf „Unfold The Future“ leider nur viel zu selten. Das alles bewirkt, dass zumindest mich diese Platte lediglich immer wieder partiell packt, dann allerdings auch immer nur ein wenig. Sicherlich brillante Musik, allerdings auch eine, die mich einfach nicht einzufangen weiß. Acht Punkte.

Anspieltipps: Silent Inferno, The Navigator



Sonntag, 14. August 2016

Ludwig Hirsch – Dunkelgraue Lieder




Ludwig Hirsch – Dunkelgraue Lieder


Besetzung:

Ludwig Hirsch – Gesang, keine weiteren Angaben


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Liedermacher


Trackliste:

1. Die Omama (4:35)
2. I lieg am Ruckn (5:05)
3. Der Herr Haslinger (3:11)
4. Der blade Bua (4:12)
5. Die Spur Im Schnee (3:19)
6. Liebeslied (4:03)
7. Der Dorftrottel (6:26)
8. Der Wolf (5:24)
9. Spuck den Schnuller aus (3:24)
10. Der Zwerg (5:14)
11. Happy End (4:01)

Gesamtspieldauer: 49:00




„Dunkelgraue Lieder“ heißt die erste Platte des österreichischen Liedermachers Ludwig Hirsch. Im Jahr 1978 wurde das Album auf dem Label Polydor veröffentlicht und wie der Name der Scheibe fast schon zum Ausdruck bringt, befinden sich darauf Lieder, die angefüllt sind mit schwarzem Humor. Da verschluckt sich die Omama mit ihrer Vergangenheit im Dritten Reich, an ihrem eigenen Gebiss und der der nette Herr Haslinger mag besonders die kleinen Kinder sehr gern. Sofort beginnen beim Zuhören die Gedanken etwas zu basteln, zu entwickeln. Und das sind nur einige Beispiele und Szenarien, die Ludwig Hirsch in den Köpfen seiner Hörerinnen und Hörer entstehen lässt.

Ganz klar, bei den Platten des Ludwig Hirsch stehen mehr die Texte im Vordergrund, die Musik scheint auf eine gewisse Art und Weise nur schmückendes Beiwerk zu sein. Passend dazu werden noch nicht einmal die entsprechenden Musiker der einzelnen Titel aufgeführt. Und mit der Art des Ludwig Hirsch, mit dessen Auffassung von Humor, muss man umgehen können, denn sonst wird es schwierig beim Lauschen. Sicherlich ist das nicht jedermanns Sache und schon gar nicht jugendfrei, obwohl hier keine sexuellen Praktiken beschrieben werden oder aber ein Stilmittel des Autors Schimpfwörter wären. Bei Ludwig Hirsch wird jedoch gestorben und gemordet und das Kopfkino angeregt, sodass die „bösen“ Szenen letztendlich alle im eigenen Kopf entstehen.

Leider ist die Musik allerdings noch nicht ganz so gelungen, wie auf dem Nachfolger-Album, welches auch musikalisch viel besser überzeugen konnte. Das ist hier, bei „Dunkelgraue Lieder“, nicht ganz so der Fall. Viele Lieder klingen leicht und sogar ein wenig swingend, das Ganze ist eher Bar- oder Big Band-Sound als Pop oder Rockmusik. Dies alleine schon durch die verwendeten Instrumente. An sich eine schöne Abwechslung, allerdings schaffen es diese Melodien leider nicht zu zünden, was den Texten durchaus gelingt, die einem ein Lächeln auf das Gesicht oder Sorgenfalten auf die Stirn zaubern.

Fazit: Liedermacher-Musik mit dunklen Texten. Der schwarze Humor steht bei Ludwig Hirsch ganz klar im Zentrum seiner Kunst, die dann zum Nachdenken oder Schmunzeln anregt. Aber zu einem Lied gehört nicht nur der Text, sondern eben auch die Musik selbst. Und da hat Ludwig Hirsch noch nicht ganz die passenden Töne gefunden. Das klingt zwar nett, aber noch nicht endgültig überzeugend. Neun Punkte.

