Freitag, 19. Juli 2013

Syd Barrett – Barrett




Syd Barrett – Barrett


Besetzung:

Syd Barrett – guitars, vocals


Gastmusiker:

David Gilmour – bass
Richard Wright – organ, piano, harmonium
Jerry Shirley – drums


Label: EMI / Harvest


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Baby Lemonade (4:12)
2. Love Song (3:06)
3. Dominoes (4:09)
4. It Is Obvious (3:00)
5. Rats (3:02)
6. Maisie (2:52)
7. Gigolo Aunt (5:47)
8. Waving My Arms In The Air (2:07)
9. I Never Lied To You (1:52)
10. Wined And Dined (2:59)
11. Wolfpack (3:42)
12. Effervescing Elephant (1:55)


Bonus Tracks:

13. Baby Lemonade (Take 1) (3:47)
14. Waving My Arms In The Air (Take 1) (2:13)
15. I Never Lied To You (Take 1) (1:48)
16. Love Song (Take 1) (2:32)
17. Dominoes (Take 1) (0:41)
18. Dominoes (Take 2) (2:36)
19. It Is Obvious (Take 2) (3:51)

Gesamtspieldauer: 56:12




Noch im selben Jahr wie das überaus abgefahrene und sehr gewöhnungsbedürftige erste Solo-Album Syd Barretts „The Madcap Laughs“, wurde 1970 auch sein zweites und bereits letztes offizielles Werk unter dem Titel „Barrett“ veröffentlicht. Erneut unterstützen ihn dabei mit David Gilmour und Rick Wright zwei ehemalige Kollegen von Pink Floyd.

„Barrett“ klingt eindeutig besser als noch der Vorgänger. Die Songs haben größtenteils eine nachvollziehbare Struktur und auch die Verspieler im Gitarrenspiel des Syd Barrett sind hier deutlich weniger auszumachen, als noch auf dem Vorgänger. Dazu wirken die Songs voller, da Rick Wright und David Gilmour dieses Mal die Musik nicht sich selbst überlassen, sondern durchgängig an den Keyboards und am Bass zu hören sind, was die Lieder deutlich an Fülle gewinnen lässt.

Zudem wirkt auch das Songmaterial hier sehr viel ausgereifter als noch auf „The Macap Laughs“, sodass man sich mitunter an der einen oder anderen Stelle sogar an das Debut von Pink Floyd „The Piper At The Gates Of Dawn“ erinnert fühlt. Dies ist vor allem bei den ersten Titeln auf „Barrett“ der Fall, bei denen das Talent als Songschreiber noch mal deutlich zu Tage tritt.

Zwar gibt es auf dem Album auch noch die schrägeren Töne oder die überraschenden Enden der Lieder, bei denen Syd Barrett anscheinend keine Lust mehr hatte, aber insgesamt wirkt das Album deutlich geschlossener, eingängiger und auch hörenswerter als noch der Vorgänger, der lediglich zehn Monate zuvor veröffentlicht worden war.

Fazit: Ein bisschen Pink Floyd der frühen Tage, ein wenig Blues und ein paar abgefahrene und schräge Töne, all das gibt es auf „Barrett“ zu hören. Sicherlich ist dieses Album ebenfalls nur etwas für eingefleischte Pink Floyd Fans, die auch die „Seitenarme“ ihrer Band kennen möchten. Trotzdem gibt es auf „Barrett“ einige schöne Titel, die das Album hörenswert machen und sehr viel eingängiger, als noch das Erstlingswerk des Musikers Syd Barrett. Acht Punkte.

Anspieltipps: Baby Lemonade, Love Song, Dominoes, Effervescing Elephant





Donnerstag, 18. Juli 2013

Curved Air – Lovechild




Curved Air – Lovechild


Besetzung:

Sonja Kristina – acoustic guitar, vocals
Florian Pilkington-Miksa – drums
Eddie Jobson – keyboards, electric violin
Mike Wedgewood – bass guitar
Jim Russell – drums


Gastmusiker:

John O’Hara – keyboards on “Exsultate Jubilate”


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Exsultate Jubilate (0:44)
2. Lovechild (4:53)
3. Seasons (8:41)
4. The Flasher (4:10)
5. Joan (1:24)
6. The Dancer (3:56)
7. The Widow (3:50)
8. Paris By Night (6:43)

Gesamtspieldauer: 34:21




1973 aufgenommen wurde „Lovechild“ von Curved Air erst 1990 veröffentlicht. Man fragt sich warum, denn das Songmaterial, welches es auf der Platte zu hören gibt, ist um Klassen besser, als jenes, was auf den letzten beiden Studio-Alben „Midnight Wire“ und „Airborne“ zu vernehmen war. Hier auf „Lovechild“ gibt es sie wieder die schönen und intelligenten und überraschenden Melodien. Lieder, die ein Album überaus lohnens- und hörenswert werden lassen.

Nach einem kurzen klassischen Aufgalopp mit „Exsultate Jubilate“ folgt der Titelsong des Albums. Ein richtig gutes Rock-Lied, bei dem die Violine Eddie Jobsons sehr gut zur Geltung kommt. Klar ist das nur noch höchstens am Rande progressiver Rock, allerdings sehr gut gemachte und eingängige Rock-Musik. Mit „Seasons“ folgt dann sogleich ein Titel, der im Schaffen der von Curved Air durchaus einen Höhepunkt darstellt. Dieses Mal gibt es jetzt kammermusikartigen Rock auf die Ohren, spannend und packend und stark von der Violine dominiert.

„Joan“ ist eine kurze aber fesselnde Piano-Nummer bei der der Begriff „perlendes“ Piano wirklich sehr gut passt. „The Dancer“ klingt sehr poppig und eingängig, ein Stück, welches ebenfalls einen gewissen Wiedererkennungswert besitzt. Selbiges lässt sich auch für „Paris By Night“ festhalten. Die pianodominierte Instrumentalnummer klingt zwar ein klein wenig monoton, hat aber was. Etwas, was dieses Lied zu einem ganz entspannten und unaufgeregten Titel werden lässt.

