Irgendwo im dichtgedrängelten Prog-Rock Olymp wird gerade ein Plätzchen frei gemacht. Denn was die Götter des Bombastsounds da im Himmel über dem Frankenland hören verzückt nicht nur sie. “Earth Flight” ist eine 2004 in Nürnberg gegründete Band, die nun ihr drittes Album vorlegt.
„Riverdragons & Elephant Dreams“ heißt die neue Platte der Nürnberger Band „Earth Flight“, die am 20. April erschien.
“Riverdragons & Elephant Dreams” ist schlichtweg brillant, irgendwo zwischen „Marillion“ und „Porcupine Tree“ anzusiedeln. Und das sagt schon viel über die Qualität und den Sound aus. “Earth Flight” klingen dabei nicht wie eine Lokalcombo, die mal eben ihren Heroen nacheifern will. Hier spielt vielmehr eine Band, die problemlos neben den großen Namen bestehen kann. Perfekt produziert, leicht verspielt, doch immer konzentriert auf den eigenen Sound.
Und dann sind da eben diese bewegenden, farbigen Soundflächen, die von “Earth Flight” gekonnt wie Klangkünstler gefüllt werden. Nicht überbordend und zugeschwallt, vielmehr mal zärtlich und schleichend, um dann in einem orgiastischen Kollaps zu enden. So muss Progressive Rock 2018 klingen. Nicht angestaubt und der Vergangenheit zugewandt, sondern selbstbewusst und offen durch die Jahrzehnte des musikalischen Erbes wandelnd. “Riverdragons & Elephant Dreams” ist für mich eine der besten Alben “so far” in diesem Jahr. Die Latte liegt nun ziemlich weit oben!
Gazpacho – Night Besetzung: Jan Henrik Ohme – vocals Thomas A. Anderson – keyboards Jon-Arne Vilbo – guitars Mikael Krømer – violins & mandolin Kristian Olav Torp – bass Lars Erik Asp – drums (Robert A. Johansen – drums on original „Night“) Gastmusiker: Kristian „The Duke“ Skedsmo – tin whistle, low whistle, accordion, didgeridoo, mandolin & banjo Label: KScope Erscheinungsdatum: 2007 Stil: Progressive Rock, Art Rock Trackliste: CD1: 1. Dream Of Stone (17:01) 2. Chequered Light Buildings (6:34) 3. Upside Down (9:39) 4. Valerie’s Friend (6:30) 5. Massive Illusion (13:37) CD2: 1. Dream Of Stone (live) (17:18) 2. Chequered Light Buildings (live) (6:07) 3. Upside Down (live) (10:26) Gesamtspieldauer CD1 (53:23) und CD2 (33:53): 1:27:16
„Night“ heißt das vierte Studio-Album der norwegischen Progressive Rock Band Gazpacho. „Night“ wurde ursprünglich im Januar 2007 auf dem Plattenlabel Racket Records veröffentlicht. Im November 2012 erfolge schließlich eine Wiederveröffentlichung auf dem Label KScope. Dieses Mal erschien das Album mit alternativem Cover und in Form einer Doppel-CD. Auf der zweiten Scheibe kann man auf über einer halben Stunde die ersten drei Lieder des Albums live eingespielt hören.
„Night“ enthält alles, was man als Freundin beziehungsweise Freund der Musik der Norweger so liebt. Fünf Lieder befinden sich auf dem Album, die alle ineinander übergehen und sämtlich stellvertretend für sehr harmonischen Progressive Rock stehen. Die Musik umschwirrt melodiös das Ohr und setzt sich auch sofort darin fest. Alles wirkt und klingt auf „Night“. Die Titel entwickeln sich dabei allesamt langsam, das Tempo wird nur spärlich angezogen und nicht selten endet das Ganze in einem zarten Violinen-Solo des Mikael Krømer. Obwohl alle Titel in einem ähnlichen Stil gehalten sind, so ist das, was es auf „Night“ zu hören gibt, niemals langweilig. Vielmehr kann man in diese sehr dichte und intensive Musik wunderbar eintauchen und sich entspannt auf eine abwechslungsreiche musikalische Reise begeben, die diverse, spannende Eindrücke vermittelt. Immer sind diese dabei melodiös.
Lediglich beim ersten und längsten Titel „Dream Of Stone“ wird es auch mal richtig rockig. Ansonsten hört man einmal mehr auf einem Gazpacho-Album die sanften, melancholischen und eher traurigen Töne. Auch auf „Night“ erklingt Musik der sechs Norweger, auf die sich zu konzentrieren lohnt, die, falls im Hintergrund gehört, verschenkt klingt. Dabei überzeugen und wirken wirklich auch alle Lieder der Platte. Deswegen ist es einigermaßen schwer, hier den einen oder anderen Höhepunkt herauszustellen. Alle einzelnen Stücke sind von gleichbleibender Qualität, die weit über dem Durchschnitt angesiedelt ist und alle Lieder haben das Potenzial Lieblingslieder zu werden. Allerdings muss man den leicht weinerlichen Gesang des Jan Henrik Ohme mögen. Dieser passt im Grunde genommen perfekt zu dieser Art der Musik, könnte jedoch für die eine oder den anderen der Punkt sein, weswegen „Night“ nicht zum Favoriten wird.
Mit der Wiederveröffentlichung bekommt man schließlich noch eine zweite CD mitgeliefert, die die ersten drei Titel des regulären Albums in Live-Versionen enthält. Diese unterscheiden sich nicht zu sehr von den Original-Versionen, besitzen allerdings doch leichte Abweichungen und klingen qualitativ einwandfrei. Von daher stellt diese Zusatz-CD eine schöne Erweiterung des Materials auf „Night“ dar.
Fazit: Ein weiteres sehr schönes und hörenswertes Album ist „Night“ der norwegischen Band Gazpacho geworden. Wer auf melancholischen und immer melodiösen Progressive Rock bis Art Rock steht, die oder der kann mit dieser Scheibe absolut nichts falsch machen. Jeder einzelne Titel des Albums überzeugt, es gibt keine Ausfälle zu beklagen. Musik die sich lohnt gehört zu werden und begeistert. Zwölf Punkte.