Anspieltipps: Die Omama, Der Dorftrottel



Samstag, 13. August 2016

Mark Knopfler – The Ragpicker’s Dream




Mark Knopfler – The Ragpicker’s Dream


Besetzung:

Mark Knopfler – vocals, guitars


Gastmusiker:

Richard Bennett – guitars
Jim Cox – piano, Hammond organ
Guy Fletcher – keyboards, backing vocals
Glenn Worf – bass
Chad Cromwell – drums
Glen Duncan – violin
Paul Franklin – pedal steel guitar
Mike Henderson – harmonica
Jimmy Nail – backing vocals
Tim Healy – backing vocals


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Rock


Trackliste:

1. Why Aye Man (6:14)
2. Devil Baby (4:05)
3. Hill Farmer's Blues (3:45)
4. A Place Where We Used To Live (4:34)
5. Quality Shoe (3:56)
6. Fare Thee Well Northumberland (6:29)
7. Marbletown (3:33)
8. You Don't Know You're Born (5:21)
9. Coyote (5:56)
10. The Ragpicker's Dream (4:20)
11. Daddy's Gone To Knoxville (2:48)
12. Old Pigweed (4:34)

Gesamtspieldauer: 55:40




„The Ragpicker’s Dream“ heißt das dritte Solo-Werk des Mark Knopfler. Im Jahr 2002, zwei Jahre nach seinem größten Solo-Erfolg mit „Sailing To Philadelphia“, wurde die Platte, genau wie die bereits zuvor entstandenen Alben, auf dem Label Mercury Records veröffentlicht. Leider ist die Scheibe allerdings nicht mehr ganz so überzeugend gelungen, wie der Vorgänger. Ich weiß nicht ob Mark Knopfler mit dem Album vor allen Dingen in den USA einen „Treffer“ landen wollte, doch viel zu oft hört man auf The Ragpicker’s Dream“ Töne, die deutlich in die Richtung Country driften.

Bestes Beispiel für solch einen Country-Song ist die Nummer „Daddy's Gone To Knoxville“. So etwas mag man irgendwie nicht hören, wenn man Mark Knopfler auflegt und passt dann schon deutlich mehr zu Willie Nelson, als zu dem Briten. Auch „Devil Baby“ und „Quality Shoe“ gehen in diese Richtung. Das klingt dann leider noch nicht mal mehr lustig. Und wenn es schließlich mal bewusst relaxt klingen soll, wie beim etwas bluesigen „Fare Thee Well Northumberland“, hört sich das auch alles andere als überzeugend an.

Gelungen sind der Opener „Why Aye Man“, da nach einigen Malen des Hörens ins Ohr geht. Das getragene „Hill Farmer's Blues“ macht dies ebenfalls und klingt dabei wunderschön sanft und zerbrechlich. Und schließlich gibt es da noch das Titellied „The Ragpicker’s Dream“. Ebenfalls sanft, getragen und eingängig und mit Sicherheit einer der Höhepunkte der Platte – obwohl einen hier die Pedal Steel Guitar auch immer wieder in den Wilden Westen entführen möchte. Nun, das war es dann allerdings leider auch schon. Diese drei letztgenannten Lieder stellen die Höhepunkte der Platte dar, ganz bestimmt jedoch nicht die Höhepunkte im Schaffen des Mark Knopfler. Alles andere auf „The Ragpicker’s Dream“ ist dabei eher langweilig als interessant, irgendwie nicht mehr der Rede wert.

Fazit: Ein ziemlich unauffälliges Album ist die dritte Platte des Mark Knopfler mit dem Titel „The Ragpicker’s Dream“ geworden. Man hört den Briten auf diesem Album schon noch heraus, was allerdings mehr an seinem Gesang liegt, weniger jedoch am Klang seiner doch meist so unverwechselbaren Gitarre. Mit den Dire Straits hat dieses Album nur noch wenig gemein und die Musik driftet stilistisch ganz klar in Richtung Nordamerika, was viele Country-Anleihen immer wieder beweisen. Keine schlechte Platte, aber eine, die man sich zumindest öfters anhören muss, um darauf mehr für sich zu entdecken. Acht Punkte.