Fazit: Diese Veröffentlichung, die 17 Jahre vorher entstand, ist nochmal richtig gut gelungen und passt von der Art her perfekt zwischen die beiden Alben „Phantasmagoria“ und „Air Cut“. Schöne Instrumentalstücke gibt es hier zu hören, genau wie gelungene Pop-Songs neben Titeln, die das Label „Progressive Rock“ noch verdienen. Richtige Ausfälle kommen auf der Platte auch nicht vor, sodass „Lovechild“ durchaus eine lohnende Investition darstellt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Lovechild, Seasons, Joan, The Dancer, Paris By Night




Mittwoch, 17. Juli 2013

Blue October – Consent To Treatment




Blue October – Consent To Treatment


Besetzung:

Justin Furstenfeld – vocals, stunt guitars, rhythm, feedback, headtrips, paranoia, moodwings
Ryan Delahoussaye – violin, mandolin, backing vocals, wizard, ocd
Jeremy Furstenfeld – drums, percussion, the tuba, self medicated
Matt Noveskey – bass, electric and acoustic guitars, backing vocals, mirrors, a.d.d.
Brant Coulter – guitars, e-bow, omnipotence, scotch


Gastmusiker:

Jamie Muhoberac – keyboards
Jane Scarpantoni – cello
Richard Dodo – additional cello
Eric Gorfain – additional violin on “Drop” and “The Answer”
George Winston – piano on “The Answer”
Ryan Smith – backing vocals on “The Answer” and “Balance Beam”


Label: Universal Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Rock, Pop, Alternative


Trackliste:

1. Retarded Disfigured Clown (0:43)
2. Independently Happy (4:55)
3. James (4:30)
4. HRSA (3:34)
5. Breakfast After 10 (4:29)
6. Balance Beam (3:50)
7. Holler (3:23)
8. Schizophrenia (3:55)
9. Drop (4:36)
10. Conversation Via Radio (Do You Ever Wonder) (4:03)
11. Angel (5:05)
12. Libby I'm Listening (3:32)
13. Amnesia (3:55)
14. The Answer (6:12)

Gesamtspieldauer: 56:41




„Consent To Treatment“ nannte die texanische Alternative Band „Blue October“ ihr zweites Album, welches im Jahr 2000 erschien. Und es wird ordentlich gerockt auf dieser Scheibe, die dabei allerdings überaus abwechslungsreich ist und einige wirklich tolle Lieder für den Hörer parat hält.

Sänger und Songschreiber Justin Furstenfeld hatte zu dieser Zeit immer wieder mit Depressionen zu kämpfen, was man nicht nur der, nennen wir sie mal sehr „kreativen“ Instrumentenangabe entnehmen kann. Auch in den einzelnen Songs spiegeln sich seine Befürchtungen und Ängste immer mal wieder. Dabei ist jedoch alles sehr melodisch und harmonisch gehalten. Die Violine findet öfters ihren Einsatz und die Titel wirken und hinterlassen Eindruck. Sehr einprägsam ist das Ganze gestaltet und wenn Justin Furstenfeld beim Lied „Schizophrenia“ zum Beispiel „I cry, I cry, I cry“ singt, dann glaubt man ihm das auch auf’s Wort.

Das ganze Album wird zudem mit dieser Thematik eingeleitet. Das erste „Lied“ stellt nämlich kein Lied im eigentlichen Sinne dar, sondern ist eher eine Einführung in das Album, die mit den Worten „Learning to love life by living through loss and mistakes…“ beginnt. So wirken die Songs, wenn sie auch manches Mal etwas kraftvoller klingen, doch stets sehr melancholisch und nachdenklich. Das macht das Album spannend und zu keiner 08/15-Platte, sondern zu einem schönen Stück Musik.

Fazit: All das, was auf „Consent To Treatment“ zu hören ist, wirkt. Dazu gesellen sich Texte, die sich häufig mit der Psyche des Menschen - oder wohl besser mit der Psyche des Justin Furstenfeld auseinandersetzen. Dazu ist jeder Titel eingängig und harmonisch und für den letzten, wirklich sehr träumerischen Titel „The Answer“, der übrigens in einer anderen Version bereits auf dem Debut-Album zu finden ist, konnte Justin Furstenfeld sogar George Winston am Piano gewinnen (auch wenn dieser dort kaum wahrzunehmen ist). Eine schöne Platte. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Independently Happy, Schizophrenia, The Answer






Dienstag, 16. Juli 2013

Golden Earring – The Hole




Golden Earring – The Hole


Besetzung:

George Kooymans – lead guitar, vocals
Barry Hay – vocals
Rinus Gerritsen – bass, keyboards
Cesar Zuiderwijk – drums


Gastmusiker:

Robert Jan Stips – keyboards
Lisa Boray – backing vocals
Loa Boray – backing vocals
Wim Both – trumpet
Dionys Breukers – keyboards
Piet Dolder – trombone
Peter Kuyt – trumpet
Julya Lo'Ko – backing vocals
Patty Paff – backing vocals
Rudi Van Dijk – saxophone


Label: 21 Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Rock


Trackliste:

1. They Dance (5:10)
2. Quiet Eyes (4:04)
3. Save The Best For Later (5:14)
4. Have A Heart (3:59)
5. Love In Motion (3:45)
6. Jane Jane (4:55)
7. Jump And Run (5:53)
8. Why Do I (4:45)
9. A Shout In The Dark (5:33)

Gesamtspieldauer: 43:17




Das bereits achtzehnte Studio-Album Golden Earrings wurde 1986 veröffentlicht und trägt den Titel „The Hole“. Und dieses Album war wieder ein Schritt in die richtige Richtung, denn auf „The Hole“ hört man kraftvollen Rock, der durchaus immer wieder überzeugen kann. Dazu trägt nicht zuletzt auch das erweiterte Spektrum in der Instrumentierung bei. Background-Sängerinnen und Bläser bewirken auf „The Hole“ in einzelnen Titeln eine ganze Menge, sodass dieses Album wieder deutlich abwechslungsreicher geworden ist.

