Sonntag, 12. Februar 2012

Electric Light Orchestra – Xanadu





Electric Light Orchestra – Xanadu


Besetzung:

Jeff Lynne – lead vocals, lead and rhythm guitars
Bev Bevan – drums and percussion
Richard Tandy – keyboards
Kelly Groucutt – bass guitar, vocals


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Schlager, Pop


Trackliste:

1. Magic (Olivia Newton-John) (4:25)
2. Suddenly (Olivia Newton-John und Cliff Richard) (4:03)
3. Dancin’ (Olivia Newton John und The Tubes) (5:14)
4. Suspended In Time (Olivia Newton John) (3:52)
5. Whenever You’re Away From Me (Olivia Newton-John und Gene Kelly) (4:15)
6. I’m Alive (Electric Light Orchestra) (3:46)
7. The Fall (Electric Light Orchestra) (3:34)
8. Don’t Walk Away (Electric Light Orchestra) (4:48)
9. All Over The World (Electric Light Orchestra) (4:04)
10. Xanadu (Electric Light Orchestra und Olivia Newton-John) (3:30)

Gesamtspieldauer: 41:31




Zwei Fragen haben mich, wenn es um die Bewertung von Platten geht, schon lange beschäftigt. Die erste war: Werde ich es echt mal schaffen ein Album zu hören, dem ich null Punkte geben werde? Klar, wenn man lange sucht und so etwas wie „Die Flippers“ hört (denen möchte ich jetzt allerdings nicht zu nahe treten, da ich nur sehr wenig von ihnen kenne und ihnen am Ende unrecht tue ;-))), könnte das vielleicht theoretisch passieren. Aber solche Musik wie die der Flippers, Wendler, DSDS-„Stars“, Modern Talking und Konsorten möchte ich hier nicht bewerten. Das ist nicht mein Ding, so viel Zeit habe ich nicht zu verschwenden, um dieses Zeugs überhaupt anzuhören.

Die zweite Frage, die sich mir stellte, war jene, ob es das Electric Light Orchestra schaffen würde, eine noch schlechtere und mainstreammäßigere Platte als Discovery auf den Markt zu bringen. War es wirklich möglich, dass sie ihren Bodensatz noch nicht gefunden hatten? Und beide Fragen kann ich jetzt getrost mit „Ja“ beantworten - nachdem ich den Soundtrack „Xanadu“ gehört habe.

Eins gleich vorweg, das Album war erfolgreich, verkaufte sich millionenfach und war die zweiterfolgreichste Veröffentlichung des Electric Light Orchestras, nach dem anderen musikalischen Tiefpunkt „Discovery“. Und wieder einmal bestätigt sich, dass nicht alles, was sich verkauft auch gut ist. „Xanadu“ ist nämlich das genaue Gegenteil von gut. Es ist schlecht, abgrundtief schlecht. Und das liegt nicht daran, dass es sich hierbei um pure Popmusik handelt. Popmusik kann gut, interessant, fesselnd, begeisternd und was weiß ich nicht alles sein. „Xanadu“ ist belanglos, flach, langweilig, nervig, peinlich.

Klar, es gibt es auch Menschen, die diese Platte gut finden. Nachlesen kann man das ab und zu auf anderen Rezensionsplattformen im Internet. Allerdings vergleiche ich hier das Album „Xanadu“ mit den ersten Veröffentlichungen von ELO. Und dieses Gepäck wiegt schwer. Sehr schwer sogar. Denn 1980 war nun gar nichts mehr von diesem Anspruch an die Musik übrig geblieben, der auf den ersten Alben immer wieder herauszuhören war. Auf „Xanadu“ geht es nur noch um das massentaugliche Radioprodukt, das möglichst schnell, möglichst viel Geld in die Kassen spülen soll. Das war der Ansatz und dieser wurde mit Leben gefüllt und umgesetzt. Ziel erreicht.

Ach ja, noch was. Über Olivia Newton-John muss man natürlich erst recht kein Wort mehr verlieren. Die Frau kann nämlich echt nicht singen.

Fazit: Das ist gar nichts mehr. Das Album verfügt noch nicht einmal über, zumindest nette Melodien. Mit diesem Werk hat Jeff Lynne den Ruf des Electric Light Orchestras bei den Fans der ersten Stunde endgültig zerstört. Obwohl, das passierte wohl schon ein bis zwei Alben davor. Hochverdiente null Punkte.

Anspieltipps: Gibt es nicht.





Samstag, 11. Februar 2012

Stefanie Hertel – Über Jedes Bacherl Geht A Brückerl




Stefanie Hertel – Über Jedes Bacherl Geht A Brückerl


Besetzung:

Stefanie Hertel – Gesang


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: East West Records


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Volkstümlicher Schlager


Trackliste:

1. Über Jedes Bacherl Geht A Brückerl (2:55)
2. Mit Sonnenschein Im Herzen (2:33)
3. Achmed (Wo Die Sonne Immer Scheint) (3:03)
4. Mama Veronika (4:09)
5. Kleiner Clown (3:14)
6. Mit Einem Rucksack Voller Lieder (3:13)
7. Das Glück Fällt Ganz Leise Vom Himmel (3:21)
8. Heut' Möcht' Ich Am Liebsten Ein... (2:45)
9. Für Opa Ist Immer Ein Zimmer Frei (2:48)
10. Auf Einer Insel Am Ende Der Welt (2:52)
11. Er Wär So Gern Ein Cowboy (2:56)
12. Die Alte Birke Darf Nicht Sterben (3:39)

Gesamtspieldauer: 37:34




„Über Jedes Bacherl Geht A Brückerl“ heißt das zweite Studioalbum der Vogtländerin Stefanie Hertel, auf der sich auch ihr gleichnamiger Siegertitel des Grand Prix der Volksmusik befindet. Man hört hier eine Mischung aus gespieltem bayerischen Akzent gepaart mit schlechtem und billigen deutschen Schlager. Dieses Album gibt es zur Zeit für sieben Cent zu kaufen. Es ist ganz klar, dass man diese sieben Cent deutlich besser investieren kann.

Die Musik ist unterhalb jedweder Qualität angesiedelt, aber die Texte schaffen das noch zu toppen. Hier werden zum Teil „soziale“ Themen aufgegriffen und unsäglich abgearbeitet. Solch Titel wie „Achmed (Wo Die Sonne Immer Scheint)“ und „Für Opa Ist Immer Ein Zimmer Frei“ lassen einen den Atem stocken.

Fazit: Unfassbar. Null Punkte.