Anspieltipps: Why Aye Man, Hill Farmer's Blues, The Ragpicker's Dream



Freitag, 12. August 2016

Pete Townshend – Psychoderelict




Pete Townshend – Psychoderelict


Besetzung (Angaben als „Psychoderelict Family”:

Jeremy Allom
Jon Astley
Richard Barnes
Paul Bonnick
Ian Broudie
Mark Brzezicki
John "Rabbit" Bundrick
Chyna
Allan Corduner
Bruce Davies
Barry Diament Audio
Julie Duff of Anne Henderson Casting
Andrew Eccles
Nick Goderson
Linal Haft
Deirdre Harrison
Steve Hill
Peter Hope-Evans
Icon Communications
Nicola Joss
Kick Horns
Roger Knapp
John Labanowski
Jamie Lane
Dee Lewis
Gavin Lewis
Jody Linscott
Jaz Lochrie
Andy Macpherson
Billy Nicholls
Michael Nicholls
Tessa Niles
Phil Palmer
Josh Phillips-Gorse
Bob Pridden
Jan Ravens
Simon Rogers
Adam Seymour
Paul Stevens
Paul Townshend
Simon Townshend
Nigel Walker
Cleveland Watkiss
Suzy Webb
Lee Whitlock
Paul "Tubbs" Williams
Ian Wilson


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Rock


Trackliste:

1. English Boy (5:07)
2. Meher Baba M3 (3:31)
3. Let's Get Pretentious (3:36)
4. Meher Baba M4 (Signal Box) (2:23)
5. Early Morning Dreams (3:54)
6. I Want That Thing (3:58)
7. Dialogue Introduction To "Outlive The Dinosaur" (0:32)
8. Outlive The Dinosaur (3:24)
9. Flame (Demo Version) (1:07)
10. Now And Then (4:25)
11. I Am Afraid (4:34)
12. Don't Try To Make Me Real (2:59)
13. Dialogue Introduction To "Predictable" (0:34)
14. Predictable (2:16)
15. Flame (2:41)
16. Meher Baba M5 (2:35)
17. Fake It (3:29)
18. Dialogue Introduction To "Now And Then (Reprise)" (0:32)
19. Now and Then (Reprise) (2:57)
20. Baba O' Riley (Demo) (1:20)
21. English Boy (Reprise) (7:04)

Gesamtspielauer: 1:03:12




„Psychoderelict” ist ein Konzeptalbum des Pete Townshend, eine sogenannte Rock Oper, die in Form einer Radiosendung gehalten ist. Gleichzeitig ist die Scheibe aus dem Jahr 1993 auch das letzte Solo-Album, welches Pete Townshend aufgenommen hat. Nun und das ist jetzt immerhin schon 23 Jahre her. Allerdings veröffentlichte Pete Townshend noch Platten zu Ehren seines spirituellen Mentors Meher Baba, der hier auch des Öfteren Erwähnung findet sowie, zusammen mit Roger Daltrey, im Jahr 2006 „Endless Wire“, das elfte The Who Studio-Album.

„Psychoderelict“ war als Nachfolger von „The Iron Man“ gedacht. „Normale“ Solo-Alben wollte Pete Townshend zu dieser Zeit anscheinend nicht mehr veröffentlichen, wieder sollte es eine Art Rock-Oper beziehungsweise Musical werden. Und so ist es auch nicht ganz einfach dieser Scheibe zu folgen, auf der die Musik immer wieder von Dialogen unterbrochen wird. Im Zentrum der Geschichte steht Raymond Highsmith, ein Rockstar der 60iger Jahre, dessen Geschichte hier abschnittsweise erzählt wird. Viele Kritiker sahen in diesem Ray High Pete Townshend persönlich, der hier auch wieder Meher Baba, seiner spirituellen Inspiration huldigt.

Nun, die Scheibe wurde nicht sehr erfolgreich, verkaufte sich überall recht schleppend, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass der Fluss der Musik durch die vielen eingestreuten Dialoge einfach verloren geht. Es ist nicht ganz einfach, sich auf diese Scheibe einzulassen. Das sahen der Künstler und sein Management dann wohl auch so und veröffentlichten eine Version der Platte ohne diese Gesprächsfetzen, die allerdings auch nicht erfolgreicher lief. Das wiederum liegt wohl an dem Umstand, dass das enthaltene Liedmaterial eben alles andere als überzeugend klingt. Man kann „Psychoderelict” zwar anhören, ohne dauernd irgendwelche Tasten auf der Fernbedienung drücken zu müssen, allerdings besonders ins Ohr geht hier nichts. Nur auf die Lieder bezogen zieht die Musik einfach so an einem vorbei, ohne großartige, länger anhaltende Eindrücke zu hinterlassen. Die Musik des Pete Townshend war endgültig im Mittelmaß angekommen.