Vieles rockt auf „The Hole“ und zumindest die ersten vier Titel machen das auch sehr überzeugend. Guter eingängiger Rock, aufgelockert durch die oben schon erwähnte Instrumentierung. Auch die Melodien sind wieder eingängiger geworden, als das noch auf dem Vorgänger der Fall war.

Dann wird es leider wieder ein wenig schlechter, was nicht nur an diesen stinklangweiligen Liebestexten liegt. Aber „Love In Motion“ und „Jane Jane“ sind deutlich weniger eingängig, wirken auf ihre Art langweilig und „Jane Jane“ ist dabei sogar überaus gewöhnungsbedürftig. Mit „Why Do I“ als vorletztem Titel, folgt dann allerdings erneut eine schöne Nummer, die dieses Mal im Mid-Tempo gehalten wurde. Das Stück ist eingängig und hat einen guten Groove. Nicht viel schlechter ist das abschließende „A Shout In The Dark“. Die Melodien und Rhythmen zünden auch hier wieder besser als noch auf vielen Liedern der Vorgänger-Alben.

Fazit: Nein, „The Hole“ ist kein „Über-Album“ geworden, aber es ist zumindest eine Platte, die endlich auch mal wieder mit Melodiösität punkten kann. Die Musik ist durchaus rockig, sodass auch Freunde der „härteren“ Gangart gefallen an dieser Scheibe finden könnten. Zwar insgesamt auch nur Durchschnitt, aber das war bei Golden Earring ja auch nicht immer so. Sieben Punkte.

Anspieltipps: They Dance, Quiet Eyes, Why Do I





Montag, 15. Juli 2013

Aerosmith – Pump




Aerosmith – Pump


Besetzung:

Steven Tyler – lead vocals, keyboards and harmonica
Joe Perry – guitars
Tom Hamilton – electric bass
Brad Whitford – guitars
Joey Kramer – drums


Label: Geffen Records


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Rock


Trackliste:

1. Young Lust (4:19)
2. F.I.N.E. (4:10)
3. Love In An Elevator (5:39)
4. Monkey On My Back (3:57)
5. Janie's Got A Gun (5:33)
6. The Other Side (4:57)
7. My Girl (3:10)
8. Don't Get Mad, Get Even (4:50)
9. Voodoo Medicine Man (4:39)
10. What It Takes (6:29)

Gesamtspieldauer: 47:43




Manches Mal kauft man sich eine Platte wegen eines einzelnen Liedes. 1989 war das bei mir der Fall: „Janie’s Got a Gun“ von Aerosmith hatte es mir angetan. Jetzt könnte man sagen, dass es damals doch bestimmt auch schon Singles gab, die sich doch eher gelohnt hätten, wenn es nur um ein einziges Lied ging. Stimmt, die gab es. Die kosteten aber sechs Mark und das ganze Album war für weniger als das Doppelte zu haben. Na da fiel die Entscheidung natürlich leicht, zumal sich ja auch auf den restlichen Titeln noch etwas verstecken hätte können, was die Investition noch lohnenswerter gemacht hätte. Heutzutage lädt man sich ein einzelnes Lied aus dem Internet. Mache ich aber auch heute noch nicht. Ich möchte das, was ich da erworben habe, auch physisch in Händen halten, im Booklet etwas nachlesen und mir das Ganze in den Schrank stellen können. Ich weiß, damit bin ich wahrscheinlich eine ausstrebende Spezies, aber zumindest die Plattenindustrie freut sich. Meine Frau allerdings weniger, denn die nerven die vielen herumliegenden CD’s und Platten dann schon, wenn ich sie eben mal nicht einsortiert habe.

Nun, auf „Pump“ von Aerosmith befindet sich, neben dem bereits erwähnten Titel, noch ein recht bekannter Song: „Love In An Elevator“. Langweilt mich allerdings, ist mir zu mainstreammäßig, zu angepasst und ohne jegliche Ecken und Kanten. Das ist ein Lied der Sorte, die man drei Mal gehört hat und es dann nicht mehr hören will, weil man es jetzt schon überhört hat. Das geht manchmal wirklich ganz schnell. Was ich noch ganz interessant finde ist der Beginn zu „The Other Side“. Das ist etwas anderes auf diesem Album, eine Abwechslung. Das klingt in meinen Ohren gut mit dieser Gitarre und diesem panflötenartigen Geräusch. Na und dann gibt es eben den Song „Janie’s Got A Gun“. Neben „Dream On“ meiner Meinung nach das Beste, was Aerosmith jemals geschrieben hat. Das Lied groovt, das Lied wirkt, das Lied rockt und zwar alles gleichzeitig. Der Kauf der Platte war also eine gute Investition, die ich niemals bereut habe. „Janie’s Got a Gun“ sollte man als Musikfreund wahrlich mal gehört haben.

Fazit: Dieser ganze Blues-Rock, der mainstreammäßig aus den Boxen dröhnt langweilt mich bei Aerosmith. Die wenigen Perlen, die diese Band um Steven Tyler allerdings produzierte, sind es echt Wert, dafür mal ein Ohr zu riskieren. Nun, jetzt sind da zehn Titel auf der Platte. Ein ganz toller, zwei so lala und der Rest, der packt einen dann schon deutlich weniger. Ein bisschen zu wenig für eine besseree Bewertung, deshalb gibt es für „Pump“ auch nur sechs Punkte.

Anspieltipps: Janie's Got A Gun, The Other Side, Voodoo Medicine Man





Sonntag, 14. Juli 2013

Madonna – Music




Madonna – Music


Besetzung:

Madonna – vocals, guitar


Gastmusiker:

Steve Sidelnyk – drums
Guy Sigsworth – guitar, keyboard, programming
William Orbit – keyboard, guitar, programming, backing vocals
Mirwais Ahmadzaï – keyboard, guitar, programming
Michel Colombier – string arrangement


Label: Warner Brothers Records Inc.