Anspieltipps: Achmet



Freitag, 10. Februar 2012

Schacht - Abwärts





Schacht - Abwärts


Lange dachte ich ja, da ist Schicht im Schacht. Da legt diese Band ein sehr beeindruckendes Demo vor und dann kommen sie nicht in die Pötte. Doch nun liegt das Ding endlich vor mir. Schon das Cover, gestaltet von Jens Maria Weber ist beeindruckend. Ein gezeichneter Förderturm, leicht verwischt und einige Kumpels darauf zulaufend. Es erinnert an diese alte Ruhrpott- und Arbeiterkunst, geprägt von seltsamer Romantik im Angesicht eines kräftezehrenden Alltags. Das alleine schon gibt den Ton an. Schacht sind keine blassen Buben, hier wird geackert, malocht, geschuftet. Harter Sound, geballte Ladung Gitarren, hammerharter Beat. Dazu immer wieder das Thema Bergbau, Kumpels, Zechenalltag. Sogar das "Steigerlied" wird auf brutal-geniale Weise verarbeitet. Schacht liefern mit ihrem Album "Abwärts" eine Art Arbeiter Soundtrack für eine Industrie ab, die es so schon lange nicht mehr in Deutschland gibt. Aber das alles ist nicht von gestern, kein verblümter Blick zurück. Es ist vielmehr eine neue Herangehensweise an ein Thema, das eine Region und ganz Deutschland geprägt hat. Man sollte diesen Steigern durchaus Gehör schenken. Schacht sind eine absolut empfehlenswerte Neuentdeckung. Glück auf! 10 Punkte.

Donnerstag, 9. Februar 2012

Soap & Skin - Lovetune for Vacuum





Soap & Skin - Lovetune for Vacuum


Wie man mit 18 Jahren so eine Platte erstehen lassen kann ist mir schleierhaft. "Lovetune for Vacuum" heisst dieses Erstlingswerk von Anja Plaschg, die unter dem Projektnamen "Soap & Skin" auftritt. Ja, die Musik geht unter die Haut und vielleicht wäscht sie einen auch ein bisschen rein, denn diese Songs lassen einen einsacken in sich selbst, eintauchen in die Tiefen und Wirren des eigenen Ich. Man räumt seinen eigenen Keller gedanklich auf beim Hören dieser Lieder. Wunderschöne Melodien, traurig, düster, depressiv. Das ist nichts für eine Party, das ist nichts für einen kuscheligen Abend und erst recht nichts für einen Balanceakt am Abgrund. Ich habe diese Platte zum ersten mal auf der Autofahrt durch die Winterlandschaft in Deutschland gehört. Gefährlich, denn man versinkt in seinen Gedanken, hängt ihnen nach mit diesem famosen Emotionssoundtrack. Anja Plaschg zieht einen hinab und das wohl ganz bewusst. Die junge Österreicherin aus der Steiermark trifft genau den Punkt. Sie musikalisch einzuordnen ist schwer. Ganz spartanisch kommt sie daher, und gerade das ist überzeugend. Da wird nicht gross auf dem Synthesizer rumgefrickelt, da ist ein Klavier, eine Klarinette und da ist die beeindruckende Stimme dieser jungen Frau. "Lovetune for Vacuum" ist ein bewegendes Album, das für mich zu einen der besten 2009 zählt. 13 Punkte.

Mittwoch, 8. Februar 2012

Faust - Faust Is Last





Faust - Faust Is Last


Man findet sie in jedem guten Musiklexikon, sie gelten als die "Godfathers of Industrial" und sie kennen keine musikalischen Grenzen. Faust spielen in einer eigenen Klasse und das nun schon seit 40 Jahren. Die bekannteren Industrial Vertreter, die Einstürzenden Neubauten, sind im Laufe der Jahre weicher und melodiöser geworden. Faust hingegen blieben sich treu und testeten aus, was mit Instrumenten, Materialien, Aufnahmetechniken und Sounds möglich war. Und dabei blieben sie auch auf der neuesten CD "Faust is last" . Es ist das erste Studioalbum nach der 99er Platte "Ravvivando" und die erste nach dem Abgang von Zappi Diermaier von Faust. Und dieses Doppel-Album ist genauso schräg, störend, ergreifend, umfassend, erfüllend, ja fantastisch, wie das Erstlingswerk 1971. Auf "Faust is last" findet man Musik die zeitlos ist. Keine leichte Kost, aber wer auf Berieselung steht, wird sowieso nicht zu diesem Album greifen. Es ist ein Klangbad, ein intensives akustisches Erlebnis. Und es ist darauf alles zu finden, von ganz leisen Tönen, Krach, Melodien, aufbäumenden Klanggewittern bis hin zu gewaltigen Wellen aus Sound. Es klingt wie Krautrock zu den besten Zeiten, weite getragene Flächen durchzogen von experimentellen Störmanövern, und dann wieder wie Grobschnitt auf Acid. Einfach wunderbar, nicht einzuordnen, zu keinem Zeitpunkt langweilig. Ein Hörgenuss, deshalb unbedingt zugreifen. 13 Punkte.

Dienstag, 7. Februar 2012

ALP - El Arte Nunca Muerte





ALP - El Arte Nunca Muerte


In 13 Jahren Radio Goethe bin ich schon über viele Platten gestolpert. Wirklich gestolpert, denn hier stapeln sich die CDs. Und erst heute fand ich in einem der Stapel ALPs "El Arte Nunca Muerte" wieder. ALP sind aus Berlin und für mich sind sie eine Band, die für mich den vielseitigen Berliner Sound widergeben, den es gar nicht gibt. Ich sehe sie als die Soundtrack Produzenten eines Berlinfilms, der noch gar nicht gedreht ist, den es nie geben wird. ALPs Musik ist ein Rausch, ein Bilderrausch für den Hörer. Kein Wunder also, dass die Band diese Eigenart ihrer Musik selbst nutzt und live Musik zu Stummfilmen der 20er Jahre offeriert. Ich hatte einmal das Glück ALP in irgendeinem Hinterhofclub in Friedrichshain zu sehen. Eintritt 1 Euro, das Bier 1 Euro. Ein paar Sessel standen herum und dann traten die drei Musiker auf die Bühne und hinter ihnen lief der Stummfilm über den Panzerkreuzer Potemkin. Es war ein Rausch der Bilder vor einem und in einem. ALP Musik ist ein Genuss, ein Hochgenuss. Sehr empfehlenswert. 12 Punkte.