Fazit: Ein seltsames Album ist „Psychoderelict”, das siebte und bisher letzte Solo-Album – rechnet man die fünf Alben für seinen spirituellen Mentor Meher Baba jetzt mal nicht mit –geworden. Irgendwie wirkt die ganze Scheibe eher wie ein Hörspiel, obwohl natürlich auch hier die Musik im Vordergrund steht. Diese kann allerdings nicht mehr ganz so überzeugen, wie auf den vorherigen Platten des Pete Townshends. Wenn diese Scheibe nicht eine von Pete Townshend wäre, fände sie noch weniger Beachtung. Nur etwas für den ausgewiesenen Fan. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Now And Then, I Am Afraid, Don't Try To Make Me Real



Donnerstag, 11. August 2016

The Killers – Battle Born




The Killers – Battle Born


Besetzung:

Brandon Flowers – lead vocals, synthesizers
Dave Keuning – guitar, background vocals
Mark Stoermer – bass guitar, background vocals
Ronnie Vannucci – drums, percussion, background vocals


Gastmusiker:

Stuart Price – keyboards and programming
Damian Taylor – keyboards and programming
Antoinette Bifulco – backing vocals
Elizaveta Polyanskaya – backing vocals
Chiara DeJesus – backing vocals
Susan Easter – backing vocals
Jenna Tracey – backing vocals
Brian Neau – backing vocals
Jeff Stults – backing vocals
Jonathan Baltera – backing vocals
Kaymen Carter – backing vocals
Bob Tracey – backing vocals
Alissa Fleming – violin
Jennifer Eriksson – violin
Nate Kimball – trombone
Isaac Tubb – trumpet


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Alternative Rock, Pop Rock


Trackliste:

1. Flesh And Bone (4:01)
2. Runaways (4:06)
3. The Way It Was (3:54)
4. Here With Me (4:54)
5. A Matter Of Time (4:13)
6. Deadlines And Commitments (4:24)
7. Miss Atomic Bomb (4:54)
8. The Rising Tide (4:20)
9. Heart Of A Girl (4:36)
10. From Here On Out (2:30)
11. Be Still (4:35)
12. Battle Born (5:13)

Gesamtspieldauer: 51:45




Auch mit ihrem vierten Album, „Battle Born“, blieben sich die Musiker der Killers treu und stellten erneut eine Scheibe zusammen, auf der sich zwölf höchst eingängige Stücke befinden. Veröffentlicht wurde das Album im September 2012 bei Island Records und erklomm erneut, wie die drei vorherigen Studio-Alben, Platz 1 der britischen und irischen Charts. Auch bei den Rezensenten wie bei den Fans in anderen Ländern wurde die Scheibe sehr wohlwollend aufgenommen und wurde sogar bei einer Leserumfrage des Rolling Stone Magazines in den USA zum zweitbesten Album des Jahres 2012 gewählt. Mit den Titeln „Runaways", „Miss Atomic Bomb" sowie „Here With Me" wurden drei Singles veröffentlicht, die sich ebenfalls gut in diversen Hitparaden platzieren konnten.

Was die Band aus Nevada hier allerdings ihren Hörerinnen und Hörern bietet, ist weniger Alternative Rock, sondern sehr viel mehr absolut eingängiger Pop Rock. Beginnt die Platte noch mit Geräuschen, die auf ein Synthie-Pop-Album hinweisen, so geht die Musik dann jedoch schnell in einen sehr melodiösen und das Ohr umschmeichelnden Pop-Rock-Stil über. Und es ist dabei auch nicht weiter verwunderlich, dass The Killers gerade in Großbritannien und Irland so erfolgreich sind, denn die Musik der US-Amerikaner klingt insgesamt „very British“.