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Synthie-Pop


Trackliste:

1. Music (3:45)
2. Impressive Instant (3:38)
3. Runaway Lover (4:47)
4. I Deserve It (4:24)
5. Amazing (3:43)
6. Nobody's Perfect (4:59)
7. Don't Tell Me (4:40)
8. What It Feels Like For A Girl (4:44)
9. Paradise (Not For Me) (6:34)
10. Gone (3:29)
11. American Pie (4:36)

Gesamtspieldauer: 49:19




„Was haben Sie da gemacht Frau Madonna Louise Ciccone? Und warum haben Sie das gemacht?“ So oder so ähnlich möchte man an Madonna seine Fragen richten, wenn man die ersten drei Titel auf „Music“ hört. Zurück zum Synthie-Pop, wo doch „Ray Of Light“ so überaus gelungen war. Aber jetzt, auf dem achten Album der US-Amerikanerin, geht das wieder los? Leider ja – allerdings nur bei den ersten drei Titeln. Grottenschlechter Synthie-Pop, der dann mit der wunderschönen Ballade „I Deserve It“ spektakulär ausgebremst wird. Eigentlich passt das ja gar nicht zusammen, was man da alles für unterschiedliche Musik-Genres zu hören bekommt. Die Titel 1-3 sind so diametral anders als Lied Nummer 4, obwohl man auch hier mitunter eigentümliche Synthie-Klänge kredenzt bekommt. Doch diese halten sich glücklicherweise im Hintergrund und konzentrieren sich vor allem auf das Ende des Stücks.

Und wie geht es weiter? „Amazing“ poppt, ein fröhlicher und etwas langweiliger Pop-Song. „Nobody's Perfect“ ist eine sehr ruhige Nummer, hier singt Madonna allerdings mit einer unterirdischen Computerstimme. Ansonsten ist das Lied sogar einigermaßen eingängig. „Don’t Tell Me“ hat eine schöne Melodie und beginnt toll mit akustischer Gitarre und „What It Feels Like For A Girl“ würde ich auch gerne wissen, das Lied ist allerdings hauptsächlich wieder im Synthie-Pop-Stil gehalten. „Paradise (Not For Me)“ ist im Anschluss daran erneut eine ruhige Nummer, nur leider wieder mit einer so unangenehm verfremdeten Computerstimme. Hier singt Madonna allerdings auch auf Französisch und das klingt gar nicht mal schlecht. „Gone“ hört sich im Anschluss daran fast wie eine Folk-Nummer an und ist richtig gut gelungen. „American Pie“ schließlich, kennt wohl jeder ursprünglich in der Version vom Komponisten Don McLean selbst. Aber auch diese Interpretation hier von Madonna hat was.

Fazit: „Music“ ist ein Album, welches mich ein wenig ratlos zurücklässt. Da gibt es wirklich tolle Lieder zu hören - allerdings auch Stücke, bei denen ich den unbedingten Drang verspüre, sofort den Raum verlassen zu müssen. „Music“ ist nicht mehr ganz so gut wie „Ray Of Light“ geworden, durch seine Höhepunkte aber immer noch sehr hörenswert. Nicht umsonst gab es ja diesen pfiffigen Erfinder der Infrarot-Fernbedienung, der uns von dem erlöst, mit dem man so gar nichts anfangen kann. Und mit seiner Erfindung gelangt man auch ganz bequem zu den lohnenswerten Stellen des Albums. Acht Punkte.

Anspieltipps: I Deserve It, Don't Tell Me, Gone, American Pie





Samstag, 13. Juli 2013

Red Hot Chili Peppers – Californication




Red Hot Chili Peppers – Californication


Besetzung:

Flea – bass, backing vocals
John Frusciante – lead guitar, backing vocals, keyboards
Anthony Kiedis – lead vocals
Chad Smith – drums, percussion


Gastmusiker:

Greg Kurstin – keyboards
Patrick Warren – chamberlin organ on "Road Trippin'"


Label: Warner Bros. Records


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Alternative Rock, Funk Rock


Trackliste:

1. Around The World (3:59)
2. Parallel Universe (4:30)
3. Scar Tissue (3:38)
4. Otherside (4:16)
5. Get On Top (3:18)
6. Californication (5:22)
7. Easily (3:51)
8. Porcelain (2:44)
9. Emit Remmus (4:00)
10. I Like Dirt (2:38)
11. This Velvet Glove (3:45)
12. Savior (4:53)
13. Purple Stain (4:13)
14. Right On Time (1:53)
15. Road Trippin' (3:26)

Gesamtspieldauer: 56:24




Weg vom Funk Rock hin zu sehr viel eingängigeren Melodien und Harmonien - so könnte man die Musik auf dem siebten Album der US-Amerikaner kurz beschreiben. Auf „Californication“ gibt es jede Menge schöne Melodien zu lauschen, mitunter mitreißenden Rock zu genießen und nur noch wenig Funk- beziehungsweise HipHop-Rock. Den hört man noch in den Titeln „Get On Top“, „I Like Dirt“ und „Purple Stain“. Sehr viel mehr ist bis auf wenige kurze Ansätze von diesem Musik-Genre nicht übrig geblieben in der Musik der Red Hot Chili Peppers.


„Around The World“ geht in der Strophe noch in die musikalische Richtung Funk Rock, wird dann allerdings mit einem überaus harmonischen Refrain sehr viel eingängiger gestaltet. Das erzeugt durchaus positive Spannung und macht den Song noch ein wenig interessanter. Die Platte ist in ihrem Ganzen überaus gelungen und weiß immer wieder mitzureißen. Höhepunkt sicherlich auch der Titeltrack „Californication“, eine Nummer, die das gewisse Etwas besitzt, was einen sehr guten Song von einem guten unterscheidet. Hier passt einfach alles, der Rhythmus, die Melodie, der Groove und auch der Text ist klasse gelungen. Lohnenswert ist dabei zusätzlich das hierzu veröffentlichte Video.