Montag, 6. Februar 2012

Jean Michel Jarre – Oxygene





Jean Michel Jarre – Oxygene


Besetzung:

Jean Michel Jarre – eminent 310, arp 2600, aks & vcs-3 synthesizers, rmi harmonic synthesizer, mellotron, farfisa organ, minipop drum machine


Gastmusiker:

Francis Rimbert – eminent 310, arp 2600, minimoog, Jupiter 8, minipop drum machine


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1976 / 2007


Stil: Elektronische Instrumentalmusik


Trackliste:

1. Oxygene (Part I) (7:39)
2. Oxygene (Part II) (7:55)
3. Oxygene (Part III) (3:07)
4. Oxygene (Part IV) (4:13)
5. Oxygene (Part V) (10:11)
6. Oxygene (Part VI) (7:08)




Es ist immer wieder begeisternd zu hören, wie viele verschiedene Arten der Musik es gibt, die einen mitreißen können. Und obwohl Musik so unterschiedlich sein kann, schaffen es bestimmte Genres einen zu packen und zu faszinieren, kurz gesagt, zu gefallen. Und was das dann letztendlich ist, die Musik, die einen begeistert, das liegt eben ganz am Geschmack des Hörers. „Oxygene“ von Jean Michel Jarre steht dabei für das Genre „Elektronische Instrumentalmusik“. Diese kann mitunter kalt wirken, ist es im Fall von „Oxygene“ aber keineswegs. Erfunden wurde dieser Musikstil allerdings auch nicht mit der Platte „Oxygene“. Zum einen ist dieses Album bereits Jean Michel Jarres dritte Veröffentlichung, zum anderen frönten beispielsweise Tangerine Dream oder auch Klaus Schulze solo schon deutlich länger diesem Genre und haben bereits einige Zeit früher sehr gute Platten dieser Machart veröffentlicht. Aber Jean Michel Jarre machte diese Musik bekannter beziehungsweise sogar richtig bekannt.

Und da wären wir auch gleich bei den Titeln oder besser gesagt „Parts“ auf „Oxygene“. Diese sind ebenfalls, wie die der deutschen Kollegen, mitunter sphärisch und schwebend und transportieren sehr viel Atmosphäre, die nicht selten Assoziationen zum Weltall aufkommen lassen. Aber – und da liegt jetzt der Unterschied zu den Berliner Musikern – in der Musik des Jean Michel Jarre gibt es immer wieder diese Keyboardläufe, die so überaus eingängig sind. Die, wenn man sie einmal gehört hat, nicht mehr vergessen werden können, da sie fest im Musikzentrum des Gehirns verankert wurden. Sehr melodiös und harmonisch klingt so die Musik von Jean Michel Jarre – andere werden vielleicht sagen oberflächlich.

Und genau diese Eingängigkeit eröffnete Jean Michel Jahre die Türen zum Radio und nicht nur die zu Dokumentationen über den Südpol, ausgebrochene Vulkane oder aber eine geplante Reise zum Mars. Wie immer bei solchen Kompositionen und überhaupt in der Musik, man muss sich eben darauf einlassen können. „Oxygene“ ist nichts für die Hektik, weniger für nebenbei und ganz viel für den Kopfhörer auf einem bequemen Sofa.

Fazit: Sehr eingängige elektronische Musik präsentiert Jean Michel Jarre auf „Oxygene“. Reine Synthesizer Musik, die zwar auch sphärisch klingt, die Melodie eines Liedes dabei jedoch nie aus den Augen beziehungsweise „aus den Ohren“ verliert. Musik zum Tagträumen, die schön anzuhören ist und keinem weh tut. In den 70er Jahren mag das revolutionär geklungen haben, heute ist es immer noch nett. Für die Idee, Umsetzung und den angenehmen Wiedererkennungswert gibt es dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Muss man durchhören.



Sonntag, 5. Februar 2012

Blue Manner Haze - Blue Manner Haze





Blue Manner Haze - Blue Manner Haze


Und noch eine Band soll hier vorgestellt werden, die bereits das Zeitliche gesegnet hat. Blue Manner Haze aus Nürnberg haben mit ihrem Major Label-Debut 1995 eine Crossover Scheibe vorgelegt, die als Wirbelwind bezeichnet werden kann. Wer je diese fränkische Gruppe live gesehen hat, weiß was für eine geballte Ladung Power in Blue Manner Haze steckte. Und genau diese Energie wurde auf dem 95er Album freigesetzt. Songs wie “Serial K” und “Body Jam” sind der absolute Hammer. Sony Records war nach dem erfolgreichen Erstlingswerk von Rage Against the Machine auf der Suche nach einer neuen Crossoverband und stieß in der Lebkuchenstadt Nürnberg auf Blue Manner Haze. Das Album ist ein e gekonnte und knallharte Mischung aus Rock und harten Beats. Sänger Joe-Evans Chialo schafft mit seiner Stimme die Balance zwischen Wahnsinn und Alptraum. Dazu zwei treibende Gitarren, die nie zur Ruhe kommen. Hier setzte sich eine Band selbst ein musikalisches Denkmal, das beachtet werden muß. Was letztendlich zur Auflösung dieser Gruppe führte, war wohl der Druck des Plattenriesen aufgrund mangelnder Verkaufszahlen. An dieser Stelle ein Dankeschöen an die formatierte Radiolandschaft in Deutschland. Doch Blue Manner Haze werden, so lange die Platte noch zu haben ist, auch weiter ihre Fans finden. 12 Punkte.

Samstag, 4. Februar 2012

Einstürzende Neubauten - Alles wieder offen





Einstürzende Neubauten - Alles wieder offen


Sie sind weltweit eine der bekanntesten deutschen Bands. Doch die Einstürzenden Neubauten mit diesem platten Wort "Band" zu bezeichnen ist schon ein Frevel. Irgendwie ziehen sie ihre eigenen Bahnen im Musik Olymp. Das letzte Studioalbum "Alles wieder offen" unterstreicht das. Die Neubauten um den brillanten und charismatischen Kopf und Sänger Blixa Bargeld setzen noch immer Zeichen. Genauso, wie sie es in den frühen 80er Jahren machten. Hochgeschwemmt während der Neuen Deutschen Welle Ära mit Bands wie Nena und UKW, als die Labels krampfhaft alles veröffentlichten, was aus deutschen Landen kam. Und da waren die Neubauten, die so gar nicht zur NDW-Spassmucke passten. Aber sie waren da und blieben und wurden neben Kraftwerk zu einer der einflussreichsten Bands aus Deutschland. Die Einstürzenden Neubauten machen Krach, doch lieben auch die leisen Töne. Sie schaffen all das mit den ungewöhnlichsten Instrumenten und Materialien, aus denen sie Töne zaubern, streicheln, heraus wuchten. "Alles wieder offen" zeigt die Band in einer unwiderstehlichen Präsenz. Ein Album, das man in aller Ruhe geniessen sollte, das aber auch die wunderbaren Klangweiten und -welten der Einstürzenden Neubauten eröffnet. 14 Punkte.