Anspieltipps: Dream Of Stone, Chequered Light Buildings, Valerie‘s Friend
Udo Lindenberg – Panik Udo Besetzung: Udo Lindenberg – Gesang Gastmusiker: Keine weiteren Angaben Label: Warner Music Erscheinungsdatum: 1976 Stil: Deutsch Rock Trackliste: 1. Hoch Im Norden (3:50) 2. Candy Jane (3:14) 3. Good Life City (2:56) 4. Rock ’n’ Roll Band (3:18) 5. Tief Im Süden (2:27) 6. Wanderin’ Man (2:01) 7. Jonny Controletti (3:13) 8. Bodo Ballermann (3:16) 9. 0-Rhesus-Negativ (3:38) 10. Cello (2:59) 11. Rudi Ratlos (3:10) 12. Wir Wollen Doch Einfach Nur Zusammen Sein (3:05) Gesamtspieldauer: 37:12
„Panik Udo“ ist das erste „Best Of…“-Album des Udo Lindenberg. Es erschien am 15. Mai 1976 und enthält Lieder der ersten sechs Studio-Alben sowie das englisch eingesungene und sonst auf keiner anderen Platte enthaltene Lied „Wanderin‘ Man“.
Besitzt man die ersten Alben des Udo Lindenberg, ist diese Scheibe natürlich absolut überflüssig und für „Wanderin‘ Man“ lohnt sich der Kauf wahrlich nicht. Allerdings gibt die Scheibe selbstverständlich einen schönen Überblick über das Schaffen des Udo Lindenbergs zu Beginn seiner Solo-Karriere. Und solche Perlen wie „Hoch Im Norden“, „Tief Im Süden“, „0-Rhesus-Negativ“, „Cello“ oder „Wir Wollen Doch Einfach Nur Zusammen Sein“ sind ebenfalls enthalten. Die Musik des Udo Lindenberg Anfang bis Mitte der 70er Jahre wird zumindest mit einigen Höhepunkten wiedergegeben.
Fazit: „Panik Udo“ ist etwas für Komplettisten, die alles von Udo Lindenberg besitzen möchten oder für all jene, die sich einen kurzen Überblick über die Musik des gebürtigen Gronauers am Anfang der 70er Jahre machen wollen. Nicht alles auf „Panik Udo“ überzeugt, doch das ist wie immer reine Geschmackssache. Acht Punkte.
Toto – Hydra Besetzung: Bobby Kimball – lead and backing vocals Steve Lukather – guitars, lead and backing vocals Steve Porcaro – keyboards, electronics David Paich – keyboards, lead and backing vocals David Hungate – bass, guitar Jeff Porcaro – drums, percussion Gastmusiker: Michael Boddicker – keyboards Roger Linn – synthesizers Lenny Castro – percussion Marty Paich – string arrangements Label: Sony Music Erscheinungsdatum: 1979 Stil: Pop, Funk Rock, Rock, R’n‘B Trackliste: 1. Hydra (7:31) 2. St. George And The Dragon (4:44) 3. 99 (5:16) 4. Lorraine (4:46) 5. All Us Boys (5:02) 6. Mama (5:14) 7. White Sister (5:38) 8. A Secret Love (3:06) Gesamtspieldauer: 41:20
Das zweite Album der US-amerikanischen Band Toto mit dem Namen „Hydra“ enthält einen musikalischen Genre-Stilmix aus Pop, Rock und angedeuteten R’n’B-Elementen. Das Album erschien am 1. Oktober 1979 auf dem Plattenlabel Columbia Records und kletterte bis auf Platz 37 der US Billboard Pop Album Charts. Drei Singles wurden mit den Liedern „St. George And The Dragon“, „99“ und „All Us Boys“ aus der Platte ausgekoppelt. Davon konnte sich lediglich die Nummer „99“ in den Billboard Hot 100 auf Platz 26 etwas höher eingruppieren.
Insgesamt ist „Hydra“ ein wenig rockiger geraten, als noch das selbstbetitelte Debut-Album. Allzu oft klingt die Platte dabei jedoch fast schon etwas anbiedernd. Sehr eingängige, manchmal auch oberflächliche Melodien, die ganz nett anzuhören sind, jedoch nicht wirklich zu begeistern verstehen und auch nicht zu packen wissen. Dazu kommt der Umstand, dass der Musik von Toto auf „Hydra“ irgendwie der Wiedererkennungswert fehlt. So klangen viele US-amerikanische Bands der damaligen Zeit, die sich in den Gefilden des Pops und Rocks tummelten.
Einen kleinen Ohrwurm enthält „Hydra“ jedoch auch, das Lied „99“. Der Titel wurde als Hommage an George Lucas‘ Film „THX 1138“ geschrieben und das Musikvideo ähnelt einer Szene im Film. Das sanfte Lied verfügt über eine sehr eingängige Melodie, die sich wirklich festsetzt. Auch wenn man die Nummer zwanzig Jahre nicht mehr gehört hat, der Wiedererkennungswert ist auch dann noch gegeben. Der Text ist dabei absolut wirr und es wird wohl ewig das Geheimnis der Band bleiben, was sie uns damit sagen wollen. Nun und der Rest? Alles gut hörbar, jedoch wahrlich nicht großartig der Rede wert.
Fazit: Ein poppig rockiges Album ist „Hydra“, das zweite Album von Toto geworden. Darauf enthalten ist zumeist sehr eingängige Musik, die oftmals jedoch nicht über den Status der Oberflächlichkeit hinauskommt. Lediglich der Titel „99“, inspiriert durch einen George Lucas Film, kann da etwas besser überzeugen. Ansonsten ist „Hydra“ maximal Durchschnitt verglichen mit anderen Pop-Rock-Scheiben der ausgehenden 70er Jahre. Sieben Punkte.
Those Willows – Those Willows Besetzung: Mel Tarter – vocals Jack Wells – guitar, vocals Josh Hertel – drums Mike Grippi – bass Adam Brock – piano, lead guitar Gastmusiker: Zach Banks – cello Patti King – violin Emily Warden – saxophone Label: Eigenverlag Erscheinungsdatum: 2016 Stil: Indie Pop Trackliste: 1. A Dream I Had (3:06) 2. Know More (2:58) 3. Some Kind Of Love (3:43) 4. Think For Me (2:38) 5. Things Will Change (2:52) 6. Mitten State (3:37) 7. Ms. Powers (2:16) 8. Empty Home (3:11) 9. Hedrick (2:28) 10. Ghost On The Sidewalk (4:26) Gesamtspieldauer: 31:18
„Those Willows“ ist eine aus Portland, Oregon stammende Indie-Pop-Band die bereits seit fast einem Jahrzehnt besteht. Das selbstbetitelte Album „Those Willows“ enthält Pop-Musik, die durch Ausflüge in die musikalischen Genres des Motown und des Folk bereichert wird. Dabei klingt die Musik der US-Amerikaner immer freundlich, offen, optimistisch und doch auch immer wieder mal verträumt.