Immer wieder gibt es auf dieser Platte klasse Songs zu hören, die mal harter und treibender sind, ein anders Mal im Mid-Tempo gehalten werden. Meist sind die Titel dabei sehr eingängig und benötigen nur wenige Durchläufe, um sich im Ohr des Hörers festsetzen zu können. Noch mal ganz anders klingen die Red Hot Chili Peppers am Ende des Albums. „Road Trippin'“ ist eine akustische Nummer mit Gitarre, Bass und Gesang. Noch mal ein Stück melodiöser, irgendwie ein klein wenig schwebend. Und wenn dann noch das Cello und die Streicher einsetzen, dann schlägt das Herz des Harmonien-liebenden-Musikhörers deutlich höher.


Fazit: Ein sehr abwechslungsreiches und eingängiges Album ist den Red Hot Chili Peppers da gelungen. Ganz sicherlich hat dieses Album der Band neue Hörerschaften erschlossen, denn es beinhaltet sehr viele radiotauglichere Songs, als das noch auf vielen vorherigen Veröffentlichungen der Fall war. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Band hier mainstreammäßig unterwegs ist. Die Musik ist eindeutig als die der Red Hot Chili Peppers zu erkennen, nur eben meist noch einen Tick melodiöser. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Around The World, Californication, Savior, Road Trippin'





Freitag, 12. Juli 2013

New Model Army – The Ghost Of Cain




New Model Army – The Ghost Of Cain


Besetzung:

Justin Sullivan – vocals, guitar
Robert Heaton – drums
Jason 'Moose' Harris – bass



Gastmusiker:

Mark Feltham – harmonica on "Poison Street" and "Ballad"


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Rock; Post Punk


Trackliste:

1. The Hunt (4:12)
2. Lights Go On (3:59)
3. 51st State (2:38)
4. All Of This (3:33)
5. Poison Street (3:07)
6. Western Dream (3:54)
7. Lovesongs (3:04)
8. Heroes (4:06)
9. Ballad (3:58)
10. Master Race (3:01)

Gesamtspieldauer: 35:31




„The Ghost Of Cain“ heißt das dritte Album der Engländer von New Model Army und stellte so etwas wie den Durchbruch der Band dar, was nicht zuletzt an dem Song „51st State“ lag. 1986 veröffentlicht, können die drei Musiker hier auf dieser Scheibe ihre Wurzeln im Punk allerdings noch nicht verleugnen. Viele der Titel klingen noch sehr nach dem Genre Punk und richtig „ruhige“ Titel gibt es auf „The Ghost Of Cain“ nur ganz vereinzelt. Meist rockt es, mal eben etwas punkiger, mal etwas weniger, der Rock steht aber auf jeden Fall an erster Stelle. Einzige richtige Ausnahme ist da, nomen est omen, der Titel „Ballad“ mit sehr viel Mundharmonika versehen und nur sehr zurückhaltend eingesetzter Gitarre.

Neben dem Titel „51st State“, den man einfach kennen sollte, sonst hätte man wahrlich etwas verpasst, ist auch die darauffolgende Nummer „All Of This“ klasse gelungen und wird hauptsächlich von der akustischen Gitarre bestimmt. Sehr eingängig das Ganze, ein Lied, welches groovt und einfach Spaß macht. Ebenso eingängig – und dieses Mal wirklich etwas langsamer – ist der Titel „Lovesongs“. Auch hier ist es wieder die akustische Gitarre, die das Lied dominiert.

Die restlichen Songs rocken, wie oben bereits erwähnt. Dabei ist es oftmals etwas weniger die Melodie, die im Vordergrund steht, sondern eher der Groove. Dies gelingt den Musikern von New Model Army allerdings sehr gut auf „The Ghost Of Cain“. Wer angepunkten Rock mag, der wird hier fündig werden.

Fazit: Ein wenig wirkt es auf der dritten Scheibe der Briten so, als suchten New Model Army noch ihren neuen Stil. Punk ist das nicht mehr durchgängig, manches Mal sogar nur noch ganz am Rande. Und mit „51st State“ schien sich dann auch der Weg zu ebnen, hin zum Rock, der melodiös und trotzdem immer packend und groovend ist. Neun Punkte.

Anspieltipps: Lights Go Out, 51st State, All Of This, Lovesongs





Donnerstag, 11. Juli 2013

A-ha – Hunting High And Low




A-ha – Hunting High And Low


Besetzung:

Morten Harket – vocals
Magne Furuholmen – keyboards, vocals
Pål Waaktaar – guitars, vocals


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Synthie Pop, Pop


Trackliste:

1. Take On Me (3:46)
2. Train Of Thought (4:11)
3. Hunting High And Low (3:43)
4. The Blue Sky (2:22)
5. Living A Boy's Adventure Tale (5:00)
6. The Sun Always Shines On T.V. (5:06)
7. And You Tell Me (1:51)
8. Love Is Reason (3:04)
9. I Dream Myself Alive (3:06)
10. Here I Stand And Face The Rain (4:30)

Gesamtspieldauer: 36:39




So ganz „normale“ Pop-Musik gibt es hier auf den Plattenbesprechungen ja nur relativ selten. Nun, das soll sich jetzt mal wieder mit A-ha ändern. Und zwar mit deren Hit-Album aus dem Jahr 1985, mit dem die drei Norweger den internationalen Durchbruch geschafft haben. 1985 war ein Jahr, in dem ich mir solche Musik durchaus noch zugelegt habe. Es sei mit meinem damals noch jungen Alter „entschuldigt“.