Freitag, 3. Februar 2012

Electric Light Orchestra – ELO 2





Electric Light Orchestra – ELO 2


Besetzung:

Jeff Lynne – vocals, guitars, moog & harmonium
Bev Bevan – drums & percussion
Richard Tandy – moog, piano, guitar, harmonium
Michael D'Albuquerque – bass & vocal harmonies
Wilf Gibson – violin
Mike Edwards – cello
Colin Walker – cello


Gastmusiker:

Marc Bolan – twin lead guitar (tracks 10, 11, 12)
Roy Wood – bass guitar & cello (tracks 1 & 4)


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Klassik-Rock, Art Rock


Trackliste:

1. In Old England Town (Boogie No. 2) (6:58)
2. Momma... (7:00)
3. Roll Over Beethoven (7:04)
4. From The Sun To The World (Boogie No. 1) (8:18)
5. Kuiama (11:21)


Bonus Tracks:

6. Showdown (4:11)
7. In Old England Town (Instrumental) (2:44)
8. Baby I Apologise (3:43)
9. Auntie (Ma-Ma-Ma Belle Take 1) (1:19)
10. Auntie (Ma-Ma-Ma Belle Take 2) (4:03)
11. Mambo (Dreaming Of 4000 Take 1) (5:02)
12. Everyone's Born To Die (4:40)
13. Roll Over Beethoven (Take 1) (8:16)

Gesamspieldauer: 1:14:40




Auch auf ihrem zweiten Album, ELO 2, unterscheidet sich die Musik des Electric Light Orchestras noch völlig von den Klängen, welche es Ende der 70er oder in den 80er Jahren veröffentlichen sollte. Zwar ist die Musik auf ELO 2 nicht mehr ganz so experimentell oder auch progressiv wie auf dem Debutalbum, allerdings lassen sich auch auf dieser Veröffentlichung noch sehr interessante Lieder finden.

Das Album startet mit „In Old England Town (Boogie No. 2)”. Der Zusatz zum Namen “Boogie No. 2“ ist dabei ein wenig irreführend. Das Stück ist orchestral aufgebaut, den Streichinstrumenten kommt wieder ein großer und wichtiger Part in der Instrumentierung zu. Und auf diesem Stück ist, genau wie in Titel 4, „From The Sun To The World (Boogie No. 1)“, noch Roy Wood am Cello zu hören, der die Band während der Aufnahmen zu ELO 2, auch zur Überraschung Jeff Lynnes, verließ. Das wiederum hatte zur Folge, dass sich auf ELO 2 ausschließlich Jeff Lynne für die Kompositionen auszeichnet. Mit der Ausnahme „Roll Over Beethoven“, einem Chuck Berry Cover. Doch zurück zu „In Old England Town (Boogie No. 2)”. Das Stück bietet in den knapp sieben Minuten seiner Dauer sehr viel Abwechslung. Die Nummer ist spannend aufgebaut, verfügt über eine gar nicht mal so eingängige, aber doch sehr interessante Melodieführung. Keine 08/15 Musik, die vom Zusammenspiel der Streicherfraktion mit den typischen Rockinstrumenten wie E-Gitarre, Bass und Schlagzeug lebt. Dazu immer werden immer wieder fernöstliche Klänge und Rhythmuswechsel eingeschoben, sodass als Ergebnis eine durchaus als progressiv zu bezeichnende Nummer zu hören ist, mit einer der Highlights auf ELO 2.

Es folgt „Momma…“. Auch hier wird den Streichern wieder sehr viel Raum zugestanden, allerdings klingt dieser Titel schon reichlich weichgespült. Spannend ist etwas anderes. Klar, „Momma…“ ist eine sehr eingängige Nummer, die allerdings auch nicht länger hängenbleibt. Auf den sieben Minuten seiner Dauer passiert einfach zu wenig. Fast schon das Gegenteil des ersten Liedes auf der Platte. Und auch nicht überzeugen kann der Titel „Roll Over Beethoven“. Dies aber aus einem anderen Grund. Zwar hat es Jeff Lynne ganz pfiffig verstanden immer wieder Beethovens Neunte in diesen Rock’n’Roll zu integrieren, aber trotzdem bleibt es ein Rock’n’Roll, der etwaigen Tänzern ein Lächeln auf die Lippen zaubern wird, sonst allerdings nicht auf diese Platte passt. Und auch wenn es das Lied der Scheibe ist, welches wohl am berühmtesten ist und welches auch als einziges Stück des Albums regelmäßig in den Konzerten der Band vorgetragen wurde, so bleibt doch dieser Stil, der völlig losgelöst von den anderen Tracks des Albums einsam seine Kreise zieht.

„From The Sun To The World (Boogie No. 1)” kommt dann ganz in der Tradition des Openers daher. Sehr viel Abwechslung, das Zusammenspiel von Streichern und den „gewohnten“ Rockinstrumenten sowie eine interessante und oftmals auch sehr eingängige Melodieführung. Und hier stimmt der Zusatz „Boogie No. 1“ sogar ein kleines bisschen, auch wenn das Stück nur immer wieder in kurzen Abschnitten dieser Musikrichtung entspricht. Das Stück hat nicht ganz die Klasse von „In Old England Town (Boogie No. 2)“, zählt aber trotzdem zu den Höhepunkten des Albums.

Das ursprüngliche Album wurde beschlossen von „Kuiama“, dem mit fast elfeinhalb Minuten längsten Lied, welches jemals auf einer ELO Platte oder CD erschienen ist. Und die Zutaten wurden auch bei dieser Nummer wieder gut gemischt. Eingängige Melodien, Streicher gleichberechtigt mit Gitarre und Bass und schöne Rhythmuswechsel. So richtig interessant wird das Stück allerdings erst etwa ab der Mitte. Vorher ist alles zwar ebenfalls sehr eingängig, aber die Ecken und Kanten, das Besondere geht dem Stück hier noch ab. Das gibt es dann allerdings in der Mitte der Nummer zu hören, genau dann, wenn den einzelnen Instrumenten in diversen Soli viel Platz eingeräumt wird. Schließlich geht es noch einmal kurz in den ersten Teil des Liedes über, um dann orchestral und in Ansätzen bombastisch und schließlich ganz sphärisch auszuklingen.

Nun, nicht unerwähnt sollen hier die Bonustracks bleiben, von denen es einige auf der remasterten Version des Albums gibt. Es beginnt mit „Showdown“ einer sehr guten Popnummer vom nächsten Album „On The Third Day“. Es folgt eine kurze Instrumentalversion von „In Old England Town“, die längst nicht so gut ist wie das Original. „Baby I Apologise“ ist dann ebenfalls ein kurzes Pop-Stück, nichts Besonderes. Aber der Titel nervt ein wenig wegen dem dauernden Geklatsche im Refrain. Schließlich gibt es noch fünf bisher unveröffentlichte Stücke zu hören. „Auntie“ Take 1 und „Auntie“ Take 2 sind zwei Rockstücke, die in ihrer Endfassung ebenfalls noch auf „On The Third Day“, dem dritten ELO-Album zu hören sein werden. Das trifft auch für „Mambo (Dreaming Of 4000 Take 1) zu, wobei letztere Nummer mit zu den besten Liedern gehört, die das Electric Light Orchestra beziehungsweise Jeff Lynne je geschrieben hat. Tolles, spannendes und sehr melodisches Lied. „Everyone’s Born To Die“ ist ebenfalls ein schönes Poplied mit eingängiger Melodie. Und beim Hören dieses Tracks wundert man sich schon ein wenig, warum es dieses Stück nie als reguläres Lied auf ein Album geschafft hat. Richtig gut. Bliebe noch „Roll Over Beethoven (Take 1)“. Hier wird „Beethovens Part“ noch durch Lachgeräusche unterstützt. Und als Randnotiz werden die letzten drei Lieder werden auch dadurch ein wenig interessanter, da man hier Marc Bolan an der Lead Gitarre hört.