Die zehn Titel auf „Those Willows“ klingen allesamt sehr melodiös und grooven zum Teil sogar richtiggehend. Dabei haben die beiden Song-Schreiber Mel Tarter und Jack Wells großen Wert auf die Eingängigkeit ihrer Musik gelegt. Dies ist ihnen auch gelungen, jeder der Titel geht schnell ins Ohr und die Lieder besitzen allesamt diesen gewissen Wiedererkennungswert, der die Musik mancher, jedoch wahrlich nicht jeder Band bereichert. Sanft klingt die Musik insgesamt auf „Those Willows“, dabei sehr relaxt und sich treiben lassend.
Höhepunkte sind das etwas flottere, ein klein wenig folkig angehauchte „Empty Home“, zu dem man einfach Mitwippen muss. Das darauffolgende Lied „Hedrick“ ist eine wunderschöne sanfte, fast ein wenig zerbrechlich klingende Nummer, während der man in süßer Melancholie versinken kann. Da sich auf dem Album keinerlei Ausfälle befinden, steht dem Hörerlebnis wahrlich nichts mehr im Wege. Einzig die sehr kurze Laufzeit von knapp über einer halben Stunde Spieldauer gibt hier etwas Anlass zur Kritik.
Fazit: Ein schönes, sanftes und ruhiges Album ist „Those Willows“ von den Those Willows geworden. Eingängigen Indie-Pop gibt es darauf zu hören, welcher durch die musikalischen Genres Folk und Motown ergänzt wird. Viele der Melodien umschmeicheln sanft das Ohr und verweilen dort. Macht Spaß. Acht Punkte.
Kaipa – Kaipa Besetzung: Ingemar Bergman – drums, percussion, vocals Roine Stolt – electric and acoustic guitars, vocals Tomas Eriksson – bass, vocals Hans Lundin – organ, fender piano, yamaha synthsizer, string synthesizer, grand piano, glockenspiel, harpsichord, lead vocals Label: Tempus Fugit (ursprünglich Decca) Erscheinungsdatum: 1975 Stil: Progressive Rock Trackliste: 1. Musiken Är Ljuset (Music Is Light) (7:05) 2. Saker Har Tva Sidor (Things Have Two Sides) (4:36) 3. Ankaret (The Anchor) (8:41) 4. Skogspromenad (Forrest Walk) (3:40) 5. Allting Har Sin Början (All Things Have A Beginning) (3:12) 6. Se Var Morgon Gry (See Each Morning Dawn) (8:54) 7. Förlorad I Istanbul (Lost In Istanbul) (2:25) 8. Oceaner Föder Liv (Oceans Give Birth To Life) (9:29) Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung von 2015: 9. Fran Det Ena Till Det Andra (From One Thing To Another) (2:50) 10. Karavan (Caravan) (2:53) Gesamtspieldauer: 53:50
Kaipa wurden im Jahr 1973 ursprünglich als „Ura Kaipa“ gegründet. Dies wiederum ist der Name eines schwedischen Steinzeit-Häuptlings aus dem Buch „Svenskarra och deras hövdingar“ des schwedischen Schriftstellers Verner von Heidenstam. Ein Jahr später nannte sich die Band, immer noch ein Trio, um in Kaipa. Es wurde ein Gitarrist gesucht und man fand ihn im siebzehnjährigen Roine Stolt, der später dann die Flower Kings zur Berühmtheit bringen sollte. Es wurde fleißig geprobt, es folgten diverse Auftritte und im Juli 1975 wurde das erste Album innerhalb von neun Tagen eingespielt und diese selbstbetitelte Scheibe erschien anschließend Ende dieses Jahres 1975 ursprünglich auf dem Plattenlabel Decca.
Man hört auf „Kaipa“ von Kaipa eingängigen, melodiösen und symphonischen Progressive Rock, der nicht unbedingt sofort beim ersten Mal des Hörens ins Ohr geht, jedoch definitiv spätestens beim dritten Durchlauf. Die dargebotenen Melodien und Harmonien benötigen ein wenig Zeit zur vollständigen Entfaltung, doch erschließt sich einem diese Musik mit jedem weiteren Durchlauf mehr und intensiver. Da kommen einem die britischen Kollegen von Genesis zur damaligen Zeit automatisch ins Gedächtnis, denn ähnlich klingt die Musik der Schweden von der Machart her durchaus. Jedoch wird von Kaipa keineswegs kopiert, nur bewegt sich die Musik eben auf demselben Untergrund des eingängigen und melodiösen Progressive Rock.
Sehr kompliziert klingt bei Kaipa nichts, alles ist eher auf diese Eingängigkeit hin angelegt und in diese lohnt sich wahrlich einzutauchen. Zugegebenermaßen stört zu Beginn allerdings etwas der Gesang. Nicht jedoch, weil Hans Lundin eine seltsame Stimme hätte oder aber keinen Ton treffen würde. Es ist die Sprache Schwedisch, die im ersten Moment des Hörens einfach ungewohnt ist. Es bedarf wirklich mehrerer Durchgänge und trotzdem bleibt die Sprache immer noch eine durchaus ungewohnte Besonderheit für deutsche Ohren. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass solch ein Titel wie „Skogspromenad“ gleich mit zu den Höhepunkten zu zählen ist, welcher sofort wirkt – es ist eine Instrumentalnummer. Trotzdem macht „Kaipa“ von Kaipa Spaß und mit der Zeit wird auch die schwedische Sprache vertrauter, auch wenn man den Inhalt nicht versteht.
Fazit: Eine Platte ganz im Stile der früheren Genesis ist das Debut-Album der schwedischen Band Kaipa geworden. Die schwedische Sprache ist dabei etwas gewöhnungsbedürftig, jedoch gewöhnt man sich wirklich daran. Und auch wenn die Musik nicht ganz die Qualität der englischen Kollegen erreicht, so ist „Kaipa“ von Kaipa doch ein sehr hörenswertes Album geworden, auf dem man symphonischen und melodischen Progressive Rock hören kann, wie er typisch ist für die beginnenden bis mittleren 70er Jahre. Zehn Punkte.