Ich habe mir das Album damals aber nicht wegen dem Lied „Take On Me“ zugelegt, welches auch durch seine bis dorthin revolutionäre Videotechnik, die auf MTV rauf und runter gesendet wurde, für Furore sorgte. Damals war MTV auch noch frei empfangbar, aber das ist eine andere Geschichte. A-ha waren danach der Schwarm vieler jungen Mädels, die in Gekreische ausgebrochen sind, sobald sich die drei Musiker irgendwo blicken ließen. Ich habe nicht geschrien, die drei allerdings auch nie persönlich getroffen – wer weiß was dann passiert wäre…

Zwei ganz nette Lieder befinden sich auf diesem Album. Da wäre zum einen das schon erwähnte „Take On Me“ und dann das wirklich sehr eingängige und schöne „The Sun Always Shines On T.V.“. Der Kaufgrund für mich war allerdings ein anderer, dieser ist für mich das mit Abstand beste Stück des Albums: Es ist das Lied „Hunting High And Low“, der Titeltrack und ich muss zugeben, dieses Stück gefällt mir auch heute, bald dreißig Jahre später, immer noch sehr gut. Tolle Melodie, eine irgendwie geartete melancholische Stimmung, schöne Wechsel – einfach ein spannendes und auch eingängiges Lied mit sehr hohem Ohrwurmcharakter.

Der ganze Rest der Platte ist Synthie-Pop der schlechteren Sorte. Klar mag hier die oder der eine noch einen Favoriten für sich entdeckt haben, aber essentiell ist das alles nicht mehr, eher belangloses Computer-Keyboard-Gedudel. Auf die Texte muss ich an dieser Stelle wohl auch erst gar nicht eingehen, denn die sind wahrlich nicht das Gelbe vom Ei und handeln überwiegend – oh Wunder – von der Liebe, von der verflossenen Liebe, von der erhofften Liebe und und und.

Fazit: Ein Synthie-Pop-Album haben die drei Norweger da 1985 auf den Markt geschmissen und sorgten damit für sehr viel Wirbel. Nicht zuletzt auch MTV trug zum großen Erfolg der Platte bei, die den Videoclip, der wahrlich gelungen ist, zu „Take On Me“ in die Dauerschleife nahmen, sodass dieser praktisch stündlich ausgestrahlt wurde. Es gibt ein paar schöne Songs auf „Hunting High And Low“ und mit dem Titeltrack zudem ein sehr überzeugendes Lied, welches ich durchaus als Bereicherung in meiner Musiksammlung ansehe. Mit dem Rest kann ich allerdings so gar nichts mehr anfangen. Das war Mitte der 80er Jahre bereits so und hat sich auch danach nicht mehr geändert. Deshalb gibt es für „Hunting High And Low“ von A-ha acht Punkte.

Anspieltipps: Take On Me, Hunting High And Low, The Sun Always Shines On T.V.





Mittwoch, 10. Juli 2013

Brian Adams – Into The Fire




Brian Adams – Into The Fire


Besetzung:

Brian Adams – guitar, piano, keyboards
Keith Scott – lead guitar, backing vocals
Dave Taylor – bass
Mickey Curry – drums


Gastmusiker:


Robbie King – organ
Dave Pickel (Pick) – piano
Tom Mandel – keyboard, organ
Jim Vallance – piano, percussion, sequencer
Ian Stanley – keyboards
Tom Hannah – tour keyboards


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Mainstream Rock


Trackliste:

1. Heat Of The Night (5:07)
2. Into The Fire (4:41)
3. Victim Of Love (4:07)
4. Another Day (3:41)
5. Native Son (6:04)
6. Only The Strong Survive (3:45)
7. Rebel (4:02)
8. Remembrance Day (5:59)
9. Hearts On Fire (3:30)
10. Home Again (4:18)

Gesamtspieldauer: 45:14




„Into The Fire“ ist das fünfte Album des Kanadiers, welches 1987 veröffentlicht wurde. Der „Hit“ der Platte war gleich das erste Lied „Heat Of The Night“. Mainstream Rock, aber mit dem gewissen Wiedererkennungswert. Der ganze Rest der Platte ist ziemlich schnell zusammengefasst, denn hier beweist Brian Adams bereits, warum er später auch „Schmuserocker“ und dergleichen Titel verliehen bekam. Das ist alles ganz eingängige Musik, die jedoch keinerlei Nachhaltigkeit beinhaltet. Mal etwas härter, mal etwas ruhiger gehalten, mitunter auch überaus langweilig.

Brian Adams lebt von seiner Stimme, die wahrlich auch einen gewissen Wiedererkennungswert besitzt, die Musik ist allerdings allzu sehr für den Massenmarkt konzipiert. Ziemlich viel und offensichtliche Eingängigkeit, um schnell in die Charts zu gelangen. Das glückte dem Kanadier sogar bereits drei Jahre zuvor mit dem Album „Cuts Like A Knife“, welches seinen internationalen Durchbruch mit sich brachte. Von da an war es auch vorbei mit der ursprünglich von ihm bevorzugten Musikstil, dem Hard Rock. Ab jetzt gab es AOR (Adult Oriented Rock) beziehungsweise Mainstream-Mucke, damit die Kassen noch ein wenig schneller klingelten, was ihm allerdings auch nicht vorzuwerfen ist. Haben viele andere ja genauso gemacht.

Fazit: Wer AOR und Mainstream mag, dem sei dieses Album zu empfehlen. Auch wenn ich die Platte mein Eigen nennen darf, so ist das doch keine Musik mehr, die mir in irgendeiner Art und Weise zusagt. Viel zu sehr wird hier auf die Bedienung des Massenmarktes geschielt, was wiederum bewirkt, dass die Musik schnell ins Ohr geht, man derer allerdings auch sehr schnell sehr überdrüssig wird. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Heat Of The Night





Dienstag, 9. Juli 2013

Arcade Fire – The Suburbs




Arcade Fire – The Suburbs

Besetzung:

Régine Chassagne – ohne Instrumentenangabe
Richard Reed Parry – ohne Instrumentenangabe
Win Butler – ohne Instrumentenangabe
Tim Kingsbury – ohne Instrumentenangabe
Will Butler – ohne Instrumentenangabe
Jeremy Gara – ohne Instrumentenangabe
Sarah Neufeld – ohne Instrumentenangabe


Gastmusiker:


Sarah Neufeld – strings
Owen Pallett – strings
Richard Reed Parry – strings
Marika Anthony Shaw – strings
Clarice Jensen – additional strings
Nadia Sirota – additional strings
Yuki Numata – additional strings
Caleb Burhans – additional strings
Ben Russell – additional strings
Rob Moose – additional strings
Colin Stetson – saxophones (tracks 9, 13 & 15)
Pietro Amato – French horn (tracks 13 & 15)


Label: Mercury


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Indie Rock, Pop


Trackliste:

1. The Suburbs (5:15)
2. Ready To Start (4:16)
3. Modern Man (4:40)
4. Rococo (3:57)
5. Empty Room (2:52)
6. City With No Children (3:12)
7. Half Light I (4:14)
8. Half Light II (No Celebration) (4:27)
9. Suburban War (4:45)
10. Month Of May (3:51)
11. Wasted Hours (3:21)
12. Deep Blue (4:28)
13. We Used To Wait (5:01)
14. Sprawl I (Flatland) (2:54)
15. Sprawl II (Mountains Beyond Mountains) (5:26)
16. The Suburbs (Continued) (1:28)

Gesamtspieldauer: 1:04:05




Ich liebe Musik. Manche Menschen können das nicht nachempfinden. Die stellen während der Autofahrt das Radio an und lassen sich genau von dem berieseln, was irgendein Redakteur gerade in die Endlos-Schleife mit aufgenommen hat, weil er dafür von der Plattenfirma bezahlt wurde. Ich höre nicht nur im Auto Musik, ich höre fast immer Musik. Beim Joggen, in meinem Arbeitszimmer, beim Essen (manches Mal auch zum Verdruss meiner Familie, wobei ich dabei allerdings den Lautstärkeregler entsprechend „unterhaltungsfreundlich“ nach unten reguliere) und auch sonst in allen möglichen Situationen. Wenn ich im Auto mal das Radio anstelle, dann um mich zu informieren, was gerade in der Welt vor sich geht. Ansonsten schiebe ich meine Musik in den Player und genieße die Fahrt.

Ich wähle Musik aus und lasse mich auch sehr gerne inspirieren. Auch durch das Internet. Und wenn da mal eine Scheibe an die hundert positive Bewertungen hat und in mein „Beuteschema“ wie zum Beispiel „Indie Rock“ passt, dann wird das Teil auch bestellt. In diesen dreißig Sekunden, die man da pro Lied umsonst mal reinhören kann, in dieser halben Minute kann ich mir kein Bild von einem einzelnen Stück machen, beziehungsweise mir nicht entsprechendes Gehör verschaffen, um das Ganze abschließend beurteilen zu können. Genau so lief das bei Arcade Fire und ihrer Platte „The Suburbs“. Gelesen, gekauft, gewartet und als sie dann da war, wurde die Scheibe sofort in den CD-Spieler geschoben. Stutzig hat mich zu Beginn nur der Aufkleber „53rd Grammy Award Winner“ gemacht. Die meisten Oscar-prämierten Filme des Jahres finde ich Kacke. Man denke da nur an „Titanic“, einem Film, bei dem ich schon vorher wusste, dass das Schiff sinken würde. Und ich bin mir sicher Rihanna hat auch schon Grammy Awards gewonnen und mit Sicherheit auch irgendwelche HipHop-Größen. Aber das ist meist nicht meine Musik, da fehlt mir völlig der Zugang. Aber Arcade Fire sollen ja Indie Rock machen, das muss also klappen…

Okay, jetzt bin ich endlich bei der Musik der Kanadier angelangt, die sie auf „The Suburbs“ gepresst haben. Und ich nehme es gleich vorweg, die Musik ist nicht schlecht. Es ist diese Art der Musik, die ich nicht sofort im Radio wegschalten würde, sondern auch mal zuhöre. Ich möchte mich ja inspirieren lassen. Allerdings, wenn ich im Internet lese: „Das Beste der letzten zwanzig Jahre…“, „DIE Musik des 21. Jahrhunderts…“, „Es gibt nichts Besseres…“, „Die Offenbarung des Indie Rock…“ und so weiter, da komme ich dann sogar ganz gehörig ins Zweifeln.

Meine Fresse, das ist noch nicht mal Indie Rock, was da auf „The Suburbs“ zu hören ist. New Model Army machen Indie Rock. Arcade Fire spielen und singen auf „The Suburbs“ Pop-Musik. Keine schlechte, habe ich ja bereits erwähnt. Aber eine Offenbarung? Das Beste überhaupt? Ne sorry, kann ich nicht nachvollziehen und ich habe die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen. „The Suburbs“ von Arcade Fire ist ein nettes Pop-Album, was keine Ausfälle in sich trägt. Eingängige Melodien, schöne Ideen. Die Lieder haben alle eine gewisse Qualität und können einem sogar recht zügig gefallen, benötigen also nicht zu viele Durchläufe im CD-Player, um im Ohr des Hörers anzukommen. Und bei einigen Titeln passiert das sehr schnell, bei anderen dauert es etwas länger – aber alle haben ihre Qualität und richtige Ausschläge nach unten fehlen wahrlich. Den ganz großen Ausreißer in die andere Richtung, findet man auf der Platte allerdings leider auch nicht. So ist „The Suburbs“ kein schlechtes, aber doch noch „normales“ Pop-Album geworden und wahrlich keine Offenbarung, die in den letzten zwanzig Jahren keinen Vergleich zu scheuen hätte.