Ins Ohr geht bei den Killers im Grunde genommen jeder Titel, wenn die Musik auch nicht sonderlich spektakulär ist oder etwas absolut Besonderes darstellt. Muss sie auch nicht, die Band will unterhalten, nicht mehr und nicht weniger und das gelingt ihr mit „Battle Born“ auch ziemlich gut. Selbst einzelne Lieder herauszupicken fällt schwer, denn alles klingt hier. Vielleicht macht es das an manchen Stellen sogar etwas zu weich und lieblich, sodass man das Genre „Alternative Rock“ wahrlich streichen kann. Der Musik ist das allerdings völlig egal und diese bleibt deswegen auch trotzdem immer hörenswert und unterhaltend.

Fazit: Wer auf gut gemachten Pop-Rock steht, die oder der wird mit „Battle Born“ von den Killers auf das Allerbeste bedient werden. Gut gemachte, melodiöse und eingängig komponierte Lieder gibt es hier zu hören, die allesamt ziemlich schnell ins Ohr gehen. Wer etwas Kompliziertes oder aber Anspruchsvolles erwartet, dürfte freilich etwas enttäuscht werden. Doch wer erwartet das schon bei einem Album der Killers? Neun Punkte.

Anspieltipps: Runaways, Miss Atomic Bomb, Battle Born



Mittwoch, 10. August 2016

The Doors – The Best Of The Doors




The Doors – The Best Of The Doors


Besetzung:

John Densmore – drums
Robby Krieger – guitar
Ray Manzarek – organ, piano, keyboards, bass
Jim Morrison – vocals


Gastmusiker:

Douglass Lubahn – occasional bass guitar on the tracks that came from "Strange Days" & "Waiting for the Sun" except disc 2, track 7
Jerry Scheff – occasional bass guitar on the "L.A. Woman" tracks
Ray Neapolitan – bass guitar on disc 1, track 9
Lonnie Mack – bass guitar on disc 2, track 2
John Sebastian – harmonica on disc 2, track 2 (credited as "G. Puglese")
Harvey Brooks – bass guitar on disc 2, track 5
Paul Harris – orchestral arrangements on disc 2, track 5
Curtis Amy – saxophoneosolon disc 2, track 5
Marc Benno – additional guitar on disc 2, track 3
Kerry Magness – bass guitar on disc 2, track 7
Leroy Vinnegar – acoustic bass on disc 2, track 10
Larry Knechtel – bass guitar on disc 1, track 2


Label: Elektra


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Psychedelic Rock, Acid Rock, Blues Rock, Rock


Trackliste:

CD1:

1. Break On Through (To The Other Side) (von "The Doors", 1967) (2:27)
2. Light My Fire (von "The Doors", 1967) (7:06)
3. The Crystal Ship (von "The Doors", 1967) (2:33)
4. People Are Strange (von "Strange Days", 1967) (2:11)
5. Strange Days (von "Strange Days", 1967) (3:07)
6. Love Me Two Times (von "Strange Days", 1967) (3:16)
7. Alabama Song (Whisky Bar) (von "The Doors", 1967) (3:20)
8. Five To One (von "Waiting For The Sun", 1968) (4:26)
9. Waiting For The Sun (von "Morrison Hotel", 1970) (3:59)
10. Spanish Caravan (von "Waiting For The Sun", 1968) (2:58)
11. When the Music's Over (von "Strange Days", 1967) (10:56)


CD2:

1. Hello, I Love You (von "Waiting For The Sun", 1968) (2:14)
2. Roadhouse Blues (von "Morrison Hotel", 1970) (4:03)
3. L.A. Woman (von "L.A. Woman", 1971) (7:49)
4. Riders On The Storm (von "L.A. Woman", 1971) (7:11)
5. Touch Me (von "The Soft Parade" 1969) (3:12)
6. Love Her Madly (von "L.A. Woman", 1971) (3:17)
7. The Unknown Soldier (von "Waiting For The Sun", 1968) (3:23)
8. The End (von "The Doors", 1967) (11:42)

Gesamtspieldauer CD1 (46:22) & CD2 (42:54): 1:29:16




„The Best Of The Doors“ erschien im November des Jahres 1985 auf dem Label Elektra. Auf diesem Kompilationsalbum sind alle sechs Alben vertreten, die zusammen mit Jimmy Morrison aufgenommen wurden. Über die Musik muss ich mich hier nicht sonderlich auslassen, das lässt sich gut auf diesen Seiten bei den einzelnen Studioalben nachlesen. Über die Zusammenstellung dieses Doppelalbums lässt sich, wie immer bei „Best Of…“-Scheiben, jedoch natürlich trefflich streiten, die wichtigsten Nummern in der Bandkarriere sind aber wohl vertreten. Ob sich allerdings auch das jeweilige Lieblingslied der Hörerin beziehungsweise des Hörers unter den neunzehn Titeln befindet, kann nur sie oder er entscheiden.