Fazit: Nicht mehr ganz so experimentell und progressiv wie sein Vorgänger, aber auch ELO 2 ganz bestimmt kein schlechtes Album. Auch hier gibt es viel Interessantes zu entdecken und zu hören. Zwar deutet sich der zukünftige Weg des „Electric Light Orchestras“ hier schon deutlich an, aber ELO 2 ist trotzdem eine Platte, die sich für all die Musikhörer lohnt, die nicht nur auf den eingängigen Pop der diversen Radiostationen stehen, sondern auch der etwas anspruchsvolleren Pop- und Rock-Musik etwas abgewinnen können. Dazu gesellt sich bei der Veröffentlichung aus dem Jahr 2003 noch ein umfangreiches Bonusmaterial, welches richtig gute Titel enthält, sodass sich ein Kauf wirklich lohnt. Zehn Punkte.

Anspieltipps (Dieses Mal sogar mit einigen Bonus Titeln): In Old England Town (Boogie No. 2), From The Sun To The World (Boogie No. 1), Showdown, Mambo (Dreaming Of 4000 Take 1), Everyone's Born To Die







Donnerstag, 2. Februar 2012

KMFDM – Symbols





KMFDM  Symbols



Es gibt nur wenige deutsche Gruppen, die man international als Pioniere ihres Genres und darüberhinaus einstuft. KMFDM muss ohne Zweifel so betitelt werden. Sie haben Elektronik mit Metal und mit Industrial verbunden. Herausgekommen ist ein Sound der ohnegleichen ist. KMFDM wurden Mitte der 80er Jahre geformt und noch immer ist die Band um Sascha Konietzko einzigartig. Eigentlich müsste man viele der Platten beschreiben, doch für mich ist "Symbols" eine der besten. Das liegt sicherlich auch daran, dass ich über diese CD KMFDM kennen und lieben gelernt habe. Es ist das Album mit dem ich sie in Palo Alto im Club "The Edge" gesehen habe, Vorgruppe Rammstein. Und es ist das Album, auf dem zwei meiner Lieblingssongs sind "Megalomaniac" und "Anarchy"...beide...oh my god!!! KMFDM stehen für sich, eine Band, auf die man sich einlassen muss, doch dann reich belohnt wird. Nichts für schwache Nerven und nichts für Kuschelfanatiker, eben was für eine richtige Dröhnung, die neue Welten eröffnet. 15 Punkte.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Hawkwind – In Search Of Space





Hawkwind – In Search Of Space


Besetzung:

Nik Turner – alto sax, flute, audio generator, vocals
Dave Brock – vocals, electric guitar, acoustic 6 and 12 string, audio generator
Dave Anderson – bass, electric and acoustic 6 string guitars
Del Dettmar – synthesizer
Terry Ollis – drums, percussion
Dik Mik – audio generator


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Space Rock


Trackliste:

1. You Shouldn't Do That (15:42)
2. You Know You're Only Dreaming (6:38)
3. Master Of The Universe (6:17)
4. We Took The Wrong Step Years Ago (4:50)
5. Adjust Me ( 5:46)
6. Children Of The Sun (3:21)


Bonus Tracks:

7. Seven By Seven (original single version) (5:24)
8. Silver Machine (original single version) ( 4:40)
9. Born To Go (live single version edit) (5:04)




Auch wenn man den Begriff “Space Rock” noch nie gehört hat: Legt man Hawkwinds „In Search Of Space“ ein, so kommt man automatisch in die Situation, das gehörte irgendwie einzuordnen oder aber betiteln zu wollen. Und nichts passt dabei besser, kein Ausdruck ist in diesem Fall besser gewählt als „Space Rock“. Die Musik klingt in keinster Weise wie „Tangerine Dream“, Klaus Schulze oder sonstige Synthesizer Akrobaten, denn bei „Hawkwind“ stehen die Gitarren, zusammen mit Bass und Schlagzeug, im Vordergrund. Und dann gibt es zusätzlich noch den Synthesizer, der bei „Hawkwind“ im Booklet hier „Audio Generator“ genannt wird. Gleich drei Personen versuchen sich an diesem und erzeugen diese spacigen Sounds, dieses Fiepsen, Summen und Gurren, was durchaus an das Weltall denken lässt, obwohl es dort oben stumm ist, absolut stumm.

Nun und dann ist die Musik auch noch abgefahren. Fast schon monoton kann man das erste Stück „You Shouldn't Do That“ nennen. Da wird immer wieder auf demselben Riff rumgeritten und dann gibt es dazu jede Menge Saxophon Einlagen und eben diese „sphärischen“ Töne aus dem „Audio Generator“. Wenn man solche Musik macht, dann muss man was eingeworfen haben. Das braucht man allerdings nicht, um sich das Ganze anzuhören. „High“ wird man davon auch ohne Drogen – oder verrückt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass viele Leute mit diesem “Space Rock” nur wenig anfangen können. Allerdings hat das Lied was. Es ist nicht laut, es ist nicht atonal, es ist nicht besonders melodiös, aber es ist hypnotisierend und wenn man sich darauf einlassen kann auch richtiggehend packend. Und so trifft noch ein weiteres Adjektiv das Wesen dieses Stückes: Meditativ. Allerdings werden hierbei nur Meditationen unterstützt, die nicht der ganz leisen, ganz ruhigen Töne bedürfen.

„You Know You're Only Dreaming”, die zweite Nummer, wie auch „Adjust Me“, Track Nummer vier, erinnern stark an Stücke, wie sie auch auf „A Saucerful Of Secrets”, „More” oder „Ummagumma” von Pink Floyd hätten veröffentlicht worden sein können. In großen Teilen experimentell und ein wenig abgefahren. Da ist die Ähnlichkeit zu manchen Pink Floyd Stücken dieser Ära unüberhörbar. Titel Nummer 3, „Master Of The Universe” ist dann ein Hawkwind Klassiker. Ein harte und treibende Nummer, die zum „Head Banging“ einlädt. Rhythmisch ein richtiger Kracher und was auf den ersten Track zutraf, das stimmt auch hier: Das Stück ist monoton, aber genau darin liegt auch das „gewisse Etwas“.

Akustische Nummern gibt es ebenfalls auf dem Album. Da ist zum einen „We Took The Wrong Step Years Ago“, ein Stück, welches mit “synthetischem Mövengekreische eingeleitet wird. Und zum anderen der Titel „Children Of The Sun“. Und auch diese beiden Stücke haben was. Ersterer von den beiden gefällt durch seine schöne Melodie, letzterer kann mit einer schönen Flöteneinlage aufwarten und überzeugen.