Gastmusiker: Even Skatrud Andersen – trombone Mathias Eick – trumpet & flugelhorn Ketil Vestrum Einarsen – flute Øyvind Fossheim – violin Lars Horntveth – tenor sax and bass-clarinette Line Horntveth – tuba Vegard Johnsen – violin André Orvik – violin Anne-Grethe Orvik – oboe Baard Slagsvold – piano, wurlitzer, fender rhodes, clavinette, vocals Helge Sten (Deathprod) – audio virus, filters, ringmodulators, echoplex, theremin, fingersnaps Hans Morten Stensland – violin Jon W. Sønstebø – viola Anne Britt Søvig Årdal – cello Label: Stickman Records Erscheinungsdatum: 2001 Stil: Psychedelic Rock Trackliste: 1. Bedroom Eyes (2:18) 2. For Free (5:13) 3. B.S. (3:41) 4. Landslide (4:38) 5. Go To California (8:00) 6. Painting The Night Unreal (6:35) 7. The Slow Phaseout (4:30) 8. Blindfolded (3:44) 9. When You're Dead (4:52) Gesamtspieldauer: 43:37
„Phanerothyme“ nannte die norwegische Rock Band Motorpsycho ihr neuntes Studio-Album. Dieses wurde am 3. September 2001 erneut auf dem Plattenlabel Stickman Records veröffentlicht. „Phanerothyme“ ist nach dem Vorgänger „Let Them Eat Cake“ das zweite Album der Norweger, welches es in ihrem Heimatland bis auf Platz 1 der Charts schaffte. Inn Anbetracht dieses Umstandes kann man sich bereits denken, dass auch die Musik auf „Phanerothyme“ eingängiger sein muss, als jene auf den diversen anderen Platten von Motorpsycho. Der Titel des Albums ist übrigens eine Wortschöpfung des britischen Schriftstellers Aldous Huxley, um damit bewusstseinserweiternde Drogen zu beschreiben. „Drogengeschwängert“ klingt die Musik von Motorpsycho auf „Phanerothyme“ jedoch keinesfalls.
„Phanerothyme“ klingt sogar noch ein wenig poppiger, als der Vorgänger. Und „Phanerothyme“ hört sich dabei auch noch eingängiger als „Let Them Eat Cake“ an und verbreitet dabei sogar eine meist fröhliche Stimmung. Nicht nur als der Vorgänger, denn letzteres trifft wohl auf den Vergleich zu allen anderen Motorpsycho-Platten zu. Die Musik auf „Phanerothyme“ ist hell, sonnig, relaxt. Viele Bläser und Streicher sorgen für zusätzliche Melodiösität – und so klingt die Platte auch fein und nett und auch durchaus mal interessant. Die Betonung liegt hierbei allerdings leider auf dem Wort „mal“. Das Besondere in der Musik von Motorpsycho ist in diesen Stücken kaum mehr zu finden. Da hilft alle Eingängigkeit nichts, denn das Album klingt leider an vielen Stellen ein klein wenig austauschbar.
Am überzeugendsten wirkt die Platte an ihrem Beginn und ihrem Ende. Die beiden Titel „Bedroom Eyes“ und „When You're Dead“ sind wunderschöne poppige Lieder mit Ohrwurmcharakter, bei denen Streicher und Bläser ihre perfekten Einsätze bekommen. Bezüglich der Bläser gilt dies vor allem für die letzte Nummer „When You're Dead“. Wahrlich gelungen ist dabei auch der etwas makabre Text: „Everything is great when you're dead, Your family surrounds you, there are flowers in your bed, Everything is just like they said..., I like lying down just to feel it“ („Alles ist großartig, wenn man tot ist. Deine Familie umgibt dich, da sind Blumen in deinem Bett. Alles ist genau so, wie sie es gesagt haben.... Ich lege mich gern hin, nur um es zu fühlen.).
Fazit: „Phanerothyme“ ist wahrlich kein schlechtes Album. Allerdings ist es eines geworden, welches für die norwegische Band Motorpsycho alles andere als typisch ist. Auf „Phanerothyme“ bekommt man überwiegend sehr sanfte Pop-Musik präsentiert, die häufig auch sehr melodiös gehalten ist und ins Ohr geht. Neben ein paar wirklich gelungenen Höhepunkten gibt es auf diesem Album zwar keine schlechte, jedoch auch deutlich weniger interessante Musik zu hören. Neun Punkte.
Various Artists – 25 Years Of Number 1 Hits - Volume 7 1984/1985 Besetzung: Keine weiteren Angaben Gastmusiker: Keine weiteren Angaben Label: Connoisseur Collection Erscheinungsdatum: 1996 Stil: Pop, Rock, New Wave Trackliste: 1. KC & The Sunshine Band – Give It Up (4:12) 2. Culture Club – Karma Chameleon (4:00) 3. Yes – Owner Of A Lonely Heart (4:27) 4. Frankie Goes To Hollywood – Relax (3:56) 5. Nena – 99 Red Balloons (3:52) 6. John Waite – Missing You (3:32) 7. Chaka Khan – I Feel For You (4:06) 8. Jim Diamond – I Should Have Known Better (4:08) 9. Foreigner – I Want To Know What Love Is (5:04) 10. Dead Or Alive – You Spin Me Round (Like A Record) (3:14) 11. REO Speedwagon – Can't Fight This Feeling (4:52) 12. Phyllis Nelson – Move Closer (4:10) 13. Paul Hardcastle – 19 (3:32) 14. Tears For Fears – Everybody Wants To Rule The World (4:09) 15. Paul Young – Everytime You Go Away (4:17) 16. Huey Lewis & The News – The Power Of Love (3:54) 17. Midge Ure – If I Was (4:44) 18. A-Ha – Take On Me (3:49) Gesamtspieldauer: 1:14:06
Eine ganz nette Übersicht über die Musik, welche in den Jahren 1984 und 1985 aktuell war erhält man mit dem Album „25 Years Of Number 1 Hits - Volume 7 1984/1985“. Im Jahr 1996 erschien dieses Kompilationsalbum im Rahmen einer ganzen Reihe, die auf dem Platenlabel Connoisseur Collection veröffentlicht wurde.
Die Kompilationsalben dieser Reihe wurden in England veröffentlicht, enthalten dementsprechend die dortigen Nummer 1 Hits der damaligen Charts. Diese waren in den Bereichen Pop, Rock und auch Rock angesiedelt. Natürlich sind auf dieser Zusammenstellung nicht alle Nummer 1 Hits enthalten, die Zusammenstellung geschah eher auszugsweise. Für Menschen, die zur damaligen Zeit bereits mit Musik in Berührung kamen, sicherlich eine kleine Reise in die Vergangenheit.