Die Musik ist über jeden Zweifel erhaben, größtenteils wahrlich beeindruckend. Trotzdem benötigt man diese Platte sicherlich nicht, wenn man die Alben bereits besitzt, da die Lieder hier 1:1, ohne jegliche Variation wiedergegeben werden. Dieses Kompilationsalbum ist also für all jene gedacht, die sich mal einen Überblick über die Musik der Doors machen möchten. Dass dieser bei lediglich neunzehn Titeln aus sechs verschiedenen Alben jedoch nicht komplett sein kann, sollte dabei keineswegs verwundern.

Fazit: Kein Album für Fans, sondern nur für Menschen, die die Musik der Doors noch nicht kennen und erst mal hineinschnuppern möchten, in den Kosmos dieser so genialen Band. Rock Musik, die auch knapp 50 Jahre nach ihrer Entstehung immer noch modern klingt und nichts von ihrem Reiz und ihrer Ausstrahlung verloren hat. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: The End und der ganze Rest



Dienstag, 9. August 2016

The Nits – Hat




The Nits – Hat


Besetzung:

Henk Hofstede – vocals, guitar
Rob Kloet – drums
Robert Jan Stips – keyboards
Joke Geraets – double bass


Label: CBS Records


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: Pop, Avantgarde


Trackliste:

1. The Train (4:08)
2. Blue (4:04)
3. The Dream (4:20)
4. The Bauhaus Chair (2:43)
5. The Hat (4:29)
6. The House (3:50)

Gesamtspieldauer: 23:34




Die im Jahr 1988 veröffentlichte EP der niederländischen Band The Nits mit dem Namen „Hat“, hält einige sehr typische Titel für die Musik der Nits parat. Allerdings ist es eher die Pop-Schiene, die dieses Mal für deren Hörerinnen und Hörer bedient wird, sehr viel weniger der avantgardistische Ansatz, der auch regelmäßig auf den Studioalben der Band enthalten ist.

Man hört auf „Hat“ sechs mehr oder wenige eingängige Pop-Nummern, wobei hier besonders das auch als Single veröffentlichte „The Train“ sowie die Nummer „The Bauhaus Chair“ überzeugen können. Die Titel auf „Hat“ können jedoch alle durchaus überzeugen, lassen sich eindeutig der Musik der Nits zuordnen und stellen dadurch eine ganz nette Erweiterung in der Diskographie der Band dar.

Die Mini-LP wurde auf CD wiederveröffentlicht und um zwei Titel erweitert. Da es sich dabei allerdings um Material handelt, was bereits auf der EP vorhanden war („The Dream“ und „The Train“) und dies nur in einer alternativen Version wiedergegeben wird, macht das dieses kurze Album keineswegs kaufenswerter und bedeutet auch keinen Mehrwert.

Fazit: Diese kurze EP, die auch noch jede Menge kostet, ist wohl nur eher was für den ganz großen The Nits Fan. Man hört darauf The Nits-typische Klänge, die eher die Pop-Richtung der Band bedienen und sehr eingängig sein. Die Musik auf „Hat“ ist zwar durchaus hörenswert, jedoch nur sehr kurz und lohnt die teure Anschaffung kaum. Acht Punkte.