Fazit: Ein nettes, für mich allerdings durchschnittliches Pop-Album ist „The Suburbs“ von Arcade Fire geworden. Die Musik macht Laune und sich so etwas anzuhören macht sicherlich auch Spaß, wenn man Cabrio fährt. Ich habe aber kein Cabrio – mein Fehler. Trotzdem, ganz bestimmt kein schlechtes Album, allerdings den Hype darüber, den kann ich nicht nachvollziehen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Suburban War, We Used To Wait










Montag, 8. Juli 2013

And You Will Know Us By The Trail Of Dead – Source Tags & Codes




And You Will Know Us By The Trail Of Dead – Source Tags & Codes


Besetzung:

Jason Reece – ohne Instrumentenangabe
Conrad Keely – ohne Instrumentenangabe
Kevin Allen – ohne Instrumentenangabe
Neil Busch – ohne Instrumentenangabe



Label: Interscope Records


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Alternative, Hard Rock


Trackliste:

1. Introduction (1:32)
2. It Was There That I Saw You (3:58)
3. Another Morning Stoner (4:34)
4. Baudelaire (4:17)
5. Homage (3:29)
6. How Near, How Far (3:54)
7. Life Is Elsewhere (0:55)
8. Heart In The Hand Of The Matter (4:48)
9. Monsoon (5:54)
10. Days Of Being Wild (3:27)
11. Relative Ways (4:04)
12. After The Laughter (1:15)
13. Source Tags & Codes (5:55)

Gesamtspieldauer: 48:02




„Source Tags & Codes“ nannten die vier Texaner von And You Will Know Us By The Trail Of Dead ihr drittes Album, welches im Jahr 2002 erschien. Und dieses Album beinhaltete einen weiteren Schritt weg vom kompromisslosen Hard’n‘Heavy-Sound, hin zu mehr Melodiösität in der Musik, die trotzdem alles andere als mit „weichgespült“ beschrieben werden kann.

Gerockt wird auch auf „Source Tags & Codes“, jedoch gleich der erste Titel „Introduction“ führt den Hörer ganz sanft, leise und melodiös mit Pianoklängen in das Album ein. Mit dem nächsten Titel „It Was There That I Saw You“ sind diese ruhigeren Klänge allerdings bereits wieder überholt, es wird wieder gerockt. Doch hier ist bereits festzustellen, dass der einmal eingeschlagene „härtere“ Weg nicht mehr wie auf den vorherigen beiden Alben durchgezogen wird, denn schon dieser Titel setzt sich aus mehreren Teilen zusammen, in denen auch ruhigere Abschnitte zum Zuge kommen. Das macht die Musik von And You Will Know Us By The Trail Of Dead auf diesem Album eindeutig interessanter.

Auch positiv festzuhalten ist der Umstand, dass die Jungs dem Abmischen der Platte jetzt noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt zu haben scheinen. Die Becken scheppern zwar immer noch ein wenig undifferenziert, aber sonst bekommen die einzelnen Instrumente, wie auch der Gesang, eigenen Spielraum eingeräumt, der hier auch nicht übersteuert klingt und alles gleichberechtigt zur Geltung kommen lässt. Somit ergibt sich ein ganz anderes Klangerlebnis als noch auf dem Debut, bei dem alles waberte und man oftmals hauptsächlich ein großes und lautes Rauschen zu vernehmen glaubte.

„Source Tags & Codes“ ist ein schönes Rock-Album geworden, bei dem zwar die absoluten Übersongs fehlen, das Zusammenspiel aus Hard Rock und den leiseren Tönen jedoch ein in sich geschlossenes Bild abgibt, welches sich lohnt genauer betrachtet beziehungsweise gehört zu werden. Von knallhart, wie bei „Homage“, bis hin zum sanften, bereits erwähnten Opener, ist so ziemlich jede Musik-Geschwindigkeit auf „Source Tags & Codes“ enthalten. Nicht anders sieht es da mit dem Gesang aus. Wildes Geschrei gibt es genauso zu hören, wie sehr differenzierte und melodische Gesangslinien.

Und wenn es vielleicht auch keine absoluten Übersongs zu entdecken gibt, so befinden sich auf diesem dritten Album von And You Will Know Us By The Trail Of Dead doch einige wirklich klasse Titel. Zu erwähnen wäre hier „How Near, How Far“, eher im Mid-Tempo angesiedelt, obwohl die Nummer durchaus richtig gut rockt. „Heart In The Hand Of The Matter“ ist ebenfalls eine richtig gut gelungene Mid-Tempo-Nummer, die einfach Spaß macht. Und dann ist da natürlich noch „Relative Ways“ – für mich das Lied auf der Platte, welches einem schon mal einen schönen Vorgeschmack auf die nächste Scheibe „Worlds Apart“ vermittelt, denn genau da hätte dieser Song stilistisch auch seinen Platz gefunden. Klasse eingängige Rock-Musik, die groovt, die rockt, die melodiös ist. Musikfreund, was willst Du mehr? „After The Laughter“ erinnert etwas an das Eingangsstück. Ganz sanft wird hier ebenfalls das Piano bedient – leider ist das Stück etwas zu kurz geraten.

Bliebe noch der Titelsong „Source Tags & Codes“. Wieder eine überaus gelungene und eingängige Nummer, die sich vom Tempo her ebenfalls im mittleren Bereich der Geschwindigkeitsskala ansiedelt. Die vier Musiker von And You Will Know Us By The Trail Of Dead müssen nicht mehr schreien und holen trotzdem alles aus ihren Instrumenten heraus. Das alles wirkt jetzt sehr viel mehr nach „Komponieren von Musik“. Schön auch das Ende, bei dem das Album mit Violinen- und Celli-Klängen langsam ausklingt. Gelungen.

Fazit: Auf „Source Tags & Codes“ haben And You Will Know Us By The Trail Of Dead einen weiteren Schritt nach vorne gemacht – ohne dabei anbiedernd zu wirken oder offensichtlich den Massenmarkt bedienen zu wollen. Die Musik ist ausgereifter geworden, die Stücke sind qualitativ deutlich besser und packen den Zuhörer mehr. Vielleicht sehen das knallharte Rock-Fans ein wenig differenzierter oder sogar ganz anders. Mir jedoch gefällt der hier eingeschlagene Weg auf jeden Fall schon deutlich besser, als noch die ersten Schritte der Band. Neun Punkte.

Anspieltipps: Introduction, How Near How Far, Relative Ways, Source Tags & Codes