Die remasterte Veröffentlichung aus dem Jahr 1996 wartet nun noch mit drei Bonustracks auf. Und darunter befindet sich sogar die „Original Single Version“ von „Silver Machine“, mit Sicherheit einem der bekanntesten Stücke von Hawkwind. Dazu noch die Single Version von „Seven By Seven“, sowie eine Live Single Version von „Born To Go“. Bei allen drei Titeln hört man zwar deutlich, dass es sich dabei um nicht remasterte Fassungen handelt, allerdings schmälert die schlechtere Qualität nur bei der letzten Aufnahme ein wenig den Hörgenuss.

Nicht unerwähnt sollte hier auch das Booklet bleiben. Das ist aufwendig und schön gestaltet und es enthält unter anderem die Geschichte der Reise des „Spacecraft Hawkwind“ in Form eines Logbuchs. Da hat man sich wirklich Mühe gegeben, doch ist das Ganze leider in so kleiner Schrift abgedruckt, dass eine Lupe zum Entziffern des Textes sehr hilfreich ist.

Fazit: Wer sich für Musik der siebziger Jahre interessiert und den Fokus dort auf die erste Hälfte des Jahrzehnts legt, der sollte auch „Space Rock“ kennen. Und zum Einstieg ist die 1971er Scheibe von Hawkwind „In Search Of Space“ bestens dazu geeignet. Derartige Musik gibt es heute nicht mehr. Allerdings, wenn man sich ab und an mit Techno die Dröhnung gibt und dazu abtanzt und gleiches dann mal mit dieser Platte bei voller Lautstärke ausprobiert… Ich bin mir nicht sicher, ob die dabei gemachten Erfahrungen so unterschiedlich sein werden. Aber man kann sich auch nur „hörend“ auf diese Scheibe einlassen, die sogar noch mit weiteren Durchgängen wächst - und damit zehn Punkte erreicht.

Anspieltipps: You Shouldn't Do That, You Know You're Only Dreaming, Master Of The Universe





Dienstag, 31. Januar 2012

Electric Light Orchestra – Electric Light Orchestra 1 / No Answer






Electric Light Orchestra – Electric Light Orchestra 1 / No Answer


Besetzung:

Roy Wood – vocals, cello, oboe, acoustic guitar, bass guitar, string bass, bassoon, clarinet, recorders, slide guitar, percussion
Jeff Lynne – vocals, piano, electric guitar, percussion, bass
Bev Bevan – drums and percussion


Gastmusiker:

Bill Hunt – french horn and hunting horn
Steve Woolam – violin


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Klassik-Rock, Art Rock


Trackliste:

1. 10538 Overture (5:37)
2. Look At Me Now (3:20)
3. Nellie Takes Her Bow (6:02)
4. Battle Of Marston Moor (July 2nd 1644) (6:05)
5. First Movement (Jumping Biz) (3:04)
6. Mr. Radio (5:07)
7. Manhattan Rumble (49th Street Massacre) (4:26)
8. Queen Of The Hours (3:26)
9. Whisper In The Night (4:50)


Bonus Tracks:

10. Battle Of Marston Moor (1:00)
11. 10538 Overture (5:49)

Gesamtspieldauer: 48:46




Nein mit Disco Musik hat das Erstlingswerk der englischen Formation Electric Light Orchestra so gar nichts zu tun. Auch nichts mit herkömmlichem Pop. Beide Genres sollten ELO erst etwas später bestens bedienen. Allerdings hatte Jeff Lynne, der Kopf und kreative Ideengeber der Band, auf dem Debutalbum noch nicht das alleinige Sagen. Vier, der ursprünglich neun auf der Platte enthaltenen Titel, stammen von Roy Wood, fünf von Jeff Lynne. Roy Wood verließ schließlich das Electric Light Orchestra nach dieser ersten Scheibe und gründete die Band Wizzard. Sein Einfluss auf die Musik von ELO ist hier auf dem ersten Album deutlich zu vernehmen.

Nun zur Musik auf dieser ersten ELO Scheibe, die mal mit „Electric Light Orchestra“ oder aber mit „No Answer“ betitelt wird. Und die dargebotene Musik auf „ELO 1“ ist wahrlich außergewöhnlich. Zwar war es Anfang der 70er und auch schon Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gar nicht mal so selten, sich als Pop- und Rock-Band auch der klassischen Musik zu bedienen. Häufig wohl aus dem Grund, um ernster genommen zu werden. Beim Electric Light Orchestra gestaltet sich das auf der ersten LP jedoch ein wenig anders. Denn hier gibt es Rock zu hören, allerdings spielen traditionell klassische Instrumente die große Rolle in der Instrumentierung der einzelnen Stücke.

Deutlich wird das gleich beim ersten Titel „10538 Overture“, eine Nummer, von Jeff Lynne geschrieben, die ganz stark vom Klang des Cellos beherrscht wird. Aber auch Hörner spielen eine nicht unerhebliche Rolle. Dazu gesellen sich die sonst üblichen Instrumente wie Gitarre, Bass und Schlagzeug und es entsteht bereits durch die Instrumentierung ein spannender Ansatz. Das Lied kann diese Vorlage perfekt verwerten, verfügt über eine richtig schöne Melodie und gerade der Celloeinsatz macht das Stück zu einem hörenswerten und interessanten Song.

„Look At Me Now“ stammt dann aus der Feder Roy Woods. Und wieder wird den Streichinstrumenten viel Platz eingeräumt. Sehr viel sogar, denn neben Violine und Cello ist sonst hauptsächlich nur noch ein Fagott zu hören. Wieder gibt es als weitere Zutat eine richtig schöne Melodie zu hören und auch der Gesang klingt wirklich klasse. Die Kopfstimme Woods hört sich in keinster Weise gepresst an und passt bestens zur Instrumentierung.

„Nellie Takes Her Bow“ stammt dann erneut von Jeff Lynne. Die Instrumentierung ist auch bei dieser Nummer wieder ungewöhnlich für eine Rock-Band: viel Streicher, viel Piano, aber auch Gitarre, Bass und Schlagzeug. Und so wirkt dieses Stück richtig progressiv und dabei ebenfalls wieder sehr melodisch. Irgendwie kann man die bisherigen drei Titel am besten mit dem Wort „schön“ umschreiben.

“Battle Of Marston Moor (July 2nd 1644)” ist dann schon ein wenig abgefahrener. Die Ingredienzien sind zunächst zwar die gleichen wie bei den Liedern davor: Klassische Musikinstrumente. Dann folgen allerdings, ein hauptsächlich gesprochener Text und schließlich auch ganz schräge Töne, die immer mal wieder nur schwer mit dem Rest des Stücks in Einklang zu bringen sind. Die Nummer endet dann in einer fast schon wirren Streicherorgie. Nun ist die Musik absolut keine leicht verdauliche Kost mehr.