Anspieltipps: The Train, The Bauhaus Chair



Montag, 8. August 2016

Willard Grant Conspiracy – Pilgrim Road




Willard Grant Conspiracy – Pilgrim Road


Besetzung:

Malcom Lindsay – piano, acoustic and electric guitar, vocals, pump organ and assorted keyboards, choir
Robert Fisher – vocals
Josh Hillman – violin and viola
Dennis Cronin – trumpet and vibraphonette
Chris Eckman – Persephone on “Miracle On 8th Street”
David Michael Curry – viola soundscape and singing saw on “Painter Blue”
Eric Van Loo – double bass
Stuart Duffin – fretless electric upright bass on “Miracle On 8th Street”, jerusalem church bells and street sounds
Pete Sutton – fender precision bass on “Miracle On 8th Street”
Paul Tasker – slide guitar on “Great Deceiver”
Iona McDonald – vocals on “The Pugilist” and “Great Deceiver”
Rachel Morley – vocals on “Lost Hours”, choir
Tom King – percussion
Jackie Leven – acoustic guitar, wind whispering and vocals
Avram Gleitsman – background vocals on “Phoebe”
George Murray – trombone
Robert Irvine – cello
Mark Halliday – choir
Mary Halliday – choir
Simon Halliday – choir
Melanie Sims – patience, hospitality and good ears


Label: Glitterhouse Records


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Folk, Americana, Alternative Country


Trackliste:

1. Lost Hours (3:13)
2. The Great Deceiver (3:46)
3. Jerusalem Bells (3:45)
4. The Pugilist (2:51)
5. Phoebe (3:09)
6. Miracle On 8th Street (6:02)
7. Painter Blue (5:26)
8. Malpensa (4:28)
9. Water And Roses (3:21)
10. Vespers (2:58)
11. The Great Deceiver Reprise (1:17)

Gesamtspieldauer: 40:21




Die Musik von Willard Grant Conspiracy ist schon eine ganz besondere Musik. So auch auf dem inzwischen schon achten Studioalbum dieses Musikprojekts um den Sänger und Gitarristen Robert Fisher, der auf „Pilgrim Road“ allerdings nur als Sänger zu hören ist. „Pilgrim Road“ wurde im Jahr 2008 auf dem Label Glitterhouse Records veröffentlicht und bietet der Hörerin beziehungsweise dem Hörer elf Kompositionen, für die sich erneut jener Robert Fisher verantwortlich zeigt. Für die Umsetzung seiner Ideen, konnte er wieder einige Musikkollegen gewinnen.

Der Stimmung der Musik auf „Pilgrim Road“ ist eine sehr ruhige, zurückhaltende, mitunter fast schon zerbrechlich wirkende. Alles klingt sanft und ein klein wenig nachdenklich. Der Stil bewegt sich zwischen Folk und Americana. Insgesamt wird die musikalische Ausrichtung von Willard Grant Conspiracy auch immer mit Alternative Country in Verbindung gebracht, jedoch sind irgendwelche, nach Country klingende Klänge auf „Pilgrim Road“ nicht auszumachen. Sehr viel eher kommt man manchmal fast schon in den Bereich des Kammer-Pop, wenn wie beim Titel „Jerusalem Bells“ Streicher, Piano und eine sehnsüchtig dahinschmelzende Trompete in den Vordergrund gerückt werden.

Die Musik auf „Pilgrim Road“ klingt, wie bereits erwähnt, sanft und ist dabei zu jeder Zeit, mit jedem Akkord und Takt, sehr eingängig und melodiös. Am schönsten ausgeprägt ist dies bei dem überragenden Titel „Painter Blue“, der einmal mehr beweist, wie wunderschön auch moderne Musik klingen kann. Gehaucht wirkt hier die Musik, absolut zart, für so manchen Rocker vielleicht sogar zu leicht und sanft. Doch gerade solch ein Lied wie „Painter Blue“, so sanft und dann immer wieder anschwellend, dabei fast schon lieblich klingend, ohne sich aufgesetzt oder schmalzig anzuhören, gerade solch ein Titel ist es, der am Ende hängenbleibt und auf den man sich freut – immer wieder, wenn er beginnt.

Fazit: Sanfte Musik mit vielen Streichern und auch Bläsern bieten Willard Grant Conspiracy ihren Hörerinnen und Hörern. Stilistisch bewegt sich die Musik dabei im Umfeld von Folk und Americana. Alle diejenigen Musikliebhaber, die das Zarte in der Musik mögen, dürften von dieser Scheibe begeistert sein. Die einzelnen Lieder enthalten viele schöne Melodien und lediglich der absolute Rocker dürfte mit der Zerbrechlichkeit, der auf „Pilgrim Road“ vorherrschenden Atmosphäre seine Schwierigkeit haben. Für alle anderen ist das Album absolut empfehlenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Jerusalem Bells, Painter Blue