Die Lieder klingen alle, Grausamkeiten stellen in meinen Ohren allerdings Culture Club mit „Karma Chameleon“, Chaka Khan mit „I Feel For You“ sowie Phyllis Nelson mit „Move Closer“ dar. Dafür entschädigen die Nummern „Relax“, „You Spin Me Round (Like A Record)“ sowie „19“ von Frankie Goes To Hollywood, Dead Or Alive beziehungsweise Paul Hardcastle. Aber auch dieses Mal gilt einmal mehr, wie immer bei solchen Zusammenstellungen: alles reine Geschmackssache.
Fazit: Einige Nummer 1 Hits der englischen Charts sind auf diesem Kompilationsalbum zusammengestellt worden. Mit den achtzehn Titeln erhält einen ganz guten Überblick über die damals angesagte Musik. Und auch wenn „25 Years Of Number 1 Hits - Volume 7 1984/1985“ die englischen Charts widerspiegelt, kennt man auch in Deutschland all diese Hits, die sich ebenfalls in den hiesigen Charts platzieren konnten. Im Falle von Nena allerdings in der deutschen Version ihrer „99 Luftballons“. Sieben Punkte.
Anspieltipps: Relax, You Spin Me Round (Like A Record), 19
Dirtmusic – Bu Bir Ruya Label: Glitterbeat Erscheinungsdatum: 2018 Stil: Independent Rock, Weltmusik, Experimental Rock Trackliste: 1. Bi De Sen Söyle (7:57) 2. The Border Crossing (5:42) 3. Go the Distance (6:50) 4. Love Is a Foreign Country (4:36) 5. Safety in Numbers (6:44) 6. Outrage (6:44) 7. Bu Bir Ruya (3:37) Gesamtspieldauer: 42:10
Als George W. Bush am 29. Januar 2002 in seiner „State of the Union“ Rede von der „Axis of Evil“ sprach, war die Welt entsetzt. Hier wurde ein neuer Ton in der amerikanischen Außenpolitik angeschlagen. Die Folgen dieser Neuausrichtung spüren wir noch heute. Ja, der derzeitige Amtsinhaber Donald Trump hat diesen vielbeachteten Satz von „W“ sogar noch verschlimmert. Die Achse der „bösen“ Länder wurde dramatisch erweitert. Einreiseverbote, Mauern, Aufkündigung internationaler Verträge und Abkommen, eine sehr beschränkte Sichtweise auf die Welt sind die Folgen dieser Politik.
Und dann liegt da dieses Album im Briefkasten. „Bu Bir Ruya“, die neue Platte von Dirtmusic. Für mich die beeindruckende, emotionale und passende Antwort auf die Engstirnigkeit so mancher Politiker hier in den USA, in Deutschland, der Türkei und an vielen anderen Orten. Chris Eckman und Hugo Race hatten fünf Jahre nach Bushs Rede „Dirtmusic“ gegründet, damals noch mit dem „Codeine“ Schlagzeuger Chris Brokaw. Anfangs war die Band auf den Spuren des weiten Americana Sounds unterwegs. Lange mentale Highways wurden da bereist. Mit den folgenden Alben gingen Eckman und Race jedoch neue Wege, sie arbeiteten in Bamako, Mali, mit malischen Musikern zusammen und schufen so einen weltoffenen Sound.
Nun liegt das fünfte Album von „Dirtmusic“ vor. Diesmal zog es Chris Eckman und Hugo Race nach Istanbul. Im Dezember 2016, nach dem Putsch in der Türkei und dem Wahlsieg Donald Trumps in den USA, kamen sie in der Stadt am Bosporus mit Murat Ertel von Baba Zula zusammen, die 2017 auf dem Nürnberger Bardentreffen zu hören waren.
„Bu Bir Ruya“ ist keine politische Platte und doch hochpolitisch. Gerade weil sie Grenzen öffnet und überschreitet. Für mich klingt die Platte wie die musikalische Antwort auf die politische Engstirnigkeit und den dümmlichen Nationalismus unserer Tage. Hier und da. Auf „Bu Bir Ruya“ kommen Musiker aus verschiedenen Welten zusammen. Der Amerikaner Chris Eckman, Gründungsmitglied der Folk-Rock Band „The Walkabouts“, der heute im slowenischen Ljubljana lebt. Der Australier Hugo Race, der ein musikalischer Weltenbummler sondergleichen ist, der schon in London, Berlin und Prag lebte und jüngst hervorragende Kollaborationen mit der Belgierin Catherine Graindorge und dem Italiener Michelangelo Russo vorlegte. Und da ist Murat Ertel, der Kopf der Gruppe „Baba Zula“, die seit 1996 den Klang des Orients mit Rockmusik verbinden und international gefeiert werden. Hinzu wurden noch einige Gastmusiker eingeladen.
Es ist ganz großes Kino, was auf dieser Platte entstanden ist. Americana trifft auf den Orient, die San Francisco Bay zu Gast am Bosporus. Hier kommt die Welt zusammen. Auch wenn „Bu Bir Ruya“ nicht als politische Platte gedacht war, sie ist ein leuchtendes Beispiel dafür, was in Gefahr ist verloren zu gehen, wenn sich nationalistische Tendenzen durchsetzen, wenn in der Welt neue physische und mentale Mauern gebaut werden, wenn kleinkarierte Politiker ohne Weltsicht und Sachverstand die Oberhand bekommen. Musik ist eine universelle Sprache. Eckman, Race und Ertel lassen daran auf dieser neuesten „Dirtmusic“ Platte keinen Zweifel aufkommen.
Al Stewart – Bedsitter Images Besetzung: Al Stewart – vocals, guitar, keyboards Gastmusiker: Alexander Faris – conductor, orchestral arrangements Label: Warner Music Erscheinungsdatum: 1967 Stil: Folk Trackliste: 1. Bedsitter Images (3:18) 2. Swiss Cottage Manoeuvres (4:01) 3. The Carmichaels (2:53) 4. Scandinavian Girl (2:35) 5. Pretty Golden Hair (3:39) 6. Denise At 16 (3:19) 7. Samuel, Oh How You've Changed (4:02) 8. Cleave To Me (2:53) 9. A Long Way Down From Stephanie (3:29) 10. Ivich (4:26) 11. Beleeka Doodle Day (7:00) Gesamtspieldauer: 41:40
Das erste Album des britischen Folk-Sängers Al Stewart heißt „Bedsitter Images“ und wurde am 6. April 1967 ursprünglich auf dem Plattenlabel CBS Records veröffentlicht. Im Jahr 2008 erschien das bisher sechszehnte und letzte Album des Al Stewart, der allerdings immer noch Konzerte gibt. Auf „Bedsitter Images“ hört man englischen Folk, Gesang und Gitarre mit jeder Menge Orchester untermalt.