„First Movement (Jumping Biz)”, wie der Vorgänger ein Lied von Roy Wood, wartet anschließend wieder mit sehr melodiösen Tönen auf. Ein Instrumentalstück, bei dem neben den üblichen Zutaten auf dieser Platte hier, einmal die Gitarre im Vordergrund steht. Dazu kommt noch die heitere Stimmung, die die Nummer verbreitet. Schön gemacht.

Jetzt folgen drei Jeff Lynne Nummern. „Mr. Radio“ macht dabei den Auftakt. Und wenn in einem Lied das spätere Electric Light Orchestra ein wenig zu hören ist, dann wohl in diesem Titel. Und hiermit ist jetzt nicht die Disco-Xanadu-Zeit gemeint, sondern bezieht sich auf die interessanteren Popnummern, die dem Electric Light Orchestra gegen Ende der 70er Jahre auch noch gelungen waren.

“Manhattan Rumble (49th Street Massacre)” ist im Anschluss daran wieder eine orchestrale Instrumentalnummer. Vielleicht nicht ganz so gelungen wieder die ersten Tracks der Platte, aber durchaus auch nicht schlecht. „Queen Of The Hours“ ist schließlich ein etwas getragenerer Titel, wieder mit viel Cello-Einsatz, der vor allem im Refrain über eine schöne und eingängige Melodie verfügt.

Beendet wird das ursprüngliche Album wieder von einem Roy Wood Stück. „Whisper In The Night“, eine mittels Cello und Gitarre instrumentierte Ballade, die ebenfalls wieder über eine ganz nette Melodie verfügt, die allerdings schon ganz gefährlich an der Grenze zum Schmalz verläuft. Ruhig und getragen wurde das Album ursprünglich so mit den eher leisen Tönen beendet.

Auf der 2001 wiederveröffentlichten und remastereten Ausgabe der CD gibt es dann sowohl von „Battle Of Marston Moor“ sowie von „10538 Overture“ die jeweiligen ersten Takes zu hören. Beim ersten Track dauert das noch nicht einmal eine Minute und beim zweiten Stück, das zwar sogar ein paar Sekunden länger ist, als die schließlich verwendete Version, fällt es nicht leicht Unterschiede zum Opener des Albums festzustellen.

Fazit: Ein wirklich sehr interessantes Album hat das Electric Light Orchestra 1971 mit ihrem Erstling veröffentlicht. Und es ist auf diesem Album noch nicht zu erkennen, dass aus ELO mal diese Pop-Disco-Hit-Band werden sollte. Wer also ELO wegen Songs wie „Confusion“ oder „Rock’n’Roll Is King“ mag, der ist mit diesem Album ganz schlecht bedient. Wer allerdings auch der „klassischen“ Seite der Rock-Musik etwas abgewinnen kann und auch den etwas ungewöhnlicheren, vielleicht auch manchmal progressiveren Liedern nicht ganz abgeneigt gegenübersteht, der könnte mit der ersten Platte des Electric Light Orchestras ein schönes Stück Musik für sich entdecken. 11 Punkte.

Anspieltipps: 10538 Overture, Look At Me Now, Nellie Takes Her Bow, Mr. Radio







Montag, 30. Januar 2012

Various Artists - Smithsonian Folkways - Jazz Anthology






Various Artists - Smithsonian Folkways - Jazz Anthology

Ich bin ja eigentlich kein Jazz Fan. Irgendwie hat sich mir das nie eröffnet. Klar, so Big Band Sachen sind toll, aber so ein Geschrubbel und Geschrammel, ein Gedudel und Geblase, ist nicht mein Ding. Da spuckt jemand mehr in die Trompete als er reinbläst und Experten ergötzen sich an dem Getropfe, was da vorne mit dem seltsam entstandenen Ton rauskommt. Irgendwie klingt das oftmals für mich nicht stimmig. Und wenn ich mir dann das Publikum anschaue, das da eigentlich immer ganz freudestrahlend, teils mit geschlossenen Augen mitwippt….das geht echt an mir vorbei. Das muss ich dann auch nicht verstehen.

Nun aber habe ich diese Jazz Anthology von Smithsonian Folkways bekommen. Ich habe mir die Zeit genommen, auch die Ruhe, das alles mal zu verarbeiten. Ja, das ist Arbeit für mich, aber ich liebe historische Aufnahmen und ich liebe Smithsonian Folkways, das neben Bear Family Records zu meinen Lieblingslabels gehört. Es ist ein Schatz an Musik und Sounds. Und auch diese Anthology ist mehr als beeindruckend. Man merkt einfach, hier haben Wissenschaftler und Musikbegeisterte etwas in Feinstarbeit und mit viel Zeit und Liebe zusammen getragen, was nicht einen schnellen Dollar einbringen soll und wird. Diese Jazz Anthology ist vielmehr ein Einblick in das wunderbare Archiv dieses Labels, das von Folk Musik über Klassik bis zu Field Recordings und eben Jazz und vielem mehr reicht. Und hier wird erneut der Leitsatz von Moses Asch, dem Gründer von Folkways Recordings (heute Smithsonian Folkways) deutlich, die “Musik des Volkes” müsse verfügbar und hörbar gemacht werden.

Wenn man sich mal auf Jazz einlässt, auch als Unwissender, wie ich einer bin, dann kann das doch besser sein, als man denkt. Diese 6 CD 111 Songs umfassende Sammlung aus dem reichen Archiv von Folkways Recordings ist überwältigend. Hier werden Stile und Einflüsse vorgestellt, erklärt und auch so Rock- und Elektroverblendeten wir mir nahe gebracht. Ein dickes Begleitbuch rundet die Sache ab. Toll! Ich bin angetan. Klar, nicht alles ist mein Geschmack, manches ist mir dann doch etwas zu schräg und atonal, doch diese Anthology ist ein guter Beginn. Die Sammlung reicht von den frühen 30er Jahren bis zur Gegenwart und stellt den Wandel des Jazz vor. Ich kann dieses Boxset nur wärmstens empfehlen, auch und vor allem den nicht Jazzern!

Sonntag, 29. Januar 2012

The Stranglers – La Folie




The Stranglers – La Folie


Besetzung:

Hugh Cornwell – vocals, guitar
Jean-Jacques Burnel – bass
Jet Black – drums
Dave Greenfield – keyboards


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Pop Rock, New Wave, Punk


Trackliste:

1. Non Stop (2:30)
2. Everybody Loves You When You're Dead (2:42)
3. Tramp (3:05)
4. Let Me Introduce You To The Family (3:08)
5. Ain't Nothin' To It (3:56)
6. The Man They Love To Hate (4:23)
7. Pin Up (2:47)
8. It Only Takes Two To Tango (3:38)
9. Golden Brown (3:28)
10. How To Find True Love And Happiness In The Present Day (3:04)
11. La Folie (6:05)
12. Cruel Garden (2:14)
13. Cocktail Nubiles ( 7:08)
14. Vietnamerica (4:01)
15. Love 30 (3:55)
16. You Hold The Key To My Love In Your Hands (2:40)
17. Strange Little Girl (2:40)

Gesamtspieldauer: 1:01:25



Nun, nein, mit Punk, für den die „Stranglers“ am Anfang ihrer Karriere standen, mit Punk hat “La Folie” nur noch sehr wenig und nur noch am Rande zu tun. Auf „La Folie“ befinden sich dagegen Lieder, die in der Nähe des New Wave anzusiedeln sind, bis ganz nah hin zur reinen Pop-Musik. Und diese Musik, die auf „La Folie“ dargeboten wird, ist es wahrlich wert, gehört zu werden. Somit stimmt auch der Titel des Albums, „La Folie“, denn zumindest ein „Wahnsinnslied“ befindet sich wirklich auf der Platte.