Die Musik des Al Stewart klingt sehr weich, ist immer melodiös und geht ohne großartige Umwege auch sofort ins Ohr. Der Engländer erzählt beziehungsweise singt seine Geschichten mit sehr sanfter Stimme, dazu ertönen weiche akustische Gitarrenakkorde und schließlich erklingen noch viele Orchester-Instrumentierung und runden das warme und weiche Bild ab, welches „Bedsitter Images“ vermittelt. Das klingt immer eingängig, überschreitet allerdings manchmal auch die Grenze zur Überzuckerung, wenn nämlich zu viele Streicher zu viel Puderzucker über die einzelnen Lieder ausschütten. Auch die weiche Stimme des Al Stewart, im Grunde genommen perfekt für diese Art der Musik geeignet, wird auf die Dauer nicht jeder und jedem zusagen. Die Gesangsstimme des Al Stewart wird nur sehr wenig moduliert, klingt somit auf längere Sicht durchaus etwas monoton und einförmig. Die Kritiker von Al Stewart finden seine Musik deutlich zu weichgespült, ein Kritikpunkt, den man durchaus nachvollziehen kann.
Nichtsdestotrotz klingt und wirkt die Musik des Al Stewart. Jedes Lied ist melodiös und angefüllt mit schönen Harmonien. Die Lieder auf „Bedsitter Images“ sind nicht geeignet sich aufzuregen, sondern viel eher, um einen langen und anstrengenden Tag langsam ausklingen zu lassen und sich zu entspannen. Es gibt keine Ausfälle auf diesem Album. Alles, wirklich alles ist im selben Stil gehalten, klingt einheitlich und hört sich unaufgeregt angenehm an. Von daher gibt es im Grunde genommen auch keine wirklichen Höhepunkte, da der Stil vom ersten bis zum letzten Takt durchgezogen wird. Zwei Ausnahmen gibt es allerdings doch. Die Lieder „Denise At 16“ und „Ivich“ sind Instrumentalnummern, während derer lediglich Al Stewart an der Gitarre zu hören ist. Auch diese beiden Lieder sind absolut eingängig und umschwärmen das Ohr und bilden durch den fehlenden Gesang und der ausbleibenden Orchestrierung dann doch eine schöne Abwechslung. Und schließlich sollte an dieser Stelle auch der letzte und längste Titel der Platte, „Beleeka Doodle Day“, Erwähnung finden. Er beginnt mit akustischer Gitarre, der Gesang des Al Stewart setzt ein, schließlich auch Schlagzeug und Orgel. Immer wieder wird das Thema wiederholt, das macht diese Nummer sehr eindringlich und schließlich dann doch zum Höhepunkt auf „Bedsitter Images“. Traurig ist an dem Lied jedoch, dass es ganz am Ende, wenn die Musik ihren Höhepunkt erreicht hat, ziemlich lieblos ausgeblendet wird. Das scheint an der Zeit des Entstehens in den 60er Jahren zu liegen, als solch lange Lieder immer noch etwas Außergewöhnliches darstellten.
Fazit: Eine warme, ruhige und weiche Platte ist das Debut-Album des Al Stewart mit dem Titel „Bedsitter Images“ geworden. Englischer Folk, der überaus melodiös und eingängig klingt. Al Stewart erzählt seine Geschichten, die Musik ist dabei an manchen Stellen etwas überzuckert. Gesang und akustische Gitarre stehen im Vordergrund, das Orchester füllt den Sound auf. Musik zum Entspannen, die einfach, trotz aller Weichheit, irgendwie schön klingt. Zehn Punkte.
Pretty City – Cancel The Future Besetzung (ohne weitere Instrumentenangabe): Hugh Matthews Johnny Rock Drew Schapper Ken Hennessey Label: Gaga Music Erscheinungsdatum: 2017 Stil: Rock, Pop, Shoegaze Trackliste: 1. Nothing Happens For Free (3:46) 2. Piece Of The Puzzle (3:16) 3. Flying (2:55) 4. Same As Before (3:03) 5. Everybody Misses You (2:57) 6. Television (3:19) 7. Boots (3:57) 8. Be Someone (3:19) 9. Simone (2:44) 10. Sing Me The Song (4:15) Gesamtspieldauer: 33:31
„Cancel The Future“ heißt das zweite Album der australischen Rock Band Pretty City. „Cancel The Future“ erschien im Jahr 2017 auf dem Plattenlabel Gaga Digi. Zu hören gibt es darauf überaus eingängigen und melodischen Rock bis Pop, der lediglich wenige Durchläufe benötigt, um sich im Ohr festzusetzen. Pretty City sind im Moment sogar auf Deutschland- beziehungsweise Europa-Tournee, ein Konzertbesuch lohnt dabei immer.
Die Scheibe beginnt mit dem Titel „Nothing Happens For Free“ und während die ersten Takte erklingen könnte man glatt meinen, nun beginnen Pink Floyd Ende der 60er Jahre ein Lied im Stile des Psychedelic Rocks anzustimmen. Doch dieser Eindruck besteht nur kurz, schnell wechselt die Musik in die Bereiche der radiotauglichen und im 21. Jahrhundert verwurzelten Musik, die sich bereits beim ersten Mal des Hörens sehr eingängig anhört. Dabei klingen die Lieder von Pretty City auf „Cancel The Future“ fast ausnahmslos positiv und optimistisch, Gute-Laune-Musik für die hellen Tage des Lebens oder, um diese zu erzeugen.
Diese Mischung aus eingängigem Rock bis Pop wirkt. Manches Mal, wie beim beschwingten „Television“ glaubt man sogar die Beatles herauszuhören, zumindest jedoch einige BritPop-Kollegen. Selten wagen sich die vier Musiker jedoch noch ein wenig weiter, beginnen zu experimentieren. So geschehen beim Titel „Boots“, bei am Beginn zu einem elektronisch-sphärischen Hintergrund die Worte „He got his boots on the wrong feet“ Mantra-artig wiederholt werden. Anschließend beginnt der Titel klasse zu grooven, die Aussage bleibt dabei dieselbe, rückt allerdings etwas in den Hintergrund. Ein cooles Lied, welches zum Mitwippen animiert. Neben dieser Nummer ist das Lied „Flying“ ein weiterer Höhepunkt auf „Cancel The Future“, da man bereits beim zweiten Hören glaubt, das Lied schon ewig zu kennen. Ein Titel mit sehr hohem Wiedererkennungswert.