Auf „La Folie“ bekommt man einen dieser seltenen „Jahrhundertsongs“ zu hören, mit dem man eine Band immer in Verbindung bringen wird. So ein Stückchen unzerstörbarer Musik. Dies in Bezug auf die Stellung, den Bekanntheitsgrad und die Art des Liedes. In etwa vergleichbar mit „American Pie“ von Don McLean. Das Stück kennt ebenfalls jeder und die allermeisten mögen es auch noch. Auch „Golden Brown“ von den „Stranglers“ wird noch in 50 Jahren im Radio zu hören sein. Und auch in 50 Jahren wird man sich dieses Songs noch nicht überhört haben. Woran das liegt? An der schönen Melodie? An der ungewöhnlichen Instrumentierung mit einem Spinett? Am überaus seltsamen Text? Wahrscheinlich ist es eine Melange aus allem, wobei wohl der Melodie der wichtigste Part zufällt. Das Lied ist auf jeden Fall ein Meisterwerk des Pop. Kein Punk. Kein New Wave. Was beweist, dass auch die Pop-Musik unvergängliche Lieder hervorzaubern kann. Lieder, die für die Ewigkeit geschaffen sind. Und genau solch ein Song ist „Golden Brown“. Einfach nur klasse.

Aber auch sonst gibt es noch einiges auf „La Folie“ zu entdecken. „Non Stop” ist ein kurzes und nicht ganz untypisches “New Wave”-Lied der damaligen Zeit. Genau in dieselbe Kerbe schlägt „Everybody Loves You When You're Dead”. Gut gemachter “New Wave”, der nur noch am Rande an Punk erinnert. Bei „Tramp” geht es dann sogar noch einen Schritt weiter, die Pop-Anleihen sind unüberhörbar. Aber auch dieses Stück ist ein Höhepunkt des Albums. Treibender Beat, klasse Melodie und dann sind sie da doch noch, die etwas schrägeren Töne, die dieses Lied wachsen lassen und erst so richtig interessant machen.

Auf „Let Me Introduce You To The Family“ hört man dann den Punk doch noch ein wenig deutlicher heraus. Ein galoppierender Rhythmus sowie eine einfache Melodie zeugen von den Wurzeln der Band. „Ain't Nothin' To It“ ist im Anschluss daran wieder ein reines „New Wave“ Lied. Erinnert mit seinen schrägen Passagen ein wenig an „Devo“. Dann wird es sogar ein bisschen rockig. „The Man They Love To Hate“ wird mit treibenden Drums eingeleitet und behält diesen schnelleren Rhythmus auch über die gesamte Länge des Liedes bei. „Pin Up” im Anschluss daran ist wieder eine typische New Wave Pop Nummer, wohingegen „It Only Takes Two To Tango“ sogar ein paar schrägere Töne aufweist, allerdings seinen Pop-Ursprung ebenfalls nicht verschleiern kann.

Es folgt das schon besprochene „Golden Brown”. Synthie-Pop mäßig wird es dann im Anschluss daran bei der Nummer „How To Find True Love And Happiness In The Present Day“, die sich zusätzlich noch durch einen gesprochenen Text, im Gegensatz zum gesungenen der anderen Stücke, auszeichnet. Was folgt ist der Titeltrack des Albums und ein weiteres Highlight des Albums. „La Folie“ klingt wunderschön schwebend und unterscheidet sich nicht nur durch den französischen Text von den anderen Stücken. Sehr melodisch ist diese Nummer und sehr viel langsamer, fast schon getragen kommt das Lied beim Hörer an. Eine klasse Abwechslung.

Und dann gibt es auf der remasterten Version von 2001 noch sechs Bonus Tracks zu hören. Dabei handelt es sich um mal mehr, mal weniger interessante Stücke. Ganz nette Dreingaben, mal melodisch, mal abgefahren und sphärisch. Aber auch eine echte Perle, ein echter Höhepunkt ist darauf mit enthalten. „Strange Little Girl“, das letzte Stück des Albums. Ein toller Popsong, verspielt, harmonisch, melodisch. Wahrscheinlich der beste Bonus Track, den ich bisher auf einem Album gefunden habe.

Fazit: Auf „La Folie“ haben sich die „Stranglers“ endgültig vom Punk und ihren Wurzeln verabschiedet. Stattdessen gibt es jetzt eingängige Song im Stile des New Wave oder Pop zu hören. Das allerdings in einer sehr hohen Güte, sodass dieses Album auch knapp 31 Jahre nach seiner Veröffentlichung immer noch zu gefallen weiß. Und „Golden Brown“, dieses Lied, wird sowieso für immer zeitlos bleiben. Das macht alles zusammen hochverdiente elf Punkte.

Anspieltipps: Tramp, Let Me Introduce You To The Family, Golden Brown, La Folie, Strange Little Girl



Samstag, 28. Januar 2012

Geist - Feuerengel





Geist - Feuerengel


Geist sind zurück. Endlich! Nach ihrem 2007er Album “Für alle Zeit” dachte ich schon, das war’s für alle Zeit, denn immer wieder wurde das neue Ding verschoben und verschoben und verschoben. Doch nun ist “Feuerengel” da. Kraftvoll, energisch, lautstark. Ein bißchen dreckig, ein bißchen an Tool angelehnt. Geist singen auf Deutsch und zeigen, dass das durchaus kein Problem ist, auch wenn man “nur” richtig gute Rockmusik macht und nicht hinter Rammstein her eiert. Die Kölner Jungs gehen ihren Weg, geradlinig und direkt auf die 12. Mal ist es ein Brett, mal einfach nur eine gefühlvolle Welle, die einen da fortträgt. Sänger Fares Rahmuns einprägsame Stimme ist die perfekte Ergänzung für die Songs. War “Für alle Zeit” noch etwas dunkler und schwerer, kommen Geist nun selbstsicherer daher. Sie haben ihren Sound gefunden. Man kann es der Band nur wünschen, dass sie mit diesem Album endlich den verdienten Durchbruch schaffen. Mein Tipp: unbedingt reinhören und kaufen!