Fazit: „Cancel The Future“ von Pretty City verbreitet jede Menge Spaß. Eingängiger Rock-Pop, der ohne große Umwege schnell ins Ohr geht ist auf dem Album zu hören. Sämtliche Lieder auf „Cancel The Future“ unterhalten und Ausfälle gibt es glücklicherweise auch keine zu beklagen. Noch ein wenig mehr „Mut“, wie mit dem Titel „Boots“ hätten die vier Australier durchaus zeigen können, doch überzeugend klingt „Cancel The Future“ allemal. Neun Punkte.
Anspieltipps: Flying, Same As Before, Boots
Aktuelle Tourdaten: Do 26.04. Sage Club | Berlin (DE) Fr 27.04. Zukunft | Chemnitz (DE) Sa 28.04. Freiraum | Übersee (DE) Mo 30.04. Trachtenvogl | München (DE) Di 01.05. Gokul | Zabok (CRO) Mi 02.05. Lost Weekend Munich Session | München (DE) Do 03.05. Werkk | Baden (CH) Fr 04.05. Asta Kneipe | Rosenheim (DE) Sa 05.05. Bart | Timelkam (AT) Mo 07.05. NBL | Leipzig (DE) Di 08.05. Papp | Bremen (DE) Mi 09.05. Frischzelle | Darmstadt (DE) Do 10.05. Spot Festival / Denmark tba (DK) Fr 11.05. Molotow | Hamburg (DE) Sa 12.05. Live Club | Bamberg (DE) Di 15.05. Prinz Willy | Kiel (DE) Mi 16.05. LUX | Hannover (DE) Do 17.05. Haldern Pop Bar | Haldern (DE) Fr 18.05. Franzis | Wetzlar (DE) Sa 19.05. F TRANS Open Air | Sömmerda (DE)
Gazpacho – Firebird Besetzung: Jan H. Ohme – vocals & backing vocals Thomas Andersen – piano, keyboards & programming Jon-Arne Vilbo – acoustics, guitars & programming Robert Risberget Johansen – drums & percussion Gastmusiker: Kristian Olav Torp – bass Steve Rothery – guitars („Do You Know What You Are Saying?“) Mikael Krømer – violins Line Bekkelund – backing vocals („Firebird“) Nina Mortvedt – backing vocals („Symbols“, „Swallow“) Label: KScope Erscheinungsdatum: 2005 Stil: Art Pop, Art Rock Trackliste: 1. Vulture (5:47) 2. Symbols (4:04) 3. Swallow (5:39) 4. Orion I (5:19) 5. Orion II (3:06) 6. Prisoner (4:16) 7. Jezebel (4:18) 8. Black Widow (4:28) 9. Firebird (5:21) 10. Do You Know What You Are Saying? (6:21) 11. Once In A Lifetime (5:21) Gesamtspieldauer: 54:06
„Firebird“ heißt das dritte Studio-Album der norwegischen Band Gazpacho. Dieses erschien im Jahr 2005 nun endlich auch nicht mehr in Eigenproduktion, sondern auf dem Plattenlabel Intact Records. Im Jahr 2016 wurde auch diese Scheibe schließlich auf dem Label KScope wiederveröffentlicht. Inzwischen waren Gazpacho zu einer Art ständiger Vorband ihrer großen Vorbilder Marillion geworden und wohl nicht zuletzt deswegen ist auf „Firebird“ auch Marillion-Gitarrist Steve Rothery beim Lied „Do You Know What You Are Saying?“ an der Gitarre zu hören.
„Firebird“ klingt etwas rockiger als noch die beiden Vorgänger-Alben. Ansonsten hat sich nicht viel geändert an der Musik der Norweger. Die Lieder sind immer noch sehr melancholisch bis nachdenklich gehalten, es ist eine eher traurige Atmosphäre, die hier aus dem Boxen verströmt wird. Dabei klingt die Musik von Gazpacho sehr intensiv und auch packend. Man kann eintauchen in all diese riesigen Wellen dunkler Stimmung, die nur ab und an die Sonne durchlassen. Lediglich die etwas rockigere Grundlage der Lieder sorgt für etwas hellere Momente. Auch die Stimme des Jan Henrik Ohme trägt mit zur Grundausrichtung der Musik auf „Firebird“ bei und ähnelt auf diesem Album sehr der von Matthew Bellamy von Muse.
Höhepunkte gibt es einige auf diesem Album zu hören, auf denen es glücklicherweise keine Ausfälle zu verzeichnen gibt. Jeder Titel klingt und wirkt auch. „Vulture“, „Orion I“, „Black Widow“ sowie „Do You Know What You Are Saying?“ wären da als Höhepunkte besonders zu nennen. Allesamt Lieder, die ins Ohr gehen, mal sanft, mal rockiger, mal sogar etwas sphärischer. Und wenn beim letztgenannten Titel dann auch noch die Violine so wunderschön traurig einsetzt und erklingt, dann heißt es: Augen schließen und sich ganz seiner Sentimentalität hingeben.
Fazit: Das dritte Studio-Album der norwegischen Band Gazpacho mit dem Titel „Firebird“ ist noch ein wenig abwechslungsreicher geworden, als die beiden Vorgänger-Platten. Die etwas dunkle Grundstimmung in der Musik der Norweger bleibt in den Liedern auf „Firebird“ zwar erhalten, doch wird mitunter ein klein wenig mehr das Tempo angezogen. Gazpacho schwelgen jedoch weiterhin in Melancholie und Sentimentalität und alles klingt so traurig. Schön traurig. Elf Punkte.
Anspieltipps: Vulture, Orion I, Black Widow, Do You Know What You Are Saying
Riverside – Anno Domini High Definition Besetzung: Mariusz Duda – vocals, bass, acoustic guitar Piotr Grudziński – guitar Michał Łapaj – keyboards, theremin Piotr Kozieradzki – drums Gastmusiker: Rafał Gańko – trumpet on “Egoist Hedonist“ Karol Gołowacz – saxophone on “Egoist Hedonist“ Adam Kłosiński – trombone on “Egoist Hedonist“ Label: InsideOut Music Erscheinungsdatum: 2009 Stil: Progressive Metal, Art Rock Trackliste: 1. Hyperactive (5:45) 2. Driven To Destruction (7:06) 3. Egoist Hedonist (8:56) 4. Left Out (10:59) 5. Hybrid Times (11:53) Gesamtspieldauer: 44:42
„Anno Domini High Definition“ heißt das vierte Studio-Album der polnischen Rock Band Riverside. Es ist gleichzeitig die erste Platte nach der „Reality Dream“-Trilogy, welche die Alben „Out Of Myself“, „Second Life Syndrome“ sowie „Rapid Eye Movement“ umfasste. Das Album erschien am 15. Juni 2009 auf dem Plattenlabel InsideOut Music. „Anno Domini High Definition“ wurde für die vier Polen ein kommerzieller Erfolg, war es doch das erste und bisher einzige Album, welches in ihrer Heimat bis auf Platz 1 der Charts klettern konnte. Auch ist es die erste Platte von Riverside, die es auch in Deutschland in die Charts schaffte und dort immerhin Platz 94 belegte.
Die Musik der Band hatte sich gewandelt. War es vorher Progressive Rock, der im Zentrum des Schaffens von Riverside stand, so ist es inzwischen sehr viel eher Progressive Metal oder gleich reiner Metal, denn die vier Musiker lassen es auf „Anno Domini High Definition“ ordentlich krachen. War es vorher noch häufig eine Mischung aus härteren und sanfteren Abschnitten, so knallen die Lieder nun deutlich härter aus den Boxen und Luft zum Verschnaufen, in Form von sanfteren und ruhigeren Abschnitten, gibt es auch nicht mehr wirklich. Die Musik von Riveride wurde konsequent in die harte Schiene verschoben, manchmal leider auch auf Kosten der Melodiösität.
Trotzdem gehen die Lieder von Riverside noch ins Ohr, wenn auch zugegebenermaßen nicht mehr unbedingt beim ersten Mal des Hörens. Ein paar mehr Umläufe bedarf es da schon, bis die einzelnen Lieder ihren Platz im Ohr gefunden haben. Aber sie finden ihn. Besonders gelungen sind der Opener „Hyperactive“, der sanft beginnt und dann konsequent durchstartet und bereits einläutet, auf was sich die Hörerin beziehungsweise der Hörer auf „Anno Domini High Definition“ einzustellen haben. Noch etwas gelungener, da abwechslungsreicher, klingen die beiden Longtracks zum Ende der Platte. „Left Out“ und „Hybrid Times“ sind beides sehr abwechslungsreiche Lieder, die in ihrer Härte auch mitreißen können. Ganz sicher nichts für zartbesaitete Musikkonsumenten, doch für Freundinnen und Freunde des härteren Rocks ganz bestimmt eine Bereicherung ihrer Musik.
Fazit: Weniger Progressive Rock, mehr Metal lassen die vier Musiker von Riverside auf „Anno Domini High Definition“ erklingen. Leise und sanfte Passagen gibt es auf dem Album nur noch am Rande, hauptsächlich wird hier konsequent gerockt. Wer das Spiel mit laut und leise auf früheren Alben der Band liebte, könnte mit dieser Platte enttäuscht werden. Dazu dauert es etwas länger, bis die Melodien auch zünden und sich festsetzen. Trotzdem klingt auch „Anno Domini High Definition“ an einigen Stellen packend. Neun Punkte.
Günter Schickert – Überfällig Besetzung: Günter Schickert – Gitarren, Stimme Gastmusiker: Charles M. Heuer – Schlagwerk, Stimme Label: Bureau B Erscheinungsdatum: 1979 Stil: Elektronische Musik Trackliste: 1. Puls (14:55) 2. In der Zeit (4:50) 3. Apricot Brandy II (13:00) 4. Wanderer (8:42) Gesamtspieldauer: 41:29
Günter Schickert war zunächst Roadie und Assistent von Klaus Schulze und kam auf diese Weise zur elektronischen Musik. 1973 gründete er zunächst mit Axel Struck (Gitarre) und Michael Leske (Schlagzeug) das Trio GAM. Schließlich probierte er sich auf Solo-Pfaden aus und veröffentlichte in den 70er Jahren zwei Alben. „Samtvogel“ erschien im Jahr 1975 und vier Jahre später folgte das Album „Überfällig“, zunächst bei Sky Records aufgelegt, dann 2012 beim Plattenlabel Bureau B erneut erschienen.
Hört man die Musik auf „Überfällig“, meint man beim Eröffnungstitel „Puls“ zwangsläufig, jede Menge Synthesizer-Musik zu hören, doch sind es Gitarren, die hier zu hören sind. Viele Gitarrenspuren wurden bei diesem Titel übereinandergelegt, schließlich auch noch etwas verfremdet und durch weitere Geräusche wie den Atem, Wasserplantschen, Kinderstimmen, Meeresrauschen, Wind, und noch vieles mehr angereichert und unterfüttert. Das klingt wahrlich spannend, ist sehr repetitiv und wirkt auf diese Weise fast schon hypnotisierend. Der zweite Titel, „In der Zeit“, startet mit mechanischen Tönen und Klopfgeräuschen. Eine Tür wird aufgesperrt, Vogelgezwitscher erklingt, die Kirchturmglocken läuten und eine ganz sanfte akustische Nummer entwickelt sich. Zu dieser singt eine Frauenstimme sehr zurückhaltend, fast schon unbeholfen, was die zerbrechliche Atmosphäre des Stücks nochmals verstärkt.
„Apricot Brandy II“ bewegt sich dann im sehr psychedelischen Bereich, klingt wie die Vertonung eines Traumes mit reichlich sphärischen Ausflügen. Die Nummer steigert sich immer mehr, Lautstärke, Intensität und Tempo ziehen an und auch die durch den Raum fliegenden Wortfetzen werden greller. Das letzte Lied des Albums, „Wanderer“, ist schließlich eine sanfte und sehr rhythmische Nummer, die eine überaus relaxte Atmosphäre verströmt. Das Lied endet schließlich wieder mit Atemgeräuschen und Wasserplantschen, der Ringschluss zum Beginn des Albums ist vollzogen. Auch mit diesen beiden letzten Nummern kann Günter Schickert und seine Musik punkten und überzeugen.
Fazit: Ein dichtes und intensives Album ist die zweite Veröffentlichung von Günter Schickert mit dem Namen „Überfällig“ geworden. Spannende elektronische Musik, angefüllt mit vielen klasse umgesetzten Ideen. Wer Krautrock und elektronische Musik mag, die oder der dürfte mit der Scheibe nichts falsch machen. „Überfällig“ klingt melodiös und ist trotzdem irgendwie experimentell. Musik aus einer Zeit, als man als Musiker noch völlig neue Sachen ausprobieren konnte. Zwölf Punkte.